Eisig heiss - Raven T. Winter - E-Book
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Raven T. Winter

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Beschreibung

Lange dauert es nicht mehr und ich werde meinen Plan in die Tat umsetzen. Ich bin es leid, ohne Emotionen nur noch auf ein Ziel hinzuarbeiten. Bald ist der Tag gekommen, an dem ich mich rächen werde. Zu viele Jahre habe ich geschwiegen, aber jetzt nicht mehr. Familie geht über alles, doch was passiert, wenn du von ihr betrogen wirst?

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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EISIG HEISS

RAVEN T. WINTER

SELFPUBLISHING

INHALT

Vorwort

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Epilog

Danksagung

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Alle Rechte bei der Autorin Raven T. Winter

Cover: Magical Coverdesign

Korrektorat: SW Korrektur

Raven T. Winter

c/o Autorenservice Patchwork

Schlossweg 6

A-9020 Klagenfurt

[email protected]

Personen und Handlungen sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Dieses Buch darf weder auszugsweise noch vollständig in jeglicher Art ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung der Autorin weiter gegeben werden.

Dieses Buch ist in sich abgeschlossen, enthält aber wiederkehrende Charaktere.

»Ich habe versucht, mich von dir fernzuhalten in den letzten Tagen, und doch beherrschst du meine Gedanken. Auch in den unpassendsten Momenten.«

Lange dauert es nicht mehr und ich werde meinen Plan in die Tat umsetzen. Ich bin es leid, ohne Emotionen nur noch auf ein Ziel hinzuarbeiten. Bald ist der Tag gekommen, an dem ich mich rächen werde. Zu viele Jahre habe ich geschwiegen, aber jetzt nicht mehr.

Familie geht über alles, doch was passiert, wenn du von ihr betrogen wirst?

KAPITEL1

Elena

»Männer!«

Die Wohnungstür fällt laut krachend hinter mir ins Schloss.

Verärgert schäle ich mich aus meiner Lederjacke. Ohne hinzusehen, pfeffere ich sie, in Richtung Garderobe, während ich weiter meiner Verärgerung Luft mache und mich über das stärkere Geschlecht echauffiere. Wie verdammt dämlich sich die meisten von ihnen aufführen. Ich schalte kein Licht an, kenne hier drinnen jeden Zentimeter in- und auswendig.

Einen Fuß anhebend balanciere ich auf dem anderen hochhackigen Schuh und streife mir den Pump ab. Befreie mich wortwörtlich von diesen Folterinstrumenten, die mich in den letzten Stunden gequält haben.

Obwohl ich diese Art von Schuhen absolut toll finde, verfluche ich den Erfinder, der sicher ein Mann war. Wie könnte es auch anders sein, keine Frau wäre jemals so dämlich gewesen, ihre Geschlechtsgenossinnen derart leiden zu lassen.

Es hätte doch sicher eine Möglichkeit gegeben, Schuhe zu erfinden, die nicht nur megahot und sexy sind, sondern eine Frau nicht quälen. Aber nein, somit nehme ich diesen unsäglichen Erfinder in meine Schimpftirade mit auf.

»Scheiß-Kerle!« Das Poltern, als ich aus dem Verbliebenen der Folterwerkzeuge schlüpfe und ihn einfach auf den Boden meines Vorzimmers plumpsen lasse, wird unterbrochen von meinem wohligen Seufzer. Endlich konnte ich meine Füße in die Freiheit entlassen.

Ich reibe noch einmal über die gequetschten Stellen, bevor ich mich wieder meiner vorrangigen Beschäftigung widme. Dem Verfluchen aller Männer dieser Erde und einiger spezieller Exemplare im Besonderen.

»Wie kann man nur so verbohrt sein. Ahhhrrrrrr …«

In dem Moment, in dem ich meine Handfläche auf den Lichtschalter klatsche, stellen sich meine Nackenhaare auf.

»Darf ich fragen, wer dich derart sauer macht?«

Das aufflammende Deckenlicht lässt mich blinzeln, es dauert einen Moment, bis ich den Mann, der es sich auf meiner Couch gemütlich gemacht hat, wirklich erkennen kann. Die visuelle Bestätigung benötige ich jedoch nicht. Ich weiß ganz genau, wer der Eindringling hier in meiner Wohnung ist. Eine bleischwere Stille liegt über dem Raum.

