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Eine Selbstfahrerreise durch das Südliche Afrika stellt für viele Reisende den großen Urlaubstraum dar. Die dritte, aktualisierte Auflage dieses Ratgebers soll dabei helfen, diesen Traum zu verwirklichen – so angenehm, individuell und sicher wie möglich. Von den Erfahrungen, Informationen und Tipps des Autors profitieren sowohl Zelt-Anfänger als auch Camping-Profis – u. a. in Bereichen wie: Straßenverhältnisse und Verkehrsregeln, Camper-Fahrzeugtypen und Vermieter, Allrad: Technik & Gebrauch, Dachzelte: Technik & Gebrauch, Übernachtungsmöglichkeiten, Camping-Tipps und Streckenplanung (samt Grenzübertritte etc.) Die vorgeschlagenen Routen machen an den Grenzen Namibias nicht halt, sondern reichen weit bis nach Südafrika, Botswana und Simbabwe hinein. Aufgrund der Fülle der Informationen unterstützt dieses Werk die Planung einer Campingreise durch Namibia schon im Vorfeld. Daneben dient das Buch als praktischer Reisebegleiter und Nachschlagewerk vor Ort. Derart ausgestattet und mit einer gehörigen Portion Gelassenheit und Abenteuerlust versehen kann es „auf Pad“ gehen in Namibia.
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Seitenzahl: 348
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Bernhard Vogt
„AUF PAD“ IM 4X4-CAMPER
CAMPING IN NAMIBIA
Tipps und Tricks für Selbstfahrerreisen im Südlichen Afrika
IMPRESSUM
„Auf Pad“ im 4X4-Camper Camping in Namibia
Tipps und Tricks für Selbstfahrerreisen im Südlichen Afrika
Bernhard Vogt
Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über portal.dnb.de abrufbar.
© 3. Aufl. 2023 360° medien gbr mettmann I Nachtigallenweg 1 I 40822 Mettmann
www.360grad-medien.de
Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Der Inhalt des Werkes wurde sorgfältig recherchiert, ist jedoch teilweise der Subjektivität unterworfen und bleibt ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.
Redaktion und Lektorat: Andreas Walter
Satz und Layout: Serpil Sevim-Haase
Gedruckt und gebunden:
LD Medienhaus GmbH & Co. KG I Van-Delden-Str. 6-8 I 48683 Ahaus
www.ld-medienhaus.de
Bildnachweis:
Alle Fotos stammen von Bernhard Vogt, außer 42/43: Dirk Geinitz; S. 204, 265, 291, 346 (Löwe): Michael Kuss; S. 274: Ursula Franke cc by-sa 3.0; S. 345 (Erdferkel, Stachelschwein), S. 346 (Braune Hyäne, Leopard): ZFKM
ISBN:978-3-96855-448-8
Hergestellt in Deutschland
www.360grad-medien.de
Bernhard Vogt
„AUF PAD“ IM 4X4-CAMPER
CAMPING IN NAMIBIA
Tipps und Tricks für Selbstfahrerreisen im Südlichen Afrika
INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort
Teil 1: Namibia – Afrikas Selbstfahrerparadies
1. Das Straßennetz Namibias
2. Verkehrsregeln in Namibia
3. Fahrtipps für Namibia
Teil 2: Reise-Route
4. Streckenplanung
4.1 Der erste grobe Plan
4.2 Streckenplanung nach Jahreszeit und Saison
4.3 Der Tagesplan
4.4 Reisen mit Kindern
4.5 Der Allrad-Camper als ideale Familienkutsche
5. Klassische Routen
5.1 „Best of Namibia“ kompakt
5.2 „Best of Namibia“
6. Weitere Routen
6.1 Arid Eden Route
6.2 Offroad-Routen
7. Grenzüberschreitende Routen
7.1 Namibia und Südafrika I: Kalahari
7.2 Namibia und Südafrika II: Windhoek – Kapstadt
7.3 Von Kapstadt zu den Victoriafällen
8. Grenzübertritt und Einreisebestimmungen
8.1 Namibia
8.2 Südafrika
8.3 Botswana
8.4 Sambia
8.5 Simbabwe
Teil 3: Das richtige Fahrzeug für Namibia
9. Fahrzeugvermieter in Namibia
9.1 Namibische Fahrzeugvermieter
9.2 Fahrzeugvermieter des Südlichen Afrika
9.3 Internationale Fahrzeugvermieter
10. Anmietung in Namibia vs. Anmietung in Deutschland
11. Preisgestaltung der Miete.
11.1 Zusätzliche Kostenfaktoren
12. Mietwagen in Namibia
12.1 Mietwagen ohne Allradantrieb und ohne Campingausrüstung.
12.2 Mietwagen mit Allradantrieb, aber ohne Campingausrüstung.
12.3 Mietwagen mit Allradantrieb und mit Campingausrüstung.
12.4 Wohnmobile
13. Fahrzeug-Ausstattung
13.1 Technische Ausstattung
13.2 Werkzeuge
13.3 Campingausrüstung
13.4 Küchenkiste
13.5 Zusätzliche Ausrüstung
14. Das Kleingedruckte
14.1 Mietbedingungen
14.2 Versicherung und Kaution
14.3 Pflichten des Mieters
15. Alternativen zur Miete eines Fahrzeugs
15.1 Autokauf
15.2 Verschiffung
Teil 4: Reisen in Namibia
16. Ankunft in Namibia
17. Abholung des Fahrzeugs
18. In und um Windhoek
18.1 Sightseeing in Windhoek
18.2 Erledigungen und Einkäufe
19. „Auf Pad!“
19.1 Der Weg ist das Ziel.
19.2 Navigation
19.3 Pausen
19.4 Tanken.
20. Alltag im Camper.
20.1 Gepäck und Ordnung.
20.2 Verpflegung
21. Unfälle, Schäden und Pannen.
21.1 Gefahren auf der Straße
21.2 Schäden am Fahrzeug.
21.3 Unfall, Schaden oder Panne: Was nun?
22. Tierische Begegnungen.
22.1 Säugetiere.
22.2 Reptilien.
22.3 Spinnentiere
22.4 Insekten
23. Zusammentreffen mit anderen Kulturen
24. Auf Safari
24.1 Namibias 20 staatlich kontrollierte Schutzgebiete.
25. Übernachtung.
25.1 Campingplätze
25.1.1 Private Campingplätze
25.1.2 Staatliche Campingplätze
25.1.3 Kommunale Campingplätze
25.2 Gästefarmen.
25.3 Hotels und Lodges
Teil 5: Anhang – Alles auf einen Blick
I. Wichtige Adressen und Kontakte
Fremdenverkehrsämter
Weitere Informationen zu Namibia
Medien
Diplomatische Vertretungen in Afrika
Diplomatische Vertretungen in Europa
Notfallnummern
Werkstätten
II. Reiseveranstalter für Namibia
Deutsche Reiseveranstalter
Schweizer Reiseveranstalter
Österreichische Reiseveranstalter
III. Trinkgeld
IV. Ausrüstung
V. Tierspuren
VI. Wörterbuch Englisch
VII. Wörterbuch Afrikaans
Entfernungstabellen
Stichwortverzeichnis
Vorwort
„Auf Pad“ in Namibia
Wer Namibia kennenlernen möchte, der muss dieses faszinierende und vielschichtige Land mit allen Sinnen ergründen. Für den Blick hinter die Kulissen und ein tieferes Verständnis von Land und Leuten sind längere Aufenthalte oder ein regelmäßiges Wiederkehren nötig. Für die internationalen Besucher ist eine Selbstfahrertour im Camping-Fahrzeug der ideale Weg, um das Land mit all seinen Facetten kennen zu lernen. Der gesamte Reiseverlauf kann auf individuelle Interessen und Wünsche abgestimmt werden. Man ist also vollkommen unabhängig von festen Tagesabläufen und vorgegebenen Routen. Eine Reise im allradgetriebenen Camping-Fahrzeug durch das Südliche Afrika vermittelt ein Gefühl von Freiheit und Individualität, das sowohl die internationalen Gäste als auch die lokalen Reisenden in ihren Bann zieht.
