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Buen Pedalo – Kuba auf 2 Rädern erzählt von der verrückten Idee, als Ü-60er auf eigene Faust und per Fahrrad Kuba zu entdecken. Nach dem Motto von Paul Coelho "Wer denkt, Abenteuer seien gefährlich, der sollte es mal mit Routine versuchen: die ist tödlich." sind die beiden Radler im Februar gestartet und waren rund 400 Kilometer durch den westlichen und mittleren Teil der Karibikinsel unterwegs. Die Leser werden mitgenommen auf die Tour durch die üppige und unberührte Natur der Tropen, die koloniale Ver-gangenheit der Städte und die oft winzigen Dörfer, in denen das Leben in anderen Bahnen verläuft. Gekämpft werden musste - manchmal bis zur völligen Er-schöpfung - gegen den teilweise außergewöhnlich schlechten Zustand der Straßen, die hügeligen Strecken und die große Hitze. Kennengelernt wurden interessante und sympathische Menschen, die in schwierigen Verhältnissen auf der "Grünen Insel" leben. Und schließlich wird gezeigt, dass mit Improvisations-Talent, der Hilfe freundlicher Kubaner und einem Quäntchen Glück auch kritische Situationen gemeistert werden können. Das Reisetagebuch soll für alle Ansporn sein, dieses oder Ähnliches zu unternehmen. Denn wer rastet, der rostet. Das gilt für Jung und für Alt.
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Seitenzahl: 83
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Buen Pedalo - Kuba auf 2 Rädern
Ein Reisetagebuch
Impressum
Texte: © 2022 Copyright by Andreas Paffhausen
Wallerie Kaufmann-Schmider
Umschlag: © 2022 Copyright by Andreas Paffhausen
Wallerie Kaufmann-Schmider
Verantwortlich
für den Inhalt: Dr. Andreas Paffhausen
Am Waschberg 5
53545 Linz am Rhein
Unsere Reiseroute
Inhalt
Kuba lockt
Von Frankfurt nach Varadero
Havanna – zwischen Glanz und Trash
Havanna – Musik liegt in der Luft
Von Havanna nach Las Terrazas
Von Las Terrazas nach Soroa
Von Soroa nach San Diego de los Baños
Von San Diego de los Baños nach Viñales
Im Viñales-Tal bei den Tabakbauern
Von Viñales nach Playa Girón
Playa Girón in der Schweinebucht
Von Playa Girón nach Cienfuegos
Von Cienfuegos nach Trinidad
Trinidad und die Zuckerbarone
Von Trinidad nach Topes de Collantes
Von Topes de Collantes nach Hanabanilla
Von Hanabanilla nach Santa Clara
Von Santa Clara nach Varadero
Das Meer genießen in Varadero
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt
Kuba lockt
„Hola, hola!“, rufen die Kubaner, wenn sie uns auf dem Fahrrad, auf dem Pferd, zu Fuß oder sonst wie begegnen. „Hola, hola!“, schallt es auch von uns wieder zurück. In die Karibik haben wir uns aufgemacht und waren auf zwei Rädern in Kuba unterwegs. Wie ist es dazu gekommen, wie fing so alles an?
Wir sind zwei leidenschaftliche Radfahrer und haben schon einige Touren gemeinsam unternommen – sowohl in Deutschland als auch im europäischen Ausland. Nach der Radreise im vergangenen Jahr durch das unwegsame Litauen wächst die Idee heran, noch einmal etwas ganz Großes oder gar Verrücktes in Angriff zu nehmen. Aber als Ü-60er und dann noch während der Corona-Pandemie?
Plötzlich steht Kuba als neues Reiseziel im Raum, die größte Insel der Antillen, weit entfernt in der Karibik. „Ja, geht’s nicht noch weiter?“ „Seid ihr jetzt völlig übergeschnappt?“, hörten wir aus unseren Familien oder von Freunden, bei denen wir unsere Überlegungen schon mal ansprachen. Und: „Das ist doch viel zu gefährlich!“
Aber wenn man von einer Sache überzeugt ist, sieht man die Dinge etwas anders und ignoriert auch vielleicht den einen oder anderen „gut gemeinten Ratschlag“. Der Reiz für uns, auf die kommunistische Karibikinsel zu fahren, lag darin, das Land mit seiner üppigen Natur und seiner kolonialen Vergangenheit zu entdecken. Denn dieser Inselstaat soll im Vergleich zum übrigen Mittelamerika seine Ursprünglichkeit weitestgehend bewahrt haben.
