Brauchtum und Wetterregeln - Helmut Kopf - E-Book

Brauchtum und Wetterregeln E-Book

Helmut Kopf

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Beschreibung

Die Vorhersage der Wetterverhältnisse anhand von Lostagen basiert auf vielen kleinen Anzeichen in der Natur und war früher für verschiedene landwirtschaftliche Arbeiten - wie etwa den Beginn der Aussaat - sehr bedeutsam. Ob Siebenschläfertag oder „die kalte Sophie“– noch heute erfreuen sich Bauernregeln, die immer auf den Erfahrungen aus jahrhundertelangen Wetterbeobachtungen beruhen, großer Beliebtheit. Dieses Buch versammelt erstmals alle von Helmut Kopf professionell recherchierten Beschreibungen der Lostage Süddeutschlands, gibt Auskunft über das Brauchtum und die Traditionen die mit ihnen im Zusammenhang stehen und ist liebevoll bebildert mit Landschafts- und Naturfotos aus allen Jahreszeiten.

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Seitenzahl: 176

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Helmut Kopf

Brauchtum und Wetterregeln

Lostage in Süddeutschland

Inhalt

Cover

Titel

Vorwort

Zum Jahreswechsel

Die zwölf Raunächte

Silvester und Neujahr (31.12./1.1.)

Januar

Dreikönig oder Epiphanie (6. Januar)

Februar

Mariä Lichtmess (2. Februar)

Valentinstag (14. Februar)

Kathedra Petri - Petri Stuhlfeier (22. Februar)

Matthiastag (24. Februar)

März

Benedikt von Nursia (21. März)

April

Palmsonntag

Kartage

Ostern

Georgstag (23.4.)

Markustag (25. April)

Mai

Walpurgisnacht / Erster Mai (30.4./1.5.)

Eisheilige (11.-15. Mai)

Urbanstag (25. Mai)

Christi Himmelfahrt

Pfingsten

Fronleichnam

Juni

Johannistag (24. Juni)

Siebenschläfertag (27. Juni)

Juli

Hundstage (23. Juli–23. August)

Jakobstag (25. Juli)

August

Laurentiustag (10. August)

Mariä Himmelfahrt (15.August)

September

Michaelistag (29. September)

Oktober

Altweibersommer

November

Allerheiligen (1. November)

Martinstag (11. November)

Katharinentag (25. November)

Andreastag (30. November)

Dezember

Barbaratag (4. Dezember)

Luciatag (13. 12.)

Thomastag (21. 12.)

Heiliger Abend, Weihnachten (24./25. Dezember)

Der Autor

Literaturverzeichnis

Bildquellen

Impressum

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

zur Zeit unserer Vorfahren spielten die besonderen Ereignisse des Kirchenjahres und die Gedenktage populärer Heiliger eine herausragende Rolle in ihrem Jahresablauf. Viele dieser Kalendertermine gingen als „Lostage“ ins bäuerliche Leben ein, an die auch mancherlei Brauchtum und zahlreiche Wetter- und Bauernregeln geknüpft waren. Die Lostage galten als Tage besonderer Aussagekraft über die Entwicklung, das Schicksal des künftigen Wetters.

Es fällt auf, dass gerade in Monaten, von denen das bäuerliche Leben durch Saat oder Ernte besonders betroffen ist, eine große Zahl von Lostagen existiert, wie etwa im Juni als Reife- oder beginnender Erntemonat. Natürlich häufen sich diese Tage, an denen man gerne in die Zukunft schaut, auch um die Jahreswende. Nicht zuletzt waren schon aus religiösen Gründen die besonderen Festtage im Kirchenjahr, wie etwa Ostern, Pfingsten und Weihnachten, Termine, an denen die Bauern in alter Zeit besorgt zum Himmel blickten, um aus dem Wetter dieser Tage Prognosen für die Zukunft zu stellen. Dabei gewannen sie durch vielfache Erfahrungen Erkenntnisse, die sie dann, in einfache Reime gegossen, an ihre Nachfahren weitergaben. Betrafen die Erkenntnisse das Wetter, so wurden diese als Wetterregeln zusammengefasst.

