Big Ideas. Das Design-Buch - Eleanor Herring - E-Book

Big Ideas. Das Design-Buch E-Book

Eleanor Herring

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Beschreibung

Die Welt des Designs einfach erklärt • Über 90 der berühmtesten Designkonzepte und -bewegungen • Von Grafik- und Produktdesign bis Ingenieurwesen und Architektur – multidisziplinär und breit gefächert • Von frühen Manufakturen bis zu den bahnbrechenden Konzepten des 21. Jahrhunderts • Anschaulich & verständlich mit innovativen Grafiken aufbereitet Big Ideas: Das große Design-Buch zum Nachschlagen Was ist ein Entwurf? Wie hat die Massenproduktion Design verändert? Was macht gutes Design aus? Das innovative Nachschlagewerk aus der DK Erfolgsreihe Big Ideas führt durch über 90 große Ideen und die Schlüsselkonzepte des Designs – abwechslungsreich aufbereitet in leicht verständlichen Texten und originellen Grafiken. Von frühen Keramiken bis zum Internet der Dinge, von Bauhaus bis Ford Modell T: Auf eine kurze Einführung in Design und Entwurf folgen die wichtigsten Ideen, Innovationen und Durchbrüche in chronologischer Reihenfolge. Zitate und Biografie-Kästen liefern Informationen zu den Macher*innen hinter den Ideen. Design fundiert und zugänglich – Basiswissen zum Studieren, Informieren oder Nachschlagen. Dieses Buch ist Teil der Reihe "Big Ideas".

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 508

Veröffentlichungsjahr: 2025

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DK London / Delhi

Lektorat

Helen Fewster, Tom Booth, Katie John, Annie Moss, Angeles Gavira Guerrero, Liz Wheeler, Liz Gough, Suefa Lee, Aashline R. Avarachan, Rohan Sinha

Gestaltung und Bildredaktion

Duncan Turner, Sophia MTT, Sarah Smithies, Myriam Meguarbi, Michael Duffy, Maxine Pedliham, Phil Ormerod, Pooja Pipil, Debjyoti Mukherjee, Mitravinda V K, Sudakshina Basu, Rakesh Kumar, Mrinmoy Mazumdar, Neeraj Bhatia, Malavika Talukder

Umschlaggestaltung

Stephanie Cheng Hui Tan

Herstellung

Meskerem Berhane

Illustrationen

James Graham, Rupanki Kaushik

Für die deutsche Ausgabe:

Projektbetreuung Silke Tauscher

Herstellungskoordination Bianca Isack

Herstellung Stefanie Staat

Redaktionelle Partner

David und Sylvia Tombesi-Walton, SANDS PUBLISHING SOLUTIONS

Designpartner

Simon Murrell, SANDS PUBLISHING SOLUTIONS

Originalgestaltung

Studio 8 Design

Titel der englischen Originalausgabe: Big Ideas. The Designbook

© Dorling Kindersley Limited, London, 2024 Ein Unternehmen der Penguin Random House Group, 20 Vauxhall Bridge Road, London SW1V 2SA

Alle Rechte vorbehalten

© der deutschsprachigen Ausgabe: 2024 Dorling Kindersley Verlag GmbH, Arnulfstr. 124, 80636 München Ein Unternehmen der Penguin Random House Group

Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten

Deutsche digitale Ausgabe, 2025

Dorling Kindersley Verlag GmbH

Jegliche – auch auszugsweise – Verwertung, Wiedergabe, Vervielfältigung oder Speicherung, ob elektronisch, mechanisch, durch Fotokopie oder Aufzeichnung, bedarf der vorherigen schriftlichen Genehmigung durch den Verlag.

Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen, insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG („Text und Data Mining“) zu gewinnen, ist untersagt.

Übersetzung

Wiebke Krabbe, Scriptorium GbR Brigitte Rüßmann & Wolfgang Beuchelt

Lektorat

Dr. Willfried Baatz

eISBN 978-3-8310-8425-8

5902-294568-24225-01

www.dk-verlag.de

Hinweis

Die Informationen und Ratschläge in diesem Buch sind von den Autoren und vom Verlag sorgfältig erwogen und geprüft, dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden.

Eine Haftung der Autoren bzw. des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

INHALT

EINLEITUNG

NOT MACHT ERFINDERISCH VOR 1000 N. CHR.

Fossilien menschlichen Verhaltens Werkzeuge und Waffen

Roter Ocker aus der Erde Pigmente und Farben

Schwungvolle Rillen und Schnörkel Anfänge der Keramik

Gezwirbelt, genäht & geflochten Frühe Textilien

Verlängerung der Hand Werkzeug zum Kochen & Essen

Die Welt wird kleiner Verkehr & Transport

Schrift: Die Fossilien der Sprache Schriftliche Kommunikation

Waffen, Gerätschaften und Schmuck Produkte aus Bronze

Mögen die Meere euch Reichtum schenken Einfuhr von Rohstoffen

Ton, Scheibe und Brennofen Standardisierung der Töpferei

Ein seltsam durchscheinender Fluss Glasbläserei

Ausgebreitet und aufgerollt Papier

ERFINDUNG UND ERLEUCHTUNG 1000–1900

Arbeitsteilung macht es allen leichter Frühe Massenproduktion

Die Darstellung von Allahs perfekter Ordnung Islamische geometrische Muster

Mit 26 Bleisoldaten werde ich die Welt erobern Bewegliche Lettern und frühes Grafikdesign

Kunst zum Anziehen Holzdruck auf Textilien

Ungeniert prunkvoll Möbeldesign im Barock

Seitenweise Design zum Aussuchen Kataloge

Stoffproduktion: Schnell und fehlerlos Herstellung von Textilien

Kunsthandwerk aus der Fabrik Massenproduktion von Keramik

Licht kann mehr als leuchten Farbenlehre

Typografische Ungetüme!!! Serifenlose Schriften

Altertum statt Neuheit Historismus und Neogotik

Streng definierte Abmessungen Austauschbare Teile

Schnittmenge von Bild, Text, Zahlen und Kunst Visualisierung von Daten

Dekoration und Nützlichkeit Reformströmungen

Zur Freude von Hersteller und Benutzer Die Arts-and-Crafts-Bewegung

Schönheit als Selbstzweck Ästhetizismus

Schöne Formen, sanfte Farben Kunsttöpferei

Sprich den Geist an, und die Hand greift in die Tasche Visual Merchandising und Retail Design

Aufwendig, kompliziert und launisch wie die Natur selbst Jugendstil

Die Gerade ist die Linie des Menschen, die Gebogene die Linie Gottes Katalanischer Modernisme

Ein-Mann-Armee für die Hosentasche Multifunktionswerkzeuge

Die schönste Zusammenfassung des Schaffens und Denkens der Welt Weltausstellung in Chicago

