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Das Leben war nicht immer gut zu Shannon Dupree. Auch wenn er nach außen hin einen sorglosen und lebensfrohen Eindruck erweckt, sobald es um seine Vergangenheit geht, benimmt er sich geheimnisvoll und weicht allen Fragen aus. Rory Landers ist ein aufsteigender Stern beim FBI. Mit seinem Privatleben beeindruckt er jedoch niemanden, bis er den freigeistigen Collegestudenten Shannon Dupree kennenlernt. Rand Davis ist Anfang vierzig und steht auf einmal vor den Trümmern seiner langjährigen Beziehung. Als er die Abteilung für ungelöste Fälle übernimmt, lernt Rand neue Freunde kennen, die aus dem Umkreis der Familie Langford-Moore stammen. Und dabei trifft er auf einen eigensinnigen Agenten und einen aufgeweckten Blondschopf, die in ihm den Wunsch nach mehr wecken. Als Vergangenheit, Gegenwart, Schmerz und Leid miteinander kollidieren, entsteht die Möglichkeit eines Lebens und einer Liebe, für die es sich zu kämpfen lohnt. Obwohl ihre Charaktere nicht unterschiedlicher sein könnten, schlagen ihre drei Herzen im selben Rhythmus. Shannon, Rory und Rand lernen, was Liebe, Treue und Stärke wirklich bedeuten. "Lover - überlebt" ist nach "Survivor - überlebt" der 2. Roman der Survivor Reihe.
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Seitenzahl: 390
Veröffentlichungsjahr: 2022
TM Smith
Aus dem Amerikanischen von Hannah Kurz
© dead soft verlag
http://www.deadsoft.de
© 2021 TTC Publishing, Titel der Originalversion: Lover
Übersetzung: Hannah Kurz
Cover: Irene Repp
http://www.daylinart.webnode.com
Bildrechte:
© P. Cartwright – shutterstock.com
© theartofphoto – stock.adobe.com
1. Auflage
ISBN 978-3-96089-486-5
ISBN 978-3-96089-487-2 (epub)
Das Leben war nicht immer gut zu Shannon Dupree. Auch wenn er nach außen hin einen sorglosen und lebensfrohen Eindruck erweckt, sobald es um seine Vergangenheit geht, benimmt er sich geheimnisvoll und weicht allen Fragen aus.
Rory Landers ist ein aufsteigender Stern beim FBI. Mit seinem Privatleben beeindruckt er jedoch niemanden, bis er den freigeistigen Collegestudenten Shannon Dupree kennenlernt.
Rand Davis ist Anfang vierzig und steht auf einmal vor den Trümmern seiner langjährigen Beziehung. Als er die Abteilung für ungelöste Fälle übernimmt, lernt Rand neue Freunde kennen, die aus dem Umkreis der Familie Langford-Moore stammen. Und dabei trifft er auf einen eigensinnigen Agenten und einen aufgeweckten Blondschopf, die in ihm den Wunsch nach mehr wecken.
Ausdrücke, Abkürzungen und Definitionen
FBI: Federal Bureau of Investigation
Dallas PD: Dallas Police Department
Seattle PD: Seattle Police Department
Puto gilipollas – (Spanish) verdammtes Arschloch
Ay dios mío or dios mío – (Spanisch) Oh mein Gott
In liebevollem Gedenken an Sandrine Gasq Dion
Dein Leben war ein Segen, dein Andenken ist ein Schatz.
Shannon 2010
Mit heftig klopfendem Herzen und zitternden Händen übergab Shannon dem Mitarbeiter der Fluggesellschaft sein Ticket. Das Licht des Scanners leuchtete grün auf und er wäre vor Erleichterung fast in Tränen ausgebrochen. „Genießen Sie Ihren Flug, Sir.“ Er nickte, nahm das Stück Papier entgegen und steckte es sich in die Hosentasche. Er musste sich zwingen, den langen, schmalen Gang bis zum Eingang des Flugzeuges zu gehen, anstatt um sein Leben zu rennen, was genau genommen das war, was er tat. Mittlerweile wusste Bruce sicher, was Shannon getan hatte – dass er nicht zur Arbeit gegangen war und nicht nach Hause kommen würde.
Es hatte ein ganzes Jahr größter Geduld und sorgfältiger Planung bedurft, um Bruce davon zu überzeugen, dass er wirklich drei Mal wöchentlich als freiwilliger Helfer in einem Obdachlosenheim arbeiten wollte. Dann hatte er jeden möglichen Groschen gespart, um sein Ticket in die Freiheit zu kaufen. Seine Schritte verlangsamten sich, als er sich an seinen letzten Fluchtversuch erinnerte. So wütend hatte er Bruce noch nie zuvor gesehen, und das sollte viel bedeuten, denn die letzten drei Jahre seines Lebens waren von der Wut und den perversen Vorlieben seines einst so lieben Freundes regiert worden. Das Anfangsstadium ihrer Beziehung war die bisher glücklichste Zeit, die Shannon je erlebt hatte. Bruce war atemberaubend gut aussehend und nett gewesen. Er hatte Shannon zugehört und ihm vorgegaukelt, er unterstütze seine Ambitionen, Tänzer zu werden und sich weit weg von seinen emotional unerreichbaren Eltern ein besseres Leben aufzubauen. Seinen Eltern hatten Alkohol und Streiten schon immer mehr bedeutet als ihr eigener fünfzehnjähriger Sohn. Bruce hatte seine romantische Seite zur Schau gestellt und ihn mit dem Versprechen von Liebe und einem Leben als gleichberechtigte Partner gelockt. Und Shannon war darauf hereingefallen und hatte sich in ihn verliebt … Mit Herz, Leib und Seele.
Er zog scharf die Luft ein und konnte kaum den Schrei unterdrücken, der sich den Weg in seiner Kehle nach oben bahnte, als jemand ihn von hinten anrempelte. „Oh Gott, das tut mir schrecklich leid.“ Shannon sah sich um und nickte der älteren Dame zu, die ihn anlächelte. „Wenn der Koffer sich mal in Bewegung gesetzt hat, fällt mir das Anhalten manchmal ein bisschen schwer“. Sie kicherte.
„Ist schon okay, kein Problem.“ Er stieß die Luft aus und seine Schultern entspannten sich merklich. Er durfte nicht so schreckhaft sein, sonst würde er noch Gefahr laufen, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, was er um jeden Preis vermeiden wollte. Aber er durfte sich auch nicht zu sicher fühlen. Bruce und sein Fahrer, Tuan – auch bekannt als Shannons Gefängniswärter – mochten sich vielleicht sogar schon im Flughafengebäude befinden und nach ihm Ausschau halten. Mit der Kraft seines Willens brachte Shannon seinen Körper dazu, sich zu entspannen, und es gelang ihm, einen Fuß vor den anderen zu setzen, bis er sich endlich auf seinem Fensterplatz niederlassen konnte. Er verstaute seinen Rucksack, der alles enthielt, was er nun besaß, unter dem Sitz.
