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In diesem Buch, das die Essenz der Lebensweisheit aus den Schriften des großen römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca enthält, lernst du, wie du deinen Geist mit Hilfe der stoischen Lehre gegen alles, was dir in diesem Leben begegnen kann, rüsten und stählen kannst. Verinnerlichst und befolgst du die Worte Senecas, so wirst du dich vor nichts mehr fürchten, nichts wird dich mehr wundern, nichts wird dich mehr niederdrücken, nichts wird dich mehr erschüttern - übe, lerne, veredle deine Seele! Gehst du diesen Weg konsequent, Schritt für Schritt, wirst du die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird dich frei machen.
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Seitenzahl: 386
Veröffentlichungsjahr: 2021
Wie du mit Hilfe der Stoa zu einem ausgeglichenen Menschen werden und jede Situation im Leben meistern kannst
Von
Dr. J. F. T. Wohlfarth
I.
Gott, dessen Wesen, Eigenschaften und Walten.
Dasein Gottes.
Die Betrachtung der Natur führt zu Gott.
Wesen der Gottheit.
Die Gottheit als Schöpfer der Welt.
Die Wohltaten des Himmels an den Menschen.
Dank gegen die Gottheit.
Gott sieht uns!
Um was vornehmlich sollen wir die Gottheit bitten?
Über dem Schicksal waltet die Gottheit und es gibt besondere Gebetserhörungen.
Welche die Gottheit lieb hat, die prüft sie
Warum treffen die Guten so viele Widerwärtigkeiten?
Das Glück des Sünders ist bloß scheinbar.
Dem Guten muß alles zum Besten gereichen.
Der wahre Gottesdienst.
II.
Der Mensch, seine Natur, Bestimmung und Würde.
Die Doppelbestimmung des Menschen.
Die Sündhaftigkeit desselben.
Sind die Menschen wirklich schlimmer geworden?
Die Würde des Menschen.
Edle Gemüter lassen sich leicht für das Edle begeistern.
Die gegenseitige Hilfsbedürftigkeit.
Das Gewissen.
Die Freiheit.
Die Vernunft.
Die Stimme der Vernunft.
Der wahre Adel.
Die Gemeinschaft mit der Gottheit.
Freundschaft der Gottheit mit edlen Menschen.
Seelengröße.
Die höchste Weisheit.
Erkenntnis der Wahrheit führt zur Tugend und Glückseligkeit.
Das Glück des Umgangs mit der Wissenschaft.
Die wahre Weisheit.
III.
Die Tugend überhaupt.
Tugend.
Was ist das Herrlichste im Menschenleben?
Das höchste Gut.
Der wahre Ruhm.
Das wahre Leben des Tugendhaften.
Erforschung: ob das, wonach wir streben, auch unseres Strebens wert sei?
Die Macht der Tugend.
Die Besserung ist oft bloß ein Wechsel der Sünde.
Die Tugendhöhe und das Streben nach ihr.
Der Entschluß zur Tugendtreue.
Die Selbstprüfung.
Die Selbstbeherrschung.
Weise Einkehr in sich selbst.
Sei nicht blind gegen deine Fehler.
Erkenntnis unserer Fehler ist Anfang der Besserung.
Lege deine Fehler ab!
Ursprung der sündlichen Begierde.
Der wahrhaft Tugendhafte.
Die Würde und Schönheit der Tugend.
Selbst das Laster muß der Tugend huldigen.
Strebe nach Gottähnlichkeit!
Folge der Gottheit nach!
Der Weg der Tugend ist sanft und leicht.
Das Gesetz.
Die Strafe.
Die wahre Glückseligkeit
IV.
Pflichten in den verschiedenen Verhältnissen des Lebens.
Das wahre Leben besteht in edler Wirksamkeit.
Sei wahrhaft!
Halte dir und anderen die Gebote der Tugend oft vor!
Oft findet die Wahrheit auch da noch Eingang, wo man die Hoffnung bereits aufgab.
Die nichtstuende Geschäftigkeit.
Die Pflicht der Lebenserhaltung.
Verbindung der Geistesarbeit mit Lektüre.
Die Nächstenliebe.
Befleißige dich der Mäßigkeit!
Hüte dich vor Habsucht!
Wende dich vom Luxus!
Verabscheue die Schwelgerei!
Das Glück der Genügsamkeit.
Fliehe den Müßiggang!
Liebe die Arbeitsamkeit!
Sprich nie anders als sanft und mit Würde!
Wer nach Volksgunst trachtet, kann nie rechtschaffen sein.
Meide den Umgang mit der großen Menge!
Das Urteil der Welt.
Vertraue niemand Geheimnisse an, von dessen Verschwiegenheit du nicht völlig überzeugt bist!
Die Freundschaft.
Suche den Umgang mit edlen Menschen!
Laß dich durch Undank nicht entmutigen Gutes zu tun!
Das Laster des Undanks.
Ursachen der Undankbarkeit.
Fluch des Undanks und Lohn der Dankbarkeit.
Die Dankbarkeit.
Die Wohltat.
Pflichten gegen die Dienstboten.
Räche dich nicht!
Selbst auf das sittlich Böse darf der Weise und Tugendhafte nicht zürnen.
Bewahre dein Gemüt vor Argwohn!
Wolle niemand schaden!
Beleidigungen von Mächtigen.
Zorn ist kein Zeichen einer großen Seele.
Zorn ist die abscheulichste Leidenschaft.
Der Fluch, welchen der Zorn stiftet.
Verwahrungsmittel gegen den Zorn.
Der Zorn kann nie nützlich sein.
Nachsicht gegen Fehlende.
Sei zufrieden mit deiner Lage!
Elternliebe und Elternstrenge.
Erziehung.
Ehrfurcht gegen Eltern und Lehrer.
Armut und Reichtum.
Der kürzeste Weg zum Reichtum.
Der Fürst.
V.
Unbeständigkeit alles Irdischen. ‒ Kürze des Lebens. Trost im Unglück. ‒ Tod und Unsterblichkeit.
Die Reise durchs Erdenleben.
Der Wechsel des Irdischen.
Kleine Ursachen ‒ große Wirkungen!
Nichtigkeit menschlicher Hoffnungen und Entwürfe.
Notwendigkeit und Pflicht, unsere Entschließungen nach Zeit und Umständen zu ändern.
Regeln zur Bewahrung unserer Ruhe und Sicherheit.
Der Weise ist auf alles gefaßt!
Weisheit ‒ die beste Schußwehr unter dem Wechsel des Glücks.
Unantastbarkeit des Weisen und Tugendhaften.
Die Ruhe des Gemüts.
Die Kunst, glücklich zu leben.
Trost in Schmerzen.
Mut im Unglück.
Mißtrauen gegen die Geschenke des Glücks.
Komme mit deinem Trost nicht zu früh!
Beruhigung in Krankheit.
Lerne Unglück ertragen!
Quäle dich nicht mit ängstlichen Sorgen!
Erinnerung an die Vergangenheit.
Die Freuden der Erinnerung.
Ohne eigene Erhebung über den Schmerz suchen wir umsonst Trost in der Zerstreuung.
Die Kürze des Lebens.
Verschiedenheit der menschlichen Lebensdauer.
Das Alter.
