Clipper Chroniken - Adrian Birrer - E-Book

Clipper Chroniken E-Book

Adrian Birrer

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Beschreibung

Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Clipper 2023–24 Round the World Yacht Race Was ist nötig, um 45.000 Seemeilen und sechs Ozeane in elf Monaten auf See zu bewältigen und das Rennen als Sieger abzuschliessen? In den Clipper Chroniken liefert Adrian Birrer – Weltumsegler, Crewmitglied und Segelmacher an Bord der Ha Long Bay, Viet Nam (CV31) – einen ungefilterten Bericht über das Clipper 2023–24 Round the World Yacht Race. Teil I – Das Rennen Eine chronologische Erzählung, die die Realität des Regattasegelns auf den Weltmeeren beschreibt. Birrer dokumentiert die mentalen und physischen Anforderungen, die Dynamik der Teamarbeit und den Weg zum Gesamtsieg. Teil II – Leitfaden & Erkenntnisse Ein praxisorientierter Ratgeber für Hochseesegler und Abenteurer, der folgende Themen abdeckt: Clipper-Training sowie physische und mentale Vorbereitung Medizinische Checks, Finanzen und Ausrüstung Wachsysteme, Rollen an Bord und Sicherheitsrelevante Protokolle Segelgarderobe, Handhabung, Reparatur und Wartung Ernährung, Hygiene und Bewegung unter Deck „Wooling“, Packen des Spinnakers und die Philosophie: „Love our Sails“ Basierend auf täglichen Logbucheinträgen, ergänzt durch über 200 Fotografien und eingebettete Social-Media-Links, bieten die Clipper Chroniken einen interaktiven Einblick in eine elfmonatige Reise durch Stürme, Hitze und den fordernden Alltag auf See.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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CLIPPER CHRONIKEN

45'000 Seemeilen rund um die Welt

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Abenteuer und Erlebnisse aus dem

Clipper 2023-24 Round the World Yacht Race

Bild 1: Die Ha Long Bay Viet Nam kurz nach dem Start am 3. September 2023 in Portsmouth (Photo by Clipper Race)

Adrian Birrer

Titel: Clipper-Chroniken

Untertitel: 45000 Seemeilen rund um die Welt –

Abenteuer und Erlebnisse aus dem Clipper 2023-24 Round the World Yacht Race

Autor: Adrian Birrer

Deutsche Erstveröffentlichung: April 2026

Übersetzung aus dem Englischen: Adrian Birrer

© 2026 Adrian Birrer

Alle Rechte vorbehalten. Basierend auf der englischen Erstveröffentlichung 2025 von Adrian Birrer. Das vorliegende Werk, einschliesslich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für den Inhalt ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ohne seine Zustimmung ist untersagt. Veröffentlichung und Vertrieb erfolgen im Auftrag des Autors, der unter folgender Adresse erreichbar ist: tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.

Druck und Vertrieb im Auftrag des Autors: tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland, ISBN: 978-3-384-85858-0

Dieses Buch ist ein Sachbuch. Die beschriebenen Ereignisse und Erfahrungen basieren auf den persönlichen Logbüchern und Beobachtungen des Autors während dem Clipper 2023-24 Round the World Yacht Race. Obwohl alle Anstrengungen unternommen wurden, um die Richtigkeit der Angaben zu gewährleisten, übernimmt der Autor keine Verantwortung für Fehler oder Auslassungen.

Coverdesign & Fotografie: Alle Fotos von Adrian Birrer, sofern nicht anders angegeben. Covergrafik: Clipper Race. Es wurden alle Anstrengungen unternommen, um die Urheberrechtsinhaber aller in diesem Buch verwendeten Materialien zu ermitteln, die nicht vom Autor selbst stammen.

Kontaktadresse gemäss der EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]

Ausgabe: Erste deutsche Ausgabe 2026 / Autorenversion

CLIPPER CHRONIKEN

Abenteuer und Erlebnisse aus dem Clipper 2023-24 Round the World Yacht Race

Ein packender Erlebnisbericht für Hochseesegler, Abenteuerlustige und alle, die von den Ozeanen dieser Welt fasziniert sind. Basierend auf den detaillierten täglichen Aufzeichnungen von Adrian Birrer – Weltumsegler, Crewmitglied und Segelmacher an Bord der Ha Long Bay Viet Nam (CV31), der Siegerjacht des legendären «Clipper 2023–24 Round the World Yacht Race».

In Clipper Chronicles – Teil I „Das Rennen rund um den Globus” erzählt Adrian Birrer (69) Weltumsegler und Segelmacher an Bord der siegreichen Ha Long Bay Viet Nam, die unglaubliche Geschichte des Clipper 2023-24 Round the World Yacht Race. Während dieser über 11 strapaziösen Monate und 45.000 Seemeilen lange Reise mussten die Crewmitglieder eisige Stürme, tropische Hitze, schlaflose Nächte und Momente des Zweifels durchstehen. Das Rennen entschied sich dramatisch am letzten Tag von Schottland zurück nach Portsmouth. Birrers detaillierte, tägliche Logbucheinträge über 331 Tage und Nächte hinweg offenbaren nicht nur die erforderliche körperliche und mentale Ausdauer, sondern auch die tieferen Lektionen, die er über Belastbarkeit, Teamwork, den menschlichen Geist und vor allem vom Planeten Erde gelernt hat.

Mit ehrlichen und anschaulichen Erzählungen taucht Birrer in die Kämpfe und Triumphe seiner Crew ein: den Kampf gegen unberechenbare Meere, das Lernen, einander zu vertrauen und zu unterstützen und die Konfrontation mit den eigenen Grenzen. Vom tosenden Südpolarmeer bis zu den Flauten der Kalmengürtelzone entführt jedes Kapitel die Leser in das risiko- und ereignisreiche Leben an Bord einer Rennyacht ein.

