Ciao Paola, amore mio - Bernd Wulffen - E-Book

Ciao Paola, amore mio E-Book

Bernd Wulffen

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Beschreibung

Wir befinden uns im Jahr 1965. Der junge Jurist Robert erhält überraschend ein Stipendienangebot an eine Elitehochschule in Pisa/Italien. Eigentlich will er ablehnen, denn er möchte seine Promotion beenden und seinen Dienst als Gerichtsreferendar antreten. Er nimmt das Angebot schließlich an, weil mit einer Verkürzung der Referendarausbildung zu rechnen ist. Italien beginnt mit einem Kulturschock. Es kommt zunächst zum Konflikt mit seinen links orientierten italienischen Kommilitonen. Nach einer Eingewöhnungszeit wendet sich das Blatt. Robert wird schließlich nicht nur akzeptiert, sondern gewinnt mehrere Freunde. Auch wird er eingeladen, als Lektor Kurse für Deutsch an der Universität Pisa zu geben. Eine seiner Studentinnen ist die hübsche und elegante Paola, in die er sich verliebt. Nach fast einem Jahr in Italien kehrt Robert, dessen Herz mittlerweile an der Toskana hängt, nach Deutschland zurück. Um sein spärliches Referendargehalt aufzubessern beginnt er auch als Gerichtsdolmetscher zu arbeiten. Mit Paola, die einen Deutschkurs in Heidelberg besucht, geht er in Deutschland auf Reisen und stellt sie seinen Eltern vor. Die beiden verloben sich in der Toskana. Robert wird bald ein gesuchter Dolmetscher und Übersetzer, vernachlässigt dabei jedoch seinen Dienst bei Gericht. Ein Staatsanwalt stellt Robert freundlich zur Rede und schlägt ihm vor, die Ausbildung in der Justiz zu beenden und sich beim Auswärtigen Amt zu bewerben. Paola beglückwünscht ihren Verlobten zu diesem mutigen Schritt. Unerwartet besteht Robert das Auswahlverfahren unter mehr als 3000 Bewerbern. Im April 1967 wird er zum Attaché ernannt. Robert wird an die Botschaft Madrid versetzt, wo er Paola heiratet. So beginnt eine erfolgreiche Karriere als Diplomat, die Robert nach mehreren Auslandsposten als Botschafter beendet. Trotz der langjährigen Erfahrungen an interessanten Orten wie Madrid, Buenos Aires und Jakarta, aber auch an ihrem langjährigen Wohnsitz in Bonn, beschließen die Beiden, ihren Ruhestand am Lieblingsort San Gimignano, in der Toskana, wo ihre Liebe begonnen hatte, zur verbringen.

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Seitenzahl: 225

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Einleitung

Erstes Kapitel

Keine leichte Entscheidung

Reise in die Toskana

Zweites Kapitel

Erste Tage in Pisa

Mit Skiern auf den Monte Cimone

Robert tappt in eine Falle

Zwei Russen in der Normale

Drittes Kapitel

Reise nach Elba

Tage in Venetien

Am Strand von Tirrenia

Viertes Kapitel

Bei Philologen

Reise in die „Ewige Stadt“

Wieder in Pisa

In Florenz

Im Haus von Boccaccio

Fünftes Kapitel

Pisa oder Frankfurt?

Mit Paola in Heidelberg

Sommerwochen in Deutschland

Mit Paola auf Reisen

Sechstes Kapitel

Der Palio von Siena

Am Strand von Migliarino

Reise nach Neapel, Amalfi und Ravello

Der Abschied von Pisa

Siebentes Kapitel

Ein heißer Winter

Robert in Nöten

Treffen mit Natalino

Robert in Bonn

Als Stagiaire in Nîmes

Achtes Kapitel

Oberstaufen

Verlobung in der Toskana

Der Concours

Ein Skiunfall und seine Folgen

Neuntes Kapitel

Mit Paola in Ost-Berlin

Paola in Pisa

Vorbereitungen für Bonn

Ein interessantes Angebot

Zehntes Kapitel

Als Attaché in Madrid

Nur eine kleine Hochzeit

Reise nach Pamplona

Die Türme von San Gimignano

Nachwort

Anhang

Einleitung

Es gibt Momente, bei denen eine Entscheidung zu treffen ist, vielleicht sogar eine Weichenstellung für das gesamte künftige Leben. Dem jungen sprachkundigen Mann, von dem wir später lesen werden, würde die Situation am Scheideweg auch in den ihm geläufigen Sprachen einfallen: „At a crossroad“, wie es die angelsächsische Welt nennt, „en la encrucijada“, wie der spanische Sprachraum diesen Augenblick beschreibt oder Italienisch „essere al bivio“. Beispielhaft sei erwähnt: Ein Abiturient entschließt sich für ein Studium, das sein weiteres Leben bestimmen wird, seinen Beruf, vielleicht auch seine Ehe und Familie, nachdem er während des Studiums die „Frau fürs Leben“ gefunden hat. Manchmal treffen wir Entscheidungen, die sich erst im Nachhinein als entscheidende Wegmarken herausstellen. Dies hängt mit unserer unvollkommenen menschlichen Natur zusammen. Wir sind selten in der Lage, unsere Zukunft vorauszusehen, geschweige denn alle Folgen einer einmal getroffenen Entscheidung.

