Crushed - Zerrissene Liebe - Nashoda Rose - E-Book
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Crushed - Zerrissene Liebe E-Book

Nashoda Rose

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Beschreibung

Liebe ist wie eine Lawine - sie überrollt dich ohne Gnade! Ungefähr so fühlte es sich für Emily an, als sie dem Musiker und Untergrund-Kämpfer Sculpt begegnete. Er zeigte ihr, was es bedeutet zu kämpfen und zu lieben - bis von einem Moment auf den anderen alles zerbrach. Denn Emily wird entführt und im mexikanischen Grenzgebiet gefangen gehalten. Sie wird misshandelt, gedemütigt und kämpft jeden Tag ums blanke Überleben. Als sie nach vielen Tagen der Gefangenschaft schon fast aufgeben will, taucht Sculpt plötzlich auf - und Emily denkt, ihr Retter sei endlich gekommen. Doch Emily hat sich geirrt: Denn ihr schlimmster Albtraum hat damit erst begonnen ... (ca. 480 Seiten)

In diesem E-Book ist außerdem die Novella "With You" enthalten.

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EPUB
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Seitenzahl: 604

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

Titel

Zu diesem Buch

Widmung

Prolog

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Drei Wochen später

Danksagung

Crushed – Mit dir

Die Autorin

Die Romane von Nashoda Rose bei LYX

Impressum

NASHODA ROSE

Crushed

Zerrissene Liebe

Roman

Ins Deutsche übertragen

von Patricia Woitynek

Zu diesem Buch

Liebe ist wie eine Lawine – sie überrollt dich ohne Gnade!

Ungefähr so fühlte es sich für Emily an, als sie dem Musiker und Untergrundkämpfer Sculpt begegnete. Er zeigte ihr, was es bedeutet zu kämpfen und zu lieben – bis von einem Moment auf den anderen alles zerbrach. Denn Emily wird entführt und im mexikanischen Grenzgebiet gefangen gehalten. Sie wird misshandelt, gedemütigt und kämpft jeden Tag ums blanke Überleben. Als sie nach vielen Tagen der Gefangenschaft schon fast aufgeben will, taucht Sculpt plötzlich auf – und Emily denkt, ihr Retter sei endlich gekommen. Doch Emily hat sich geirrt: Denn ihr schlimmster Albtraum hat damit erst begonnen …

Liebe Blogger, Rezensenten, Freunde von Goodreads und Facebook – dieses Buch ist euch gewidmet. Danke für eure große Unterstützung und freundlichen Worte. Ihr haltet meinen Traum am Leben.

Prolog

Als ich aufwachte, war es dunkel geworden, und ich saß, umfangen von seinem starken, athletischen Oberkörper, zwischen Sculpts Beinen. Eine Hand streichelte sanft die Außenseite meines Schenkels, die andere ruhte auf meinem Bauch und zog mit einem Finger Kreise um meinen Nabel. Ich sah über meine Schulter zu ihm hoch. Er blickte über das mondbeschienene Feld und beobachtete die Pferde in der Ferne.

»Eme.« Er beugte sich nach vorn und küsste mich auf den Hals.

»Tut mir leid, dass ich eingedöst bin. Das muss an deiner rauen, sexy Stimme liegen.« Ich schmiegte mich fester an ihn, und er spannte den Arm an. »Hast du den Song vollendet?« Seine Gitarre lag neben uns in ihrem Koffer.

»Ja, Maus. Er ist gut geworden.«

Glücklich für ihn setzte ich mich auf. Er hatte mir letzte Woche gestanden, dass er seit einem Jahr nichts mehr geschrieben hatte. Ich hatte seine Band noch immer nicht spielen hören und konnte es kaum erwarten, gleichzeitig war ich nervös. Immerhin war Sculpt ein muskelbepackter Hüne, von der linken Schulter bis zum Ellbogen tätowiert, und damit auf verruchte Weise unglaublich sexy. Außerdem spielte er in einer Band und nahm an illegalen Kämpfen teil. Bestimmt liefen ihm die Mädchen in Scharen hinterher, und ich war noch nicht bereit, mich den Konsequenzen dessen zu stellen, was es bedeutete, mit Sculpt zusammen zu sein.

Ich strich mit dem Finger über das Grübchen in seinem Kinn. »Darf ich ihn hören?«

Er schüttelte den Kopf, aber obwohl er nicht lächelte – das tat er nur selten –, erkannte ich einen Anflug von Belustigung in seinen Augen. »Nein, Eme. Du wirst ihn hören, wenn ich mit der Band auf der Bühne stehe und ihn dir vorsinge.« Die Heiterkeit verschwand aus seinem Blick, und ich merkte, wie er sich versteifte. »Hast du über meine Frage nachgedacht, Emily?«

Ich wusste, worauf er anspielte. Seit drei Tagen tobte in meinem Kopf fortwährend ein Kampf. Ich war weder bereit, mit wehem Herzen zuzusehen, wie Sculpt auf Tour ging, noch wollte ich mit einer Gruppe Kerle umherreisen, die ich noch nicht einmal kannte, und Sculpt die Verantwortung für mich aufbürden. Ich hatte vor, nächsten Monat mit dem College zu beginnen. Mein Lebensmittelpunkt war hier, bei Kat und Matt, und ich konnte mir nicht vorstellen, sie zu verlassen, gleichzeitig wollte ich nicht, dass Sculpt mich verließ.

