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Im Leben eines jeden Mannes kommt der Zeitpunkt, an dem er sich zwischen dem richtigen und dem einfachen Weg entscheiden muss. Dean Anderson ist ein gebürtiger Texaner, der schon früh erkannte, dass er sich zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlt, und der seine Partner nach Persönlichkeit und gemeinsamen Interessen auswählte. Auf dem College lernte er Maggie kennen, verliebte sich, heiratete und gründete eine Familie. Und sie waren glücklich ... bis sie es nicht mehr waren. Adam Chase ist gebürtig aus Südafrika. Er ist froh, sein Leben in Amerika als offen schwuler Mann führen zu können. Etwas, wofür er in seinem Heimatland getötet werden könnte. Während eines Aufenthalts in Berkley lernte er seinen Mann Patrick kennen, und auch sie waren glücklich ... bis Patrick starb. Zwei Leben treffen aufeinander, und es scheint, als gäbe das Schicksal jedem von ihnen eine zweite Chance auf Glück, und zwar gemeinsam. Dean bleibt in New York und zieht in die Wohnung, die sein Sohn Dusty mit seinem Freund David teilt. Er und Adam werden schnell in die stetig wachsende Familie von All Cocks aufgenommen. Und dann ändert ein Anruf alles.
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Seitenzahl: 268
Veröffentlichungsjahr: 2024
Eine All Cocks Geschichte
von TM Smith
© dead soft verlag, Mettingen 2023
http://www.deadsoft.de
© the author
Titel der Originalausgabe: Choices and Changes
Übersetzung: Lilienne Érié
Cover: Irene Repp
http://www.daylinart.webnode.com
Bildrechte: Artofinnovation – stock.adobe.com
1. Auflage
ISBN 978-3-96089-646-3
Im Leben eines jeden Mannes kommt der Zeitpunkt, an dem er sich zwischen dem richtigen oder dem einfachen Weg entscheiden muss.
Dean Anderson ist ein gebürtiger Texaner, der schon früh erkannte, dass er sich zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlt, und der seine Partner nach Persönlichkeit und gemeinsamen Interessen auswählte. Auf dem College lernte er Maggie kennen, verliebte sich, heiratete und gründete eine Familie. Und sie waren glücklich ... bis sie es nicht mehr waren.
Adam Chase ist gebürtig aus Südafrika. Er ist froh, sein Leben in Amerika als offen schwuler Mann führen zu können. Etwas, wofür er in seinem Heimatland getötet werden könnte. Während eines Aufenthalts in Berkley lernte er seinen Mann Patrick kennen, und auch sie waren glücklich ... bis Patrick starb.
Zwei Leben treffen aufeinander, und es scheint, als gäbe das Schicksal jedem von ihnen eine zweite Chance auf Glück, und zwar gemeinsam. Dean bleibt in New York und zieht in die Wohnung, die sein Sohn Dusty mit seinem Freund David teilt. Er und Adam werden schnell in die stetig wachsende Familie von All Cocks aufgenommen. Und dann ändert ein Anruf alles.
Die Männer von All Cocks lernen, dass der Tod nur ein weiterer Teil des Lebens ist, ein Weg, den jeder irgendwann beschreitet. Sie müssen Entscheidungen treffen, die ihr Leben unwiderruflich verändern. Sie halten zusammen und geben sich Kraft, während ihre eng verbundene Familie das Beste und Schlimmste erlebt, was das Leben zu bieten hat. Denn das ist es, was Familie ausmacht.
Erst vor einigen Jahren erhielt meine Mutter auf Facebook eine Nachricht von einem Mann, der ziemlich sicher war, ihr Bruder zu sein: mein Onkel. Wie sich herausstellte, hatte das Baby, das meine Großmutter vor Jahrzehnten zur Adoption freigegeben hatte, seinen Weg zu uns zurückgefunden, und für mich ist es wie ein Wunder. Während wir uns unterhalten haben, hat er mir von seiner ersten Liebe erzählt, davon, wie er sie verloren hat, und schließlich neues Glück mit dem Mann finden konnte, mit dem er heute noch verheiratet ist. Das hat mich dazu inspiriert, eine Geschichte über ein älteres Paar zu schreiben, das bereits Liebe und Verlust erlebt hat, und es verdient, neue Liebe zu finden.
Jas – südafrikanisch – Ja; Aussprache: „Jes“
Jol – südafrikanisch – Party
Klap – südafrikanisch – Jemandem einen Klaps geben
Hinweis des Herausgebers:
Beau spricht einen Dialekt und Victor mit Akzent – es handelt sich nicht um Rechtschreibfehler, die Schreibweise ist gewollt.
Berkeley, Kalifornien 1986
Adams Flugzeug landete um sechs Uhr morgens auf dem San Francisco International Airport, und obwohl er den Großteil des Flugs über geschlafen hatte, war er völlig erschöpft. Er war vor fast einer Woche aus seiner Heimat Pretoria in Südafrika nach Johannesburg aufgebrochen. Drei Flüge, zwei Umstiege und fünf Tage später war er endlich im sonnigen Kalifornien angekommen. Der Fahrer, den seine Eltern engagiert hatten, wartete am Gepäckband auf ihn, ein Schild in Händen, auf dem stand: Adam Chase, zukünftiger Dr. med.
