Bittersüss - Raven T. Winter - E-Book

Bittersüss E-Book

Raven T. Winter

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Beschreibung

Sie trifft ihn = Liebe Alles könnte so einfach sein, eine nette Lovestory, wie sie immer wieder vorkommt. Von Männern hat Zoe derzeit die Schnauze gestrichen voll. Nachdem sie sich gerade erst von ihrem Verlobten unschön getrennt hat, braucht sie einfach eine Auszeit. Doch dann lernt Zoe den geheimnisvollen, aber irgendwie auch charmanten Romero, in einem Club kennen, während sie mit ein paar Mädels ihren Uniabschluss feiert. Mit seinen Berührungen lässt er Zoe doch noch auf die heiße Leidenschaft hoffen, von der sie immer in Büchern gelesen hat. Schnell fühlt sich die junge Frau zu ihm hingezogen, doch ihr Instinkt rät ihr, sich von ihm und seiner dominanten Art fernzuhalten. Doch Romero macht es ihr schwerer und schwerer, ihm zu wiederstehen. Als dann aber Zoes Stiefvater und ihre Mutter auf die Bildfläche treten, die von der Lösung ihrer Verlobung partout nichts wissen wollen und ihre ganz eigenen Pläne für Zoe haben, sieht sie nur noch einen Ausweg: die Flucht nach vorn. »Ich allein bestimme über mein Leben. Keiner von euch hat das Recht, mich für sich zu beanspruchen!« »O meine Rose, du glaubst doch nicht wirklich, dass ich dich entkommen lasse. Du gehörst mir!« Dark Romance Roman mit eindeutigen Szenen und dunklen Themen.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Bittersüss

 

 

Dark Romance

Raven T. Winter

 

Selfpublishing

 

Alle Rechte bei der Autorin

 

Copyright © Raven T. Winter 07.10.2019

Raven T. Winter

 

 

[email protected]

Bittersüss

 

Erstausgabe Oktober 2019 im Selfpublishing

Alle Rechte vorbehalten!

Copyright © Raven T. Winter

Coverdesign: Giusy Ame/Magicalcover.de

Bildquelle: Pixabay/Depositphoto

Lektorat/Korrektorat: Carolin Diefenbach

 

 

Raven T.Winter

c/o Autorenservice Patchwork

Schlossweg 6

A-9020 Klagenfurt

[email protected]

 

Personen und Handlungen sind frei erfunden. Da das Buch reine Fiktion ist, wurde aufgrund des Leseflusses auf die Erwähnung von Verhütung verzichtet.

Für das echte Leben gilt natürlich: Safety first!

Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Dieses Buch darf weder auszugsweise noch vollständig in jeglicher Art ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung der Autorin weiter gegeben werden.

 

Dieses Buch ist in sich abgeschlossen.

 

 

 

 

 

Gewidmet all denjenigen unter euch, die genau diese Art von Büchern liebt.

 

Vorwort

 

 

Liebe Leser, ihr findet hier eine bittersüsse Dark-Romance-Lovestory mit eindeutiger Sprache und expliziten Gewaltszenen. Liebe Leser, wer von euch nichts mit deftigeren und fesselnden Szenen anfangen kann, den bitte ich, lieber ein anderes Buch zu lesen.

Inhalt

 

Kapitel 1

Zoe

Kapitel 2

Romero

Kapitel 3

Zoe

Kapitel 4

Romero

Kapitel 5

Zoe

Kapitel 6

Romero

Kapitel 7

Zoe

Kapitel 8

Romero

Kapitel 9

Zoe

Kapitel 10

Romero

Kapitel 11

Zoe

Romero

Kapitel 12

Zoe

Romero

Kapitel 13

Zoe

Kapitel 14

Zoe

Kapitel 15

Zoe

Kapitel 16

Zoe

Kapitel 17

Romero

Kapitel 18

Zoe

Kapitel 19

Romero

Kapitel 20

Zoe

Kapitel 21

Romero

Kapitel 22

Zoe

Kapitel 23

Romero

Kapitel 24

Zoe

Romero

Kapitel 25

Zoe

Kapitel 26

Romero

Kapitel 27

Zoe

Kapitel 28

Romero

Kapitel 29

Zoe

Kapitel 30

Romero

Kapitel 31

Romero

Epilog

Zoe

Romero

Zoe

Danksagung

Kapitel 1

Zoe

Verdammt, wie bin ich – ausgerechnet ich – bloß in diese Lage gekommen?

