Cleo - Mein Leben als Edelhure - Cleo Eden - E-Book

Cleo - Mein Leben als Edelhure E-Book

Cleo Eden

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Beschreibung

Cleos Geschichten sind amüsant, einfühlsam und sexy. Ihre Kunden haben unterschiedlichste Wünsche: Da gibt es den 'Lehrer', der sie bittet, eine Schuluniform zu tragen; den 'Opa', der sie heiraten will; den 'Bullen', der bei ihr sein Verlangen nach einer verheirateten Kollegin auslebt; oder den 'Nervösen' mit Seitenscheitel und Holzfällerhemd, der vollkommen verklemmt ist. Cleo verliert nie die Nerven! Cool und locker schreibt sie ein Jahr lang Außergewöhnliches und Alltägliches in ihrem Tagebuch nieder. Ein einzigartiger Erlebnisbericht einer Prostituierten. Der Insiderbericht einer Edelhure!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 259

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Cleo van Eden

CLEO

Mein Leben als Edelhure

Aufgeschrieben von Ricardo Enrique

EXPLIZIT

»Eine Edelhure ist für mich jede Hure, die nicht für Dumpingpreise arbeitet, sich auch Gedanken über ihre Gesundheit macht und nicht nur des Geldes wegen Service von A bis Z anbietet, sondern sich und ihren Prinzipien stets treu bleibt; und die darüber hinaus über Niveau, Stil und gute Umgangsformen verfügt, gebildet ist und sich immer fair ihren Kunden gegenüber verhält. In diesem Sinn bin ich eine Edelhure.«

Cleo van Eden

JANUAR

Samstag, 3. Januar

HALLO

Was für ein hektischer Tagesbeginn, erst kurz nach 13 Uhr und bereits zwei Kunden. Ich bin um 9 Uhr aufgestanden, hab mich in fünf Minuten angezogen und wollte raus zur Bäckerei. Doch schon einen Schritt vor der Tür zwang mich die eisige Kälte wieder in meine Wohnung. Besser ausgerüstet (Mütze, Schal, Handschuhe) machte ich mich schließlich auf den Weg zur Bäckerei. Ein gesüßter Milchkaffee und ein halber Salatwrap, während ich ein wenig in der Bild herumblätterte, die da griffbereit lag, und der Tag konnte beginnen. Ich schaltete mein Arbeitshandy ein wenig früher ein als üblich, und schon nach wenigen Minuten klingelte es.

Ein Kunde wollte mich im Hotel Winkler* sehen. Bevor ich ins Hotel fuhr, stattete ich meinem Arbeitsapartment einen kurzen Besuch ab, holte meine »Arbeitsklamotten« und fuhr rüber ins Hotel. Weil es sich um einen Hotelbesuch handelte, trug ich einen eleganten Hosenanzug, um mich zu tarnen. Wir begrüßten uns, er bezahlte mich, wir zogen uns aus, ich streichelte ihn ein bisschen hier und dort und schon spritzte er ab. Ich gab ihm ein paar Taschentücher, und während er sich noch abwischte und ankleidete, war ich bereits angezogen. Wir plauderten noch, tranken stilles Wasser und wenig später war ich wieder auf Hamburgs Straßen unterwegs.

Es dauerte nicht lange, da klingelte mein Handy. Rüber zum nächsten Hotel und rein ins Zimmer. Vor mir ein Herr um die fünfzig, grob geschätzt. Die Begeisterung in seinen Augen, als er mich sah, und an seinem besten Stück, als er schließlich nackt vor mir lag, konnten gegensätzlicher nicht sein. »Ich bin auch nicht mehr der Jüngste …«, sagte er. Es war mir nicht entgangen … Ich streifte ihm das Gummi über und fing an, ihn oral zu befriedigen, da hatte er auch schon einen Orgasmus. Glück gehabt.

Kurz nach 13 Uhr, Zeit für ein Mittagessen. Ich ging zu meinem Lieblingschinesen und bestellte mir zwei vegetarische Frühlingsrollen in süß-saurer Soße (normalerweise eine Vorspeise, aber ich wollte mir heute den Magen nicht zu vollschlagen, da ich noch einiges vorhatte). Noch während ich aß, klingelte mein Handy. Selbst schuld, wenn du vergisst, es abzustellen, dachte ich mir. Trotzdem nahm ich ab, vereinbarte ein Treffen in einer Stunde, aß zu Ende und lief zu Fuß hin, um nicht zu früh anzukommen und mir nebenbei ein bisschen die Beine zu vertreten. Ich lief die Stockwerke rauf im Hotel, und im Zimmer wartete ein junger Dreißiger, mittelgroß, gut gebaut. Er hielt das Tempo immer schön hoch, und das geht in der Doggystyle-Stellung für den Mann natürlich am besten. Eine gefühlte halbe Stunde verbrachten wir miteinander, ehe ich mich schließlich verabschiedete und nach Hause in meine Privatwohnung ging.