Offensichtlich hatte seine Mutter die Reservierung bei dem Fahrdienst gemacht. Er lachte leise in sich hinein und winkte dem Mann im schwarzen Anzug zu, während er auf ihn zuging. „Hey, ich bin Adam.“
„Morgen, Sir. Ich bin Bruce. Ich werde heute Ihr Fahrer sein.“ Sie gaben sich die Hände und Adam folgte Bruce nach draußen zu einem schnittigen schwarzen Sedan mit getönten Scheiben. Bruce begleitete Adam zur Rückbank, bevor er zum Gepäckband zurückkehrte, um seine Koffer abzuholen. Dreißig Minuten später waren Adams Habseligkeiten in den Wagen geladen und sie auf dem Weg zu seinem Appartement in der Nähe des Campus.
Als sie schließlich ankamen, half der Fahrer ihm dabei, seine Koffer und die Truhe voller Bücher in sein Appartement zu bringen, die Adam nun vorkam, als würde sie eine Tonne wiegen. Dafür gab er dem Mann ein großzügiges Trinkgeld. Seine Eltern hatten für ihn ein Bankkonto eröffnet, als sie vor einigen Monaten die Universität UC Berkeley besichtigt hatten. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Adam auch entschieden, die medizinische Fakultät der Hochschule zu besuchen. Auf dem Bankkonto war mehr als genug Geld, um seine Rechnungen zu zahlen und sicherzustellen, dass er während der ersten Jahre auf dem College nicht jobben musste. Die Studiengebühren wurden direkt von dem amerikanischen Bankkonto seiner Eltern abgebucht, sodass ihm das ganze Geld auf seinem Konto für die Verpflegung, Rechnungen und andere Unkosten zur Verfügung stand.
Seine Mutter war Südafrikanerin, aber in der US-Botschaft für Auslandsbeziehungen zuständig, wo sie auch vor langer Zeit seinen Vater kennengelernt hatte. Harold Chase war als Staatsbürger der USA in der Botschaft in Pretoria in Südafrika stationiert, wo er im Bereich Public Relations tätig war. Ihre Jobs und Staatszugehörigkeiten hatten ihrer dreiköpfigen Familie eine doppelte Staatsbürgerschaft in Südafrika und den USA beschert. Adam war bereits einige Dutzend Male mit seinen Eltern in den Staaten gewesen, doch nie ganz allein, und er brannte darauf, alles zu erkunden.
Er überprüfte seine Taschen, um sicherzugehen, dass er Schlüssel, Portemonnaie und Handy dabeihatte, dann schloss Adam die Tür hinter sich. Als er die Treppe nach unten joggte und um die Ecke bog, stieß er frontal mit einem Mann zusammen, der zwei Einkaufstüten in den Händen hielt. Bei ihrem Zusammenprall ergoss sich der Inhalt über den ganzen Boden.
„O mein Gott, das tut mir so leid.“ Adam hockte sich nieder, sammelte das verstreute Obst und Gemüse zu seinen Füßen auf und steckte es in die halb zerrissene braune Tüte zurück, aus der es gefallen war.
„Pass das nächste Mal besser auf, wo du …“ Der Mann hielt mitten im Satz inne, als sich Adam aufrichtete und ihm in die Augen sah. Er war einige Zentimeter kleiner als Adam und hatte dunkles lockiges Haar und haselnussbraune Augen. Er balancierte die zerrissene Tüte und ihren Inhalt in den Armen und lächelte Adam entschuldigend an.
„Tut mir leid, ich habe nicht aufgepasst und …“
Gott, der Mann hatte die schönsten Augen, die Adam je gesehen hatte. Während er Adams Blick hielt, ebbte sein Ärger immer weiter ab. Normalerweise hätte er ihm die Tüte mit den Einkäufen in die Hand gedrückt und sich wieder auf den Weg gemacht. Aber dieser Mann hatte etwas an sich, das Adam anzog, und da war zweifellos Interesse in seinen schönen haselnussbraunen Augen. Adam streckte die Hand aus und entschuldigte sich noch einmal. „Tut mir echt leid, Mann, wirklich. Ich bin Adam Chase.“
„Adam.“ Der Mann wiederholte seinen Namen und nahm Adams Hand. Auch nachdem sie einander einige Male zu oft die Hände geschüttelt hatten, hielt er sie weiterhin fest.
Adam grinste und räusperte sich vernehmlich. „Also, kann ich jetzt vielleicht meine Hand zurückhaben?“
„Scheiße!“, rief der Mann aus, ließ Adams Hand los, trat einen Schritt zurück und fiel fast rückwärts die Treppe nach unten.