»Romero, nimm mir diese Fesseln ab und lass mich verfickt noch mal gehen!«

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Während ich vor mich hin fluche, versuche ich die Fesseln, die mich auf der kalten, harten Liege halten, zu lösen. Meine Bemühungen führen allerdings nur dazu, dass sich die Stricke tiefer in meine Haut graben. Der Schmerz macht mich rasend vor Wut und erste Tränen laufen mir über das Gesicht.

Immer wieder kommen mir die gleichen Gedanken in den Sinn. Wieso bin ich hier? Warum bin ich gefesselt? Habe ich mich so sehr in ihm getäuscht? Verzweiflung über meine Situation breitet sich aus. Meine Stimme ist mittlerweile heiser, aber es rührt sich nichts, er kommt nicht. Ich muss mich beruhigen.

Tief durchatmend ringe ich um Fassung. Wenn ich mich weiter so in meinen Zorn steigere und nichts gegen die aktuelle Situation ausrichten kann, garantiere ich nicht mehr für seine Unversehrtheit, sobald ich ihn zu fassen bekomme. Und ich bin mir sicher, er wird zu mir kommen. Ich habe eine ähnliche Situation schon einmal trainiert, in natura ist so eine Begebenheit aber um vieles erschreckender. Romero wird mich nicht ernsthaft verletzen – hoffe ich zumindest.

Ich atme tief ein und aus und zähle dabei bis zehn, um mich wieder etwas zu beruhigen. Dabei rufe ich mir ins Gedächtnis, was mir bei meiner Ausbildung eingebläut wurde.

Vor Romero will ich keine Schwäche zeigen. Wahrscheinlich beobachtet er mich gerade, dieser miese Stalker. Ich liege hier wie auf dem Präsentierteller, was mich echt anpisst. Was hat mein Entführer nur mit mir vor?

Meine Wut ihm gegenüber beginnt langsam abzuflauen, stattdessen wird meine Neugierde geweckt. Warum ich und wozu? Ich beginne zu grübeln, etwas anderes kann ich ohnehin nicht tun – jedenfalls im Moment. Meine Beschäftigungsmöglichkeiten sind durch die Fixierung schließlich etwas eingeschränkt. Also lasse ich meine Gedanken zurückwandern, an einen Zeitpunkt vor gut drei Wochen. Es begann alles an einem schönen Sommerabend, ich befand mich gerade auf dem Weg zu meiner Mutter.

* * *

Die Uni war vorbei und ich hatte meinen Abschluss in Marketing in der Tasche. Jetzt hieß es nur noch, die gut acht Wochen zu überstehen, bis ich mein Praktikum in einer der renommiertesten Agenturen in New York beginnen konnte. Wieso bloß hatte ich mich von meiner Mutter dazu überreden lassen, diese freie Zeit ausgerechnet bei ihr zu verbringen? Wahrscheinlich, weil ich so eine brave Tochter war.

Deswegen befand ich mich gerade auf dem Weg zu ihr – und hoffte gleichzeitig, dass mein Stiefvater geschäftlich unterwegs war. Auf keinen Fall wollte ich mich seinen anzüglichen Blicken ausliefern müssen. Allein der Gedanke an ihn verursachte mir eine Gänsehaut. Bei den letzten Begegnungen zwischen uns hatten seine Blicke immer wieder auf mir geruht. Der Ausdruck in seinen Augen machte mich auch jetzt noch nervös. Dennoch, die Chancen standen gut, ihn nicht anzutreffen, da er als Senator viel unterwegs war.

In den letzten Jahren hatte seine unliebsame Aufmerksamkeit mir gegenüber eindeutig zugenommen, auch meine Verlobung hatte daran nichts ändern können. Zwar hatte ich versucht, mit meiner Mutter darüber zu reden, doch sie tat es nur mit einer erhobenen Augenbraue ab. Wir hatten nicht viele Gemeinsamkeiten, sofern es überhaupt welche gab. Meinen Vater konnte ich auch nicht einweihen und so meine Bedenken äußern, denn dann hätte ich sehr bald einige Personen auf meinem Gewissen. Das wiederum konnte ich nicht mit mir vereinbaren.