DAS INDUSTRIEZEITALTER 1900–1950

Ich mache Fakten zu Grafiken Informationsdesign

Die schönste Kurve ist die Absatzkurve Industriedesign

Hohe Kunst für 39 Cent Kunststoff

Jede Farbe, solange es Schwarz ist Das Ford Model T

Die Macht, zu vereinen Sport als Marke

Für den Feind unsichtbar Tarnmuster

Das Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk Der Deutsche Werkbund

Lasst uns also Finnen sein Nationalromantik

Sie ziehen die Strippen des öffentlichen Bewusstseins Politische Botschaften

Kunst und Technik Bauhaus

Die Kunst der Anordnung Stadtlandschaften

Ein Baum im Licht Natur und Luxus

Die Schönheit der Geschwindigkeit Futurismus

Eine Welt der Verfallsdaten Geplante Obsoleszenz

Kontroverse Objekte sind Gesprächsstoff Hospitality Design

Die Liquidation der Kunst Design für gesellschaftlichen Wandel

Schnelligkeit, Sicherheit und Bequemlichkeit Reisewerbung

Ein Geist, eine Haltung Art déco

Experimente in Holz Materialorientiertes Möbeldesign

Form folgt Funktion Modernismus

Eine neue Welt, ein neues Material Frühe synthetische Stoffe

Dynamischer Funktionalismus Streamlining

Design ist der stille Botschafter ihrer Marke Branding

Automatisierte Tagträume Anfänge des Fernsehens

DAS KONSUMZEITALTER 1950–2000

Klares Leben. Klare Linien Mid-Century Modern

Musik fürs Auge Lichtdesign

Fällt nicht um, läuft nicht aus Tetra Pak

Ein Plan fürs Leben Design von G-Plan

Einfach die Beine abschrauben Selbstbaumöbel

Optimismus, Lebensfreude und Selbstvertrauen Jugendkultur

Die grafische Erweiterung einer Firma Corporate Identity

Die Anordnung der Tische wirkte irgendwie organisch Bürolandschaften

Dünne Fäden wie Strohhalme in einem Ziegel Kohlefaser

Zurück zum Authentischen, zurück zum Einfachen Für die Ewigkeit gebaut

Eine dünne Membran vom Tod entfernt Schützende Stoffe

Die Kunst, Orte zu gestalten Städtebau

Ich nehme Pantone 123 Pantone-Farben

Die Wunder der Mikrochips Miniaturisierung

Allgemein verständlich Piktogramme

Nachhaltigkeit hält ewig Ökodesign

Befähigt und gestärkt Prothetik und Medizintechnik

Perfekt umgesetzte Freude Memphis

Menschen sind nur ein Teil des Prozesses Service Design

Die Realität ist kaputt. Spieledesigner können das reparieren. Computerspiele

Mächtig wie einst Gutenberg 3D-Druck

Wahren Komfort bemerkt man nicht Ergonomie

Überraschende und unkonventionelle Erfindungen Bessere Dinge

Das letzte Exponat Ausgang durch den Souvenirladen

VON DIGITAL BIS NACHHALTIG AB 2000

Simplify, simplify, simplify Onlinewelten

Ein Ökosystem der Daten Das Internet der Dinge

Nachhaltigkeit ist eine Aufgabe des Designs Nachhaltige Materialien

Jedes Element ist wandelbar Parametrismus

Drück dich aus Customizing

Wo lässt man die Löcher Topologieoptimierung

KI ist ein Spiegel Künstliche Intelligenz

Wir schreiben unser Verhältnis zur Welt neu Intelligente Werkstoffe

ANHANG

GLOSSAR

ZITATNACHWEIS

BILDNACHWEIS

EINLEITUNG

Design ist überall und hat unsere Welt seit jeher geprägt. Design überschneidet sich mit Kunst, Architektur, Werbung sowie Handwerk und ist dennoch eine eigene Disziplin. Es ist im Wesentlichen das, was zweckmäßigen Objekten Form und Ästhetik verleiht und so die Art beeinflusst, wie sich einzelne Menschen oder Unternehmen darstellen.

Ursprünglich ging es beim Design jedoch um die Befriedigung von Grundbedürfnissen: Ernährung, Kleidung, ein Dach über dem Kopf oder Kommunikation. Schon daran ist zu erkennen, wie sich die Disziplin im Laufe der Zeit entwickelt hat, indem sie etwa neue Medien und Materialien einbezog. Angefangen von Ton, Holz, Eisen und Papyrus bis hin zu Kunststoffen, Kunststoffersatzstoffen und digitalen Plattformen.

Design im Lauf der Zeit

Dieses Buch untersucht, wie sich das Design im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat. Doch über alle Epochen hinweg gibt es gemeinsame Themen. So zeugt die frühe Höhlenkunst in Europa, Asien und Afrika – teilweise mehr als 40 000 Jahre alt – von dem Wunsch des Menschen, zu kommunizieren und der Welt Zeichen zu hinterlassen. Ebenso gibt es Parallelen zwischen den Schmuckstücken, die Menschen in der prähistorischen Zeit oder der Antike trugen, um damit ihren persönlichen Stil auszudrücken oder ihren Status kundzutun, mit der Entwicklung des Corporate Branding im 20. Jh.

Ähnlich verhält es sich mit der Verfeinerung des Designs von Gebrauchsgegenständen. Ein einfacher Becher ist ein perfektes Trinkgefäß. Verzierungen können rein dekorativ sein oder über seinen Besitzer Auskunft geben. Aus praktischen Gründen kann aber ein Henkel sinnvoll sein, oder auch ein Stiel, damit der Becher ansprechender aussieht und leichter zu halten ist. Dann wäre da noch die Frage des Materials: Sollte er aus Keramik, Metall, Kunststoff oder Kristallglas geformt sein? Jede dieser Variablen kann dazu dienen, den Becher von einem rein zweckmäßigen Objekt in einen begehrenswerten, ästhetisch ansprechenden Gegenstand zu verwandeln, der vielleicht sogar nur der Dekoration dient.

»Design bedeutet, Elemente gezielt so anzuordnen, dass sie einen bestimmten Zweck am besten erfüllen.«

Charles Eames Design Q&A

Charles Eames, 1972

Im Lauf der Epochen haben Designer immer wieder ihre Kreationen an die zu ihrer Zeit verfügbaren Materialien und Technologien angepasst. So begannen die Menschen beispielsweise, Waffen aus Bronze statt aus Stein herzustellen. In Bereichen wie dem Verkehrswesen bewirkte das Streben nach mehr Geschwindigkeit, Ladekapazität und Komfort ein deutlich höheres Maß an Innovation und ein ständiges Streben nach Verbesserung. Im 20. Jh. hat die Entwicklung von Kunststoffen und synthetischen Fasern viele Bereiche verändert, vom Möbeldesign bis zur Mode. Jede Innovation hat die Designer dazu inspiriert, neue Stile zu kreieren und neue Handlungsstrategien zu entwickeln. Ein Trend, der sich fortsetzen dürfte, da umweltfreundliche Materialien immer wichtiger werden.

Erfindung und Innovation

Die Geschichte des Designs ist also eine Geschichte der ständigen Innovation – von der Herstellung neuer Werkzeuge oder Gegenständen bis hin zur industriellen Revolution und darüber hinaus.

Im 20. Jh. zog der Bereich des Industriedesigns neue Herausforderungen nach sich: Es galt, clevere Marketingstrategien zu entwickeln, Werbematerialien, Verpackungen und Inneneinrichtungen zu gestalten. Auch die Entwicklung von Kunststoffen und synthetischen Textilien eröffnete neue Möglichkeiten für Designer.

Ab den 1950er-Jahren gewannen Markenidentitäten zunehmend an Bedeutung. So warben etwa Verkehrsunternehmen mit Warteräumen und Lounges. Technische Innovationen wie die Miniaturisierung führten zur Entwicklung von elektronischen Geräten im Taschenformat.

Im 21. Jh. wurde das Internet einem breiteren Publikum zugänglich, und der Konsum verlagerte sich dorthin. Websitedesigns und E-Commerce-Systeme wurden immer fortschrittlicher, da sich die Designer auf das »Nutzererlebnis« konzentrierten, um die Nutzerzahlen zu steigern.

Mit dem zunehmenden Problem des Plastikmülls war auch die Nachhaltigkeit in den Fokus der Designer gerückt. Die Entwicklung von »smarten Materialien«, die auf ihre Umgebung reagieren, läutete eine neue Ära im Produktdesign und in der Konstruktion ein.

Bereiche des Designs

Design lässt sich in viele Unterdisziplinen aufteilen.

Ȇber Design nachzudenken, ist schwierig.

Nicht darüber nachzudenken, kann katastrophale Folgen haben.«

Ralph Caplan

PRINT Magazine, Juni 2020

Visuelle Kommunikation umfasst Grafiken, Plakate, Typografie, gedruckte Publikationen und digitale Medien.

Markenidentität umfasst die Gestaltung von Unternehmensmarken und -logos, Verpackungen und Verbraucherwerbung.

Raumdesign beinhaltet die Gestaltung von Wohnungen, Büros, Geschäften, Bars, Restaurants und kulturellen Einrichtungen.

Produktdesign umfasst das Design von Massenartikeln und -geräten, Möbeln und Technologieprodukten.

Verkehrsdesign befasst sich mit Straßenfahrzeugen, Flugzeugen, Schiffen und Zügen sowie Verkehrsnetzen und -wegen.

Servicedesign bezieht sich auf die Art und Weise, wie Unternehmen und Organisationen ihre Geschäfte führen und ihre Kunden und Interessengruppen bedienen.

