Butler Parker - Günter Dönges - E-Book

Butler Parker E-Book

Günter Dönges

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Beschreibung

Lesen Sie schon jetzt drei bisher unveröffentlichte E-Books von Butler Parker und gehen Sie mit ihm auf die Suche nach Betrügern, Gangstern und Dieben! Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. E-Book only! Diesen Titel gibt es nur als E-Book. In dieser Special Edition enthalten: - Parker schleift den "Eisenfresser" - Parker wirft mit Sahnetorten - Parker und die grünen Zwerge Lesen Sie schon jetzt drei bisher unveröffentlichte E-Books von Butler Parker und gehen Sie mit ihm auf die Suche nach Betrügern, Gangstern und Dieben! Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. E-Book only! Diesen Titel gibt es nur als E-Book. In dieser Special Edition enthalten: - Parker schleift den "Eisenfresser" - Parker wirft mit Sahnetorten - Parker und die grünen Zwerge E-Book 1: Parker schleift den "Eisenfresser" E-Book 2: Parker wirft mit Sahnetorten E-Book 3: Parker und die grünen Zwerge

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Seitenzahl: 396

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Parker schleift den "Eisenfresser"

Parker wirft mit Sahnetorten

Parker und die grünen Zwerge

Butler Parker Special Edition – Special Edition –Butler Parker

3 unveröffentlichte E-Books

Günter Dönges

Parker schleift den "Eisenfresser"

Lady Agatha war mehr als angenehm berührt.

Als sie das Lederwarengeschäft verließ, standen plötzlich zwei ausgesprochene Muskelmänner vor ihr und forderten sie auf, keinen Ärger zu machen. Die ältere Dame, die das sechzigste Lebensjahr mit Sicherheit überschritten hatte, groß, füllig und sehr energisch wirkend, blickte fast freundlich auf die untersetzten Männer.

»Was soll denn das?« erkundigte sie sich und schüttelte unmerklich den Kopf in Richtung ihres Butlers, der seitlich neben der Eingangstür stand und gerade klärend eingreifen wollte.

»Wir machen jetzt ’ne kleine Ausfahrt, Mädchen«, sagte einer der beiden Männer, der Jeans und eine Lederweste trug. »Wenn du keine Zicken machst, kommst du mit zwei blauen Augen davon.«

»Und dann kannst du noch von Glück sagen«, fügte der zweite Muskelmann hinzu.

»Sollten Sie sich möglicherweise in der Person geirrt haben?« schaltete Josuah Parker sich ein. Er lüftete dazu überaus höflich die schwarze Melone und bot das einmalige Bild eines hochherrschaftlichen Butlers.

»Wen haben wir den da?« staunte der erste Mann ironisch. »Verzieh dich, Mann«, verlangte der zweite Muskeltyp, um sich dann wieder Lady Agatha zuzuwenden. »Nun mach schon, Mädchen, bevor wir die Geduld verlieren.«

»Und die ist gleich beim Teufel«, drohte der andere Mann. Er hielt ohne erkennbaren Übergang ein dolchartiges Messer in der rechten Hand und setzte die Spitze auf Myladys Hüfte.

Wenige Augenblicke später bereute er dies ungemein.

Lady Agatha war eine sehr wehrhafte Frau, die man kaum ins Bockshorn jagen konnte. Darüber hinaus war ihr das Gefühl für Angst und Gefahr völlig unbekannt. Sie blickte stirnrunzelnd auf die Schneidware und ... trat dann mit ihrem linken Schuh gegen das rechte Schienbein des Messerträgers. Da Agatha Simpsons Schuhgröße beachtlich war, fiel dieser Fußtritt geradezu verheerend aus. Der Mann grunzte wie ein Eber, verbeugte sich tief vor der älteren Dame und geriet dadurch in die Reichweite des Pompadours, der am linken Handgelenk der Lady baumelte. In diesem Handbeutel, wie ihn die Damen um die Jahrhundertwende trugen, befand sich Myladys sogenannter Glücksbringer. Dabei handelte es sich schlicht und einfach um ein Hufeisen, das von einem mächtigen Brauereipferd stammte.

Diesen Pompadour samt Glücksbringer setzte die passionierte Detektivin geschickt und nachdrücklich auf den Kopf des Grunzenden, der daraufhin schwieg und auf die Knie fiel.

»Wagen Sie es nicht noch mal, eine wehrlose Dame zu belästigen«, drohte Agatha Simpson. Dann trat sie zur Seite, um den anderen Mann zu beobachten, mit dem Josuah Parker sich bereits befaßt hatte. Dieser Muskelträger war so leichtsinnig gewesen, Parker zu übersehen. Der Butler hatte mit dem Bambusgriff seines Universal-Regenschirmes zugelangt und bei dem Störenfried angeklopft. Da dieser Schirmgriff mit Blei ausgegossen war, hatte dieses fast höfliche Anklopfen für klare Verhältnisse gesorgt. Der Mann schraubte sich förmlich zu Boden und lagerte sich zu Myladys Füßen.

»Was halte ich denn von solcher Frechheit?« erkundigte sich die ältere Dame bei ihrem Butler. »Arbeite ich zur Zeit an einem Kriminalfall, Mister Parker?«

»Es gibt keinen akuten Fall, Mylady«, beantwortete Parker die Frage. »Möglicherweise hat man aber die Absicht, Mylady eine sogenannte alte Rechnung zu präsentieren.«

»Mit Myladys Erlaubnis.« Parker lüftete kurz seine schwarze Melone und durchsuchte dann schnell und geschickt den Tascheninhalt der beiden Männer. Für einen Außenstehenden sah es so aus, als kümmerte er sich um den Zustand der beiden Männer, die ihr Bewußtsein verloren hatten.

Es gab inzwischen natürlich Außenstehende, die sich eingefunden hatten und die Szene beobachteten. Als Parker sich aufrichtete, hatte er eine Art Brieftasche geborgen, die er mit der Geschicklichkeit eines versierten Taschendiebes in einer Innentasche seines schwarzen Covercoats verschwinden ließ.

Parker ging zum nahe parkenden hochbeinigen Monstrum hinüber und öffnete den hinteren Wagenschlag, damit seine Herrin einsteigen konnte.

»Falls Sie etwas Wasser besorgen könnten, wäre den beiden Herren mit Sicherheit gedient«, sagte der Butler zu einigen Neugierigen. Dann setzte er sich ans Steuer des Wagens und fuhr davon. Aus Gründen der Sicherheit wollte er den Schauplatz des Ereignisses so schnell wie möglich hinter sich lassen. Parker wußte sich diesen kleinen Zwischenfall nicht zu erklären. Zudem konnte es sein, daß sich noch weitere Schläger in der Nähe aufhielten.

»Hoffentlich legt man mir diese schnelle Abfahrt nicht als Flucht aus, Mister Parker«, sorgte sich Lady Agatha inzwischen.

»Man wird mit Sicherheit eine taktische Maßnahme unterstellen, Mylady«, gab der Butler zurück.

»Haben Sie etwas in den Taschen der beiden Lümmel gefunden, Mister Parker?« fragte sie. Der Butler deutete ein Kopfnicken an, brachte seinen Privatwagen an den Straßenrand und hielt kurz. Er zog seine Beute hervor und blätterte einige Papiere durch, die er in einer Art Papphülle fand. Nach wenigen Augenblicken konnte er bereits mit einer Auskunft dienen.

»Einer der beiden Männer heißt offensichtlich Hale Barber und arbeitet in Pimlico als Hausmeister, Mylady. Eine genaue Adresse ist vorhanden.«

»Worauf warte ich dann noch?« gab sie unternehmungslustig zurück. »Fahren Sie nach Pimlico! Ich will dort sein, bevor dieser Lümmel erscheint. Er soll mich mal richtig kennenlernen.«

*

Das Haus in Pimlico machte einen einladenden und teuren Eindruck.

Es handelte sich zwar um einen bereits recht alten Bau, doch man hatte die Etagen in viele kleine Apartments umgewandelt und das Äußere des Wohnhauses frisch hergerichtet. Von der breiten Haustür führte ein tonnenförmiger Baldachin bis zum Straßenrand.