»Eme.« Sculpt verstärkte den Druck seines Arms. »Sag es mir.« Er packte mich unter den Achseln und drehte mich mühelos zu sich herum, sodass ich rittlings auf ihm saß und ihm ins Gesicht sah. Diese intime Stellung machte es noch schwerer, ihm zu widerstehen, statt ihm einfach zu sagen, was ich für ihn empfand und dass ich selbstverständlich mitkommen würde. »Sag es mir, Eme.«

»Was denn?«

Er sah mich aufmerksam und ohne zu blinzeln an. »Du weißt, was ich dich frage, aber dieses eine Mal werde ich mitspielen. Sag mir, dass du nicht mehr von mir willst.«

Also wusste er, dass ich verrückt nach ihm war. Dabei hatte ich mich bemüht, meine Gefühle halbwegs zu verbergen. Offenbar vergebens. Ich befeuchtete meine Lippen und versuchte, den Blick zu senken, aber er war darauf gefasst und hielt meinen Kopf fest.

»Eme.«

Verflixt. Ich hatte dafür einfach kein Talent. Der letzte Mensch, dem ich meine Gefühle gestanden hatte, war mein Vater gewesen, als er sterbend im Krankenhaus gelegen hatte.

»Maus.« Er beugte sich vor. Ich legte die Hände auf seine Oberschenkel und spürte, wie sich die Muskeln anspannten. »Sieh mich an.« Ich gehorchte. »Ich will dich bei mir haben. Ich werde auf dich aufpassen.« Er senkte die Stimme. »Ich möchte dich nicht hier zurücklassen, Baby.«

Genau das war das Problem: Ich wollte nicht, dass jemand auf mich aufpasste. Ich hatte mein Leben lang auf mich selbst achtgegeben. Meine Mutter … gelegentlich fragte ich mich, ob sie sich überhaupt noch erinnerte, dass sie eine Tochter hatte.

»Emily. Ich treibe keine Spielchen mit dir. Ich habe dir gesagt, was ich will, und ich weiß, du willst mich.«

Ich war hin- und hergerissen, ob ich über seine Arroganz lachen oder empört sein sollte. Doch eines stand fest, ich war in höchstem Maß erregt. Wie schaffte er das bloß? Er schaute mich nur an, trotzdem geriet ich völlig in den Bann seiner Augen. »Sculpt, ich …«

Sculpt spannte die Beine um meine an. »Eme.« Er fasste mich am Kinn und wartete mehrere Sekunden, bis ich schließlich zittrig Luft holte. »Ich werde dir niemals wehtun. Mir ist klar, dass du dir Sorgen wegen der Groupies machst.« Ich öffnete den Mund, um etwas zu entgegnen, aber seine Augen wurden schmal, und ich schloss ihn wieder. »Ich bin ein Kämpfer und Mitglied einer Band. Es wird immer Frauen in meinem Umfeld geben, aber wir beide gehören zusammen.«

Genau das war der Knackpunkt. Wieso wollte er mit mir zusammen sein? Ich war nicht hübsch, hatte breite Hüften, mausbraunes Haar, und meine Schenkel waren mein bestes Merkmal. Die meisten Männer würden dem nicht zustimmen, da ich nur einen Meter sechzig messe und sie große Mädchen mit langen, elfenhaften Beinen bevorzugten. Aber ich mochte meine Schenkel, denn durchs Reiten waren sie schlanker und durchtrainierter als der Rest meines Körpers.

Sculpt versteifte sich, und ich sah, wie sich das rötliche Mondlicht in seinen Augen spiegelte. Ich legte die Hände auf seine Brust und spürte das Schlagen seines Herzens. »Herrgott, Emily, du musst den Scheiß vergessen, den deine Mutter dir eingetrichtert hat. Wäre sie keine Frau, ich schwöre, ich würde ihr in den Arsch treten.«

Ich schnappte nach Luft. Woher wusste er von meiner Mutter?

»Jawohl, Maus, ich weiß, dass diese Erinnerungen in deinem Kopf kreisen wie ein Hai, der dein ganzes Selbstvertrauen auffrisst. Hältst du mich für so unaufmerksam? Ich habe dich nach deiner Mutter gefragt und deine Reaktionen beobachtet. Du hast den Großteil deiner Kindheit bei Matt und Kat verbracht. Ein Mädchen tut so etwas nicht, wenn es eine liebevolle Mutter hat. Ich bin sicher, deine ist nicht liebevoll. Sie ist pures Gift in deinem Kopf.«

»Sculpt … ich … meine …« Mir fehlten die Worte. Er hatte recht. Meine Mutter war pures Gift. Darum besuchte ich sie nie – nicht, dass sie sich daran erinnern würde, wenn ich es täte.

Er klemmte mir die Haare hinters Ohr. Die Geste wirkte so selbstverständlich, dass ich mich fragte, ob er sich dessen überhaupt bewusst war. »Wir werden dieses Abenteuer wagen, Eme. Ich will dich auf der Tour bei mir haben.«

»Ich brauche mehr Zeit, Sculpt. Ich kann nicht aus heiterem Himmel beschließen, mein ganzes Leben über Bord zu werfen und mit dir zu gehen. Das College fängt bald an, und Matt und Kat …« Ich verstummte.

Schweigen.

