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Antje Kreutzer steht für eine pferdegerechte und vielseitige Ausbildung. Die ersten Monate und Jahre in der Pferdeausbildung legen den Grundstein für die Motivation und Lernbereitschaft eines Reitpferdes. Jedes Pferd, ob es im Sport oder in der Freizeit eingesetzt wird, braucht eine solide und fundierte Grundausbildung, damit es seine Aufgaben mit und unter dem Reiter zuverlässig, freudig und bei bester Gesundheit erfüllen kann. Dieses Buch beschreibt die charakterliche Grundausbildung junger Reitpferde.
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Seitenzahl: 64
Veröffentlichungsjahr: 2021
Antje Kreutzer
Charakterausbildung
für Pferde
© 2021 Antje Kreutzer
Umschlag, Illustration: Angela Rieck
Lektorat, Korrektorat: Birgitt Janisch
Verlag und Druck:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-347-32556-2
Hardcover:
978-3-347-32557-9
e-Book:
978-3-347-32558-6
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Antje Kreutzer
Charakterausbildung
für Pferde
Danksagung
Ein großes, großes DANKE gilt es, meiner Familie Isabell, Steffen und Florian zu sagen. Für die viele Zeit und Geduld mit der sie meine Ideen und Projekte unterstützen.
Ein großer Dank gilt meinen Pferden, ohne sie wäre ich in meinen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Reiterei nie so weit gekommen.
Ein Dankeschön gebührt Birgitt Janisch, für die Rechtschreibkorrektur und die gelungenen Verbesserungsvorschläge.
Und ein Dankeschön an Angela Rieck, die sich in das Pferdezeichnen einarbeitete und dieses Buch mit ihren Zeichnungen illustrierte.
Repente, im Mai 2021
Antje Kreutzer
Inhaltsverzeichnis
ALLGEMEINES ZU DIESEM BUCH
EINFÜHRUNG
GRUNDSÄTZE FÜR DIE AUSBILDUNG DES PFERDES
Eigene Gedanken zur Ausbildungsskala
Die Bedeutung von Freiarbeit und Zirkuslektionen
Bestärken, Loben, Belohnen
Tadel?
Am Anfang steht das innere Bild – der Plan im Kopf
PERSÖNLICHKEIT – CHARAKTER – TEMPERAMENT
Jedes Pferd ist einzigartig
Temperamente und ihre Charaktereigenschaften
Können wir die Charaktereigenschaften beeinflussen?
Pferderassen – alle gleich?
CHARAKTERBILDUNG IN DER FOHLENAUFZUCHT
Drei Varianten der Fohlenaufzucht
Variante A
Das Fohlen und seine Ausbildung (4.–12. Monat)
Der Jährling und seine Ausbildung (13.–24. Monat)
Der Zweijährige und seine Ausbildung (25.–36. Monat)
Variante B
Variante C
LEKTIONEN ZUR CHARAKTERBILDUNG
Freiarbeit – Vertrauen, Mut und Freundlichkeit
Was ist Freiheitsdressur
Führen – Neugier, Wagemut und Besonnenheit
Freies Stehen – Ausgeglichenheit, Vertrauen, Gehorsam
Ablegen – innere Ruhe
Podest ersteigen – Selbstvertrauen
LEKTIONEN FÜR FORTGESCHRITTENE PFERDE -
Kompliment – Vertrauen, Mut und Selbstbeherrschung
Spanischer Schritt – Aggressionsabbau
Steigen – Ungeduld zügeln
Literaturverzeichnis
ALLGEMEINES ZU DIESEM BUCH
Kann sich die Persönlichkeit eines Lebewesens verändern? Die Persönlichkeitsforschung beschreibt die Intelligenz über die Lebenszeit als nahezu stabil. Die Intelligenz hat also eine beeindruckende Stabilität in der Persönlichkeit. Synonyme für Intelligenz sind: Verstand, das beinhaltet für mich verstehen, Geist setze ich mit Denken gleich und Gelehrtheit mit gelehrig sein im Sinne von lernen, lernfreudig sein. Während einer Lebenszeit unterliegt ein Lebewesen Veränderungen. Veränderungen beeinflussen die Persönlichkeitseigenschaften.
Und so ist es sehr wahrscheinlich, dass sich Persönlichkeitseigenschaften eines Lebewesens verändern. Veränderungen werden meistens positiv bewertet. Das stimmt nicht ganz, denn Veränderung kann sowohl Gutes als auch Schlechtes bringen. Veränderungen in einem Lebenszyklus entstehen also aus der Ansammlung von Erfahrungen, aus denen gelernt wird, an denen das Lebewesen wächst.
Damit widerlegt sich für mich auch der Satz: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Pferde eines jeden Alters veränderbar sind. Im Lernverhalten konnte ich keine signifikanten Unterschiede feststellen. Nimmermehr lernen ist nicht gegeben. Nur die Frage: Wie gut ist etwas im Alter noch erlernbar und damit ausführbar?
Der Glaube an Veränderlichkeit ist unser Profit. Veränderungen sind innerhalb der Persönlichkeit Schwankungen, die langfristig neue Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster bringen. Mit inneren Bildern vor Augen können wir verändern. Positive Bilder wirken sich auch positiv auf unser subjektives Wohlbefinden aus und ebenso auf das subjektive Wohlbefinden eines anderen Lebewesens.
Repente, Mai 2021
Antje Kreutzer
EINFÜHRUNG
Seit mehr als 30 Jahren bilde ich Pferde aus. Jede einzelne Persönlichkeitsstruktur dieser Pferde war eine Herausforderung und bereicherte meinen Erfahrungsschatz, mit dem ich in der Pferdeausbildung immer einem roten Faden folgte und gleichzeitig meine Vorgehensweise immer mehr verfeinern konnte.