Rechts vom Eingang stand ein Portier, der sich seines Wertes bewußt war. Er trug einen fußlangen Mantel und eine Art Helm. Voller Hochachtung blickte er auf Lady Agatha, die das ehemalige Taxi verließ, das Josuah Parker als Privatwagen diente.

Mit schnellem Blick hatte der Portier klar erkannt, daß er es mit einer Dame zu tun hatte. Erstaunlicherweise schien er diese Dame dazu noch recht gut zu kennen. Er lächelte andeutungsweise.

»Sie sind schon lange nicht mehr hier gewesen, Madam«, sagte er und riß die Tür weit auf. Lady Agatha nickte huldvoll, blieb dann stehen und musterte den Portier kritisch.

»Tatsächlich?« gab Agatha Simpson zurück.

»Ich meinte ja nur, Madam«, entschuldigte sich der Portier. »Ich will nichts gesagt haben.«

»Das möchte ich mir aber auch ausgebeten haben, junger Mann«, raunzte Agatha Simpson zurück. »Wo finde ich diesen ... Wie heißt er noch, Mister Parker?«

»Mister Hale Barber«, antwortete der Butler, der nun neben seiner Herrin auftauchte.

»Barber ist unterwegs, Madam«, meinte der Portier, der plötzlich nachdenklich-irritiert wirkte, wie Parker deutlich feststellte. »Vielleicht wenden Sie sich lieber an Mister Plongers, Madam.«

»Und wo findet man Mister Plongers?« fragte der Butler umgehend.

»Plongers? Ach so, der wohnt doch im Anbau und ... Moment, ich werde Sie sofort anmelden.«

Der Portier hatte es jetzt eilig, durchmaß mit langen Schritten die Vorhalle des Hauses und strebte einer Pförtnerloge zu. Als er durch das Bedienungsfenster langte und nach dem Telefonapparat griff, stand Parker neben ihm »Beschränken Sie sich nur auf die nackte Tatsache an sich«, forderte Josuah Parker ihn auf.

»Hören Sie, was wird hier eigentlich gespielt?« fragte der Portier und wurde vertraulich.

»Könnten Sie sich unter Umständen etwas deutlicher ausdrücken?« wollte der Butler wissen.

»Ist das nun Ruth Wennamore oder nicht? Ich möchte schwören, daß sie’s ist, aber dann auch wieder nicht.«

»Sie sind irritiert, wie meine Wenigkeit unterstellen möchte«, gab Parker zurück, ohne auf die Frage einzugehen.

»Irgendwie ist sie aber dicker geworden«, redete der Portier vertraulich weiter, »und auch irgendwie größer.«

»Nur der Wandel ist beständig, wie es so treffend heißt.«

»Wer ist beständig?« Der Portier war völlig desorientiert.

»Sie sollten das Thema nicht weiter vertiefen«, schlug der Butler vor. »Sie könnten damit Ungeduld auslösen.«

»Verdammt, mir ist es doch egal, was da läuft«, sagte der Portier dann und wählte eine hausinterne Nummer, die der Butler sich merkte. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis auf der Gegenseite abgehoben wurde.

»Mister Plongers? Hier ist der Portier. Hören Sie, Mistreß Wennamore ist hier gerade angekommen und will Sie sprechen. Hören Sie, ich glaube aber...«

Parker beendete abrupt den Anruf. Mit der Spitze seines Universal-Regenschirmes drückte er auf die Gabel des Apparates und nickte dem Portier dann zu.

»Vielen Dank für Ihre wertvolle und freundliche Hilfe«, sagte er. »Nun braucht man nur noch zu erfahren, wo genau Mister Plongers wohnt.«

»Antworten Sie gefälligst, junger Mann«, raunzte die ältere Dame den Portier an. Lady Agatha tauchte hinter dem Butler auf. Der Pompadour an ihrem linken Handgelenk war bereits in leichte Schwingungen geraten, ein sicheres Zeichen dafür, daß sich Aktivitäten ankündigten.

»Nein, nein, Sie sind nicht Ruth Wennamore«, sagte der Portier jetzt nachdrücklich und schüttelte den Kopf. »Schon allein Ihre Stimme und ...«

Er redete nicht weiter und blickte an Parker vorüber zur hinteren Halle. Dort erschien jetzt ein etwa vierzigjähriger Mann in elegantem grauem Anzug. Und hinter ihm watschelte förmlich eine riesige, unförmige Gestalt, die an einen leicht verfetteten japanischen Ringer erinnerte.

*

»Mister Plongers, wie zu vermuten ist?« fragte Parker und lüftete höflich die schwarze Melone.

»Ben Plongers«, gab der Elegante fast automatisch zurück und musterte Lady Agatha. Dann schüttelte er den Kopf, trat einen halben Schritt zurück und schüttelte erneut den Kopf. Danach lächelte er irritiert, kam wieder auf Lady Simpson zu und schürzte die Lippen.

»Ich habe große Lust, Sie zu ohrfeigen, junger Mann«, sagte Lady Agatha mit ihrer tiefen, sonoren und weittragenden Stimme.

»Sie sind nicht Ruth Wennamore«, stellte Ben Plongers fest, »aber die Ähnlichkeit ist verblüffend. Ruth trägt auch so verrückte Hüte wie Sie.«

Josuah Parker bereitete sich auf einen baldigen Zwischenfall vor. Lady Agatha liebte nämlich ihre Hutschöpfungen, und auf ihrem Kopf saß momentan eine Kreuzung aus einem Südwester und einem Napfkuchen. Dieses nicht gerade zart wirkende Gebilde wurde von zwei Hutnadeln gehalten, die ihrer Größe nach an zwei nicht gerade kleine Bratspieße erinnerten.

»Mister Parker, wurde ich gerade beleidigt?« wollte Agatha Simpson dann auch prompt von ihrem Butler wissen.

»Nicht unbedingt, Mylady«, erwiderte Parker und konzentrierte sich auf den massigen, leicht verfetteten Ringer hinter Ben Plongers.

»Mylady?« Plongers spitzte die Ohren. »Wollten Sie wirklich zu mir? Darf man fragen, wer Sie sind?«

»Sie haben die Ehre und den Vorzug, Lady Simpsons Fragen beantworten zu dürfen«, erwiderte der Butler. »Was meine Wenigkeit betrifft, so sprechen Sie mit Myladys Butler.«

»Und was wollen Sie hier?« Plongers wirkte jetzt ungeduldig und nervös.

»Sie haben mich überfallen lassen, junger Mann«, stellte die ältere Dame fest. »Wie hieß dieses Subjekt noch, Mister Parker?«

»Es handelte sich um einen gewissen Mister Hale Barber«, gab der Butler zurück. »Er befand sich in Begleitung eines Partners, der ebenfalls versuchte, Mylady zu entführen.«

»Hale Barber?« Ben Plongers runzelte die Stirn. »Und wo soll das passiert sein?«

»Vor einem Lederwarengeschäft in Mayfair«, beantwortete Parker die Frage. »Nach ersten Ermittlungen ist Mister Hale Barber hier in diesem Haus als eine Art Hausmeister beschäftigt.«

»Kann schon sein«, räumte Plongers ein. »Aber Sie sollten diesen kleinen Zwischenfall vergessen. Dabei muß es sich um ’ne Verwechslung gehandelt haben.«

»Demnach wollten Sie also eine Mistreß Ruth Wennamore entführen lassen?« fragte der Butler höflich. »Ein anderer Gedankenschluß bietet sich sonst nicht an.«

»Kein Kommentar«, sagte Plongers ungeduldig. »Noch mal: vergessen Sie den Zwischenfall, das ist gesünder für Sie.«

»Aber das war doch jetzt eine Drohung«, hoffte die ältere Dame umgehend. Sie blickte ihren Butler leicht gereizt an.

»Solch ein Unterton war in der Tat nicht zu überhören«, meinte Josuah Parker.

»Schmeiß’ sie ’raus.« Plongers wandte sich an den verfetteten Ringer und wollte gehen. Für ihn war die Sache bereits erledigt. Die beiden Besucher stellten für ihn keine Gefahr dar, wie er glaubte.

Der Ringer, der eine Art Jogging-Anzug trug, watschelte vor und wollte sich mit Josuah Parker befassen. Dabei wandte er Mylady seinen überaus breiten Rücken zu. Die ältere Dame schien er plötzlich vergessen zu haben.

