Dare to Hope - TM Smith - E-Book

Dare to Hope E-Book

TM Smith

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Beschreibung

Tristan ist der zweitälteste der Brennanbrüder und ein Außenseiter. Die meisten Männer der Brennans schlagen Karrieren im Strafvollzug ein. Als Psychiater jedoch hat Tristan einen anderen Weg gewählt, den Leuten zu helfen. Ruhig und zurückhaltend, wie er ist, ist er damit zufrieden, sich im Hintergrund seiner geselligen Brüder zu halten. Dann trifft er zwei Männer, beide gebrochen und geschädigt von Verlusten jenseits ihrer Kontrolle. Gabriel Simenson betrauert den Tod seines Geliebten. Der willkürliche Gewaltakt, der Gios Leben beendet hat, hat alle bei All Cocks taumelnd zurückgelassen. Das Einzige, das Gabe davon abhält, in seinem Unglück zu ertrinken, ist die Freundschaft, die er zu Micah aufgebaut hat, dem neuesten Model bei All Cocks. Er kämpft weiter und stimmt nach dem Drängen seiner All Cocks-Familie zu, sich mit Tristan zu beraten. Unter einer Bedingung: Micah muss mit ihm gehen. Micah Solo hatte ebenfalls ein traumatisches Erlebnis in seiner Vergangenheit. Er hat sein Bein und noch so viel mehr im Irak verloren. Die letzten beiden Jahre war er allein, ohne Halt und verwundbar. Die Erinnerungen an den Krieg verfolgen ihn in seinen Träumen, reichen bis in sein tägliches Leben hinein. Bei All Cocks hat Micah die Akzeptanz gefunden, die er sucht, und die Familie, die er verloren hat. Aber er sehnt sich noch immer nach Glück und Frieden. Die Freundschaft der drei ist unmittelbar, die gegenseitige Anziehung offenkundig. Sie kreisen umeinander, wollen mehr, sind jedoch noch unsicher, ob das überhaupt möglich ist. Besteht das Leben nur aus der nüchternen Realität, in der sie sich befinden, oder dürfen sie zu hoffen wagen? Band 4 der All-Cocks-Reihe

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Seitenzahl: 303

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Dare to Hope

Eine All Cocks Geschichte

von TM Smith

Aus dem Amerikanischen von Elian Mayes

Impressum

© dead soft verlag, Mettingen 2019

http://www.deadsoft.de

© the author

Titel der Originalausgabe: Dare to Hope Copyright © 2015 TTC Publishing

Übersetzung: Elian Mayes

Cover: Irene Repp

http://www.daylinart.webnode.com

Bildrechte:

© ArtOfPhotos – shutterstock.com

© lunamarina – shutterstock.com

© Conrado – shutterstock.com

1. Auflage

ISBN 978-3-96089-352-3

ISBN 978-3-96089-353-0 (epub)

Anmerkung: Dare to Hope ist ein Werk der Fiktion. Es werden einige Namen von Leuten, Orten und Dingen zu lesen sein, von denen ihr bereits zuvor gehört habt, doch die Verwendung dieser in diesem Text ist ebenfalls fiktiv.

Glossar

Bitte behaltet diese Worte und Phrasen beim Lesen im Hinterkopf. Die Definition wird im Kontext der Geschichte nicht immer gegeben sein.

Die Charaktere

All Cocks INC Manager:

Victor Dimir, Andrew Jones Dimir und Mattie Dimir

Die Namen der übrigen und ihre Pseudonyme im Porno-Geschäft:

Christopher Allen Roberts | Kris Alen

Lincoln Carter | Linc Larson

William Richards | Connor

Dusty Anderson | Ashton Fox

Gabriel Simonsen | Gorgeous Gabe

Ricardo | Rocky

Micah Solo | Aiden Cox

Jacob | Jae Hart

Die übrigen Charaktere:

Tristan Brennan

Kory White

Jon Brennan

Kassie Anderson White

Jordan Schuler

Anthony Ramirez (Tony) & Colton Johnson

Michael & Max

Diese Geschichte beinhaltet eine MMM-Dreiecksbeziehung

{Tristan, Micah & Gabe}

Inhalt:

Tristan ist der zweitälteste der Brennanbrüder und ein Außenseiter. Die meisten Männer der Brennans schlagen Karrieren im Strafvollzug ein. Als Psychiater jedoch hat Tristan einen anderen Weg gewählt, den Leuten zu helfen. Ruhig und zurückhaltend, wie er ist, ist er damit zufrieden, sich im Hintergrund seiner geselligen Brüder zu halten. Dann trifft er zwei Männer, beide gebrochen und geschädigt von Verlusten jenseits ihrer Kontrolle.

Gabriel Simenson betrauert den Tod seines Geliebten. Der willkürliche Gewaltakt, der Gios Leben beendet hat, hat alle bei All Cocks taumelnd zurückgelassen. Das Einzige, das Gabe davon abhält, in seinem Unglück zu ertrinken, ist die Freundschaft, die er zu Micah aufgebaut hat, dem neuesten Model bei All Cocks. Er kämpft weiter und stimmt nach dem Drängen seiner All Cocks-Familie zu, sich mit Tristan zu beraten. Unter einer Bedingung: Micah muss mit ihm gehen.

Micah Solo hatte ebenfalls ein traumatisches Erlebnis in seiner Vergangenheit. Er hat sein Bein und noch so viel mehr im Irak verloren. Die letzten beiden Jahre war er allein, ohne Halt und verwundbar. Die Erinnerungen an den Krieg verfolgen ihn in seinen Träumen, reichen bis in sein tägliches Leben hinein. Bei All Cocks hat Micah die Akzeptanz gefunden, die er sucht, und die Familie, die er verloren hat. Aber er sehnt sich noch immer nach Glück und Frieden.