Sicher wäre es leichter gewesen, die Reise mit dem Auto oder einem Bus zu unternehmen, da Kuba doch auch sehr hügelig ist und mit großer Hitze zu rechnen ist. Alle diese Herausforderungen weckten unseren Unternehmungsgeist. Unsere Recherchen ergaben, dass gerade Kuba ein Land für Fahrradfahrer ist. Es fehlen zwar die Radwege, dafür gibt es jedoch nur wenig Autoverkehr auf den Land- und Überlandstraßen.
Natürlich sind wir keine Hasardeure, die unkalkulierbare, hohe Risiken eingehen, eher zuversichtliche Optimisten. Deswegen beschäftigten wir uns intensiv mit den möglichen Gefahren. Ganz oben an stand natürlich die Corona-Situation. In Kuba liegt die allgemeine Impfquote bei 90 Prozent, und wir sind der Meinung, ausreichend geimpft zu sein.
Vor zwei Jahren sind wir mehr als 1.000 Kilometer auf dem Jakobuspilgerweg durch Frankreich geradelt, im letzten Jahr rund 400 Kilometer durch das Baltikum von der Kurischen Nehrung entlang der Memel bis nach Vilnius. Auf beiden Touren haben wir uns tapfer durchgeschlagen und viele positive Erfahrungen sammeln können.
Obwohl wir dem Teenager-Alter längst entwachsen sind, trauten wir uns dieses Abenteuer zu und waren voller Zuversicht, auch in diesem fernen Land unseren Weg zu finden. Unsere körperlichen Grenzen waren uns demnach gut bekannt. Die Länge der einzelnen Etappen mussten mit dem Höhenprofil der Strecke abgestimmt werden. Ebenso war das zusätzliche Gewicht für die Packtaschen zu berücksichtigen. Hierbei musste natürlich alles Überflüssige an Kleidung und Kosmetika daheim bleiben. Kein Gramm durfte zu viel sein.
Da die Monate Februar und März meistens bei uns recht kalt und trübe sind, für Kuba wiederum zur idealen Reisezeit gehören, wählten wir diesen Zeitraum für unsere Tour aus. Die hohen Temperaturen in dieser Jahreszeit in Kuba mussten wir schon bedenken. Um die 30 Grad konnte es werden. Auch hierbei waren wir zuversichtlich, allzeit eine Möglichkeit zur Abkühlung zu finden. Dabei durften wir jedoch nicht zu kritisch sein. Bei unserer Tour durch Frankreich nutzten wir beispielsweise das kühle Nass aus einer Blechkanne auf einem Dorffriedhof, das uns die Rettung brachte.
Daher nahm die Idee rasch Gestalt an, so nach dem Motto: „Wenn nicht jetzt, wann dann!“
Aber wie sollte die ganze Sache ablaufen, und wer konnte uns bei der Planung behilflich sein? Von Anfang an waren wir uns darüber einig, nicht in einer geführten Gruppe zu radeln, sondern wieder einmal auf eigene Faust zu reisen. Somit können wir frei entscheiden, welchen Weg wir einschlagen, wann wir täglich losfahren, wann wir Pausen machen wollen oder müssen und, und, und… Unsere Erfahrungen haben uns außerdem gezeigt, dass ein Kennenlernen Von Land und Leuten auf diese Weise sehr gut möglich ist.
Wir sammelten über unser Reiseziel alles an Informationsmaterial, was zu bekommen war, dazu unterschiedliche Straßenkarten und Reiseführer. Die Planung im Detail konnte endlich beginnen. Dies stellte sich alsbald als keine geringe Herausforderung dar. Denn die Karten offenbarten uns große Fläche in Grün, wenige Straßen und eine einzige Autobahn von West nach Ost. Gerade die Orte, an denen wir interessiert waren, befanden sich hier. Nun galt es, eine Route durch West- und Zentralkuba zusammenzustellen.
Die Planung einer Radtour ist eher eine nüchterne und strukturierte Sache. Diesmal entwickelte sich daraus eine immer größer werdende Vorfreude, und unsere Erwartungen auf dieses Erlebnis nahmen von Planungsschritt zu Planungsschritt zu.
Wir haben unseren Aufenthalt in Kuba in drei Bereiche eingeteilt, um ein abgerundetes Programm zu haben:
Als Teil 1 ist ein etwas längerer Besuch der Hauptstadt Havanna vorgesehen. Wir wollten uns die Besonderheiten dieser Metropole anschauen und die quirlige Millionenstadt erleben. Außerdem mussten wir uns etwas akklimatisieren, die Räder und Packtaschen übernehmen und unsere großen Koffer deponieren.
