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Er glaubt nicht an märchenhafte Enden ...
Früher nannte man Evan Bishop den Goldjungen. Die Welt lag ihm zu Füßen und er stand kurz davor, das Geschäft seines Lebens abzuschließen und im Anschluss die Frau seiner Träume zu heiraten. Was jedoch alles zum Teufel geht, als ein gesichtsloser Feind ihn und sein Familienimperium zerstören will. Doch die Bombe, die ihn töten soll, verfehlt ihr Ziel. Als er aus dem Koma erwacht, ist sein Gesicht vernarbt und sein Bruder wird wegen Mordes gesucht und ist untergetaucht. Jetzt, da Evan entstellt ist, versteckt er sich vor der Welt – und vor der Frau, die er liebt. Er weigert sich, ihr zur Last zu fallen, und obwohl es ihn umbringt, lässt er sie frei.
Sie will ihm das Gegenteil beweisen ...
Isla MacDonald schreibt Evan nicht ab, nur weil er beschlossen hat, sie aus seinem Leben zu verbannen. Er gibt sich die Schuld an dem Bombenanschlag, der ihren Vater getötet hat und auch Evan fast umgebracht hätte – doch er irrt sich. Nachdem sie sich vergeblich bemüht hat, ihn im Krankenhaus zu besuchen, versucht sie jetzt, ihr Leben mit gebrochenem Herzen weiterzuführen und die Firma ihres Vaters zu übernehmen. Obwohl es nicht ihr Traum ist, will sie sein Erbe ehren und ein letztes Geschäft abschließen, das Tausende von Arbeitsplätzen retten soll. Doch als auch auf sie ein Anschlag verübt wird, braucht sie einen Bodyguard. Zu ihrer Überraschung taucht Evan auf und besteht darauf, sie zu beschützen, indem er den fürsorglichen Verlobten spielt. Aber er will sie weder zurück in sein Leben noch in sein Herz lassen. Um noch eine letzte Chance auf eine gemeinsame Zukunft zu haben, müssen sie die Vergangenheit wiederaufflammen lassen und lange genug am Leben bleiben, um den Mann zu entlarven, der sie beide tot sehen will.
Alle Teile der Endgame-Trilogie:
Bishop's Knight
Bishop's Queen
Bishop's Endgame
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Bishop’s Queen
Endgame-Trilogie
Katie Reus
Bishop’s Queen
Copyright © 2021 Katie Reus
Deutsche Übersetzung von
Michael Drecker
Coverbild von Sweet ‘N Spicy Designs
Herausgeber: Michael Drecker
Stühmeyerstraße 54, 44787 Bochum, Deutschland
Die Geschichte in diesem Buch ist frei erfunden. Die Namen, Charaktere, Orte und Begebenheiten entstammen der Fantasie der Autorin und existieren nicht wirklich. Jegliche Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen, geschilderten Ereignissen, Örtlichkeiten oder Einrichtungen sind rein zufällig. Alle Rechte vorbehalten. Mit Ausnahme von Zitaten, die in Rezensionen verwendet werden, darf dieses Buch ohne schriftliche Genehmigung der Autorin weder reproduziert noch in jeglicher Art und Form verwendet werden.
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Inhaltsverzeichnis
BISHOP’S QUEEN
Copyright
Über das Buch
Widmung
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Epilog
Bishop’s Endgame - Kapitel 1
Liebe LeserInnen
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Danksagungen
Über die Autorin
Willkommen zurück zur Endgame-Trilogie, wo die Blutsbande stark sind, aber die Leidenschaft noch stärker …
Er glaubt nicht an märchenhafte Enden …
Früher nannte man Evan Bishop den Goldjungen. Die Welt lag ihm zu Füßen und er stand kurz davor, das Geschäft seines Lebens abzuschließen und im Anschluss die Frau seiner Träume zu heiraten. Was jedoch alles zum Teufel geht, als ein gesichtsloser Feind ihn und sein Familienimperium zerstören will. Doch die Bombe, die ihn töten soll, verfehlt ihr Ziel. Als er aus dem Koma erwacht, ist sein Gesicht vernarbt und sein Bruder wird wegen Mordes gesucht und ist untergetaucht. Jetzt, da Evan entstellt ist, versteckt er sich vor der Welt – und vor der Frau, die er liebt. Er weigert sich, ihr zur Last zu fallen, und obwohl es ihn umbringt, lässt er sie frei.
Sie will ihm das Gegenteil beweisen …
Isla MacDonald schreibt Evan nicht ab, nur weil er beschlossen hat, sie aus seinem Leben zu verbannen. Er gibt sich die Schuld an dem Bombenanschlag, der ihren Vater getötet hat und auch Evan fast umgebracht hätte – doch er irrt sich. Nachdem sie sich vergeblich bemüht hat, ihn im Krankenhaus zu besuchen, versucht sie jetzt, ihr Leben mit gebrochenem Herzen weiterzuführen und die Firma ihres Vaters zu übernehmen. Obwohl es nicht ihr Traum ist, will sie sein Erbe ehren und ein letztes Geschäft abschließen, das Tausende von Arbeitsplätzen retten soll. Doch als auch auf sie ein Anschlag verübt wird, braucht sie einen Bodyguard. Zu ihrer Überraschung taucht Evan auf und besteht darauf, sie zu beschützen, indem er den fürsorglichen Verlobten spielt. Aber er will sie weder zurück in sein Leben noch in sein Herz lassen. Um noch eine letzte Chance auf eine gemeinsame Zukunft zu haben, müssen sie die Vergangenheit wiederaufflammen lassen und lange genug am Leben bleiben, um den Mann zu entlarven, der sie beide tot sehen will.
Widmung
Für Kaylea Cross, die mehr eine Schwester als eine Freundin für mich ist.