Weniger die große Freiheit als vielmehr Wissenschaft bzw. Leidenschaft führten mich nach Abschluss meines Biologie-Studiums im Jahr 2007 zum ersten Mal nach Namibia. Nachdem in Kapstadt eigens ein VW Bus (T3) erworben wurde, ging es mit diesem auf eine große Reise durchs Südliche Afrika. Diese Reise endete auf der namibischen Farm Claratal, wo ich mehrere Monate verbrachte – vornehmlich um ökologische Daten zur Verbuschungsproblematik zu sammeln. Ganz nebenbei bekam ich so aber auch einen tiefen Einblick in das Leben und Arbeiten in Namibia. In den anschließenden Jahren führte mich meine Arbeit als Reiseleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter nach Südamerika und Ostafrika. Erst 2013 reiste ich wiederum nach Namibia, wobei aus dem privaten Besucher über die Jahre ein zukünftiger Doktorand und schließlich sogar der Verwalter einer Farm wurde. Auf der Jagd- und Gästefarm Okomitundu untersuchte ich zusammen mit anderen Wissenschaftlern (und auch Touristen) im Auftrag des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig die Ökologie von Leopard und Brauner Hyäne auf kommerziellem Farmland. Gern hätten wir unsere Forschung vor Ort weitergeführt, doch wurde das Projekt jäh durch den Verkauf der Farm beendet. So bleiben mir nur die regelmäßigen, alljährlichen Besuche vor Ort, um Freundschaften zu pflegen und neue Bekanntschaften zu machen – immer auf der Suche nach neuen Projekten und unbekannten Zielen und Strecken im Lande.
Die über die Jahre erworbenen Länderkenntnisse und die Erfahrungen im internationalen Tourismus bilden die Grundlage für diesen Reiseratgeber, dem man mit Sicherheit meine Begeisterung für die Region und meine biologische Grundausbildung anmerkt.
Der erste Teil des Buches kommt noch etwas nüchtern daher, liefert aber erste grundlegende Informationen über den Verkehr in Namibia. Neben den offiziellen Verkehrsregeln gibt es Tipps und Tricks für das Fahren auf Namibias Straßen, Pisten oder auch abseits der Wege.
Um die Auswahl von Wegen und Routen geht es im zweiten Teil: von der Planung der Reiseroute über spezielle Hinweise für das Reisen mit Kindern bis hin zu konkreten Routen-Vorschlägen. Die vorgeschlagenen Routen machen dabei an den Grenzen Namibias nicht halt, sondern decken vielmehr das Südliche Afrika ab und reichen weit bis nach Südafrika, Botswana und Simbabwe hinein.
In Teil 3 dreht sich alles darum, das passende Fahrzeug für eine Reise durch Namibia zu finden. Dazu bedarf es detaillierten Informationen über Vermieter und die Mietbedingungen sowie die verschiedenen Fahrzeuge und deren Ausstattung. Wer lieber mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist, findet Auskünfte über Alternativen zur Miete wie z. B. Verschiffung oder Autokauf.
Im vierten Teil geht die Reise dann endlich richtig los. Die Reise beginnt in Windhoek mit der Abholung des Fahrzeugs vom Vermieter. Danach geht es „auf Pad“, wo alltägliche Situationen (Tanken, Pausen etc.) mit unerwarteten Eventualitäten (Pannen, Unfälle, Tiere etc.) abwechseln. Doch mehr und mehr wird das Leben im Camper zu einem wohlgeordneten Alltag, den es zu beherrschen gilt. Aufgrund der Fülle der Erlebnisse vergehen die Tage in Namibia viel zu schnell; die Nächte werden im trauten, rollenden Heim oder in einer festen Unterkunft verbracht.
Im letzten Teil des Buches rundet der Anhang die Thematik mit nützlichen Adressen und Tipps ab. Er sollte nicht überblättert werden, da er nicht nur verschiedene Kontakte, sondern auch viele Vor-Ort-Tipps sowie ein umfangreiches Wörterbuch in Englisch und Afrikaans enthält. Ein kurzer, schneller Blick in den Anhang kann das ein oder andere Problem lösen!
Auf ein Wiedersehen in Namibia und immerzu „Gute Pad!“,
Bernhard Vogt
Namibias Weite!
Dem Horizont entgegen!
Namibia besitzt ein hervorragend ausgebautes Straßennetz mit einer Gesamtlänge von rund 50.000 Kilometern. Die Infrastruktur der Straßen hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Laut einem Bericht des Weltwirtschaftsforum WEF (World Economic Forum von 2019) schneidet Namibias Straßennetzwerk mit 5,3 von 7 Punkten als bestes in Afrika ab und liegt weltweit damit auf dem 21. Platz.
Nun weisen aber nicht alle der rund 50.000 Kilometer an Straßen und Wegen dieselbe Qualität bzw. Fahrbahnbeschaffenheit auf. Nur gut 8000 Kilometer des gesamten Straßennetzes Namibias sind asphaltiert; beim Rest handelt es sich um nicht-geteerte Straßen (Schotter, Sand, Salz etc.). Darum werden auch die Straßentypen und deren Nummerierung entsprechend der Fahrbahndecken kategorisiert.
Straßen
A-Straßen Autobahnen mit mindestens zwei Fahrspuren pro Richtung und stets asphaltiert
B-Straßen Nationalstraßen: mindestens zweispurig und asphaltiert
C-Straßen(neu: MR-Straßen) Hauptstraßen (main roads): teilweise asphaltiert, sonst mit Kiestragschicht, d. h. Schotter
D-Straßen(neu: DR-Straßen) Distrikstraßen (district roads): unterschiedlich gut gewartete Schotterpisten; in wenigen Ausnahmefällen (DR3608, D1526, D826 zwischen C19 und Sesriem, D3508) auch asphaltiert
M-Straßen?(neu:MR-Straßen) Hauptstraßen (main roads) ersetzen bzw. ergänzen teilweise die Bezeichnungen der C- und D-Straßen und sind länderübergreifend angelegt
P-Straßen (neu:F-Straßen) schmale und nicht regelmäßig gepflegte private Zufahrtswege zu Farmen, die nicht direkt über eine der anderen Straßen erreichbar sind
Öffentliche Straßen der Kategorien A, B, C und D sowie M werden von der Roads Authority ( www.ra.org.na ) betrieben.
Windhoek oder Weimar?
Autobahnen (A-Straßen)
A-Straßen sind ein neuer Straßentypus, der zum Jahr 2017 eingeführt wurde. Das erste Projekt umfasst die Umgestaltung der B1 zur neuen A1. Im April 2017 wurde der erste neue Streckenabschnitt, d. h. die erste Autobahn Namibias offiziell eingeweiht.
Nationalstraßen (B-Straßen)
Nationalstraßen sind in Namibia die Hauptverkehrsstraßen für den Fernverkehr innerhalb des Landes. Darüber hinaus haben sie aber auch eine internationale Aufgabe, nämlich die Anbindung der Nachbarländer („Internationalstraßen“).