Als wären die Einkäufe verflucht, ließ der Mann sie fallen, als Adam die Hand nach ihm ausstreckte und den reizenden Mann festhielt, um ihn zu stabilisieren. Sie lachten beide und bückten sich, um alles wieder einzusammeln, bevor sie sich aufrichteten und einander verlegen in die Augen sahen.
„Also …“ Adam ließ das Wort in der Luft hängen.
„Scheiße! Tut mir leid“, fluchte der Mann erneut, während er lachte. Es war ein hübsches, melodisches Lachen, das Adams Interesse weiter wachsen ließ. Sie schüttelten einander noch einmal die Hände und Adam konnte schwören, dass der Mann seine Finger absichtlich sanft über Adams Handfläche gleiten ließ, als er seine Hand wieder zurückzog. Seine Mutter hatte ihn ermahnt, vorsichtig zu sein, wenn es darum ging, seine sexuelle Orientierung preiszugeben. Berkeley in Kalifornien war weit von Pretoria in Südafrika entfernt, wo es einen Menschen das Leben kosten konnte, sich als schwul zu outen, aber Adam musste trotzdem auf der Hut sein.
Der Mann mit den Haselnussaugen legte den Kopf schräg und studierte Adams Gesicht einen Augenblick lang, bevor er Adam fragte, ob er ihm helfen konnte, die Einkäufe zu seinem Appartement zu bringen.
„Ja, das kann ich machen. Aber nur, wenn du mir vorher deinen Namen verrätst“, neckte Adam ihn.
Der Mann lächelte und seine Augen funkelten, während seine Wangen einen hübschen Rotton annahmen, und Adam wusste zwei Dinge: Erstens war er nicht der einzige schwule Mann, der verlegen im Treppenhaus des Appartementgebäudes stand und eine zerrissene Einkaufstüte in den Armen hielt. Und zweitens kam da etwas auf ihn zu – hoffentlich etwas Gutes.
„Mein Name ist Patrick … Patrick Carter.“
Nur ein Lächeln
Regen prasselte gegen die großen Erkerfenster und erfüllte den Raum mit dem Klang von tausend winzigen Nadeln, die gegen das Glas trommelten. Adam saß in seinem Lieblingssessel am Feuer und betrachtete die Fotos, die sich auf dem Kaminsims aufreihten. Er hatte bereits in der ersten Nacht, nachdem sie sich begegnet waren, Adam die Treppe nach unten gerannt und mit ihm zusammengestoßen war, gewusst, dass Patrick HIV-positiv war. Wenn er daran zurückdachte, wie Patrick ihn mit nur einem Lächeln verzaubert und gefesselt hatte, konnte Adam seine Entscheidung, ihrer Liebe eine Chance zu geben, einfach nicht bereuen.
Seine Mutter Glynis hatte im ersten Jahr, nachdem er mit Patrick zusammengekommen war, alles versucht, ihrem Sohn die Sache auszureden. Leere Drohungen, sein Bankkonto zu sperren und aufzuhören, seine Semestergebühren zu überweisen, waren auf taube Ohren gestoßen, doch sie hatten eine Zeit lang einen Keil zwischen sie getrieben. Nachdem Adam die Anrufe seiner Mutter mehrere Wochen in Folge ignoriert hatte, weil es ihn verletzt hatte, dass sie ihn nicht unterstützte, hatte sich die Frau in ein Flugzeug gesetzt und war in die Vereinigten Staaten geflogen, um ihr gutes Verhältnis zueinander zu retten. Er und Patrick hatten nach einem langen Uni-Tag im Halbschlaf auf der Couch gelegen, als es plötzlich laut und aggressiv an der Tür geklopft hatte.
Adam schreckte hoch und riss die Tür auf. „Was soll die Sch…“
Es verschlug ihm die Sprache, als er den kleinen, wütenden Kobold auf der Fußmatte stehen sah. Glynis Chase war nicht einmal einen Meter fünfzig groß und hatte dünnes blondes Haar und große rehbraune Augen, mit denen sie ihren Sohn zornig anfunkelte. Hinter Frau „Ich bin stinksauer auf dich“ stand sein Vater, der gefühlt dreimal so groß war wie seine winzige Frau, die Arme vor der Brust verschränkt.
„Mom? Dad?“
Seine Mutter drängte sich an ihm vorbei, stapfte in das Appartement und schimpfte und tobte halb auf Englisch, halb auf Südafrikanisch vor sich hin, wobei sie Schimpfwörter benutzte, die selbst einen Seemann hätten rot werden lassen. Adam sah von seiner Mutter, die noch immer fluchte und wild gestikulierte, zu seinem Vater, der nur mit den Schultern zuckte und seiner Frau ein liebevolles Lächeln schenkte, und warf die Hände in die Luft.
„Mutter, was zur Hölle machst du hier?“ Er musste die Stimme erheben, um sich über den nahezu unverständlichen Wortschwall seiner Mutter hinweg Gehör zu verschaffen.
