Beziehungsstatus - Giulia Pope - E-Book

Beziehungsstatus E-Book

Giulia Pope

0,0

Beschreibung

Nach einem turbulentem Jahr, in einer Achterbahn der Gefühle, möchte Sunny dem neuen Jahr ganz im Zeichen von Entspannung, Selfcare und Selbstfindung begegnen. Leider hat sie ihre Pläne ohne das Universum gemacht, dies hat sich nämlich was ganz anderes für die junge Frau ausgedacht. Somit begibt sie sich mit ihren zwei Freundinnen auf eine unvergessliche Reise. Und erfährt in einer Zeit voller Freude, Tränen und Erotik, das das Leben so viel mehr für einen bereit hält, wenn man nur mutig ist danach zu fragen.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2026

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Rechtlicher Hinweis:

Personen und Handlungen in dieser Geschichte sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten oder Ereignissen sind zufällig und unbeabsichtigt. Markennamen, die genannt werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer. Es werden teilweise detaillierte sexuelle Handlungen beschrieben. Dieser Roman wurde unter Berücksichtigung der neuen deutschen Rechtschreibung geschrieben.

Vorwort

Dies ist ein Roman für Menschen, die mitten im Leben stehen und trotzdem das Gefühl haben, irgendwo falsch abgebogen zu sein.

Für alle, die sich neu entdecken wollen, ohne genau zu wissen, wo sie anfangen sollen.

Für jene, die an die Liebe glauben, auch wenn sie manchmal unvorstellbar scheint.

Es geht um Mut, um Umwege und darum, sich selbst wiederzufinden.

Und vielleicht zeigt dir diese Geschichte, dass die Antworten oft genau dort beginnen, wo du endlich anfängst, deiner eigenen Stimme zu vertrauen.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 1

Eine kalte, feuchte Hundenase begrüßte mich im neuen Jahr – euphorisch schwanzwedelnd und voller Tatendrang, oder, in Mileys Fall, schlichtweg voller Blasendrang. So viel Esprit konnte ich am frühen Morgen noch nicht aufbringen. Ich sah mich um und bemerkte, dass Ben noch schlafend neben mir im Bett lag.

Wir Erwachsenen hatten bis in die frühen Morgenstunden eine feucht-fröhliche Silvesterparty gefeiert. Die Kinder waren irgendwann völlig erschöpft ins Bett gefallen. So sah Ben auch aus. Er hatte noch Überreste der Konfettikanone in den Haaren und augenscheinlich nicht wie sonst sein abendliches Pflegeprogramm durchgezogen. Der Ketchup von seinem Burger war noch gut sichtbar auf seinem kleinen Gesicht, und zum Umziehen war mein kleiner Mann offenbar auch nicht mehr in der Lage gewesen.

Auch wenn es komisch klingt, genau diesen Anblick hatte ich zu Beginn des neuen Jahres gebraucht. In solchen Momenten überkommt mich ein großes Gefühl von Glück, tiefer Liebe und Zuneigung für meinen Sohn. Auch wenn es mir schwerfiel aufzustehen, warf ich meine Beine mit einem Ruck aus dem Bett und setzte mich aufrecht hin. Miley begrüßte meine Entscheidung mit schrillem Bellen. Etwas wackelig auf den Beinen stand ich im Schlafzimmer, zog mir meinen pinken Morgenmantel über und band meine Haare hastig zusammen, da sie wild in alle Richtungen abstanden. Nett, wie ich bin, ließ ich Ben noch ein wenig schlafen.

Bemüht, keinen Lärm zu machen, schlich ich leise nach unten. Einige Partygäste hatten es nicht mehr nach Hause geschafft und Asyl im Gästezimmer oder auf der Couch gefunden. Alle schliefen noch, während ich begann, die Überreste der Nacht zu beseitigen. Hier und da standen noch Bierflaschen und Sektgläser herum. In diesem Moment war ich heilfroh, dass ich das Catering samt Aufräumservice gebucht hatte – eine GoldwertInvestition, besonders nach dem, was ich gestern getrunken hatte.

