Bis hierher und nicht weiter! - Carl Wiesenstädter - E-Book

Bis hierher und nicht weiter! E-Book

Carl Wiesenstädter

0,0

Beschreibung

Unter dem Pseudonym Carl Wiesenstädter schildert der Autor seine Beobachtungen der Veränderungen der Gesellschaft und ihren Umgang mit dem Thema Jagd in Deutschland. Er gibt einen Einblick in sein Leben als Jäger und seine sich daraus ergebenden Konflikte mit der Gesellschaft. Sein Kampf gilt den RAUVIEs und der oberflächlichen Behandlung der am Rande des Mainstreams liegenden Lebensbereiche. Am Vorabend eines schleichenden Jagdverbotes in Deutschland ist das Buch nicht nur für Jäger lesenswert.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 145

Veröffentlichungsjahr: 2014

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Bis hierher und nicht weiter!

„Rote Karte“ für RAUVIEs

Carl Wiesenstädter

Impressum:

Bis hierher und nicht weiter!

Carl Wiesenstädter

Copyright: © 2014 Carl Wiesenstädter

published by: epubli GmbH, Berlin

www.epubli.de

ISBN 978-3-7375-0823-0

„Für meine Enkelsöhne

Damit auch sie jagen dürfen wie ihr Vater, Stiefomi und Großvater“

Inhalt

Vorwort 7

Wohin steuert die Gesellschaft? 9

Ein Blick in die Strömungen der Gesellschaft 10

Der Grundgedanke 10

„Leben und leben lassen“? 10

Die „Vollkaskomentalität“ 12

„Sie wollen doch keine amerikanischen Verhältnisse!“ 16

„German Angst“ 17

„Waffenlobby“ und „Waffennarren“ 18

„Ich und mein Magnum“ und „Geiz ist geil“ 21

„Ich gehe aus und du bezahlst“ 21

Die Macht der Medien 22

Die Internetforen 24

Der Sozialneid 24

Die Schlussfolgerung 25

Die Jagd als meine Weltanschauung 26

Meine Ausbildung zum Jäger 26

Mein Eintritt in das Jägerleben 27

Mein Leben als Jäger 30

Meine Jagd in der Gesellschaft von heute 35

Über den „Klimawandel“ in der Gesellschaft 35

Soll man jagen oder nicht? 39

Soll man Fleisch essen oder nicht? 44

Soll man die „Hobbyjäger“ durch „Staatsjäger“ ersetzen? 45

Der Jäger als privater Waffenbesitzer 47

Amokläufe und die neue Einsamkeit 48

Über die Verfolgung Andersdenkender 51

Und trotz allem: die Jagd im Aufwärtstrend 55

Glaubenskrieg der Ideologen 57

Der „Rote Faden“ 57

Behauptungen, die die Jäger verunglimpfen sollen 58

1. Die Jäger betreiben einen Blutsport 58

2. Die Jäger jagen aus Lust am Töten 59

3. Die Jäger sind Mörder 60

4. Die Jäger jagen nur wegen der Trophäen 61

5. Die Jagd ist nur etwas für Adelige und Reiche 62

6. Die Jäger verstoßen gegen Gesetze 63

7. Die Jäger verursachen Jagdunfälle und sind deshalb eine Gefahr für die Bevölkerung 64

8. Die Jäger begehen Straftaten mit Schusswaffen und gefährden auch deshalb die Gesellschaft 65

9. Die Jäger verschießen jedes Jahr Hunderte Tonnen Blei in die Wälder 65

Maßnahmen, die die Jagd erschweren und unattraktiv machen sollen 68

1. Verkürzung der Jagdzeiten 68

2. Schutz von Tieren, die andere Tiere in ihrer Existenz bedrohen 70

3. Wiederansiedelung von Beutegreifern 71

4. Das Schaffen von nicht bejagbaren Flächen 73

Forderungen, die in die Irre führen sollen 74

1. Bewegungsjagd statt Einzeljagd 74

2. Wald vor Wild 75

Eine Gesellschaft vor der Entscheidung 76

Einleitung 76

Wie ist es zum jetzigen Zustand gekommen? 76

Wer könnte in Sachen Jagd etwas tun? 78

Die Jäger haben der Gesellschaft etwas zu bieten 78