Meine euphorische Stimmung über den wahnsinnig guten Abschluss schwand mit jeder Meile, die mich näher zum Haus meiner Mutter brachte. Keines meiner Elternteile war bei der Abschlussfeier meines Studiums gewesen. Verbitterung machte sich bei diesen Gedanken in mir breit. Zumindest mein Paps hatte sich damals für mich stark gemacht, damit ich überhaupt meinen Traum, Marketing zu studieren, nachkam. Nicht so wie meine Mutter, die absolut dagegen gewesen war. Deren einziges Bestreben es war, mich unter die Haube zu bringen. Was mich gleich zu meinem nächsten nicht gerade freudigen Gedanken brachte. Ich würde meiner Mutter mitteilen müssen, dass ich mich von André, meinem Verlobten, getrennt hatte.

Diese Nachricht würde ihr mehr zu schaffen machen als mein Versuch, mit ihr über das ungebührliche Verhalten ihres Mannes zu sprechen. Ich konnte auf ein theatralisches Schauspiel ihrerseits gerne verzichten, doch ich fürchtete, dass mir nicht erspart blieb. Sie würde meine Beweggründe für den Bruch mit André ohnehin nicht verstehen. In den Augen meiner Mutter konnten mein Stiefvater und mein Ex-Verlobter nichts falsch machen. Die Einzige, die immer wieder gerügt werden musste, weil sie angeblich etwas unsachgemäßes fabrizierte, war ich. Trauer überfiel mich bei diesem Gedanken, weil ich nach all den Jahre noch immer keine Ahnung hatte, wie ich Nähe zu meiner Mutter aufbauen konnte oder auch nur einmal ihre Liebe und ihre Anerkennung bekam.

Ein gequälter Seufzer entkam mir. André hatte ich vor zwei Jahren kennengelernt, damals war er als mein Retter in der Not aufgetaucht. Ich war das Opfer eines Überfalls und er schlug den Täter in die Flucht. Als mein Vater Wind davon bekam, hatte ich sofort Privatunterricht in den Bereichen, Selbstverteidigung, Waffenkunde und Beschattung erhalten. Ich hatte Spaß daran und auch mein Selbstbewusstsein wurde durch diese Art Training gestärkt.

Während dieser Zeit freundete ich mich mit André an und eines führte zum anderen. Ein erfolgreicher junger Mann, der dich beschützte, sich deiner annahm und dir jeden Wunsch von den Lippen ablas. Der die Billigung deiner Mutter erfuhr, die du dir immer verzweifelt gewünscht hattest. Billigung, die sich schon sehr bald in Verehrung wandelte, nachdem herauskam, dass er ein Geschäftspartner deines Stiefvaters war.

Erst Monate später fiel mir auf, dass er immer eine gewisse Distanz zu mir wahrte. Ich sprach ihn darauf an, erhielt jedoch nur ausweichende Antworten. Unsere Küsse wurden immer seltener, nur noch ab und an in Gesellschaft anderer drückte André mir einen keuschen Kuss auf die Wange. Eine sexuelle Verbindung hatte es zwischen uns sowieso nie gegeben.

Jungfrau war ich zwar keine mehr, aber meine Erfahrung war dennoch sehr begrenzt. Ich hatte mich immer nach einer alles verzehrenden Leidenschaft gesehnt, wie sie immer wieder in Büchern und Filmen beschrieben wurde. Aber dafür war ich scheinbar in die falsche Gesellschaftsschicht hineingeboren worden. In der Upperclass zählte nur der Schein.

Irgendwann war mir dann bewusst geworden, je länger ich alles beim Alten beließ, desto eher würde auch ich zu einer dieser künstlichen Damen der Gesellschaft verkommen. In dieser Spirale aus Gleichgültigkeit und Langeweile gefangen, anderen ihr Glück neidend. Eigentlich genau der Schlag, den meine Mutter und ihr Frauenverein verkörperten. Ausrutscher der Ehemänner wurden nicht nur stillschweigend toleriert, sondern sogar begrüßt. Im Gegenzug konnten sich die Damen der Gesellschaft hingebungsvoll dem Poolboy, Gärtner, Schönheits-OPs, Pillen oder dem Alkohol widmen. So wollte ich nie enden.

