Bundle: Winter Games 1-3 - Piper Rayne - E-Book

Bundle: Winter Games 1-3 E-Book

Piper Rayne

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Beschreibung

Willkommen bei den Winter Classics! Cold as Ice Der Wettbewerb bei den Winter Classics ist hart genug. Aber die gesamte Pressetour mit einer Frau verbringen zu müssen, die mich hasst? Karma ist wirklich ein Miststück! Während Mia mich seit vier Jahren wegen dem, was zwischen ihrem Bruder und mir passiert ist, verabscheut, habe ich daran gearbeitet, die Schuldgefühle zu ignorieren, die an mir nagen. Als sie früher versucht hat, auf der Piste mit uns mitzuhalten, habe ich sie kaum wahrgenommen. Nun bereiten wir uns beide darauf vor, um Gold zu kämpfen, und sie geht mir nicht mehr aus dem Kopf …  *** On thin Ice Mein Leben ist wie eine große Party. Ich bin ein bisschen laut und manche finden mich zu direkt, aber mit mir hast du eine gute Zeit.  Außer du heißt Demi Harrison. Dann tust du so, als wäre ich der Teufel persönlich. Was keinen Sinn ergibt, denn bei den letzten Winterspielen habe ich deine Welt gerockt.   Wie auch immer, ich muss mich darauf konzentrieren, Gold zu gewinnen. Ich war ganz vorne mit dabei, doch seit die Winter Classics begonnen haben, habe ich meinen Biss verloren. Ich bin nicht abergläubisch, aber es gibt nur einen Unterschied zwischen meinen früheren Medaillengewinnen und diesen Spielen – Demi. Ich habe in der Vergangenheit erstaunliche Kunststücke vollbracht, aber um sie zu überreden, mir zu verzeihen, könnte ich Unterstützung vom Schicksal gebrauchen.  *** Break the Ice Zu dieser Zeit des Jahres hänge ich normalerweise mein Snowboard weg und entspanne mich. Aber nicht dieses Jahr. Dieses Jahr muss ich mit dem umgehen, was mir das Schicksal bei den Winterspielen beschert hat – nein, nicht Gold. Einen gebrochenen Arm. Weil ich meiner Familie nicht nahestehe, komme ich in der Blockhütte meiner besten Freundin Skylar unter. Allerdings kann es die Gefühle ganz schön durcheinanderbringen, wenn deine großartige, attraktive Single-Freundin sich um dich kümmert. Deshalb habe ich mich entschieden, ihr zu helfen, sich einen festen Freund zu suchen. Ja, richtig gehört. Ich werde mich durch die Datingapps wühlen und den perfekten Mann für sie finden. Der beste Weg, um mich an meinen Platz in ihrem Leben zu erinnern, oder? Ich kann damit umgehen. Ich kenne mich mit Schmerzen aus. Ich bin immer noch ein olympischer Wintersportler!

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Wenn Ihnen diese Romane gefallen haben, schreiben Sie uns unter Nennung der Titel »Cold as Ice«, »On thin Ice« und »Break the Ice« an [email protected], und wir empfehlen Ihnen gerne vergleichbare Bücher.
 
© Piper Verlag GmbH, München 2025Dieses ebook enthält die Romane »Cold as Ice«, »On thin Ice« und »Break the Ice« von Piper Rayne© COLD AS ICE by Piper Rayne 2018© ON THIN ICE by Piper Rayne 2018© BREAK THE ICE by Piper Rayne 2018© der deutschsprachigen Ausgabe: Piper Verlag GmbH, München 2024Übersetzung aus dem Amerikanischen: Anne MorgenrauKonvertierung auf Grundlage eines CSS-Layouts von digital publishing competence (München) mit abavo vlow (Buchloe)Originalcovergestaltung: Giessel DesignCovermotive: Bilder unter Lizenzierung von Shutterstock.com genutztAlle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.Wir behalten uns eine Nutzung des Werks für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG vor.In diesem E-Book befinden sich Verlinkungen zu Webseiten Dritter. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass sich der Piper Verlag die Inhalte Dritter nicht zu eigen macht, für die Inhalte nicht verantwortlich ist und keine Haftung übernimmt.
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Wenn Ihnen dieser Roman gefallen hat, schreiben Sie uns unter Nennung des Titels »Cold as Ice« an [email protected], und wir empfehlen Ihnen gerne vergleichbare Bücher.

Deutsche Erstausgabe

© COLD AS ICE by Piper Rayne 2018

© der deutschsprachigen Ausgabe: Piper Verlag GmbH, München 2023

Übersetzung aus dem Amerikanischen: Anne Morgenrau

Sprachredaktion: Mira Manger

Konvertierung auf Grundlage eines CSS-Layouts von digital publishing competence (München) mit abavo vlow (Buchloe)

Covergestaltung: Giessel Design

Covermotiv: Bilder unter Lizenzierung von Shutterstock.com genutzt

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

Wir behalten uns eine Nutzung des Werks für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG vor.

In diesem E-Book befinden sich Verlinkungen zu Webseiten Dritter. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass sich der Piper Verlag die Inhalte Dritter nicht zu eigen macht, für die Inhalte nicht verantwortlich ist und keine Haftung übernimmt.

Inhalt

Inhaltsübersicht

Cover & Impressum

Widmung

Info

Kapitel Eins

Kapitel Zwei

Kapitel Drei

Kapitel Vier

Kapitel Fünf

Kapitel Sechs

Kapitel Sieben

Kapitel Acht

Kapitel Neun

Kapitel Zehn

Kapitel Elf

Kapitel Zwölf

Kapitel Dreizehn

Kapitel Vierzehn

Kapitel Fünfzehn

Kapitel Sechzehn

Kapitel Siebzehn

Kapitel Achtzehn

Kapitel Neunzehn

Kapitel Zwanzig

Kapitel Einundzwanzig

Kapitel Zweiundzwanzig

Kapitel Dreiundzwanzig

Kapitel Vierundzwanzig

Kapitel Fünfundzwanzig

Kapitel Sechsundzwanzig

EPILOG

VERRÜCKTES EINHORNGEPLAUDER

Buchnavigation

Inhaltsübersicht

Cover

Textanfang

Impressum

Für Ellie und Shawna.

Danke, dass ihr schneller seid, als die Jungs von der Gang der Winter Games auf dem Snowboard den Berg hinunterrasen können.

An die Leser:innen: Anstelle der geschützten Bezeichnung Olympische Spiele haben wir den Begriff Winter Classics benutzt. Und auch sonst haben wir uns die eine oder andere kreative Freiheit erlaubt.

Kapitel Eins

Ein frischer Wind weht um die von Scheinwerfern angestrahlte Halfpipe, die sich wie ein Leuchtfeuer von der dunklen Umgebung abhebt. Ich lasse das Board zur Startposition gleiten und fahre in die Halfpipe ein. In meinen Ohren dröhnt Musik, der Schnee knirscht unter meinem Gewicht. Nervosität und Aufregung verschwinden, und mein Körper schaltet auf Autopilot. Als ich über die Kante fliege, komme ich höher als je zuvor im Training. Blitzlichter leuchten auf, das Gebrüll der Menge geht beinahe in Eminems Till I Collapse unter. Nach der Landung rase ich an der anderen Wand wieder hinauf, schlage einen Salto und drehe mich in der Luft um die Längsachse, bis das Board wieder auf dem Boden landet, und dann mache ich das Ganze noch einmal von vorn.

Die Blitzlichter, die jubelnde Menge und die Musik rücken in den Hintergrund, bis ich den Zustand erreiche, den ich jedes Mal anstrebe – das Gefühl, komplett im Moment und völlig auf mein Ziel konzentriert zu sein. Schließlich erreiche ich das Ende der Halfpipe und stoße beim Anhalten die Faust in die Luft. Ich schicke ein kleines Dankgebet gen Himmel, weil ich nicht gestürzt bin, schiebe die Schutzbrille hoch und klatsche ein paar Fans ab, die sich am Rand der Halfpipe aufhalten.

Ich löse die Stiefel vom Board und stelle mich auf den dafür vorgesehenen Punkt, den Blick auf die Anzeigetafel mit den Ergebnissen gerichtet. War meine Performance gut genug, um mich für die Winter Classics zu qualifizieren? Auf dem Hügel voller Zuschauer wird es still, und mit jeder Sekunde wachsen meine Zweifel daran, dass die Fahrt tatsächlich so gut war, wie sie sich anfühlte. Endlich leuchtet mein Ergebnis auf der Tafel auf, und die Menge brüllt lauter, als mir kurz vor dem Drop-in das Blut in den Ohren gerauscht hat.

Dax und Beckett, meine Kumpel und Snowboarding-Kollegen, kommen von der Seitenlinie angerannt und ringen mich mit ihren Glückwünschen nieder, bis ich rücklings im Schnee lande.

»Du hast es geschafft!« Dax schüttelt mich und packt mich an der Jacke, um mich wieder hochzuziehen.

Er legt mir einen Arm um die Schultern, und wir verlassen breit grinsend die Halfpipe, damit der nächste Fahrer starten kann. Aber wir haben das aufblasbare Tor kaum hinter uns gelassen, da stellt sich uns ein Reporter in den Weg. Er hält mir ein Mikrofon vor die Nase, und Dax und Beckett lachen.

»Sie gehören jetzt offiziell zur Mannschaft für Korea, Grady. Wie fühlen Sie sich?« Nik, ein Ex-Snowboarder, der seit den letzten Winter Classics vor fast vier Jahren als Reporter arbeitet, lächelt mich an.