Die Freundschaft der drei ist unmittelbar, die gegenseitige Anziehung offenkundig. Sie kreisen umeinander, wollen mehr, sind jedoch noch unsicher, ob das überhaupt möglich ist. Besteht das Leben nur aus der nüchternen Realität, in der sie sich befinden, oder dürfen sie zu hoffen wagen?

Die All Cocks

Widmung

Für die Frauen und Männer, die ihre Leben in Gefahr bringen, um die Freiheit unserer Nation* zu beschützen: Unsere Soldaten und Soldatinnen, besonders jene, die für viele Jahre verstecken mussten, wer sie wirklich sind.

Prolog

Micah setzte seinen Helm ab und wischte mit einem Tuch über seine kurz rasierten Haare. Er hasste die Hitze und Feuchtigkeit des Irak mehr als alles andere. Immer war sein Körper verschwitzt und feucht von den unliebsamen Temperaturen. Run Through the Jungle dröhnte aus den Lautsprechern des Geländewagens, in dem er fuhr und der sein Inneres auf der unebenen Straße ganz schön durchschüttelte, während er auf dem steinigen Terrain dem Jeep seines Captains folgte. Es war eine Routinefahrt zu den Wehrstationen, die im Umkreis ihres Camps errichtet worden waren. Eine Route, die Micah in den letzten elf Monaten, die er in diesem gottverdammten Land verbracht hatte, Dutzende Male gefahren war. An diesem Tag gab es jedoch etwas, das seine Nerven anspannte, ein schlechtes Gefühl sozusagen. Micah hielt sein Gewehr entsichert im Anschlag. Nur um sicherzugehen.

Der Geländewagen ächzte, als er stoppte, und Micah sah aus dem Fenster, um herauszufinden, warum. Alles, was er sehen konnte, war der Jeep vor ihnen. Er wollte aussteigen, um zu schauen, was sie aufhielt, als die Stimme des Captains aus dem Funkgerät knarzte. »Bleibt wachsam, Leute, da ist eine Gruppe von vier Männern vor uns mit ein paar Eseln, die die Straße blockieren. Vermutlich nur ein paar Zivilisten, die handeln wollen.«

»Will wissen, ob die was zu rauchen haben. Ich könnte eine verdammte Zigarette vertragen«, sagte Banks.

Micah drehte sich zu ihm, um ihn nach seinem Versprechen zu fragen, dass er die Army verlassen würde, wenn sie den Schießangriff auf ihr Camp, der vor drei Tagen gewesen war, überleben sollten, aber ein Lichtblitz oben an der Steinwand zu ihrer Rechten erregte seine Aufmerksamkeit. Er stieß gegen Banks’ Schulter, zeigte auf den hellen Kreis, der gegen die Steine prallte und dann unter der Seite des Geländewagens verschwand. Was folgte, war ein lautes Pfeifen, gefolgt von sprühenden Funken, dann einer Explosion.

Micah wusste nicht, wie er vom Inneren des Geländewagens nach draußen auf die steinige Straße gekommen war, auf der sie gefahren waren. Er hatte ein betäubendes Summen in den Ohren. Als er den Kopf hob, konnte er nicht durch die Wolke aus Dreck sehen, die über ihm schwebte. Der Geruch von Kupfer vermischte sich mit den Geräuschen von Schüssen und gedämpften Rufen seines Captains. Es versengte die Luft um ihn herum. Micah versuchte sich aufzusetzen, aber er konnte nicht. Seine Brust fühlte sich eng an und als ob ihn etwas herunterdrückte. Irgendwann fand er die Kraft, seinen Kopf zu bewegen. Seine Sicht verschwamm und sein Magen drehte sich um, als ihn eine Welle der Übelkeit traf, die ihn die Augen wieder schließen und den Kopf auf den Boden fallen ließ. Er versuchte zu Atem zu kommen, aber einzuatmen verursachte nur einen üblen Husten, als Micah halb an dem Dreck erstickte, der in seine Lungen strömte.

Mit geschlossenen Augen drehte er seinen Kopf nach rechts. Seine Wange schmerzte, als sie über groben Sand und Steine schabte. Als er die Augen erneut öffnete, keuchte Micah erschrocken beim Anblick des Geländewagens, in dem er noch Minuten zuvor gesessen hatte. Von der Explosion war er in zwei Teile gerissen worden.

Banks? Captain? Irgendjemand?

Die Worte formten sich in seinem Geist, doch sein Mund war zu voll von Blut und Sand, um sie auszusprechen. Irgendwie schaffte er es, den Kopf so zu bewegen, dass er seine linke Seite sehen konnte, und begann zu wimmern. Die obere Hälfte von Banks’ Körper lag unter der Tür des Geländewagens; seine toten Augen starrten Micah an. Seine Beine lagen über zwanzig Meter entfernt neben einem Reifen.

Kapitel 1 | Albträume und Erinnerungen

Micah saß aufrecht im Bett, keuchte und hyperventilierte beinahe. Er schloss die Augen und seine Hände krallten sich in das weiche, kühle Laken, während er versuchte gleichmäßig ein- und auszuatmen. Nachdem seine Herzfrequenz langsamer geworden war, öffnete er die Augen und saugte die dunkle Stille um sich herum ein. In seinem Herzen wusste er, dass er in diesem Zimmer in Victors Haus sicher war. Aber sein Geist zeigte ihm immer wieder in Zeitlupe den Film von dem Hinterhalt im Irak, bei dem er sein Bein verloren hatte. Es war so lebendig: die Explosion und die Angst, als er im Landstuhl Medical Center in Deutschland aufgewacht war, an sein winziges Krankenhausbett gefesselt. Die mollige Krankenschwester mit dem merkwürdigen Akzent hatte sein Gesicht in die Hände genommen und versucht ihn zu beruhigen, als er gegen die Bänder angekämpft hatte, die sein Bein und seine Handgelenke am Bett fixiert hatten. Die Erinnerungen übernahmen Micahs Geist und brachten ihn zurück zu diesem Tag.