Teil 2 und Kern der gesamten Reise ist dann die Rundtour mit den Rädern.
Und schließlich Teil 3 - sozusagen als Belohnung - ein paar Tage baden im Meer und relaxen am Strand der Karibikinsel.
Unseren Reiseplan stimmten wir mit einer Reiseagentur ab, die vor Ort tätig ist. Sie buchte für uns die Flüge, die Übernachtungen, verschiedene Transfers für die größeren Distanzen zwischen den Etappenzielen und mietete die Räder.
Man glaubt ja gar nicht, was alles beachtet und organisiert werden muss. Dass der Reisepass noch sechs Monate gültig sein muss, kennt man ja schon von anderen Reisen in ferne Länder. Zur Einreise nach Kuba wird auch eine Touristenkarte benötigt, die zu einem Aufenthalt von 30 Tagen berechtigt und auf der alle Angaben fehlerfrei gemacht werden müssen. Sonst gibt es Ärger mit den Behörden. Auch eine Reiseversicherung wurde abgeschlossen - selbstverständlich mit Covid-19-Schutz.
Nachdem das alles erledigt war, wurden wir darüber informiert, dass zur Einreise zusätzlich auch ein negativer PCR-Test vorgelegt werden müsse, der nicht älter als 72 Stunden bei Reisebeginn sein dürfe. Diese Mitteilung trieb natürlich unseren Puls nochmals etwas in die Höhe. Denn was wäre, wenn hier etwas schief liefe? Die Koffer waren gepackt, alles war vorbereitet, gebucht und bezahlt. Dann würde wohl alles platzen, sollte einer von uns ein positives Ergebnis haben. Nervös waren wir schon, bis dann endlich die erlösende Nachricht aus den Labors kam. Nun war alles klar; das für uns große Abenteuer konnte beginnen.
Auch danach hieß die Devise „jedes Risiko vermeiden“. Auf den letzten Metern durfte nichts mehr passieren. Also trafen wir uns einen Tag vor dem Abflug in Frankfurt. Denn schon bei anderen Anreisen hatten wir schmerzhaft erleben müssen, dass manchmal „ der Wurm drin sein kann“.
Um eben auf Sicherheit zu gehen, nach der hektischen Phase der Vorbereitungen etwas abzuspannen und vom Alltag zu Hause besser loszukommen, fuhren wir aus unseren Wohnorten im Rheinland und im Frankenland einen Tag früher in die Mainmetropole. Bei einem Abendessen wurden die Einzelheiten der Tour nochmals durchgesprochen. Kuba wir kommen!
Von Frankfurt nach Varadero
Nach dem Frühstück bringt uns ein Taxi zum Frankfurter Flughafen. Am Check-In-Schalter legen wir Pass und Einreiseunterlagen vor und unsere Koffer aufs Band. Die freundliche Mitarbeiterin schaut sich alles an und weist uns dann daraufhin, dass für die Einreise nach Kuba auch noch ein weiteres spezielles Formular notwendig sei. Dies könne nur von einem Reisebüro ausgestellt werden. Das Einchecken wird daraufhin abgebrochen, die Unterlagen werden wieder zusammengepackt und die Koffer vom Band genommen. Also alles wieder auf null.
Wir laufen etwas unsortiert durch die Abflughalle, sprechen an verschiedenen Schaltern vor und werden an andere Stellen verwiesen. Also läuft doch nicht alles so reibungslos, wie gedacht. Aber es ist ja noch genügend Zeit. Wir sprechen dann den Mitarbeiter eines Reisebüros an, der sofort Bescheid weiß, was wir haben wollen. Gegen 50 Euro pro Person könne er das Ausfüllen des Formulars – wie wir später erfahren im System „D’Viajeros“ – für uns übernehmen. Das Ganze dauert noch keine 10 Minuten; Hauptsache ist, es kann weitergehen.
Nun stellen wir uns ein weiteres Mal in die Warteschlange vor dem Condor-Schalter, und endlich erfolgt das Einchecken völlig problemlos. Für uns unverständlich ist dabei, dass wir weder den Nachweis für die Impfungen noch den unbedingt erforderlichen PCR-Test vorlegen müssen. Auch die Waage für die Koffer ist keine Hürde und zeigt trotz der vielen Utensilien, die wir für die Radreise eingepackt haben, kein Übergewicht. Nun noch durch die Sicherheitskontrolle, und dann atmen wir hörbar auf.
