Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Wenn wir nach draußen gehen, kommen wir bei uns selbst an. Die Natur bietet uns einen unermesslich weiten Raum, in dem wir Kraft tanken, uns selbst begegnen und Antworten auf wichtige Fragen erhalten können. Dabei ist sie unsere weise Ratgeberin und Lehrmeisterin. Ein Hügel, ein Fluss, ein Tannen¬zapfen, sogar ein Stein kann uns darauf hinweisen, was unsere Ziele sind und wie wir sie erreichen, wo wir im Leben stehen oder woraus wir Kraft schöpfen. Mach einen Spaziergang im Grünen, und finde inmitten der Stille der Natur einen tiefen, authentischen Zugang zu dir selbst! Die 85 erprobten Übungen der erfahrenen Naturcoachin und Wildnispädagogin Kerstin Peter kannst du selbstständig durchführen. Ob es darum geht, deine Gefühle zu klären, eine schwierige Entscheidung zu treffen, Ballast loszulassen oder die Beziehung zu einem anderen Menschen zu vertiefen: In diesem Standardwerk hast du dank klarer Anleitungen und praktischer Tipps zum Aufenthalt in Wald und Wiese den idealen Begleiter. Jede Übung enthält zusätzlich spezielle Hinweise für Coaches und Therapeuten
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 259
Veröffentlichungsjahr: 2025
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Die Ratschläge in diesem Buch sind sorgfältig erwogen und geprüft. Sie bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat, sondern dienen der Begleitung und der Anregung der Selbstheilungskräfte. Alle Angaben in diesem Buch erfolgen daher ohne Gewährleistung oder Garantie seitens der Autorin oder des Verlages. Eine Haftung der Autorin bzw. des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.
Dieses Buch enthält Verweise zu Webseiten, auf deren Inhalte der Verlag keinen Einfluss hat. Für diese Inhalte wird seitens des Verlages keine Gewähr übernommen. Für die Inhalte der verlinkten Seiten ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber der Seiten verantwortlich.
ISBN Printausgabe 978-3-8434-1583-5
ISBN E-Book 978-3-8434-6560-1
Kerstin Peter:
Coachingraum Natur
Draußen Entspannung, Kraft und Lebendigkeit finden
© 2019, 2025
Schirner Verlag GmbH & Co. KG
Birkenweg 14 a, 64295 Darmstadt
E-Mail: [email protected]
Umschlag: Jennifer Maar & Simone Fleck, Schirner,
unter Verwendung von #585464873 (© Natalia Deriabina) und #469010777 (© Olga_C), www.shutterstock.com
Print-Layout: Jennifer Maar & Simone Fleck, Schirner
Lektorat: Katja Hiller, Schirner
E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH, Rudolstadt, Germany
www.schirner.com
Erweiterte Neuausgabe 2025 – 1. E-Book-Auflage September 2025
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten
NATURCOACHING IST MEHR ALS WALDBADEN
Was ist das Besondere am Naturcoaching?
Die Natur als Spiegel unserer Seele
Ein paar Worte, bevor es losgeht
Welche Übung ist die richtige für mich?
Was brauche ich für meinen Aufenthalt in der Natur?
LANDKARTEN –WO STEHE ICH IM LEBEN? WAS IST MEIN THEMA?
Übung 1: Mein Thema mithilfe der Natur finden
Übung 2: Lebenspanorama
Übung 3: Aufstellungen (Familien, Situationen oder Rollen)
Übung 4: Polaritäten
Übung 5: Die vier Himmelsrichtungen
Übung 6: Die vier Jahreszeiten
Übung 7: Auf dem Berg
Übung 8: Am Fluss
Übung 9: Die Quelle meiner Kraft
Übung 10: Meine Lebenssäulen
Übung 11: Mein Energiekuchen
Übung 12: Ausgetretene Pfade verlassen
Übung 13: Auf der Sonnenseite des Lebens gehen
DIE NATUR ALS SPIEGEL
Übung 14: Mein Baum
Übung 15: Baumgespräche
Übung 16: Den leeren Raum füllen – wer bin ich?
Übung 17: Das Blatt wenden
Übung 18: Harte Schale, weicher Kern?