Aber auch ihre bäuerlichen Erfahrungen und Lebensweisheiten vermittelten sie künftigen Generationen in Reimform, etwa allgemeine Verhaltensformen im bäuerlichen Alltag, wie auch Saat- und Ernteregeln, die als Bauernregeln überliefert wurden. Sicherlich sind die tradierten Wetterregeln nicht so zuverlässig wie unsere heutigen Satelliten-Wetterprognosen, aber auch diese können irren; langfristige Wettervorhersagen sind auch heute, trotz aller technischen Hilfsmittel, noch recht unzuverlässig. Dass die Wetterregeln unserer Vorfahren keineswegs zum „alten Eisen“ gehören, beweist allein schon die Tatsache, dass ihre Aussagen und Inhalte schon mehrfach wissenschaftlich untersucht wurden und es sich herausstellte, dass gerade die längerfristig angelegten Sprüche auch heute noch – trotz globaler Klimaveränderungen – Trefferquoten zwischen 60 und 70 Prozent erreichen können. Zu beachten ist hier natürlich auch die geographische Lage, das Relief und das Kleinklima eines Gebiets. Gerade in Gebirgsregionen, vor allem im Hochgebirge, gilt der Spruch: „Hinter jedem Berg ist ein anderes Wetter.“

Aus der heidnischen oder religiösen Überlieferung (Heiligenlegenden) – oft wurden zur Zeit der Christianisierung Germaniens heidnische Feste, Bräuche und Rituale ins Christliche umgemünzt und mit christlichen Inhalten versehen – entstand häufig das vielfältige Brauchtum, das unsere Ahnen über Generationen hinweg praktizierten und das in Kriegs- oder Nachkriegszeiten abflaute oder in Vergessenheit geriet, weil die Menschen, um ihren Lebensunterhalt und ihre Existenz zu sichern, ganz andere Sorgen hatten. Erfreulicherweise wurde in den letzten Jahrzehnten in Heimat- und Volksvereinen dieses Brauchtum wieder neu belebt und vertieft.

Daher erschien es mir wichtig, die drei Elemente der Lostage, nämlich religiöser Ursprung, daraus resultierendes Brauchtum sowie die zugehörigen Wetter- und Bauernregeln zu vereinen.

Die Lostage waren in der Regel an kirchliche Feste gebunden und wurden vor allem auf dem Lande entsprechend gefeiert. Urlaub im heutigen Sinne gab es vor hundert Jahren weder in der Landwirtschaft noch in der bürgerlichen Mittelschicht. Privilegierte Stände leisteten sich schon zu Goethes Zeiten Auslandsreisen und Kuraufenthalte. Urlaub für alle gab es erst in der Wirtschaftswunderzeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Gerade die religiös tiefer verwurzelte Landbevölkerung suchte sich in früheren Zeiten an den kirchlich vorgegebenen Unterbrechungen des Arbeitsalltags zu erholen. Das waren die bedeutenden Kirchenfeste und Gedenktage besonders populärer Heiliger, die streng eingehalten wurden.

Die in diesem Buch genannten Heiligen sind im Laufe der Zeit im Kirchenkalender zum Teil verschoben, noch häufiger aber ganz gestrichen worden, um „modernen Heiligen“ Platz zu schaffen. Im Volksglauben jedoch sind die „alten Heiligen“ immer noch verwurzelt, was nicht zuletzt die heute wieder bei der Namensgebung von Neugeborenen zunehmende Verwendung biblischer Vornamen belegt.

Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen mit diesem Buch angenehme Lektürestunden.

Ottersweier, im Herbst 2016

Helmut Kopf

Glitzerndes Raureif, knirschender Schnee, gefrorene Bäche und Seen, eisige Luft, Winterstimmung ist einzigartig.

Zum Jahreswechsel

Die Tage um den Jahreswechsel hatten große Bedeutung für die Menschen. Das neue Jahr steht vor der Tür, auch heute überlegt, bangt und hofft man und ist gespannt darauf, was es wohl bringen wird. Früher hielt der kalte, dunkle Winter die Menschen zuhause und dort war Zeit für allerlei Geschichten und Mystik.

Die zwölf Raunächte

Gerade die letzten sechs Nächte des alten und die ersten sechs Nächte des neuen Jahres, beginnend mit der Weihnachtsnacht bis zur Nacht vor Dreikönig, waren den Menschen früherer Jahrhunderte besonders unheimlich und geheimnisvoll.

