Deep Down in Trouble - Raven T. Winter - E-Book
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Deep Down in Trouble E-Book

Raven T. Winter

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Beschreibung

Tia: Am Tag meiner Hochzeit akzeptierte ich die Wahrheit. Ich bin die Tochter eines Kriminellen. Mein Vater regiert die halbe Stadt und mein Mann hat mich nur geheiratet, um ihn als Regent abzulösen. Und was tat ich nach dieser Erkenntnis? Ich floh. Vor Dominic, vor meinem Vater und dem Leben, das nicht meines ist. Dominic: Du hast mich verlassen. Ich dachte immer, du wärst anders, doch das bist du nicht. Aber dass du wirklich gedacht hast, du könntest vor mir weglaufen, enttäuscht mich, Tia. Bald endet deine Frist. Wir werden zusammen sein. Nicht, weil mir dein Status den Weg zur Herrschaft ebnet. Nein, du bist meine Frau und wirst diese Rolle erfüllen. In jeder Hinsicht …

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Deep Down in Trouble

RAVEN T. WINTER

Inhalt

Vorwort

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Danksagung

Raven T. Winter

Deep Down in Trouble

Tia & Dominic

Dark Romance

Alle Rechte bei Verlag/Verleger

Copyright © 2020

Raven T. Winter

Korrektorrat: SW Korrekturen

Cover: Verco Design

[email protected]

Deep Down in Trouble

Erstausgabe Juli 2020 im Selfpublishing

Alle Rechte vorbehalten!

Copyright © Raven T. Winter

Raven T.Winter

c/o Autorenservice Patchwork

Schlossweg 6

A-9020 Klagenfurt

[email protected]

Personen und Handlungen sind frei erfunden. Da das Buch reine Fiktion ist, wurde aufgrund des Leseflusses auf die Erwähnung von Verhütung verzichtet.

Für das echte Leben gilt natürlich: Safety first!

Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Ich bin nicht für Gewalt gegen Menschen, oder gegen die Erniedrigung von Frauen und schon gar nicht für Sklaverei.

Dieses Buch darf weder auszugsweise noch vollständig in jeglicher Art ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung der Autorin weiter gegeben werden.

Dieses Buch ist in sich abgeschlossen.

Erstellt mit Vellum

Jeder Schmerz macht dich stärker,

jeder Verrat intelligenter,

jede Enttäuschung geschickter

und jede Erfahrung weiser.

Für die Welt bist du irgendjemand, aber für irgendjemand bist du die Welt. (Erich Fried)

Vorwort

Liebe Leser,

ich hoffe, ihr habt Spaß beim Lesen und könnt die Welt um euch für ein paar Stunden abschalten.

Die Story ist fiktional, die Personen genauso.

Ihr haltet hier einen Dark Romance Roman in den Händen. Das bedeutet für diese Geschichte,

ihr werdet einige explizite Szenen erleben, genauso wie Brutalität und eine derbere Ausdrucksweise.

Ich hoffe, ihr mögt die turbulente Story um Tia und Dominic, die sich um Verrat, Loyalität und Liebe dreht.

Prolog

Meinen Willen auf die Probe stellend lehne ich mich an die raue Ziegelmauer, betrachte dich, mal wieder. Es fiel mir nicht leicht, dich nicht auf der Stelle zu schnappen. In den letzten Jahren bist du zu einer richtigen Schönheit erblüht mit mehr Selbstbewusstsein, als dir guttut. Und das heißt etwas, du warst schon immer nervig und eigensinnig. Wusstest immer alles besser.

So einfach wirst du mir nicht nachgeben, aber ich habe meine Mittel und Wege. Mit jedem Tag wird mein Geduldsfaden dünner, fällt es mir schwerer, mich von dir fernzuhalten. Du schürst meine Wut, wenn du mit anderen Männern sprichst und ihnen deine Aufmerksamkeit oder dein Lächeln schenkst.

Nicht mehr lange und du gehörst wieder mir, ich zähle die Wochen, Tage und Stunden. Nie wieder werde ich so dumm sein, dich gehen zu lassen oder dich nicht zu schätzen wissen.

