Camping in Kanada - Viktoria Mühlbauer - E-Book

Camping in Kanada E-Book

Viktoria Mühlbauer

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Beschreibung

„Auf der Suche nach Freiheit: Camping in Kanada“ ist ein Buch voller Fakten und hilfreicher Tipps rund um den Wohnmobil-Urlaub im zweitgrößten Land der Erde. Der Ratgeber soll Camping-Neulingen bei der Planung ihres Kanada-Abenteuers zur Seite stehen und die wichtigsten Fragen rund um Wohnmobile, Vermieter und Zielgebiete beantworten. Einfach und verständlich werden die wichtigsten Fragen beantwortet, dazu gehören: • Worauf muss ich bei der Wahl eines Wohnmobils achten? • Welche Anbieter gibt es in Kanada? • Von wo aus kann ich meine Reise starten? • Wie finde ich einen Campingplatz? • Wie entsorge ich mein Abwasser? • Welches sind die schönsten Reiserouten? Dies sind nur einige der Fragen, die in diesem handlichen Buch Berücksichtigung finden. Während im ersten Teil der Fokus auf Kanada als Reisedestination liegt, befasst sich der zweite Teil des Buches ganz detailliert mit dem RV. Anschließend liegt der Fokus auf dem Urlaub mit dem Wohnmobil und den alltäglichen Abläufen. Im letzten Teil des Ratgebers geht es schließlich darum die beliebtesten Reiserouten und Insidertipps in aller Kürze vorzustellen.

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Seitenzahl: 264

Veröffentlichungsjahr: 2018

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IMPRESSUM

Auf der Suche nach Freiheit. Camping in Kanada Tipps und Tricks für den Wohnmobil-UrlaubViktoria Mühlbauer

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der deutschen Nationalbibliografie.Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar

© 2018 360° medien gbr mettmann I Marie-Curie-Straße 31 I 40822 Mettmann

www.360grad-medien.de

Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Der Inhalt des Werkes wurde sorgfältig recherchiert, ist jedoch teilweise der Subjektivität unterworfen und bleibt ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität

Redaktion und Lektorat: Christine Walter

Satz und Layout: Serpil Sevim

Gedruckt und gebunden:

Himmer GmbH Druckerei & Verlag I Steinerne Furt 95 I 86167 Augsburg

www.himmer.de

Bildnachweis:

Alle Bilder von Viktoria Mühlbauer außer City of Toronto cc by 2.0 S. 168/169; Destination Canada S. 189; Diego Delso cc by-sa 4.0 S. 140; Stefanie Dornbusch S. 69; Fraserway RV Rentals S. 73, 78/79, 81, 87, 91, 92, 93, 96, 134, 172, 173; W. Robert Howell cc by-sa 2.0 S. 111; Joe Mabel cc by-sa 3.0 S. 202; National Highway System S. 23; Adam Peterson cc by-sa 4.0 S. 18; Pickupimage cc0 S. 175; Hans-G. Pfaff Cover u; public domain S. 55, 146, 155; Michel Rathwell cc by 2.0 S. 150; Raysonho Open Grid Scheduler, Grid Engine cc0 S. 164; Royalbroil cc by-sa 3.0 S. 198; Denise Schwerzmann S. 59, 149; The Milepost S. 144; SK Touristik Umschlag Vorderseite;Tourism Nova Scotia S. 188, TNS Acorn Art Photography S. 184, TNS Scott Munn S. 187; Tourism Ontario/Goh Iromoto S. 191, 194/195; Tourisme Québec/Paul Hurteau u. Claude Parent S. 193; xchap1x cc by-sa 3.0 S. 139 u

ISBN: 978-3-947164-26-4

Hergestellt in Deutschland

www.360grad-medien.de

Viktoria Mühlbauer

AUF DER SUCHE NACH FREIHEIT

CAMPING IN KANADA

Tipps und Tricks für den Wohnmobil-Urlaub

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Teil 1: Das Land – Abenteuerparadies für Naturliebhaber

