Bushin Wa - Michael Wedekind - E-Book

Bushin Wa E-Book

Michael Wedekind

0,0
12,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Dieses Buch gibt persönliche Einblicke in die Welt des Bujinkan Budô, durch kürzere und längere Essays, die im Laufe der Jahre entstanden sind. Der Text wird durch eigene Fotos und Kalligraphien von Sôke Hatsumi aufgelockert. Das E-Book entspricht etwa 180 Seiten.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2020

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Bushin Wa

WidmungDanksagungVorwort des VerfassersDr. Masaaki Hatsumi - anstatt eines VorwortesBudô - meine persönliche Geschichte道場 Dôjô - Ort des Weges武神館 Bujinkan - Halle des KriegsgottesDie neun Budô-Traditionen des BujinkanWas ist ein Ninja?暗黒 透視術 Ankoku Tôshijutsu - Im Dunkeln sehen玉虎 Gyokko - Wie ein strahlender Diamant武徳 Butoku - Die sieben Tugenden der japanischen Krieger殺気術 Sakkijutsu - Die Intension des Killers spüren恐い武者 Kowai Musha - Der ängstliche Krieger武神館道場六宝 Bujinkan Dôjô Roppô - Die sechs Schätze des Bujinkan Dôjô骨法術 Koppôjutsu - Die Struktur des Angriffs zerstörenEin Geschenk von Sôke絶妙な旅 Zetsumyô na Tabi - Eine unvergleichliche Reise初心五型五行の型 Shoshin Gokei Gogyô no Kata - Grundlegende Trainingsform der 5 Elemente自然 Shizen - Die Natur, als Konzept im Budô伝書と口伝 Densho und Kuden兵静心 Heijôshin - Gelassenheit im Kampf空前絶後 Kûzen-zetsugo - Einmaligkeit und die Natur des Trainings士道師 Shidôshi - Bujinkan Budô lernen und lehren成長 Seichô - Erwachsen seinSpätabends in Japanくの一 Kunoichi - Der weibliche Ninja„Halt die Klappe und trainiere!“崩 Kuzushi - Das Gleichgewicht brechen虎擲龍拏十方折衝 Koteki Ryûda Jûppô Sesshô - Die Kräfte der Natur im 3-dimensionalen Raum einsetzen揚心 Yôshin - Gewinnen durch nachgeben姿勢 Shisei - Die Haltung eines Budôka戦場での戦い Senjô de no tatakai - Kämpfen auf dem Schlachtfeld護身術 Goshinjutsu - Die Kunst der Selbstverteidigung無刀捕極意 Mutô Dori Gokui - Die Essenz des Mutô Dori空間 Kûkan - Den leeren Raum nutzenBudô, und ein gutes Leben führen意識 Ishiki - Die Entwicklung von Bewusstsein催眠術 Saiminjutsu - Die Kunst der Hypnose虚実と必勝の信念  Kyojitsu to Hisshô no Shinnen - Täuschung und der Glaube an den sicheren Sieg心技体 武風一貫 賞 Shingitai Bufû-ikkan ShôBujinkan Bufukai e.V. 1988Nachwort des VerfassersImpressum

Widmung

Dieses Buch wäre ohne meinen Lehrer, Dr. Masaaki Hatsumi, Sôke des Bujinkan Dôjô, nie entstanden. Danke Sensei.

Danksagung

Neben meiner Frau und meinen drei Kindern, die mich in vielerlei Art unterstützt haben, möchte ich all´ meinen Schülern danken, ohne sie hätte ich mich nicht entwickeln können.

Zudem möchte ich all den verschiedenen Lehrern und Buyû danken, die mir geholfen haben, die Lehren von Hatsumi Sôke zu verstehen.

Bogsäter, Sveneric; Franzen, Thomas; Fröhlich, Steffen; Furuta, Koji; Hayes, Stephen K.; Hesselmann, Hans; Ichizuka, Tetsuji; Kan, Junichi; Kastiel, Moshe; Malstrom, Bud; Manaka, Fumio; McCarthy, Brian; Millis, Kevin; Morgan, Brin; Munthe, Bo F.; Nagase, Hiroshi; Nagato, Toshiro; Nakadai, Keiji; Navon, Doron; Noguchi, Yukio; Oguri, Koichi; Richardson, Paul; Sakasai, Norio; Seno, Hideo; Shiraishi, Isamu; Someya, Kenichi; Stefanidis, Nikolaos; Tomarkin Morgan, Natasha; van der Vliet, Mariette; Van Donk, Richard und viele weitere, die ich vergessen habe aufzuzählen. Ich bitte dafür um Entschuldigung.