Kapitel 1
Erschöpft betrat Isla das Restaurant von Viktor Ivanov und lächelte den Oberkellner höflich an, während sie ihren Mantel ablegte. Das Restaurant befand sich innerhalb eines Luxushotels in Miami, sodass die Gäste eine Mischung aus Einheimischen und Touristen waren. „Ich glaube, meine Verabredung ist schon da. Geno Conti?“
„Natürlich, Miss McDonald. Hier entlang, bitte.“
Während sie ihm folgte, stahl sich ein echtes Lächeln auf ihr Gesicht, als sie Dominique Ivanov mit ihrem Ehemann Viktor entdeckte. Die beiden hätten nicht unterschiedlicher sein können, denn im Gegensatz zu ihrem Mann war Dominique ein wahrer Sonnenschein – und jetzt, da sie schwanger war, sogar noch mehr als sonst.
Als sie am Tisch anhielt, blieb der Oberkellner etwas abseits stehen und wartete höflich, während sie ihre Freundin umarmte.
„Du bist wirklich die bezauberndste schwangere Frau, die ich je gesehen habe. Du strahlst ja förmlich.“ Sie bestand praktisch nur aus Bauch und Niedlichkeit.
„Das ist wohl wahr“, sagte Viktor, stand ebenfalls auf und schenkte Isla ein für ihn seltenes Lächeln und eine halbe Umarmung.
Aus irgendeinem Grund war Viktor immer unglaublich nett und herzlich zu Isla gewesen. Wahrscheinlich hatte es etwas damit zu tun, dass sie mit Dominique befreundet war, denn bei Leuten, die ihm in die Quere kamen, hatte er einen absolut unbarmherzigen Ruf. Glücklicherweise hatte sie diese Seite von ihm nie kennengelernt.
„Du musst das ja sagen“, sagte Dominique und grinste ihren Mann an.
Während Isla die beiden betrachtete, breitete sich ein Schmerz in ihrer Brust aus. Vor zwei Monaten hatte sie noch eine perfekte Beziehung geführt, zumindest hatte sie das geglaubt. Sie hatte sich so sicher gefühlt, mit dem, was sie gehabt hatte. Doch der Bombenanschlag hatte alles verändert. Ihr Vater war tot und ihr Verlobter war zwar noch am Leben, aber es war fast, als wäre er auch gestorben. Nachdem er durch die Explosion schwer verletzt worden war, hatte er sie eiskalt aus seinem Leben geschnitten, so als würde sie nicht mehr existieren. All ihre Versuche, ihn zu sehen, hatten nichts gebracht.
Und sie hatte sich wirklich bemüht.
Selbst jetzt, wo sie versuchte, mit seiner Firma zusammenzuarbeiten, um die Geschäftsverhandlungen abzuschließen, die ihr Vater und Evan begonnen hatten, hatte sie nur mit Evans Assistenten zu tun, weil er sie nicht treffen wollte. Es war so grausam, so untypisch für den Mann, den sie geliebt hatte.
Es war, als hätte sie eine Gliedmaße verloren, einen Teil von sich. Und sie konnte sich durchaus eingestehen, dass sie zwei Monate später immer noch damit zu kämpfen hatte, sich an diese neue Realität zu gewöhnen. Jetzt setzte sie ein Lächeln auf und weigerte sich, der Welt ihren Schmerz zu zeigen. Das war nichts Neues für sie. Als Tochter einer hochfunktionalen Alkoholikerin wusste sie sehr gut, wie sie ein aufrichtiges Lächeln vortäuschen konnte.
„Was machst du hier?“, fragte Dominique. „Ich meine, offensichtlich bist du hier zum Essen verabredet, aber mit wem? Evan?“, fragte sie hoffnungsvoll.
Das Lächeln gefror auf ihrem Gesicht. So viel zu ihren Täuschungskünsten. „Äh … nein.“
Dominique blinzelte überrascht. „Ich … ich habe ihn vorhin hier gesehen und dachte, dass ihr beiden vielleicht …“
„Oh, nein. Ich bin nur geschäftlich hier“, unterbrach Isla sie, da sie auf keinen Fall über Evan reden wollte und froh war, ihm hier nicht über den Weg gelaufen zu sein. Das wäre wie ein Dolchstoß ins Herz gewesen.
„Naja, auf jeden Fall kannst du bald mit einer Einladung zu einer Babyparty für den kleinen Kerl hier rechnen.“ Zum Glück wechselte Dominique schnell das Thema.
„Super, ich freu mich schon. Wir sehen uns dann bestimmt später noch.“
„Danke, dass Sie gewartet haben“, sagte sie dem Oberkellner, der immer noch geduldig neben ihr stand. Er lächelte höflich und führte sie zu einem Tisch im hinteren Bereich.
Geno Conti stand auf, als er sie sah, und wollte ihren Stuhl hervorziehen, aber sie winkte ab. Das hier war eine geschäftliche Verabredung, keine private.
Während sie ihre Handtasche und den Aktenkoffer abstellte, bestellte sie ein Mineralwasser und verdrängte Evan aus ihren Gedanken. „Tut mir leid, dass ich spät dran bin. Eines meiner Meetings ging länger als geplant.“
„Kein Problem, ich weiß, wie das ist. Willst du nicht etwas Stärkeres als Wasser?“
Sie schüttelte den Kopf. „Wasser reicht mir.“ Sie trank nur gelegentlich – bei wirklich gutem Champagner machte sie eine Ausnahme – aber bei geschäftlichen Treffen verzichtete sie darauf. Und sie war immer darauf bedacht, nicht zu viel zu trinken. Das hing einfach damit zusammen, wie sie aufgewachsen war. Ihre Mutter hatte überall im Haus Flaschen gebunkert – meistens Wodka, weil man dabei den Geruch besser verbergen konnte – um sie vor ihrem Vater zu verstecken. Manchmal sogar in Islas Kinderzimmer. Doch auch diese unglücklichen Gedanken schüttelte sie jetzt wieder ab.