Das Letzte, was er erwartet hatte, war die Welle der Emotionen, die über ihn hereinbrach, sobald sich das Flugzeug in der Luft befand. Er fühlte Erleichterung, dieses Mal nicht gefunden und zurück zu Bruces Eigentumswohnung geschleppt worden zu sein. Dort hätte man ihn wochenlang geschlagen und nichts zu essen gegeben, bis er versprochen hätte, niemals wieder davonzulaufen. Auch verspürte er Trauer, weil er das bisschen Liebe, das er erfahren hatte, nun verlieren würde. Und das Ganze wurde durch Panik, Frustration und Selbstmitleid abgerundet … Warum? Jetzt, da er seinem Glück endlich so nahegekommen war, hatte er da den Mut dazu, danach zu greifen? Wie würde er leben? Verdammt, wo würde er leben? Er war ein Achtzehnjähriger ohne Job, ohne Unterkunft, ohne Familie oder Freunde. Und die paar Tausend Dollar, die er in den letzten zwölf Monaten hatte sparen können, würden ihn nicht weit bringen. Er hatte seine Geldbörse in seinem Spind an der Arbeit zurückgelassen, und zwar mit allem, außer seinem Ausweis und seiner Sozialversicherungskarte. Auch die SIM-Karte aus seinem Mobiltelefon hatte er entfernt und sie dann zerstört, bevor er die Überbleibsel die Toilette hinuntergespült hatte. Sein Rucksack enthielt ein paar Garnituren zum Wechseln, Waschsachen, ein ziemlich abgegriffenes Exemplar von ‘Stolz und Vorurteil’ und einen billigen MP3-Player, den er in einem Laden am Flughafen gekauft hatte. Schließlich hatte er sein iPhone absichtlich hinten im Taxi liegen lassen.
Shannon griff nach der Kapuze seiner Jacke und zog sie sich über den Kopf. Er lehnte die Stirn gegen das kühle Glas des Fensters und starrte auf die immer kleiner werdenden Lichter der Stadt, während das Flugzeug immer höher stieg und ihn von Seattle wegbrachte. Tränen nahmen ihm die Sicht, aber er genoss das Gefühl. Endlich war er frei.
Rory 2011
In der letzten Zeit ertappte Rory sich oft dabei, wie er auf dem Rücken lag und an die Decke starrte. Fünf Jahre war er nun schon als verdeckter Ermittler tätig, um die Identität des Mörders der Langfords aufzudecken, ohne der Lösung des Falles auch nur einen einzigen Schritt nähergekommen zu sein. Ihre Ermordung hatte den jungen Sohn des Paares zu einem Waisenkind gemacht. Doch Taylor Langford war schon lange nicht mehr der verängstigte Junge von damals. Mit neunzehn war er inzwischen so richtig aufgeblüht und studierte am College. Er war zu einem festen Bestandteil von Frank Moores Leben geworden, oder Frank in Taylors – genau genommen wahrscheinlich beides.
„Verdammte Scheiße“, fluchte er. „Wie wütend wirst du sein, wenn du die Wahrheit über mich erfährst, Frank?“
Trevor Noland, ein Flugbegleiter mit einer lebendigen Persönlichkeit, hatte während der letzten fünf Jahre als Rorys Undercover-Identität gedient – sein zweites Ich. Er war gerade erst ein Jahr lang beim FBI gewesen, als man ihm seinen ersten großen Fall zugewiesen hatte. Er und seine Partnerin, Connie Gonzales, sowie ein Agent frisch von der Akademie, waren in den Besprechungsraum gerufen worden, wo man sie über die Einzelheiten des Langford-Falles unterrichtet hatte. Dann hatte man ihnen aufgetragen, den Jungen, den Polizisten und die Pflegeeltern zu beschützen – während sie Augen und Ohren nach Hinweisen dazu offenhielten, wer diese grausige Tat begangen haben mochte. In Erfahrung gebracht hatten sie jedoch verdammt noch mal ganz und gar nichts. Wer auch immer Taylors Eltern kalt und tot auf dem Boden ihres Schlafzimmers zurückgelassen hatte, war längst über alle Berge verschwunden, und zwar ohne einen einzigen verfluchten Anhaltspunkt über ihre oder seine Identität zurückzulassen.
Als Klassenbester bei der Quantico-Akademie und als einer der jüngsten und vielversprechendsten Agenten des FBIs – zumindest, wenn man auf seinen Chef hörte – war er verdammt stolz auf das, was er bisher erreicht hatte. Verdammt, schon als Kind hatte er von diesem Beruf geträumt. Eines der ersten Dinge jedoch, die er bei seiner Arbeit gelernt hatte, war, einen Verdächtigen, einen Zeugen oder einen Fall auf persönlicher Ebene nie zu nah an sich heranzulassen. Aber schon ein einziger Kuss von Frank Moore hatte ihn vergessen lassen, wer er war oder warum er dort war. Kein anderer Mann hatte jemals solche Gefühle bei ihm ausgelöst, wie Frank es tat, wenn sie zusammen waren, und das galt nicht nur fürs Schlafzimmer. Aber damit setzte er seine Karriere aufs Spiel. Daher war er gezwungen gewesen, etwas Abstand zu nehmen, als Frank mit seinen Andeutungen begonnen hatte, dass er mehr als nur belanglosen Sex wollte. Rory hatte seine Gefühle in der Tiefe seiner Seele begraben müssen. Wollte er selbst ebenfalls mehr? Die Antwort lautete ja. Aber er weigerte sich, seine Karriere einfach so wegzuwerfen. Er hatte viel zu hart gearbeitet, um dahin zu kommen, wo er jetzt war.
Eines Tages in nicht allzu ferner Zukunft erhoffte er sich, den Fall zu knacken und den Mörder festzunehmen. Dann würde Rory Frank die Wahrheit beichten und hoffen – nein beten – dass er ihm verzeihen würde, damit sie ihre Beziehung weiterführen und vertiefen könnten. Aber bis dahin würde Rory die Fassade aufrechterhalten und Trevor spielen müssen, wenn er mit Frank zusammen war, nur um im Hintergrund seiner eigentlichen Arbeit nachzugehen, ohne dass Frank es bemerkte.
Nach einer Weile gelang es ihm endlich einzuschlafen, doch die unruhige Nacht wurde viel zu früh von dem Alarmton seines Weckers unterbrochen. Eine Stunde später hatte Rory geduscht und saß am Küchentisch, wo er einen Kaffee trank, der so stark war, dass er den Rost von einer Stoßstange geputzt hätte. Da bequemte sich sein Mitbewohner endlich, aus dem Bett zu steigen. Blair Cummings mochte zwar im gleichen Alter sein wie Rory, aber er sah nicht einen Tag älter aus als einundzwanzig, was auch der Grund war, warum man ihm Taylor Langford zugewiesen hatte. Rory beneidete Blair nicht um seine Rolle in der Ermittlung. Nicht mal im Geringsten. Während Rory, unter dem Vorwand, ein Flugbegleiter zu sein, um die ganze Welt reiste, hatte Blair zuerst auf die High School und dann aufs College gehen müssen, wo er einen von Taylors besten Freunden, Kian Douglas, spielte.