Die ersten großen asphaltierten Straßen wurden erst in den 1960/70er-Jahren gebaut, vornehmlich um das unter südafrikanischer Verwaltung stehende Namibia mit dem Mutterland Südafrika zu verbinden.
Seit der Jahrtausendwende verbindet der Trans-Kalahari Corridor Namibia mit Botswana und Südafrika. Die Strecke führt von Walvis Bay bzw. Swakopmund am Atlantik über Botswana bis nach Johannesburg in Südafrika.
Heutzutage unterscheidet man in Namibia elf verschiedene Nationalstraßen:
B1 (z. T. A1): 1600 Kilometer
Wichtigste Nord-Süd-Verbindung des Landes mit Grenzübergängen zu Südafrika (Noordoewer im Süden) und Angola (Oshikango im Norden).
B2: 327 Kilometer
Wichtigste Verbindungsstraße zwischen der Atlantikküste und Zentralnamibia.
Die B2 durchquert den Westen des Landes von Walvis Bay und Swakopmund an der Küste bis nach Okahandja im zentralen Teil. In Okahandja trifft die B2 auf die B1. Die B2 bildet den westlichsten Teil des Trans-Caprivi Highway.
Namibias „Highway Nr. 1“: die B2
B3: 160 Kilometer
Kurze Verbindungsachse im Südosten.
Die B3 verbindet Südafrika (Grenzübergang: Nakop) mit Grünau und der B1.
B4: 330 Kilometer
Verbindungsstraße zwischen den Städten Lüderitz und Keetmanshoop; Anbindung an die B1.
Die B4 ist im Süden Namibias einzige Straßenverbindung an den Atlantik (zum Hafen von Lüderitz) und damit in das ehemalige Diamanten-Sperrgebiet.
B6: 290 Kilometer
Wichtigste Verbindungsstraße zwischen Zentralnamibia und Botswana.
Die B6 durchquert den Osten des Landes von Windhoek über Gobabis bis zur Grenze nach Botswana (Grenzübergang: Buitepos). Die B6 ist Teil des Trans-Caprivi Highway.
B8: 930 Kilometer
Wichtigste Straße von Zentral-Namibia in den Nordosten des Landes und einzige Straßenverbindung in die Region Sambesi.
Die B8 beginnt bei Otavi, wo sie Anschluss an die Nationalstraße B1 besitzt; über Rundu geht es bis nach Katima Mulilo (Grenzübergang zu Sambia) und Ngoma (Grenzübergang zu Botswana). Die B8 ist Teil des Trans-Caprivi Highway, der Namibia mit Sambia, Botswana und Simbabwe verbindet.
B9: 8 Kilometer
innerstädtische Verbindungsachse: Windhoek
Die Nationalstraße B9 ist eine teilweise im Bau bzw. Ausbau befindliche Nationalstraße in Windhoek, die z.B. die B6 im Osten mit der B1 (im Süden) verbindet. Der erste Teil wurde im März 2021 offiziell eröffnet.
B10: 412 Kilometer
West-Ost-Verbindung im Norden Namibias.
Die B10 verbindet die Regionen Ohangwena und Kavango-Ost miteinander. Sie verläuft in ca. 50 Kilometer Entfernung parallel zur Grenze mit Angola und in ihrem östlichen Abschnitt direkt entlang des Südufers des Okavango.
B11: 14 Kilometer
Anschluss an B10 und B15 sowie Verbindung zum Grenzübergang Katitwe (Angola).
Viel“ Verkehr auf Namibias Nationalstraßen
B14: 391 Kilometer
Nord-Süd-Verbindung im nördlichen Namibia, von Grootfontein über Gobabis nach Aranos
Die Nationalstraße B14 ist die neueste Nationalstraße in Namibia. Sie wurde im April 2018 im Verlauf der alten C22 eröffnet.
B15: 210 Kilometer
Nord-Süd-Verbindung im nördlichen Namibia, von Tsumeb über die B1 bis nach Katitwe (Grenzübergang zu Angola).
Gute Pad!
Schotterstraßen
Neben den A- und B- Straßen verfügt Namibia über ein weit größeres und dichteres Netz an nicht-geteerten Straßen, die in der Folge als Schotterstraßen oder gravel roads bezeichnet werden. Sie sind zumeist mit einer Kiestragschicht versehen, können aber auch aus Sand oder Salz bestehen. Der Zustand und die Qualität dieser Straßen variieren stark und sind abhängig von der jeweiligen Region, Wetterfaktoren (z. B. Regen), Art und Häufigkeit der Benutzung. Gravel roads benötigen paradoxerweise eine aufwendigere Pflege als Asphaltstraßen und müssen mindestens einmal jährlich gewartet werden. Dabei werden die Straßen mit einem Planiergerät (grader) bearbeitet. Im Allgemeinen lassen sich diese Schotterstraßen aber gut befahren und machen das Reisen in Namibia erst möglich. Fahr- und Verhaltenstipps für das Reisen auf Schotter folgen in Kürze!
Pad
Der Begriff pad (Afrikaans für Straße) umfasst in Namibia jegliche Art von Straße unabhängig vom Belag. Will man sich genauer ausdrücken, benennt man die Straßen nach ihrem Untergrund, ihrer Verwendung oder ihren Verursachern. Befahren kann man die teerpads (Asphalt), sandpads (Schotter oder Sand) sowie salzpads (gebräuchlich an der Küste) und die farmpad. Zu Fuß ist man besser aufgehoben bei Elefanten- oder Zebra-pads (Pfaden) oder beesterpads (Rinderwege). Für alle Fälle bzw. für alle Wege lautet der Abschiedsgruß: Gute Pad!
Die größeren, öffentlichen pads werden rechts und links von breiten, offenen Flächen flankiert, den sogenannten Reserven. Die Reserven dienen als Auslaufflächen für den Notfall und Pufferzone zwischen eigentlicher Fahrbahn und angrenzendem, eingezäunten Farmland. Gerade nach der Regenzeit steht das Gras in den Reserven relativ hoch; Wildtiere wie z. B. Warzenschweine sind dort dann nicht auszumachen. Ähnlich wie Straßen müssen auch Reserven regelmäßig gepflegt werden und von dichterer Vegetation befreit werden. Besonders in trockenen Jahren übernehmen diesen Dienst die Viehherden der angrenzenden Farmen, was für den Straßenverkehr eine erhöhte Gefahrensituation darstellt.
2. Verkehrsregeln in Namibia
Namibia: wenige Menschen, viele Schilder
2. Verkehrsregeln in Namibia
Linksverkehr
Große Bedenken, gar Unbehagen besteht bei (unerfahrenen) Selbstfahrern gegenüber dem Thema „Linksverkehr“ im Südlichen Afrika. Angst ist dabei unangebracht, zumal das Verkehrsaufkommen deutlich unter den bekannten europäischen Verhältnissen liegt. Es ist jedoch ratsam, sich im Vorfeld über die neue Fahrsituation Gedanken zu machen – so wie auch über den gesamten Reiseverlauf nachgedacht wird. Die erste Zeit hinterm Steuer sollte mit äußerster Konzentration und Aufmerksamkeit angegangen werden; die Gewöhnung hält dann oft schneller Einzug als gedacht. Denn wenn alle links fahren, schließt man sich dem als Fahrer naturgemäß an. Gefährliche Situationen entstehen beim (Rechts-)Abbiegen auf Kreuzungen, bei langen, einsamen Überlandfahrten und bei den Ausfahrten aus besonders verkehrsberuhigten Bereichen wie z. B. Nationalparks.
