Blaurock-Kojoten - Joe Juhnke - E-Book

Blaurock-Kojoten E-Book

Joe Juhnke

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Beschreibung

Western Helden – Die neue Reihe für echte Western-Fans! Harte Männer, wilde Landschaften und erbarmungslose Duelle – hier entscheidet Mut über Leben und Tod. Ob Revolverhelden, Gesetzlose oder einsame Reiter auf der Suche nach Gerechtigkeit – jede Geschichte steckt voller Spannung, Abenteuer und wilder Freiheit. Erlebe die ungeschönte Wahrheit über den Wilden Westen In Texas klebte mein Steckbrief in jedem Settlement. Ein paar Yankeestrolche waren hinter meiner Ranch her. In New Mexico lauerte ein harter Marshal. Wo nur waren meine Freunde geblieben? Nur Patrick O'Lean, mein irischer Bastard, hielt treu zu mir. Mit ihm zog ich ziellos durch dieses verdammte Yankeeland. Immer wachsam, ständig auf der Flucht vor Kopfgeldjägern und Agenten der Unionsarmee erreichten wir die verbrannten Bergtäler Arizonas, in denen wir unseren Frieden suchten. Doch nun, wo wir durch die einsamen Felsschründen der Dragoon Mountains ritten, wurden wir mit einer neuen Gangart des Krieges konfrontiert. Apachen … Aravaipas, Mimbrenjos, Chiricahuas, lehnten sich gegen die fremden Gesetze eines Soldatenstaates auf und kämpften um ihre Freiheit, so wie wir Texaner es einst getan hatten. Doch ihr größter Feind – und bald auch der unsere – war dieser dreckige Haufen Renegaten, Deserteure und uniformiertes Gesindel, welches die Apachen verächtlich »Blauröckige Kojoten« Ich lag in einem geschützten Felsspalt und beobachtete ein Dutzend halb nackter Gestalten, die an der Tinaja (Felszisterne) lagerten und über dem Feuer einige Wildkaninchen brieten, die sie mit Lanze und Bogen erlegt hatten. Junge, kräftige, durchtrainierte Naturburschen, nur mit Lendenschurz, ärmellosen Chaparajos und hochschäftigen Wüstenmokassins bekleidet. Sie lachten, scherzten und kauten auf dem halb garen Fleisch, das sie gierig hinunterschlangen. Unweit von ihnen, am Rande des Wasserlochs, grasten ihre unbeschlagenen Pferde. Sie schienen nicht zu ahnen, was sich in ihrer Umgebung tat, denn außer diesen Jägern hatte ich eine Gruppe Männer bemerkt, die unweit des Lagerplatzes verdeckt zwischen Fels und Mesquitesträuchern auf der Lauer lagen. Trotz des roten Staubes, der auf ihrer Kleidung haftete, erkannte ich ihre blauen Uniformen und ihre starke Bewaffnung. Ich schätzte sie als eine der Militärpatrouillen ein, denen mein Freund O'Lea und ich in letzter Zeit des Öfteren begegnet waren, und wartete gespannt auf die Entwicklung der Dinge. Ich dachte an meinen Begleiter, der am Morgen losgezogen war, um unsere kümmerlichen Vorräte aufzubessern. Seit sechs Stunden war O'Lean unterwegs, und ich wurde langsam ungeduldig. Sicher war dieser irische Feuerkopf auf irgendeine Siedlung gestoßen und hatte beim Anblick einiger Whiskyflaschen mich und seine Aufgabe vergessen.

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Seitenzahl: 112

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Western Helden – 54 –Blaurock-Kojoten

Gefährlich, wie eine geballte Ladung Dynamit

Joe Juhnke

Das Leben war zum Kotzen …

In Texas klebte mein Steckbrief in jedem Settlement. Ein paar Yankeestrolche waren hinter meiner Ranch her. Dort konnte ich mich nicht mehr blicken lassen …

In New Mexico lauerte ein harter Marshal. Der hoffte, ich möge noch einmal seine Fährte kreuzen …

Hoch im Norden gab es ein paar schießwütige Gunslinger, deren sehnlichster Wunsch es war, mein Fell mit Blei zu spicken …

Wo nur waren meine Freunde geblieben?