„Na gut, legen wir los“, sagte sie und lächelte den Mann ihr gegenüber an. Ihr Vater war kurz davor gewesen, ein großes Geschäftsabkommen mit Geno abzuschließen, bevor er getötet wurde, und Isla hoffte, dies zu Ende bringen zu können.
Es gab noch ein paar andere Vertragsabschlüsse, die sie über die Bühne bringen wollte, bevor sie sich aus der Firma zurückzog. Der Traum ihres Vaters war nie ihr Traum gewesen, aber sie wollte sein Vermächtnis ehren, indem sie sich um die Geschäfte kümmerte, die ihm am wichtigsten gewesen waren. Zumal sie damit auch Tausende von Arbeitsplätzen schaffen würde. Aber sobald all das abgeschlossen war, würde sie die Leitung anderen überlassen, die viel motivierter waren als sie. Leider dauerte dieser Prozess länger, als sie erwartet hatte. Vor dem Bombenanschlag hatte sie als Projektmanagerin verschiedene Baugeschäfte betreut und war damit einigermaßen zufrieden gewesen. Jetzt leitete sie das gesamte Unternehmen, und das zehrte an ihrer Seele.
„Ich bin bereit, wenn du es bist“, sagte er und lächelte sie auf seine charmante Art an. Mit seinen dunklen Haaren, den dunklen Augen, dem markanten Kinn und seinem perfekten olivfarbenen Teint war der Mann ein wahrer Augenschmaus.
Geno tauchte ständig in den Boulevardzeitungen auf – wobei er mit den verschiedensten Frauen in Verbindung gebracht wurde, jedoch nie zweimal mit der gleichen. Zunächst war Isla mit einem gewissen Misstrauen in die Verhandlungen mit ihm gegangen, aber zu ihrer Erleichterung hatte er sich durch und durch professionell verhalten. Das war bei den Männern, mit denen sie zu tun hatte, definitiv nicht immer der Fall. Als ihr Vater noch gelebt hatte und sie mit Evan Bishop liiert gewesen war, war sie ganz anders behandelt worden. Diesen krassen Unterschied zu sehen, hatte ihr die Augen geöffnet. Nicht, dass sie einen männlichen Beschützer gebraucht hätte, aber anscheinend wurde sie jetzt von einigen Leuten als Freiwild angesehen. Es war abstoßend, hatte ihr aber wenigstens geholfen, einige Leute auszusortieren, die sie vorher für Führungspositionen in Betracht gezogen hatte.
Sie schob diese Gedanken beiseite, beugte sich zu ihrer Tasche und holte ihr Tablet heraus. Sie war froh, dass sie im hinteren Teil des Raumes waren, wo sie sich in Ruhe ums Geschäftliche kümmern konnten. Sie hätte es zwar bevorzugt, sich während der normalen Geschäftszeiten zu treffen, aber sie hatten keinen gemeinsamen freien Termin gefunden. Auch wenn Geno den Ruf eines Playboys hatte, war er unglaublich ehrgeizig.
„Ich kann mir schlimmere Arten vorstellen, einen Donnerstagabend zu verbringen“, sagte Geno zwei Stunden später, als er nach dem Essen seinen Kaffee zur Seite schob.
Sie schmunzelte leicht. „Geht mir ähnlich.“ Sie hatten alles Nötige besprochen und waren sich einig geworden. „Gut, also gehen wir morgen Abend zusammen auf die Sanderson-Gala. Dann nehmen wir uns Rodriguez vor und schauen mal, ob wir die Sache festzurren können.“
„Genau, so machen wir’s.“
In dem Moment kam der Oberkellner an ihren Tisch. „Herr Ivanov möchte Sie wissen lassen, dass das Abendessen aufs Haus geht.“
„Oh nein, das ist nicht nötig. Buchen Sie es einfach von meinem Geschäftskonto ab“, sagte Isla.
Er schüttelte den Kopf. „Ich habe strikte Anweisung von Herrn Ivanov.“
Da wusste sie, dass weiteres Diskutieren sinnlos sein würde. „Dann danken Sie ihm bitte von mir.“ Sie nahm sich vor, das auf dem Weg nach draußen ebenfalls zu tun, falls er noch da sein sollte.
Er nickte höflich und entfernte sich so leise, wie er gekommen war.
„Ich wusste gar nicht, dass du Ivanov kennst.“ Genos Überraschung war ihm deutlich anzusehen.
Sie nickte. „Ja, ich bin mit seiner Frau befreundet.“
„Ah. Ich habe gehört, dass sie ein Kind erwarten.“
„Ja, ich freue mich sehr für die beiden … Also, schätze, wir sind hier fertig. Ich kann dich direkt auf der Gala oder nach der Arbeit in meinem Büro treffen. Ich werde vorher nicht mehr extra nach Hause gehen.“
Er legte seine Serviette auf den Tisch. „Ich hole dich nach der Arbeit ab.“
Sie stand auf und packte ihre Sachen zusammen. „Klingt gut.“ Dieser Deal war so kurz vor dem Abschluss, dass sie es fast schmecken konnte. Du bist so gut wie am Ziel, sagte sie sich. Sobald sie das alles hinter sich gebracht hatte, konnte sie endlich auf eigenen Füßen stehen und sich ein neues Leben aufbauen – und musste nicht weiter den Traum ihres Vaters leben. Vor seinem Tod war sie bereits mit einem Fuß aus der Tür des Unternehmens raus gewesen. Aber jetzt? Jetzt fühlte sie sich gefangen.
Als Geno von einem Bekannten aufgehalten wurde, ergriff sie schnell die Flucht und war froh, dass sie das Restaurant verlassen und nach Hause gehen konnte. In letzter Zeit hatte sie das Gefühl, nur noch auf Autopilot zu laufen, und es war kein Geheimnis, wieso. Sie vermisste Evan. Zutiefst. Ohne ihn in ihrem Leben fühlte sich alles leer an.
Argh. Sie musste aufhören, an ihn zu denken.
