CLEAN DARM - Alejandro Junger - E-Book

CLEAN DARM E-Book

Alejandro Junger

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Beschreibung

Der New York Times Bestsellerautor von CLEAN bietet in seinem neuen Buch ein bahnbrechendes Programm zur Eliminierung kleinerer wie auch größerer Gesundheitsprobleme – von Übergewicht, chronischen Schmerzen und Allergien bis hin zu Herzproblemen, Entzündungen, Autoimmunerkrankungen und Depression. Sämtliche der heutzutage am häufigsten diagnostizierten Krankheiten können auf einen verletzten und gestörten Darm zurückgeführt werden. Der Darm ist ein komplexes und mächtiges System, das die Natur entwickelt hat, um den Körper zu schützen und zu heilen. Dennoch liegt bei allzu vielen von uns dieses erstaunliche System im Argen, was zu allen möglichen Gesundheitsproblemen führt. Wir sind krank und werden immer kränker. Chronische Krankheiten sind auf dem Vormarsch und jeder, den wir kennen, scheint an irgendeiner dieser Krankheiten zu leiden, lässt Tests machen und schluckt Pillen. Dr. Alejandro Junger erklärt, wie wir, anstatt an den Symptomen herumzuflicken, die Krankheit schon im Vorfeld behandeln können, bevor sie sich im Darm niederschlägt. Egal wie ihr persönlicher Gesundheitsstatus im Moment sein mag: Von diesem Programm werden Sie profitieren. Wir alle laufen mit einem geschädigten Darm herum und leiden in unterschiedlichen Maßen an den Konsequenzen. Das CLEAN DARMProgramm wird diese täglichen Leiden beenden und Ihnen helfen, wahre, langanhaltende Gesundheit zu erlangen.

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Seitenzahl: 264

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Dr. med. Alejandro Junger

CLEAN DARM

Titel der Originalausgabe: „Clean Gut“

Deutsche Erstausgabe, 2016

Deutsche Übersetzung: Peter Hieß

Illustrationen: Robert Pereida

Korrektur: Daniel Wagner

Umschlaggestaltung: Gabriel Reinert

Layout: Inna Kralovyetts

Druck: Westkreuzdruckerei Ahrens KG Berlin / Bonn

www.mobiwell.com

© Mobiwell Verlag, Immenstadt 2016

Published by arrangement with HarperOne, an imprint of HarperCollins Publishers, LLC.

Nachdrucke oder Kopien dieses Buchs, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

ISBN 978-3-944887-26-5

HAFTUNGSAUSSCHLUSS

Dieses Buch enthält Tipps und Informationen zur Gesundheitsvorsorge. Es sollte den Rat eines Arztes oder anderer Gesundheitsexperten nur ergänzen – keinesfalls ersetzen. Wenn Sie wissen oder vermuten, dass Sie ein gesundheitliches Problem haben, empfehlen wir Ihnen, Ihren Hausarzt aufzusuchen, bevor Sie sich auf ein Gesundheitsprogramm oder eine alternative Behandlung einlassen. Sollten Sie vorhaben, mit demClean-Programm zur Darmsanierung zu beginnen, dann fragen Sie bitte vorher Ihren Arzt, ob sich dieses Programm für Sie eignet. Führen Sie dasClean Darm-Programm nicht durch, wenn Sie unter 18 Jahre alt, schwanger beziehungsweise in der Stillzeit sind oder wenn Sie eine Allergie gegen eines der im vorliegenden Buch behandelten Nahrungsergänzungsmittel haben.

Die in diesem Buch gemachten Angaben sind zum Zeitpunkt der Drucklegung nach bestem Wissen und Gewissen korrekt. Weder der Verlag noch der Autor übernehmen die Haftung für medizinische Folgen aller Art, die sich durch die Anwendung der im vorliegenden Buch vorgeschlagenen Methoden ergeben.

Ich widme dieses Buch Carla, meiner Frau und Seelengefährtin.

Cuka, mein Herz liegt in deinen Händen – und es könnte in keinen besseren liegen.

Ich liebe dich.

Kapitel 1: Die Hauptursache von Krankheiten

Meine erste Lektion in guter Medizin erhielt ich im Knabenalter in Uruguay, dem Land meiner Herkunft, viele Jahre vor Beginn meines Medizinstudiums. Sie stammte von einem Menschen, den man ansonsten kaum mit diesem Thema in Verbindung bringen würde. Ich folgte in dieser Zeit stets einem Gärtner namens Fermin über unser Grundstück, wenn er sich um die Pflanzen kümmerte. Und mir fiel auf, dass er beim Anblick eines kranken Baums die meiste Zeit damit zubrachte, die Wurzeln und den umliegenden Boden einer genauen Prüfung zu unterziehen. Auf die Blätter warf er nur einen kurzen Blick. Nach seiner Inspektion stellte er einen Plan auf: mehr oder weniger Wasser, Dünger, Mittel zur Schädlingsbekämpfung oder irgendeine andere Maßnahme aus seinem Gärtnerrepertoire. Ich fragte mich jedes Mal, warum er seine Zeit da unten bei den Wurzeln verschwendete, wenn das Problem doch eindeutig oben an den Blättern lag. Ich hatte es doch direkt vor Augen!