Ich lächele zurück. Dax boxt mir gegen den Arm, ehe er mit Beckett zusammen verschwindet. Hoffentlich stehen die beiden morgen auch an dem Punkt, an dem ich jetzt bin. »Ich fühle mich sehr gut«, sage ich. »Ich habe Glück gehabt.«

Seit sechs Jahren immer wieder dieselben Fragen.

»Ich glaube, Glück kann man das nicht nennen. Sie sind fehlerfrei gefahren, und Sie scheinen Ihre Tricks bei jeder Fahrt erneut zu toppen.«

»Sie wissen doch, Nik, in der Saisonpause heißt es üben, üben und nochmals üben.«

Er klopft mir auf den Rücken. »Nun, Ihr Fleiß hat sich bezahlt gemacht. Ruhen Sie sich ein bisschen aus.«

»Ich bleibe heute Abend noch hier.«

»Vermutlich, um zu sehen, wie sich Matt Peterson schlägt?«, fragt Nik mit hochgezogener Augenbraue.

Seit ungefähr einem Jahr lieben es die Reporter, mich mit diesem Senkrechtstarter unter Druck zu setzen, der aussieht, als hätte er gestern noch Windeln getragen. Im Gegensatz zu mir hat er keine Sponsoren. Er hat auch keine eigene Halfpipe wie ich, die im vergangenen Jahr speziell und ausschließlich für mein Training gebaut wurde. Vielleicht wird das nächste Jahr sein Jahr, wenn ich mich vom Sport und aus der Szene zurückziehe, aber solange ich dabei bin, wird er nicht ganz oben auf dem Treppchen stehen. Denkt an meine Worte.

»Klar, die Konkurrenz darf man nie aus den Augen lassen«, sage ich und hoffe, dass mein Lachen einigermaßen echt klingt. »Man will ja nicht zurückfallen.«

Nik schüttelt lachend den Kopf. »Und nicht vergessen, in einer Stunde sind die Frauen an der Reihe. Ich bin neugierig auf Mia Salter; es heißt, sie sei eine Art weiblicher Grady Kale.«

Mein Magen droht zu rebellieren. »Sie trainiert hart, das war also durchaus zu erwarten.«

»Manche Leute behaupten, sie sei hier, um den Namen ihrer Familie zu verteidigen.«

Ich beiße die Zähne zusammen und starre Nik durchdringend an. Was zum Teufel will dieser Typ von mir?

»Tja, jeder Boarder hat seine eigene Motivation, würde ich sagen. War nett, mit Ihnen zu reden, Nik. Man sieht sich.«

Damit drehe ich mich um und gehe fort. Dax und Beckett blicken jetzt böse in Niks Richtung. Er war mal einer von uns. Er war dabei, als alles geschah.

»Da haben Sie es, meine Damen, der berühmte Grady Kale erringt in der ersten Qualifikation – der Halfpipe – als Erster einen Platz im Winter-Classics-Team. Und wer behauptet ernsthaft, er hätte heute Abend etwas anderes erwartet? Nun also zurück zu dir, Barb.«

Der Kameramann lässt die Kamera sinken, und Niks Stiefel knirschen im Schnee, Sekunden bevor er erneut neben mir auftaucht. »Hey, Rogue.« Er benutzt meinen Spitznamen. »Du verstehst sicher, dass ich meinen Platz erst noch finden muss«, sagt er.

Ich hole tief Luft und nicke.

»Ich meine, nach den letzten Winter Classics und angesichts der Tatsache, dass Mia Brandons Schwester ist …«

Ich nicke noch einmal.

»Verdammter Verräter«, faucht Dax, und nun gilt Niks Aufmerksamkeit ihm.

»Halt du dich da raus, Soups«, sagt er und richtet den Blick erneut auf mich. »Ich wollte keine alten Wunden aufreißen. Der Sender verlangt nun mal von mir, dass ich Fragen stelle. Ihr wisst ja, das wird eine Riesenstory dieses Jahr mit dir und Mia in ein und demselben Team.«

»Mach dir keine Gedanken. Ist keine große Sache.« Ich klopfe ihm auf die Schulter und setze ein Lächeln auf.

Er nickt, dann geht er zu seinem Kameramann, um sich auf die nächste Aufnahme vorzubereiten, während ich mit meinen Freunden am Rand der Halfpipe Stellung beziehe, um zuzusehen, wie Matt Peterson meinen Platz einzunehmen versucht.

Die Menge feuert ihn an; Jugendliche halten ausgeschnittene Fotos von Matt hoch, während er sich zum Start begibt.

»Der Typ kann dir gar nichts«, sagt Beckett neben mir.

Es nervt mich tierisch, dass Dax und Beckett anscheinend ständig das Bedürfnis haben, mich zu beruhigen. Denn damit unterstellen sie mir, dass ich beruhigt werden muss. Matt hat Eier, und genau das entscheidet in diesem Business darüber, ob man mit einer Medaille nach Hause geht oder nicht. Aber er ist zu unerfahren. Er ist noch nicht so weit.

Matt saust in die Halfpipe, und ich sehe ihn nicht als Ganzes – als Snowboarder, der die Wand hinunterfährt –, sondern beobachte jede noch so kleine Bewegung seines Körpers. Wie er sich vorbeugt, wann er in die Knie geht, wie er die Schultern hält oder das Gewicht verlagert, wie er bei der Landung auf dem Board steht. Der Typ hat was drauf, und das sage ich nicht, weil er mir die ganze Saison auf den Fersen war. In diesem Moment rast er an der Südwand hoch, und die Zuschauer reißen die Arme hoch, als er einen Steilflug hinlegt.

»Fuck, was denkt sich der Junge bloß dabei?«, höre ich Dax neben mir. Wir fragen uns alle drei, ob Matt jemals aufhören wird, sich zu drehen, um tatsächlich auf dem Boden zu landen.

»Fuck!«, wiederholt Beckett.

Ich zucke zusammen, kann nicht hinsehen, als Matts Körper auf den Boden der Pipe stürzt. Eine gefühlte Ewigkeit bleibt er dort liegen, setzt sich aber nach einigen Sekunden zum Glück wieder auf. Er reißt sich den Helm vom Kopf und schleudert ihn weg. Rotierend wie ein Kreisel erreicht das Ding das Ende der Pipe, während Trainer und medizinisches Personal auf Matt zustürmen. Doch er lehnt jede Hilfe ab und befreit sich selbst von seinem Board. Er würdigt die Menge keines Blickes, sondern hält den Kopf gesenkt. Ich kann ihn zwar nicht hören, schließe aber aus der Bewegung seiner Lippen, dass er sich gerade selbst verflucht.

»Der Junge sollte solche Tricks vorher mal in der Schaumgrube ausprobieren«, sagt Beckett kopfschüttelnd.

»Aber wenn er es schafft …« Dax mustert mich mit hochgezogenen Brauen.

Ich werde selbst meinen Airbag benutzen müssen, um diesen Trick zu meistern und meinen Vorsprung zu verteidigen.

Das Ergebnis erscheint auf der Anzeigetafel, aber er sieht gar nicht hin. Ziemlich blöd, und genau das ist es auch, was ihn von mir unterscheidet. Spar dir das verrückte Zeug fürs Training auf und führ nie einen Trick vor, bevor du ihn nicht beherrscht und mit Sicherheit weißt, dass du mit beiden Füßen wieder auf dem Boden landen wirst.

»Ich brauche einen Drink«, verkünde ich, nehme mein Board und mache mich auf den Weg durch die Menge.

Fans und Freunde halten mich auf, um mir zu gratulieren. Dax und Beckett holen mich ein, positionieren sich links und rechts von mir.

»Du zahlst.« Dax’ Hand landet auf meiner Schulter.

»Tue ich das nicht immer?«, versetze ich trocken.

Aber diesmal macht es mir nichts aus, denn ich weiß, dass ich mit ihm als Konkurrenz morgen Abend leichtes Spiel haben werde.

Die Stimme des Kommentators ertönt aus den Lautsprechern: »Als Nächstes folgt der Halfpipe-Wettbewerb der Frauen. Ich setze auf Mia Salter.«

»Ich denke, da ist das Publikum ganz deiner Meinung«, stimmt ihm der zweite Sprecher zu.

Auf der elektronischen Anzeigetafel erscheint ein Bild von Mia. Ich werfe einen kurzen Blick darauf und steuere dann weiter auf die Bar zu, die vor mir liegt.

Da ist es wieder, das mulmige Gefühl in meinem Magen, das sich immer einstellt, wenn ich den Namen Salter lese oder höre. Nach fast vier Jahren habe ich mich daran gewöhnt.

Verdammt noch mal, ich will endlich einen Drink.

Kapitel Zwei

Ich recke den Hals und starre auf den verschneiten Hügel voller verdammter Anfänger auf der Suche nach Platz. Die Vorbereitungen auf die Classics bringen mich total durcheinander, weil die verschiedenen Facetten meines Charakters an die Oberfläche drängen. Die verantwortungsvolle Seite, die weiß, dass ich hier einen Job zu erledigen habe. Die technische Seite, die alle Senken und Kurven der Piste betrachtet und die beste Route nach unten berechnet. Und das Kind in mir, das sich auf die Gelegenheit freut, im Pulverschnee herumzutoben.

Die grausamen Trainingsstunden werden nach diesem Boxenstopp weitergehen, aber jetzt muss ich meine Batterien wieder aufladen und mich daran erinnern, warum ich diesen Sport so sehr liebe. Nichts eignet sich dafür besser als ein bisschen Zeit für mich auf der Piste, abgesehen vielleicht von einem Trip ins Hinterland, um einen neuen Lieblingsort zu entdecken.