Ein einziges Wort kommt mir in den Sinn. Fuck.

Seine dunkelbraunen, fast schwarzen Augen funkeln amüsiert. An seiner Körperhaltung kann ich ganz klar ablesen, wie wohl er sich in seiner Haut und auf meiner Couch fühlt, obwohl er absolut deplatziert darauf wirkt. Er dominiert den Raum aufgrund seiner Präsenz und das nervt mich extrem.

»Was tust du hier, Gabriel?«

»Wieso schlägt deine Stimmung mir gegenüber so rasend schnell um? Deine Stimme hat sich vor Hitze nur so überschlagen, als du über meine Geschlechtsgenossen hergezogen bist.«

Steif stehe ich nach wie vor in dem Durchgang zum Wohnzimmer. Alles in mir drängt danach, mich einfach in seine Arme zu werfen, sogar mein gesunder Menschenverstand verabschiedet sich immer mehr, nichts in mir will auf der Stelle aus meiner Zuflucht fliehen. Was mit Sicherheit das Vernünftigste wäre. Immerhin ist er Familie.

»Doch jetzt bist du eiskalt. Zwar wunderschön, aber unglaublich kühl, eine Eisprinzessin. Ich habe gedacht, die letzten Jahre hätten deine Abneigung mir gegenüber schwinden lassen?«

»Was tust du hier?«

»Darf ich meine jüngere Schwester nicht besuchen?«

»Ich bin nicht deine Schwester.«

»Das ist jetzt komisch, hat deine Mutter nicht meinen Vater geheiratet? Haben wir nicht deine ganze Kindheit bis in dein erblühendes Erwachsenenleben wie Bruder und Schwester im selben Haushalt gelebt?«

Mit Mühe zucke ich nicht unter seinen Worten zusammen, die alte, längst verbannte Erinnerungen in mir aufsteigen lassen. Bilder blitzen vor meinen inneren Augen auf, ich höre lachende Kinderstimmen. Sehe uns, wie wir über die Wiese vor dem Haus gerannt sind. Schmerz durchzuckt mich dabei. All meine Willensstärke zusammennehmend, sperre ich meine Erinnerungen in den letzten Winkel meines Geistes ein.

»Hör auf so geschwollen zu sprechen, das passt nicht zu dir und hör endlich auf, meine Frage mit Gegenfragen zu beantworten. Entweder sagst du mir, warum du hier bist, oder du verschwindest ganz schnell wieder.«

»Redest du so auch mit deinen Patienten? Ist das der Grund, weshalb du dir keine größere Wohnung leisten kannst? Ganz ehrlich, es wundert mich nicht.«

Scharf ziehe ich die Luft durch meine Nase ein, wenn er wüsste. Ganz langsam zähle ich bis zehn, starre ihm dabei in die dunklen, ausdrucksstarken Augen. Es bereitet Gabriel nach wie vor eine Riesenfreude, mich zu ärgern, er zielt darauf ab, dass ich mich vergesse. Ich befehle mir, nicht auf seine Provokationen zu reagieren, denn genau das will er: dass ich mich vergesse. Und vielleicht wäre es ihm sogar gelungen, nachdem er mich nach all den Jahren so unverhofft aufgesucht hat.

Da ich in den letzten Wochen und Monaten vermehrt von dominanten Alphamännern umgeben war, die mich nur zu gerne versuchten zu ärgern und alles andere als harmlose Kuschelbären sind, hat er mit seinem Plan keinen Erfolg.

Je länger ich hier stehe und mir seiner Gegenwart bewusst bin, desto klarer werden meine Gedanken, und ich traue mich auch wieder, zu handeln, habe die Macht über mich wiedererlangt und agiere nicht mehr kopflos.

»Wenn du diese unreifen Spielchen weiter spielen möchtest, tu das, ich habe keine Lust darauf.«

Betont gleichgültig gehe ich an ihm vorbei, streife mir mein schwarzes Shirt über den Kopf und lasse es einfach auf den Boden fallen. Nicht die beste Eigenschaft von mir, einfach Kleidungsstücke fallen zu lassen, aber ganz ehrlich, es ist mir gerade so was von egal.

Ich höre ihn scharf einatmen, verkneife mir ein Grinsen, nestle aber bereits am Knopf der Jeans und blicke nicht zu ihm hin, sondern ignoriere ihn, so gut es mir irgend möglich ist.