*

Ehe ichs vergesse: Hi, mein Name ist Cleo van Eden, ich bin 26 Jahre jung und von Beruf Escort-Lady & Prostituierte. Und dies ist mein Tagebuch. Nun fragt ihr euch sicher, warum ich mit dem Tagebuchschreiben begonnen habe. Das ist ganz einfach: Obwohl ich nie eine passionierte Tagebuchschreiberin war – da ich viel lieber Dinge erlebe, statt über sie zu berichten –, habe ich mir am Silvesterabend fürs neue Jahr etwas vorgenommen: Ich werde ein Jahr lang Tagebuch schreiben, um die aufregenden (und weniger aufregenden) Ereignisse meines Lebens festzuhalten.

Seitdem ich vor ein paar Jahren mit diesem Job angefangen habe, hat sich natürlich nicht nur mein Berufsleben verändert – da war ja klar, dass es sich verändern würde, denn ich habe eine bewusste Entscheidung getroffen, als Prostituierte zu arbeiten –, sondern vielmehr auch mein privates. Und da dies alles große Aufwallungen mit sich brachte, die nicht leicht zu verstehen sind, wird mein Tagebuch ein Hilfsmittel für mich sein, um meine Erlebnisse zu verarbeiten. Ich möchte besser begreifen, wer ich bin und worauf es mir im Leben ankommt.

Seit ich diesen Beruf ausübe, bin ich total glücklich, erfüllt und unabhängig, obwohl es natürlich auch schlechte oder mittelmäßige Tage gibt wie in jedem anderen Job auch. Was mich gegenwärtig aber am meisten bedrückt, ist, dass die Beziehung mit meiner Familie den Bach runtergegangen ist, was natürlich auch mit meiner Berufswahl zu tun hat. Das tut mir sehr weh und ich möchte etwas dagegen tun. Ich weiß, dass dies für alle schwer zu begreifen ist, aber ich glaube fest daran, dass dieser Job an diesem Punkt in meinem Leben genau der richtige für mich ist und dass ich mich in jedem anderen zu Tode gelangweilt oder längst von einem Schuldenberg erdrückt worden wäre.

Ich habe festgestellt, dass ich lieber nach meinen eigenen Regeln arbeite, und könnte mir mittlerweile überhaupt nicht mehr vorstellen, eine Angestellte in irgendeiner Firma zu sein. Natürlich muss ich auch viel Disziplin aufbringen, denn von nichts kommt nichts, aber ich weiß, wofür ich es tu, nämlich nur für mich, und wenn ich wirklich einfach mal keinen Bock habe, dann bleib ich eben zu Hause oder komme später beziehungsweise gehe früher. Nach der Arbeit hat man den Kopf frei, denn es gibt keine unerledigten Aufgaben, die noch auf einen warten wie bei einem normalen Job.

Für mich ist meine Tätigkeit als Prostituierte zum Alltag geworden und ich kann gar nicht viel Ungewöhnliches oder gar Schockierendes mehr daran entdecken. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die Missachtung oder Verachtung, die mir manchmal entgegenschlägt, vor allem mit Unwissenheit und falschen Vorstellungen zu tun hat. Mit diesen will ich aufräumen, indem ich ganz einfach und unverblümt aus meinem Alltag berichte. Ich habe in meinem Beruf einen unglaublichen Erfahrungsschatz gesammelt, den ich teilen möchte. Es werden skurrile Geschichten dabei sein, aber auch einfach amüsante, einige traurige, ein buntes Gemisch eben – wie mein abenteuerliches Leben.

Sonntag, 4. Januar

MEINE KUNDSCHAFT

Der heutige Arbeitstag startete mit dem Besuch eines neuen Kunden. Ein Vierziger (ich kategorisiere meine Kunden in Zwanziger, Dreißiger, Vierziger und so weiter, je nach geschätztem Alter); Anzug, Krawatte, geputzte Lederschuhe und wichtigtuerisches Auftreten.

So stolz und herausgeputzt sind übrigens die meisten meiner Kunden, denn ich bin Escort-Dame und habe sehr unfreundliche Preise, die meine Kundschaft eingrenzen. Viele meiner Kunden sind wichtige Geschäftsleute, die hin und wieder wohl nichts Besseres zu tun haben, als ihre Ehefrauen in den Mittagspausen zu betrügen. Viel wahrscheinlicher ist es aber, dass sie einfach mal wieder Sex haben wollen, denn so nervös, wie sie kurz davor sind, und so schnell, wie sie zum Höhepunkt kommen, scheint da nicht viel Übung drinzustecken.