Als ich André dann auch noch beim Fremdgehen ertappt hatte, legte sich in mir ein Schalter um. Ich beendete es an Ort und Stelle, während sein Schwanz noch in jemand anderem steckte. Das absolute Highlight: André hatte mich nicht mit seiner Sekretärin, sondern mit seinem Sekretär betrogen.

Nach wie vor konnte ich nicht begreifen, weshalb er ausgerechnet mich als seine Alibifreundin benutzt hatte, denn mehr war ich scheinbar nie für ihn gewesen. Homosexualität in der Upperclass war noch immer ein Tabuthema, aber trotzdem hatte ich das Gefühl, dass hinter der ganzen André-und-Zoe-sind-ein-Paar-Geschichte mehr steckte. Allein wie er mir den Antrag gemacht hatte, war so gar nicht die Art, wie ich es mir gewünscht hatte. Was er auch sehr wohl wusste. Nach wie vor war ich wütend, wenn ich daran auch nur dachte.

André hatte mich bei der opulenten Weihnachtsfeier meiner Mutter um meine Hand gebeten. Es waren an die dreihundert Personen und einige Vertreter der Presse geladen gewesen. Schon damals war ich kurz davor, schreiend das Weite zu suchen. Aber als brave Tochter der höheren Gesellschaft keucht Frau entzückt auf, wenn ihr ein Ring vor die Nase gehalten wird. Sie lässt ein paar Krokodilstränen aus ihren strahlenden Äuglein kullern und haucht ein »Oh, André, ja!«.

Es war dumm gewesen und ich wusste, dass es in unserer Schicht erwartet wurde, ein Kind zu zeugen. Wie genau hatte er sich das eigentlich vorgestellt? Wäre er wirklich so weit gegangen, mich dafür sogar in sein Bett zu holen? Warum hatte er mir überhaupt einen Antrag gemacht?

Jedenfalls war André bei der Verkündung, dass ich ihn verlasse, fast durchgedreht. Die Situationskomik ließ mich grinsen. Wie erschrocken er sich zu mir umgedreht hatte. Sein Penis war sofort in sich zusammengefallen, er kam mir nach und fiel dabei vom Bett, weil er sich in der Decke verheddert hatte.

Zuerst hatte er mich noch angefleht, ihm diesen Ausrutscher zu verzeihen. Dann waren die Drohungen gekommen, die Beschimpfungen, dass ich schuld sei. Mit dieser Anschuldigung hatte er mich tief verletzt. Wie konnte er mich beschuldigen, an seiner Homosexualität schuld zu sein? Konnte ein anderer Mensch für die eigene sexuelle Orientierung verantwortlich gemacht werden? Mit Sicherheit nicht. Ich war immer noch fassungslos über diesen Vorwurf. Aber auch wenn André mich nicht beschuldigt hätte, würde ich es ihm nicht verzeihen. Ich wollte mit diesem Typen absolut nichts mehr zu tun haben. Seine Anschuldigung hatte das Fass lediglich zum Überlaufen gebracht.

Wie wenig ich zu diesem Zeitpunkt schon nur noch für ihn empfunden hatte, war mir erst in diesem Moment klar geworden. Bis auf meinen Stolz hatte er nichts getroffen. Wenn ich genau darüber nachdachte, hatte er mich nie fesseln können. Hatte es nie geschafft, dass ich mich an seiner Seite lebendig fühlte. Mir graute allerdings vor der Diskussion mit meiner Mutter. Das würde alles andere als ein Zuckerschlecken, wenn ich gleich das Anwesen erreichte.

* * *

Kurz wird mein Ausflug in die Vergangenheit unterbrochen. Meine Gedanken wandern wieder zu ihm, meinem Entführer. Wie anders ich doch fühlen kann, hat mir Romero gezeigt. Dieser Mann kann mich fesseln, und zwar wortwörtlich.

Ein Blick aus deinen fast schwarzen Augen, Romero, reicht aus, um mir eine Gänsehaut zu bescheren. Mein Herz rast in deiner Nähe und zu meiner allergrößten Verwunderung lässt du mein Höschen nass werden.

