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Blutdruck natürlich senken und Risiken vermeiden
Bluthochdruck ist keine erfreuliche Diagnose. Aber bei keiner anderen Erkrankung kann man so viel zur eigenen Heilung beitragen wie bei dieser.
Wäre Bluthochdruck so schmerzhaft wie ein entzündeter Zahn, würden wir alles tun, um die Plage so schnell wie möglich loszuwerden. Doch der erhöhte Druck des Blutes auf die Gefäße bleibt meist unbemerkt. Oft ist es ein Zufallsbefund, der von Betroffenen ignoriert und nicht mit der nötigen Konsequenz behandelt wird.
Bluthochdruck schadet der Gesundheit und verkürzt Ihr Leben
Schlecht informierte Betroffene, Mediziner unter Zeitdruck - aufgrund fehlender Anleitung beschreiten viel zu wenige Menschen mit Bluthochdruck die natürlichen Wege zur Blutdrucksenkung. Auch die medikamentöse Therapie scheitert oft, denn viele Patienten nehmen die verordneten Medikamente nicht wie vorgeschrieben ein, weil ihnen Nebenwirkungen zu schaffen machen. Dieses Buch zeigt, dass es auch anders geht!
Beinahe jeder kann seinen Blutdruck natürlich senken. Man braucht dazu leicht anwendbares Wissen und praktische Planungshilfen für den Alltag:
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Veröffentlichungsjahr: 2018
Hoher Blutdruck ist natürlich nicht erfreulich. Aber bei keiner anderen Erkrankung kann man so viel selbst für sich tun wie bei dieser. Es gilt also, alle Möglichkeiten auszunutzen. Chance eins: Zusammen mit dem Arzt prüfen, ob sich eine konkrete Ursache für den Anstieg des Drucks finden lässt. Dann winkt echte Heilung. Chance zwei: Auf einen gesünderen Lebensstil umsteigen und – falls dann noch nötig – verordnete Medikamente artig nehmen. Chance drei: Alles tun, um die bedrohlichen Spätfolgen des hohen Blutdrucks zu verhindern.
Hochdruck ist Hochdruck? Nein, keineswegs! Es gibt Formen, die ganz plötzlich auftreten, solche mit einer guten Heilungschance und andere, sehr verbreitete, die einen lange begleiten, oft genug lebenslänglich. Ärzte unterscheiden zwischen
Primärer oder Essenzieller Hypertonie: Diese Form des hohen Blutdrucks entsteht schleichend ohne auf Anhieb erkennbare Ursachen. Etwa 90 Prozent der Betroffenen leiden unter dieser diffusen Variante des Bluthochdrucks.
Sekundärer Hypertonie: Hier entsteht der Bluthochdruck als Folge einer anderen Erkrankung oder durch schädigende Substanzen wie etwa Drogen, Medikamente oder Genussgifte (siehe »Übersicht«).
Ist der Bluthochdruck primärer oder sekundärer Natur? Das ist die erste und wichtigste Frage, die man als Patient seinem Arzt stellen kann. Beim primären Bluthochdruck können viele Lebensumstände eine Rolle spielen. Dazu gehören …
Ernährungsfehler,
eine Veranlagung, die familiär bedingt ist,
Dauerstress,
höheres Alter,
Bewegungsmangel,
Diabetes und
kaum zu glauben – auch ein niedriges Geburtsgewicht. Dieses kann viele Jahre später den hohen Blutdruck mit auslösen.
Heißt die ärztliche Diagnose »Primäre Hypertonie«, also Bluthochdruck unbekannter Herkunft, lohnt es sich, ernsthaft auszuprobieren, welche der vielen Ratschläge auf den nächsten Seiten einem persönlich guttun und den Blutdruck wieder senken. Sollte es damit nicht klappen oder liegt der Blutdruck mit über 140 zu 90 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) dauerhaft sehr hoch, helfen Medikamente. Sie können die Folgen des erhöhten Blutdrucks abmildern oder verhindern, sie verbessern die Lebensqualität und verlängern das Leben. Um auf Nummer sicher zu gehen, empfehlen Fachleute vor allem solche Medikamente, die neben der blutdrucksenkenden Wirkung auch das Auftreten von Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Herz- oder Nierenschwäche verhindern (siehe Kapitel »Zu Risiken und Nebenwirkungen frag den Arzt!«).
Übersicht: Wenn der Blutdruck plötzlich steigt
Was kann ich selbst feststellen?
Welche Krankheit könnte es sein?
Wann sollte gesucht werden?
Welche Checks helfen bei der Diagnose?
Was kann man tun?