Mit einer solchen Richtungsentscheidung beginnt dieser Roman. An einem dafür eher ungewöhnlichen Ort, einer Klinik in Frankfurt am Main. Der junge Mann, der eine Entscheidung zu treffen haben wird, musste sich am Blinddarm operieren lassen. Ein Arzt und Verbindungsbruder hatte ihm dazu geraten, nachdem er immer wieder über Bauchschmerzen klagte. Es war das dritte Mal in seinem Leben, dass er sich hatte operieren lassen. Das erste Mal nach einem schweren Fahrradunfall mit einer tiefen Wunder am Knie. Fast sechs Wochen hatte er im Krankenhaus zugebracht und dabei interessante Zimmernachbarn gehabt, welche ihm den Klinikaufenthalt gut zu ertragen halfen. Das zweite Mal hatte er seine Phimose operieren lassen müssen, um Problemen beim Geschlechtsverkehr vorzubeugen. Seine fromme Großmutter hatte ihm scherzhaft zugerufen, dass er nun auch beschnitten sei, wie weiland Jesus, dessen Beschneidung sogar nach altem jüdischen Brauch immer noch, heute auch kirchlich, gefeiert wird.

Die Rede ist von Robert W., der wegen seiner Sprachbegabung eigentlich ein Sprachstudium hatte aufnehmen wollen. Aber dann kam alles anders. In der vorletzten Klasse am Gymnasium kam ein Berufsberater in die Schule. Er hatte Robert nach seinen beruflichen Absichten und Plänen gefragt. „Ich würde ganz gern Fremdsprachen studieren“. Bei diesem Satz hatte ihn der Berufsberater zunächst fragend und dann mit einem leichten Kopfschütteln angeblickt. „Ich sehe in Ihnen einen sehr ernsten und zielstrebigen jungen Mann mit einer ganz anderen Berufung. Warum studieren Sie nicht Jura und treiben ihre Sprachen weiter? Danach könnte ich mir eine erfolgreiche Bewerbung beim Auswärtigen Amt oder bei einer internationalen Behörde für Sie vorstellen. Nur Sprachen, dies würde auf ein philologisches Studium hinauslaufen. Sie würden Lehrer am Gymnasium werden. Ich bezweifle, ob Sie dies auf die Dauer befriedigen würde.“ Mit diesen Worten hatte ihm der Berufsberater eine blaue Broschüre überreicht. Sie trug den verheißungsvollen Titel „Höherer Beamter des Auswärtigen Dienstes“. In ihr war von Konsuln, Legationsräten und allen möglichen Attachés die Rede.

Robert folgte schließlich dem Rat, ein juristisches Studium zu ergreifen, nachdem sich auch ein enger Freund hierfür entschieden hatte. Er fand besonderen Gefallen an der Rechtsgeschichte und hatte gleich im ersten Semester Vorlesungen in diesem Fach belegt. Robert war ein eifriger Student, der dem Ordinarius für deutsche Rechtsgeschichte bald auffiel. Als es um die „malbergischen Glossen“ der Lex Salica1 ging, hatte der Professor ausgeführt, dass die Bedeutung einiger dieser Glossen noch im Dunkeln liege. Dafür nannte er ein Beispiel, das sich Robert notiert hatte. Mit der Glosse ging er zu seinem alten Sprachlehrer am Gymnasium, der Robert mit seinen Kenntnissen in vergleichender Sprachwissenschaft imponiert hatte.

Zur Freude von Robert hatte ihm der Sprachlehrer die mögliche Bedeutung der fraglichen Glosse aus der Lex Salica in einer kurzen schriftlichen Ausarbeitung mitgeteilt, und damit war er nach einer der rechtsgeschichtlichen Vorlesungen zu dem Professor gegangen, der sich bei Robert bedankte und dessen Namen notierte. Am Ende der nächsten Vorlesung hatte der Professor Robert zu sich gerufen und ihm gesagt, dass die vorgelegte kurze Ausarbeitung sehr interessant und möglicherweise der Schlüssel zur Erklärung der Glosse sei. Gleichzeitig lud ihn der Professor für das nächste Semester zur Teilnahme an einem rechtsgeschichtlichen Seminar ein.