Jedes Pferd zeigt mir neue Verhaltensweisen und somit neue Varianten eines Ausbildungsweges. Diese Verhaltensweisen gilt es zu analysieren und daraus neue Überlegungen zu durchdenken. Daraus entstehen Details, die in die Ausbildung des Pferdes mit einfließen. Von diesen neu entstandenen Details profitiert dann auch die Ausbildung anderer Pferde. So beginnt mit der Ausbildung eines neuen Pferdes immer wieder ein neues Abenteuer, welches trotz aller bisher gemachten Erfahrungen nie genau kalkulierbar ist. Aber genau das macht den Reiz einer Pferdeausbildung aus.
Meinen roten Faden habe ich durchaus in der klassischen Reitlehre gefunden. Nur oft ist mir die Ausbildung zu militärisch geprägt. Mir fehlt die spielerische Leichtigkeit bei der Ausbildung der Pferde.
Zirkuslektionen und Freiarbeit sind nach wie vor in der klassischen Reitlehre verpönt. Handarbeit im Sinne der hohen Schule gilt immer noch als etwas Besonderes und dem Ausbilden eines Pferdes an der Longe wird keinerlei Bedeutung beigemessen. Dabei kann bei der Arbeit an der Longe das Pferd für seinen Reiter sehr gut vorgebildet werden. Die klassische Reitlehre wird sich öffnen müssen, will sie ihrem eigenen Anspruch gerecht werden.
Im Buch „Grundausbildung für Reiter und Pferde, Band 1“ heißt es: „Man kann die ‚klassische Reitlehre‘ definieren als: Ein lebendiges und modernes Ausbildungssystem, das auf den Grundprinzipien alter Meister aufbaut, aber auch neue, ergänzende, dem Wohl der Pferde dienende und für das Ausbildungssystem zweckdienliche Erkenntnisse übernimmt.“
Genau in diesem Sinne habe ich meine Pferdeausbildung entwickelt. Eine moderne Mischung der Ausbildungsmethoden aus Zirkuslektionen, Freiarbeit und Longieren, die jedem einzelnen Pferd angepasst sind, um ihm seelisch, geistig und körperlich gerecht zu werden. Das Pferd soll lernen, seine Lektionen erlernen zu dürfen – mit spielerischer Leichtigkeit entsprechend seiner natürlichen Veranlagung.
Auf der Messe ‚Pferd und Jagd‘ habe ich mal an der Bande von einer Besucherin folgenden Satz gehört: „Bei Antje ist immer schön zu sehen, dass die Pferde es nicht machen müssen!“ Ich nehme dies als Kompliment und bedanke mich dafür. Denn ja, ich möchte, dass meine Pferde freiwillig für mich arbeiten und sie sollen wissen, dass sie mir damit eine große Freude bereiten.
Einen großen Teil meiner Kinder- und Jugendzeit verbrachte ich auf den Koppelzäunen des Gestüts, in dessen Nähe ich aufwuchs. Das Beobachten der Pferde aller Altersklassen in fast freier Natur ist Grundlage meiner Art des Vorgehens.
Die reiterlich theoretischen Erkenntnisse entstammen der Literatur der alten Meister.
Hier haben mich sowohl die wienerische Schule mit ihrer Akkuratesse als auch die französische Schule mit ihrer Leichtigkeit geprägt. Eine strenge Vorgehensweise nach einem Lehrbuch entspricht nicht meiner Natur und auch nicht der Natur des Pferdes.
Bewegungsabläufe von Tieren und Menschen unterliegen Automatismen. Wir werden hölzern in unseren Bewegungen, wenn uns ein automatisierter Bewegungsablauf bewusst abverlangt wird. Auf der Koppel zeigen Pferde Galoppwechsel, Pirouetten, Kompliment, Spanischen Schritt usw., all diese Bewegungen sind naturgeprägte Automatismen.
Nun versucht der Reiter diese bewusst vom Pferd mithilfe von Zügeln und mehr oder weniger Körpereinsatz zu realisieren. In Folge dessen wird das Pferd in der Dressur meist fest und hölzern in seinen Bewegungen. Manchmal ist es ihm sogar unmöglich, automatisierte Bewegungen, die es auf der Koppel mühelos ausführt, zu zeigen.
Das ist keine Form des Ungehorsams oder des nicht Verstehens, sondern oft ein Problem der Psyche.
Hier liegt die Ausrichtung meiner Herangehensweise in der Ausbildung oder auch Korrektur eines Pferdes.
In der modernen Psychologie werden Kinder mit Spaß, Fantasie und Kreativität erzogen. Und genau so sollte auch die Ausbildung eines Reiters und seines Pferdes laufen. Das setzt Erzieher bzw. im Pferdesport Ausbilder voraus, die ihrerseits ein freies Spiel der Gedanken haben.
Die Analyse einer Ausbildungseinheit ist unabdingbar. Besonders dann, wenn Probleme in der Ausbildung auftreten. Wenn das Pferd sagt, „geht nicht“, gilt es herauszufinden, wie es gehen kann. In diesem Fall ist Fantasie gefragt, nach möglichen Wegen zu suchen und diese zu finden. Gerne nehme ich Angebote meiner Pferde an, wenn diese uns beide in die richtige Lektion führen können. Das bedeutet aber auch, ich muss unwahrscheinlich flexibel auf das Pferd reagieren können. Pferde sind von Natur aus gutmütig. Diese Charaktereigenschaft findet sich in fast allen Rassebeschreibungen wieder. Diese Gutmütigkeit hat dem Menschen dazu verholfen, es reiten und einspannen zu können, um so schneller ans Ziel zu gelangen oder schwere Lasten zu transportieren.