»Was tust du da, Elena, verdammt, du bist meine Schwester.«

Bevor ich mich zu ihm umdrehe, schäle ich mich aus den engen Bluejeans, lasse sie über meinen knackigen Hintern gleiten und biete ihm eine nicht zu verachtende Aussicht. Zumindest, wenn ich den ganzen Komplimenten der Männer, die versuchen, bei mir zu landen, Glauben schenken darf.

»Ganz ehrlich Gabriel, ich bin nicht nackt, trage immer noch meine Unterwäsche, und du hast mich oft genug in einem Bikini gesehen, also führe dich nicht als Moralapostel auf. Du willst mir nicht sagen, was du hier möchtest, stattdessen soll ich mich von dir in meiner Wohnung dumm anmachen lassen. Sorry, aber darauf habe ich absolut keinen Bock. Es ist meine Wohnung, ich habe dich nicht eingeladen, also muss ich dich auch nicht bespaßen. Ich wünsche dir ein schönes Leben, du findest ja selbst zur Tür hinaus.«

Ich gehe in mein Schlafzimmer, schließe nahezu lautlos die Zimmertür, nichts soll ihm verraten, wie heiß es in mir brennt. Wie knapp ich davor bin, zu explodieren und wie wenig ich der Eiskönigin gleiche, die er in mir sieht. Schwer ausatmend lasse ich mich auf mein Bett fallen und starre an die Decke, während meine Beine noch Kontakt zum Zimmerboden haben, um mich zu erden.

Gedämpft klingt seine Stimme durch die geschlossene Tür.

»Wir sind noch nicht fertig miteinander, Elena.«

Mein Mund öffnet sich wie selbstverständlich, um ihm eine passende Antwort zu geben, bevor ich ihn wieder schließe, keinen Laut von mir gebend, denn das ist genau das, was er erwartet. Widerworte, wie früher, wenn wir gestritten haben. Gabriel hat es immer geschafft, mich auf die Palme zu bringen; je älter wir wurden, desto leichter ist es ihm gefallen. Ganz schlimm wurde es, als er Mitte zwanzig war und ich gerade ins Erwachsenenalter eintrat, und auch schon zuvor, als ich ein Kind war, nachdem diese Sache passiert ist.

Uns trennen sieben Jahre. Gabriel hat schon immer auf mich aufgepasst, er war damals mein Freund und Beschützer. Dann geschah es und ich verlor jede Achtung vor ihm. Ich zog mich immer weiter zurück, einzig Gabriel schaffte es, mich in regelmäßigen Abständen zur Weißglut zu bringen. Wir gerieten immer wieder aneinander.

Genervt über meinen Rückzug setze ich mich auf. Dieser Mann triggert mich auf eine wirkliche beschissene Art und Weise, und das nach so vielen Jahren. Und was die Situation nicht besser macht, ich hatte vor ihm einen Besuch abzustatten, wollte Gabriel in seinem Hotelzimmer auflauern.

Dass er den Spieß umgedreht hat, gefällt mir ganz und gar nicht. Sein Auftauchen bringt mich in eine ungünstige Ausgangsposition, eine, in der ich mir geschworen habe, nie wieder zu sein, wenn es um meinen Stiefbruder oder meine Familie geht.

Ich lausche auf seine sich entfernenden Schritte und das Öffnen der Wohnungstür.

»Wer sind Sie, was machen Sie in dieser Wohnung?«

»Das Gleiche kann ich Sie fragen: Was wollen Sie hier?«

Gedämpft durch die Tür kann ich die pissige Stimme der beiden Männer deutlich erkennen.

O Mann, was ist das heute für ein absoluter Katastrophenabend, jetzt taucht Xavier auf. Nachdem er mich versetzt hat, und ich es bereut habe mich auf dieses Date einzulassen, was fällt ihm ein. Die Stimmen werden immer lauter, ich befürchte, die zwei fangen hier noch eine Prügelei an, wenn ich nicht einschreite.

Ohne darüber nachzudenken, dass ich nur mehr meine Unterwäsche anhabe, reiße ich die Schlafzimmertür auf und stapfe durch das Wohnzimmer direkt in Richtung Flur, um die zwei Streithähne zu trennen.