Übung 19: Von Nebel umhüllt
Übung 20: Wolkenbilder
Übung 21: Mein Selbstbild
Übung 22: Perspektivenwechsel
Übung 23: Schnappschüsse
Übung 24: Arbeit an Verletzungen
Übung 25: Die Antwort eines Tieres
Übung 26: Spuren
Übung 27: Geräusche meines Lebens
Übung 28: Metaphern in der Natur
Übung 29: Mandalas aus Naturmaterialien – Landart
Übung 30: Die Bühne meines Lebens
DEN KÖRPER ERLEBEN
Übung 31: Coaching in Bewegung – walk and talk
Übung 32: Der Aufstieg
Übung 33: Den Graben überwinden
Übung 34: Aus alten Mustern ausbrechen
Übung 35: Herz und Kopf sprechen lassen
Übung 36: Mein Körperbild
Übung 37: Mein Ballast
Übung 38: Den Eiertanz beenden
Übung 39: Sich im Kreis drehen
Übung 40: Mein Thema in Bewegung bringen
Übung 41: Samenkorn
Übung 42: Meine Würde wahrnehmen – Steinmännchen
MIT DEN ELEMENTEN ARBEITEN
Übung 43: Sich erden
Übung 44: Das Feuer in mir
Übung 45: Sich mit der Leichtigkeit verbinden
Übung 46: Mit sich im Fluss sein
Übung 47: Der Elementekreis
Übung 48: Das Elementegespräch
Übung 49: Meinen Herzenswunsch formen
ZIELARBEITEN
Übung 50: Wege der Entscheidung
Übung 51: Ins Gleichgewicht kommen
Übung 52: Meine Intuition und das Naturorakel
Übung 53: Der Weg zum Kern
Übung 54: Alle Wege führen zu mir
Übung 55: Versteckte Bedürfnisse aufdecken
Übung 56: Übergänge wahrnehmen
Übung 57: Meine Saat
RITUALE IN DER NATUR
Übung 58: Sorgenpäckchen (Loslassritual)
Übung 59: Wolfspfad
Übung 60: Abschiedsritual
Übung 61: Grenzen setzen oder überwinden
Übung 62: Sterberitual – mein letzter Tag
Übung 63: Mein Engel
Übung 64: Lebensgestalter
Übung 65: Ich gebe mir ein Versprechen
Übung 66: Dankbarkeitsritual
ENTSPANNUNGSMETHODEN
Übung 67: Wahrnehmungsübungen: Ohren anknipsen und Eulenblick
Übung 68: Meditatives Gehen mit Verändern des Blickfeldes
Übung 69: Erinnerungs-Tai-Chi
Übung 70: Im Atem mit mir und der Natur
Übung 71: Selbstgespräche in Stille
Übung 72: Blind Walk
Übung 73: Wurzeln und Flügel
Übung 74: Getragen sein
Übung 75: Meditation in und mit der Natur
GEMEINSAM WACHSEN – ÜBUNGEN ZU ZWEIT UND IN DER GRUPPE
Übung 76: Sehen und gesehen werden
Übung 77: Ich, Du, Wir
Übung 78: Unsere Beziehungsbühne
Übung 79: Vom Konflikt zum Kontakt
Übung 80: Jahresrückblick
Übung 81: Ziele und Zukunftsperspektiven
Übung 82: Schatzsuche
Übung 83: Come together
Übung 84: Speed-Dating
Übung 85: Emotionskreis
DANKSAGUNG
TIPPS ZUM WEITERLESEN
ÜBER DIE AUTORIN
BILDNACHWEIS
ist mehr als Waldbaden
Plötzlich kracht ein riesiger Ast neben uns aus dem Baum. Erschrocken halten wir inne. Auf meine Frage: »Was war das?«, antwortet meine Klientin: »Mein Mann!« Fassungslos und irritiert starrt sie auf dieses Zeichen, bevor sie innerlich eine Antwort findet.
Dies ist ein typisches Beispiel dafür, was wir in und mit der Natur erleben können. Seit vielen Jahren bin ich als Naturcoachin tätig. Mit meinem Buch, in dem ich viele Übungen aus meinen Coachings versammelt habe, möchte ich dir zeigen, auf welche Weise wir das Wissen der Natur für uns nutzen können. Oft verspüre ich eine große Dankbarkeit und Demut, wenn ich magische Momente mit meinen Klienten und Klientinnen erlebe, und daran möchte ich dich teilhaben lassen.
In der heutigen, technisierten Zeit, in der sich das Leben durch Dichte und Komplexität auszeichnet, wird es immer wichtiger, Ruhepole außerhalb des Alltags zu finden. Häufig haben wir das Gefühl, dass das Leben an uns vorbeirauscht, und unser Gehirn ist größtenteils mit einer künstlichen Welt beschäftigt, die es uns schwer macht, uns auf unsere Instinkte und unsere Intuition zu verlassen. Dabei sind wir ein Teil der Natur, und wir haben uns nur weiter denn je von ihr entfernt – von ihr entfremdet.
Die Natur selbst – der unerwartete Schrei einer Eule, eine starke Windböe oder ein herzförmiger Stein am Wegesrand – bietet uns den optimalen Raum, in dem wir wieder mit uns in Kontakt kommen können. Die Naturvölker machen es uns vor: Bei wichtigen Ereignissen, Umbrüchen, Fragen oder in Krisenzeiten verlässt ein Einzelner seine Gruppe und verbringt einige Tage allein in der Natur, um sich zu sammeln, ins Gleichgewicht zu kommen und mit einer Lösung in die Gemeinschaft zurückzukehren.
Mit meinem Buch möchte ich dich für die Begegnung mit der Natur begeistern und dir zeigen, wie vielseitig und heilsam sie ist. Lass dich von ihr dazu inspirieren, mit dir selbst in Kontakt zu treten. Bereits ein kleiner Spaziergang im Wald lässt dich Ruhe und Kraft tanken und unterstützt deine Gesundheit. Stress reduziert sich hier schon nach kurzer Zeit, und eine Naturtherapie kann selbst traumatisierten Menschen helfen.
