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Jon Brennan stammt aus einer langen Reihe von Männern in Uniform, alle erzogen, um zu bluten und blau zu tragen. Seine Familie und die meisten seiner Kollegen unterstützen ihn auf seinem Weg, sodass er die Tatsache nicht verbergen muss, Männer Frauen vorzuziehen. Zwischen Beruf und seiner lauten und sehr lebendigen irisch-italienischen Familie bleibt nicht viel Zeit für Verabredungen und noch viel weniger, um jemanden zu finden, der mit dem Stress und der Verantwortung umgehen kann, die auf den Schultern eines NYPD Detectives lastet. Kory White ist großspurig und grob im Umgang mit den meisten Menschen, aber das ist alles eine Illusion, eine Maske, hinter der er sich versteckt, um sein Herz zu schützen. Diese beiden starken Charaktere zeigen, dass sich Gegensätze anziehen. Beide sind stur und dickköpfig in jeder Hinsicht und sogar angesichts der schlimmsten Widrigkeiten weigern sie sich, einander oder ihre Liebe aufzugeben. Band 3 der All Cocks-Reihe.
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Seitenzahl: 234
Veröffentlichungsjahr: 2018
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EineAll CocksGeschichte
von TM Smith
Aus dem Englischen von Eleanor Sturm
© dead soft verlag, Mettingen 2018
http://www.deadsoft.de
© TTC Publishing
http://www.ttcbooksandmore.com
Übersetzung: Eleanor Sturm
Cover: Irene Repp
http://www.daylinart.webnode.com
Bildrechte:
© Volodymyr Tverdokhlib – shutterstock.com
1. Auflage
ISBN 978-3-96089-207-6
Jon Brennan stammt aus einer langen Reihe von Männern in Uniform, alle erzogen, um zu bluten und blau zu tragen. Seine Familie und die meisten seiner Kollegen unterstützen ihn auf seinem Weg, sodass er die Tatsache nicht verbergen muss, Männer Frauen vorzuziehen. Zwischen Beruf und seiner lauten und sehr lebendigen irisch-italienischen Familie bleibt nicht viel Zeit für Verabredungen und noch viel weniger, um jemanden zu finden, der mit dem Stress und der Verantwortung umgehen kann, die auf den Schultern eines NYPD Detectives lastet.
Kory White ist großspurig und grob im Umgang mit den meisten Menschen, aber das ist alles eine Illusion, eine Maske, hinter der er sich versteckt, um sein Herz zu schützen.
Diese beiden starken Charaktere zeigen, dass sich Gegensätze anziehen. Beide sind stur und dickköpfig in jeder Hinsicht und sogar angesichts der schlimmsten Widrigkeiten weigern sie sich, einander oder ihre Liebe aufzugeben.
Für die Männer und Frauen, die bluten und blau tragen – für die Risiken, die ihr tragt, erhaltet ihr viel weniger Lohn und Dankbarkeit, als ihr verdient.
Das Letzte, was Jon wollte, war einen Anruf über eine mögliche Drogenüberdosis in einem lokalen Club annehmen zu müssen. Er hatte bereits eine Zwölf-Stunden-Schicht hinter sich und während des Abendessens bei seiner Familie bereits unzählige Fragen über sich ergehen lassen müssen, als sein Pager piepte und ihn in den Club Berlin zitierte, um einen Kollegen zu unterstützen.
Ralph Martin war ein glatzköpfiger, dickbäuchiger Detective mittleren Alters, der es fertigbrachte, jeden Menschen innerhalb eines Zehn-Meilen-Radius zu verärgern. Zumindest, wenn er es denn einmal schaffte, seinen übergewichtigen Arsch aus dem Bürostuhl zu hieven, zu seinem Auto zu watscheln und zum Tatort zu fahren. Jon wusste, wenn er während seiner Freizeit zu einem Tatort gerufen wurde, besonders zu einem Tatort in einen Schwulenclub, standen die Chancen sehr hoch, dass Schwule involviert waren. Mehr als einmal schon hatte er sich einmischen müssen, als der homophobe Detective Zeugen beschimpft und beleidigt hatte – an einem Tatort hatte er sogar die Opfer beschimpft.
Jon parkte seinen Wagen in der Allee hinter dem Club. Der Tatort war ein organisiertes Chaos; die Lichter und die laute Musik des laufenden Events im Club Berlin füllten immer noch die Nachtluft und zogen Menschen an, obwohl jeder im Club, der nicht beteiligt war, bereits hinauseskortiert worden war. Jon ging in den Club und begrüßte auf seinem Weg einige Kollegen, die er kannte.