Fürchte das Alter nicht!
Trost in traurigen Lebenstagen.
Das Leben darf nicht nach seiner Länge, sondern nur nach seinem Inhalt bemessen werden.
Trennung durch den Tod.
Wir sterben täglich!
Fürchte den Tod nicht!
Beruhigung an Sterbebetten und Gräbern.
Wessen sollen wir uns bei dem Tod eines teuren Kindes trösten?
Der Tod ist Wiedergeburt zu höherem Leben.
In diesem Buch, das die aus seinen überaus lehrreichen Schriften zusammengetragene Essenz der Lebensweisheit des großen römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca enthält, lernst du, wie du deinen Geist mit Hilfe der stoischen Lehre gegen alles, was dir in diesem Leben begegnen kann, ausrüsten und stählen kannst.
Verinnerlichst und befolgst du die Worte Senecas, so wirst du dich vor nichts mehr fürchten, nichts wird dich mehr wundern, nichts wird dich mehr niederdrücken, nichts wird dich mehr erschüttern – übe, lerne, veredle deine Seele! Gehst du diesen Weg konsequent, Schritt für Schritt, wirst du die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird dich frei machen.
Ich will die Stelle eines Anwaltes der Gottheit übernehmen, ein Geschäft, das wenige Schwierigkeiten hat.
Ein so großes Werk, wie die Welt, kann nicht ohne einen Aufseher bestehen, und das regelmäßige Hin- und Herwandeln der Gestirne nicht von einem zufälligen Anstoßen bewirkt sein. Denn was der Zufall in Bewegung setzt, muß leicht in Verwirrung geraten und leicht anstoßen. Der ununterbrochene, rasche Verlauf mit einer solchen Masse von Dingen zu Land und zur See, und von so hellen in Ordnung leuchtenden Lichtern kann nur nach der Ordnung eines ewigen Gesetzes vor sich gehen. Nicht ein sich selbst überlassener Stoff kann eine solche Ordnung hervorbringen. Hätten sich die Dinge ohne Regel zusammengefunden, so würden sie nicht so künstlich schweben, daß die gewichtige Ländermasse einen unerschütterten Ruhepunkt hätte und der raschen Flucht des sich um sie herumdrehenden Himmels zuschaute, daß die in die Vertiefungen ergossenen Meere, ohne durch die Flüsse überfüllt zu werden, den Erdboden durchfeuchten und aus ganz kleinem Anfang mächtig Großes erwüchse.1
Das Streben nach Weisheit zerfällt in zwei Teile, von denen der eine die Menschen, der andere die Gottheit zum Gegenstand der Betrachtung hat.
Dieser zweite Teil aber ist erhabener und kühner. Er bewegt sich in einem unendlich weiten Spielraum, er ahnt, daß es etwas Höheres und Schöneres gebe, als das Sichtbare, etwas Höheres und Schöneres, was die Natur unserer sinnlichen Anschauung entrückt hat, mit einem Wort, es ist zwischen diesen beiden Teilen des Forschens nach Erkenntnis derselbe Unterschied, wie zwischen dem Menschen und der Gottheit.
Der eine Teil lehrt, was auf Erden zu tun sei, der andere, was im Himmel vorgeht. Der eine zerstreut unsere Irrtümer und gewährt uns Licht, daß wir uns in des Lebens zweifelhaften Fällen zurecht finden; der andere geht weit über diese Dunkelheit hinaus, in der wir wandern, und führt uns, der Finsternis entrissen, dahin, von wo die Klarheit kommt.
Meinen Dank bringe ich der Natur dar, daß ich sie nicht von der Seite betrachte, die sich aller Welt darbietet, sondern in ihre Geheimnisse eindringe, daß ich erkenne, was der Stoff des Alls sei? Wer der Urheber oder Bewahrer? Wer die Gottheit? Ob sie sich ganz in sich kehre? Oder bisweilen auch auf uns sehe? Ob sie täglich etwas schaffe? Oder ein für allemal geschaffen habe? Ob sie ein Teil der Welt sei? Oder die Welt selbst? Ob sie noch heute etwas anordnen und an den Gesetzen des Schicksals ändern kann? Oder ob es eine Herabwürdigung ihrer Erhabenheit und ein Geständnis ihrer Fehlbarkeit sei, wenn sie die Dinge so geschaffen habe, daß sie einer Änderung bedürfen? Denn wenn ihr nur das Beste gefallen kann, so muß ihr notwendig immer dasselbe gefallen, und sie ist deshalb nicht minder frei oder mächtig. Sie ist sich ja nur ihr eigenes notwendiges Gesetz.
Wenn ich mich darauf nicht einlassen könnte, wozu wäre ich denn geboren? Weshalb hätte ich mich denn zu freuen, daß ich in die Zahl der Lebendigen gestellt bin?
Etwa, daß ich Speisen und Getränke, wie durch einen Seiher, durch mich hindurchgehen lasse? Daß ich diesen kränklichen, zerfließenden Leib, der dahinfällt, immer wieder von neuem fülle, oder dessen Krankenwärter abgebe? Daß ich den Tod fürchte, zu dem wir alle geboren sind?
Aber erhebt sich der Mensch durch fromme Betrachtung der Natur zu dem Ewigen, dann schaut er (im Gefühl seiner höheren Würde und Bestimmung) emsig auf der Gestirne Auf- und Untergang, und Harmonie in Verschiedenheit ihrer Bahnen. Als wißbegieriger Zuschauer, sucht er alles zu erforschen, zu ergründen.
Und warum sollte er nicht danach forschen?
Er weiß, daß es ihn angeht!
Da ist ihm denn freilich die Beschränktheit seines sonstigen Wohnortes etwas Kleinliches. Aber er fängt, wonach er längst getrachtet hat, nun auch an, die Gottheit zu erkennen.
Was ist die Gottheit?
Die Seele des Alls.
Wo ist die Gottheit?
Das Ganze, was du siehst, obgleich du es nicht in seiner Ganzheit siehst!
Dann erst wird die Gottheit in ihrer ihr zukommenden eigentümlichen Größe und Erhabenheit erkannt, über welche hinaus nichts geht, wenn wir sie als alles anerkennen, das ist, fühlen, daß sie ihr Werk von außen und innen beherrscht.
Was ist demnach der Unterschied zwischen der Gottheit und dem Menschen?
Daß, während in uns nur der edlere Teil Geist ist, die Gottheit ganz Geist ist, nichts als Geist.
Die Gottheit ist ganz Vernunft, während sterbliche Wesen von Irrtum so tief umfangen sind, daß die Menschen das, was doch das Allerschönste, Geordneteste und Planmäßigste ist, für etwas Zufälliges, nach einem Ungefähr Veränderliches halten, was eben deshalb in steter Unordnung sei unter Blitzen, Wolken, Stürmen, und was sonst die Erde und ihre Umgrenzungen beunruhigt, ein Wahn, der nicht bloß den Pöbel, sondern selbst Menschen beherrscht, welche sich für Weise ausgeben.
Es gibt Menschen, die zwar glauben, sie haben einen Geist und zwar einen Geist, der denke und alles ordentlich einrichte, sowohl, was sie selbst, als was andere angeht, aber dieses All, in welchem wir uns bewegen, planlos finden und entweder von einem blinden Ungefähr oder einem Wesen getragen achten, welches nicht weiß, was es tut.