In der Natur findest du Antworten auf alle Fragen, die du in dir trägst. Sei es, dass du bei einer Entscheidung Unterstützung brauchst oder dass du dein Leben betrachten und sortieren möchtest. Du brauchst dich nur für die Begegnungen in der Natur zu öffnen. Das Buch enthält auch Übungen zum körperlichen Erleben, zum Aktivieren der Sinne oder zum Entspannen. Du kannst dich mithilfe der Elemente mit wichtigen Lebensthemen auseinandersetzen und eigene Rituale gestalten, um deinem Leben eine tiefgreifende Richtungsänderung zu ermöglichen. Die Erfahrungsberichte aus meiner Tätigkeit als Naturcoachin sollen dir als Beispiele dienen und dir zeigen, dass du nur deine Sinne offen halten und auf deine Intuition vertrauen musst. Die Natur wird dich als Coach, Spiegel und Lehrmeisterin unterstützen.
Das größte Hindernis für eine Coachingeinheit in der Natur ist aus meiner Erfahrung aber nicht: »Wo mache ich das denn?« Vielmehr stehen wir uns häufig selbst im Weg. Die Couch oder das Fernsehprogramm sind vielleicht einladender an einem nasskalten Regentag. Doch gerade die Wetterbedingungen, die uns am wenigsten zusagen, bergen ein Geschenk, eine unschätzbare Erfahrung, die wir nur machen, wenn wir unseren inneren Schweinehund überwinden. Vielleicht ist es hilfreich, wenn du genau jetzt, nachdem du diese Zeilen gelesen hast, einen kleinen Spaziergang machst. Lass dich einfach treiben, und nimm deine unmittelbare Umgebung in Augenschein. Was zeigt sich dir direkt vor deiner Haustür? Wo findest du den ersten Grashalm, den ersten Baum? Welche Naturbilder kannst du für einen Moment genießen, und welche Botschaft enthalten diese? Egal, ob es regnet, schneit oder der Wind heftig bläst, die Natur steht dir bei jedem Wetter zur Seite. Welche Gedanken und Gefühle erlebst du genau jetzt bei diesem Wetter? Und fühlt es sich nicht gut an, der Couch, dem Symbol für unseren Alltagstrott, einmal entronnen zu sein? Vielleicht findest du etwas auf deinem Spaziergang, was du mitnehmen möchtest und was dich an dieses Erlebnis erinnert. Große Veränderungen fangen oft mit einer Kleinigkeit an. Es liegt also ganz in deiner Hand, inwieweit du das Geschenk der Natur dein Leben bereichern lässt und du dich selbst für einen Moment in den Vordergrund stellst.
Alle Übungen in diesem Buch kannst du unabhängig vom Wetter machen – außer natürlich bei Gewitter oder Sturm. Du musst nur die richtige Kleidung anziehen. Wenn der Regen an deinem Gesicht hinabfließt, kannst du dir z. B. vorstellen, wie er dich von all den Ereignissen des Tages reinigt und befreit.
Ganz allgemein gesprochen: Du wirst fühlen, welche Übung zu dir passt und welcher Ort sich dafür eignet. Falls dir das schwerfällt, schlage das Buch intuitiv auf, oder schaue im Inhaltsverzeichnis nach, welche Übung dich vom Titel her anspricht. Du kannst auch den Überblick an Seite 25 nutzen, um anhand deines Themas die richtige Übung auszuwählen.
Variiere die Übungen, mache sie dir zu eigen, wandle sie ab, und spüre, was dir weiterhilft. Ich bin davon überzeugt, dass allein das regelmäßige Aufsuchen der Natur dein Leben positiv verändern und bereichern wird. Jede Übung beginnt mit einem kleinen Überblick, aus dem schnell ersichtlich wird, welches Thema die Übung hat, welchen Ort du wählen und welche Materialien du mitnehmen solltest. Darüber hinaus habe ich die Wirkung vermerkt, die ich bei mir selbst oder in meinen Coachings erlebt habe. So, wie die Wirkung sehr individuell ist, sind auch die Angaben zur Dauer persönliche Erfahrungswerte.
Neben der Natur spielt vor allem deine Intuition eine große Rolle. Um diese wahrzunehmen, ist es am Anfang hilfreich, den Alltag hinter dir zu lassen. Dafür gibt es verschiedene Strategien und Techniken: Vielleicht möchtest du dich »leer laufen«? Du marschierst einfach los und lässt das normale Leben mit jedem Schritt ein Stück weiter hinter dir. Auch eine Atemübung, z. B. durch die Nase einatmen und durch den Mund ausatmen, unterstützt dich dabei, vom Alltag abzuschalten. Oder du kommst durch Meditieren, Tai-Chi oder Qigong ganz mit dir selbst in Kontakt. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Probiere aus, was dir hilft, den Alltag loszulassen und deine innere Stimme zu spüren. Solltest du eher zu den Kopfmenschen gehören, kannst du dich »leer schreiben«, indem du 10 Minuten einfach alles aufschreibst, was dir gerade in den Sinn kommt. Mir persönlich hilft Bewegung, egal, in welcher Form.
Falls du bereits als Coach tätig bist, findest du Tipps und Anregungen, um dein Coaching in die Natur zu verlegen. Das Buch ersetzt keine Weiterbildung zum Naturcoach, soll dir aber etwas Handwerkszeug vermitteln und Lust auf diesen speziellen Bereich machen. In dieser Neuauflage findest du ab Seite 207 ein weiteres Kapitel, in dem ich Übungen für die Arbeit mit Paaren, Freunden … und auch für Gruppen ergänzt habe.