„Hey Bobby, denkst du, wir könnten die Musik und die Lichter ausschalten?“, fragte er einen Cop, den er vom Gottesdienst am Sonntag kannte. Bobby nickte, drehte sich um, ging Richtung DJ und einige Sekunden später verstummte die Musik. In nächsten Augenblick vernahm Jon eine zornige, tiefe und ausländisch klingende Stimme. Wer auch immer der brüllende Mann war, Englisch war nicht seine Muttersprache, und er kochte vor Wut.
Jon drehte sich langsam im Kreis und kontrollierte, dass sich keiner mehr im Club aufhielt, bevor er dem Klang der wütenden Stimme folgte, die von den Wänden widerhallte.
„Arschloch.“ Jon stöhnte in sich hinein, als er den Barbereich betrat und Detective Martin sah. Er stand stocksteif da, Angesicht zu Angesicht mit einem sehr bedrohlich wirkenden Mann, dessen Augen Funken zu sprühen schienen. Jon rollte mit den Augen und wollte sich gerade einmischen, als ein ihm bekanntes Gesicht seine Aufmerksamkeit auf sich zog.
Hinter dem cholerischen Mann stand Hayden Cox, Jons favorisierter Pornostar. Zum allerersten Mal war Jon starr und sprachlos. Seine Mitgliedschaft bei der schwulen Pornoseite „All Cocks“ war ihm sehr wichtig, aber er hätte sich nie vorstellen können, dass er eines der Models persönlich treffen würde, schon gar nicht seinen Favoriten, Hayden Cox, den großspurigen, selbstbewussten Star der Seite. Jon benötigte ein paar Sekunden, um zu realisieren, was er sah, aber sobald er wieder klar denken konnte, war er sich sicher, dass der große Mann bei Detective Martin der Eigentümer von All Cocks Inc., Victor Dimir, war.
Jon wusste nicht, wie lange er still dastand. Er beobachtete Hayden, als dieser versuchte, den größeren Mann von Dick Martin wegzuziehen. Dann kam noch ein anderer Mann hinzu, kleiner und blond, legte einen Arm um Victor Dimirs Hüfte und bettelte ihn an, sich zu beruhigen und zu setzen.
Jon setzte sich in Bewegung, ging zu den Männern und erklärte Dick, dass er übernehmen und die Zeugenaussagen aufnehmen würde. Er versuchte, sich für Dicks Verhalten zu entschuldigen, aber Mr. Dimir wollte nichts davon wissen.
Es war hart für Jon, sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren, weil der Mann, auf den er seit drei Jahren heiß war und über den er schon so oft fantasiert hatte, so nah bei ihm stand, dass er ihn hätte berühren können. Hayden war etwas kleiner, als er im Internet wirkte, aber sein Körper war definiert und fit. Jeans und T-Shirt schmiegten sich an jeden Muskel und jede Kurve seines heißen Körpers. Und diese Augen! Jon musste ein paar Mal blinzeln und sich erneut auf die Situation konzentrieren, weil er so gefangen war vom goldenen Schimmer dieser Bernsteinaugen. Er musste regelrecht dagegen ankämpfen, Hayden zu packen und ihn nahe genug an sich zu ziehen, dass er seinen Duft einatmen konnte.
Jon schaffte es, sich zu beherrschen, und beendete die Aufnahme der Zeugenaussagen. Später im Krankenhaus war es noch schwieriger, sich Hayden nicht zu nähern, aber Jon brachte es wieder fertig und verließ das Krankenhaus, ohne mit ihm gesprochen zu haben. Hauptsächlich, weil die beiden Partner des Opfers, Matthew Carlson, ihm mit ihrer Wut das Fürchten lehrten – und Jon war nicht leicht einzuschüchtern.
Jon meldete sich ein paar Tage später freiwillig, zum Haus des Opfers auf Mamaroneck Island zu fahren, um herauszufinden, ob eine Anzeige erstattet werden sollte. Zu Jons Überraschung öffnete Hayden die Tür und ließ ihn ins Haus. Als Jon sich vorstellte und ihm seine Hand entgegenstreckte, stellte sich sein Schwarm als Kory vor. Kory, ja, er mochte es und der Name schien besser zu seiner Persönlichkeit zu passen, als sein Alias Hayden.