1. Der Weg ist das Ziel

1.1 Campen – a Canadian Way of Life

1.2 Das Straßennetz Kanadas

1.3 Der Straßenbelag entscheidet

1.4 Fahr- und Verkehrsregeln in Kanada

2. Streckenplanung

2.1 Zeit als Maß aller Dinge

2.2 Mehr Strecke heißt nicht gleich mehr sehen

2.3 Fahren nach Jahreszeit

2.4 Fahren nach Saison

Teil 2: Der RV: des Kanadiers liebstes Spielzeug

3. Preisgestaltung der Campermiete

3.1 Zusätzliche Kostenfaktoren

3.2 Das Wann und Wo der Miete

4. Campervermieter in Kanada

4.1 Vermieter im Budgetbereich

4.2 Vermieter im Economybereich

4.3 Vermieter im Premiumbereich

4.4 Mietstationen in Kanada (Niederlassungen)

5. RV-Typen in Kanada

5.1 Sprintermodelle – Class B

5.2 Alkoven-Wohnmobile - Class C

5.3 Truck Camper

5.4 Busse – Class A

6. Ausstattungsdetails der Camper

6.1 Fahrzeugdetails

6.2 Innenausbau und wohnliche Ausstattung

6.3 Technische Ausstattung

6.4 Zubuchbare Leistungen

7. Reisen mit Kindern

7.1 Kanada ist ein kinderfreundliches Land

7.2 Das Wohnmobil als ideales Fortbewegungsmittel

7.3 Gesetzliche Vorschriften

8. Das Kleingedruckte

8.1. Mietbedingungen

8.2 Versicherung

8.3 Pflichten des Mieters

9. Kauf als Alternative zur Campermiete

9.1 Abwägen zwischen Miete und Kauf

9.2 Der Autokauf Schritt für Schritt

Teil 3: Die Fahrt – Das Abenteuer ruft

10. Der Startschuss

10.1 Der Tag der Abholung

10.2 Die Übernahme des Campers

10.3 Die ersten Kilometer

10.4 Der erste Einkauf

11. Entlang der Strecke

11.1 Sehenswürdigkeiten unterwegs

11.2 Information und Navigation

11.3 Pausen

11.4 Tanken

11.5 Abwasserentsorgung

11.6 Mautstraßen

11.7 Abseits der üblichen Wege

12. Das perfekte Camp

12.1 Campingplätze

12.2 Rest Areas

12.3 Nationalparks

12.4 Wild Camping

13. Unterbrechungen und Pannen

13.1 Sicheres Fahren

13.2 Unfall- und Pannengefahren

13.3 Kritische Wetterverhältnisse

14. Alltag im Camper

14.1 Stauraum (Gepäck und Ordnung)

14.2 Tägliche Routine

14.3 Kochen im Camper

14.4 Budget-Planung

14.5 Camping-Etikette

14.6 Vor der Weiterfahrt

Teil 4: Die Route – Wer die Wahl hat, hat die Qual

15. Klassische Routen

15.1 Die Maritimes

15.2 Ontario und Quebec

15.3 Die Rockies

15.4 Südliches BC und Vancouver Island

15.5 Der Yukon und Alaska

16. Routen abseits der Touristenpfade

16.1 Die Prärien

16.2 Die Northwest Territories

17. Offroad-Routen

17.1 Dempster Highway

17.2 Liard Trail

Teil 5: Der Anhang – Auf einen Blick

I. Camping ABC

Fahrzeug

Miete/Kauf

Fahren/Campen

II. Nützliche Internetseiten und Kontaktadressen

Reisetipps und Länderinformationen rund um Kanada

Automobilclubs

Notfallnummern

Wetterbedingungen

Straßenbedingungen

III. Übersicht Vermieter

IV. Reiseveranstalter

Schwerpunkt Kanada und Wohnmobilreisen

Weitere Reiseveranstalter

V. Campingmöglichkeiten

Landesweite Campingplatzketten

Campingplatz-Verzeichnisse

Camping App

VI. Packliste

VII. Individuelle Camperausstattung

Grundausstattung

Offroad-Ausstattung

Persönliche Ausstattung

VIII. Einkaufsliste

Lebensmittel

Drogerie

Weiteres Zubehör

IX. Wildlife Viewing – Einmaleins für Bärenbegegnungen

X. Übersicht Bußgelder

XI. Informationsquellen

Allgemein

Reiseführer und Straßenkarten

Weblinks

X. Playlist

Stichwortverzeichnis

Vorwort

Kanada – unendliche Weitencoast to coast

Die unendlichen Weiten Kanadas entdecken und das möglichst flexibel und komfortabel? Davon träumen viele! Das Land steht wie kein anderes für Abenteuer, Natur und Freiheit. Was also wäre besser als eine Reise mit dem Wohnmobil? Das denken sich auch viele Kanadier und entdecken ihr eigenes Land mit dem RV. Tausende Kilometer gut ausgebauter Straßen laden zum Erkunden ein, und wer das Abenteuer sucht, für den ist hier gesorgt!

Auch immer mehr Europäer zieht es nach Kanada, und die Reise mit dem Wohnmobil ist so beliebt wie nie zuvor. Doch gerade die Größe des Landes und die schieren Dimensionen der Fahrzeuge können auf den Camping-Neuling einschüchternd wirken. Hier soll Abhilfe geschaffen werden. Ziel dieses handlichen Ratgebers ist es, die wichtigsten Fragen rund um den Wohnmobil-Urlaub einfach und verständlich zu beantworten.

2014 kam ich selbst als kompletter RV-Neuling nach Kanada und konnte nicht mal mit einem Wohnwagen-Urlaub in meiner Kindheit Pluspunkte sammeln. Dass die Nordamerikaner mit ihren RVs in einer anderen Liga spielen als die altmodischen Wohnwagen in meiner Vorstellung, musste ich schnell lernen! Während meines Sommers als Praktikantin beim Wohnmobilvermieter Fraserway bekam ich Gelegenheit das Land mit dem RV zu entdecken und verstand sofort, warum jedes Jahr so viele Europäer nach Kanada kommen und sich für ein Wohnmobil für ihre Reise entscheiden!

Der erste Teil dieses Buches befasst sich mit einigen grundsätzlichen Dingen, die es bei der Planung einer Reise in das zweitgrößte Land zu beachten gibt. Was macht Kanada zu einem so beliebten Ziel für Reisende mit dem Wohnmobil und worauf sollte bei der Planung eines RV-Urlaubs Rücksicht genommen werden?

Im zweiten Teil geht es ins Detail. Welche Kosten kommen bei einer Reise mit dem Wohnmobil auf mich zu? Woher weiß ich, welches Fahrzeug das richtige für mich ist und welche Optionen habe ich überhaupt? Es wird ein Blick auf die Preisgestaltung einer Campermiete geworfen und die verschiedensten Vermieter innerhalb des Landes vorgestellt. Die gängigen Fahrzeugtypen werden etwas genauer betrachtet und Vor- sowie Nachteile beleuchtet. Was ist in der Ausstattung der Fahrzeuge enthalten mit welchen zusätzlichen Kosten muss ich vor Antritt und während der Reise rechnen? Dieser Teil des Buches schließt mit dem wohl leidigsten Thema einer jeden Miete ab, dem Kleingedruckten und thematisiert Vor- und Nachteile der Miete gegenüber dem Kauf eines RV.