In diesen zwölf „Raunächten“, so glaubten sie, entscheide sich das Schicksal des kommenden Jahres sowohl im persönlichen Ergehen als auch im Wetter. Zu den volkstümlichen Überlieferungen aus heidnischer Zeit gehörte der Glaube an ein wild dahin stürmendes, Schrecken verbreitendes Geisterheer unter der Führung des germanischen Gottes Wotan, den man durch allerlei Gegenzauber besänftigen zu können hoffte.

Schutz vor Wotan‘s wildem Heer

BRAUCHTUM

In diesen unheimlichen Nächten versuchte man mit Kienspan, Öllampe oder Talglicht das Dunkel zu erleuchten, um vor dämonischem Treiben sicher zu sein. Diese Sicherheit aber geriet ins Wanken, wenn der ums Haus wehende Wind oder Sturm das Licht zum Flackern brachte oder gar auslöschte, wenn die Fensterläden oder Türen klapperten, dann schien die Bedrohung am größten. Deshalb versuchten mutige junge Burschen schon zu Beginn der abendlichen Dunkelheit diesem Unheil entgegen zu wirken, indem sie mit Peitschengeknall und Lärminstrumenten die Dämonen zu vertreiben suchten.

Überdies wurden den Stalltieren Mistelbeeren ins Futter gemischt, um sie vor Krankheiten zu schützen. Häufig wurden nach dem Abendläuten Wohnräume und Viehstall mit Weihwasser besprengt. Den Hausbewohnern wurden Hülsenfrüchte vom Speiseplan gestrichen, um übers Jahr Geschwüren vorzubeugen. Ebenso waren „zwischen den Jahren“ Spinnen, Dreschen und Wäsche waschen verboten. Bauholz sollte in den letzten Tagen des Jahres geschlagen werden, weil es dann angeblich weder von Ungeziefer noch von Fäulnis befallen wurde. Um die bösen Geister zu besänftigen, zeigte man sich besonders großzügig gegenüber Hilfsbedürftigen und Bettlern. Als Lohn erwartete man reiche Ernte, Geldsegen, Gesundheit und Liebesglück.

Um Wohnung und Stallung vor Unbill zu schützen, verbrannte man unter Beschwörungsformeln und Gebeten Räucherwerk, wie etwa die Kräuterbüschel der im Herrgottswinkel aufgestellten „Wiehenne“, die an Mariä Himmelfahrt (15.8.) geweiht worden waren oder das Palmreisig vom Palmsonntag. Der von den geweihten Pflanzen aufsteigende Rauch sollte dann die unheimlichen und unheilvollen Geister vertreiben. Daher der Name „Raunächte“, von „Rauch“ und nicht der kalten rauen Winternächte wegen.

Was mag das neue Jahr bringen?

WETTERREGELN

In den zwölf Raunächten pflegten die Menschen verschiedene Wetterorakel.

Man legte in den zwölf Nächten je eine Zwiebel-Halbschale mit einer Prise Salz vor das Fenster und prophezeite aus den 12 Nächten das Wetter der einzelnen Monate des kommenden Jahres. Blieb das Salz trocken, sollte es einen trockenen Monat geben, wurde es feucht, war ein regenreicher Monat angesagt.

Man beobachtete und notierte das Wetter der einzelnen Tage und prognostizierte daraus die Witterung jedes einzelnen Monats, wobei klirrende Kälte der Winternacht für entsprechend große Hitze der Sommermonate stand. Dass diese unter abergläubischen  Vorzeichen stehenden Wetterprognosen kein Humbug waren, sondern zumindest eine 60-prozentige Verlässlichkeit aufwiesen, wurde von meteorologischen Untersuchungen der letzten Jahrzehnte bestätigt.

Auch für die Einschätzung des persönlichen Schicksals befragte man die Lostage, wenn auch mit weniger Treffsicherheit. Dabei ging man nach der Intensität des Sonnenscheins an den zwölf Tagen, der eine orakelhafte Bedeutung – nicht nur im positiven Sinne – bekam. Am ersten Lostag (26. 12.) versprach Sonnenschein ein glückliches Jahr, am zweiten bereits kündigte er Preiserhöhungen an; am fünften Tag versprach die Sonne eine reiche Obsternte und am letzten Tag (Dreikönig) stand Sonnenschein für Zwist und Hader. Auch andere Naturbeobachtungen weckten in diesen Tagen positive Erwartungen:

„Wenn in den Raunächten die Eiszapfen lang sind, wird auch der Flachs lang.