In Clipper Chroniken – Teil II „Empfehlungen & Checklisten” gibt Birrer wertvolle Einblicke und praktische Ratschläge zu Themen wie dem vierwöchigen Clipper-Training, der körperlichen und mentalen Vorbereitung, medizinischen Untersuchungen, der Finanzplanung vor und während des Rennens, den Sorgen von Partnern und Familienangehörigen, Packlisten, Details zu den elf Segeln und den Clipper 70-Rennyachten, persönlicher Sicherheit, dem Verhaltenskodex, Wachsystemen, Rollen an Bord, Hygiene und Hauswirtschaft, Verdauung, Verpflegung, Bewegung unter Deck, dem Rollen und Verpacken eines Spinnaker-Kites sowie der Leitphilosophie: Love your Sails.

Adrian Birrer sagt über sein Buch: «Egal, ob Sie Segler auf Binnenseen oder den Ozeanen dieser Welt oder ein Abenteurer im Herzen sind, meine Geschichte in Clipper Chroniken bietet eine unvergessliche und detaillierte Schilderung dessen, was nötig ist, um Widrigkeiten zu überwinden, Grenzen zu überschreiten, ein Team stark zu machen und im Leben Grosses zu erreichen.»

Dieses Buch ist meiner Frau Katharina gewidmet,

die mich gehen liess und wieder aufnahm.

Inhalt

Cover

Titelblatt

Urheberrechte

Widmung

Dank & Vorwort

Über das Clipper Rennen

Prolog

Maritime Grundlagen

Die Beaufort Windstärkenskala

Glossar

Der Countdown

Teil I – Das Rennen um den Globus

Etappe 1 – die Atlantischen Passatwinde

Rennen 1: Von Portsmouth GB nach Puerto Sherry SP / 1485 sm

Rennen 2: Von Puerto Sherry, SP nach Punta del Este, UY / 5932 sm

Etappe 2 – die SüD-Atlantik-Herausforderung

Rennen 3: Von Punta del Este, UY nach Kapstadt, ZA / 3905 sm

Etappe 3 – die Brüllenden Vierziger

Rennen 4: Von Kapstadt, ZA nach Fremantle, AU / 5227 sm

Etappe 4 – Australien von Küste zu Küste

Rennen 5: Von Fremantle, AU nach Newcastle, AU / 2876 sm

Rennen 6: Von Newcastle, AU nach Airlie Beach, AU / 1153 sm

Etappe 5 – Die Asien-Pazifik Herausforderung

Rennen 7: von Airlie Beach, AU nach Ha Long Bay, VN / 4528 sm

Rennen 8: von Ha Long Bay, VN nach Zhuhai, CHI / 629 sm

Etappe 6 – Der Mächtige Pazifik

Rennen 9: von Zhuhai, CHI nach Qingdao, CHI / 2540 sm

Rennen 10: von Qingdao, CHI nach Seattle, USA / 5600 sm

Etappe 7 – Die USA von Küste zu Küste

Rennen 11: von Seattle, USA nach Panama, PA / 4743 sm

Rennen 12: von Panama, PA Atlantic nach Washington, D.C., USA / 2173 sm

Etappe 8 – Die Rückkehr

Rennen 13: von Washington, D.C., USA nach Oban, SCO / 3802 sm

Rennen 14: von Oban, SCO nach Portsmouth, GB (Finale) / 1004 sm

Epilog

Teil II – Empfehlungen & Checklisten

Clipper Training

Die Ausbildung

Vorbereitungen

Körperlich

Mental

Finanzen

Medizinisch

Dokumente & Versicherungen

Packliste (für Weltumsegler)

Bekleidung

Medikamente, Hygiene

Ergänzungsmittel

Ausrüstungs-Checkliste

Schlafsack

Das Packsystem

Rettungsweste

Auf See

Persönliche Sicherheit

Körperliche Anpassungen

Auf Deck

Unter Deck

Verhalten & Kodex an Bord

Wachsysteme

Rollen an Bord

Aufgaben an Bord

Proviantierung & Hydratation

Hygiene & Haushalt

Seekrankheit

Krängungsdynamik und Sicherheitsmassnahmen

Die Clipper 70 (Fuss) Yacht

Die Clipper RX 72 (Fuss) Yacht

Die Segel

Mainsail & Staysail

Die Yankee-Vorsegel

Asymmetrische Spinnaker

Spezialsegel für extreme Bedingungen

Segeltextilien

Segel Reparatur

Schnüren & Verpacken eines Spinnakers

Meine Rolle als „Sailmaker“

Die Philosophie «Love your Sails”

Der Weg zum Champion

Über den Autor

Literaturverzeichnis

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Clipper Chroniken

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Dank & Vorwort

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Dank & Vorwort

Mein besonderer Dank gilt meiner Frau Katharina. Dass sie mir den Freiraum gegeben hat, diese Reise anzutreten, ist alles andere als selbstverständlich. Während ich auf See war, hat sie zuhause als zentraler Anker alle sozialen, beruflichen und familiären Fäden zusammengehalten. Mein aufrichtiger Dank gilt auch meinen Söhnen Moritz und Leo für ihre Unterstützung, insbesondere Moritz, der zu Hause geblieben ist und seiner Mutter während dieser Zeit eine grosse Hilfe war. Ihre Hingabe und Belastbarkeit haben es mir ermöglicht, dieses Abenteuer zu wagen und dafür bin ich zutiefst dankbar.

Ich danke meinen hochbetagten Eltern für ihre Aufgeschlossenheit, als die Frage aufkam, ob ich im Falle einer schweren Erkrankung – oder Schlimmerem – nach Hause zurückkehren sollte. Sie ermutigten mich, es durchzuziehen und versicherten mir, dass sie sehr gut zurechtkämen.