Während Isla draußen darauf wartete, dass der Parkdienst ihr Auto bringen würde, warf sie einen Blick auf ihr Handy und war wenig überrascht, mehrere Textnachrichten von ihrer Mutter, der Arbeit und von einer Handvoll Freunden zu sehen. Allerdings wunderte sie sich, dass eine Nachricht von Evie Bishop, Evans jüngerer Schwester, darunter war. Eine kühle Brise, die sie daran erinnerte, dass der Herbst in diesem Jahr schnell Einzug hielt, umwehte sie, als sie Evies Textnachricht aufrief.
Ich gehe morgen auf diese Gala, sehen wir uns dort?
Natürlich würde Evie auch dort sein. Sie war eine Bishop, und jetzt, da sie wieder in die Stadt gezogen und frisch mit Dylan Blackwood verheiratet war, ging sie zu einigen solcher Anlässe. Dem Mann gehörte die halbe Stadt. Manchmal kam es Isla etwas seltsam vor, mit Evie in Kontakt zu bleiben, nachdem sie fast Schwägerinnen geworden waren, aber Evie hatte sehr deutlich gemacht, wie idiotisch sie Evans Verhalten fand. Das hatte sie Isla jetzt schon mehrfach gesagt.
Ich werde geschäftlich dort sein, schrieb sie zurück. Und ich weiß, dass du nur unter Zwang dorthin gehst, fügte sie hinzu. Denn Evie hasste solche Veranstaltungen.
Evie antwortete mit einem Haufen lachender Emojis und dem Hashtag #Leiderwahr, was Isla ebenfalls zum Lachen brachte.
Als sie begann, den Rest ihrer Nachrichten zu überfliegen, hielt ein Geländewagen mit getönten Scheiben ruckartig vor dem Überhang des Restauranteingangs an. Einer der Parkservice-Fahrer trat hinter dem Stand hervor, wo er sich mit einem Kollegen unterhalten hatte, als auch schon die Tür des Wagens aufflog und ein maskierter Mann heraussprang.
Islas Herz sprang ihr förmlich in die Kehle, als der Mann sich auf sie stürzte und ihr den Aktenkoffer aus der Hand riss.
Schreiend schwang sie ihre Handtasche nach ihm, streifte ihn aber nur an der Schulter. Sie sah die Faust kommen und duckte sich, aber er prallte trotzdem so wuchtig gegen sie, dass es sie nach hinten warf.
Ihr Absatz blieb an einem Pflasterstein hängen und brach, als sie mit dem Knöchel umknickte und auf ihrem Hintern landete.
„Hey!“ Mehrere männliche Stimmen erklangen und ihre Schritte hämmerten über den Gehweg, als die Männer angerannt kamen.
Doch ihr Angreifer war bereits zurück ins Fahrzeug gesprungen. Die Autoreifen quietschten, während es in die Nacht davonraste.
Sie hatte sich kaum aufgerappelt, als schon ein Mann in einer Parkservice-Uniform vor ihr hockte. Mit großen Augen streckte er ihr die Hand entgegen. „Alles in Ordnung?“
Hinter ihm sprach ein anderer Angestellter bereits in sein Handy, was nach einem Telefonat mit der Polizei klang.
Zitternd nickte sie und zuckte leicht zusammen, als sie aufstand. Sie war ziemlich hart auf dem Allerwertesten aufgekommen. „Er hat meinen Aktenkoffer geklaut.“
„Die Polizei ist schon unterwegs“, sagte er. „Warum gehen Sie nicht solange ins Hotel? Wir haben dort einen privaten Bereich, wo Sie sich hinsetzen und warten können.“
Immer noch zitternd nickte sie und folgte ihm. Alles war so schnell gegangen, sie war überhaupt nicht darauf vorbereitet gewesen. Aber wer war schon darauf vorbereitet, ausgeraubt zu werden? Sie war nur froh, dass sie vorhin ihren Laptop herausgenommen hatte. So waren lediglich noch einige Unterlagen im Koffer gewesen, aber nichts Vertrauliches. Nur ein paar kleine Notizen, die sie gemacht hatte.
Einen kurzen Moment verspürte sie den Drang, Evan anzurufen. Was selbstverständlich absolut zwecklos gewesen wäre, aber sie war so daran gewöhnt, dass er für sie da war.
Aber nicht heute Abend. Nie wieder.
Kapitel 2
Evan zog seine Boxhandschuhe aus und warf sie auf die Holzbank in seinem privaten Fitnessstudio. Ihm gehörte das Penthouse einer Wohnanlage in Miami und er hatte sich dort ein persönliches Fitnessstudio einrichten lassen, schon vor seinem Unfall.
Bevor der Bombenanschlag alles zur Hölle gejagt hatte.
Jetzt war er dankbar für ein eigenes Sportstudio. So musste er sich nicht mit Leuten herumschlagen, die ihn anstarrten, wenn er ohne T-Shirt trainieren wollte.
Die Explosion hatte seinen Hals, den rechten Arm und einen Teil seiner Brust verbrannt. Seine Narben sahen wie ein Geflecht aus roten, verschlungenen Seilen aus, die auf seiner gesamten rechten Seite ein makabres Schauspiel boten. Auch ein Teil seiner rechten Gesichtshälfte war in Mitleidenschaft gezogen worden, aber er hatte sich inzwischen einen Vollbart wachsen lassen, der den Großteil seines Gesichts bedeckte. Seiner Mutter zufolge versuchte er, sich vor der Welt zu verstecken, und der Bart war laut ihr ein dickes fettes Symbol dafür.
Wahrscheinlich hatte sie recht. Nein, sie hatte definitiv recht. Aber das war ihm egal.
Er schnappte sich ein Handtuch und warf einen Blick auf sein Smartphone. Überrascht bemerkte er, dass er einen verpassten Anruf von Viktor Ivanov hatte. Sie hatten schon öfters Geschäfte miteinander gemacht, aber vor sieben Uhr morgens war ziemlich früh für einen Anruf, besonders, da sie kein aktuelles Projekt in Arbeit hatten. Und befreundet waren sie auch nicht. Neugierig geworden, rief er zurück.