Bodhidharma mit Schriftzug „Bufû-ikkan“

Vorwort des Verfassers

Alles, was ich in diesem Buch niederschreibe, entspricht nur meiner subjektiven Wahrnehmung der Wirklichkeit. Andere Menschen haben vielleicht das gleiche Erlebnis anders wahrgenommen.

Es ist wie nach einem Kinofilm, ein Kinobesucher fand den Film einfach nur genial, weil es so gute Actionszenen gab. Ein anderer Besucher empfand den Film nur sehr schwach, da er den Hauptdarsteller aus anderen Filmen kennt und er dieses Mal einfach nur schlecht seine Rolle verkörperte. Ein anderer fand die Handlung gut, weil es seiner Vorstellung von Actionfilmen entsprach. So kann jeder das gleiche gesehen haben, aber jeder hat etwas anderes wahrgenommen.

Dieses Buch soll unterhalten und dem Leser einen Einblick in die Kunst des Bujinkan Budô geben. Es sind kleine Geschichten und Aufsätze über verschiedene Erlebnisse, die ich auf meinem Weg der Kriegskünste erlebt habe.

Ich zähle mich nicht zu den Schülern, die dem Oberhaupt des Bujinkan Dôjô, Sôke Masaaki Hatsumi, sehr nahestehen. Alle Einsichten sind meine persönlichen Sichtweisen, die nicht den Anspruch auf Richtigkeit haben. Der Leser kann selbst entscheiden, welche Sichtweise in seine Realität passt und welche nicht.

Ich wünsche mir, dass dieses Buch einige Menschen inspirieren wird, den eigenen Weg der Kriegskünste zu beschreiten.

Bufû-ikkan,

Michael Wedekind

Dr. Masaaki Hatsumi - anstatt eines Vorwortes

Bei einer Japanreise Mitte Oktober 2019 zeigte ich meinem Lehrer Dr. Masaaki Hatsumi den Vorabdruck meines Buches und bat ihn darum, mir ein Vorwort zu schreiben.

Zuerst verstand er mich falsch, und er signierte das vorgelegte Buchexemplar mit einer Kalligraphie. Das war nicht ganz das, was ich wollte. Leider war ich schlecht vorbereitet und konnte mich über den Übersetzer nicht verständlich machen.

Also bereitete ich mich für das nächste Treffen besser vor. Ich formulierte meinen Wunsch schriftlich auf Japanisch. Damit konnte ich ihm verständlich machen, was ich wollte.

So erhielt er das eine Exemplar als Geschenk, welches er scheinbar mit Freude durchblätterte und sich die vielen Fotos anschaute. Er fragte zum Beispiel, was aus Moshe Kastiel geworden wäre, was ich nicht wirklich beantworten konnte.

Dann zeigte er mir und den dabeisitzenden Dai Shihan einige Fotos von Seno Dai Shihan, der im Mai des Jahres verstorben war.

Anschließend schrieb er die Kalligraphie auf der nächsten Seite. Dann bat er seine japanischen Schüler, einige alte Hängerollen zu bringen. Er schaute sich jede an, und etwa nach der neunten Hängerolle wählte er die aus, die er mir, nachdem er sie mit einem zusätzlichen Schriftzug ergänzt hatte, schenkte.

Vielen Dank, Sensei!

Ichi Doku Pan Shin - Ein Buch, das viele Herzen erreichen soll.

Kalligraphie von Hatsumi Sôke, Oktober 2019

Budô - meine persönliche Geschichte

Das Bujutsu 武術 (Kriegshandwerk) hat eine lange Tradition, nicht nur in Japan. Beginnen wir bei meiner Geschichte, ebenfalls mit der Vergangenheit.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand ein reger Austausch zwischen Deutschland und Japan statt. Mein Großvater, Karl Wedekind, der als Offizier bei der deutschen Wehrmacht diente, wurde 1935 nach Japan entsandt, um als Austauschoffizier dort Erfahrungen zu sammeln. Er nahm seine Familie, seine Frau und seine beiden Söhne, mit sich ins entfernte Japan. Mein Vater war damals 7 Jahre alt, und sein Bruder war 3 Jahre alt. Durch die Schule, aber mehr noch durch die japanischen Nachbarkinder, lernte mein Vater schnell die japanische Sprache.