„Mein Gott, ist das Kaffee oder Schlick, Landers?“ Blair zog angewidert die Nase kraus. Er riss den Kühlschrank auf und nahm die Mandelmilch heraus. Nachdem er einen großzügigen Schuss in seine Tasse geschüttet hatte, trank er einen Schluck und seufzte zufrieden. „Ah, schon viel besser. Also, was steht heute auf dem Plan?“ Blair ging um den Tisch herum und setzte sich auf den Stuhl, der Rory gegenüberstand.
„Nach der Mittagspause habe ich ein Meeting mit dem Direktor und Gonzales im Büro in Dallas. Dann fliege ich für ein paar Wochen nach Quantico. Aber erst mal mache ich einen kleinen Zwischenstopp in New Orleans.“ Er wackelte vieldeutig mit den Augenbrauen. Cummings wusste von dem Umweg, den Rory jedes Jahr machte, seit er Officer Moore überwachte. Jedes Jahr, bevor dieser mit seinem Vater, den Stones und Taylor nach Marthas Vineyard verreiste, verbrachte er ein paar Tage mit Trevor in New Orleans.
Kopfschüttelnd pfiff Blair leise durch die Zähne. „Du ungezogener, ungezogener Bengel.“
„Ach, sei still“, schnaubte Rory. „Ich muss drei Wochen mit der Aufarbeitung von Akten zubringen und nebenbei noch versuchen, ein paar kurze Fälle zu knacken, während du dir auf Marthas Vineyard die Sonne auf den Bauch scheinen lässt.“
Rory wusste, dass es einzig und allein Glück war, dass Blair einen Urlaub am Strand genoss, während er und seine Kollegin, Agentin Gonzales, deren Undercover-Persönlichkeit die Haushälterin der Stone Familie war, einmal im Jahr zum Arbeiten zum FBI Hauptquartier nach Virginia zurückfliegen durften.
„Hey, ist schließlich nicht meine Schuld, dass der liebe Gott mir so gute Gene gegeben hat“, schoss Blair sogleich zurück. Er stand auf und setzte sich in Richtung Badezimmer in Bewegung. „In fünfzehn Minuten bin ich soweit“, rief er ihm zu, während er im Flur verschwand.
***
Der Verkehr in Dallas war ein absoluter Albtraum. Irgendein Vollidiot war auf den Highway aufgefahren und über alle drei Spuren auf die Überholspur geschossen. Blair hatte heftig bremsen müssen, gerade als Rory einen Schluck seines Kaffees zu sich nahm. Die dunkle Flüssigkeit sickerte durch sein weißes, durchgeknöpftes Hemd und verbrannte ihm die empfindliche Haut seiner Brust. „Verdammte Scheiße!“, schrie er und warf Blair einen wütenden Blick zu, als dieser anfing zu lachen.
Und von da an ging es mit Rorys Tag nur noch bergab. Man überreichte ihm und Gonzales während des Meetings jeweils eine Akte über eine offene Ermittlung. Es ging um den Fall einer vermissten Person in Tacoma, Washington, der möglicherweise mit einem ungelösten Mordfall in Portland, Oregon zusammenhing. „Sie werden heute zwar wie geplant nach New Orleans fliegen, Agent Landers, aber anstatt zwei Tage in Louisiana zu verbringen, werden Sie bereits morgen früh zusammen mit Agent Gonzales nach Washington reisen. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig dieser Fall ist. Wir müssen ihn lösen – und zwar schnell. Habe ich mich klar ausgedrückt?“ Der Direktor sah ihn und Connie über den Drahtrand seiner Brille hinweg an. Der Chef befand sich in Dallas, um an der feierlichen Verabschiedung eines in den Ruhestand gehenden Agenten teilzunehmen, der in der Gegend wohnte.
Joseph Stalling nahm seinen Job als Direktor einer der renommiertesten Agenturen des Landes sehr ernst. Rory hatte den Mann bisher nur ein paar Mal lächeln sehen. Er fragte sich oft, ob sein Chef eine Familie hatte, da es in Stallings Büro in Quantico keine Fotos gab. Zur Hölle, selbst die Schreibtische der unausstehlichsten Agenten waren mit Bildern geliebter Haustiere geschmückt – wenn schon mit nichts anderem.
„Natürlich, Sir.“ Gonzales stand auf und klemmte sich die Akte unter den Arm. Rory nickte und erhob sich ebenfalls, dann folgte er ihr in den Flur hinaus. Ihre hohen Schuhe klapperten auf dem Linoleum. Das Echo hallte in dem langen Korridor wider, während sie zu dem kleinen Büro liefen, das sie sich mit Agent Cummings teilten.
Consuela Gonzales, kurz genannt Connie, wenn man an seinem Leben hing, war eine großgewachsene, dunkelhäutige Frau mit hohen Wangenknochen und langem, schwarzem Haar, das ihr in sanften Wellen den Rücken hinunterfiel. Sie verfügte über eine starke Persönlichkeit und war dazu auch noch absolut bezaubernd. Sie war kompetent und wusste, was sie wollte, was eine explosive Mischung darstellte. Sie erinnerte Rory an die Schauspielerin, die Letty in den Fast and Furious Filmen gespielt hatte – voll von jugendlichem Ehrgeiz, wenn sie herausgefordert wurde, aber wenn man einmal ihr Vertrauen gewonnen hatte, brachte sie einem vorbehaltlose Loyalität entgegen.
Ihre Hände huschten bereits über die Tastatur, noch bevor ihr Hintern die Sitzfläche des Stuhls berührte. „Fantastisch!“, rief sie und schnippte mit den Fingern. „Okay, also Mitchell Helms Leiche wurde 2007 in einem Waldgebiet in der Nähe von Macleay Park in Portland, Oregon gefunden. Seine Eltern hatten ihn 2005 als vermisst gemeldet, als er … Mein Gott, Rory. Er war erst sechzehn Jahre alt, als er verschwunden ist. Was zur Hölle geht bloß auf dieser Welt vor sich!“ Gonzales legte die Stirn in Falten und ließ ihre Frustration an der vor ihr liegenden Tastatur aus.
Während er durch die Vermissten-Akte blätterte, hoffte Rory inständig, dass der arme Junge noch am Leben war, und dass seine Leiche nicht ebenfalls irgendwo verscharrt war und darauf wartete, von ihnen gefunden zu werden. Nachdem er einige Seiten gelesen hatte, entdeckte er, warum der Direktor so sehr auf eine schnelle Aufklärung des Falles gedrängt hatte. „Verdammte Scheiße, hast du das gesehen?“, fragte er Gonzales. Er hielt die Akte in die Höhe und zeigte auf das Foto eines jungen Mannes mit blonden Haaren, blauen Augen und einem wohlbekannten Nachnamen.
„Ich glaube, mein Schwein pfeift“, Connie schlug hastig ihre Akte auf und blätterte hektisch zur selben Seite. „Howard Manning Tullor Junior. Sein Großvater ist der ehrenwerte Judge Tullor?“
Rory nickte.
Der Richter Howard Tullor herrschte über den großartigen Staat von Washington. Er regierte mit eiserner Faust und seine Interpretation des Rechts war von tiefem Hass geprägt. Er war alt und angesehen, aber auch ein Rassist und religiöser Fanatiker. „Also dann müssen wir annehmen, dass sein Verschwinden mit einem Fall zu tun haben könnte, in dem sein Großvater involviert war.“ Rory fuhr seinen Computer hoch und gab die Fallnummer in die FBI-Datenbank ein, um alle Informationen bezüglich des Falls abzurufen.