Mein Urin ist rötlich gefärbt. Ich muss häufiger als sonst Wasser lassen – besonders nachts. Ich bin blasser als sonst und habe Schwellungen (Wassereinlagerungen) um die Augen oder an den Beinen. Ich bin oft müde, mein Bauch hat sich vorgewölbt.
Solche Beschwerden deuten auf eine akute oder chronische Nierenerkrankung oder auf Nierenzysten hin.
– Wenn Nierenkrankheiten in der Familie bekannt sind.
– Wenn man oft oder regelmäßig Schmerzmittel nimmt.
– Wenn sich Nieren- oder Harnwegsinfektionen häufen.
– Ultraschall der Nieren
– Urinuntersuchungen
– Blutuntersuchungen zur Funktion der Niere
Am besten stellt man sich bei einem Facharzt für Nieren- und Hochdruckkrankheiten vor, damit er die zugrunde liegende Nierenkrankheit behandelt.
Mein Blutdruck ist sehr hoch und kann durch Medikamente kaum beeinflusst werden.
Die Nierengefäße könnten verengt sein (Nierenarterienstenose).
– Wenn bereits in jungen Jahren ein Hochdruck entsteht.
– Wenn über dem Bauch Strömungsgeräusche zu hören sind.
– Ultraschall der Nieren und der Nierengefäße
– Computertomografie oder Kernspinaufnahme der Nierengefäße
Ein Facharzt für Nieren- und Hochdruckkrankheiten prüft die Situation. Unter Umständen können die Nierengefäße aufgedehnt werden.
Meine Muskeln sind schwach und verkrampfen sich, mein Herz rast und schlägt unregelmäßig. Ich muss häufig Wasser lassen.
Die Beschwerden sprechen für eine Störung oder für einen Überschuss an Hormonen zur Regelung der Blutsalze (Morbus Conn).
– Wenn der Blutdruck mit Medikamenten nicht kontrollierbar ist.
– Wenn der Betroffene im jungen Alter (unter 40 Jahre) einen Schlaganfall erlitten hat.
– Bluttests zeigen, ob die Nebennieren zu viel vom Hormon Aldosteron herstellen.
– Eine Computertomografie und/oder ein MRT des Bauches sichern die Diagnose.
Ein Medikament einnehmen, das die Wirkung des Aldosteron bremst (Aldosteron-Antagonisten). Falls ein Tumor die Hormone produziert, muss er entfernt werden.
Ich schlafe schlecht und bin tagsüber müde, nicke auch am Tag ungewollt ein (Sekundenschlaf). Meine Angehörigen sagen, dass ich nachts heftig schnarche und dass mein Atem häufig stockt (siehe Kapitel: »Senk den Blutdruck im Schlaf«).
Atemaussetzer können mehrere Minuten andauern. Diese sogenannte obstruktive oder zentrale Schlafapnoe ist eine ernste Erkrankung.
– Wenn der Betroffene übergewichtig ist.
– Wenn der Blutdruck mit Medikamenten nicht kontrollierbar ist.
– Untersuchung durch einen Schlafmediziner
– Test im Schlaflabor
Normales Körpergewicht anstreben.
Ein Atemgerät mit einer Schlafmaske verbessert die Versorgung mit Sauerstoff und verhindert Atemaussetzer.
Ich zittere, und mein Herz rast. Ich habe akute Bauchschmerzen.
Solche Beschwerden können auf Nebenwirkungen durch Medikamente oder auf Vergiftungen durch Drogen hinweisen.
Wenn große Mengen Koffein, Nikotin, Alkohol, Kokain, Amphetamine, Schmerzmittel oder Hormonpräparate konsumiert wurden.
Mit Labortests herausfinden, welche Substanzen im Spiel sind. Drogen-Screening und ausführliche Beratung des Patienten.
Falls ein Medikament die Beschwerden auslöst, sofort absetzen. Drogeneinnahme stoppen, auf Alternativpräparate ausweichen, zum Beispiel bei Schmerzmitteln.
Ich zittere, bin blass, schwitze und leide unter Herzrasen. Zusätzlich habe ich häufig Kopfschmerzen und ungewollt an Gewicht verloren. Manchmal wird mir beim Aufstehen schwindelig.
Hinter Blutdruckkrisen mit solchen körperlichen Anzeichen könnte ein meistens gutartiger Tumor des Nebennierenmarks (Phäochromozytom) stecken.
Wenn eine seltene familiäre Nerven- und Drüsenerkrankung vermutet wird (multiple endokrine Neoplasien).
Computertomografie oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Bauches
Den hormonproduzierenden Tumor entfernen.
Mein Aussehen verändert sich, ich bekomme ein Mondgesicht, an Leib und Nacken wachsen Fettpolster. Meine Haut blutet leicht und bekommt Streifen. Meine Muskeln werden schwächer. Frauen entdecken eine abnorme Behaarung (Hirsutismus).