Es war wirklich ein grandioses Fest, ein gelungener Abschluss für ein turbulentes Jahr – mein Jahr. Ich hatte viel erlebt. Ich hatte mich von meinem Ehemann getrennt, neue Menschen kennengelernt und mich mit Mitte dreißig noch einmal mutig ins Dating-Leben gestürzt.

Den passenden Partner habe ich nicht gefunden. Aber dafür viele Erfahrungen gesammelt, schmerzhafte wie wundervolle. Und alle waren sie auf ihre Art gut und richtig für mich. Zum ersten Mal hatte ich eine Ahnung davon, wer ich wirklich bin, was ich will und vor allem: was ich nicht mehr will.

Bei diesem Gedanken wanderte mein Blick zu meinem Handy. Hatte ich wirklich geträumt, dass Will sich gestern bei mir gemeldet hat? Was Einbildung angeht, bin ich leider Expertin, eine schmerzhafte Erkenntnis aus dem letzten Jahr. Mein Handy lag, wie so oft, im Obstkorb. Dort schien es mich magisch anzuziehen.

Was, wenn ich mir die Nachricht nicht eingebildet hatte? Was dann?

Mit einem flauen Gefühl im Bauch ging ich in die Küche, stellte die Kaffeemaschine an und setzte mich an die Kücheninsel. Ich nahm mein Handy, wollte es einschalten – Akku leer.

Na super. Das Universum wollte offenbar, dass ich mich noch etwas gedulde. Ich suchte in jeder Küchenschublade nach dem passenden Ladekabel. Ich fand viele, aber wie das so ist: kein einziges passte. Ironischerweise wusste ich genau, was ich suchte, fand es und es passte trotzdem nicht.

So war es auch mit Will. Ich hatte ihn kurz nach meiner Trennung von Tom kennengelernt. Es war nie meine Absicht, wieder jemanden kennenzulernen, aber Saidi und Clara hatten ein Speeddating für mich organisiert und plötzlich war da dieser Mann.

Zwischen uns war sofort eine tiefe, innige Verbindung da, dachte ich zumindest. Leider stellte sich heraus: Ich hatte mich geirrt. Und so stürzte ich vom Trennungsschmerz mit Tom direkt in den Liebeskummer mit Will. Aus dieser Geschichte bin ich nur mit Mühe und Herzschrammen herausgekommen. Verrückt, wenn man bedenkt, dass ich ihn eigentlich gar nicht richtig kannte. Und selbst Wochen nach unserem letzten Treffen arbeite ich noch daran, ihn zu vergessen.

Und jetzt – schreibt er etwa wieder?

Okay, noch wusste ich es nicht sicher. Vielleicht war es einfach der Alkohol gewesen, der mir vorgaukeln wollte, was mein Unterbewusstsein sich heimlich wünscht.

Aber ich bin jemand, der Gewissheit braucht. Auch wenn sie weh tut. Ich bin nicht der Typ, der gern in der Schwebe hängt. Viel zu oft habe ich gehofft, gebangt, gezweifelt, Jahre damit verbracht, mich zu fragen, ob ich die Einzige für meinen Ehemann war. Nie wieder.

Dieses Jahr mache ich meinen Vorsatz wahr: Ich will glücklich sein.

Glücklich mit mir. Mit Ben, meinem Sohn. Und mit den Menschen, die ich liebe: Saidi, Clara, meine Eltern.

Und wer weiß, vielleicht hält das neue Jahr ja noch etwas für mich bereit? Ich war gespannt. Es konnte nur besser werden.

Mit diesem Gedanken suchte ich weiter und wurde schließlich in Bens Zimmer fündig. Ich schloss mein Handy an und beobachtete, während ich meinen Kaffee trank, wie der Akku langsam Leben annahm. Bei 4 % wagte ich den Versuch: Einschalten.

Halleluja – es ging an. Alle Apps luden, dann kam die Nachricht. Absender: Unbekannt. Nur eine Nummer, kein gespeicherter Kontakt. Aber ich wusste, wessen Nummer das war. Ich hatte sie oft genug gewählt, viel zu oft. Sie hatte sich eingebrannt in mein Gehirn.