Ein Blick auf die beiden verrät mir, dass sie knapp davor sind, sich wirklich zu prügeln.

»Das ist jetzt nicht euer Scheißernst«, fauche ich in ihre Richtung.

»Halt dich da raus,« knurrt Gabriel.

»Das geht dich nichts an,« motzt Xavier.

Unisono geben sie mir zu verstehen, dass es ihre Sache ist. Ich koche innerlich. Was fällt ihnen ein, wie können sie es wagen, mich derart abzukanzeln.

Ich drehe mich auf der Achse um und gehe schnell zum Kühlschrank. Böse grinsend öffne ich ihn und greife in das große Gefrierfach, um mir eine große Plastiktüte daraus zu schnappen, bevor ich mich den zwei Gockeln widme. Nach wie vor stehen sie vor voreinander aufgebaut und beleidigen sich, weil keiner von ihnen nachgeben will.

Lächerlich.

Ich unterdrücke mein süffisantes Grinsen, denn in diesem Moment bin ich genau die Person, für die mich manche so gerne halten: pures Eis – und wie pur ich bin, werden sie gleich am eigenen Leibe erfahren.

Ich öffne schon einmal die Tüte, stelle mich in eine gute Position. Beide Männer ignorieren mich, haben nur Augen füreinander.

»Das ist eure letzte Chance, zur Vernunft zu kommen. Verlasst meine Wohnung, und hört auf, euch wie Gockel zu benehmen.«

Xavier und Gabriel schütteln den Kopf und blicken zu mir, und das ist genau der Moment, auf den ich gewartet habe. Ich schütte den Inhalt der Tüte mit voller Wucht – und das ist eine Menge, immerhin sind das um die 5 kg – in ihre verblüfften Gesichter. Gabriel bekommt mehr von dem crushed ice ab, immerhin steht er näher bei mir, und seine große maskuline Gestalt fängt das meiste davon auf.

Doch auch Xavier kommt nicht unbeschadet davon, an ihm rieselt das Eis ebenfalls hinab und in sein Shirt. Genugtuung breitet sich in mir aus.

»Bist du wahnsinnig, Queeny!«

»Doc, scheiße.«

Schreiend und fluchend erholen sich die Männer von der eisigen Attacke, während ich mich am Türstock anlehne und grinse. Meine kalten Finger sind mir dieses Schauspiel allemal wert. Und auch der nasse Fußboden, den ich danach noch aufwischen muss.

»Nachdem ich jetzt eure ungeteilte Aufmerksamkeit habe: Das ist meine Wohnung. Ihr habt hier beide nichts verloren, und bevor die Nachbarn wegen der ganzen Schreierei noch die Cops rufen, solltet ihr besser gehen. Und bevor ihr darüber nachdenkt, vor der Eingangstür erneut einen Streit anzufangen und eure Schwanzlänge zu vergleichen, da, wo das Eis herkam, gibt es noch mehr, und wir wissen alle drei, was mit Schwänzen passiert, die zu kalt gebadet werden – sie schrumpfen. Somit ist ganz klar, wer hier schlussendlich als Sieger vom Platz geht: die Person mit dem Eis.«

Die zwei patschnassen Männer blicken ungläubig auf mich hinab. Während ich ihnen süß lächelnd winke, um ihnen eindeutig klarzumachen, dass sie endlich aus meiner Wohnung verschwinden sollen.

»Es tut mir leid, Elena. Ich melde mich, wenn du wieder etwas umgänglicher bist.«

Xavier kennt mich mittlerweile so gut, dass er weiß, wann es besser ist, zu gehen. Er wirft Gabriel noch einen bösen Blick zu, bevor er sich vom Acker macht, aber nicht ohne seine Augen, die sich immer mehr verdunkeln, über meinen fast nackten Körper wandeln zu lassen. Ich kann in seinem Gesicht ablesen, was mein Anblick in ihm auslöst.

Demonstrativ schaue ich Gabriel an.

»Du hast dich wirklich gemacht, Elena, du bist keine Eisprinzessin mehr, nein, du bist mittlerweile zu einer Eiskönigin herangereift. Dein Verhalten wirst du noch bereuen. Mich kannst du nicht so leicht zum Kuschen bringen wie deinen Toyboy. Ich werde mich für deine Aktion mit dem Eis noch revanchieren.«

Der seidenweiche Tonfall, den er anschlägt, täuscht nicht über den Sturm hinweg, der in seiner Mimik tobt. Ich habe ihn hart in seinem Stolz getroffen, niemand geht so mit Gabriel um, und schon gar keine Frau.