Damit trat Robert in einen engen Kreis von Studenten und jungen Wissenschaftlern ein, die sämtlich rechtshistorisch ausgerichtet waren und auch privat zu dem Professor und seiner Frau eingeladen wurden. Mehrfach nahm Robert auch an Adventssingen teil, die in der Wohnung des Professors stattfanden. Neben einigen Liedern, die Robert kannte, gab es auch Lieder, die ihm neu waren, wie „Es kommt ein Schiff geladen“ oder „Nun kommt der Heiden Heiland“, das sie sprachschöpferisch das „Hehrene“ nannten.

Bei einem der Abende im Professorenhaus hatte der Student Robert einen italienischen Professor aus Modena kennengelernt. Er war mit seinem Professor befreundet und plante gemeinsam mit ihm deutsch-italienische rechtshistorische Begegnungen und Seminare. Auch wollten die beiden Professoren einen Austausch von deutschen und italienischen Stipendiaten in die Wege leiten. Robert nahm dies ohne großes Interesse zur Kenntnis. Italien lag ihm fern. Als Schüler hatte er zwar mit seinen Eltern einige Tage am Comer See verbracht; dies hatte bei ihm aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Italien war für ihn immer etwas exotisch bis chaotisch, zwar charmant und manchmal auch elegant, aber er hätte sich nie vorstellen können, dort zu leben oder gar zu arbeiten. Sein Ziel war es jetzt, nach seinem ersten juristischen Examen seine Karriere erst einmal als Gerichtsreferendar fortzusetzen. Nach dreieinhalb Jahren, die das Referendariat dauerte, wollte er das zweite juristische Staatsexamen, die Assessorprüfung, ablegen. Danach wollte er sich entscheiden, entweder Anwalt zu werden oder in den Staatsdienst zu gehen. Er war gerade 24 Jahre alt geworden und wäre nach seinen Plänen mit 27 oder 28 Jahren fertig. Irgendwann dazwischen hoffte er seine Promotion abschließen zu können. Am Ende seiner juristischen Ausbildung wollte er vielleicht noch ein Jahr ins Ausland gehen, wobei seine Präferenz bei Frankreich lag. Französisch war in der Schule zu seinem Lieblingsfach geworden.

Es war nicht mehr weit bis Weihnachten, als Robert in Frankfurt operiert wurde. Mit einem Schlage, nur wenige Tage nach der Operation, erhielt er einen Telefonanruf, der ihn zu einer Entscheidung zwang. Sollte er das Angebot, das ihm sein Doktorvater machte, annehmen? Dies würde auf eine Unterbrechung seiner beruflichen Pläne hinauslaufen. Daher wollte Robert ablehnen. Aber, war er reif dafür, diese vielleicht folgenschwere Richtungsentscheidung zu treffen?

Junge Menschen neigen oft zu Spontaneität. Sie überlegen sich nicht, welche Folgen mit einer Entscheidung verbunden sind. Später, bei reiferem Alter bereuen sie es. Ach, hätte ich doch…

Sehen wir zunächst, vor welche Alternative er sich gestellt sieht und wie sich Robert entscheidet.

1 Kodifizierung aus dem 6. Jahrhundert, auf Anordnung des Merowingerkönigs Chlodwig I. Sie enthält Bestimmungen des fränkischen (germanischen) Volksrechts, ist aber auch durchsetzt mit Bestandteilen aus dem römischen Recht. Malbergische Glossen sind Einschübe einer altgermanischen Sprache, die nicht immer in direktem Zusammenhang mit der Gesetzessammlung stehen. Sie beziehen sich auf den „Malberg“, die Gerichtsstätte

Erstes Kapitel

Die Entscheidung

„Bitte kommen Sie schnell ans Telefon“. Mit diesen Worten war die Oberschwester ins Krankenzimmer gekommen. Robert war zunächst erschrocken. Seine Operationswunde schmerzte ihn, als er versuchte, aufzustehen. „Kommen Sie, ich helfe Ihnen“. Die Schwester führte ihn zum Telefon. „Die Universität“, sagte Sie unterwegs. „Jemand will mit ihnen sprechen“. Robert konnte sich keinen Reim daraus machen. „Wer, um Himmels willen, will mich, noch dazu in meinem Zustand, sprechen?“

Langsam ging der Patient, auf die Oberschwester gestützt, den langen hellen Gang mit den weißen Türen entlang. Den penibel sauberen Flur eines Krankenhauses. Robert sah an die Decke und auf die Neonleuchten, die alles erhellten. Er dachte jetzt an seine Promotion. Sicherlich hatte der Anruf aus der Universität etwas damit zu tun. Er hatte vor einigen Wochen seinem Doktorvater den ersten Entwurf einer Gliederung der Doktorarbeit übergeben. Jetzt würde er wahrscheinlich eine erste Reaktion darauf erhalten. Am Ende des Flures war das Telefon, das an der Wand angebracht war.