Damit du mit Freude die Übungen liest und sie leicht verständlich bleiben, habe ich mich dazu entschieden, nicht immer die männliche und die weibliche Form zu nutzen. Ich hoffe, du fühlst dich auf jeden Fall angesprochen, egal, ob weiblich, männlich oder divers.
»Wieder einmal war ich an einem dieser Punkte angekommen: Ein sehr bewegter Lebensabschnitt ging zu Ende. Ich hatte ihn abgeschlossen, mit allen Konsequenzen, und ich hatte absolut keine Ahnung, wie es weitergehen würde. Wo sollte es hingehen? Was sollte ich angehen? Und wie? So viele Optionen, und keine fühlte sich wirklich richtig an, und ständig dieser ›Plappermann‹ im Ohr, der mir wieder und wieder alle Möglichkeiten aufzählte, Vor- und Nachteile abwägte, gewichtete, bewertete – aus seiner (also eigentlich MEINER beschränkten) Perspektive –, und das in Dauerschleife.
Dies war der Moment, in dem mich Kerstin, eine Freundin und Naturcoachin, zu einer Joggingrunde am Rhein überredete. Das Wetter lud nicht gerade dazu ein, passte aber zu meiner Stimmung: ungemütlich, feucht und kein bisschen Sonne in Sicht. Wir liefen am Wasser entlang durch ein Stück unberührte Natur, und ich erzählte ihr von meiner verfahrenen Situation, als wir kurz darauf in dichten Nebel gerieten.
Kerstin blieb stehen und fragte mich nur, was sich hinter dem Nebel für mich zeigen würde. Ich stand also an diesem Flussufer und starrte auf eine dichte, weißgraue, fast schon surreal-lebendige WAND, die den Fluss ziemlich genau in der Mitte teilte. Ich kannte den Ort und den Anblick des gegenüberliegenden Ufers. Ich wusste also, dass dort etwas war, und dennoch konnten meine Augen nichts wahrnehmen. Ich versuchte, den Nebel zu durchdringen, die andere Seite zu erkennen. Unmöglich, so sehr ich mich auch anstrengte. Ich konnte nichts erkennen.
Das NICHTS traf auf das Chaos in meinem Kopf und breitete sich langsam in meinem Stirnraum aus, was mir im ersten Moment fast schon körperliche Schmerzen bereitete. Mein ganzer Kopf dröhnte, und meine Augen taten weh. Gleichzeitig fühlte ich mich von dieser LEERE wie hypnotisiert, spürte eine unglaubliche Anziehung, weiter in den Nebel zu starren. Schließlich begann sich diese LEERE in meinem Kopf auszubreiten. Die Gedanken verstummten, mein ganzer Stirnraum wurde weit und leer … und leicht. Ein wunderschönes Gefühl, das ich schon so lange nicht mehr erfahren hatte. Ich nahm die Natur um mich herum plötzlich viel bewusster wahr. Das Rauschen des Flusses, die klare, feuchte Luft, den Wind in meinem Gesicht, die alten Bäume um mich herum, der bemooste Stein unter meinen Füßen.
Auf einmal war es gar nicht mehr so wichtig, zu sehen, was da auf der anderen Seite war. Vollkommene innere Ruhe stellte sich ein und das Vertrauen in die Richtigkeit aller Dinge. Es war einfach nur schön, im Moment verweilen zu dürfen, ihn zu genießen, wohl wissend, dass er vorbeigeht, dass der Blick auf das andere Ufer wieder frei wird und der Nebel sich lichtet – sobald der richtige Zeitpunkt gekommen war. Und so war es dann auch. Danke, Kerstin.«
Karin über die Übung »Von Nebel umhüllt«
Naturcoaching unterscheidet sich von anderen Coachingmethoden im Wesentlichen dadurch, dass das Coaching draußen stattfindet. Durch das Eintauchen in die Natur wird diese automatisch Teil des Coachingprozesses. Der Klient erlebt sich in der Natur und nimmt Kontakt mit ihr auf, während der Coach nur begleitet. Dabei ist es vor allem wichtig, dass der Coach dem Klienten genug Zeit und Raum gibt und den Erlebnisprozess nicht stört, denn oft ergeben sich Antworten durch dieses Erleben und Eintauchen. Die Natur ist demnach genauso Unterstützer wie der Coach, und der Coach setzt durch sein Methodenspektrum Impulse.