»Da bist du ja!«, ruft Candice, meine Sportagentin. Der kalte Wind bläst ihr die blonden Haare ins Gesicht, ein Fuß fliegt in die Luft und kündigt ihren Sturz an.

Ich greife nach ihrem Arm, womit ich den Sturz zwar nicht verhindern kann, aber wenigstens schlägt sie nicht mit dem Kopf auf dem vereisten Boden auf.

»Das muss ein Zeichen sein, dass ich keine Wintersportler mehr unter Vertrag nehmen sollte.« Sie lacht über sich selbst, steht auf und wischt sich den Schnee vom Hintern.

Candice ist eingepackt, als würden wir den Tag in Kanada verbringen. Wie soll das werden, wenn sie mir irgendwann zu Events dorthin folgen muss? In der Zukunft sehe ich sie eher in einer Hütte in einem weichen Ledersessel sitzen.

»Also, wo sind die Kameras?«, frage ich.

»Wir müssen auf die andere Seite des Hügels. Dort haben sie eine Abfahrt für zwei Stunden gesperrt. Sieh zu, dass du nicht stürzt und es gleich beim ersten Mal hinkriegst.«

Candice hakt sich bei mir unter. Wahrscheinlich aus Sicherheitsgründen. Jedenfalls rede ich mir das ein, denn als mir mein Cousin Jagger, seines Zeichens Talentscout in Hollywood, Candice als Agentin empfahl, hat er gleich den Ratschlag hinterhergeschoben, Geschäftliches von Privatem zu trennen.

Wir führen ein wenig Small Talk, und plötzlich hält ein Schneemobil neben uns. Der Fahrer stellt sich vor, nimmt mein Board, schnallt es an die Maschine und reicht mir den Schlüssel.

Heute muss mein Glückstag sein.

Ich steige auf, und gerade als ich Gas geben und zu meinem Bestimmungsort rasen will, kommt Candice auf mich zu, auf Zehenspitzen, um ja nicht hinzufallen. Sie nimmt hinter mir Platz, drückt ihre Schenkel an meine und schlingt mir die Arme um die Taille, wobei sie die Wange an meinen Rücken drückt. »Sei lieb zu mir«, ruft sie über den Motorenlärm hinweg.

Bald darauf kommen wir auf der anderen Seite des Hügels an. Überall auf dem Hang sind Kameras aufgestellt, damit meine Abfahrt aus jeder Perspektive zu sehen ist, und das Logo des Sponsors wurde frisch in den Schnee gemalt.

Ich stelle den Motor aus. Candice steigt ab. Offenbar ist sie hier etwas sicherer auf den Beinen, denn auf dieser Seite des Bergs herrscht weitaus weniger Skibetrieb, sodass der Boden mehr Grip hat. Sie spricht kurz mit Hal, dem Kreativdirektor von Gasoline Energydrinks, und dann kommen die beiden zu mir. Ich warte schon auf ihre Anweisungen.

»Grady.« Hal reicht mir die Hand. »Gratuliere, dass du es ins Team geschafft hast.«

»Danke, Mann.« Ich schlage ein. »Freut mich, dich zu sehen.«

Er nickt. Wir haben ein gutes Arbeitsverhältnis. Ich tue, was er sagt, und versuche, ihm das Leben so leicht wie möglich zu machen. Im Gegenzug erzählt er seinen Chefs, dass sich mit mir gut arbeiten lässt und seine Firma mich weiterhin sponsern sollte.

»Ich habe Candice gerade gesagt, dass der andere Fahrer schon oben ist. Ihr werdet mit gleicher Geschwindigkeit abfahren und unten gleichzeitig anhalten. Dann nehmt ihr die Brille ab und sagt: ›Dank Gasoline Energydrinks werden wir in Korea unser Bestes geben.‹«

Ich nicke und merke mir meinen Satz. »Keine Nahaufnahmen heute?«

Hal lacht. »Nee. Das kommt erst, wenn du Gold geholt hast.« Er zwinkert, denn er weiß, dass ich mir so kurz vor den Classics keine Verletzung leisten kann. Aber ich erinnere mich noch verdammt gut an die Promo vom letzten Jahr, als wir mit dem Heli ins Hinterland geflogen sind.

»Okay«, sagt Hal, als sich ein Typ in meinem Alter nähert, auf das Schneemobil steigt und es anlässt. »Ollie bringt dich nach oben zum Startpunkt. Versuch, auf gleicher Höhe mit dem anderen Fahrer zu bleiben.«

Ich steige auf das Schneemobil und setze mir die Skibrille auf. »Wer ist denn der andere Fahrer?«, frage ich über den Motorenlärm hinweg.

Candice und Hal tauschen Blicke.

Verdammt.

»Egal«, sage ich und wende mich an Ollie: »Los geht’s.«

Er rast den Hügel hinauf, und je weiter es nach oben geht, desto stärker verkrampft sich mein Magen. Denn ich weiß, wer mich dort oben erwartet, und ich weiß auch, dass ihre Miene voller Hass sein wird. Wie immer.

In den Jahren seit dem Vorfall haben wir einander höchstens noch gegrüßt, und auch das nur in Gegenwart anderer. Sie hasst mich, was ich ihr nicht verübeln kann, andererseits ist die Sache inzwischen vier Jahre her. Zeit für sie, sich wie eine Erwachsene und wie die Profisportlerin zu benehmen, die sie sein will.

Als wir anhalten, schnallt Mia gerade ihr Board an. Sie reckt den Hintern in die Luft, nicht zu übersehen und ausgesprochen attraktiv. Verdammt, sie hat sich echt gemacht. Ihr früher so schlaksiger Körper ist unter beeindruckenden Kurven verschwunden.

Beim Geräusch des nahenden Schneemobils richtet sie sich auf und sieht mit derart kaltem Blick über die Schulter, dass es mich nicht wundern würde, wenn aus ihrer Richtung ein eiskalter Wind zu uns herüberwehen würde.

»Gratuliere, dass du es ins Team geschafft hast«, sage ich steif, steige von dem Schneemobil und bücke mich, um mir das Board unterzuschnallen.

»Danke gleichfalls.«

Wir reden so gestelzt und förmlich wie zwei Engländer, die sich auf eine Partie Krocket vorbereiten.

»Dann mal los.« Ich setze meine Skibrille auf, um die Sache schnell hinter mich zu bringen. Es kann nichts Gutes dabei herauskommen, wenn Mia Salter und ich längere Zeit miteinander allein sein müssen. Ich wende mich dem Hang zu und warte auf das Signal, dass wir startklar sind.

Mia schweigt, aber als ich verstohlen in ihre Richtung blicke, drückt ihre Haltung mehr aus, als wenn sie mich einfach anschreien würde. Ihr Rücken ist kerzengerade, die Fäuste sind geballt.

»Mia.« Ollie tippt ihr auf die Schulter. »Ich möchte, dass ihr zwei euch anseht.«

Aber gerne doch, Schätzchen. Gegen meinen Willen frage ich mich, wie sie wohl unter all diesen Kleiderschichten aussieht.

Ollie hebt beide Daumen. »Ich zähle bis drei. Versucht, beieinanderzubleiben. Sie wollen, dass ihr gleichzeitig zum Stehen kommt.«

Wir nicken beide.

Er hebt die Finger. Eins. Zwei. Drei.

Ich verlasse die Rampe als Erster, aber sie holt mich sofort ein. In gleichmäßigem Tempo wedeln wir die Piste hinunter. Nichts Wildes, keine Tricks. Nur eine gemütliche Runde den Berg hinunter, als hätten wir alle Zeit der Welt. Ich glaube, so was habe ich zuletzt gemacht, als ich fünf Jahre alt war.

Mia springt über eine Bodenwelle und hebt ein bisschen ab. Ich tue es ihr nach, erstens, weil es sonst todlangweilig wäre und zweitens, weil ich nicht zulassen werde, dass sie hier allein die Show macht. Also rase ich über eine andere Bodenwelle und drehe mich in der Luft.

Ich erhasche einen Blick auf Mia, die mich durch ihre Brille betrachtet. Vermutlich ist sie stinksauer. Ihr Konkurrenzdenken ist im Lauf der Jahre nur stärker geworden. Mag sein, dass ich ihrer Familie nicht mehr nahestehe, aber sie konnte es noch nie leiden, wenn ihr Bruder und ich sie bei der Abfahrt abgehängt haben. Sie schlängelt sich zwischen den Bäumen zu ihrer Rechten hindurch, ihr Körper hebt und senkt sich, während sie den natürlichen Hindernissen ausweicht. Ziemlich mutig für ein Mädchen, das sich gerade erst einen Startplatz bei den Winter Classics erkämpft hat.

Ich sollte besser auf der Piste bleiben. Ein paar lahme Tricks machen, die ich schon mit zehn draufhatte, aber … ach, scheiß drauf. Ich folge ihrer Spur, und bald darauf sause auch ich an den Bäumen vorbei und nehme an Fahrt auf. Wir rasen beide über einen Felssockel, vollführen einen Salto, wobei sie vermutlich genauso hoch in die Luft fliegt wie ich. Selbst wenn sich Mia Salter verrückt aufführt, bleibt sie vorsichtig und auf Sicherheit bedacht.

Wir landen und versuchen weiterhin, uns gegenseitig zu überholen, während wir an Baumstümpfen vorbeirasen, die unseren Karrieren, wenn nicht gar unseren Leben ein Ende setzen könnten.

Irgendwann trifft der Rand meines Boards einen Baum.