Glynis drehte sich zu ihm um und zeigte wütend mit dem Finger auf ihren Sohn, hielt dann aber mitten in der Bewegung inne, als sie Patrick endlich bemerkte. Er stand vor der Couch und beobachtete Adams Mutter mit einer Mischung aus Neugier und Angst im Gesicht – das war auch angemessen, denn die Frau war wirklich furchteinflößend, wenn sie einmal in Fahrt war.
„Ähm … Hallo, ich bin Patrick“, sagte sein Freund und stand weiter stocksteif da. Das war vermutlich auch besser so, denn jede unerwartete Bewegung hätte sie alle umbringen können, wenn man bedachte, in welcher Stimmung seine Mutter war.
Glynis verengte die Augen und musterte Patrick von Kopf bis Fuß. In ihrem Blick lag so etwas wie Verachtung, was Adam nur noch wütender machte. Bevor er etwas sagen konnte, schob sich sein Vater an ihm vorbei, ging direkt auf Patrick zu und umarmte ihn. Adam hätte beinahe laut gelacht, als sein Freund die Worte „Was zur Hölle?“ mit den Lippen formte, eine Augenbraue hochgezogen, die Arme schlaff nach unten baumelnd, während Adams Vater ihn in seinen Armen beinahe zerquetschte.
Harold Chase trat zurück, doch er hielt Patrick noch an den Schultern fest. Er lächelte. „Patrick, ich freue mich so, dich endlich kennenzulernen. Ich bin Harold Chase und die liebenswürdige junge Dame hier ist meine Frau Glynis. Was hältst du davon, wenn wir beide uns ein nettes, ruhiges Plätzchen suchen, etwas trinken und den beiden hier ein bisschen Zeit für sich geben?“
Das war die Art, wie seine Eltern die Dinge regelten – so hatten sie es sein ganzes Leben lang getan. Glynis schimpfte und tobte und ging auf andere los, indem sie die härtesten Schimpfwörter, die sie in ihrem Arsenal hatte, in einer kruden Kombination aus Englisch und Südafrikanisch zum Besten gab, sodass niemand, der nicht mit beiden Kulturen vertraut war, auch nur die Chance hatte, sie zu verstehen.
Und sein Dad ging dazwischen, darauf bedacht, dabei die Landminen zu umgehen, die in seiner Frau schlummerten, sodass sie nicht während des Vorgangs in die Luft ging. Doch es funktionierte für sie, für ihre Familie – wahrscheinlich, weil sie beide immer darauf bedacht waren, Adam jeden einzelnen Tag in seinem Leben zu zeigen, dass sie ihn liebten.
„O nein, das werdet ihr nicht. Wir werden alle schön hierbleiben und das hier klären“, bellte Glynis. „Du.“ Sie wies mit dem Finger auf ihren Sohn. „Bring mich nicht dazu, dir einen Klap zu geben. Hol uns allen etwas Starkes zu trinken und dann werden wir uns hinsetzen und reden.“
Adam öffnete den Mund, um zu protestieren, doch das Feuer, das in den Augen seiner Mutter brannte, brachte ihn dazu, diese Option zu überdenken. Er stapfte in die Küche, während er vor sich hin murmelte, seine Mutter dicht auf seinen Fersen. Da er davon ausging, dass sich die Sache länger hinziehen würde, schnappte sich Adam einige Salzbrezeln und Mandeln aus der Vorratskammer, verteilte sie in mehreren Schüsseln und stellte sie auf das Tablett, das er häufig benutzte, wenn Freunde zu Besuch kamen. Er musste nicht hinsehen, um zu wissen, dass seine Mutter den Kühlschrank öffnete und die Flaschen Castle-Brewery-Bier sah, die er extra im Liquor Store bestellt hatte, genau wie die Flaschen Amarula, ein süßer und cremiger Likör, der in ihrer Heimat hergestellt wurde. Glynis brummte zufrieden und griff nach dem Amarula und vier Flaschen Bier.
Mit Gläsern, Snacks und Getränken in den Händen gingen er und seine Mutter ins Wohnzimmer zurück, wo sein Vater neben Patrick auf der Couch saß. Sie lachten gemeinsam, als Patrick ihm erzählte, wie er Adam kennengelernt hatte.
„Er hat die zerrissene Supermarkttüte in mein Appartement getragen und ich habe für ihn gekocht. Wir saßen zusammen und haben den ganzen Abend geredet und du kannst dir vorstellen, was danach passiert ist.“ Patrick nahm das Bier, das Adam ihm reichte, und zwinkerte ihm zu.
„Und hast du es ihm gleich gesagt?“ Adam funkelte seine Mutter wütend an. Er wusste, was zwischen den Zeilen stand. Sie implizierte, dass Patrick Adam seinen HIV-Status nicht sofort mitgeteilt hatte.
„Ich habe nicht seine Hand geschüttelt und mich vorgestellt als Patrick Chase, HIV-positiv, nein. Aber ich habe es ihm später an diesem Abend gesagt, als ich sicher war, dass Adam genauso an mir interessiert war wie ich an ihm“, gab Patrick, ohne zu zögern, zurück.