Ein herzliches Dankeschön geht an alle, die meinen Aufruf zu Spenden für UNICEF gehört und so grosszügig gespendet haben.

Besonderer Dank gilt meinen Beratern:

• Hausarzt Dr. Alexander Pinzello, Praxis in Bülach, Schweiz

• Zahnarzt Dr. Roger Potnik, Praxis am Bellevue in Zürich, Schweiz

• Ernährungsberater Fabian Allemann, Alfavita in Zürich, Schweiz

• Dr. Danielle Gyurech, Travelclinic in Zürich, Schweiz

• Dieter Kuhn, Segelmacher, Romanshorn, Schweiz

• Heiko, World’s End Tattoo Studio, Zürich-Wiedikon, Schweiz

Besonderer Dank gilt Susan „Giffy” Gifford, Eric Froggatt, Antony Bream, Martin Steinlechner, Felix Steiner und Marc Zollinger für ihre Ratschläge und ihre Hilfe beim Korrekturlesen meiner Manuskripte, sowie Andreas Grob und Walter Heckendorn für ihre Medienberatung und technische Unterstützung bei der Bearbeitung dieser deutschen Ausgabe.

An die Crew der Ha Long Bay Viet Nam, meine Teamkollegen: Danke, dass ihr Teil dieser aussergewöhnlichen Reise wart. Ihr wart meine Herausforderung, meine Motivation und meine Lehrer. Von den Höhen der Teamarbeit bis hin zu den Komplexitäten individueller Unterschiede habe ich von jedem von euch wertvolle Lektionen gelernt.

Meine grosse Bewunderung gilt unseren Mitbewerbern und Segelfreunden: Dare to Lead, Our Isles and Oceans, Bekezela, Perseverance, Zhuhai, Yacht Club Punta del Este, Qingdao, Unicef, PSP Logistics und Washington DC. Gemeinsam haben wir heftige Stürme bekämpft und unsere Jachten – und uns selbst – über die Grenzen des Zumutbaren gebracht. Doch im Hafen waren wir Kameraden und haben unvergessliche Momente miteinander geteilt. Ich werde diese Zeit immer mit tiefem Respekt, grosser Zuneigung und viel Fröhlichkeit in Erinnerung behalten.

Mein letzter und ganz besonderer Dank geht an Sir Robin Knox-Johnston, der dieses Abenteuer aufgebaut hat, sowie an das Management, die Verwaltung und das technische Wartungsteam des Clipper Race für ihren unermüdlichen Einsatz. Das Rennbüro stand uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite, während das Wartungsteam unermüdlich daran arbeitete, die Jachten rennfähig zu halten.

SIR ROBIN KNOX-JOHNSTON

Die Segellegende Sir Robin Knox-Johnston, hochdekorierter Weltumsegler und erster Mensch, der 1968–69 solo und nonstop in 312 Tagen die Erde umrundete, ist Gründer des Clipper Round the World Yacht Race und zusammen mit William Ward Mitbegründer von Clipper Ventures.

Bild 2: Sir Robin Knox-Johnston mit mir vor unserer Yacht in Portsmouth

Skipper JOSH STICKLAND

Josh Stickland ist ein äusserst erfahrener Skipper (RYA Yachtmaster Ocean) mit über 150.000 gesegelten Seemeilen. Seine Laufbahn begann früh: Bereits mit zehn Jahren stand er erstmals am Ruder. Später qualifizierte er sich – unterstützt durch den Prince’s Trust und die UKSA – als Wassersportlehrer. Seitdem hat er seinen Weg konsequent auf dem Wasser fortgesetzt.

Er arbeitete weltweit auf Jachten und Superjachten bis zu einer Länge von 110 Metern, sammelte breite praktische Erfahrung und entwickelte ein feines Gespür für Führung, Technik und Navigation. Doch die besondere Anziehungskraft des Clipper Race liess ihn nicht los. Als Skipper von Ha Long Bay Viet Nam im Rennen 2019–20 führte er sein Team zu sechs Podiumsplätzen und zu Rang drei in der Gesamtwertung – ein bemerkenswertes Ergebnis in einem der härtesten Amateurrennen der Welt.

Die Faszination für das Rennen blieb. So kehrte Josh für die Ausgabe 2023–24 erneut als Skipper zurück – bereit für ein zweites Mal, bereit für die nächste Herausforderung.

Bild 3: Unser erster Skipper bis Zhuhai, Josh Stickland

Vorwort von Skipper BOB BEGGS

Bild 4: Skipper Bob Beggs, unser Skipper ab Zhuhai bis zurück nach Portsmouth

Als sehr erfahrener Offshore-Segler (RYA Yachtmaster Ocean) und Ausbilder hat Bob Beggs über 500.000 Seemeilen zurückgelegt und war Skipper in drei früheren Ausgaben des Clipper Race.

Vor seinem Sieg beim Clipper 2023-24 Race führte Bob die Yacht «Bristol» zum Sieg beim Times Clipper 2000 Race und war später Skipper der Qingdao (2015-16) und der Unicef (2017-18). Er ist bis jetzt der einzige Skipper mit zwei Champion Titel im Clipper Race.

Ich freue mich, dass Bob sich die Zeit genommen hat, ein Vorwort zu meinem Buch zu schreiben.

«In diesem Buch berichtet Adrian aus erster Hand, was es wirklich bedeutet, mit einer Clipper 70 um die Welt zu segeln – die Stürme, die unerbittliche Plackerei, die Kameradschaft und das Streben nach dem Sieg. Basierend auf seinem detaillierten Logbuch fängt es die körperlichen und geistigen Anforderungen des Lebens auf See, die rohe Kraft der Natur und die zwischen den Seglern entstandenen Bindungen ein.