Da auf der „falschen“ Straßenseite gefahren wird, befinden sich auch Lenkrad, Handbremse und Schalthebel auf der anderen Seite im Auto. Beim Schalten und Betätigen der Handbremse sollte also die linke Hand eingesetzt werden. Aber keine Sorge, auch als Rechtshänder lässt es sich erstaunlich gut mit links schalten. Da sich auch die Mittelkonsole mit allen möglichen Schaltern und Knöpfen (Lüftung, Radio etc.) links vom Fahrer befindet, ist die linke Hand ohnehin öfter gefordert als zu Hause. Die Hebel für Scheibenwischer (links vom Lenkrad) und Blinker sind vertauscht angebracht und sorgen in den ersten Tagen für einige Verwirrung und den ein oder anderen Schmunzler. Touristen lassen sich nämlich leicht daran erkennen, dass sie bei strahlend-blauem Sonnenwetter mit eingeschaltetem Scheibenwischer um die Ecke biegen, ohne dabei den Blinker zu betätigen.
Die Pedalerie zumindest – also Kupplung, Bremse und Gas – ist genauso angebracht, wie wir es auch von zu Hause aus kennen. Der Oberkörper muss sich also in den ersten Tagen umstellen, wohingegen Füße und Beine ihren normalen Dienst leisten können.
Genauso wie als Fahrer sollte man sich auch als Fußgänger in den ersten Stunden und Tagen mit besonderer Vorsicht durch den Straßenverkehr bewegen. Auch der Selbstfahrer sitzt ja nicht 24 Stunden in seinem Fahrzeug und wird sich u. U. nach seiner Ankunft in Namibia erst einmal die Hauptstadt Windhoek ansehen. Zum einen wird auf Fußgänger generell und an Kreuzungen bzw. Zebrastreifen nicht so sehr geachtet wie in Deutschland. Zum anderen muss das schon im Kindergarten erlernte Credo angepasst werden: „Rechts, links, rechts!“. Beim Überqueren der Straße muss also erst nach rechts geschaut werden, weil bei Linksverkehr mögliche Fahrzeuge zuerst von der rechten Seite kommen.
Auch auf den wenigen mehrspurigen Straßen des Landes gilt „Linksfahrgebot“, d. h. es wird in der linken Spur gefahren und auf der rechten Spur überholt. Im Kreisverkehr fährt man im Uhrzeigersinn und nicht diesem entgegen.
Was sich in der Theorie so schwierig und umständlich anhört, erweist sich in der Praxis als erstaunlich einfach. Schon nach wenigen Tagen hat sich unmerklich eine Gewöhnung eingestellt, die sich erst nach dem Heimflug so richtig bemerkbar macht. Wer nach mehrwöchigem Urlaub im Südlichen Afrika erstmals wieder in Deutschland Auto fährt, steigt mitunter auf der falschen Seite ein und verwechselt im Anschluss auch gerne einmal Blinker und Scheibenwischer.
Geschwindigkeit
Das größte Problem auf Namibias Straßen stellt zu hohe, unangepasste Geschwindigkeit dar. In den weltweiten Statistiken zu Verkehrstoten belegt Namibia immer wieder die vorderen Plätze. (Z. B. zwischen 2013 und 2019 jährlich 770 Verkehrstote, d.h. 32,5 Verkehrstote pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: dieser Wert liegt in den USA bei 12,3 und weltweit bei 17.) Den höchsten Beitrag dazu leisten sicherlich einheimische Kleinbusse und vollbeladene Pick-ups, bei deren Verunfallen gleich mehrere Menschen beteiligt bzw. geschädigt sind. Aber auch eine zunehmende Zahl europäischer Urlauber verunglückt auf Namibias Straßen. Zumeist sind bei deren Unfällen keine Drittfahrzeuge beteiligt, es kommt vielmehr – infolge überhöhter Geschwindigkeit – zum Überschlagen des Fahrzeugs. Darum ist unbedingt auf die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten zu achten. Man befindet sich ja schließlich im Urlaub und nicht auf der Flucht. Geschwindigkeitsüberschreitungen werden auch in Namibia scharf verfolgt und mit z. T. hohen Bußgeldern geahndet (bis max. 4000 NAD). Kontrolliert wird die Geschwindigkeit sowohl mit festinstallierten Radarfallen als auch mit mobilen Laser-Geräten. Auch die Mietwagen-Firmen kontrollieren mittlerweile mittels GPS-Tracker die Fahrweise ihrer Kunden – zur Sicherheit der Kunden und der Fahrzeuge. Geschwindigkeitsüberschreitungen führen zu einem schrillen Piepton in der Fahrerkabine – als Mahnung und Erinnerung zugleich. Das unangenehme Geräusch verabschiedet sich erst, wenn das Tempo angepasst, d. h. verringert wird. Im Fall eines Unfalles werden die Daten des GPS-Trackers herangezogen und können über Haftungsfragen entscheiden. Überhöhte Geschwindigkeit wird als Fahrlässigkeit gewertet und kann zum Ausschluss der Versicherung führen.
Fast wöchentlich berichtet die AZ über (tödliche) Unfälle in Namibia. Häufigster Grund: überhöhte Geschwindigkeit!
Stadtverkehr: 60 km/h
Innerhalb geschlossener Ortschaften beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit 60 km/h. Im Stadtverkehr Abstand zu Taxis und Kleinbussen halten, da diese zur Aufnahme von Passagieren oft überraschende und völlig unberechenbare Fahrmanöver durchführen (z. B. Vollbremsung vor grüner Ampel).
Schotterstraßen (gravel roads): 80 km/h
Auf Schotterstraßen (C- und D-Straßen) beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit 80 km/h. Auf den Schotterstraßen sollte man sich nicht durch die zeitweilig gute Oberfläche und das Fahrverhalten der Einheimischen täuschen lassen. Wellblech, Schlaglöcher und kreuzende Tiere können überall völlig überraschend und unerwartet auftreten. Hinweisschilder für Kurven und Riviere (Trockenflussbetten) unbedingt beachten!
Asphaltierte Landstraßen: 120 km/h
Auf asphaltierten Landstraßen (A- und B-Straßen) beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit 120 km/h. Allerdings können auf Asphaltstraßen aufgrund plötzlichen Seitenwindes, extrem langsamen Lkw und gefährlichen Überholmanövern des Gegenverkehrs 120 km/h schon viel zu schnell sein.
Anschnallpflicht
Auf allen Straßen und für alle Sitze gilt das Anschnallen als gesetzliche Verpflichtung. Gerade auf Schotterstraßen weitab jeglicher Zivilisation, wo man sich gerne einmal aller Pflichten und Zwänge entledigt, kann der Sicherheitsgurt das überlebensnotwendige Hilfsmittel schlechthin sein (z. B. bei einem Überschlag). Bei Kontrollen wird das Nichttragen des Gurtes mit 1000 NAD geahndet.
Telefonieren am Steuer
Ähnlich wie in Europa ist auch in Namibia das Telefonieren während der Fahrt nur mit Freisprechanlage erlaubt. Darum Hände weg vom Handy und ran ans Steuer, sonst droht ein Bußgeld von 2000 NAD.