Das Bild der Jäger in der Öffentlichkeit muss zurechtgerückt werden 80

Die Theorie der Jagdgegner ist welt- und naturfremd 82

Was ist von der Politik zu erwarten? 84

Der Schwanz wedelt mit dem Hund 86

Klartext tut not 87

Entlarven statt ducken 89

Ein Beispiel, das hoffen lässt 90

Nachwort 91

Vorwort

Im Jahre 1949 geboren, dem Gründungsjahr der Bundesrepublik Deutschland, wird mir das Privileg zuteil, immer genau so alt zu sein wie unsere Republik. Vor uns beiden lag die Zeit des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges. Als Kind war ich mittendrin, als dieses Land aus Schutt und Asche wieder aufgebaut wurde. Ich habe das Wirtschaftswunder ebenso miterlebt wie die 68er-Bewegung und die Zeiten des RAF-Terrorismus.

In diesem Buch geht es nicht um die großen gesellschaftspolitischen Geschehnisse, sondern um die Veränderung unserer Gesellschaft im Kleinen, in den Bereichen, die jeden von uns angehen und jeden betreffen. Das tägliche Miteinander und der Umgang von Mensch zu Mensch soll eines der Themen sein.

Heute erreicht mich die Nachricht, dass in Deutschland eine große Bank einem Berufsjäger die Eröffnung eines Girokontos verwehrt hat, wegen seines Berufes. Vielleicht muss man so alt wie die Bundesrepublik sein, damit schrill die Alarmglocken läuten. Bis hierher und nicht weiter, sage ich, es muss jetzt endlich Schluss sein. Im ersten Teil meines Buches schildere ich meine Beobachtungen, wie sich unsere Gesellschaft in den letzten drei Jahrzehnten ganz allmählich und in kleinen Schritten, sozusagen schleichend in den Lebensbereichen verändert hat, die wir alle zu spüren bekommen. In demselben Zeitraum entwickelte ich mich zum Jäger, dessen Leben ich im zweiten Teil für diejenigen erkläre, die keine realen Kontakte zur Jagd besitzen. Damit beabsichtige ich, dass die der Jagd fernstehenden Menschen ein wenig mehr Einblick erhalten in das, was die Jagd in Deutschland wirklich ist, und sie nicht allein auf Darstellungen in den Medien angewiesen sind. Ich verbinde damit auch die Hoffnung, dass mehr Menschen Lust bekommen, Jagd und Jäger in Deutschland kennen zu lernen, und sich mit der Thematik mehr als bisher auseinanderzusetzen. Der dritte Teil beschreibt und analysiert meine Konfliktfelder als Jäger in der Gesellschaft. Im vierten Teil trete ich gegen die Hauptargumente der Gegner der Jagd an. Aber dieses Mal nicht, indem endlose Diskussionen über einzelne Argumente und deren Gegenargumente geführt werden. Das machen die Jagdverbände und andere seit Jahrzehnten. Vielmehr zeige ich den logischen Zusammenhang der Argumente untereinander auf, den es nur in einer einzigen Hinsicht gibt. Die Argumente der Jagdgegner sind untereinander nämlich nicht durch eine stringente Gedankenführung verknüpft. Sie dienen meiner Ansicht nach nicht dem Ziel, die Jagd zu reformieren und weiterzuentwickeln. Häufig widersprechen sie sich sogar, aber es gibt die eine Verbindung, dass sich eine bestimmte Gruppe unserer Gesellschaft aus welchen Gründen auch immer vorgenommen hat, die Jagd in Deutschland abzuschaffen. Es scheint, dass für dieses Ziel fast wahllos alles zusammengerafft wird, was irgendwie auf irgendeine Weise helfen könnte, dem Ende der Jagd in Deutschland ein Stück näher zu kommen.