Darüber hinaus bietet die Natur einen so unendlich großartigen Raum, in dem du selbst als Mensch, der Rat sucht, oder auch als Coach mit deinen Klienten noch einmal ganz anders arbeiten kannst. Clemens G. Arvay spricht in seinem Buch »Der Biophilia-Effekt« von der »grünen Couch«. Die Natur ist für ihn Co-Psychotherapeutin für Gruppen-, aber auch Einzeltherapien, die sie mit all ihrem positiven Einfluss unterstützt. Während meiner Coachings erlebe ich selbst immer wieder, dass die Elemente, z. B. der Wind, den Prozess maßgeblich vorantreiben. Auch Tiere tauchen im richtigen Augenblick auf und können den Klienten kraftvoll unterstützen. In der Natur werden wir Menschen in der Regel ruhiger und ausgeglichener, da sie unseren Stress mindert. Unsere Sinne werden aktiviert, die Achtsamkeit nimmt zu, und die Bewegung fördert zusätzlich die Gesundheit. Der Aufenthalt im Grünen stärkt das Gefühl von Zugehörigkeit und von Selbstwirksamkeit. Naturcoaching ist ein individueller und kreativer Ansatz des Coachings, das um den Naturraum erweitert wird. Der Naturcoach ist Vermittler zwischen Naturraum und Klienten, und je mehr er über die Natur weiß, desto eher kann er situativ sinnvolle Anstöße geben.
Während vieler Coachingeinheiten und auch aufgrund meiner eigenen Erfahrungen ist ein Großteil der Übungen in diesem Buch entstanden. Ich konnte erleben, dass die Natur immer wieder als meine Coachin in Erscheinung trat. Sobald ich bewusst mit einem Thema draußen unterwegs war, habe ich Antworten und Lösungen gefunden oder wohltuende Impulse verspürt, die mir in meiner Situation halfen. Deshalb möchte ich dich dazu ermuntern, die Übungen auszuprobieren und den Kontakt zur Natur bewusst zu gestalten. In den letzten Jahren hat sich die Forschung vermehrt mit den Wirkungen der Natur auf den Menschen auseinandergesetzt. Bereits seit den 1980er-Jahren wird die Heilkraft des Waldes wissenschaftlich erforscht, in Japan wurde sogar ein eigener Begriff dafür geprägt, »Shinrin-yoku«, was so viel wie »Waldbaden« oder »Eintauchen in den Wald« bedeutet. Das Waldbaden ist dort mittlerweile als therapeutische Anwendung anerkannt, und darüber hinaus wurde 2012 ebenfalls in Japan der universitäre Forschungszweig »Waldmedizin« eingerichtet. Wie aber wirkt nun der Wald auf uns Menschen?
Wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass der Aufenthalt von nur einem Tag im Wald die Anzahl unserer Killerzellen um 40 % steigen lässt und deren Aktivität um 50 % erhöht. Diese Killerzellen können veränderte Körperzellen, z. B. Krebszellen, erkennen und zerstören. Dieser Effekt hält ca. sieben Tage an. Der Aufenthalt von zwei bis drei Tagen im Wald erhöht die Anzahl und Aktivität dieser Killerzellen für bis zu 30 Tage. Außerdem werden bei einem längeren Aufenthalt im Wald vermehrt Anti-Krebs-Proteine produziert. So konnte Professor Qing Li von der »Nippon Medical School« in Tokyo nachweisen, dass Menschen, die in bewaldeten Gebieten wohnen, seltener an Krebs sterben als die, die in Regionen ohne Wald leben. Diese Effekte entstehen durch die Botenstoffe der Pflanzen, Terpene, die als Kommunikationsmittel und zur Feindabwehr dienen und zum Teil auch mit unserem Immunsystem interagieren. Sie sind vermutlich für die immunstärkende Wirkung der Waldluft verantwortlich. Professor Qing Li empfiehlt, zwei Stunden im Wald zu bleiben und dabei ohne Anstrengung ca. zweieinhalb Kilometer zurückzulegen. Eine Pause zum Lesen, Meditieren oder Entspannen darf jederzeit eingelegt werden. Atemübungen aus dem Yoga und Qigong unterstützen die Aufnahme der heilsamen Stoffe. Um die Anzahl der Killerzellen dauerhaft zu steigern, schlägt Professor Qing Li vor, zwei bis drei Tage pro Monat im Wald zu verbringen.1
Doch nicht nur auf unseren Körper wirkt die Natur, der Kontakt mit ihr verbessert unsere Konzentration und steigert unser Glücksempfinden sowie unseren Selbstwert. Erlebnisse in Wald und Wiese machen uns sozialer und toleranter. Auch dazu gibt es zahlreiche Studien. Unsere Verbindung mit der Natur ist so tiefgründig, dass selbst der Blick aus dem Fenster oder auf Bilder uns positiv stimmt. So klagten z. B. Gefängnisinsassen mit Blick ins Grüne weniger über körperliche Beschwerden wie Verdauungsprobleme oder Kopfschmerzen als Gefangene, die nicht in die Natur schauen konnten.2 Und bereits Zimmerpflanzen führen zu mehr Aufmerksamkeit und einer besseren Konzentration.
Ich bin ein großer Freund von Bewegung, die mich schon mein ganzes Leben begleitet. Vielleicht hast du auch schon erlebt, dass du beim Spazierengehen zu einer neuen Erkenntnis kommst oder sich deine Stimmung während einer körperlichen Tätigkeit verbessert. Immer wieder merke ich, dass Übungen in der Natur, die mit Bewegung verbunden sind, meine Klienten auf anderen Wegen zu Lösungen bringen als eine klassische Coachingeinheit. Sie profitieren nicht nur durch das andere körperliche Erleben der Natur, sondern kommen oft auch in eine neue Klarheit im Denken.