Endlich ist es geschafft und das Fahrzeug ist reserviert! Im dritten Teil geht es ganz um die Reise und die Bestandteile eines jeden road trip. Wie entsorge ich mein Abwasser? Wie finde ich den richtigen Campingplatz und muss ich diesen bereits vor Antritt der Reise reservieren? All diese Fragen werden beantwortet und helfen Neulingen, Verständnis für den Alltag mit dem RV zu gewinnen.

Der Hauptteil des Buches endet mit den verschiedensten Routenvorschlägen. Natürlich ist der Hauptgrund für eine Reise mit dem Wohnmobil die Flexibilität, trotzdem sollen an dieser Stelle einige populäre Reiserouten vorgestellt werden. Schließlich mag der ein oder andere hier vielleicht noch eine Idee für den nächsten Urlaub finden!

Im fünften Teil, dem Anhang, finden sich gesammelte Informationen, die innerhalb des Buches nur teilweise Beachtung gefunden haben, aber trotzdem von mir als hilfreiche Zusatzinformationen für wichtig erachtet werden. Hier findet sich ein bunter Mix mit allerhand nützlichen Tipps und Tricks rund um den Urlaub mit dem RV.

Kanada, das ist Freiheit für mich! Das Land ist mittlerweile mein Zuhause geworden und ich möchte anderen helfen, diese Liebe für das Land selbst zu entdecken. Kanada, seine Menschen und ihre Kultur, das ist etwas ganz besonderes, und die Reise mit dem Wohnmobil öffnet so viele Türen, um dieses einzigartige Land zu entdecken!

Viktoria Mühlbauer

Teil 1Das Land – Abenteuerparadies für Naturliebhaber

Quill Creek im Kluane National Park and Reserve

Kanada: Kein Land der Welt scheint Abenteurer und Outdoor-Enthusiasten stärker anzuziehen! Unendliche Weiten und Platz, unberührte und eindrucksvolle Natur soweit das Auge reicht vermischen sich mit aufstrebenden, modernen und multikulturellen Metropolen hier und dort. Bei dem Gedanken an die unbegrenzten Möglichkeiten schlägt jedem Naturliebhaber das Herz höher. Kein Wunder, schließlich ist Kanada das zweitgrößte Land der Erde! Und das Beste? Obwohl das Land so groß ist, leben hier nur etwa 34 Millionen Menschen und die meisten von ihnen in den Metropolregionen von Toronto, Montréal, Vancouver, Calgary, Edmonton und Ottawa. Zum Vergleich, Deutschland passt flächenmäßig etwa dreimal in die Provinz Ontario, nur leben in Deutschland etwa 82 Millionen Menschen (Stand 2016). Das heißt, wer nach Kanada kommt, kann Menschenmassen grundsätzlich vermeiden, je nachdem für welches Zielgebiet er sich entscheidet!

Von der abwechslungsreichen und dramatischen Küste Newfoundlands & Labradors, den verträumten Fischerdörfern Nova Scotias, Québec Cityseuropäisch angehauchter Altstadt oder der pulsierenden Metropole Toronto bis hin zum berühmten Algonquin Provincial Park; vorbei an den tausenden von Seen in Ontario, durch die weiten Prärien Manitobas und Saskatchewans bis nach Alberta und in die eindrucksvollen Rocky Mountains, bis an die Westküste des Landes und in den pazifischen Regenwald Vancouver Islands – dem Reisenden sind fast keine Grenzen gesetzt! Kanadahat für jeden Naturliebhaber etwas zu bieten und bietet gleichzeitigeine tolle Destination für alle Camping-Neulinge.

Viel Platz, weite Straßen und große Parkplätze machen es dem unerfahrenen Camper einfacher, sich in der Welt der Wohnmobile zurechtzufinden.

1. Der Weg ist das Ziel

Endlose Weiten auf dem Haines Highway

1. Der Weg ist das Ziel

Für viele Camper gilt: Der Weg ist das Ziel. Mit dem Wohnmobil ist das kein Problem und Kanada ist für diese Art von Reisen bestens geeignet! Der ultimative roadtrip besteht daraus, die Fahrt als solche zu genießen und entlang der Strecke neue Dinge zu entdecken und gleichzeitig die Möglichkeit zu haben, sich für längere Zeiträume an neuen Orten niederzulassen und dabei autark zu sein. RVs (recreational vehicles, dt. Wohnmobile) erfreuen sich größter Beliebtheit in Nordamerika und sind mit den üblichen Wohnwagen, die an die Pkw angehängt werden, nicht zu vergleichen. Wer bereits zu den erfahrenen Campern gehört oder dem Verkehr auf den Autobahnen in den Sommermonaten etwas mehr Beachtung schenkt, wird bereits festgestellt haben, dass auch in Europa immer modernere und ausgefallen wirkende Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind.

Ein historisches Truck Camper Modell – nicht zu vergleichen mit den modernen Fahrzeugen von heute

Egal, für welche Art von Wohnmobil man sich am Ende entscheidet, wichtig ist, dass es den eigenen Ansprüchen gerecht wird und genügend Platz für alle Mitreisenden bietet. Dies hängt natürlich auch von den eigenen Wunschvorstellungen und dem Budget ab. Nichts ist schlimmer, als am Ende feststellen zu müssen, dass das Wohnmobil für die Familie zu klein war und es ständig zu Reibereien kam, nur weil man 50 Euro pro Tag sparen wollte. Urlaub soll trotz allem Erholung sein, und auch wenn Campen für eine relativ preisgünstige Art des Reisens gehalten wird, sollte man nicht versuchen, an jeder Ecke zu sparen.