Alkohol am Steuer
Neben überhöhter Geschwindigkeit ist Alkohol am Steuer für die meisten Verkehrsunfälle in Namibia verantwortlich. Die gesetzlichen Obergrenzen für Fahren unter Alkoholeinfluss liegen bei 0,37‰ für Atemtests und bei 0,08‰ für Bluttests. Um sich einen solchen Test zu ersparen, sollte man tunlichst und immer auf Alkohol am Steuer verzichten. Zumal die Strafen für das Fahren unter Alkoholeinfluss drastisch sind und leicht im Gefängnis und vor Gericht enden können. Das sind Erfahrungen, auf die wohl jeder Reisende verzichten kann.
„Don´t drink and drive!“
Vorfahrt
Die Vorfahrtsregelung ist in Namibia immer durch die üblichen Schilder, Ampeln (robots) oder die Bestimmung von Haupt- und Nebenstraßen geregelt. Eine Besonderheit stellen Kreuzungen dar, bei der alle einmündenden Straßen über ein Stoppschild verfügen, ein sogenannter all-way-stop. Was sich nach Lahmlegen des gesamten Verkehrs anhört, erweist sich in der Praxis als unkonventionelles, aber gut funktionierendes Regularium. Die Fahrzeuge halten am Stoppschild an und fahren in der Reihenfolge der Ankunft am jeweiligen Schild weiter: Wer zuerst an der Kreuzung ist und gestoppt hat, fährt auch zuerst weiter, danach der zweite und so fort. Im Zweifelsfall ist eine Verständigung durch Handzeichen üblich. Normalerweise befindet sich bei einem all-way-stop noch ein kleines Schild unter dem Stoppschild. Darauf ausgewiesen ist in numerischer Form die Anzahl der Straßen, die sich an dieser Kreuzung begegnen.
Papiere
Offizieller Nachweis der Fahrtauglichkeit im Südlichen Afrika ist ein Internationaler Führerschein, der stets nur in Verbindung mit dem nationalen bzw. EU-Führerschein gültig ist. Der Internationale Führerschein mit seinen Ausführungen in verschiedenen Sprachen macht es Polizisten im Ausland einfacher, die Fahrerlaubnis zu kontrollieren. Die Autovermietungen hingegen händigen ihre Autos auch oft ohne das Vorliegen des Internationalen Führerscheins aus. Um Probleme mit der Polizei, Versicherungen und der allgegenwärtigen Bürokratie zu vermeiden, gehört der Internationale Führerschein allerdings zusammen mit EU-Führerschein und Reisepass ins Handgepäck.
Four-Way-Stop
Den Internationalen Führerschein bekommt man bei jeder deutschen Führerscheinstelle bzw. allen Straßenverkehrsämtern. Benötigt werden zur Antragsstellung ein aktuelles biometrisches Passfoto, der nationale bzw. EU-Führerschein, der Personalausweis und Geld für die Bearbeitungsgebühr (ca. 15 EUR). Liegen alle erforderlichen Dokumente vor, wird der Internationale Führerschein direkt vor Ort ausgestellt – mit einer Gültigkeitsdauer von drei Jahren. Nostalgiker sollten diesen Weg mit Bedacht gehen: Wer noch keinen neuen EU-Führerschein hat, dem wird der alte Papier-Führerschein (mit dem z. T. sehr lustigen Passfoto) bei dieser Gelegenheit automatisch gegen die neue Plastikkarte eingetauscht.
Stetige Reisebegleiter: Reisepass und Führerscheine
Klebt vom Fahrer aus gesehen links unten: die licence disc.
Bei jeder Fahrt in Namibia sollte der Fahrer also den Internationalen Führerschein zusammen mit dem nationalen bzw. EU-Führerschein und den gültigen Reisepass zur Hand haben. Dazu gehört dann natürlich noch die Registrierung des Fahrzeuges. Dieses wichtige Dokument bekommt man vom Vermieter als Kopie bei der Fahrzeugabholung und liegt den anderen Formularen und Verträgen bei.
Seit kurzer Zeit gibt es auch eine sogenannte licence disc an der Frontscheibe des Fahrzeuges (vom Fahrer aus links unten). Die Plakette enthält eine Vielzahl von Daten zum Fahrzeug (Gewicht, max. Personenanzahl, Motornummer etc.), auch die Bezahlung der Gebühren von Autoregistrierung und MVA Found (für Personenschäden bei Unfällen) ist hinterlegt. Die Fahrzeugregistrierung in Form der licence disc muss jährlich erneuert werden. Ein Blick auf die Frontscheibe lohnt also bei der Fahrzeugübernahme.
Beim Grenzübertritt in Nachbarländer sind noch weitere Dokumente vorzulegen, aber verbleiben wir erst einmal noch ein wenig in Namibia selbst.
Road Blocks
Egal in welcher Himmelsrichtung Windhoek verlassen wird, Autofahrer treffen überall auf einen sogenannten road block (Verkehrskontrollpunkt der Polizei). Rings um die Hauptstadt handelt es sich um permanente Kontrollpunkte. In Nord-Süd-Richtung gibt es zwei road blocks auf der B1 bzw. A1; im Westen liegt dieser auf der C26 und im Osten auf der B6 in Richtung des internationalen Flughafens Hosea Kutako. Daneben werden bei Bedarf auch immer wieder temporäre road blocks aufgebaut, zumeist außerhalb größerer Städte auf den großen Durchgangsstraßen. Diese Checkpoints der Polizei dienen der allgemeinen Kontrolle von Verkehr(steilnehmern), Gütern und Waren. Für Touristen verläuft diese meist unspektakulär und schnell. Nach einem kurzen Halt am Stoppschild des road block wird man zumeist schon von einem der Polizisten weiter gewunken. Nach einem kurzen Gruß zurück kann die Fahrt auch schon weitergehen. Gestoppt werden sollte aber auf jeden Fall – egal ob es mitten in der Nacht ist oder gerade kein Polizist zu sehen ist. In den seltensten Fällen wird man an diesen Checkpoints wirklich kontrolliert. Im Fall des Falles wird nach den gängigen Papieren (Führerschein und Reisepass) verlangt, nach der Fahrzeugregistrierung und selten auch einmal in den Kofferraum geschaut. Freundlichkeit und Smalltalk helfen zumeist den Moment zu entspannen und die Verweildauer zu verringern. Auch die Polizisten tun nur ihre Arbeit, die hinsichtlich der zunehmenden Gefahren durch Wilderei und Schmuggel immer wichtiger wird.
Bußgeld
Bei Verstößen gegen Gesetze und insbesondere gegen die Verkehrsregeln und einem damit verbundenen Bußgeld erfolgt die Zahlung des Bußgeldes in der nächstgelegenen Polizeistation. So sollen Fälle von Bestechung verringert werden. Gerade als Tourist sollte man sich an die geltenden Gesetze und Gepflogenheiten des Gastlandes halten. Darum heißt es, den Umweg zur Polizei auf sich zu nehmen und seine Zahlung zu leisten – diese aber dann natürlich nur gegen offizielle Quittung. Dumm nur, wenn all dies genau auf dem Weg zum Flughafen bzw. dem Rückflug geschieht. Also immer schön an die geltenden Verkehrsregeln halten!
Unterwegs auf Namibias Straßen
Reifen
Bei der Fahrzeugübergabe sollten alle Reifen kontrolliert werden (Luftdruck, Profil etc.), d. h. die vier Räder am Wagen und die mitgelieferten Ersatzreifen, in der Regel ein bis zwei. Da zumindest ein Ersatzreifen aufgrund der vielen Schotterstraßen und scharfen Steine sehr wahrscheinlich zum Einsatz kommen wird, sollten auch diesen besondere Beachtung geschenkt werden. Die Gefahr eines platten Reifens variiert natürlich mit der gewählten Route und dem persönlichen Fahrstil. Unabhängig davon lautet mein persönlicher Tipp: Lieber zwei Reserveräder dabeihaben, als nur eines! Möglicherweise lässt sich der Autovermieter das zweite Rad extra bezahlen, doch das gute Gefühl der Sicherheit ist eh unbezahlbar.