»Haben Sie möglicherweise die Absicht, meiner bescheidenen Wenigkeit Harm zuzufügen?« erkundigte sich der Butler, während der fette Ringer die Arme ausstreckte.

»Was hab’ ich?« Der Mann war verblüfft.

»Schmeiß’ sie endlich ’raus«, verlangte Ben Plongers ungeduldig und blieb stehen. Dann aber blickte er verblüfft auf die energische Dame, die eine ihrer Hutnadeln aus dem Putzmachergebilde zog und die Spitze gnadenlos in die linke Gesäßhälfte des Ringers rammte.

Der Getroffene blieb stehen, als sei er zu einer Salzsäule erstarrt. Dann aber ließ er die ausgestreckten Arme sinken und stieß einen heiseren Schrei aus, der Plongers gequält zusammenzucken ließ. Danach griff der Ringer nach seiner mißhandelten Kehrseite und produzierte schnelle, hechelnde Laute.

Ben Plongers glaubte inzwischen das, was er da gerade gesehen hatte. Er führte eine Armbewegung aus, die eindeutig auszulegen war. Er wollte nach seiner Schulterhalfter greifen, doch der Butler ließ dem Mann keine Chance.

Er stieß mit der Spitze seines Universal-Regenschirmes gezielt zu und traf den Solarplexus des Mannes. Plongers vergaß darüber seine Absicht, schnappte nach Luft und krümmte sich. Parker war bereits neben ihm und bot ihm seine hilfreiche Hand.

Plongers nahm keine Stellung zu diesem großherzigen Angebot und merkte nicht, daß der Butler inzwischen zulangte und eine Schußwaffe in seinen Besitz brachte. Dabei handelte es sich um einen kurzläufigen Revolver, der geradezu tödlich aussah.

Der fette Ringer hüpfte inzwischen herum und kam dabei noch mal ungewollt in die Nähe der älteren Dame, die ihre Hutnadel einsatzbereit in der Hand hielt. Als die Gelegenheit günstig war, konnte Lady Agatha einfach nicht widerstehen.

Sie stach noch mal genußvoll zu ...

*

»Und das reichte dem Burschen dann, Mylady?« fragte Mike Rander. Der vierzigjährige, große und lässig an einen bekannten James-Bond-Darsteller erinnernde Anwalt lächelte ein wenig schadenfroh.

»Es kam zu einer allgemeinen Irritation, Sir«, antwortete der Butler, nachdem Mylady ihm huldvoll zugenickt hatte. »Der Mann, der an einen japanischen Ringer erinnert, verließ beeindruckt und beleidigt zugleich die Stätte des Geschehens.«

»Und Ben Plongers?« wollte Kathy Porter wissen. Sie war die Gesellschafterin und Sekretärin der älteren Dame, groß, schlank und von pikanter Schönheit. Sie umgab ein Hauch von Exotik, was eindeutig mit ihren mandelförmig geschnittenen Augen und den betonten Wangenknochen zu tun hatte.

Kathy Porter, knapp dreißig, arbeitete seit geraumer Zeit sehr eng mit Mike Rander zusammen, der das immense Vermögen der Agatha Simpson verwaltete und darüber kaum Zeit fand, als Anwalt zu arbeiten.

»Mister Plongers nahm übel, Miß Porter, was den leichten Stich mit dem Schirm meiner Wenigkeit betraf», beantwortete Parker die Frage. »Er zog sich wie ein gebrochener Mann zurück.«

»Ich hätte diesen beiden Subjekten ja nachgesetzt«, schaltete die Detektivin sich grollend ein und bedachte ihren Butler mit vorwurfsvollem Blick. »Mister Parker aber hielt es für richtiger, sich mit dem Portier zu unterhalten.«

»Was möglicherweise eine erste Erklärung brachte, Mylady«, fuhr der Butler fort. »Mylady müssen einer gewissen Ruth Wennamore ungemein ähnlich sehen.«

»Und wer ist diese Mistreß Wennamore?« erkundigte sich Kathy Porter.

»Eine Person weiblichen Geschlechts, Miß Porter, die laut Auskunft des Portiers sich mit Call-Girls befaßt.«

»Sie haben bestimmt die Adresse dieser Wennamore erfahren«, tippte der Anwalt an.

»Mistreß Ruth Wennamore wohnt in Mayfair, Sir«, konnte der Butler Auskunft geben. »Man erfuhr die genaue Adresse und auch die Telefonnummer. In Myladys Auftrag rief meine Wenigkeit dort an, doch auf der Gegenseite wurde nicht abgehoben.«

»Worauf Sie die Adresse aufsuchten, nicht wahr?« fragte Kathy Porter lächelnd. Sie kannte die Hartnäckigkeit ihrer Lady und auch die des Butlers.

»Mylady wurde nicht aufgetan«, berichtete Parker, nachdem er zustimmend genickt hatte. »Mistreß Wennamore hat laut Auskunft eines Hausbewohners wohl eine Reise angetreten, Gewißheit darüber gibt es allerdings nicht, wie meine Wenigkeit betonen möchte.«

»Da haben Sie sich aber eine tolle Doppelgängerin ausgesucht«, frotzelte Mike Rander.

»Ich werde darüber nachdenken, ob ich mich beleidigt zu fühlen habe, mein Junge«, erwiderte die ältere Dame.

»Eine Doppelgängerin, Sir, der man offensichtlich körperliches Ungemach bereiten will«, warf Josuah Parker ein. »Man sollte vielleicht noch mal daran erinnern, daß man die richtige Mistreß Ruth Wennamore zu einer wenig erfreulichen Ausfahrt einzuladen gedachte.«

»Man müßte wissen, wer diese Wennamore ist«, erwiderte der Anwalt. »Unwichtig kann sie ja wohl kaum sein, sonst würde man sich bestimmt nicht so nachdrücklich um sie bemühen.«

»Mister Parker wird herausfinden, wer diese Frau ist«, ließ die Hausherrin sich vernehmen. »Und selbstverständlich werde ich diesen Fall weiter verfolgen. Ich fühle mich wieder mal in die Pflicht genommen.«

*

Horace Pickett war in früheren Jahren mal Taschendieb gewesen, bis er sich eines Tages im wahrsten Sinn des Wortes völlig vergriffen hatte. Seine flinken und geschickten Finger hatten die Brieftasche eines Gangsterbosses gezogen, in der sich belastende Notizen befanden. Pickett wäre damals um ein Haar ermordet worden, wenn Butler Parker nicht seine schützende Hand über ihn gehalten hätte.

Seit dieser Zeit stand der ehemalige Eigentumsumverteiler, wie er sich gesehen hatte, auf der richtigen Seite des Gesetzes und machte sich eine Ehre daraus, Mylady und Parker behilflich zu sein.

Horace Pickett hatte damals nur Mitmenschen erleichtert, die einen finanziellen Verlust auch hinnehmen konnten. Er war ein etwas über mittelgroßer, fast schlanker Mann von schätzungsweise sechzig Jahren, weißhaarig und militärisch straff.

Pickett hatte sich mit Josuah Parker in einem Pub in Soho getroffen. Die beiden Männer hatten in einer Nische des Lokals Platz genommen und unterhielten sich über Ruth Wennamore.

»Ich habe nachgefragt, Mister Parker«, schickte Pickett voraus. »Ruth Wennamore ist in der Call-Girl-Szene nicht gerade unbekannt. Sie ist etwa fünfundfünfzig oder sechzig Jahre alt, groß, dick und knochenhart.«

»Was bitte, Mister Pickett, stellt.meine Wenigkeit sich unter dem Begriff knochenhart vor?« wollte Parker wissen. Vor ihm stand ein bis an den Rand gefülltes Glas Bier, das Pickett ihm vom Tresen mitgebracht hatte.