Da er wusste, dass er diese Gelegenheit nie wieder bekommen würde, gab Jon Kory seine Karte, bevor er das große Haus verließ. „Rufen Sie mich an, jederzeit“, sagte er. Für ein paar Tage war er nervös und ängstlich. Nach einer Woche hatte er seine Nervosität überwunden. Er war zu der Überzeugung gekommen, dass Kory seine Karte, keine fünf Minuten nachdem er sie ihm gegeben hatte, einfach in den Müll geworfen hatte, als sein Telefon klingelte.
Kory fuhr sich mit seinen Fingern durchs Haar und überlegte, ob er es stylen oder einfach an der Luft trocknen lassen sollte. Er hatte endlich aufgegeben und Jon angerufen, um eine Verabredung mit ihm zu vereinbaren. Noch immer konnte er sich lebhaft an Jons fesselnde Augen in dieser Nacht im Club Berlin erinnern, diese glimmenden Augen in einem Grün, wie Kory es noch nie zuvor gesehen hatte. Und dann an den erneuten Blickwechsel im Krankenhaus. Kory hatte das Gefühl gehabt, jemand würde ihn beobachten, und als er sich umgedreht hatte, war er Jons festem Blick begegnet.
Diese beiden Umstände, die Visitenkarte, seine letzten Worte, als Jon Victors Haus verlassen hatte, „Rufen Sie mich an, jederzeit“, verbunden mit diesem festen Blick, waren Beweis genug, dass sich Jon um Korys Aufmerksamkeit bemüht hatte.
Es war nicht so, dass Kory nicht an Detective Jon Brennan interessiert wäre – er war definitiv interessiert. Es war sein Überlebensinstinkt, der ihn nach einem Leben voller Schmerz und Enttäuschungen jedes Mal zögern ließ, wenn er Jons Karte in den Händen hielt. Obwohl sich Kory ziemlich sicher war, dass Jon an ihm und nicht seiner Online-Persönlichkeit interessiert war und ihn nie absichtlich verletzen würde, wusste er auch, dass das Leben ein verbittertes, gemeines Miststück war. Deshalb versteckte er sich hinter der Fassade, die er um sich herum aufgebaut hatte. Da war etwas an diesem Detective, was ihm unter die Haut ging, obwohl sie nicht mehr als ein paar Worte gewechselt hatten. Jon war offensichtlich vernarrt in ihn und hatte definitiv Korys Interesse geweckt.
Kory hatte seit Jahren kein Date mehr gehabt und war deswegen aus der Übung. Abgesehen von seinen inneren Dämonen war auch seine Arbeit nicht wirklich förderlich für Verabredungen. Die meisten Männer, die Kory anzog, wollten nur Berühmtheit erlangen, indem sie sich mit einem schwulen Pornostar trafen, oder sie wollten ihn benutzen, um an andere Models heranzukommen, die sie heiß fanden. Außerdem gab es noch diejenigen, die er wirklich mochte, die aber so schnell davonliefen, wie sie ihre Füße trugen, wenn sie herausfanden, womit er sich seinen Lebensunterhalt verdiente. Die Stimme in seinem Kopf sagte ihm Jon ist nicht so. Aber die Wahrheit war, dass Kory Jon nicht kannte. Er schob seine Bedenken beiseite und entschied sich, seinen Abend zu genießen und herauszufinden, was Jon Brennan für ein Mann war.
Mit einem Blick zur Seite prüfte Kory sein Profil im Spiegel. Er wollte gut aussehen, aber nicht den Eindruck erwecken, dass er es zu sehr versuchte. Er hatte sich für seine Lieblingsjeans von ‚The Buckle‘ und ein langärmliges, blaues Henley-Hemd von ‚The Gap‘ entschieden. Jon und er hatten sich für ihr Date nicht auf etwas Ausgefallenes, sondern für eine Sportbar in der Nähe geeinigt, um sich auf ein Bier und Hot Wings zu treffen, aber Kory wollte trotzdem gut aussehen. Er erschrak, als es an der Tür klingelte, und lachte dann seinem Spiegelbild zu. Kory beeilte sich, fertig zu werden, putzte sich die Zähne, pinkelte, wusch sich die Hände und erschrak wieder, als er die Badezimmertür öffnete und fast in Dusty rannte.
„Jesus Christus, Dusty! Du hättest klopfen können. Warn mich vor, wenn du vor der Tür herumlungerst!“, schimpfte Kory mit seinem Zimmerkollegen und besten Freund.
