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Biss im Alter steht für ein Zukunftsprojekt für die Altersgruppe 50+. Vorgestellt werden Aktionen, Methoden, Themen für den Übergang aus dem Beruf in die nachberufliche Tätigkeit. Mit Kreativität und Biss sucht eine LebenPlus-Gruppe von 5 Personen nach dem Roten Faden im Leben. Es geht darum, berufliche und private Ansprüche zu vereinbaren und ein neues Verständnis von Leben zu finden, welches das Leben bereichert.
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Seitenzahl: 133
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Vorwort
Statements
2.1 Warum ich in einer LebenPlus-Gruppe mitmache!
2.2 Wieso eigentlich LebenPlus?
2.3 Das Leben ist ein Stück Seife
2.4 Über ... Leben
2.5 Was ist mir wichtig bei LebenPlus?
Zutaten: Aktionen
3.1. Arbeit im Alter
3.2. Sitzungen
3.3. Robert-Jungk-Preis 2005 – 2007 – 2009
3.4. Familienforschung
3.5. Festival „Wege, das Leben zu verlängern“
3.6. Gesellschaftliches und ehrenamtliches Engagement
3.7. Kulturelle Ausflüge in der Gruppe
3.8. Das Leben geht weiter – die Entdeckung neuer Fähigkeiten
3.9. Der persönliche Flyer
3.10. Pilgerreise
3.11. Filme anschauen... über Alter und Altwerden
3.12. Lieder von Abschied und Aufbruch
3.13. Aufbruch in die zweite Lebenshälfte
3.14. Parcours der Vergänglichkeit – die Fragen des Lebens
3.15. Musik gegen Alzheimer
3.16. Mit dem Wohnmobil durch die „neue“ Welt
3.17. Zahnarztbesuche: gestern – heute – morgen
Zutaten: Methoden
4.1. Das Blitzlicht
4.2. Kann man sich für den Ernstfall rüsten? Fünf-Säulen-Modell des Lebens
4.3. Lebensmatrix
4.4. RePlaKo-Dreieck: Vorbereitung des beruflichen Ausstiegs
4.5. Objektivierung durch ZDF (Zahlen, Daten, Fakten)
4.6. Kollegiale Fallberatung
4.7. Lebenslinie – auf der Spur des Lebens
4.8. Postkarten – eine Übung zur Selbsteinschätzung
4.9. Dokumentationen des Lebens
4.10. 635-Methode – eine Kreativitätstechnik
4.11. Szenario-Methode: Aktuelle Lebenssituation und Perspektiven
4.12. Wanted – Steckbriefe, oder wie sich unser Leben verändert hat
4.13. Die eigene Geschichte – Lebensbuch
4.14. Was wir von Familientherapie und Supervision lernen könnten
4.15. Loseblatt-Sammlung mit Publikationen
4.16. Die verlorenen Lakritzpfeifen – Erinnerungskataloge
4.17. Durchsetzungsstärke mit Biss – ein Mindmapping
Zutaten: Themen
5.1. Was ist für uns aktives Leben?
5.2. Berufliche und private Entscheidungen
5.3. Vorstellung vom Altwerden
5.4. Altersgerechte Wohnformen
5.5. Finanzielle Absicherung
5.6. Späte Sexualität
5.7. Wir als Eltern, Großeltern, Kinder, Partner
5.8. Wie kann man Geschichten so erzählen, dass richtig zugehört wird?
5.9. Welche Rolle spielt Religion für uns – retten wir uns in ein ewiges Leben?
5.10. Wie kann ich von Kunst leben?
5.11. Ist Altersweisheit eine gute und anzustrebende Eigenschaft?
5.12. Geschenke für Ältere
5.13. Seniorengenossenschaften
5.14. Wenn unsere Eltern sterben
5.15. Die Zumutung, sterben zu müssen
5.16. Beerdigung
5.17. Ernährung im Alter – lustvoll oder gesund und bissfest?
Nachspann, Nachtrag, Abgesang, Ausblick
Die Autorinnen und Autoren im Zeitablauf von 2003 bis 2016
(Bernd Helbich)
Das Buch eröffnet Menschen in der Lebensmitte neue Sichtweisen. Es ist „freigegeben“ für die Altersgruppe ab 50. Die Grenzen sind aber fließend zu sehen, auch altersmäßige Unter- und Überschreiter dürfen sich angesprochen fühlen. Es ist für Menschen interessant, die auf ihr bisheriges Leben zurückblicken, ihre Situation mit Gleichgesinnten reflektieren wollen – und die gemeinsam Freude an Zukunftsentwürfen haben. Das Buch kann inhaltliche und methodische Orientierung bieten – geeignet für Menschen, die experimentierfreudig veranlagt sind. Insofern ist es nicht als Ratgeber angelegt, sondern eher als ein Inspirations-, Zündungs-, Anregungsbuch.