So ärgerlich es ist, kann ich dir nicht den ganzen Tag folgen. Heute sind es nur ein paar Minuten gewesen, es wurmt mich, dass ich zu spät hier eintraf, um sicherzugehen, dass in deiner Wohnung alles in Ordnung ist, bevor du eintriffst. Diese Aufgabe überlasse ich nicht meinen Männern, deine Wohnung ist zu intim.

Ich will mich gerade von dir abwenden, weil du hinter der Haustür verschwindest, als ich einen Schatten in einiger Entfernung von dir wahrnehme. Wie ich betrachtet er dich und lässt mein inneres Radar anschlagen.

Nur ein Gedanke beherrscht mich, den Typen sofort auszuschalten. Ich habe eine Vermutung, von wem er geschickt wurde. Meine Ahnung ist alles andere als beruhigend. Niemand anderer will mir mehr ans Bein pissen, früher schimpften wir uns Freunde. Gemeinsam wollten wir die Stadt regieren. Mittlerweile will er meinen Tod.

Ich zücke mein Handy und rufe Verstärkung. Vorsichtig bewege ich mich aus meinem Versteck, sondiere die Umgebung, warte auf den richtigen Moment, um zuzuschlagen. Misstrauisch beäuge ich den Kerl, der nur stumm dasteht und abwartet. Etwas an seiner Art beunruhigt mich. Das gefällt mir nicht, ganz und gar nicht. Verdammt und wenn noch ein Mann vor Ort ist, vielleicht sogar in ihrer Wohnung. Shit. Ich darf keine Zeit mehr verlieren.

Eins

TIA

Der Knall der abgefeuerten Waffe hallte laut durch mein Wohnzimmer. Vor einigen Jahren, als die bittere Wahrheit ans Licht kam, schwor ich mir, nie im Leben einen Menschen zu erschießen. Wie es der Rest meiner Familie tat. Wie sehr ich mich täuschte mit dieser Annahme.

Wo kamen auf einmal diese Gedankengänge her? Die Hand mit der Glock war weiterhin auf den Mann gerichtet, der vor mir lag. Der Blutfleck auf seinem weißen Hemd wurde rasch größer, ich schluckte schwer. Der unverkennbare metallische Geruch von Blut breitete sich in der Wohnung aus.

Mit Mühe unterdrückte ich ein Würgen, schmeckte die ätzende Gallenflüssigkeit, die sich einen Weg meinen Hals hinauf bahnte. Komisch, wo ich als Krankenschwester verdammt häufig mit Blut zu tun hatte.

Das hier war anders, denn ich hatte ein Leben genommen. Meine Hand begann zu zittern. Von Sekunde zu Sekunde fühlte sie sich schwerer an. Vorsichtig trat ich zurück. Mit Mühe zwang ich mich, von der Wunde mitten in seiner Brust weg erneut in sein Gesicht zu sehen.

Obwohl sein Blick bereits starr war, konnte ich die Befremdung darin erkennen. Niemals hätte er damit gerechnet, dass ich als Sieger aus unserem Handgemenge hervorging. Genauso wenig wie ich. Ich hätte auf dem Boden liegen müssen. Es war schieres Glück und ich konnte es nach wie vor nicht fassen.

Entsetzt über mein Tun, wollte ich mich auf der Couch niederlassen, aber ich befürchtete, mich nicht mehr von ihr zu erheben. Somit lehnte ich mich stattdessen gegen die Wand. Den Blick nach wie vor starr auf Neal Barns gerichtet. Ich kannte diesen Mann seit meiner Kindheit.

Er machte mir schon als Jugendlicher Avancen, doch ich hatte immer ein ungutes Gefühl und auch Angst in seiner Gegenwart. Zum Glück hatte ich meistens zwei Beschützer an meiner Seite; einer davon war sein Bruder.

Die Worte die Neal zu mir sprach ließen mich nicht los – von wegen ich würde seine Trophäensammlung ergänzen – was meinte er damit?