Mein elementares Anliegen ist aufzuzeigen, dass die gesellschaftlichen Vorgänge rund um die Jagd nur ein Beispiel für die Mechanismen in unserem gesellschaftlichen Miteinander sind. Mir geht es um die Jagd, aber nicht nur um sie. Denn leider verfährt unsere Gesellschaft mit anderen Themen in der gleichen Art und Weise.

Dieses Buch soll nicht nur zeigen, beschreiben und analysieren, manchmal wehklagen und bedauern, sondern auch wachrütteln. Das darf so nicht weitergehen, meine ich! Darum frage ich im letzten Teil, was jeder einzelne Bürger unseres Gemeinwesens in seiner kleinen Welt tun könnte, um etwas zu ändern. Erfahren Sie, was RAUVIEs sind, warum sie uns schaden und wir uns gegen sie wehren müssen.

Das Erscheinungsbild unserer Gesellschaft ist die Summe ihrer achtzig Millionen Einzelteile. Niemand soll sagen: „Das habe ich nicht gewusst“ - oder „Was hätte ich als Einzelner dagegen machen können?“ Wohin wir steuern, liegt in den Händen jedes Einzelnen.

Wohin steuert die Gesellschaft?

Seit ich vor 30 Jahren die Jägerprüfung bestanden habe, bin ich als Jäger und als Waffenbesitzer immer wieder Angriffen bestimmter Kreise der Gesellschaft ausgesetzt gewesen. Der Druck hat in den drei Jahrzehnten nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich unaufhaltsam zugenommen und jetzt seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. In diesen Wochen und Monaten wird ein beispielloses Powerplay gegen die Jäger in Deutschland gespielt. Jeder spürt, dass zum letzten Halali auf die Jagd geblasen werden soll.

Da es „nur“ etwa 360.000 Jäger in Deutschland gibt, könnte es dem großen Rest der Gesellschaft, den 80 Millionen Bürgern unseres Landes, egal sein, ob die Jagd abgeschafft wird oder nicht. Könnte es, wenn es nur um die Jagd ginge. Es geht aber nicht nur darum. Die Mechanismen, Minderheiten zu diffamieren, sind immer gleich. Die jeweils anderen meinen, nicht betroffen zu sein und stimmen in das Schimpfkonzert des Mainstreams ein. Bis die nächste Minderheit an der Reihe ist. Irgendwann ist jeder an der Reihe. Jeder gehört zu einer Minderheit. Deshalb tun alle gut daran, genau zu beobachten, was hier und heute in Deutschland mit den Jägern gemacht wird. Aber nicht nur das. Wenn die Jagd abgeschafft werden sollte, geht es auch um unsere Steuern!

Die Kernfrage, die hinter allem steht, ist:

Wohin steuert die Gesellschaft?

Wohin bewegen wir uns? Wie wird unser Leben morgen aussehen, wenn die Entwicklung so weitergeht? Wenn wir dort angekommen sind, wohin die Reise derzeit geht, wie wird unsere Gesellschaft dann beschaffen sein, nach welchen Prinzipien wird sie funktionieren, was werden ihre Normen und Regeln sein, wie wird es uns in dieser Gesellschaft gehen und ergehen? Wird es eine tolerante, offene, permissive und warme Gesellschaft sein oder eine autoritäre, engstirnige, gleichgültige und kalte? Wollen wir wirklich dorthin, wohin wir uns gerade bewegen? Gibt es Auswege? Können wir umkehren? Wenn ja, wie stellen wir das an? Das sind die Fragen, die wir uns jetzt stellen sollten. Denn sonst könnte es bald wieder einmal zu spät sein in Deutschland.

Wehret den Anfängen!

Ein Blick in die Strömungen der Gesellschaft

Der Grundgedanke

Wer verstehen möchte, was in Deutschland mit der Jagd und den Jägern geschieht,kommt nicht daran vorbei, sich mit der Entwicklung und dem Zustand der Gesellschaft im Allgemeinen auseinanderzusetzen. Denn nur vor diesem Hintergrund sind die Vorgänge zu begreifen. Eine isolierte Betrachtung der Jagd mündet in einen Tunnelblick, der die Sicht auf das große Ganze versperrt.

