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Sie wissen nicht, was ein Wilddackel ist und sind noch nie einem Amerikanischen Wasserspaniel begegnet? Bis vor einigen Jahren ging es mir genauso. Dann zog Loukrates hier ein, ein Tierschutzhund aus Griechenland, und bei einer Reportage über den ersten Wurf einer seltenen Hunderasse in Deutschland lernte ich Lakota kennen. Seitdem sind der mediterrane Schönling mit den Schlappohren und das braungelockte Temperamentsbündel ein Dreamteam. "cool & kess mit Loukrates" beschreibt in humorvollen Episoden den Alltag von Streuner und Staatshund und zeigt auf, was Vierbeiner voneinander und Zweibeiner von ihnen lernen können, vom Bobfahren zur Abhärtung bis zum ganz heißen Herings-Tipp. Da wird gefeiert bis der Tierarzt kommt, die Gartenfee mit dem Kotbeutel wedelt und der Vollmond bellt.
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Seitenzahl: 172
Veröffentlichungsjahr: 2023
Martina Costa
cool & kessmit Loukrates
Wasserspaniel trifft Wilddackel
© 2023 Martina Costa
Umschlag, Illustrationen und Layout: D.T. Schwarte
www.freizeit-werkstatt.de
Lektorat, Korrektorat: Mea Kalcher
www.meakalcher.de
Druck und Distribution:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland
ISBN
Paperback 978-3-347-90512-2
e-Book 978-3-347-90513-9
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.dnb.de abrufbar.
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck oder Kopien, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin.
Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autorin, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland.
Cover
Titelblatt
Urheberrechte
Einführung: Wilddackel und Wasserspaniel – seltene Exemplare unter den Haushunden
Romantik auf dem Acker – Mein erstes Rendezvous mit Lou
Rückblick: Wie ich mit meiner Schwester einen Pakt schloss und in die Zeitung kam
Rosige Zeiten können in Orange beginnen – oder: Fotoshooting an der Milchbar
Wie ich Bobfahren als Hobby entdeckte und als Kameliendame zum Kalendermodel wurde
Mein Partner ist ein Windhund – und mein Papa war an der Uni
Früher war mehr Hundebier – Was ich so von meinen Vorgängern weiß
Wie ich das Internet entdeckte – und mich in Dublin verliebte
Wie ich Künstlerin wurde und eines meiner Werke sogar in Amerika zu sehen war
Wie ich zum Schaumschläger wurde und das Wohnzimmer neu arrangierte
Wie ich lernte, mit einem Huhn zu meditieren – und eine alte Dame nachhaltig verärgerte
Keinen Penny auf die Verwandtschaft gesetzt - Wie Stammbaum-Studium die Familie vergrößerte
Peinlich: Was ich erleben musste, als ich unsere Dosenöffnerin zum Tierfuttermarkt begleitete
Say it in english please - Wie ich meine Besitzerin zur Zweisprachigkeit erzog
Eine nicht alltägliche Bettgeschichte - und wie ein Gartenhandschuh zur Gasmaske wurde
Wie ich mir mein Menü zusammenstellte und in den Ruf kam, ein Allesfresser zu sein
Man trifft sich immer zweimal im Leben oder: Der Türsteher im Schwimmbad
Namen sind die halbe Miete – oder: Wie ich im Vorbeigehen zum Italiener wurde
Warum ich mittlerweile gerne den Wetterbericht sehe und wie die Sache mit Dublin weiterging
Bowling für Eichhörnchen oder Wie ein Hühnerdieb zum Heavy Metal-Fan wurde