»Du möchtest Pferde ausbilden. Wozu deine Zeit darauf verschwenden, Buchhaltung zu lernen?«

Wir hatten das bereits erörtert. »Das mit den Pferden ist ein alberner Traum, Sculpt. Ich muss mich auf die Realität konzentrieren, und das bedeutet, Karriere zu machen und Geld zu verdienen.«

»Da irrst du dich, Eme. Du solltest deinen Traum verfolgen.« Er seufzte. »Ich reise nächste Woche ab.«

Mir blieb die Luft weg, mein Herz fühlte sich schon jetzt leer an, dabei war er noch gar nicht weg. »Aber ich dachte –«

»Der Zeitplan hat sich geändert. Wir starten früher als ursprünglich geplant.«

Ich konnte nicht mitkommen. Gott, ich wollte so gern, aber er musste seinen Traum leben und ich meinen eigenen Weg gehen. Niemals sollte er bereuen, sich mit mir eingelassen zu haben. Was ich mir vom Leben wünschte, musste ich mir selbst erarbeiten. Ich wollte keine Unterstützung. Wenn ich etwas Nützliches von meiner Mutter gelernt hatte, dann, dass ich mir erkämpfen musste, was ich begehrte, weil ich es von ihr ganz sicher nicht bekommen würde.

»Sculpt, ich kann nicht.«

»Emily.« Er legte sich ins Gras, seine Miene war grimmig. »Denk gut darüber nach.«

»Aber Sculpt –«

»Kein ›Aber‹, Emily. Dafür bin ich im Moment zu gereizt.«

»Aber –«

Er setzte sich auf und zog die Stirn in Falten. »Nein.«

»Mein ›Aber‹ wird dir gefallen.« Ich beugte mich zu ihm und biss ihn zärtlich ins Kinn. Er entspannte sich, seine Muskeln wurden locker.

»Das gefällt mir viel besser.« Er ließ die Hand von meinem Rücken zu meinem Po gleiten und kniff hinein. Es war verspielt, doch der Blick seiner Augen blieb düster, seine Miene war hart.

»Mein ›Aber‹ ist wichtig, Sculpt.«

»Ja, Eme, ganz bestimmt.« Ich schlug ihm auf die Schulter und war froh, als er lachte. »Also, dann schieß los.«

»Ich wollte sagen, aber … bevor du abreist, möchte ich, dass du mit mir schläfst.« Ich verstummte für einen Moment, als er überrascht die Brauen hob, dann sprach ich schnell weiter, bevor mich der Mut verließ. »Und zwar hier, Sculpt. Jetzt. An diesem Ort, wo wir so viel Zeit zusammen verbringen. Du mit deiner Gitarre, ich mit den Pferden. An unserem Lieblingsplatz.«

Seine Hände, die mich bedächtig gestreichelt hatten, hielten jetzt inne, dann drückten sie meine Oberschenkel, während er mich mit solcher Intensität anschaute, dass mir allein von seinem Blick heiß wurde. »Das ist dein ›Aber‹?«

Ich nickte.

Er legte die Hände um mein Gesicht und sah mir tief in die Augen. »Wenn du mit mir Sex hast, dann mit keinem anderen. Hast du das verstanden, Maus? Selbst wenn ich dich nicht überreden kann, nächste Woche mit mir zu kommen – mit keinem anderen.«

»Abgemacht. Und für dich gilt dasselbe.« Nacht für Nacht von Frauen umringt zu sein würde es für ihn sehr viel schwerer machen als für mich.

Sculpt streichelte meine Wange. »Du tilgst das Schlechte aus meinem Leben, Emily.«

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es etwas Schlechtes in Sculpts Leben gab. Er war sexy, hatte eine unglaubliche Stimme und einen Körper, der im Lexikon unter dem Begriff »muskulös« abgebildet werden müsste.

Er lachte nicht oft, doch wenn er es tat, war es ein magischer Moment, der all die Male aufwog, in denen er es unterließ. Da war eine gewisse Härte in ihm, ein unberührbarer Teil, den er mich nicht erkunden lassen wollte, andererseits kannten wir uns erst ein paar Monate.

Sein Daumen strich über meine Unterlippe, und die Sehnsucht zwischen meinen Beinen verstärkte sich. In meinem Bauch tummelten sich nicht nur hübsche kleine Schmetterlinge, dort hob ein ganzer Schwarm Silberreiher ab.

Sculpt hob mich hoch und setzte mich neben sich ins Gras, dann kniete er sich vor mich hin. Er beugte sich vor, bis ich mich auf den Rücken legte und sein Gesicht über meinem schwebte.

Meine Synapsen feuerten in alle Richtungen, während sich das Ziehen in meinem Schoß zu einem begehrlichen Zucken intensivierte. Mein Atem ging so schnell, als wäre ich einen Marathon gelaufen.

»Hat dich je ein Mann berührt, Emily?«

Ich schüttelte den Kopf, zu sehr außer Atem, um zu antworten.

»Falls du noch nicht bereit bist … sag es mir jetzt. Du musst dir ganz sicher sein, Eme.«

Es war ihm absolut ernst, und ich fühlte, wie mich eine seltsame Aufregung durchströmte. Ich wollte nicht warten, ich begehrte ihn hier und jetzt, an meinem liebsten Ort auf der Erde, während der Wind meine Haut liebkoste. »Ich bin bereit.«

Er wühlte die Hand in meine Haare, dann spannte er die Finger an, bis ich seufzend den Kopf nach hinten bog. »Ich werde deine Pussy kosten, Emily. Danach ficke ich dich, bis du meinen Namen schreist. Macht dich das nervös? Weil du am ganzen Leib zitterst.«

»Ja«, flüsterte ich.