Für alle Camping-Neulinge und abenteuerlustige Reisenden stellen sich also die großen Fragen: Warum sollte ich mich für einen Campingurlaub in Kanada entscheiden? Wieso ist dieses Land besser geeignet als andere? Und was muss ich bei der Planung eines Wohnmobilurlaubs in Kanadas beachten? Darauf sollen in den nächsten Kapiteln Antworten gegeben werden, um eine erfolg- und abwechslungsreiche Reise zu planen, an die man noch in zehn Jahren gern zurückdenkt.

Kanada setzt sich aus zehn Provinzen und drei Territorien zusammen, die alle ihre eigenen geografischen Gegebenheiten und Sehenswürdigkeiten haben und einen, für sie typischen, individuellen Charme versprühen. Hier lässt sich für jeden Reisetypen das richtige Ziel finden, und trotz der riesigen Ausmaße des Landes kann man schon innerhalb weniger hundert Kilometer eine abwechslungsreiche Landschaft und vielfältige Kultur erleben! Auch wenn Kanada als Paradies für Naturliebhaber bekannt ist, sollte man die aufstrebenden Metropolen wie Vancouver und Toronto sowie die historischen Altstädte Québecs und Montréals nicht unbeachtet lassen. Das Land ist ein Schmelztiegel verschiedenster Nationalitäten und Kulturen und bietet eine abwechslungsreiche Kulturszene mit erstklassigen Restaurants, modernen Galerien und vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten. Insbesondere für Reisende, die sich erst langsam an das Campen herantasten möchten, bietet sich eine Städtereise, kombiniert mit einem Campingtrip, an.

Da sich Kanada auf der Nordhalbkugel befindet, ist der Verlauf der Jahreszeit vergleichbar mit denen in Europa. Nichtsdestotrotz sollte hierbei das Ausmaß des Landes nicht unterschätzt werden! So liegt Toronto beispielsweise auf demselben Breitengrad wie Nizza und Edmonton wie Hamburg. Insgesamt kann man in Kanada sieben größere Klimaregionen hervorheben. Jede dieser Zonen basiert auf verschiedenen Faktoren wie beispielsweise der Höhenlage, Entfernung zum Äquator und Nähe zu größeren Gewässern oder Meeren.

Grundsätzlich kann der Reisende jedoch davon ausgehen, dass Juni bis August als beste Reisemonate gelten, in denen die Chancen auf gutes und beständiges Wetter mit warmen Temperaturen am besten stehen. Die Öffnungszeiten der Sehenswürdigkeiten sind am längsten, aber gleichzeitig muss auch mit den höchsten Preisen gerechnet werden. Die Monate Mai, September und Oktober bilden die Nebensaison, mit möglicherweise unbeständigerem Wetter und kühleren Temperaturen, dafür aber auch grundsätzlich weniger Touristen und teilweise besseren Angeboten. Hier muss natürlich wieder sehr genau zwischen den Ballungsräumen im Süden des Landes und den abgelegeneren Regionen unterschieden werden. So ist die Campingsaison in den Northwest Territories und dem Yukon im Oktober bereits vorüber und Touranbieter bereiten sich auf die Wintersaison vor. Für Camper sind die Monate November bis April als eher ungeeigneter Reisezeitraum zu vermerken, auch wenn es die ersten Abenteurer bereits im April zum Campen nach Kanada zieht.

Die wohl beliebtesten und am einfachsten zu erreichenden Ausgangspunkte für eine Reise innerhalb Kanadas sind Toronto, Vancouver, Montréal, Calgary und Halifax. Viele Airlines, wie zum Beispiel AirCanada, Lufthansa und Condor, fliegen in den Sommermonaten mehrmals wöchentlich direkt von Frankfurt nach Kanada. Soll es in eine der abgelegeneren Regionen Kanadas gehen, muss meist an einem der großen Drehkreuze des Landes umgestiegen werden. Eine der seltenen Ausnahmen ist Whitehorse im Yukon. Condor fliegt von Ende Mai bis Mitte September einmal wöchentlich direkt von Frankfurt nach Whitehorse (Stand: Mai 2018).

Klima in Kanada

Da die Infrastruktur eines Landes das Gerüst einer erfolgreichen Tourismusindustrie bildet, ist es nur logisch, dass sich die meisten Wohnmobilvermieter nahe der großen, internationalen Flughäfen ansiedeln. Im Verlauf des Buches wird auf die einzelnen Anbieter und Stationen innerhalb des Landes im Detail eingegangen. Es kann grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass sich einer der größeren Wohnmobilvermieter bereits in einem Umkreis von einer Stunde zum nächstgelegenen größeren Flughafen finden lässt.

Ein großer Vorteil des Campingurlaubs ist die Flexibilität, die einem das Wohnmobil bietet. Gerade weil Kanada ein ausgesprochen großes Land mit schier unendlichen Möglichkeiten ist, spricht vieles für eine Reise mit einem Haus auf vier Rädern. Sollte das Wetter eben doch einmal nicht mitspielen oder man entscheidet sich spontan die Reiseroute zu ändern, ist das, in Abhängigkeit vom ausgewählten Zielgebiet, zunächst einmal gar kein Problem. Es gibt endlose Angebote für einen abwechslungsreichen Urlaub in der Natur. Ob Abenteurer, Kulturinteressierter oder Genießer – Kanada hat für jeden etwas zu bieten und das Wohnmobil ist die richtige Wahl für all diejenigen, die gerne flexibel und frei sind – das perfekte Gefährt für ein Land voller Abenteuer und Möglichkeiten!