Theorie in der Praxis – wie ich unsere Tierärztin kennenlernte
Von Lockenwicklern und Krallenlack – Warum ich nicht jeden Trend mitmache
Rückwärtsniesen und Zwingerhusten in der Praxis: Wenn Zweibeiner ohne uns zum Tierarzt gehen
Wie Hund und Katze harmonieren – Tipps von meinem Schwarm Dublin und meinem Freund Bob
La Ola mit La Kota oder: Wenn das Orakel zum Wackelkandidaten wird
Ich glaub, mein Frosch bellt – oder: Eine königliche Brautschau
Wie meine Rasse Teil einer internationalen Beschwerdekultur wurde
Wie ich erneut Geschwister bekam und was Wasserspaniel mit Goethe verbindet
Warum Entspannung so anstrengend ist und warum ich ungern vor dem Napf meditiere
Das Spiel mit der erlegten Handtasche oder: Nach der DIät ist vor der DIät
Die Gefahr kommt von unten: Von kläffenden Napoleons und zickigen Jungfrauen
Leberwurstwaffeln und knusprige Lochrand-Verstärker: Überraschung aus der Hundebäckerei
Anti-Kläff-Kapseln für Zweibeiner – Warum ich mir manchmal Kopfhörer wünsche
Nasenorgasmus eines wandelnden Heuschobers: Wenn Zweibeiner gegen "Bei Fuß!" allergisch sind
Wenn Pluto Läufig ist und Frauchen eine dicke Lippe riskiert
Wie ich einmal auf die Rolle gehen und mir Rüden auf Raufaser besorgen wollte
Wie Unterwäsche zur Unterhaltung beiträgt – oder: Ein Schlag ins Wasser für die Hundetrainerin
Jeden Tag Halloween – und manchmal auch mit Hexenschuss
Bellen ist international – oder doch nicht?
Der ideale Wecker – oder: Timing ist eine Frage des Bauchgefühls
Rüden-Akrobatik oder: Wenn die Gartenfee mit dem Kotbeutel wedelt
Massagekissen und Pudel-Porno: Der untaugliche Versuch, Begehrlichkeiten zu wecken
Hündinnen können ganz schön rüde sein – und transatlantische Beziehungen ein Leben lang halten
Von Ausdauersportlern und Couch-Potatoes – und warum es da rein rechtlich keinen Unterschied gibt
Muskelkater und Modelgage – Fotoshooting zu allen Jahreszeiten
Mit Kotbeutel und Küchenwaage unterwegs - Hundehaufen als Beitrag gegen die Klimakrise
Mit Konsequenz einen an der Waffel haben oder: Sprachspiele auf dem Sportplatz
Independence Day ist für mich in Deutschland jeden Tag
Der Socken, das Bächlein und die Sache mit dem Platzen – Verständigungsprobleme
Vom Glück, das in den Sternen steht – und manchmal auch am Boden liegt
Gemeinsam jaulen, getrennt singen: Musikalisch wird aus uns kein Trio
Bleigießen in der Adventszeit oder: Artenvielfalt in der Keksdose
Doktorspiele auf dem Fußboden – Episoden aus der Tierarztpraxis
Autogramme auf der Hundewiese oder: Wie wir unserer Besitzerin als Models den Rang ablaufen
Warum Frauchen manchmal Halsband trägt – und wie ein Dalmatiner punktet
Von weiblichen Putzteufeln und Matschpfoten als Markenzeichen
Ein Weihnachtswunder oder: Wie der Dackel in die Krippe kam
Das Schicksal einer Schießbudenfigur oder: Wenn Frauchen auf die Jagd geht
Wenn der Rohrspatz flucht und Rumpelstilzchen sein Haar herunterlässt
Warum ein Zwerg nicht rauchen sollte oder wie es einem Papierkorb die Sprache verschlug
Kein Faible für Luxus: Warum das mit dem Liebes-Wochenende für den Wilddackel nichts wurde
Gartenarbeit auf vier Pfoten oder: Rasen ist zum Rasen da
Schwarz-weiße Eichhörnchen mit Tomatensoße oder die Probleme mit dem Markieren
Von Weihrauchmeldern und Zweibeinern, die bei Regen nicht raus wollen