„Glyn, Schatz, sei nicht so grob.“ Sein Vater widersprach seiner Mutter nur selten, zumindest so direkt, aber wenn er es tat, dann hörte sie auf ihn.
Sie brummte ihren Mann an, bevor sie nach ihrem Bier griff und die Flasche in einem Zug leerte. Adam gab ihr sein Bier, nahm ein Glas und die Flasche Amarula und goss sich selbst einen Kurzen ein.
Glynis wandte sich an Patrick. „Es tut mir leid, dass ich so unhöflich war. Ich mache mir nur Sorgen um meinen Sohn. Adam ist um die halbe Welt gereist und hierhergekommen, weil er sich ein besseres Leben gewünscht hat als das, was er in unserer Heimat Südafrika hätte haben können. Trotzdem mache ich mir Sorgen. Ich weiß, hier sind die Dinge anders. Er muss seine Vorlieben nicht verstecken, aber ich habe Geschichten im Internet gelesen, ich weiß, dass schwule Männer angegriffen und getötet werden, und das macht mich krank. Wenn ich daran denke, mein kleiner Junge würde zusammengeschlagen und dann zum Sterben zurückgelassen …“ Seine Mutter sog scharf den Atem ein und ihre Augen füllten sich mit Tränen.
Adam nahm ihre Hand und umschloss sie mit seiner eigenen. „Mom, ich …“
Sie winkte ab. „Lass mich einfach meinen Teil dazu sagen, Adam.“ Sie schniefte und putzte sich die Nase mit dem Taschentuch, das Patrick ihr reichte. Noch einmal sog sie scharf die Luft ein, dann fuhr sie fort: „Was passiert mit Adam, wenn du nicht mehr da bist? Ich wusste schon, wie sehr er dich liebt, bevor ich hergekommen bin. Ich habe es an seiner Stimme gehört, wenn er über dich geredet hat. Jetzt, da ich euch beide sehe, ist es nicht zu übersehen, wie viel ihr einander bedeutet. Aber was passiert mit Adam, wenn du stirbst, Patrick?“
„Glynis!“, rief Harold aus.
„Verdammt, Mom!“ Adam sprang auf die Füße.
„Warte mal. Das ist okay.“ Patrick griff nach Adams Hand und zog ihn zu sich, damit er sich zwischen ihn und seinen Vater setzen konnte. Adam war natürlich außer sich vor Wut. Sein Freund wusste das und ihn zu beruhigen war seine oberste Priorität. „Baby, es ist wirklich okay. Sie ist deine Mutter. Ihre Ängste und Fragen sind nicht unbegründet und sie hat ein Recht, so zu empfinden.“
„Nein, hat sie nicht“, widersprach Adam.
Patrick wandte sich Adam zu, streckte die Arme nach ihm aus und strich mit den Händen über sein Schlüsselbein und seinen Nacken, bis sie schließlich auf seinen angespannten Schultern zum Liegen kamen. „Schhhht … Baby, hör mir zu.“ Patrick sah ihm in die Augen und wartete, bis sich Adam beruhigt hatte, bevor er weitersprach. „Du bist ihr unheimlich ähnlich, das ist mir gerade klargeworden. Leidenschaftlich, unnachgiebig und unglaublich loyal. Ich kann so viel von ihr in dir wiedererkennen, jetzt, da wir uns kennengelernt haben.“
Adam hörte, wie seine Mutter scharf die Luft einsog und spürte, wie sich das Gewicht seines Vaters von der Couch hob, doch seine Augen fixierten noch immer Patrick.
„Wir müssen das hier klären, okay? Ich liebe dich, Adam, so verdammt sehr, aber ich will nicht dafür verantwortlich sein, dass deine Familie zerbricht.“
Patricks Stimme duldete keinen Widerspruch und Adam wusste das. Die einzige Option war, seine Mutter dazu zu bringen, ihn zu verstehen – sie dazu zu bringen, zu akzeptieren, dass er und Patrick den Rest ihres Lebens gemeinsam verbringen würden, denn er konnte Patrick nicht verlieren. Zumindest noch nicht jetzt.
Adams Wutausbruch hatte die Weichen zu ihren Gunsten gestellt, denn nun hatten Adams Eltern nicht nur mit eigenen Augen gesehen, wie sehr ihr Sohn Patrick liebte, sondern auch umgekehrt. Glynis und Harold waren fast einen Monat lang in Kalifornien geblieben, um den Partner ihres Sohns kennenzulernen. Bevor sie nach Südafrika zurückgeflogen waren, hatten sie sichergestellt, dass Patrick einen Pass beantragt und Flugtickets für sich und Adam besorgt hatte, sodass die beiden sie in den Weihnachtsferien für einige Wochen besuchen konnten.
