Brandstifter - Bernd Schreiber - E-Book

Brandstifter E-Book

Bernd Schreiber

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Beschreibung

In diesem Essay geht es um die Aufarbeitung der geistigen Grundlagen, die unter anderem zur Diktatur der Nationalsozialisten in Deutschland führten.

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Geschichte,Soziologie,Gesellschaft,Nationalsozialismus,Esoterik

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Seitenzahl: 102

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Buchbeschreibung:

In diesem Essay geht es um die Aufarbeitung der geistigen Grundlagen, die unter Anderem zur Diktatur der Nationalsozialisten in Deutschland führten.

Über den Autor:

Bernd Schreiber, geboren 1956 in Frankfurt am Main wuchs im Nachkriegsdeutschland auf.

Es war eine Zeit in der es ständig nur aufwärts zu gehen schien. Der Zukunft konnte man zuversichtlich entgegen sehen und Klassenunterschiede spielten kaum eine Rolle.

Die Berufe der Eltern seiner Mitschüler spielten keine Rolle, alle waren mehr oder weniger gleichgestellt. Auch die Wehrpflichtzeit war anregend, da man mit Menschen aus allen Schichten in Kontakt kam. Da hat sich in der Zwischenzeit einiges geändert.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Friedrich Ludwig Jahn

Max Müller

Arthur de Gobineau

Richard Wagner

Der Wagnerclan

Helena Blavatsky

Charles Darwin

Romantik

Phrenologie

Rasse-Vererbung-Eugenik

Kraniometrie

Straßburger Schädelsammlung

Ariosophie

Völkerschauen

Lebensreform

Thule-Gesellschaft

Esoteriker in der Führungsspitze

Fazit

Einleitung

Wie muss eine Gesellschaft beschaffen sein, damit Menschen wie Hitler, Himmler und Konsorten an die Macht kommen konnten? Dies waren Leute, die keinerlei eigene Ideen hatten. Sie haben historische Ideen nur geschickt neu zusammen gestellt und als ihre eigenen ausgegeben. Damit erreichten sie offensichtlich eine genügend hohe Zahl von Anhängern, von denen sie dann legitim gewählt wurden.

Aus welcher Ideenwelt, bei welchen Ideologien aber haben sie sich bedient? Welchen Vorlauf hatte die Nazi-Ideologie? Lange Zeit wurde ihnen jede Art von Ideologie abgesprochen und sie wurden nur auf Machtgier reduziert. So einfach ist es jedoch nicht, nur ist die zu Grunde liegende Ideologie schwer zu erkennen. Vieles an der Politik des Nationalsozialismus kann man recht unschwer einfach historisch erklären (Inflation, Arbeitslosigkeit, Reparationskosten etc.). Dies war aber längst nicht alles, was schließlich ihren Erfolg ausmachte.

Über einen Zeitraum eines ganzen Jahrhunderts lassen sich sogenannte geistige Mentoren ausmachen. Jeder Einzelne dieser „Mentoren“ trägt keine individuelle Schuld an dem, was nach seinem Ableben aus seinen Ideen gemacht wurde. Trotzdem handelt es sich bei jedem Einzelfall um einen „Sündenfall“. Nur zusammengenommen ergibt sich aus den Einzelfällen ein schlüssiges Bild und eine kontinuierliche Linie.

Die Nazis haben schließlich nur zusammengewürfelt, was ihnen nützlich war und die Stimmung der damaligen Zeit offenbar getroffen hatte. Sie hatten das Gespür für die Verunsicherung weiter Teile der Bevölkerung. Dann gaben sie vor, die passenden Medikamente für dieses Unwohlsein zu besitzen. Parallelen zu unserem Zeitgeschehen drängen sich förmlich auf. Heute handelt es sich jedoch nicht mehr nur um ein deutsches Problem, denn auch auf diesem Gebiet findet eine Globalisierung statt. Die Tonart und der Rhythmus sind zwar durchaus unterschiedlich, aber die Melodie ist überall die Gleiche.

Die Marschrichtung lautet global:

„Zurück zu...“.

Nur sagte das bereits Rousseau: „Zurück zur Natur“ und auch damals war das schon Unsinn, insbesondere wenn man so wenig von Natur verstand wie Herr Rousseau. „Zurück zu ...“ Hat noch nie funktioniert und endet immer in einer unzulässigen Verklärung der Vergangenheit.