Design als Denkweise

Neuerdings wird Design auch mit einer Denkweise assoziiert, die über die reine Problemlösung hinausgeht und die Frage stellt: »Was wäre, wenn?«.

Design ist nicht mehr nur bedürfnisorientiert, es ist Big Business. Es geht nicht mehr nur um Gegenstände, sondern um die Art, wie sich Organisationen verhalten und sich der Welt präsentieren. ■

NOT MACHT ERFINDERISCHVOR 1000 N. CHR.

vor ca. 1,9 Mio. Jahren

Der Homo erectus entwickelt multifunktionale Stein-Faustkeile.

vor ca. 17 000 Jahren

In der Höhle von Lascaux (Frankreich) entstehen Felsmalereien mit farbigen Erdpigmenten.

vor ca. 12 500 Jahren

Das Volk der Jōmon (Japan) gestaltet aus Lehm Keramikgefäße und Figuren.

um 6000 v. Chr.

In Südostasien stellen die Austronesier aus einer Art Holzpulpe Rindentuch her.

um 4000 v. Chr.

In Mesopotamien wird die Töpferscheibe erfunden.

um 3500 v. Chr.

Die Sumerer entwickeln in Mesopotamien die Keilschrift.

um 3000 v. Chr.

Bronze wird zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen und Waffen (Schwerter, Dolche) verwendet.

um 3000 v. Chr.

Stäbchen kommen in China als Küchengerät in Gebrauch.

um 3500 v. Chr.

Die Alten Ägypter verwenden Segel, um ihre Schiffe schneller vorwärts zu bewegen und um weitere Strecken zurücklegen zu können.

um 200 v. Chr.

In China wird während der Han-Dynastie Papier aus Pflanzenfasern hergestellt.

um 100 n. Chr.

Die Glasbläserei breitet sich im Römischen Reich aus.

um 1000 n. Chr.

Die Wikinger segeln mit Langschiffen über den Atlantischen Ozean von Europa nach Nordamerika.

Design kann vielerlei bedeuten. Im weitesten Sinne ist jeder Gegenstand, der von Menschen verändert wurde, um ihn für einen bestimmten Zweck zu nutzen, designt worden. Das gilt auch für einen Stein, der von einem frühen Menschen in prähistorischer Zeit zu einem einfachen Werkzeug geformt wurde.

In den mehr als drei Jahrtausenden, die in diesem Buch untersucht werden, haben die Menschen Außergewöhnliches geleistet. Anfangs nutzten sie die Ressourcen ihrer Umgebung, um sich mit dem Nötigsten wie Nahrung, Feuer und Behausungen zu versorgen. Sie stellten Werkzeuge für die Jagd her, zunächst aus Stein, dann aus Metall, und fertigten Kleidung aus Pflanzenfasern und Tierhäuten. Sie stellten Töpferwaren zur Aufbewahrung her und benutzten Erdpigmente, um Details ihres Lebens auf Höhlenwänden festzuhalten. Sie lernten, das Feuer zu nutzen, Essen zu kochen, Papier und Glas herzustellen und Schlitten für den Transport zu bauen. All diese Dinge zeugen von einer bemerkenswerten Denk-, Planungs- und Umsetzungsfähigkeit. Einige Techniken, wie das Weben, blieben über Jahrtausende bis weit über die industrielle Revolution in Gebrauch.

Frühe Schiffe

Im Wikingermuseum in Oslo befinden sich Schiffe, die über 1000 Jahre alt sind. Ihre Rümpfe sind raffiniert konstruiert. Bug und Heck sind schmal, um die Wellen zu durchschneiden und die Abdrift zu verringern. Der breitere Mittelteil sorgt für Auftrieb und Stabilität. Diese robusten Schiffe waren in der Lage, den Atlantik zu überqueren. Sie erreichten auch das Mittelmeer, wo die Schiffbautechnik ebenfalls weit entwickelt war. Das Museum präsentiert auch Schmuck, Gebrauchsgegenstände und Vorratsbehälter aus dem Mittelalter, die beweisen, dass bereits die Wikinger viel Fantasie und Geschick als Handwerker besaßen.

Uraltes Handwerk

Im Ägyptischen Museum in Kairo sind außergewöhnliche Schätze zu sehen, die über 3300 Jahre alt sind. Die schönsten von ihnen wurden Anfang der 1920er-Jahre aus einem Grab geborgen, in dem der Pharao Tutanchamun beigesetzt worden war. Heutige Besucher können die außergewöhnliche Handwerkskunst sowie die opulenten Formen und Materialien der Gegenstände bewundern, die den Pharao ins Jenseits begleiten sollten. Wir staunen noch heute, zu welchen gestalterischen Leistungen die Menschen damals bereits imstande waren.

Design und Entwicklung

Auch wenn sich die Menschengestalt seit der Frühzeit nur wenig verändert hat, so hat sich doch das Design stark gewandelt. Tatsächlich wird im Zusammenhang mit dem Fortschritt des Designs oft von »Evolution« gesprochen. Manche heutigen Praktiker sehen im Design sogar darwinistische Züge. Sie argumentieren, dass bestimmte Archetypen – wie etwa Schiffe – sich über lange Zeiträume hinweg entwickelt haben. Ihrer Meinung nach ist es ein logischer und unvermeidlicher Prozess, dass jede Generation die Errungenschaften der vorherigen verbessert. So plausibel dieser Ansatz auch sein mag, so ist er dennoch nur ein Teilaspekt der Designentwicklung.

In der Realität vollzieht sich der Fortschritt oft nur langsam, und die Entstehung neuer Ansätze wird häufig durch komplexe Faktoren beeinflusst. Manche dieser Faktoren sind kulturell bedingt und hängen mit den Strukturen und Prioritäten der verschiedenen Gesellschaften zusammen. Andere hängen von den regional verfügbaren Materialien, wieder andere von den ökonomischen und geopolitischen Entwicklungen ab.

Kreative Unterschiede

Schiffe sind als Objektkategorie relativ leicht zu vergleichen: Alle müssen mit dem Wasser interagieren, also lässt sich recht gut beurteilen, wie effektiv eine Rumpfform im Vergleich zu anderen ist. Objekte wie Schmuck haben hingegen weitgehend symbolischen Charakter. Die unterschiedlichen Stile und Formen haben viel mehr mit Kultur und Geschmack zu tun als mit funktionalen Kriterien.

Historiker haben sich ausführlich mit den Faktoren befasst, denen die Herstellung von Gegenständen in den verschiedenen Kulturen und Kontexten der fernen Vergangenheit unterlag. In allen Fällen entstand das, was hergestellt wurde, auf eine Weise, die wesentlich komplizierter und komplexer war als die Weiterentwicklung, die Charles Darwin im Tierreich beobachtete. Und gerade darum ist das frühe Design ein so faszinierendes Studienobjekt. ■

FOSSILIEN MENSCHLICHEN VERHALTENS

WERKZEUGE UND WAFFEN

IM KONTEXT

SCHWERPUNKT

Gegenstände können die Arbeit der Hände tun

GEBIET

Produktdesign, Materialdesign, Industriedesign

FRÜHER

vor ca. 3,3 Mio. Jahren

Rudimentäre Steinwerkzeuge, vermutlich zum Schneiden und Verarbeiten von Fleisch verwendet, belegen den frühen Menschen in Afrika.

SPÄTER

um 8000 v. Chr. Polierte Steinwerkzeuge, Sicheln, Schleifsteine und Tongefäße zur Aufbewahrung von Lebensmitteln deuten auf Siedlungsbildung und einen Übergang zur Landwirtschaft hin.

um 3000 v. Chr. Schwerter, Äxte, Dolche und Speerspitzen aus Bronze zeigen, wie die Verfügbarkeit neuer Technologien Design und Handwerk verändern kann.

Vor Millionen von Jahren begannen die frühen Menschen, Werkzeuge und Waffen herzustellen, mit denen sie mehr tun konnten als mit bloßen Händen. Durch diese Werkzeuge unterschieden sie sich von anderen Arten. Und im den Drang, Probleme durch gezieltes »Formen« zu lösen, zeigt sich, dass die menschlichen Instinkte schon immer den Kern dessen enthielten, was wir heute als Design bezeichnen.