Montag, 5. Januar

RUHETAG

Von Zeit zu Zeit gönne ich mir einen Ruhetag, ganz nach Lust und Laune, so wie heute. Da nehme ich mir ein wenig Zeit für mich und gehe in die Stadt shoppen, um das ganze Geld zu verprassen, das ich so verdiene. Ich habe schon über vierzig Paar Stiefel und Schuhe, 15 Mäntel und, und, und …

Ihr fragt euch bestimmt, wie viel Geld ich denn so im Monat einnehme. Um ehrlich zu sein, das ist ganz unterschiedlich. Das hängt zunächst einmal vor allem von meiner Arbeitslaune ab. Es gibt Monate, da mache ich praktisch nur Ferien, und andere, da verdiene ich viel. Es ist halt immer ungewiss. Schlecht verdient man vor allem während der Ferienzeit und bei gutem Wetter. Allerdings gehe ich dann häufig selbst in Urlaub. Mittlerweile habe ich es schon raus, wann die guten Monate und Tage und wann die schlechten sind. Wer als Prostituierte arbeitet, hat aber nie die Sicherheit eines festen Gehalts. Dieser Job eignet sich also nicht für Menschen, die ein streng strukturiertes Leben mögen. Man muss spontan sein können.

Da ich eine freischaffende Hure bin, habe ich ein Apartment, wo meine Kunden (oder die, die es werden wollen) mich besuchen können. Allerdings lasse ich mich auch in ein Hotel einladen. Und ab und zu mache ich Hausbesuche, was aber selten vorkommt. Diesen Service biete ich nur Kunden an, die mir sehr gut vertraut sind.

Dienstag, 6. Januar

JUDGEMENT-DAY

Heute habe ich an den Tag gedacht, als mein Vater erfuhr, dass ich als Hure arbeite. Es war Anfang Januar vor zwei Jahren. Irgendjemand hatte ihm ein paar Hinweise gegeben, und er hat mich daraufhin auf dieses Thema angesprochen.

Na toll, da hatte ich den Salat. Ich wollte es allen schon längst erzählt haben, aber wann findet man den richtigen Zeitpunkt, um seinem türkisch-griechischen Vater zu beichten, dass sein kleiner Engel als Hure arbeitet? Sobald er es wusste, war natürlich die Hölle los. Sogar der Satz »Du bist nicht mehr meine Tochter« ist gefallen. Er hat sich große Sorgen gemacht und gleich angenommen, dass ich einen Zuhälter hätte, der mich zwingt, und dass ich drogenabhängig sei und so weiter.

Ich habe klargestellt, dass dies alles nicht so ist, dass ich den Job freiwillig mache, er mir sogar Spaß macht (wer hätte das gedacht?) und ich gutes Geld damit verdiene. Darauf folgten erst einmal zwei Wochen Funkstille. Dann rief mein Vater wieder an und kam auf den Satz vom letzten Gespräch zurück: »Du wirst immer meine Tochter bleiben und ich liebe dich, egal was du machst.« Ich war sehr erleichtert, schließlich ist mein Vater für mich die wichtigste Person in meinem Leben. Ich bin bei ihm aufgewachsen, seit dem Vorfall damals, den ich meiner Mutter nie verziehen habe.

Das Verhältnis zu meinem Vater ist nun aber trotzdem gestört. Wir telefonieren nur noch selten, alle paar Monate höchstens. Meine beste Freundin Clara hat es Gott sei Dank ein bisschen besser aufgenommen, als sie ebenfalls durch eine andere Person davon erfuhr. Sie war zwar schockiert und hat sich die gleichen Sorgen gemacht wie mein Vater, aber ihr Hauptproblem war, dass ich sie die ganze Zeit lang belogen hatte, was mir wirklich leidtat.

Aus diesen Fehlern habe ich gelernt. Dem restlichen Freundes- und Familienkreis habe ich selbst erzählt, was ich mache, und auch in Zukunft werde ich ganz offen mit diesem Thema umgehen und meinen Job nicht verheimlichen. Schließlich bin ich sehr stolz auf ihn. Wenn man so eine Tätigkeit wählt, trennt sich übrigens die Spreu vom Weizen, was das Umfeld anbelangt: Man findet heraus, wer wirklich zu einem steht und wer nicht.

Mittwoch, 7. Januar

DU KOMMST MIR IRGENDWIE BEKANNT VOR

Am heutigen Tage, der alles andere als verlockend anfing (Nieselregen, Wind), erledigte ich erst mal meinen Papierkram. Ja, genau. Ihr glaubt vielleicht, alles, was ich tue, sei bumsen und blasen, aber weit gefehlt! Meine Finanzen werden regelmäßig überprüft. Schließlich hab ich ein BWL-Studium hinter mir. Das hättet ihr nicht gedacht, dass ich Zahlen mag, oder? Aber Huren sind vielseitig. Sie sind unter anderem auch Geschäftsfrauen.

Schließlich war alles geschafft und ich dachte mir: Jetzt schnell wieder arbeiten, denn nach den hohen Ausgaben für Klamotten, Make-up und Schuhe sahen meine Finanzen gar nicht gut aus. Ich stellte mein Arbeitshandy an und kurze Zeit später erhielt ich auch schon einen Anruf. Treffen vereinbart, in einer halben Stunde im Bridgehotel. Als ich dort angekommen war, begrüßten wir uns und ich betrachtete den Typen intensiv.