51 Zutaten (die 51 steht für 50+), aufgeteilt in „Aktionen“, „Methoden“ und „Themen“, werden vorgestellt. Jede Zutat steht auf einer Doppelseite oder Einzelseite und folgt einem einheitlichen Gliederungsschema: erläutern, erleben, erfahren, übertragen.
Mit dem letzten Gliederungspunkt des Übertragens soll der Zündungsfunke überspringen. Er soll Menschen ab 50, die ihr Privat- und Berufsleben ausbalancieren und Weichen für Kommendes stellen wollen, anregen, sich auf kreative Weise mit wichtigen Fragen auseinanderzusetzen – im Garten oder drinnen am Specksteinofen, allein, mit dem Partner, in einer Gruppe.
Die hier in Papierform gebrachten Zutaten sind alle im Zeitraum zwischen 2003 und 2016 „entstanden“. Sie wurden bei Sitzungen, Ausflügen oder unseren Festivals diskutiert und „praktiziert“. Wir haben einiges erörtert und vieles von dem, was der Leser nun lesen kann, getan!
Wir sind eine Gruppe von zwei Frauen und drei Männern. Seit 2003 – da waren wir alle so um die 50 – gehen wir zusammen einen Weg. An ihm steht ein großes imaginäres Schild mit unserem Leitthema: „LebenPlus – Berufliche und private Ansprüche, Ambitionen und Visionen vereinbaren!“ Anstelle von LebenPlus könnte auch 50+ stehen, 50+ deshalb, weil wir mit fünfzig Jahren unser Projekt gestartet haben und es bis heute weitertreiben. Heute sind wir über 60.
Wir treffen uns einige Male im Jahr und reden, reflektieren, planen, erstellen Konzepte und setzen diese um. Bei einem guten Essen machen wir uns Gedanken darüber, wie wir unsere Energien auf berufliche, neben- und nachberufliche Ziele und Aufgaben konzentrieren und dabei unsere privaten und kulturellen Seiten nicht verkümmern lassen wollen. Entwickelt hat sich so ein temporäres (Lebens-)Projekt, ein kollegiales soziales Netz an der Schnittstelle der Lebensmitte – mit den üblichen beruflichen Höhen, Wendungen, privaten Grenzpunkten – und dem sich abzeichnenden letzten Lebensdrittel.
Wir wechseln uns in der Gestaltung der Abende ab, z. B. in der Bearbeitung der Themen „Leben, Wohnen und Arbeiten im Alter“, „Anknüpfen an verschüttete Begabungen“, „Dokumentation des Lebens“, „Prägende Impulse wie Literatur oder Kunst“. Wir arbeiten jenseits von hierarchischen Zwängen, Karriereerwartungen und machtpolitischen Taktiken mit dem gemeinsamen und differierenden Blick auf unser eigenes Älterwerden.
Unsere Bindemittel sind 1. Vertrauen und Akzeptanz, 2. die sich entwickelnden Selbstorganisationsfähigkeiten, 3. das Gefühl der gleichgewichtigen Leistungs- und Ideenerbringung aller Gruppenmitglieder. Der Arbeit zugrunde liegen unbürokratische pfiffige Spielregeln, die in den ersten Sitzungen aufgestellt wurden. Sitzungsergebnisse und Ideen / Themen werden in einem Protokoll dokumentiert, welches wir als Gedächtnispapier bezeichnen. Dessen Form orientiert sich an künstlerischen Gestaltungselementen, der Stil an einer lebensfrohen, korrekten Alltagssprache.
Ansporn sind uns Fragen mit dem Tenor:
Haben wir ein Idealbild von unserem weiteren Leben? Inwieweit können wir uns unserem Idealbild nähern?
Was haben wir alles in unserem Leben schon gemacht – wo ist der rote Faden?
Kann einem erkannten roten Faden im Leben weiter gefolgt werden, auch wenn er sich schlängelt?
Wollen wir im „Mainstream“ schwimmen, oder auch das ein oder andere Mal gegen den Strom?