„Da stimme ich dir zu, Landers. Trotzdem müssen wir hier jede Möglichkeit in Betracht ziehen. Lass es nicht zu, dass deine Abneigung für dieses Arschloch dein Urteilsvermögen beeinträchtigt“, sagte Connie warnend. Er nickte zustimmend. Während er sich durch die Dateien auf seinem Computer klickte, konnte er die Ähnlichkeit zwischen dem jungen Mann, dessen lebloser Körper im Park gefunden worden war, und Richter Arschlochs Enkel nicht abstreiten. Sie waren beide jung, mit blondem Haar und blauen Augen, sehr hübsch und mit femininen Gesichtszügen … Es war durchaus möglich, dass die Tatsache, dass Junior verschwunden war, nichts mit seinem bekannten Großvater zu tun hatte, sondern eher darauf zurückzuführen war, dass er ein bestimmtes Aussehen hatte.
„Wäre es nicht unglaublich, wenn ein offen homosexueller FBI Agent den Enkel des Richters, der gegen Gleichberechtigung für die LGBT-Gemeinschaft gestimmt hat, finden und nach Hause bringen würde?“ Ihr diabolisches Grinsen hätte ihm Angst einjagen müssen, aber glücklicherweise war sie auf seiner Seite, also war er in Sicherheit. Richter Arschloch dagegen hatte nicht so viel Glück. Der Täter, der einen jungen Mann getötet und höchstwahrscheinlich einen zweiten zumindest entführt hatte, steckte ebenfalls tief in der Tinte. Special Agent Connie Gonzales hatte den Fall übernommen und sie machte keine Gefangenen. Sie erzeugte Resultate und ging dabei keine Kompromisse ein.
„Gottverdammt, wenn ich nicht schwul wäre, dann würde ich dich verdammt nochmal heiraten, Mädel.“
Gonzales schnaubte. „Als ob.“
Rand 2012
„Das ist die Letzte.“ Claire stellte den Karton neben dem in der Ecke stehenden Bücherregal ab und ließ sich erschöpft neben Rand auf die Couch fallen.
Er legte ihr den Arm um die Schulter und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Danke, Schwesterherz. Was würde ich bloß ohne dich tun?“
„Lass uns hoffen, dass wir das niemals herausfinden werden, okay?“ Claire stieß ihm scherzhaft ihren Ellbogen in die Rippen. Ihre Logik war absolut einleuchtend und Rand stimmte mit ihr in diesem Punkt aus vollem Herzen überein.
Er angelte mit dem Fuß nach dem Henkel der Kühlbox und zog sie auf diese Weise näher an die Couch heran. Er lehnte sich nach vorne, öffnete den Deckel und nahm zwei Flaschen Bier heraus. Nachdem er mit einem Zischen die Verschlüsse geöffnet hatte, überreichte er Claire eine der Flaschen und trank einen kräftigen Schluck aus der anderen. Dann lehnte er sich seufzend zurück. Die Wohnung in Cedar Hill, in die er gerade einzog, war klein und gemütlich, nichts im Vergleich zu der Unterkunft, die er jahrelang zusammen mit Grant bewohnt hatte. Aber Rand sah keinen Sinn darin, einen Haufen Geld für die Miete einer extravaganten Bleibe auszugeben, in der er sowieso nur schlief und Football anschaute. Doch wieder von vorne anfangen zu müssen, war dennoch die absolute Hölle und er war dankbar dafür, seine Schwester an seiner Seite zu haben, die ihm dabei half, die Last zu tragen.
„Ich hasse dieses verdammte Arschloch. Das habe ich schon immer getan, das ist wohl kein Geheimnis. Aber ich weiß, dass du ihn geliebt hast, Rand, und es tut mir leid, dass er dir das angetan hat. Aber …“ Claire unterbrach kurz ihren Satz, um einen herzhaften Schluck Bier zu trinken, dann wandte sie sich ihm wieder zu und fuhr fort, „Ich werde dir dabei helfen, die Leiche zu verstecken, wenn du ihn um die Ecke bringen willst.“
Rand brach in Gelächter aus. Er lachte so sehr, dass ihm die Tränen kamen und ihm die Seite wehtat. Und dann begriff er, dass sie es durchaus ernst meinte. „Gott, ich liebe dich, Schwesterherz.“
„Mal im Ernst, großer Bruder, du warst doch mal ein ziemlich hohes Tier beim Nachrichtendienst des Militärs. Da hast du doch sicherlich irgendwelche Beziehungen, die dabei nützlich wären, eine Leiche so verschwinden zu lassen, dass man sie niemals finden wird.“ Claire wackelte mit den Augenbrauen, trank einen weiteren kräftigen Schluck und rülpste ungeniert.
„Wie kommt es, und das ist mein voller Ernst, dass du noch zu haben bist?“ Er duckte sich kichernd, als sie im Spaß ausholte, um ihm eine zu verpassen.
Sie waren schon so lange nur zu zweit. Ihre Eltern waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen, als Rand sechzehn und Claire vierzehn Jahre alt gewesen waren. Verdammt, sie war der eigentliche Grund gewesen, warum er überhaupt zur Navy gegangen war, damit er ihr das bestmögliche Leben bieten konnte. Nach dem Tod ihrer Eltern hatten sie drei Jahre mit einer entfernt verwandten Cousine in Texas verbracht – zwei gemeinsame Jahre und ein weiteres für Claire allein, während Rand in Chicago die militärische Grundausbildung hinter sich gebracht hatte. Sobald er damit fertig gewesen war und sich für eine militärische Unterbringung qualifiziert hatte, hatte er Claire sofort nach Chicago geholt. Egal, wohin er versetzt worden war, Claire war immer an seiner Seite gewesen. Zusammen waren sie in der ganzen Welt herumgekommen. Sie hatten sogar einige Jahre in Frankreich und Italien verbracht. Claire konnte beide Sprachen so fließend sprechen, dass Fremde nie darauf kamen, dass sie gar nicht aus einem dieser Länder stammte.
Am Ende seiner Militärkarriere fanden sie sich wieder genau dort, wo sie begonnen hatten. Rand war zu dem Navystützpunkt in Whidbey Island in Oak Harbor, Washington geschickt worden. Und so besuchten sie, etwa zehn Jahre nach der Tragödie, zum zweiten Mal in ihrem Leben die Grabstätte ihrer Eltern. Als Rand kurze Zeit später seinen Militärdienst beendete, fragte er Claire, wo sie gerne leben wollte. Ihm selbst war es völlig gleichgültig, solange sie nur zusammen waren und gemeinsam Wurzeln schlagen konnten. Also zogen sie wieder nach Texas, den Ort, den Claire als ihr zweites Zuhause betrachtete, nachdem sie die letzten Jahre ihrer Jugend auf der Ranch ihrer Cousine in der Nähe von Austin verbracht hatte.