Ich traf Adrian zum ersten Mal in Zhuhai, wo ich das Kommando über die Ha Long Bay Viet Nam übernahm. Das Team hatte hart gekämpft, um in der Rangliste aufzusteigen und mein Fokus lag darauf, diesen Schwung beizubehalten. Mit drei Round-the-World-Rennen hinter mir wusste ich, dass die Qualität der Segel entscheidend war. Von Beginn an fiel Adrians Engagement für die Wartung und Reparatur der Segel auf. Da er nicht am offiziellen Clipper-Training teilnehmen konnte, ergriff er die Initiative und absolvierte drei Wochen lang eine unbezahlte Ausbildung bei einem professionellen Segelmacher, wo er wertvolle Erfahrungen sammelte.

Die Etappe von Zhuhai nach Qingdao war zwar kurz, stellte jedoch die Yacht, die Segel und die Crew auf eine harte Probe. Alle Segel wurden gesetzt und es war klar, dass unsere Segel in einem aussergewöhnlich guten Zustand waren – eine Seltenheit in dieser Phase eines globalen Rennens. Als wir uns der Nordpazifik-Etappe näherten – dem härtesten Abschnitt des Rennens – verfeinerten wir jedes Detail. Adrian justierte die Trimmfäden am Grosssegel für eine optimale Trimmung und wir spielten unsere Clipper-Joker-Karte aus, wodurch wir unsere potenziellen Punkte verdoppelten. Was folgte, war ein unerbittlicher Kampf gegen hoch aufragende Wellen, beissende Kälte und unerbittliche Winde, der sowohl die Yacht als auch die Crew an ihre Grenzen brachte. Aber wir gewannen.

Von diesem Moment an gab die Ha Long Bay Viet Nam ihre Führung nicht mehr ab und trug den Schwung bis nach Portsmouth - und zum Gesamtsieg. Jedes Crewmitglied trug zu diesem Erfolg bei und Adrians Beitrag war immens – sei es beim Kampf mit den Segeln auf dem Vordeck, beim Steuern unter schwierigen Bedingungen oder beim Unterhalt eines Segelbestands, der den höchsten Standards für das Rennen entsprach.

Im Kern ist dies eine Geschichte von gewöhnlichen Menschen, die Aussergewöhnliches leisten. Ich bin stolz darauf, Teil dieses Teams gewesen zu sein und dankbar gegenüber allen, die dafür gesorgt haben, dass die Yacht ihre beste Leistung bringen konnte – darunter auch Adrian für sein Können, sein Engagement und seine Freundschaft.

Viel Spass beim Lesen, Bob»

Unsere First Mates (Co-Skipper)

Ella Hebron

Bild 5: First Mate Ella Hebron

“Ich war als First Mate beim Clipper Round the World Yacht Race 2023–24 auf der Ha Long Bay Vietnam tätig von Portsmouth nach Kapstadt (Etappe 1&2) und Fremantle nach Airlie Beach (Etappe 4). Darüber hinaus arbeitete ich für Oyster Yachts im Rahmen der Promotion-Tour für die neu erschienene Oyster 495. Davor war ich als Jollen-Lehrerin und Race Coach tätig und segelte aktiv Regatten in Jollenklassen wie 29er und RS Feva (im britischen Jugend-Nationalkader). Aktuell bin ich Skipperin des Teams ‚Washington, DC‘ beim Clipper 2025-26 Round the World Yacht Race.” (Quelle LinkedIn)

Joss Creswell

Bild 6: First Mate Joss Creswell

Joss Creswell ist ein britischer Offshore-Profi mit beeindruckender Erfolgsbilanz. Als First Mate führte er das Team Perseverance beim Clipper Round the World Yacht Race 2023–24 auf den zweiten Gesamtrang. Er diente als Ersatz First Mate auf der Halong Bay Vietnam in der Etappe 3 von Kapstadt nach Fremantle. Im Juli 2025 gründete er sein eigenes Team „Next Step Racing“. Von Lorient aus tritt er nun in der Elite-Klasse der Figaro 3 an und misst sich auf One-Design-Foiling-Yachten mit den weltbesten Soloseglern. (Quelle: LinkedIn)

Cameron “Cam” McCracken

Bild 7: First Mate Cameron "Cam" McCracken

Mit fast 50.000 Seemeilen Erfahrung in Training und Regatta ist Cameron ein Profi auf dem Ozean. Als First Mate verantwortete er zusammen mit dem Skipper beim Clipper Round the World Yacht Race 2023–24 die Schiffsführung, Renntaktik und das Crew-Training unter Extrembedingungen. Er diente auf der Ha Long Bay Vietnam von Airlie Beach bis ins Ziel (Etappen 5-8). Zuvor sammelte er umfassende Erfahrung auf Langstrecken-Überführungen und High-Performance-Katamaranen. Nach einer Phase als Training Skipper in Gosport ist er seit September 2025 als First Mate für Oyster Yachts tätig. (Quelle LinkedIn)

Über das Clipper Rennen

„Nutze den Moment, entfessle das Abenteuer.“

Das Clipper Round the World Yacht Race ist eine der grössten Herausforderungen der Natur und ein Ausdauertest wie kein anderer.

Das Clipper Race, eine Idee von Sir Robin Knox-Johnston – dem ersten Menschen, der 1968–69 allein und ohne Zwischenstopp die Welt umsegelte –, wurde erstmals 1996 ausgetragen. Das „Clipper Round the World Yacht Race“ ist eine alle zwei Jahre stattfindende Hochseeregatta, bei der zahlende Amateurcrews eine oder mehrere Etappen einer Weltumsegelung absolvieren. Clipper Ventures plc ist Eigentümer und Organisator der Regatta und stellt eine Flotte von zwölf1 baugleichen Rennyachten zur Verfügung, die jeweils mit einem voll qualifizierten Skipper und einem First Mate als Co-Skipper besetzt sind, um die Crew sicher zu führen.