»Schhh. Schhh.« Ihre Stimme war so beruhigend und aus irgendeinem Grund vertraut.

Micah hielt in dem Versuch inne, sich loszureißen, legte den Kopf wieder auf das Kissen und starrte hinauf in ihre freundlichen Augen.

»Micah, weißt du, wer ich bin?«, fragte sie.

Micah schüttelte den Kopf und doch war da etwas sehr Vertrautes in ihrer Stimme, in ihren Augen. Woher kannte er sie?

»Dann lass mich dir eine leichtere Frage stellen. Micah, weißt du, wo du bist?«

Micah schüttelte erneut den Kopf, aber dann überkam ihn eine Erinnerung: Dreck, Blut und Gewehrschüsse, kurz bevor ihn jemand hochgehoben hatte und alles schwarz geworden war. Unter einem blendenden Licht war er wieder aufgeschreckt. Ein unaufhörliches Piepsen, ein Mann in OP-Kleidung mit einer Maske vor seinem Gesicht. Er hielt Micah fest, während er im Hintergrund eine sanfte Stimme hörte, die ihn bat, ruhig zu liegen und zu schlafen. »Wa… Wart… Ja.« Seine Kehle war trocken und klang, wie sie sich anfühlte: als ob er zerbrochenes Glas geschluckt hätte.

»Du bist in einem Krankenhaus in Deutschland. Du wurdest hergeflogen, nachdem dein Team in einen Hinterhalt geraten ist …« Die Krankenschwester, er wusste nun, dass sie eine war, erzählte ihm, wo er sich befand.

Die Erwähnung seines Teams ließ Micah zurückweichen und erneut unwillkürlich an seinen Fesseln zerren. »Banks, Captain, tot?« Er wusste, dass sein Gestammel keinen Sinn ergab, aber er hoffte, dass die Krankenschwester verstand, was er fragte.

Ihre Augen trübten sich etwas und sie nickte, streckte ihre Hand aus und hielt Micahs so gut sie es trotz der braunen Lederbänder konnte. »Okay, Micah, wenn du mir versprichst, dass du ruhig bleibst und zuhörst, nicht durchdrehst und deinen Zugang rausreißt oder, wie beim letzten Mal, Sachen an die Wand wirfst, erzähle ich dir, was ich weiß.« Sie machte eine Pause und sah ihn ernst an.

Er wollte ob dieser absurden Situation lachen, aber hielt sich zurück. Er atmete tief durch und nickte dann.

»Okay. Mein Name ist Annia und das«, sie machte eine ausladende Handbewegung, »ist Landstuhl Medical Center in Deutschland.«

»Wie lange?« Micah schaffte es irgendwie, die Worte herauszubekommen.

»Zwei Wochen«, antwortete Annia, ließ seine Hand los und griff nach einer Tasse mit einem Strohhalm darin, die neben seinem Bett stand. Sie führte den Strohhalm zu seinen Lippen und nickte lächelnd.

Nachdem das kühle Wasser seine Kehle benetzt hatte, stöhnte Micah auf und leerte die Tasse in einem einzigen langen Zug.

Sie stellte sie zurück auf das Tablett, dann sah sie ihn wieder an. »Okay. Ich werde die Bänder entfernen, aber du musst mir versprechen, dass du uns keinen Grund gibst, sie wieder anzulegen.«

Er nickte.

»Nein. Ich will, dass du die Worte sagst, Micah.«

Instinktiv nickte er. Sie machte »Tz« und brachte ihn damit zum Lächeln.

Ein sanftes Klopfen an der Tür ließ Micah zusammenfahren. Er blinzelte in das dunkle Zimmer hinein, konnte allmählich etwas erkennen. Dann schwang er seine Beine über die Bettkante, griff nach seiner Prothese und befestigte sie eilig an seinem Stumpf, bevor er aufstand.

»Micah, Süßer, bist du okay?« Gabes leise Stimme drang durch die Tür.

Micah entspannte sich, ging zur Tür, öffnete sie und winkte Gabe hinein. »Ja, mir geht’s gut«, log er.

»Ein Albtraum?«, fragte Gabe, der Micah seine Lüge nicht einmal eine Minute lang abnahm. Das Licht, das das Zimmer vom Flur aus erhellte, offenbarte, dass seine braunen Augen rot gerändert waren und ein feiner Schweißfilm auf seiner Haut lag. Ganz zu schweigen von den Augenringen. Gabe drückte sich an Micah vorbei ins Zimmer, schaltete die Nachttischlampe an und setzte sich aufs Bett.

Micah lachte leise, schloss die Tür und setzte sich neben Gabe.

»Derselbe? Oder ein neuer?«, fragte Gabe.

Er und Micah waren in den letzten Monaten gute Freunde geworden. Zuerst hatte der geteilte Schmerz von Verlust sie verbunden, aber ihre Verbindung war zu einer echten Freundschaft geworden. Micah hatte das Gefühl, dass er mit Gabe über alles reden konnte, ohne verurteilt oder verdammt zu werden, so wie einst von seiner Familie. Gabe war nun sein bester Freund.

Micah seufzte und drehte sich um, starrte durch das Fenster hindurch den Halbmond an, der tief am Horizont stand. »Derselbe. Es ist immer derselbe, Gabe.«

Gabe griff nach Micahs Hand und hielt sie. Seine Hände waren kleiner als Micahs. »Sie kommen immer öfter, Micah. Deine monatlichen Besuche in der Klinik sind nicht mehr genug. Bitte …«

Micah begegnete Gabes Blick und wollte wegen der Sorge darin lächeln. Wie lange war es her, dass jemand wirklich um ihn besorgt war?

