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Wald, Wildnis, unberührte Natur - immer mehr Menschen reizt diese Vorstellung. Allein und auf sich selbst gestellt draußen überleben, sich nur von dem ernähren, was die Natur bietet, und Werkzeuge und Unterkunft aus dem bauen, was Sie im Wald finden: Martin Engewicht zeigt Ihnen, wie es geht. In diesem Buch erfahren Sie, was Sie beim Bushcrafting immer im Rucksack haben sollten, welche Pflanzen als Nahrung dienen können und wie Sie auch in Notfällen einen kühlen Kopf bewahren. Sie werden sehen: Mit der richtigen Vorbereitung werden auch Sie sich bald in der Natur heimisch fühlen.
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Seitenzahl: 306
Veröffentlichungsjahr: 2022
Bushcraft und Survival für Dummies
Folgendes sollten Sie beim Bushcrafting immer beherzigen:
Sie handeln immer eigenverantwortlich.Hinterlassen Sie möglichst keine Spuren.Achten Sie privates und öffentliches Eigentum und schützen Sie die Natur.Führen Sie nur zulässige Messer bei sich.Biwakieren (ohne Dach) ist in der freien Natur erlaubt, wildes Camping (Zelten) nicht.Mindestausstattung:
MesserTrinkflascheSchnurFeuerstabNotfallsetZusätzliche optionale Ausrüstung für Übernachtungen:
Gut passender RucksackTarp, Isomatte und SchlafsackKochsetBuschkocherWo ein Feuer möglich ist, müssen Sie folgende Punkte unbedingt beachten:
Verwenden Sie nur totes, trockenes Holz!Machen Sie kein Feuer bei Trockenheit oder starkem Wind!Verwenden Sie idealerweise einen Buschkocher (weniger Rauch, höhere Effizienz)!Löschen Sie jedes Feuer nach Gebrauch, lassen Sie es nie unbeaufsichtigt!Folgende Grundsätze können als Richtschnur für Ihr Handeln dienen:
Verlieren Sie nicht die Nerven!Bleiben Sie warm und trocken!Sorgen Sie für eine ausreichende Versorgung mit sauberem Trinkwasser!Wenn Sie Unterstützung brauchen, rufen Sie rechtzeitig um Hilfe!Suchen Sie nach Nahrung, sobald Sie genug Wasser haben und es die Umstände erlauben!Orientieren Sie sich! Sie sollten immer wissen, wo Sie sich befinden.Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen, wenn Sie Folgendes beachten:
Essen Sie niemals etwas, das Sie nicht zweifelsfrei kennen oder bestimmen können!Garen Sie Fleisch und Pilze immer gut durch!Trinken Sie genug, mindestens 1,5 Liter Wasser täglich!Trinken Sie kein Salzwasser!Bereiten Sie Wasser aus natürlichen Quellen immer auf (abkochen), ehe Sie es trinken!Bushcraft und Survival für Dummies
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
©2022 Wiley-VCH GmbH, Boschstraße 12, 69469 Weinheim, Germany
Wiley, the Wiley logo, Für Dummies, the Dummies Man logo, and related trademarks and trade dress are trademarks or registered trademarks of John Wiley & Sons, Inc. and/or its affiliates, in the United States and other countries. Used by permission.
Wiley, die Bezeichnung »Für Dummies«, das Dummies-Mann-Logo und darauf bezogene Gestaltungen sind Marken oder eingetragene Marken von John Wiley & Sons, Inc., USA, Deutschland und in anderen Ländern.
Das vorliegende Werk wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren und Verlag für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie eventuelle Druckfehler keine Haftung.
Print ISBN: 978-3-527-71914-3ePub ISBN: 978-3-527-83626-0
Coverfoto: © EVERST / stock.adobe.comKorrektur: Dr. Petra-Kristin Bonitz, Hemmingen
Martin Engewicht ist Wildnisexperte, Illustrator und (Lebens-)Künstler. Er verbringt viel Zeit in der Natur und damit, anderen Menschen die Natur als einzigartigen, natürlichen Lebensraum näherzubringen. Er entschied sich nach dem Abitur für eine handwerkliche Ausbildung, arbeitete zunächst in einer Kunstschreinerei, dann im pädagogischen Bereich als Anleiter in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Seine Liebe zur Natur bewegte ihn schließlich 2006 zu einem Umzug aufs Land. Hier, im bayerischen Voralpenraum, begann er neben seiner künstlerischen Tätigkeit, Naturführungen und Erlebnis-Wanderungen anzubieten, und entdeckte die Leidenschaft für sein neues Hobby: Bushcraft und Survival. Seit 2008 leitet er Exkursionen und gibt Kurse zu diesem Thema. Er ist täglich in den Wäldern seiner Umgebung unterwegs und immer mit der Erprobung von neuen Ideen und Techniken beschäftigt, die er seinem Erfahrungs- und Wissensschatz hinzufügen kann. Bushcraft ist für ihn nicht nur ein Hobby, sondern eine eigene Art zu leben, archaische Aspekte des Menschseins zu erforschen und sich in der Natur selbst zu finden, nach dem Motto: Findest du Wege in der Wildnis der Natur, schaffst du das auch in der Wildnis deines Lebens. Er lebt mit seiner Familie in Südbayern.