Die Clipper-Regatta zieht Menschen aus allen Gesellschaftsschichten an und hat bereits fast 6.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 60 Nationen ausgebildet und an Rennen teilnehmen lassen – von denen knapp 40 % zuvor keinerlei Segelerfahrung hatten. Alle müssen vor dem Start vier Stufen intensiven Hochseetrainings absolvieren. Das Meer unterscheidet nicht zwischen Frauen und Männern, Profis oder Anfängern. Es gibt kein Entkommen – wenn die See ihre Herausforderungen stellt, muss jede Frau, jeder Mann bereit sein, ihr genauso zu begegnen wie ein erfahrener Profi.

Man navigiert durch die Passatwinde und die Kalmengürtel des Atlantiks auf dem Weg nach Südamerika, trotzt den epischen «Brüllenden Vierzigern», erlebt Sonnenuntergänge über dem Indischen Ozean, stellt sich den hohen Wellen des mächtigen Pazifiks und schliesst Freundschaften mit einer internationalen Crew.

Das Rennen wurde 1995 von Sir Robin Knox-Johnston ins Leben gerufen, der zusammen mit William Ward (CEO) das Unternehmen Clipper Ventures gründete. Die Route folgt den vorherrschenden Strömungen und Winden – von West nach Ost um die Welt. Bei den ersten Rennen gab es noch keine Unternehmens- oder Sponsorenlogos. Im Jahr 2000 trat jedoch die Zeitung THE TIMES als Titelsponsor auf und ein Teil der Flotte wurde erstmals von internationalen Städten unterstützt. Seitdem werden die Jachten von Tourismusverbänden, Hafenstädten und Unternehmen gesponsert.

Der Name „Clipper“ stammt von den historischen Tea Clippern. In den 1830er-Jahren waren Teeklipper kleine, schnelle Frachtsegelschiffe. Für die erste Teelieferung einer Saison, die aus China nach London gelangte, wurden Spitzenpreise bezahlt. Im Rahmen des „Great Tea Race of 1866“ traten vier dieser Schiffe zu einem inoffiziellen Wettrennen an – ein Wettstreit, der später zum Namensgeber der modernen Regatta wurde.

Bild 8: Die acht Etappen des Clipper 2023-24 Round the World Yacht Race

(Personalized Chart Art print, created by www.chartart.co.uk licensed by the UKHO)

Etappe 1: „Die Atlantischen Passatwinde”

Etappe 2: „Die Süd-Atlantik Herausforderung”

Etappe 3: „Die Brüllenden Vierziger”

Etappe 4: „Australien von Küste zu Küste”

Etappe 5: „Die Asien-Pazifik Herausforderung”

Etappe 6: „Der mächtige Pazifik“

Etappe 7: „Die USA von Küste zu Küste“

Etappe 8: „Die Rückkehr“

Die Yachten und ihre Namen im Clipper 2023-24 Round the World Race sind:

CV20 Dare to Lead

CV21 Our Isles and Oceans

CV22 Bekezela

CV23 Perseverance

CV25 Zhuhai

CV26 Yacht Club Punta del Este

CV27 Qingdao

CV28 Unicef

CV29 PSP Logistics

CV30 Washington DC

CV31 Ha Long Bay Viet Nam

1 Am 31. Oktober 2017 lief die Yacht CV24 vor Südafrika auf Grund und erlitt Totalschaden. Seitdem nehmen noch elf Yachten der Serie Clipper 70 an der Regatta teil. Mit der neuen Serie Clipper RX 72 sollen ab 2027 wieder zwölf Rennyachten im Einsatz sein.

Prolog

Gewitterstürme im Atlantik

Während zweier strapaziöser Tage wird der Ozean zugleich zum Gegner und Prüfstein. Rund 220 Seemeilen vor der brasilianischen Küste verwandeln unerbittlicher Wind und peitschender Regen das Deck in eine nasse, umtoste Bühne. Um 02:00 Uhr wird das Yankee 2 gesetzt und das Grosssegel zweifach gerefft, um Sturmwinden der Windstärke 7-8 standzuhalten. Unser Kurs bleibt stabil bei 225°, wir jagen mit 10 Knoten durch die bewegte See, die Yacht rollt und krängt heftig im Sturm. Kaskaden von Wellen prallen auf das Vordeck und durchnässen die Crew mit kalter Gischt, während Blitze die Dunkelheit zerschneiden, sich in unsere Netzhaut brennen und für Sekundenbruchteile schwarze Gewittertürme freilegen.

Der Wind frischt weiter auf und steigt von kräftigen 20 Knoten auf harte 40 Knoten, mit Böen bis Stärke 10. Unter Deck gibt es kaum Entlastung. Bei einer Krängung von 40° wird schon jede Bewegung im engen Schiffskörper zur Herausforderung. Das Schreiben im Logbuch ist kaum noch möglich, während das ständige Schaukeln und Rollen volle Konzentration und Kraft verlangt, um nicht umhergeschleudert zu werden. Der Schlaf, wenn er kommt, ist kurz und unruhig, unterbrochen von den unerbittlichen Schlägen der vom Sturm gepeitschten Rennjacht.

Im ersten Licht des Morgens erscheint schwach am Horizont ein Mast – eine gegnerische Yacht. Der Anblick versetzt uns in Euphorie, weckt neuen Antrieb. Trotz der brutalen Bedingungen zahlt sich unsere unermüdliche Teamarbeit aus – wir schliessen zur Flotte auf.

Der Preis dafür ist spürbar. Arme und Schultern schmerzen von der dauernden Anstrengung, die Füsse sind seit Stunden nass und die Müdigkeit lastet schwer. Doch trotz der Erschöpfung breitet sich in uns leiser Stolz aus, wenn uns bewusst wird, was wir in dieser See leisten. Gegen hoch aufragende Wellen, peitschenden Regen und beissende Kälte behaupten wir uns – als Segler und als Mannschaft. Darin liegt die Essenz des Hochseeregattasports: die unerbittliche, demütigende See, zugleich atemberaubend und fordernd.