Mist, wie hatte er mich gefunden, stellte ich mir die weitaus dringlichere Frage. Seit zwei Jahren, neun Monaten und fünf verdammten Tagen befand ich mich auf der Flucht. Ich baute mir gerade ein neues Leben auf. Erst vor einigen Wochen hatte ich mir den Abschluss als Krankenschwester erarbeitet. Fand eine Arbeitsstelle, blickte nach vorn. Das war mein Ticket, aus dieser Absteige rauszukommen.

Das geklaute Geld ging mir langsam aus, weswegen ich mich schon länger in dieser unschönen Gegend aufhielt.

Ich war mir sicher, dass mich niemand in diesem Ghetto vermutete. Keiner käme auf die Idee, dass ich mich in so einem fraglichen Viertel aufhielt.

Was in dem Fall eines abgefeuerten Schusses vielleicht gar nicht so schlecht war, denn bis jetzt hatte keiner der Nachbarn reagiert. Aber ich war trotzdem verwundert, dass sich so gar nichts regte. Keine der Türen wurde geöffnet oder von Fenster zu Fenster die Meldung wegen eines merkwürdigen Knalls weitergegeben.

Eigentlich war der Stadtteil gar nicht so schlecht, wie viele behaupteten.

In der ersten Woche machten mir ein paar Gangmitglieder Angst, aber offenbar gehörte das zu deren Taktik. Denn nach diesen paar Tagen wurde ich nie mehr schief angesehen oder auch nur angesprochen.

Die anderen Nachbarn, zumeist Arbeitslose, nahmen ohnehin kaum Notiz von mir. Das Sirenengeheul ließ auf sich warten. Vielleicht lag es auch daran, dass erst zwei oder drei Minuten vergangen waren, seit ich die Waffe abfeuerte, versuchte ich mir das Fernbleiben zu erklären. Meine Gedanken wanderten zurück zu dem gerade Erlebten.

Der Schuss, wurde mir auf erschreckende Weise klar, markierte das Ende meines jetzigen Lebens. Resigniert ließ ich den Kopf hängen, mir wurde schlecht bei dem Gedanken was ich getan habe, auch wenn es ein Unfall war, versuchte meine Schuldgefühle zu verdrängen.

Leere breitete sich in mir aus, wenn ich den Gedanken weiterspann. Meine neue Existenz konnte doch nicht jetzt schon vorbei sein, sie hatte noch gar nicht wirklich begonnen. In meinem Kopf arbeitete es. Angestrengt versuchte ich, den Fehler zu finden.

Wie war er auf mich aufmerksam geworden? Wie hatte Neal mich gefunden? Was wäre, wenn sein Bruder Jace von seinem Besuch bei mir wusste?

Hatte er ihn sogar beauftragt? Ich wusste nicht, ob er mich töten oder entführen wollte, aufgrund des Sammlungsgequatsches nahm ich aber eher Entführung an. Alles ging viel zu schnell.

Fahrig richtete ich mich auf. Ich musste verschwinden. Wenn Jace mich ergriff, nachdem ich seinen Halbbruder tötete, wäre mein Leben keinen Pfifferling mehr wert. Männer seines Schlages kannten keine Gnade.

Zumindest hatte ich das während meiner Flucht aufgeschnappt, und ich glaubte es, denn meine Recherchen waren sehr gründlich. Er würde mich gegen meinen Vater verwenden. An die andere Person, an der er sich ebenfalls damit rächte, wagte ich gar nicht erst zu denken.

Obwohl wir früher alle sehr gute Freunde waren, bis auf Neal, den mochte keiner, auch nicht sein Bruder. Ich verbat mir seit meiner Flucht jeglichen Gedanken an den einen speziellen Mann. Zu tief saß der Schmerz.

Wie auf Autopilot lief ich in mein Schlafzimmer, packte eine Tasche und verfluchte mich, genau so eine nicht mehr griffbereit zu haben: eine Notfalltasche.

Die ich schnell an mich nahm und verschwand. Nein, ich fühlte mich ungefährdet nach zweieinhalb Jahren auf der Flucht und beschloss daher, den Notfallplan nicht mehr zu benötigen. Wie schnell ich eines Besseren belehrt wurde, ich hätte es wissen müssen.