Schnee hüllt mich ein, dabei bleibt der Baum als einziger grüner Fleck auf dem Hang zurück.

Bald darauf gelangen wir wieder auf die Piste, wobei ich ein paar Sekunden vor ihr liege. Ich komme als Erster unten an und schabe dort eine Stelle in den Schnee, an der wir unsere Brillen abnehmen und in die Kamera blicken.

»Dank Gasoline Energydrinks werden wir in Korea unser Bestes geben«, sagen wir wie aus einem Mund.

»Cut!« Hal kommt zu uns herübergestapft, seine Stiefel hinterlassen große Abdrücke im Schnee. »Was zum Teufel war das denn? Dreht euch um.«

Mia und ich blicken uns zum ersten Mal wirklich in die Augen. Ihre sind leuchtend blau, die hellrosa Lippen passen zu ihren rosigen Wangen. Sie atmet schwer. Seit wann ist dieses Chick so heiß? Als ich sie keuchen höre, frage ich mich, ob sie sich genauso anhört, wenn sie gerade gekommen ist.

Kaum taucht dieser Gedanke auf, runzele ich die Stirn und schüttele den Kopf.

Woher zum Teufel kommt das denn?

Mia mustert mich böse, und mir läuft ein Schauer über den Rücken. »Was ist?«, fragt sie, eindeutig genervt.

»Hey, ihr beiden!« Ich löse den Blick von ihr und richte ihn auf Hal. »Die Kameras sind da vorn«, ruft er und deutet auf die Piste, an deren Rand sie strategisch platziert worden sind. »Ihr solltet nur eine gemütliche Abfahrt miteinander machen, nachdem ihr eure Plätze im Team errungen habt … und zwar in Reichweite der Kameras. Kein verdammter Wettbewerb darum, wer wen zwischen den Bäumen abhängen kann.«

Hal ist sauer, und ich kann es ihm nicht verdenken. Wir haben mit unserem Stunt eine Menge Zeit und Geld verschwendet.

»Ollie wird euch jetzt wieder hochbringen, und dann kommt ihr gemeinsam herunter, lächelt und habt Spaß. Verstanden?«

Ich nicke, doch Mia lässt sich nicht so leicht überzeugen.

»Ich bin keine Schauspielerin, sondern Snowboarderin«, sagt sie und klingt immer noch ziemlich genervt.

»Kann schon sein, aber wenn du weiterhin Schecks von Gasoline bekommen willst, solltest du an deinen Theaterkurs in der Schule denken und deinen Hintern auf diesen Berg bewegen.« Hal meint es ernst, seine Stimme verrät es laut und deutlich.

Gasoline ist mein Sponsor, seit ich zwölf war. Ich hoffe inständig, dass sie mir meine eigene Trainings-Halfpipe bauen, und ich will verdammt sein, wenn ich mir die Sache selbst versaue.

Ich gehe zum Schneemobil zurück, treffe dort aber auf Mia. Lächelnd deute ich auf die Maschine und sage: »Ladys first.«

Ihre Augen sind unter der Schutzbrille verborgen, aber ihr verkniffener Mund zeigt mir, wie sehr ihr die Sache unter die Haut geht.

Sie steigt auf, drückt sich das Board an die Brust und lässt sich von Ollie wieder auf den Berg bringen.

»Können wir uns jetzt bitte alle zivilisiert benehmen?« Candice taucht neben mir auf.

»Na klar«, sage ich und zwinkere ihr zu.

»Dein Grinsen sagt mir, dass du lügst, aber pass auf: Wenn du diese Promo hinkriegst, hast du erst mal eine Zeit lang Ruhe vor ihr.«

»Wusstest du, dass sie hier sein wird?«, frage ich, denn ich möchte wissen, warum sie mich nicht vorgewarnt hat.

Candice nickt, holt einen Labello aus der Tasche und trägt eine Schicht auf. »Natürlich.« Sie reibt die Lippen aufeinander und steckt den Stift wieder in die Manteltasche. »Mia ist meine Klientin.«

Kalte Luft dringt in meinen offen stehenden Mund. »Wie bitte? Darüber hätten wir reden müssen, als ich dich engagiert habe.«

»Nein«, sagt sie und schüttelt den Kopf. Das Brummen des Schneemobils kommt näher, weil Ollie bereits auf dem Rückweg ist. »Ihr habt nichts miteinander zu tun, ich kann euch also durchaus beide vertreten.«

»Du weißt doch, was zwischen uns passiert ist.« Ich verdränge all die Gedanken, die sich in meinem Hirn festzusetzen versuchen … Bedauern, Scham, Enttäuschung.

»Ja«, sagt Candice und nickt abermals.

»Du willst nur zwei fette Schecks abgreifen, weil wir die Besten sind.«

Ein durchtriebenes Grinsen umspielt ihren Mund, als sie zu mir aufblickt. »Du gibst also zu, dass Mia Salter die Beste ist?«

Mit leerem Blick starre ich sie an, finde einfach keine Worte. Kein Wunder, dass Jagger sie vorgeschlagen hat, sie ist wirklich gerissen.

Ihre kleine, behandschuhte Hand tätschelt mir den Rücken. »Jetzt spring auf das Ding da und mach alles richtig, damit wir beide einen fetten Scheck bekommen.«

Meine Gedanken wirbeln durcheinander wie Schnee in einer Lawine … Candice will uns beide vertreten? Eigentlich sollte das kein Problem sein, weil es für Männer und Frauen normalerweise getrennte Werbeetats gibt. Im Allgemeinen suchen sich die Sponsoren eine Person pro Geschlecht aus.

Ich springe auf das Schneemobil, und Ollie rast ohne weitere Verzögerung mit brüllendem Motor den Berg hinauf.

Oben angekommen, drosselt er das Tempo. Ich springe ab und schnalle mir das Board an, ohne weiter darüber nachzudenken. Diese Handgriffe sind mir mittlerweile zur zweiten Natur geworden.

Mia erwartet mich am Gipfel und mustert mich abschätzig.

Nanu? Ihre Miene hat nichts Angewidertes mehr. Allerdings bezweifele ich, dass die mädchenhaften Gefühle von früher wiedererwacht sind und sie Schmetterlinge im Bauch hat. Nicht nach dem, was mit ihrem Bruder passiert ist.

»Ich dachte, du hasst mich?«, frage ich, weil ich der Versuchung, sie aufzuziehen, nicht widerstehen kann.

Sie hebt den Kopf, blickt mir in die Augen und presst die Lippen aufeinander.

»Tue ich auch.« Sie setzt ihre rosa Skibrille auf.

Ich ziehe meine ebenfalls herunter. »Kommt mir aber eher so vor, als würdest du ein Sexobjekt in mir sehen.« Ich rutsche mit meinem Board auf dem Schnee hin und her, kann kaum noch erwarten, dass es endlich losgeht.

»Ich genieße den Anblick. Genau wie du vorhin, als du mir auf den Hintern gestarrt hast.« Ihre Zunge blitzt hervor, sie leckt sich die Lippen.

Ich würde wahnsinnig gern wissen, wie diese Lippen schmecken.

Oha. Was zum Teufel habe ich da gerade gedacht?

Ich werde es der Tatsache zuschreiben, dass mein Sexleben durch das viele Training ein wenig in den Hintergrund geraten ist, sodass mir im Augenblick jedes weibliche Wesen verlockend erscheinen würde.

»Das bildest du dir ein. Ich glotze der Schwester meines besten Freundes nicht auf den Hintern.«

Sie blickt zu Ollie hinüber, der sich per Funk mit jemandem am Fuß des Abhangs verständigt.

Ein hohles Lachen kommt aus ihrem Mund, ihr Atem bildet eine kleine Wolke in der kalten Luft. »Du bist nicht mehr sein bester Freund.«

Ihre Worte treffen mich tief, aber ich darf mir nicht anmerken lassen, wie tief.

Wir blicken uns in die Augen, wippen auf unseren Boards ungeduldig hin und her.

»Okay, lass es mich anders ausdrücken … ich date nicht die Schwester meines ehemaligen besten Freundes.«

»Und ich date keine unreifen Arschlöcher, die sich nur für sich selbst interessieren.« Sie verzieht die Lippen zu einem künstlichen Grinsen.

Dann senkt sie den Blick und richtet ihren Handschuh – obwohl es gar nichts zu richten gibt. »Ollie!«, ruft sie.

Er hebt die Hand zum Zeichen, dass es noch einen Moment dauern wird.

»Spielst du jetzt die Diva, oder was? Ich meine, bis jetzt hast du nicht mal eine Medaille geholt.«

Ihr Grinsen verblasst, und sogar mir ist klar, dass dies ein Schlag unter die Gürtellinie war. Aber verdammt, Mia und alles, wofür sie steht, bringen einfach immer das Schlechteste in mir hervor.

»Das wird sich sehr bald ändern. Lust auf eine kleine Wette, wer bei den Winter Classics mehr Gold holt?«

Lachend schüttele ich den Kopf. Diese Wette ginge mit Sicherheit an mich.

»Wie wär’s mit ein paar sexuellen Gefälligkeiten, wenn ich gewinne?« Keine Ahnung, warum ich sie unbedingt weiterhin aufziehen muss.

Für eine Sekunde starrt sie auf einen Punkt hinter mir, dann greift sie nach ihrem In-Ear-Kopfhörer und macht Anstalten, ihn sich ins Ohr zu stecken. Ollie ist vermutlich bereits auf dem Weg zu uns.

»Ich würde nicht mal mit dir schlafen, wenn du einen Zwanzig-Zentimeter-Schwanz hättest«, faucht sie.