Bedenke daher, welche Vorteile es bringe, die Natur und in ihr die Gottheit zu erkennen!
Dahinein zu blicken, das zu erkennen, danach unablässig zu forschen, heißt über die sterbliche Natur hinauszugehen und eines herrlicheren Loses teilhaftig zu werden.2
Zur Erkenntnis der Gottheit und unserer Bestimmung, wie zu wahrer Freiheit führt die Betrachtung der Natur.
Durch sie entfernen wir uns von allem, was den Geist verunreinigt und machen ihn, der groß und erhaben sein muß, vom Körper los. Ist diese Entsinnlichung im Stillen vollbracht, wird man nicht ungeistiger sein vor den Augen der Welt.
Nichts aber tritt mehr an den Tag, als dieses Heilmittel, das gegen unsere Verkehrtheit und Leidenschaftlichkeit hilft, die wir gern als verwerflich erkennen, aber nicht ablegen.3
Wollt ihr euch Gott denken, so denkt ihn euch groß und freundlich, in milder Erhabenheit ehrwürdig, als einen Freund, der euch stets nahe ist; der nicht verehrt sein will durch Opfer und Blutströme – denn wie sollte er Freude haben an dem Niederschlachten schuldloser Geschöpfe? – sondern durch ein reines Herz und edle, tugendhafte Vorsätze.
Nicht Tempel von hoch aufgetürmtem Gestein will er sich gebaut wissen; in der eigenen Brust soll ihm ein jeglicher einen Altar errichten.4
Das Wesen der Gottheit ist Milde und Freundlichkeit, ebensoweit entfernt, anderen wehzutun, als sich selbst. Es sind daher der Wahrheit entfremdete Menschen, welche ihr das Toben des Meeres Schuld geben und die unbändigen Regengüsse und die strengen Winter, während es, genauer besehen, mit allem dem, was uns schadet oder nutzt, nicht auf uns abgesehen ist.
Wir stellen uns zu hoch, wenn wir meinen, es sei der Mühe wert, daß um unserer willen so gewaltige Kräfte sich in Bewegung setzen.
Nichts also von dem allen geschieht, damit uns wehgetan werde, im Gegenteil ist alles zu unserem besten.5
Die Gottheit ist es, welche die Welt schuf.
Das, woraus sie besteht, ist der Stoff.
Die Beschaffenheit und Ordnung, die wir erblicken, ist die Gestalt.
Das, wonach die Gottheit dieses große und schöne Werk geschaffen hat, ist das Muster oder der Begriff.
Die Absicht ist das, um dessentwillen die Gottheit sie geschaffen hat.
Fragst du: welches diese Absicht sei?
Das Gute!
Wie Plato sagt: Die Gottheit ist gut. Wer gut ist, kann nicht neidisch sein auf etwas Gutes. Darum hat die Gottheit die beste Welt geschaffen, die sie schaffen konnte.
Die Ursache der Weltschöpfung: ist der wirkende Verstand der Gottheit.
Ein Weiser trennt sich zwar nicht von seinem Körper; aber sein bester Teil entfernt sich und wendet seine Gedanken auf das Himmlische. Er sieht, als ob er zur Fahne geschworen hätte, sein Leben als einen Feldzug an, und befindet sich in einer solchen Gemütsverfassung, daß er das Leben weder liebt noch haßt, auch alles, was dem Sterblichen begegnet, ruhig über sich ergehen läßt, fest überzeugt, daß ihm etwas Höheres bevorstehe.
Willst du mir daher verbieten, mich zum Himmel zu schwingen oder – was einerlei ist – willst du, daß ich mit stets niedergeschlagenen Blicken auf die Erde schaue?
Ich bin größer und zu größeren Dingen geboren, denn daß ich ein Sklave meines Körpers sei, meines Körpers, den ich nicht anders als eine Kette ansehen kann, die meine Freiheit beschränkt.
Die Gottheit aber muß notwendig mächtiger sein, als der Stoff.
Den Platz, den die Gottheit in der Welt einnimmt, hat im Menschen die Seele. Was dort der Stoff ist, ist hier unser Leib.
So diene demnach das Schlechtere dem Besseren.
Laß uns allen Schicksalsfällen mutig entgegentreten; laß uns nicht vor Unrecht, Wunden, Banden und Dürftigkeit erzittern.
Was ist der Tod?
Er ist entweder das Ende des Lebens, oder der Übergang zu einem neuen Sein.
Ich fürchte mich nicht, ein Ende zu nehmen. Es ist ebensoviel, als ob man keinen Anfang gehabt hätte.
Ich fürchte mich nicht vor jenem Übergang, da ich nirgends so eng, als hier wohnen kann.6
Ja, die Gottheit hört nie auf, mit ihren Wohltaten den Menschen zu erfreuen, und dies nicht erkennen wollen, ist eine Verblendung gegen die Wahrheit.
Woher denn alles, was du besitzt? Was du gibst? Was du versagst? Was du bewahrst? Was du gewinnst? Das unzählige alles, was Lust für Auge, Ohr und Gemüt bietet? Dieser Überfluß, der auch den unnötigsten Genüssen die Mittel darreicht?
Denn nicht nur für unsere notwendigen Bedürfnisse ist gesorgt: als Schoßkinder werden wir geliebt. Siehe, so vieles Baumwerk mit den mannigfaltigsten Obstarten! So viele gesunde Kräuter! So viele und verschiedene Speisen! Dann Tiere jeder Art zu Lande, im Wasser und in der Luft, so daß jeder Teil der Natur uns irgendwie seinen Zoll darbringt!
Hier Flüsse, welche in lieblichen Krümmungen die Fluren umgeben! Dort Ströme, die dem Handel die Straßen anweisen! Die Adern der Heilquellen und an den Meeresküsten die Ausströmungen warmer Gewässer!
Wenn ein Mensch dir einige Morgen Landes schenkte, du würdest rühmen, eine Wohltat empfangen zu haben. Aber – wenn unermeßliche Strecken von Ländern weit und breit vor dir sich ausdehnen, da willst du nichts von Wohltat wissen!
Wenn jemand deine Kasse füllt, so nennst du es Wohltat. Aber siehe! Die Gottheit hat dir so viele Bergwerke aufgeschlossen, so viele Flüsse eröffnet, welche über Goldsand dahinrollen; unermeßliche Lasten von Silber, Erz und Eisen liegen aller Orten unter dem Boden, und dem Menschen ist es gegeben, aufzuspüren die verborgenen Massen. Hier aber willst du nicht sagen, du habest von der Gottheit eine Wohltat empfangen?
Wenn man dir ein kostbares Haus gäbe, so würdest du es ein ansehnliches Geschenk nennen. Aber siehe! Ein mächtig großes Wohnhaus, dem kein Brand, kein Einsturz droht, hat die Gottheit dir aufgebaut, herrlicher, als der reichste Palast auf Erden, so daß du die kleinsten Teile bewundern und anstaunen mußt: – hier aber redest du nicht von einem Geschenk?
Und obwohl du das, was du hast, hoch anschlägst, so willst du es, recht wie ein undankbarer Mensch, doch niemand zu verdanken haben!?