Mein Vater mit seinem Bruder 1934

In der Schule, in der verschiedene ausländische Kinder, aber hauptsächlich Kinder japanischer Offiziere lernten, gab es für die jüngeren Kinder 3-mal wöchentlich Unterricht im Judô 柔道 (Ringen und Werfen), und ab dem 10ten Lebensjahr kam noch Kendô 剣道 (Fechten mit dem Bambusschwert) hinzu.

Eines Tages fragte einer der japanischen Schulfreunde meines Vaters, ob er nicht mal „richtiges“ Kämpfen lernen wollte, Judô wäre doch nur etwas für kleine Kinder. So kam es, dass nach anfänglichen Schwierigkeiten mit meinen Großeltern mein Vater mit dem besagten Freund ein traditionelles Jûjutsu Dôjô besuchen durfte.

In diesem Dôjô 道場 (Übungsort) wurde Hontai Takagi Yoshin-ryû unterrichtet. Der Sensei 先生 (Meister oder Lehrer) hieß Toshiro Yabunagi und war ein Schüler von Yoshitarô Mizuta.

Es wurden hauptsächlich Falltechniken, Hebel, Würfe und ein paar Schlagtechniken geübt. Einiges erinnerte an Judô, aber die Techniken waren schmerzhafter und kompromissloser. Als mein Vater 13 Jahre alt war, erlaubte Sensei Yabunagi, dass mein Vater am Training mit Stockwaffen teilnehmen durfte.

Am 12. Oktober 1942, im Alter von 14 Jahren, erhielt mein Vater eine Urkunde, ein Mokuroku-Zertifikat, zusammen mit einer Schriftrolle, der Shoden Gata, überreicht. In dieser Schriftrolle sind 15 Omote Gata und 17 Ura Gata Techniken aufgelistet.

Anfang 1943 wurde mein Großvater zurück nach Deutschland beordert. Aber schon im Sommer 1943 musste er aus gesundheitlichen Gründen die Wehrmacht verlassen. Dafür wurde mein Vater 1944 als Flakhelfer zum Kriegsdienst eingezogen. Nach Kriegsende und nachdem mein Vater eine Schreinerlehre beendet hatte, wollte er zusammen mit einem Dortmunder Polizeibeamten 1948 eine Jûjutsu-Schule eröffnen. Dies wurde jedoch von den Besatzungsmächten verboten. So arbeitete mein Vater erst als Schreiner, dann eröffnete er eine kleine Spedition, um später Lagerverwalter zu werden. Er gründete eine Familie, und die Erlebnisse in Japan gerieten immer mehr in den Hintergrund.

Schon früh verspürte ich den Wunsch, Kampfsport zu betreiben, und als ich 1976 mit dem Judô anfing, erzählte mir mein Vater erstmals von seiner Jugend in Japan. Er zeigte mir alte Fotos und die Schriftrolle, welche er damals überreicht bekam.

Ich war sehr beeindruckt und bat meinen Vater, mir etwas von diesen Techniken zu zeigen. Aber mein Vater sagte, dass es schon so lange her sei und er das meiste mittlerweile vergessen habe. Als ich älter wurde, unterrichtete er mich dann doch noch in den Techniken, die er in Japan gelernt hatte.

So, nun muss ich mich erstmal entschuldigen. Nicht alles, was ich aufgeschrieben habe, beruht auf Tatsachen. Vieles vermischt sich mit meinem Wunschdenken, einer ausschweifenden Fantasie und dem nachlassenden Gedächtnis.

Erste Lektion „Ninjutsu“

Der Ninja macht von dem Prinzip des Kyojitsu 虚実転換法 (Die Methode, „Lüge und Wahrheit“ auszutauschen) Gebrauch. Es ist wichtig zu erkennen, was eine Lüge und was die Wahrheit ist.

Glaubt den Menschen nicht alles, was sie erzählen oder niederschreiben. Gerade in der heutigen Zeit ist die Fähigkeit, Lügen zu durchschauen, wichtig. Es liegt in der Natur des Menschen, andere Menschen durch mehr oder weniger offensichtliche Unwahrheiten und Lügen für sich einzunehmen oder zu manipulieren. Die folgende Aussage stammt von meinem Lehrer Hatsumi.