Die Kontrolle des Reifendrucks ...
... sollte zur (täglichen) Routine gehören.
Der Reifendruck spielt bei der Straßenlage des Fahrzeuges eine sehr wichtige Rolle. Bei jedem größeren Tankstopp sollte der Reifendruck kontrolliert werden. Visuelle Checks am Nachtlager haben schon so manchen schleichenden Plattfuß zu Tage gefördert (und die geplante Abfahrt bzw. Weiterreise nach hinten verschoben). Defekte Reifen sind nach Möglichkeit sofort zu wechseln, um größere Schäden am Fahrzeug abzuwenden. Mit dem platten Reifen in der Hand bzw. im Kofferraum sollte es dann schnellstmöglich zur Reparatur gehen. Das Programm ist in diesem Fall dem Reifen anzupassen: Tagelanges Herumreisen ohne adäquates Reserverad ist keine wirklich gute Idee. Anders als in Europa üblich werden Reifen in Afrika noch repariert und etwaige Löcher wieder zusammengeflickt – mit erstaunlich hoher Halbwertszeit. Diesen Service bieten viele Tankstellen und einige Lodges an, auch auf jeder Gästefarm sollte sich jemand finden, der einen Reifen reparieren kann.
Reifendruck (für die meisten Fahrzeug- und Reifentypen)
Anpassung je nach Anweisung des Vermieters bzw. Fahrzeugherstellers!
Asphaltstraße: 2,0 bar
Schotterstraße:1,8 bar
Sand: 0,8 – 1,5 bar
Lenkrad
Auch wenn längere Fahrten durch menschenleeres Land dazu verleiten, es sich etwas bequemer zu machen und eine Hand vom Steuer zu nehmen, gehören beide Hände durchgängig ans Steuer! Denn nur, wenn beide Hände am Steuer sind, kann das Fahrzeug in einer Gefahrensituation, z. B. plötzlicher Wildwechsel oder Reifenplatzer, unter Kontrolle gehalten werden.
Sollte das Fahrzeug dennoch ins Schleudern geraten, sollte das Lenkrad ruhig festgehalten werden. Ruckartige Lenkbewegungen oder eine Vollbremsung führen in den meisten Fällen zu einem Überschlag. Dies gilt auch und im Besonderen beim Abkommen von der Piste und dem Befahren der sogenannten Reserven, die zumeist tiefer als die eigentliche Piste liegen. Größere Hindernisse wie Bäume und große Steine können in der Regel durch leichte Lenkbewegungen umschifft werden. Die nächstgrößere Lenkbewegung zurück zur Piste, d. h. den Pistendamm hinauf, sollte erst erfolgen, wenn der Wagen im Flachteil der Reserve wieder unter Kontrolle ist.
Die Schleudergefahr auf Schotterpisten ist in Kurven und bei Gefälle besonders groß. Langsames, vorausschauendes Fahren ist daher oberste Pflicht! Bei Allrad-Fahrzeugen und z. B. VW-Bussen ist aufgrund des hohen Schwerpunkts besondere Vorsicht erforderlich. Mit Dachlasten wie z. B. einem Dachzelt ist das Risiko des Schleuderns und Überschlagens ungemein größer, zumal für den sogenannten Elchtest schon Kudu und Co. in den Büschen bereitstehen.
Eine geradezu vorbildliche Lenkradhaltung fürs Gelände
Bei Offroad-Fahrten in schwierigem Gelände gehören natürlich auch beide Hände ans Lenkrad. Die beiden Daumen gehören dabei auf das Lenkrad, nicht in den Radkranz. Ausschlagende Lenkräder haben schon mehr als einen Daumen gebrochen.
Überholen
Auch wenn sich seit Tagen das Bild im Rückspiegel nicht mehr geändert hat bzw. zumindest kein anderes Fahrzeug darin auftauchte, sollte der Blick regelmäßig in den Rückspiegel wandern. Taucht dann unverhofft ein vermeintlich schnelleres Fahrzeug hinterrücks auf, sollte der eigene Wagen leicht verlangsamt werden und auf der Piste soweit wie möglich links gehalten werden. Sowohl beim Überholen als auch durch Gegenverkehr kann es zu Steinschlag kommen.
Setzt man selbst zum Überholvorgang an, sollte dieser gut vorbereitet sein und möglichst auf einer geraden, gut einsehbaren Piste ausgeführt werden. Die Spur sollte schon weit im Voraus gewechselt werden (rechts überholen!), um dem Vordermann den Überholvorgang anzuzeigen und um frühzeitig aus der Staubfahne des vorausfahrenden Wagens zu kommen. Die rechte Straßenseite sollte auch noch eine Zeitlang nach dem Passieren des anderen Verkehrsteilnehmers befahren werden, um beim Wiedereinscheren das überholte Fahrzeug nicht mit einer Staubwolke zu bedecken und Fahrzeug samt Insassen nicht durch Steinschlag zu gefährden.
Auf asphaltierten Straßen im Südlichen Afrika gehört es gerade bei Lkw zu den Gepflogenheiten, einem vermeintlich schnelleren Fahrzeug mit Rechtsblinken zu signalisieren, dass einem Überholvorgang nichts im Wege steht (freie Sicht und Piste etc.). Nach dem Überholvorgang bedankt sich der schnellere Wagen für die Hilfe beim Überholen durch kurzes Betätigen der Warnblinker. Natürlich wird auch rechts geblinkt zum Abbiegen nach rechts. Eine doppelte Bedeutung, die schon zu bösen Unfällen geführt hat. Wer rechts abbiegen will, muss unbedingt erst kontrollieren, ob man nicht falsch verstanden wurde und beim Abbiegen gerade überholt wird.
Es wird immer wieder zu herausfordernden Überholvorgängen kommen, da selbst die asphaltierten Straßen selten mehrspurig sind, wie wir es von unseren Autobahnen kennen. Hier leisten regelmäßig wiederkehrende Überholspuren gerade in kurvenreichen oder bergigen Gegenden Abhilfe. Auf riskante Überholmanöver sollte bei unübersichtlichem Straßenverlauf also verzichtet und stattdessen auf die nächste Überholspur gewartet werden.
Kupplung
Es ist zwar nicht ratsam, beim Autofahren die Füße hochzulegen, allerdings gehört der linke Fuß während der Fahrt nicht aufs Kupplungspedal. Die Kupplung sollte zum Anfahren und zum Gangwechsel genutzt werden, jedoch nicht zum Regulieren der Geschwindigkeit (Start-Stopp) im Gelände. Es besteht die Gefahr, die Kupplung „auszubrennen“.
Beim Offroad-Fahren gehört die Kupplung zu einem der Gefahrenpunkte schlechthin. Die Kupplung im falschen Moment getreten, kann einen in ungeahnt schwierige Situationen bringen, die ein Anfänger nicht mehr unter Kontrolle bekommt. Dies gilt besonders für Fahren am Berg, bergauf und bergab!