Cover
Titelblatt
Impressum
Über den Autor
Einführung
Über dieses Buch
Törichte Annahmen über den Leser
Wie dieses Buch aufgebaut ist
Symbole, die in diesem Buch verwendet werden
Wie es weitergeht
Teil I: Der Ruf der Wildnis – warum wir draußen glücklich sind
Kapitel 1: Robinson 2.0
Bushcraft und Survival – was ist was?
Die Beweggründe
Komische Typen: Bushcrafter
Kapitel 2: Abenteuer vor der Haustür
Wildnis in Deutschland
Lästig, aber wichtig – rechtliche Grundlagen
Persönliche Grundvoraussetzungen
Teil II: Bushcraft und Survival: Basiswissen
Kapitel 3: Bushcrafting – Wildes Handwerk
Die Grundhaltung – spurlos glücklich
Was Sie immer beachten sollten
Was Sie besser nicht tun
Den geeigneten Ort finden
Liebes Wetter – böses Wetter
Tiere und andere Begegnungen
Bushcraft-Grundausrüstung im Überblick
Kapitel 4: Survival-Basics: Allzeit bereit
Die vier Ausrufezeichen: Hütte! Feuer! Wasser! Essen!
Hütte! Ein Dach über dem Kopf
Feuer! Zentrum des Menschseins
Wasser! Der lange Weg zur Quelle
Essen: Jäger und Sammler – Nahrung aus der Wildnis
Kapitel 5: Verletzt oder krank – was nun?
Kleinere Wunden behandeln
Leichte Erkrankungen: Was tun?
Im Notfall: Hilfe rufen
Erste (Selbst-)Hilfe
Wildnis-Medizin
Kapitel 6: Alltag in der Wildnis
How to shit in the woods – und andere alltägliche Herausforderungen
Gut gepackt ist halb geschleppt
Wildes Familienleben
Nachts im Wald
Teil III: Messer, Säge, Plane, Licht – die Ausrüstung
Kapitel 7: Werkzeuge – treue Begleiter in der Wildnis
Die Nummer Eins unter den Werkzeugen – das Messer
Zeigen dem Holz die Zähne: Sägen
Beile und Äxte
Schaufeln
Multitools
Feuerzeuge
Werkzeuge für Werkzeuge
Kapitel 8: Was Sie draußen brauchen könnten – Gebrauchsgegenstände für die Wildnis
Darunter, darin und darauf – Regenschutz, Unterschlupf und Schlafen
Gefäße und Wasseraufbereitung
Trage- und Transportsysteme
Nicht nur eine Frage der Mode: Kleidung
Orientierung in der Wildnis
Teil IV: Materialien, Anleitungen und Rezepte
Kapitel 9: Materialkunde für Bushcrafter
Holz, Rinde und Zweige
Mineralien und Metalle
Zundermaterial
Baumaterial für den Unterschlupf
Kapitel 10: Bauen und Wohnen
Der Unterschlupf – gebaut zum Überleben
Möbel, Hilfsmittel und Werkzeuge
Kapitel 11: Ernährung, Wasseraufbereitung und Rezepte
Hilfsmittel für Küche, Wasseraufbereitung und Nahrungsbeschaffung
Gegen den knurrenden Magen: Rezepte
Teil V: Der Top-Ten-Teil
Kapitel 12: Zehn Fragen, die häufig zum Thema Bushcraft und Survival gestellt werden
Was kostet die Bushcraft-Grundausrüstung?
Was brauche ich, um mit Bushcraft und Survival als Hobby beginnen zu können?
Woher weiß ich, welche Pflanzen essbar sind?
Welches ist das größte Problem in einer Survival-Situation?
Wie viel darf ein Rucksack wiegen?
Ist es im Winter nicht zu kalt, um draußen zu übernachten?
Daunenschlafsack oder Polyesterfüllung?
Muss man zum Überleben Maden oder Raupen essen?
Wie fit muss man zum Bushcraften sein?
Hast du keine Angst nachts allein im Wald?
Kapitel 13: Zehn Fehler, die Sie im Zusammenhang mit Bushcraft und Survival unbedingt vermeiden sollten
Feuermachen im Zelt oder anderen geschlossenen Räumen
Feuermachen bei Trockenheit oder Wind
Zu wenig trinken
Unbekannte Pflanzen, Pilze oder Tiere essen
Unterkühlung unterschätzen
Sonneneinstrahlung unterschätzen
Kontaminiertes Wasser trinken
Zu spät Schutz suchen
Sich auf die Ausrüstung verlassen
Die Nerven verlieren
Kapitel 14: Meine Top-Ten-Survival-Items
Abbildungsverzeichnis
Stichwortverzeichnis
End User License Agreement
Kapitel 7
Abbildung 7.1: Bezeichnungen am Messer
Kapitel 10
Abbildung 10.1: Windschutzwand
Abbildung 10.2: Windschutzwand aus Reisig
Abbildung 10.3: Laubhütte schräg
Abbildung 10.4: Laubhütte in Tipi-Form
Abbildung 10.5: Baumstammbiwak
Abbildung 10.6: Lean-to-Shelter an Bäumen
Abbildung 10.7: Lean-to-Shelter mit Dreibeinen
Abbildung 10.8: Einfaches schräges Tarp
Abbildung 10.9: Verbessertes schräges Tarp
Abbildung 10.10: Schräges Tarp mit Boden
Abbildung 10.11: Offene Zeltkonfiguration mit einem Tarp
Abbildung 10.12: Geschlossene Zeltkonfiguration mit einem Tarp
Abbildung 10.13: Zeltkonfiguration für zwei Tarps