Die ältesten bekannten Werkzeuge aus Gestein – hauptsächlich Feuerstein, Quarz und Obsidian – wurden vor mehr als drei Millionen Jahren verwendet. Sie waren primitiv, wurden aber im Laufe der Zeit parallel zur Entwicklung der menschlichen Gattung immer ausgefeilter und komplexer.

Lange Entwicklung

Der Homo habilis (geschickter Mensch) lebte vor etwa 2,1 bis 1,5 Millionen Jahren. Er richtete Steine zu, um scharfe Kanten zu erzeugen. Vor etwa 1,9 Millionen Jahren war der Homo erectus (aufrechter Mensch) bereits in der Lage, Faustkeile und Beile herzustellen. Diese Werkzeuge der Altsteinzeit waren symmetrisch, doppelseitig scharfkantig und multifunktional. Über eine Million Jahre wurden Werkzeuge auf diese Art und Weise hergestellt. Dadurch veränderten sich viele Lebensbereiche der frühen Menschen – von der Jagd und dem Zerlegen von Fleisch über das Ausgraben von Wurzeln bis zum Hacken von Holz.

Steinwerkzeuge

wurden nicht nur von Männern hergestellt, wie der Stich

Primitive Man

von Louis Figuier (1870) vermuten lässt. Auch Frauen übten dieses Handwerk aus.

Techniken der Werkzeugherstellung

Das

Zurichten von Steinen

erforderte motorische und kognitive Fähigkeiten. Der Werkzeugmacher musste einen Stein auswählen, ihn im richtigen Winkel zurechtschlagen und dazu die angemessene Kraft aufwenden.

Das

bifaziale Abschlagen

erforderte mehr Geschick und Geduld. Der Werkzeugmacher musste eine klare Vorstellung davon haben, was er herstellen wollte, etwa eine Handaxt, und entsprechend methodisch vorgehen.

Für die

präzise Formgebung

mussten harte, scharfe Werkzeuge verwendet werden. Kreatives Denken führte zur Entwicklung neuer Werkzeuge, die der Herstellung von einfacher Kleidung oder Skulpturen dienten.

Zur Zeit des Mittelpaläolithikums, also vor etwa 300 000 Jahren, baute der Homo sapiens, der erste moderne Mensch, auf diesem Erbe auf und entwickelte speziellere Werkzeuge wie Pfeile und Speere aus Flintstein. Die scharfen, haltbaren Spitzen dieser Waffen waren bei der Jagd und beim Schutz vor Raubtieren erheblich wirksamer. Um diese Zeit begannen die Menschen auch, Stein- oder Knochenwerkzeuge mit Holzgriffen zu versehen, um sie vielseitiger und effizienter nutzen zu können.

Statussymbole

Werkzeuge und Waffen waren vermutlich nicht nur Gebrauchsgegenstände, sondern hatten auch eine kulturelle Bedeutung, da sie das hart erkämpfte Überleben, die Jagd und den sozialen Status repräsentierten. Die Herstellung von Werkzeugen erforderte Ideen, Verfeinerungen und Experimente. Als der frühe Mensch die Techniken der Werkzeugherstellung verbesserte, entwickelte er Fähigkeiten, die über das Überleben der Gattung hinausgingen: Er verbesserte seine Fähigkeiten zur Problemlösung und sein handwerkliches Geschick. Während dieses evolutionären Wandels, der sich über fast zwei Millionen Jahren erstreckte, verdreifachte sich die Gehirngröße des Menschen.

Im Jungpaläolithikum, das vor etwa 43 000 Jahren begann, finden sich erste Siedlungsspuren. Damals entwickelten die Menschen Verhaltens- und Herangehensweisen, die den heutigen ähneln. Es gab rasche Fortschritte in der Werkzeugtechnologie, etwa feine Klingen, Pfeile und Harpunen, und die Menschen begannen, Werkzeuge wie Nadeln und Angelhaken aus Knochenmaterial herzustellen. Einmal in Gang gesetzt, war die Lust am Gestalten nicht mehr zu aufzuhalten. ■

»Wenn man sich diese neuen Werkzeuge ansieht, spürt man, dass eine andere Art von Geist am Werk war, eine qualitativ andere Interaktion mit der Welt.«

Richard Leakey

Origins Reconsidered, 1993

ROTER OCKER AUS DER ERDE

PIGMENTE UND FARBEN

IM KONTEXT

SCHWERPUNKT

Farbe kann betonen und hervorheben

GEBIET

Kunst, Kommunikationsdesign, Grafikdesign

FRÜHER

vor 350 000 Jahren Frühe Menschen nutzen Steinwerkzeuge, um Pigmente zu zerkleinern und zu verarbeiten.

vor 75 000 Jahren Der Homo sapiens erschafft die ersten bis heute erhaltenen Felsmalereien in der Blombos-Höhle (Westkap, Südafrika).

vor 45 500 Jahren Älteste bekannte figürliche Darstellungen auf der Insel Sulawesi (Indonesien): Schweine, gemalt mit rotem Ocker.

SPÄTER

vor etwa 17 000 Jahren Über 600 Felsmalereien werden mit Erdpigmenten in der Höhle von Lascaux (Frankreich) geschaffen.

Seit Urzeiten verwenden die Menschen farbige Pigmente. Sie haben farbige Steine über Oberflächen gezogen oder zerriebene Mineralien auf Felsen aufgetragen, um Bildwerke zu gestalten.

Materialien aus der Natur

Der Homo sapiens nutzte Stoffe, die er in seiner Umgebung vorfand. Archäologische Funde zeigen, dass die frühen Menschen einfache Werkzeuge benutzten, um Farben aus Gestein, Mineralien, Ton, Pflanzen und Holzkohle zu gewinnen. In einer Höhle bei Twin Rivers in Sambia im südlichen Afrika wurden Pigmente und Werkzeuge zu ihrer Verarbeitung gefunden, die etwa 350 000–400 000 Jahre alt sind. Die frühesten Malereien, die in Sulawesi (Indonesien) gefunden wurden, entstanden vor etwa 45 500 Jahren.

Schon früh entdeckten die Menschen, dass man aus manchen Materialien Farben herstellen kann, wenn man sie zu Pulver zerrieb. Ocker wurde aus Tonmineralien hergestellt, die rötliches oder gelbliches Eisenoxid enthielten, und Holzkohle lieferte Schwarz. Die Farben wurden mit Bindemitteln wie Speichel, tierischen Fetten oder Pflanzensäften fixiert und mit Fingern, Stöcken oder anderen Werkzeugen auf Höhlenwände, Tierhäute oder menschliche Haut aufgetragen.

Die Pigmente

der Lascaux-Malereien stammten aus vor Ort verfügbaren Mineralien, die entweder als feste Klumpen verwendet oder zu Pulver zermahlen wurden.

So entstanden einfachen Linien, Handabdrücke, aber auch stilisierte menschliche Figuren und Tierdarstellungen. Möglicherweise haben die Menschen auch ihre Körper verziert. Die Tatsache, dass die Bilder auf Felsen so dauerhaft sind, legt eine rituelle oder spirituelle Bedeutung nahe. Auch heute verwenden indigene Völker natürliche Pigmente für rituelle Kunstwerke. Manche geben bestimmten Farben eine besondere Bedeutung: Bei einigen australischen Aborigines steht Rot für das Blut und Schwarz für die Erde.

Farbe und Bedeutung

Durch Migration, Handel und das Entstehen von Siedlungen verfeinerte sich der Umgang mit Farben. Neue Pigmente wurden entdeckt und über große Entfernungen transportiert. Überall auf der Welt wurden Farben für Kleidung und Möbel sowie zur Verzierung von Häusern, Palästen und Tempeln und anderen Bauten verwendet.