Die deutlichen Veränderungen am Körper sprechen für eine Störung oder Überproduktion von Kortison (Morbus Cushing).
– Wenn der/die Betroffene Kortison einnimmt.
– Wenn plötzlich eine Zuckerkrankheit oder eine Osteoporose auftritt.
– Urinuntersuchungen
– Blutuntersuchungen zum Nachweis der gestörten Hormonausschüttung
Den hormonproduzierenden Tumor entfernen.
Ich habe eine trockene Haut, leide an Verstopfung, nehme ungewollt zu und fröstle schnell.
Dahinter könnte sich eine Unterfunktion der Schilddrüse verbergen.
Wenn die Schilddrüse operiert wurde.
– Bluttests, die zeigen, ob zu wenige Hormone produziert werden.
– Sonografie der Schilddrüse
Einnahme von Schilddrüsenhormonen
Ich habe eine warme Haut, zittere, schwitze viel und leide an Herzrasen. Ich schlafe schlecht, habe Durchfall und ungewollt Gewicht verloren. Zusätzlich sind meine Muskeln schwach.
Das könnten Anzeichen für eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen sein.
Wenn der Hals dicker wird (Struma) und/oder die Augen stärker hervortreten.
– Bluttests, die zeigen, ob zu viele Hormone produziert werden.
– Sonografie der Schilddrüse
Behandlung der Schilddrüsenerkrankung mit Tabletten oder durch Bestrahlung (Radio-Jod)
Ich habe häufig Kopfschmerzen und leide sehr an kalten Füßen.
Die große Körperschlagader könnte an einer bestimmten Stelle verengt sein.
Wenn der Blutdruck an den Beinen niedriger ist als an den Armen. Auch ungewöhnliche Herzgeräusche und zurückliegende Operationen an großen Blutgefäßen oder am Herzen liefern Hinweise.
Computertomografie oder Magnetresonanztomografie (MRT) der Brust
Unter Umständen muss die Verengung der großen Körperschlagader chirurgisch behoben werden.
Im Gewebe sammelt sich Flüssigkeit an. Ich leide unter Schwächeanfällen, kurzzeitigen Lähmungen und an Herzklopfen.
Hier geht es nicht um eine Krankheit, sondern um den Effekt von Genussmitteln, die den Blutdruck dramatisch erhöhen können und das Herz belasten.
Überprüfen, ob eine Vorliebe für Kautabak oder für starke Lakritzsorten (Salzlakritz) vorliegt. Enthalten sie pro 100 g mehr als 400 mg des Stoffs Glycyrrhizin, stehen Warnhinweise auf der Verpackung.
– Nach Genussmitteln fragen
– Laborwerte überprüfen
– Niedrige Kaliumspiegel sprechen für Hochdruck durch Lakritz oder Kautabak-Konsum.
Das Verhalten ändern. Vor allem, wenn bereits vorher ein erhöhter Blutdruck vorhanden war, auf die Genussmittel komplett verzichten.
Seit ich schwanger bin, steigt mein Blutdruck. Im Körper und/oder im Gesicht sammelt sich Flüssigkeit an, ich habe starke Kopfschmerzen.
Ein durch Schwangerschaft ausgelöster Hochdruck, im schlimmsten Fall eine Präeklampsie (Gestose).
Wenn die Schwangere schon vor der Schwangerschaft an hohem Bluthochdruck, einer Zucker- oder Nierenkrankheit litt. Oder wenn sich bei einer früheren Schwangerschaft bereits beim Schwangerschafts-Screeening ein Anstieg des Blutdrucks zeigte.
– Urinuntersuchungen
– Blutuntersuchungen zur Funktion der Niere
– Ultraschalluntersuchung in Hinblick auf die Durchblutung der Gebärmutter
– Bestimmung von Risikomarkern im Blut
Enge Betreuung durch einen Facharzt für Gynäkologie, der in der Betreuung dieser Schwangerschaftskomplikation erfahren ist.
Eventuell verordnet der Frauenarzt Acetylsalicylsäure (Aspirin 75 –150 mg/Tag).
Oft ist eine frühzeitige Einweisung in die Klinik angebracht oder die Betreuung in einem Perinatalzentrum.
Eigentlich bin ich ausgewachsen, aber plötzlich wachsen Füße oder Hände, sie werden größer. Ich leide an Sehstörungen. Meine Behaarung verändert sich, meine Periode (bei Frauen) bleibt aus.
So könnte sich eine seltene erbliche beziehungsweise nicht-erbliche Erkrankung zeigen, die mit einer Störung der Hormonproduktion einhergeht.
Wenn zusätzlich zu den Beschwerden eine Störung des Zuckerstoffwechsels auftritt.