Als ich Fermin fragte, warum ihn die Wurzeln so interessierten, lächelte er und sagte: „Mein Junge, so hat die Natur das geregelt. Ob ein Baum gesund oder krank ist, hängt zuallererst von seinen Wurzeln ab.“ Wenn ich mich recht erinnere, dachte ich mir damals nur „Jaja, schon gut!“ – aber andererseits sprachen die Resultate von Fermins Methode für sich. Die meisten Probleme löste er tatsächlich, indem er sie an der Wurzel anging; danach waren auch die Blätter wieder üppig und grün. Fermin war ein guter Gärtner und ein weiser Mann.

Warum ich seine Erkenntnisse als meine erste Lektion in guter Medizin bezeichne? Ganz einfach: Nach acht Jahren Medizinstudium, sechs Ausbildungs- und fünfzehn Berufsjahren bin ich zum Schluss gekommen, dass gute Medizin dem guten Gärtnern sehr ähnlich ist. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Baum, den Sie sehr schätzen. Eines Tages bemerken Sie, dass sich seine Blätter braun verfärbt haben. Wahrscheinlich werden sie ziemlich bald verwelken und dann abfallen. Also rufen Sie einen Fachmann, der die Blätter genau untersucht und dann empfiehlt, dass Sie sie grün anmalen und wieder an den Zweigen ankleben sollen, damit der Baum wenigstens so aussieht, als wäre er gesund. Diese Idee würde jeder normal denkende Mensch für verrückt halten. Wenn Sie wollen, dass Ihr Baum wirklich wieder gesund wird, können Sie das Problem nicht einfach vertuschen, sondern müssen es an der Wurzel anpacken. Und wie Fermin so richtig sagte: Meistens steckt das Problem auch in den Wurzeln.

Als ich studierte, ging der Trend in der modernen Medizin immer mehr zur Spezialisierung. Die Ärzte wurden Experten für ein bestimmtes Organ und später sogar nur noch für einen Teil eines Organs. Der technische Fortschritt machte es möglich, Problemzonen zu erkennen und sie zu behandeln. Der wissenschaftliche Fortschritt war absolut faszinierend, und die meisten Menschen hatten Hochachtung vor der ärztlichen Tätigkeit. Das Ironische an all den medizinischen Erfolgen war jedoch, dass wir nur gelernt hatten, die Blätter besser anzumalen. Darin waren wir weit besser geworden als die imaginären Gärtner, die braune Blätter grün bemalten. Wir schnitten ganze Äste ab und ersetzten sie durch gesündere. Oder wir bastelten überhaupt gleich künstliche Äste und Blätter. Wir wurden so gut darin, einzelne Erkrankungen und Symptome zu bekämpfen, dass wir darüber ganz vergaßen, nach ihren Ursachen zu forschen.

Als Beispiel dafür kann die Reaktion der Ärzteschaft auf Entzündungen dienen. Als ich 1998 meine Ausbildung zum Kardiologen abgeschlossen hatte, fand die Forschung gerade heraus, dass sämtliche chronischen Erkrankungen – unabhängig davon, wie unterschiedlich sie auf den ersten Blick aussehen oder wo im Körper sie auftreten mögen – eines gemeinsam haben: Entzündungen. Die Schulmedizin hatte somit die Entzündung als Vorläufer von Erkrankungen identifiziert und setzte alles daran, sie zu bekämpfen. Entzündungen wurden so zur „aktuell angesagten“ Krankheit, über die hunderte Artikel, Studien und Bücher verfasst wurden und zu deren Behandlung ganze Industrien entstanden. Tatsächlich ließ sich auf diese Art das Leid vieler Menschen lindern – doch Entzündungen sind trotzdem nur das erste Symptom einer Erkrankung. Ihre intensive Bekämpfung ist nur ein weiteres Beispiel dafür, wie die moderne Medizin versucht, einzelne Blätter kräftig und grün zu halten, während die Pflanze abstirbt. Wir müssen das Problem nach wie vor an der Wurzel anpacken und seine wahre Ursache bekämpfen.

Genau das will Clean Darm – mein Clean-Programm zur Darmreinigung. Vor einer chronischen Erkrankung steht die Entzündung, doch vor der Entzündung kommt immer die Fehlfunktion des Darms. Eine entzündungshemmende Therapie kann dagegen helfen, aber erst eine Reparatur des Darms geht der Sache auf den Grund.

Auf den folgenden Seiten werde ich darlegen, wie Ihr allgemeiner Gesundheitszustand mit einer bestimmten Körperregion – dem Darm – zusammenhängt. Zudem werde ich erklären, wie fast alle chronischen Erkrankungen ihren Ursprung im Darm haben. Sie werden erkennen, wie die meisten der „Krankheiten“, die heute in geradezu epidemischem Ausmaß diagnostiziert werden – von Herzerkrankungen über Krebs, Autoimmunerkrankungen, Schlaflosigkeit, Depression, Asthma und Diabetes bis hin zu Arthritis – auf einen verletzten und gereizten Darm zurückgeführt werden können.

Auch wenn bei Ihnen keine spezielle Erkrankung diagnostiziert wurde, könnten viele der leichten Beschwerden, an denen Sie leiden – zum Beispiel Müdigkeit, Schmerzen und Wehwehchen, Allergien, Stimmungsschwankungen, verminderte Libido, Mund- und unangenehmer Körpergeruch, Ekzeme oder Verstopfung – in direktem Zusammenhang mit einer Fehlfunktion des Darms stehen. Dazu kommt, dass ein beschädigter Darm Sie vorzeitig altern lässt. Solche Symptome werden zwar oft auf die unvermeidlichen Abnutzungserscheinungen eines alternden Körpers zurückgeführt, haben aber im Endeffekt direkt mit dem Zustand Ihres Darms zu tun und können durch ein Darm-Reparaturprogramm geheilt werden.