»Bitte, Micah, rede zumindest mit Tristan. Er wird dich nicht verurteilen, das wird niemand hier. Bitte, für mich«, bat Gabe.

Micah seufzte frustriert und fühlte sich merkwürdig. Er wusste um die Wahrheit in dem, was Gabe sagte. Sie verbrachten eine Menge Zeit mit Tristan, seit dieser mit Gabe dessen Trauer aufarbeitete, aber es war noch immer schwer für Micah, Leuten zu vertrauen. Er ließ seine Finger durch seine vom Schlaf zerzausten Haare gleiten und nickte, noch unfähig mit Worten zuzustimmen. Gabe hatte von Anfang an gewollt, dass Micah sich mit Tristan wegen seiner PTBS und seiner Albträume traf. Er hatte zugestimmt, um Gabe zu beschwichtigen, aber Micah fand immer wieder Gründe, es doch nicht zu tun. Nun, da er schweißüberströmt und mit roten Augen als Folge eines Albtraums vor Gabe saß, schienen ihm die Entschuldigungen auszugehen.

»Ja?« Gabes schöner Mund bog sich ein wenig nach oben. Ein Grinsen erhellte seine blassen Züge.

Nicht zum ersten Mal wollte Micah diesen geschmeidigen Körper mit seinem nach unten drücken und diese perfekten rosa Lippen küssen. Aber er hielt sich zurück, warf Gabe ein halbherziges Lächeln zu und nickte wieder.

Gabe warf sich Micah entgegen und umarmte ihn fest. Weil er seinen Kopf an Micahs Schulter vergrub, waren seine Worte gedämpft, aber noch immer hörbar. »Alles wird gut werden, Micah. Du wirst sehen.«

Micah war sich nicht so sicher, aber was hätte es schon schlimmer machen sollen? Sie redeten noch eine Weile, bevor sie in den Schlaf abdrifteten, nur um am Morgen um zehn unsanft geweckt zu werden, als Mattie glücklich summend in den Raum stürmte. Er trug ein Tablett mit Kaffee und Käsegebäck.

»Los, aufstehen, ihr Schlafmützen.« Mattie war definitiv zu munter und brachte Micah damit auf die Palme. Er öffnete ein Auge, sah hinauf zu dem dreisten Blonden. »Sieh mich ja nicht so an, Micah.« Mattie stemmte eine Hand in die Hüfte und erwiderte diesen Blick. Die andere Hand war damit beschäftigt, herumzufuchteln und auf Micah und Gabe zu deuten. »Ihr zwei kriegt jetzt eure Hintern hoch und bewegt euch. Tristan wird in einer Stunde hier sein.« Und damit drehte Mattie sich um und verließ den Raum.

Micah setzte sich auf, griff nach einer Tasse Kaffee und grummelte, als er einen Schluck nahm. »Ist der immer so fröhlich?«

Gabe schnaubte. »Nein, nicht immer. Mattie hat seine eigenen Dämonen, mit denen er klarkommen muss, aber er hat vor langer Zeit die Entscheidung getroffen, diese nicht sein Leben bestimmen zu lassen. Du könntest möglicherweise eine Menge von ihm lernen.«

»Was …?«

Gabe unterbrach Micah mit einer eindeutigen Handbewegung. »Nein. Frag mich nicht mal. Das ist nicht meine Sache. Du musst Mattie schon selbst fragen.« Gabe stand auf und ging Richtung Tür. »Ich seh dich gleich in der Küche, ich muss duschen. Ich kann mich selbst riechen.« Und damit verschwand Gabe auf den Flur und schloss die Tür hinter sich.

Micah griff nach dem Gebäck und biss davon ab. Er war noch immer etwas verstimmt, obwohl er nicht recht sagen konnte, warum. »Wow, das ist verdammt lecker.« Eilig aß er das Stück Gebäck und ein weiteres auf, trank seinen Kaffee und machte sich dann auf den Weg ins Bad, um zu duschen. Er drückte die Hände an die Wand, hielt den Kopf gesenkt und genoss die sanfte Massage, die der Wasserstrahl auf seinem Rücken erzeugte. Es brachte eine andere Erinnerung zurück. Einen der seltenen Momente der Freude während seiner Zeit im Irak.

Schnell zog Micah sich aus, ließ seine Uniform auf den Boden neben seinem Schrank fallen. Dann wickelte er sich ein Handtuch um die Hüften und ging zur letzten Duschkabine des behelfsmäßigen Waschraums. Jeder Muskel in seinem Körper schmerzte und er war erschöpft, aber die heißen Nadelstiche auf seinem Rücken fühlten sich absolut unglaublich an. Beinahe wäre er vor Schreck aus der Haut gesprungen, als ein Paar Hände seine Hüften griffen. Der Schock des Moments verging schnell, als Lippen seine Schulter küssten und sich eine feuchte Zunge ihren Weg hinauf zu Micahs Nacken bahnte. Eine sinnliche Stimme flüsterte: »Ruhig, Soldat.«

Micah konnte nichts gegen das Lachen tun, das ihm entkam. Ebenfalls konnte er die Reaktion seines Körpers nicht verhindern und drückte seinen Hintern gegen den harten Schwanz, der an seiner linken Backe ruhte. Die Hände, die seine Hüften festhielten, bewegten sich langsam nach vorn. Eine davon bewegte sich weiter nach unten zu seinem halb steifen Schwanz, die andere schob sich nach oben, um seinen Nippel mit vertrauten Fingern zu kneifen. Micah lehnte sich zurück, legte seinen Kopf auf Banks’ Schulter und seufzte.

