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Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! »Pünktlich auf die Minute«, sagte der schlanke Mann am Steuer des Buick und deutete lässig auf die zweimotorige Reisemaschine, die gerade zur Landung ansetzte. »Klar«, erwiderte sein kompakter Beifahrer und warf die gerade angerauchte Zigarette durch das geöffnete Wagenfenster, »die werden sich hüten, 'nen Umweg zu machen …!« Sie beobachteten die Turbo-Beechcraft-Baron, die auf der Betonpiste ausrollte. Auf dem Rumpf der Maschine war in großen Lettern zu lesen, daß dieses Privatflugzeug einer gewissen »Resthouse-Company« gehörte. »Dann wollen wir mal wieder«, meinte der schlanke Mann am Steuer des Buick und trat die Kupplung, um den ersten Gang einzulegen. Doch genau in diesem Augenblick erschien vor dem Kühler des Buick ein wahres Monstrum von einem Wagen. Es handelte sich um ein Vehikel, das eigentlich in ein Museum gehört hätte. Über soliden Lastwagenreifen und eckigen Kotflügeln erhob sich ein Aufbau, der jeden Strömungstechniker zum lauten Weinen veranlaßt hätte. Sah man genauer hin, konnte man dieses Monstrum als ehemaliges Londoner Taxi identifizieren. »Sieh dir das an …!« sagte der Fahrer des Buick grinsend, »der Karren stammt noch aus der Steinzeit …!« »Der Fahrer ganz sicher sogar …!« pflichtete der Beifahrer ihm bei und grinste ebenfalls, »so was könnte aus dem letzten Hitchcock-Film stammen!« Die beiden Männer im Buick hatten keineswegs übertrieben. Sie musterten den Mann, der gerade aus dem hochbeinigen Monstrum stieg. Dieser Mann bewegte sich mit der selbstverständlichen Würde eines Aristokraten.
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Seitenzahl: 133
Veröffentlichungsjahr: 2023
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»Pünktlich auf die Minute«, sagte der schlanke Mann am Steuer des Buick und deutete lässig auf die zweimotorige Reisemaschine, die gerade zur Landung ansetzte.
»Klar«, erwiderte sein kompakter Beifahrer und warf die gerade angerauchte Zigarette durch das geöffnete Wagenfenster, »die werden sich hüten, ’nen Umweg zu machen …!«
Sie beobachteten die Turbo-Beechcraft-Baron, die auf der Betonpiste ausrollte. Auf dem Rumpf der Maschine war in großen Lettern zu lesen, daß dieses Privatflugzeug einer gewissen »Resthouse-Company« gehörte.
»Dann wollen wir mal wieder«, meinte der schlanke Mann am Steuer des Buick und trat die Kupplung, um den ersten Gang einzulegen. Doch genau in diesem Augenblick erschien vor dem Kühler des Buick ein wahres Monstrum von einem Wagen. Es handelte sich um ein Vehikel, das eigentlich in ein Museum gehört hätte. Über soliden Lastwagenreifen und eckigen Kotflügeln erhob sich ein Aufbau, der jeden Strömungstechniker zum lauten Weinen veranlaßt hätte. Sah man genauer hin, konnte man dieses Monstrum als ehemaliges Londoner Taxi identifizieren.
»Sieh dir das an …!« sagte der Fahrer des Buick grinsend, »der Karren stammt noch aus der Steinzeit …!«
»Der Fahrer ganz sicher sogar …!« pflichtete der Beifahrer ihm bei und grinste ebenfalls, »so was könnte aus dem letzten Hitchcock-Film stammen!«
Die beiden Männer im Buick hatten keineswegs übertrieben. Sie musterten den Mann, der gerade aus dem hochbeinigen Monstrum stieg. Dieser Mann bewegte sich mit der selbstverständlichen Würde eines Aristokraten. Er trug einen rabenschwarzen Zweireiher, eine schwarze Melone und legte sich gerade den Bambusgriff eines altväterlich gebundenen Regenschirms über den linken Unterarm. Dieser Mann mit dem undurchschaubaren Gesicht des berufsmäßigen Pokerspielers war altersmäßig nur sehr schwer einzustufen. Er konnte fünfundvierzig Jahre, aber auch gut und gern zehn Jahre älter sein. Er hielt sich steif, als habe er einen Ladestock verschluckt. Mit den gravitätischen Schritten eines Storches hielt er auf den Buick zu und lüftete seine Melone, als er in der Höhe des Fahrers stand.
»Bin ich recht in der Annahme, meine Herren, daß Sie von der Firma Snyder sind?« fragte er dann mit baritonal gefärbter Stimme.