Und woher hast du denn diesen Atem, denn du schöpfst? Dieses Sonnenlicht, in dem du deine Tätigkeit einrichtest und ordnest?
Mußt du nicht, wenn du dankbar bist, bekennen: Es gab’s die Gottheit! Die Gottheit, die den überall umherschweifenden Herden im Sommer und Winter ihr Futter gibt etc.
Entgegne nicht: das tat an uns die – Natur.
Mit dieser Wendung legst du der Gottheit nur allein einen anderen Namen bei.
Denn was ist die Natur anders, als die Gottheit selbst und die göttliche Vernunft!
Die Gottheit ist der Urheber der Welt, du magst ihr einen Namen beilegen, welchen du willst, sie ist der Allvater.
Nenne sie Natur oder Verhängnis oder Schicksal. Es sind doch nur Namen eines und desselben höchsten Wesens, welches seine Macht bald so, bald anders ausübt.
Die Gottheit aber spendet ihre Wohltaten ohne Anspruch auf Rückerstattung, denn sie bedarf weder unserer Gegengabe, noch sind wir imstande, eine solche darzubringen.7
Die Welt steht also geordnet, daß es am Tage liegt: Wir Menschen sind nicht das letzte gewesen, was berücksichtigt wurde. Ehe sie uns bereitete, hat die Natur – unserer gedacht, und wir sind nicht so unbedeutende Geschöpfe, daß sie unserer vergessen könnte.
Erwäge nun, wieviel sie uns bewilligt hat! Wie des Menschen Herrschaft nicht auf die Menschheit beschränkt ist!
Sieh nur, wie unsere Körper soweit herumkommen können, daß sie dieselben nicht auf Länder einschränkt, sondern in allen Teilen ihres Gebietes ihnen den Zugang gestattet!
Bedenke, wie kühn sich die Geister erheben, wie sie allein die Gottheit teils kennen, teils erforschen und mit hochgeschwungener Seele dem Göttlichen auf die Spur gehen.
Siehe hier, wie der Mensch nicht ein Geschöpf der Übereilung und Gedankenlosigkeit ist.
Unter dem Größten, was sie hat, ist doch nichts in der Natur, dessen sie sich mehr rühmen könnte, oder dem zuliebe wenigstens ihre Herrlichkeit mehr offenbar würde.
Welcher Wahnsinn aber, der Gottheit ihr Geschenk streitig machen zu wollen? Wie wird ein Mensch dem Menschen dankbar sein, wenn er nicht die Wohltaten der Gottheit anerkennt, deren Güte nicht aufhört!8
Siehe nun, wie unbillig oft selbst verständige Menschen in Beurteilung der göttlichen Gaben sind. Sie klagen, daß wir nicht an Körperstärke dem Elefanten, an Schnelligkeit dem Hirsch, an Leichtigkeit dem Vogel, an Kraft dem Stier gleich sind; daß die wilden Tiere eine festere Haut haben, der Bär eine dichtere, der Biber eine weichere; daß der Hund uns an Spürkraft, der Adler an Schärfe des Auges, der Rabe an Lebensdauer, andere Tiere in der Fähigkeit des Schwimmens übertreffen!
Und – wenn schon manches naturgemäß nicht beisammen sein kann, wie Behendigkeit und Stärke des Körpers, so klagt man doch als ein Unrecht, daß der Mensch nicht mit Kräften ausgestattet ist, die sich nicht miteinander vereinigen lassen, und macht es den Göttern zum Vorwurf, daß uns nicht eine vollkommene Gesundheit und unverwüstbare Kraft, daß uns nicht der Blick in die Zukunft gewährt ist. Ja kaum enthält man sich, in seiner Ungenügsamkeit soweit zu gehen, daß man auf die Natur zürnt, daß der Mensch unter den Göttern und nicht auf gleicher Stufe mit ihnen stehe!
Aber – wieviel besser wäre es, wenn man sich zur Betrachtung der so mannigfachen und großen Wohltaten wendete und dankte, daß die Natur in diesem ihrem herrlichen Wohnhaus die zweite Stelle uns zukommen ließ und uns zum Herrn der Erde setzte!
Fällt es auch jemand ein, eine Vergleichung anzustellen zwischen uns und zwischen den Geschöpfen, über die uns die Herrschaft gegeben ist?
Da würde man zufrieden sein – lernen.
Was uns versagt ist, war zu geben – nicht möglich.
Dabei aber bedenke: Wie vieles der Schöpfer uns gegeben hat, die wir weit stärkere Geschöpfe, als wir sind, unter unser Joch bringen, weit schnellere einholen; ja, wie nichts Sterbliches ist, was nicht unserer Gewalt unterläge.
So viele Vorzüge haben wir empfangen, so viele Kräfte, vor allem den Geist, dem alles in demselben Augenblick zugänglich ist, wo er sich emporschwingt, ihn, schneller als die Sterne, deren Bahnen er viele Jahrhunderte voraneilt; dazu so viele Früchte, so viele Schätze, so viele übereinander gehäufte Gegenstände.
Schaue dich um nach allen Seiten, und wenn du – nichts findest, was du in jeder Hinsicht lieber sein möchtest, so suche dir aus allem zusammen das einzelne heraus, das du dir gewährt wünschst.
Wenn du die Güte der Natur gerecht anschlägst, so mußt du gestehen, daß du – ihr Schoßkind bist.
So ist’s!
Am liebsten haben die Götter uns gehabt und noch sind sie nicht anders gesinnt.
Und eine größere Ehre konnten sie uns nicht erweisen, als daß sie uns die erste Stelle nach sich einräumten.
Großes haben wir empfangen.
Für Größeres waren wir nicht empfänglich.9
In Wahrheit – wir sollten also leben, als wenn jedermann uns zusehe, und so reden, als ob einer wäre, der in das Innerste unserer Herzen sehen könnte.
Und einen Solchen gibt es.
Denn was hilft’s uns, daß wir vor Menschen etwas geheimhalten, da doch die Gottheit alles offen sieht?
Sie ist zugegen in unseren Gemütern, und mitten in unseren Gedanken tritt sie auch hinzu! Sie tritt hinzu, sage ich, als ob sie gleichsam bisweilen abwesend wäre.
Darum will ich beständig auf mich acht haben, und, was das allernützlichste ist, am Schluß eines jeden Tages meine Handlungen überblicken.
Das ist eben unser Unglück, daß niemand auf sein vergangenes Leben zurücksehen will. Wir denken wohl an das, was wir tun wollen, obgleich oft selten genug; an das aber, was wir getan haben, denken wir überall nicht, während wir doch unsere Anschläge nach dem Vergangenen messen sollten.10
Laß dich nichts niederdrücken! Ob du auch von Erhörung früherer Wünsche die Gottheit loszähltest, so wirst du doch immer andere und neue Wünsche tun. Bitte um Weisheit und Verstand, um Gesundheit des Geistes und dann des Körpers. Bitte die Gottheit nur kühnlich. Du bittest Sie um nichts Fremdes.
Nur dann aber magst du dich freisprechen von allen unlauteren Begierden, wenn du soweit gekommen bist, daß du von der Gottheit nichts bittest, als um was du sie öffentlich bitten könntest.