Abbildung 10.14: Die Pyramidenkonfiguration
Abbildung 10.15: Leinenbefestigung ohne Ösen
Abbildung 10.16: Slipknot
Abbildung 10.17: Feste Schlaufe
Abbildung 10.18: Notbiwak aus Folie und Rettungsdecken
Abbildung 10.19: Notbiwak an einem Wurzelteller
Abbildung 10.20: Geeignete Lagerplätze finden
Abbildung 10.21: Bett oder Bank
Abbildung 10.22: Tisch
Abbildung 10.23: Hammer
Abbildung 10.24: Klüpfel
Abbildung 10.25: Säge nach Mors Kochanski
Abbildung 10.26: Bügelsäge
Abbildung 10.27: Greifer/Zange
Abbildung 10.28: Feuerbohrer
Abbildung 10.29: Zwei typische Kochfeuer
Abbildung 10.30: Regulierbares Lagerfeuer
Abbildung 10.31: Long-Log-Campfire
Abbildung 10.32: Spezial-Feuer
Abbildung 10.33: Pilzlampe
Abbildung 10.34: Ölraffinerie im Bushcraft-Stil
Abbildung 10.35: Schneeschuhe
Abbildung 10.36: Messer schärfen
Kapitel 11
Abbildung 11.1: Behälter aus Birkenrinde
Abbildung 11.2: Topfaufhängung
Abbildung 11.3: Wasserfilter Marke Eigenbau
Abbildung 11.4: Wassergrube
Abbildung 11.5: Becher
Abbildung 11.6: Teller
Abbildung 11.7: Gabel
Abbildung 11.8: Schwedenfeuer
Abbildung 11.9: Einfacher Bogen
Abbildung 11.10: Befestigung der Bogensehne
Abbildung 11.11: Pfeile
Cover
Titelblatt
Impressum
Über den Autor
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Fangen Sie an zu lesen
Abbildungsverzeichnis
Stichwortverzeichnis
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Natur findet meistens draußen statt und immer mehr Menschen suchen in der Natur Erholung von ihrem Alltag, Ruhe und Raum für neue Gedanken, Gesundheit und Bewegung. Der Trend, hinaus in die Natur zu fahren, zu gehen oder zu paddeln, ist ungebrochen und immer neue Freizeitbeschäftigungen werden in der freien Natur ausgeübt. So kommt es, dass, wo immer es Parkplätze, Seilbahnen, Wanderwege, Bike-Trails und Skipisten gibt, manchmal mehr Menschen zusammenkommen als in den Fußgängerzonen einer Großstadt. Viele sehnen sich nach Wildnis und unberührter Natur und finden naturnahe Tourismuszentren. So ist es nicht verwunderlich, dass mancher echte Naturliebhaber dorthin ausweichen möchte, wo Natur noch mehr ist als nur Kulisse für Sport und Urlaub. Zum Teil nimmt er erhebliche Strapazen auf sich, um neue Wege zu erkunden, neue Orte zu finden – ohne Zivilisation. Er dringt dabei in Regionen vor, wo lange schon kein Mensch mehr gewesen ist. Was dieser Mensch treibt, nennen er und seine Freunde »Bushcraft und Survival«.
Sehnsucht nach Wildnis? Dann los!
Ich war schon immer gerne draußen, unabhängig vom Wetter. Aber als ich acht Jahre alt war, schenkte mir meine Tante ein kleines Buch mit dem Titel »Leben wie Robinson – Tausend Tipps für Abenteurer« von Brian Hildreth. Hildreth ist Australier und bildete dort Soldaten im Überlebenstraining aus, sodass sein Buch nicht ganz der Lebensrealität eines Achtjährigen entsprach, der am Stadtrand von München aufwuchs. Aber ich war fasziniert davon, dass es tatsächlich möglich sein sollte, mit ganz wenigen Hilfsmitteln längere Zeit in der Wildnis zu leben oder zu überleben.
Heute führe ich selbst auf Erlebniswanderungen Menschen in die Natur und erzähle ihnen von den Möglichkeiten und dem Wissen, das unsere Vorfahren ganz selbstverständlich nutzten, um in der Wildnis überleben zu können. Die Teilnehmer meiner Wanderungen sind meist ebenso fasziniert von der Vorstellung, eine Zeit lang in der Wildnis zu leben, wie ich es als Kind war. Häufig bekam ich schon die Frage gestellt, ob man all das, was ich vorführe und erzähle, irgendwo in einem Buch nachlesen könne. Nachlesen kann man das schon, jedoch kaum in nur einem Buch, oft nicht in deutscher Sprache und meist von Autoren geschrieben, die in der Wildnis der Taiga, in Kanada, Alaska oder sonst irgendwo in der Abgeschiedenheit echter Wildnis leben und arbeiten. Die gute Nachricht ist: Jetzt gibt es dieses Buch.
Es ist für alle, die sich für ein Leben in der Wildnis, für Überlebensstrategien, für Abenteuer, kurz: für Bushcraft und Survival interessieren, dieses Hobby bereits ausüben oder sich mit dem Gedanken tragen, das zu tun. Es soll Sie auf dem Weg zu neuen Abenteuern begleiten und Ihnen das Wissen vermitteln, das Sie da draußen benötigen.