„Hey, warum übernachtest du denn nicht hier?“, fragte er. „Ich kann dir die Bettcouch aufklappen, und wir bestellen etwas zu essen. Genau wie in alten Zeiten.“
Sie ignorierte seine Frage und konterte stattdessen mit ihrer eigenen. „Also wie sieht’s aus, Senior Detective Davis, wann geht’s wieder an die Arbeit?“
Ach ja, der Silberstreifen an dem sonst so düsteren Horizont. Rand war so überglücklich über seine Beförderung gewesen, dass er sich einen halben Tag freigenommen hatte, um nach Hause zu eilen und Grant die gute Nachricht zu überbringen. Leider war ihm bei dieser Gelegenheit das Herz gebrochen worden, denn er hatte erkennen müssen, dass sich seine Befürchtungen über Grants Untreue wohl bewahrheiteten. Die ihm dadurch zugefügte tiefe Wunde schmerzte noch immer. Der Mann, mit dem er den Rest seines Lebens verbringen wollte, hatte ihn verraten. Den Rest des Monats hatte er damit zugebracht, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wie ein Besessener zu arbeiten und eine Vielzahl von Fällen zu knacken, wobei er danach jeden Abend nach der Arbeit vor Erschöpfung auf Claires Couch eingenickt war.
Claire schnippte ihm mit den Fingern vor der Nase herum. „Erde an Rand. Hast du wenigstens ein verdammtes Wort von dem, was ich gesagt habe, gehört?“
„Nein.“
„Hör zu, du –“
„Papperlapapp“, fiel er ihr erneut ins Wort. Er stellte seine leere Flasche auf den Tisch und holte sich eine neue aus der Kühlbox.
„Was soll ich mit dir bloß anstellen?“ Sie klang ratlos.
Rand rutschte auf der Couch nach unten und legte ihr den Kopf auf die Schulter. Dann machte er einen Schmollmund und klimperte mit den Wimpern. „Biiiiiitte, Claire, versprich, dass du heute Nacht bei mir bleibst.“
Seine Schwester schubste ihn kichernd von sich. „Na schön. Ich werde bleiben. Aber nur, wenn du mit dem Mist aufhörst.“ Sie erhob sich und ging zur Küche hinüber. „Wo hast du die Speisekarte für den Thailänder an der Ecke hingetan? Wenn wir schon etwas zu essen bestellen – für das du übrigens bezahlst – dann will ich was Gutes.“
Während sie auf die Essenslieferung warteten, schloss Rand den Fernseher und den DVD-Player an und Claire kramte Bettwäsche aus einer der Kisten hervor, um die Couch zu beziehen. Er wühlte sich durch die Kartons, bis er My Big Fat Greek Wedding – Hochzeit auf Griechisch, einer ihrer Lieblingsfilme, gefunden hatte. Gemeinsam machten sie es sich mit knusprigen Frühlingsrollen, Pad Thai mit Garnelen und asiatischen, gedämpften Knödeln gemütlich und aßen sich satt, bis sie nicht mehr konnten. Genau das hier hatte er dringend nötig gehabt. Einen Abend mit einer geliebten Person zu verbringen, das half ihm, alles andere einfach auszublenden. Sie lachten, stopften sich einander Knödel in den Mund und schütteten sich den Rest des 12er-Packs Bier hinter die Binde, wonach sie auf der Schlafcouch in einen tiefen, traumlosen Schlaf fielen.
Ein paar Stunden später wurde Rand von seiner Blase geweckt, die ihn energisch darauf hinwies, dass sie entleert werden wollte. Auf dem Weg zurück vom Badezimmer schaltete er den Fernseher aus. „Alles klar?“, fragte Claire schläfrig, als er wieder unter die Decke kroch.
„Ja, keine Sorge, ich musste bloß mal pinkeln. Schlaf weiter.“ Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und das verschlafene Lächeln, mit dem sie ihn dafür belohnte, wärmte ihm das Herz.
„Hab dich lieb, großer Bruder.“ Sie gähnte und rollte sich auf die Seite.
„Hab dich auch lieb, kleine Schwester.“ Er lag neben ihr und beobachtete, wie ihr Brustkorb sich hob und senkte. Die Gedanken in seinem Kopf ließen ihn nicht zur Ruhe kommen, wie so oft.
„Mein Gott, ich kann hören, wie sich die Zahnräder in deinem Kopf drehen. Ich bekomme davon Migräne. Hör auf zu grübeln, Rand, und schlaf endlich.“ Er kicherte. Keiner kannte ihn besser als Claire und er bezweifelte, dass sich das jemals ändern würde. Wenn er doch nur den Richtigen finden könnte. Jemand, der ihn wirklich verstand und mit dem er auf der gleichen Wellenlänge lag, jemand, dem er blind vertrauen konnte. Mit solch einer Person an seiner Seite wäre sein Leben einfach perfekt.
Rand hatte einst geglaubt, diesen Mann in Grant gefunden zu haben. Mein Gott, wie sehr er sich doch in dieser Annahme getäuscht hatte. Doch egal wie die Geschichte zwischen ihnen auch ausgegangen war, es gab durchaus schöne Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit, die Rand nicht vergessen wollte. Als Grant bei der Architekturfirma, für die er arbeitete, zum Partner befördert worden war, hatte er Rand und Claire auf eine dreiwöchige Rundreise durch Europa eingeladen. Sie waren in gemütlichen, kleinen Hotels in Paris und der Schweiz abgestiegen und hatten in vom Trubel weit abgelegenen Restaurants gegessen, wo die besten landestypischen Speisen serviert wurden. Außerdem waren sie viel gewandert, hatten Burgen besucht und Weinkeller besichtigt. Das Highlight ihrer Reise war ihr Aufenthalt in einem kleinen, mittelalterlichen Städtchen gewesen, das in Okzitanien im Süden Frankreichs lag, genannt Caunes – Minervois.
Jedoch hatte es über die letzten Jahre hinweg eindeutige Zeichen gegeben, die Rand ignoriert hatte. Dabei hatte es sich um kleine Dinge hier und da gehandelt, die aber darauf hinwiesen, dass ihre Beziehung immer weiter auseinanderging. Da sie beide anspruchsvollen Berufen nachgingen, hatte Rand es nicht als besorgniserregend angesehen, dass spätes Heimkehren am Abend dazu überging, dass Grant manchmal erst am nächsten Morgen nach Hause zurückkehrte und dass sich kurze Geschäftsreisen in ausgedehnte, lange Wochenenden verwandelten.
Und dann kam der Nachmittag, an dem er bei Grants Lieblingsitaliener angehalten hatte, um das Abendessen für sie zu besorgen. Rand hatte das Namensschild des Restaurants fotografiert und es per Textmitteilung an Grant geschickt, mit der Überschrift: Abendessen für zwei ist so gut wie unterwegs zu dir! Öffne eine Flasche Sekt und mach schon mal ein paar Kerzen an, Baby! Der Polizist in ihm erkannte einen Callboy, wenn er einen sah, und als Rand das große Apartmentgebäude, in dem sie wohnten, betrat, hätte er darauf wetten können, dass der Kerl, der im Treppenhaus an ihm vorbeihuschte, gerade die Wohnung eines Klienten verlassen hatte. Er schüttelte grinsend den Kopf und ging weiter die Treppe hoch, wobei er zwei Stufen auf einmal nahm.