»Die Wennamore hat in der Vergangenheit Konkurrentinnen ausgeschaltet und war dabei nicht gerade pingelig«, erklärte Pickett. »Es gab damals einige andere Call-Girl-Agenturen, aber die wurden entweder geschluckt oder von ihr kurz- und kleingeschlagen. Sie hatte sich ein paar Schläger engagiert und bezahlte sie gut. Die Wennamore brauchte nur einige Monate, bis sie dann endgültig die Chefin in Soho und Mayfair war. Es ging dabei nicht ohne Messerstiche, Körperverletzungen anderer Art und auch Schüsse ab.«

»Wie lange liegt dies inzwischen zurück, wenn man fragen darf, Mister Pickett?«

»Ein Jahr etwa«, lautete die Antwort. »Wundern Sie sich nicht, daß die Zeitungen darüber kaum etwas berichteten. Die Wennamore sorgte dafür, daß es keine Schlagzeilen gab.«

»Demnach dürfte Mistreß Ruth Wennamore nicht besonders beliebt sein.«

»Natürlich hat sie sich damals eine Menge Feinde geschaffen, Mister Parker. Und bei den Call-Girls ist sie gefürchtet. Wer nicht pariert, muß mit Messerschnitten rechnen. Es sieht so aus, als sei ihr Stern jetzt wohl im Sinken begriffen.«

»Sollte eine Konkurrentin aufgetreten sein, Mister Pickett?«

»Davon haben meine Bekannten bisher nichts gehört, aber ich kann mir vorstellen, daß irgendein Syndikat sich für ihr Imperium interessiert. Die Wennamore hat tolle Umsätze.«

»Beschäftigt diese dubiose Dame ein Stammpersonal an Schlägern, Mister Pickett?«

»Nicht direkt, Mister Parker, aber wenn sie Muskeln oder Messer braucht, wendet sie sich an einen Bill Dorics, der hier in Soho ein Gymnastic-Center betreibt.«

»Sehr interessante Hinweise«, urteilte der Butler. »Den Namen dieses Bill Dorics sollte man sich merken.«

»Er war vor vielen Jahren mal Boxer«, zählte Pickett weiter auf. »Ich glaube, er kämpfte im Halbschwergewicht. Besondere Klasse besaß er nie, er gehörte eigentlich immer zu der Sorte von Fallobst, die man für ein Rahmenprogramm braucht. Später hatte er dann plötzlich Geld und konnte sich sein Fitneß-Center aufziehen.«

»Eine ganz bestimmte Geldgeberin könnte ihn da wohl finanziert haben, Mister Pickett. Oder ist diese Vermutung zu abwegig?«

»Ich möchte wetten, daß die Wennamore da investiert hat«, pflichtete Horace Pickett ihm bei. »Und dann hat er noch ... Achtung, Mister Parker, ich glaube, man interessiert sich für Sie. Diese beiden Typen gehören eigentlich nicht hierher in den Pub.«

Josuah Parker wandte sich gemessen um und nahm zwei Männer in Augenschein, die zielsicher die Nische ansteuerten, in der Pickett und er saßen.

Josuah Parker bereitete sich innerlich auf eine kleine Auseinandersetzung vor.

*

»Es sind reine Schläger«, sagte Horace Pickett fast beiläufig. »Man scheint Sie noch nicht richtig eingeordnet zu haben, Mister Parker.«

»Möglicherweise ändert sich dies bald«, lautete Parkers Antwort. Er stützte seine linke Hand, die von einem schwarzen Lederhandschuh umspannt wurde, auf den Bambusgriff seines Schirmes und harrte der Dinge, die da mit Sicherheit kommen mußten.

Man befand sich übrigens in einem Pub der gehobenen Klasse. Hier verkehrten viele Touristen, die sich von Soho sicher viel versprochen hatten, galt und gilt dieser Stadtteil von London doch als kleines Sündenbabel.

Nun, tagsüber herrschte hier völlige Normalität bis zur Langeweile. Erst nachts, wenn die Lichter strahlten, rührte sich vielleicht einiges, doch die Unterwelt, die hier durchaus vertreten war, hütete sich vor unnötigen Schlagzeilen.

Die beiden Muskelmänner, um die dreißig Jahre alt, untersetzt und breitschultrig, hatten die Nische erreicht. Einer von ihnen beugte sich zu Parker hinunter.

»Ich lasse das nicht auf mir sitzen«, sagte er aggressiv. »So können ’se nich’ mit mir ’rumspringen.«

»Eine völlig richtige Betrachtungsweise der Dinge«, erwiderte der Butler in seiner höflichen Art.

»Völlig richtig?« Der Muskelmann runzelte die Stirn und dachte sichtlich nach.

»Meine Wenigkeit möchte Ihrem Standpunkt vollinhaltlich beipflichten«, redete der Butler weiter. »Darf man sich erlauben, Ihnen eine kleine Erfrischung anzubieten?«

»Mann, sind Sie bescheuert?« fragte der zweite Schläger zweifelnd.

»Wer weiß dies schon von sich mit letzter Sicherheit?« sagte Josuah Parker. In seiner rechten Hand befand sich eine kleine Sprayflasche, die er gerade anhob. Ein kurzer Druck auf den Auslöseknopf folgte, und schon sorgte das Treibgas in dem kleinen Zylinder dafür, daß eine Dosis Spray ins Gesicht des Mannes gelangte. Bevor der andere Mann überhaupt reagieren konnte, wurde auch er von Parker versorgt.

Die beiden Kerle hatten sich instinktiv ein wenig zurückgeworfen, schnappten nach Luft und produzierten Tränen in den Augen. Dann hüstelten sie anfänglich, räusperten sich und wurden knieweich.

»Aber so setzen Sie sich doch, meine Herren«, bat Parker gemessen. »Sie werden sich gleich in einer ungemein fröhlichen Stimmung befinden.«

Pickett und Parker standen auf und schoben die beiden fast willenlosen Muskelmänner in die Tiefe der Nische. Dann nahmen sie wieder Platz und stellten Normalität her. Der kleine Zwischenfall war überhaupt nicht registriert worden. Die Kerle rutschten ein wenig in sich zusammen, doch sie schienen völlig vergessen zu haben, warum sie gekommen waren.

»Kann man davon ausgehen, daß Mister Plongers Sie geschickt hat?« erkundigte sich der Butler.

»Plongers«, sagte der eine der beiden Männer und nickte wie ein Automat.

»Und woher wissen Sie, daß man sich hier befindet?«

»Greg hat angerufen«, antwortete der andere Mann wie in Trance.

»Und wer, bitte, ist besagter Greg?« Parker kannte die Zusammensetzung des Sprays, wußte also, daß die so Behandelten durchaus enthemmt redeten.

»Greg arbeitet für uns«, lautete die Antwort. »Er sitzt draußen im Wagen.«

»Und wartet worauf? Sie werden doch so freundlich sein, auch auf diese Frage zu antworten, nicht wahr?«

»Wir sollen hier mal kurz zulangen und für ein paar blaue Augen sorgen.« Der Mann lächelte entspannt und heiter.

»Gehen wir doch gemeinsam zu ihm«, schlug der Butler vor. »Greg wird sich bestimmt wundern.«

Der Butler stand auf, Pickett folgte seinem Beispiel. Parker schüttelte leicht den Kopf, als der ehemalige Eigentumsumverteiler mitgehen wollte.

»Es dürfte den kommenden Ereignissen gegenüber zuträglicher sein, wenn Sie bleiben«, meinte der Butler. »Man braucht Sie nicht unbedingt in meiner Begleitung zu sehen.«

Pickett nickte, und Josuah Parker dirigierte die beiden Männer kaum merkbar zur Tür des Pub. Hier blieb er stehen.

»Auf ein baldiges Wiedersehen, die Herren«, sagte er höflich. »Man wird Ihren Einsatz sicher würdigen. Sie sollten jetzt zu Mister Greg gehen.«

Die beiden Muskelmänner setzten sich wie automatisch in Bewegung und gingen auf einen kleinen, schmalen Mann zu, der neben einem Kiosk stand und in einer Zeitung blätterte. Parker wurde an einen Marder erinnert, was das Gesicht dieses Lesers betraf.

Der Mann ließ die Zeitung verblüfft sinken, als die beiden Schläger auf ihn zukamen. Dann warf er das Blatt in einen Papierkorb und ging den beiden Muskelmännern schnell entgegen. Dabei erblickte er den Butler in der Tür des Pub, bremste seinen Schwung und änderte seine Marschrichtung. Innerhalb weniger Augenblicke war er in einem Touristenrudel verschwunden.

Die beiden Schläger wußten plötzlich nicht mehr, was sie tun sollten. Sie hatten ihre Bezugsperson verloren, blieben stehen und setzten sich dann wie selbstverständlich auf die Fahrbahn der schmalen Straße. Sie kümmerten sich überhaupt nicht um das Hupen einiger Autofahrer, die dieses Hindernis fortscheuchen wollten.