Was Sie hier in Händen halten, hat nicht den Anspruch, alles zu beinhalten, was es über die Wildnis und über Überlebensstrategien zu wissen gibt. Es ist eine Sammlung von Techniken und Anleitungen, die ich erprobt habe und die mit etwas Geschick und Übung funktionieren und das abdecken, was mir wichtig und praktikabel erscheint. Es soll Ihnen ermöglichen, vor die Tür zu gehen und in Ihrer Umgebung, hier in Deutschland, in Ihr nächstes Abenteuer zu starten und dem Ruf der Wildnis zu folgen.
Da Sie dies hier lesen, nehme ich an, dass Sie gern draußen sind oder zumindest die Vorstellung, einen oder mehrere Tage in der freien Natur zu verbringen (und eventuell auch die Nächte), nicht völlig absurd finden. Wenn Sie an ein Leben in der Wildnis denken, haben Sie vielleicht bestimmte Bilder vor Augen. Ein bärtiger Mann, allein in den Wäldern. Der einsame Wolf, der in der Wildnis unberührter Wälder am Feuer sitzt, Kaffee in der Blechkanne kocht und seine Unbeugsamkeit zelebriert. Mehr als ein Bild ist das aber nicht. Es gibt ihn zwar, den einsamen Wolf, aber die Realität ist voll von Wölfinnen, Welpen und Rudeln. Einige der versiertesten Wildnis-Menschen sind Frauen und Bushcrafting mit Kindern oder der ganzen Familie erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Abenteuer in der Wildnis und Nächte mit Mama und Papa im Wald sind die Dinge, an die sich die meisten Kinder, Mädchen genauso wie Jungs, später gern erinnern werden.
Sicher betrachten Sie ein gewisses Maß an persönlichem Risiko als Teil jeden Abenteuers, hegen aber doch den Wunsch, es unbeschadet zu überleben. Vielleicht haben Sie eine romantische Vorstellung von Abenteuer, von Lagerfeuer am Fluss, Sonnenaufgängen im Gebirge und Wanderungen durch lichte Birkenwälder im Herbst oder sehnen sich nach Abenteuern aus Kindertagen zurück. All das ist tatsächlich machbar, aber wenn Sie dieses Buch gelesen haben, wird noch viel mehr dazugehören, wenn Sie an Wildnis und Abenteuer denken. Und es soll nicht beim Denken bleiben …
Dieses Buch besteht aus fünf Teilen:
In diesem Teil erfahren Sie, warum Menschen in die Wildnis möchten, was Bushcraft und Survival bedeutet, etwas über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede und wer so etwas macht. Sie bekommen die wichtigsten Begriffe erklärt, auf die man in diesem Zusammenhang immer wieder stößt, und erfahren, was draußen erlaubt ist und was nicht.
In diesem Teil erkläre ich Ihnen, was Sie in der Wildnis beachten sollten, was Ihnen begegnen könnte, wo die Gefahren und Herausforderungen liegen und was Sie zum (Über-)Leben in der Natur brauchen. Er beinhaltet auch das, was ich gern als »Alltag unter erschwerten Bedingungen« bezeichne. Das sind all die Dinge, die zwar nicht dringend zum Überleben nötig sind und an die man nicht gleich denkt, wenn man sich ein Leben in der Natur vorstellt, bei denen man sich aber später vielleicht wünscht, doch daran gedacht zu haben.
Hier geht es um die Lieblingsspielzeuge des Bushcrafters: die Ausrüstung. Alles über Werkzeuge und Hilfsmittel, die das Wildnisleben leichter, aber den Rucksack leider schwerer machen.
Dieser Teil beinhaltet konkrete, bebilderte Anleitungen zur Herstellung der wichtigsten Dinge, die Sie in der Natur benötigen, oder von Dingen, die einfach Spaß machen oder schmecken. Außerdem erfahren Sie, was für Materialien Sie in der Natur finden (können), welche Sie vielleicht mitbringen sollten, und wofür sie geeignet sind. Nach diesem Teil werden Sie nicht mehr »Baum« denken, sondern »Zunder, Notnahrung, Schnur, Feuerbohrer«.
Im Top-Ten-Teil beantworte ich die zehn häufigsten Fragen zum Thema Bushcraft und Survival, liste die zehn gröbsten Fehler auf, die Sie in der Wildnis unbedingt vermeiden sollten, und stelle Ihnen kurz meine zehn wichtigsten Survival-Items vor.
In diesem Buch finden Sie immer wieder Symbole, die Ihnen eine bessere Übersicht bieten sollen und besonders wichtige Inhalte hervorheben. Im Folgenden erkläre ich Ihnen kurz, was die einzelnen Symbole jeweils bedeuten:
Dieses Symbol erscheint immer, wenn es gefährlich werden könnte. Es erinnert Sie daran, bestimmte Dinge nicht oder mit besonderer Umsicht zu tun.
Hinter diesem Symbol stehen, kurz zusammengefasst, Inhalte oder Definitionen, die Sie im Gedächtnis behalten sollten.
Hier erhalten Sie einen wertvollen Tipp.
Hier finden Sie Interessantes aus dem Erfahrungsschatz des Autors.
Bei diesem Symbol geht es um kulturelle Hintergründe, die mit Bushcraft und Survival zu tun haben.
Es geht weiter mit den Dingen, die ich für die wichtigsten halte, wenn Sie sich über Bushcraft und Survival informieren möchten. Die Reihenfolge der Kapitel bestimmen Sie selbst, denn Sie müssen dieses Buch nicht von vorne nach hinten lesen, auch wenn ich das Bushcraft-Neulingen empfehlen würde. An der Stelle muss ich noch erwähnen, dass das Buch mit einem Quäntchen Humor geschrieben ist und auch so gelesen werden möchte. Es geht dabei in erster Linie um den Spaß an, mit und in der Natur und auch um die Freude am Lesen. Sie sollen die Lektüre nämlich genießen und nicht nur überleben.