Deine dunkle, bedrohlich Gestalt, die natürliche Dominanz und dein arrogantes Auftreten, davon werde ich angezogen wie die Motte vom Licht.

Diese Tatsache würde ich aber nur unter Folter ausplaudern.

Ich lenke meine Gedanken wieder in andere Bahnen, zurück zu meiner Ankunft damals ins Domizil meines Stiefvaters.

* * *

Seufzend registrierte ich die wahnwitzige Anzahl an Securityleuten, die vor dem Eingangstor patrouillierten. Ich verstand nicht, warum ein Senator so viele Personen zu seiner Sicherheit benötigte. Ein paar waren verständlich. Die schiere Anzahl, die ich mit bloßem Auge zählen konnte, erinnerte allerdings eher an eine Privatarmee aus einem schlechten Actionfilm.

Dann wurde ich durchgewunken. Das schmierige Lächeln auf einigen Gesichtern ließ mir einen Schauder über den Rücken laufen.

Ich fuhr die lang gezogene Einfahrt entlang und auch hier waren einige Wachen zu sehen. Viel zu schnell hielt ich vor dem Hauptgebäude und ich musste mir ein paar Sekunden nehmen, um mich für das Aufeinandertreffen mit meiner Mutter zu sammeln. Den Kopf nach hinten auf die Nackenstütze gelehnt, lauschte ich den letzten Tönen eines meiner Lieblingslieder.

Als die letzten Akkorde verklangen, richtete ich mich auf und verließ mein Auto. Bei jedem Schritt verwandelte ich mich mehr und mehr in eine der gelangweilten Töchter der Upperclass. Stellte mich dem Unvermeidlichen, meiner Mutter, der ich nie etwas recht machen konnte.

Die Tür wurde mir von einem der Dienstmädchen geöffnet. Ich schenkte ihr ein hoheitsvolles Nicken, tackerte mir ein aufgesetztes Lächeln ins Gesicht. Meine Mutter erwartete mich bereits im Salon. Seit meinem letzten Besuch hatte sie sich zumindest erneut liften lassen, wie mir direkt auffiel. Und hatte sich auch ihre Nase verändert?

Sie empfing mich mit Luftküsschen und einem »Schön, dass du da bist, mein Kind, aber wie siehst du denn aus?«. Ihre Stimme klang dabei äußerst missbilligend. War ja mal wieder klar. Dass ich hier in Jeans und Shirt erschien, und nicht in einem Kostüm oder pastellfarbenen Kleid, gefiel ihr gar nicht.

Innerlich schüttelte ich den Kopf. Ich war Mitte zwanzig und keine Matrone. Solch ein Gewand wäre für meine längere Reise hierher mehr als ungeeignet gewesen. Und wenn ich ehrlich war: Ich hasste solche Fummel. Ich hatte nichts gegen Kostüme oder Kleider, nur drifteten unsere Vorstellungen hier weit auseinander.

»Hast du schon gehört? André hat hier in New York eine Stelle bei deinem Stiefvater angeboten bekommen«, fuhr sie fort, ohne weiter auf meine Kleidung einzugehen.

»Bitte was?« Ich blickte sie verdutzt an.

»Oh, was rede ich da. Natürlich weißt du das bereits. Du musst überglücklich sein, Zoe«, trällerte meine Mutter.

»Äh, ja, schön für ihn.« Mühsam versuchte ich, mich zu beherrschen,die Abneigung und Wut gegen ihn zu unterdrücken. Zum Glück rettete das Klingeln meines Handys mich vor dem fragenden Blick.

»Hallo?«

»O mein Gott, Zoe, bist du schon angekommen? Die Clique will heute auf Tour gehen. Es gibt da diesen neuen Club, die Promis drücken sich dort die Klinke in die Hand. Nicht dass wir keine sind. Wir müssen dort unbedingt hin und du musst uns einfach begleiten!«

»Cindy, danke für die Einladung. Woher weißt du, dass ich heute angekommen bin?«, fragte ich sie.

»Na, wie das halt so ist. Meine Mutter traf deine Mutter im Club«, erklärte sie mir überschwänglich.