Verbesserungen liegen immer in der Zukunft, niemals in der Vergangenheit.

Wir wissen natürlich nicht, ob unsere Zukunft gut sein wird, aber immerhin können wir etwas zu ihrer Gestaltung beitragen. Ein wichtiges Element auf dieser Baustelle wäre die Vermeidung von Fehlern der Vergangenheit. Dies setzt allerdings gewisse Kenntnisse voraus, an denen bei unserem aktuellen Bildungssystem berechtigte Zweifel angebracht sind.

Eigentlich ist es eine recht einfache Frage:

Was hat ein Land wie Deutschland der Welt anzubieten? Wodurch werden Begehrlichkeiten geweckt?

Rohstoffe sind es jedenfalls nicht...

Dieser Essay beschäftigt sich mit dem erwachenden Nationalismus in Deutschland, bis zum völkischen Denken des Nationalsozialismus.

Historisch gesehen fand die Entwicklung zum Nationalismus in Deutschland relativ spät statt, denn andere europäische Länder waren diesbezüglich wesentlich früher dran. Dies kann man schon am frühen Kolonialismusstreben ablesen. Deutschland war noch keine Nation und hatte demnach auch keine Kolonien. Erst 1871 wurde Deutschland eine Nation, da hatten andere Länder schon weit über 300 Jahre Kolonialgeschichte geschrieben. Die gesamte Welt, bis auf wenige weiße Flecken, war schon nahezu verteilt.

Deutschland bestand überwiegen aus kleinen Herzogtümern, Königreichen, Fürstentümer etc. – alles im Besitz des Adels und der Kirche. Diese wollten natürlich ihre Pfründe behalten und hielten gar nichts von einer gemeinsamen Nation. Eine gemeinsame Nation hieß für die Machthaber, dass sie teilen müssten und sich unter einem Oberhaupt zu beugen hatten. Das war schwierig zu vermitteln.

Im Grunde kam es erst durch die Bedrohung durch Napoleon Bonaparte zu einer gemeinsamen deutschen Gesinnung. Keiner der Kleinstaaten konnte sich der Armee Napoleons widersetzen. Er konnte Deutschland besetzen, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Nun ist eine fremde Besatzung keinesfalls ein befriedigender Zustand. Doch wie wird man einen so kräftigen Gegner wieder los? Durch Napoleon wurde Frankreich daraufhin zum „Erbfeind“. In Deutschland musste man sich erst einmal organisieren. Dies war der Beginn des deutschen Nationalgefühls. Der Nationalismus wurde erst durch die Bedrohung von außen erzeugt. Um dieses Gefühl aufrecht zu erhalten, wurden von nun an stetig neue Bedrohungsszenarien inszeniert. Der einzige Zusammenhalt ohne eine Bedrohungslage bildete die gemeinsame Sprache, doch dies war bei den vielen Dialekten nicht immer so ausgeprägt.

Die deutsche Sprache wurde maßgeblich von Martin Luther (1483–1546) geprägt. Er übersetzte die Bibel ins Deutsche und musste sich für einen Dialekt entscheiden.

Johannes Gutenberg (1400-1468) bildete durch die Erfindung des Buchdrucks die Grundlage für die Verbreitung von Luthers Schriften.

Luthers Bibelübersetzung galt ab diesem Zeitpunkt als Hochdeutsch und wurde all-gemeinverständlich.

Wesentlicher jedoch war, dass evangelische Pfarrer heiraten durften und Kinder bekamen. Diese Entwicklung steigerte die Alphabetisierungsrate enorm. Diese lag um 1500 bei lediglich 5-10%. Selbst im Adel lag sie bei nur 70%. Bei Geistlichen allerdings schon bei 100%. Wer lesen und schreiben lernen wollte, war zwangsläufig auf kirchliche Würdenträger angewiesen. Da die Bibel bislang nur auf Latein, griechisch und hebräisch vorlag, wurden diese Sprachen Bestandteil der Alphabetisierung. Lehrmaterial existierte zu dieser Zeit keines, so dass ausschließlich Originaltexte zur Verfügung stand: Die Bibel und griechisch mythologische Texte, wie etwa die Metamorphosen von Ovid (43 vor Chr. – 17 nach Chr.). Dies war die Grundlage dafür, dass sich alle Menschen die lesen und schreiben konnten sowohl mit biblischen als auch mit mythologischen Texten sehr gut auskannten.