Fahren und Pausieren
Wer den Tag in Namibia früh beginnt, kann auch früh sein Ziel erreichen und hat auf dem Weg noch genügend Zeit, um sich den schönen Dingen des Landes zu widmen, für unvorhergesehene Momente und notwendige Pausen. Ruhephasen am Tage sollten nicht nur im Vorhinein geplant, sondern dann auch in der Realität durchgeführt werden – am besten während der heißen Mittagsstunden. Es ist die Gelegenheit, den Flüssigkeitshaushalt aufzufüllen und sich vom anstrengenden Überlandfahren zu entspannen. Konzentration und geistige Frische werden auch noch am Nachmittag erwartet, besonders bei Fahrten gegen die nun tiefer stehende Sonne, d. h. gen Westen. Spätestens bei Einsetzen der Dämmerung sollte das Nachtlager erreicht sein. Fahren in der Dämmerung oder gar bei Dunkelheit ist unbedingt zu vermeiden. Wegunebenheiten sind schlecht zu erkennen, Hindernisse nicht einzuschätzen, und die Tiere am Wegesrand übersieht man unter Umständen komplett.
Rast tut Not! – Rast tut gut!
Tiere
Die Grundfläche Namibias wird von zwei großen Einheiten bestimmt – zum einen von extensiv genutztem Farmland, zum anderen von weitflächigen Schutzgebieten, z. B. Nationalparks. Während die Schutzgebiete u. a. als Rückzugsraum für die einheimische Tierwelt fungieren, dient das Farmland zugleich Nutztieren wie Schafen, Ziegen, Rindern, Pferden und Eseln sowie auch Wildtieren. Die oft riesigen Farmen sind zumeist durch kilometerlange Zäune umschlossen.
Es gibt zwei Arten von Zäunen, die das Landschaftsbild in Namibia prägen:
•relativ niedrige Nutztierzäune, die das Ausbrechen von Nutztieren verhindern, jedoch nicht die Wanderbewegungen der Wildtiere einschränken;
•z. T. meterhohe, dichte Wildtierzäune, die auch die meisten Wildtierarten vom Überqueren abhalten.
Auch Haustiere kreuzen Straßen!
Vorsicht, Wildtiere kreuzen die Fahrbahn!
Doch auch der beste Zaun ist nicht völlig sicher. Somit ist in Namibia immer und überall mit Tieren zu rechnen. Diese laufen zumeist aus den verbuschten oder grasigen Reserven direkt auf die Fahrbahn. Viele Nutztiere werden gerade in Dürreperioden zum Grasen in die Reserven der Straßen geschickt, die sich beidseitig der Fahrbahn erstrecken. Beim Wechsel der Straßenseite nehmen Vierbeiner keine Rücksicht auf nahende Vierräder bzw. nehmen diese erst zu spät wahr. Der Zusammenstoß mit Kudu, Oryx oder Rind ist vergleichbar mit der Kollision mit einem Mittelklassewagen! Die Gefahr ist zur Hauptaktivitätszeit der Tiere am höchsten, d. h. in der Dämmerung und nachts. Darum ist von Nachtfahrten unbedingt abzusehen. Die Tagesetappe muss so geplant sein, dass das Ziel noch im Hellen erreicht wird.
Cattle Grid voraus!
Farmen
Mitunter kreuzen die Schotterstraßen die Außengrenzen oder einzelne Camps der Nutztierfarmen. Und natürlich möchte kein Farmer, dass seine Tiere sich mit den durchfahrenden Fahrzeugen verabschieden. Zwei Systeme haben sich etabliert, um dem Reisenden die ungehinderte Weiterfahrt zu ermöglichen, den Nutztieren das Ausbrechen allerdings verwehren. Sogenannte (cattle) grids, in den Boden eingelassene Gitter, sind von Nutztieren weder zu begehen noch zu überspringen. Beim Überfahren dieser grids sollte der Reisende frühzeitig vom Gas gehen und sich kurz durchschütteln lassen. Auch Farmtore verhindern die ungewollte Flucht von Nutztieren und verschaffen dem Reisenden eine kurze Verschnaufpause. Die Tore auf den Straßen werden grundsätzlich so verlassen, wie man sie angetroffen hat. Ein verschlossenes Tor wird nach der Durchfahrt wieder verschlossen, ein offenes Tor bleibt offen. Viehgatter und -gitter und werden in der Regel durch Schilder angekündigt.
Farmtor auf – Farmtor zu
Tramper
Generell ist das Trampen in Namibia nicht erlaubt; vielfach weisen sogar Straßenschilder extra darauf hin. Trotzdem wird man an den Ausgangsstraßen der Städte und auch auf dem Lande immer wieder Menschen sehen, die einen lift in die nächste Ortschaft oder zur Schule suchen. Die generelle, offizielle und deutliche Ansage der Behörden, Autovermieter und Versicherungen untersagt das Mitnehmen anderer, fremder Personen. Da ich allerdings schon oft selbst als Tramper unterwegs war und auch immer wieder mal Personen mitnehme, verweise ich hier auf den gesunden Menschenverstand bzw. das eigene Bauchgefühl. Die Gefahr, in der weiten Einsamkeit Namibias auf einen potenziellen Übeltäter zu stoßen, ist bedeutend geringer als in der Umgebung der Städte. Statistisch sind junge Männer viel häufiger an Strafdelikten beteiligt als andere Bevölkerungsgruppen. Was spricht also dagegen, ältere Damen oder Schulkinder ins nächste Dorf zu fahren? Suchen wir nicht gerade in Afrika neben dem landschaftlichen Reiz der Natur den Kontakt zur lokalen Bevölkerung?
Sicherheit
Leider häufen sich in den letzten Jahren Fälle von aufgebrochenen Fahrzeugen und dem damit verbundenen Diebstahl von Wertgegenständen. Zwar treten diese Fälle zumeist nur in den großen Städten auf, vor allem in Windhoek, aber Vorsicht und Aufmerksamkeit ist überall geboten. Nie sollte man wertvolle und liebgewonnene Dinge in einem unbeaufsichtigten Fahrzeug zurücklassen. Dazu zählen sicherlich Reisepass, Geldbörse und Kamera.
Warnhinweis in der Innenstadt von Windhoek
In den Städten gibt es aber auf fast allen öffentlichen Parkplätzen Parkwächter. Die meist jungen Männer geben sich durch Westen oder ihr Auftreten rasch zu erkennen und helfen oft schon bei der Parkplatzsuche bzw. dem Einweisen. Obwohl manch ein Einheimischer die Effektivität der Parkwächter anzweifelt, halten sie mögliche Einbrecher schon allein durch ihre Präsenz in Schach. Die jungen Männer haben eine Aufgabe und verdienen etwas, müssen sich also nicht andere Wege zur Geldbeschaffung suchen. Die Bezahlung erfolgt beim Wegfahren und ohne vorherige Absprache bzw. Quittierung. Ein angemessener Lohn für den Service stellen 2 bis 5 NAD dar. Es ist also immer gut, kleinere Münzen im Auto zu haben.
„Safety Fürst“
Ein aufkommender Sandsturm?
Sandsturm
An der Atlantikküste und der Namib-Wüste kann es zu regelrechten Sandstürmen kommen, die Millionen feiner Sandkörner oft kilometerhoch in die Luft heben. Der dadurch entstehende Sandstrahl kann das Fahrzeug stark beschädigen, vor allem Windschutzscheibe und Lack. Sofern dies noch möglich ist, sollte dem Sturm ausgewichen, die Rückfahrt angetreten oder ein Unterstand gesucht werden. Ist dies nicht mehr möglich, sollte das Fahrzeug mit dem hinteren Teil zum Sandsturm geparkt werden. So werden zumindest größere Schäden an Windschutzscheibe, Fernlichter und Kühler vermieden. Für Schäden durch Sandstürme haftet in der Regel der Mieter!