Wie können wir berufliche Verpflichtungen, private Neigungen, Wünsche, Interessen und soziales Engagement vereinbaren, dabei vielfältige Energiequellen nutzen, Kompetenzen und Potenziale (wieder-)entdecken – zur privaten und beruflichen Optimierung?
Wie geht es uns beruflich, persönlich? Wo liegen unsere Ambitionen? Werden wir unsere beruflichen Tätigkeiten bis zur „Verrentung“ fortsetzen (können)? Gibt es für uns andere (ergänzende) berufliche Perspektiven?
Wie können wir ein Zukunftskonzept für unser Alter entwickeln – unter Berücksichtigung von beruflich / semiberuflicher Tätigkeit, Hobby, Ehrenamt?
Wie können wir uns in einem Alter biologischer Einschränkungen den "Biss" bewahren, Dinge verändern, neu angehen (d. h. zupacken und zubeißen, durchsetzen und durchbrechen etc.)?
Diese Fragen stellt man sich nicht in der Jugend oder am Anfang der Berufskarriere, sondern in der Lebensmitte. Das gilt auch für uns. Und bevor wir Antworten fanden, haben wir aus den Fragen unseren Anspruch abgeleitet: Das „Jetzt“ soll uns nicht „aufzehren“, sondern Gelegenheit bieten, möglichst viel an privaten Interessen neben der beruflichen Spur zu verwirklichen. Aus dem Jetzt heraus wollen wir Planungen machen, mit der Option, einen Teil davon schon heute zu realisieren. Im Reflektieren und Pläneschmieden sehen wir einen Reiz deshalb, weil alle Pläne in der Reflexion der Vergangenheit entstehen und uns helfen werden, unsere Persönlichkeit mit manchen verschütteten Talenten und Neigungen unserer Jugend wieder zu entdecken.
Der Anspruch heißt demzufolge:
Ideen für ein späteres Leben entwerfen –
jenseits der finanziellen Art von Zukunftssicherung!
Und eine Idee ist dieses Buch.
Drei zentrale Kategorien führen als Wegweiser durch dieses Buch. Sie begleiten, helfen zu orientieren, geben den Blick frei auf etwas Neues, aus unterschiedlichen Perspektiven.
Mitten in der aktiven Arbeit bei LebenPlus ging uns „als Licht“ auf, dass wir jede unserer Aktivitäten einer der drei Kategorien „Aktionen“, „Methoden“, „Themen“ zuordnen konnten. So entstand ein Kategorienmodell, welches eine Struktur vorgibt und eine wichtige Lotsenfunktion erfüllt. Es erlaubt, eine Vielfalt von menschlichen Verhaltensweisen zu zeigen. Wir nehmen uns in unterschiedlichen Rollen mit vielfältigen Persönlichkeitsanteilen wahr. Darin liegt im Übrigen ein wesentlicher Unterschied zur eingeschränkten Rollenausübung im Beruf:
Aktion heißt etwas tun, etwas verwirklichen, sich an einen anderen Ort begeben, sich in einer anderen als der gewohnten Rolle entfalten. Wir begegnen uns selbst in der Rolle als Entdecker, Kundschafter, Manager, Handwerker, Künstler.
Methoden anwenden bedeutet, dass wir uns in die Rolle von Wissenschaftlern und Forschern begeben. Dabei sind manche Methoden eher mathematisch aufgebaut, in der Anwendung wären wir Analytiker und Ingenieure. Andere Methoden sind kreativ angelegt, in der Anwendung wären wir eher Medien- und Zukunftsgestalter.
Sich mit Themen auseinandersetzen heißt zu recherchieren, Informationen adressatengerecht aufzubereiten, zu berichten. Wir begeben uns in die Rolle von Reportern, Redakteuren, Moderatoren, Nachrichtensprechern.
Einige Beispiele:
Unsere Sitzungen beginnen immer mit einem Blitzlicht, und im Anschluss wird als Protokoll ein Gedächtnispapier angefertigt. Wir halten Spielregeln ein. Daher sind Blitzlicht, Gedächtnispapier und Spielregeln für uns in einer einfachen, aber strukturierten Form „Methoden“.
Für viele Sitzungen haben wir im Vorfeld Themen ausgesucht. „Welche Produkte und Dienstleistungen können wir im Alter gebrauchen?“, ist ein solches Thema, wobei anzumerken ist, dass einzelne Themen auch mit ausgewählten Methoden bearbeitet wurden. Die „Durchführung einer Pilgerreise“ ist dagegen eine Aktion. Wenn danach aber darüber berichtet und diskutiert wird, könnte daraus wieder ein Thema werden.