– Umfassende Hormonbestimmung in Blut und Urin
– Genanalyse
Unbedingt bei einem Nierenfacharzt vorstellen. Diese Erkrankungen sind selten, deshalb kennen sich nur wenige Ärzte damit aus. Gebraucht wird eine präzise Diagnose und eine gezielte Therapie. Gegebenenfalls im Internet nach spezialisierten Therapieeinrichtungen suchen.
Ich fühle mich sehr schlecht, habe Sehstörungen und kleine, nicht wegdrückbare Flecken auf der Haut.
Seltene erbliche Erkrankung mit einem Defekt in der Immunabwehr (Thrombotische Mikroangiopathie).
– Wenn bereits in jungen Jahren ein Hochdruck entsteht.
– Der Bluthochdruck mit einem Zerfall der Blutzellen (Erythrozyten) einhergeht.
– Bei Nierenschäden und einer Verringerung der Blutplättchen.
– Blut- und Urinuntersuchungen
– Genanalyse
Unbedingt einen Spezialisten (Nierenfacharzt, Facharzt für Bluterkrankungen) aufsuchen. Diese Erkrankungen sind selten, wenige Ärzte kennen sich damit aus. Gebraucht wird eine präzise Diagnose und eine gezielte Therapie. Evtl. im Internet nach Therapieeinrichtungen suchen.
Etwa jeder Zehnte leidet unter einer konkreten Erkrankung, die seinen Bluthochdruck auslöst. Mediziner nennen diese Form »sekundär«. Typisch dafür: Der Druck in den Adern steigt, weil eine andere Krankheit dahintersteckt. Findet der Arzt die zugrunde liegende Ursache und kann sie beheben, ist diese Form wirklich heilbar – im Unterschied zu der primären Form, bei der man nur die Symptome behandelt. Eine gute Diagnostik ist also von immenser Bedeutung! Der Arzt kann hier nicht nur den hohen Druck senken, sondern auch die vielfältigen Auswirkungen der zugrunde liegenden Erkrankung behandeln und dem Betroffenen damit ein besseres Leben schenken. Es lohnt sich also, in der Übersicht nachzulesen, welche Beschwerden auf einen sekundären Bluthochdruck hindeuten. Wer den Verdacht hegt, dass er unter einer komplexen Erkrankung leidet, die seinen Hochdruck auslöst, stellt sich am besten in einem spezialisierten Zentrum für arterielle Hypertonie vor. Dort findet er versierte Ärzte, die sich auskennen und genügend Erfahrung haben.
Bei Patienten mit besonderen Risiken oder Befunden hat der Bluthochdruck häufig sekundäre Ursachen. Ärzte schauen dann noch aufmerksamer hin und veranlassen aufwendigere Untersuchungen, um herauszufinden, was dahintersteckt. Denn Menschen mit einem solchen gesundheitlichen Hintergrund leiden häufiger an Folgeschäden oder Komplikationen. Sie sollten vom Arzt engmaschig überwacht werden.
Gibt es Hochdruck auslösende Erkrankungen (siehe »Übersicht«)?
Ist der Hochdruck schon im Alter von unter 30 Jahren entstanden?
Könnten Medikamente, Genussgifte oder Drogen den Hochdruck auslösen?
Sind bereits Nierenerkrankungen bekannt?
Hat der Betroffene sehr hohe Blutdruckwerte von über 180 zu 110 mmHg?
Lässt sich der Hochdruck auch mit mehreren Medikamenten kaum senken?
Gibt es Hinweise aus der Familiengeschichte?
Sind bereits Schäden an Organen wie Augen, Herz oder Niere entstanden?
Den Kopf in den Sand zu stecken, hilft nicht. Man muss sich damit auseinandersetzen, dass ein Leiden, von dem man zunächst einmal nichts sieht und auch nichts spürt, einen trotzdem auf Dauer immer kränker machen kann. Hoher Blutdruck kann viele Organe schädigen. Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Herz- oder Nierenschwäche sind nicht selten. Will man sie vermeiden, werden ärztliche Untersuchungen wie zum Beispiel Labortests oder Ultraschalluntersuchungen fällig. Die Ergebnisse bestimmen dann die weitere Therapie. So gilt etwa, dass Menschen mit einem Herzrisiko durch Medikamente schneller und auf niedrigere Blutdruckwerte eingestellt werden müssen als andere. Kennt der Arzt die Begleiterkrankungen, weiß er, welche Blutdruckmittel im Einzelfall besonders nützlich sind. Oft genug leidet ein Mensch unter weiteren Erkrankungen, die an seinen Gefäßen nagen. Mal sind der Zucker- oder der Fettstoffwechsel gestört, mal arbeiten die Nieren nicht richtig, oder der Hochdruckkranke hat beispielsweise eine Autoimmunerkrankung wie etwa Lupus erythematodes, die seine Niere zusätzlich belastet. Das Ausmaß des Schadens zeigt dem Arzt, was er tun muss.