Als Robert den Hörer aufnahm, meldete sich Dr. D., der Hauptassistent des rechtshistorischen Seminars der Universität Frankfurt am Main. „Verzeihen Sie bitte vielmals, dass ich Sie im Krankenhaus störe. Ich hoffe, Sie haben die Operation gut überstanden. Aber die Sache ist eilig. Professor E., der Ihnen Grüße bestellt, möchte gern, dass Sie für ein halbes Jahr nach Italien gehen. Sie wissen ja, wir haben den Austausch mit Pisa. Wir wollen unbedingt an dem Programm festhalten und zwei Stipendiaten nach Pisa schicken. Ein Kollege von Ihnen hat abgesagt. Könnten Sie bitte einspringen. Prof. E. wäre dies sehr wichtig. Er meint, Sie wären der richtige Mann dafür.“

Robert war völlig überrascht. Damit hätte er nicht gerechnet. Dies auch noch am Krankenbett. Er war vor drei Tagen am Blinddarm operiert worden, und die Wunde schmerzte immer noch, vor allem beim Aufstehen. „Es ist sehr freundlich von Ihnen, dass Sie mich anrufen, aber bitte verstehen Sie, dass Sie mich sehr überrascht haben. Bitte lassen Sie mich dies überlegen. Einige Tage Bedenkzeit.“ Nach einer kurzen Pause antwortete Dr. D.. „Ja, natürlich, mir ist klar, dass ich Sie überrascht habe, aber Sie sind unsere letzte Hoffnung. Rufen Sie mich doch bitte zurück, wenn Sie es sich überlegt haben. Aber bedenken Sie, der Professor setzt seine Hoffnung auf Sie. Enttäuschen Sie ihn bitte nicht.“

Der Patient war wie elektrisiert. Viele Gedanken schwirrten jetzt in seinem Kopf herum. Nach Italien? Wann dann die Referendarzeit? Die Promotion. Er war froh, als er wieder in Bett lag und begann, dies alles sacken zu lassen und wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Merkwürdigerweise dachte er zwar auch an seine Promotion, aber jetzt schien es ihm wichtiger, nach den vielen Monaten der „Auszeit“ mit der dreieinhalb Jahre dauernden Referendarzeit zu beginnen.

Sein Ziel war es jetzt, nach seinem ersten juristischen Examen auch die zweite, für seinen Beruf viel wichtigere Staatsprüfung, das „Assessorexamen“, gut zu bestehen. Danach wollte er sich entscheiden, entweder Anwalt zu werden oder in den Staatsdienst zu gehen. Er war gerade 24 Jahre alt geworden und wäre nach seinen Plänen mit 27 oder 28 Jahren fertig. Irgendwann dazwischen hoffte er seine Promotion abschließen zu können. Am Ende seiner juristischen Ausbildung wollte er vielleicht noch ein Jahr ins Ausland gehen, wobei seine Präferenz bei Frankreich lag. Französisch war in der Schule zu seinem Lieblingsfach geworden.

Er hatte im vergangenen Frühjahr sein erstes juristisches Examen gut bestanden und eine Promotion am rechtshistorischen Institut der Universität Frankfurt begonnen. Sein Doktorvater war Prof. E., den er bereits aus dem ersten Semester an der Uni kannte und der ihn nicht nur in ein rechtshistorisches Seminar, sondern auch zu sich nach Hause eingeladen hatte. Robert mochte den Professor, weil er, anders als viele andere Ordinarien, nahbar war und sich um viele seiner Studenten kümmerte. Für E. bildeten die Dozenten und die interessierten Studenten eine große Familie, in der man gern diskutierte, auch Mal privat miteinander verkehrte oder ein Glas Wein zusammen trank.

Auch daher hatte er den Professor für seine Doktorarbeit ausersehen. Er kannte ihn schon lange, hatte in seinem Haus verkehrt. Der Ordinarius war erfreut, als Robert sich nach seinem Examen wegen einer Dissertation an ihn wandte. „Schön, dass Sie der deutschen Rechtsgeschichte treu geblieben sind“. Bald danach hatte ihm der Professor ein interessantes Thema aus dem Bereich der Verfassungsgeschichte des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation vorgeschlagen, und Robert hatte mit der Stoffsammlung begonnen.

Aber nun das: Der Anruf aus dem rechtshistorischen Seminar und das Ansinnen, ihn nach Italien zu schicken, brachte für Robert alles durcheinander. Sein Plan war, sich zu Beginn des neuen Jahres um eine Referendarstelle zu bemühen. Dies würde mit Italien durchkreuzt und damit würde seine ehrgeizige Karriereplanung ins Rutschen geraten. Daher wollte Robert seinem Doktorvater absagen und dies vor allem mit seiner frischen Operation und den Schmerzen, die er hatte, begründen. In seinem Zustand könnte er, wie er meinte, unmöglich nach Italien gehen.