Ein roadtrip mit dem Wohnmobil bietet eine Flexibilität, die so durch keine andere Reiseart erreicht werden kann. Der eigene Herr zu sein und spontan Entscheidungen zu treffen, das sind Dinge, die uns im im Alltag nur noch selten vergönnt sind. Ein roadtrip bedeutet Freiheit und die Möglichkeit, sich komplett auf das Hier und Jetzt einzulassen und jeden Moment der Reise voll auszukosten.

1.1 Campen – a Canadian Way of Life

Campen erfreut sich höchster Beliebtheit in Nordamerika und scheint im Blut jedes Nordamerikaners verwurzelt zu sein. Übersetzt bedeutet camp „Lager“ und to set up camp heißt nicht mehr, als ein Lager aufzuschlagen. In der ersten Entwicklungsphase des Campens als Freizeitaktivität ging es hierbei um nicht mehr, als ein Zelt aufzustellen und die Natur zu genießen. Zunächst in Pferdewagen und später mit der Eisenbahn zog es die Bevölkerung hinaus in die Wildnis. Das Bewusstsein und die Wertschätzung für die unberührte Natur wuchsen und Reisende erfreuten sich an Aktivitäten wie Wandern oder Fischen. Die Entwicklung des Autos und der Ausbau der Straßennetze ermöglichten das Reisen abseits der gewohnten Wege und die pure Schönheit zu genießen. Mit der zunehmenden Popularität von Autos kam es schließlich zu der Anpassung der ersten Fahrzeuge. Reisende waren nun nicht mehr länger auf festgelegte Abfahrpläne angewiesen und konnten eigenständig Entscheidungen treffen und auf Reisen gehen. Diese Fahrzeuge boten eine kostengünstige Alternative zu teuren Reisen mit der Bahn und erlaubten es auch einkommensschwächeren Familien, neue Ziele im Heimatland zu entdecken.

In Europa erfreute sich der Campingurlaub großer Beliebtheit nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit den immer günstigeren Flugpreisen verloren Reisende im späten 20. Jahrhundert jedoch das Interesse an Urlauben im Heimatland und bevorzugten eine Reise ins europäische Ausland. In Nordamerika hingegen ist diese Entwicklung bis heute nicht so stark ausgeprägt wie in Europa und das hängt zum Großteil mit der Größe der USA und Kanadas zusammen.

Die Geschichte Kanadas ist sehr jung und viele Regionen des Landes waren bis vor etwa hundert Jahren noch nicht einmal erschlossen. Lange Zeit spielte die Canadian Pacific Railway eine Schlüsselrolle in der Erschließung des Landes und war die einzige Verbindung zwischen den großen Drehkreuzen Kanadas. Gerade für Menschen, die in den abgelegenen Regionen des Landes lebten, war ein Anschluss an die großen Städte lange Zeit begrenzt und Reisen mit der Bahn sehr teuer. Schließlich kam es zum Bau der ersten Straßen, und Kanadier hatten die Möglichkeit, das Land mit dem eigenen Fahrzeug zu erkunden. Zunächst ging es mit dem Auto und Zelt und schließlich mit den ersten an das Campen angepassten Fahrzeuge auf Tour.

Das Reiseverhalten der Kanadier hat sich bis heute nicht maßgeblich verändert. Zwar reisen nun auch immer mehr ins Ausland, und mit dem Ausbau der Flughäfen, insbesondere in den großen Ballungsräumen des Landes, sind heute andere Länder in relativ kurzer Zeit erreichbar. Trotz allem darf das Ausmaß des Landes nicht vergessen werden. Grundsätzlich sind Flüge im kanadischen Inland relativ teuer und nicht mit den Preisen von Billiganbietern in Europa zu vergleichen. Allein aus diesem Grund hat sich der Urlaub mit dem Wohnmobil als beliebte Reiseart in Nordamerika etabliert. Viele Familien können sich einen Sommerurlaub im Ausland nicht leisten und verreisen innerhalb des Landes. Hier bietet sich ein Wohnmobil oder Wohnwagen als kostengünstige Reisevariante an, da Kosten wie Hotelübernachtungen und teure Restaurantbesuche vermieden werden können. Für viele Kanadier ist das Reisen mit dem Wohnmobil eine liebgewonne Kindheitserinnerung und gehört zu jedem Sommerurlaub dazu.

Kanada hat viel zu bieten und die Nähe zur Natur ist seit jeher ein großer Bestandteil der kanadischen Identität. Die Entwicklung von hochmodernen Fahrzeugen, die über jeglichen Komfort verfügen, haben dazu beigetragen, dass immer mehr Besucher das Campen in Kanada für sich entdecken und diese Art des Reisens mittlerweile nicht mehr nur als günstige Alternative zu Fernreisen verpönt wird. Mit dem wachsenden Interesse an Campingurlauben und den immer moderneren RVs hat sich auch die Infrastruktur innerhalb des Landes gewandelt. Campingplätze, ob staatlich oder privat, lassen sich nun nahezu überall finden, Parkplätze speziell für Wohnmobile sind eine Selbstverständlichkeit und jede größere Tankstelle verfügt über eine Abwasserentsorgungstation (dumping station). Durch die zunehmende Kapazität der Abwassertanks und die Einführung von Solarzellen zum Aufladen der Batterien, neben den typischen Generatoren, ist es nun möglich, auch längerfristig autark zu sein. Viele Nordamerikaner stellen ihre Anhänger und Wohnmobile saisonal auf Campingplätzen ab und nutzen diese als weekend getaway .