Intensive und seltene Farben galten als besonders wertvoll. Ein Beispiel ist das tyrische Purpur, das aus Tyrus an der östlichen Mittelmeerküste stammt, aus Schnecken hergestellt wird und seit dem 16. Jh. v. Chr. verwendet wird. Um eine winzige Menge Farbe herzustellen, brauchte man viele tausend Schnecken, darum war Purpur extrem teuer und folglich Kaisern, Königen und Priestern vorbehalten. Lapislazuli, ein tiefblaues Mineral aus einem Gestein des Hindukusch, wurde im Alten Ägypten mit Unsterblichkeit assoziiert und für Schmuck und Kunstwerke wie die Totenmaske des Pharao Tutanchamun verwendet. In Asien und Europa wurde Lapislazuli gemahlen, um eine tief ultramarinblaue Farbe herzustellen. Lapislazuli war damals wertvoller als Gold, weil er so teuer und so schwer zu beschaffen war, und Ultramarin wurde daher nur für die wichtigsten Teile von Gemälden verwendet – in der christlichen Kunst vor allem für das Gewand der Jungfrau Maria.

»… so sehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht.«

Johann Wolfgang von Goethe

Farbenlehre, 1810

Farbe wirkt – bis heute

Noch heute werten wir Gold und Purpur als etwas Besonderes und reagieren intuitiv auf die ursprünglichen Emotionen, die vor Jahrtausenden durch Ocker und Holzkohle ausgedrückt wurden. ■

Die Höhlen von Lascaux

Die Höhlen wurden 1940 von dem jungen Marcel Ravidat und drei seiner Freunde entdeckt, als sie ein Loch fanden, das zu einem 1521 m tiefen Schacht führte. Jacques Marsal, ein Freund von Marcel Ravidat, beschrieb das, was sie vorfanden, als „eine Kavalkade überlebensgroßer Tiere [die] sich zu bewegen schienen«. Es waren mehr als 6000 Bilder von Tieren wie Pferden, Bisons, Hirschen, Bären und Wölfen. Eine Figur stellt einen Mann mit einem Vogelkopf dar, den einige Experten für einen Schamanen halten. Die Malereien sind etwa 17 000 Jahre alt und wurden über viele Generationen hinweg angefertigt. Niemand weiß, warum die Malereien geschaffen wurden. Vielleicht sind es Aufzeichnungen vergangener Tierjagden oder Teil eines Rituals, das den Jagderfolg in der Zukunft sichern sollte.

Lascaux gehört heute zum UNESCO Welterbe. Die Höhlen sind aber seit 1963 für die Öffentlichkeit geschlossen, damit Besucher die Malereien nicht schädigen können.

Überlebensgroße Tiere hinter Jacques Marsal, Marcel Ravidat (sitzend) sowie Abbé Henri Breuil, einem Fachmann für prähistorische Kunst.

SCHWUNGVOLLE RILLEN UND SCHNÖRKEL

ANFÄNGE DER KERAMIK

IM KONTEXT

SCHWERPUNKT

Herstellung und Brand von Gefäßen aus Keramik

GEBIET

Materialien und Materialinnovation

FRÜHER

32 000–24 000 v. Chr. In Mitteleuropa entstehen im Gravettien Keramikfiguren wie die Venus von Dolní Věstonice.

um 18 000 v. Chr. In der südchinesischen Provinz Jiangxi wird Keramik hergestellt.

SPÄTER

um 300 v. Chr.–250 n. Chr. Während der Yayoi-Periode entwickelten japanische Töpfer einen schlichten, undekorierten Stil. Sie verwendeten rötlichen Ton.

um 250–538 n. Chr. Töpfer der Kofun-Periode stellen in Japan mit Hilfe von Töpferscheiben und Brennöfen nach koreanischem Vorbild minimalistische Sue-Keramik her.

Die praktische und dekorative Keramik lässt sich über 30 000 Jahre zurückverfolgen. Ihre Herstellungsmethoden haben sich im Lauf der Zeit verändert, aber die Keramik ist eines der ältesten Handwerke. Sie konnte sich in verschiedenen Regionen unabhängig entwickeln, weil es überall reichlich Ton im Boden gab.

Vor mindestens 12 500 Jahren fingen die Bewohner des heutigen Japans an, Keramikgefäße herzustellen. Das war der Beginn der Jōmon-Kultur, die über 10 000 Jahre dauerte und verschiedene Entwicklungsphasen durchlief.

Die Menschen dieser Zeit waren Halbnomaden, die ihre Siedlungen nach Bedarf in kühlere, wärmere oder ressourcenreichere Gebiete verlegten. Sie entdeckten, wie sie örtlichen Ton mit organischen Materialien wie zerkleinerten Muscheln mischen konnten, um ihn besser bearbeiten zu können. Anschließend brannten sie ihre Gefäße und Objekte in Feuern im Freien, die Temperaturen bis zu 900 °C erreichen konnten. Zum Brennen von Keramik ist dies eine niedrige Temperatur. Das bedeutete, dass Jōmon-Töpferwaren nicht so hart oder haltbar waren wie die im Ofen gebrannte Keramik späterer Kulturen.

Entwicklung des Designs

Archäologen glauben, dass bei den Jōmon die Frauen töpferten. Sie hatten keine Drehscheiben, sondern bauten ihre Gefäße meist aus Tonsträngen auf, die sie spiralförmig aufeinander legten. Danach wurden die Oberflächen geglättet. Zur Verzierung wurden oft Schnüre in den feuchten Ton gedrückt. So kam diese Ära zu ihrem Namen: jōmon bedeutet mit einem »Schnurmuster« verziert.

Ein Flammen-(

ka’en doki)

Kochgefäß

von etwa 2500 v. Chr. Zur Verwendung wurde der untere Teil in ein Loch in der Erde gesetzt. Meist diente diese Keramik wahrscheinlich zur Dekoration.

»Die Ausstrahlung der Gefäße berührt den Betrachter zutiefst … Sie haben eine pulsierende Kraft und ein stabiles Gleichgewicht.«

Taro Okamoto

Japanischer Künstler und Autor, 1952

In der Anfangszeit der Jōmon-Keramik waren die Muster einfach und zweckmäßig. Die Töpfer stellten hohe Gefäße für den Transport und die Aufbewahrung von Flüssigkeiten und Lebensmitteln her, aber auch zum Kochen. In einer Zeit, in der es noch keine Metalltöpfe gab, dürften Steingutgefäße, die großer Hitze standhalten konnten, das Kochen revolutioniert haben. Im Laufe der Jahrtausende stellten die Jōmon-Töpfer weiterhin funktionale Keramik her, doch ihre Entwürfe wurden immer dekorativer. In der ausgehenden Jōmon-Zeit (3200–300 v. Chr.) war die obere Hälfte der meisten Töpfe mit kunstvollen Schnörkeln bedeckt und hatte oft ausgeprägte flammenartige Ränder.

Spirituelle Bedeutung

Jōmon-Keramik diente kulturellen, spirituellen und praktischen Zwecken. Manchmal wurden menschliche Überreste in Tontöpfen begraben, und von 5000–300 v. Chr. schufen Jōmon-Töpfer immer mehr Masken und Figuren (Dogu genannt), die vermutlich für Rituale benutzt wurden. Die übertriebenen Merkmale der stilisierten Objekte zeigen, dass die Töpfer sehr geschickt und mit spezifischen Symbolen vertraut waren.

Diese Tonfigur

entspricht dem Jōmon-Dogu-Stil des 11.–4. Jh. v. Chr. Sie hat große Augen, breite Hüften und ein Muster auf dem Rumpf. Vielleicht handelt es sich um eine Göttin.

Die Keramik der Jōmon hatte Einfluss auf ihre Koch- und Essgewohnheiten, vielleicht aber auch auf die Entwicklung ihrer Religion. Ihre Keramik fasziniert bis heute Künstler und Designer, und sie wirft Fragen nach dem Leben und Glauben der Menschen auf, die sie geschaffen haben. ■

Aufbaukeramik

1

Wichtig ist die Konsistenz des Tons. Er muss weich und geschmeidig sein, aber weder zu nass noch klebrig.

2

Aus dem Ton werden auf leicht feuchtem Untergrund Stränge mit einheitlichem Durchmesser geformt.

3

Der runde Boden wird angeritzt, damit der erste Strang gut haftet. Dann werden weitere Stränge darauf gesetzt.

4

Durch weitere Stränge wird die Form höher. Bei zu starkem Druck wird der untere Strang flach gepresst.