Von pietätvollen Katzen und Etikettenschwindel auf der Toilette
Rohe Milch und heiße Reifen – wenn der Bürgersteig zur Bahnsteigkante wird
Von Frauen, die nachts am Straßenrand kläffen und zwinkernden Wölfen im Nebel
Wenn der Postbote nicht nur Liebesbriefe, sondern auch Schnüffelstoff aus Übersee bringt
Von Rowdies auf Reifen und Rüpeln mit Regenschirm
Grillen im Laufstall und warum Männer gerne mit dem Feuer spielen
Einblicke in Schlafgewohnheiten und warum es bei uns keine Matratzendisko gibt
Männertausch mit Mäh oder: Peinlich sind immer nur die anderen
Von Heringen und heißblütigen Wilddackeln - Wie es bei uns im Läufigkeitslockdown aussieht
Ein tiefgründiger Blick aus dem Schilf oder: Wie ein Hauch von mir durch Wisconsin wehte
Wenn der Vollmond bellt – oder warum ich meine Vorgänger gut riechen kann
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Einführung: Wilddackel und Wasserspaniel – seltene Exemplare unter den Haushunden
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Einführung: Wilddackel und Wasserspaniel – seltene Exemplare unter den Haushunden
Hallo, ich bin Lakota und gehöre zu den ersten Amerikanischen Wasserspanieln, die 2018 in Deutschland geboren wurden. Für meine Züchterin war es eine schöne Bescherung, als mich meine Mama am 1. Weihnachtstag mit meinen fünf Geschwistern unter den Tannenbaum legte.
Obwohl der American Water Spaniel seit 1985 Staatshund von Wisconsin ist, sind wir selbst in den Vereinigten Staaten eine eher seltene Jagdhundrasse. Weltweit soll es nur 3000 Exemplare der kleinen braunen Hunde, wie man uns auch nennt, geben. Die meisten leben in den USA. In Europa sind wir unter anderem in Deutschland, Finnland, Frankreich, England und Tschechien vertreten.
Angeblich sollen schon die amerikanischen Ureinwohner unsere Intelligenz und Vielseitigkeit geschätzt haben, wes-wegen unsere Vorfahren als Indian Dogs bekannt waren. Gezüchtet wurden wir vorrangig, um vom Boot aus geschossene Enten zu apportieren. Enten, Gänse und vor allem Fasane sind noch heute unser Beuteschema.
In Amerika gibt es eine engagierte Hundebesitzerin, die nach alten Dokumenten zu unserer Geschichte forscht und mit diesen Infos und Fotos eine tolle Webseite erstellt hat: www.sconniebrowndogs.com
Dort findet man zum Beispiel einen Zeitungsartikel von 1925, in dem der AWS, wie wir abgekürzt werden, als ein Hund mit menschlichem Gehirn beschrieben wird. Das hat mir imponiert.
Wir müssen schon früh und nicht nur bei der Jagd eine besondere Verbindung zu Zweibeinern gehabt haben. Es gibt historische Fotos, auf denen unsere Vorfahren zusammen mit den Menschen am Frühstückstisch sitzen. Ein anderes Bild zeigt einen frühen Vertreter unserer Rasse, wie er stolz auf einem Stuhl sitzt, während eine schick gekleidete Dame daneben steht und beide für den Fotografen posieren.
Typisch für uns sind der fokussierte Blick sowie die enorm langen lockigen Lauscher. Im Gegensatz zu vielen Menschen und den meisten Hunden versetzt uns das in die Lage, uns selbst ein Ohr abkauen zu können – was wir nach längeren Mahlzeiten auch schon mal genussvoll tun. Unser Fell ist dicht gelockt oder gewellt. Schokoladenfreunde würden sagen, das Farbspektrum reicht von Vollmilch bis Zartbitter.