So könnte Wotan aussehen, da tat man viel dafür, ihn und andere gefürchtete Gestalten zu besänftigen.

Silvester und Neujahr (31.12./1.1.)

Der letzte Tag des Jahres trägt den Namen eines ehemaligen Papstes.

Er hieß SilvesterI., lebte vor fast 1700 Jahren und soll am 31. Dezember 335 verstorben sein.

Der Silvester-Tag war nicht immer der letzte Tag des Jahres. Die Verknüpfung des Jahresendes mit dem Namen Silvester geht auf das Jahr 1582 zurück. Damals wurde von Papst GregorXIII. (1502-1585) eine Reform des „Julianischen Kalenders“ durchgeführt und der „Gregorianische Kalender“ eingeführt. Der letzte Tag des Jahres wurde vom 24. auf den 31. Dezember verlegt, den Todestag des Papstes SilvesterI.

Laut Überlieferung war Silvester der erste heilige Papst, der nicht das Martyrium erlitt. Sein Gedenktag wird von der griechisch-orthodoxen Kirche und der bulgarisch-orthodoxen Kirche am 2. Januar, von der russisch-orthodoxen Kirche am 15. Januar und von der römisch-katholischen Kirche an seinem Todestag, dem 31. Dezember, gefeiert. Dieser Tag wird deshalb allgemein Silvester genannt. Sein Name bedeutet „der Waldmann“ (von lat. silva, „Wald“). Silvester ist Schutzpatron der Haustiere und wird um eine gute Futterernte und ein gutes neues Jahr angerufen.

Parallel zu der Kalenderreform wurde der Jahresbeginn offiziell auf den 1. Januar verschoben. Um den Unterschied von zehn Tagen auszugleichen, folgte auf den 4.10.1582 der 15.10.1582. Erst Papst InnozenzXII. (1615-1700) legte 1691 für die Christen das Neujahrsfest endgültig auf den 1. Januar fest. Trotzdem brauchte es noch Jahrzehnte, bis sich dieser Tag in den christlichen Ländern durchsetzte: Während in den katholischen Gebieten Europas die Reform des Kalenders zügig durchgeführt wurde, erklärten sich die letzten protestantischen Länder erst 1699 bereit – so auch Württemberg. In der Zeit davor wurde der Jahresbeginn am 25. Dezember gefeiert. Später wählte man dafür den Dreikönigstag am 6. Januar. Menschen in anderen Ländern und Religionen feiern den Jahreswechsel an unterschiedlichen Terminen, weil sie einen anderen Kalender und eine andere Zeitrechnung haben. Ohnehin ist schwer zu sagen, welche Regeln – insbesondere Wetterregeln – vor oder nach der gregorianischen Kalenderreform entstanden sind und welche Tage dem neuen Kalender angepasst oder nicht angepasst wurden.

BRAUCHTUM

Für den letzten Tag des alten und den ersten Tag des neuen Jahres übte der Aberglaube auf die Menschen eine große Faszination aus. Einerseits blickten sie mit banger Sorge, andererseits auch mit optimistischer Erwartung auf das nächste Jahr. Sie wollten möglichst früh wissen, was die Zukunft bringen werde. Das ist heute noch so, nicht umsonst haben Spiritisten und Kartenleger an den Tagen der Jahreswende Hochkonjunktur.

Auch unsere Vorfahren versuchten an diesen Tagen, die Zukunft zu deuten.

Der Heimatchronist Franz Karl Maurath (1871-1934) beschreibt einen Brauch, der auch heute noch „angesagt“ ist: Eines der bekanntesten Orakel war das Bleigießen (ersatzweise auch Wachs). Die Bleikugeln wurden auf einen breiten Löffel gelegt und über eine brennende Kerze gehalten, bis die grau glänzende Masse zu blubbern begann. Nun wurde sie in eine Schüssel kalten Wassers gekippt, und es entstanden abstrakte Gebilde, aus denen man mit viel Fantasie etwas erkennen konnte. Hatte sich beispielsweise eine Rundform ergeben, so konnte das durch die Ähnlichkeit mit einem Geldstück Reichtum bedeuten. Man konnte aber auch eine Erdkugel darin erkennen, was auf eine bevorstehende weite Reise hinwies.