Warteschlange vor der Baustelle – Nordamerikaner auf Reisen

Wer durch Kanada reist, wird feststellen, wie beliebt Camping ist, und vielen Nordamerikanern mit den verschiedensten Fahrzeugen begegnen. Für einige von ihnen ist das Leben in einem Wohnmobil ein selbstgewählter way of life, in dem es keinen festen Wohnsitz mehr gibt und das Wohnmobil zum wortwörtlichen Eigenheim wird. Die meisten sind ausgesprochen herzliche Menschen, für die es selbstverständlich ist, den Platznachbarn zum Grillen oder auf ein Glas Wein einzuladen. Man sollte diese Angebote definitiv nicht ausschlagen, denn oft haben diese Menschen spannende Geschichten von ihrem Leben im Wohnmobil zu erzählen, und man macht häufig Bekanntschaften, an die man sich auch in zwanzig Jahren noch gern erinnert.

1.2 Das Straßennetz Kanadas

Kanadas Straßen sind größtenteils zweispurig und meist gut gepflegt. Insbesondere Verbindungsstraßen zwischen größeren Städten, wichtige Highways oder Straßen, die in touristisch attraktive Gebiete führen, sind grundsätzlich in gutem Zustand. Häufig findet man mehrspurige Straßen nur in der Nähe größerer Städte und Ballungsgebieten. Im Vergleich zu den uns gewohnten Straßen in Deutschland sind die Straßen in Kanada wesentlich breiter und man hat selten Schwierigkeiten mit dem Wohnmobil zurechtzukommen. Einzig in den Städten kann es teilweise schwierig werden, um enge Kurven zu kommen oder einen geeigneten Parkplatz zu finden. Nicht selten gibt es jedoch Ausweichstraßen für übergroße Fahrzeuge oder sogenannte RV-Routen, die einen durch die Stadt und zu den Sehenswürdigkeiten bringen.

Das sogenannte National Highway System umfasst etwa 38.000 Kilometer Straße in ganz Kanada (Stand 2005). Dabei wird zwischen Kernstrecken, Zubringerstraßen und nördlichen bzw. abgelegenen Straßen unterschieden.

Als Kernstraßen werden diejenigen bezeichnet, die eine Schlüsselrolle in der Erschließung des Landes spielen und wichtige Verbindungen innerhalb von Provinzen und zwischen Provinzen darstellen. Dazu gehören unter anderem der berühmte Trans-Canada Highway (Highway 1), der sich von Victoria, BC, bis nach St. John’s, NL, erstreckt und die längste Nationalstraße Kanadas ist, oder der Yellowhead Highway (Highway 16), der auf dem Festland Kanadas von Prince Rupert, BC, bis nach Winnipeg, MB, verläuft.

Die Zubringerstraßen sind in den meisten Fällen ebenfalls gut gepflegt und bilden eine Schlüsselverbindung zu wichtigen Grenzübergängen oder kleineren Städten weiter im Landesinneren oder Norden.

Immer geradeaus in den Northwest Territories

Die dritte Kategorie bilden die sogenannten Northern and Remote Routes, die eine wichtige Verbindung zu abgelegenen Siedlungen bilden. Hierzu gehören beispielsweise der Dempster Highway, der das abgelegene Inuvik in den Northwest Territories ganzjährig mit dem Yukon und Klondike Highway verbindet, oder der Stewart-Cassiar Highway (Highway 37), welcher eine Ausweichstraße zum Alaska Highway ist und den südlichen Yukon mit dem nördlichen British Columbia verbindet. Diese Straßen sind in den meisten Fällen Schotterstraßen, die von der Regierung instand gehalten werden, aber definitiv nicht als Schnellstraßen bezeichnet werden können.

Ontario und British Columbia verfügen über das größte Netz an Kernstraßen, was aufgrund der Bevölkerungsdichte und Bedeutung der beiden Provinzen in der kanadischen Ökonomie nicht überrascht. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass Straßen, die für den Tourismus von Bedeutung sind, stets gut instand gehalten werden. Baustellen können sich hierbei über mehrere Kilometer erstrecken und werden dabei oft durch miserable Schotterstraßen ersetzt. Es ist in Kanada eher untypisch, dass Baustellen kurz sind und stattdessen gern bis zu 15 oder 20 Kilometer lang sind. Dies trifft jedoch nur auf die Straßen außerhalb der Städte zu und kann mit dem typischen Stadtchaos nicht verglichen werden. Grundsätzlich sollte immer überlegt werden, ob größere Städte wie Vancouver oder Toronto nicht vielleicht doch eher fußläufig oder mithilfe von öffentlichen Verkehrsmitteln erkundet werden. Hier bietet es sich an, einen Campingplatz in Nähe der Stadt oder einen etwas kostengünstigeren Parkplatz am Randgebiet zu suchen.

Das National Highway System umfasst jedoch nicht das gesamte Straßennetz Kanadas. Hinzu kommen noch unzählige Straßen im Landesinneren und Norden, denen keine gleichwertige Bedeutung zugeschrieben wird. Dazu zählen kürzere Verbindungsstraßen und Landstraßen, die die verschiedenen Regionen erschließen, sowie unzählige Umgehungsstraßen in Ballungsgebieten und jegliche Formen von Untergrund, die zur Nutzung für Fahrzeuge angelegt sind.