5

Wenn die gewünschte Höhe erreicht ist, werden die Wände geglättet. Dann wird das Gefäß getrocknet und gebrannt.

GEZWIRBELT, GENÄHT & GEFLOCHTEN

FRÜHE TEXTILIEN

IM KONTEXT

SCHWERPUNKT

Entwicklung von Techniken zur Herstellung haltbarer Fasern und Stoffe

GEBIET

Textildesign

FRÜHER

um 120 000 v. Chr. Die frühen Menschen hüllen sich in Felle, um sich zu wärmen und bei der Jagd zu tarnen.

um 6000 v. Chr. Völker in Südchina stellen Rindentuch her, eine Art Vliesstoff, der durch Hämmern von Baumrinde erzeugt wird.

SPÄTER

3000 v. Chr. Überall auf der Welt werden zunehmend komplexere Textilien aus verschiedenen Materialien hergestellt.

um 1760 n. Chr. Industrielle Revolution: Mechanische Spinn- und Webtechniken beschleunigen die Herstellung von Textilien.

Die Textilherstellung ist eines der ältesten Handwerke. Textilien boten als Kleidung oder Bedachung Wärme und Schutz, wurden aber auch zur Kommunikation sowie in Ritualen und Kulten verwendet. Das Spinnen von Fäden und die Figur des Webers tauchen in vielen antiken Mythologien auf. Die Wörter »Text« und »Textil« stammen von derselben lateinischen Wurzel texere, was »weben« bedeutet. Frühe Texte des Buddhismus sind als Sutras und Tantras bekannt. Ihre Namen gehen auf Wörter zurück, die sich von »Faden« und »Webstuhl« ableiten und auf Gedankenfäden und das Gesamtwissen der Kultur verweisen.

Historische Funde

Textilien verrotten rascher als Keramik oder Metall, darum weiß niemand genau, wann die Menschen mit ihrer Herstellung begannen.

Textilien konnten nur unter besonderen Umgebungsbedingungen überdauern. Vor allem Pflanzenfasern zerfallen schnell, aber in den alkalireichen Kreideböden von Alpenseen sind einige von ihnen erhalten geblieben.

»Die nothwendigsten Bedürfnisse sind, Nahrung, Wohnung, Kleidung.«

Plato

Politeia (Buch II), um 375 v. Chr.

Ebenso können saure Bedingungen wie sie in Torfmooren vorkommen, tierische Fasern konservieren. Allerdings zersetzen sich diese Fasern schnell, sobald sie aus dem Boden entnommen werden. Als der Grewelthorpe-Mann – der mumifizierte Körper einer römischen Moorleiche, die eine grüne Toga und gelbe Strümpfe trug – im Jahr 1850 im britischen Yorkshire ausgegraben wurde, zerfiel seine Kleidung so schnell, dass nur ein Fragment der Strümpfe und die Sohle einer Sandale überdauerten.

Motive von Weberinnen auf antiker Keramik verraten etwas über die damals verwendeten Werkzeuge und Materialien.

Der Lebensfaden

In allen antiken Kulturen gab es eine Göttin der Spinn- und Webkunst: von Athene bei den Griechen zu Frigga in der nordischen Mythologie.

Eine andere wiederkehrende Figur ist die Spinne, die feine, aber stabile Fäden und tragfähige Netze knüpft. Die alten Sumerer stellten sich die Webgöttin Utta als Spinne vor. Und auch die Göttin Neith wird im prädynastischen Ägypten als Spinnerin und Schicksalsweberin beschrieben und oft in Spinnengestalt dargestellt.

Die Legende der Arachne entstammt der griechischen Mythologie, wurde aber durch den römischen Dichter Ovid bekannt. Die geschickte Weberin Arachne forderte durch Prahlerei Athene heraus, die Göttin der Weberei, der Weisheit und der Kriegskunst. Die beiden lieferten sich einen Wettstreit, den Arachne gewann. Die zornige Athene verwandelte ihre Herausforderin in eine Spinne. So konnte Arachne ihr Handwerk ausüben, verlor aber ihre menschliche Gestalt.

Seit prähistorischer Zeit haben die Menschen Materialien aus ihrer Umgebung zur Herstellung von Textilien genutzt, beispielsweise Bast, eine weiche Faser aus den Stängeln von Pflanzen wie Flachs und Hanf. Die ältesten mikroskopisch kleinen Flachsfäden sind älter als 34 000 Jahre und wurden 2009 in einer Höhle im Kaukasus in Georgien gefunden. Vermutlich wurden diese Fasern zu Seilen gedreht, zu Körben geflochten und für die Herstellung von Kleidungsstücken verwendet. Einige Fasern waren gefärbt, was darauf hindeutet, dass die Bewohner der Höhle mit pflanzlichen und tierischen Pigmenten und Färbetechniken vertraut waren.

In der Höhle von Lascaux im Südwesten Frankreichs wurde 1953 ein versteinerter Abdruck einer starken Schnur aus der Zeit um 15 000 v. Chr. gefunden. Man erkennt eine Schnur aus zwei getrennten Fasersträngen, die in einer Richtung miteinander verdreht und dann zur Verstärkung in die entgegengesetzte Richtung zusammengedreht wurden. So werden noch heute Kordeln hergestellt. Die Schnur wurde zur Herstellung von Steinwerkzeugen verwendet oder zu Fischerei- und Jagdnetzen verarbeitet.

Flachs ist die älteste und am weitesten verbreitete Pflanzenfaser, aber DNA-Analysen deuten darauf hin, dass es Baumwolle schon seit 10 bis 20 Millionen Jahren gibt. Die ersten Hinweise auf den Anbau von Baumwolle stammen jedoch aus der Zeit um 3000 v. Chr. aus Mohenjo-Daro, einer Siedlung der Indus-Kultur im heutigen Pakistan.

Tierische Fasern

Wolle und Seide waren die ersten tierischen Fasern, die in großem Umfang verwendet wurden. Sie wärmten besser als Pflanzenfasern und ließen sich besser färben, was neue gestalterische Möglichkeiten eröffnete.

Schnur aus der Höhle von Lascaux

, links die fossile Schnur als Positiv auf einer Steinplatte, rechts der entsprechende Abdruck als Negativ.

Die Haltung von Schafen begann ab etwa 11 000–9000 v. Chr. in Mesopotamien. Es waren Mufflons, die hauptsächlich Fleisch, Milch und Felle lieferten, denn sie trugen weniger Wolle als heutige Schafe. Die ältesten Spuren eines Wollstoffs fand man, in Kohle eingeschlossen, in Çatalhöyük (Anatolien) in einer Siedlung aus der Zeit um 7400–6200 v. Chr.

Seide wurde bereits um 2600 v. Chr. in China produziert, aber das Verfahren war ein streng gehütetes Geheimnis, dessen Kenntnis erst rund 3000 Jahre später nach Europa gelangte.

Stoffherstellung

Für die meisten Stoffe – abgesehen von Rindentuch und Wollfilz – muss aus dem Rohmaterial zuerst Garn hergestellt werden. Kürzere Fasern wie Wolle und Baumwolle werden zu langen Fäden gleichmäßiger Stärke gesponnen.

Die wichtigsten Werkzeuge dafür wurden schon in prähistorischer Zeit entwickelt. Eines ist die Spindel, ein Stab zum Drehen des Fadens, der manchmal mit einer Scheibe (dem Wirtel) beschwert ist. Das zweite ist der Rocken, ein Stab zum Festhalten der ungesponnenen Fasern.

Zu Beginn

werden einige Fasern aus dem ungesponnenen Bündel gezupft und an einem Haken am oberen Ende der Spindel befestigt.

Zum Spinnen

wird die Spindel in Rotation versetzt. Gleichzeitig werden die Fasern gezogen und gedreht, sodass sie sich um die Spindel wickeln.

Der fertige Faden kann zum Knüpfen, Flechten, Kordeln oder Stricken verwendet werden, meist wurde er aber gewebt. Dafür werden auf einen Webrahmen die Kettfäden gespannt, die parallel in einer Richtung verlaufen. Die Schussfäden werden rechtwinklig dazu und abwechselnd über und unter den Kettfäden geführt, um einen Stoff herzustellen.