Aber wie unsinnig verfahren doch jetzt die Menschen, indem sie oft die schändlichsten Wünsche vor der Gottheit leise aussprechen!
Wenn jemand zuhören will, so verstummen sie, denn was sie einen Menschen nicht wollen wissen lassen, tragen sie der Gottheit vor.
Lebe so mit den Menschen, als ob dich die Gottheit sähe; rede so mit der Gottheit, als ob dich Menschen hörten!11
Gleichwie reißender Waldbäche Gewässer nicht zurückströmt, nicht einmal verzieht, weil die vorige Woge von der neukommenden verdrängt wird: so rollt des Geschickes ewige Reihenfolge die Begebenheiten in Ordnung ab, und sein erstes Gesetz ist, fest zu bestehen auf seinen Beschlüssen. Das Schicksal tut, was ihm zusteht, und läßt sich nicht bewegen durch Bitten, nicht bestimmen durch Mitleid oder durch Vorliebe. Es geht seinen unerbittlichen Gang!
Was verstehst du denn aber wohl unter dem Schicksal?
Ich halte es für die Notwendigkeit aller Begebenheiten und Handlungen, der keine Gewalt etwas anhaben kann!
Saget ihr aber, daß die Gesinnung eines weisen Mannes nicht umgestimmt werden kann, um wieviel weniger kann es die der Gottheit? Denn der Weise weiß nur, was im Augenblick das Beste sei. Für den göttlichen Geist12 aber ist alles gegenwärtig.
Dennoch glauben wir, daß unbeschadet der Macht und Gewalt des Schicksals Gebete viel vermögen.
Sie erleichtern nicht bloß das Herz unter den Schlägen widriger Geschicke und trösten, sondern können auch die Beschlüsse der Gottheit wenden. Denn manches hat die Gottheit in ihren Beschlüssen so unentschieden gelassen, daß sie es zum Glück wenden, wenn man mit Bitten kommt und Gelübde weiht. Deshalb sind Wendungen des Schicksals auf unsere Gebete nicht gegen das Schicksal, sondern solche Erhörungen gehören selbst zum Schicksalsplan!
Wenn der Unglaube sagt: Soll etwas geschehen, so wird es geschehen, auch ohne daß du Gebete tust und Gelübde darbringst! Soll es aber nicht geschehen, so wird es, auch wenn du Gelübde darbringst, doch nicht geschehen! So ist dies ein falscher Schluß, weil man den möglichen Fall übergeht, der in der Mitte liegt.
Ich kann nämlich sagen: Es wird dies oder jenes geschehen, aber nur in dem Fall, wenn Gebete dargebracht werden. Hier aber muß entgegnet werden, daß dann auch das im Schicksal mitbegriffen sei, daß man entweder Gelübde oder Gebete darbringe oder nicht.
Es ist z. B. Schicksalsschluß, daß dieser oder jener ein Redner werde, wenn er etwas lerne. Hiermit aber ist in demselben Schicksalsschluß nicht inbegriffen, daß er etwas lerne. Oder, daß nach dem Schicksalsschluß dieser oder jener ein reicher Mann werde, wenn er zuvor zur See geht, so gehört eben auch zum Schicksalsschluß, daß er zur See gehe, und deshalb wird er zur See gehen.
Ist deshalb im Schicksal eine bestimmte Ordnung, so können Gebete oft die Gefahren abwenden, und stehen deshalb mit dem Schicksalsschluß nicht im Widerspruch, sondern es werden jene infolge desselben vorgebracht.13
Das Schreckliche setzt denen mehr zu, die keine Erfahrung darin haben. Denn es ist schwer, das Joch zu tragen, wenn der Nacken weich ist. Und bei dem Gedanken an eine Wunde erblaßt der junge Krieger, der alte Held aber schaut ruhig auf sein Blut hin; er weiß, wie oft nach Blutverlust er noch siegte.
Die also, welche sie liebt, härtet die Gottheit ab, prüft und übt sie.
Die dagegen ihre Schützlinge zu sein scheinen, spart sie als Weichlinge für kommendes Ungemach auf.
Denn ihr irrt, wenn ihr einen davon frei glaubt. Es wird schon an ihn kommen, was ihm gehört. Wer frei gesprochen scheint, ist nur aufgehoben.
Warum sucht die Gottheit die Besten mit Krankheit, oder Trauer, oder Verlust heim? Eben aus dem Grund, aus welchem im Krieg den Tapfersten das Gefahrvollste aufgetragen wird. Die Auserlesensten schickt der Feldherr ab, im nächtlichen Hinterhalt die Feinde anzugreifen, oder den Weg aufzuspüren oder einen Posten zu verjagen.
Und keiner von denen, welche dazu weggeschickt worden, klagt: der Feldherr hat mir eine schlechte Ehre angetan! Sondern rühmt: er denkt gut von mir!
So mögen denn auch die, welchen von der Gottheit Leiden angewiesen werden, es aussprechen: die Gottheit hat uns wertgeachtet, an uns zu erproben, was die menschliche Natur zu erdulden vermöge!
Flieht, was euch verzärtelt, flieht das entartete Glück, worin der Geist erschlafft, und wenn nicht etwas kommt, was ihn an das menschliche Los mahnt, ihn mit fortwährender Trunkenheit umdämmert.
Wen seine Fensterscheiben stets vor jedem Lufthauch schützen, wessen Füße unter stets neuen Wärmemitteln bewahrt werden, wessen Speisezimmer von einer geheimen und um die Wände sich verbreitenden Wärme durchdrungen ist, an dem streift kein Lüftchen ohne Gefahr vorüber.
Wie alles Übermäßige schadet, so ist auch ein maßloses Glück sehr gefährlich.
Es weckt eitle Einbildungen der Seele und verbreitet über sie ein zwischen Wahrheit und Irrtum schwankendes Dunkel.
Sollte es – im äußersten Fall – daher nicht leichter sein, anhaltendes Unglück zu ertragen, als im unaufhörlichen und unmäßigen Glück zugrunde zu gehen?
Die Gottheit beobachtet daher bei tugendhaften Menschen die Grundsätze, welche Lehrer bei ihren Schülern befolgen, die von denen die meiste Arbeit verlangen, von welchen sie die begründetsten Hoffnungen hegen.
Und wir sollten uns wundern, wenn die Gottheit die Geister hart prüft.
Tugendproben sind nie bequem.
Schlägt uns daher das Schicksal – wir wollen’s leiden. Es ist nicht Grausamkeit, sondern ein Wettkampf.
Je öfter wir denselben bestehen, desto mehr Kräfte werden wir haben.
Wir müssen dem Schicksal hingegeben werden, damit es uns gegen sich selbst zur Ausdauer gewöhne.
Daß wir Gefahren verachten, dahin wird es mit uns kommen, wenn wir in anhaltender Gefahr schweben. So ist der Körper des Seemannes abgehärtet, das Meer zu ertragen; so hat des Ackermanns Hand eine harte Haut; die Arme des Kriegers sind stark, die Wurfgeschosse abzuschießen; gelenke Glieder hat der Läufer. An Jedem ist der Teil der stärkste, den er am meisten geübt hat.
Das Dulden der Übel gering achten, dahin bringt es der Geist durchs Dulden.