Folgekrankheiten vermeiden heißt das wichtige Ziel der Bluthochdrucktherapie!
Menschen, die ab und zu einen sehr hohen Blutdruck von über 180 zu 120 mmHg erleiden, brauchen unbedingt ärztliche Hilfe. Wer solch einen plötzlichen, rapiden Blutdruckanstieg bemerkt und sich dabei schlecht fühlt, sollte nicht zögern, den Notarzt (Telefonnummer 112) zu rufen. Es könnte sich um eine gefährliche Herz-Kreislauf-Krise handeln – mit dem Risiko, einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder ein akutes Herzversagen zu erleiden.
Nicht lange zögern, falls bei plötzlichen Extremwerten …
Übelkeit aufsteigt, man sich benommen fühlt,
der Brustkorb eng wird oder dort brennende Schmerzen auftreten,
der Atem knapp wird oder Schwindel auftritt,
sich das Sehvermögen verschlechtert, Bilder zu verschwimmen beginnen,
einen plötzlich starke Kopfschmerzen peinigen und/oder die Nase blutet,
anwesende Personen plötzlich Lähmungen oder Sprachstörungen beobachten.
Glücklicherweise kommen solche schweren Fälle selten vor. Experten schätzen, dass nur 1 Prozent der Kranken so eine Bluthochdruckkrise erleidet. Gefährdet sind vor allem Patienten, die eine große Anzahl von Blutdruckmitteln verschrieben bekommen haben und diese nicht wie verordnet einnehmen.
Bei einem kleinen Teil der Frauen erhöht sich während der Schwangerschaft der Blutdruck. Geschieht dies vor der 20. Woche, ist es wahrscheinlich, dass der Blutdruck schon vor der Schwangerschaft erhöht war. Er lässt sich dann in der Regel gut behandeln. In der Zeit danach deuten erhöhte Werte auf einen mit der Schwangerschaft verbundenen Hochdruck hin. Falls er über 140 zu 90 mmHg liegt und die Schwangere vorher einen normalen Blutdruck hatte, könnte womöglich sogar eine Präeklampsie vorliegen. Das ist eine der gefährlichsten Komplikationen in einer Schwangerschaft. Sie bedroht Mutter und Kind gleichermaßen und führt sehr oft zu einer Frühgeburt. Typisch sind folgende Anzeichen: Bluthochdruck, die Schwangere scheidet Eiweiß über den Urin aus und es sammelt sich Flüssigkeit im Körper an (Ödeme). Etwa 2 bis 4 Prozent der Schwangeren entwickeln diese ernste Erkrankung. Wie eine Präeklampsie genau entsteht, ist noch nicht ganz klar, vermutet wird eine Fehlfunktion der Plazenta.
Eine Präeklampsie ist kaum vorherzusagen. Also in der Schwangerschaft alle Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, keine ausfallen lassen.
Wurde bereits ein frühes Stadium einer Präeklampsie festgestellt, werden zusätzliche Checks nötig, die in der Regel nur im Krankenhaus möglich sind.
Eine Präeklampsie kann sich schnell entwickeln. Es geht dabei gleich um das Wohl von zwei Menschen: Also unbedingt auf den Rat des Arztes hören.
Behandelnde Ärzte sofort informieren, wenn sich zwischen zwei Vorsorgeterminen Anzeichen wie etwa heftige Kopfschmerzen, schlechteres Sehvermögen, Erbrechen oder Schmerzen im Oberbauch zeigen. Ein extremes Warnsignal: Bewusstseinstrübung, Rastlosigkeit, gefolgt von Krampfanfällen. Das ist unbedingt ein Fall für den Notarzt (Telefonnummer 112).
Eine Entbindung führt zur Heilung der Präeklampsie. Je länger das Kind im Bauch der Mutter bleibt, desto größer ist seine Überlebenschance bei der Geburt. Eine vorzeitige Entbindung wird nötig, wenn das Risiko für Mutter und Kind zu stark ansteigt, wenn also die Organe des Kindes nicht gut durchblutet werden, das Baby nicht gedeiht und der Mutter wegen des erhöhten Blutdrucks eine Hirnblutung droht.
Bilden sich bei der Mutter die Symptome nicht innerhalb der folgenden Tage nach der Entbindung zurück, sollten auch andere Erkrankungen von Niere, Leber oder Blut in Erwägung gezogen werden.
Frauen mit dieser Erkrankung sollten in spezialisierten Perinatalzentren behandelt werden.