»Nee …«, antwortete der Fahrer, »da sind Sie auf dem Holzweg …!«
»Dann bitte ich, mein Versehen entschuldigen zu wollen«, antwortete der würdevoll aussehende Mann und lüftete erneut seine schwarze Melone, »würden Sie mir dennoch eine kleine Freundlichkeit erweisen?«
»Wenn’s schnell geht …!« sagte der Fahrer, deutete gleichzeitig auf die zweimotorige Maschine, die am Ende der Rollbahn gerade wendete. »Wir sind nämlich im Dienst …!«
»Ich benötige nur ein wenig Feuer für meine Zigarre«, sagte der Würdevolle, »seien Sie schon im voraus meines tiefsten Danks versichert.«
Der Mann aus dem Hitchcock-Film griff in seine Brusttasche, holte ein abgewetzt aussehendes Zigarren-Etui hervor und ließ es aufspringen. Er wählte mit Sorgfalt eine Zigarre aus, präparierte sie und beugte sich dann steif an das geöffnete Wagenfenster heran.
Der Fahrer des Buick reichte dem Mann amüsiert Feuer. Weder er noch sein Begleiter merkten in diesem Moment, daß der Würdevolle sehr geschickt eine zweite Zigarre bereithielt, die er jetzt in den Fond des Wagens gleiten ließ.
»Meinen allerherzlichsten Dank«, sagte der Würdevolle dann, richtete sich auf, deutete eine knappe Verbeugung an und ging zurück zu dem hochbeinigen Monstrum.
»Komische Type, was?« meinte der Begleiter zum Fahrer des Buick, »ich hab’ immer gedacht, daß es so was nur im Film gibt!«
»Verdammt komische Type«, murmelte der Fahrer und gähnte. »Wer mag das gewesen sein?«
»Keine Ahnung«, entgegnete der Beifahrer und gähnte ebenfalls, »is’ ja auch gleichgültig, oder?«
»Klar«, sagte der Fahrer, räkelte sich auf dem Sitz zurecht und schloß zufrieden die Augen.
»Klar«, murmelte nun auch der Beifahrer und schloß ebenfalls die Augen.
Er räkelte sich derart bequem zurecht, daß er von seinem Sitz wegrutschte und auf dem Boden landete. Hier rollte er sich zusammen und schnarchte drauflos.
»Los, Junge, wir müssen«, murmelte der Fahrer, der kurz hochgeschreckt war. Mehr brachte er allerdings nicht mehr hervor. Denn er schlief ebenfalls tief und fest ein, was wohl mit der Zigarre zusammenhing, die im Fond des Wagens lag und einen gewissen Wirkstoff versprühte, den man weder sehen noch riechen konnte.
Der würdevoll aussehende Mann, der nach wie vor wie ein Aristokrat aussah, saß inzwischen wieder in seinem hochbeinigen Monstrum und näherte sich der Reisemaschine, die die Rollbahn verlassen hatte und nun auf den Tower zuhielt.
*
»Was ist denn das für ’n komischer Schlitten?« fragte der Chefpilot, sich an seinen Co-Piloten wendend. Er deutete auf ein hochbeiniges Monstrum, an dessen Wagendach eine Sanitätsflagge flatterte. Dieser so ungewöhnlich aussehende Wagen rollte auf die Maschine zu, die inzwischen abgebremst hatte und nun hielt.
»Noch nie hier gesehen«, stellte der Co-Pilot kopfschüttelnd fest, »der Karren scheint noch aus der Nullserie von Ford zu stammen. Hat aber komischerweise ’ne Quarantäneflagge anmontiert!«
Die beiden Piloten verließen ihre Sitze im Cockpit der Maschine und begaben sich in den Rumpf der Maschine. Hier sah ihnen bereits ein untersetzter, stämmiger Zivilist entgegen, der sich offensichtlich in einen mittelgroßen Lederkoffer verliebt zu haben schien. Er schien sich nie wieder von ihm trennen zu wollen. Darauf deutete immerhin eine Stahlkette hin, die vom Koffergriff bis hin zu seinem Handgelenk reichte. Diese solide, feingliedrige Stahlkette endete in einer Handschelle, die sich um das Gelenk dieses Mannes schloß.
»Ist was?« fragte der Kofferträger.
»Mal sehen«, gab der Pilot zurück, »Quarantäne oder so was …! Werden wir gleich ganz genau wissen!«
Er öffnete die Tür der Maschine und ließ die kleine Schiebetreppe zum Boden hinunter. Fast synchron dazu rollte das hochbeinige Monstrum heran. Die Wagentür öffnete sich, ein ungemein würdevoll aussehender Mann stieg aus und lüftete höflich seine schwarze Melone.