Als es um die Verteilung von Schwierigkeiten ging, hatte ich definitiv mehr abbekommen, als normal üblich war. Vor mich hin fluchend, suchte ich alles Wichtige zusammen. Geld, die gefälschten Ausweise, ein paar Kleidungsstücke, und meine Erinnerungsstücke. Die Halskette meiner Mutter und einen Bilderrahmen mit dem Foto meiner Familie darin.

Mein Blick verweilte kurz auf dem Bild. Mein Vater und meine Mutter hielten sich Arm in Arm. Sie sahen glücklich aus. Vorsichtig strich ich darüber. Was mich aber in Wahrheit fesselte, waren die dunklen Augen eines ernst dreinblickenden Teenagers.

Er blickte auf ein junges Mädchen hinab, das ihn scheinbar verleiten wollte, in die Kamera zu lächeln. Wie gut konnte ich mich an den Augenblick erinnern. Es war eine Zeit, in der die Welt noch in Ordnung war.

Achtzehn Monate nach der Aufnahme starb meine Mutter durch eine Autobombe. Nichts war mehr wie früher. Ich bemerkte meine Tränen erst, als sie auf das Glas des Rahmens tropften. Energisch wischte ich sie mit dem Handrücken von meinen Wangen und stopfte das Bild schnell in die Tasche. Ich hatte keine Zeit, über Vergangenes zu trauern, zu tief saß ich gerade in der Scheiße.

Rasch zog ich den Reißverschluss zu und verließ das Schlafzimmer. Nicht ohne die Waffe, die ich achtlos auf der Kommode ablegte, an mich zu nehmen. Mein Puls lief nach wie vor auf hundertachtzig.

Vorsichtig lugte ich um die Ecke und vergewisserte mich, dass Neal immer noch mausetot war und mir mittlerweile den Teppichboden vollblutete. In meinen Gedanken rügte ich mich, als ob das nicht gerade absolut nebensächlich und so was von egal wäre.

Wenn ich mich nicht beeilte wegzukommen, würde ich viel schlimmer enden als er. Tot war zwar bekanntermaßen tot, aber Schmerz und Folterung, das würde ich nicht durchstehen. Tief atmete ich ein.

Einzig um erneut die Gallenflüssigkeit, die sich ätzend ihren Weg meine Luftröhre hochschob, mit Mühe zurückzudrängen. Der ganze Raum stank mittlerweile metallisch nach Blut. Verdammt, wieso reagierte ich dermaßen sensibel? Mit Sicherheit waren es die Schuldgefühle.

Flach begann ich zu atmen, hielt mir eine Hand vor den Mund, die Schulter gebeugt von der schweren Tasche. Mit der anderen zielte ich weiterhin auf den Toten. Ich wusste, dass das idiotisch von mir war.

Ich konnte nicht anders. Zu sehr befürchtete ich, dass er einfach aufsprang; offenbar hatte ich zu viele Zombiefilme gesehen. Bewusst versuchte ich, die Situation ins Lächerliche zu ziehen. Ansonsten bräche ich zusammen.

Angespannt schob ich mich weiter in Richtung Flur. Schön langsam an der Wand entlang. Ich nahm das Schlagen meines Herzens überdeutlich in der angespannten Stille wahr. Ein Blick auf die Uhr bestätigte mir, dass ich keine fünf Minuten benötigte, um alles zu packen und um zu verschwinden.

Ein Krachen ließ mich aufschrecken, überrascht schrie ich auf und taumelte zurück in Richtung Wohnzimmer. Instinktiv zielte ich mit der Waffe in Richtung Tür, meine Hand bebte.

Zischend sog ich die Luft in meine Lunge und riss meine Augen auf, als ich den Eindringling erkannte. Niemand anderer als der Teenager vom Foto, mittlerweile ein stattlicher, attraktiver Mann, betrat meine Wohnung. Ich hatte ihn Jahre nicht mehr in natura gesehen. Mein verräterisches Herz setzte für einen Schlag aus, nur um umso wilder gegen meine Brust zu hämmern.

Mein bester Freund aus Kindheitstagen, meine einstige erste große Liebe, mein vor zwei Jahren, neun Monaten und sechs verdammten Tagen angetrauter Ehemann. Und zugleich der Mann, der mich für Macht heiratete und hinterging.