Nur Patrick O’Lean, mein irischer Bastard, hielt treu zu mir. Mit ihm zog ich ziellos durch dieses verdammte Yankeeland. Immer wachsam, ständig auf der Flucht vor Kopfgeldjägern und Agenten der Unionsarmee erreichten wir die verbrannten Bergtäler Arizonas, in denen wir unseren Frieden suchten.

Doch nun, wo wir durch die einsamen Felsschründen der Dragoon Mountains ritten, wurden wir mit einer neuen Gangart des Krieges konfrontiert.

Apachen … Aravaipas, Mimbrenjos, Chiricahuas, lehnten sich gegen die fremden Gesetze eines Soldatenstaates auf und kämpften um ihre Freiheit, so wie wir Texaner es einst getan hatten.

Doch ihr größter Feind – und bald auch der unsere – war dieser dreckige Haufen Renegaten, Deserteure und uniformiertes Gesindel, welches die Apachen verächtlich »Blauröckige Kojoten« nannten …

Ich lag in einem geschützten Felsspalt und beobachtete ein Dutzend halb nackter Gestalten, die an der Tinaja (Felszisterne) lagerten und über dem Feuer einige Wildkaninchen brieten, die sie mit Lanze und Bogen erlegt hatten.

Junge, kräftige, durchtrainierte Naturburschen, nur mit Lendenschurz, ärmellosen Chaparajos und hochschäftigen Wüstenmokassins bekleidet. Sie lachten, scherzten und kauten auf dem halb garen Fleisch, das sie gierig hinunterschlangen. Unweit von ihnen, am Rande des Wasserlochs, grasten ihre unbeschlagenen Pferde.

Sie schienen nicht zu ahnen, was sich in ihrer Umgebung tat, denn außer diesen Jägern hatte ich eine Gruppe Männer bemerkt, die unweit des Lagerplatzes verdeckt zwischen Fels und Mesquitesträuchern auf der Lauer lagen.

Trotz des roten Staubes, der auf ihrer Kleidung haftete, erkannte ich ihre blauen Uniformen und ihre starke Bewaffnung. Ich schätzte sie als eine der Militärpatrouillen ein, denen mein Freund O’Lea und ich in letzter Zeit des Öfteren begegnet waren, und wartete gespannt auf die Entwicklung der Dinge.

Ich dachte an meinen Begleiter, der am Morgen losgezogen war, um unsere kümmerlichen Vorräte aufzubessern.

Seit sechs Stunden war O’Lean unterwegs, und ich wurde langsam ungeduldig. Sicher war dieser irische Feuerkopf auf irgendeine Siedlung gestoßen und hatte beim Anblick einiger Whiskyflaschen mich und seine Aufgabe vergessen.

Zur Hölle mit ihm!

Doch im Augenblick wünschte ich nichts sehnlicher, als dass er noch nicht aufkreuzte, denn die Entwicklung dort unten nahm bedrohliche Ausmaße an.

Die etwa 30 Reiter hinter den Büschen formierten sich zu einer Einheit. Ihre Waffen blitzten im Sonnenlicht. Ohne Zweifel trafen sie Vorbereitungen, die Rothäute anzugreifen.

Ich dachte, sie wären auf deren Skalps aus, denn in diesem verdammten Land zahlte man zwei Dollar für die Kopfhaut eines Indianers. Aber dies waren reguläre Soldaten, von denen man eigentlich Disziplin verlangen konnte. Zumindest, dass sie sich nicht an diesem blutigen Geschäft beteiligten.

Beim Teufel, ich wollte nichts dem Zufall überlassen und griff nach meiner Winchester. Ich wusste, dass die Apachen nur mit Primitivwaffen wie Lanze, Bogen und Keule bewaffnet waren, und zögerte keine Sekunde. Noch ehe die Blauröcke zur Attacke übergingen, feuerte ich zwei Warnschüsse mitten zwischen ihre aufgesteckten Braten über dem Feuer und beobachtete zufrieden, wie sie federnd auf die Beine schnellten.

Im gleichen Augenblick war die Hölle los.

Von Norden her drang gellendes Geschrei durch den Talkessel. Schüsse fielen, zwei der flüchtenden Apachen erwischte es. Einige erreichten ihre Mustangs, schwangen sich dann auf deren Rücken und rissen ihre Bogen von den Schultern.