»Stimmt was nicht?«, wollte er wissen.

»Nein, nichts.«

Woher kannte ich ihn? Oder auch nicht? Ich sagte lieber nichts, um mich nicht zu blamieren. Wir legten los, ich konnte gar nichts machen, da fiel er schon über mich her. Ich zog ihm das Kondom an und begann mit dem Blowjob. Dann gingen wir aufs Bett und legten richtig los. Ich habe selten so oft die Stellung gewechselt. Erst ich oben, dann er oben, dann Doggystyle, dann von der Seite, dann nahm er meine Beine und legte sie neben meinen Kopf, während er mich im Stehen von oben vögelte. Am Ende setzte ich mich umgekehrt auf ihn drauf, und er kam zum Orgasmus.

Fertig geduscht sagte er dann den Satz, auf den ich die ganze Zeit gewartet hatte: »Es ist jedes Mal geil mit dir.«

Ich musste improvisieren: »Ja, stimmt! Wann warst du noch mal das letzte Mal hier?«

»Also, das war vor ungefähr nem halben Jahr. Weißt du das nicht mehr?«

»Doch, klar!« Wie peinlich! Ich konnte mich natürlich nicht mehr daran erinnern, aber das wollte ich ihm selbstverständlich nicht auf die Nase binden.

»Hehe, also dann bis zum nächsten Mal.«

»Okay, aber lass dir nicht wieder ein halbes Jahr Zeit damit. Kannst ruhig häufiger kommen.« Auch in unserem Geschäft ist Kundenbindung wichtig!

»Gern, sofern ich Zeit hab, komm ich immer gern zu dir, Cleo.«

Ich küsste ihn zweimal auf die Wange und machte mich auf den Heimweg. Dann fiel mir sein Name ein …

Donnerstag, 8. Januar

ICH

•bin 26 Jahre jung

•bin glücklich vergeben

•habe schon in sieben verschiedenen Wohnungen gewohnt

•habe nur 13 Mal im Leben gekocht

•von den 13 Mal hab ich nur sieben Mal das Essen auch gegessen

•bin zu je einem Viertel deutsch, schwedisch, türkisch und griechisch

•bin unordentlich

•bin süchtig nach Süßem (vor allem Schokolade und Eis)

•mag aber Fastfood nicht besonders, lieber frische Sachen

•habe von Natur aus hellbraune Haare, färbe sie mir aber fast schwarz

•verstehe mich manchmal selbst nicht

•schminke mich nicht gern, obwohl ich es muss

•liebe SpongeBob

•habe über 41 Paar Stiefel

•finde nie was zum Anziehen in meinem Schrank

•habe von Politik null Ahnung, dafür umso mehr von Klatsch und Tratsch

•frage mich manchmal, ob z. B. normale Leute aus meinem Alltag abseits meines Jobs sich denken können, was ich beruflich tue (z. B. die Supermarktkassiererin oder die Schuhverkäuferin)

•frage mich auch manchmal, wie viele dieser Menschen, die mir tagtäglich begegnen, ein Doppelleben führen. Wer davon ist z. B. ein Freier und betrügt heimlich seine Ehefrau oder wer steckt vielleicht in dem Körper eines Mannes, würde aber viel lieber eine Frau sein oder wer sieht aus wie ein verklemmter Banker und geht in seiner Freizeit in Swingerclubs …

•träume manchmal zu viel …

Freitag, 9. Januar

NERDS

Freitag, Wochenende! Am Wochenende wechselt die Kundschaft tendenziell vom verheirateten Geschäftsmann zum allein-oder-noch-bei-seinen-Eltern-lebenden Nerd. Das war an diesem Wochenende nicht anders. Ein junger Nerd rief mich an, so um die vier oder fünf Mal, stellte ständig Fragen: wie ich denn gerade angezogen sei, was für Hobbys ich hätte usw. Außerdem erklärte er mir, dass er sich wahnsinnig auf unser Treffen freuen und sich mich schon in Gedanken vorstellen würde. Ehrlich gesagt, machte er einen etwas nervösen Eindruck auf mich am Telefon. Als er endlich in meinem Arbeitsapartment ankam, begrüßte er mich mit einem: »So, da bin ich endlich.«

Ich zog nichtsahnend meine Stiefel aus, da spritzte er bereits ab. Und er hatte nicht mal Zeit, sich die Hose auszuziehen. Also verbrachte er den Rest der gebuchten Zeit damit, sich mit Föhn und Heizung seine Hose zu trocknen. Er war am Rande der Verzweiflung: »Um Himmels willen, was soll ich denn jetzt nur Mama sagen?«

Schließlich überreichte ich ihm die im Genitalbereich noch halbnasse Hose, denn er musste zum Abendbrot pünktlich wieder zu Hause sein.

Samstag, 10. Januar

DER SOLDAT

Ich zappte mich ein wenig durch die Programme im Privatraum meines Apartments (ein Raum, den Kunden nie zu Gesicht bekommen), als es klingelte. Ich machte die Tür auf und der »Soldat« stand vor mir. Und zwar uniformiert.