„Bishop“, sagte Ivanov zur Begrüßung. „Danke, dass du zurückrufst.“
„Ist alles in Ordnung?“
„Ich bin mir nicht sicher. Deine Verlobte – äh, ehemalige Verlobte – war gestern Abend in meinem Restaurant. Man hat sie beim Verlassen überfallen und ihren Aktenkoffer gestohlen. Es ging alles ziemlich schnell und professionell.“
Ein Schock durchfuhr ihn. „Wie geht es Isla?“, presste er hervor. Wenn sowas vor zwei Monaten passiert wäre, wüsste er das bereits. Denn dann wäre sie heute Morgen neben ihm im Bett aufgewacht.
„Ich glaube, ihr geht es gut. Ein paar Schürfwunden und Prellungen vielleicht. Der Mann hat sie zu Boden gestoßen, sonst hat er ihr aber nichts angetan.“
Evan holte scharf Luft. Jemand hatte Hand an Isla gelegt? Eine mörderische Wut packte ihn, so scharf und heftig, dass es ihn aus dem Gleichgewicht brachte.
„Ich habe mir das Videomaterial angesehen, er hat sie nur an der Schulter gestreift, weil sie geistesgegenwärtig genug war, zurückzuweichen. Aber es gefällt mir nicht, dass das auf meinem Grundstück passiert ist. Genau genommen gefällt mir nicht, dass es überhaupt passiert ist, besonders bei einer so lieben Person wie Isla. Ich weiß, ihr beiden seid nicht mehr … äh—“ Ivanov räusperte sich verlegen. „Wie auch immer, Dominique fand, dass ich dir trotzdem Bescheid sagen sollte.“
Wäre die Situation nicht so ernst gewesen, hätte Evan vielleicht geschnaubt oder gelacht. Viktor Ivanov hatte einen skrupellosen Ruf, machte aber alles, was seine Frau von ihm verlangte. „Danke, dass du angerufen hast. Was hat die Polizei gesagt?“
„Sie werden der Sache zwar nachgehen, aber irgendetwas hat das Nummernschild verdeckt, und der Mann hatte eine Maske auf.“
Evan runzelte die Stirn und sein Magen zog sich zu einer Bleikugel zusammen. „Wurde sie gezielt angegriffen?“
„Für mich sah es danach aus, ja. Die Polizei will wohl noch mehr über ihre aktuellen Geschäfte wissen, und wenn man bedenkt, was ihrem Vater und dir zugestoßen ist, hoffe ich, dass sie das ernst nehmen.“
„Danke dir.“
Sie hielten keinen Smalltalk im Anschluss, sondern verabschiedeten sich schnell voneinander, wofür Evan dankbar war. Er hatte selbst an seinen besten Tagen kaum Energie für höfliches Geplänkel, und heute war kein guter Tag. Nicht jetzt, wo er gerade erfahren hatte, dass Isla überfallen worden war.
Er legte sein Handy weg, schnappte sich ein weiteres Handtuch und rieb sich damit über den Kopf. Er musste duschen gehen und den zutiefst instinktiven Drang bekämpfen, sofort zu Islas Wohnung eilen zu wollen. Sie gehörte nicht mehr zu ihm. Und das würde sie auch nie wieder. Dafür hatte er gesorgt.
Er hatte nicht vor, sie an einen gebrochenen Mann zu binden – nicht, wenn er die Schuld am Tod ihres Vaters trug.
Während des Gesprächs mit Ivanov war es ihm nicht in den Sinn gekommen, nachzufragen, mit wem Isla im Restaurant gewesen war, also schickte er die Frage schnell per Textnachricht hinterher. Er wollte wissen, ob es einen weiteren Zeugen gegeben hatte.
Einen Moment später starrte er ungläubig auf sein Handydisplay. Isla war mit Geno Conti dort gewesen. Ein hübscher Kerl, der, wie es schien, mit jeder willigen Frau schlief. Eine seiner Quellen hatte ihm verraten, dass Conti und Isla an einem gemeinsamen Geschäft arbeiteten, aber ihre abendliche Verabredung hätte genauso gut ein Date sein können.
Verärgert fuhr er sich mit der Hand übers Gesicht und verließ sein Fitnessstudio. Als er unter der Dusche stand und sich die heißen Wasserstrahlen über den Kopf strömen ließ, musste er an Isla denken.
Wie immer.
Er hatte es geliebt, mit den Händen durch ihre dicken, kastanienbraunen Locken zu streichen, während sie zusammen duschten. Verdammt, sie hatten jede freie Sekunde miteinander verbracht. Er hatte sich selbst auf der Arbeit davongeschlichen und sie an irgendwelchen Imbisswagen zum Mittagessen getroffen, egal wie beschäftigt er gewesen war. Er hatte einfach alles dafür getan, ein paar zusätzliche Minuten am Tag mit ihr zu haben.
Er hatte sogar mit dem Joggen begonnen, um morgens mehr Zeit mit ihr verbringen zu können – und er hatte festgestellt, dass es ihm tatsächlich Spaß machte. Isla hatte immer so getan, als würde sie nicht mit ihm wetteifern, doch am Ende ihrer Läufe war sie immer vorausgesprintet und hatte ihre Fäuste wie Rocky in die Luft gereckt.
Dann hatte sie gelacht – der schönste Laut der Welt – und ihre hellgrünen Augen hatten ihn angefunkelt—
Nein. Er musste aufhören, an Isla zu denken. Doch das war unmöglich, denn sobald er die Augen schloss, sah er sie. Er hatte sich jede Kurve, jede Linie ihres Körpers eingeprägt, inklusive der Art, wie sich ihre vollen Brüste in seinen Händen anfühlten, wenn er sie umfasste, sie streichelte.
Sie war zierlich, kaum größer als 1,70 Meter, und sie hatte in jeder Hinsicht perfekt zu ihm gepasst.