Der mit mir spielte und mich als sein Eigentum betrachtete, um die Organisation meines Vaters zu übernehmen, und somit alle Gefühle in mir zerstörte.

Ich schluckte schwer, während er mir ein träges Lächeln schenkte; Blut rauschte in meinen Ohren.

»Hallo, Trouble«, sprach mich der Mann an, der mir einst sprichwörtlich das Herz aus der Brust gerissen hatte.

Zwei

TIA

Ich spannte den Abzug und schoss. Er musste es geahnt haben, denn er machte einen Schritt auf die Seite, so schnell, dass ich seine Bewegung nicht sehen, nur erahnen konnte.

Die Kugel streifte ihn, das ließ mich sein gezischter Fluch begreifen. Ich weiß nicht, was über mich kam, entsetzt über mich ließ ich die Waffe fallen.

Es fühlte sich an, als hätte sie meine Hand verbrannt; starrte darauf. Seine vor Wut brodelnde Stimme ließ mich meine Aufmerksamkeit schlagartig ihm zuwenden.

»Du verdammte Irre, spinnst du total, begrüßt man so seinen Ehemann?«

Schockiert starrte ich ihn an – was hatte ich getan? Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit hatte ich eine Waffe abgefeuert. Rasch kam er auf mich zu und kickte die am Boden liegende Waffe weg von mir.

Seine Leute stürmten meine Wohnung, mit einer Handbewegung hielt er sie zurück. Ich hatte das Gefühl, mein Herz würde aus der Brust springen, dermaßen wild schlug es.

»Das hättest du nicht tun sollen, Trouble«, knurrte er mich an.

Fest zog er mich in seine Arme und drehte mir die Hände schmerzhaft auf den Rücken. Ich strampelte und schrie mir die Seele aus dem Leib, ohne Erfolg.

Sein Griff festigte sich weiter; je mehr ich gegen ihn ankämpfte, desto mehr tat ich mir selbst weh.

»Hör verdammt noch einmal auf, dich zu wehren, du wirst dir den Arm auskugeln.«

Widerwillig hielt ich inne. Er löste seine harte Umklammerung wie angekündigt, packte mich aber umgehend an der Hüfte. Ich hatte keine Chance, ihm zu entfliehen. Wenigstens lief ich nicht mehr Gefahr, mir die Schultern auszukugeln. Dafür zeigte sich ein anderes Problem.

Seine Nähe erzeugte Empfindungen in mir, die ich lange für tot hielt. Sein Duft hüllte mich ein, umnebelte mein Gehirn. Am liebsten hätte ich mich eng an ihn geschmiegt.

Dieser Mann brachte mich total aus dem Konzept. Ich riss mich so gut es ging zusammen. Dominic, mein Mann, dachte ich verächtlich, ist einer der Hauptgründe für meine derzeitige Lage. Ich versuchte, die widersprüchlichen Gefühle einzuordnen.

Feindseligkeit kämpfte mit Zuneigung, Reue mit Faszination. Sie alle drängten gleichzeitig aus mir heraus, aber ein Gefühl drängte noch stärker hervor als all die anderen. Enttäuschung.

»Als ob dir das nicht egal wäre, ob du mich verletzt, Dominic.«

Die Worte entschlüpften mir, den bitteren Klang konnte ich nicht heraushalten und seinen Wink mit der Ehefrau ignorierte ich bewusst.

»Sag mir, Trouble, wer hat hier gerade wen versucht zu erschießen?«

Dabei deutete er mit seinem Kopf in Richtung seiner rechten Schulter, die den Streifschuss kassiert hatte. Ich wusste nicht, ob ich verlegen zu Boden blicken sollte oder doch besser auf Konfrontationskurs ging.

»Mit der nächsten Kugel, werde ich nicht danebenschießen«, spie ich ihm entgegen, konnte mich nicht zurückhalten und reckte kämpferisch mein Kinn empor.