»Stillgestanden!«

»Na, wenn das nicht mein Soldat ist!« Ich lehnte mich leger in den Türrahmen.

»Hi Cleo. Ich konnte mich noch nicht umziehen, da ich gerade vom Dienst komme und ich dich besuchen wollte, bevor ich nach Hause fahre.«

»Das macht doch nichts.«

»…?«

Ich zog ihn ins Zimmer rein, holte seinen bereits steifen Schwanz raus, tütete ihn ein und fing an zu blasen.

»Hui, warte, lass mich meine Sachen ausziehen!«

»Nein! Ich steh auf die Uniform.«

»Mir ist aber total warm hier.«

Ich gebe zu, dass ich keine Freundin kalter Räume bin und meine Heizung in der Regel auf Maximum stelle.

»Okay, na gut, aber lass das Barett auf bitte! Das ist sexy.«

Ich zog mich aus und sagte ihm, ich könne es kaum erwarten, von ihm richtig rangenommen zu werden, während er schon nackt, aber noch mit Barett auf dem Kopf, dastand und auf mich wartete.

»Bestraf mich, Soldat!«

»Für Sie immer noch ›Herr Soldat‹, Rekrutin Cleo!«

Um das Ganze etwas realistischer zu machen, siezen wir uns immer, wenn es langsam zur Sache geht.

»Aber natürlich!«

»Wer hat Ihnen erlaubt zu reden, Rekrutin?«, antwortete er und gab mir einen Klaps auf den Hintern.

»Oh, Entschuldigung. Bestrafen Sie mich bitte für meine Undiszipliniertheit.«

»Auf die Knie! Und blasen! Schön langsam.«

»Ich halt es nicht mehr länger aus. Lassen Sie mich Ihr Gewehr besteigen.«

»Nur, wenn ich den Befehl dafür erteile. Und jetzt weiter im Takt. Eins, zwei, eins, zwei.«

Ich blies, bis mir der Kiefer wehtat. Als Rekrutin muss man halt ein hartes Programm durchstehen.

»Gute Arbeit, Rekrutin Cleo, zur Belohnung dürfen Sie mein Gewehr besteigen.«

»Wie gütig von Ihnen, Herr Soldat.«

Er legte sich aufs Bett, und ich bestieg ihn.

Kurze Zeit später: »Hui, Herr Soldat! Was für ein großes Kaliber Sie da haben.«

»Groß und immer zum Abschuss bereit! Und jetzt aufgestanden und rechtsrum drehen!«

Ich tat, wie mir geheißen. Er stellte mich mit dem Gesicht zur Wand, schob sein Barett zurecht, das die ganze Zeit runterrutschen wollte, und vögelte mich weiter im Stehen von hinten.

»Oh ja, Rekrutin, oh ja, ich komme! Hinknien!«

Er nahm schnell seinen militärischen Schwanz aus meiner Rekrutenmuschi, drückte mich runter, streifte das Kondom ab und spritzte meine Brüste voller Sahne.

»Danke, Herr Soldat, dass Sie mir endlich Disziplin beigebracht haben.«

»Bedanken Sie sich nicht, Rekrutin Cleo, beim nächsten Mal werde ich nicht so sanft mit Ihnen umgehen.«

Sonntag, 11. Januar

DER OPA – TEIL 1

Dieser winterliche Sonntag startete eiskalt. Fast wäre ich auf dem durch den Frost sehr rutschigen Bürgersteig ausgerutscht. Mir war nicht nach Arbeiten zumute, und deshalb verbrachte ich den Nachmittag lieber mit Alexander, meinem Freund, bei ihm zu Hause.

Einen Termin vereinbarte ich dann trotzdem am späten Nachmittag mit einem mir sehr vertrauten Stammkunden, denn mein Freund wollte noch zu seinen Kumpels, und ich hatte keine Lust, allein nach Hause zu gehen. Also ging ich rüber ins Apartment und wartete auf meinen Stammkunden. Um genau 18 Uhr war es dann so weit, der »Opa« trat herein. Natürlich nicht mein Opa, sondern »der« Opa. Das soll nicht despektierlich klingen, aber ich nenne ihn so, da er mein wohl ältester Stammkunde ist. Wir waren circa eine Stunde zusammen und eigentlich passierte nichts. Also nichts Physisches. Er quasselte mich stattdessen lieber mit romantischen Liebeserklärungen voll. Mein einziger Wunsch war, das Ganze schnell hinter mich zu bringen. Aber da der Opa seinen alten Kameraden kaum mehr hochbekommt, war dies wie immer ein aussichtsloses Ziel.