Die kurzen zehn Jahre, die sie miteinander verbrachten, genossen sie in vollen Zügen. Adam und Patrick reisten um die ganze Welt und Adam bannte alles auf Film – manchmal reisten sie gemeinsam mit Glynis und Harold, manchmal mit Patricks Bruder Neil und seinem Mann Gus, manchmal nur sie beide allein. Sie surften in Hawaii, tanzten mit nichts als Unterwäsche bekleidet Walzer auf der Terrasse ihrer Suite in Österreich, suchten vierblättrige Kleeblätter in Irland, trugen stolz ihre Kilts und spielten Dudelsack in Schottland… Adam hatte die Erinnerungen eines ganzen Lebens mit Patrick gesammelt, bevor die Krankheit ihn schließlich einholte.
Das Grollen von Donner riss Adam in die Wirklichkeit zurück. Das Licht flackerte, bevor er in fast völlige Dunkelheit gehüllt wurde, das Feuer im Kamin die einzige Lichtquelle. Die Blitze, die draußen vor dem Fenster wüteten, erfüllten den Raum mit blendendem Weiß. Er stand auf, nahm ein Streichholz aus der Schachtel auf dem Kaminsims, bückte sich und entzündete es am Feuer im Kamin. Im ganzen Haus waren zahlreiche Wandleuchter und Kerzen verteilt, also machte er sich auf und entzündete sie Raum für Raum. Auf seinem Weg blieb er an jedem Foto kurz stehen, um es zu betrachten.
Nach Patricks Tod hatte er sich geschworen, nie wieder einen anderen Mann so zu lieben wie ihn. Es war einfach zu schmerzhaft – ein tiefer Schmerz, der an seiner Seele gekratzt und Adam kalt und leer zurückgelassen hatte. Doch nach dreißig Jahren fühlte er sich einsam und sein solidarischer Lebensstil begann, ihn zu belasten. Seine Arbeit hielt ihn ständig auf Trab und er reiste manchmal noch immer, entweder mit seinen Eltern oder für die Organisation Ärzte ohne Grenzen, in Länder, in denen HIV/AIDS in großem Maßstab ausgebrochen war. Das war nicht dasselbe wie die Welt mit der Person zu teilen, die man liebte. Dieser Gedanke wurde in Adams Kopf mit jedem Tag, der verstrich, immer lauter.
Das Kerzenlicht erfüllte das Haus mit flackerndem Schein. Adam kochte sich eine Tasse Tee und setzte sich mit einem seiner Lieblingsbücher auf die Couch. A Heart Without Borders von Andrew Grey. Er liebte Gay Romance und dieses Buch ganz besonders. Es handelte von einem Mann, der verzweifelt versuchte, seiner Trauer zu entkommen, indem er sich bei Ärzte ohne Grenzen meldete – vielleicht, weil er einige Parallelen zwischen sich und dem Protagonisten Wes sah. Mit einem Seufzen schlug er die erste Seite des Buchs auf und dachte, es wäre an der Zeit, die Augen und sein Herz zu öffnen und endlich neue Liebe hineinzulassen.
Vorwärtsgehen
Nachdem er den letzten Karton mit Klebeband verschlossen hatte, nahm sich Dean einen Moment Zeit, um sich noch einmal in dem Haus umzusehen, das, solange er zurückdenken konnte, sein Zuhause gewesen war. Er und Maggie hatten es gemeinsam gekauft, nachdem sie geheiratet hatten, hier in Justin in Texas, das damals noch eine kleine, verschlafene Vorstadt gewesen war. In all den Jahren hatten sie um und an das Haus angebaut, vor allem, als Dusty älter geworden war und der ursprüngliche Grundriss für sie drei zu klein geworden war.
„Ist das die Letzte?“, fragte Maggie, trat neben ihn und reichte ihm einen Becher mit dampfendem Kaffee.
„Oh, danke“, sagte er, nahm die Tasse und nippte vorsichtig daran. „Mmmm … Ich glaube, deinen Kaffee werde ich am meisten vermissen, Mags“, sagte er scherzhaft und erntete dafür einen harten Schubs von der Frau, die bald seine Ex sein würde.
„Blödmann.“ Sie tat so, als würde sie ihn finster anstarren, doch sie konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. Nach nun fast dreißig Jahren, die sie gemeinsam verbracht hatten, war ihre Liebe eines Tages verblasst. Nein, eigentlich stimmte das nicht. Sie liebten sich und bedeuteten einander sehr viel, sie waren einfach nur nicht mehr ineinander verliebt.
„Also“, begann sie, „hast du deinem Sohn schon gesagt, dass wir uns scheiden lassen?“
Dean schüttelte den Kopf. „Nein. Hast du deinem Sohn gesagt, dass du dir einen neuen Lover angelacht hast, während wir auf dem Papier noch verheiratet sind? Du Flittchen“, scherzte er und ihre Miene verfinsterte sich. Sein Blick fiel auf ihren prallen Bauch.
„Tja, willst du deinen Sohn anrufen und ihm direkt alles auf einmal beibringen?“, fragte sie.