Was wunderst du dich, daß tugendhafte Menschen Stöße des Schicksals erleiden, um fester zu stehen?
Erst der Baum ist fest und stark, den häufig der Wind rüttelt. Gerade durch die Erschütterung zieht er sich fester zusammen und schlägt die Wurzeln so, daß sie mehr Halt bekommen. Es sind zerbrechliche Bäume, die im sonnigen Tal aufwachsen.14
Nimmermehr kann dem Guten Böses widerfahren. Was entgegengesetzt ist, fließt nie in eins zusammen. Gleichwie die Menge von Strömen, von Regengüssen, die vom Himmel stürzen, und die so durchdringende Kraft der Heilquellen den Geschmack des Meeres nicht verwandelt, nicht einmal mildert: also wendet der Anfall widriger Schicksale die Gesinnung des festen Mannes nicht um.
Er bleibt kampfgerecht, und, was geschehe, er weiß es für seinen Zweck zu gewinnen, denn er ist mächtiger, als alles, was von außen kommt, und ich sage nicht, er fühle es nicht, aber er überwindet es, und während er sonst ruhig und friedlich ist, erhebt er sich gegen das, was ihn anfällt.
Alle Widerwärtigkeiten sieht er als Übungen an.
Wird aber nicht jeder, wenn er nur ein Mann ist und Sinn hat für das Edle, nach würdiger Anstrengung verlangen und zu Dienstleistungen bereit sein, seien sie auch mit Gefahr verbunden? Ist nicht jedem Tätigen das Nichtstun eine Strafe?
Ohne Gegner erschlafft die Tugend.
Alsdann aber zeigt sich, was sie vermag, und was sie für Kraft in sich trägt, wenn sie durch Dulden erprobt, was sie könne.
Wisse: das Nämliche haben die Guten zu tun, damit sie das Harte und Schwere nicht scheuen und sich nicht beklagen gegen das Schicksal.
Was auch kommen mag, sie sollen es für gut ansehen und sich zum Besten zu wenden suchen.
Nicht was, sondern wie man etwas erträgt, darauf kommt es an.
Siehst du nicht, wie ganz anders Väter, und wiederum wie ganz anders Mütter ihre elterliche Zärtlichkeit an den Tag legen?
Jene wollen, daß ihre Kinder frühzeitig angetrieben werden, sich der Arbeit zu unterziehen. Auch an Feiertagen lassen sie dieselben nicht unbeschäftigt und pressen ihnen Schweiß, bisweilen Tränen aus.
Die Mütter dagegen wollen sie im Schoß hegen, und im Schatten halten; nie sollen sie weinen, nie eine trübe Miene machen, nie angestrengt werden.
Eines Vaters Sinn jedoch hat die Gottheit gegen die Guten und liebt sie kräftig. Durch Arbeit, Schmerzen und Beschädigungen spricht sie, sollen sie rüstig erhalten werden, damit sie die wahre Kraft gewinnen. Unangefochtenes Glück hält keinen Schlag aus.
Aber – wo man mit Widerwärtigkeiten im beständigen Kampf liegt, da gewinnt man für die Schicksalsschläge eine harte Haut und gibt keinem Übel nach. Und ist einer auch gefallen, so kämpft er noch auf den Knien.
Ich kann mich nicht wundern, wenn die Gottheit zuweilen die Lust anwandelt, große Männer im Kampf mit irgendeinem Mißgeschick zu sehen.15
Warum läßt die Gottheit tugendhaften Menschen Böses widerfahren?
Sie läßt es ja nicht.
Vielmehr alles Böse hat sie von ihm zurückgedrängt: Schandtaten, Verbrechen, ruchlose Gedanken, habsüchtige Pläne, die blinde Begierde und den Geiz, der nach fremdem Gut trachtet. Schützend nimmt sie sich ihrer an.
Oder verlangt etwa jemand von der Gottheit, daß sie den Tugendhaften das geben und bewahren soll, was ihnen eine – Bürde sein würde.
Diese Sorge erlassen sie der Gottheit.
Der Tugendhafte verachtet Äußeres, gleich Demokrit, der seine Reichtümer weggab, da er in ihnen eine Beschwerde für seinen Geist erkannte.
Was wundert man sich deshalb, wenn die Gottheit Tugendhaften begegnen läßt, was sie zuweilen zu erleben selbst wünschen – Prüfungen des Lebens.
Warum die Tugendhaften manches Harte erfahren?
Damit andere an ihnen lernen; sie, die Tugendhaften, sind zum Vorbild geboren.
Denke dir, die Gottheit sage also:
„Ihr, die Ihr Wohlgefallen habt am Rechten, was könnt ihr über mich klagen?“
„Die anderen habe ich mit falschen Gütern umringt und täusche die eitlen Herzen mit einem langen und trügerischen Traum. Mit Gold und Silber und Elfenbein habe ich sie aufgeputzt, inwendig aber ist – nichts Gutes.“
„Seht ihr jene Leute, die euch glücklich scheinen, nicht von der Seite, von welcher sie euch in die Augen fallen, sondern, wo sie verdeckt sind, so sind sie elend, schmutzig, häßlich, bloß äußerlich übertüncht.“
„Ihr Glück ist kein vollwichtiges und von Beimischung freies, – ein Überzug ist’s, und zwar ein dünner.“
„Darum so lange es angeht, daß sie stehen und sich zeigen, wie es ihnen dünkt, da glänzen sie und machen Aufsehen: kommt aber etwas, was sie aus ihrer Ordnung bringt und aufdeckt, dann kommt’s an den Tag, wieviel tiefgehenden und wirklichen Greuel der erborgte Schimmer verdeckt hat.“
„Ich habe euch, ihr Tugendhaften, fähig gemacht, daß ihr das Furchtbare verachtet, daß euch die Leidenschaften anekeln. Ihr gleißt nicht äußerlich; eure Güter sind einwärts gekehrt!“
„So achtet die Schöpfung, in ihrem Selbstanschauen vergnügt, das nicht, was um sie her ist.“
„Ins Innere habe ich alles Gute gelegt; das Glück nicht brauchen, ist euer Glück!“
„Aber – es kommt viel Trauriges, Schreckliches, schwer zu Ertragendes?“
„Weil ich euch dessen nicht überheben konnte, so habe ich die Seelen der Tugendhaften gegen alles gewaffnet!“
„Tragt es mutig!“
„Hier ist der Punkt, auf dem ihr über der Gottheit stehen könnt!“
„Sie ist von dem Dulden der Übel ausgeschlossen.“
„Ihr seid darüber erhaben!“
„Verachtet die Armut!“
„Es lebt niemand so arm, als er geboren wird.“
„Verachtet den Schmerz!“
„Entweder wird er aufgelöst, oder wird euch auflösen.“
„Verachtet das Schicksal!“
„Es hat von der Gottheit kein Geschoß erhalten, wo mit es euren Geist treffen könnte.“
„Verachtet den Tod!“
„Er macht ein Ende mit euch oder versetzt euch in ein besseres Land.“16
Dieser Behauptung wunderst du dich?
Aber warum wunderst du dich denn auch, daß manche durch Schneiden und Brennen geheilt werden, wohl auch durch Hunger und Durst?