In Wirklichkeit haben die meisten gesundheitlichen Probleme, mit denen die Menschheit heute zu kämpfen hat, mit einem angegriffenen, lädierten Darm zu tun. Daher ist es besonders wichtig, diese lebenswichtige Information und die dazugehörige Heilmethode möglichst vielen Menschen bekannt zu machen. Das Clean Darm-Programm ist eine bewährte Methode, um Krankheiten zu vermeiden, sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und wirklich gesund zu werden.

In meinem ersten Buch „Clean“ habe ich erläutert, warum die giftigen Chemikalien, denen wir täglich ausgesetzt sind, sowie die toxischen Lebensumstände, die wir selbst schaffen, für viele unserer gesundheitlichen Probleme verantwortlich sind. Dies sind Tatsachen, denen sich keiner von uns entziehen kann – heute noch weniger als je zuvor. Die meisten Menschen können einen großen Nutzen daraus ziehen, wenn sie begreifen, wie man die Entgiftungsorgane und -systeme des Körpers aktiviert und tatkräftig unterstützt. Das dreiwöchige Clean-Reinigungsprogramm hat tausenden Lesern bei diesem Vorhaben geholfen.

In „Clean Darm“ möchte ich ein äußerst wirksames neues Programm vorstellen, das jedem Leser die Mittel an die Hand gibt, präventiv gegen Krankheiten vorzugehen, sie zu bekämpfen und ihre Hauptursache zu beseitigen. Wir müssen nicht erst krank werden, um wieder gesund sein zu können. Lassen Sie mich diesen Satz näher erläutern: Die am weitesten verbreiteten Giftstoffe nehmen wir mit der Nahrung zu uns; daher ist es der Darm, der die toxische Hauptlast zu tragen hat. Sogar Giftstoffe, die über die Haut oder die Lunge aufgenommen werden, tragen früher oder später dazu bei, Chaos im Darm anzurichten. Sie brauchen nur in einer beliebigen amerikanischen Stadt mit ungefiltertem Wasser zu duschen, und schon gelangt eine bestimmte Menge Chlor in Ihren Blutkreislauf und danach in die Darmschleimhaut, wo es sich negativ auf die guten Darmbakterien auswirkt. Tatsache ist eben, dass unser heutiger Alltag ganz und gar nicht darmfreundlich ist.

Es steht auch fest, dass der allgemeine Gesundheitszustand der Menschheit in einer Krise steckt. Wir sind krank und werden immer kränker. Jeder leidet an irgendwelchen Beschwerden, muss Untersuchungen über sich ergehen lassen, nimmt rezeptfreie und / oder vom Arzt verordnete Medikamente zu sich. Die Häufigkeit chronischer Erkrankungen nimmt stetig zu. Bei viel zu vielen Menschen werden viel zu viele Krankheiten diagnostiziert. Die Sache ist längst außer Kontrolle geraten. Als ich noch Medizin studierte, wurde ich immer wieder mit krebskranken Patienten konfrontiert, aber in meinem privaten Umfeld trat Krebs nicht auf. Heute haben jedoch viele meiner Freunde Krebs, und bei noch viel mehr Menschen aus meinem Bekanntenkreis wird eine Krebserkrankung diagnostiziert. Krankheiten, die in den 1980er Jahren noch relativ selten waren – wie etwa Autoimmunerkrankungen – sind heute zu weltweiten Epidemien geworden.

Doch nicht nur der allgemeine menschliche Gesundheitszustand steckt in einer tiefen Krise, sondern auch unser gesamtes Gesundheitssystem, das bald zusammenbrechen dürfte. Die Ärzteschaft findet nichts dabei, Diagnosen zu stellen, kostspielige Untersuchungen anzuordnen und dann Radikaloperationen oder Kombinationen aus rezeptpflichtigen Medikamenten zu verschreiben, um Symptome unter Kontrolle zu bringen. Diese Chemiecocktails schaffen es auch tatsächlich häufig, Symptome zu unterdrücken, sind aber gleichzeitig oft ziemlich toxisch. So kommt es, dass selbst von fähigen Ärzten verordnete Behandlungen in vielen Fällen zu neuen gesundheitlichen Problemen und manchmal sogar zum Tod führen.

Die Einnahme praktischer Pillen, die gegen Symptome wirken, ähnelt sehr der Methode, braune Blätter an einem kranken Baum grün anzumalen. Das ist nichts anderes als schlechte Gartenarbeit; zudem funktioniert es nicht. Ich habe mich mit Menschen aus aller Welt unterhalten, die mit dem derzeitigen Zustand der Schulmedizin höchst unzufrieden sind. Sie sind von ihren Ärzten enttäuscht und über den Mangel an Informationen und dauerhaften echten Lösungen verärgert. Man hat uns beigebracht, Ärzten zu vertrauen und von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen fasziniert zu sein. Doch die Dankbarkeit und das blinde Vertrauen, die wir der Ärzteschaft entgegenbringen, beginnen bereits abzuflauen.