„Dein Loverboy wartet im Wohnzimmer auf dich. Du hast zwar gesagt, er wäre heiß, aber du hast nicht erwähnt, dass er die lebende Version von Don Flack mit glimmend grünen Augen ist. Und dieser Akzent … der ist es wert, dafür in Ohnmacht zu fallen!“, sagte Dusty, während er sich dramatisch Luft zufächelte, als wären es mindestens hundert Grad in ihrem Apartment.
Kory lachte nur, schob Dusty zur Seite und ging ins Schlafzimmer, um seine Schuhe anzuziehen und seine Jacke zu holen. Er war an Dusty und dessen Hang zur Dramatik schon lange gewöhnt. Er hatte recht, Jon wies eine verblüffende Ähnlichkeit zu Don Flack, einem Detective von CSI New York, auf. Sie hatten letztens erst einen Serienmarathon gemacht, als die Serie auf Netflix erschienen war. Kory konnte sich daran erinnern, dass er dasselbe gedacht hatte, als er Jon das erste Mal im Club Berlin getroffen hatte. Er war groß, gut gebaut, hatte schwarzes Haar, diesen Akzent und einen Dreitagebart wie Eddie Cahill, der Schauspieler, der Flack in der Serie verkörperte. Die einzigen Unterschiede waren, dass Jon grüne, keine blauen Augen hatte und dass sein Haar sich in einem konstant wirren Zustand befand, während hingegen Flacks Haar immer perfekt gestylt war.
Dusty lehnte sich gegen Korys Schlafzimmertür, breit lächelnd wie die Grinsekatze aus Alice im Wunderland. Kory kannte dieses Grinsen, ein Grinsen, das Ärger versprach, der normalerweise nicht lange auf sich warten ließ.
„Was auch immer du zu sagen oder tun gedenkst, vergiss es.“ Kory versuchte, ernst zu klingen, schaffte jedoch nicht, die Heiterkeit in seiner Stimme zu verbergen. Dusty heuchelte Unschuld und zuckte mit den Schultern, was so viel ausdrücken sollte wie ... Wer? Ich?
Kory schob Dusty wieder zur Seite und betete, dass er Jon aus dem Apartment bringen konnte, bevor Dusty die Chance bekam, etwas Peinliches zu tun oder zu sagen. Jon hatte ihm den Rücken zugewandt, als Kory ins Wohnzimmer kam. Kory blieb stehen und bewunderte diese Aussicht für ein paar Sekunden, ehe Dusty sich hinter ihn stellte, ihm einen Klaps auf den Hintern gab und ihm zuflüsterte: „Benimm dich.“
„Schau, wen ich gefunden habe“, sagte Dusty. Jon drehte sich um und lächelte, als er Kory sah. Die drei unterhielten sich für ein paar Minuten, ehe Jon Kory fragte, ob er fertig wäre, um zu gehen.
„Jungs, habt Spaß und benehmt euch.“ Dusty zwinkerte Jon zu.
„Hast du dein Handy?“, fragte Dusty und Kory nickte.
„Deine Geldbörse?“ Kory rollte mit den Augen, nickte wieder, zog die Eingangstür auf und winkte Jon zu, hinauszugehen.
„Kondome?“ Korys Hand fror am Türknauf fest und er atmete hörbar aus, als er hörte, wie Jon ein Lachen ausstieß.
„Gute Nacht, Dusty“, knurrte Kory durch seine zusammengebissenen Zähne, was Jon nur noch lauter lachen ließ.
Jon drehte sich um, winkte Dusty zu und grinste von einem Ohr zum anderen, während er sagte: „Es war schön, dich kennenzulernen, Dusty, hoffentlich sehen wir uns bald wieder.“
Dusty warf dem sexy Detective einen Handkuss zu, als er die Tür schloss. Jon legte einen Arm um Korys Schultern und tat sein Bestes, nicht zu lachen, als er Korys rote Wangen registrierte. „Und? Hast du?“, fragte Jon.
Kory sah ihn an, die Verwirrung stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. „Habe ich was?“
„An die Kondome gedacht?“ Jon schaffte es, das auszusprechen, ohne zu lachen, und versuchte, ernst zu bleiben, aber seine Lippen bebten, während er das Lachen unterdrückte.
Wäre es möglich gewesen, Kory wäre noch röter geworden, bevor er Jon spielerisch schubste. „Halt den Mund.“
***
Jon war nicht sicher, was Dustys Beweggrund gewesen war, aber seine komödiantische Einlage hatte Korys Nerven etwas beruhigt; die abweisende Haltung, die Kory anfangs Jon gegenüber gezeigt hatte, war für den Rest des Abends verschwunden. Die Sportbar war ein beliebter Treffpunkt für gemischte Paare. Den Eigentümern war es vollkommen egal, ob die Gäste schwul, hetero, lesbisch oder Orang-Utans waren – solange sie Manieren hatten, die Rechnung bezahlten und der Bedienung Trinkgeld gaben. Jon liebte die Atmosphäre und das Essen und heute Abend liebte er auch die Gesellschaft.