Als er merkte, dass er sich bei dem Gedanken an sie streichelte, hielt er inne und biss die Zähne zusammen. Nein.
Er drehte das kalte Wasser auf, duschte rasch zu Ende und begab sich dann in das Büro seiner Eigentumswohnung. Er war heute bestimmt keine gute Gesellschaft und glaubte nicht, dass er das Hauptbüro von Bishop Enterprises aufsuchen sollte. Das Gebäude selbst war seit dem Bombenanschlag komplett renoviert worden und hatte keine schwerwiegenden strukturellen Schäden davongetragen. Es war, als ob es nie passiert wäre. Doch nichts konnte die Vergangenheit auslöschen.
Er schüttelte diese Gedanken ab und versuchte, sich auf den bevorstehenden Tag zu fokussieren. Er hatte heute keine Meetings, die er nicht auch via Skype erledigen konnte. Und sein Assistent Ricardo war mehr als fähig, mit irgendwelchen Problemen fertig zu werden.
Er schaltete zwei seiner Fernsehgeräte ein und beobachtete die Aktienkurse im Hintergrund, während er eines seiner vielen E-Mail-Konten aufrief.
Er runzelte die Stirn, als ein Bild von Isla und Geno auf dem Bildschirm auftauchte, das eindeutig von jemandem mit dem Handy aufgenommen worden war. Dämlicher Promiklatsch. Das war das Problem, wenn man in Miami lebte – überall gab es Berühmtheiten und Islas Familie war ziemlich bekannt und wohlhabend. Aber Conti war der eigentliche Grund, warum sie in den Nachrichten waren. Die Klatschblätter liebten alles, was mit dem Schürzenjäger Conti zu tun hatte. Trotzdem konnte Evan sich nicht daran erinnern, im letzten Jahr irgendetwas Negatives über ihn gelesen zu haben. Offenbar hatte er es geschafft, sein Leben einigermaßen auf die Reihe zu bekommen.
In seiner Verärgerung schaltete Evan auf einen anderen Sender, ertappte sich aber im Anschluss dabei, dass er eine Online-Suche nach den beiden durchführte.
Als er einen weiteren Artikel über Isla und Conti fand, in dem der Verfasser darüber spekulierte, ob die beiden jetzt ein Paar waren, musste er dem Drang widerstehen, seinen Laptop zu zertrümmern. Er spürte, wie sich seine Stimmung weiter verdüsterte, und schaltete das Gerät aus.
Aber so sehr er sich auch bemühte, das Bild von Isla, die Conti anlächelte, ging ihm einfach nicht aus dem Kopf. Mit achtundzwanzig Jahren war sie zehn Jahre jünger als Evan, doch das hatte zwischen ihnen nie eine Rolle gespielt. Aber sie auf diesem Bild mit Conti zu sehen, einem Mann, der im selben Alter wie sie war und aussah, als würde er perfekt zu ihr passen? Japp, er musste definitiv irgendetwas zertrümmern.
Kapitel 3
Isla kam gerade aus dem privaten Badezimmer ihres Chefbüros, als sie das Klopfen an ihrer Bürotür hörte. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie wusste, wer es war. „Herein.“
„Hey, ich bin’s nur.“ Madeleine, eine ihrer leitenden Angestellten – bei der Isla ernsthaft in Erwägung zog, sie in die Position der CFO zu befördern – trat ein. Ihr braunes Haar war in einem Zopf nach hinten geflochten und sie trug wie üblich einen Hosenanzug.
„Hey.“ Sie lächelte die andere Frau an. „Kannst du mir mit dem Reißverschluss helfen?“ Ihr Kleid war eine Mischung aus Glitzer und Spitze, mit einem V-Ausschnitt, überschnittenen Schultern und leichten Flatterärmeln.
Madeleine stieß einen leisen Pfiff aus. „Dein Kleid ist wunderschön. Und du auch. Jetzt bin ich fast neidisch, dass ich heute Abend nicht mitkomme.“
Isla schnaubte und drehte sich um, wobei sie ihr Haar anhob, damit Madeleine den Reißverschluss bis ganz nach oben zuziehen konnte. Vor ein paar Monaten hätte sie sich noch gefreut, zu einer großen Gala zu gehen, weil sie Evan an ihrer Seite gehabt hätte. Aber jetzt? Jetzt wäre sie lieber zu Hause, weit weg von allen Menschen. War das gesund? Nö. Aber es entsprach der Wahrheit. Madeleine hingegen hatte noch nie Interesse an solchen Dingen gehabt. „Du bist so eine Lügnerin. Du wirst nach Hause zu Alena gehen und ihr beiden werdet einen wunderbaren Abend miteinander verbringen, ohne blöde Stöckelschuhe zu tragen oder sinnlosen Smalltalk mit haufenweisen Fremden zu halten.“
„Was bist du denn für ein Sonnenschein heute? Und du hast völlig recht, was unsere Abendplanung angeht. Ich hätte allerdings trotzdem nichts dagegen, mich mal wieder in Schale zu werfen. Es kommt mir vor, als wären Alena und ich ewig nicht mehr ausgegangen.“
„Ich habe noch zwei Karten für Cirque du Soleil. Deswegen habe ich dich eigentlich hergerufen. Ich wollte dich fragen, ob du sie haben möchtest. Sie sind für nächstes Wochenende, es ist also ein bisschen kurzfristig. Einer unserer Lieferanten hat sie mir gegeben.“ Und da sie sowas früher immer mit Evan gemacht hatte, fühlte sie sich beschissen dabei, ohne ihn hinzugehen. Was mehr als dumm war, aber so war es eben.
Sie war gerade in der Phase, in der sie viele der Orte mied, an denen sie mit Evan gewesen war, und das betraf einen Großteil der Stadt. Irgendwann würde sie dieses trübselige Verhalten bestimmt wieder ablegen, aber heute würde das nicht mehr passieren. Und sie war pragmatisch genug, um sich dessen bewusst zu sein. Also nahm sie die Vogel-Strauß-Position ein, bei der sie bei allem, was Evan betraf, einfach den Kopf in den Sand steckte.