Parker wandte sich ab und schritt dann gemessen zu seinem hochbeinigen Monstrum, das er auf dem Parkplatz eines Restaurants abgestellt hatte. Für ihn gab es hier nichts mehr zu tun. Er hatte sich das Mardergesicht dieses Greg eingeprägt und war sich im klaren darüber, daß er es schon recht bald Wiedersehen würde.

*

Josuah Parker lüftete überaus höflich seine schwarze Melone, als er den Empfangsraum des Gymnastic-Center betrat. Eine honigblonde junge Dame, kaum älter als fünfundzwanzig, bot üppige Körperformen an und lächelte dem Butler einladend zu.

»Besteht die vage Möglichkeit, Mister Dorics zu sprechen?« fragte der Butler.

»Sie interessieren sich für einen Gymnastic-Kurs?« erwiderte sie.

»Unter anderem«, erwiderte der Butler. »In erster Linie allerdings gilt mein Interesse Mister Dorics.«

»Ich werde Sie sofort anmelden, Sir.« Sie maß ihn mit einem schnellen, abschätzenden Blick, kam aber zu keinem Ergebnis. Sie konnte sich wohl kaum vorstellen, daß dieser so konservativ gekleidete Mann körperliche Ertüchtigung anstrebte. Sie griff zum Telefonhörer und setzte sich mit Dorics in Verbindung.

»Er kommt sofort«, sagte sie dann und lächelte wieder neutral.

»Ihr Institut macht einen, wenn meine Wenigkeit so sagen darf, einladenden Eindruck«, stellte Parker fest, ging zur Doppeltür aus Glas zu und warf einen Blick in den Trainings-Saal. Ihm fiel sofort auf, daß erstaunlich viele junge Frauen sich von modernen Foltermaschinen traktieren ließen. Sie stemmten Hanteln, wurden auf Rütteltischen durchgeschüttelt und kämpften gegen chromblitzende Maschinen an, deren Gewichte sie zu bewegen versuchten.

Es handelte sich um meist attraktive Frauen. Alle trugen knapp sitzende Badeanzüge, deren untere Partien sparsam zugeschnitten waren.

Dann erschien ein mittelgroßer, breitschultriger Mann mit erstaunlich krummen Beinen. Dieser Typ besaß sogenannte Blumenkohlohren, die auf seine boxerische Laufbahn hinwiesen. Die Nase war breit und flach und hatte mit Sicherheit eine Vielzahl von Fausthieben abgefedert.

»Hallo, Mann«, grüßte Bill Dorics aufgedreht munter, als er Parker gegenüberstand. »Es ist ein guter Entschluß, daß Sie endlich was für Ihren Körper tun wollen. Keine Sorge, ich werde Sie schon wieder hinkriegen. In ein paar Wochen sind Sie’n neuer Mensch.«

Bill Dorics lispelte und nuschelte, aber er war insgesamt eine sympathische Erscheinung. Auch er musterte den Butler und versuchte sich ein Bild von diesem Besucher zu machen.

»Mein Name ist Parker, Josuah Parker«, stellte der Butler sich vor. »Und Sie dürften vermutlich Mister Dorics sein.«

»Bill Dorics, früher mal Halbschwergewichtler. Sie haben sicher schon von mir gehört.«

»Sie waren seinerzeit im Boxring eine bemerkenswerte Erscheinung«, gab der Butler höflich zurück. »Wie man sieht, dürfte sich Ihr körperlicher Einsatz durchaus gelohnt haben.«

»Ein hübscher Laden, nicht wahr?« Dorics wandte sich um und blickte in den Saal. »Ja, was kann ich jetzt für Sie tun? Wollen Sie erst mal den Grundkurs belegen?«

»Dies liegt durchaus im Bereich der Eventualität«, entgegnete Parker. »Vorher aber möchte meine Wenigkeit sich mit Ihnen über Mistreß Wennamore unterhalten.«

»Mistreß Wennamore?« Er konnte sich nicht verstellen. Sein Lächeln wurde jäh abgeschaltet, und Mißtrauen beherrschte sein Gesicht. Die Augen wurden noch kleiner, als sie es ohnehin schon waren.

»Mistreß Ruth Wennamore«, bestätigte der Butler. »Bisher war es meiner Wenigkeit nicht vergönnt, besagte Dame zu kontaktieren.«

»Kommen Sie mit in mein Büro«, antwortete der ehemalige Halbschwergewichtler und wandte sich um. Ohne sich weiter um den Butler zu kümmern, marschierte Dorics durch den Trainings-Saal. Sein Ziel war ein Glasverschlag am Ende der modernen Folterkammer.

Als Parker diesen Glasverschlag betrat, nahm er höflich die schwarze Melone ab. Er rechnete nämlich mit einer kleinen Überraschung. Es sollte sich umgehend zeigen, daß er sich keineswegs verrechnet hatte.

*

Erstaunlich behend federte Dorics herum und hatte die eindeutige Absicht, seine nicht gerade kleine rechte Faust auf die Magengrube des Butlers zu legen. Da Parker aber instinktiv mit solcher Attacke gerechnet hatte, schob er die Wölbung seiner Kopfbedeckung in die Schlagrichtung.

Die Faust setzte sich auf die Melone und deformierte sich. Dies war kein Wunder, denn die Innenseite der Kopfbedeckung war mit zähem Stahlblech ausgefüttert. Dorics stöhnte auf, sog anschließend die Atemluft scharf ein und verfärbte sich. Anschließend starrte er auf seine Faust. Die Finger ließen sich vorerst nicht zurückbiegen.

»In solchen und ähnlichen Fällen empfiehlt meine Wenigkeit kühlende Umschläge mit essigsaurer Tonerde«, riet Parker höflich. »Sollten Sie nicht Platz nehmen und sich ein wenig entspannen?«

»Verdammt«, stöhnte Dorics und setzte sich. Langsam kehrte Farbe in sein Gesicht zurück.

»Ihre spontane Reaktion zeigte deutlich, daß man einen wunden Punkt getroffen haben dürfte«, stellte der Butler fest. »Sie sollten allerdings wissen, daß meine Wenigkeit keineswegs die Absicht hat, Mistreß Wennamore Schaden zuzufügen.«

»Verdammt«, stöhnte Dorics noch mal und betrachtete seine Hand, deren Finger nachhaltig verstaucht waren.

»Meiner Wenigkeit ist bekannt, daß man versucht, Mistreß Wennamore zu entführen«, sagte Parker. »Diese Tatsache sollte Ihnen wichtiger sein als Ihre Hand, Mister Dorics.«

»Wer sind Sie?« quetschte der ehemalige Halbschwergewichtler hervor.

»Ein am Rand Beteiligter, Mister Dorics«, antwortete der Butler. »Haben Sie übrigens die Absicht, sich noch mal mit meiner Wenigkeit auseinanderzusetzen?«

»Verdammt, so bin ich noch nie ’reingelegt worden.« Vorsichtig rieb Dorics sich die verstauchte Hand. »Von der Polizei sind Sie bestimmt nicht, sonst müßte ich Sie kennen.«

»Weiß Mistreß Ruth Wennamore bereits, daß gewisse Kreise sich mit ihr befassen wollen?« Parker ging auf Dorics Feststellung nicht ein.

»Woher soll ich wissen, was mit der Wennamore los ist?« fragte der Halbschwergewichtler a.D. zurück. »Ich kenn’ die ja kaum.«

»Als Boxer mögen Sie vielleicht überzeugend gewesen sein, Mister Dorics, als Lügner erreichen Sie noch nicht mal den üblichen Standard«, machte Parker dem Mann klar, der sich inzwischen gesetzt hatte und die verstauchte Hand ausdauernd behauchte. »Es ist bekannt, daß Mistreß Wennamore Ihr Gymnastic-Center finanziert. Möglicherweise sind Sie nur der Angestellte der besagten Dame.«

»Ich hab’ mir das alles hier allein aufgebaut«, behauptete der untersetzte Mann. »Wer ist denn hinter der Wennamore her?«

»Könnte es sich um einen gewissen Mister Ben Plongers handeln?« erkundigte sich Parker.