Mit Gewalt drängte ich alle glücklichen Gedanken, die unaufhörlich in meinem Geist auftauchten, und mit diesem Mann zu tun hatten, zurück. Verschloss sie in der hintersten Ecke meiner Erinnerung.

Dominic zog eine seiner perfekt geschwungenen Augenbrauen in die Höhe. In seinen fast schwarzen Augen glomm ein dunkles Feuer. Ich unterbrach den Blickkontakt, hielt ihm nicht länger stand und biss mir auf die Unterlippe.

Mit einer Hand hob er mein Kinn an, zwang mich, ihn anzusehen.

»O kleine Tia, du hast ja keine Ahnung, ich hätte dir schon früher den Arsch versohlen sollen. Jetzt forderst du es richtiggehend heraus. Dich zu zähmen wird mir viel Spaß bereiten.«

Ich kreischte auf, verfluchte ihn für seine Unverschämtheiten, was hatten sie alle mit dem Zähmen wollen? Dominic lächelte, während er mir weiterhin tief in die Augen sah. Er ließ mich in seiner Umarmung toben, wie wild hämmerte ich auf seine breite Brust ein.

Er zuckte mit keiner Wimper, was mich mehr und mehr anstachelte, ihn zu verletzen. Er wirkte wie ein Bollwerk, ich kam nicht gegen ihn an. Erschöpft ließ ich von ihm ab. Es brachte ja sowieso nichts, außer meine Energie zu vergeuden.

»Na, wieder beruhigt, Trouble?«

Seine Worte ließen meinen Kampfgeist erneut aufflammen, aber die ganze Aufregung war zu viel. Mehr, außer meine Augen zu verengen und ihn böse anzufunkeln, war nicht drinnen. Das Adrenalin, das meinen Körper flutete, verzog sich – was blieb, war Erschöpfung.

»Was willst du von mir, Dominic?«

Meinen Blick hielt ich auf seine Brust gerichtet. Ich wollte ihn nicht ansehen, doch er ließ meine Flucht nicht zu. Dominic ließ mein Kinn los, fasste sanft in meine langen Haare und zog daran.

Mein Kopf legte sich in den Nacken, immer weiter zog er sie nach unten. Bis ich ihm schutzlos ausgeliefert war. Der Zug war beständig, er tat mir nicht weh, solange ich seiner Führung folgte.

Tränen stiegen in mir auf, vergeblich versuchte ich, sie wegzublinzeln. Nachdem ich mich nicht mehr in meine Wut steigern konnte – mir fehlte die Kraft dazu –, fiel es mir noch schwerer, meine gemischten Emotionen zu unterdrücken.

Die Trauer über den Verlust unserer Freundschaft und die Verbundenheit, die wir hatten, drückte schwer auf meine Brust. Meine absolute Hilflosigkeit, dieser Situation zu entfliehen, machte mich wahnsinnig.

»Was ich immer wollte: dich an meiner Seite, Tia, wie es vor langer Zeit vereinbart wurde.«

Mit seinen Augen schien es, als präge er sich jede Einzelheit meines Gesichtes ein. Ein Muskel zuckte in seiner Wange. Was das Zucken bedeutete, konnte ich nicht erahnen. Seine schwarzen Augen gaben nichts preis, in diesem Moment hätte er ebenso gut ein Fremder sein können.

»Du kannst mir nicht mein Leben nehmen. Ich will das geheuchelte Leben nicht, welches ihr mir zugedacht habt, wollte es nie.« Meine Stimme verhallte tonlos in der Wohnung.

»Tia, du hast keine Wahl, du gehörst an meine Seite. Ich habe dich lange genug dein Leben leben lassen. Und schau, in was für eine Scheiße du gestolpert bist.«

Grollend stieß er die Worte hervor. Wer glaubte er eigentlich, wer er war?

»Du weißt nichts von mir!«, brauste ich auf. »In den letzten drei Jahren habe ich mir ein Leben ohne die Familie, ohne Gewalt, Lügen und Verrat aufgebaut.«

Ungläubig schüttelte er den Kopf. Dominic setzte zum Sprechen an, ließ es dann doch bleiben, einzig das Zucken seines Augenlides zeigte mir, wie angepisst er eigentlich war. Er entließ mich aus seiner Umarmung, seine Hand legte sich stattdessen auf meinen Ellenbogen.