»Ja, es macht dich nervös? Oder ja, du wirst meinen Namen schreien, während ich zum ersten Mal in dich eindringe?«

»Beides.« Ich begehrte Sculpt schon seit unserer ersten Begegnung. Ich brauchte ihn. Es war, als hätte ich mein ganzes Leben lang voller Vorfreude auf diesen Moment gewartet. Gleichzeitig hatte ich panische Angst. Was, wenn ich mich dumm anstellte? Was, wenn wir nicht kompatibel wären? Was, wenn es peinlich werden würde?

»Ich möchte, dass du schreist und zuckst. Und du hast allen Grund, nervös zu sein, Baby … weil ich nämlich vorhabe, dich umzustimmen. Du sollst mich anbetteln, dass ich dich mit auf Tour nehme.« Seine Mundwinkel hoben sich, und mein Innerstes erstrahlte. Trotzdem malte ich mir unwillkürlich aus, was er meinem Herzen antun könnte, wie ich mich verabschieden würde, sobald die Zeit gekommen war. »Du baust wieder Lego, Emily. Überdenkst du etwa deine Entscheidung?«

Ich zuckte zusammen und sah ihn an. In seinen Augen standen Lachen und Verlangen – die Kombination war derart unwiderstehlich, dass ich meinen Griff um seine Oberarme verstärkte.

Er wartete nicht auf meine Antwort. »Zu spät, Maus. Du gehörst mir.«

Er neigte den Kopf, wie er es immer tat, bevor er mich küsste und den Hunger, den wir beide spürten, gierig an meinen Lippen stillte. Hitze flutete über meine Haut, als würde die Nachmittagssonne auf sie herabstrahlen. Winzige Funken tanzten durch meinen Körper. Er zögerte nicht zu nehmen, was er begehrte, und ich gab mich seinem Kuss willenlos hin.

Seine Hände fuhren an meinen Seiten entlang. »Oh, diese Kurven«, stöhnte er, und die Vibration ließ meinen Puls in die Höhe schnellen.

Ich vergrub die Finger in seinem Haar, zog ihn ungestüm näher zu mir heran. Gott, ich brauchte ihn. Es war, als würde ich nur für ihn atmen. Das war nicht normal. Oder doch? Und machte das irgendeinen Unterschied?

»Sculpt.«

Er nahm meine Hände, hob sie über meinen Kopf und hielt sie fest. »Logan. Nenn mich Logan, Eme.«

Oh Gott. Sein Name. Er hatte mir seinen richtigen Namen verraten. »Logan«, hauchte ich, und er stöhnte wieder.

»Noch mal.«

»Logan.«

Er bedeckte meinen Hals mit wollüstigen Küssen, zwickte mich mit den Zähnen und leckte mit der Zunge über die Bissspuren. »Ich will, dass du mich Logan nennst, wenn wir allein sind, Emily.«

»Ja«, antwortete ich in einer Mischung aus Seufzen und Stöhnen. Ich zog mit geschlossenen Augen und zurückgeworfenem Kopf die Beine unter ihm hervor und schlang sie um seine Hüften. Er keuchte, als ich sie zusammenpresste, in der Hoffnung, damit das Ziehen in meinem Unterleib zu lindern, aber es wurde nur stärker, übermächtiger.

»Oh Gott, bitte, Logan. Ich brauche dich.« Wir konnten uns noch den Rest der Woche küssen und streicheln und erkunden, aber im Augenblick wollte ich Logan in mir, seinen nackten Körper an meinem spüren. Es war, als würde ich an einem steilen Abhang stehen und vor- und zurückwippen, bevor ich über die Klippe stürzte.

»Ich weiß, Maus.« Er knabberte und saugte an meinem Ohrläppchen, während ich gegen seine Hände ankämpfte, die mich ins Gras drückten.

Ich musste ihn anfassen, seine Haut fühlen, die Klamotten loswerden, die eine Barriere zwischen uns schufen. »Bitte, Logan. Wir haben zu viel an.«

Er hörte auf, mein Schlüsselbein zu küssen, und hob den Kopf. »Wir werden behutsam vorgehen. Auf meine Weise. Ich habe zu lange darauf gewartet, dich in dieser Position zu haben – unter mir, feucht und höllisch sexy.«

Noch nie hatte mich jemand sexy genannt, und dass Logan es nun tat, verursachte mir einen wohligen Schauer.

»Ich spiele gern, Emily. So bin ich nun mal. Und du tickst ganz ähnlich. Ich weiß, es macht dich an, wenn ich die Kontrolle übernehme.« Stimmte das? Mir fehlte die Erfahrung, um ganz zu begreifen, wovon er sprach. »Aber falls du Angst bekommst oder es dir zu viel wird, musst du es sagen. Dann hören wir sofort auf. Okay?«

Ich verstand, worauf er hinauswollte. Schließlich war ich Sex gegenüber nicht blind, daher wusste ich, dass »spielen« vieles bedeuten konnte. Der Gedanke erregte mich und machte mich gleichzeitig befangen.

Als er meine Handgelenke losließ, legte ich die Hände auf seinen Bauch und schob Zentimeter für Zentimeter sein T-Shirt nach oben. Logan kniete über mir, sein Blick ruhte auf meinem Gesicht. Als meine Hände über seine Brust strichen und seine Nippel liebkosten, schnappte er nach Luft und schloss für einen kurzen Moment die Augen.