»Du hast recht, das hätte ich mir ja denken können. Ich muss die Einladung aber leider ausschlagen. Ich bin von der langen Reise sehr erschöpft, daher denke ich, ich sollte diesen Abend zu Hause verbringen, um für die kommenden gesellschaftlichen Ereignisse ausgeschlafen zu sein«, versuchte ich meine Stimme so bedauernd wie möglich klingen zu lassen. Immerhin kannte ich die Mädels bereits seit vielen Jahren, wir besuchten einige Kurse in der High School zusammen, somit wusste ich es würde ein langer und feuchtfröhlicher Abend werden.

»Keine Chance, Zoe, wir sind bereits auf dem Weg zu dir. Du hast noch eine Dreiviertelstunde, dann sind wir daahaa«, schrie nun auch Mandy im Hintergrund, dann legten sie kichernd auf.

Ich konnte einen entnervten Seufzer nicht unterdrücken, sodass meine Mutter mich tadelnd anblickte. »Zoe, Contenance. Niemals das Lächeln verlieren«, wies sie mich an.

»Verzeihung, Mutter, ich hätte den Abend zu gerne mit dir verbracht, doch das waren gerade Madlen und Cinthia am Telefon, die unbedingt mit mir einen Mädelsabend verbringen möchten, im Club.« Ich bemerkte, wie meine Stimme schon den gleichen theatralischen Tonfall meiner Mutter annahm. Verdammt, ich musste hier dringend weg. So wollte ich nicht sein.

»Das ist aber sehr schade. Kannst du nicht absagen? Ich hätte zu gerne gehört, wie es dir und André ergangen ist. Konntet ihr euch schon über die Anzahl der Gäste auf eurer Hochzeit einigen? Ich bin ja ganz auf der Seite deines Verlobten – je mehr Personen, desto besser. Es soll ja schließlich das gesellschaftliche Event der Saison werden. Ich verstehe nicht, weshalb du dich hier so hartnäckig zeigst.«

O Mann. Innerlich verdrehte ich die Augen und zählte langsam bis zehn. Nach dieser kleinen, missbilligenden Ansprache war ich einem feucht-fröhlichen Clubabend nicht mehr ganz so negativ gegenüber eingestellt.

Und ich gebe zu, ich war schlichtweg noch nicht bereit, mich mit meiner Mutter über die Beweggründe meine Trennung auseinanderzusetzen. Die ganzen Vorwürfe, die auf mich warten und mit Sicherheit auf mich einprasseln würden, was ich doch für eine Schande sei, ihre dramatischen Seufzer, das schlechte Gewissen, das sie mir versuchen würde einzureden … Dafür fehlte mir gerade wirklich der Nerv. Sie würde es nicht verstehen, seinen Ausrutscher als Lappalie darstellen, weswegen man sich nicht einfach so trennte.

»Das müssen wir leider nachholen, denn …« Ich tat so, als würde ich entsetzt die Uhrzeit realisieren, und sah zu ihr hinüber. »Oh, ich muss mich sputen, die Zeit läuft mir davon!« Dann wendete ich mich ab und war schon dabei, aus der Tür zu hasten. Dabei schloss ich für einen Moment meine Augen, atmete durch. Kam ich damit etwa wirklich davon?

»Zoe, bitte benimm dich. Du weißt ja, wie sich diese Mädchen ab und an benehmen. Ich möchte nicht, dass du negativ auffällst, das wirft nur ein schlechtes Bild auf uns und deinen zukünftigen Mann.«

Ich zuckte bei den Worten zusammen. Mein Magen zog sich zu einem Kloss zusammen. Verdammt, ihr von der Trennung zu berichten, würde noch schwerer als erwartet.

Ich wendete mich meiner Mutter noch einmal zu. »Natürlich werde ich mit leuchtendem Beispiel vorangehen. Wir werden nicht negativ auffallen, keine Sorge.« Dann verschwand ich aus dem Raum.

Kaum war ich außerhalb ihrer Sichtweite, hastete ich die Treppe hoch und den Flur entlang zu meinem Zimmer. Am liebsten hätte ich die Tür hinter mir kräftig in das Schloss geschlagen. Stattdessen aber schloss ich sie leise, lehnte mich mit dem Rücken dagegen. Ich verstand nicht, weshalb ich ihr nie die Stirn bot. Ich war kein kleines Kind mehr. Eigentlich war ich sogar eine selbstbewusste junge Frau, der die Welt zu Füßen lag. Aber hier, in diesem Haus, kam ich mir immer klein und wertlos vor. Nichts erinnerte an die selbstsichere Person, die sich gerade einen ausgezeichneten Abschluss hart erarbeitet hatte.