Ich grinse. »Du hast die Gerüchte also gehört? Ich finde es allerdings enttäuschend, wie sehr die Leute untertreiben. Fünfundzwanzig Zentimeter, und der Umfang ist auch nicht übel.« Ich zwinkere ihr zu.

»Igitt!«, schreit sie.

Ich lache.

Dieses Mädchen hat sich immer schon zu leicht provozieren lassen.

Ollie kommt näher und mustert mich aus dem Augenwinkel.

»Alles in Ordnung, Mia?«, fragt er.

»Bringen wir es einfach hinter uns.« Erneut schaukelt sie auf dem Brett hin und her.

»Okay, dann lasst uns starten«, sagt Ollie, und wir hören, wie er ein weiteres Mal herunterzählt.

Mia und ich mögen nur wenig gemeinsam haben, aber wir fahren mit gleichmäßiger Geschwindigkeit den Berg hinunter, was vermutlich bedeutet, dass es zumindest eine Gemeinsamkeit gibt: Das hier soll so schnell wie möglich vorbei sein, damit wir wieder so tun können, als gäbe es den anderen gar nicht.

Kapitel Drei

»Wer ist das?«, frage ich Dax, als er aus der Hütte kommt. Beim Anblick des köstlichen Cheeseburgers, den er fast aufgegessen hat, knurrt mein Magen.

Er stopft sich das letzte Stück in den Mund, schiebt sich die Skibrille auf den Kopf und sieht blinzelnd in dieselbe Richtung wie ich. »Keine Ahnung. Sie sehen alle gleich aus, aber die da hat einen großartigen Hintern, das erkenne ich trotz der Skihose.«

Dax’ Sehvermögen ist fantastisch, aber dieses Mädchen würde man noch bemerken, wenn man schon halb in Denver wäre. Dann macht sie ihren Signature Move. Den Move, den sie speziell für die Winter Classics perfektioniert hat. Den Move, bei dem die Ansager aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskommen.

Und plötzlich bin ich froh, dass ich mir keinen Cheeseburger geholt habe, denn jetzt beginnt mein Magen zu rebellieren. Weil ich mich erneut dabei erwische, dass ich die kleine Schwester meines ehemals besten Freundes anstarre.

»Na komm, holen wir uns ein Bier.« Ich klopfe Dax auf die Schulter, aber er rührt sich nicht vom Fleck.

Er schluckt den letzten Bissen hinunter und sagt: »Irgendwann wirst du dich ihr stellen müssen. Wir werden bald öfter mit dem Frauenteam zu tun haben, jetzt, wo die Winter Classics kurz bevorstehen.« Er zieht den Reißverschluss seiner Jacke zu. »An deiner Stelle würde ich mir überlegen, wie ich sie am schnellsten aus dieser Skihose herausbekomme.«

Ich verdrehe die Augen. Auf keinen Fall. »Ich kann ihr bescheuertes Verhalten heute nicht gebrauchen«, versetze ich, schnalle mein Board ab und gehe auf die Hütte zu.

»Du bist doch sonst nicht so ein Weichei, was ist los mit dir?« Dax folgt mir.

»Nichts. Ich bin ihr gerade erst begegnet, okay? Ist ja nicht so, als wäre ich ihr in den letzten paar Jahren nie über den Weg gelaufen. Aber ich will nun mal nichts mit ihr zu tun haben.« Wieso rechtfertige ich mich eigentlich? Dax sollte es auch ohne zusätzliche Erklärung kapiert haben.

Er zuckt mit den Achseln. »Wenn ich mich von der Piste entferne, tritt mir der Coach in den Hintern … und zwar heftig.«

Ich hatte ganz vergessen, dass Dax Ärger hat, weil er sich in der letzten Woche mehr amüsiert hat, als zu trainieren. Außerdem wurde sein Qualifikationslauf auf morgen verlegt.

»Fuck. Dann mal los.«

»Wir treffen uns in zwanzig Minuten in der Bar.«

Ich ziehe die Augenbrauen hoch. »In zwanzig Minuten sitzt dir der Coach immer noch im Nacken. Wir sehen uns heute Abend.«

Ich lasse den Blick zur Halfpipe schweifen, auf deren Boden Mia steht. Sie unterhält sich mit einem Mädchen, das ich nicht kenne, und lacht über irgendetwas.

»Wir könnten auch zu viert ausgehen.«

Ich richte den Blick wieder auf Dax. »Jetzt hau endlich ab!«

Er hebt beschwichtigend die Hände und macht sich auf den Weg zum hinteren Sessellift.

»Da bist du ja«, höre ich hinter mir die hohe Stimme meiner Agentin. Nicht dass ich mich wegen des neuen Sponsors beschweren würde, den sie letzte Woche für mich an Land gezogen hat.

»Hey, Candice, ich wollte gerade gehen.«

Sie ist dick eingemummelt, trägt Boots, hautenge Jeans und einen langen Mantel. Ein USA-Cap mit dazu passenden Handschuhen, beides offenbar gerade erst erstanden, beißen sich mit ihrer Designerkleidung.

»O nein, du bleibst hier. Wir haben heute Nachmittag ein spätes Businesslunch.«

Ich denke eine Sekunde nach. An ein Meeting hätte ich mich erinnert, denn ich hatte eigentlich vor, den ganzen Tag auf der Piste zu verbringen. »In meinem Terminplan steht heute aber nichts.«

»Es ist eine spontane Sache. Ich habe eine Art Wunder vollbracht, und ich bin mir ziemlich sicher, dass dir gefallen wird, was ich für meine beiden Top-Klienten arrangiert habe.« Sie holt ihren Labello heraus, schafft es mit behandschuhten Händen aber nicht, die Kappe abzuziehen. Trotzdem versucht sie es immer weiter.

Schließlich nehme ich ihr den Stift aus der Hand und öffne ihn. »Danke.« Sie fährt sich damit über die Lippen. »So ausgetrocknet war ich noch nie in meinem Leben«, erklärt sie.

»Deine beiden Top-Klienten?«, wiederhole ich und fürchte mich bereits vor ihrer Antwort. »Ja, du und Mia Salter. Und jetzt komm, sie wartet in dem Restaurant auf uns.«

Candice zieht mich am Arm, aber ich löse die Füße nicht vom Boden. Will sie mich verarschen? Mia und ich an einem Tisch? Mit viel Glück würden wir gerade mal die Getränkebestellung überstehen. Glaubt sie ernsthaft, dass wir jetzt miteinander klarkommen, nur weil wir es gestern halbwegs friedlich den Berg hinunter geschafft haben?

»Seit wann ist Mia deine Klientin?« Meine Stiefel klappern über den Betonpfad zur Hütte.

»Na ja«, sagt sie, während sie darauf wartet, dass ich sie einhole. »Mia war meine erste Klientin im Sportbereich.«

Für eine Sekunde geht mir ein Gedanke durch den Kopf. Wenn Candice Mia all die Firmen besorgt hat, die auf ihrem Board stehen und dazu das Sponsoring einer großen Marke, dann hat mein Cousin Jagger mit ihr vermutlich die richtige Repräsentantin für mich ausgesucht. Also sollte ich lieber keine Welle machen und die Sache nicht versauen.

»Ich muss mich noch umziehen. Wir sehen uns in fünfzehn Minuten.«

Sie nickt und holt schon wieder ihren Labello heraus, während sie auf die Piste blickt. »Klingt gut. Ich bestelle dir ein Wasser.«

»Wenn Mia Salter an unserem Tisch sitzt, bestellst du mir besser einen Wodka Tonic. Die Flasche können sie gleich dalassen.«

Candice schürzt die Lippen. »Ihr beide müsst lernen, miteinander auszukommen«, sagt sie kopfschüttelnd.

Ich ignoriere sie und betrete die Hütte.

Eher friert die Hölle zu, als dass Mia mir verzeiht, was ich getan habe.

Ich betrete das Warm ’N Toasty, das gemütliche Blockhütten-Restaurant mit einem doppelten Kamin in der Mitte und bequemen, mit Leder ausgekleideten Nischen an den Wänden. Wegen der Nähe zum Sessellift und dem lockeren Dresscode kommen die meisten Snowboarder gern hierher.

Obwohl Dax den Bogen vermutlich überspannt hat, als er letztes Jahr nur in Unterhose erschienen ist. Zu seiner Verteidigung sei gesagt, dass es ein ungewöhnlich warmer Wintertag war. Und von den Mädels kamen keine Beschwerden.

Ich scanne den Raum, bis ich Candice entdecke, die mich zu sich winkt. Ihr gegenüber sitzt Mia. Sie wirkt sauer. Ich schlängele mich zwischen den Tischen hindurch und klatsche unterwegs ein paar Snowboarder-Kollegen ab. Weil ich nicht stehen bleibe, um ein Schwätzchen zu halten, beobachten sie neugierig, wohin ich gehe. Mia trägt eine Jogginghose und hat ein Bein auf die Sitzbank gelegt. In diesem Augenblick verschwindet ein Stückchen Gurke in ihrem Mund.

»Ladys«, begrüße ich die beiden, ziehe meinen Mantel aus und hänge ihn an einen Haken zwischen den Nischen.

Ich lasse mich Mia gegenüber auf die Bank gleiten, direkt neben Candice. Mia sieht nicht mal in meine Richtung.

»Ich habe dir ein Wasser bestellt«, sagt Candice und deutet mit dem Kopf auf die große Flasche, die vor mir auf dem Tisch steht.

»Danke.« Ich drehe den Verschluss auf und nehme einen großen Schluck, ohne Mia aus den Augen zu lassen.