Kämpferisch recke ich ihm mein Kinn entgegen und lasse ihn meine wilde Entschlossenheit spüren, mich nicht von ihm unterkriegen zu lassen. Zu lange habe ich mich von ihm dominieren lassen, zu lange einsperren. Er ist der Grund, weshalb ich kaum noch Kontakt zu meiner Mutter und meinem früheren Leben habe.

»Wir sehen uns schon bald wieder, Queeny.«

Er kommt auf mich zu. Ich weiche nicht von meinem Standort ab, gebe keinen Millimeter nach, es hat noch nie Zeiten gegeben, in denen er mich mit seiner Präsenz eingeschüchtert hat. Und jetzt werde ich nicht damit anfangen. Er hebt seine große, sehnige Hand. Seine rauen Finger streichen über meine Wange, er schiebt eine meiner langen schwarzen Haarsträhnen hinter mein Ohr, beugt sich zu mir herab.

»Ich habe dich vermisst, Queeny, ob du mir glaubst oder nicht. Es wird Zeit, dass du nach Hause kommst.«

Unwillig schüttle ich seine Hand ab und blicke ihm trotzig in die Augen.

»Ich werde maximal dann unsere Eltern besuchen, wenn ich sicher weiß, dass du nicht vor Ort bist.«

»Was habe ich dir getan, Elena, dass du zu so einer kratzbürstigen Person geworden bist.«

Voller Verachtung blicke ich ihn an, drehe mich um und gehe erneut in die Richtung meines Schlafzimmers.

»Wenn du gehst, mach die Tür hinter dir zu.«

Gabriel

Entnervt starre ich die geschlossene Tür vor mir an, während ich mir das Eiswasser so gut es geht aus dem Gesicht wische. Ich habe ganz vergessen, wie viel Temperament meine Schwester besitzt.

»Du solltest dich besser vom Acker machen.«

Amüsiert blicke ich den Mann an, der neben mir ebenfalls noch einen Teil ihrer Eiseinlage abbekommen hat.

»Tja, Kumpel, wie mir scheint, stehen wir in Elenas Gunst beide nicht gerade hoch. Also schlage ich dir vor, deinen eigenen Rat zu beherzigen.«

Ich marschiere gelassen die Treppe hinunter und verlasse das Gebäude, male mir bereits aus, wie ich sie für diese Aktion büßen lassen kann. Das Schmunzeln über ihren Einfallsreichtum kann ich mir nicht verkneifen.

»Komm ihr nicht mehr zu nahe.«

»Oder was?« Ich sehe mich nicht nach dem Mann um, der mir aus dem Haus gefolgt ist.

»Oder du wirst so schnell niemandem mehr einen Besuch abstatten.«

»Sorry, Kumpel, aber diese Entscheidung hast nicht du zu treffen. Außerdem rate ich dir, dich um deine Probleme zu kümmern, zumindest was meine Schwester betrifft, hast du ja genug.«

Ein paar Meter weiter warten mein Wagen und Stefano auf mich.

»Wie war das Wiedersehen?«

»Auf jeden Fall nicht gerade herzlich. Ich behaupte einmal, eisig trifft es verdammt gut.«

Grinsend sieht er mich an, ich muss ihm einen tollen Anblick bieten, nass bis auf die Haut.

»Sie scheint dir vor Wiedersehensfreude also nicht um den Hals gefallen zu sein.«

Laut lache ich auf, schüttle den Kopf.

»Nein, siehst du den armen Dummkopf dort drüben, er hat auch einiges abgekriegt von der Eisdusche. Wir sind an der Wohnungstür aneinandergeraten. Ich nehme an, er wäre gerne ihr Freund und hat es nicht gut aufgefasst, als er mich in der Wohnung vorfand. Tja und dann haben wir uns unterhalten, was Elena nicht gepasst hat. Sie hat unser Streitgespräch damit beendet, uns mit einem Sack crushed ice zu bewerfen. Ich habe mehr abbekommen, stand leider genau in der Flugbahn. Und jetzt wartet er da und starrt auf das Gebäude, wie ein Hund, der auf die Gnade seines Herren wartet. Einfach nur erbärmlich.«

»Der könnte einem fast leidtun. Fuck, dermaßen an den Eiern gepackt zu sein von einer Frau.«

Bei dem Gedanken verziehen wir beide schmerzhaft das Gesicht. Wobei mich eine unbekannte Unruhe erfasst, die ich aber nicht greifen kann.