In diesem Buch berichte ich über meinen Alltag mit meinem Jagdhundpartner Lou, einem griechischen Dackel-/ Windhundmix, kurz Wilddackel genannt. Lou ist etwa drei Jahre älter als ich und über eine Tierschutzorganisation nach Deutschland vermittelt worden. Er und seine Geschwister, DieSieben Schlappohrzwerge, waren im Alter von knapp zwei Wochen ohne Mutter in einem Karton vor dem Gelände einer Tierschutzorganisation auf Chalkidiki ausgesetzt worden.
Er ist anders als ich, aber wir ergänzen uns prächtig. Natürlich muss er zu allem seinen Senf dazugeben. Obwohl er nicht aus Delphi kommt, hat er als waschechter Grieche den Hang zum Orakeln im Blut. Loukrates, wie wir ihn nennen, ist ein Denker auf vier Pfoten, ein Philosoph aus der Futtertonne und kommentiert meine Erlebnisse entsprechend.
Wir beide und unsere Ghostwriterin wünschen allen Lesern viel Spaß mit den Geschichten aus unserem Alltag.
Wer Näheres über meine Rasse wissen möchte, kann sich auf der englischsprachigen Internetseite unseres Clubs informieren: www.americanwaterspanielclub.org
Infos über die Arbeit der Tierschützer, die Lou und seinen Vorgänger Costa gerettet haben, gibt es auf www.animalpardnet.de
Romantik auf dem Acker – Mein erstes Rendezvous mit Lou
Ich war den ganzen Tag schon aufgeregt. Hatte kaum etwas gegessen und hätte am liebsten die ganze Zeit an meinen Krallen geknabbert.
Gleich sollte ich ihn treffen. Wenn wir beide Gefallen aneinander fänden, würde er mein zukünftiger Lebenspartner, hatte meine Züchterin gesagt. Und dass er ein schicker Bursche mit kurzem und glänzendem schwarzen Fell sei.
Ich kannte bis dahin nur meine Brüder und die beiden Springerspaniel aus unserem Rudel. Die waren alle schick, aber kurzes schwarzes Fell hatte keiner von denen. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde.
Die Szenerie hätte jedem Kitschfilm zur Ehre gereicht. Es war ein Sonntag im Februar, kalt, aber sonnig und ohne Schnee. Auf der Wiese hinter der Siedlung, auf der mein erstes Rendezvous mit Lou stattfinden sollte, erwartete ich ihn. Die Sonne gab nochmal alles, bevor sie untergehen würde.
Ich wollte gerade den Film in meinem Kopfkino starten, da sah ich ihn schon: schlank, muskulös, mit markanten Ohren und wunderschönen Augen. Als er mich sah, gab es kein Halten mehr. Stürmisch zog er seine Besitzerin an der Leine hinter sich her. Sie kam auf dem unwirtlichen Untergrund ins Straucheln und warf sich nicht gerade graziös vor mir ins ungemähte Gras.
Auch Lou ging mit den Vorderbeinen nach unten, um mich zu beschnüffeln. Jetzt waren wir alle Drei auf Augenhöhe während die untergehende Sonne mich in ein spektakuläres Licht tauchte. Besser hätte das auch Hollywood nicht hingekriegt. Meine Zukunft war gesichert. Drehschluss.
Rückblick: Wie ich mit meiner Schwester einen Pakt schloss und in die Zeitung kam
Es war der Tag, an dem ich mein Schicksal heraus-fordern würde. Oder das Schicksal mich. So ganz ge-nau lässt sich das auch rückblickend nicht beurteilen.
Unsere Züchterin hatte uns Besuch angekündigt. Unmittelbar nachdem ich die Glocke an der Haustür gehört hatte, wurde es laut um mich herum. Fremdes Stimmengewirr, Hundegebell. Bevor ich die geheimnisvollen Eindringlinge sehen konnte, mussten sie noch durch die Sicherheitsschleuse, die Schuhe ausziehen und die Taschen zur Kontrolle auf den Stuhl legen.
"Alles okay, keine Gefahr. Sie können rein."