Der relativ junge Forschungszweig »Umweltpsychologie« befasst sich mit der Wirkung verschiedener Landschaftsräume auf den Menschen. Dabei spielen Farben, Düfte, Geräusche und auch das Licht eine Rolle. Ein Forscherteam von der »University of Virginia« fand z. B. heraus, dass introvertierte Menschen sich in den Bergen am wohlsten fühlen und extrovertierte Menschen eher das Meer lieben.3 Intuitiv suchen wir Plätze in der Natur auf, die uns etwas spiegeln können: Orte, an denen wir uns wohlfühlen und mit unseren Themen in Kontakt treten. Landschaften zeigen uns unsere Stimmungen und Wünsche, wir finden z. B. Licht und Schatten, Berg und Tal, Verletzung und Vitalität in der Natur. An einem Fluss zu sitzen und das Fließen des Wassers zu beobachten, hat eine andere Qualität, als in einer Höhle zu sein. Allgemein streben wir eher nach Weite und befreienden Horizonten, wenn wir uns in unserem Leben beengt fühlen. In Momenten der Innenschau hingegen würde uns die Weite irritieren. Dann brauchen wir einen uns schützenden Raum wie eine Höhle, einen Wald oder ein Tal, in dem wir uns geborgen fühlen. Keine Landschaft ist »besser« oder »schlechter«, eher »passend« oder »unpassend« für den Moment und die Bedürfnisse.
Aus meiner Sicht ist es unnötig, sich nach einer Landschaft zu sehnen, die nicht vor Ort ist. Überall in der Natur erwarten uns unglaubliche Geschenke. Unser eigenes Gefühl ist ein guter Gradmesser dafür, wohin die Reise gehen soll. Wenn wir bestimmte Landschaften vermeiden, verbirgt sich dahinter unter Umständen ein Thema, das angeschaut werden möchte.
Berg und Gletscher
Im Gebirge oder auf einem Berg haben wir die Möglichkeit, von oben auf etwas herabzuschauen. Der Abstand zu den Dingen ist größer, und wir haben das Gefühl, dass wir uns einen Überblick verschaffen können. Unsere Themen werden greifbarer, und wir bekommen Klarheit. Wenn wir auf einem Berggipfel angekommen sind, können wir außerdem stolz auf den vollbrachten Aufstieg sein. Oft empfinden wir Glück, Freiheit oder Erhabenheit, neue Horizonte werden sichtbar, und aus dem Abstand heraus können wir eine Rückschau halten. In Berglandschaften treten wir aus der Ebene hinaus und können leichter auf eine höhere Stufe unseres Bewusstseins gelangen und näher an unserer eigenen Spiritualität sein. Ein Gletscher bietet einen besonderen Anblick, der allerdings nicht oft zu finden ist. Er ist wie eine Schatzkammer der Vergangenheit, denn sein Eis verwahrt und konserviert viele Dinge. Der Aufenthalt an einem Gletscher kann uns dabei unterstützen, unsere tief verborgenen Geheimnisse zu erkennen bzw. uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Eine Gletscherwanderung sollte nie ohne einen erfahrenen Führer unternommen werden, da Gletscher immer in Bewegung sind und tiefe Spalten lebensgefährlich sein können.
Fluss und Moor
Flüsse strahlen Bewegung und Lebendigkeit aus. Sie stehen für Veränderungen und stellen gewissermaßen die Lebensadern unseres Planeten dar. Die gestaltende Kraft des Wassers kann ganze Landschaften formen oder Materialien wie Glas oder Stein verändern. Dieses Element bringt uns mit unseren Gefühlen in Kontakt und lässt sie fließen. Da Wasser lebensnotwendig für uns ist, fühlen wir uns in Landschaften mit Gewässern am wohlsten. Flüsse und Bäche können z. B. durch ihre Bewegungen die spielerische Seite in uns berühren. Reißende Flüsse ziehen uns an, wenn wir emotional aufgewühlt sind. Sehnen wir uns nach einem ruhigen Fluss, sind wir innerlich eher ausgeglichen. Landschaften mit Wasser können also verschiedene Gefühle in uns hervorrufen. Das Moor, das von Wasser durchdrungen ist, wurde in früheren Zeiten gefürchtet, da es als ein Ort böser Geister galt und sogar tödlich war, wenn man sich in ihm verirrte. Heutzutage nutzt man die Heilkraft des Moores in Form von Naturbädern und Moorpackungen. Ein Gang durch eine Moorlandschaft kann ebenfalls unterschiedliche Gefühle auslösen. Dem einen erscheint das Moor nach wie vor als geheimnisvoll bis gefährlich, beim anderen weckt es ein Gefühl von Frieden und Stille.