Wir haben für uns festgestellt, dass sich alle Gruppenmitglieder privat verändert haben – alte Neigungen und Begabungen wurden aufgegriffen und optimiert, teilweise öffentlich gemacht. Jeder für sich persönlich hat die Rückmeldung, dass wichtige Weichenstellungen für die Zukunft gelungen sind (Ehrenamt, freiberufliche Tätigkeit, Verwirklichung künstlerisch kreativer Vorhaben, Altersplanung etc.). Individuelle Klärungen haben positive Auswirkungen in den beruflichen Alltag gehabt. Die Übergänge aus dem Berufsleben in die nachberufliche Phase sind in der individuellen Wahrnehmung und der objektiveren Betrachtung der anderen „offensiv“ gelungen.
Was für den Leser herauskommt, hängt davon ab, ob er sich mit der Lektüre zufriedengibt oder – am besten mit anderen – seine eigene Lebensphase 50+ offensiv, mit Biss, gegen den Strom gestaltet.
Begeben Sie sich auf einen spannenden Weg.
(Bernd Helbich)
Nichts Besseres als zwei winzig kleine Auszüge aus dem großen Repertoire der deutschen Geistesgeschichte können für mich als Ingenieur und Soziologe meine Motivation, mein Interesse und meine Begeisterung ausdrücken, sich über einen langen Zeitraum dem Thema LebenPlus in einer Gruppe von gleichgesinnten 50- bis 60jährigen Menschen zuzuwenden, sich auszutauschen und zum Handeln sowohl animieren zu lassen als auch selbst zu animieren. Ingenieure sollen Brücken bauen, unbekanntes Terrain erschließen. Soziologen sollen fragen, warum dies und jenes denn so und nicht anders passiert und wie es sich denn in Zukunft entwickeln möge. Die zwei Auszüge sind einerseits wie zwei Pole, entgegengesetzt bzw. sich gegenüberstehend, sich entfernend, aber andererseits wieder zusammenrückend, sich überlagernd – mit dem Gehalt der Aussagen aber nur für mich existierend mit dem, was sich zwischen ihnen befindet: in mir, meiner Persönlichkeit, meinen Gedanken und Empfindungen, meinen Fähigkeiten, mich auszudrücken und anderen mitzuteilen, andere anzustecken. Manchmal bin ich erstaunt über diese Ideen – von sachlich bis anarchisch, von praktikabel bis utopisch.
Dies alles widerfährt mir nicht als junger Mann aus jugendlicher Aufbruchstimmung heraus, sondern als „alternder Mensch“ in der Lebensphase zwischen dem mittleren und späten Erwachsenenalter. Meine beiden Impulsgeber könnten unterschiedlicher nicht sein, der eine klein und verwachsen, der andere groß und stattlich. Der erste lebte sein Leben im 18. Jahrhundert, der andere im 19. und 20. Jahrhundert. Auf den ersten brachte mich mit Günter ein Mitglied unserer Gruppe, den anderen habe ich mir selbst erlesen. Den ersten haben wir mit seinen Thesen okkupiert. Wir haben seine Aussagen zur Überschrift unserer Festivals gemacht.
Auf diesen Festivals erlebte und erfuhr ich gewissermaßen als Symbiose unserer vielen Diskussionen in der Gruppe ganz praktisch, wie wir und damit auch ich uns künstlerisch kreativ auszudrücken im Stande sind. Und das ist etwas, was sich schleichend wie eine späte Evolution für mich fortgesetzt hat. Es war für mich als Blechbläser eine schöne Erfahrung, mein normales tägliches Leben als Familienvater, leitender Angestellter, Vertreter des Bildungsbürgertums mit einer anderen Facette meiner Persönlichkeit – der musikalischen – zu bereichern. Diese war in meinen Wurzeln und in der Vergangenheit angelegt, jedoch verschüttet. Die Arbeit in der Gruppe hat mir geholfen und mich angeregt und beflügelt, mich ihrer wieder anzunehmen und sie zu leben.