„Das ist eine großartige Bar. Ich kann nicht glauben, dass ich noch nie hier gewesen bin.“ Kory sah sich um und bemerkte das schlichte Dekor, überwiegend Fanartikel und diese kitschigen Barspiegel, die leuchteten, wenn man sie an den Strom anschloss. Als Kory wieder zu Jon sah, ertappte er ihn dabei, wie der ihn anstarrte. „Was?“, fragte Kory, sah auf sein Hemd, doch da war nichts. Als er sich durchs Haar fuhr, erinnerte er sich, dass er nichts damit gemacht hatte, er hatte sich nicht einmal gekämmt, bevor sie gegangen waren. „Oh, sind meine Haare zerzaust?“
Jon lachte und das Lachen ließ seine Augen leuchten. „Würdest du aufhören? Beruhige dich, ich sehe dich nur an, das ist alles.“ Er griff über den Tisch nach Korys Hand. Kory wurde wieder rot, sah auf ihre Hände und lächelte. Jon berührte Korys Wange, er wollte die Wärme dieser Röte an seinen Fingerspitzen spüren. Natürlich kam der Kellner genau in diesem Augenblick an ihren Tisch.
Sie bestellten sich einen Teller Chicken Wings, einen Korb mit Pommes mit extra Ranch-Soße und einen Krug Bier. Kory verhielt sich ruhig, lugte alle paar Sekunden in Jons Richtung, grinste und sah wieder weg. Jon studierte sein Date, versuchte jede Bewegung, jedes Erröten und jedes Grinsen zu entschlüsseln. Der Mann, der ihm gegenübersaß, hatte nichts mit dem Mann zu tun, den Jon in den letzten paar Jahren hunderte Male in Filmen gesehen hatte. Hayden Cox war dominant, anspruchsvoll und sehr sexy. Kory White war zurückhaltend und sonderbar, fast schon schüchtern. Die eine Sache, die Kory und sein Alter Ego gemeinsam hatten, abgesehen davon, dass er unglaublich gut aussah, war seine Keckheit. Er war ein Rätsel, das Jon Stück für Stück lösen wollte.
„Diese peinliche Stille bringt mich um, warum bringen wir also nicht das unangenehme Thema hinter uns und machen uns dann einen schönen Abend, einverstanden?“, platzte Jon heraus und Kory nickte.
Kory nahm einen großen Schluck aus seinem Glas, stellte es ab und schenkte Jon seine ganze Aufmerksamkeit. „Okay, frag nur.“
„Okay, aber bevor ich dich irgendetwas frage, möchte ich, dass du weißt, dass es mir egal ist. Es stört mich nicht und obwohl ich ein großer Fan deiner Arbeit bin, möchte ich Kory kennenlernen. Ich will mich mit Kory verabreden, nicht mit Hayden Cox.“ Jon musste das sagen, bevor sie weitermachten. Er musste sicher sein, dass Kory verstand, dass er kein fanatischer Psycho-Fan war. Kory nickte und schenkte Jon das bezauberndste Lächeln, das er je in diesem schönen Gesicht gesehen hatte.
„Warum Schwulenpornos?“, fiel Jon mit der Tür ins Haus.
Kory kicherte und beantwortete Jons Frage mit einer Gegenfrage – „Warum nicht?“ – und zuckte mit den Schultern.
Jon hob eine Augenbraue, was Korys Kichern in ein Lachen umschlagen ließ. Er hob beschwichtigend die Hände und sagte: „Okay, okay, lange Rede, kurzer Sinn. Ich hatte eine schlimme Trennung hinter mir und brauchte schnell Geld, um meine Rechnungen zu bezahlen. Ich hab die Flyer für All Cocks auf der Toilette einer Schwulenbar gesehen und ein Vorstellungsgespräch ausgemacht.“
Kory hob einen Finger. „Ich bin schwul.“ Einen zweiten Finger. „Ich war Single.“ Einen dritten. „Ich wurde sofort bei jedem Termin bezahlt.“ Und dann noch einen vierten. „Ich konnte ficken, wann immer ich wollte, ohne weitere Bedingungen.“ Er zuckte mit den Schultern.