Noch immer gibt es viele Menschen, die meinen, dass nur deshalb mehr und mehr Erkrankungen erkannt werden, weil der wissenschaftliche und technische Fortschritt immer bessere Diagnosen erlaubt. Doch es ist zu einfach, den derzeitigen Zustand der medizinischen Versorgung zu akzeptieren und anzunehmen, dass wir ohne die aktuelle Schulmedizin wahrscheinlich viel schlechter dran wären. Wir alle sollen daran glauben, dass Krankheiten auf eine Kombination aus Pech und schlechten Genen zurückgehen und dass sie ausbrechen, wenn irgendetwas im Körper falsch läuft.

Symptome werden zu Syndromen zusammengefasst, die dann einer Krankheitssystematik untergeordnet werden. Häufig ist eine ganze Reihe von Laboruntersuchungen nötig, um eine Diagnose zu bestätigen. Die Behandlung erfolgt normalerweise mit einer genormten Methode, die in den meisten Fällen Operationen und Medikamente umfasst. Es geht nicht darum, welcher Patient an einer speziellen Erkrankung leidet, sondern welche spezielle Erkrankung ein Patient hat. Die moderne Medizin sieht für ein und dieselbe Diagnose immer dieselbe Behandlungsmethode vor, unabhängig vom Individuum.

Dabei muss das alles gar nicht so sein. Wenn wir uns auf die Darmgesundheit konzentrieren, können wir Erkrankungen an der Wurzel anpacken, sie auf diese Art beseitigen und unsere Gesundheit auf lange Sicht erhalten. Auch wenn Sie mein auf Entgiftung ausgerichtetes Clean-Programm angewandt und bereits die meisten toxischen Chemikalien aus Ihrem Leben entfernt haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass Ihr Darm nach wie vor reparaturbedürftig ist. Selbst biologisch angebaute, chemiefreie Nahrungsmittel können die Darmgesundheit beeinträchtigen, wenn man sie in der falschen Kombination, Häufigkeit oder Menge konsumiert. Bestimmte Lebensmittel – zum Beispiel Zucker, Koffein und Milchprodukte – könnten bisher unerkannte toxische Auslöser sein, die zu einer ganzen Kaskade von Reaktionen führen, durch die Ihre Gesundheit „von den Wurzeln her“ mehr und mehr untergraben wird.

All diese negativen und toxischen Einflüsse stören den Darm. Es reicht nicht, sich einfach auf eine „gesunde“ Ernährungsweise umzustellen. Man muss vielmehr besondere Maßnahmen treffen und ganz spezifische Bedingungen schaffen, um dem Körper bei seiner Selbstreparatur behilflich zu sein. Genau das tun wir ja auch mit anderen Organen unseres Körpers, wenn sie so geschädigt sind, dass eine „natürliche Selbstheilung“ nicht mehr möglich ist.

Der Begriff „Darm“ ist in der Ärzteschaft nur ungenau definiert; häufig wird er nur zur Bezeichnung unserer Eingeweide verwendet. In meinem Sprachgebrauch bedeutet er allerdings viel mehr als den Verdauungstrakt des Körpers; für mich gehören die lebenden Organismen innerhalb des Darms, die Darmflora sowie das Immun- und Nervensystem in den Darmwänden und ihrer Umgebung ebenfalls dazu. Der Körper unterscheidet nicht zwischen diesen Bestandteilen, und wir sollten das auch nicht tun. Es sind alle die erwähnten Organe und Gewebe, aus denen sich der Darm – eine der komplexesten und wichtigsten Strukturen unseres Körpers – zusammensetzt. Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden hängen davon ab, dass diese Bestandteile so gut wie möglich und auf unvorstellbar viele Arten zusammenwirken. Es ist ganz einfach: Wenn Sie begreifen, wie Ihr Darm funktioniert, wie Sie ihn reparieren und pflegen können, dann werden Sie eine dynamische, lang anhaltende Gesundheit erlangen.

Der Darm erfüllt für den Körper notwendige Funktionen. Seine verschiedenen Organe arbeiten zwar autonom, stehen aber über Nerven und Hormone permanent miteinander in Verbindung. Ein gutes oder weniger gutes Funktionieren des Darms wirkt sich direkt und indirekt auf jede einzelne Körperzelle aus – von denen tief im Knochenmark bis zu Haut- und Haarzellen an der Außenseite des Körpers. Es kommt häufig vor, dass Funktionsstörungen im Darm Symptome an den unwahrscheinlichsten Körperstellen hervorrufen, zum Beispiel einen Hautausschlag. Bemerken Sie einen solchen Ausschlag, dann gehen Sie zum Hautarzt. Und weil der Ausschlag etwas ist, das man sehen und angreifen kann, wird der Hautarzt sich höchstwahrscheinlich genau darauf konzentrieren und Ihnen eine Salbe dagegen sowie gegen den damit einhergehenden Juckreiz verschreiben. Mit anderen Worten: Er malt die braunen Blätter grün an. Und das ist nur eines von unzähligen Beispielen, wie eine Funktionsstörung im Darm sich als ein völlig anderes Symptom an einer anderen – scheinbar beliebigen – Körperstelle manifestiert. Ich sage meinen Patienten immer, dass der Darm der große Schwindler des Körpers ist und sich perfekt tarnen kann. Er hält fast jeden zum Narren, auch Ärzte und sogar Gastroenterologen. Er lässt sie glauben, dass mit ihm sowieso alles in Ordnung ist und das wahre Problem ganz woanders liegt.