„Der Ninja benutzte gezielte Falschinformationen, um den Gegner zu beeinflussen. Da der Ninja sich frei mit den Begriffen von Wahrheit und Falschheit auseinandersetzt und diese ineinanderfließen lässt, muss er in seinem eigenen Konzept der Realität verwurzelt sein. Um zu verhindern, dass er durch seine eigene Täuschung oder Bewusstseinsveränderung verloren geht, fehlgeleitet oder verwirrt wird, muss der Ninja Seishin oder die Reinheit des Herzens aufrechterhalten. In diesem Sinne bedeutet das Wort rein 'vollständig' oder 'insgesamt'. Der Ninja trägt die Wahrheit in seinem Herzen, obwohl er in vielen psychologischen Verkleidungen anderen gegenüber erscheinen kann.“

- Masaaki Hatsumi Bujinkan Sôke

Nun geht es mit größerem Wahrheitsgehalt weiter:

Ich wurde als zweiter Sohn geboren und erlebte eine unbeschwerte Kindheit in einem kleinen Dorf im Münsterland. Da ich immer einer der kleinsten in der Schulklasse war, wurde ich oft von Mitschülern verhauen. Mit 11 Jahren las ich eine Geschichte über einen Jungen, der Judô erlernte. Diese Geschichte ging mir nicht mehr aus dem Sinn, und so lag ich meinen Eltern in den Ohren, dass ich gerne Judô trainieren möchte. Sie gaben nach, als ich 13 Jahre alt wurde. Dies lag daran, dass ich mit dem Zug in die Nachbarstadt fahren musste. Der Sport begeistere mich sehr, und schon bald kamen auch meine beiden besten Freunde mit zum Judôtraining.

1976 lief die Serie Kung-Fu im Fernsehen, und ich fand diese Art des Kämpfens viel besser als Judô. Ich hielt also nach weiteren Kampfkünsten Ausschau, und als bei uns im Nachbardorf Taekwondo 태권도 (koreanischer Fuß- und Faustkampf) angeboten wurde, gab ich 1979 mein Judôtraining auf und widmete mich intensiv dem koreanischen Karate.

Der Autor (rechts) beim Taekwondo

Durch einen englischen Freund, der mit mir Taekwondo trainierte, wurde ich 1982 erstmals auf das Ninjutsu 忍術 (Kunst des Versteckens und der Spionage) aufmerksam gemacht. In einem amerikanischen Budômagazin gab es einen Artikel über die Kampfkünste der Ninja 忍者 (japanische „Schattenkrieger“). Der Autor Stephen K. Hayes machte in Amerika das Ninjutsu bekannt, und hatte bereits die ersten Bücher über die Ninja veröffentlicht. Diese Bücher bestellten wir uns zusammen aus England. Es waren die Bücher Ninja 1 und 2, die Jahre später auch auf Deutsch erscheinen sollten. Wir versuchten, die Techniken aus unserem Verständnis nachzumachen. Ich hatte damals neben dem Taekwondo mit dem Hapkido 합기도, einer anderen koreanischen Selbstverteidigungsart, begonnen.

Nach einem Seminarbesuch bei Wolfgang Ettig, der das Ninjutsu in Deutschland populär machen wollte, gründete ich 1984 zusammen mit Freunden aus dem Taekwondo unseren ersten Ninja Club. Zurückblickend kann ich sagen, dass wir richtige „Wald- und Wiesen-Ninja“ waren und keine wirkliche Ahnung von dieser Kampfkunst hatten.

1986 besuchte ich ein von der INAG (International Ninja Association Germany) ausgerichtetes Ninja-Festival. Dieses Trainingscamp wurde auf einem Bundeswehrübungsplatz durchgeführt, auf dem wir zelten durften.

Das Training entsprach aber leider nicht meinen Vorstellungen vom Ninjutsu. Aus dieser Unzufriedenheit heraus, die ebenfalls durch das schlechte Wetter bedingt war, schrieb ich einen kritischen Leserbrief an das Karate Budo Journal. Daraufhin meldete sich ein Schüler von Brian McCarthy, einem irischen Ninjameister, der wie Stephen K. Hayes, bei Großmeister Masaaki Hatsumi in Japan sein Wissen erworben hatte.

Dadurch bekam ich 1986 erstmals Kontakt zum Bujinkan, der Vereinigung von „Sôke“ 宗家 (Oberhaupt einer Tradition), Masaaki Hatsumi. Ich besuchte zwei Seminare bei Brian McCarthy und lernte dann 1987 Bo F. Munthe aus Schweden kennen, der als erster das Ninjutsu in Europa verbreitete.

Brian McCarthy mit Marco Borst (1987)

Ich leitete damals als 1. Dan eine Taekwondo-Abteilung in einem Fußballverein. Mit dem Vorstand des Vereins kam es später zu Unstimmigkeiten, und ich entschloss mich, nur noch Ninjutsu zu trainieren.