Jon starrte ihn sprachlos an. Die ersten drei Finger hatte er erwartet, der vierte überrumpelte ihn.
Dieses Mal griff Kory nach Jons Händen, hielt sie und strich sanft mit seinen Daumen über Jons Knöchel. „Diese schlimme Trennung, die ich erwähnt habe. Sie ist passiert, weil wir nicht ehrlich zueinander gewesen sind. Ich bin normalerweise keine sehr offene Person, Jon. Ich bleibe gern für mich, halte Menschen meist mindestens eine Armlänge auf Abstand. Es ist einfacher für mich, Hayden Cox zu sein, der dreiste, selbstsichere Pornostar, als Kory White, der kaputte Kerl mit den Komplexen und den Verlustängsten.“
Jon pfiff leise. „Wow.“
„Wow?“ Kory sah ihn misstrauisch an.
„Ja, wow. Ich denke, ich habe in sechzig Sekunden mehr über dich gelernt, als die meisten in einem Jahr lernen würden.“ Jon lächelte ihn vorsichtig an.
Kory schnaubte. „Ja, na ja, du solltest wissen, Jon, ich bin ein Läufer.“
„Das bin ich auch.“ Jon grinste lasziv.
„Nein, du verstehst nicht. Ich kann mit Druck oder Stress nicht umgehen. Ich schalte ab und renne. Deswegen bin ich single. Nun ja, das und die Pornos. Du solltest dir einen Gefallen tun und jetzt gehen“, meinte Kory ausdruckslos.
„Nun, dann solltest du wissen, dass ich nicht so leicht aufgebe. Wenn ich etwas sehe, was ich haben möchte, verfolge ich es. Gerade eben will ich dich und ich kann sehr, sehr schnell rennen. Du solltest aufpassen, ich könnte dich erwischen.“ Jon genoss den verblüfften Blick auf Korys Gesicht. Es dauerte etwa zehn Sekunden, bis Jon sehen konnte, dass sich die Räder in Korys Kopf wieder drehten. Eine Retourkutsche war auf dem Weg von Korys Hirn zu seinen Lippen, aber, Gott sei Dank, brachte der Kellner genau in dem Moment ihr Essen.
Mit vollem Mund saßen sie eine Weile relativ ruhig da, bis Kory Jon anstupste und mehr über ihn und sein Leben wissen wollte. „Also, bist du Italiener oder Ire?“, fragte Kory zwischen zwei Bissen Hühnchen. Er wollte nur dasitzen und Jon für eine Weile zuhören. Sein Akzent war höllisch sexy – die Art, wie er das „R“ gelegentlich durch ein „H“ ersetzte, dieser Boston Harvard-Tonfall, der unter der Oberfläche ständig präsent war.
„Beides eigentlich. Meine Mutter ist Italienerin und mein Vater Ire. Beide geboren und aufgewachsen in Queens. Sie sind schon seit der Highschool zusammen, Gott sei Dank. Kein anderer hätte mit den Bergen von Scheiße umgehen können, die sie sich gegenseitig an den Kopf werfen, so viel ist sicher. Abgesehen davon habe ich nie zwei Menschen gesehen, die sich und ihre Kinder mehr geliebt hätten.“ Jon lächelte, als schwelge er in Erinnerungen. Italienisch, irisch, katholisch und Polizist. Das erklärte den Akzent, die selbstsichere Haltung und einiges andere.
„Brennan ist ein irischer Nachname, aber Jon? Das ist weder italienisch noch irisch“, meinte Kory.
„Jon ist die Kurzform von Jonathon, nach meinem Großvater mütterlicherseits“, erwiderte Jon.
Zum Glück lag die Aufmerksamkeit nun auf Jon. Kory lehnte sich zurück und hörte all den Geschichten zu, die Jon ihm erzählte; über das Aufwachsen mit drei Brüdern in einer konservativ-traditionellen Familie, die versuchte, zwei absolut verschiedene Kulturen miteinander zu vereinbaren. Eine Familie, die auch im Glauben stark verwurzelt war und eine ganze Reihe von Männern hervorgebracht hatte, die Blau trugen. Jon arbeitete in der fünften Generation für das NYPD als Detective, ebenso wie zwei seiner Brüder – es war sozusagen ein Familienunternehmen. Salvatore und Raphael Brennan, kurz Sal und Rafe, waren beide ebenfalls NYPD. Jon und Sal waren Detectives. Jon arbeitete zeitweise Undercover und Rafe bei der Spurensicherung. Tristan Brennan, benannt nach seinem Urgroßvater, ging auf die medizinische Hochschule in Harvard.