Die nachfolgenden Gedanken sind nicht als Verallgemeinerungen zu verstehen. „Die Menschen“ gibt es nicht, ebenso wenig wie „die Jäger“ oder die „Jagdgegner“. Meine Gedanken und Beschreibungen sind Beobachtungen, die ich gemacht habe. Sie sind Tendenzen, Erscheinungen, Aspekte. Sie treffen auf eine Reihe von Menschen zu, vielleicht auf viele, aber nicht auf alle. Krankheiten sind fast immer ansteckend. Schon eine einzige faule Pflaume im Korb kann alle anderen verderben.

„Leben und leben lassen“?

„Jede Jeck ist anders“, sagen die Kölner. Wie Recht sie haben. So vielfältig die Menschen in ihrer äußeren Erscheinung sind, so verschieden sind sie auch in ihrem Inneren. Lebenseinstellungen, Wünsche, Vorlieben, Ziele, Religionen, Weltanschauungen, politische Orientierungen sind nicht bei allen Menschen gleich. Es wäre eine furchtbare Vorstellung, alle Menschen würden gleich aussehen und dasselbe denken und wollen! Jeder Mensch ist ein Individuum und hat ein Recht, so zu sein, wie er ist - wie die Natur ihn geschaffen hat. „Leben und leben lassen.“ Wer so denkt, ist tolerant, weltoffen und menschenfreundlich. Hiermit ist nicht gemeint, dass einem die Mitmenschen gleichgültig sind, dass man aneinander vorbeilebt, sondern dass man anderen zugesteht, anders zu sein, anders zu ticken, anders zu leben als man selbst.

Die Deutschen besitzen einerseits Tugenden, die auf der ganzen Welt hoch geschätzt werden. Leider hat die deutsche Seele aber auch ihre tiefdunklen Schattenseiten. Untugenden wie Besserwisserei, Überheblichkeit und eine Sucht, über andere herrschen zu wollen, Regelungswut, Weltverbesserei, ein übersteigertes Sendungsbewusstsein sowie Fanatismus sind leider auch typisch deutsch. Mehr als einmal haben sie Deutschland ins Chaos, in Not und Elend gestürzt und Millionen von Menschen den Tod und unsägliches Leid gebracht.

Nicht nur im Dritten Reich, sondern auch in der Deutschen Demokratischen Republik waren es jeweils wenige, die dem Rest der Gesellschaft ihr Denken und Handeln, ihre Gesinnung übergestülpt haben, wenn es sein musste, auch mit Gewalt, Inhaftierung, Folter und Schlimmerem. Abgründe tun sich auf, sobald man nur einen flüchtigen Blick hinter die Kulissen wirft. Das waren Deutsche. Unsere Väter, Großväter und Urgroßväter. Wir sollten das niemals vergessen, sondern es uns stets vor Augen halten. Alle Menschen, die heute in Deutschland leben, müssten wissen, was Deutsche in der Lage waren anzurichten. Leider scheint die Zahl der Menschen zuzunehmen, die das vergessen haben oder es nicht mehr wahr haben wollen. Ob wir es wollen oder nicht, die dunklen Seiten stecken in unseren Genen wie die Vorzüge, die wir in uns tragen.

Ich gehöre der begnadeten Generation an, die ein langes Leben in Europa leben durfte, ohne einen Krieg oder eine blutige Revolution miterlebt zu haben. Das ist in der Geschichte Deutschlands einmalig. Niemals zuvor hat es das gegeben. Alle wollen, dass es so bleibt. Aber niemand gibt uns eine Garantie dafür, dass das immer so bleiben wird. Also müssen wir hart daran arbeiten. Darum müssen wir wachsam sein und beobachten, was in unserer Gesellschaft vor sich geht. Unfälle geschehen plötzlich, das gesellschaftliche Unheil schleicht sich jedoch langsam an.