Sie beißt ein Stück Gurke ab und fletscht dabei die Zähne, als wäre sie ein Wachhund, der mich in eine Ecke getrieben hat. Als sie fertig gekaut hat, spült sie den Bissen mit einem Schluck von ihrem Drink hinunter.

Ich wende meine Aufmerksamkeit wieder Candice zu und frage: »Also, was gibt’s zu feiern?«

»Feiern? Gute Idee.« Candice winkt die Bedienung heran.

Natalie, die rothaarige Kellnerin, bleibt an unserem Tisch stehen. Auf ihrem Tablett stehen einige leere Kakaobecher. »Hey, Rogue«, sagt sie und richtet den Blick auf die andere Seite des Tisches. »Mia, hi.« Ihre Augen weiten sich, ehe sie erneut zu mir und dann wieder zu Mia blickt.

Ja, tatsächlich. Grady Kale und Mia Salter sitzen an ein und demselben Tisch.

»Was kann ich Ihnen bringen?« Nun gilt Candice ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.

»Ich brauche eine Flasche Champagner.«

»Ich trinke keinen Champagner«, flüstere ich.

»Ich auch nicht«, murmelt Mia.

Candice betrachtet erst mich und dann Mia, bevor sie erneut Natalie anblickt. »Na schön, aber ich. Dann bitte nur ein Glas.«

»Kommt sofort.« Für eine Sekunde stützt Natalie eine Hand auf den Tisch und fragt: »Kann ich dir noch etwas bringen, Rogue?«

Mia schnaubt, aber als ich sie ansehe, tut sie so, als wäre sie vollauf mit ihrer Bloody Mary beschäftigt.

»Ähm … ja, Nat, kannst du mir ein Amstel bringen?«

Nat klopft auf die hölzerne Tischplatte. »Klar.«

Mia folgt ihr eine Weile mit dem Blick. Vermutlich kennt sie Nat, die die Tochter des Restaurantbesitzers und einer von Mias größten Fans ist.

»Was für eine Überraschung, noch ein weibliches Wesen, das Gradys Bedürfnisse befriedigen will.«

Candice ignoriert Mias spitze Bemerkung und fragt: »Wieso nennt sie dich Rogue?« Sie nimmt einen Schluck von ihrem Cocktail.

Mia kichert und rührt ihren Drink mit der Selleriestange um. »Man nennt ihn so, weil er sich nur um sich selbst kümmert«, sagt sie und blickt mich herausfordernd an.

»Und wie kam es dazu?«, fragt Candice mit leichtem Argwohn in der Stimme.

Ich wette, jetzt weiß sie, dass es keine gute Idee war, uns beide unter Vertrag zu nehmen.

»Meine Freunde nennen mich so, weil ich früher Tricks versucht habe, an die sich sonst niemand herangewagt hat.« Ich richte den Blick auf Mia, aber anscheinend ist der Drink immer noch interessanter als ich, denn sie kann mir nicht in die Augen sehen. »Dadurch habe ich mich von den anderen abgehoben.«

»Es ist wohl eher so, dass du dich isoliert hast. Ich finde, dein Spitzname sollte in Oger geändert werden.« Sie lacht in sich hinein und nimmt die Selleriestange aus ihrem Drink.

»Okay, ihr beiden. Ich weiß, dass in der Vergangenheit etwas zwischen euch vorgefallen ist, aber wir müssen uns trotzdem professionell verhalten«, sagt Candice.

»Oger, wie? Gestern hast du mich jedenfalls nicht angestarrt, als wäre ich Shrek.«

Nat kommt zurück. Sie stellt vor Candice ein Glas Champagner ab und vor mir ein Bier. Ich setze die Flasche an den Mund, während Nat Mia einen Teller mit Gurken, Sellerie, Oliven und Salami-Sticks serviert.

»Danke, Nat.« Sie nimmt eine Minisalami und kaut wütend darauf herum. »Ich liebe es, in ein gutes Stück Fleisch zu beißen.«

Nat blickt mich kurz an, dann eilt sie davon, um andere Gäste zu bedienen. Am liebsten würde ich mitgehen.

»Es gäbe keine Probleme, wenn du jeden von uns einfach in seiner Ecke lassen würdest«, sage ich zu Candice.

»Tja, das ist leider nicht möglich. Was glaubt ihr wohl, warum ich feiere?« Sie hebt ihr Champagnerglas.

Mia stellt beide Füße auf den Boden und lässt die Selleriestange wieder ins Glas fallen. Dann beugt sie sich vor und starrt Candice ins Gesicht.

Ich drehe mich ebenfalls in Richtung meiner Agentin und blicke sie unverwandt an.

»Und was genau feierst du?«, frage ich.

Candice’ rauchgraue Augen blicken von mir zu Mia und wieder zurück, bevor sie das künstlichste Lächeln aufsetzt, das ich je gesehen habe. Und ich habe viele gesehen. »Ihr beide sollt das Snowboard-Team auf einer Pressetour vertreten. Yay!«

Mia lehnt sich in der Nische zurück und stürzt den Rest ihres Bloody Mary hinunter. »Auf gar keinen Fall.«

Und wieder einmal sind Mia Salter und ich uns einig.

Kapitel Vier

»Nun lasst mich doch ausreden.« Candice setzt sich aufrechter hin und strafft die Schultern.

»Wir müssen trainieren«, sagt Mia, womit sie recht hat, obwohl ich das niemals laut sagen würde.

»Willst du etwa, dass wir dich zur Alkoholikerin machen?«, frage ich, und meine Mundwinkel wandern nach oben.

»Kannst du vielleicht ausnahmsweise mal ernst sein?«, faucht Mia.

Ich lege den Kopf schief. »Mach dich locker. Sie können uns zu nichts zwingen, was wir nicht wollen.«

Mia beachtet mich nicht weiter. Stattdessen blickt sie Candice, die erneut an ihrem Champagner nippt, herausfordernd an.

»Nein, aber um mit euch beiden klarzukommen, brauche ich einen gewissen Pegel«, versetzt Candice und deutet abwechselnd auf Mia und mich. »Und jetzt haltet endlich die Klappe und lasst mich ausreden.« Sie lässt die Faust auf den Tisch sausen; keiner von uns sagt etwas. »Du bist die Beste bei den Frauen«, sagt sie zu Mia. Dann richtet sie den Blick auf mich und fährt fort: »Und du bist der Beste bei den Männern. Ihr werdet genug Zeit zum Trainieren haben, denn Werbung hättet ihr in jedem Fall gemacht. Der Unterschied besteht nur darin, dass ihr in Zukunft zusammenarbeiten werdet.«

»Aber …«, wirft Mia ein, doch Candice schüttelt nur den Kopf. »Ihr werdet die Outfits vorführen, die das Team im Wettbewerb trägt, und ihr werdet Interviews geben. Es ist eine Ehre, auf diese Art euer Land und euer Team vertreten zu dürfen. Es tut mir leid, Leute, aber habt ihr wirklich geglaubt, ihr kämt durch diese Winter Classics, ohne einander zu begegnen?«

»Man wird ja wohl noch träumen dürfen«, erwidert Mia und blickt mit schmalen Augen in meine Richtung.

»Stimmt, aber ich bin nicht eure gute Fee, also seht zu, dass ihr damit klarkommt. Der Großteil eurer Auftritte wird im Rahmen der weiteren Qualifikationen stattfinden, außerdem werdet ihr nach New York und L. A. reisen. Zusammen. Bei jedem Interview werdet ihr nebeneinandersitzen. Also fangt ihr am besten schon mal an, an eurem Lächeln und eurer Körpersprache zu arbeiten. In einer Woche sind wir in Utah, dort ist ein Fotoshooting geplant.«

Mit einem tiefen Seufzer lehnt sich Candice zurück und greift nach ihrem Champagnerglas.

Ich würde ihr gern widersprechen, doch sie hat recht. Es ist tatsächlich eine Ehre, und ich hätte es früher nie für möglich gehalten, dass mir so etwas einmal widerfahren würde. Also muss ich wohl einfach das Beste daraus machen.

»Okay, dann schick mir den Zeitplan. Ich werde mich darauf einstellen. Aber in der Zeit, die ich nicht mit der Presse verbringe, werde ich nichts anderes tun, als zu trainieren.«

Mia lässt sich aus der Nische gleiten. »Ich auch«, sagt sie und geht davon, ohne sich zu verabschieden. Etwas anderes hatte ich auch nicht erwartet. Sie führt sich auf, als wäre sie die verdammte Queen, dabei muss sie sich bei den Winter Classics erst noch beweisen.

»Vielen Dank auch, Candice. Dann kannst du deine erzieherischen Fähigkeiten in den nächsten Wochen ja gründlich auf die Probe stellen.«

Sie stürzt den Rest ihres Champagners hinunter. »Ich habe ihnen gesagt, dass es keine gute Idee ist, aber …«, sie blickt zur Tür und dann wieder zu mir, »… da ist noch etwas, das ich Mia nicht gesagt habe.«

Das Bier schlägt mir auf den Magen. Schlimmer könnte das Ganze eigentlich nur noch sein, wenn auch Mias Bruder Brandon dabei wäre.