Ich sah ihn aufmerksam an, entzückt über seine Reaktion, darüber, dass meine Berührungen ihn verrückt machten. Meine Fingerspitzen fuhren über seine Brustmuskeln, dann hinunter zu seinem Bauch. Jede Kontur war wie ein neuer Berg, den es zu erkunden galt. Logans Augen waren wieder geschlossen, und er atmete noch schwerer als ich.

»Zieh das T-Shirt aus, Logan.« Ich schob es höher, und er gab meinem schmeichelnden Drängen nach. Meine Hände glitten zum Knopf seiner Jeans, doch dann hielt er sie fest.

»Nein. Ich habe dich spielen lassen, damit du dich entspannst. Jetzt bin ich an der Reihe.« Binnen Sekunden hatte er mir das T-Shirt abgestreift und nestelte an meinem BH. Der Verschluss sprang auf, meine Brüste kamen frei und fielen in seine Hände. »Emily.«

»Ja«, flüsterte ich.

Er senkte den Kopf und ließ die Zunge um meinen Nippel kreisen, während seine Hände meine Hüften streichelten und dann zu meinen Brüsten zurückkehrten. Wellen unterschiedlicher Empfindungen jagten durch meinen Körper: Schmerz, als er in meine Brustwarze biss, gefolgt von Lust, als er zärtlich daran saugte und mit seiner heißen, feuchten Zunge über die empfindsame Haut leckte.

Ich vergrub mit geschlossenen Augen die Finger in seinen Haaren und bog mich ihm entgegen, während er meinen Körper in einen Glutofen verwandelte. Mich selbst zu befriedigen, während ich an ihn dachte, konnte nicht annähernd mit dem mithalten, was ich jetzt erlebte.

Logan glitt nach unten, zog dabei eine Bahn sanfter Küsse bis zu meinem Bauch. »Diese Stelle. Und diese.« Er streichelte meine Hüfte. »Ich liebe alles an deinem Körper.« Seine Lippen setzten ihren Weg fort, und ich bekam nicht genug davon. Das Wort Verlangen reichte nicht aus, um zu beschreiben, was er bei mir auslöste – meine Lust ging weit darüber hinaus.

Ich krallte stöhnend die Finger ins Gras, als er den Knopf meiner Jeans öffnete und dann mit nervenzermürbender Gemächlichkeit den Reißverschluss aufzog. Das Geräusch machte mich wahnsinnig, ich wollte, dass er mir die Hose vom Leib riss und tief in mich eindrang. Hart und schnell. Aber Logan wollte es langsam angehen lassen und jeden Moment auskosten, während ich mich nach ihm verzehrte.

»Logan«, flüsterte ich, dann hörte ich, wie er ein gedämpftes »Oh ja« ausstieß, als seine Finger in meine Jeans glitten, immer tiefer, bis –

Ich versteifte mich keuchend.

»Du bist feucht.«

Ja, das war ich, und zwar schon seit zweieinhalb Monaten. Logan musste mich nur anschauen, und ich war erregt. Ich grub die Finger in seine sexy Schlafzimmerfrisur. »Das bin ich schon, seit wir uns begegnet sind, Logan.«

Er sah mich mit großen Augen an. Dabei musste er doch wissen, wie sehr ich ihn begehrte.

»Oh Emily.« Er griff in mein Haar und küsste mich wieder, presste gierig den Mund auf meinen. Jeder Gedanke verflüchtigte sich, wir vergaßen zu atmen, es gab nur noch pure Lust.

Eine Strähne fiel vor sein rechtes Auge, als er den Kopf hob und mich mit herzzerreißender Offenheit ansah. »Ich werde dich nie mehr loslassen.«

Mit zittriger Hand umfasste ich seine Wange und strich mit dem Daumen über seine Bartstoppeln. »Du darfst mir niemals wehtun.«

»Das werde ich nicht.« Er setzte sich auf, griff in meinen Hosenbund und schob ihn nach unten. Als ich das Gesäß hob, zog er mir die Jeans samt Slip bis auf die Oberschenkel hinunter.

Er hielt inne. »Wunderschön. Und rasiert. Das ist eine … Überraschung.«

Tatsächlich hatte ich – bis auf einen sogenannten Landing Strip – ein Brasilian Waxing machen lassen. Ich hatte Schamhaare noch nie gemocht, und es freute mich unbändig, dass es Logan so gefiel.

Er strich mit der Fingerspitze über den schmalen Streifen Haare, dann glitt sie zwischen meine feuchten Falten, worauf ich haltlos keuchte.

»Logan, oh Gott.« Ich bog mich ihm entgegen und versuchte, die Knie anzuwinkeln, aber meine Beine steckten in der Jeans fest. »Zieh sie mir aus, Logan.«

»Warte.« Genüsslich streichelte er meine Klitoris, bis ich laut stöhnte. Sobald er merkte, dass ich kurz vor dem Höhepunkt stand, hörte er auf und ließ den Finger um meine Öffnung kreisen.

Ich sehnte mich so sehr danach, ihn in mir zu spüren, dass ich ihm das Becken entgegenwölbte, bis er die Hand auf meinen Bauch legte und mich wieder nach unten drückte.

Er ließ zwei Finger zwischen meine feuchten Schamlippen gleiten, bevor er an meiner Öffnung zögerte.

»Logan.«

»Bettle.«

»Logan, bitte.«

»Emily.«

»Bitte, Logan, ich flehe dich an.«

Er drang mit beiden Fingern in mich ein, und ich schnappte nach Luft. Diese plötzliche Invasion überwältigte mich, hielt mich mit aller Macht fest, ließ nicht mehr los.

Als er seine Finger wieder herauszog, protestierte ich enttäuscht, doch dann küsste er mich flüchtig auf die Klitoris, zog mir die Hose ganz aus und legte sich zwischen meine Beine.

»Zieh die Knie an.«

Ich tat es.

»Öffne sie. Weit.«

Wieder gehorchte ich. Ich vertraute ihm blind, und es schien ein tiefes Bedürfnis in mir zu befriedigen, mich Logan zu ergeben und ihm die Kontrolle zu überlassen. Dann konnte ich alles andere vergessen und die Lust, die er mir bereitete, in vollen Zügen auskosten.

Er drückte meine Beine ein bisschen weiter auseinander. Ich schloss die Augen und biss mir auf die Lippe, als ich fühlte, wie er an meiner Klitoris saugte. Großer Gott. Die Empfindungen, die er mir schenkte, waren derart übermächtig, dass ich ihnen sicher nicht länger als ein paar Minuten würde standhalten können. Nie hätte ich mir erträumt, dass es so schön sein würde. Stöhnend bog ich den Rücken durch, als Logans Zunge in mich hineinglitt.

Wimmernd klammerte ich mich an die Grashalme neben meinem Kopf, während er mit der Zunge lustvoll zwischen meinen Beinen auf- und abfuhr, bevor er wieder an meinem Kitzler saugte. Das Pochen in meinem Unterleib nahm weiter zu und erreichte ein unvorstellbares Ausmaß. Ich spannte mich an. Der Höhepunkt war so nah, dass ich fast über die Klippe gestürzt wäre.

Logan ließ von mir ab. »Noch nicht, Baby.«

Gott, wie konnte er mir das antun? »Nein, Logan. Ich kann es nicht aufhalten.«

»Doch, das wirst du.« Seine Stimme war rau und bestimmend, was mich noch mehr erregte. Er stieß die Finger in mich hinein. »Du bist so eng.«

Er bewegte sie mehrmals vor und zurück, dann leckte er mich wieder. »Du bist perfekt. Ich wusste, dass du so schmecken würdest. Du bist wie für mich gemacht, Emily.«

»Logan.« Ich keuchte, jeder Muskel stand unter Hochspannung. »Bitte. Ich muss dich spüren.«

Er zog die Finger heraus, dann sah ich zu, wie er einen nach dem anderen ableckte. Beinahe wäre ich allein von dem Anblick gekommen. Der Ausdruck in seinen Augen, die tief in mich hineinzusehen schienen, das halbe Lächeln, das seine Lippen umspielte, während er mich schmeckte.

Ich liebte alles, was er tat. Wie er einen Raum betrat – nicht arrogant, aber voller Selbstvertrauen und Präsenz. Wie er seinen Traum als Musiker verfolgte und bereit war, sein ganzes Geld in den Versuch zu investieren, es in einer Branche zu schaffen, die mit großartigen Bands übersättigt war. Logan ging Risiken ein, weil er an sich glaubte. Er ließ sich von niemandem etwas gefallen. Was er anpackte, tat er mit ganzem Herzen. Doch am meisten liebte ich, wie er mich anschaute und alles sah, was ich war und sein könnte.

»Verhütest du?«

Ich nickte. »Ich nehme die Pille. Gegen meine Menstruationsbeschwerden.«

»Ich bin clean. Zwei Wochen, nachdem wir uns begegnet sind, habe ich mich durchchecken lassen, und ich war seitdem mit keiner anderen zusammen.«

Er hatte mit keiner Frau mehr geschlafen und sich durchchecken lassen? Weil er gedacht hatte … das mit uns könnte etwas werden?

»Ja, Emily. Ich wollte sichergehen, dass ich kerngesund bin, bevor ich mit dir intim würde. Kondom hin oder her.«

Das verschlug mir die Sprache. »Ich möchte dich in mir spüren, Logan.«

Er rollte sich auf die Seite und streifte seine Jeans ab. Als er sich wieder auf mich legte, erhaschte ich einen Blick auf seine mächtige, pulsierende Erektion. Wie zur Hölle sollte sie nur in mich hineinpassen? Bevor ich erneut kopfscheu werden und mentale Legohäuser errichten konnte, fasste ich zwischen uns und berührte ihn.

»Eme«, raunte er, als ich sein heißes, pochendes Glied umfasste und daran hoch und runter strich.

Logan schloss die Augen und legte stöhnend den Kopf in den Nacken. »Gott, hör auf damit, sonst komme ich, bevor ich in dir bin.« Er legte die Hand um seinen Ständer und rieb ihn an meinem feuchten Schoß. »Ich werde vorsichtig sein, Maus.«

Ich vergrub die Finger in seinem Haar. »Nein, mach schnell. Damit dieser Teil vorüber ist.«

»Nein.« Sein Ton duldete keinen Widerspruch. »Du sollst dich daran erinnern – ohne Schmerz.« Er senkte den Mund auf meinen, während sein Schwanz gegen meine Öffnung drängte.

Ich schlang die Beine um seine Taille, die Arme um seinen Rücken und drückte ihm das Becken entgegen, während seine Spitze die Barriere zu überwinden versuchte. Ich schaffte es nicht, dass er tiefer in mich hineinglitt, dabei verzehrte ich mich so sehr nach ihm, dass es eine Qual war.

Er hörte auf, mich zu küssen, und fasste mich am Kinn. »Schau mich an, Emily. Ich möchte dein Gesicht sehen, wenn ich dich nehme und du meinen Namen schreist.«

»Logan.«

Er stieß die Hüfte nach vorn und gelangte ein wenig tiefer in mich hinein. Ich spürte, wie sich mein Jungfernhäutchen dehnte, bestimmt fühlte er es auch. Er hielt weiter mein Kinn fest, damit ich den Kopf nicht bewegen konnte, dann ließ er das Becken kreisen und zog sich zurück. Ich seufzte enttäuscht.

»Langsam, Eme.«

Er drang wieder in mich ein, und dieses Mal machte er weiter, bis ich einen plötzlichen scharfen Schmerz verspürte.

Oh, verdammt. Es tat weh.

Gleichzeitig fühlte ich mich auf surreale Weise eins mit ihm, als er so tief und erigiert in mir war.

Dabei küsste er mich mit zärtlicher Hingabe, bis ich den Schmerz vergaß und neues Begehren in mir aufflammte. Ich wollte, dass er sich bewegte.

»Oh Logan.« Ich bog mich ihm entgegen, und er drang noch weiter vor. Ja, Gott, ja.

»Fühlt sich das gut an?«

Brennendes Verlangen überlagerte das Schmerzgefühl. Als ich nickte, fing er an, sich zu bewegen. Ich verschränkte die Knöchel hinter seinem Rücken und klammerte mich mit den Beinen an ihm fest. Keuchend blickten wir uns an.

»Du gehörst mir, Emily.« Seine Bewegungen wurden schneller, härter. Ich wollte die Augen schließen, aber er griff nach meinem Kinn. »Sieh mich an.«

Mit jedem Stoß verschmolzen wir mehr; ich spürte den Orgasmus kommen, war bereit, meine Erregung konnte nicht mehr gesteigert werden. Er rieb in einer Aufwärtsbewegung die Hüften an meinen, um meine Klitoris zu stimulieren, und ein Zucken ging durch meinen Leib, dann noch eins und noch eins. Die Lust, die sich in mir anstaute, war zu groß.

Er erhöhte den Druck.

»Oh Gott, Logan. Logan.« Ich presste die Lider zusammen und ließ los. »Logan!« schrie ich, als sich mein Körper in winzigen Explosionen auflöste.

»Emily.« Er stieß härter zu, tiefer, Fleisch schlug gegen Fleisch. Dann bemächtigte er sich mit wilder Gier meines Mundes, während sich seine Muskeln anspannten und sein Körper zu zucken begann.

»Meine Maus.« Er rollte sich auf die Seite und zog mich mit, sodass ich mich an seinen Oberkörper kuschelte, meine Beine mit seinen verschlungen. »Du bist ein verdammter Hauptgewinn, Emily. Mein Hauptgewinn.«

Ich schloss die Augen, mein Kopf auf seiner Brust, daneben meine Hand, die mit seiner verschränkt war.

Er küsste mich auf den Scheitel und streichelte meinen Arm.

»Logan?«

»Ja, Baby.«

»Äh, wir werden beobachtet.«

Er schaute hoch und entdeckte den Appaloosa, der auf uns herabstarrte. Wir brachen beide in Lachen aus.

1

Zwei Tage später

Tag 1

Als ich zu mir kam, lag ich auf einem feuchten Zementboden.

Ich setzte mich auf und bereute es augenblicklich, denn mein Schädel hämmerte brutal und es herrschte das blanke Chaos darin. Der Raum drehte sich, und mir verschwamm minutenlang die Sicht, während ich zu begreifen versuchte, was passiert war.

Dann überrollte mich die Erinnerung wie ein Tsunami. Die Bar. Logan, der sich auf seinen Auftritt mit der Band vorbereitete. Kat, die mir sagte, dass ich wunderschön aussähe. Ich, die zur Toilette hetzte, weil ich nicht eine Sekunde von Logan auf der Bühne versäumen wollte.

Der Arm, der mich von hinten um die Taille packte, als ich die Hand an die Toilettentür gelegt hatte. Das süßlich riechende Tuch, das mir auf Mund und Nase gepresst wurde.

Dann nichts mehr.

Oh Gott.

Jähe Angst erfasste mich. Es war, als könnte ich mich nicht aus einem geschlossenen Schlafsack befreien. Ich bekam keine Luft, drohte zu ersticken. Nadeln und Reißzwecken schienen sich in meine Glieder zu bohren, als die Furcht sich zu blinder Panik auswuchs. Eiskalte Schauer jagten über meinen Körper, mein Atem ging immer schneller, ich begann zu hyperventilieren. Tränen strömten über mein Gesicht, tropften auf mein Schlüsselbein und versickerten im Stoff meines Kleids.

Mein Kleid. Ich hatte es extra für Logan gekauft und mit Kat im Laden stundenlang nach dem richtigen gesucht. Ich wollte schön für ihn aussehen, was eine echte Herausforderung war, da ich mich nie wirklich schön fühlte. Ich hatte mich damit abgefunden, es akzeptiert, nachdem meine Mutter mir so viele Jahre eingehämmert hatte, dass ich hässlich sei.

Aber bei Logan … bei ihm fühlte ich mich hübsch, obwohl ich es nicht war. Beschützt und umsorgt, denn ich vertraute ihm blind. Er wusste, was ich brauchte, selbst wenn ich es nicht tat. Da war dieses natürliche Bedürfnis, ihm die Kontrolle zu überlassen. Nicht, damit er sie gegen mich verwendete, sondern, damit er mir geben konnte, was ich brauchte. Und was ich im Moment brauchte, war Logan.