»Das ist es, Baby, lass mich mich um dich kümmern«, flüsterte Banks in sein Ohr, bevor er in das Ohrläppchen biss und Micah so einen Schauder bescherte. »Du magst das, Baby?«, fragte Banks.

Micah knurrte und stieß seine Hüften nach vorn und somit seinen nun steinharten Schwanz in den engen Griff von Banks’ Hand. Micah zuckte nach vorn, als sein Hirn realisierte, was vor sich ging, und versuchte sich umzudrehen und Banks wegzuschieben. »Stopp, B, jemand wird uns sehen oder hören.«

»Schhh, Micah. Ich hab Homer bezahlt, damit er am Zelteingang steht und ruft, wenn jemand sich nähert.« Homer war der Spitzname, dem sie einem der anderen gegeben hatten. Er liebte die Simpsons und schaute sie jedes Mal, sobald sie Wi-Fi hatten. Er war zufälligerweise auch schwul, also war er vertrauenswürdig.

Micah entspannte sich wieder und bewegte erneut seine Hüften in Banks’ festem Griff. Er war eigentlich gar nicht Micahs Typ, aber er war lustig und freundlich und sie hatten sich ab der ersten Woche ihres Irakeinsatzes gut verstanden. Nach einer gemeinsamen Wache und ein paar preisgegebenen Geheimnissen hatten sie realisiert, dass sie beide schwul waren. Eine gegenseitige Vereinbarung war getroffen worden, wonach sie sich gegenseitig aushalfen. Banks war jedoch der totale Top. Und während Micah beides mochte und das Gefühl, einen anderen Mann zu ficken, vermisste, war es immer noch besser, von Banks genommen und berührt zu werden, als sich darüber zu beschweren, dass er den Gefallen nicht zurückgeben konnte.

Micahs zufällige Gedanken lösten sich in Luft auf, als er die Spitze von Banks’ Finger in sein Loch dringen spürte. Er spielte einige Momente mit Micah, bevor er den Finger wieder herauszog und zwei Finger hineinschob, dann drei.

»Bist du bereit für mich, Micah?«, fragte Banks.

Micah nickte, spürte die wunderbare Dehnung und das leichte Brennen, als Banks sich an der ersten Barriere vorbeischob, an diesem engen Ring aus Muskeln in Micahs Spalte.

»So eng, Micah, so gut«, flüsterte Banks, stieß in ihn und zog sich wieder zurück. Er fuhr mit seiner Hand hinunter zu Micahs Schenkel, griff sein Bein und hob es ein wenig an, um noch tiefer einzudringen.

»Fuck!«, schrie Micah in das dampferfüllte Badezimmer und schlug eine Faust gegen die harten Kacheln der Dusche. Er hatte gerade begonnen die Erinnerung zu genießen, hatte gerade seine Finger um seinen steifen Schwanz gelegt, als die Erinnerung an Banks über ihn hereinbrach, der sein linkes Bein gegriffen und angehoben hatte, damit er noch tiefer in Micah eindringen und ihn durch die Wand vögeln könnte. Micah schloss die Augen und legte den Kopf gegen die kühlen Fliesen. Das Wasser war kalt geworden. Als er die Augen öffnete, war es das Erste, was er sah. Es war immer sein Hauptfokus: sein linkes Bein. Oder sein halbes Bein, wenn er ehrlich war.

Er hatte sich hundertmal oder sogar noch öfter an diesen Tag in der Duschkabine erinnert, davon geträumt, davon fantasiert, seit er diese verdammte Wüste verlassen hatte. Aber er war niemals in der Lage, über diesen Punkt zu kommen, an dem Banks in seiner Erinnerung sein Bein gegriffen hatte. Seine Gedanken wanderten automatisch zu dem Tag der Bombenattacke.

Jedes – verdammte – Mal.

Micah schloss die Augen erneut und atmete ein paar Mal tief durch, erdete sich in dem Moment. »Du bist nicht im Irak.« Er sprach die Worte sanft, versuchte seinen Körper davon zu überzeugen, dass Erinnerungen eben nur das waren: Erinnerungen. Dies war der Punkt, an dem es immer merkwürdig für ihn wurde. Der Teil seines Unterbewusstseins, der Schwierigkeiten damit hatte, zwischen Realität und Erinnerungen zu unterscheiden.

Ein sanftes Klopfen an der Badezimmertür ließ Micah sich anspannen und er schaffte es, nicht durchzudrehen und sich nicht von seinem Geist einreden zu lassen, dass er in Gefahr schwebte.

»Ich geh schon mal runter, seh dich da.« Gabes Stimme drang zu ihm und Micah entspannte sich, seufzte frustriert wegen seiner Reaktion auf bestimmte Geräusche.

»Okay, vielleicht sollte ich wirklich mit Tristan reden«, sagte Micah laut, obwohl er der Einzige im Raum war. Nun, abgesehen von den Erinnerungen an Banks und den Irak.

Kapitel 2 | Ein Schritt vorwärts

Der Lärm, der von der Küche kam, durchdrang Micahs Sinne bereits, bevor er halb die Treppe hinunter war. Er stoppte am Fuß der Treppe, stand dort und beobachtete das Chaos, das in diesem Haus als normal galt. Victor saß am Küchentisch, in eine Konversation mit Chris vertieft. Beide Männer hielten beinahe liebevoll ihre Kaffeetassen in den großen Händen. Andrew und Mattie waren beim Abwasch. Micah lächelte, als er sie sah. Andrew kitzelte Mattie immer wieder, der sich damit revanchierte, dass er Seifenwasser in Andrews Richtung spritzte. Gabe, Linc und Kory saßen am Tisch, redeten und lachten. Über was, wusste Micah nicht.