Die Schulmedizin legt nach wie vor wenig bis gar keinen Wert auf die Art Darmgesundheit, von der im vorliegenden Buch die Rede ist. In der Gastroenterologie beschränkt sich die Vorsorge im Allgemeinen auf Koloskopien, mit denen Polypen, Divertikel usw. früh erkannt und entfernt werden sollen. Die Ärzteschaft sucht fortwährend nach Zusammenhängen zwischen bestimmten Organen und spezifischen Leiden, Erkrankungen und Erregern, ohne über die Rolle nachzudenken, die der Darm dabei spielt. Vielfach konzentriert sie sich auch auf jene Organe, deren Funktionieren unmittelbar überlebensnotwendig ist – zum Beispiel das Herz, das einfach weiterschlagen muss, die Nieren, die unser Blut filtern, oder das Gehirn, in dem die Neuronen feuern sollen. Die moderne Medizin ist weiterhin eine Industrie, die für jedes Wehwehchen ein Medikament anbietet – und das liegt daran, dass nur sehr wenige Ärzte genauer auf die Darmgesundheit achten. Doch wie das Geheimnis eines blühenden Gartens in den Wurzeln seiner Pflanzen liegt, fängt die Gesundheit im Darm an, also sozusagen in den inneren Wurzeln des Körpers. Der Darm ist das Zentrum von Gesundheit, Krankheit und Dysfunktionen. Wenn Sie also herausfinden, warum Ihre Blätter sich – bildlich gesprochen – braun verfärben, lohnt es sich, einen genaueren Blick auf den Darm zu werfen.

Das Clean Darm-Programm wird Ihrem Körper dabei helfen, den Darm zu reparieren. Unabhängig von Ihrem aktuellen Gesundheitszustand werden Sie davon profitieren. Es baut auf den „vier Rs“ der Funktionellen Medizin auf – „Remove“ (Eliminieren / Weglassen), „Replace“ (Ersetzen / Hinzufügen), „Reinoculate“ (Neubesiedeln) und „Repair“ (Reparieren) – und ist in zwei Phasen unterteilt. Die erste Phase besteht aus einer dreiwöchigen Diät, bei der es vor allem darum geht, leicht verdauliche und wenig Zucker enthaltende Nahrungsmittel zu sich zu nehmen und die Speisen wegzulassen, die zu Fehlfunktionen des Darms führen. Zu dieser Phase gehört auch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, die bei jenen Aspekten der Darmsanierung behilflich sind, die Ihr Körper nicht allein bewältigen kann. Die zweite – und ausschlaggebende – Phase dauert sieben Tage und ist ein Wiedereinführungsprozess, bei dem festgestellt wird, welche Nahrungsmittel Ihnen am meisten schaden. Diese Allergie- bzw. „toxischen“ Auslöser, wie ich sie nenne, müssen gefunden werden, um die Darmgesundheit völlig wiederherzustellen und zu erhalten. Zusammengenommen handelt es sich um ein umfassendes Programm, das Sie problemlos in Ihren Tagesablauf integrieren können und das in der Lage ist, jene Region Ihres Körpers zu heilen und wiederherzustellen, die im Alltagsleben am stärksten belastet ist: den Darm.

Wir alle spazieren mit beschädigten Därmen herum und haben die – mal stärker, mal weniger stark ausgeprägten – Konsequenzen für unseren momentanen und langfristigen Gesundheitszustand zu tragen. Wenn unser Darm nicht optimal funktioniert, haben wir nicht die geringste Chance, auf Dauer wirklich gesund zu sein. Reparieren wir den Darm jedoch und beseitigen so die Hauptursache der Krankheiten, dann werden schwere und leichtere Symptome verschwinden. Und dann erst werden wir merken, was wahre Gesundheit bedeutet und wie sie sich anfühlt.

Bei manchen mag sich die Veränderung in Form einer leichteren Besserung äußern, doch selbst die kann schon ein überwältigendes Gefühl sein. Jimmy, ein guter Freund von mir, lebt wirklich gesund, ernährt sich ausgewogen und bewegt sich regelmäßig. Laut eigener Aussage fühlt er sich immer großartig. Da er aber mein Freund ist, musste er sich immer wieder anhören, was ich bei vielen anderen Menschen beobachte. Das machte ihn neugierig und brachte ihn dazu, das Clean Darm-Programm selbst auszuprobieren. Danach schilderte er mir, dass er jetzt viel tiefer und langsamer atmen könne, die Luft in seiner Lunge sich frisch und neu anfühle und er so etwas noch nie erlebt habe. Er sagte auch, dass er sich nun viel wacher und bewusster fühle, dass ihm das bloße Atmen ein Gefühl der Zufriedenheit und Freude gäbe. Insgesamt könnte er so jede Minute des Tages besser und klarer erleben.