Teil I
IN DIESEM TEIL …
In diesem Teil des Buches erfahren Sie, was die Begriffe Bushcraft und Survival bedeuten, wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegen, wer so etwas macht und warum. Es geht darum, rauszugehen und Abenteuer zu erleben in einer Wildnis, die nicht weit weg sein muss.
Kapitel 1
IN DIESEM KAPITEL
Bushcraft und Survival – was bedeutet das?Gemeinsamkeiten und UnterschiedeWer sich dafür interessiert – und warumWildnis – für manche ist sie das Ergebnis von längerer Nachlässigkeit bei der Gartenpflege, für andere sind damit Gebiete gemeint, die man besser meidet, weil darin Gefahren lauern, wieder andere denken an Steppengebiete in Afrika oder Urwälder am Amazonas mit exotischen Tieren und undurchdringlichen Dickichten. Es geht dabei immer um Bereiche, in denen der Mensch der Natur freie Bahn lässt, weil er noch nicht oder nicht mehr gestaltend eingreift.
Wenn Sie die Geschichte der Menschheit ansehen, werden Sie mir zustimmen, dass wir nicht nur der Wildnis entstammen, sondern viele Jahrtausende in ihr gelebt und überlebt haben. Ohne jedes moderne Hilfsmittel haben unsere Vorfahren alle Kontinente besiedelt und es geschafft, in den unterschiedlichsten Formen der Wildnis zu überleben, und zwar nur mit dem, was sie dort finden konnten. Es mag sein, dass uns das bis heute prägt. Vielleicht faszinieren uns deshalb Abenteuergeschichten wie die von James Fenimore Cooper, Jules Verne, Karl May und Daniel Defoe, die in der Wildnis ferner Länder spielen. Und wenn Sie Kinder haben oder sich an Ihre eigene Kindheit erinnern, wissen Sie, dass es nicht mehr braucht, als einen Bach, ein paar Äste und Steine und vielleicht ein Lagerfeuer, um sich stundenlang zu beschäftigen, schmutzig zu machen und glücklich zu sein. In der Natur fühlen wir uns frei, sobald wir unsere Angst vor dem Wilden und Ungezähmten abstreifen. Folgen Sie dem Ruf der Wildnis und erleben Sie selbst, was Sie sonst nur in Abenteuerfilmen sehen oder in Büchern lesen! Wenn Sie das tun, betreten Sie nicht nur die Wildnis, sondern auch die faszinierende Welt von Bushcraft und Survival.
Was ist nun aber Bushcraft und was ist Survival? Bushcraft und Survival werden nicht ohne Grund so häufig in einem Atemzug genannt, denn eine klare Abgrenzung ist nicht ganz einfach. Dennoch werde ich versuchen, die wesentlichen Aspekte der beiden Begriffe darzulegen, denn es ist mit Sicherheit sinnvoll zu wissen, welcher der beiden Aspekte Ihres Hobbys gerade im Vordergrund steht, auch unter dem Aspekt, dass Sie dann in diesem Buch schneller das finden, was Sie wissen möchten.
Der englische Begriff Bushcraft setzt sich zusammen aus »bush«, was Busch oder Buschland bedeutet, und »craft«, was so viel bedeutet wie Handwerk oder Kunst. Man kann ihn frei mit »Busch-Handwerk« oder »Handwerk der Wildnis« übersetzen.
Bushcrafting bedeutet, dass Sie sich mit dem Wissen und den Fähigkeiten befassen, die Sie benötigen, um in der Wildnis längere Zeit zu leben beziehungsweise zu überleben.
Das tun Sie, indem Sie draußen in der Natur handwerkliche Techniken üben, die natürlichen Ressourcen nutzen lernen und trainieren, alle lebenswichtigen Dinge und auch manches darüber hinaus selbst herzustellen oder zu finden. Wenn Sie eine Bushcrafting-Tour planen, gilt also in der Regel:
Sie entscheiden vorher, wo Sie hingehen werden.
Sie wissen, wann Sie dies tun.
Sie halten sich absichtlich in einem bestimmten Gebiet auf.
Sie haben sich über die Bedingungen dort informiert.
Sie bestimmen selbst, wie lange Sie bleiben.
Sie wählen Ihre Ausrüstung entsprechend Ihren Bedürfnissen.
Wenn Sie mit minimaler Ausrüstung trainieren, tun Sie das bewusst.
Für den Bushcrafter stehen somit das Erlebnis in der Natur und die handwerkliche Beschäftigung im Vordergrund.
Theoretisch kann es Ihnen auch beim Bushcrafting passieren, dass Sie in eine Survivalsituation geraten, jedoch nur, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Sie könnten sich zum Beispiel verirren, verletzen oder Ihre Ausrüstung verlieren. Dann wären Sie plötzlich mitten in einem Survival-Szenario. Survival ist Englisch und bedeutet schlicht: Überleben!
Survival ist nicht oder nur schlecht planbar, denn die Umstände, die zu einer konkreten Survivalsituation führen können, sind vielfältig.
Survival bedeutet, dass Sie wissen, was zu tun ist, falls Sie plötzlich und unerwartet in eine lebensbedrohliche Situation geraten sollten.