Es war alles … zu viel. Micah wirbelte herum und drückte seinen Körper an die Wand, wo ihn keiner der anderen sehen könnte, selbst wenn sie sich umdrehten und in Richtung Treppe schauten. Dort stand er, atmete tief ein und aus und versuchte zu entschlüsseln, was an der Normalität der Küche es war, das ihn an den Abgrund brachte.

»Micah, bist du okay?« Tristans tiefer Bariton brach durch den Nebel, der sich auf Micah gelegt hatte, und er öffnete die Augen, fokussierte langsam den gutaussehenden Mann, der nicht weit entfernt von ihm stand und ihn ansah, als wäre Micah eine Bombe kurz vor der Explosion.

Micah war gefangen in Tristans wunderschönen Augen, brachte kein Wort heraus. Das letzte Mal, als Micah ihn gesehen hatte, hatte er sein schwarzes Haar länger getragen. An diesem Tag erinnerte es ihn an die “High & Tights“-Schnitte, die in der Army üblich waren, aber Tristan stand er besser als jedem anderen, an den Micah sich erinnern konnte. Tristan war groß genug, dass Micah den Kopf heben musste, um ihn anzusehen, wenn sie nahe genug beieinanderstanden und er in diese Augen sehen wollte, die Wärme, Verständnis und Sicherheit versprachen. Er und Gabe hatten über die letzten Monate begonnen, Tristan zu vertrauen. Der Mann war eines Tages am Pool in ihr Leben gekommen und einfach geblieben. Es war vollkommen normal für Micah, dass er Tristan am Tisch sitzen und Kaffee trinken sah, wenn er die Treppe herunterkam. Er fügte sich so dynamisch in ihre merkwürdige Familie ein und niemand fragte sich, ob er dazugehörte. Er tat es einfach.

»Micah?« Tristan sprach ihn erneut an.

Micah schüttelte den Kopf, versuchte seine wandernden Gedanken zu ordnen. Er wich zurück, als Tristans Hand sich auf ihn zubewegte, aber atmete aus und entspannte sich, als Tristan ihn sanft an der Schulter griff. Er hatte diese großen Hände mit langen Fingern, die Micah sowohl nervös als auch neugierig machten. »Ich, äh … Mir geht’s gut!« Micah zuckte ob der Höhe seiner Stimme zusammen. Tristan lächelte nur. »Könntest du …? Könntest du mir eine Minute geben?«, fragte Micah.

»Nimm dir Zeit«, flüsterte Tristan, ging zur Küche und ließ Micah in dem relativ ruhigen, dunklen Flur zurück.

Micah wartete, bis seine Atmung wieder ruhiger war und sich seine Herzfrequenz normalisiert hatte. Als ob er nicht bereits einen ausreichend schlimmen Tag gehabt hätte mit diesem Albtraum, den Erinnerungen unter der Dusche und diesem Beinahezusammenbruch, nur weil er die anderen in der Küche beobachtet hatte.

Gott, reiß dich zusammen, Micah!, dachte er und fuhr sich mit seiner zitternden Hand durchs Haar.

Die verwirrenden Gefühle frustrierten ihn. Er wusste, dass er Gabe wollte. Schon seit dem ersten Tag, als sie sich getroffen hatten, obwohl Gabe damals noch mit Gio zusammengewesen war. Aber da war etwas an Tristan, das ihm die gleiche Reaktion entlockte, und er wusste nicht, was er mit diesen Gefühlen anfangen sollte. Wie er danach handeln sollte oder ob er das überhaupt sollte.

Gabe fragte, als Tristan die Küche betrat: »Wo ist Micah?«

»Er kommt gleich«, antwortete Tristan.

Micah nahm einen tiefen Atemzug, umrundete die Ecke und ging auf wackeligen Beinen in die Küche. »Morgen, zusammen, was gibt’s zum Frühstück?« Er versuchte so munter zu klingen wie möglich, und jeder kaufte es ihm ab. Jeder, außer Tristan.

»Da bist du ja! Ich dachte schon, wir müssten dich auf Eis legen, um dich wach zu kriegen.« Victor sprach wunderschön gebrochen und das brachte jeden dazu, für diesen Mann zu schwärmen.

»Ich glaub, er meint was anderes«, sagte Andrew lächelnd und warf einen nassen Spüllappen nach Victor.

Alle lachten, dann kehrten sie zurück zu ihren Gesprächen. Micah nahm sich den Stuhl neben Chris und setzte sich, goss sich Kaffee ein und griff nach einer Banane. In der Tischmitte lag ein Stapel Papier und Micah nahm sich eines davon und überflog es, während er aß und trank. Darauf war der Plan für den Rest des Monats und Micah sah, dass er drei Szenen zu drehen hatte. An diesem Tag eine mit Chris, Lincs Freund. Die beiden machten Micah nervös. Bei Dreharbeiten toppten beide ausschließlich, also fragte sich jeder, wie das wohl hinter geschlossenen Türen bei ihnen ablief. Obwohl sie bereits Szenen, selbst ein paar Dreier, zusammen gedreht hatten, war keiner von beiden anwesend, wenn der andere einen Dreh hatte, es sei denn, sie hatten eine gemeinsame Szene.

In der Woche danach würde er eine Szene mit William haben, worüber er froh war. Will war ein totaler Bottom, also würde Micah ihn toppen. Dann gab es noch eine Szene am Monatsende mit Dusty. Das würde wohl ein Flip-Fick werden, da sie beide vielseitig waren.

Victor schlug die Hände zusammen und stand auf; Micah zuckte zusammen. »Sind wir schon am Fertigsein?«, fragte Victor und verließ die Küche.