„Ist das dein Ernst?“, fragte Madeleine.
Isla ging zu ihrem Schreibtisch und holte die Tickets heraus. „Das sind echte, physische Eintrittskarten. Wie süß ist das denn?“, sagte sie und reichte sie Madeleine. Heutzutage war fast alles digital, aber ihr Lieferant war irgendwie etwas altmodisch.
„Vielen lieben Dank. Alena hat schon vor Wochen darüber geredet, aber da war schon alles ausverkauft.“
„Freut mich, dass die Tickets bei euch gut aufgehoben sind. Gibt es außer der Zusammenfassung, die du mir gemailt hast, noch etwas Neues zu berichten?“
„Nichts, außer dass ich Rodney Wood heute entlassen habe. Ich habe bis zum Ende des Arbeitstages gewartet und ihn dann zu mir gerufen. Wir werden ihm eine Abfindung zahlen.“ Ihr trockener Ton verriet, dass sie nicht glaubte, dass Rodney eine verdiente.
Isla nickte, froh, dass damit eine weitere Sache erledigt war. Rodney war seit einem Jahrzehnt in der Firma und sie war sich nicht sicher, wie er sich so lange durchgemogelt hatte. Der Mann war bestenfalls ein mittelmäßiger Ingenieur, dessen Qualifikationen nicht annähernd so beeindruckend waren, wie er die Firma hatte glauben lassen. Hinzu kam seine miserable Sozialkompetenz, mit der er eine giftige Arbeitsatmosphäre geschaffen und seiner Abteilung ernsthaft geschadet hatte. Sie wollte das Unternehmen ihres Vaters – nun ja, genau genommen jetzt ihr Unternehmen – weiterentwickeln, und keine vielversprechenden Talente unterdrücken. Doch nachdem sie einige der Austrittsgespräche überprüft hatte, hatte sie herausgefunden, dass sie durch Rodney bereits mehrere Leute verloren hatte, und sie wollte nicht noch mehr gute Mitarbeiter wegen eines schwarzen Schafes verlieren. „Danke, dass du dich darum gekümmert hast.“
„Ich mache nur meinen Job.“
„Ja, aber du machst deinen Job verdammt gut.“ Beinahe hätte sie Madeleine gesagt, dass sie mit ihr über die CFO-Stelle sprechen wolle, hielt sich aber zurück. Sie war noch nicht soweit, etwas final zu beschließen. Aber bald.
„Also … ich weiß, das hat nichts mit der Arbeit zu tun und ist eher Klatsch und Tratsch“, sagte Madeleine, „aber ich habe heute die Nachrichten gesehen.“
Sie starrte Madeleine verdattert an. „Über den bevorstehenden Deal?“ Sie war heute Morgen kurz online gewesen, hatte aber nichts Interessantes gesehen.
„Nein. Über dich und Geno Conti … in so einer Klatschkolumne. Ich hab mich gefragt, ob ihr zusammen seid?“
Sie schnaubte und die Anspannung fiel etwas von ihr ab. Solange es keine Spekulationen über ihre bevorstehenden Geschäftsabschlüsse gab – die sie unbedingt unter Dach und Fach bringen wollte – war ihr der Rest egal. „Glaub mir, es gibt nicht genug Geld auf der Welt.“
Madeleine stieß ein erstauntes Lachen aus. „Aber hübsch ist er.“
„Das stimmt wohl. Und viel klüger, als man ihm zutraut. Die meisten Leute vermuten wohl, dass er seinen Job wegen seines Vaters bekommen hat, und da ist bestimmt auch was dran. Aber obwohl man das bei ihm kaum glauben kann, ist er sowas wie ein Mathe-Nerd, und er kann fantastisch mit Menschen umgehen, viel besser als sein Bruder und sein Vater. Er ist wirklich ein Gewinn für ihre Firma.“ Doch sie hatte das Gefühl, dass seine Familie das nicht wirklich zu schätzen wusste, wahrscheinlich wegen des Rufs, den Geno sich angeeignet hatte.
Madeleine zog eine Augenbraue hoch. „Denkst du darüber nach, ihn bei seinem Vater abzuwerben?“
Isla grinste und zuckte mit den Schultern. „Nee. Was stand denn eigentlich in dieser Klatschkolumne?“
„Nichts Besonderes. Da war nur ein Bild von euch beiden in einem Restaurant, und der Autor hat darüber spekuliert, ob es zwischen dir und Evan endgültig—“ Madeleines Augen weiteten sich und sie räusperte sich. „Egal, es war einfach nur Müll, ohne irgendwas dahinter.“
Isla ignorierte den Kommentar über Evan und vergrub jegliche Gedanken an ihn tief in sich. Die hatten keinen Platz in ihrem Kopf. Zumindest nicht heute Abend. „Danke, dass du mich darüber informiert hast. Ehrlich. Lass mich ruhig wissen, falls du noch etwas Ähnliches sehen solltest.“ Isla war nicht oft online, besonders nicht in letzter Zeit. Sie war zu sehr in die Projekte ihres Vaters eingebunden. Sie konnte sich nicht einmal mehr daran erinnern, wann sie das letzte Mal ihr einziges Social-Media-Profil gecheckt hatte. Sowas war einfach zu zeitraubend und sie hatte in letzter Zeit viel zu viel zu tun. Und wenn sie komplett ehrlich mit sich war, wollte sie auch nicht über etwas stolpern, das Evan erwähnte.