Dienstag, 13. Januar

RESPEKTIER MEINE AUTORITÄT

Nachdem ich heute etwas länger geschlafen hatte (bis 10:00 Uhr), begann auch mein Arbeitstag etwas später als gewöhnlich. Wenigstens kann bei mir niemand meckern. Als ich mein Arbeitshandy endlich einschaltete, dauerte es gar nicht lange, bis jemand anrief. Und zwar ein gewisser Jemand, der unbedingt ausgepeitscht werden wollte. Normalerweise gehört der Sado-Maso-Bereich ja nicht zu meinen größten Vorlieben. Da er mir aber eine beträchtliche Summe anbot, habe ich nicht Nein gesagt. Ich habe in einer Ecke meines Zimmers in meinem Arbeitsapartment ein paar Domina-Utensilien und eine schöne Peitsche ist natürlich auch dabei.

Er besuchte mich wie abgemacht in meinem Apartment. Ich befahl ihm sofort, seinen Hintern zu entblößen. Danach legte er sich aufs Bett, und ich fing mit der schmerzvollen Prozedur an. Bald schmückten rote Streifen seinen Hintern, und er kniff die Augen zusammen. Ich sagte in autoritärem Ton, wie Eric Cartman von South Park: »Respektier meine Autoritäää!!«

Mit leiser, unterwürfiger Stimme entgegnete er: »Ja, meine Herrin!« Ich bestrafte ihn noch ein wenig und legte danach einen Eisbeutel auf seinen Hintern, der ihn leicht aufstöhnen ließ. Wir unterhielten uns, und er erzählte mir, dass er Abteilungsleiter bei einer Versicherung sei. Weil er in seinem Job Ansehen und Autorität genießt, findet er einen Ausgleich zu seinem Alltag, indem er sich in die Rolle eines Untergebenen hineinversetzt. Er versprach mir, mich häufiger zu buchen, um weitere Bestrafungen auszuprobieren, und schließlich verabschiedeten wir uns herzlich voneinander.

Mittwoch, 14. Januar

CURRICULUM VITAE – TEIL 1

Heute werde ich mal einen Ausflug in die Vergangenheit machen, um euch zu erklären, wie es sich eigentlich ergeben hat, dass ich heute da bin, wo ich bin.

Ich wurde am 21. Februar 1982 in Hamburg-Wandsbek geboren. Meine Mutter ist Hamburgerin mit schwedischen Wurzeln, mein Vater wurde in einer Kleinstadt in der Türkei geboren. Sein Vater stammte von Kreta und war in die Türkei ausgewandert. Mit Anfang zwanzig war mein Vater im Auftrag seines damaligen türkischen Chefs nach Hamburg gereist, um Auslandserfahrungen zu sammeln. Auf dem Hamburger Dom lernte er meine damals 15-jährige Mutter kennen. Als sie 18 war, haben sie geheiratet.

Als ich vier Jahre alt war, trennten sich meine Eltern, und ich zog nun mit meiner Mutter und meiner zwei Jahre älteren Schwester zu meinem neuen Stiefvater. In der Schule verlief alles nach Plan. Ich absolvierte problemlos die Grundschule, um später auf ein Musikgymnasium zu gehen, wo ich Querflöte im Klassenorchester spielte. Besonders musikalisch war ich nicht und die klassische Musik, die wir dort spielen mussten, interessierte mich wenig. Ich ging eigentlich nur aufs Musikgymnasium, weil meine beste Freundin aus der Grundschulzeit auch dort war. Ich ging nie gern zur Schule, war zugegebenermaßen eine sehr faule Schülerin, besonders nachdem ich mit 14 angefangen hatte, für mein Taschengeld zu arbeiten – als Babysitterin oder Kellnerin, bei H&M und im Sonnenstudio. Irgendwie war mir die Arbeit wichtiger als die Schule. Ich habe natürlich auch viel Zeit mit Freunden verbracht und schätzungsweise seit meinem zwölften Lebensjahr mich für Jungs interessiert.

Während meiner Schulzeit geschah etwas Schreckliches. Vielleicht werde ich später mehr darüber erzählen, wenn ich mich an das Tagebuchschreiben gewöhnt habe. Als ich die fünfte Klasse besuchte, zog ich jedenfalls zu meinem Vater und seiner zweiten Frau (einer wahren Hexe) nach Henstedt-Ulzburg in Schleswig-Holstein.

Auch diese Ehe ging in die Brüche, und zwar als ich 13 Jahre alt war, und so zog ich mit meinem Vater nach Norderstedt, ein relativ verschlafenes Städtchen nördlich von Hamburg. Durch den Umzug war ich gezwungen, die Schule zu wechseln, und so musste ich leider das Querflötespielen aufgeben und ein normales Gymnasium besuchen, da es in Norderstedt natürlich nicht so eine große Auswahl an Gymnasien gab. Kurze Zeit später verstarb mein Großvater mütterlicherseits. Das war für mich eine der schlimmsten Erfahrungen meines Lebens. Zu meinen deutschen Großeltern hatte ich immer ein enges und gutes Verhältnis gehabt, zu meinem Großvater sogar ein sehr gutes: Wir waren irgendwie seelenverwandt, er hat mich immer verstanden und immer zu mir gehalten. Wenn ich an meinen Opa denke, erinnere ich mich daran, dass er ein sehr großes Herz hatte und gleichzeitig aber sehr impulsiv sein konnte. Er war ein schlechter Verlierer. Bei Mensch Ärger Dich Nicht hat er regelmäßig versucht zu schummeln oder sogar das Spielbrett mitsamt Figuren durchs Zimmer geworfen, wenn er verloren hatte. Trotzdem war er für mich neben meinem Vater eine meiner wichtigsten Bezugspersonen in meiner Familie. Leider ist er sehr früh an Krebs verstorben. Ich konnte mich danach lange nicht auf die Schule konzentrieren und blieb prompt in der neunten Klasse sitzen.