Wald, Wiese und Feld
Dass der Wald eine besondere Heilkraft besitzt, wissen wir bereits. Doch welches Gefühl löst er in uns aus? Im Wald fühlen sich viele Menschen geborgen und kommen zur Ruhe. Stress wird gelindert, und der Selbstwert wird gestärkt. Wir konzentrieren uns im Wald auf das Wesentliche und können unsere Kräfte auftanken. Die Bäume stehen für Fruchtbarkeit, Wachstum und Leben. Doch der Wald kann auch sehr ambivalente Gefühle in uns auslösen, und neben der Ausstrahlung von Geborgenheit hat er auch etwas Geheimnisvolles, Wildes oder gar Beängstigendes. Gerade im Frühling sind Wiesen mit ihren Blumen ein besonderer Anblick. Wir sehen, wie das Leben in seiner ganzen Kraft erwacht. Wiesen spiegeln uns Erneuerung, Frische und das Leben in all seinen Farben. Ein blühendes Feld voller Sonnenblumen, Raps oder Lavendel ist für unsere Augen ein wahres Fest, und auch der Duft der Blumenwiesen verzaubert uns. Wiesen und Felder vermitteln uns ein Gefühl von Weite und Freiheit, denn sie sind frei, großzügig und offen gehalten. Verschneite Wiesen im Winter bringen uns z. B. viel Helligkeit, verdecken aber auch alle Pflanzen, viele Tiere oder Gegenstände.
Meer und Insel
Weltweit entscheiden sich zwei von drei Urlaubsreisenden für das Meer, das somit die größte Anziehungskraft aller Landschaften auf uns ausübt. Mit dem Meer verbinden wir Urlaub, Entspannung, Regeneration und Heilung. Wenn wir an der Brandung stehen und den weiten Blick genießen, stellt sich automatisch ein Gefühl von Freiheit, Unendlichkeit, Zugehörigkeit und Ewigkeit ein. Wir hören das Meer rauschen, und das ist in der Regel sehr beruhigend – ähnlich wie Meditationsmusik. Wellen haben einen Rhythmus, der unserer Atmung gleicht, und die blauen und türkisen Farben des Wassers wirken ebenfalls beruhigend, entkrampfend und stressmindernd. Die vielen Sinneseindrücke machen uns glücklich, und das küstennahe Klima stärkt unser Immunsystem. Die Größe und Weite der Ozeane kann uns sehr beeindrucken, Sehnsüchte in uns wecken oder uns in eine Zeitlosigkeit entführen. Die Kraft der Wellen spiegelt unsere eigene Kraft wider, und in der Tiefe des Meeres finden wir vielleicht unsere Geheimnisse oder lassen diese dort verschwinden. In der Tiefenpsychologie gilt das Meer auch als Symbol des Unbewussten. Inseln stehen oft für Urlaub, Freiheit und Unabhängigkeit. Wir fühlen uns wohl, geborgen und vielleicht gerettet. Andererseits nehmen wir Gefühle von Begrenzung bis hin zur Isoliertheit wahr. Inseln lassen sich im Naturcoaching gut erschaffen, z. B. kann eine Waldlichtung oder ein Hochsitz als Insel gesehen werden. Auch an einer Flussschleife fühlen wir uns schnell wie auf einer Insel.
Wenn du in das Thema »Landschaftsräume« stärker eintauchen möchtest, empfehle ich dir das Buch »Das vergessene Wunder« von Jörg Römstötter.
Die Kernbotschaft in meiner Arbeit und mein Wunsch für dieses Buch lauten: Geh raus in die Natur, um bei dir selbst anzukommen! Sie ist der beste Raum dafür und hält unübertreffliche Heilkräfte, Überraschungen und Geschenke bereit. Alle Fragen, die du in dir trägst, kannst du mithilfe der Natur beantworten – du musst dich nur für sie öffnen und dich darauf einlassen, was geschieht. Sie kann dich zudem trösten, dir etwas spiegeln, dich motivieren oder dich etwas lehren.
Weil ich Naturcoachin mit Leib und Seele bin, findest du im Buch auch Begriffe aus dem Coaching. Diese möchte ich dir gern erläutern, damit du später genau weißt, was zu tun ist. Sehr häufig findest du den Begriff »Mein Thema«. Die meisten Menschen suchen einen Coach auf, wenn sie sich in einem Bereich ihres Lebens Unterstützung wünschen. In diesem Buch ist die Natur dein Coach, und du kannst mit ihrer Hilfe herausfinden, welches Anliegen du hast oder wo du Unterstützung brauchst. Dieses Anliegen bezeichne ich als »Mein Thema«. Im Verlauf eines Naturaufenthaltes kann sich das Thema verändern. Das ist sogar sehr oft der Fall, und es ist gut, wenn du dir immer wieder vergegenwärtigst, welches Ziel du anstrebst. Am Ende deines Naturaufenthaltes ist es wichtig, dass du deine Erlebnisse zu deinem Thema reflektierst.