»Wir haben keine Zeit für diesen Kinderkram, es wird Zeit, dass wir wegkommen.«

»Ich gehe nirgendwo mit dir hin.«

Wütend versuchte ich seinem Griff zu entkommen, während ich meine Füße in den Boden stemmte. Seine Finger gruben sich tiefer in meine Haut, das war die einzige Reaktion, die ich von ihm bekam.

Er zerrte mich mit sich, und wollte ich nicht mit Haufenweise blauen Flecken enden, musste ich ihm wohl oder übel nachgeben. Nachdem wir die Wohnungstür passierten, wies er seine Leute an, meine Habseligkeiten zu verstauen und zu seinem Haus zu bringen.

Die Leiche von Neal sollten sie verschwinden lassen, ihn aber zuvor noch gründlich nach Habseligkeiten durchsuchen.

Ich warf einen letzten Blick zurück, als er mich in Richtung Stiegenhaus zog. Das Herz wurde mir schwer, meine neu aufgebaute Existenz fiel in sich zusammen wie ein Kartenhaus, es war unwiederbringlich vorbei. Eine einzelne verzweifelte Träne löste sich.

Dominic brachte mich vor den Eingang des Mietshauses, weitere seiner Männer erwarteten uns. Wenn ich nicht mitten unter den Männern gestanden hätte oder besser vom gefährlichsten mitgezogen wurde, hätte ich mir mit Sicherheit in die Hose gemacht.

Alle trugen einen grimmigen Gesichtsausdruck zur Schau und waren schwer bewaffnet. Die Szenerie wurde einzig von ein paar trüben Laternen beleuchtet, sogar der Mond versteckte sich hinter dunklen Wolken. Wer sich mit dieser Gruppe anlegte, hegte eindeutig Todessehnsüchte, dachte ich ironisch.

Am Rande nahm ich die wartenden Autos wahr, er musste mit einer ganzen Armee angekommen sein. Dominic öffnete die hintere Tür eines großen schwarzen SUVs, drängte mich hinein und setzte sich neben mich. Weitere Personen stiegen ein, keiner sagte auch nur ein Wort.

Die Stimmung im Wagen war aggressiv aufgeheizt, als würden alle auf etwas warten, ich hatte keine Ahnung worauf. Ich starrte aus dem Fenster in die dunkle Nacht. Es begann zu regnen, dicke Tropfen trommelten auf das Autodach ein.

Ich drückte mich immer enger in die Ecke, fühlte mich so trostlos wie die Nacht erschien, ließ den Tränen freien Lauf, die in mir hochkamen. Weinte still um zwei verlorene Leben.

Drei

TIA

Die Fahrt kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis wir endlich vor einem großen Tor hielten. Wir fuhren einen langen Weg entlang, der schließlich in eine Allee mündete. Erst mit Passieren des Tores entspannten sich die Männer. Sie fingen an, Witze zu reißen, und unterhielten sich angeregt.

Meine stummen Tränen kamen und gingen während der Fahrt, stattdessen plagten mich starke Kopfschmerzen. Auch wenn ich mich um andere Dinge kümmern sollte, wollte ich nur noch was zu trinken und mich ins nächste Bett verkriechen. Darauf hoffend, aus diesem Albtraum zu erwachen.

Ein großes Gebäude tauchte vor uns auf, erstrahlte im hellen Licht der Scheinwerfer. Der Wagen hielt direkt vor der Eingangstreppe. Mein Kopf pochte, leichter Schwindel befiel mich, als ich aus dem Geländewagen ausstieg, sofort war Dominic an meiner Seite. Die zuvorkommende Aufmerksamkeit hätte ich ihm nicht zugetraut – nein, das stimmte nicht, musste ich mich korrigieren. Er gab früher schon auf mich Acht.

Dom hakte mich unter, während er mich sanft in Richtung Treppe zog. Erst jetzt schenkte ich seinem Haus etwas Aufmerksamkeit. Mir klappte die Kinnlade runter, ich blieb auf der Stelle stehen, zu geschockt von dem, was ich sah: eine Hacienda. Dom, mein verdammter Ehemann, besaß mein Traumhaus.