Doch die Soldaten ließen ihnen keine Chance. Sie verschossen ihre Karabiner, und als sie nahe genug heran waren, hoben sie ihre großkalibrigen Armeerevolver und feuerten auf die jungen Indsmen, so lange, bis der letzte vom Pferd gestürzt war.

Nur zwei von ihnen gelang die Flucht. Ich sah sie, an den Flanken ihrer Mustangs hängend, tiefer in die Schlucht galoppieren, bis der Fels mir die Sicht verdeckte. Aber ich erkannte auch ein halbes Dutzend Uniformierter, die den Flüchtenden auf den Fersen blieben.

Erst nun widmete ich mich diesen Dreckskerlen, die von ihren Gäulen sprangen und mit blitzenden Jagdmessern die Toten angingen, um ihr grausiges Werk zu vollenden. Sie schwangen die Skalps, bis einer von ihnen zu dem Felsen hochdeutete, in dessen Spalt ich mich verbarg.

»Irgendwo dort oben steckt noch einer der Bastarde!«, schrie der riesige Schwarzbart mit den verwaschenen Sergeantschnörkeln auf dem Ärmel. Er schwang drohend seinen Revolver. »Holt ihn euch, Jungs, wir brauchen keine Zeugen!«

Ich duckte mich in meinem Versteck, als die Männer ihre Gewehre luden und den Fels mit einem wahren Kugelhagel eindeckten. Ich fluchte, weil ich die Apachen gewarnt und somit meine Anwesenheit verraten hatte. Aber ich konnte es nicht mehr ändern.

Zwischen den dumpfen Abschüssen hörte ich polterndes Geröll und wusste, dass einige der Kerle im Schutze der Feuerglocke meinen Standort angingen.

Ich fühlte mich einsam und dachte wieder an meinen Sergeant Patrick O’Lean. Dieser irische Höllenhund vergnügte sich wahrscheinlich gerade in irgendeinem Nest bei Whisky oder brachte irgendeiner mexikanischen Schlampe Befriedigung, während ich mich mit diesem Gesindel herumschlagen musste.

Ich lächelte grimmig bei dem Gedanken, dass mein Paddy und ich Tausende von Meilen geritten waren, um einen Ort der Besinnlichkeit zu finden, und nun – fast am Ziel – mit Yankees konfrontiert wurden. Weiß Gott, ich hatte die Demütigungen der Okkupanten in meiner Heimat nicht vergessen. Ich hasste diese Blauröcke, die sich im Süden als Herrenmenschen aufspielten und Land und Leute ausbeuteten.

Es rebellierte in mir, dass ich trotz aller Gefahr aus der Stellung hochschnellte, einen dieser Yankees anvisierte und ihm einen Gruß aus Blei entgegensandte.

Noch während ich mich blitzschnell fallen ließ, hörte ich den Schrei des Verletzten.

»Pallance«, rief der Bursche gepresst, »der Hund hat mich erwischt! Verdammt, mitten in den Arsch.«

Ich grinste. Für eine Weile wird er wohl auf dem Bauch reiten. Dabei blickte ich vorsichtig die Steinfurche zurück, zu der schmalen Felsplatte, wo ich mein Pferd zurückgelassen hatte. Es war an der Zeit, dass ich mich absetzte, denn noch immer hörte ich den Steinschlag der hochkletternden Angreifer.

»Hör endlich auf zu jammern!«, schrie von unten Pallance – ich schätzte, es war der mit den Sergeantschnörkeln – zurück, »dein Darling wird dich schon gesund pflegen. Weißt du, wer auf dich geschossen hat, Clint? Ein weißer Strolch, der mit diesen rothäutigen Hunden paktiert. Wir holen ihn und verkaufen seinen Skalp den Mexikanern in Naco. – He, Compadre, hörst du mich?«, brüllte er dann zu mir hoch.

Natürlich hörte ich ihn. Sein Maul war groß genug. Aber ich gab keine Antwort und rutschte seitlich wie ein Krebs aus dem Spalt, um einer drohenden Umklammerung zu entgehen.