Die Tatsache, dass Grant mitten am Nachmittag unter der Dusche stand, wo er das doch normalerweise morgens erledigte, oder dass sich zwei halb volle Flaschen Wasser auf dem Tisch befanden und Kondome und Gleitmittel bereits auf dem Nachttisch lagen – Rand hatte zu diesem Zeitpunkt zwischen den Dingen keinen Zusammenhang hergestellt. Doch als er sich nach ihrer Trennung wieder an diese Situation erinnert hatte, hatte er deswegen ehrliche Tränen vergossen. Es war ihm nämlich klar geworden, dass der junge Typ, der ihm beim Verlassen des Gebäudes begegnet war, in seiner Wohnung gewesen war, wo er sich von dem Mann, den Rand liebte, hatte ficken lassen, und zwar in Rands verdammtem Bett. Und bloß, um ein Arschloch zu sein, hatte Rand das Bett mitgenommen, als er ausgezogen war. Dann war er damit zu einem weit abgelegenen Campingplatz gefahren, den er mit Claire über die Jahre schon oft besucht hatte. Dort hatte er die Matratze und das Gestell mit Benzin getränkt und beides angezündet. Als er dabei zugesehen hatte, wie die Flammen auf und ab züngelten und dann langsam schwächer wurden, bis sie ganz erloschen, hatte ihn das an seine Liebe zu Grant erinnert.
Claire rollte sich neben ihm auf den Bauch und kuschelte sich an ihn. Er zog sie an sich und gab ihr einen Kuss auf das Haar. Ihr zierlicher Körper passte perfekt in seinen Arm. Nun hatten sie wieder nur sich selbst – was bereits mehr als die Hälfte ihres Lebens so war. „Eines Tages finden wir auch noch die Richtigen, Schwesterherz“, versprach er ihr, bevor er selbst ebenfalls in den Schlaf hinüberglitt.
Shannon 2013
„Nun komm schon, Pretty Boy. Nur noch diesen einen Tanz, bitte“, bat Shannon.
Taylor verdrehte anhand des Spitznamens die Augen, gab aber schließlich nach. „Gut, aber in zehn Minuten bin ich weg, egal ob du mitgehst oder nicht.“
Shannon drängte sich durch die Menge zur Mitte der Tanzfläche und zog Taylor hinter sich her. Sie hatten sich vor einem Jahr auf Grindr kennengelernt und Shannon hatte mit Taylor zweifellos den einmaligsten und erfüllendsten Sex seines Lebens erlebt. Leider waren sie jedoch nur dazu bestimmt, beste Freunde zu sein, keine Liebenden. Taylor war schwer in einen älteren Mann verknallt, Frank Moore, ein Polizist im Dallas PD. Shannon neckte ihn manchmal, indem er sagte, dass dieser Mann Taylor für alle anderen Männer ruiniert habe. Und obwohl er ihn eigentlich damit nur aufziehen wollte, handelte es sich andererseits dabei auch um die traurige Wahrheit.
Als er der Hölle entkommen war, in der er drei Jahre lang mit Bruce gelebt hatte, hatte Shannon nach seiner Ankunft in Austin zunächst ein sehr zurückgezogenes Leben geführt. Er hatte befürchtet, dass sein gewalttätiger … wie sollte er ihn nennen – Ex-Liebhaber? Nein das war nicht richtig; das hatte nichts mit Liebe zu tun gehabt. Bruce hatte ihn behandelt wie ein Objekt oder wie einen erbärmlichen Gegenstand und nicht wie ein menschliches Wesen. Er hatte die ersten Monate in Texas völlig traumatisiert wie in einer Dunstglocke gelebt und war bei jedem Geräusch zusammengefahren, voller Angst, dass Tuan hinter jeder Ecke lauern könnte, um ihn zurück in die Wohnung in Washington zu schleppen.
Shannon war umgeben von schwitzenden, sich auf der Tanzfläche drehenden Körpern. Und obwohl die Menschen einander berührten, einander anfassten und gegeneinanderprallten, so hatte er dennoch nicht das Bedürfnis, die Flucht zu ergreifen. Drei Jahre in Freiheit hatten ihm die Angst genommen. „Okay, Zeit ist abgelaufen, Tinkerbell. Los geht’s!“, schrie Taylor, um die Disco-Musik zu übertönen, sowie den dröhnenden Bass, der aus den Lautsprechern drang, die fast so groß waren wie Taylor selbst.
So mancher Twink wäre beleidigt gewesen, wenn man ihn Tinkerbell genannt hätte, Shannon dagegen liebte es. Es rührte von einer Unterhaltung her, die sie bei einer gemeinsamen Pizza gehabt hatten, ein paar Monate, nachdem sie sich zum ersten Mal begegnet waren.
„Was zur Hölle soll das heißen – ich erinnere dich an eine knapp 10 cm große fliegende Fee?“
Taylor hatte sich fast an seinem Bier geschluckt. „Ich will dich damit nicht als Fee bezeichnen, du Arsch. Was ich meine ist, dass Tink ein winzig kleines Energiebündel ist, eine Lichtquelle, die jeden Raum zum Leuchten bringt. Das passt genau auf dich, Shan.“
„Also, das ist... irgendwie süß, Taylor.“ Er grinste.
So sehr Shannon sich auch nach jemandem sehnte, der ihm dieses besondere Gefühl gab, wie Taylor es in ihrer ersten gemeinsamen Nacht getan hatte, so war ihm doch klar, dass er diese Art von Beziehung nicht mit Taylor haben wollte. Mehr als einmal hatte er seinem Freund zugehört, wie er über den Mann sprach, den er liebte. Was Shannon wollte, war, dass jemand ihn genauso liebte, wie Taylor seinen Cop liebte. Alles, was er jemals kennengelernt hatte, war der Missbrauch, den Bruce versucht hatte, als Liebe hinzustellen, sowie die Typen, die er entweder online oder in der Schule getroffen hatte.
Als sie den Club verließen, wandte sich Shannon nach links, wurde aber sogleich nach rechts gezogen. „Ich parke da drüben, Shan. Komm schon, ich fahre dich zum Campus zurück – es sei denn, du möchtest bei mir übernachten?“ Taylor entriegelte die Autotür und Shannon stieg ein.
Das war eine weitere Sache, die sich langsam zwischen ihnen entwickelt hatte. Taylor nahm Anteil an seiner Vergangenheit, an der Ermordung seiner Eltern und an den immer wiederkehrenden Albträumen, die er seit jener Nacht hatte. Es stärkte ihre Verbundenheit und nach einer gewissen Zeit half es Shannon, einen Teil seiner schwierigen Vergangenheit mit Taylor zu teilen. „Okay, zu dir nach Hause, das klingt gut.“ Er gähnte.
Als sie das Apartment betraten, bemerkte Shannon ein Kopfkissen und eine Decke auf der Couch und er lachte. „Wow, so sicher warst du dir, dass ich mit zu dir kommen würde, Pretty Boy?“
„Oh, das hättest du wohl gerne, Tink. Jetzt gib endlich Ruhe, machs dir auf der Couch bequem und schlaf eine Runde. Ich bin todmüde.“ Taylor gähnte, kratzte sich den Bauch, als er in die Küche ging, und kam mit ein paar Wasserflaschen in der Hand zurück ins Wohnzimmer. Er warf Shannon eine zu, wobei er zum Glück das Sofakissen traf und nicht seinen Kopf. Da er seit zehn Jahren Baseball spielte, hatte er einen sehr harten Wurf. „Bis morgen früh.“ Taylor winkte ihm zu, bevor er in seinem Schlafzimmer verschwand und die Tür hinter sich schloss.