Für andere hat das Programm viel weitreichendere Folgen – zum Beispiel für Magdalena. Diese Frau hatte sich stets müde gefühlt und an vielen schwächenden Symptomen gelitten: einem trockenen Mund und ausgetrockneten Augen, Gelenkschmerzen, einige Wochen anhaltenden Mehrfachinfektionen und noch einigen mehr. Sie suchte deshalb etliche Ärzte auf, bis einer bei ihr die Immunerkrankung Morbus Adamantiades-Behçet diagnostizierte. Man teilte ihr mit, dass diese Krankheit bei ihr so weit fortgeschritten sei, dass als Behandlung nur Methotrexat – ein Chemotherapeutikum, das auch bei vielen Krebsarten eingesetzt wird – infrage komme. Die größte Angst jagte ihr dabei ein, dass dieses Medikament ihre Chancen, schwanger zu werden, erheblich reduzierte. Kurz nach Erhalt der Diagnose kontaktierte mich Magdalena aus Uruguay. Ich verordnete ihr versuchsweise mein Clean Darm-Programm, bevor sie die Behandlung mit Methotrexat beginnen sollte. Nach 21 Tagen waren die meisten ihrer Symptome entweder zur Gänze verschwunden oder hatten sich erheblich gebessert. Magdalena berichtete, dass sie sich nie zuvor so stark, so gut oder so gesund gefühlt hatte. Sie beschloss, die Therapie mit dem Chemotherapeutikum sein zu lassen und stattdessen zu versuchen, schwanger zu werden.

Ob wir nur die unvermeidlichen kleinen Schäden im Körper beseitigen oder Erkrankungen gleich an der Wurzel ausrotten – die Verbesserung der Darmgesundheit hat bei meinen Patienten stets dazu geführt, dass sie sich in einem zuvor unvorstellbaren Ausmaß gesünder und lebendiger fühlten. Der hier vorgestellte Ansatz zur Darmsanierung ist der wichtigste Teil meines ärztlichen Repertoires und hat vielen meiner Patienten in aller Welt sehr geholfen. Nun können auch Sie in den Genuss dieser Methode kommen, indem Sie einfach das in Kapitel 6 beschriebene Clean Darm-Programm durchführen. Machen Sie Ihren Darm wieder gesund und stoppen Sie Krankheiten bereits im Ansatz, direkt aus dem Bauch heraus!

So wie schon Clean nicht mit millionenschweren klinischen Studien oder durch die finanzielle Förderung eines Pharma­unternehmens aus der Taufe gehoben wurde, ist auch Clean Darm das Ergebnis meines persönlichen, spirituellen und beruflichen Werdegangs – einer Reise, die mich rund um die Welt führte, bis ich wieder dort landete, wo einst alles begonnen hatte: beim Gärtner Fermin und meiner ersten Lektion.

Kapitel 2: Patient, Lehrer und Arzt

Es war nicht etwa so, dass ich eines schönen Tages aufwachte und beschloss, mich als Arzt völlig neu zu erfinden. Ich suchte vielmehr verzweifelt nach einer Lösung für meine eigenen gesundheitlichen Probleme.

Nach einer anstrengenden Facharztausbildung am Beekman Downtown Hospital der New York University und einer äußerst strapaziösen Zusatzausbildung am Lenox Hill Hospital, wo ich während meiner nächtlichen Bereitschaftsdienste die kardiologische Intensivstation leitete, war ich gesundheitlich am Boden. Sechs Jahre schier endloser Arbeitstage, schlafloser Nächte und einer Ernährung, die ausschließlich aus Mikrowellen-Fertiggerichten und Fast Food bestand, hatten meinen körperlichen und seelischen Zustand ziemlich ruiniert. Ich war übergewichtig und dauernd erschöpft, litt an Depressionen und tausend Wehwehchen. Meine jahreszeitlich bedingten Allergien, die kurz nach meinem Umzug nach New York aufgetaucht waren, quälten mich mittlerweile das ganze Jahr hindurch. Ich musste dauernd niesen, verspürte Juckreiz, schniefte und hustete. Aus einer anfangs leichten Verstopfung – verursacht durch Schnellimbissgerichte, Automatensnacks, mitgebrachtes Essen der Krankenschwestern und Menüs aus der Krankenhauskantine – waren permanente Magenschmerzen, Bauchkrämpfe, Blähungen und heftige Durchfälle geworden, die manchmal schon wenige Minuten nach einer Mahlzeit auftraten. Wenn ich mich länger als ein paar Stunden in der Sonne aufhielt, bekam ich Blasen an den Lippen. Ich litt an Hämorrhoiden. An den meisten Tagen konnte ich nicht vernünftig arbeiten – und, um ehrlich zu sein, wollte ich auch gar nicht.

Ich stand kurz vor dem Aufgeben, also beschloss ich, meine Kollegen um Rat zu fragen. Ich suchte drei Fachärzte auf: einen Allergiespezialisten, einen Gastroenterologen und einen Psychiater. Das Ergebnis waren sieben rezeptpflichtige Medikamente für drei diagnostizierte Erkrankungen: schwere Allergien, Reizdarmsyndrom und Depression. Die bloße Vorstellung, für den Rest meines Lebens chemische Substanzen einnehmen zu müssen, nur um zu funktionieren, ergab keinen Sinn für mich. Daher begann ich außerhalb meiner Welt der Krankenhäuser und Arztpraxen nach Antworten zu suchen. Dieser Weg führte mich zum ersten meiner drei Aha-Erlebnisse – meiner drei Schlüsselerkenntnisse über das Leben und die Gesundheit, die bis heute meinen ganzheitlichen Ansatz zu Medizin und Gesundheit beeinflussen.