Durch das Reflektieren findest du heraus, was die Zeichen der Natur für dich bedeuten und wie du deine Erkenntnisse in dein Leben integrieren kannst, z. B. durch Hausaufgaben oder über Anker. Veränderungen im Leben geschehen leider nicht auf Knopfdruck, die Zauberformel lautet: Üben, üben, üben! Daher ist es wichtig, dass du für die neuen Erfahrungen einen Anker findest, z. B. eine Geste oder einen Satz, den du in jeder Körperzelle abspeicherst oder verankerst. Wenn du dich z. B. durch dein Erlebnis frei wie ein Vogel fühlst, breite die Arme aus, und atme tief durch. Bist du nach einer Übung stark mit dir selbst verbunden, lege deine Hände auf dein Herz, und halte so einige Minuten inne. Dieses Abspeichern geschieht dadurch, dass du täglich deine Geste wiederholst oder deinen Satz aussprichst, und das mindestens drei Wochen lang. Diese Zeit braucht dein Körper, bis er sich die neue Botschaft einverleibt hat. Danach ist deine neue Verhaltensweise mehr eine Gewohnheit und erfordert in der Regel keine besondere Anstrengung mehr. Die Hausaufgabe muss nicht immer ein Satz oder eine Geste sein, sondern kann z. B. auch ein Ritual sein, das einen ersten Schritt in eine neue Verhaltensweise darstellt. Wenn dein Thema beispielsweise »Entschleunigung« ist, zünde jeden Morgen eine Kerze an, und trinke in aller Ruhe einen Tee. Ist dein Thema »Bequemlichkeit«, solltest du vielleicht jeden Tag die Treppen nehmen und nicht den Fahrstuhl. Für das Thema »Ballast loslassen« könnte deine Hausaufgabe lauten: Entsorge täglich einen Gegenstand aus deiner Wohnung. Hausaufgaben ergeben aber nur dann Sinn, wenn sie für dich und deine Lebenssituation stimmig sind und du sie die entsprechende Zeit über wiederholst.
Im Naturcoaching sollte ein Platz oder Ort für die Übung immer sorgfältig ausgewählt werden. Lass dir also Zeit beim Finden des geeigneten Ortes oder, besser noch, lass dich vom Ort finden. Geh einfach so lange draußen umher, bis du das Gefühl hast, am richtigen Ort angekommen zu sein. Überlasse deinem Bauch oder deinem Herzen und deiner Intuition die Entscheidung, welcher der richtige Platz ist, an dem du deine Antworten finden wirst. Sollte sich in der Nähe kein großes Naturstück befinden, kannst du viele Übungen trotzdem machen, z. B. auf einem Spielplatz, im Park oder sogar in der Stadt. Große Plätze, Sackgassen, Alleen, Gärten, Dachterrassen oder Schwimmbäder bieten Raum für die Begegnung mit der Natur. Selbst an einem vollen Strand und im Wasser habe ich schon mit Klienten gearbeitet. Selbstverständlich ist das Selbstcoaching in einem größeren Bereich, z. B. einem Wald, auf einer Wiese oder am Meer, immer die bessere Wahl, weil du dich an ruhigeren und einsameren Orten intensiver auf dich einlassen wirst.
Wenn dein Platz ein Stellvertreterort sein soll, suchst du gezielt nach einem Ort, der ein bestimmtes Thema darstellt. Ein Hochsitz könnte z. B. für das Thema »Verbindung mit meiner Leichtigkeit« stehen.
Bei vielen Übungen ist ein Teil deiner Aufgabe, einen Stellvertretergegenstand für z. B. ein Thema oder ein Element zu finden. Bei dieser Suche ist es sinnvoll, wenn du dich in die Natur begibst mit der Bitte, dass du von etwas gefunden wirst. Das kann z. B. ein Gegenstand sein, der dir spontan ins Auge fällt, ohne dass du ihn mühevoll suchst. Der Stellvertreter hält in der Regel Botschaften für dich bereit, die dich bei deinem Thema unterstützen können. Für ihre Entschlüsselung solltest du deiner Intuition vertrauen und über deine Erlebnisse reflektieren. Manchmal ist es auch hilfreich, Krafttierkarten dabei zu haben, um die Botschaft eines bestimmten Tieres zu verstehen.
Im Buch wirst du auch auf den Begriff »Raum halten« treffen. Ich nutze ihn in den Tipps für Coaches, und er bedeutet, dass ein Coach seinem Klienten seine gesamte Aufmerksamkeit und Präsenz zur Verfügung stellt. Dafür ist es wichtig, dass er seinen eigenen Alltag hinter sich lässt und sich gedanklich leer macht, um sich ganz auf seinen Klienten einzulassen, unabhängig von seinen eigenen Gefühlen oder Verhaltensweisen. Für den Klienten ist es ein besonderes Geschenk, wenn er sich authentisch zeigen darf und dabei gesehen wird. Wenn ein Klient z. B. eine Weile allein sein möchte, ist es umso wichtiger, dass der Coach den Fokus bei seinem Klienten lässt. Auf diese Weise wird der Raum gehalten, der Klient kann z. B. allein an einem Baum verweilen und sich trotzdem sicher und beschützt fühlen.
Wichtig für Coaches
Auch für Coaches, denen dieses Buch hoffentlich ein Hilfsmittel für ihre Arbeit wird, habe ich noch ein paar Tipps im Vorfeld. Der Begriff »Naturcoach« ist rechtlich nicht geschützt, sodass jeder sich Naturcoach nennen darf. Solltest du als Naturcoach arbeiten wollen, empfehle ich dir dennoch, zuerst eine Coachingausbildung und dann spezielle Weiterbildungen zum Naturcoach zu absolvieren. Solch eine Möglichkeit bieten die Fernschulen ILS und SGD, für die ich mit meiner Kollegin Katja Dienemann eine Weiterbildung zum Naturcoach konzipiert habe. Hier hast du die Möglichkeit, die Ausbildung zum Personal Coach zu machen, die dann überleitet in die Ausbildung zum Naturcoach.