In den alten Kulturen gab es verschiedene Arten von Webstühlen. Manche lagen auf dem Boden, sodass auch die Weber auf dem Boden hockten. Bei senkrechten Webstühlen waren die Enden der Kettfäden oft beschwert, um sie straff zu halten. Außerdem gab es Modelle, bei denen der Webrahmen an einem Fixpunkt (z.B. einem Baum) befestigt wurde und durch einen Riemen um den Rücken des Webers auf Spannung gehalten wurde.

Die zeitaufwendige Herstellung von Textilien – für den Haushalt, die Gemeinschaft oder den Handel – bedeutete, dass ein großer Teil des Volkes an der Produktion beteiligt war. Die Beschaffung geeigneter Materialien – durch Anbau von Pflanzen oder Hüten von Schafen – lag häufig in der Verantwortung der Männer, aber das Spinnen und Weben galt im Allgemeinen als Frauenarbeit, vielleicht weil es sich ebenso wie die Zubereitung von Mahlzeiten besser mit der Versorgung kleiner Kinder vereinbaren ließ.

Färben und die Bedeutung von Farbe

Die ersten Farbstoffe stammten von Pflanzen und Tieren: Rot vom Färberkrapp, der Färberdistel oder von Kermes-Schildläusen, Blau vom Waid und braunviolette Farbtöne von faulenden Flechten. Zum Fixieren auf dem Stoff waren außerdem Hilfsstoffe wie Alaun oder Eisensalze notwendig. Die Verwendung solcher Fixiermittel vergrößerte die Palette der Farben, die aus dem Rohstoff gewonnen werden konnten.

Zum Bleichen wurden Leinen oder Wolle über brennenden Schwefel gehängt. In Ägypten verwendete man Natron, eine Substanz, die auch zur Mumifizierung eingesetzt wurde.

Farbe diente auch dazu, den Status einer Person zu kennzeichnen und die soziale Hierarchie aufrechtzuerhalten. In der römischen Antike durften nur Senatoren und Magistratsmitglieder Gewänder in tyrischem Purpur tragen. Diese Farbe war teuer, denn sie wurde nur in kleinen Mengen und unter großem Aufwand aus bestimmten Meeresschnecken gewonnen.

Mit Pflanzenfarben getönte Fasern auf einem Markt in Peru. Sie werden zum Flechten von Korbtaschen verwendet.

Symbole und Muster

Obwohl Textilien hauptsächlich für notwendige Dinge wie Kleidung hergestellt wurden, dienten sie oft auch dekorativen Zwecken, und so war auch die Dekoration ein wichtiges Element. An einigen Venusfiguren aus dem Paläolithikum erkennt man Schnürröcke oder andere Kleidungsstücke, die zu knapp bemessen sind, um Wärme zu spenden oder etwas zu verhüllen. Es ist wahrscheinlicher, dass solche Kleidungsstücke einen symbolischen Wert hatten oder die Aufmerksamkeit auf den Körper lenken sollten. An den Darstellungen von Kleidung erkennt man die Entwicklung von Techniken und Moden. Das älteste erhaltene gewebte Kleidungsstück ist das Tarkhan-Kleid (um 3000 v. Chr.). Diese Leinentunika, die in einer ägyptischen Grabstätte gefunden wurde, zeigt raffinierte Details, darunter dekorative Einfassungen und Plisseefalten um die Schultern.

»Aber gehe nun heim, besorge deine Geschäfte, Spindel und Webestuhl, und treib an beschiedener Arbeit die Mägde zum Fleiß!

Homer

Die Odyssee (21. Gesang), 8. Jh. v. Chr.

Textilien aus dem Neolithikum und der Bronzezeit waren häufig gemustert. In Europa wurden Textilreste aus dem Neolithikum gefunden, die mit Streifen, Karos oder Dreiecken verziert waren. Minoische Frauendarstellungen aus der Bronzezeit zeigen Muster wie Streifen, Punkte oder Wellenlinien. Bei anderen Funden sind dekorative Elemente wie Fransen und Verzierungen mit Goldfäden, Muscheln und Perlen zu sehen. All diese Muster erforderten zu ihrer Herstellung Zeit, Geschick und eine klare Gestaltungsabsicht.

Rindentuch gab es in verschiedenen Texturen. Je nach verwendetem Material konnte der Stoff grob und ölig oder fein und zart sein. Der fertige Stoff wurde oft mit Mustern und Symbolen bemalt, die in der jeweiligen Gemeinschaft eine Bedeutung hatten.

Aus Schriften der griechischen Antike erfahren wir auch von gewebten Friesen mit historischen oder mythologischen Darstellungen. Stickerei wurde meist zur Gestaltung von Mustern verwendet. Sie eignete sich aber auch für bildliche Darstellungen. Ein berühmtes, aber viel jüngeres Beispiel ist der Wandteppich von Bayeux, eine Stickerei mit Wollfäden auf Leinengewebe.

Konstante Methoden

Anhand von Informationen aus archäologischen Funden können heutige Weber mitunter antike Kleidungsstücke rekonstruieren und mit ihrem Wissen Lücken in den historischen Aufzeichnungen schließen.

Die junge Frau

auf diesem minoischen Fresko von ca. 1600 v. Chr. trägt ein kurzärmeliges Gewand mit farbigen Streifen. Es gibt Auskunft über die damalige Mode.

Höhlenmalereien und Zeichnungen auf antiken Tongefäßen liefern nicht nur Details der damaligen Mode, sondern zeigen auch Webstühle und Spindeln im Gebrauch. All diese Quellen zeigen, wie weit verbreitet und wichtig die Herstellung von und der Handel mit Textilien für die frühen Hochkulturen war – und dass sich die Methoden der Stoffherstellung bis zur industriellen Revolution Mitte des 18. Jh. kaum änderten. ■

VERLÄNGERUNG DER HAND

WERKZEUG ZUM KOCHEN & ESSEN

IM KONTEXT

SCHWERPUNKT

Entwicklung von Kochutensilien

GEBIET

Produktdesign

FRÜHER

vor 1,6 Mio. Jahren Faustkeile aus Stein werden zum Schneiden von Fleisch und Gemüse benutzt.

um 10 000 v. Chr. Die Erfindung der Keramik schafft neue Möglichkeiten zum Kochen und Lagern von Lebensmitteln.

um 3500 v. Chr. In China werden Essstäbchen benutzt.

SPÄTER

1600 Die englische Stadt Sheffield wird ein Zentrum der Besteckherstellung.

1950er-Jahre Im Kielwasser von Fast Food kommt Einwegbesteck in Gebrauch.

1954 Erfindung beschichteter Pfannen und Töpfe, in denen nichts anbrennen soll.

Schon vor 1,6 Millionen Jahren benutzten die Menschen Faustkeile mit einer scharfen Schneidekante, um rohe Lebensmittel zu schneiden oder zu zerhacken. Mit diesen Werkzeugen konnten unsere Vorfahren Lebensmittel effektiver in mundgerechte Stücke schneiden und zähe Pflanzenfasern zerkleinern. Insofern erweiterten diese Werkzeuge nicht nur das Nahrungsspektrum, sondern auch den Umgang der Menschen mit der Nahrung. Seitdem stellen Kochen und Essen einen zentralen Aspekt der menschlichen Kultur dar.

Im Lauf der Zeit entwickelten sich verschiedene Werkzeuge und Kochmethoden. Sie bilden die Basis für die verschiedenen regionalen Küchen der Welt. Anfangs wurden Kochutensilien aus Stein, Holz, Knochen und Ton hergestellt. Metall kam erst später in Gebrauch.

Ein Mann benutzt einen Schieber

mit langem Stiel, um Backwaren in den Ofen zu schieben und herauszunehmen. Mosaik aus einer römischen Villa bei Saint-Romain-en-Gal, Frankreich.

Materialien

Zum Zerkleinern von Getreide, Samen und Kräutern wurden Mörser und Stößel aus Stein verwendet. Tongefäße eigneten sich zur Lagerung und zum Kochen. Spatel und Rührstäbe wurden aus Holz gefertigt, um Lebensmittel in Töpfen über einem offenen Feuer zubereiten zu können. Sie zeigen, dass die Menschen wussten, was für die Zubereitung von Speisen nötig war und welche Materialien sich dafür eigneten.