Nutzen gezogen habe ich im Übrigen nicht nur für meine musikalischen Erprobungen, auch für viele andere „Experimente im fortgeschrittenen Lebensalter“, die sich durch viele Themenfelder gezogen haben: Gesundheit, Spiritualität, soziales Engagement, Generationenübergänge, berufliches Handeln. Vieles davon habe ich mit der Gruppe und allein umgesetzt, es hat also den Zustand der Planung, der Vision verlassen, ist damit Bestandteil meines Lebens geworden. Und auch heute greife ich auf diese Bestandteile zurück, denke darüber nach, entwickle sie weiter. Die Essenz: sich selbst bereichern, indem man andere neue Wege geht, etwas ausprobiert, zunächst heimlich und im stillen Kämmerlein, dann mutiger vor verständnisvollem Publikum, welches einem kleine Unzulänglichkeiten gerne verzeiht, weil es selber ins Nachdenken kommt und die kleinen Träumereien nachvollziehen kann. Dies führt zum zweiten Impulsgeber: deutscher Literat, Nobelpreisträger. In seinen (männlichen) Darstellern erkenne ich mich manchmal ein klein wenig wieder.
In seinen Werken, v. a. in den Familiengeschichten, wird dem Leser eindrucksvoll der Blick für vergangenes, historisches, gegenwärtiges und zukünftiges Tun geschärft. Diese Wechsel, die durch den Autor in seinen handelnden Personen angelegt sind, die die Dramaturgie seiner Erzählungen leiten, haben mich angeregt und darin bestärkt, eine ähnliche Perspektive einzunehmen – und das ist die Essenz daraus: nach vorne zu schauen, auf das Leben, das noch kommt und bleibt, aber mit Blick zurück. Was nehme ich mit, worauf besinne ich mich, welche Stärken kann ich ausbauen, welche Schwächen angehen und verbessern, worin liegt Sinn, was macht mich zufriedener? Mir gefällt auch gut, dass ich mir angewöhnt habe – verstärkend seit dem 50. Lebensjahr- meine Ideen für meine Vorhaben aufzuschreiben und die kleinen Erfahrungen meines Lebens in einem Notizbuch als individuelles Tagebuch zu dokumentieren.
Der Brennstoff für beide Impulse und Antriebe war und ist unsere Gruppe LebenPlus, und damit ist die Gruppe für mich ein im heutigen Sprachgebrauch so genannter „Prozessbegleiter“. Denn manche Dinge (Prozesse) kann man allein erledigen: nachdenken, planen, Neues ausprobieren, etwas schriftlich festhalten etc. Der Mensch ist aber ein soziales Wesen. Viele Dinge entfalten erst ihre ganze Produktivkraft, wenn man sie zusammen tut. Wir haben in unserer Gruppe vielfältige interessante Themen diskutiert, methodisch gearbeitet, uns mit lebens-, alltags- und alterspraktischen Tipps versorgt. Wir haben unseren kulturellen Haushalt angereichert, manches Visionäre durch reale Aktionen in die Tat umgesetzt.
Der wie ich im Fürstentum Lippe geborene und aufgewachsene Lipper redet nicht viel, der mit friesischen Wurzeln ausgestattete Lipper noch weniger. Dies findet aber scheinbar in meiner Gruppe Akzeptanz. In einem moderaten Rahmen bei einem gut bürgerlichen Essen zu träumen, zu handeln und nur, wenn der soziale Gruppendruck zu stark ist (Protokoll schreiben), laut nachzudenken – das ist alles in dieser Gruppe möglich. Darum mache ich mit. Das wäre ein passendes Schlusswort, ist es aber noch mitnichten. Ich bin es meinen beiden verstorbenen Impulsgebern schuldig, dass ich sie zu Wort kommen lasse.
Es schreibt der Erste:
„Es gibt zwei Wege das Leben zu verlängern, erstlich dass man die beiden Punkte geboren und gestorben weiter voneinander bringt und also den Weg länger macht, diesen Weg länger zu machen hat man so viele Maschinen und Dinge erfunden, dass man, wenn man sie allein sähe, unmöglich glauben könnte, dass sie dazu dienen können, einen Weg länger zu machen, in diesem Fache haben einige unter den Ärzten sehr viel geleistet. Die andere Art ist, dass man langsamer geht und die beiden Punkte stehen lässt, wo Gott will, und dieses gehört für die Philosophen, diese haben nun gefunden, dass es am besten ist, dass man zugleich botanisieren geht, Zickzack, hier versucht über einen Graben zu springen und dann wieder herüber, wo es rein ist und es niemand sieht, einen Purzelbaum wagt und so fort.“ Georg Christoph Lichtenberg, 1742 – 1799, Aphorismen
Und es schreibt der Zweite:
