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- Wenn dein ehemaliger Highschool Crush dich endlich wahrnimmt... - **Eine prickelnd freche Romance über eine Challenge der Herzen** Dank meines Vaters, meiner Highschool-Zeit und meines Ex-Manns stehen drei Dinge für mich felsenfest: Männer sind - unehrlich. - unzuverlässig. - im schlimmsten Fall auch noch untreu. Weshalb soll ich da noch an die Ehe glauben, geschweige denn an die Liebe? Verrückterweise besteht ausgerechnet mein alter Highschool-Schwarm Matt Mannings darauf, mir das Gegenteil zu beweisen. Gerade er, der mich früher nie zur Kenntnis genommen und zu der übelsten Sorte von Playboys gezählt hat. Und das alles nur, damit er meinen Segen bekommt, meine beste Freundin zu heiraten. Doch während unserer Challenge wird mir bald klar, dass ich mehr verlieren könnte als meine Vorbehalte und dass ein Herz viel zu leicht ins Stolpern gerät. Überarbeitete Neuauflage von Ashleys Geschichte aus der Reihe „Me, my friends & one wedding“ dem Romance Edition Sammelband „Louisiana Kisses - Vier Lovestorys und eine Hochzeit“ Leseprobe: Ich hörte noch sein Ächzen und landete im nächsten Moment mitten im Schlamm unseres Vorgartens. Mit einem lauten Flatschen versank ich im Morast, was an sich nicht weiter schlimm gewesen wäre, wenn Matt stehen geblieben wäre. Voller Wucht krachte jedoch sein harter, schwerer Männerkörper auf mich herunter. Der heftige Aufprall entlockte mir in einem Ruck nicht nur ein schmerzhaftes Aufstöhnen, sondern zugleich die Luft. Zuerst spürte ich nur, wie mir jeder Knochen wehtat, aber dann, wie etwas zwischen meinen Brüsten lag. Da das Etwas sich verdächtig nach einem Gesicht, Matts Gesicht, anfühlte, hob ich den Kopf, um mich zu vergewissern. Tatsache! In einer prekäreren Stellung hätte man uns wohl nicht erwischen können. Obwohl – doch, wahrscheinlich schon. Aber diese reichte mir vollkommen aus, um rot zu werden. Mit glühenden Wangen und platt wie eine Flunder lag ich im Schlick, während Matts Rumpf meine Schenkel weit spreizte. Zu allem Übel steckte seine Nase zwischen meinen drallen Hupen. Punktlandung, würde ich sagen! Langsam hob sich Matts tropfende Mähne. Diesen Blick würde ich wohl meinen Lebtag nie vergessen. Eine Mischung aus Überraschung, Schock, Scham und Lust spiegelte sich auf seinen Zügen wider.
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Crush
on the
Groom
- Nur ein Kuss -
von
Ewa A.
Impressum
Text:
Copyright © Ewa A.
Alle Rechte vorbehalten
Covergestaltung:
Dream Design – Cover and Art
http://www.cover-and-art.de
unter Verwendung von Bildquellen:
www.shutterstock.com
Verlag:
E. Altas
Bundesstr. 6
79423 Heitersheim
https://www.facebook.com/EwaA.Autorin
Die Geschichte sowie die Personen und die Orte in diesem Buch sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit Begebenheiten, Orten, lebenden oder toten Personen sind in keiner Weise beabsichtigt und wären purer Zufall.
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Inhaltsverzeichnis
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
Epilog
Ein paar Worte
Weitere Werke der Autorin
1. Kapitel
Als ich den schwarzen Riesendildo über den Asphalt hopsen sah, wusste ich sofort, dass der Koffer, aus dem er soeben herausgesprungen war, nicht mir gehörte. Zur Belustigung der Umstehenden hatte das hinterhältige Gepäckstück, das ich neben mir her zog, aus heiterem Himmel beschlossen, sich zu öffnen. Direkt vor dem Eingang zum Bahnhof von Mardi River spie das elende Teil seinen außergewöhnlichen Inhalt in hohem Bogen aus.
Aufstöhnend hielt ich an. Im Gegensatz zu dem riesenhaften Gummipenis, der immerzu munter weiter mit einem dumpfen Ton auf den Boden aufschlug, um danach wieder zitternd abzuheben. Das Ding hätte man locker als Zaunpfahl verwenden können.
»Verdammter Mist!«, grummelte ich und kniete mich nieder. Hektisch begann ich, den Erotikkrempel einzusammeln, der fächerartig zu meinen Füßen detoniert war. Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, wie ein Paar leinenbehoste Männerbeine näherkamen und die dazugehörenden Herrenschuhe die letzten Fluchtversuche des Dildos beendeten.
Aufgrund der extravaganten Krokodillederschuhe und der Tatsache, dass deren Besitzer keine Socken trug, folgerte ich, dass der Mann vermögend und jung sein musste. Abgesehen davon wirkten seine Bewegungen unglaublich lässig und ein frischer Duft von Minze und Orange wehte mir entgegen.
Während ich eilig Büstenheben, Vibratoren und Korsetts zurück in den Trolley pfefferte, hatte der Fremde ein Taschentuch hervorgezaubert und sich den Riesendildo gegriffen. Den hielt er mir danach direkt vor die Nase, wo jener aufdringlich hin und her wankte. Reflexartig zog ich den Kopf ein.
»Bevor Sie ihn das nächste Mal benutzen, sollten Sie ihn wohl besser abwaschen. Nicht, dass an dem ... Gerät noch irgendwelche Steinchen kleben geblieben sind«, meinte der Typ.
Seine Stimme triefte vor Hohn und ich konnte mir ein säuerliches Grinsen nicht verkneifen. Als wäre die Angelegenheit nicht schon peinlich genug, musste ich mir auch noch dumme Sprüche anhören. Der Idiot bettelte regelrecht um eine passende Antwort.
»Danke. Aber Peeling im Intimbereich hat auch seinen Reiz. Sollten Sie unbedingt mal ausprobieren.« Energisch entriss ich ihm den Gummipimmel. Allerdings stieß ich ihn mir dabei fast ins Auge und die Lustperlen gegen den Mund, die an meiner Faust herunterbaumelten. Just in dem Moment wurde mir klar, was ich da in den Fingern hielt, und hoffte, dass das Zeug wirklich unbenutzt war. »Uäh!« Angeekelt schleuderte ich das Erotikspielzeug in den Koffer und wischte meine Hände hektisch an den Oberschenkeln ab.
Der Typ brach in Gelächter aus. Wütend wollte ich ihn mit meinem besten mörderischen Blick erdolchen, als ich ihn jedoch ansah, verzerrten sich schier meine Gesichtsmuskeln. Vor Wut und Erstaunen wussten sie nicht, was sie nun tun sollten. »Matt?«, japste ich und meinem Gegenüber verging allmählich das Lachen.
Seine kobaltblauen Augen wurden schmal und sein Blick wanderte neugierig über meine Gestalt. Er legte den Kopf schief. »Ja. Bist du Ashley? Ashley Kirby?«, tönte er überrascht. Gleich darauf fegte ein strahlendes Grinsen über seine Miene, was mein Magen prompt mit einem leisen Flattern quittierte. »O mein Gott, natürlich bist du es«, sagte er, ehe ich reagieren konnte.
Nach wie vor schweigend versuchte ich, meine Hormone im Zaum zu halten, die langsam, aber sicher aus dem Häuschen gerieten. Denn Matt, den ich seit der Highschool kannte, war nach wie vor ein verdammt heißes Schnittchen. Ich geriet ins Schwitzen, obwohl ich noch vor wenigen Minuten in dem klimatisierten Zug gefroren hatte. Und das lag nicht am Wetter. Na ja, vielleicht doch.
»Entschuldige, irgendwie habe ich dich nicht ...« Matts Augenbrauen rückten zusammen. »Du siehst nicht mehr so ...«, haspelte er unsicher weiter und verstummte dann in einem Lächeln.
Wir beide wussten, dass es für mich noch viel peinlicher enden würde als für ihn, wenn er weiterspräche.
Deswegen nickte ich mit einem offensichtlich gefakten Lächeln. »Ja, ich sehe nicht mehr so unscheinbar und brav aus wie früher. Das wolltest du mir wohl sagen, nehme ich an?«
Mir war total schnurz, ob das zickig klang. Nach einer fünfstündigen Anreise, einer Kofferexplosion auf offener Straße in brütender Hitze und mehrfachen bescheuerten Bemerkungen seinerseits durfte man ja wohl angepisst sein. Oder etwa nicht?
Ich stand auf und schaute ihn erwartungsvoll, vielleicht sogar auch drohend, an. Zumindest konnte ich Matt Mannings zugutehalten, dass er, der Super-Sonnyboy, sich doch noch an mich, das Mauerblümchen der Cajun-High, erinnerte. Mit einem flauen Gefühl nahm ich wahr, wie sein verblüffter Blick gemächlich über mein knielanges Sommerkleid wanderte. An den modischen Fransen des Saums und bei meinen hohen Sandaletten blieb er länger hängen. Auf gleichem Wege fand er schließlich wieder in mein Gesicht zurück. Alter Schwede, diese Musterung war ja fast noch beleidigender als sein vorheriges Gestotter.
»Nun, du siehst auf jeden Fall sehr gut aus«, meinte er etwas verdattert. Während des Redens gestikulierte er mit seinen Händen, wie ich es von ihm bereits aus unserer Schulzeit kannte. Zunehmend gewann er auch seine typische Selbstsicherheit wieder. Offensichtlich hatte Matt den Schock überwunden, dass ich nicht mehr der Ashley seiner Erinnerung entsprach.
Tja, das geschah ihm nur recht. Mir war es nämlich ähnlich ergangen, als ich seinen Namen in geschwungenen Lettern neben Kays auf der Hochzeitseinladung gelesen hatte. Zwar hatte meine Mutter in einem unserer seltenen Telefonate erwähnt, dass Kaylee Moore, meine beste Freundin aus Kindertagen, mit dem Sohn der Mannings liiert sei, doch wie immer hatte ich alles, was mit meiner Heimat oder mit meiner Vergangenheit zusammenhing, von mir geschoben. Denn seit ich von hier fortgezogen war und wir uns nach einiger Zeit aus den Augen verloren hatten, waren Mardi River und die nie endende Freundschaft kein Teil meines Lebens mehr. So dachte ich jedenfalls – bis zu jenem Tag, als Kays Brief mich erreichte. Sie hatte der Einladung ein Foto beigelegt, das uns unter dem Baum mit dem Baumhaus zeigte. Kay und mich so einträchtig zu sehen, hatte mir ein Lächeln entlockt und mich an die schönen Zeiten meiner Kindheit erinnert. Kaylee und Ashley für immer und ewig. Ohne Zögern hatte ich beschlossen, der Einladung zu folgen. Wer hätte gedacht, dass es nur seines Namens bedurfte, um auch eine Flut von ganz anderen Erinnerungen in mir zu wecken? Unwillkommene. Schmerzende. Obwohl ich diese jahrelang gekonnt in einem geheimen Winkel meines Kopfes verstaut gehalten hatte, waren diese Erinnerungen erbarmungslos über mich hereingebrochen. Mit all ihren schrecklichen Gefühlen hatten sie mir den Boden unter den Füßen fortgerissen. Schlagartig hatte ich mich wieder genauso gefühlt wie einst, was in meinem Fall hieß: wie ein Nichts. Denn für Matt Mannings, den Quarterback und Kapitän der Highschool-Football-Mannschaft, den Abschlussball-König, war ich unsichtbar gewesen.
Oh, Gott, der Abschlussball – bloß nicht daran denken, Ash!, mahnte ich mich im Stillen.
Ja, ausgerechnet dem Jungen, dem ich etwas hatte bedeuten wollen, war ich nicht mal einen Blick oder Satz wert gewesen. Zu unscheinbar, zu uncool für einen Sechzehnjährigen, der aussah wie ein junger Gott. Da Matt zudem aus einem gut situierten Elternhaus stammte, war er bei allen Leuten bekannt und beliebt, was bestimmt auch heute noch der Fall war. Jeder, der auf dem Anwesen der Mannings ein- und ausging, konnte sich zu den wichtigen Leuten Mardi Rivers zählen. Verflucht, es gab sogar Postkarten im Ort zu kaufen, auf denen dieses Bilderbuch-Südstaaten-Herrenhaus mit seiner imposanten Eichenallee abgebildet war.
Natürlich umgab sich Matt nur mit Freunden, die eine ebensolche gesellschaftliche Stellung hatten wie zum Beispiel Trent, Kays damaliger Freund. Dies alles machte ihn im Gesamtpaket letztlich zum schmackhaftesten Sahnetörtchen in der langen Kuchentheke der Cajun-High. Fast jedes weibliche Wesen hatte sich die Finger nach ihm geleckt. Leider war es aber nun mal ein ungeschriebenes Gesetz des Universums, dass jemand wie er jemanden wie mich nicht wahrnahm. Ashley Kirby existierte in jenen Tagen weder für Matt Mannings noch für dessen Kumpels. Sie luden Kay und all die anderen Mädchen ein, aber nicht mich. Selbst, wenn ich danebenstand, hatten es die Jungs geschafft, mich eiskalt zu übergehen. Wie hätte ich ihnen auch auffallen sollen? Ich besaß nicht Kays tolle Figur. Nein, meine damals schon ausgeprägten Rundungen, die möglicherweise die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätten, verbarg ich aus mehrerlei Gründen unter weiten Klamotten. Auch konnte ich weder mit außergewöhnlichen Haaren noch mit exotischen Augen aufwarten. Dank meiner braunen Haare und Augen und der tristen Klamotten hatte ich das unspektakuläre Aussehen einer Kartoffel. Paradoxerweise haderte ich trotzdem damit, dass mich keiner bemerkte. Wie jung und dumm ich gewesen war! Aus verletztem Stolz hatte ich sogar immer so getan, als würde es mich nicht stören, als wollte ich nicht zu Matts Clique dazugehören. Ich hatte mich ihnen nicht anbiedern oder aufdrängen wollen. Es war für mich abwegig gewesen, irgendjemandem von meinen Gefühlen für Matt zu erzählen. Nicht mal meiner besten Freundin hatte ich es gestanden, obwohl sie mir zu jener Zeit so viel bedeutet hat. O Gott, ja, Kay war der einzige Lichtblick in diesen schrecklichen Jahren gewesen. Aber ich behielt mein kleines Geheimnis für mich, weil sie zu nah an Matt dran war und ich insgeheim Angst hatte, das zu hören, was ich schon längst wusste: Dass Matt zig Ligen über mir spielte und somit unerreichbar für mich war.
Jahrelang hatte sich dieses nagende Gefühl, ein Nichts zu sein, weiter und weiter in meine Seele hineingefressen. So etwas vergaß man einfach nicht. Nie wieder. Selbst, wenn man es vergessen wollte. Sogar, wenn man im Nachhinein wusste, dass ein Mensch viel mehr war als die Summe der ganzen Oberflächlichkeiten, denen man in jungen Jahren Bedeutung beigemessen hatte.
Also warum, zum Teufel, fühlte ich mich jetzt unter Matts Augen, trotz seines Kompliments, so ... unperfekt, so ... ungenügend? Was für ein Bullshit! Schließlich war ich mit achtundzwanzig eine erwachsene Frau, die nach einer gescheiterten Ehe wusste, was sie wollte, die mit beiden Beinen im Leben stand. Ich war nicht mehr Ashley, das Mauerblümchen, und Matt Mannings nicht mehr der Junge, für den ich heimlich schwärmte. Ich brauchte keinen Mann mehr, um mich wertvoller zu fühlen oder irgendetwas zu erreichen. Diese Erkenntnis hatte ich bitter gelernt.
Angesäuert grinste ich deswegen dem Verlobten meiner Freundin zu, der auf einmal verlauten ließ, ich sähe gut aus. »Danke, das Gleiche kann man auch von dir sagen.«
Mist! Wo kam das denn her? Bloß ein Reflex, keine Panik.
»Ähm, ja, danke«, murmelte Matt irritiert.
Anscheinend hatte der Gute mit mir und meiner Art ein Problem. Für einen Moment presste er die Lippen aufeinander und deutete danach auf das Chaos, das zu unseren Füßen lag. »Also – dann packen wir deine Sachen am besten wieder ein.«
Ein empörtes Auflachen entwischte mir. »O nein! Nein, nein, das sind nicht meine Sachen. Das da ...«, sagte ich und hob mit spitzen Fingern den Slip Ouvert hoch, der ebenso im Trolley landete wie das andere Zeug. »... kann nur der Koffer eines Sexshop-Vertreters oder einer Nymphomanin sein. Und ich bin keines von beidem.« Mit einem Seufzen widmete ich mich wieder dem Einpacken und klaubte die restlichen Erotikartikel vom Boden.
Matt half mir und bestaunte ein Paar rosagepolsterte Handschellen. »Aha, aber du musstest ihn unbedingt haben. Oder wie?«
Gereizt von der gesamten Situation, sog ich die Luft ein und wollte schon loswettern, als ich Matts freches Schmunzeln entdeckte. Ein greller Flashback von jugendlicher Gefühlsduselei holte mich ein. Ja, ich erinnerte mich gut an dieses verwegene und zugleich süße Grinsen, das mir jedes Mal die Knie in Zuckerwatte verwandelt hatte. Und trotzdem schien sich Matts Gesicht verändert zu haben.
Aufmerksam musterte ich den Mann, der mir gegenüber auf dem Boden hockte. Ohne Frage waren seine Züge reifer und noch männlicher geworden. Sein Kiefer schien kantiger und das Kinn mit dem Drei-Tage-Bart markanter. Die schmale Nase wirkte genauso gerade wie eh und je, die Spitze sogar immer noch einen Hauch zu spitz. Seine Brauen waren eine Spur kräftiger als früher, das Blau seiner Augen kam mir intensiver vor. Oder hatte das schon immer so geleuchtet? Vielleicht lag es auch nur an seinem sonnengebräunten Teint? Was war mir bloß fremd an ihm? Ah, die kleine Narbe an seiner Unterlippe! Die war mir neu. Ja, sein Mund war in jungen Jahren makellos gewesen. Was er jetzt zugegebenermaßen heute noch war. Aber nun zierte die linke Hälfte seiner unteren Lippe eine winzige Vertiefung, die sich auf seinem Kinn verlor. Das tat seinem Aussehen jedoch keinen Abbruch. Nein, das machte Matt Mannings noch sexier als zuvor. Wie könnte es auch anders sein! Verdammte Hühnerkacke!
Wütend beschloss ich, mir keine Gedanken mehr zu Matt Mannings’ Aussehen zu machen und nicht auf seine dreiste Unterstellung einzugehen. Eher sollte ich die Frage stellen, die ich schon hätte längst stellen müssen.
»Wo ist eigentlich Kay? Ich dachte, sie wollte mich vom Bahnhof abholen?«
»Oh, das wollte sie, aber ... Hast du ihre Whatsapp-Nachricht nicht bekommen?«, fragte Matt und warf das letzte Korsett in den Koffer.
Ich schüttelte den Kopf und schloss den Deckel des Gepäckstücks. »Nicht, dass ich wüsste. Allerdings war der Netzempfang ab und zu gestört.«
Da der Trolley bis zum Rand vollgestopft war, musste ich mich auf ihn knien, und damit kein Spalt offenblieb, half mir Matt dabei. Gemeinsam drückten wir den Deckel nieder. Dabei kamen wir uns in die Quere und ziemlich nahe. Unsere Hände und Arme berührten sich und mein Magen legte eine spontane, illegale La-Ola-Welle hin.
Zum Teufel mit Matt Mannings! Das Klima in Mardi River war ohnehin schon schwül. Musste er mir denn so auf die Pelle rücken? Verflucht, ich wollte keine weiteren Hitzewallungen erleiden. Vielleicht lag es bloß an dem Kampf mit dem Koffer, dass mir die Schweißperlen zwischen den Brüsten hinunterliefen? Holy Shit, wem log ich hier was vor? Ich kannte diese Hitze, für die es keine Abkühlung gab. Außer der, mir vor Augen zu führen, dass er Kays Verlobter und zukünftiger Ehemann war. Oh – ja, das half wirklich.
Prompt stieg mir eine Prise seines verlockenden Aftershaves in die Nase. Und weg war der Vorsatz, denn keine Sekunde später ertappte ich mich dabei, wie ich seine dichten dunklen Wellen bewunderte. Warum musste er auch seinen Holzkopf vor meinen Augen auf und nieder bewegen, während er den Verschluss einhakte? Konnte er ihn nicht stillhalten? Oder noch besser, gar keinen Kopf haben?
Matt ächzte und mein Unterleib tat es ihm nach. Dieser miese Verräter! Ein Jahr ohne Sexpartner war nun wirklich kein Grund, dem Verlobten einer alten Freundin hinterherzuhecheln, nur weil er nett anzuschauen war.
»So, das hätten wir.« Matt hob seinen Kopf und unversehens fanden wir uns von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Wir starrten uns unverwandt an. Seine Blicke strichen über meine Züge hinweg und ich vergaß ... zu atmen.
»Na ja ... Kay wollte ...«, stammelte er. »Sie ... sie bekam plötzlich einen Termin dazwischen und ... Und da ich sowieso noch in die Stadt musste, vereinbarten wir, dass ich dich abhole.«
Nach einem Räuspern wich er zurück und richtete sich auf. Der Bann war gebrochen und ich schöpfte wieder Luft.
Mann, was war bloß los mit mir? Krieg dich wieder ein, Ash!, schimpfte ich mit mir selbst.
»Oh, okay. Das ist nett. Danke«, nuschelte ich zerstreut, da mich die Empfindungen überrollten, die Matt immer noch so leicht in mir wachrufen konnte.
Er erhob sich mit einem Grinsen und reichte mir hilfsbereit seine Hand. »Kein Problem. Das mache ich gerne, besonders bei so guten Freunden.«
Mein Bauch beschloss, gegen das Wort Freund mit einem unangenehmen Drücken zu rebellieren. Zögernd nahm ich Matts Hilfe an und biss mir auf die Unterlippe.
Ich sollte nichts fühlen, ich durfte es nicht und ich wollte es auch nicht. Doch ein verfickter Funkenschauer strömte von seinen Fingern geradewegs durch meinen Arm hindurch, direkt in meine Brust hinein. Anschließend verteilte er sich in meinem gesamten Körper. Kaum stand ich wieder sicher auf den hohen Absätzen, entzog ich mich Matts prickelnder Berührung. Jetzt war aber echt genug!
»Wie geht es Kay denn?«, fragte ich zwanglos. »Neben den ganzen Hochzeitsvorbereitungen noch den Diner am Laufen zu halten ist bestimmt stressig für sie.«
»Ja«, entgegnete Matt und nahm mir den Koffer ab. »Und da ich gerade ein neues Restaurant aufmachen will und Kays Bruder nach wie vor Flausen im Kopf hat, stehen wir beide kurz vorm Durchdrehen.« Mit einem verlegenen Grinsen schüttelte er den Kopf. »Aber hey, jetzt bist du ja da – und Trent.«
Geschockt und zugleich verständnislos schaute ich zu Matt auf. »Trent ist hier? Der Trent, dein Kumpel von der Highschool, mit dem Kay über fünf Jahre zusammen war?«
Matt nickte. »Ja, genau der. Und ich weiß, was du jetzt denkst, aber so ist es nicht. Kay hat schon längst mit Trent abgeschlossen. Die zwei verbindet nur noch Freundschaft.« Mit einer Mischung aus Nicken und Verneinen versuchte er, mich zu überzeugen, aber wohl noch mehr sich selbst. »Ehrlich, ich bin heilfroh, dass Trent gerade jetzt wieder in Mardi River aufgetaucht ist. Er scheint nämlich der Einzige zu sein, auf den der kleine Moore hören will.«
Ungläubig zog ich die Stirn kraus. Zu gut konnte ich mich an das Drama erinnern, das sich am Ende zwischen Kay und Trent abgespielt hatte. Kay fühlte sich mit ihrem Bruder wie ein Klotz an Trents Bein. Sie wollte ihm nicht im Weg stehen und auch nicht ihr Diner aufgeben, weswegen sie letztlich ihre Beziehung beendeten. Sie bestand darauf, dass Trent seinen Traum, Arzt zu werden, nicht aufgab und ohne sie aus Mardi River fortzog. Er sollte nicht aus irgendwelchen romantischen Gefühlen heraus seine Wünsche hintanstellen. Ebenso war mir nicht entfallen, wie fertig Kay nach der Trennung gewesen war, obwohl sie versucht hatte, es sich nicht anmerken zu lassen. Allerdings wusste ich genau, wie sehr sie darunter gelitten hatte. Insgeheim hatte ich gehofft, dass Trent eines Tages zurückkommen würde, wenn er seine Ziele erreicht hätte. Offensichtlich hatte er das, und dies ausgerechnet, kurz bevor sein ehemals bester Freund die Liebe seines Lebens heiratete.
»Na, dann ist doch alles cool!«, antwortete ich und zuckte mit den Schultern. Wenn es für die beiden okay war, dass Trent in der Stadt war, würde ich die Letzte sein, die sich daran störte. Stöhnend raffte ich meine braunen Locken im Nacken zusammen. »Abgesehen vom Wetter. Boah, ich hatte echt vergessen, wie schwül es hier um diese Jahreszeit ist.« Ich schaute zum Himmel. Die Sonne brannte auf uns herunter und doch türmten sich bereits die ersten Wolken auf. Im Juli und August fiel der meiste Regen, was hieß, dass es bald wie aus Eimern schütten könnte. Um mir ein wenig Abkühlung zu verschaffen, suchte ich in meiner Handtasche nach einem Haargummi, mit dem ich mir meine langen Haare hochbinden konnte.
Matt beobachtete mich dabei mit einem amüsierten Grinsen. »Du könntest natürlich auch diese lange Jacke ausziehen. Vielleicht ist dir dann nicht mehr so warm?«
Als ich in meiner Tasche endlich fündig geworden war, blinzelte ich ihn grimmig an. »Das ist keine Jacke, das ist eine Longbluse, du Modemuffel. Wegen der Klimaanlage im Zug, die auf Schockgefrieren eingestellt war, befürchtete ich schon, mehrere Zehen zu verlieren. Hätte ich Stricksocken und Mütze dabeigehabt, hätte ich die auch noch angezogen.«
Er betrachtete sofort meine Füße und da er sich wohl mich in dicken Socken und Sandaletten vorstellte, begann er, schallend zu lachen. »Ja, das hätte ich wirklich gerne gesehen.«
Grinsend band ich mir einen Pferdeschwanz und genoss die frische Brise an meinem Nacken. Doch dann fiel mir der Fehler in meiner Logik auf. »Shit«, fluchte ich. »Ich hätte nicht mal Socken gefunden, selbst, wenn ich welche eingepackt hätte.«
Matt zog den Bügel aus dem Trolley und rollte ihn an seine Seite. »Nein, du hättest nur diese offenherzigen Dessous zur Verfügung gehabt. In denen wäre dir nicht viel wärmer geworden, bloß deinen Mitreisenden«, erwiderte er vergnügt.
Verdutzt über diese Äußerung, die fast schon als Kompliment zu werten war, zog ich den Kopf ein.
Derweil deutete Matt auf einen Parkplatz, der gegenüber des Bahnhofsgebäudes lag. »Wir müssen nur über die Straße, dort steht mein Auto.«
Gemeinsam liefen wir zu Matts Wagen. Als er den Kofferraum öffnete, warf ich nochmals einen Blick auf den Trolley, der mir nicht gehörte, aber meinem frappierend ähnlich sah. »Vielleicht finde ich irgendwo an dem Koffer den Namen des Eigentümers? Offensichtlich muss es sich um eine Verwechslung handeln. Meiner sieht nämlich genauso aus. Wahrscheinlich hat er sich meinen geschnappt.«
Matt hob das Gepäckstück ins Auto, wo wir es sogleich nach einem Namensschild absuchten. Mir entging dabei nicht, wie sich die Muskeln unter der gebräunten Haut von Matts Arme bewegten, wie kräftig seine Handgelenke waren. Andauernd trafen sich unsere Finger, glitten aneinander vorbei, was mir jedes Mal aufs Neue Herzklopfen bescherte.
»Vielleicht finden wir innen einen Hinweis, der uns weiterhelfen könnte, deinen Koffer wiederzubekommen?«, sprach Matt und öffnete den Trolley.
Bewegungslos verharrten wir über dem Chaos an Erotikartikeln und wechselten aus nächster Nähe belustigte Blicke miteinander. Ohne es verhindern zu können, schoss mir durch den Kopf, wie klar und rein das Blau von Matts Iriden funkelte. Weder ein gelber noch ein grauer Kranz schimmerte um die Pupille.
»Glaubst du, das Zeug hat schon jemand benutzt?«, fragte er und ich erwachte aus meiner Trance.
»O Gott, ich hoffe nicht. Ich habe nämlich den Riesenpimmel und alles andere ebenso mit bloßen Händen angefasst«, wisperte ich angeekelt.
Neckisch hob er seine Brauen. »Ich weiß. Ich habe es gesehen.«
»Na, toll. Danke auch.«
»Bitte. Da du die Sachen ohnehin schon angefasst hast, schaffst du das bestimmt nochmal«, feuerte er mich mit einem spöttischen Grinsen an.
»Du hast das Zeug doch genauso in Händen gehalten«, konterte ich.
Doch Matt war um keine Ausrede verlegen. »Nur die Wäsche!«
»Hmpf, also gut. Ich die Dildos und du den Rest.«
»Nicht traurig sein«, tröstete er mich mit einem Zwinkern. »Du hast mit denen bestimmt mehr Übung als ich.«
»Kein Problem, Mannings. Ich hau dir den Gummischwanz ein paarmal kräftig um die Ohren, dann hast du genügend Erfahrung damit.«
Da hielt Matt nichts mehr und er fiel vor Lachen fast in den Kofferraum. Laut hallte sein tiefes Gelächter über den Parkplatz, das zu meinem Verdruss nicht nur sexy klang, sondern auch ansteckend war. Letztlich hockten wir beide auf der Ladefläche und lachten herzlich. Mir kam es vor, als hätte ich schon seit einer Ewigkeit nicht mehr die wunderbare Ausgelassenheit und Sorglosigkeit eines einfachen Lebens gespürt. Die ganze Wut und Anspannung fielen von mir ab und mir wurde klar, dass ich in den vergangenen Jahren tatsächlich wenig zu lachen hatte. Wann war ich das letzte Mal von solch einer Unbekümmertheit erfüllt gewesen? Ich kramte in meinem Gedächtnis und kam nur auf jenen Tag im Baumhaus. Es war Kays sechzehnter Geburtstag gewesen und ich hatten ihr eine Torte gebacken. Das war eindeutig eine Ewigkeit her.
»Mein Gott, Ashley. Wieso haben wir uns nie richtig kennengelernt? Ich meine, du warst doch eine von Kays besten Freundinnen und trotzdem warst du nie mit dabei, wenn die Clique etwas unternommen hat. Warum eigentlich nicht?«
Mir ging für wenige Sekunden die Puste aus. Ich zuckte mit einer Ich-hab-keine-Ahnung-Schnute die Schultern. »Weil du mich nie kennenlernen wolltest. Und ich ...«
Das ist die Gelegenheit, Ash! Sag ihm endlich, dass du in ihn verliebt warst und er sich wie ein eingebildeter Vollidiot verhalten hat! Los, worauf wartest du? Tu es! Tu es jetzt!
Matts Stirn kräuselte sich erwartungsvoll.
»Ich ... ähm ... zu großen Respekt vor dir hatte.«
Matt schüttelte mit zerknirschter Miene den Kopf. »Na ja, wenn ich gewusst hätte, wie schlagfertig und witzig du bist, hätte ich dich ganz sicher kennenlernen wollen. Aber irgendwie ist mir das wohl entgangen.« Er atmete durch. »Tut mir leid. Ehrlich.«
Ich nickte. »Ja, mir irgendwie auch.«
Hier ist sie: die Untertreibung des Jahres. Du hättest damals alles dafür gegeben, wenn er dir nur fünf Minuten seiner Zeit geschenkt hätte.
Plötzlich grinste Matt und linste aus den Augenwinkeln zu mir herüber. »Du hattest Respekt vor mir? Wirklich?«
Abermals gab ich mich locker und musterte ihn so, wie er es zuvor bei mir getan hatte. Ich ließ meinen Blick langsam über das weiße Hemd gleiten, das seine breiten Schultern unverschämt gut betonte. Die Leinenhose verriet mir, dass er noch immer schmale Hüften besaß und seine langen Beine gut trainiert waren. Ja, ohne Zweifel hielt er seinen Körper in Schuss.
»Du warst der Star der Football-Mannschaft – groß, gut gebaut, attraktiv und erfolgreich. Dazu noch der beliebteste Typ der Schule. Eine ziemlich imponierende Mischung für ein junges Mädchen.«
Matt schmunzelte. Einen Moment später fragte er jedoch stutzig: »Hey, du sagtest, warst. Bin ich das etwa nicht mehr?«
Jetzt zog ich die Stirn kraus und wandte mich dem Kofferinhalt zu. Mit spitzen Fingern suchte ich nach einem Hinweis auf den Eigentümer. »Was, der beliebteste Typ an der Schule?« Ich tastete das Innenfutter des Koffers ab und gönnte ihm dabei ein hämisches Schmunzeln. »Hast du deinen Highschool-Abschluss etwa immer noch nicht?«
In gespielter Verärgerung verzog Matt das Gesicht. »Was für eine Frage! Klar, hab ich den.« Er begann endlich ebenso, die Unterwäsche vorsichtig nach Zettel oder Aufklebern abzusuchen. »Nein, ich meine, bin ich etwa nicht mehr gut gebaut, attraktiv und erfolgreich?«
»Vergiss es, Mannings! Von mir bekommst du keinen Honig ums Maul geschmiert«, brummte ich. Schob dann aber kleinlaut hinterher: »Zumindest ab jetzt keinen mehr.«
»Solltest du aber«, sagte Matt und hielt mir einen Slip mit breitem Spalt vor die Nase. »Denn momentan hast du nur scharfe Höschen mit Schlitz zum Anziehen. Wenn du mich lieb bittest, fahre ich dich vielleicht in die Stadt, wo du ein paar Klamotten kaufen kannst.« Er deutete mit seinem Kinn, das ein Hauch von einem Grübchen zierte, auf den Trolley. »Unterwäsche hast du ja genügend.«
Ich verkniff mir ein Grinsen. »Stimmt. Die sieht ja auch nicht viel anders aus als meine Gewöhnliche«, gab ich ironisch zurück.
Mit einem Lächeln setzte ich meine Suche fort und bemerkte, wie sich Matts Augen jäh weiteten.
Entsetzt ließ er den Schlüpfer fallen und wisperte mir ins Ohr: »Ehrlich, Ashley, du solltest nicht jedem Mann erzählen, was du drunter trägst. Nicht jeder ist so ein anständiger Kerl wie ich.«
Ich lachte und entfernte mich von ihm. Seine Nähe beunruhigte mich viel zu sehr. »Okay, wie du meinst. In Wirklichkeit trage ich so riesige Oma-Schlüpfer, die bis unter den Busen reichen, und auch keine Strapse. Besser?«
»Nein, die Worte Busen und Strapse haben alles wieder zunichtegemacht.« Er schnalzte mit der Zunge. »Ich sehe schon, das ist hoffnungslos mit dir und deinem Mundwerk.«
»Ja«, seufzte ich. »Und das mit der Adresse des Kofferverwechslers ebenso. Ich gebe auf und nehme dein Angebot an, mich in die Stadt zu fahren.«
Matt nickte und verschloss den Koffer, wobei wir wieder gemeinsam arbeiten mussten, bis der Haken des Schlosses einrastete. »Allerdings habe ich dir kein Angebot gemacht, sondern bloß den Vorschlag, dass du mich bitten könntest.«
Er schlug den Kofferraumdeckel zu und ich ging um den Wagen herum zur Beifahrerseite. »Du willst, dass ich darum bettle, Mannings? Das ist echt erbärmlich, sogar für dich.«
Ich stieg ins Auto. Matt saß bereits am Steuer und wartete auf mich. Er drehte sich zu mir, legte den Arm über meine Lehne und schaute zum Rückfenster hinaus. Langsam lenkte er den Wagen aus der Parklücke. »Nein, wohl eher nicht. Kay bringe ich immer zum Betteln und ich schwöre dir, sie liebt es. Von dir genügt mir jedoch ein schlichtes: bitte, Matt.«
Nachdem ich mich angeschnallt hatte, starrte ich ihn fassungslos an. »Igitt, das war jetzt eindeutig zu viel Information. Ich will gar nicht wissen, was du mit Kay im Bett treibst.«
Ein schadenfrohes Grinsen huschte über Matts Züge. »Wie soll ich denn sonst wieder deinen Respekt gewinnen, wenn ich dir nicht mehr attraktiv erscheine?«
Er warf mir einen kecken Blick zu und ich schlug die Hände vors Gesicht. Kopfschüttelnd strich ich mir die Strähnen aus der Stirn. »Also gut, bevor ich mir noch mehr ungefragt solche ... schrecklichen Details anhören muss: Du bist immer noch ein absolut heißer Feger. Zufrieden?«
Er schlug das Lenkrad ein und ich dachte, wir würden davonbrausen. Doch er fuhr nicht los, sondern schaute mit einem magenerbebenden Strahlen zu mir herüber. »Ich wusste es, du warst schon immer in mich verliebt, Ashley Kirby. Gib es endlich zu!«
Ich versteinerte und spürte die Glut der Scham in meine Wangen kriechen.
Matt wartete auf eine schlagkräftige Antwort von mir, die jedoch ausblieb. Mein Hirn erstickte in Watte. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen, so überrumpelt hatte er mich mit seiner Bemerkung, die der Wahrheit entsprach.
Das Lächeln zerbröselte auf Matts Miene und in seinen Augen leuchtete allmählich Verstehen auf. »Shit. Ist das ... Ist das wahr, Ashley? Habe ich gerade ...? Warst du wirklich in mich verliebt?«
In meiner Verzweiflung schloss ich für einen Moment die Lider. Während ich nach einer Antwort suchte, rieb ich nervös meine Lippen aufeinander und wagte schließlich einen Einsatz. »Nein, nicht dass ich wüsste.«
Matt nickte mit einem zufriedenen, dreckigen Grinsen. Er legte endlich den Gang ein und trat aufs Gas. »O doch, und wie du in mich verliebt warst!«
»Nein!«, konterte ich und schüttelte verkniffen den Kopf.
»Total verschossen!«
»Ein klitzekleines bisschen – vielleicht.«
»Nein, eher wohl wie von Sinnen und ganz sicher!«, erwiderte er und fuhr immerzu nach vorne blickend weiter durch die Stadt.
»Okay, möglicherweise«, gab ich scheu zu und Matt lachte. Ich stimmte mit ein. Es tat gut, denn es gelang mir, meine Gefühle endlich nüchtern und mit Abstand zu betrachten.
Matt warf mir einen kurzen Blick zu. »Und trotzdem hast du dich nie getraut, mich auf dich aufmerksam zu machen?«
»Ach, komm, ich befand mich nicht mal annähernd auf deinem Schirm. Du hattest so viele hübschere Mädchen am Start, nie und nimmer hättest du meine Signale wahrgenommen.«
»Hey, warum machst du dich selbst so runter? Und mich gleich mit? Du stellst mich damit nicht gerade in einem schönen Licht dar.«
»Oh, das tut mir aber leid. Falls du es vergessen hast: Ich war die Monobraue mit Zöpfen, in den überweiten Klamotten. Und du der oberflächliche Arsch, der Mädchen ignoriert hat, die von ihm und seinen Kumpels schlechter als A benotet wurden.« Ich schnaufte wütend, weil mir all die Gemeinheiten und Grausamkeiten von damals wieder einfielen. »Glaub ja nicht, dass ich auch nur ein Fünkchen Mitleid für dich übrig habe, Mannings.«
»Wow! Das war ehrlich«, tönte Matt betroffen. »Das mit unserem bescheuerten Bewertungssystem hatte ich vollkommen vergessen.« Er warf mir einen beklommenen Blick zu. »Ihr wusstet davon?«
Schwermütig wandte ich mich von ihm ab und schaute zu meinem Seitenfenster hinaus.
Wir Mädchen wussten nicht nur davon, wir maßen uns auch daran. Fast jeden Tag stahl sich nämlich eine meiner Mitschülerinnen heimlich ins Klo der Jungs, um uns danach die neusten Einträge und Rangliste zu verkünden. C-minus. Das war meine Note gewesen. Ein gottverdammtes C-minus. Als wäre die Klassifizierung durch die beknackten Vollidioten nicht schon demütigend genug gewesen, hatten sich die Mädchen damit gegenseitig selbst fertiggemacht. Manche prahlten vor den Klassenkameradinnen mit ihren Bewertungen, sie verglichen sich, wetteiferten untereinander und viel zu oft nutzten sie sie, um zu verletzen.
»Halt’s Maul, Ashley! Du bist nur eine C-minus und hast keine Ahnung.« »Ich bin ein A-plus. Und was bist du, Ash?«
Ich schluckte die alte Scham hinunter. »Natürlich«, gab ich in eisiger Ruhe zu. »Jeder kannte das geheime Chickenboard hinterm Spiegel im Jungenklo.«
»Fuck!«, stöhnte Matt und fuhr sich mit der Hand durch seine dunkelbraunen Wellen.
Voll Bitterkeit sagte ich: »Ich weiß nur nicht mehr, lagen die Titten höher in der Wertung als der Arsch? Oder war es andersrum?«
Er schüttelte mit ernster Miene den Kopf. »O Mann, wir waren wirklich ein ganz schön mieser Haufen von kleinen Arschlöchern.«
»Ja«, stimmte ich ihm trocken zu. »Ich hoffe schwer, dass sich das gebessert hat.«
Matt nickte mit einem schiefen Grinsen. »Na ja, bei manchen wäre ich mir da nicht so sicher.«
»Wie könnte es auch anders sein?«, knurrte ich resigniert und musste dabei an meinen Exmann denken. Ja, manchmal wurden aus kleinen Arschlöchern bloß große. Prinzen gab es in meiner Welt nicht.
»Und was ist mit dir?«, fragte ich und zwang Matt zur Selbstreflexion.
Er lächelte verwegen. »Ich arbeite daran. Versprochen.«
Ich atmete auf und mein Blick fand seinen. Richtig glauben konnte ich ihm das nicht. Obwohl sich meine Instinkte bei Matts Anblick lasziv an der Poledance-Stange rekelten, hatte mein Verstand einen Keuschheitsgürtel angezogen und den Baseballschläger gezückt. Ich traute keinem Mann mehr.
»Gut, denn ich will, dass Kay glücklich wird. Nach alldem, was sie durchmachen musste, hat sie das mehr als verdient.«
»Ja, ich weiß. Ich schwöre dir, ich liebe Kay, und werde gut auf sie achten.«
2. Kapitel
Wir bogen in die Hauptstraße von Mardi River ein und ich bewunderte die bunten Gebäude, die der Stadt ihre besondere Atmosphäre verliehen. Dicht an dicht reihten sich die orangefarbenen, roten und gelben Fassaden der restaurierten Häuser, deren Baustil sowohl spanische als auch französische Einflüsse miteinander vereinten. Ihre kunstvoll verzierten, schmiedeeisernen Balkongeländer rankten sich wie Ketten an ihnen entlang. Das Grün der langen Fensterläden, das in allen Varianten vorkam, war ein wiederkehrender Farbtupfer. Während ich das alte Viertel bestaunte, wurde mir klar, dass ich dieses farbenfrohe Stadtleben von Mardi River vermisst hatte.
Vor Jahren zog ich mit Lance nach Delaware, in einen der wirtschaftlich stärksten Bundesstaaten. Da wir beide studieren und Karriere machen wollten, schien uns diese Wahl perfekt. Doch so schön und abwechslungsreich die Landschaft von Delaware war, so wirkten seine Städte eher nüchtern und bieder. Keine von ihnen versprühte diesen einzigartigen Charme von Leichtigkeit, der so typisch für die Orte von Louisiana war. Musik und Kunst jeglicher Art der verschiedenen Völker, die einst hierher gefunden hatten, verschmolzen zu einer rauschenden Arie der Lebensfreude, die in allem widerklang. Ob im Essen, auf den Straßen oder in den Häusern, die bunte Vielfalt der Kulturen war allgegenwärtig. Früher war mir das nicht aufgefallen. Wir Mädchen hatten Mardi River für ein verschlafenes Kaff gehalten. Doch nun, nachdem ich einige andere Städte kennengelernt hatte, schätzte ich diesen ruhigen, absolut chilligen Flair. Sicher gab es jetzt ein paar Geschäfte und Restaurants mehr als damals, aber hier pulsierte nicht diese geschäftige Umtriebigkeit wie in New York oder Philadelphia. Hier hatte man nicht das Gefühl, irgendetwas zu verpassen, mit dem Strom der Menschen mitschwimmen zu müssen. Ja, in gewisser Weise stimmte der Witz, den wir in unserer Jugend gerissen hatten, immer noch: Mardi River war zwar nur halb so groß wie der New Yorker Friedhof, aber dafür doppelt so tot.
Matt riss mich aus meinen Gedanken. »Wäre es für dich okay, wenn wir noch kurz bei einem meiner Restaurants einen Halt einlegen? Ich müsste etwas mit dem Chefkoch besprechen.«
»Mach nur, kein Problem.«
»Nebenan sind auch gleich einige Boutiquen, wo du einkaufen kannst.«
Etwas betreten saugte ich meine Unterlippe ein. Mir war es noch nie peinlich gewesen, nicht vermögend zu sein. Dennoch fühlte es sich seltsam an, jemandem erklären zu müssen, dass ich mir die Kleidung jener Läden nicht leisten konnte.