Wie heißt es doch so schön, wenn man ganz tief gesunken ist, kann es eigentlich nur besser werden! Und es tat sich tatsächlich etwas Positives auf in meinem Leben. Mit 14 lernte ich meinen ersten Freund, Georg, kennen, in den ich mich sofort verliebte. Wir waren sieben Jahre lang zusammen. Es war wohl die typische Teenager-Love-Story, wir haben erste sexuelle Erlebnisse geteilt und vertieft. Wir kannten uns so gut und waren so eng miteinander, dass wir teilweise die Gedanken des anderen lesen konnten. Wir waren sehr gleichberechtigt in der Beziehung und haben in den sieben Jahren kaum einen Tag nicht zusammen verbracht. Auch unsere Familien verstanden sich prima, wir feierten alle Festivitäten wie Geburtstage, Weihnachten und so weiter zusammen.

Mein Vater verliebte sich seinerseits erneut, als ich 17 Jahre alt war. Seine neue Frau zog mit ihm zusammen, und ich mietete gleichzeitig meine erste eigene Wohnung in Norderstedt. Ein Jahr später zog ich mit Georg nach Hamburg. Ich wechselte auf ein Hamburger Gymnasium und machte 2002 mein Abi. Aber das enge Zusammenleben in der großen Stadt zerstörte die für unzerstörbar gehaltene Beziehung mit Georg. Wir waren noch sehr jung und mit dem Erwachsenwerden hatten wir uns in verschiedene Richtungen entwickelt. Außerdem verspürten wir wohl beide den Drang danach, noch mehr zu erleben und nicht für immer bei der ersten großen Liebe stehen zu bleiben, und so trennten wir uns zwei Jahre später. Die Liebe war verflogen …

Aber auch, wenn wir heute keinen Kontakt mehr haben, wird Georg für immer ein wichtiger Teil meines Lebens sein, denn er hat mich meine ganze Jugend über begleitet und unsere gemeinsamen Erlebnisse haben mich sehr geprägt.

Donnerstag, 15. Januar

KEINE ANGST, ICH BEISSE NICHT

Am heutigen Tage hatte ich einen Gast in meinem Apartment zu Besuch, der mir beichtete, dass er schon mehrmals angerufen, aber immer wieder aufgelegt habe, als ich rangegangen sei. Und er hätte sogar schon mehrmals vor der Tür gestanden, sich aber nicht getraut zu klingeln. Heute hat er nun seinen ganzen Mut zusammengenommen … Der Sex war nicht als erwähnenswert einzustufen. Jedoch erinnerte mich seine Angst an einen anderen Fall. Ich zitiere aus meinem Gästebuch, entschuldigt die Fehler:

»Torsten, 11.10.2008, 12:00 Uhr. Männer ganz erlich … ich hab mal an ihrer Tür gestanden, und als Sie aufmachte hab ich gedacht, Aphrodiete persönlich steht vor mir … Sie sieht so super aus, ich hab es einfach nicht fertig gebracht etwas zu sagen, und hatte nur die ausrede, ich hätte mich verklingelt. Jedes mal wenn ich Sie sehe, Versuche ich daran nicht zu denken … Sorry … Cleo, du bist mir zu heis …« [sic]

Also ehrlich, Männer, das kann doch nicht sein. Sollte man sich nicht freuen, einer Frau näherkommen zu dürfen, die man attraktiv findet?! Habt ihr wirklich so viel Angst? Ich beiße doch nicht!

Dienstag, 20. Januar

DER BULLE

Kaum war ich im Arbeitsapartment angekommen, erhielt ich auch die ersten Anrufe. Ich war erst darauf gekommen, mein Arbeitshandy einzuschalten, als ich durch die Tür trat. Gleich der zweite Anruf (der erste war mit verschlüsselter Nummer, weswegen ich ihn wegdrückte) kam von einem meiner Stammkunden. Es war der »Bulle«! Er reservierte sich ein Stündchen bei mir. Der Bulle ist ein Workaholic. Selbst wenn er bei mir ist, habe ich das Gefühl, er sei im Dienst. Er erzählt mir seit neuestem, dass ich ihn an seine neue Arbeitskollegin erinnere, die aber leider schon vergeben ist, weswegen er seine Fantasien bei mir auslebt.