Mit besonderer Aufmerksamkeit betrachteten die heiratsfähigen Mädchen die entstandenen Bleigebilde, denn mit viel Fantasie ließen sich daraus die Gestalt und der Beruf des Zukünftigen erkennen: So deutete etwa eine Ringform auf einen Wagner, das Hufeisen auf einen Schmied.

Ebenfalls einen Blick in die Zukunft verhieß das Lichtorakel. Kleine Kerzenstummel wurden in zwei Nussschalen gesetzt und in einer Wasserschüssel schwimmen lassen. Kamen sie von einem Schüsselrand zum andern, ohne zu kentern oder zu erlöschen, war ein gutes Jahr sicher.

Ein Gebäck, das speziell in der Silvesternacht gefertigt wurde, waren die „Hohwölflein“ (auch Howölfle) oder auch „Wowölflein“ (auch Wowölfle).

Es handelte sich um gebackene Tierformen aus Roggenmehl bzw. Hutzelbrotteig, „mit Schnitz- oder Hutzelbrühe süß gewaschen“ (Maurath), die aber nicht sofort verspeist, sondern im Herrgottswinkel oder auf Brettchen aufgestellt wurden. Frühestens an Lichtmess (2.2.) durfte man sich an ihnen vergreifen. Sie dienten als Schutz des Hauses vor Naturgewalten und wurden daher nicht selten das ganze Jahr über im Herrgottswinkel belassen.

Der Herrgottswinkel ist eine Zimmerecke (Kultecke) in christlichen Wohnungen – häufig in bäuerlichen Wohnstuben. Meist ist es die dem Ofen gegenüberliegende Zimmerecke, mit Kruzifix und Heiligenbildern, oft durch Kalenderblätter, Bibel, Gesangbuch, Ikonen und Devotionalien zu einer Art Hausaltar erweitert. Die Familie setzt sich bei häuslichen Andachten auf die Bank unter den Herrgottswinkel; in Wirtshäusern dient er dazu, die Gäste zu ermahnen, sich in Wort und Tat zurückzuhalten.

Damals wie heute wurden auch Glückssymbole verschenkt, gebacken oder aus Marzipan: Glücksklee, Glücksschwein, Kaminfeger, Hufeisen und andere.

Auf dem Speiseplan stand Sauerkraut hoch im Kurs. Es galt als eine heilbringende Speise zu Beginn des neuen Lebensabschnitts. Wer zu Neujahr diese Form des Kohls, natürlich mit deftigem Schweinefleisch oder Wurst, verzehrte, sollte das ganze Jahr hindurch gesund bleiben und auch immer Geld haben.

Ein anderes traditionelles Silvestergericht war die Erbsensuppe. So zahlreich und schmackhaft wie die Erbsen sollten Wohlstand und Geld das neue Jahr bestimmen.

Ähnlich symbolischen Charakter hatte auch das Fischessen am Silvesterabend. Der Fisch galt als Symbol für Fruchtbarkeit und Fülle, und man glaubte, dass alles, was in dieser Nacht geschah, den Rest des Jahres bestimme. Als Nachspeise gab es mancherorts den „Gutjahrsring“, ein Hefegebäck, das – verziert mit Glückssymbolen – auf die Festtafel kam. Das Silvesteressen im Kreis von Familie und Freunden symbolisierte die Gemeinschaft, die von nichts und niemandem aufzubrechen war.

Typisch für die Neujahrsnacht sind Lärm und Radau. Früher wurde mit mechanischen Geräten geklappert, gepoltert und geknallt, heute sind es die Raketen, Knallkörper und anderes Feuerwerk. Früher glaubte man mit dergleichen die bösen Geister und Wetterhexen vertreiben zu können, heute dienen die Feuerwerkskörper mehr der Unterhaltung. Das Läuten der Kirchenglocken Punkt Mitternacht ist ein christlicher Brauch, der ein Jahr des Heils ankündigen soll. Um glücklich ins neue Jahr zu kommen, stieg man in den Bauernstuben vor Mitternacht auf einen Stuhl oder Tisch, und Schlag zwölf Uhr sprang man herunter und mit Schwung ins neue Jahr.