Als er sich in seinem Bett vorsichtig umdrehte, kam ihm plötzlich der „Schiefe Turm“ von Pisa in den Sinn. Robert kannte ihn als eines der Wahrzeichen Italiens. Auf Prospekten, auf Buchdeckeln und Postern war er ihm häufig begegnet. Nun sollte er dorthin gehen? Italien und der schiefe Turm mochten zwar hübsche, vielleicht sogar interessante Postkartenmotive bieten, aber sie lagen für Robert in weiter Ferne. Der schiefe Turm war vielleicht ein Ziel von Millionen von Touristen, die davon träumten, ihn zu besichtigen. Robert gehörte nicht dazu. Die Alpen waren für ihn nicht nur eine Wetterscheide. Sie waren auch eine gewaltige Trennlinie zwischen Kulturen, Sprachen und Lebensformen.

Und nun wollte der Professor, dass Robert nach Italien ging. „Nein“, dachte er sich, nachdem er eine weitere Weile überlegt hatte. Dies würde seine Pläne durchkreuzen, das Momentum, in dem er sich gerade befand, zerstören und ihn auf ein völlig anderes Gleis heben. Die Zusammenarbeit mit Italien und der Austausch der Rechtshistoriker lagen auf einer anderen Ebene, die mit seinen beruflichen Plänen und auch mit seiner Dissertation nichts oder nur wenig zu tun hatten.

Das rechtsgeschichtliche Seminar der Universität Frankfurt hatte vor einigen Jahren mit der Scuola Normale Superiore in Pisa, einer italienischen Elitehochschule, einen jährlichen Austausch mit jungen Akademikern begonnen. Zwei Italiener sollten nach Frankfurt am Main kommen, zwei Deutsche, meist Doktoranden der Rechtsgeschichte, würden nach Pisa gehen. Dem rechtsgeschichtlichen Austausch lag der Gedanke zugrunde, dass Deutschland und Italien seit dem Mittelalter im „Sacrum Romanum Imperium“, dem Hl. Römischen Reich deutscher Nation, miteinander verbunden waren. Diese Verbundenheit drückte sich in gemeinsamen deutsch-italienischen Seminaren, Forschungsprojekten und dem Austausch von Wissenschaftlern aus. In Italien war eine der treibenden Kräfte der bereits erwähnte Professor B. aus Modena, in Deutschland war es der Professor der Rechtsgeschichte aus Frankfurt, Roberts Doktorvater.

Mit einem guten Freund, der Robert in der Klinik besuchte, sprach er über das Angebot der Universität und seine Absicht, es abzulehnen. Der Freund hatte einen anderen Blick auf die Sache. „Ich würde mir das mit Italien gut überlegen. Du würdest nicht nur ein anderes Land und eine andere Kultur kennenlernen, sondern auch keine Zeit verlieren. Wie ich hörte, wird die Referendarzeit in Hessen bald um ein Jahr verkürzt. Statt dreieinhalb sind es dann nur noch zweieinhalb Jahre. Du würdest also nichts verlieren, im Gegenteil, nach Italien würdest du in den vollen Genuss der Verkürzung kommen“. Robert war demgegenüber skeptisch. „Ich habe auch davon gehört, aber wer weiß, ob diese Pläne auch Realität werden. Wir Juristen sind doch konservativ. Wir ändern doch so schnell nichts an unserer Ausbildung.“

Auch Roberts Vater, der ihn am nächsten Tag besuchte, sprach sich entgegen seiner Vermutung für das Stipendium aus. „Ich hatte ein ähnliches Angebot, als ich in Breslau im Völkerrecht promovierte. Damals ging ich für einige Monate nach Belgrad, um dort Archivunterlagen zum Rijeka/Fiume-Konflikt2 mit Italien einzusehen. Mein Doktorvater war von meinen Recherchen, die er mir empfohlen hatte, sehr angetan. Das hat meiner Dissertation gut getan, und ich konnte sie noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs abschließen.“

Der Vater wollte von seinem Sohn wissen, wann das Stipendium beginnen würde. Robert wusste es nicht genau. Er vermutete, dass dies zum Jahresbeginn, der in einigen Wochen bevorstand, sein würde. Er wollte sich deswegen in der Uni erkundigen.