»Ihnen gefällt die Vorstellung, dass es da eine Liebesgeschichte gibt. Du weißt schon … ihr beiden als Paar.«

Ich lache höhnisch. »Es gibt keine Liebesgeschichte.«

Ein Lächeln umspielt ihre Lippen. »Man wird euch in den Interviews darauf ansprechen. Ihr seid zwei ungebundene, attraktive junge Menschen mit einer Vorgeschichte …«

»… die aus gegenseitigem Hass besteht.«

Sie greift nach meiner Hand, und in den wenigen Monaten, die ich Candice kenne, habe ich sie noch nie so ernst gesehen. »Ich glaube nicht, dass du sie hasst.«

Schon möglich, aber mein Selbsterhaltungstrieb besteht darauf.

»Sie soll endlich erwachsen werden. Sonst noch was?«

Ihr Lächeln wird breiter. »Ja. Ich habe gute Nachrichten.«

»Na endlich. Du warst kurz davor, eine echte Spaßbremse zu werden.«

Lachend löst sie ihre Hand von meiner. Der Moment der Ernsthaftigkeit ist vorüber.

»Norton baut dir eine Trainings-Halfpipe.«

Ich lächele. Ich hatte gehofft, dass sie es tun würden, aber damit so etwas passiert, muss man ganz oben stehen. Ich kann zwar gut reden, und laut Tabelle stehe ich tatsächlich an der Spitze, aber manchmal zweifele ich eben an mir selbst.

»Wenn wir in Utah ankommen, wird sie fertig sein. Und nur zu deiner Information: Sie bauen nur eine.« Ihre perfekt gestylten Augenbrauen berühren fast ihren Haaransatz.

»Tja, Pech für Mia.« Ich rutsche aus der Nische. »Ich gehe lieber mal trainieren, solange noch Zeit dafür ist.«

»Es wäre eine nette Geste, wenn du sie auch darin trainieren lassen würdest.«

Ich stütze die Hände auf die Tischplatte und mustere Candice aus schmalen Augen. »Und was würde sie an meiner Stelle tun?«

Sie lässt die Schultern hängen. Die Antwort kennen wir beide.

»Mach dir einen schönen Nachmittag, Candice. Es ist ein großartiger Tag für die Piste.«

Sie lacht. »Ich bleibe lieber hier in der Bar. Den Pulverschnee überlasse ich dir und Mia.«

Ich sollte überglücklich sein, weil ich eine eigene Halfpipe bekomme. Ein riesiger Vorteil für mein Training, aber aus irgendeinem verdammten Grund ist meine Freude durch die Tatsache gedämpft, dass Mia keine eigene Halfpipe bekommt. Erst vor achtundvierzig Stunden ist sie wieder in mein Leben getreten, und schon jetzt nimmt sie mir die Unbeschwertheit.

Ich fahre mit dem Lift zur Piste hoch und wünschte, ich hätte mehr als nur ein Bier im Magen. Oben entdecke ich meinen Kumpel Beckett, der darauf wartet, die Halfpipe zu benutzen, und gleite auf ihn zu.

»Rogue, Mann, was geht?«, fragt ein Skifahrer, den ich nicht kenne, im Vorbeifahren.

»Tolle Fahrt gestern Abend«, fügt sein Kumpel hinzu. Er hält mir die Hand zum Faustcheck hin, dann ziehen die beiden weiter.

»Hey, Hoff, was geht?«

Beckett blickt über die Schulter und nickt. »Hey, ich hab euch im Restaurant gesehen.« Sein süffisantes Grinsen sorgt dafür, dass ich es bereue, ihn überhaupt angesprochen zu haben.

»Tja, wie sich herausgestellt hat, ist die Prinzessin ebenfalls bei meiner Agentin unter Vertrag.«

Ihm bleibt der Mund offen stehen. »Und das hast du nicht gewusst?«

Ich schüttele den Kopf. »Nein. Was hast du eigentlich hier an der Halfpipe zu suchen?«

Beckett ist Slopestyle-Boarder, das heißt, dass er sämtlich tollen Tricks auf Lager hat, aber im Gegensatz zu mir nicht in der Halfpipe, sondern im Gelände fährt.

»Tempowechsel. Muss den Akku ein bisschen aufladen«, sagt er und bereitet sich auf seine Fahrt vor, während er in der Schlange aufrückt. »Aber warum wechselst du das Thema?« Seine Augen funkeln neugierig wie immer, wenn der Name Salter fällt.

Beckett und ich haben uns bei den Winter Classics vor vier Jahren angefreundet. Er war mein Zimmergenosse, deshalb kennt er die Gerüchte. Aber er ist ein guter Freund, einer, der mich nicht bedrängt und wegen irgendwelchen Details nervt, sodass er vermutlich nicht mehr weiß als das, was Dax ihm erzählt hat.

»Weil ich keine Lust habe, darüber zu reden, dass ich die nächsten sechs Wochen neben dieser Person sitzen werde, um das Snowboarding-Team im ganzen Land zu promoten.«

Sein Mund steht so weit offen, dass ein Schneemann hineinpassen würde. »Willst du mich verarschen?«

»Nee.« Ich richte das Board aus, bereite mich darauf vor, gleich nach Beckett zu fahren.

»Tut mir leid, Mann«, sagt er und klopft mir auf die Schulter. »Das ist echt mies, aber vielleicht hilft es euch, ein paar Wunden zu heilen und die Geschichte endlich hinter euch zu lassen.«

Innerlich verhöhne ich ihn. Über das, was ich ausgelöst habe, kann man nicht hinwegkommen.

»Behalt deinen kalifornischen Gutmenschenkram mal lieber für dich.« Ich versetze ihm einen leichten Stoß gegen die Brust.

Er lacht und fährt rückwärts zum Startpunkt. Sekunden später ist er weg.

Beckett kommt aus Kalifornien, und obwohl er nicht blond ist, schreit alles andere an ihm: ›Hey Bro, surf, Baby, yeah!‹. Deshalb nennen wir ihn Hoff – wie den Typen in Baywatch.

»Wow, der Junge hat’s echt drauf«, sagt der Fahrer hinter mir.

Und er hat recht. Beckett sollte an beiden Wettbewerben teilnehmen, Halfpipe und Slopestyle. Ich schiebe mir die Ohrhörer rein und mache mich für eine Runde Spaß bereit.

Als er schließlich unten in der Halfpipe stehen bleibt, macht er eine herausfordernde Geste in meine Richtung.

»Schnapp ihn dir, Rogue«, sagt der Kerl hinter mir so laut, dass ich ihn trotz der Knöpfe im Ohr hören kann.

Der Schnee knirscht unter meinem Brett, als ich in die Halfpipe hinuntersause, aber diesmal ist die Musik nicht laut genug, um meine Vergangenheit zu übertönen. Ich stelle mir vor, wie ich bei all diesen Interviews neben Mia sitzen werde. Mit einem aufgesetzten Lächeln im Gesicht, damit die Leute nicht merken, was wirklich los ist. Dass die ehemals befreundeten Familien Salter und Kale vor vier Jahren schneller zu Feinden wurden, als man gucken kann. Und dass ich dafür verantwortlich bin.

Hoch in der Luft drehe ich bereits meinen Double Cork, als mein Bewusstsein endlich beschließt, am Geschehen teilzunehmen, aber da ist es schon zu spät. Zuerst kommt meine Schulter auf dem harten Eis auf, dann folgt der Rest meines Körpers und ich rutsche an der Wand hinunter, bis ich in der Mitte der Halfpipe liegen bleibe.

Ich schüttele den Kopf und stehe rasch wieder auf. Halte mir die Schulter, während ich die Halfpipe verlasse. Als ich am Rand ankomme, nähert sich schon eine Sanitäterin.

»Alles gut«, sage ich, lasse die Schulter allerdings nicht los.

»Ich würde gern einen Mobilitätstest machen«, sagt das Mädchen.

»Sie hat recht.« Beckett schnallt sein Board ab, hilft mir von meinem und hebt es auf, um mir und der Sanitäterin zu folgen.

Das Publikum sieht uns zu. Die eine Hälfte hofft wahrscheinlich, dass ich verletzt bin, die andere befürchtet es. Eine Person sticht aus der Menschenmenge heraus, als schiene die Sonne nur ihr auf den Kopf. Mias Blick wirkt weniger wütend als üblich, während sie beobachtet, wie mich die Sanitäter zur Erste-Hilfe-Station begleiten. Aber es kann nicht sein, dass Mitgefühl in ihrem Blick liegt. Ich habe bestimmt Schnee in die Augen bekommen, denn Mia verabscheut mich.

Und dazu hat sie jedes Recht.

Kapitel Fünf

»Hi, Grady, wirst du die Goldmedaille holen?«, fragt Mr Kettle und stellt die Kreidetafel mit den Sonderangeboten vor die Tür. Der Metzger klopft mir auf den Rücken, als ich an seinem Laden vorbeigehe.

»Das will ich doch hoffen«, sage ich lächelnd und gehe weiter die kleine Einkaufsstraße meiner Heimatstadt entlang.

Wintersportort wäre die passende Bezeichnung für die Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin. Jeder Heranwachsende war entweder Skifahrer oder Snowboarder, weil es in dieser Stadt kaum etwas anderes zu tun gibt. Cedarwood, Vermont, ist bekannt für seine kleinen Pensionen, für seine Jagd- und Skihütten. Im Winter sind die Straßen voller Touristen, die Mr Kettles Dörrfleisch oder Ms Greers Pralinen lieben. Kinder laufen auf dem Marktplatz Schlittschuh, während ihre Väter unter Heizpilzen Kaffee trinken und ihre Mütter in den Boutiquen einkaufen, in denen eigentlich nur Reihen von überteuerten, hausgemachten Produkten stehen, die zum Überleben der Stadt beitragen.