»Plongers?« Der gewesene Halbschwergewichtler konnte mit diesem Namen etwas anfangen, wie Parker sofort bemerkte.

»Ein Mann, den Sie natürlich auch nicht kennen wollen.«

»Doch, doch, von Plongers hab’ ich schon mal gehört«, lautete die zögernde Antwort. »Ben Plongers is’ Manager von ein paar Massage-Salons und Nachtclubs.«

»Könnte es sein, daß er Mistreß Ruth Wennamore nicht sonderlich gewogen ist, Mister Dorics?«

»Keine Ahnung.« Dorics senkte den Blick und tat unwissend. »Ich kenn’ mich da nicht aus. Ich kümmere mich nur um mein Center hier und ...«

Natürlich versuchte er es noch mal. Er war einfach nicht gewillt, die Schlappe hinzunehmen, die Parker ihm beigebracht hatte. Dorics sprang erstaunlich schnell auf, fintierte mit der rechten Faust und wollte dann seine Linke schlagen.

Er legte sein ganzes, nicht unbeträchtliches Körpergewicht in diesen Schlag und traf... die Ziegelwand, vor der der Butler stand. Parker hatte es vorgezogen, sich im letzten Moment aus dem ihm zugedachten Schlag zu drehen.

Dorics ächzte, als seine Fingerknöchel die Standfestigkeit der Ziegelwand testeten. Dann heulte er dumpf auf und weinte. Er stierte auf die ebenfalls verstauchte Hand und verstand die Welt nicht mehr. Dann nahm er erneut Platz, schwerfällig und entnervt.

»Sie echauffieren sich völlig unnötig, Mister Dorics«, sagte der Butler höflich. »Meine Wenigkeit darf Ihnen versichern, daß man in wirklich guter Absicht gekommen ist.«

»Worauf wartet ihr noch?« brüllte der ehemalige Halbschwergewichtler und blickte durch die Glasscheibe seiner Bürobox in den Trainings-Saal.

Dort hatten sich zwei flinke Mittelgewichte aufgebaut, die sich am bisherigen Ringgeschehen beteiligen wollten.

*

»Sie mußten natürlich die Flucht ergreifen, oder?«

Lady Agatha saß am Tisch in ihrem kleinen Salon und nahm das abendliche Dinner ein. Aus Gründen der strengen Diät, die sie einhielt, begnügte sie sich mit einer kleinen Nieren-Pastete, einigen Rostbratwürstchen, einem Stück Stilton-Käse und wenigen Scheiben Toast, die sie sich dick mit gesalzener Butter bestrich. Sie wurde von Parker formvollendet bedient.

»Ein schneller Aufbruch war keineswegs vonnöten, Mylady«, beantwortete Parker die Frage. »Bevorzugen Mylady einige Tropfen Portwein auf den Stilton?«

»Es können auch ein paar mehr sein, Mister Parker«, antwortete sie und nickte wohlwollend. »Wir wollen doch nicht an der falschen Stelle sparen, nicht wahr? Wie war das also mit Ihrer Flucht?«

»Die beiden Mittelgewichte, Mylady, waren so entgegenkommend, meiner Wenigkeit keine Hindernisse in den Weg zu legen.«

»Sie mußten also mit ihnen kämpfen?«

»Nur andeutungsweise, Mylady«, erklärte der Butler. »Sie kannten nicht die Wirkungsweise des Schirmes meiner Wenigkeit. Inzwischen werden sie mit Sicherheit mehr darüber wissen.«

»Verfolgte man Sie?« Die Dame des Hauses befaßte sich mit einer Apfelschnitte, die reichlich mit frischer Sahne garniert war.

»Man nahm Abstand von einer Verfolgung, Mylady«, lautete die Antwort des Butlers. »Es sollte allerdings eingeräumt werden, daß dieser Besuch kein konkretes Ergebnis erbrachte. Mit der momentanen Adresse der Mistreß Ruth Wennamore ist nicht zu dienen.«

»Weil Sie das Verhör natürlich völlig falsch angelegt hatten, Mister Parker«, grollte sie. »Ich hätte selbstverständlich alles aus diesem Subjekt herausgeholt.«

»Daran wagt meine Wenigkeit kaum zu zweifeln, Mylady.«

»Ich werde dieses Verhör bei Gelegenheit nachholen«, kündigte die passionierte Detektivin resolut an, »dann wird dieses Halbschwergewicht mir Rede und Antwort stehen, verlassen Sie sich darauf.«

»Mister Dorics weiß nicht, was auf ihn zukommen wird, Mylady.«

»Sie sagen es, Mister Parker. Was habe ich übrigens nach dem Dinner vor? Ich hoffe, Sie haben sich darüber inzwischen Ihre Gedanken gemacht.«

»Könnten Mylady sich mit dem Gedanken anfreunden, die Szene zu besuchen, die von Mistreß Ruth Wennamore beherrscht wird?«

»Welche Szene, Mister Parker?« Sie runzelte die Stirn, was jedoch keineswegs mit ihrer Frage zusammenhing. Sie blickte nachdenklich auf ein zweites Stück Apfelkuchen.

»Jene Szene, Mylady, in der man die sogenannten Call-Girls anzutreffen pflegt.«

»Genau das habe ich vor, Mister Parker.« Sie nickte und konzentrierte ihren Blick fast hypnotisch auf das Stück Apfelkuchen. Dann faßte sie sich ein Herz und bediente sich, bevor Parker es ihr vorlegen konnte.

»Obst macht bekanntlich nicht dick«, redete sie sich ein und übersah die mächtige Sahnehaube. »Wo stecken eigentlich die Kinder?«

»Miß Porter und Mister Rander sind bereits unterwegs, um einen der Nachtclubs des Mister Plongers zu besuchen, Mylady.«

»Wer ist Plongers?« Sie konnte sich keine Namen merken.

»Mister Ben Plongers ist jene Person, deren Mitarbeiter Mistreß Wennamore entführen wollten und an Mylady gerieten. Anschließend stattete Mylady dem erwähnten Mister Plongers einen Besuch ab.«

»Ich weiß, ich weiß«, gab sie umgehend zurück. »Ich habe alle Fakten genau im Kopf, Mister Parker, wie sollte ich sonst so erfolgreich sein? Also gut, ich werde mir diese Szene ansehen. Und wie stellen Sie sich das vor?«

»Mister Pickett war so hilfsbereit, mit einigen Details zu dienen, Mylady.«

»Der gute Pickett.« Sie lächelte wohlwollend. »Ich sollte ihn bei Gelegenheit mal zum Tee einladen. Erinnern Sie mich daran, Mister Parker.

»Wie Mylady zu wünschen belieben.« Parker deutete eine Verbeugung an. »Wann geruhen Mylady das Haus zu verlassen?«

»In einer Viertelstunde«, antwortete sie. »Ich werde mich noch schnell umziehen. Es ist übrigens eine ausgemachte Frechheit, daß man mich mit dieser Person verwechselt, Mister Parker.«

»Mit Mistreß Ruth Wennamore, Mylady.«

»Sagte ich ja«, gab sie bissig zurück. »Ich muß mir diese Frau so schnell wie möglich ansehen.«

Parker geleitete seine Herrin zur Treppe, die ins Obergeschoß des altehrwürdigen Hauses führte. Sie war gerade im oberen Korridor verschwunden, als das Telefon sich meldete. Parker begab sich an den Apparat in der großen Wohnhalle, hob ab und nannte seinen Namen.

»Ruth Wennamore«, entgegnete eine scharfe, energische Stimme. »Ich höre, daß Sie mich sprechen wollen. Wenn Sie sich beeilen, Mister Parker, finden Sie mich in Mayfair, und zwar in der Pension Walton.«

Auf der Gegenseite wurde aufgelegt, bevor Parker zu dieser knappen Einladung Stellung beziehen konnte.

*

»Das Stichwort in einem Kriminalfilm hätte nicht prompter fallen können«, sagte die ältere Dame. Sie saß im Fond von Parkers hochbeinigem Monstrum und konnte sich direkt mit ihrem Butler unterhalten. Die Trennscheibe zwischen den Vordersitzen und dem hinteren Teil des ehemaligen Taxis war versenkt worden.