Robert war immer noch nicht überzeugt. Pisa stand einfach seinen Plänen im Weg. Hätte er, seinem Vater und seinem Freund folgend, die Lage wirklich überschaut, wären seine Gedanken in eine andere Richtung gegangen. Er hätte nicht eine Minute gezögert. Das Stipendium in Italien wäre ihm wie ein Geschenk des Himmels vorgekommen. Sechs Monate an der italienischen Eliteuniversität zu studieren, an der sich nur die Besten ihres Landes auf Posten in Politik, Verwaltung oder Wissenschaft vorbereiteten, konnte niemand im Ernst zurückweisen. Robert war einfach noch zu jung, aber gleichzeitig sehr ehrgeizig, und so war sein Blick zu verengt, um die Entscheidung für Italien zu treffen. Er war drauf und dran, ein riesiges, freilich ganz unerwartetes Geschenk, das ihm sein Doktorvater machen wollte, zurückzuweisen.

Schließlich war es der Hauptassistent, der dem Zögernden die Entscheidung abnahm und damit in sein Glück zwang. Als Robert ihn anrief und nach dem Beginn des Stipendiums fragte, bedankte sich der Mann und ohne weitere Ausführungen von Robert abzuwarten, lobte er ihn für seine Entscheidung. „Ich danke Ihnen sehr, ich wusste, dass Sie annehmen werden. Ich denke, Sie können nach Weihnachten ganz in Ruhe ihre Sachen packen. Man erwartet Sie in den ersten Tagen des Januar, nicht später als am 7. Dann sind die Weihnachtssemesterferien zu Ende. Kommen Sie doch, sobald Sie das Krankenhaus verlassen haben, auf einen Kaffee zu mir, dann können wir Einzelheiten Ihres Aufenthalts in Pisa besprechen.“

Der junge Jurist musste nach dem Gespräch mit dem Hauptassistenten erst einmal tief durchatmen. Es schien wie verhext. Er machte sich Vorwürfe. „Du hättest das Gespräch ganz anders führen müssen. So ein Schlaumeier, ein Spitzbube“, dachte er sich. „Er hat mich gar nicht ausreden lassen, sondern einfach meine Frage schon als Einverständnis gewertet und mir die Entscheidung für Italien einfach unterstellt. Ich gab ihm den kleinen Finger und er nahm gleich die ganze Hand“. Aber dann fasste er sich. Ihm wurde plötzlich klar, dass er nicht hätte ablehnen können. Das wäre schlecht angekommen und hätte seine Aussichten auf eine rasche Promotion eher verdunkelt. Sein Doktorvater wäre sehr enttäuscht gewesen. Nach einem Spaziergang hatte er sich mit Italien abgefunden. Aber sein Referendariat und damit die Assessorprüfung waren jetzt in weitere Ferne gerückt.

Nach ein paar Tagen begann sich Robert allmählich auf Italien einzustellen. Wie von dem Hauptassistenten vorgeschlagen, fuhr er in die Universität und suchte die juristische Fakultät auf, um mit ihm zu sprechen. Der begrüßte ihn sehr freundlich und gab ihm eine Reihe guter Tipps, darunter den Kauf eines Lehrbuchs der italienischen Sprache. „Sie werden bald gut Italienisch können müssen, denn ohne die Sprache werden Sie den Vorlesungen, Kursen und Seminaren in Pisa nicht folgen können. Und noch ein Tipp: Gehen Sie in Italien auf Reisen, so viel und so oft Sie es können.“ Diesem Rat folgend, kaufte sich Robert noch am nächsten Tag das Lehrbuch der Italienischen Sprache von Mario Alani, einem Professor in Zürich. Er begann mit der ersten Lektion mit dem Titel „Il Ticino“, das Tessin. Der junge Jurist war damit in die mediterrane Wunderwelt südlich der Alpen eingetaucht. Sie würde ihn während seines gesamten Lebens begleiten.

Reise in die Toskana

Robert verabredete sich mit Karl B., dem zweiten Frankfurter Stipendiaten für die Scuola Normale in Pisa. Er lud ihn ein, mit in seinem VW nach Italien zu fahren. Drei Tage vor Neujahr 1965 ging es in den Süden. Bei Föhn erreichten sie die deutsch-österreichische Grenze bei Oberstaufen. Mächtig lag das Bergmassiv des Säntis mit dem Altmann vor ihnen. Sie hatten diesen Weg gewählt, weil Roberts Vater kurz zuvor, sozusagen „blind“, an der Grenze ein Grundstück gekauft hatte, um dort ein kleines Ferienhaus zu errichten. Robert sollte es begutachten und Meldung erstatten. Als Gegenleistung wollte der Vater die Hotelrechnung in der nahe dem Grundstück gelegenen „Eibelesmühle“ und auch noch für zwei Übernachtungen in Sankt Moritz, dessen sagenhafte Abfahrten der skibegeisterte Robert kennen lernen und erproben wollte.