Das heißt, jederzeit auf eine Fülle von Krisensituationen gefasst zu sein, potenzielle Gefahren zu erkennen und das Wissen zu haben, das nötig ist, um schnell, flexibel und kreativ darauf reagieren zu können und so die Krise zu meistern oder so lange zu überleben, bis Hilfe eintrifft. Hier müssen Sie sich Folgendes vor Augen halten:
Sie wissen nicht, wo Sie von einer Survivalsituation überrascht werden.
Sie können nicht vorhersehen, wann eine Survivalsituation eintreten wird.
Sie möchten die bedrohliche Situation schnellstmöglich unbeschadet verlassen.
Es ist nicht vorhersehbar, worin eine mögliche Krisensituation bestehen wird.
Es ist unklar, wie lange Sie überleben müssen, ehe Sie Hilfe bekommen.
Es ist unklar, welche Ausrüstung Sie im Ernstfall genau benötigen werden.
Es ist unmöglich, Ihr gesamtes Ausrüstungssortiment immer und überall mitzuführen.
Dazu kommt, dass Sie nicht wissen, ob Sie überhaupt jemals in eine Situation kommen, in der ein Ereignis Ihr Leben ernsthaft bedroht. Diese Wahrscheinlichkeit ist durchaus vorhanden, auch wenn sie in Deutschland relativ gering ist. Sie müssen, wenn es darauf ankommt, mit der Ausrüstung zurechtkommen, die gerade zur Verfügung steht, und unter hohem Stress die richtigen Fähigkeiten anwenden können. Hier stehen Training, Flexibilität und psychische Stabilität stärker im Vordergrund als das Naturerlebnis.
Machen Sie sich bewusst, dass Sie nicht nur draußen in der Natur, sondern auch zu Hause, am Arbeitsplatz oder auf der Fahrt dorthin, im Kino oder beim Einkaufen in irgendeine Art von Survival-Situation kommen könnten. Über Urban Survival und andere Survival-Techniken gibt es eine Fülle an Informationen, doch diese sind nicht Gegenstand dieses Buches. Wenn ich hier von Survival spreche, geht es stets darum, möglichst unbeschadet aus einer potenziellen Gefahrensituation herauszukommen, die in der Natur auftritt, beziehungsweise um das Überleben in der Natur abseits der Zivilisation in einer plötzlich entstandenen Not- oder Mangelsituation.
Die Überschneidungen von Bushcraft und Survival liegen darin, dass auf der einen Seite Bushcraft ein hervorragendes Trainingsfeld für Survival-Fähigkeiten darstellt und andererseits das Risiko, in eine Survivalsituation zu kommen, beim Bushcrafting außerhalb der Zivilisation erhöht ist, weil Sie sich hier meist allein in unwegsamem Gelände in größerer Entfernung zu menschlichen Ansiedlungen befinden. Das macht für den Bushcrafter eine Beschäftigung mit dem Thema Survival praktisch unabdingbar.
Das Wissen, ein Hobby auszuüben, das mit gewissen Risiken verbunden sein kann, denen man mit Wissen, Training und Können zu begegnen hat, trägt wesentlich zum Abenteuer-Erlebnis bei.
Bushcraft-Fertigkeiten können andererseits, da sie ein Leben in der Abgeschiedenheit der Wildnis ermöglichen, eine wichtige Ressource für das Überleben in einer Krisensituation sein, bei der ein Rückzug in die Wildnis sinnvoll erscheint.
Beim Bushcrafting ist eines besonders wichtig: Wenn Sie da hinausgehen, ist das allein Ihre Sache: Ihre Freiheit, Ihre Freude, Ihr Risiko, Ihr Abenteuer und Ihre Verantwortung.
Sie fragen sich vielleicht, warum man das überhaupt tun sollte. Was bewegt Menschen dazu, ihre Wohnung mit Heizung, Wasseranschluss und Kühlschrank zu verlassen und ohne triftigen Grund in abgelegene Gebiete zu gehen. Was ist so schön an Kälte, Regen und Wind, langen Märschen und einem harten Nachtlager? Woher kommt die Faszination, die eigenen Lebensgrundlagen, wenn auch nur zeitlich begrenzt, auf das Allernötigste zu reduzieren? Die Gründe sind vielfältig und vielschichtig.
Abenteuerlust:
Sie spielt eine entscheidende Rolle: Das Bestreben, sich wieder so zu fühlen wie mit zehn, als man die Wildnis am Rande von stillgelegten Rangierbahnhöfen, in verwilderten Parks oder am nahen Waldrand für sich entdeckte, Lager baute, Banden gründete und sich vorstellte, man bliebe einfach draußen, ohne Schule, Aufsicht und Zwänge, wie Huckleberry Finn, Ronja Räubertochter oder Winnetou. Was in Kindertagen größtenteils ein Traum bleiben musste, ist für Erwachsene zumindest zeitweise realisierbar: ein freies Leben in der Natur. Ich habe ungefähr in diesem Alter ein Buch geschenkt bekommen mit dem Titel »Leben wie Robinson«. Dieser Wunsch, so leben zu können, wie Robinson, hat mich seither immer begleitet.
Mit sich selbst allein sein:
Die Erfahrung, ganz für sich selbst verantwortlich zu sein, vielleicht vor Unerbittlichem zu stehen und sich selbst in Situationen zu erleben, in die man im Alltag nie kommt, kann eine prägende Erfahrung fürs Leben sein. Selbstfindung
in der Natur
, wenn Sie so wollen.