Ich atmete tief durch und öffnete die Nachricht:

„Hey, na….“

Typisch Will. Diese zwei Worte. Zwei Worte, die mich eine Zeit lang euphorisch gemacht und mir Schmetterlinge in den Bauch gezaubert hatten. Worte, auf die ich so oft vergeblich gewartet hatte. Und jetzt … wusste ich nicht, ob ich mich freuen oder wütend sein sollte.

Ich schaltete mein Handy aus. Vielleicht würde die Energie dieser Nachricht dann auch verschwinden.

Ein leises Stöhnen aus dem Wohnzimmer riss mich aus meinen Gedanken. Offenbar wurde auch einer meiner Gäste langsam wach. Ich kochte eine große Kanne Kaffee, warf Brötchen in den Ofen, stellte den Herd an und machte eine riesige Portion Rührei.

Ein echtes Hangover-Frühstück für meine Gäste. Und auch ein bisschen für mein Herz.

,,Manchmal müssen wir uns selbst finden, bevor wir wissen, was wir wirklich brauchen.“ N. n.

Kapitel 2

„Hast du schon gehört, dass Tom wieder in einer Beziehung ist?“

Claras Stimme klang beiläufig, fast so, als hätte sie mir gerade erzählt, dass es morgen regnen soll. Aber ich kannte sie zu gut, um darauf hereinzufallen. Diese Frau konnte beiläufige Informationen mit chirurgischer Präzision platzieren und das war einer dieser Momente.

Ich rollte mit den Augen, obwohl sie das natürlich nicht sehen konnte. Wir telefonierten gerade, ich stand in meiner Küche, umgeben von halb ausgeräumtem Geschirr, welches wie ich leider feststellen musste noch total dreckig war. Einer kaputten Spülmaschinentaste war dies anscheinend geschuldet und einem Hauch von Erschöpfung, der sich wie eine zweite Haut auf meinen Tag gelegt hatte.

„Ehrlich gesagt interessiert mich das nicht mehr“, sagte ich, während ich versuchte, eine klebrige Müslischüssel in den untersten Einschub zu balancieren, ohne mir den Rücken zu verrenken.

„Sunny. Komm schon. Lüg mich nicht an.“

„Ich lüge nicht! Ich…“ Ich hielt kurz inne. „Ich bemühe mich wirklich, mich nicht mehr dafür zu interessieren.“

„Das ist nicht ganz dasselbe“, erwiderte Clara trocken. Ich schnaubte. „Sollen sie doch glücklich werden, diese beiden. Ich wünsche ihnen ein Haus mit offener Küche, Doppeldusche, einem Bio-Kind aus der Zukunft und einem gemeinsamen YouTube-Kanal.“

„Apropos Zukunft: Sie ist fünfzehn Jahre jünger als er.“

Ich erstarrte. Natürlich ist sie das. Natürlich ist sie jung.

Glatt. Unverbrauchte Träume. Keine Falten, die Geschichten erzählen. Kein Kaiserschnitt. Kein durchgeweintes Jahr.

„Ach, Klassiker“, murmelte ich, während ich die Spülmaschinentür zuknallte. „Midlife-Crisis auf dem Silbertablett serviert.“

„Blond, Influencerin, teure Handtasche, teurer Hund.

So das Gesamtpaket. Und ja, sie postet viel. Von ihren Urlauben und den großartigen Unternehmungen.

,,Irgendwas von Ben?“, fragte ich sichtlich neugierig.

,,Noch keine Fotos mit Ben drauf ,aber wer weiß, wie lange noch“, sagte sie mit einem zynischen Unterton.

Das traf mich. Direkt in der Magengrube. Nicht, weil ich eifersüchtig war – jedenfalls nicht nur. Sondern weil mein Sohn möglicherweise Teil eines Lebens wurde, das nicht mehr meines war.

„Er darf das gar nicht ohne meine Zustimmung“, murmelte ich.

„Rein rechtlich – nein. Moralisch? Na ja.“

Ich stützte mich auf die Küchenarbeitsplatte. Mein Blick fiel auf das zerknitterte Magnetbild von Ben und mir, das seit Monaten an der Kühlschranktür klebte. Wir beide lachend, sein Gesicht voller Eis, meins voller Liebe. Ich hatte dieses Bild gemacht, als ich glaubte, alles hinzukriegen.