»Was ist denn hier bei euch los?« rief der Pilot, während er arglos nach unten stieg. Hinter ihm auf der kleinen Treppe erschienen der Co-Pilot und der Kofferträger.
»Parker mein Name, Josuah Parker«, stellte sich der würdevolle Autofahrer vor, »ich habe die Ehre, das Amt für nationale Gesundung zu vertreten.«
»Na und …?« sagte der Pilot und grinste amüsiert.
»Ich fürchte«, redete der Vertreter des Amtes für nationale Gesundung weiter, »ich fürchte, Sie werden sich einer kleinen, völlig harmlosen Prozedur unterziehen müssen.«
Der Kofferträger, schon rein äußerlich ein mißtrauischer Mensch, griff sicherheitshalber nach seiner 38er, die in einem Schulterhalfter stak. Er entsicherte sie und wartete erst einmal ab.
»Prozedur?« fragte der Pilot zurück, »was ist denn los? Nun rücken Sie schon mit der Sprache ’raus, Mann …!«
»Ein Pockenfall«, erklärte der Mann, der sich als Josuah Parker vorgestellt hatte, »das Amt für nationale Gesundung verteilt deshalb Tabletten, die aus Gründen der allgemeinen Sicherheit möglichst umgehend und noch vor dem Betreten des Bodens eingenommen werden sollten.«
»Pocken?« Der Co-Pilot sah sich nach dem Kofferträger um, der den Griff seines 38ers losließ.
»Oder eine artverwandte Krankheit, die jedoch epidemisch wirken könnte«, erläuterte der Amtsvertreter, »wenn Sie sich also bitte bedienen wollen!«
Er präsentierte eine Pillendose, in der einige Tabletten zu erkennen waren.
»Bekomme ich die auch ohne Wasser ’runter?« erkundigte sich der Pilot.
»Wahrscheinlich«, erwiderte der Gesundheitsapostel, »sie zerfällt mit Sicherheit sofort im Mund!«
»Also los dann!« Der Pilot steckte sich eine der Tabletten in den Mund und stellte bei dieser Gelegenheit fest, daß sie noch nicht einmal schlecht schmeckte.
Der Co-Pilot folgte seinem Beispiel und bediente sich ebenfalls. Doch der mißtrauische Kofferträger zögerte noch ein wenig. Er sah zu dem Buick hinüber, der aus verständlichen Gründen noch immer an seinem alten Platz stand.
»Die beiden Herren im Wagen haben sich ebenfalls schon bedient«, erklärte der Gesundheitsvertreter, »wie gesagt, nur eine reine Sicherheitsmaßnahme!«
Der Kofferträger faßte mit der linken Hand zu und versorgte sich nun auch mit einer Tablette. Dann beeilte er sich, den beiden Piloten zu folgen, die die Treppe bereits hinter sich gebracht hatten.
Plötzlich erfaßte ihn ein kleiner Schwindelanfall. Er taumelte, hatte plötzlich kein Gefühl mehr in den Beinen und rutschte dann über die beiden letzten Stufen hinunter auf den angestaubten Rasen. Dort landete er genau neben den beiden Piloten, die schon vor ihm gestolpert waren und sich gerade anschickten, eine Reise in das Land der tiefen Träume zu unternehmen.
Josuah Parker, wie der Gesundheitsvertreter sich nannte, schaute wohlgefällig auf die drei Männer hinunter, die es sich zu seinen Füßen bequem gemacht hatten. Dann griff er in die linke Tasche seines schwarzen Zweireihers und holte eine kleine Drahtschere hervor, mit deren Hilfe er die solide Stahlkette durchzwickte. Er trug den Koffer hinüber zu dem parkenden, hochbeinigen Monstrum, setzte sich ans Steuer und fuhr los, ohne sich weiter um die gesamte Szenerie zu kümmern. Schon nach knapp einer Minute war der seltsam anmutende Wagen hinter dem Tower verschwunden und kurvte auf die breite Zufahrtsstraße ein.
*
»Wie war der Vormittag?« erkundigte sich Anwalt Mike Rander, nachdem er den komfortabel eingerichteten Strandbungalow hart am Wasser betreten hatte. Mike Rander, mittelgroß, schlank, einem gut durchtrainierten Mittelgewicht ähnlich, allerdings mit einem untadeligen Gesicht, ließ sich in einen Sessel fallen und nickte seinem Butler zu, der wie durch Zauberei erschien und auf einem Silbertablett die obligaten Drinks servierte.