Die finnische Securitykraft gab ihr Okay, nachdem sie alles eingehend begutachtet und den Inhalt beschnüffelt hatte. Ich wusste, auf ihr Urteil kann ich mich verlassen, denn sie ist meine Mutter.
Zuerst betrat ein Mann den gesicherten Unterschlupf, in dem ich mit meiner Mama Aena und meinen fünf Brüdern und Schwestern die vergangenen Wochen verbracht hatte. Keine Ewigkeit, aber für uns war es bis dahin unser ganzes Leben.
An Weihnachten waren wir als Amerikanische Wasser-spaniel-Welpen zur Welt gekommen.
Mein Vater Noki war aus Amerika eingewandert, meine Mutter Aena aus Finnland. Da wir die ersten Nachkommen unserer Art in Deutschland waren, hatte unsere Züchterin die Zeitung benachrichtigt.
Dem Fotografen folgte eine Reporterin. Ich hörte, wie sie meiner Züchterin erzählte, dass sie vor wenigen Wochen ihre Hündin Rica verloren hätte, aber erstmal keine neue Hündin wollte, um sich ihrem Rüden aus dem Tierschutz widmen zu können.
"Wenn ich mich für einen neuen Hund entscheide, dann sollte es kein Welpe sein, auch kein Rassehund und vor allem keiner mit längerem Fell", vernahm ich ihre Stimme.
"Aha", kommentierte meine Züchterin gelassen, und innerlich stimmte ich ihr zu.
Perfekte Bedingungen, dachte ich. Sie würde es gar nicht merken, wenn ich mich in ihr Herz schleiche. Mein Plan war riskant, aber ich musste es einfach versuchen. Kaum hatte sie sich zur Ausübung ihres Berufes auf Socken ins Welpengehege begeben, ergriff ich meine Chance.
Meine Geschwister und ich waren extrem neugierig und konnten es gar nicht abwarten, die unbekannten Zweibeiner in Beschlag zu nehmen. Im allgemeinen Gewusel musste ich es schaffen, eine meiner Pfoten unter ihren Fuß zu bekommen.
Der Plan ging auf. Kaum hatte meine linke Vorderpfote leicht ihre rechte Fußsohle berührt, jaulte ich jämmerlich auf und humpelte durchs Gehege. Es gibt keine bessere Art, die volle Aufmerksamkeit zu bekommen. Meine Züchterin schaute ebenso entsetzt wie meine Geschwister, der Fotograf ließ die Kamera sinken und die Reporterin beugte sich sofort zu mir herunter.
"Oh nein, Entschuldigung. Das tut mir leid. Wie konnte das nur passieren?", sagte sie, während sie mich ausgiebig streichelte.
"Wer ist das denn?", fragte die Frau, die keinen Welpen, keinen Rassehund und schon gar keinen mit längerem Fell wollte.
"Das ist Lakota", antwortete meine besorgte Züchterin, während sie mein Pfötchen massierte - übrigens das falsche, aber in der allgemeinen Aufgeregtheit fiel das nicht auf.
"Schöner Name", meinte die Journalistin, "erinnert mich an meinen Seelenhund Costa, der vor drei Jahren gestorben ist."
Genauso hatte ich mir das vorgestellt.
"Und wer ist die mit dem roten Halsband?", fragte sie weiter.
Himmel! Es wird doch jetzt nicht an der Farbe scheitern.
"Das ist Yuma, die einzige Gelockte im Wurf. Die anderen sind alle gewellt", antwortete die Züchterin, die immer noch mein Pfötchen massierte.
Kurz darauf konnte das Fotoshooting weitergehen. Ein echtes Highlight in unserem Welpenalltag. Unsere Züchterin sollte sich mit uns und unserer Mama in eine Ecke setzen und glücklich in die Kamera schauen, aber sechs muntere Welpen unter einen Hut zu bekommen, gestaltete sich schwierig.