Erwägst du aber, daß um der Kur willen Knochen angefeilt und herausgenommen, Adern zerstört und selbst bisweilen Glieder abgenommen werden, die, ohne daß der ganze Körper zugrunde ginge, nicht bleiben konnten: so magst du dir dadurch beweisen lassen, daß vieles Unangenehme zum Besten derer diene, die es trifft, wahrlich nicht anders, als daß manches, was man preist und wünscht, zum Nachteil derer gereiche, die es mit Verlangen begehrten.
Es ist, wie Demetrius17 sagt: „Nichts kommt mir unglücklicher vor als ein Mensch, dem nie eine Widerwärtigkeit zugestoßen ist!“ Denn es ist ihm nicht zuteilgeworden, sich kennenzulernen. Mag ihm alles nach Wunsch gegangen sein, die Gottheit hat doch nichts Gutes von ihm gehalten. Er hat ihr nicht wert geschienen, einmal ein Unglück zu überwinden, welches immer von den Feigsten sich zurückzieht, als spräche es: Was soll ich mir den zum Gegner wählen, der alsbald die Waffen senken wird?
Ist deine Meinung, Sokrates sei unter einem bösen Stern geboren, weil er den auf Anordnung des Staates gemischten Trank gerade wie eine Arznei der Unsterblichkeit austrank und vom Tode sprach bis zu dessen Eintritt?
Das Glück kommt an den Pöbel und an Alltagsseelen; aber das Mißgeschick und die Schrecken der Sterblichen zu überwältigen, ist großen Männern vorbehalten.
Immer glücklich sein und ohne Veränderung des Gemüts durchs Leben gehen zu wollen, das heißt nur eine Seite der Natur kennen.
Woher weiß ich, daß du ein großer Mann bist, wenn dir das Schicksal nicht Gelegenheit gibt, deine Tugenden an den Tag zu legen?
Ich erkläre dich für unglücklich, daß du nicht unglücklich warst. Du bist ohne Gegner durchs Leben gegangen. Niemand wird erfahren, was du vermocht hättest, ja du selbst nicht.
Zur Kenntnis seiner selbst bedarf es einer Probe. Was er kann, hat keiner erfahren, ohne es zu versuchen.
Große Männer freuen sich deshalb bisweilen über ein Mißgeschick, wie tapfere Krieger über Schlachten.
Die Tugend geizt nach Gefahr und denkt an ihr Ziel, nicht an ihr Leiden. Daß und wieviel sie dulden wird, ist ein Teil ihres Ruhmes.
Gerade dann, behaupte ich, sorgt die Gottheit für die, welche sie am edelsten haben will, wenn sie ihnen Gelegenheit gewährt, etwas mit Mut und Tapferkeit auszurichten. Hierzu müssen die Umstände einigermaßen schwierig sein.
Den Steuermann lernst du in Stürmen, in der Schlacht den Helden erkennen.
Das Mißgeschick ist die Gelegenheit, unsere Kraft zu entwickeln.
Die kann man mit Recht beklagenswert nennen, welche durch das Übermaß des Glückes in einen Geistesschlaf verfallen, welche wie auf einem sturmlosen Meer tatenlose Ruhe gefangen hält.
Was über sie kommt, wird ihnen ungewohnt vorkommen.18
Der Gottesdienst besteht zuerst darin, daß man an die Gottheit glaubt, danach, daß man ihrer Majestät, wie derselben zukommt, Ehrfurcht erweise, endlich, ihrer Güte, ohne welche keine Majestät ist, innig vertraue.
Man muß erkennen, daß die Gottheit es ist, welche der Welt vorsteht, die alles durch ihre Gewalt leitet, über das menschliche Geschlecht die Aufsicht führt, und sich auch des einzelnen annimmt.
Die Gottheit fügt niemand Böses zu und hat nichts Böses an sich.
Willst du dir die Gottheit geneigt machen, so sei gut. Wer ihr nachfolgt, der verehrt sie zur Genüge.19
1Von der Vorsehung. Kap. 1.
2Naturbetrachtungen. Vorwort z. 1. Buch.
3Naturbetrachtungen. Vorwort z. 3. Buch.
4 In Lactantius: Unterweisungen über das Göttliche. 6, 25.
5Vom Zorne. 2, 27.
6Brief 65.
7Von den Wohltaten. 4, 10.
8 Ebds. 6, 23.
9Von den Wohltaten. 2, 29.
10Brief 83.
11Brief 10.
12 Der im Walten des Schicksals sich enthüllt oder dasselbe leitet und ordnet.
13Naturbetrachtungen. 2, 35 f.
14Von der Vorsehung. Kap. 5.
15Von der Vorsehung.
16Von der Vorsehung.
17 Philosoph der kynischen Schule, Senecas Zeitgenosse.
18Von der Vorsehung.
19Brief 95.
Die Natur hat uns für das eine, wie für das andere geboren, so wohl fürs Betrachten, als fürs Handeln.
In jedem Menschen liegt ein mächtiges Verlangen, das Unbekannte kennenzulernen.
Darum und zu dieser Absicht geht man aufs Meer und erduldet die Mühseligkeiten der weitesten Reisen; dazu versammelt sich die Volksmenge in den Schauspielen; dazu durchwühlen wir das Verschlossene, durchforschen das Geheime, spüren den Altertümern nach, lassen uns von den Gebräuchen fremder Nationen erzählen.
Die Natur hat uns einen wißbegierigen Geist verliehen, und, ihrer Kunst der Schönheit sich bewußt, zu Betrachtern des großen Weltschauspiels bestimmt. Sie hätte den Genuß von sich verloren gegeben, wenn sie all das Große, so Herrliche, so kunstvoll Geordnete, so Liebliche und mannig-fach Schöne einer menschenleeren Einöde dargeboten hätte.
Um dich zu überzeugen, daß sie nicht bloß angeschaut, sondern betrachtet sein will, so bedenke, was für eine Stelle sie uns angewiesen hat.
In ihre Mitte hat sie uns gestellt, den Umblick nach allen Seiten hat sie uns eröffnet. Nicht nur die aufrechte Stellung hat sie dem Menschen gegeben, sondern, wie er zum Betrachten geschaffen ist, damit er die von Morgen nach Abend rollenden Gestirne verfolgen und seinen Blick mit dem All herumtragen konnte, ihm das Haupt in die Höhe gestellt und es auf einen biegsamen Nacken gesetzt.
Weiter hat sie sechs Sternbilder – nämlich des sogenannten Tierkreises – heraufgeführt, und ihm jede ihrer Seiten kenntlich gemacht, um durch das, was sie seinem Auge dargeboten, ihn auf das übrige begierig zu machen.
Wir erkennen teils nicht alles, teils nicht in seiner wirklichen Größe, sondern unsere Sehkraft bahnt sich durch Verfolgung der Spuren einen Weg und legt Grundpfeiler der Wahrheit, daß die Forschung von dem Offenbaren übergeht auf das Dunkle, und etwas findet, was älter ist, als die Welt.