Parkers Privatwagen war eine Sehenswürdigkeit. Fahrzeuge dieser Bauart waren im Stadtbild von Groß-London nur noch recht selten anzutreffen. Das Gefährt zeichnete sich durch eckige Formen aus, war hochbeinig und schien sich darauf vorzubereiten, in einem Museum oder auf einem Schrottplatz zu enden.

Tatsächlich aber gab es unter dem schwarzen Blech ein ganzes Arsenal modernster Technik, von dem Motor ganz zu schweigen, um den sich jeder Rennsportwagen gerissen hätte. Eingeweihte nannten das hochbeinige Monstrum nicht grundlos eine raffinierte Trickkiste auf Rädern.

»Mylady gehen davon aus, daß die Anruferin nicht unbedingt mit Mistreß Ruth Wennamore identisch sein muß«, meinte der Butler.

»Man will mir wieder mal eine Falle stellen«, prophezeite sie. »Aber daraus wird nichts, Mister Parker. Ich hoffe, Sie werden darauf antworten können.«

»Mylady werden meine Wenigkeit allzeit bereit finden«, versicherte Parker, blickte erneut in den Rückspiegel des Wagens und suchte nach etwaigen Verfolgern. Ihm war längst klar, daß man sich da in Dinge eingeschaltet hatte, die keineswegs auf die leichte Schulter zu nehmen waren. Gangster wollten intern ihren jeweiligen Einfluß ausweiten. Sie konnten nicht daran interessiert sein, daß man sie dabei störte oder gar behinderte.

»Ich werde doch wohl hoffentlich verfolgt«, meinte Lady Agatha, die den prüfenden Blick ihres Butlers wahrgenommen hatte.

»Bedauerlicherweise konnte bisher nichts registriert werden, Mylady«, lautete Parkers Antwort.

»Eigentlich eine Frechheit«, grollte Agatha Simpson, »aber man wird mich noch kennenlernen. Haben Sie sich inzwischen darüber informiert, wie diese Call-Girls arbeiten?«

»Das Verfahren ist einfach, wie Mylady es bereits vermuteten«, gab der Butler zurück. »Gewisse Damen des mehr oder weniger leichten Gewerbes bieten ihre speziellen Dienste über Zeitungsanzeigen an und können von männlichen Interessenten angerufen werden. Man vereinbart Kontakte, trifft sich und gibt sich dann gemeinsam gewissen Freuden des Lebens hin, um es mal so auszudrücken.«

»Und welche Rolle spielt meine Doppelgängerin dabei?«

»Mistreß Ruth Wennamore dürfte eine Art Vermittlungszentrale aufgebaut haben und die gewünschten Kontakte herstellen, Mylady. Dazu gehört wohl auch der physische Schutz der Damen, die sich der körperlichen Liebe verschrieben haben.«

»Es scheint sich um ein sehr einträgliches Geschäft zu handeln.« Agatha Simpsons Stimme klang versonnen-nachdenklich. Wenn es um Geld ging, wurde sie stets hellhörig und aufmerksam.

»Die Damen, die Mistreß Wennamore betreut, Mylady, müssen pro Kontakt mit Sicherheit nicht unbeträchtliche Gebühren abführen. Da Mistreß Wennamore laut Mister Pickett die Szene beherrscht, müssen ihre Einkünfte beachtlich sein. Man kann sich gut vorstellen, daß man ihr diese Pfründe abjagen will.«

Von Shepherd’s Market bis hinauf nach Mayfair war es nicht weit. Josuah Parker hatte diesen Stadtteil erreicht, der an Soho grenzte und ebenfalls für sein Angebot an Vergnügungen aller Art bekannt war. Der Butler fuhr in die Straße, in der die Pension Walton lag.

Es handelte sich dabei eindeutig um ein ehemaliges kleines Hotel, das sich nicht gerade durch Eleganz auszeichnete. Dieses Haus war schmalbrüstig, vier Stockwerke hoch und sehnte sich nach einem neuen Außenanstrich.

Ein noch recht junger Mann war dabei, die Scheiben der Eingangstür zu putzen. Als er Parkers hochbeiniges Monstrum entdeckte, verlor er plötzlich jede Lust an dieser Arbeit und verschwand in der Halle, die man durch die Scheiben vage ausmachen konnte.

»Man dürfte Mylady gerade anmelden«, sagte Parker zu seiner Herrin. »Mylady werden nun gewiß das tun, was man von Mylady ganz sicher nicht erwartet.«

»Natürlich«, gab sie prompt zurück. »Aber sagen Sie mir endlich, was das sein wird.«

*

Parkers Wagen war eine einzige Provokation.

Er stand vor dem Eingang zur Pension Walton und beherbergte ihn und Lady Agatha. Sie waren nicht ausgestiegen, sondern ließen jene Personen in der Pension warten, die sichtbar bereits ungeduldig wurden, »Es rührt sich nichts, Mister Parker«, räsonierte die energische Dame bereits nach knapp zehn Minuten. »Sie haben wieder mal die falsche Taktik gewählt, aber das wußte ich bereits, als Sie mir diesen Vorschlag machten.«

»Mylady werden diesen kleinen Nervenkrieg mit Sicherheit erfolgreich beenden«, versicherte der Butler höflich. »Es kann sich wohl nur noch um Minuten handeln, bis ...«

»Da kommen zwei Männer«, unterbrach sie ihn. »Man dürfte die Geduld verloren haben. Und genau das habe ich vorausgesehen.«

Butler Parker verzichtete auf eine Antwort.

Er maß die beiden Männer mit schnellem Blick und entdeckte unter den Sakkos der Näherkommenden Schulterhalfter, die bestimmt nicht leer waren. Gewisse Ausbuchtungen deuteten darauf hin, daß man Schußwaffen mitbrachte.

Die Männer hatten die Pension verlassen, vergewisserten sich durch schnelle Blicke, daß sie ungestört und unbeobachtet waren, wurden noch schneller und erreichten schließlich das hochbeinige Monstrum. Fast gleichzeitig wollten sie die Fahrertür und den hinteren Wagenschlag aufreißen. Es war ihre erklärte Absicht, überfallartig ins Wageninnere zu steigen, um die beiden Insassen mit ihren Waffen zu überwältigen.

Man nannte Parkers hochbeiniges Monstrum nicht umsonst eine Trickkiste auf Rädern. Die Klinken standen unter hochgespanntem Strom, der in der Lage war, empfindliche elektrische Schläge auszuteilen.

Wie effektiv diese Verteidigung war, erlebten die beiden Männer umgehend. Sie zappelten plötzlich wie haltlose Gliederpuppen und stießen dazu äußerst spitze Schreie aus. Dabei klapperten ihre Zähne wie Kastagnetten.

Parker schaltete kurz den Strom aus und erkundigte sich nach den Wünschen der beiden Männer. Sie waren nicht in der Lage, sofort zu antworten, starrten verdutzt auf ihre brennenden Hände, dann auf die Wagenklinken und schließlich auf Josuah Parker, dessen Stimme sie klar und deutlich mitbekommen hatten. Der Butler hatte die Außensprechanlage seines Wagens benutzt, um seine Frage zu stellen.

Einer der beiden Männer faßte sich, riß die Schußwaffe aus der Schulterhalfter und richtete den kurzen Revolverlauf auf Parker. Er preßte dabei die Mündung fest gegen die Glasscheibe.

»Aufmachen«, verlangte er wütend. »Sofort aufmachen, oder ich zieh’ durch!«

»Sie bekämen es in solch einem Fall mit Sicherheit mit einem unberechenbaren Querschläger zu tun«, antwortete der Butler, »aber meine Wenigkeit möchte Sie natürlich nicht in Ihren Absichten hindern.«

»Quer ... Querschläger?« Der Mann nahm den Revolver etwas zurück.

»Sie können davon ausgehen, daß die Scheiben schußfest sind«, meinte Josuah Parker. »Darf man fragen, wer Sie geschickt hat? Sollte es sich wirklich um Mistreß Ruth Wennamore handeln?«

»Okay, ihr wollt also nicht...« Der Mann war zu einem Gedankenschluß gekommen. »Dann lassen wir euch abschleppen. Na, wie hört sich das an?«

»In Gegenwart eines Streifenwagens der Polizei?« fragte der Butler höflich.

»Wieso Streifenwagen der Polizei?«

»Man verfügt hier im Wagen selbstverständlich über die erforderlichen Funkverbindungen«, schwindelte Parker überzeugend. Der Mann preßte daraufhin die Lippen zusammen und überlegte weiter.