„Gute Nacht, schlaf gut.“ Shannon plumpste auf die Couch und zog erst seine Schuhe und dann seine Jeans aus. Er fand seine Pyjamahose und das T-Shirt, das er bei Taylor deponiert hatte, zwischen Kopfkissen und Decke eingeklemmt. Seine Haut war durch den Clubaufenthalt total verschwitzt und sein Haar war mit Gel zurückgebürstet. Also entschloss er sich, schnell unter die Dusche zu springen, um seinen Körper von den Überresten der Nacht im Club zu befreien, damit er nicht das Sofa mit Gel und Schweißgeruch beschmierte. Das heiße Wasser fühlte sich wunderbar an, es linderte die Schmerzen in seinem Rücken und er entspannte sich. Im Laufe des Tages hatten sich seine Muskeln während der Abschlussprüfungen, beim Tanzunterricht, sowie beim kurzen Work-out im Fitnessstudio auf dem Campus ziemlich verspannt.
Nach seiner Ankunft in Austin vor drei Jahren war Shannon verängstigt und einsam, aber keineswegs verzweifelt gewesen. Die Art und Weise, wie sein Leben sich verändert hatte, war wohltuend und befreiend. In einem mondänen Penthouse-Gefängnis zu leben, teure Kleidung zu tragen und eine American Express Card ohne Limit zu haben, hatte ihm nie etwas bedeutet. Er hatte seine Familie verlassen und war zu Bruce gezogen, weil er an seine Liebe geglaubt hatte und daran, dass dieser Mann sich danach sehnte, für ihn zu sorgen. Zumindest hatte er das gehofft. Was Shannon stattdessen bekommen hatte, war ein Mann mit unberechenbaren Launen, der ihn missbrauchte, dominierte und kontrollierte und der glaubte, er könne Shannons Selbstwertgefühl an dem einen Tag zerstören und ihm am nächsten Tag eine fünfzehntausend Dollar Uhr kaufen, um alles wieder gut zu machen. Für die Uhr und das ganze andere teure Zeug, das Bruce ihm in all den Jahren geschenkt hatte, konnte er nicht den Preis erzielen, den sie wirklich wert waren. Shannon hatte alles an einen sehr zwielichtigen Mann verkauft, den ihm ein Kollege in Seattle vermittelt hatte. Aber das Geld, das er damals bekommen hatte, war für ihn unendlich viel wert gewesen.
Er hatte es nicht gewagt, seine Flucht zu planen, aus Furcht, seine Verfolger würden ihn buchstäblich ans Bett ketten. Daher verbrachte Shannon die erste Woche in einem Hotel nahe beim College, während er einen Job suchte, sich für Kurse eintrug und sich nach einem günstigen Apartment in einem sicheren Gebäude umschaute. Die Stadt war unglaublich, besonders der Campus und es war erholsam, ein Leben zu führen, in dem er nicht jede Entscheidung wieder und wieder überprüfen musste aus Angst vor möglichen Konsequenzen. Dennoch brauchte es – trotz psychologischer Beratung auf dem Campus – relativ lange, sich einige schlechte Angewohnheiten abzugewöhnen, wie zum Beispiel, sich ständig umzuschauen oder vor seinem eigenen Schatten zu erschrecken. Aber hin und wieder wachte er schweißgebadet auf, die Kehle heiser vom Schreien und er versuchte, sich aus dem Albtraum zu befreien, in dem Bruce und Tuan ihn aufgespürt hatten.
Shannon drehte das Wasser ab, griff nach dem Handtuch, trocknete sich ab und schlang sich das Tuch um die Hüften. Er wischte den Wasserdampf vom Spiegel und betrachtete sein Spiegelbild. Sein Blick verweilte kurz auf der leichten Kerbe über seinem linken Wangenknochen. Das war nur eine von vielen Narben, die Shannon immer wieder an die drei Jahre erinnerten, die er mit Bruce verbracht hatte. „Hör auf, Shan. Denk nicht an das, was war.“
Er zog sich schnell an, schlurfte in die Küche und füllte den elektrischen Wasserkocher mit Wasser. Dann stellte er ihn an und nahm einen Becher sowie die Dose mit Kamillentee aus dem Schrank. Es erschien ihm wie eine Ewigkeit, bis das Wasser kochte, wahrscheinlich, weil er direkt danebenstand, damit er es ausschalten konnte, sobald das Wasser anfing zu brodeln. Er befürchtete, der laute Signalton beim Kochen könnte Taylor aufwecken. Mit dem Tee in der Hand, der ihm beim Einschlafen helfen sollte, kuschelte er sich auf die Couch und blätterte durch die letzte Ausgabe des OUT Magazins, bis ihm die Augen schwer wurden. Die Müdigkeit kam so plötzlich, dass er sich nicht einmal die Mühe machte, das Licht auszuschalten, sondern sich nur unter die Bettdecke kuschelte und sich einer Erinnerung näherte, die er eigentlich vergessen wollte.
***
Shannon hörte den Schlüssel in der Tür, aber er wagte es nicht, sich zu bewegen. Die Beine wie gelähmt stand er da und schaute hinaus auf die Lichter der Stadt, so lebendig und vibrierend vor dem intensiven blauen Hintergrund, der Seattle bei Sonnenuntergang umgab. Die Aussicht vom Penthouse war atemberaubend, aber es war schwer, die Schönheit zu erkennen, wenn er fast ununterbrochen in diesem goldenen Käfig eingesperrt war. Er konnte die schwachen Geräusche von laufenden Motoren hören, den Lärm der Hupen, das pulsierende Leben um ihn herum, während er still, fast leblos da stand.
Er konnte im Fenster das Spiegelbild von Bruce sehen, wie er sich ihm näherte, einen Strauß magischer, schwarzer Rosen in der einen, eine kleine, goldene Geschenktüte in der anderen Hand. Er wandte den Blick seinem eigenen Spiegelbild und dem Bluterguss auf der linken Gesichtshälfte zu. Die Farbe der frischen, schmerzenden Wunde passte zu dem tiefen Purpurrot, das die schwarzen Blütenblätter der Blumen wie Flammen durchzog. Diese Blumen befanden sich in derselben Hand, die ihn am Abend zuvor zu Boden geschlagen hatte.
Tiefe, gleichmäßige Atemzüge halfen ihm, ruhig zu bleiben. Der Schmerz, den er fast überall im Körper spürte, half ihm, einen klaren Kopf zu bewahren. Wie lange noch konnte er das scharfe Stechen ertragen, das inzwischen an die Stelle von Liebe getreten war? Verdammt noch mal, er könnte mit der Tapete verschmelzen, sodass man ihn zwar sehen, aber nicht hören könnte. Und trotzdem würde er wahrscheinlich immer noch den Zorn seines Liebhabers erregen. Liebhaber, von wegen! Shannon verlor fast die Kontrolle und schnaubte.