Von woher jene Gestirne ausgegangen? Welches der Zustand des Alls gewesen, bevor das einzelne sich in Teile absonderte? Welche geistige Kraft das Versenkte und Verworrene geordnet? Wer den Dingen ihre Stellen angewiesen? Ob vermöge seiner eigenen Natur das Schwere sich gesenkt, das Leichte emporgehoben? Oder ob außer dem Streben der Körper und ihrer Schwerkraft noch eine höhere Kraft über jedes einzelne geboten? Ob das wahr sei, wodurch man insbesondere wahrscheinlich macht, der Mensch sei vom göttlichen Hauch? – Unsere Gedanken durchbrechen die Festen des Himmels und begnügen sich nicht, nur das zu wissen, was sich unseren Sinnen darstellt.
Dem, sagt er, forsche ich nach, was außerhalb der Grenze der sichtbaren Welt liegt.
Ist dies zu untersuchen aber des Menschen Bestimmung, so erwäge, wie so gar nicht viel Zeit er zugeteilt erhalten hat, wenn er auch ganz sich selbst zueignet. Er ist für die Erkenntnis des Ewigen allzu sterblich.
So lebe ich also dann naturgemäß, wenn ich mich ganz dieser Erkenntnis ergebe, ihr Bewunderer und Verehrer bin.
Die Natur wollte aber, daß ich beides tue, daß ich nicht nur handle, sondern mir auch zum Betrachten Zeit nehme.
Auch Betrachten schon ist eine Tätigkeit.
Aber, sowie es keineswegs zu billigen ist, wenn man nur nach außen lebt, ohne alle Liebe zur Tugend, ohne Anbau des Geistes, und sich bloß der Tätigkeit für andere hingibt – denn beides muß miteinander verbunden werden –: so sind innere Vorzüge, wenn sie brachliegen, und nie bewähren, was wir gelernt haben, ein unvollkommenes, des Lebens ermangelndes Gut.
Wer kann leugnen, daß die Tugend ihr Wachstum in Taten erproben und nicht nur bedenken soll, was zu tun sei, sondern zur Zeit auch Hand anlegen und den Gewinn des Forschens in die Wirksamkeit treten lassen müsse.20
Denke dich in eine große Stadt hinein, wo die auf den breitesten Straßen endlos hinströmende Volksmenge sich drängt, so oft etwas in den Weg kommt, was ihren Lauf, der einem reißenden Wasserstrom gleicht, hemmen möchte: was würde da bald für eine menschenleere Einöde sein, wenn niemand dableiben dürfte, als wen ein strenger Richter freigesprochen?
Wie wenige würden unter den untersuchenden Richtern sein, die nicht selbst den nämlichen Gesetzen verfallen sind, nach welchen sie Recht sprachen?
Wie wenige Ankläger mögen wohl rein sein von Schuld? Wie vielfach lastet das Verbrechen schwerer auf dem Ankläger?
Und ich meine fast, es ist niemand weniger geneigt, Nachsicht eintreten zu lassen, als wer schon oft darum zu bitten hatte.
Gefehlt haben wir allzumal, der eine schwer, der andere leichter, der eine vorsätzlich, der andere vom Zufall getrieben oder durch eines anderen Schlechtigkeit verführt. Manchmal sind wir bei guten Absichten nur nicht fest genug gewesen, und haben gegen unseren Willen und mit Widerstreben die Unschuld verloren.
Und nicht nur, daß wir Fehltritte getan haben, – wir werden straucheln bis zum äußersten Lebensalter. Wenn jemand auch sein Herz so gut gereinigt hat, daß ihn fürder nichts mehr irremachen könnte, zu einem untadligen Wandel hätte er’s doch nur durch Fehler gebracht.21
Das menschliche Gemüt ist von Natur widerspenstig und strebt zum Verbotenen und Gefährlichen, geht lieber selbst nach, als daß es sich ziehen läßt.22
Gleichwie der Mensch alle Sinne hat, darum jedoch noch nicht jeder das Auge eines Luchses: so hat freilich einer, der kein Weiser und Tugendhafter ist, nicht alle Laster so hervorstechend und in so hohem Grade, als mancher dies oder jenes.
Aber alle Laster liegen (dem Keim nach) in allen.
Den einen treibt die Natur zum Geiz hin, der andere ist der Wollust, ein dritter dem Trunk ergeben, oder doch so organisiert, daß ihn sein Charakter dazu hinzieht.
Ebenso ist ein jeder undankbar, welcher kein guter Mensch ist.23
Es war die Klage unserer Altvorderen, es ist unsere Klage, es wird die Klage der Nachwelt sein: daß die Sitten sich verkehrt haben, daß Verderbtheit herrsche, daß das menschliche Geschlecht sich verschlimmere und alles Heilige in Verfall gerate.
Allein das ist und wird immer also sein, nur von Zeit zu Zeit mehr da oder dorthin sich neigend, gleich den Meereswogen, welche die eintretende Flut weiter hinaustreibt, die Ebbe mehr im Innern der Ufergrenzen hält.
Das eine Mal werden mehr Sünden der Unkeuschheit begangen werden und es wird der Züchtigkeit der Zügel zerrissen; das andere Mal wird Gastereiwut herrschend sein und der schmählichste Tod des Wohlstandes: die Küche. Das eine Mal übertreiben Putzsucht und Eitelkeit, wobei die Seele um so mehr verwahrlost wird; das andere Mal wird Mißbrauch der Freiheit in Mutwillen und Respektlosigkeit ausarten, und endlich wird man im öffentlichen, wie im Privatleben zu grausamen Maßregeln schreiten, und zu dem Wahnsinn des Bürgerkrieges, wo alles Heilige und Ehrwürdige entheiligt wird, und Zeiten werden kommen, wo Unmäßigkeit im Trinken in Ehren gehalten wird und es für eine Tugend gilt, wenn man tüchtig Wein zu sich nehmen kann.
Die Laster beharren nicht an einer und derselben Stelle, sondern, beweglich und mit sich selbst uneins, sind sie in beständigem Aufstand begriffen, und jagen einander und fliehen voreinander.
Übrigens werden wir immer dasselbe von uns zu sagen haben: – wir seien lasterhaft, und seien’s gewesen, und leider, daß ich dazu setzen muß, wir werden’s auch in Zukunft sein.
Mörder wird’s geben und Tyrannen und Diebe und Ehebrecher und Ehrenräuber und Frevler am Heiligen und Verräter zu jeder Zeit.
Am Allertiefsten steht der Undankbare, alles jenes geht vom Undank aus, ohne welchen kaum eine große Schandtat zu ihrer Höhe heranwächst.24
Nimm hinweg den unschätzbaren Vorzug des Menschen, sich in Betrachtung der Natur bis zur Gottheit erheben zu können, und das Leben ist des Schweißes und des unruhigen Treibens nicht wert.
O, welch ein bejammernswertes Geschöpf ist der Mensch, wenn er sich nicht über das Menschliche erhebt!
Solange wir mit den Leidenschaften ringen, was tun wir Großes? Wenn wir sie auch bemeistern, so ist’s ein Hirngespinnst, welches wir besiegen.
Haben wir wohl Ursache, uns etwas einzubilden, daß wir nicht sind, wie die Schlechtesten? Ich begreife nicht, worauf sich einer etwas dünken soll, wenn er unter Lazarettgenossen der Kräftigste ist.
Es ist ein großer Unterschied zwischen Kraft und Wohlbefinden.