Mir ist klar, wie sehr die Einwohner dieser Region vom Tourismus abhängig sind. Das Cozy Cocoa Cottage meiner Eltern, eine Pension mit zehn Zimmern, hat mein gesamtes Equipment und Training bezahlt, lange bevor irgendwelche Sponsoren aufgetaucht sind.

»Grady!«, ruft Mr Ecker von der anderen Straßenseite. Er winkt mir zu, in der anderen Hand hält er seine Pfeife.

»Guten Morgen, Mr Ecker.«

»Ich hab gehört, dass du und Mia dieses Jahr die Favoriten seid. Seht zu, dass wir stolz auf euch sein können.« Ich bedenke ihn mit einem schwachen Lächeln, und er geht wieder in seinen Tabakladen.

In der Hoffnung, allen anderen auszuweichen, verdrücke ich mich in das Cup-of-Beans-Café und drücke die Daumen, dass sie zu beschäftigt sind, um mich zu erkennen oder mir ein Gespräch aufzuzwingen.

»GRADY KALE!«, dröhnt eine Stimme aus dem Hintergrund des kleinen Cafés, und ehe ich mich’s versehe, umfassen mich zwei dicke, starke Arme und heben mich hoch.

»Hey, Olson«, sage ich und werfe einen Blick auf die kleine Gruppe von Kunden, die offensichtlich nicht versteht, warum mich dieser zwei Meter große Drei-Zentner-Mann derart begeistert umarmt.

»Seit wann bist du hier? Wie lange bleibst du?«

»Hey, O, lass mich runter.«

Ein gibt ein tiefes, polterndes Lachen von sich, und ich lande mit den Füßen wieder auf dem Boden. Er zerzaust mir die Haare, als wäre ich zehn und er der Onkel, den ich ewig nicht gesehen habe.

»Nur dieses Wochenende. Ich hab mich an der Schulter verletzt, darum konnte ich mir Zeit nehmen und mal zu Hause vorbeischauen.«

»Mist. Hab ich dir wehgetan?« Er betrachtet meine Schultern, aber ich winke ab. Es ist nur eine Verstauchung, die etwas Zeit und Schonung braucht … nervig ist es trotzdem.

»Nee. Alles gut.«

Er klopft mir energisch auf den Rücken. »Wie immer. Ich hab gehört, dass du Seasalt Springs auch diesmal bei den Winter Classics vertreten wirst.« Er geht hinter den Tresen, nimmt eine Tasse und gießt mir einen Kaffee ein. Ohne zu fragen, öffnet er die Vitrine mit dem Gebäck und greift nach den letzten seiner berühmten Spandauer, aus deren Mitte die Schokofüllung fließt.

»Nichts da, O, ich bin mitten im Training.«

Er sieht mich über die Auslage hinweg an, zieht die buschigen Augenbrauen zusammen und nimmt mit dem Wachspapier in seiner Hand zwei Teilchen heraus.

»Du hast jetzt Pause«, sagt der Mann, der zu häufig von seiner eigenen Ware probiert.

Er reicht mir den Teller und den Kaffee und deutet mit dem Kopf auf einen freien Tisch im hinteren Teil des Cafés.

»Hier.« Ich versuche, Tasse und Teller im Gleichgewicht zu halten und mein Portemonnaie herauszuholen.

»Geht aufs Haus.«

»Komm schon, lass mich bezahlen.«

Er schüttelt den Kopf. »Betrachte es als meinen Glückwunsch.«

Ich lasse die Schultern sinken. »Ich habe doch noch gar nichts gewonnen.«

Die Glocke über der Tür des Cafés ertönt, und während er den Blick auf einen Punkt hinter meiner Schulter richtet, verschwindet das freundliche Lächeln, das so typisch für ihn ist.

Ich werfe einen Blick nach hinten und atme tief durch. »Fuck«, flüstere ich.

»Soll ich dich durch die Hintertür rauslassen?«, fragt O, und ohne meine Antwort abzuwarten, baut er sich vor mir auf und schirmt mich gegen den Eindringling ab.

»Tut mir leid, Sie sind hier nicht willkommen«, begrüßt er ihn auf völlig untypische Art.

»Ist schon in Ordnung, O.« Ich blicke dem unwillkommenen Kunden in die Augen, den ich immer und überall erkennen würde. Mr Weazel, der Mann, der mit dem Finger auf mich gezeigt und mich als Arschloch bezeichnet hat, das nicht den Mumm besitzt, den ein Snowboarder eigentlich haben sollte. Als wäre die Tatsache, dass ich weiterhin gewinnen will, etwas Schlechtes. Dieser Typ benutzt seine Tastatur und den kleinen Blog wie eine Pistole oder ein Messer, um Menschen zu verletzen.

»Olsen, ich brauche dich«, ruft ein Koch von hinten, aber Olsen ignoriert ihn, um sich vor dem feindselig dreinschauenden Mann aufzubauen.

»Alles okay«, sage ich zu Olsen. Er zögert noch einmal kurz, dann geht er rasch in die Küche, um seinen Mitarbeitern zu helfen.

»Also, Mr Kale, mit Ihnen hätte ich ja erst gerechnet, nachdem die Stadt ihre Parade veranstaltet hat.«

»Tja, wie Sie sicherlich gehört haben, habe ich mich an der Schulter verletzt. Warum also nicht der Familie einen Besuch abstatten, bevor ich nach Korea reise.« Ich nehme einen Schluck Kaffee und gehe an ihm vorbei, wobei ich bewusst darauf achte, ihm mit der Schulter nicht zu nahe zu kommen. Ich beuge mich zu ihm und frage: »Und? Haben Sie vor, noch mehr Bullshit zu schreiben, um ein wenig Aufmerksamkeit auf Ihren Mini-Blog zu ziehen?«

Er weicht zurück, geht auf Abstand. Ohne seinen Computer ist er wie ein ängstliches Kätzchen.

»Ach, und Sie? Waren Sie mal wieder in der Salty River Lodge? Mir ist nicht entgangen, dass Sie seit dem Unfall nicht mehr bei Brandon gewesen sind.« Seine Stimme ist von einer Arroganz, die meine Faust förmlich anfleht, ihn in die Mangel zu nehmen.

»Und selbst wenn, Ihnen würde ich es bestimmt nicht erzählen.«

Seine Augen sind schmal, als sich unsere Blicke begegnen. Noch weiß er nicht, dass Mia auf dieser Tour meine Kollegin ist, und ich wäre sehr gern dabei, wenn er herausfindet, dass das Geschwätz, von dem er die letzten vier Jahre profitiert hat, sozusagen klinisch tot ist.

»Sie und Mia bei denselben Winter Classics, das wird sicher … großartig.«

»Soll das Ihre Schlagzeile sein? Sehr originell.«

»Wie wäre es mit Ist Mia sauer auf Grady? Die große Enthüllungsgeschichte.«

»Sie kennen die Geschichte doch gar nicht, also tun Sie nicht so.«

Ein selbstgefälliges Lächeln umspielt Weazels Lippen. »Tja, Brandon Salter hat mir ein Exklusivinterview zugesagt. Er sollte eigentlich schon hier sein.« Er schiebt sich an mir vorbei, um einen Blick auf die Uhr hinter dem Tresen zu werfen. »Müsste jeden Moment kommen.«

Meine Kehle ist wie zugeschnürt, und mir ist plötzlich heiß, aber nicht vom Kaffee. Den Namen meines ehemaligen Freundes aus dem Mund dieses Verräters zu hören, nimmt mir jedes Selbstvertrauen.

Nach dem Unfall hat dieser Widerling ständig geschrieben, Brandon habe unverantwortlich gehandelt, sei ein zu hohes Risiko eingegangen, und jeder habe es kommen sehen. Ich wusste nichts davon, bis ich Monate später von den damaligen Winter Classics zurückkehrte. Vielleicht hat Brandon endlich genug davon und ist nun bereit, darüber zu reden, wer tatsächlich an den Ereignissen schuld war.

Ich wäre längst auf der Suche nach dem nächstbesten Ausgang, wenn dieser Typ nicht jede meiner Bewegungen beobachten würde wie ein Geier auf der Suche nach Aas. Die Genugtuung, ihm zu zeigen, wie sehr mir seine Worte unter die Haut gehen, gönne ich ihm nicht.

Wie ein Schutzengel ruft O jetzt aus dem Hintergrund: »Grady, deine Mom hat angerufen. Kannst du ihr ein Pfund Kaffee und ein paar Plunder mitbringen?«

Ich nicke und winke Olsen zu. Er hat keine Ahnung, dass er mir gerade den Arsch gerettet hat. »Man sieht sich, Weazel. Veröffentlichen Sie weiterhin Mist, der niemanden interessiert, und ich werde weiterhin tun, was ich eben tue. Vielleicht winke ich Ihnen bei der Parade dieses Jahr von meinem Festwagen aus.« Ich zwinkere ihm zu, nur um ihn zu reizen.

Dann gehe ich nach hinten und nehme die Schachtel, die O mir reicht.

»Danke, Mann.«

»Das spart deinen Eltern den Weg.« O legt eine weitere Tüte hinein und reicht mir einen frischen Kaffee. »Weil der Widerling dir deine erste Bestellung ruiniert hat.«

»Danke, O, du bist der Beste.«

Er nickt. »Komm trotzdem wieder, okay? Ich brauche für meine Wand ein aktuelles Bild mit Autogramm von dir.«

Ich lache. »Geht klar.« Dann verschwinde ich durch die Hintertür, fest entschlossen, Weazel zusammen mit allen anderen in die hinterste Ecke meines Bewusstseins zu verbannen. Es ist zu schmerzhaft, um sich damit zu beschäftigen.