Leben wie unsere Vorfahren:
Vielleicht möchten Sie gerne leben wie die Menschen früherer Zeiten, als das Leben noch überschaubar war und sich darauf beschränkte, die nächste Mahlzeit zu beschaffen oder den nächsten Winter zu überleben. Das ist, zugegeben, eine romantisierende Vorstellung, von der man während eines Schneesturms allein nachts im Wald schnell geheilt wird, aber dennoch ein Gefühl des Triumphs gewinnt, wenn man alles überstanden hat.
Wissen, dass man es kann:
Sich selbst von den eigenen Möglichkeiten zu überzeugen, kann sehr bereichernd sein. Schließlich bewegt viele Bushcrafter auch der Wunsch, in der Wildnis oder sonst wo überleben zu können, wenn es durch eine Krise, welcher Art auch immer, nötig werden sollte. Bushcraft und Survivaltraining sind Möglichkeiten, auf unvorhergesehene Ereignisse besser vorbereitet zu sein oder sich zumindest besser vorbereitet zu fühlen.
Um wirklich zu wissen, warum Bushcrafting ein Hobby mit Suchtpotenzial sein kann, müssen Sie es aber selbst ausprobieren. Dabei soll dieses Buch Sie begleiten.
In der Wildnis bekommt jede Pflanze, jeder Stein, jedes Stück Holz und alles, was Sie daraus machen, einen eigenen Sinn, eine besondere Bedeutung – auch Sie selbst –, denn alles, was Sie tun, dient unmittelbar einem Zweck: Leben. Das ist in meinen Augen die wesentliche Schlüsselerfahrung beim Bushcrafting.
Wenn Sie ein Bushcraft-Neuling sind und gerade erst anfangen, sich näher mit diesem Thema zu beschäftigen, haben Sie wahrscheinlich noch nie einen Bushcrafter bei der Ausübung seines Hobbys in freier Wildbahn getroffen. Dass solche Begegnungen selten sind, liegt in der Natur der Sache, denn in den meisten Fällen haben Bushcrafter kein Interesse an Kontakten mit der Zivilisation, solange sie draußen unterwegs sind. Was sind das also für seltsame Gestalten, die sich tief in den Wäldern herumtreiben und unentdeckt ihren Geschäften nachgehen?
Gleich vorweg möchte ich sagen, dass alle, zu denen ich in diesem Zusammenhang Kontakt hatte, sympathische, liebenswürdige Menschen sind, die die Natur lieben, gern mal für sich sind und eine Neigung zu Eigenverantwortung und Abenteuer haben. Und fast alle werden gern ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen, wenn Sie dafür Interesse zeigen. Bestimmte »Typen« lassen sich aber doch unterscheiden, und zwar anhand der Art und Weise, wie diese ihr Hobby betreiben. Die folgende Einteilung basiert auf meinen Beobachtungen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, liefert aber einen Überblick darüber, wie Bushcrafter aussehen könnten, wenn sie Ihnen doch mal begegnen sollten.
Vor allem aber möchte ich Sie damit inspirieren, neugierig machen und Sie dazu anregen, sich selbst einmal zu überlegen, welcher Typ Sie gern wären:
Der Scout:
Sie sind auf unbekanntem Terrain ohne allzu konkrete Planung unterwegs. Ihnen geht es darum, neue Wege und unentdeckte, schwer zu erreichende Orte zu erkunden. Da Sie hierfür relativ weite Strecken zurücklegen, sich selbst versorgen und auf Wetterkapriolen eingestellt sein müssen, tragen Sie wahrscheinlich einen großen Rucksack, den Sie geschickt packen müssen, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, ohne zu viel Gewicht zu schleppen. Ich bin gern selbst so unterwegs und finde, der Scout verkörpert besonders gut, was ich mir persönlich unter Bushcraft und Survival vorstelle.
Der Minimalist:
Sie sind ein Meister der Selbstbeschränkung und haben möglicherweise nur Ihre Kleidung dabei. Alles, was Sie benötigen, stellen Sie aus natürlichen Ressourcen her. Sie lieben diese Herausforderung. Hier sind ein ausgezeichneter Trainingszustand, viel Erfahrung und Wissen sowie psychische Stabilität gefragt. Man kann eine Winternacht im Freien komplett ohne mitgebrachte Ausrüstung einigermaßen warm überstehen, das haben Minimalisten mehrfach bewiesen. Ich bewundere Menschen, die so etwas schaffen, habe aber selbst gern einen wohldurchdachten Satz Hilfsmittel dabei. In einer Survival-Situation wären Sie als Minimalist klar im Vorteil.
Der Historiker:
Sie verwenden nur Ausrüstungsgegenstände und Techniken einer bestimmten historischen Epoche, die Sie häufig auch selbst herstellen. Wenn Ihnen jemand begegnet, würde er zum Beispiel einen Wikinger, einen Trapper oder einen amerikanischen Ureinwohner sehen. Sie erreichen mit einfachsten Mitteln erstaunliche handwerkliche Leistungen. Da Sie als Historiker keine modernen Materialien verwenden, ist Ihre Ausrüstung, selbst bei geringerem Umfang, relativ schwer. Außerdem verzichten Sie auf Annehmlichkeiten wie Isomatte, Stirnlampe oder Wasserfilter.
Der Waldläufer:
Sie sind mit leichtem Gepäck unterwegs, kommen mit sehr wenig Komfort aus und versorgen sich praktisch komplett aus der Natur. Da dies fast nur mit Jagen oder Angeln möglich ist, kommt diese Bushcrafting-Variante in Deutschland aus rechtlichen Gründen kaum in Betracht, es sei denn, Sie haben einen Angelschein und planen Ihre Route entlang von legal zugänglichen Angelplätzen.