„Leben und leben lassen“ – ist keine typische deutsche Geisteshaltung. Es mag durchaus Menschen in Deutschland geben, die diesem Grundsatz folgen und ihn leben. Aber ich meine, in den letzten drei Jahrzehnten hat die Zahl derer erheblich abgenommen, die akzeptieren, dass andere Menschen anders sind und anders leben wollen als man selbst.

Entsprechende politische Strömungen sind nur zu offensichtlich. Sie sind nicht über Nacht gekommen, sondern haben sich langfristig entwickelt. Da hat sich eine politische Partei etabliert, die von vielen als die „Verbotspartei“ schlechthin angesehen wird. Man hat den Eindruck, dass es Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die ihre Mitmenschen am liebsten in Umerziehungslager stecken würden, damit sie dort gezwungen werden, so zu denken und zu handeln wie man selbst.

„Was ich nicht brauche, brauchen andere auch nicht, und deswegen muss es verboten werden.“ Diese Einstellung hat in Deutschland um sich gegriffen. Wie ein Krebsgeschwür wuchert die Anmaßung, über das Leben der Mitbürger bestimmen zu wollen, wobei als Maß aller Dinge die eigene, kleine Anschauungswelt dient.

Eine Politikerin hat mal im Ton der Empörung in ein Mikrofon gerufen: „Schießen ist doch kein Sport!“

Ich möchte in einem Land leben, in dem ich auch in Zukunft selbst entscheiden darf, was für mich ein Sport ist.

Es ist ein Phänomen, eine Erscheinung, ein unglaubliches und durch nichts zu rechtfertigendes Verhalten: Oft sind es genau diejenigen, die für die Rechte von Ausländern, Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen und von ethnischen Minderheiten kämpfen, die ihre Fürsorge beschränken auf nur diese von ihnen bestimmten, klar definierten Gruppen. Andere Minderheiten wie Jäger, Landwirte, Waffenbesitzer, Fleischesser oder Raucher genießen den gleichen Minderheitenschutz nicht. Die Jagd muss verboten werden, wie der private Waffenbesitz auch, alle Menschen müssen Nichtraucher und Vegetarier werden, am besten gleich Veganer. Die Belange von Minderheiten zu achten und zu respektieren, ist keine generelle Geisteshaltung dieser Zeitgenossen, sondern nur eine im Spezialfall. Die Auswahl, welche gesellschaftlichen Minderheiten respektiert und gefördert, aber welche bekämpft werden, erscheint willkürlich, auch wenn „geistreiche“ Erklärungen für die Wahl gegeben werden. Letzten Endes folgt die Auswahl ideologischen Grundsätzen.

Eine Toleranz, die nur gegenüber bestimmten Personen und Gruppen geübt wird, ist keine aus Überzeugung geborene und gelebte Geisteshaltung.

„Jede Jeck ist anders.“ Die sympathische Lebenseinstellung der Kölner gilt nicht in ganz Deutschland. „Leben und leben lassen“ ist nicht auf die deutschen Fahnen geschrieben.

Die „Vollkaskomentalität“

Unsere Gesellschaft hat sich daran gewöhnt, Unangenehmes durch andere erledigen zu lassen. Der Staat sorgt für uns, für alle und alles. Wenn es der Staat nicht tut, dann aber doch andere und nicht man selbst.

Vor langer, langer Zeit war es üblich, dass Menschen zu Hause starben. Verwandte und Freunde hielten Totenwache. Verabschiedeten sich lange und intensiv von dem Toten. Heute werden die Toten so schnell es geht aus unserem Leben entfernt, kaum dass sie die Augen für immer geschlossen haben. Der Bestatter bietet das Rundum-sorglos-Paket. Wer will, muss nichts mehr rund um das Sterben der Angehörigen selbst erledigen. Unangenehmes wird weggeschoben, verdrängt. Man bezahlt dafür, dass es einem abgenommen wird.