Die Reise der beiden Stipendiaten von der deutsch-österreichischen Grenze nach Norditalien könnte man fast ein wenig abenteuerlich nennen. Der Föhn war schon in der Nacht allmählich in ein Unwetter umgeschlagen, das mit heftigem Schneetreiben in der Nordschweiz begann. Bereits in Liechtenstein, das die beiden durchfuhren, hatte sie jemand gewarnt. „Haben Sie auch gute Pneu?“ (haben Sie auch gute Reifen) hatte der Mann an einer Tankstelle auf die Frage nach den Straßenverhältnissen in Richtung Engadin gefragt. Sie hatten zwar neue Winterreifen; aber gegen eine meterhohe Schneeverwehung in der Nähe von Bad Ragaz kamen sie nicht an. Sie mussten einige Stunden warten, bis die Straße wieder geräumt war.

Müde kamen sie abends in Sankt Moritz an und konnten erst nach längerem Suchen den kleinen Gasthof finden, in dem sie ein Zimmer reserviert hatten. Es fiel ihnen auf, dass die Leute ganz unverständlich miteinander sprachen. Es war, wie sich herausstellte, ein rätoromanischer Dialekt, der nur von ein paar tausend Leuten gesprochen wurde. Mit „buna not“ (gute Nacht) und „dorma bain“ (schlaf wohl) waren sie vom Hotelwirt in die Nacht verabschiedet worden. Der an Fremdsprachen interessierte Robert musste an einen lustigen Kanon denken, den Mozart gegen die Mode des Kaffeetrinkens komponiert hatte. Darin wünschte er „buona notte“, und das war Italienisch, klang aber ähnlich wie das „Rumauntsch“ (rätoromanisch) von Sankt Moritz.

Die Entschädigung für die Unbilden in der Nordschweiz kam am nächsten Tag, an Silvester. Herrliches Sonnenwetter, glitzernder Neuschnee und die schönsten, aber auch die längsten Abfahrten, die Robert je zu Gesicht bekommen hatte. Karl, der kein Skiläufer war, hatte sich unterdessen in Sankt Moritz (San Murezzan) umgesehen und war mittags in einem kleinen Restaurant eingekehrt, wo er deutsche Skiurlauber getroffen hatte. Er hatte sich mit ihnen über die Reise nach Pisa unterhalten und das Stipendium, das er und sein Freund bald antreten würden. „Wir beneiden Sie“, meinte eine Dame, die Italien und die Toskana kannte. „Sie fahren in die schönste Landschaft Italiens und nach Florenz, das ist für mich ein Traum“.

Am Neujahrstag 1965 erreichten die Stipendiaten Italien. Sie hatten den Weg über den Maloja – und den Julierpass in der Schweiz gewählt. Neues Jahr, neue Welt. Es war zwar kühl, aber immer noch sonnig an diesem Tag. Robert hatte vorgeschlagen, bis Ravenna zu fahren. Ihm war die Stadt in der Emilia-Romagna bereits im Geschichtsunterricht begegnet. Sein Zeichenlehrer am Gymnasium hatte von den herrlichen Mosaiken in San Vitale und den beiden San Apollinare geweihten Kirchen in dieser Stadt erzählt und ihnen zahlreiche Fotos gezeigt. Ravenna war die Schnittstelle von Altertum und Neuzeit. Das untergehende Römische Reich und die anbrechende Neuzeit begegneten sich hier. Das sog. Mausoleum der Galla Placidia gibt hiervon Zeugnis. Aelia Galla Placidia, die um 390 n. Chr. in Konstantinopel geboren wurde (sie starb 450 in Rom), war zeitweise Regentin des weströmischen Reichs und ließ im 5. Jahrhundert ein Mausoleum errichten, eines der ältesten und durch seine Mosaiken beeindruckendsten Bauwerke in Ravenna. Nach Ravenna hatten sich in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts die Kaiser des weströmischen Reiches zurückgezogen, nachdem Rom mehrfach Attacken und Zerstörungen durch germanische Stämme ausgesetzt war. Ravenna als letzter Zufluchtsort der weströmischen Kaiser wurde somit der Endpunkt des von Italien ausgehenden und viele Jahrhunderte währenden Römischen Reiches.