„Jede Familie hat ein schwarzes Schaf, Tris ist unseres“, erklärte Jon mit einem Schulterzucken.
„Ja, aber er will Arzt werden. Wie kann das schlecht sein, Jon? Sind eure Eltern wirklich nicht glücklich damit?“ Kory war etwas verwirrt. Da er die meiste Zeit in seinem Leben allein gewesen war, verstand er die Abläufe in großen Familien nicht und schon gar nicht den Wahnsinn, wenn man irisches und italienisches Blut und somit deren Gene mischte.
„Ich sollte das wohl erklären oder?“, fragte Jon mit einem Schimmern in seinen grünen Augen. „Tris ist zur Schule gegangen und Therapeut geworden, damit er als Berater arbeiten konnte. Die Arbeit hat ihm so viel Spaß gemacht, dass er beschlossen hat, wieder zur Schule zu gehen, zur medizinischen Hochschule, um genau zu sein. Dort macht er seinen Doktor in Psychiatrie. Kory, an einem guten Tag ist unsere Familie total irre. Tris könnte seine Doktorarbeit vermutlich über die Geschehnisse schreiben, die das Weihnachtsessen im Hause Brennan umgeben. Ich meine, versteh mich nicht falsch, wir sind alle stolz auf ihn. Er ist vermutlich der Klügste von uns allen, aber Psychiater?“
„Wer ist der Älteste?“, fragte Kory.
Diesmal zählte Jon mit den Fingern „Sal ist der Älteste, dann kommt Tris, danach ich und Rafe.“ Jon lachte los. „Mutter dachte, es wäre erledigt nach mir, Rafe war eine Überraschung.“
Sie saßen eine Weile still, aßen und tranken.
„Und was ist mit dir? Hast du Geschwister oder bist du ein Einzelkind?“, hakte Jon nach.
„Ich habe keine Familie, es gibt nur mich.“ Kory lächelte, aber der Glanz, der normalerweise in seinem Lächeln zu sehen war, erreichte Korys Augen nicht. Jon schob diese Erkenntnis für einen späteren Zeitpunkt zur Seite.
Kory schaute auf seine Uhr und war überrascht, zu sehen, dass bereits vier Stunden vergangen waren, seit Jon ihn abgeholt hatte. Als der Kellner die Rechnung brachte, stritten sie kurz, wer zahlen würde. Aber Kory bestand darauf, die Rechnung zu begleichen, da er derjenige gewesen war, der Jon um die Verabredung gebeten hatte. Es war fast Mitternacht, als sie bei Korys Wohnung ankamen. Unsicherheit überkam Kory, als sie still im Aufzug nach oben fuhren. Sollte er Jon mit hineinbitten? An der Tür Gute Nacht sagen? Der Lift läutete und als sich die Türen öffneten, folgte Jon Kory den Gang entlang. Vor seiner Tür standen sie für einige Sekunden wie erstarrt. Gott sei Dank entschied Jon für sie.
„Kory, ich hatte heute einen großartigen Abend. Ich hoffe, wir können das bald wiederholen.“
Jons Stimme klang aufrichtig und das ließ Kory lächeln.
„Ja, mir hat es auch sehr gut gefallen.“ Kory war überrascht, wie viel Spaß er mit Jon gehabt hatte und dass er nicht hatte vorgeben müssen, Hayden zu sein. Es war erfrischend.
Kory sah, dass sich Jon langsam zu ihm beugte und schloss seine Augen für einen ersten Kuss. Er musste laut lachen, als Jon nur seine Wange küsste und sich dann zurückzog. „Gute Nacht, Kory.“ Und damit machte er sich auf den Weg zurück zum Aufzug. Kory war so fasziniert von Jons Arsch, als er wegging, und dann von seinen Augen, als er ihn vom Aufzug aus ansah, dass er fast vergaß, was er ihn hatte fragen wollen.
„Warte!“, rief Kory gerade noch, bevor sich die Türen schlossen. Jon konnte seinen Fuß zwischen die Türen schieben und so öffneten sie sich wieder.