Nach einer Weile wagte ich mich aufzurichten, schulterte das Gewehr. Ich schwang von Fels zu Fels, bis ich jene Stelle erreichte, wo mein Pinto mir mit trüben Augen entgegenblickte, als hätte er Narrenkraut oder sonst ein Teufelszeug gefressen.

O’Lean hatte ihn mir vor ein paar Tagen aus einem Pferdecorral eines Armeepostens gestohlen und die schlechteste Mähre erwischt. Ich hatte meinen Mustang erschießen müssen, weil er in einen Fuchsbau getreten war und sich den Knöchel gebrochen hatte.

Als ich mich ihm näherte, bleckte er sein gelbes Gebiss und wich etwas zurück. Die Schüsse hatten ihn nervös gemacht.

Ich erfasste die Zügel, um ihn zu beruhigen. »Stell dich nicht so an«, sagte ich, nahm die Winchester von der Schulter und schob sie in den Scabbard. »Und sei mir dankbar. Ohne meinen Freund Patrick und ohne mich wärst du längst durch die Bratpfannen der Yankees galoppiert.«

Der alte Gaul biss nach mir und keuchte, als hätte er Asthma. Ich fasste wütend die Zügel kurz und fluchte: »Tu nicht so, als hättest du noch Feuer im Hintern. Ich habe dich in den letzten Tagen kennengelernt und weiß, was du wert bist. Sei also friedlich, Junge, und ich verspreche dir, auf irgendeiner Farm, wo ich was Besseres finde, ein Veteranendasein. Jeden Tag einen Sack Hafer und klares Quellwasser. Nur musst du mich bis dahin tragen, Amigo.«

Ich hatte ihn fest im Griff. Vielleicht waren auch seine Anstrengungen zu mühsam für sein Alter, denn er zitterte am ganzen Leib. Ich prüfte die Sattelgurte, zog sie ein wenig nach und erfasste das Horn, um mich hochzuschwingen, da hörte ich ganz in der Nähe eine spöttische Stimme.

»Bleib unten, Stranger! Er bricht dir zwischen den Schenkeln zusammen. Außerdem ist Pallance neugierig auf den Lumpen, der die Rothäute gewarnt hat.«

Ich schielte mit meinem gesunden Auge dorthin, woher die Stimme kam, und sah den verstaubten Blaurock, der wohl die ganze Zeit schon dort gestanden und das Geplänkel mit meiner Mähre beobachtet haben musste. Und plötzlich wusste ich, dass er der Grund war, der meinen Pinto so unruhig gemacht hatte.

Ich wandte mich ab, um ihm meine Breitseite zu zeigen. Dabei kroch meine Rechte bis zur Gürtellinie. Ich war entschlossen, mich so teuer wie möglich zu verkaufen.

Nun, als ich den grinsenden Bastard im Blickfeld hatte, sah ich eine zweite Uniform, die aus dem Schatten des Felsens trat.

Groß und kräftig wie ein Gorilla. Er trug eine mächtige Whitneyville Walker in der Faust, das Gewehr der Kavallerie, mit dem man Scheunen in Klump schießen konnte. Der Anblick in die 44er-Mündung dämpfte meinen Mut.

Ich hob die Arme in Schulterhöhe und sagte grinsend: »Okay, okay, du hast mich überzeugt, Mann. Ich bin jetzt selbst neugierig auf deinen Sergeant.«

Der Gorilla kam heran und stieß mir seine Faustartillerie gegen den leeren Magen, sodass ich sauer aufstieß. Er grinste in mein Gesicht und bemerkte, dass ihm an mir etwas auffiel. Mehrmals schüttelte er den Kopf, ehe er über die Schulter rief: »Phil, er hat ein braunes und ein blaues Auge. Verdammt, das gibts doch nicht.«

Ich hörte, wie der andere meckernd lachte. »Dann schieße ihm das raus, was dir nicht gefällt.«

Tatsächlich schob der Bastard die Mündung seiner Whitneyville an meinem Körper hoch, bis das schwarze Loch mein gesundes Auge verdunkelte. Ich sagte hastig: »Mach keinen Mist, Amigo. Dies ist das einzige Auge, mit dem ich sehen kann. Das ist nicht nur in der Farbe falsch.« Dabei führte ich vorsichtig die Hand zur linken Gesichtshälfte, zuckte und blinzelte mit den Lidern, bis das Glasding in meine Hand kollerte. »Ich schenke es dir, weil ich’s wohl doch bald nicht mehr brauchen werde.«

Weiß Gott, es tat mir verdammt leid, als der Bastard das Ding in seine dreckigen Pfoten nahm. Nicht, weil er es so unsanft behandelte, sondern weil ich mich an die Farbe gewöhnt hatte. Der Mann zog den Revolver zurück und schenkte dem Glasauge seine Aufmerksamkeit.