1.3 Der Straßenbelag entscheidet

Kanada ist ein großes Land und die Instandhaltung der Straßen kann hier besonders schwierig und zeitaufwendig sein. Insbesondere in den abgelegenen und dünn besiedelten Regionen des Landes sowie im Norden finden sich unzählige gravel roads . Diese Straßen sind nicht asphaltiert und in den meisten Fällen nur mit Schotter oder Rollsplit (chip seal) überzogen. In einigen Fällen kann es sich hierbei auch um sandige Untergründe handeln, die, insbesondere bei schlechten Wetterverhältnissen, zu anspruchsvollen und nicht ungefährlichen Strecken werden. Gerade im Norden des Landes wird man diesen Straßen öfter begegnen. Das hängt zum größten Teil mit der Beschaffenheit des Untergrunds zusammen. Da Asphaltbeläge eine versiegelte und geschlossene Oberfläche bilden, ist es nicht untypisch, dass diese Straßen aufgrund starker Temperaturschwankungen aufbrechen oder durch Regenfälle unterspült werden. Hier eignen sich gravel roads besser. Nachteile: Da es sich hierbei um einen nicht befestigten Untergrund handelt, wird dieser durch die Autos und Regenfälle schneller abgetragen. Die Pflege dieser Straßen ist dementsprechend wesentlich aufwendiger. Und, gerade wenn es sich um eine gravel road mit einem sandigen oder gar lehmigen Unterboden handelt, kann eine Fahrt durch Regenfälle zur gefährlichen Rutschpartie werden. Unter Umständen kann es auch zu tiefen Querrillen, dem sogenannten washboarding, kommen, was einem eine Weiterfahrt nur im Schneckentempo ermöglicht.

gravel roadauf dem Dempster Highway

Beim Befahren von gravel roads ist zu beachten:

Gute Wetterbedingungen: Wenn die Straße trocken und in gutem Zustand ist, wird durch das Befahren meist viel Staub aufgewirbelt, der die Sichtverhältnisse extrem einschränkt. Dann ist es wichtig den Abstand zu Fahrzeugen zu vergrößern und mit größter Vorsicht zu fahren. Durch das nicht ausbleibende Einstauben des Fahrzeugs kann es zu Schwierigkeiten mit dem Wasserheizer, der Heizung oder anderen Geräten kommen. Sollte man dies feststellen, kann man zunächst versuchen das Fahrzeug etwas zu reinigen, bevor der Vermieter kontaktiert wird. Außerdem sind die Dichtungen der Fahrzeuge teilweise nicht für derart staubige Bedingungen ausreichend, und man sollte von Vornherein die Campertüren mit Handtüchern abdichten. Insbesondere der Feinstaub legt sich gern auf den Schlössern nieder und kann sehr hartnäckig sein. Bevor man versucht die verschiedenen Außenfächer zu öffnen, zunächst die Schlösser etwas reinigen, um ein Haken zu vermeiden.

Schlechte Wetterbedingungen: Sollte es die Tage zuvor geregnet haben oder am Reisetag selbst regnen, muss mit besonderer Vorsicht gefahren werden. Die gravel roads können durch den abgetragenen Straßenbelag sehr rutschig werden und es muss mit Unterspülungen gerechnet werden. Zudem sind die Fahrbahnränder grundsätzlich schlecht befahrbar, am besten möglichst in der Fahrbahnmitte fahren, um ein Abrutschen an den soft shoulders zu vermeiden. Zusätzlich bitte vermehrt auf den Gegenverkehr achten!

Bei Gegenverkehr versuchen weiter an den Straßenrand zu fahren (nur wenn möglich!), um aufgeschleuderten Splitt zu vermeiden. Dieser kann den Lack und die Windschutzscheiben beschädigen. Steinschläge sind ein häufiger Schaden an Wohnmobilen und viele Vermieter bieten Zusatzversicherungen an.

Spurrinnen und Schlaglöcher kommen häufig vor und sind teilweise nur schwer zu umgehen. Tempo anpassen, um Fahrzeugschäden zu vermeiden!

Soft shoulder-Hinweisschilder sehr ernst nehmen! Die aufgeschütteten gravel roads verfügen häufig über eine steile und weiche Straßenkante. Gerade in engen Kurven oder wenn zu dicht am Rand gefahren wird, können schwere Fahrzeuge einsinken und im schlimmsten Fall umkippen!

Sollten Baustellen passiert werden, kann es vorkommen, dass der lose Straßenbelag aufgeschleudert wird und Lackschäden verursacht. Des Weiteren können sich Teerflecken am Fahrzeug festsetzen. Je nachdem wie groß diese sind, können Vermieter dafür Kosten berechnen. Die Reinigung ist sehr aufwendig und schwer, sobald der Teer getrocknet ist.

Wichtig ist, dass man sich den Straßenverhältnissen anpasst. Diese Regel gilt überall, doch gerade in den abgelegenen Regionen sollte man sich dies auch zu Herzen nehmen. Insbesondere wenn man mit dem Wohnmobil reist und eine Panne oder Unfall um jeden Preis vermeiden möchte. Diejenigen, die sich für ein Wohnmobil entscheiden, in dem der Übergang von der Fahrerkabine zum Wohnbereich offen ist, werden dies grundsätzlich schneller beherzigen als diejenigen, die mit einem Truck Camper unterwegs sind. Der Grund: Niemandem entgeht, wie sehr das Fahrzeug wackelt und das Geschirr im hinteren Teil des Fahrzeugs klirrt! Das ist nervenaufreibend und erfordert zudem ein Aufräumen nach Ankunft am Tagesziel! Viele meiner Kunden haben diese Erfahrung auf den gravel roads erst machen müssen, um bei Rückgabe stolz von ihren entwickelten Strategien zur Sicherung des gesamten Hab und Guts zu berichten. Diejenigen, die sich für einen Truck Camper entscheiden, neigen dazu, gern zu vergessen, welchen Einfluss Schotterstraßen auf den Inhalt ihres Campers haben. Gerade da die großen Ford- oder Dodge-Trucks für derartige Straßenverhältnisse besser geeignet sind. Der Vorteil: Man hört nicht, wenn im Küchenbereich eine Tür aufspringt und ein Glas zerbricht. Der Nachteil: Das Chaos am Ende des Tages ist größer!