Von der Tür abstoßend, eilte ich in das angrenzende Badezimmer. Die Zeit lief mir im Augenblick ja wirklich davon. Ich beschloss, es gar nicht so schlecht zu finden, den Abend auswärts zu verbringen. Durch die ganzen Prüfungen und den privaten Stress in der letzten Zeit war ich schon lange nicht mehr tanzen gewesen. Das würde mir auf jeden Fall guttun. Und ich hatte einen weiteren Tag gewonnen und das unliebsame Gespräch mit meiner Mutter aufgeschoben.

Vor mich hin grinsend duschte ich mich schnell ab, dabei ging ich den Inhalt meines Kleiderschrankes gedanklich durch. Es fiel mir allerdings kein Kleidungsstück ein, wofür ich von meiner Mutter, wenn schon kein anerkennendes, dann zumindest ein duldendes Nicken geerntet hätte. Unsere Vorstellungen von einem passablem Cluboutfit gingen einfach zu weit auseinander. Ich war mir sicher, wenn sie mich in meinen Kleidern sah, würde ihr auch klar, dass sie von einem anderen Klub redete als ich.

Daher entschied ich mich für eines meiner Lieblingsoutfits: eine schwarze, enge Lederhose, kombiniert mit einem smaragdgrünen Spitzentop und einem Paar schwarzer Riemchen-Heels. Meine langen roten Haare ließ ich offen. Ich schminkte mich nur dezent, meine Augen umrahmte ich mit schwarzem Kajal, zog ihn so, dass sie etwas katzenhaft anmuteten. Die Wimpern waren schnell getuscht. Zufrieden blickte ich in den Spiegel. Die dunkel betonten Augen ließen meine grünen Iriden strahlen, perfekt ergänzt durch das gleichfarbige Top. Fertig.

Ich eilte aus meinem Zimmer, aber meine Mutter erwartete mich schon am Absatz der Treppe.

»Das kann nicht dein Ernst sein, Zoe. Wie siehst du nur aus? So kannst du doch nicht in den Klub gehen«, sagte sie schockiert.

»Aber wir gehen doch tanzen, Mutter, da trägt man solche Kleidung«, antwortete ich ihr verständnislos. Zumindest versuchte ich, meiner Stimme diesen Klang zu geben. Zuvor hatte ich sie ja bewusst getäuscht.

Missbilligend zog sie eine Augenbraue nach oben. »Du hast mir den Eindruck vermittelt, ihr würdet den Countryclub aufsuchen. Und nicht ausgehen«, erklärte sie mir.

»Oh, das Missverständnis tut mir sehr leid. Ich nahm an, es sei klar, dass wir in einen Club zum Tanzen wollen«, gab ich so zerknirscht wie möglich von mir.

In diesem Moment betrat ein Dienstmädchen den Raum und verkündete die Ankunft der Mädels.

»Ich kann meine Freundinnen nicht länger warten lassen, Mutter, wir reden morgen«, sagte ich mit einem entschuldigenden Lächeln auf den Lippen.

Meine Mutter sah bei meiner Rede aus, als hätte sie auf eine äußerst saure Zitrone gebissen, bevor sie mich mit einer missbilligenden Geste, wie ich es nicht anders von ihr gewohnt war, aus ihrem Umfeld entließ.

So schnell ich konnte, ohne dass es zu sehr nach Flucht aussah, eilte ich nach draußen, um in das wartende Auto einzusteigen. Mit lautem Hallo wurde ich von den Mädels begrüßt. Ausatmend und erleichtert ließ ich mich auf die Rückbank fallen und wir fuhren los. Gedanklich war ich aber noch bei meiner Mutter, als mich das Gespräch der anderen in die Gegenwart holte.

»Habt ihr schon von dem neuen Club gehört? Dort soll sich die Celebrity von L. A. die Klinke in die Hand geben.

---ENDE DER LESEPROBE---