Es gab Zeiten, in denen in der örtlichen Metzgerei oder auf dem Bauernhof noch geschlachtet wurde. Vorbei sind die Zeiten der Schlachtfeste, als hungrige Menschen Schlachtungen miterlebten, sich satt aßen und feierten. Vorbei die Zeiten, als den Menschen der Kreislauf von Leben und Tod noch gegenwärtig war. Heute wird in Groß-Schlachthöfen am Fließband getötet. Das Fleisch kauft man danach, sauber verpackt, im Supermarkt. Kein Blut, kein Tier, sondern „fertiges Fleisch“. Dieser Begriff wurde durch die O-Ton-Charts von Eins Live bekannt, als eine junge Frau sich darüber aufregte, wie man nur Tiere töten und essen könne. Auf die Frage, ob sie denn kein Fleisch esse, gab sie zur Antwort: Doch, sie esse natürlich Fleisch, aber sie kaufe nur „fertiges Fleisch“ im Supermarkt.

Schon vor 50 Jahren wurden Kinder dazu erzogen, die Umwelt zu schützen. Zum Beispiel, indem sie Bonbonpapier nicht auf die Erde warfen, sondern in die Mülltonne. Wer heute ein Autobahnkreuz befährt, könnte glauben, sich in eine Mülldeponie verfahren zu haben. In der Umgebung von Fast-Food-Restaurants wehen Warmhalteverpackungen und Tüten vom Wind getrieben über die Fahrbahn. Irgendjemand wird schon zuständig sein und kommen, das alles wegzuräumen. Schließlich zahlt man ja Steuern. Es sind Mitglieder unserer Gesellschaft, die Müll auf die Straße werfen. Manche bringen ihren Müll sogar in den Wald. Autoreifen, Autositze, Kühlschränke. Mitglieder derselben Gesellschaft, die sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit, manchmal fast hysterisch, nach Umwelt- und Naturschutz schreit. Das alles geschieht nicht etwa 1950, sondern 2014, nach Jahrzehnten des Umwelt- und Naturschutzes in Deutschland. Handelt es sich um eine Spaltung der Persönlichkeiten oder eine Spaltung der Gesellschaft? Alle sind für Umweltschutz im Allgemeinen, politisch, medial und theoretisch, im eigenen Auto soll es auch sauber sein, aber dann wird das Fenster runtergefahren und der Müll auf die Straße geworfen. Besonders krass empfinde ich das Werfen von brennenden Zigarettenkippen aus dem fahrenden Auto, manchmal auf die Motorhaube des Hintermannes. Niemals hätte ich vor 50 Jahren geglaubt, dass es ein halbes Jahrhundert später Menschen in Deutschland geben würde, die gegenüber der Natur, der Umwelt und ihren Mitmenschen derart rücksichtslos sind.

Wer sich jemals zu einschlägigen Sendezeiten durch die Fernsehkanäle gezappt hat, weiß, dass auch das Denken nicht mehr selbst erledigt werden muss. Manchmal scheint es, dass es sogar unerwünscht ist. Denn das Denken haben andere seit Langem für uns übernommen. Was „politisch korrekt“ ist, bekommt der Bürger via Antenne oder Kabel in sein Wohnzimmer geliefert. Selbst Nachrichten werden oft nicht mehr neutral und objektiv vorgetragen, sondern durch Wortwahl und Tonlage wird gleichzeitig mit der Information die „politisch korrekte Meinung“ unter das Volk gebracht.

Der Strom kommt aus der Steckdose und das Geld vom Konto. Niemand wird verhungern. Im schlimmsten Falle richtet man sich auf Hartz-IV-Niveau ein.

Die Liberalen, vielleicht erinnert sich noch jemand, das sind die, die auf die Eigenverantwortung des Bürgers setzen, sind nicht einmal mehr im Deutschen Bundestag vertreten. Die Grünen hingegen, die, wie ich meine, sich immer wieder aufs Neue als Verbots- und Regulierungspartei profilieren, auch wenn sie fleißig das Gegenteil behaupten, eilen von Wahlerfolg zu Wahlerfolg, von zwischenzeitlichen Dämpfern abgesehen.

Wer immer mehr und das immer öfter durch andere erledigen lässt, wer alles Unangenehme stets beiseite schiebt, wer andere für sich denken lässt, entfernt sich von den Realitäten des Lebens, wird unselbstständig und am Ende ein Opfer der Manipulation.