Sein Versuch, ruhig zu bleiben, fast leblos, wurde von Bruce vereitelt, als er sich ihm so weit näherte, dass er ihm von hinten mit ausgestreckter Hand den atemberaubenden Rosenstrauß vor das Gesicht halten konnte. Shannon erschauerte unwillkürlich, sein Körper erinnerte sich an die Schmerzen der vergangenen Nacht. Seine Muskeln verkrampften sich vor Angst, wohingegen noch vor nicht allzu langer Zeit sein ganzer Körper voller freudiger Erwartung gebebt hätte. Bruces Spiegelbild lächelte ihn zärtlich an. „Ich weiß, Baby. Ich habe dich heute auch vermisst und es tut mir leid, dass wir uns letzte Nacht gestritten haben.“
Irgendwie brachte Shannon ein schwaches Lächeln zustande und nahm die Blumen entgegen. „Danke. Sie sind sehr schön“, flüsterte er. Seine Kehle schmerzte immer noch. Auf der Haut an seinem Hals waren noch die Abdrücke von Bruces Fingern zu sehen, von ihrem „Streit“ am Abend zuvor.
„Hier, das ist auch für dich.“ Die goldene Geschenktüte baumelte an Bruces Hand. Sobald Shannon die Tüte an sich genommen hatte, schnipste Bruce mit den Fingern. „Tuan, komm her und stelle die Blumen ins Wasser.“ Er schnappte sich den Strauß, drehte sich um und durchquerte den Raum.
Shannons und Tuans Blick trafen sich im Spiegel des Glases. Die Verachtung, die er in den trüben Augen von Bruces Handlanger sah, überraschte ihn nicht. Tuan nahm die Blumen und verschwand im langen Korridor. „Stell sie in die antike rote Kristallvase“, rief Bruce ihm hinterher, drehte sich um und zwinkerte Shannon zu.
Shannon mied seinen Blick und konzentrierte sich stattdessen auf die Tüte. Er schob das Seidenpapier zur Seite und nahm vorsichtig die schwarze Schachtel aus Filz heraus. Als er den Deckel aufmachte, rang er nach Luft. Eine kostbare, schwarzgoldene Armbanduhr war sorgfältig auf ein winziges, schwarzes Kissen gebettet. „Bruce, ich … wow, das ist …“ Er wusste nicht, was er sagen sollte. Ein Teil von ihm liebte dieses Geschenk wirklich – es war der Teil von ihm, der noch immer Gefühle für den Mann hatte, der es ihm geschenkt hatte. Oder zumindest für den Mann, für den Shannon ihn einst gehalten hatte. Doch andererseits fühlte er sich auch abgestoßen und angewidert. Da war etwas tief in ihm, das versuchte auszubrechen.
„Lass mich mal.“ Bruce nahm die Uhr aus der Schachtel und legte sie um Shannons Handgelenk. Als er aufschaute und sich ihre Blicke trafen, bemerkte er Tränen in Bruces hartem Blick. Der Mann war ein Schauspieler von Weltklasse. Sanft und mit einer Zärtlichkeit, die er Shannon seit Monaten nicht mehr hatte spüren lassen, strich er mit seinem Handrücken über seine Wange. Ironischerweise war es dieselbe Hand, die ihm die Verletzung im Gesicht zugefügt hatte. „Es tut mir wirklich sehr leid, Darling. Ich verspreche dir, es war das letzte Mal, okay?“
Shannon nickte, obwohl er wusste, dass es eine verdammte Lüge war. Und als Bruce ihn aufs Bett drückte, langsam in ihn eindrang und mit seinem Körper wie mit einer kaputten Gitarre spielte, hasste Shannon sich dafür, dass er es genoss.
***
Als er urplötzlich aufwachte, setzte Shannon sich schnell auf und fasste sich ans Handgelenk. Er meinte immer noch, das Gewicht der Uhr spüren zu können. Einen Moment lang hielt er den Atem an, um herauszufinden, ob er Taylor aufgeweckt hatte. Aber alles, was er hörte, war ein sanftes Summen, das vom Kühlschrank kam. Er legte sich wieder hin, streckte seine langen Beine aus und legte sie auf die Couchlehne. Er seufzte, schloss die Augen und dachte an diese Nacht. Es war der Anfang vom Ende für sie beide gewesen – es war das letzte Mal, dass er sich erinnerte, so etwas wie Liebe für Bruce empfunden zu haben. Sein Versprechen, dass es nicht wieder geschehen würde, hatte nur sechs ganze Tage angehalten, gerade lange genug, dass Shannon so dumm gewesen war und angefangen hatte, ihm zu glauben und nicht mehr auf der Hut zu sein. Danach hatte es keine Wiedergutmachung mehr gegeben und keine leeren Versprechen.
Rory 2014
„Ich habe die Schnauze voll von diesem verdammten Regen. Das Wetter hier erinnert mich an einen von diesen Scheiß Twilight-Filmen, von den glitzernden Vampiren und den heißen Werwolf-Gestaltenwandlern, die normalerweise halb nackt überall herumrennen, mal abgesehen.“ Rory zog sich die schwarzen Gummistiefel von den Füßen und ließ den dazu passenden Regenmantel direkt daneben zu Boden fallen. Seine Klamotten waren völlig durchnässt, genau wie er. Er zitterte vor Kälte und das Wasser tropfte von ihm auf den Teppich hinunter.
Connie zwängte sich unsanft an ihm vorbei und ignorierte die Flüche, die er ihr anhand ihrer groben Behandlung hinterherwarf. „Forks ist nicht weit weg von hier, weißt du das eigentlich? Fahr doch mal hin, wenn du Lust hast, damit du eine dieser Twilight Führungen mitmachen kannst, die sie dort anbieten.“
„Fick. Dich.“
Sie schnaubte verächtlich. „Sofern dir nicht über Nacht eine Muschi gewachsen ist, wird da wohl nix draus.“
„Küsst du mit diesem dreckigen Mund etwa deine Mutter, Consuela?“
Ihr Kopf schnellte in die Höhe und wenn Blicke töten könnten, dann läge er bereits neben seiner tropfend nassen Regenschutzkleidung leblos auf dem Boden. Sie spuckte eine Reihe von Schimpfwörtern aus, halb auf Spanisch, halb auf Englisch, die einem Seemann die Röte ins Gesicht treiben könnten. Und als er sich zum Duschen auf den Weg ins Bad machte, musste er sich ducken, um einem lila Gummistiefel auszuweichen, der in seine Richtung geflogen kam und hinter ihm gegen die Wand knallte. Er und Gonzales waren inzwischen bereits seit einigen Wochen in Seattle und er war sich fast sicher, dass es von den einundzwanzig Tagen ihres Aufenthaltes etwa neunzehn Tage lang pausenlos geregnet hatte.
Ein anderer vermisster Junge hatte Connies Aufmerksamkeit geweckt. Die Details dieses anderen Falls hatten mit dem ungelösten Mordfall von 2005, der mit Howard Tullor Juniors Verschwinden im Jahr 2006 in Verbindung gebracht wurde, beunruhigenderweise sehr viele Gemeinsamkeiten.