„Und du so?“ fragte Clara schließlich, als wüsste sie, dass sie mir gerade genug zugemutet hatte.

„Ich bin auch wieder in einer Beziehung.“

„Aha?“

„Mit mir selbst. Wir sind auf dem Weg zur Co-Abhängigkeit, aber immerhin ehrlich zueinander.“

Sie lachte. Dieses warme, grollende Lachen, das mir immer das Gefühl gab, nicht ganz allein zu sein.

„Wie läuft's so?“

„Wir streiten selten. Reden zu viel. Essen zu viel. Schlafen manchmal auf der Couch ein, mit Schokolade im Gesicht und Netflix auf Endlosschleife. Also: stabil.“

„Klingt fast romantisch.“

Ich grinste. „Wenn ich mir nur nicht ständig selbst auf die Nerven gehen würde.“

„Du brauchst frische Reize.“

Ich wusste, worauf sie hinauswollte. Und bevor sie es aussprach, sagte ich es selbst:

„Er hat sich nicht mehr gemeldet.“

„Aber du hast aufs Handy gestarrt, als könnte es Gedanken lesen.“

„Ich hab’s sogar ausgeschaltet. Damit ich nicht jedes Mal diesen kleinen Hoffnungsschlag im Bauch spüre, wenn es vibriert. “Sunny…“

„Ich weiß. Es ist idiotisch.“

„Nein. Es ist menschlich.“

Ich schwieg. Eine Weile. Dann sagte ich leise: „Ich weiß nicht mal, ob ich will, dass er sich meldet. Ich wüsste nicht, was ich sagen soll.“

„Vielleicht einfach genau das.“

Ich biss mir auf die Lippe. Irgendwo draußen schrie ein Kind vor Freude. Ich trat ans Fenster. Auf dem Spielplatz hinter dem Haus liefen Kinder in dicken Winterjacken durch das matschige Gras. Einer von ihnen war Ben, unverkennbar mit seiner blauen Mütze, auf der gelbe Sterne tanzten. Saidi hatte ihn heute abgeholt. Ich hatte behauptet, arbeiten zu müssen. In Wahrheit wollte ich nur atmen.

„Weißt du, was ich wirklich will?“ fragte ich.

„Hm?“

„Dass es aufhört, weh zu tun.“

„Das wird es. Irgendwann.“

„Wann ist irgendwann?“

„Wenn du aufhörst, darauf zu warten, dass es besser wird. Und einfach weiterlebst.“

Ich schloss die Augen. Atmete tief ein. Und zum ersten Mal seit Tagen glaubte ich ihr fast.

„Du bist nicht das, was du tust, sondern das, was du zu tun bereit bist.“ N. n.

Kapitel 3

In den letzten Tagen hatte ich beim Aufräumen des Hauses erstaunlich viel geschafft. Zumindest mehr, als ich mir selbst zugetraut hätte. Ben war davon allerdings nicht ganz so begeistert. Er hatte ziemlich empört reagiert, weil ich Dinge aussortiert hatte, die er angeblich dringend brauchte, unter anderem seine kopflose Superman Figur ohne Hose und ohne Cape. Laut ihm war sie das Wertvollste, was er besaß. Natürlich. Was auch sonst.

Auch ich hatte mich von einigen Altlasten getrennt, von Dingen, die ich weder vermisst noch bewusst besessen hatte. Zum Beispiel mein Hochzeitskleid inklusive Schleier. Und den Schuhen. Sorgfältig in einem riesigen Karton auf dem Dachboden verstaut, als würde ich auf einen besonderen Anlass warten, der nie kommen würde. Wofür eigentlich? Ben würde es wohl kaum tragen, und dass seine zukünftige Frau, sollte er mal heiraten, mein Kleid anziehen würde, war ungefähr so wahrscheinlich wie Schnee im August. Also packte ich das ganze Ensemble zusammen und brachte es zum Altkleidercontainer.

Ich blieb einen Moment davor stehen. Es fühlte sich an, als hätte jemand eine tonnenschwere Last von meinen Schultern genommen. So einfach kann es sein, dachte ich. Erinnerungen, die einmal bedeutungsvoll waren, landen in einem Container und machen Platz für Neues. Natürlich bleibt ein Schimmer davon zurück, ein verschwommener Abdruck im Gedächtnis. Aber auch der verblasst mit der Zeit.