Mike Rander trug im Gegensatz zu seinem völlig korrekt gekleideten Butler kurze Badeshorts und ein ärmelloses Frotteehemd. Er sah aus wie ein großer, übermütiger Junge.
»Ich bedanke mich für die freundliche Nachfrage, Sir«, gab der Butler zurück, »ich war so frei, mir den kleinen Privatflugplatz westlich von Vero Beach anzusehen.«
»Hat’s sich gelohnt?« fragte Mike Rander weiter und griff nach dem Glas, um daraus einen herzhaften Schluck zu nehmen, »ausgezeichnet, Parker, ausgezeichnet. Im Mixen sind Sie ein As!«
»Ich bin fast sicher, Sir, da dieser kleine Abstecher sich gelohnt hat«, erklärte der Butler, »ich hatte das Glück, einen an sich fast herrenlosen Koffer zu finden.«
»Sie haben einen Koffer gefunden?« wunderte Mike Rander sich, richtete sich in seinem Sessel auf.
»In der Tat«, redete der Butler gemessen und umständlich weiter, »er befand sich in der Nähe einiger Männer, die offensichtlich schliefen. Ich hielt es in Anbetracht der Situation für durchaus richtig, diesen Koffer erst einmal zu bergen!«
»Nun reden Sie nicht herum, Parker«, gab Mike Rander streng zurück, »sagen Sie schon, wem dieser Koffer gehört und wieso die bewußten Männer schliefen. Da stimmt doch was nicht!«
»Der Koffer stammt wohl offensichtlich aus einer zweimotorigen Reisemaschine vom Typ Turbo-Beechcraft-Baron, die der Resthouse-Company gehört, Sir!«
»Resthouse-Company?« Mike Rander sprang auf und stellte sein Glas weg, »komischer Zufall, wie? Ich will die ganze Geschichte hören, Parker, die ganze Geschichte! Und fassen Sie sich kurz!«
»Nach meinen privaten Informationen, Sir, unterhält die Resthouse-Company auf den benachbarten Bahamas ein Spielkasino, in dem immense Geldbeträge den Besitzer wechseln.«
»Na klar, deswegen sind wir ja hier in Florida«, sagte Mike Rander ungeduldig, »Und was weiter?«
»Die privaten Informationen besagten weiter, daß einmal pro Woche die Gewinne dieser Spielbank in die Staaten transferiert werden. Die Gelder werden in einem Safe-Koffer hierher nach Vero Beach gebracht und zwei Kurieren ausgehändigt, die die Barmittel in der Bank einzahlen.«
»Auch das ist uns ja längst bekannt, Parker! Moment mal … soll das heißen, daß Sie solch einen Geldkoffer abgefangen haben?«
Während Mike Rander redete, wurde seine Stimme schließlich fast schrill. Dazu sah er seinen Butler irgendwie entsetzt an.
»Abgefangen, Sir? Nun, vielleicht sollte man es tatsächlich so umschreiben …«
»Sind Sie denn wahnsinnig, Parker?« Mike Rander schnappte förmlich nach Luft und wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. »Das ist doch mit einem Fußtritt gegen das Schienbein des Syndikats zu vergleichen. Das lassen die Gangsterbosse sich bestimmt nicht gefallen. Der Griff in ein Wespennest ist direkt harmlos dagegen!«
»Falls ich mich in der Wähl meiner Mittel vergriffen haben sollte, Sir, bitte ich das entschuldigen zu wollen. Ich möchte aber jetzt und hier versichern, daß den bewußtlosen Männern draußen am Flugplatz keinerlei Harm zugestoßen ist. Sie werden nach einem kurzen Tiefschlaf relativ erquickt erwachen!«
»Und selbstverständlich Alarm schlagen. Man hat Sie doch genau erkannt. Man weiß doch von Chikago her, wer Sie sind. Denken Sie an die Affäre mit dem ›Skorpion‹. Das Syndikat ist mehr als sauer auf Sie!«
»Ich könnte es mir in der Tat vorstellen«, erwiderte der Butler, »dennoch bin ich recht froh, den bewußten Koffer in meine Obhut genommen zu haben!«
»Wieviel Geld ist in dem Koffer?« fragte Mike Rander weiter.
»Nach grober Schätzung, Sir, in etwa fast eine Million Dollar!«
»Wie bitte …?« Mike Rander schoß erneut von seinem Sitz hoch und sah seinen Butler völlig entgeistert an, »wiederholen Sie das noch mal!«
»Ohne mich genau festlegen zu wollen, Sir, würde ich von einer Million Dollar reden!«
»Ich werde wahnsinnig!« Rander sackte zurück in den Sessel und war einer leichten Ohnmacht nahe, »Parker, das bringt uns um! Das Syndikat wird an sämtliche Decken gehen. Man wird eine höllische Treibjagd auf uns veranstalten.«
»Möglicherweise, Sir …« Parker nickte wohlwollend.