»Sie sollten vielleicht Ihren Auftraggeber fragen, wie Sie sich weiter verhalten können«, schlug der Butler vor. »Wahrscheinlich handelt es sich um Mister Plongers, nicht wahr?«

»Keine Ahnung«, lautete die Antwort, was von einem Achselzucken unterstrichen wurde. Dann wandte der Mann sich ab und winkte zum Eingang der Pension. Dort war ein mittelgroßer, etwas rundlicher Mann erschienen, der einen etwas zu knappen Sportanzug trug. Das Gesicht dieses Mannes drückte Naivität und so etwas wie kindliche Neugier aus. Er trug ein Päckchen unter dem Arm und schlenderte langsam auf das hochbeinige Monstrum zu.

»Ist das Ihr Auftraggeber?« fragte Parker den Mann vor der Wagenscheibe.

»Das ist der Eisenfresser«, hörte Parker zu seiner Überraschung.

*

Nein, dieser Mann konnte wohl kaum einer Fliege etwas zuleide tun. Er hatte das hochbeinige Monstrum erreicht und lächelte fast ein wenig dümmlich.

»Sie haben die Wahl, Parker«, sagte er dann mit sanfter Stimme. »Entweder steigen Sie aus, oder ich klemme die Sprengladung an Ihren Wagen.«

»Sie würden es tatsächlich auf eine Sachbeschädigung ankommen lassen?« gab Parker zurück.

»Was soll ich machen, Mister Parker? Ich habe einen Auftrag übernommen und werde ihn ausführen.«

»Man nennt Sie den Eisenfresser, wie gerade zu vernehmen war?«

»Ein Spitzname«, erklärte der Mann flüchtig lächelnd, »aber im Kern stimmt er schon.«

»Sie haben den Auftrag, Mylady und meine Wenigkeit umzubringen?«

»Nicht direkt«, lautete die Antwort, die über die Außensprechanlage erfolgte. »Ich werde Ihnen nur beibringen, daß Sie Ihre Nase nicht in fremde Angelegenheiten zu stecken haben.«

»Was kann Mylady sich darunter vorstellen?« Parker ging auf die Art des Mannes ein, der Eisenfresser genannt wurde.

»Ich werde ihr und Ihnen ein paar Knochen brechen, mehr nicht. Danach dürften Sie kapiert haben, denke ich.«

»Ich habe große Lust, Sie zu ohrfeigen, Sie Lümmel«, schaltete die ältere Dame sich nun resolut ein.

»In einer Viertelstunde sind Sie ganz friedlich, Lady«, versicherte der Gangster ihr und hob das Päckchen an, das in Zeitungspapier eingeschlagen war. »Wie ist es jetzt mit uns? Sprengung oder ein paar gebrochene Knochen?«

»Noch eine Frage«, schickte der Butler voraus. »Sie sind von Mister Plongers engagiert worden?«

»Kein Kommentar, Mister Parker.« Der Eisenfresser lächelte wieder freundlich. »Sie wollen also in die Luft fliegen?«

Die Situation war irreal.

Es war noch nicht völlig dunkel geworden, man befand sich auf einer Straße, in der durchaus Verkehr herrschte. Passanten kamen vorüber und ahnten nicht, wie kritisch die Situation hier war. Parker nahm die Drohung des Gangsters durchaus ernst. Gewiß, sein Wagen war schußsicher, aber eine Sprengladung mochte er kaum ignorieren können.

»Mylady und meine Wenigkeit könnten sofort anfahren«, sagte Parker. Er war auf die Antwort gespannt.

»Die Ladung würde mitfahren«, antwortete der Eisenfresser. Parker dachte an eine ähnliche Situation. Seinerzeit hatte ein Killer versucht, Mylady und ihn mittels einer Haftladung in die Luft zu sprengen. Hier wollte man mit ähnlichen Mitteln arbeiten.

»Treten Sie zurück, man wird aussteigen«, kündigte der Butler an. »Aber Mylady sollten Sie von Ihrem geplanten Vorhaben ausnehmen. Sie haben es schließlich mit einer Dame zu tun.«

»Alles zu seiner Zeit«, gab der Eisenfresser zurück. »Ein kleiner Denkzettel muß sein.«

Parker wandte sich ein wenig um und löste dabei einen Mechanismus aus. Dazu betätigte er einen der vielen Kipphebel auf dem Armaturenbrett. Fast gleichzeitig schossen unter dem Wagenboden weiß-gelbe Wolken hervor, die die drei Männer vor dem Auto sofort einnebelten. Das hochbeinige Monstrum schien sich in dieser Wolke aufzulösen.

Butler Parker hörte über die Außensprechanlage gequältes Husten, Würgen und Krächzlaute. Er nahm sich allerdings nicht die Zeit, Fragen zu stellen, sondern prüfte den Eisenfresser sehr ernst, hatte bereits den Motor in Gang gebracht, schaltete und setzte die Kraft der Zylinder ein.

Das hochbeinige Gefährt schien sich in eine Rakete zu verwandeln. Es schoß rasant die Straße hinunter, während Lady Agatha tief in die Polster gedrückt wurde, wobei sich ihr pikantes Hutgebilde verschob und über die Augenpartie der älteren Dame legte.

»Darf man sich erlauben, nach Myladys Wohlbefinden zu fragen?« ließ Parker sich über die bordinterne Wechselsprechanlage vernehmen.

»Wollen Sie mich umbringen, Mister Parker?« reagierte die Detektivin gereizt.

»Solch ein Unterfangen käme meiner Wenigkeit niemals in den Sinn«, erwiderte der Butler. »Es bot sich aber leider keine andere Möglichkeit an, dem Eisenfresser, wie er sich nennt, zu entkommen.«

»Sie hätten mich aussteigen lassen sollen, Mister Parker«, räsonierte sie und rückte sich den Hut zurecht. »Ich hätte diesem Subjekt schon die Meinung gesagt.«

»Mylady werden dazu sicher noch Gelegenheit bekommen«, gab der Butler zurück. »Der Eisenfresser, um bei dieser Bezeichnung zu bleiben, wird sich jede erdenkliche Mühe geben, Mylady auszuschalten.«

»Nun ja, das versöhnt mich etwas«, lautete Agatha Simpsons Antwort. »Und was unternehme ich jetzt? Der Abend hat ja gerade erst angefangen.«

*

Als die Detektivin und Josuah Parker in dem kleinen Restaurant erschienen, erregten sie einiges Aufsehen.

An den Tischen saßen mehr oder weniger grell zurechtgemachte junge Männer, die plötzlich eine Abwechslung witterten. Das Grelle an ihnen bezog sich auf ihre Kleidung, die ihnen durchweg das Aussehen von Papageien verlieh.

Diese Männer trugen reichlich Modeschmuck, echtes Gold, dicke Siegelringe und Einkaräter. Die jungen Frauen an ihren Tischen wirkten nicht weniger bunt.

Parker lüftete höflich die schwarze Melone und geleitete seine Herrin in die Tiefe des Restaurants. Er half ihr diskret in eine Nische, die sich in der Nähe eines Vorhangs befand, der ein wenig zur Seite geschoben war. Hinter diesem Vorhang war ein Korridor auszumachen.

»Hübsche Umgebung, Mister Parker«, sagte Agatha Simpson. »Aber wo bin ich hingeraten?«

»Es handelt sich um den Stützpunkt einer Gilde junger Männer, Mylady, die gewisse junge Frauen betreuen, die ihrerseits ihre Dienste unternehmungslustigen Männern anbieten.«

»Call-Girls, Mister Parker.« Sie blickte sehr interessiert auf die Gäste in ihrer näheren Umgebung.

»Im Prinzip durchaus, Mylady«, führte der Butler weiter aus. »Im vorliegenden Fall aber werden Kontakte mit möglichen Kunden nicht per Telefon abgewickelt, sondern sehr direkt auf den Straßen hier in Soho gesucht.«

»Ich verstehe, Mister Parker. Und wie geschieht das?« Sie rückte sich auf dem Stuhl zurecht und genoß sichtlich die anrüchige Umgebung.

»Die Damen kontaktieren ihre kurzfristigen Begleiter auf der Straße, Mylady.«