Nun, ich war kein alter Mann, der mit dem Leben abgeschlossen hatte. Ich sah einen Hoffnungsfunken, weil dieser Kleiderschrank mit seinem Körper Phil deckte.

Ohne Übergang schlug ich zu – ein Haken ans Kinn des Hünen, eine Dublette unter die Gürtellinie. Mir war es, als wären meine Fäuste gegen eine Eisenplatte geprallt. Der Mann verzog nicht einmal eine Miene.

Nur sein Grinsen verschwand, und mein Kleinod menschlicher Verschönerung kollerte achtlos in den Staub. Der Hüne packte mich an den Schultern; als wollte er mich auseinanderbiegen.

Sein Gesicht verschwamm mit dem Schmerz, der in mir aufloderte. Ich hörte, wie Phil in der Nähe sagte: »Mach’s kurz, Big.

Pallance will nur seinen Skalp.«

Es dröhnte und donnerte in meinem Schädel, als drohte er zu explodieren. Ich wusste plötzlich nicht, ob ich schon in der Hölle oder noch auf dieser verdammten Welt war. Ich war völlig benommen.

Dann hörte ich sein Stöhnen, das mich an das Keuchen meiner Mähre erinnerte. Seine Hände rutschten schlaff von meinen Schultern, und in der Nähe schlug etwas hart zu Boden.

*

Tausend feurige Kreise tanzten vor meinem Auge, und mitten im wirbelnden Spiel des Feuers sah ich, wie dieser blauröckige Riesenaffe in die Knie brach.

Ich wischte über meine Stirn und schüttelte heftig den Kopf, um die Benommenheit abzustreifen, sah den bunten Federbusch zwischen seinen Schultern vibrieren.

Ich suchte Phil, der unweit von mir mit weit ausgebreiteten Armen die Erde küsste. Auch zwischen seinen Schultern steckte ein kurzschäftiger Pfeil.

Und dann entdeckte ich sie im Halbschatten des Felsens und wusste, dass sich meine Lage kaum gebessert hatte. Dort standen reglos wie Totempfähle zwei sehnige Burschen, deren Haut in der Sonne glänzte. Einer von ihnen hielt einen blutigen Tomahawk in der Faust, der zweite bewegte den gespannten Bogen, bis der Kurzpfeil direkt auf meine Brust deutete.

Ich erinnerte mich an diese heimtückische Auseinandersetzung in der Schlucht, die zehn junge Apachen das Leben gekostet hatte, und befürchtete das Schlimmste. Ihre dunklen Augen fixierten mich kalt, so wie es eine Klapperschlange tut, bevor sie zustößt.

»Ho!«, rief ich in meiner Hilflosigkeit.

Sie regten sich nicht, musterten mich nur eingehend.

So ging es eine ganze Weile, und ich bemerkte, dass ich unter dem Hemd zu schwitzen begann. Das waren keine Freunde. Sie hatten nicht den geringsten Grund dazu.

Sie waren meine Feinde.

Der mit dem Bogen nickte plötzlich, und der zweite mit dem Tomahawk kam federnd näher. Das Schlagbeil wippte in seiner Faust, als hätte er den Schwung geprüft, mit dem er mich zu meinen Ahnen befördern wollte. Doch dann schritt er überraschend an mir vorbei, als wäre ich gar nicht vorhanden, und beugte sich nieder.

Er suchte etwas im Staub. Als er sich aufrichtete, sah ich den matten Glanz meines braunen Glasauges, das er ausgiebig von allen Seiten betrachtete, ehe er sich kopfschüttelnd umwandte und herankam.

Er starrte in meine leere Augenhöhle, dann auf das Glas, und hielt es mir entgegen.