Mit Bo Munthe verstand ich mich sofort, er lud mich ein, nach Stockholm zu kommen, um dort bei ihm zu trainieren. Ich nutzte den Sommer als Trainingsurlaub und besuchte Bo Munthe in Schweden. Dort wohnte ich in seinem Keller-Dôjô und trainierte so oft es möglich war. Da Bo Munthe zu dieser Zeit persönliche Probleme (mit seiner sehr viel jüngeren Frau) hatte, schickte er mich zusätzlich in ein anderes Dôjô in Stockholm.

Seminar mit Bo F. Munthe in Osnabrück (1987)

Dieses wurde von Sveneric Bogsäter geleitet. Dieser war gerade als frischgebackener Godan (5. Dan) aus Japan zurückgekehrt. Ich wurde dort von einem seiner Danträger angeleitet, der mir Sveneric Bogsätter mit folgenden Worten beschrieb: „He is the master of pain and disaster.“ (Er ist der Meister von Schmerz und Unglück.) Und so war er auch. Ein Hüne von Gestalt mit über zwei Zentnern Gewicht, fegte er alle Angriffe seiner Danträger beiseite.

Leider erfuhr ich erst in Schweden, dass der Ninjutsu- Großmeister Hatsumi für ein Seminar nach England kommen würde, was allerdings schon eine Woche nach meinem Aufenthalt in Schweden stattfand. Eine Teilnahme war für mich organisatorisch nicht möglich. Also besuchte ich als nächstes erst einmal ein Seminar mit Doron Navon, der als der erste Ausländer galt, welcher bei Sôke Hatsumi trainiert hatte. Durch mein gutes Verhältnis zum Ausrichter des Seminars lernte ich Doron Navon schon in der Woche vor dem Seminar kennen. Er beantwortete mir viele Fragen über die verschiedenen Personen im Bujinkan und über die Philosophie dieser außergewöhnlichen Kriegskunst.

Doron Navon wirft den Autor mit einem Oni Kudaki Nage (1987)

Nach dem Seminar bat er mich, bei seinem Schüler Moshe Kastiel zu trainieren, dort könnte ich die notwendigen Grundlagen dieser Kunst hervorragend erlernen. Ich hatte Moshe Kastiel schon zuvor in Berlin kennengelernt, aber einen zwiespältigen Eindruck von ihm gewonnen.

Nichtsdestotrotz besuchte ich Moshe Kastiel in Regensburg, wo er mit seiner deutschen Frau lebte. Er wohnte bei seinen Schwiegereltern und unterrichtete damals in einem Park in Regensburg. Ich war von seinem Können und Wissen sehr beeindruckt und nutzte dann jede Möglichkeit, um nach Regensburg zu reisen und dort zu trainieren.

Moshe Kastiel führt Ura Gyaku an Nimrod Govrin aus (1988).

Im Herbst 1987 gab Bo Munthe ein weiteres Seminar in Osnabrück, wo er einem Angehörigen der englischen Armee und mir anbot, eine Prüfung zum Shodan 初段 (1. Dan, Meistergrad) abzulegen. Ich lehnte dieses Angebot ab, da ich im Sommer erst den 6. Kyû 級 (Schülergrad) von Bo erhalten hatte und mir eine solche Graduierung unehrlich vorkam. Der englische Schüler nahm an der Prüfung teil und musste im Prinzip das gleiche Können und Wissen demonstrieren, welches ich zur Erlangung des 6. Kyû zeigen musste. Er erhielt den Shodan unter großem Applaus. Zwei Wochen später legte ich die Prüfung zum 5. Kyû bei Moshe Kastiel ab und musste dort ein umfangreiches Testprogramm bestehen.

Im Frühjahr 1988 gründete ich in Dortmund eine eigene Trainingsgruppe mit einigen Budôka, die ich auf Seminaren kennengelernt hatte. Da ich am längsten Budô trainierte und der fortgeschrittenste Bujinkan Schüler war, leitete ich die Gruppe.

Zuerst trainierten wir im New Age Meditationszentrum in Dortmund an der B1. Die Miete wurde verdreifacht und wir zogen um in einen Proberaum im alten CEAG-Gebäude an der Unfallklinik in Dortmund.

Ninjutsu Gruppe im New Age Meditationszentrum

Ich nutzte in dieser Zeit jede Möglichkeit zu trainieren. Oft fuhr ich auf Seminare in Deutschland und den Niederlanden, um bei verschiedenen Lehrern zu lernen.