»Und nun?«

Wir haben beide den armen Mann im Blick, der gerade ein Gespräch mit seinem Handy führt, trotzdem nimmt er den Blick nicht von Elenas Fenstern.

»Gib die Anweisung raus, dass zwei unserer Männer ihn beobachten sollen und zwei weitere das Wohnhaus im Blick haben. Ich will über jeden Schritt informiert sein, den die zwei einzeln oder zusammen machen. Aber jetzt wird es Zeit, dass ich aus dem klammen Zeug rauskomme.«

KAPITEL2

Elena

In meinem Schrank krame ich nach einer bequemen Yogahose und einem flauschigen Pullover. Endlich fällt die Haustür ins Schloss, ich warte noch einige Minuten, um wirklich sicher zu sein, dass ich allein in der Wohnung bin. Kein verräterisches Geräusch dringt an mein Ohr. Seufzend fahre ich mir durch die Haare und überlege, wieso mir diese Scheiße passiert. Der Tag begann eigentlich gut, warum musste er nur so katastrophal enden.

Und warum der Mann, der mich vor Jahren in die Flucht trieb, noch immer so eine explosive Wirkung auf mich ausübt. Ich weiß es nicht. Jetzt in der Abgeschiedenheit meiner Wohnung drängen die alten Gefühle in mir hoch, die Emotionen, die ich mit ihm verbinde.

»Geh raus aus meinem Kopf.« Ich reiße die Schlafzimmertür auf und suche mir ein paar Tücher zusammen, um den Flurboden von dem geschmolzenen Eis zu befreien und um mich zu beschäftigen. Ich muss meinem Körper und meinem Kopf eine Aufgabe geben, um nicht verrückt zu werden, mich nicht in dem Gedankenkarussell zu verlieren, das mich Jahre zurückwirft in eine andere Zeit und an einen anderen Ort.

Ich weiß, in nicht allzuferner Zukunft, wäre ich ihm so oder so gegenübergetreten. Das wäre jedoch zu meinen Bedingungen geschehen. Nicht so. Mit meinen Freunden an der Seite, die zu einigen der gefährlichsten Männer in diesem Land zählen.

Ein verächtliches Schnauben entkommt mir. Wem will ich etwas vormachen, all meine Schutzmechanismen hätten mir nicht geholfen, mich auf ihn vorzubereiten. Auf Gabriel kann ich mich nicht vorbereiten. Mein Blick fällt auf den Schuh, der mitten im Flur liegen sollte, denn er liegt nicht mehr. Nein, er steht dort wie ein Mahnmal, die Spitze eines Zettels ragt daraus hervor. Magisch werde ich davon angezogen. Bevor ich das Papier herausziehe, halte ich einen Moment inne, wappne mich.

Ich freu mich schon auf unser Wiedersehen, Elena.

Das Blut rauscht mit hoher Geschwindigkeit durch meinen Körper, ich kann es hören. Was bedeutet diese Nachricht? Weiß er, was ich vorhabe? Will er mich aus der Reserve locken? Hat er einfach einen Satz geschrieben, bei dem er weiß, dass meine Gedanken darauf anspringen und sich alle möglichen Szenarien ausmalt, so wie ich es gerade tue …

Mechanisch und mehr beiläufig als ordentlich beseitige ich die Unordnung. Nachdem ich die Tücher in dem Korb für die Schmutzwäsche deponiert habe, setze ich mich auf die Couch. Seine Mitteilung auf dem Couchtisch vor mir verhöhnt mich. Ich komme nicht darauf – oder will ich mir mein Versagen, ihn hinters Licht zu führen, nur einfach nicht eingestehen?

»Scheiß drauf. Ich werde nicht hier sitzen bleiben und mir weiter meinen Kopf ficken lassen.«

Das Läuten meines Handys zaubert ein Lächeln auf meine Mundwinkel. »Control« von Zoe Wees ertönt, daher weiß ich auch, wer mich gerade anruft. Für Rain ist es der Klassiker von Geri Halliwell »It’s raining men«.