»Du verdammtes Arschloch, wie konntest du nur?«

Ich machte einen Schritt auf ihn zu, hob meine linke Hand und wollte ihn ohrfeigen. Ich war nie der gewalttätige Typ, was mitunter ein Grund gewesen ist, weshalb ich meinem früheren Leben und meiner verbleibenden Familie den Rücken kehrte. Doch Dom brachte diese Seite in mir, zu meinem vollsten Verdruss, immer wieder zum Vorschein.

Wut, alles verzehrende Wut erfüllte mich, wie konnte er mich mit diesem Haus so sehr verspotten? Er fing meine Hand in der Luft ab, führte sie an seine Lippen, biss in die Kuppe meines Zeigefingers. Dominic entlockte mir mit dieser Geste ein Keuchen, er brachte mich vollständig aus dem Konzept.

Seine Augen glitten brennend über mich. Erschrocken entzog ich ihm meinen kribbelnden Finger, ein leichter Schmerz pochte in ihm.

»O Trouble, das wirst du bereuen.«

»Gar nichts werde ich, du hast kein Recht…« Aufbrausend fuhr ich ihn an, wurde mitten im Satz von ihm unterbrochen.

»Du solltest dich besser etwas zusammenreißen, meine liebe Ehefrau! Deine Liste an Verfehlungen ist bereits verdammt lange und du wirst mit deiner angedachten Strafe schon genug zu tun haben.«

Jegliche Farbe wich aus meinem Gesicht.

»Das ist ein Scherz, du kannst mich nicht bestrafen, nur weil ich nicht alles mit Ja und Amen von dir kommentiere.«

Ein subtiles Lächeln umspielte seine vollen Lippen, die Augen waren hart und unnachgiebig. Langsam schlich sich in mir der Gedanke ein, dass er es bitter ernst meinte. Ich wich einen Schritt vor ihm zurück, denn gerade jetzt machte er mir Angst, zum zweiten Mal in meinem Leben.

Er schüttelte bedauernd den Kopf, als er wieder zu sprechen begann.

»Heute hast du nichts mehr vor mir zu befürchten. Morgen werden wir über alles sprechen, und du wirst deine Strafe bekommen, verlass dich darauf.«

Hart schluckte ich, begriff nicht, was er sagte. Für den Moment war ich einfach nur froh, dass er mir ein Bett in Aussicht stellte. Er vollführte eine höfliche Geste mit seinem Arm in Richtung der großen hölzernen Eingangstür.

Ich biss mir auf die Lippen, um die sarkastische Bemerkung, die mir auf der Zunge lag, hinunterzuschlucken. Mein verächtliches Schnauben unterdrückte ich aber nicht. Als ich bei ihm vorbeiging, konnte ich das Knirschen seiner Zähne hören.

Dom musste sich offenbar zusammenreißen, um nicht die nächste Diskussionsrunde vom Zaun zu brechen, eine Ader pochte an seinem Hals. Ein weiteres deutliches Zeichen für den Sturm, der in ihm wütete, ein klein wenig Genugtuung erfasste mich.

Mittlerweile waren wir beide vom stetigen Regen durchnässt, vielleicht war nur das für ihn der Grund, unsere angeregte Konversation für den Moment zu beenden. Ich musste mich erholen, um klar denken zu können, und mir einen Plan für mein weiteres Vorgehen zurechtlegen.

Ich hatte nicht vor, ihm nachzugeben. Mich bestrafen lassen wie ein kleines aufmüpfiges Kind, kam nicht infrage. Das konnte mein liebender Ehemann sich abschminken; allein ihn so zu betiteln, war ausgesprochen dumm von mir.

Sollte er sich eine andere Tussi besorgen, die vor ihm zu Kreuze kroch. Ich war absolut nicht der Typ dazu. Was er genau wusste. Sein Verhalten mir gegenüber würde ich ihm heimzahlen.

Für den Moment beschloss ich, klein beizugeben, um mich zu fassen.

---ENDE DER LESEPROBE---