»Also wenn das keine rhetorische Frage war«, sagte Chris und legte eine Hand auf Micahs Schulter. »Bereit?«

Micah lächelte und stand auf. Er war so was von bereit dafür, dass ihn jemand berührte, auch wenn es nur für die Kamera war. Das interessierte ihn nicht. Micah hatte schon immer nach menschlichem Kontakt gelechzt, selbst als er noch ein Kind gewesen war. Aber seit er sein Coming-out gehabt hatte, rausgeworfen worden und der Army beigetreten war, war das ein wirklich seltenes Ereignis geworden. Besonders mit dem Stumpf und den Narben, die sorgfältig mit einer enormen Menge Tinte kaschiert waren, die seine Haut färbte. Niemand wollte den Kerl, dem ein Körperteil fehlte. Natürlich würde die Szene für die Seite sein und Chris hatte nicht diese Art Gefühle für ihn, aber Micah würde es verdammt noch mal in vollen Zügen genießen, dass ihm jemand für die nächsten Stunden seine volle Aufmerksamkeit schenkte.

Chris griff Micah am Ellbogen und zog ihn in eine Ecke des Zimmers, während Andrew und Rick, der zweite Kameramann, ihr Equipment startklar machten. »Gibt es irgendwas, das du nicht magst oder während der Szene nicht tun willst? Oder vielleicht etwas, das du mit mir machen möchtest oder was ich mit dir machen soll?«

Micah starrte perplex hinauf zu Chris. Er hatte bisher nur ein paar Szenen gedreht, und obwohl jedes der anderen Models, mit denen er gearbeitet hatte, anständig und seriös war und Micah nie wegen seines fehlenden Körperteils niedergemacht hatte, hatte niemand speziell gefragt, was er mochte oder nicht mochte. »Ich … nun … äh … Ich weiß nicht wirklich, wie ich das beantworten soll.« Micah bevorzugte immer die ehrliche Antwort.

Chris lächelte und nickte. »Okay, dann lass uns improvisieren. Ich gehe davon aus, dass du die Prothese nicht tragen wirst?«

»Stimmt.«

»Okay. Kann ich ebenfalls annehmen, dass du den Fokus lieber auf jedem anderen Körperteil haben willst, aber nicht auf …?« Chris gestikulierte in die Richtung von Micahs Bein. »Ich bin mir nicht sicher, was ich jetzt sagen soll.«

Micah lachte, streckte die Hand aus und tätschelte Chris’ Schulter. »Ist okay, Chris, du kannst es als das bezeichnen, was es ist, solange du es nicht in einem abfälligen Ton sagst. Es ist ein Stumpf.« Chris’ Gesicht brachte Micah beinahe dazu, laut loszulachen. Er sah aus, als hätte er in eine Kaki gebissen.

»Ja, aber … Nein, das klingt überhaupt nicht richtig«, sagte Chris und schüttelte den Kopf.

»Jungs, wir sind bereit für ein paar Vorabaufnahmen. Kann ich euch bitte auf dem Bett haben, damit wir checken können, ob das Licht stimmt?«, rief Andrew.

Chris legte seine Hand in die Mitte von Micahs Rücken. »Wir werden es rausfinden«, sagte er und schob Micah sanft vorwärts in Richtung des großen Polsterbetts.

Ab diesem Moment war Micah auf Autopilot. Es kamen Tu-dies-tu-das-Bein-hier-Arm-dort-Anweisungen, an die er sich in den letzten Monaten gewöhnt hatte, seit er bei All Cocks INC lebte und arbeitete. Diese Szene war jedoch irgendwie anders. Chris war definitiv derjenige, der das Sagen hatte, daran gab es keinen Zweifel. Aber er war ebenso aufmerksam, freundlich und sanft. Es war genau das, was Micah in diesem Moment brauchte: Von jemandem begehrt werden, auch wenn das bloß eine verdammte Lüge war. Er wusste, dass die Aufmerksamkeit, die Chris ihm zuteilwerden ließ, vorbei sein würde, sobald die Kamera ausging. Genau in diesem Moment jedoch saugte er jede Facette dessen auf, was Kris Alen ihm, Aiden Cox, gab.

Micah lag auf dem Rücken, atemlos und gesättigt, und starrte mit einem selbstzufriedenen Lächeln zum Deckenventilator. Diese Szene war alles, was er gewollt hatte, und zugleich so viel mehr. Chris’ Erfahrung und Professionalität waren während des Drehs, zusammen mit einigen anderen ziemlich großen Attributen, im Großformat zu sehen. Micah hatte buchstäblich nichts anderes zu tun, als sich zurückzulehnen und zu genießen. Natürlich gab es auch die obligatorischen Blowjobs, Rimming und absolut dreckigen Dirty Talk, aber Chris stellte sicher, dass Micahs fehlendes Bein selten zu sehen war, indem er ihn mit seinem Körper oder der weißen Decke schützte.

Als sie begannen, nahm er Micah von hinten und sorgte dafür, dass Andrew und Rick sich vor allem auf die rechte Seite des Bettes konzentrierten. Als er Micah umdrehte, winkte er die beiden zur anderen Seite und bedeckte den Stumpf mit der Decke. Micah war sich sicher, dass das fertige Video, das auf die Seite geladen wurde, seine Behinderung zu keiner Zeit zeigen würde, und Chris’ Umsicht an diesem Tag rührte ihn beinahe zu Tränen.

»Ich denke, das wäre geschafft, Jungs. Die nächsten Tage werd ich’s durchgehen und lasse euch wissen, wenn das finale Video fertig ist, damit wir es zusammen noch einmal prüfen können«, sagte Andrew, als er begann die Stative abzubauen.