Nachdem auch Pfarrer Kinder bekommen durften, erweiterte sich der Kreis der Lese-kundigen erheblich. Martin Luther selbst hatte 6 Kinder.

Religiöse und mythologische Themen waren oft das einzige Bindeglied zwischen den Schriftkundigen, da alle auf die gleiche Weise lernten. Die Menschen zu dieser Zeit waren mit der Materie wesentlich besser vertraut als unsere Generation. Man konnte Anspielungen machen, die man nicht weiter erläutern musste, da jeder wusste, was gemeint war. Sowohl die Bildersprache, als auch Allegorien waren zugänglicher als heutzutage. Jeder wusste beispielsweise, welches Symbol zu welchem Apostel gehörte.

Es gibt kaum ein Gedicht der Romantik ohne mythologische Anspielungen. Allerdings war die Mythologie ausschließlich die griechische Mythologie. Die Römer übernahmen schließlich die griechische Mythologie, nur mit anderen Namen.

In der Zeit nach Luther alphabetisierte sich die Bevölkerung zusehends. Dies war ein langer Prozess in einem vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Land.

Um 1700 waren es etwa 25%, um 1800 schon um die 50% und um 1900 war der Prozess mit 95% fast abgeschlossen.

Latein und Griechisch verloren zusehends an Bedeutung. Ab 1700 entwickelte sich in Preußen und Sachsen schon eine Schulpflicht. Allerdings hatten protestantisch geprägte Kreise immer einen Vorsprung von fast 30% gegenüber katholischen Kreisen. Dies lässt sich nur durch den Wegfall des Zölibats für protestantische Pfarrer erklären, die ihre eigenen Kinder unterrichteten. Fast alle großen Geister dieser Epoche waren entweder Kinder von Adligen oder Pfarrerskinder. Wobei man sagen muss, dass die Adligen auch von Geistlichen unterrichtet wurden.

Durch die gemeinsame Sprache entwickelte sich nach und nach auch so etwas wie ein nationales Zugehörigkeitsempfinden.

Bis zur Bildung einer deutschen Nation musste man sich allerdings noch bis 1871 gedulden.

Nachdem Napoleon 1812 in Russland gescheitert war, wurde er endgültig bei der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 besiegt. Dies gab dem Nationalismus nochmals einen enormen Schub.

Unmerklich mischte sich dem harmlosen und erstmal verständlichen und unverdächtigen Nationalismus immer mehr völkisches Denken und Fremdenhass bei. In der indust riellen Revolution entwickelte sich fast zeitgleich mit der Bildung des Nationalstaates die sogenannte Lebensreform, deren Nachwirkungen bis heute deutlich spürbar sind.

Nicht ganz zufällig beginnt dieser Essay mit Turnvater Jahn.

Friedrich Ludwig Jahn

Friedrich Ludwig Jahn (geb. 1778 in Lanz an der Prignitz – gest. 1852 Freyburg an der Unstrut) wurde vor allem als „Turnvater Jahn“ bekannt. Bis zum heutigen Tag stehen weit über 300 Denkmäler in deutschen Gemeinden und unzählige Straßen tragen seinen Namen. Das ist erstaunlich für einen Mann der 5 Jahre im Gefängnis sass.

Jahn war der Begründer der deutschen Turnbewegung. 1811 gründete er in Berlin Hasenheide den ersten öffentlichen Turnplatz. Der Berliner Turnverein hatte 1815 schon 778 Mitglieder. 1818 gab es in Deutschland schon 12 000 Turner. Dies kann man durchaus als eine Erfolgsgeschichte bezeichnen.

Die Besatzungszeit Napoleons empfand er als persönliche Beleidigung. Lebenslänglich bündelte sich seine Energie im Hass auf die Franzosen.

Er begründete die deutsche Turnbewegung, um die Jugend widerstandsfähiger gegen die napoleonischen Besatzungstruppen zu machen. Die ursprüngliche Intention war somit rein militärischer Natur. Das persönliche Wohlbefinden und die Gesundheit der Turner spielte allenfalls eine untergeordnete Rolle.