In manchen Regionen entstanden besondere Techniken. Im antiken Mesopotamien beispielsweise wurden Lehmöfen zum Brotbacken gebaut. In China verwendete man Woks und Dämpftöpfe aus Ton, die zur Entwicklung ganz anderer Zubereitungsarten führten.

Tischmanieren

Zum Essen benutzten die Menschen anfangs ihre Hände oder einfache Werkzeuge aus geschnitztem Holz, Knochen und später aus Metall. Stäbchen wurden im alten China bereits vor 3500 Jahren verwendet, ursprünglich jedoch zum Kochen, Umrühren und Servieren von Speisen, aber nicht zum Essen. Als sich die chinesische Küche wandelte und alle Zutaten mundgerecht geschnitten serviert wurden, setzten sich Stäbchen auch durch, um das Essen zum Mund zu führen. Essstäbchen wurden aus Bambus, Holz oder sogar Bronze hergestellt, je nach den verfügbaren Materialien, den lokalen kulturellen Vorlieben und dem sozialen Status der Nutzer.

Gabeln wurden erstmals an den Adelshöfen Persiens, des Nahen Ostens und des Byzantinischen Reichs zum Essen verwendet und waren ab dem 10. Jh. in wohlhabenden Familien üblich. Von dort verbreitete sich im Spätmittelalter ihre Verwendung bei Tisch auch nach Europa.

Im Lauf der Zeit wurden Kochutensilien immer wieder verfeinert. Im 20. Jh. hielten Edelstahl und beschichtete Pfannen Einzug in die Küchen. Neue Technologien und die Globalisierung des Geschmacks werden unsere Kochgewohnheiten weiter beeinflussen und die Art, wie wir Lebensmittel zubereiten und verzehren, weiter verändern. ■

Der Siegeszug der Gabel in Europa

Die Gabel gelangte im 11. Jh. über das Byzantinische Reich an die italienischen Höfe. In der Renaissance setzte sie sich in ganz Europa durch, nicht zuletzt durch den Einfluss der italienischen Prinzessin Katharina von Medici. Nach deren Heirat mit Heinrich II. von Frankreich (1533) wurde die Gabel am französischen Hof eingeführt.

Anfangs wurde die Gabel skeptisch beäugt und belächelt. Doch bald fand die Neuheit Anklang und entwickelte sich zu einem Symbol für Raffinesse. Im 17. Jh. setzte sie sich auf den Tafeln der europäischen Oberschicht immer mehr durch und wurde zu einem festen Bestandteil des Gedecks. Dieser Wandel hin zu einer formelleren Tischetikette lässt darauf schließen, dass sich in der europäischen Gesellschaft auch die Einstellung zur Hygiene veränderte.

Die ersten Gabeln hatten zunächst zwei oder drei Zinken. Die vierzinkige Form kam erst im 19. Jh. in Gebrauch.

Ein Adliger nimmt seine Speisen mit einer Art Gabel auf. Illustration aus einem italienischen religiösen Manuskript aus dem 11. Jh.

DIE WELT WIRD KLEINER

VERKEHR & TRANSPORT

IM KONTEXT

SCHWERPUNKT

Transport von Menschen und Gegenständen

GEBIET

Produktdesign, Materialdesign, Industriedesign

FRÜHER

um 12 000 v. Chr. Domestizierte Hunde helfen bei der Jagd und ziehen Schlitten und Karren.

5000 v. Chr. Arktische Völker bauen Lastenschlitten aus Tierfellen, Baumrinde und Holz.

2600 v. Chr. Dicke Baumstämme werden als Rollen benutzt, um riesige Steine für den Bau großer Monumente wie die ägyptischen Pyramiden zu bewegen.

SPÄTER

1000 n. Chr. Erste Atlantiküberquerung: Die Wikinger segeln in Langschiffen von Nordeuropa nach Nordamerika.

Dank dem menschlichen Erfindergeist können wir heute zu Land und zu Wasser, durch die Luft und in den Weltraum reisen. Dies hat ganze Gesellschaften sowie die Verbreitung von Ideen beeinflusst. Drei Innovationen gab es schon 2000 v. Chr.: das Boot, das Rad und die Nutzung der Kraft von Tieren.

Das ägyptische Fresko

aus dem Grab des Pharao Seti I zeigt den widderköpfigen Gott Chnum auf einem Boot mit Segel. Chnum wurde als Wassergottheit mit der Nilschwemme in Verbindung gebracht.

Über das Wasser

Schon um 10 000 v. Chr. wagten sich die Menschen auf Baumstämmen oder einfachen Flößen auf das Wasser hinaus. Die ersten Boote und Kanus wurden 7000 v. Chr. aus ausgehöhlten Baumstämmen und geflochtenem Schilfrohr hergestellt. Sie waren leichter zu lenken und konnten mehr Gewicht tragen. Tierhäute und Pech machten die Boote wasserdicht.

Die alten Ägypter statteten ihre Boote um 3000 v. Chr. mit Segeln aus. Sie bauten größere Schiffe und unternahmen weitere Reisen. Damals entwickelten sich zwei Rumpftypen: lange, schlanke Ruderboote und breite Segelboote mit mehr Tiefgang.

Die Kraft von Tieren

Um 5000 v. Chr. begann der Mensch, Tiere als Lasttiere zu domestizieren, zunächst Esel, Kamele, Lamas und Elefanten. Die Bauern setzten Vieh für den Transport von Feldfrüchten ein, und Ochsen wurden vor einfache Pflüge gespannt, um den Boden für den Anbau vorzubereiten. Geschirre halfen, das Gewicht zu verteilen, sodass die Tiere größere Lasten ziehen konnten.

Ein weiterer wichtiger Schritt fand statt, als der Mensch begann, wilde Pferde zu zähmen und zu reiten. Zunächst ritten die Menschen ohne Sattel, doch um 1300 v. Chr. erlaubten Halfter, Zaumzeug und einfache Sättel eine bessere Kontrolle. Pferde wurden zum Transport, zur Jagd und im Kampf eingesetzt.

Die Erfindung des Rades

Um 3200 v. Chr. wurden einfache Wagen mit massiven Holzrädern ausgestattet. Speichenräder gab es ab 2000 v. Chr. Durch sie wurden Fahrzeuge leichter und schneller. Um 100 v. Chr. wurden Lager eingeführt, so dass die sich Räder leichter drehten.

Diese Neuerungen ebneten den Weg für den Handel und den kulturellen Austausch über große Entfernungen. Sie prägten den Waren- und Personenverkehr für Jahrtausende. ■

Streitwagen

Zweirädrige, leichte Streitwagen wurden wahrscheinlich um 2000 v. Chr. von den Sumerern (im heutigen Irak) erfunden. Erstmals wurden Pferd, Zaumzeug und Speichenrad zusammengebracht. Die Wagen verbreiteten sich schnell in Ägypten und China und gelangten um 1000 v. Chr. nach Europa. Der Streitwagen revolutionierte die Kampftaktik und wurde vor allem für die ägyptischen Pharaonen zu einem Statussymbol. Vier Exemplare wurden im Grab von Tutanchamun gefunden.

Ab etwa 1000 n. Chr. wurden Streitwagen kaum noch eingesetzt, weil das Reiten immer üblicher wurde. Sie spielten jedoch weiterhin eine wichtige Rolle bei Prozessionen und öffentlichen Wettkämpfen wie den Olympischen Spielen in Griechenland. Auf Mosaiken aus der römischen Kaiserzeit wird Bacchus, der Gott des Weines, in einem von Tigern und Leoparden gezogenen Wagen dargestellt, umgeben von anderen wilden Tieren. Dies zeigt die anhaltende Bedeutung des Streitwagens als Machtsymbol, das mit der Mythologie verwoben ist.

Kaiser Mu (reg. 976–922 v. Chr.) aus der chinesischen Zhou-Dynastie in seiner Kutsche. Illustration aus dem 17. Jh.

WAFFEN, GERÄTSCHAFTEN UND SCHMUCK

PRODUKTE AUS BRONZE

IM KONTEXT