»Ooooh ja, gute Arbeit, Polizeimeisteranwärterin …!«

Mittwoch, 21. Januar

DER WOLLTE ES NUR IM STEHEN

Mitte der Woche, Arbeitslaune ebenfalls mittig. Da gab es nur eins: ab ins Apartment und rein in den Tag. Da die Kundschaft anscheinend auch gerade bei der Arbeit war, blieb ich längere Zeit unbeschäftigt.

Endlich ein Anruf! Das roch nach Beute. Ich nahm ab und wir vereinbarten ein Treffen im Hotel Pop für den Nachmittag. Kaum hatten wir uns begrüßt, bemerkte ich, dass mein Kunde kein großer Freund von Liegen oder Betten war, denn er sagte mir, dass wir das Bett nicht brauchen würden.

Ich kniete mich hin, zog ihm ein Kondom an und fing an zu blasen. Er entspannte sich und genoss die Ruhe vor dem Sturm. Kurz darauf nahm er mich, stellte mich an die Wand und sagte, ich solle mich mit gespreizten Beinen nach vorn beugen. Kaum war ich nach vorn gebeugt, da spürte ich auch schon seinen steifen Schwanz in mir drin. Und so fickten wir hart und schnell weiter im Stehen, bis er kam. Am Ende sagte er: »Ich tue es halt nicht gern auf dem Bett, deshalb geht bei mir und meiner Frau sexuell seit langem nichts. Sie will es immer im Bett vor dem Einschlafen und ich lieber im Stehen nach dem Aufstehen tun.«

Probleme gibts …

Donnerstag, 22. Januar

CURRICULUM VITAE – TEIL 2

Auch wenn es mir damals schwerfiel, daran zu glauben: Mein Leben ging natürlich weiter, nachdem ich mich von Georg getrennt hatte. Ich zog zunächst in eine WG. Mit meiner Mitbewohnerin Jenna verstand ich mich auf Anhieb blendend! Und so fing meine große Partyzeit an. Das Single-Leben war gar nicht so schlecht! Wir gingen jede Woche von Donnerstag bis Samstag feiern, hatten sehr viel Spaß und haben natürlich auch sehr viel Geld ausgegeben. Für viele Drinks und vor allem für viele verschiedene Outfits – man konnte sich ja schließlich nicht zweimal in denselben Klamotten sehen lassen. Mir rann das Geld nur so durch die Finger. Trotzdem glaubte ich, alles unter Kontrolle zu haben.

Ein Jahr nach meinem Abi hatte ich einen dualen Studiengang in der Gabelstaplerfirma, in der mein Vater schon seit Ewigkeiten arbeitet, begonnen. Ich machte eine Ausbildung zur Industriekauffrau mit begleitendem BWL-Studium, Schwerpunkt Marketing, und war blockweise mal ein paar Wochen in der Firma und mal ein paar Wochen in der Uni. Nach meinem Abitur hatte ich nicht so recht gewusst, was ich mit mir anfangen sollte. Ich hielt mich mit Nebenjobs über Wasser, in einem Café, einem Sonnenstudio usw. Ich machte ein Praktikum bei der Polizei, denn dafür interessierte ich mich auch ein wenig, vor allem für das Handschellenanlegen, doch letztendlich war das alles nicht das Richtige für mich.

Georg hatte mich auf die dualen Studiengänge aufmerksam gemacht, er selbst absolvierte auch einen, allerdings bei einer anderen Firma. Mich sprach dieses Modell an, da das Studium so nur drei Jahre dauerte und man gleichzeitig praktische Erfahrungen sammeln konnte, statt immer nur Theorie zu pauken. Man bezieht ein Ausbildungsgehalt, die Firma finanziert das Studium und übernimmt einen nach dem Abschluss. Das Studium selbst ist jedoch um einiges anstrengender, weil man den Stoff, den andere viele Jahre pauken, in drei Jahren beherrschen muss. Ich führte also kein typisches Studenten-Bummelleben, sondern musste in der Firma arbeiten, nebenbei für Klausuren lernen und Hausarbeiten schreiben. Bei allen Lehrveranstaltungen der Uni herrschte Anwesenheitspflicht. Semesterferien gab es für uns nicht. Die Uni sprach davon, dass wir die »Elite« seien, und das Ganze gefiel meinem Vater natürlich sehr …

Die Anwesenheitspflicht und strengen Regeln hatten ihr Gutes. Als »normale« Studentin wäre ich wohl mit vierzig noch nicht fertig gewesen, aber so musste ich mich eben mal am Riemen reißen und die Sache durchziehen. Ich bin durch die zahlreichen Vorträge, die wir in den Seminaren halten mussten, viel selbstbewusster geworden. Auch für meinen Beruf als Prostituierte sind die Vorteile eines Studiums nicht zu unterschätzen, denn die Gäste wollen nicht nur tollen Sex, sondern auch eine Frau, mit der sie sich auf gleichem Niveau unterhalten können. Mit mir können sie sich auch bei einem Geschäftsessen oder ähnlichen Anlass sehen lassen.