Bluthochdruck bereitet seine Anschläge auf Leib und Leben in aller Stille vor. Wäre er so schmerzhaft wie eine entzündete Zahnwurzel, würden wir alles tun, um die Plage so schnell wie möglich loszuwerden. Doch den Druck des Blutes in unserem Inneren spüren wir kaum. Menschen mit zu hohen Werten fühlen sich sogar lange Zeit besonders fit, sind eher weniger müde als andere und im Job oft super engagiert. Viele ahnen nichts vom Zeitzünder, der in ihren Adern tickt. Schlimmstenfalls ist der urplötzliche Tod, aus heiterem Himmel, das allererste Symptom.
Der Schlüssel zu einem langen, gesunden Leben liegt in der Kontrolle. Weil man von zu hohen Werten nichts spürt, muss man frühzeitig messen! Immer wieder und möglichst genau. Denn hoher Blutdruck überfordert das Herz, lässt Entzündungen in den Wänden der Arterien aufflackern, kann Blutungen im Gehirn auslösen und die Nieren zerstören. Nur wenn man ihn in Schach hält, schützt man sich vor Spätfolgen.
Bluthochdruck kann von der Kindheit bis ins hohe Alter wirklich jeden ereilen: Kinder, Schwangere und Greise, Hektiker und äußerlich Gelassene. Dünne manchmal, Dicke häufig. Selbst junge Menschen in der Altersgruppe von 25 bis 34 Jahren sollten ihren Blutdruck gelegentlich prüfen – vor allem, wenn sie Anzeichen spüren wie Schwindel, Ohrensausen, Herzklopfen, Schlafstörungen, Nasenbluten oder morgendlich im Hinterkopf auftretende Schmerzen.
Akribische eigene Messungen mit einem verlässlichen Gerät sind gemeinsam mit ärztlichen Messungen die Basis einer gezielten Diagnose.
Mit dem Alter schwillt das Risiko an. Was also tun? Mindestens ein- bis zweimal pro Jahr den Blutdruck kontrollieren! Ältere Menschen sollten dies sogar noch häufiger tun. Wer deshalb nicht gleich einen Termin bei seinem Arzt vereinbaren möchte, fragt den Apotheker. Der tut einem den Gefallen einfach so oder verlangt eine geringe Schutzgebühr. Wenn man ein paar Pfunde zu viel auf die Waage bringt oder der hohe Druck in der Familie liegt, kauft man sich am besten ein Gerät zum Selbstmessen. Das kostet nicht die Welt, ist vielleicht nicht immer extrem genau, gibt aber beim regelmäßigen Messen gute Anhaltspunkte. Liegen die Werte immer wieder höher als 135 zu 85 mmHg, ist ein Arztbesuch fällig. Wer zu unterschiedlichen Zeiten misst, wird feststellen: Mein Blutdruck ist variabel, er schwankt von Tag zu Tag und von Stunde zu Stunde, weil er sich an die Anforderungen des Körpers und der Umwelt anpasst. Die Zeitgeber im Inneren unserer Zellen bestimmen den Blutdruck im sogenannten zirkadianen Rhythmus, also im Wechsel von Tag und Nacht. Morgens zwischen 8 und 9 Uhr erreicht er einen ersten Gipfel, mittags fällt er ein bisschen ab, und spätnachmittags zwischen 16 und 18 Uhr steigt er auf ein neues Tageshoch. Am niedrigsten ist der Blutdruck, wenn wir schlafen oder ausruhen. In die Höhe schnellt er, wenn wir uns aufregen oder uns körperlich anstrengen. Um sich ein klares Bild zu machen, benötigt der Arzt möglichst viele Messwerte. Wer ihm bei der Diagnose helfen möchte, misst regelmäßig unter den gleichen Bedingungen.
Blutdruck Normalwerte
Kleinkinder: 95/60 mmHg
Schulkinder (6.– 9. Lebensjahr): 100/60 mmHg
Schulkinder (9.–12. Lebensjahr): 110/70 mmHg
Jugendliche und Erwachsene: unter120/80 mmHg
Alte Menschen: 130/80 mmHg
Ist mein Blutdruck zu hoch?
Leichter Bluthochdruck: 130/80 bis 139/89 mmHg
Starker Bluthochdruck: über 140/90 mmHg
Bedrohlicher Bluthochdruck: über 180/110 mmHg
Zum Selbstmessen steht heute eine Vielzahl von Geräten zur Verfügung. Die Stiftung Warentest publiziert regelmäßig Bewertungen, auch am Siegel der deutschen Hochdruckliga kann man sich orientieren. Wer sich bei der Handhabung des Geräts unsicher fühlt, bittet den Arzt oder die Arzthelferin um eine Einführung. Sämtliche Geräte müssen regelmäßig alle 2 Jahre überprüft und geeicht werden. Dafür am besten beim Apotheker oder beim Fachgeschäft nachfragen, wo das Gerät gekauft wurde. Sonst beim Eichamt anrufen.