Der Wind bleibt launisch, schwächt ab. Bald sind erneut Segelanpassungen notwendig. Wir holen den Spinnaker Code 2 ein und setzen Code 1, mit 326m2 das grösste Segel an Bord. Die Effizienz des Teams zeigt sich darin, dass der Wechsel in nur 15 Minuten abgeschlossen ist. Trotz unserer Bemühungen verkürzt Perseverance, einer unserer härtesten Konkurrenten, den Abstand und liegt nun nur noch 14 Seemeilen achteraus.

Inmitten des Rennens gibt es Momente der Stille und des Staunens. Ein paar Russseeschwalben jagen fliegende Fische, die vor unserem Bug aus dem Wasser schiessen. Ein anderer Vogel kreist neugierig um die Yacht – ein Weissschwanz-Tropikvogel (Phaethon lepturus), hier häufig anzutreffen. Ein Schweinswal taucht kurz auf, später begleitet uns eine Gruppe Delphine. Ihre Anwesenheit wirkt wie ein stiller Ausgleich zur Härte des Rennens.

Glücklicherweise beginnt meine lange Schlafschicht um acht Uhr abends. Die Möglichkeit, mich auszustrecken und auszuruhen, bedeutet nach einem anstrengenden Tag dringend benötigte Erholung. Vorerst lasse ich mich vom Rhythmus und dem Rauschen der Wellen in einen unruhigen Schlaf wiegen.

Maritime Grundlagen

Bild 9: Die Kompassrose mit den wichtigsten Peilungen und den entsprechenden Gradzahlen (Quelle: Adobe Stock)

Bild 10: Windkurse beim Segeln (Quelle: Clipper Handbuch)

Die Beaufort Windstärkenskala

Glossar

Maritime Fachbegriffe DE-EN wie sie im Clipper Race verwendet wurden.

Begriff

Englisch

Erklärung

Abfallen

Bear away, fall off

Eine Kursänderung vom Wind weg.

Achterliek

Leech

Die hintere Kante des Segels.

Achtern

Astern

In Richtung des Hecks

Achterstag

Backstay

Von der Mastspitze zum Heck verlaufender Stag

Amwindkurs

Close hauled

Der naheste Kurs am Wind, den man effektiv segeln kann.

Anluven

Head up

Eine Kursänderung steiler (höher) an den Wind heran

Aufriggen

to rigg

Die Yacht oder die Segel zum Segeln vorbereiten

Auftreffender Windwinkel

Apparent Wind Angle

Windwinkel in welchem der Wind ins Segel fällt

Backbord

Portside

Linke Seite einer Yacht

Baum

Boom

Am Mast angebrachte, waagerechte, schwenkbare Stange, die die untere Kante des Grosssegels trägt

Baumniederholer

Vang

Unten am Mast angreifende Talje, die ein Steigen des Baumes verhindert

Block

Block

Gehäuse mit einer oder mehreren Rollen über welche Leinen verlaufen

Böe

Gust

Ein Windstoss

Boje

Buoy

Schwimmende, visuelle Markierung im Wasser , die als Navigationshilfe oder Warnung dient

Bug

Bow

Vorderster Teil der Yacht (Spitze)

Bullenstander

Preventer

Sicherungstrossen, die den Baum in seiner ausgefierten Position sichern

Cockpit

Cockpit

Bereich in welchem sich die Crew aufhält und die Yacht führt

Cunningham

Cunningham

System zur Einstellung der Vorliekspannung

Deck

Deck

Oberfläche des Rumpfes, Arbeitsfläche

Dingi

Dinghy

kleines Ruderboot

Fall

Halyard

Leine welche zum Hissen des Segels verwendet wird

Fender

Fender

Polster aus unterschiedlichen Materialien um den Rumpf zwischen Steg und anderen Yachten zu schützen

Fussreling

Toe Rail

Kante am äusseren Rand des Decks um den Füssen eine Stütze zu geben

Gleiten

to glide

Schnelles Segeln auf minimaler Wasseroberfläche

GPS

GPS

Global Positioning System, Navigationssystem. Verwendet Satelliten zur Standortbestimmung

Grossschot

Mainsheet

Leine, mit der man den Baum(Grosssegel) anziehen und nachlassen kann

Grosssegel

Mainsail

Hinteres Segel am Mast

Halbwind Kurs

Beam reach

Wind trifft seitlich von 90 Grad in die Segel

Halse

Gybe

bei der Fahrt vor dem Wind die Segelstellung von einer Seite auf die andere ändern