„Wird gemacht. Und ich weiß, heute Abend ist eine Arbeitsveranstaltung für dich, aber ich hoffe trotzdem, dass du etwas Spaß hast. Du hättest es verdient.“
Sie bezweifelte, dass sie in nächster Zeit Spaß haben würde, aber sie verkniff sich einen entsprechend negativen Kommentar. „Danke. Ich hoffe, dass ich heute den Ball mit Sara Rodriguez ins Rollen bringen kann.“ Wenn Geno und sie Rodriguez dazu bringen konnten, ein paar Dingen zuzustimmen, würden sie dem Abschluss dieses Geschäfts ein großes Stück näherkommen und Isla könnte sich auf andere Projekte konzentrieren.
„Sag mir einfach Bescheid, wenn du von meiner Seite noch etwas brauchst.“
„Mache ich.“
Jetzt musste sie nur noch den Rest des Abends überstehen. Wenigstens für eine Sache war sie dankbar: Es war so gut wie sicher, dass Evan nicht auf der Gala sein würde. Er hatte sich in letzter Zeit von allen gesellschaftlichen Ereignissen ferngehalten. Der Grund dafür brach ihr das Herz, aber der Mann selbst hatte es ihr noch viel mehr gebrochen.
Sie war froh, dass sie keine Sorge haben musste, ihn heute Abend zu sehen.
* * *
Da Geno mit einigen seiner Termine in Verzug geraten war, hatte Isla zugestimmt, ihn direkt auf der Gala zu treffen, was ihr sehr entgegen kam. Die von ihr bestellte Limousine hielt vor dem Eingangsbereich, wo bereits die Fotografen warteten. Sie war sicherlich nicht berühmt genug, um ein Blitzlichtgewitter zu rechtfertigen, aber sie war sich sicher, dass man trotzdem ein paar Fotos von ihr knipsen würde. Wenn auch nur, weil sie die Tochter einer ehemaligen Schönheitskönigin und eines Mannes war, der vor Kurzem bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommen war, der die ganze Stadt geschockt hatte.
Isla wappnete sich mental, während die Autotür für sie geöffnet wurde. Sie hob den Saum ihres langen Kleides leicht an, um zu vermeiden, dass er sich an ihren Absätzen verfing, und stieg mit einem Lächeln aus der Limousine. Sie hatte gelernt, dass es immer besser war, zu lächeln, als gar keine Mimik zu zeigen. Denn wenn man auf einem Foto auch nur so aussah, als würde man die Stirn runzeln, begannen die Leute zu spekulieren, dass eine Million verschiedene Dinge nicht stimmten. Es war abartig. Aber so war es nun einmal. Sie ging los und ignorierte die Beschwerden, die sie noch vom Überfall hatte. Sie wusste, dass ihr viel Schlimmeres als ein unangenehmer Muskelkater hätte zustoßen können, und dafür war sie dankbar.
Zu ihrer Überraschung stieg Geno aus dem Wagen direkt hinter ihr.
Sie lachte leicht auf und wartete, bis er sich zu ihr gesellte. „Perfektes Timing“, sagte sie, bevor sie gemeinsam über den roten Teppich gingen, ohne auf das Blitzlichtgewitter der Kameras oder die Leute zu achten, die Genos Namen riefen.
„Du siehst fantastisch aus.“ Sein Lächeln war locker und unbeschwert.
„Du siehst aber auch nicht schlecht aus.“
„Du hast bestimmt diesen bescheuerten Artikel über uns gesehen“, sagte er und ergriff ihren Ellbogen, als sie die Treppe zur Eingangstür hinaufgingen.
„Ja. Hoffentlich ist das kein allzu großer Dämpfer für dein Sozialleben“, stichelte sie. Es war wirklich unkompliziert mit ihm.
Er schnaubte nur und zeigte ihre Einladungen vor, als sie die Tür erreichten. „Es gibt weitaus schlimmere Dinge als das Gerücht, dass wir beide zusammen sind.“
Sie lachte gezwungen, weil sie nicht wusste, wie sie sonst darauf reagieren sollte.
„Darf ich ganz direkt sein?“, fragte er, als sie den Eingang passierten.
Überall waren Leute und viele Gesichter, die sie wiedererkannte. Sie winkte einer Frau zu, mit der sie auf der Uni gewesen war, blieb aber in der Menschenmenge, in der Geno und sie sich in Richtung Ballsaal bewegten. Bis jetzt war es nicht sonderlich überfüllt, nur ein stetiger Strom von Frauen und Männern in eleganten Kleidern und Smokings. „Natürlich.“
„Hättest du Lust auf ein Date mit mir, wenn wir das Geschäftliche hinter uns haben?“
Sie blieb abrupt stehen und starrte ihn an, während sie versuchte, ihre Stimme zu finden – und sich überlegte, wie sie ihn höflich zurückweisen konnte. Sie war sich nicht sicher, wie ihre Miene aussah, aber er zuckte tatsächlich zusammen.
„Alles klar. Da habe ich wohl meine Antwort.“ Zum Glück lag ein Lachen in seiner Stimme. „Du bist die Hölle für mein Ego – was wahrscheinlich ganz gut ist“, fuhr er fort. „Zumindest, wenn es nach meiner Schwester geht. Sie ist der Meinung, dass ich ruhig ein paar Kratzer vertragen könnte. Mission erfüllt.“
Trotz der peinlichen Situation musste Isla über seine Offenheit lachen. „Sorry, du hast mich überrumpelt. Die Antwort ist definitiv nein, aber—“
Er lachte ebenfalls, und der Laut zog die Blicke einiger Leute um sie herum auf sich. „Du hast wirklich keine Hemmungen. Ich glaube, deswegen finde ich dich auch so erfrischend. Und ich muss sagen, Evan Bishop ist echt ein Vollidiot.“
„Hey!“, schnappte sie. Auch wenn sie wütend auf Evan war, wollte sie nicht, dass jemand anderes so über ihn sprach. Das ließ ihre Krallen herauskommen – was sie selbst überraschte.
Er hielt sie weiterhin am Ellbogen fest und führte sie durch die Menschenmenge. „Ich mag den Kerl, sehr sogar. Ich sage nur, dass er ein Idiot war, dich gehen zu lassen. Das ist alles.“