Dean schüttelte erneut den Kopf. „Mein Flug geht morgen und ich habe ihm schon gesagt, dass ich eine Weile bleiben werde. Ich denke, ich bin es Dusty schuldig, es ihm ins Gesicht zu sagen, findest du nicht?“
Maggie seufzte, wandte sich ab und ging zurück in die Küche, Dean dicht hinter ihr. Sie stellte ihre Tasse auf der Kochinsel ab, lief zum Waschbecken und begann, das Geschirr vom Frühstück abzuwaschen. Da er es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, griff Dean nach einem Handtuch und trocknete ab.
„Ich werde die Kartons in der Garage stapeln, an der Seite, sodass sie nicht im Weg sind, bis ich mich entschieden habe, wie es weitergehen soll, Mags.“
Sie lehnte sich gegen das Waschbecken und nickte, ohne ein Wort zu sagen oder ihn anzusehen. Ihre Scheidung war hart für sie beide, auch wenn sie einvernehmlich war. Es war nicht so leicht, zwei Leben voneinander zu trennen, die so lange Zeit verbunden gewesen waren. Dean warf das feuchte Handtuch auf die Anrichte und wandte sich zu ihr um, legte seine Arme um sie und umarmte sie fest, darauf bedacht, ihren Bauch nicht zu belasten. Er küsste sie auf die Wange, trat zurück und ging ins Wohnzimmer, um die letzten wenigen Kartons in die Garage zu bringen.
Als er zwanzig Minuten später in die Küche zurückkehrte, seinen Rucksack über der Schulter und den Koffer in der Hand, legte er den großen Manila-Umschlag mit den unterschriebenen Scheidungspapieren auf die Kochinsel.
Er war schon halb aus der Tür, als sie ihm nachrief: „Pass auf dich auf, Dean. Sei vorsichtig und das Wichtigste von allem: Werde glücklich.“ Sie schniefte und instinktiv machte er einen Schritt in Richtung Küche, bevor er innehielt und seine Füße zwang, durch die Tür nach draußen zu gehen.
***
Vierundzwanzig Stunden später saß Dean am Tisch eines Restaurants seinem Sohn gegenüber, der ihn mit einem Blick bedachte, als wollte er ihn am liebsten an die Gurgel gehen.
„Konntest du deinen Schwanz nicht mal so lange in der Hose lassen, bis die Tinte auf den Scheidungspapieren getrocknet ist, Dad?“, knurrte Dusty.
Dean gelang es, die Situation zu entschärfen, indem er darauf hinwies, dass sie hier in der Öffentlichkeit waren, die Leute sie anstarrten und sich Dustys Partner David sehr unwohl zu fühlen schien. Auf der Fahrt vom Flughafen zur Brauerei hatte Dusty seinem Vater erzählt, wie er David kennengelernt hatte und wie David sein ganzes Leben lang von seinem älteren Bruder misshandelt worden war. Obwohl sie einander kaum eine Stunde kannten, fiel Dean sofort auf, wie sehr ihr Streit den jungen Mann belastete.
Sobald sie wieder zurück im Appartement waren, in dem Dusty und David wohnten, führte Dusty seinen Vater ins zweite Schlafzimmer und schloss die Tür hinter ihnen, sodass sie ungestört miteinander reden konnten.
„Also, Mom hat einen neuen Freund? Scheiße, das ist so schräg. Ich sitze hier und rede mit meinem Vater über den Freund meiner Mutter. Bitte erschieß mich.“ Dusty vergrub das Gesicht in den Händen.
Dean ließ sich neben ihm auf das Bett fallen und klopfte Dusty auf den Rücken. „Ich will, dass du weißt, dass wir immer deine Eltern bleiben, Junge, das steht für uns an erster Stelle. Wir beide lieben dich sehr und das wird sich auch nie ändern. Wir werden dich nur von unterschiedlichen Adressen aus unterstützen, das ist alles.“
„Meine Mom hat einen Freund“, murmelte Dusty noch einmal und sein Vater lachte leise. Dusty drehte langsam den Kopf zur Seite, um ihn anzusehen. „Findest du das etwa lustig?“
Dean sog zitternd die Luft ein, atmete hörbar aus und schüttelte den Kopf. „Nein, Dusty, das finde ich nicht. Aber so ist nun mal der Lauf der Dinge, und du kannst es entweder akzeptieren oder wütend werden und anfangen, zu schreien. Du könntest auch etwas nach mir werfen. Ich bin mir sicher, dass dein Freund da draußen schon die Wände hochgeht. Wie wird er sich erst fühlen, wenn wir jetzt auch noch anfangen, zu streiten, Junge?“
„Fuck“, stieß Dusty hervor, sprang auf und ging auf dem Stück zwischen dem Fußende des Bettes und dem Kleiderschrank auf und ab. „Du bereust das alles überhaupt nicht, oder, Dad? So wie ich das rausgehört habe.“ Er lachte freudlos. Nachdem er fünf Minuten still wie ein Mäuschen über den Teppich gegangen war, blieb Dusty stehen und sah seinem Vater direkt ins Gesicht. „Okay, du und Mom, ihr lasst euch scheiden, und ich habe bald einen Stiefvater. Juhu!“ Er stieß comichaft die Fäuste in die Luft.