Halsen

to gybe

Kurswechsel während des Segelns, wenn der Wind achterlich weht

Heck

Stern

Hinteres Ende der Yacht

Hissen

to hoist

Das Segel hochziehen

Kiel

Keel

Schweres Unterwassergewicht, um die Yacht aufrecht zu halten

Killen

flapping, shaking

leichte Flatterbewegung eines Segels

Kite, Code

Kite, Code

Gemeint ist ein Spinnaker

Klampe

Cleat

Beschlag zur Sicherung oder Befestigen einer unter Belastung stehenden Leine

Knoten

Knot

Geschwindigkeit in Seemeilen pro Stunde oder eine Seilverknüpfung

Kombüse

Galley

Küche einer Yacht

Kompass

Compass

Anzeigegerät zur Bestimmung der Himmelsrichtungen

Krängung

to heel

Neigung der Yacht

Kreuzen

tacking

Im Zick-Zack Kurs auf ein Ziel in Windrichtung segeln

Latten

Batten

Leisten die die Form des Segels erhalten

Laufender Backstag

Running Backstay

Mobile Leinen, die den Mast zusätzlich in Position halten

Leeseits

Leeward

Dem Wind abgekehrte Seite

Letterbox

Letterbox

Der Spalt zwischen dem Unterliek des Grosssegels und dem Baum

Liekleine

Leech line

Eine Streckleine die im Segel im Vor- oder Unterliek eingenäht ist

Log

Log

Geschwindigkeitsmesser

Lümmelbeschlag

Gooseneck

Flexibler Beschlag der den Baum mit dem Mast verbindet

Luvseits

Windward

Dem Wind zugekehrte Seite

Mann-über-Bord Manöver

Man over board

Eine eingeübte Routine um eine ins Wasser gefallene Person zu retten

Mast

Mast

Vertikale Stange, an der das Grosssegel angeschlagen ist

Niederholer

Downhauler

Eine Leine mit welcher man ein gesetztes Segel hinunterziehen kann

Öse

Cringle

Kleine, runde und verstärkte Öffnung im Segel um z.B. ein Schot anzubringen

Patch

Patch

Ein Stoffflicken um einen Riss im Segel zu reparieren

Peilung

Bearing

Der Winkel zu einem Objekt, gemessen in Kompassoder relativen Graden

Raumschotkurs

Broad reach

Kurs zwischen Amwind- und Vorwindkurs

Reffen

to reef

System zum Verkleinern der Segelfläche

Reling

Rail

Geländer oder Netz entlang der Kante des Decks

Rigg

Rigg

Stehendes Gut

Ruder

Rudder

Mit dem Steuerrad verbundene und am Heck unter Wasser befestigte Fläche, mit welcher man die Yacht steuert

Rumpf

Hull

Yachtkörper

Saling

Spreader

Verstrebung am Mast, die die Wanten nach aussen hält.

Schäkel

Shackle

Verschliessbarer Metallbügel

Schamfilen

Chafe

Verschleiss oder Abschürfen von Leine oder Segel

Scheinbarer Wind

Apparent Wind

Wind, der an Bord wahrgenommen wird. Setzt sich aus Fahrtwind und wahrem Wind zusammen

Schot

Sheet

Leine zum Regulieren der Segelstellung

Schothorn

Clew

Hintere, untere Ecke des Segels

Schotklemme

Jammer

Mechanischer Kneiffbeschlag zum Befestigen einer Leine

Seemeile

Nautical Mile

1,852 Kilometer

Segelhals

Tack

Vordere, untere Segelecke

Segelkopf

Head

Obere Ecke des Segels

Sorgleine

Jackstay

Ein starke Leine die über die gesamte Länge des Decks führt und woran die Crew sich befestigt um ein über Bord gehen zu vemeiden

Spinnaker

Spinnaker

Grossflächiges, bauchiges Spezialsegel für Vorwindkurs

Springline

Spring line

Zusätzliche Festmacherleine zu der Vor- und Achterleine

Stagreiter

Hank

Eine Art metallener Karabinerhaken mit welchem die Vorsegel an den Vorstag befestigt werden

Steuer

Steering Wheel

Steuerrad, Steuerposten

Steuerbord

Starboard

Rechte Seite der Yacht

Tiefgang

Draft, Draught

Distanz zwischen Wasseroberfläche und tiefstem Punkt der Yacht

Traveller

Traveller

Bewegliches System zur seitlichen Positionierung des Grosssegels

Trimmen

to trim

Optimales Einstellen des Segels in den Wind

Tweaker

Tweaker

eine als Trimmhilfe seitlich an der Fussreling angebrachte Leine mit Rundkausch durch die das Schot geführt wird

Untiefe

Shoal

Seichte Stelle im Wasser

UTC

UTC

Universal Time Coordinated, früher Greenwich Time

Vordeck

Foredeck

Der vordere Aufbau der Yacht, wo die Vorsegel angebracht werden.

Vorholer

Foreguys

Sicherungstrossen, die den Baum in seiner ausgefierten Position sichern

Vorliek

Luff

Vordere Kante des Segels

Vorsegel

Headsail

Vorderstes Segel

Vorstag

Fore Stay

Vorderer Metalldraht zum Befestigen des Vorsegels

Vorwindkurs

Broad reach

Wind kommt von achterlich (hinten)

Wahrer Wind

True wind

Wind der bei einem sich nicht beweglichen Objekt wahrgenommen wird

Wanten

Shrouds

Metalldrähte, die rechts und links zum Abstützen des Mastes dienen

Wegpunkt

Waypoint

Breiten- und Längskoordinaten eine bestimmten Punktes

Wellental

Trough

Tiefster Punkt zwischen Wellen

Wende

Tack

Fahrtrichtung gegen den Wind ändern (mit Segelumschlag)

Windfäden (Trimmfäden)

Tell tale

Fäden, die im Segel die Windrichtung anzeigen

Winsch

Winch

Manuell zu bedienende Seilwinde um Fall oder Schot zu bedienen

Yankee

Yankee

Ein speziell für Ocean Racing hochgeschnittenes, dreieckeiges Vorsegel.

Der Countdown

01. September 2023 – Samstag, Tag -2 – Sonnig, 25°C – Windstärke 2 – Gunwharf Quay Portsmouth, Grossbritannien

Bild 11: Die Clipper Flotte festgemacht am Gunwharf Quays, Portsmouth GB (Photo by Clipper Race)

Der Vormittag gilt den letzten Vorbereitungen an Bord unserer Yacht, der «Ha Long Bay Viet Nam» (CV31). Eric, Tyson und ich installieren die Leinentaschen, die Tysons Mutter Wendy sorgfältig genäht hat. Sie sollen für Ordnung im Cockpit sorgen und das ständige Aufrollen der Leinen überflüssig machen.