Meine zwei Freundinnen. Hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, dass ich bald enge Freunde haben werde, ich hätte denjenigen ausgelacht.

Innerlich seufze ich dennoch auf. Ich freue mich über den ablenkenden Anruf, aber wenn Zoe es schon weiß, dann Rain, Nikolai und Romero auch, also hat Xavier nichts anderes zu tun gehabt, als sofort Alarm zu schlagen.

Ich bemühe mich um ein ausgesprochen fröhliches »Hi«.

Die Stille am anderen Ende macht mir meinen Fehler bewusst, denn ich hebe nie so ab, nie. Egal, bei wem.

»Okay … Elena, was hat er mit dir gemacht? Bist du in seiner Gefangenschaft und redest jetzt so fröhlich, damit ich mir gleich Sorgen mache? Dann mach das irgendwie deutlich und ich schicke die Kavallerie los.«

Ich kann das Glucksen nicht zurückhalten. Die Vorstellung ist zu komisch, wie sie allesamt bis an die Zähne bewaffnet in meine Wohnung stürmen, nur um mich von dem Zettel, der vor mir liegt, zu beschützen.

»Nein, Romero, sie hat noch nichts gesagt. Aber sie kichert. Ja verdammt, ich habe mich nicht verhört, das war kein Schmerzlaut, sie kichert. Irgendetwas ist absolut nicht in Ordnung mit ihr. Oder er stellt gerade unanständige Dinge mit ihr an. Was glaubst du, was ich meine? Genau solche Dinge, die du mit mir anstellst, die mich zum Kichern und dann zum Kreischen bringen, was denn sonst? Also manchmal bist du echt schwer von Begriff.«

Der überraschte Ausruf von Zoe, als – ich nehme es an – Romeros Handfläche mit ihrem Hintern kollidiert, lässt mich das Handy rasch von meinem Ohr weghalten.

»Sieh nur, was du angerichtet hast. Fast wäre mir das Handy aus der Hand gefallen.«

Jetzt kann ich mich nicht mehr halten und beginne lauthals zu lachen.

»Okay, es geht ihr gut. Sie lacht sich gerade über uns schlapp. Ja, verdammt, da hörst du’s doch.« Zoes trockener Kommentar lässt mich einfach so nur noch mehr lachen, es tut so gut, denn mit ihrer Art bringt sie mich auf vollständig andere Gedanken.

Das Ärgernis mit Namen Gabriel verschwindet in den Hintergrund. Dafür steigt Dankbarkeit in mir auf, diese Menschen gefunden zu haben und sie als Freunde zu bezeichnen. Vor knapp einem Jahr war das noch undenkbar für mich. Doch dann platzte Rain in mein Leben – nicht ganz ungewollt von mir. Doch mit der Entwicklung habe ich nicht gerechnet.

Zuerst wollte ich dieser jungen misshandelten Frau in der Hoffnung helfen, auf ein paar Hinweise zu stoßen, die ich für mein Vorhaben noch benötige, sprich ich war auf der Suche nach ein paar richtig harten Jungs. Doch dann kam es ganz anders – aber das ist eine andere Geschichte.

Obwohl ich nicht gerade einfach im Umgang war, oder besser nach wie vor nicht bin, halten diese drei Männer und zwei Frauen an mir fest. Es ist zwar nicht mehr notwendig, dass sie sich um mich kümmern, denn meine Hilfe benötigen sie schon lange nicht mehr, doch sie tun es.

Ich denke, ihnen ist nicht bewusst, wie viel mir ihre Zuneigung bedeutet, denn gesagt habe ich ihnen davon nichts. Und bei Xavier sieht es dann noch einmal ein wenig anders aus.

Immerhin habe ich mich nach Monaten zu einem Date breitschlagen lassen, und was macht er? Er versetzt mich, meldet sich nicht einmal und entschuldigt sich für die Verspätung. Nachdem ich eine knappe Stunde am vereinbarten Treffpunkt gewartet habe, bin ich dann gegangen. Deswegen, da bin ich mir sicher, ist er auch bei mir aufgetaucht, um sich zu entschuldigen und mich versöhnlich zu stimmen.

Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, war da nicht sogar Blut an seinem Hemdrevers? Vielleicht war er deswegen unpünktlich.