Nach meiner kleinen Entsorgungs-Therapie fuhr ich zu meinem Treffen mit Saidi und Clara. Clara hatte es einberufen, sie sprach von einer „freundschaftlichen Krisenintervention“. Ich vermutete, es würde Wein geben.

Ich nahm einen kleinen Umweg, weil ich das Autofahren momentan richtig genoss. Meine Tante hatte mir ihren alten Mustang vermacht, nachdem sie ihren Führerschein abgeben musste. Ein himmelblaues Cabrio, das den Frühling herbeisehnte, damit es endlich mit offenem Verdeck durchstarten konnte. Ich hatte sogar ein neues Radio einbauen lassen. Das alte konnte weder Bluetooth noch USB, was in meiner Welt ungefähr gleichbedeutend mit Taubheit war.

Ich schaltete meine Musik laut und hörte nur halb hin, wie der Radiomoderator von einer „einmaligen Chance“ und einem „fantastischen Gewinn“ sprach. Erst als er das Wort Paris sagte, schaltete mein Gehirn in den Aufnahme-Modus. Eine Woche Paris. Für zwei Personen. Fünf-Sterne-Hotel. Taschengeld.

„Oh mein Gott“, murmelte ich. Das wär’s. Ich war das letzte Mal zu Studienzeiten in Frankreich gewesen – eine gefühlte Ewigkeit her.

Die Quizfrage war simpel: Wie heißt die berühmteste Kirche Frankreichs?

Ich brüllte förmlich: „Notre Dame!“

Der Moderator forderte die Hörer:innen auf, anzurufen. Ich wählte die Nummer, die er für meinen Geschmack viel zu schnell durchsagte, aber irgendwie kam ich durch. Zuerst wurde eine Frau aus Savannah gezogen – allerdings hatte sie keine Ahnung. Dann klingelte plötzlich mein Handy.

Ich dachte erst, es sei Saidi, die sich nach meinem Aufenthaltsort erkundigen wollte. Aber es war eine unbekannte Nummer. Zögerlich nahm ich ab:

„Hallo, mit wem spreche ich?“

Im nächsten Moment hörte ich meine eigene Stimme aus dem Autoradio. Ich war live. Im Radio. Oh mein Gott!

Ich stotterte mich durch die ersten Fragen, als wäre ich gerade erst eingeschult worden. Doch dann – bei der alles entscheidenden Frage – sammelte ich mich, atmete tief durch und sagte mit fester Stimme: „Notre Dame.“

Jubelmusik ertönte. Der Moderator gratulierte mir euphorisch. Ich… hatte tatsächlich gewonnen.

Der Rest lief wie in Trance ab. Ich beantwortete Fragen, ließ meine Daten aufnehmen, bedankte mich etwa fünfzehnmal und fuhr dann völlig überwältigt an den Straßenrand. Ich schrie. Ich tanzte im Sitzen. Ich weinte.

Vor Freude. Vor Erleichterung. Zum ersten Mal seit Monaten fühlte ich mich wieder beschenkt vom Leben.

Ich hatte gewonnen. Nicht nur die Reise, sondern auch ein Stück Hoffnung.

Mit einer halben Stunde Verspätung kam ich bei Saidi an. Ich parkte meinen Mustang vor ihrem Haus, sprang förmlich aus dem Auto und hüpfte zur Haustür. Als sie öffnete, fiel ich ihr um den Hals und kreischte los.

Clara, die mein Gekreische hörte, kam verwirrt zur Tür. Sie blickte zwischen uns hin und her, als hätte sie ein UFO im Vorgarten entdeckt.

Endlich löste ich mich von Saidi, atmete tief durch und begrüßte auch Clara mit einer stürmischen Umarmung und einem halben Dutzend Küsschen.

Wir setzten uns in Saidis gemütliche Wohnküche. Es sprudelte nur so aus mir heraus:

„Gewinnspiel! Ich habe gewonnen! Könnt ihr das glauben? Ich habe wirklich GEWONNEN!“