Jahn war einer der Vorreiter der deutschen nationalistischen Bewegung. Die Einheit Deutschlands und Deutschland als Nation waren stets sein oberstes Gebot. Für diese Gesinnung war er auch bereit, ins Gefängnis zu gehen, was später dann auch geschah. Er war aber nicht nur Begründer der deutschen Turnbewegung, sondern auch Ideenlieferant und Initiator der deutschen Urburschenschaft (1815) in Jena. Die Farben dieser Burschenschaft bilden bis heute die Farben der deutschen Flagge: Schwarz, Rot, Gold. Ursprünglich waren dies die Farben des Lützower Freicorps. Politisch unterstützt wurde er unter anderem von Johann Gottlieb Fichte 1762 - 1814 („Reden an die deutsche Nation“) und Jakob Friedrich Fries 1773–1843 (Philosophieprofessor im Jena).

Biographisches:

Jahn wurde als zweiter Sohn des evangelischen Pfarrers Alexander Friedrich Jahn und der Pfarrerstochter Sofia Schulte geboren. Er hatte 3 Geschwister. Unterrichtet wurde er vom Vater und besuchte die Gymnasien in Salzwedel und Berlin (Gymnasium zum grauen Kloster). Anschließend folgte ein Theologiestudium in Halle. Dort verbarg er sich häufig in einer Höhle, die bis heute als „Jahnhöhle“ bekannt ist. 1800 (da war er erst 22 Jahre alt) hatte er bereits einen Prozess in Leipzig, der ihm ein Stu dierverbot an allen deutschen Universitäten einbrachte. Fortan studierte er überall ohne Immatrikulation. Seine Stationen waren: Breslau, Frankfurt an der Oder, Greifswald und Göttingen. 1802 lernte er den national gesinnten Schriftsteller Ernst Moritz Arndt 1769–1860 kennen. Mit ihm entwickelte er die Idee des geeinten Deutschland. Seine Umtriebe wurden zusehends kritisch von der preußischen Regierung beäugt.

Er schlug sich schließlich als Hauslehrer in Neubrandenburg, Waren und Jena durch. 1807 pilgerte er zu dem Reformpädagogen Johann Christoph Friedrich GutsMuths (diese Schreibweise hat er sich selbst erwählt) in Schnepfental / Thüringen. GutsMuths war Mitbegründer, wenn nicht gar der Begründer des Turnens. Er war ein halbes Jahrhundert lang Gymnastiklehrer in der Erziehungsanstalt Schnepfental. Dort führte er die Leibesübungen ein. Dazu gehörten wandern, Gartenarbeit und Handwerk. Er nahm Bezug auf die griechische Antike und orientierte sich an Jean Jacques Rousseau. Alles sollte dem Wohle der Jugend dienen. Seine Ideen standen im Zeichen des Humanismus. Allerdings wandte auch er sich an den preußischen Staat mit der Empfehlung: „den Körper zum Dienste des Staates zu verwenden“. GutsMuths schrieb das Werk: „Gymnastik für die Jugend. Ein Beitrag zur nötigen Verbesserung körperlicher Erziehung“ (1793). Es war das erste systematische Werk über Leibesübungen im deutschen Sprachraum. GutsMuths Übungen waren Leibesübungen ohne Geräte. Später war der GutsMuths-Preis die höchste staatliche Auszeichnung der DDR im Bereich Sportwissenschaft.

Die Entwicklung des Geräteturnens blieb Jahn vorbehalten. Jahn erfand den Barren, das Reck und das Pferd. Die Turnidee war somit nicht nur sein Verdienst, wohl aber das Geräteturnen. Schließlich haben schon die antiken Griechen Gymnastik betrieben und olympische Spiele ausgetragen.

Zurück in Berlin scheiterte Jahn an der Lehrerprüfung und arbeitete weiterhin als Hauslehrer.

1810 verfasste er sein Hauptwerk: „Deutsches Volkstum“.

Ebenfalls 1810 gründete er in Berlin Hasenheide den „geheimen deutschen Bund“, ausschließlich für Männer deutscher Abstam mung. Juden waren ausdrücklich ausgeschlossen.

Jahn war ein feuriger Nationalist, auch was die deutsche Sprache anbelangt. Er warf den Deutschen ein „Fremdsucht“ vor, womit er selbstverständlich das Französische meinte:

„Diese Sprache hat deine Männer betört, deine Jünglinge verführt, deine Weiber entehrt“

„Hass alles Fremden ist des Deutschen Pflicht“

Er war gegen jede Art der Völkermischung. Er hielt Deutschland allen anderen Völkern für überlegen, deshalb sollte Deutschland „die Erde als Heiland segnen und den Völkern Menschwerdungskeime einpflanzen“.