Die Reise beginnt: Eine Vorschau auf das Erwachen

Da mein besorgniserregendstes Symptom die Depressionen waren, ging ich zu Therapeuten, psychologischen Beratern und Sozialarbeitern. Außerdem konsultierte ich Selbsthilfebücher von Nathaniel Branden, Gay Hendricks und Wayne Dyer sowie Shakti Gawains Werke über kreative Visualisierung. Meine Suche führte mich schließlich in eine Meditationsschule, wo ich lernte, dass man durch Meditation einen Zustand des ungestörten gegenwärtigen Erlebens erreichen kann – ein Gefühl dauerhaften Friedens. Während eines intensiven Wochenend-Meditationskurses bekam ich dort einen ersten Vorgeschmack auf diesen Zustand. Verantwortlich dafür war die Lehrerin der Schule, eine Inderin mit starker Ausstrahlung. Diese Frau vermittelt die Prinzipien der Meditation schon durch ihr praktisches Beispiel.

Im Rahmen des Wochenendkurses wechselten sich Chanting-Sitzungen mit ruhigen Meditationsübungen und Gesprächsrunden ab, bei denen die Studenten und die Mönche der Schule ihre persönlichen Erfahrungen austauschten. Ich nahm an allen diesen Stunden teil und versuchte, während der Meditationsübungen so gut wie möglich still zu meditieren. Doch es gelang mir nicht; ich schaffte es nicht einmal, ein paar Minuten lang mit geschlossenen Augen ruhig dazusitzen. In einer Gesprächsrunde berichtete ein französischer Student davon, wie Meditation sein Leben verändert hatte. Seine Geschichte ähnelte der meinen sehr. Als Kind war er fröhlich gewesen, doch später hatte sich sein Verstand verdunkelt und immer mehr negative, hektische Gedanken produziert. Während ich mich mit allem identifizieren konnte, was der Mann erzählte, passierte etwas sehr Seltsames: Plötzlich verdunkelte sich der Saal rund um mich, bis ich eine Art Tunnelblick hatte. Ich nahm nur noch das Gesicht des Franzosen wahr, das sich mir mehr und mehr näherte. Er sah mich direkt an und kam in meiner eingeengten Wahrnehmung immer näher, bis ich – zack! – auf einmal physisch mit ihm den Platz tauschte. Er war ich, und ich war er. Natürlich war ich nicht wirklich er, sondern erlebte nur alles von seinem Standpunkt aus, blickte aus seinen Augen und hatte meinen eigenen Körper vor mir. Als er zu sprechen aufhörte und die anderen Anwesenden ihm applaudierten, kehrte ich mit einem Schlag in meinen Körper zurück und betrachtete nun wieder den Franzosen, der sich für den Applaus bedankte. Ich war der Meinung, kurz halluziniert zu haben.

Da ich sehr stark schwitzte, stand ich schnell auf und ging in die Kantine, um mich dort hinzusetzen, etwas zu trinken und wieder zu mir selbst zu finden. Prema, die der Schule schon lange angehörte, kam zu mir und fragte mich, ob alles in Ordnung sei, weil ich so blass aussähe. Ich erzählte ihr, was passiert war, und sie forderte mich auf, an der nächsten Chanting-Sitzung teilzunehmen. Als wir gerade auf dem Weg dorthin waren, kam uns in einem ansonsten leeren Korridor die Meditationslehrerin entgegen. Wir blieben alle drei stehen, und die Lehrerin blickte mir in die Augen. Sie fragte nach meinem Namen und meinem Beruf, und ich erzählte ihr von meiner Tätigkeit als Herzspezialist. „Aha, das Herz“, sagte sie wissend und lächelte dabei. Dann schlug sie mir ohne ein weiteres Wort kurz gegen die Brust und ging weiter. Ich verlor daraufhin zuerst das Gefühl in den Füßen und dann im restlichen Körper. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmolzen zu einem überwältigenden Gefühl der Ruhe, Freude und Zeitlosigkeit.

In diesem Augenblick erlebte ich meine spirituelle Wiedergeburt. Mein Bewusstsein war an allen Orten zugleich, und ich verspürte ein überwältigendes Gefühl des Friedens, wie ich es zuvor noch nie erlebt hatte. Dieses Gefühl schien eine Ewigkeit lang anzudauern, hielt aber in Wahrheit wahrscheinlich nicht einmal eine Minute lang an. Dann spürte ich jemanden an meiner Hand ziehen und bemerkte irgendwann, dass Prema an mir rüttelte und mich fragte, ob alles okay sei. Sie wischte mir die (Freuden-)Tränen aus dem Gesicht und führte mich in den Veranstaltungssaal zurück.

In den darauffolgenden zwei Wochen erlebte ich spontan zahlreiche ähnliche Episoden. Da ich unbedingt verstehen wollte, was da mit mir passierte, fuhr ich mehrmals zu der Schule zurück, um dort mit den Leuten zu sprechen, mir Videos anzusehen und Bücher aus der Bibliothek zu lesen. Alles deutete darauf hin, dass ich eine Vorschau darauf erlebt hatte, wie meine innere Göttlichkeit sich anfühlen würde. Wenn wir initiiert werden, erhalten wir Zutritt zu unserer geistigen Welt, weil die sich aufgerollte Kundalini-Energie am unteren Ende der Wirbelsäule zu entrollen beginnt und durch etwa 72.000 Energieleitbahnen – die Nadis, die unsere Chakren von unten nach oben verbinden – aufwärts drängt. Mit etwas Übung kann man so das spirituelle Bewusstsein erwachen lassen. Die Energie kommt schließlich im Kronenchakra an – dem Sahasrara oder Tor zum höheren Bewusstsein, in dem wir Klarheit erlangen und viel mehr erkennen können, als uns das mit unserer normalen Wahrnehmung möglich ist.