Der Jäger und Fallensteller
sei hier nur erwähnt. Ihn treffen Sie vielleicht in Kanada, Alaska oder Sibirien. In Deutschland ist die Kombination von Jagd und Bushcrafting aus rechtlicher Sicht praktisch ausgeschlossen, wenn Sie nicht gerade über einen Jagdschein und ein eigenes Jagdrevier verfügen. Die Jagd
mit Fangschlingen wird in manchen Bushcraft-Büchern und Online-Tutorials beschrieben, ist in Deutschland aber prinzipiell verboten!
Als Bush-Trekker
verkörpern Sie die Fernwander-Version des Bushcrafters. Sie kombinieren klassisches Trekking
mit Bushcraft-Tätigkeit. Trekking in Deutschland ermöglicht Ihnen Touren durch ursprünglich wilde Landschaften, zwar meist auf Wanderwegen, aber mit der offiziellen Erlaubnis an bestimmten Plätzen in der Natur
ein Zelt aufzuschlagen oder Feuer zu machen, was sonst in aller Regel recht kompliziert ist. Eine gute Variante für Familien.
Der Camper:
Sie bauen sich gerne ein Lager mit Shelter, Feuerstelle, und Brennholzvorrat, um längere Zeit (mehr als eine Übernachtung) dort zu bleiben und Ihrem Hobby zu frönen. Sie lassen Ihre Bauwerke manchmal auch stehen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu nutzen. Wenn Sie diese Bushcrafting-Variante favorisieren, benötigen Sie in Deutschland die Einwilligung des Grundstückseigentümers, sowohl für die Bauwerke als auch für das Feuer, sonst machen Sie sich sehr schnell unbeliebt oder sogar strafbar.
Als Phantom
Kapitel 2
IN DIESEM KAPITEL
Wie Wildnis in Deutschland aussehen kannWelche Voraussetzungen Sie für Bushcraft und Survival mitbringen solltenRechtliche Rahmenbedingungen, die Sie einhalten müssenVielleicht sehen Sie sich vor Ihrem inneren Auge bereits ein paar Bäume fällen, eine Blockhütte bauen und eine frisch gefangene Forelle über dem Lagerfeuer braten. Leider muss ich Ihre Begeisterung bereits jetzt schon etwas bremsen. Bäume fällen, Gebäude errichten, Feuermachen, Fische fangen … Leider ist all das in der Bundesrepublik verboten. Nun stellt sich die Frage, ob Bushcraft und Survival hierzulande überhaupt legal möglich sind? Die Antwort lautet glücklicherweise: Ja! Sie müssen dabei lediglich ein paar Aspekte verstehen und eine Reihe von Regeln beachten – wie bei jedem anderen Hobby auch.
Beim Bushcrafting ist häufig die Rede vom Überleben in der Wildnis. Wildnis bedeutet: Von menschlichen Einflüssen unberührte Natur. Solche Gebiete sind in der Bundesrepublik Deutschland ausgesprochen selten. Fast die gesamte Fläche wird für Wohnraum, Gewerbe, Verkehr, Land- und Forstwirtschaft genutzt. Echte Wildnis macht weniger als ein Prozent der Landesfläche aus und ist häufig streng geschützt. Soweit die schlechte Nachricht. Die gute ist: Ein erheblicher Teil der Landesfläche ist von Wäldern bedeckt, die zwar forstwirtschaftlich und jagdlich genutzt werden, in vielen Fällen aber sehr ursprünglich und in manchen Bereichen auch längerfristig unberührt sind.
Als Faustregel kann man sagen, je weiter ein Waldgebiet von Ballungszentren entfernt ist, je gebirgiger das Gebiet, in dem es liegt, und je schlechter es erschlossen ist, desto ähnlicher wird es der echten Wildnis sein.
Auch Flussauen, Moore, extensiv genutzte Wiesen und verwilderte Bereiche wie ehemalige Steinbrüche oder Kiesgruben können unter Bushcraft-Aspekten als Wildnis durchgehen. Solche Gebiete können in der Regel frei betreten werden und Sie dürfen sich in vielen Fällen ganz offiziell darin aufhalten, obwohl Ihnen das Grundstück nicht gehört.
Sie merken schon, es ist nötig, dass Sie sich mit ein paar rechtlichen Fragen befassen, ehe Sie irgendwo ein Lager aufschlagen.
Wissen Sie, in welchen Gewässern Sie ein Schlauchboot benutzen dürfen und in welchen nicht? Wie lang ein Fahrradanhänger höchstens sein darf und in welchem Umkreis von Flugplätzen Sie keinen Drachen steigen lassen dürfen? Was ich hier zeigen möchte: Egal, was Sie tun, es gibt fast immer ein passendes Gesetz, das regelt, was Sie tun dürfen. Sie werden viele dieser Gesetze wahrscheinlich gar nicht kennen, obwohl Sie diese beachten müssen. Nicht einmal ein Jurist könnte in jeder Situation sagen, was gerade gilt. So ist es auch bei Bushcraft und Survival.
Das Wichtigste und Einfachste vorweg: In einer realen Survival-Situation dürfen Sie alle geeigneten Maßnahmen ergreifen, die für Ihr Überleben oder die Rettung anderer Personen notwendig sind.