Das Schild als Warnung und Beweis zugleich!
Schotterstraßen
Die vermeintlich gute Fahrbahn und das Fahrverhalten der Einheimischen verleiten oft zum schnellen Fahren auch auf Schotterstraßen (gravel roads). Die Einheimischen fahren die Strecke meist mehrfach wöchentlich und kennen die Strecke mit ihren Gefahrenpunkten und ihr Fahrzeug genau. Eine bessere Straßenlage und damit eine erhöhte Sicherheit erhält man durch einen angepassten Reifendruck (1,8 bar) und das Zuschalten des Allradantriebs (H4). Aber auch mit Allrad sollte hier grundsätzlich nicht schneller als 80 km/h gefahren werden. Wellblech, Schlaglöcher, Verspülungen und Tiere können jederzeit unerwartet auftauchen. Verkehrsschilder warnen vor Gefahren, insbesondere vor Kurven. Bei einem gekrümmten Hinweispfeil sind maximal 60 bis 70 km/h empfohlen, bei einem rechtwinkligen Pfeil 40 bis 50 km/h. Weitere Gefahrenpunkte sind Riviere, Hügel und Kuppen.
Die weitaus meiste Zeit des Jahres sind das Land und die Pisten mehr als trocken und von der Sonne ausgedörrt. Dann hat man mit dem allgegenwärtigen Staub zu kämpfen, der die Sicht beeinträchtigt und sich seinen Weg ins Fahrzeuginnere sucht – durch offene Fenster und Dichtungen hindurch. Um den leichten Überzug aus feinstem Puder zu vermindern, öffnet man im hinteren Teil des Wagens bzw. in der Gepäckkabine (bei Pick-up-Aufbauten) ein Fenster. Es dringt nicht mehr, sondern deutlich weniger Staub ein, weil so ein Vakuum vermieden wird, das den Staub magisch anziehen würde. Der Staub außen sollte im Normalfall dichter und störender sein als derjenige im Innenraum des Fahrzeuges. Der Staubfahne eines vorausfahrenden Fahrzeuges entgeht man nur durch langsameres Fahren, sicheres Überholen oder einen Windwechsel. Dem Gegenverkehr samt aufkommendem Staub und fliegenden Steinen begegnet man am besten langsamer fahrend auf der ganz linken Seite der Fahrbahn. Zur eigenen Sicherheit sollte bei Gegenverkehr, großem Staubaufkommen und in der Dämmerung das Licht eingeschaltet werden.
In der Hitze Namibias wird das Auge nicht nur vom Staub, sondern auch von der hohen Sonneneinstrahlung und dem damit verbundenen intensiven Schattenschlag gefordert. Mögliche Schlaglöcher, Sandverwehungen, Steine, Rinnen etc. werden oft erst in letzter Sekunde oder zu spät entdeckt. Dann heißt es aber wiederum: Durchfahren und durchrütteln lassen ist allemal besser als das Lenkrad noch schnell ruckartig herumzureißen.
Durchhalten ist auch beim sogenannten „Wellblech“ angesagt. Dabei handelt es sich um unbefestigte Straßen, die quer zur Fahrtrichtung liegende Bodenwellen ähnlich einem Wellblechmuster aufweisen. Voraussetzung für die Entstehung dieser Strukturen sind schwere und schnelle Fahrzeuge und eine schon vorhandene Vertiefung in der Fahrbahnoberfläche. Beim Herausfahren aus der Vertiefung bewegt sich das Rad wie auf einer Rampe nach oben, um nach einem kurzen Sprung eine weitere Bodenvertiefung vorzubereiten. So entsteht nach und nach eine Wellblechpiste, die Mensch und Material vor eine harte Prüfung stellen, zumal es keine gute Lösung gibt. Entweder man fährt langsam über den Streckenabschnitt hinweg, reitet dann aber jede Bodenwelle ab. Oder man fährt bzw. fliegt schneller darüber hinweg, so dass die Räder nicht jede Querrille mitnehmen. Dabei läuft man allerdings Gefahr die Bodenhaftung komplett zu verlieren und ins Schleudern zu geraten.
In Namibia das normalste der Welt: Fahren auf Schotter!
Als guter Vergleich kann die Fahrt auf Schotter mit der auf einer schneebedeckten Bundesstraße verglichen werden. Umsichtiges und vorausschauendes Fahren ist oberstes Gebot! Dies gilt besonders für das Bremsen: Durch abruptes und heftiges Bremsen (Vollbremsung!) kann der Wagen leicht ins Schleudern geraten. Durch gefühlvolles Bremsen und leichte Ausweichmanöver können die meisten schwierigen Situationen wie Wildwechsel, geplatzter Reifen etc. gemeistert werden. Auch der Zeitpunkt des Bremsens ist entscheidend: Bei scharfen Kurven sollte z. B. nie in der Kurve selbst gebremst werden. Vielmehr sollte der Bremsvorgang schon weit vor der Kurve begonnen und die Kurve anschließend mit gedrosselter Geschwindigkeit durchfahren werden.
Über den Zustand der Schotterpisten, mögliche Gefahrenpunkte und etwaig bessere oder schönere Ersatzrouten wissen Einheimische am besten Bescheid. Wer fragt, gewinnt also (Informationen dazu)! Gelegenheiten bieten sich immer: in der Unterkunft beim Ein- oder Auschecken, an der Tankstelle oder beim Einkauf im Shop. Auch die Aussagen anderer Reisender, z. B. entgegenkommender Fahrzeuge, können wichtige Informationen liefern.
Allrad
Einer der häufigsten Fehler ist es, den Allrad erst dann zu benutzen, wenn es schon (fast) zu spät ist. Der Allradantrieb darf aber auch schon gern verwendet werden, bevor man sich festfährt. Sobald das Fahren unsicher und das Gelände rauer werden, sollte ein Allradgang eingelegt werden. Allrad verbessert das Fahrverhalten auch schon auf normalen Schotterstraßen; die vier angetriebenen Räder erhöhen die Bodenhaftung des Fahrzeuges. Einzig der Kraftstoffverbrauch „leidet“ unter dem Einsatz des Allrad.
Doch wie benutzt man den Allrad eigentlich? Und welche Arten des Allrad-Fahrens gibt es?
Ein Großteil der in Namibia zur Verfügung stehenden Mietwagen mit Allrad verfügen über einen zuschaltbaren Allradantrieb und eine automatische Freilaufnabe. Der zuschaltbare Allradantrieb ermöglicht das Wechseln zwischen Zweiradantrieb und Allradbetrieb.
H2 (high two)
Einstellung für das Fahren auf Straßen und hohe Geschwindigkeiten.
Diese Stellung erlaubt wirtschaftlicheres, geräuscharmes Fahren mit dem geringsten Verschleiß.
H4 (high four)
Einstellung für Pisten, Schotterstraßen etc., d. h. potenziell rutschigen Untergrund.
Diese Stellung bietet eine stärkere Traktion als der Zweiradantrieb.
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h
L4 (low four)
Geländegang für schwierige, langsam zu befahrende Passagen wie steile Bergauf- oder Bergabfahrten und Geländefahrten in Sand oder Schlamm. Diese Stellung sorgt für mehr Drehmoment und Traktion.
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h
Sollte der low four (L4) wirklich nicht ausreichen, gibt es auch noch die Differenzialsperre (englisch: differential lock oder kurz diff lock