Etwa einen Monat nach meinem ersten Vorgeschmack auf einen gelassenen, vollständig präsenten Geist gab die Meditationsschule bekannt, dass sie in ihrer indischen Mutterschule einen Arzt benötigte. Dort wurde auf der Erste-Hilfe-Station ein neuer Mediziner gebraucht, da viele der Mönche krank wurden und der bisher dort tätige Arzt gekündigt hatte. Ich füllte das Bewerbungsformular aus und schickte es ab. Schon wenige Tage später erhielt ich eine Antwort: „Wann können Sie hier sein?“

...

Indien eröffnete mir eine gänzlich neue Welt, wörtlich und im übertragenen Sinne. Ich studierte dort nicht nur Meditation. Man führte mich an neue Heilmethoden heran und erweiterte mein Wissen über Yoga, Meditation, indische Philosophien und Spiritualität. Zudem leitete ich eine Klinik, in der Ärzte aus verschiedenen medizinischen Schulen tätig waren. Es gehörte zu meiner Arbeit, ein Team freiwilliger Gesundheitsfachkräfte aus aller Welt zu führen, die die vielen Schüler und Lehrkräfte dieser Meditationsschule behandelten. Wir setzten einen umgebauten Schulbus als fahrendes Krankenhaus ein und fuhren mit ihm in die umliegenden Dörfer. Diese kleinen Gemeinden gehören zu den ärmsten Orten des Planeten, und in ihnen wohnen massenhaft Patienten, die der Hilfe bedürfen. Es war eine der lohnendsten Tätigkeiten meines ganzen Lebens. Ich hätte sie nie entdeckt, wenn ich in den USA geblieben wäre und dort den traditionellen Karriereweg eines Facharztes beschritten hätte.

In Indien praktizierte ich zum ersten Mal integrative Medizin – zuvor hatte ich diesen Ausdruck nicht einmal gekannt – und fühlte mich dabei der Vorstellung vom Arztberuf, die ich in jungen Jahren gehabt hatte, viel näher. Die Praxis war dabei „integrativ“ im wahren Wortsinn, denn mein Team setzte sich nicht nur aus traditionell ausgebildeten Ärzten zusammen, wie ich einer bin. Ihm gehörten unter anderem Ayurveda-Ärzte, Experten für traditionelle chinesische Medizin, Krankenschwestern und -pfleger, Chiropraktiker, Massagetherapeuten, Akupunkteure, Handaufleger und Meditationslehrer an. Jeder von ihnen hatte einen etwas anderen Ansatz und eine andere Philosophie, und ich staunte über die vielen verschiedenen Methoden. Ich hörte anderen Ärzten zu, die mir ihren durchaus einleuchtenden Blickwinkel auf Krankheit und Gesundheit erläuterten, von dem ich in meiner Ausbildung nie etwas mitbekommen hatte. Ich sah, wie Patienten durch Kräuter, bestimmte Ernährungsweisen und Massage geheilt wurden. Naturgemäß gab es immer wieder auch Fälle, zu deren Behandlung die Methoden der westlichen Medizin – also Medikamente und Operationen – notwendig waren, doch je tiefer ich in das Umfeld der integrativen Medizin eintauchte, desto klarer wurde mir, dass Begriffe wie „alternative Heilmethoden“ oder „Schulmedizin“ keine Bedeutung haben. Es geht einzig und allein um den gesunden Menschenverstand. Wir suchten bei jedem unserer Patienten nach den Ursachen für ein Ungleichgewicht im Körper und versuchten dies dann zu beheben. Im Gegensatz zur westlichen Medizin taten wir aber mehr, als nur Symptome zu behandeln und sie unter Kontrolle zu bringen. Wir betrachteten den Körper als Ganzheit, beseitigten seine inneren Blockaden und gaben ihm das, was er brauchte, um in einen Zustand zurückzukehren, der der langfristigen Gesundheit förderlich war. In der Mehrzahl der Fälle sah ich, wie Menschen ihren Körper auch ohne Pillen wiederherstellen konnten. Eines unserer wichtigsten Werkzeuge dabei waren Nahrungsmittel. Ich begann erstmals den tieferen Sinn hinter dem alten Sprichwort zu begreifen, dass Nahrung Medizin ist. Wenn ich heute auf diese Zeit in Indien zurückblicke, dann erkenne ich, dass sie mich auf meine Erkenntnisse über die Bedeutung der Darmgesundheit für den allgemeinen Gesundheitszustand vorbereitet hat.

Mein Jahr in Indien hat mich, gelinde gesagt, völlig verwandelt. Ich sah danach keine Grenzen oder Schranken mehr zwischen „östlicher“ und „westlicher“ Medizin. Die Medizin unterteilte sich für mich nicht mehr in verschiedene Kategorien oder Denkschulen wie „Komplementär-“ oder „Schulmedizin“. Von diesem Zeitpunkt an fasste ich sämtliche medizinischen Traditionen und Verfahren unter dem Begriff der „unvoreingenommenen Medizin“ zusammen. Ziel eines Arztes sollte es sein, die besten Elemente aus jeder Tradition auszuwählen und diesen reichhaltigen Wissensschatz zum Wohle jedes einzelnen Patienten anzuwenden, indem man ihn als einzigartiges Individuum behandelt. Ich hatte aber nicht nur eine völlig neue Perspektive über den ärztlichen Beruf gewonnen, sondern mich auch körperlich verändert. Viele der physischen Beschwerden, die mich in Amerika geplagt hatten, waren besser geworden.