Gegen Mittag treffen meine Frau Katharina und meine Brüder mit ihren Partnerinnen in Portsmouth ein. Wir geniessen ein Pint Bier vor dem «Old Customs House» – ein perfekter Nachmittag für unsere letzten gemeinsamen Momente, bevor uns das Meer trennt. Unsere Zimmer befinden sich im historischen «Keppels Head Hotel». Es ist gut gelegen in der Nähe des Jachthafens Gunwharf Quays, wo die HMS Warrior – ein Kriegsschiff von 1860 - majestätisch im Hafen vor Anker liegt und das Gefühl des bevorstehenden Abenteuers noch verstärkt. Für diesen besonderen Abend habe ich für Katharina und mich die Victory Suite reserviert – ein charmantes Zimmer mit Blick auf den Hafen, der bald der Ausgangspunkt meiner grössten Reise sein wird.

Als der Abend hereinbricht, treffen wir uns zu Aperitifs und Tapas im «The Ship Anson», wo das lebhafte, typisch englische Pub-Leben in vollem Gange ist. Doch inmitten der ausgelassenen Stimmung spüre ich die Last des bevorstehenden Abschieds. Nichtsdestotrotz machen wir uns auf den Weg zur Crew-Party im Historic Dockyard, wo die Clipper Crew, Freunde und Familie ein letztes Mal feiern, bevor die grosse Reise beginnt. Zurück in der Victory Suite wird mir die Realität bewusst. Dies ist unsere letzte gemeinsame Nacht für elf Monate, ein Moment, der sowohl ergreifend als auch surreal ist. Vor drei Jahren habe ich Katharina zum ersten Mal von meinen Plänen für eine Weltumsegelung erzählt; jetzt bleibt sie zurück, kümmert sich um ihre beruflichen und familiären Verpflichtungen, pflegt das Haus und den Garten, während ich mich aufmache, die Ozeane zu bereisen. Ich frage mich, wie viele Seeleute vor mir eine Nacht in genau diesem Raum verbracht haben, kurz vor dem Beginn ihrer eigenen grossen Reise, gefangen in derselben Mischung aus Vorfreude und Nachdenklichkeit. Dieser Gedanke weckt meinen Abenteuergeist. Die Emotionen dieses Augenblicks sind lebhaft und intensiv.

02. September 2023 – Samstag, Tag -1 – Sonnig, 25°C – Windstärke 2 – Gunwharf Quay Portsmouth, Grossbritannien

Bild 12: Katharina, meine Brüder und ihre Partnerinnen

Das geschäftige Treiben an Bord der Ha Long Bay Viet Nam, unserer Rennjacht, ist beeindruckend. An allen Ecken und Enden, unter und auf dem Deck sind Leute und erledigen letzte Arbeiten: laufendes und stehendes Gut wird geprüft, Proviant verstaut, Matratzenüberzüge montiert, Technik und Segel kontrolliert und optimiert für die bevorstehende lange Reise. Ich führe meine Familie in der Yacht herum, um Ihnen ein paar Eindrücke zu vermitteln. In ihren Gesichtern spiegeln sich Stolz und eine leise Sorge, während sie die Betriebsamkeit an Bord aufnehmen. Kameras klicken, kurze Lacher mischen sich mit der Brise – kleine Momentaufnahmen, die festhalten, was gleich hinter uns liegen wird. Der Abschied fällt schwer, doch er ist getragen von einer unausgesprochenen Stärke. Lange Umarmungen, leise Worte und ein letzter Blick zu Katharina sagen alles, was sich nicht aussprechen lässt.

Später am Nachmittag versammelt sich die Crew im Dockyard Museum zur Besprechung der bevorstehenden ersten Etappe. Rennleiter Mark Light, zusammen mit Dale Smith und Sir Robin Knox-Johnston, skizzieren die bevorstehende Reise – Sicherheit geht vor, dann folgt ein Überblick über die Route und unsere ersten Stopps in Puerto Sherry und Punta del Este. Die geschätzten 26 bis 29 Tage, bis Uruguay fühlen sich endlos an – ein Monat ununterbrochen auf See.

Die meisten Crewmitglieder verbringen ihre letzte Nacht an Land, aber ich entscheide mich, an Bord zu bleiben. Das Schiff knarrt leise in der Stille und wartet auf die Abfahrt am nächsten Tag. Direkt über mir ragt der Spinnaker Tower empor – das Wahrzeichen von Portsmouth, dessen geschwungene Fassade in wechselnden Farben beleuchtet ist. Wie wird es sich anfühlen, diesen vertrauten Anblick nach elf Monaten, nach einer Reise um die Welt, wiederzusehen? Kann ich die Strapazen mit meinen 65 Jahren aushalten? Werde ich in elf Monaten zurückkehren?

Ich nehme mir die Zeit, den heutigen Eintrag in mein eigenes kleines Logbuch zu machen, eine Gewohnheit, die ich während der gesamten letzten Segeljahre stets gepflegt habe. Jeden Tag dokumentiere ich wichtige Ereignisse mit Präzision – Position, Wind, Wetter, Kurs, Segelplan, Motivation, körperlicher und geistiger Zustand, Moral der Crew und des Skippers, Verpflegung, gar das immaterielle Gefühl des Karmas an Bord. Ausserdem halte ich Zwischenfälle, Ausfälle von Geräten und alle Probleme fest, die die Yacht, den Motor oder die Segel betreffen, um einen umfassenden Bericht über unsere Reise zu gewährleisten. All dies wird sorgfältig in meinen kleinen, wasserdichten Notizbüchern vom Adlard Coles Verlag festgehalten.

Bild 14 Insta-Clip: Ein Blick unter Deck der Ha Long Bay Vietnam

Bild 13 Insta-Clip: Letzte Vorbereitungen auf Deck

Teil I – Das Rennen um den Globus