Kräftige Neujahrswünsche

Von einem heute völlig unbekannten Neujahrsbrauch berichtet Franz Karl Maurath ebenfalls: Während man sich heute per Handschlag, Kuss oder Umarmung ein gutes neues Jahr wünscht, tat man es seinerzeit durch ein symbolisches „Würgen“ oder „Würgeln“. Beim ersten Treffen am Neujahrsmorgen packten sich die Familienmitglieder am Hals – aber ohne Verletzungsgefahr – und „würgelten“ und schüttelten sich und tauschten dabei mit viel Heiterkeit die Neujahrswünsche aus. Diese Sitte, so Maurath, habe auch an Geburts- und Namenstagen gegolten und sei der handgreifliche Beweis der Zuneigung und der Wunsch für Wachstum und Gesundheit gewesen.

Der ganze Neujahrstag galt den Besuchen von Verwandten und Bekannten. Besonders stolz war man, wenn man anderen mit seinem Glückwunsch zuvorkam.

In manchen Alpenländern bestand zu Silvester der Brauch, dass sich ein junger Bursche als personifizierter Silvester verkleidete und während des abendlichen Vergnügens auf der Ofenbank saß, allerdings jedes Mal, wenn ein Mädchen in seine Nähe kam, aufsprang und es küsste. Kurz vor Mitternacht verteilte der Hausherr an alle Gäste grüne Zweige, mit denen der Silvester mit Schlag 12 Uhr aus dem Haus getrieben wurde. Dieses Spiel nannte sich „Silvesterschlagen“.

Da Silvester auch ein Tag war, an dem oft das Gesinde wechselte, gab es nach dem Silvestergottesdienst auf dem Bauernhof ein festliches Abschiedsessen, bei dem der Hausherr reichlich auftischte. Je nach Gegend wurde bei dieser Gelegenheit erstmals der neue Wein serviert.

Am Neujahrstag wollte man freigebig und großzügig sein. Nicht ganz uneigennützig, hoffte man doch, dass die Großzügigkeit im neuen Jahr in Form von Reichtum auf den Geber zurückkomme; denn was an Neujahr geschah, sollte sich auf das ganze Jahr auswirken. So hatte man das neue Jahr beispielsweise ohne Schulden, frisch gewaschen zu begrüßen, denn für den Neuanfang sollte der alte Schmutz abgewaschen sein.

WETTERREGELN

Silvester und Neujahr sind auch wichtige Lostage für Wetterprognosen.

Wenig Hoffnung auf ein gutes Jahr besteht bei Wind in der Silvesternacht:

„Wind in Sankt Silvesters Nacht hat nie Wein und Korn gebracht.“

Am Neujahrstag soll es vor allem nicht regnen, dann kann sich der Bauer auf ein ertragreiches Jahr freuen:

„Ein Jahr, das fängt mit Regen an, ruft nicht viel Gutes auf den Plan.“

Aber dagegen:

„Strahlt Neujahr im Sonnenschein, wird das Jahr wohl fruchtbar sein.“

Januar

Der Januar (lat. mensis Ianuarius) ist der erste Monat des Julianischen sowie des Gregorianischen Kalenders mit 31 Tagen. Im altrömischen Kalender war der Ianuarius ursprünglich der elfte Monat und hatte 29 Tage.

Alte Namen wie „Wintarmonath“, „Eismond“, „Schneemond“ oder „Hartung“ (= vom althochdeutschen „hartimanod“) deuten alle auf die Winterzeit mit Schnee, Eis, Kälte und Frost, also auf den kältesten Monat des Jahres hin. Aus dem Altgermanischen ist der Name „Thormanoth“ überliefert, der sich auf die Verehrung des Gottes Thor (Donar) bezieht. Der Name „Wolfsmond“ erinnert an die Paarungszeit der Wölfe. Für die Landwirtschaft war es der „Dreschmonat“: In der Winterzeit wurde früher das Korn gedroschen. Für ein gutes Erntejahr war das Wetter in der Winterzeit für die Bauern von zentraler Bedeutung:

Dreikönig oder Epiphanie (6. Januar)

„Epiphanie“ (griech. „epiphaneia“) bedeutet „Erscheinung“ und wird auch „das zweite Weihnachtsfest“ genannt. Am Dreikönigstag feiern die Christen „die Erscheinung des Herrn“.