Chris stand auf und zog sich an, aber Micah spürte noch immer die Nachwirkungen des Orgasmus, den er gerade gehabt hatte, also lehnte er ab, als Chris ihm eine Hand anbot. »Okay. Dann geh ich duschen, und wir sehen uns später unten.«

***

Gabe saß auf der kleinen Couch im Wohnzimmer, Tristan ihm schräg gegenüber in Victors großem, schwarzen Sessel. Er nahm sich ein paar Minuten, um Tristan anzusehen. Seine Aufmerksamkeit lag auf der Mappe und dem Papierstapel auf seinem Schoß. Schwarzes Haar, blaue Augen und ein leichter Bartschatten waren der Rahmen um Tristans attraktives und ausdrucksstarkes Gesicht. Wenn er lächelte, leuchteten seine Augen und die kleinen Fältchen um Mund und Augen kräuselten sich. Er vereinte die italienischen und irischen Merkmale seiner Herkunft in sich: stark und dominant, wenn er wütend oder frustriert war, leicht und schön, wenn er fröhlich oder amüsiert war. Und diese Hände … Tristan hatte große Hände mit langen, schlanken Fingern. Gabe fragte sich kurz, wie es sich wohl anfühlen würde, unter Tristans Führung einen Raum zu betreten. Wenn seine Hand in der Mitte seines Rückens läge, er mit nur einer Berührung sein Verlangen ausdrückte.

Nachdem Gio gestorben war, hatte Gabe nicht gedacht, dass er jemals wieder einen Mann ansehen würde, und erst recht nicht, dass er sich zu einem hingezogen fühlen würde. Und nun befand er sich in der wenig komfortablen Situation, sich zwischen zweien hin- und hergerissen zu fühlen: Tristan und Micah. Beide Männer hatten unwissend eine große Rolle dabei gespielt, Gabe nach der Schießerei von der Schwelle zum Wahnsinn zurückzuholen. Inzwischen verließ er sich mehr auf die beiden, als er wollte. Micah war vom Leben noch ärger erwischt worden als Gabe und trotzdem war er für ihn immer stark und präsent. Und dann war da noch Tristan. Von der ersten Sekunde an hatte Tristan ihn aufgefordert, dem Schmerz, den der Verlust seines Liebsten verursacht hatte, ins Gesicht zu sehen. Gabe fühlte sich nicht nur zu ihm hingezogen, sondern verließ sich vollkommen auf ihn.

Tristan legte die Mappe auf den Kaffeetisch. Das Geräusch ließ Gabe zusammenfahren. Nervös, weil er fürchtete, beim Tagträumen erwischt worden zu sein, sah er auf, doch Tristan lehnte sich zur Seite, um einen Stift aus seiner Tasche zu ziehen, die neben dem Sessel auf dem Boden stand. »Ah, okay, sorry, ich such grad alles zusammen«, sagte Tristan, sah Gabe an und lächelte. »In der letzten Sitzung haben wir darüber gesprochen, wie du nun weitermachen könntest. Hast du darüber nachgedacht, Gabe?«, fragte er und hielt seinen Kugelschreiber bereit, um was auch immer zu schreiben, was Tristan eben aufschrieb, wenn sie diese Sitzungen hatten.

»Ähm, ja, hab ich. Ich weiß, dass ich nicht weiter Pornos drehen will. Die Produktion und das Redigieren mit Andy machen mit Spaß. Er sagte letzte Woche, dass sie noch weitere Models einstellen wollen und dann mehr drehen, sodass er mich dann als Vollzeitkraft braucht.« Gabe rutschte unruhig hin und her. Er vertraute Tristan vollkommen, aber sein Innerstes in diesen Sitzungen so zu entblößen, ließ ihn sich immer verwundbar fühlen.

»Das ist großartig, Gabe, und auf jeden Fall ein positiver Schritt nach vorn für dich. Aber kannst du mir sagen, warum du keine Pornos mehr drehen willst?« Es lag nichts Bösartiges in Tristans Stimme, als er die Frage stellte, aber Gabe war sich sicher, dass seine Haltung steifer wurde.

Gabe schüttelte den Kopf. »Dieser Teil meines Lebens liegt hinter mir und auf irgendeine merkwürdige Weise habe ich das Gefühl, dass es Gios Andenken gegenüber respektlos wäre, wenn ich dorthin zurückkehren würde. Ergibt das Sinn?«

»Ja, natürlich. Und ich glaube, es ist mental, physisch und emotional gut für dich, wenn du Schritt für Schritt weitergehst. Lebe nicht in der Vergangenheit und versuche nicht, dorthin zurückzugehen.«

Gabe sog die Luft ein, sein Körper war starr.

Tristan hob die Hände und schüttelte den Kopf. »Tut mir leid, das kam falsch an. Was ich meinte, war, dass der Pornodreh in der Vergangenheit liegt und ich denke, dass es wahrscheinlich die beste Idee ist, wenn du andere Wege gehst.«

Gabe ließ den Atem los, den er angehalten hatte, entspannte seinen Körper und nickte. »Ich weiß. Das ist aber nicht so einfach, weißt du? Ich hab es noch immer nicht über mich gebracht, all die Kisten aus der Wohnung durchzugehen. Seine Eltern waren drin, bevor das Umzugsunternehmen kam, und haben alles mitgenommen, was sie wollten, aber ich weiß, dass da noch immer sehr viel ist, und ich weiß nicht, ob ich es schaffe, mir das alles anzusehen.«

»Das ist ein berechtigtes Gefühl, Gabe. Sag, hast du schon mal darüber nachgedacht, jemanden zu bitten, mit dir zusammen zum Lager zu fahren?«, fragte Tristan.

Gabe schüttelte den Kopf und starrte auf seine Hände, die er in seinem Schoß verschränkt hielt.

»Wirst du zumindest darüber nachdenken, jemanden zu fragen? Ich bin mir sicher, dass jeder hier mit dir gehen würde. Ich würde, wenn du fragen würdest.«

Gabe sah auf, seine Augen waren groß. »Du würdest?«