»Elena, bist du noch da?«

Zoes Stimme holt mich aus meinen Gedanken.

»Ja, bin ich.«

»Geht es dir gut? Dein Verhalten bereitet uns ein wenig Sorge.«

Bei ihren Worten geht mein Herz auf, denn es gibt doch jemanden, dem ich etwas bedeute.

»Danke,« platzt es einfach so aus mir raus.

»Elena, ist wirklich alles in Ordnung bei dir?«, ertönt nun auch die tiefe, etwas besorgt klingende Stimme von Romero durchs Handy.

»Ja, aber lasst euch meine Dankbarkeit nicht zu Kopf steigen.«

Sein tiefes dunkles Lachen erfüllt den Raum. »Das würden wir uns doch nie trauen. Also willst du uns nicht erzählen, was los war und warum Xavier so eine Panik schiebt?«

»Ehrlich gesagt, will ich darüber gerade nicht reden. Sondern den Abend einfach nur vergessen.«

»Du weißt, dass das auf Dauer nicht gut geht. Und du sehr schnell von der Realität eingeholt wirst.«

»Ich weiß«, gebe ich ihm deprimiert zu verstehen.

»Romero, sei nicht so ein Griesgram. Elena kann doch wohl für einen Abend verdrängen, was oder wer sie so beschäftigt.«

»Das ist keine gute Idee.«

»O doch, und da es ja noch nicht so spät ist, werden wir dich ausführen.«

»Aaah …«, erklingt es gleichzeitig von Romero und mir. Zoe lässt sich dadurch nicht beeindrucken, und nimmt das Zepter in die Hand.

»Keine Ausreden, wir machen einen Clubabend. Rain ist vor Ort, Nikolai mit Sicherheit auch. Xavier soll dich mitnehmen und wir treffen uns in einer Stunde im Purple. Somit husch, husch. Ich gebe Xavier Bescheid, und du hast dann etwas mehr als eine halbe Stunde, um dich vorzeigbar zu machen. Also los jetzt.«

Abrupt wird das Telefonat beendet. Sie hat einfach aufgelegt. Erbost über diese hinterhältige Aktion, mich gar nicht erst zu Wort kommen zu lassen und dann auch noch allen Ernstes Xavier als meinen Fahrer zu bestimmen, lasse ich das Handy auf das Sofa fallen.

Erneut fällt mein Blick auf seine Botschaft, ich merke, wie ich ein weiteres Mal von Unruhe gepackt werde. Zoes Vorschlag klingt mit einem Mal gar nicht mehr so verkehrt.

Vielleicht ist ein Clubabend genau das Richtige für mich. Bevor ich es mir anders überlege, richte ich mir die Klamotten raus und mache mich im Bad fertig. Ich verbiete mir, meine Überlegungen wandern zu lassen. Sondern erlaube mir nur, von Tätigkeit zu Tätigkeit zu denken, um mich ja nicht in meinem Gedankenkarussell zu verlieren.

Einer von zwei jemanden, mit denen ich mich heute auch nicht mehr auseinandersetzen möchte, bleibt mir ohnehin nicht erspart: Xavier, das hat Zoe geschickt eingefädelt. Ich habe noch nie ein Problem gehabt allein in das Dark Purple zu kommen und und noch nie einen Abholservice oder Begleitschutz benötige.

Und wie ich Xavier kenne, wartet er bereits unten vor dem Hauseingang auf mich – ich bin mir sicher, dass er nie weit weg war. Ich habe keine Ahnung, was das mit uns ist und ob ich bereit bin für mehr. Ich weiß, dass ich ihn mag, aber ist das genug?

Und Gabriel? Wir haben uns als Kinder schon immer höher gepusht, damals konnten wir noch sehr gut miteinander, er hat mich immer verteidigt, war der große Bruder, den sich eine kleine Schwester nur wünschen konnte, auch wenn zwischen uns keine Blutsverwandtschaft besteht. Und ich war mächtig stolz auf ihn.

Doch diese eine Nacht hat alles verändert. Er war mir danach ein Dorn im Auge und ich ihm. Ich habe ihm das Leben zur Hölle gemacht, und er hat sich revanchiert und mich spüren lassen, wie wenig ich doch im Vergleich zu ihm bin.

---ENDE DER LESEPROBE---