Unterwegs mit Anhänger

Natürlich sollte man seine Geschwindigkeit nicht nur aufgrund der Tatsache anpassen, dass man ein Chaos am Ende des Tages vermeiden möchte, sondern auch um kein Risiko einzugehen und eine erholsame Reise zu genießen. Das Fahren auf gravel roads verlangt Umsicht und Geduld! Häufig werden gravel roads auf Straßenkarten nicht gesondert gekennzeichnet. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, sich in den Besucherzentren nach den Straßenbedingungen zu erkundigen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Weiterhin kann man sich im Internet über aktuelle Straßenverhältnisse (inklusive Verkehrsmeldungen und Unfällen) erkundigen. In Kapitel 2.1 sind die wichtigsten Verkehrsseiten der verschiedenen Provinzen und Territorien gelistet.

Viele Vermieter weisen bei der Übernahme auf gravel roads, die für das Befahren mit dem Mietfahrzeug verboten sind, hin. Sollte man sich über diese Verbote hinwegsetzen, muss man darauf vorbereitet sein, dass der Versicherungsschutz erlischt und, im schlimmsten Fall, der Abschleppdienst nicht in der Lage ist, das Fahrzeug zu bergen, auch nicht auf eigene Kosten.

Auf den meisten Landstraßen und Highways Kanadas liegt die zugelassene Höchstgeschwindigkeit bei 90 km/h oder 100 km/h, das heißt jedoch nicht, dass man diese auch konsequent halten muss. Gerade auf den gravel roads ist, je nach Zustand, eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h ratsam. Viele Kanadier werden mit den Touristen nicht übereinstimmen und wesentlich schneller an einem vorbeiziehen, aber man sollte nicht vergessen, dass man mit einem Mietfahrzeug unterwegs ist und die Straßenverhältnisse nicht unterschätzen sollte!

Wichtig ist, dass man sich bei der Planung seiner Reise mit der Strecke vertraut macht und über die möglichen Straßenbedingungen informiert. Der Straßenbelag entscheidet in vielen Fällen darüber, wie schnell gefahren werden kann, und man sollte sich bewusst sein, dass das Befahren von gravel roads anspruchsvoller und zeitaufwendiger ist. Wenn man dies bei der Planung seiner Reise und den Tagesetappen berücksichtigt, ist man bereits einen Schritt näher an einem stressfreien und erholsamen Campingurlaub!

1.4 Fahr- und Verkehrsregeln in Kanada

Wie in Deutschland wird in Kanada auf der rechten Straßenseite gefahren, was einige überraschen mag, gehört Kanada doch zum British Commonwealth of Nations (heute nur noch als Commonwealth of Nations bekannt). Sowohl in Großbritannien als auch in Australien oder Neuseeland wird auf der linken Straßenseite gefahren, nicht so in Kanada.

Außerdem werden Geschwindigkeiten in Kanada wie auch in Deutschland in Kilometer pro Stunde angegeben. Wer von Kanada aus in die USA fährt, muss beachten, dass Geschwindigkeiten hier in Meilen pro Stunde aufgeführt werden. Grundsätzlich gelten in Kanada folgende Tempolimits: 50 km/h in Ortschaften und Städten, 90 km/h auf Landstraßen und Highways. Dennoch sollte man die Augen immer offen halten und auf Schilder, die Geschwindigkeiten vorgeben, achten. In der Nähe von Schulen, Kindergärten oder Krankenhäusern gilt häufig eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h und diese sollte auch dringendst eingehalten werden. Gerade in dicht besiedelten Gebieten werden Tempolimits streng kontrolliert!

Busse im öffentlichen Stadtverkehr dürfen nur mit äußerster Vorsicht überholt werden. Dabei sollte eine Geschwindigkeit von 20 km/h nicht überschritten werden. Schulbusse dürfen, wenn haltend, vom folgenden Verkehr nicht überholt werden! Entgegenkommender Verkehr muss vor Erreichen des Schulbusses anhalten und darf erst weiterfahren, wenn die Warnlichter des Schulbusses ausgeschaltet und das „Stop“-Schild eingeklappt wurde. Wer diese Verkehrsregel bricht, muss mit einer immensen Strafe rechnen. Diese Regel gilt allerdings nicht für Gegenverkehr, der durch einen Median abgetrennt wird. Ein Median ist eine Erhebung, Absenkung oder Erdanhäufung, die eine Straße, auf der beidseitiger Verkehr fährt, abtrennt.

Warten auf das pilot car

Das uns so bekannte Rechts-vor-Links in Siedlungen und Nebenstraßen gibt es in Kanada in dieser Form nicht. Grundsätzlich hat Verkehr, der geradeaus fährt, Vorfahrt gegenüber Verkehr, der abbiegt. Häufig wird die Vorfahrt mit Stoppschildern geregelt. Ein in Deutschland unbekanntes Straßenschild ist der four-way-stop