Jedes Gerät zeigt zwei Werte an, zum Beispiel 120 zu 80 oder 130 zu 90. Als Maßeinheit des Drucks dient Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Der Wert zeigt, wie viel Kraft pro Fläche auf ein Blutgefäß einwirkt. Den höheren, zuerst genannten Wert nennen Ärzte den systolischen Blutdruck. Er wird gemessen, während das Herz Blut in die Schlagadern pumpt. Den niedrigeren Wert, den diastolischen Blutdruck, zeigt das Gerät an, wenn sich die Herzkammern entspannen und wieder mit Blut füllen.
24 Stunden messen
Bestätigen sich beim Arzt erhöhte Blutdruckwerte oder vermutet er Risiken, wird er eine Langzeit-Blutdruckmessung über 24 Stunden vorschlagen. So kann er prüfen, wie sich der Blutdruck bei alltäglichen Belastungen tagsüber und nachts verhält. Hier gilt ein Zielwert von unter 130 zu 80 mmHg. Tagsüber darf der Blutdruck in dieser Messung höher sein (um 130 zu 80 mmHg) als in der Nacht (unter 120 zu 70 mmHg).
Weil das Gerät in kurzen Abständen die Manschette aufpumpt, fürchtet mancher, dass an Schlaf nicht zu denken ist und sich deshalb falsche Werte zeigen. Doch der Arzt sieht trotzdem, ob nachts die gesunde, mindestens 10-prozentige Absenkung erfolgt oder ob Störungen im Tag- und Nachtrhythmus vorhanden sind. Sinkt der Blutdruck über Nacht nicht ab, könnte das auf chronische Schmerzen, Schnarchen mit Atemaussetzern oder auf eine Nierenerkrankung hindeuten. Langzeitmessungen entlarven auch den Bluthochdruck, der nur in speziellen Situationen auftritt. Ärzte nennen es eine »maskierte Hypertonie«, wenn der Druck etwa nur bei Stress am Arbeitsplatz in die Höhe saust, aber sonst unauffällig ist und deshalb bei Routinechecks verborgen bleibt.
Wer bereits von hohen Blutdruckwerten betroffen ist, macht aus der täglichen Pflichtübung am besten ein beruhigendes kleines Ritual.
Zuerst auf die Toilette gehen und die Blase entleeren. Störende Geräusche abstellen. Hinsetzen und die Beine nebeneinanderstellen. Mindestens 3 bis 5 Minuten entspannt in Ruhe sitzen bleiben. Die Zeit nutzen, um innezuhalten und innerlich herunterzukommen. Dabei den Arm, an dem gemessen werden soll, in Höhe des Herzens lagern.
Die Blutdruckmanschette anlegen, dabei die Anleitung des jeweiligen Messgeräts genau beachten. Die Manschette muss zum Durchmesser des Arms passen. Bei zu dicken Oberarmen entstehen falsche hohe, bei zu dünnen Oberarmen falsche niedrige Werte. Beim Messen nicht bewegen oder reden. Der Arm sollte locker liegen und leicht gebeugt sein.
Einsteiger messen zur Probe zweimal rechts und links. Der Arm mit dem höheren Blutdruckwert ist künftig der Blutdruckarm. Also immer am selben Arm weitermessen. Sind bei beiden Armen die Werte gleich, messen Rechtshänder in der Regel am linken Arm.
Messung gelungen? Anfangs lohnt es sich zur Sicherheit, nach 2 Minuten noch einmal zu messen. Dabei für dieselben Bedingungen sorgen. Den gleichen Arm und die gleiche Position wählen. Immer darauf achten, dass die Druckmanschette auf Höhe des Herzens angelegt wird.
Eine tägliche Messung reicht in der Regel. Einsteiger prüfen den Blutdruck nur anfangs, also etwa eine Woche lang, zweimal täglich, jeweils zur gleichen Tageszeit. Die Werte aufschreiben oder im Gerät speichern und ausdrucken. Zum Arzt mitbringen.
Zu häufiges Messen ist nicht sinnvoll. Nur falls der Arzt dazu ausdrücklich rät, auf Dauer zweimal täglich, also morgens und abends, etwa zur gleichen Zeit messen.