„Oder zwei.“ Dean schmunzelte.
Dusty runzelte die Stirn. „Oder zwei was?“ Dean zog die Augenbrauen hoch und presste die Lippen zusammen, um nicht zu lachen, als Dusty den Sinn seiner Worte endlich entschlüsselte. „Ich glaube das einfach nicht, mein Dad ist schwul.“
„Bisexuell, Junge, das ist die richtige Bezeichnung.“
„Ja, was auch immer … Du blöder Wichser.“ Dustys Augen weiteten sich. „O Gott, ich kann nicht glauben, dass ich das gesagt habe.“ Dean warf den Kopf in den Nacken und lachte laut auf. „Ich hasse dich gerade, weißt du das? Gute Nacht, Dad.“
Und damit stapfte Dusty aus dem Zimmer und schlug die Tür hinter sich zu.
Dean hatte letzte Nacht nicht gut geschlafen, das zusammengenommen mit dem Flug hatte ihn mitgenommen. Ein kurzes Nickerchen klang verlockend, doch wenn er sich jetzt hinlegte, würde er sicher mehrere Stunden schlafen und mitten in der Nacht aufwachen. Also packte er stattdessen seinen Koffer aus, machte sich anschließend ein Sandwich und setzte sich vor den Fernseher, um die Abendnachrichten zu sehen. Als sein Kopf ihm immer wieder auf die Brust sank und ihm die Augen zufielen, schaltete er den Fernseher aus, räumte den leeren Teller ab und ging zu Bett.
***
Am nächsten Morgen war Dusty mit David beschäftigt, sodass sie nicht viel Zeit zum Reden hatten, bis Dean vorschlug, zusammen für das Abendessen einkaufen zu gehen.
„Zusammen“, betonte er gegenüber seinem Sohn.
Dusty lachte leise und lächelte, während er sich vermutlich daran erinnerte, wie er, Dean und Maggie früher mehrmals die Woche zusammen das Abendessen gekocht und sich darüber ausgetauscht hatten, wie ihr Tag gewesen war, als er noch zu Hause gewohnt hatte. Dean und Maggie hatten beide hart dafür gekämpft, Dusty ein gutes, normales Leben zu ermöglichen. Vielleicht war das der Grund dafür, wieso sich die beide aus den Augen verloren und auseinandergelebt hatten, nachdem Dusty ausgezogen war. Er war vermutlich der Leim, der sie zusammengehalten hatte.
„Hast du etwas auf dem Herzen?“, fragte Dean, während sie zum Supermarkt fuhren.
„Nein.“ Dusty machte eine kurze Pause. „Wie lange hast du vor, zu bleiben?“
Dean schnaubte. „Versuchst du, mich schon wieder loszuwerden, Junge? Das tut wirklich weh.“
Wenn man hören könnte, wie jemand mit den Augen rollte, hätte Dean schwören können, Dusty in diesem Moment zu hören. „Das habe ich nicht gesagt, Dramaqueen.“
„Tja, deine Mutter und dein vermutlich künftiger Stiefvater brauchen wohl ein wenig Zeit für sich, um sich vorzubereiten für …“ Dean bemerkte gerade noch rechtzeitig, dass er im Begriff war, zu viel zu sagen. Dustys Augenbrauen zogen sich zusammen und die Frage stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. „Ich dachte, ich könnte für eine Weile hierbleiben, bei dir. Das heißt, wenn das für dich in Ordnung ist.“
„Du meinst hier in der Stadt? Oder hier mit mir und David?“
„Beides.“
Dusty antwortete nicht und sie verbrachten den Rest der Fahrt zum Supermarkt schweigend. Nachdem Dusty den Wagen in die Parkbucht gelenkt und den Motor abgeschaltet hatte, starrte er weiter aus dem Fenster. Dean streckte die Hand nach dem Türgriff aus, um aus dem Pick-up zu steigen, als Dusty plötzlich nach seinem Arm griff. „Warte. Hör mal, das ist gerade ziemlich viel auf einmal und ich brauche etwas Zeit, um das alles zu verarbeiten, okay?“
Dean lächelte und tätschelte seinem Sohn die Hand. „Natürlich.“
„Du kannst gern bei uns bleiben, Dad.“ Dusty lächelte, doch Dean sah einen winzigen Anflug von Besorgnis in den Augen seines Sohns.
Dusty wechselte das Thema und fragte, was sie eigentlich einkaufen wollen. „Lass es uns nicht zu kompliziert machen. Für heute Abend Zutaten für Salat, Spaghetti und Knoblauchbrot. Und wir können Auflage für Sandwiches holen, damit wir den Rest der Woche etwas zu essen haben. Oh!“ Dean schnippte mit den Fingern. „Lass uns auch Brot, Cornflakes, Milch und Eier kaufen, nur zur Sicherheit.“
Oh. Mein. Gott!