Die frühmittelalterlichen und unzerstörten Kirchen von Ravenna zählen zu den großen Schätzen der europäischen Architektur. Die Kirche San Vitale aus dem 6. Jahrhundert, als Oktogon konzipiert, wurde das Vorbild für mehrere Kirchen in Europa, besonders für die Pfalzkapelle Karls des Großen im Aachener Dom aus dem frühen 9. Jahrhundert. San Vitale ist reich an Mosaiken aus der byzantinischen Zeit, darunter auch das berühmte Abbild Kaiser Justinians und seiner Frau Theodora. Der byzantinische Justinian, der von Ravenna aus das Römische Reich unter Einschluss Italiens wieder herstellen wollte, hatte in Roberts juristischen Studien eine Rolle gespielt. Seine berühmten Pandekten (Gesetzessammlung) aus dem 6. Jahrhundert waren Teil der Vorlesungen des römischen Rechts. Der oströmische Kaiser hatte sich nach dem Sieg über die Ostgoten zum Herrscher über das byzantinische „Exarchat“ Ravenna und andere Teile Italiens aufgeschwungen.

Aber noch eine Sehenswürdigkeit beflügelte Robert: Das Grabmal Theoderichs, der in der Sage auch als „Dietrich von Bern“ auftaucht. Der Fürst der Ostgoten hatte den Usurpator Odoaker umbringen lassen und wurde als „König der Goten“ Herr über das germanische Italien. In seiner Regierungszeit (493-526) hatte er sich bemüht, Germanen und Römer, die weitgehend unabhängig voneinander in Italien lebten, zu einen. Dies war ihm nicht gelungen. Im Gegenteil: Er forderte durch seine Politik Byzanz heraus, das in der Person des Kaisers Justinian darauf aus war, das alte römische Reich wiederherzustellen und Italien die unter den Ostgoten erreichte Selbständigkeit abzusprechen.

Deckenmosaike im Mausoleum der Galla Placidia (5. Jh. n. Chr.)

Das Mausoleum von Theoderich

Während sie durch die Stadt bummelten, lernten die beiden Deutschen auch eine neue kulinarische Spezialität kennen. Sie hatten sich vorgenommen, von Anfang so viel Italienisch wie möglich zu sprechen. Dabei waren sie auf einen freundlichen Polizisten gestoßen, der sie auf die Frage „dove si mangia bene-wo ist man hier gut?“ auf die alte „Ca´de Ven“ hingewiesen hatte, eines in der Innenstadt gelegenen Traditionsrestaurants. Beim Studium der reichhaltigen Speisekarte hatte ihnen die Kellnerin besonders „Lasagne“ empfohlen, ein damals in Deutschland noch unbekanntes Teiggericht mit Fleischfüllung. Es war so lecker, dass Robert sich noch gerne ein zweites bestellt hätte, wenn dies die spärliche Reisekasse zugelassen hätte. In Pisa würde er bestimmt noch oft Gelegenheit haben, „Lasagne“ zu genießen. Und damit hatte er recht.

Bereits in den wenigen Stunden, die sie nun in Italien verbracht hatten, wurden ihnen Unterschiede zu ihrer Heimat klar. Abgesehen von der eleganteren Kleidung und den kulinarischen Vorzügen, erschienen ihnen auch die Umgangsformen in Italien, die Freundlichkeit und Höflichkeit, mit der man ihnen begegnete, auffallend und sehr angenehm. Es schien ihnen, als wären die Menschen, denen sie begegnet waren, viel gelassener als in Deutschland. Die oft im Norden anzutreffende Hektik und Ungeduld wich im Süden einem entspannteren Herangehen. Gute Vorzeichen für das neue Leben in Italien!

San Vitale, 526 als Hofkirche der Ostgotenfürstin Amalaswinta, der Tochter von Theoderich, begonnen, 546 geweiht

Als sie das beeindruckende Ravenna verließen, war es zu den Hügeln der Toskana nicht mehr weit. Mit jedem Kilometer wuchs ihre Spannung. Bald erblickten sie die Kuppel des Domes von Florenz, wo sie noch kurz Station machten, um nachmittags, wie angekündigt, in Pisa einzutreffen.

Der Ende des 13. Jahrhunderts begonnene Dom von Florenz (Vollendung: 1436 mit der Kuppel)

Sie waren auf den „Schiefen Turm“, aber auch auf die „Scuola Normale Superiore“, gespannt. Sie war von Napoleon nach dem Muster der französischen École Normale Supérieure“ gegründet worden. Sie verstand sich als eine Elitehochschule, an der die besten Studenten aus ganz Italien in verschiedenen Fakultäten ausgebildet werden sollten. Von ihr hatten sie vor dem Stipendienangebot noch nie gehört. Es fiel ihnen jedoch auf, dass bei den Unterhaltungen mit Italienern, die sie auf der Fahrt geführt hatten, das Erstaunen und der Respekt ihrer Gesprächspartner bei der Erwähnung dieser Lehrstätte beträchtlich war. Sie würden bald „Normalisti“ sein und damit zu einer feinen Akademikerschicht gehören. Aus der „Normale“, wie sie in Italien verkürzt hieß, waren berühmte Wissenschaftler, wie der Physiker und Nobelpreisträger Enrico Fermi, hervorgegangen.