Heute keine Lust gehabt zum Blutdruckmessen? Gestern ebenfalls geschwänzt, letzte Woche auch oft vergessen, das Gerät zu benutzen? Mancher stellt sich trotz aller eindringlichen Warnungen die Frage, ob das regelmäßige Messen des Blutdrucks überhaupt etwas bringt. Schließlich ist es oft schwer, neue wiederkehrende Aufgaben in den ohnehin stressigen Alltag einzutakten. Ein Hinderungsgrund: Wir wollen für unsere Bemühungen meist sofort belohnt werden und Beweise dafür sehen, dass unsere Aktivität wirklich von Erfolg gekrönt ist. Beim Blutdruck zahlen sich jedoch nur langfristige Ziele aus. Aber die sind lebenswichtig.
Für einen gesunden Blutdruck müssen wir selbst aktiv werden
Sind beide Arme gleich?
Liegen die Messwerte mehr als 10 mmHg auseinander, signalisiert der Unterschied zwischen beiden Gliedern ein erhöhtes Risiko, krank zu werden. Differenzen von mehr als 25 mmHg können auf Verkalkungen oder Fehlbildungen einer Arterie hinweisen, die den Blutfluss in einem der beiden Arme stören. Dies sollte man seinem Arzt unbedingt mitteilen.
Nur wenn wir unseren Blutdruck genau überwachen, wissen wir, ob er sich auf einem gesunden Niveau bewegt oder ob es Ausschläge nach oben oder unten gibt. Das beruhigt! Wir nehmen die Sache also besser ernst. Denn mittlerweile wissen wir, dass Bluthochdruck eine stille Krankheit ist, die den Körper zermürbt und sogar lebensbedrohlich werden kann, aber kaum spürbare Symptome hat. Medizinische Studien zeigen, dass fundiertes Wissen über die Folgeerscheinungen und langfristigen Auswirkungen des Bluthochdrucks uns befähigt, diese Erkrankung wirklich ernst zu nehmen. Messen wir also regelmäßig und speichern die Werte oder schreiben sie auf. So kriegen wir die Risiken am besten in den Griff. Denn unkontrollierter Bluthochdruck kann auf Dauer gefährlich werden. Dann steigt das Risiko für:
Schlaganfall
Herzinfarkt
Nierenerkrankungen
Sehstörungen
Total stabil ist unser Blutdruck eigentlich nie. Er reagiert flexibel auf fast jedes Detail unseres Lebens.
die Tageszeit mit ihrem zirkadianen Rhythmus
das Aktivierungsniveau, also zum Beispiel, ob man wach, schläfrig oder im Tiefschlaf ist
Körperstellungen wie Sitzen, Stehen oder Liegen
Emotionen wie Angst, Traurigkeit, Ärger, Wut, Freude
Aktivitäten wie Sport, Tanz oder schwere Arbeit
Schmerzen und andere Leiden
Klima und Wetter (Luftdruck, Hitze, Kälte)
Umwelteinflüsse wie Luftverschmutzung, Straßen- oder Fluglärm,
Sauerstoffmangel, zum Beispiel in großen Höhen
erhöhter Luftdruck beim Tauchen
Umweltgifte wie Kadmium, Arsen, Blei, Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, organische Lösungsmittel, Schwefelwasserstoff, Schwefelkohlenstoff, Methanol, Salpetersäureester
Genussmittel wie Zigaretten und Alkohol
der Füllstand der Harnblase
Zum Glück wird die Messtechnik immer intelligenter und lässt sich einfacher handhaben. Eine clevere Software dokumentiert gemessene Daten und erinnert auch ans Messen. So lässt sich ein Blutdrucktagebuch bequem aktuell halten. Trendsetter würden sich das Messen natürlich gern komplett von dekorativen Fitness-Armbändern oder sogenannten Wearables, tragbaren Blutdruck-Trackern, abnehmen lassen. Einige Hersteller werben auch bereits mit solchen Funktionen. Doch bisher existiert kein Fitness-Gadget, das den Blutdruck mit der notwendigen Verlässlichkeit messen kann und von Fachgesellschaften wie etwa der Deutschen Hochdruckliga anerkannt ist. Also Vorsicht bei modisch angesagten Geräten, die behaupten, den Blutdruck per Sensor bestimmen zu können!
Die Zukunft hat bereits begonnen. Beim Discounter findet man vernetzte digitale Messgeräte für Körperfunktionen wie Blutdruck, Gewicht und Aktivität bereits ausnehmend billig als sogenannte »Knaller der Woche«. Eine kostenlose App überträgt die Messwerte in grafische Übersichten. Tolles Angebot? Ja – aber wohl vor allem für den Auswerter und Vermarkter unserer intimsten Gesundheitsdaten. Lockangebote wie diese könnten von einer Datenkrake stammen, die uns bis in die Haarspitzen durchleuchtet. Sie verdient daran, personenbezogene Informationen auszuwerten und an Dritte weiterzugeben. Das kann einem Erkrankten irgendwann teuer zu stehen kommen.