Irgendwann hatte der Fotograf alle Bilder im Kasten, und die beiden Frauen setzten sich zum Interview an den Tisch. Yuma und ich durften mit dabei sein. Während meine Schwester sich ihr zu Füßen legte, wurde ich hochgehoben und nahm auf der Tischplatte erstmal in Augenschein, was sie sich so über uns notiert hatte.
Meinen Namen hatte sie zuerst aufgeschrieben, mit "c" statt mit "k". Meinetwegen hätte sie auch LaCosta schreiben können. Ich kroch zu ihr hinüber, ließ mich kraulen und hinderte sie erstmal an der weiteren Ausübung ihres Berufes, indem ich in ihren Armen ein kurzes Nickerchen hielt. Das war schließlich alles ganz schön aufregend.
"Das hat Rica als Welpe auch immer gemacht", seufzte sie.
Wenn ich sie jetzt nicht nur an ihren Seelenhund Costa, sondern auch noch an ihre verstorbene Hündin Rica erinnerte, lief alles nach Plan. Den hatte ich, als wir erfuhren, dass uns eine Zeitungsreporterin besuchen würde, mit meiner Schwester Shasta ausgeheckt. Sie wollte unbedingt bei unserer Mama bleiben und nicht in eine andere Familie gehen. Unsere Züchterin hatte eigentlich mich behalten wollen.
Ich musste mir also die Reporterin angeln, von der ich gehört hatte, dass sie Hunde liebte, einen großen Garten und einen mittelgroßen Rüden hatte. Sobald ich ein Zuhause gefunden hatte, konnte Shasta zur Tat schreiten und ihres erobern.
Eigentlich hatten wir an dem Punkt schon gewonnen. Trotzdem ging ich auf Nummer Sicher. Als meine Züchterin die Konkurrenz in Rot in Form meiner Schwester Yuma auf den Tisch hob, und diese sich auch für den Notizblock zu interessieren begann, okkupierte ich kurzerhand die Unterlagen, in dem ich mein Schläfchen darauf fortsetzte. Ich sehe wirklich entzückend aus, wenn ich schlafe. Das hatte man mir schon mehrfach gesagt.
Bevor ich begann, von meinem neuen Zuhause zu träumen, warf ich Shasta, die das Ganze vom Welpengehege aus beobachtete, noch einen verschwörerischen Blick zu.
Später sagte meine neue Besitzerin, sie sei wohl die einzige gewesen, die nicht kapiert habe, was an jenem Tag abging. Niemand hat ihr je widersprochen; auch nicht die Züchterin, mit der sie seitdem befreundet ist.
"Du hättest auch Yuma genommen, wenn ich sie Lakota genannt hätte", zieht sie sie heute noch auf.
Nachdem ich also vergeben war, hatte Shasta freie Bahn. Als Erste schaffte sie es, aus dem Welpengehege zu entwischen, um ihre zukünftige Umgebung vom Keller bis zum Erdgeschoss zu erkunden. Sie durfte bleiben, und auch Yuma hat ein tolles Zuhause gefunden, ebenso wie unsere drei Brüder.
Loukratessagt:Das Schicksal kommt manchmal nicht nur auf leisen Sohlen, sondern auf Socken.
Rosige Zeiten können in Orange beginnen – oder: Fotoshooting an der Milchbar
Bevor ich bei meiner neuen Besitzerin einziehen konnte, sah ich die Reporterin noch einige Male wieder. Nicht, weil sie irgendwelche dienstlichen Fragen gehabt hätte, sondern offensichtlich einzig und allein aus Interesse an mir.
Meine Geschwister und ich wurden in allen Lebenslagen fotografiert, beim Toben, beim Fressen, beim Verdauen, beim Spielen und an der Milchbar unserer Mama. Da ich das äußerst indiskret fand, hab ich ihr beim Trinken einen bösen Blick zugeworfen - was sie so witzig fand, dass das Foto jetzt bei uns am Küchenschrank hängt.