Im Matthäusevangelium wird von Magiern berichtet, die einen Stern im Morgenland gesehen hatten, dem sie folgten und nach dem „neugeborenen König“ der Juden suchten, den die Propheten angekündigt hatten. Diese Magier waren im weiteren Sinne Astrologen, Seher und Orakeldeuter, von Königen war erst einmal nicht die Rede. Vermutlich kamen sie aus Chaldäa, einem Zentrum der Kunst des Sterndeutens.

Das „Erden-Bettuch“ schützt die Natur und bietet auch für Spaziergänger Licht und Ruhe.

Die Überlieferung, die diese Magier schließlich zu Königen machte, wird erstmals im 6. Jahrhundert belegt. Die Namen der Könige, Kaspar, Melchior und Balthasar, wurden im 9. Jahrhundert erstmals genannt. Jeder Name steht für einen der damals bekannten Erdteile Europa, Afrika und Asien, aber auch für die drei Lebensalter: Jüngling (Melchior), Mann (Balthasar) und Greis (Kaspar).

Die Geschenke, die die Magier an der Krippe niederlegten, haben große Symbolkraft: Das Gold bezeichnet den einem König gebührenden Weisheitsschatz, der Weihrauch ist das ergebungsvolle Opfer und Gebet, die Myrre symbolisiert die rein haltende Kraft der Selbstbeherrschung.

Die wissenschaftliche Identität des Sterns von Bethlehem ist nicht belegbar. Die meist vertretene Theorie ist die der „Coniunctio magna“, der großen Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn, die damals für ein seltenes Himmelsschauspiel sorgten und als Zeichen der Geburt des geweissagten Königs von Israel gedeutet wurde.

In vielen Hochkulturen des Altertums galten Himmelsphänomene als Vorboten besonderer Geschichtsereignisse. In Altägypten, Mesopotamien, Persien und Medien unterschieden die Menschen damals noch nicht zwischen Sterndeutung (Astrologie) und Sternbeobachtung (Astronomie). Jegliche Sternkunde war damals zentraler Teil von Tradition und Kultur. Auch in der griechischen Philosophie war die Beobachtung des Sternenhimmels stets „auf das große Ganze“ gerichtet und trug für die Menschen wesentlich zur metaphysischen Erklärung der Welt bei.

BRAUCHTUM

Im Verlauf der Jahrhunderte entwickelte sich im christlichen Abendland vielfältiges Brauchtum um den Dreikönigstag.

Am Vorabend des Dreikönigstages beging man die Dreimahlsnacht mit einem Dreikönigsmahl als fröhliches Familienfest. Auf regional verschiedene Weise wurde ein König ausgelost, indem man in einen „Königskuchen“ eine Bohne, Mandel, Erbse oder eine Münze einbackte. Wer sie beim Essen fand, wurde zum König gekürt.

Als „Reichsheilige“ waren die Dreikönige Vorbild und Fürbitter der deutschen Könige und Kaiser. Sie galten als Helfer gegen Schicksalsschläge und wurden angerufen zum Schutz für Mensch, Vieh und Haus. Wegen ihrer Reise zum neugeborenen Jesuskind wurden sie auch Patrone der Reisenden und Pilger.

Im Mittelalter sprach man am Festtag Bannsprüche und Zauberformeln gegen Seuchen, Unglücksfälle, Krankheit und Feuer. Auch die bis heute erhaltenen Wirtshausnamen „Zum Sternen“, „Zur Krone“ oder „Zum Mohren“ künden von der Verehrung der drei Könige.

Im 16. Jahrhundert entstand der Brauch, dass Kloster- und Chorschüler, verkleidet als Könige, von Haus zu Haus zogen und mit Liedern und Segenssprüchen von den Hausbewohnern milde Gaben erbaten. Dieser Brauch wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen; heute wird in deutschen Diözesen die Sternsingeraktion „Kinder für Kinder“ praktiziert.

Die sternsingenden „Könige“ schreiben an die Haustüren die Buchstaben C – M – B zur Abkürzung des lateinischen Segensspruches: Christus Mansionem Benedicat (Christus segne diese Wohnung/dieses Haus).

In der kirchlichen Liturgie wurde am Dreikönigstag – ähnlich wie in der Osternacht – Taufwasser geweiht. Mit diesem Weihwasser wurde getauft, die Menschen durften es aber auch mit nach Hause nehmen, man sprach ihm große Heilkraft bei Menschen und Tieren zu.