Kory lief den Gang hinunter und hielt vor dem offenen Aufzug an. Jon hatte seine Arme ausgestreckt und hielt die Türen auseinander. Kory war so gefesselt von diesen breiten Schultern, die den Stoff des Shirts fast zum Zerreißen spannten, dass er beinahe über seine eigenen Füße gestolpert wäre. „Am Labor-Day-Wochenende haben wir eine Grillparty im Haus. Möchtest du mich begleiten?“
Jon lächelte und nickte. „Ich muss vorher noch bei meinen Eltern vorbeischauen, aber danach bin ich ganz dein.“
„Dann ist es ein Date“, sagte Kory lächelnd und Jon konnte nicht widerstehen, er musste sich aus dem Aufzug lehnen und ihn auf den Mund küssen. Es war nur ein flüchtiger Kuss, ehe Jon zurücktrat und die Türen sich schließlich schlossen. Kory stand noch einige Sekunden grinsend wie ein Idiot da und ging dann zurück zu seinem Apartment.
Dusty saß auf der Couch, hatte die Füße auf dem Couchtisch und die Fernbedienung in der Hand, als Kory hereinkam. „Hey! Du bist aber früh zu Hause. Wie war dein Date?“ Dusty war außer Atem und Kory wusste genau, warum. Der kleine Spanner hatte hinter der Tür gestanden, sein Ohr daran gepresst und gelauscht, als er und Jon sich verabschiedet hatten. Vermutlich hatte er seinen Arsch über den Stuhl auf die Couch katapultiert, als er den Schlüssel im Schloss gehört hatte.
Kory starrte ihn an, versuchte grimmig dreinzuschauen, konnte sein Grinsen aber nicht unterdrücken. „Gute Nacht, Dusty.“
„Du bist nicht lustig!“, rief ihm Dusty hinterher, als Kory die Tür zu seinem Schlafzimmer und damit auch diese Unterhaltung schloss.
An dem Tag, an dem das Grillfest stattfand, verließ Jon das Haus gemeinsam mit Kory. Es war schön, Mattie und seine Partner wiederzusehen, zu sehen, dass es Mattie gut ging. Es kam nicht oft vor, dass Jon die Möglichkeit hatte, Leute wiederzusehen, mit denen er in einem Fall zu tun gehabt hatte. Und selbst wenn es so war, ging es ihnen selten so gut wie Mattie. Er wusste, dass es damit zu tun hatte, dass dieser so viel Unterstützung von seinen beiden Partnern und all den Männern, die für sie arbeiteten, bekommen hatte. Im Großen und Ganzen waren sie wirklich eine große, glückliche Familie.
Obwohl Jon einen Heidenspaß hatte beim Volleyball, Jet-Ski fahren und beim Feuerwerk am Strand, was er wirklich wollte, war ein bisschen Zeit mit Kory alleine. Da er nicht wollte, dass ihr gemeinsamer Tag bereits endete, ging er mit Kory auf ein paar Bier in einen Pub in der Nähe seines Reviers. Jon hatte angenommen, dass die meisten Kollegen, die den Pub sonst besuchten, bei ihren Familien sein würden, aber in dem Augenblick, in dem er durch die Tür trat, wurde er mit Begrüßungen bombardiert.
So viel zu ein bisschen Zeit alleine. Jon schnitt eine Grimasse. Kory kam gut mit der Aufmerksamkeit klar – hatte sogar Spaß, was Jon an seinem Grinsen erkannte. Jon lehnte sich zurück, schmunzelte und hörte zu, wie seine Freunde seinem Liebsten wilde Kriegsgeschichten aufs Auge drückten. Liebster? Wo kam das denn her? Aber ich finde es gut, Liebster, ja! Jon war tief in seinen Gedanken versunken, als Gianni ihm fest auf den Rücken schlug.
„Dieser bescheuerte Hurensohn hier hat sich bis auf seine Unterhosen ausgezogen, eine leere Flasche aus dem Müll gezogen und ist in den Laden marschiert. Er humpelte, torkelte, zeterte und der dumme Wicht war wie vor den Kopf geschlagen.“ Oh Gott! Gianni erzählte Kory von dem Raubüberfall auf den Mini-Markt, zu dem sie gerufen worden waren, als sie noch Partner und Anfänger gewesen waren.
„Er wusste nicht, was er tun sollte. Er senkte seine Waffe, sah von Jon zum Kassierer, kratzte sich am Arsch. Dieser Vollidiot! Jon hat ihn dann mit einem Bodyslam zu Fall gebracht und ihn verhaftet.“ Gianni lachte lauter über seine eigene Geschichte als jeder andere am Tisch.
„Klingt, als wärst du ein Held.“ Kory grinste ihn an, aber Jon konnte an seiner Stimme erkennen, dass er nicht fröhlich war. Auch seine Augen verrieten ihn. Da war ein Hauch von Angst.