»Und man wird die Polizei auf uns hetzen, Parker! Was Sie getan haben, war, gelinde, ausgedrückt, schwerer Diebstahl! Das ist ein Fall für die Staatsanwälte!«
»Dem erlaube ich mir zu widersprechen, Sir.«
»Ach nee, Sie erwarten wohl noch eine öffentliche Belobigung, wie? Parker, begreifen Sie doch. Das Gangstersyndikat arbeitet auf den Bahamas völlig legal. Die Spielhölle da drüben ist behördlich konzessioniert. Die Gewinne sind ebenfalls legal! Jeder Staatsanwalt muß für das Syndikat arbeiten, läßt sich juristisch nicht anders machen. Muß also für das Syndikat arbeiten, obwohl bekannt ist, daß man es dabei mit ausgekochten Gangstern zu tun hat! Das Recht ist für alle da!«
»In diesem speziellen Fall, Sir, ergeben sich wahrscheinlich einige kleine Unterschiede in der Rechtsauffassung.«
»Und die wären?«
»Die Gewinne in dem bewußten, von mir sichergestellten Koffer, sollten illegal in die Staaten eingeführt werden.«
»Soll das nur eine faule Ausrede sein?«
»Keineswegs, Sir, so etwas würde ich mir niemals erlauben. Der Millionenkoffer, wenn ich mich in der Folge so ausdrücken darf, sollte unter Umgehung des Zolls in die Staaten verbracht werden, ein Delikt, für das sich zumindest die Finanzbehörde ungemein interessieren würde.«
»Woher wissen Sie das so genau?«
»Die Beechcraft-Baron, in der das Geld transportiert wurde, landete auf einem stillgelegten Militärflugplatz. Die Landung war der Luftkontrollbehörde nicht angemeldet. Daraus schließe ich …«
»Sie stützen sich also nur auf reine Spekulation, wie?«
»Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, Sir, werden Sie und meine bescheidene Wenigkeit sehr bald wissen, ob meine Vermutungen zutreffen. Mit anderen Worten, die Vertreter des Syndikats werden sich zu Worte melden!«
»Wenn wir Glück haben!« stellte Mike Rander seufzend fest, »ich rechne, daß sie sich mit schallgedämpften Kanonen melden werden!«
*
Nach dieser Unterhaltung entwickelte der Butler eine große Betriebsamkeit.
Er sorgte erst einmal dafür, daß die Millionenbeute in Sicherheit gebracht wurde. Dazu verschickte er den Koffer an das FBI-Headquarters in Washington. Natürlich ohne Angabe eines Absenders. Sicherheitshalber verfaßte er allerdings ein Begleitschreiben per Hand. In diesem Schreiben teilte er den wahrscheinlich mehr als erstaunten Empfängern höflich mit, er habe diesen Koffer gefunden, sichergestellt und ihn zur weiteren Aufbewahrung an das FBI geschickt.
Parker verschickte nicht das ganze Geld.
Er behielt etwa 50.000 Dollar zurück. Er brauchte diese Scheine, um einen zweiten Koffer zu präparieren, den er anschließend kaufte und der dem ersten Koffer bis ins kleine Detail glich.
Parker kaufte aber noch mehr.
So zum Beispiel eine dünne Sperrholzplatte, einige kleine Spiralfedern und zusätzlich noch einige Pfund blütenweißes Weizenmehl. Mit diesen Dingen richtete er den zweiten Koffer geschickt her. Seine Vorliebe für nette, harmlose, unblutige Tricks kam ihm dabei zu Hilfe. Er brauchte gut eine Stunde, bis diese Arbeit getan war. Dann fuhr er zurück zum Strandbungalow, den er für seinen jungen Herrn und für sich gemietet hatte.
Mike Rander war unten am Strand und lag in der Sonne. Er entspannte und dachte wahrscheinlich über passende Ausreden nach, falls ein regulärer Vertreter der Staatsanwaltschaft erschien, um sich nach dem Verbleib des Koffers zu erkundigen.
Rander und Parker waren von Chikago aus nach Florida gekommen, um den Kampf mit dem Syndikat aufzunehmen. Sie hatten dieser Gangsterorganisation einigen Ärger bereitet und mußten damit rechnen, daß die Vertreter des Syndikats ihnen auf den Pelz rückten. Da aber Angriff immer noch eine gültige Form der Verteidigung darstellt, waren Rander und sein Butler zum Vorstoß angetreten.