Ich rollte mich auf die Seite und kämpfte mich auf die Knie, aber mein Magen rebellierte gegen die Bewegung. Ich presste die Hand auf den Mund und schaffte es gerade noch in die Zimmerecke, wo ich die zwei Bier erbrach, die ich in der Bar getrunken hatte, danach würgte ich trocken, bis ich Krämpfe in den Seiten hatte.

Als es endlich vorbei war, nahm ich den Geruch von abgestandenem Urin wahr. Wieder hob sich mir der Magen und ich würgte und würgte. Ich senkte den Kopf und stützte mich mit den Händen an der Wand ab, dann atmete ich mehrmals tief durch den Mund ein.

Ich befand mich in einem Keller, und draußen war es dunkel. Durch ein schmales Fenster hoch oben in der gegenüberliegenden Wand stahl sich ein einzelner Mondstrahl. Der feuchte Raum war klein und komplett leer bis auf eine hölzerne Treppe, deren Geländer aussah, als würde es zerbröseln, sobald man die Hand daran legte. Die Wände waren im unteren Bereich grün gestrichen, so als hätte der Keller einmal unter Wasser gestanden.

Etwas kroch über meine Hand, und ich taumelte mit einem Aufschrei zurück, bis ich mit dem Rücken gegen die Wand prallte. Wimmernd schlang ich die Arme um meinen Oberkörper, drehte mich um und wich rückwärts bis zur Mitte des Raums zurück.

Was hatte das zu bedeuten? Wieso war ich hier? Wo war Kat? War sie auch irgendwo hier?

Ich rannte die Treppe hoch und rüttelte an der Tür. Sie ließ sich nicht öffnen, darum schlug ich schreiend mit den Fäusten auf sie ein, anschließend warf ich mich mit dem Körper dagegen, bis ich überall Prellungen hatte.

Braune Flecken verunzierten das weiße Chiffonkleid. Die Spitze vorn war zerrissen und gab den Blick auf die Seide darunter frei. Meine Arme waren wund und empfindlich, meine Beine voller Blutergüsse, außerdem blutete ich aus einer kleinen Schnittwunde über dem rechten Knie.

Ich wusste nicht, wer mich entführt hatte oder warum, aber jede Faser meines Körpers schrie danach, freigelassen zu werden.

Ich schwankte die Stufen hinunter, dann suchte ich auf allen vieren den Fußboden nach irgendetwas ab, was mir zur Flucht verhelfen könnte. Ich betete, dass man meine Handtasche mit mir in dieses Loch geworfen hatte. Gleichzeitig wusste ich, dass derjenige, der mir das antat, nicht so dumm sein würde, mir meine Tasche mit meinem Handy zu lassen. Aber meine Panik war größer als meine Vernunft, darum tastete ich jeden Zentimeter des feuchten Zements ab, wobei ich gelegentlich hörte, wie etwas vor meinen Händen davonhuschte.

Ich versuchte, bei klarem Verstand zu bleiben, aber mein Entsetzen war wie eine rote Fahne an einem Strand, die wegen der starken Unterströmung davor warnte, schwimmen zu gehen. Ich war in diesem Sog gefangen, konnte mich nicht befreien und wurde immer weiter ins Meer hinausgezogen.

Inzwischen weinte ich hemmungslos, meine Brust bebte mit jedem Schluchzen. Nein. Bitte, nein. Logan. Er würde mich finden, nicht wahr? Bestimmt suchte er schon nach mir. Die Polizei … war die Polizei alarmiert? Würde sie nach mir fahnden? Wie lange wurde ich schon vermisst? Gott, ich wusste nicht einmal, welchen Tag wir hatten oder wie lange ich bewusstlos gewesen war.

Als ich auf dem Boden nichts fand, stürmte ich wieder die Treppe hinauf und hämmerte von Neuem gegen die Tür.

»Hilfe! Lasst mich raus! Hilfe! Oh Gott. Bitte! Lasst mich frei!«

Ich schlug gegen die Tür und brüllte, bis meine Kehle heiser war. Als meine Fäuste zu wund waren, um weiterzumachen, trommelte ich mit den Handflächen gegen die Tür.

»Bitte«, wimmerte ich. »Bitte, lasst mich raus.«

Ich fiel auf die Knie und presste die Hände und die Wange gegen die Tür, während mein Körper von unbeherrschten Schluchzern geschüttelt wurde. Die Angst hielt mich fest in ihren Klauen und raubte mir mit jedem Atemzug mehr den Verstand.

Keine Ahnung, wie lange ich zusammengerollt auf dem Treppenabsatz kauerte, aber es mussten Stunden vergangen sein, denn irgendwann linsten die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster. Meine Kehle war so trocken, als hätte ich die ganze Nacht an Sandpapier gesaugt. Meine Lippen klebten aneinander, und als ich sie öffnete, riss eine dünne Hautschicht von der unteren.

Ich brauchte nur Logan. Er sollte mich in den Armen halten, mir versichern, dass alles in Ordnung war. Doch die Stunden verstrichen, und er kam nicht. Niemand kam.

Schließlich musste ich notgedrungen in die Ecke pinkeln. Nie zuvor hatte ich mich so schmutzig gefühlt, wie ein Tier, und ich weinte leise, während ich es tat. Es war so demütigend und ließ mich erneut überschnappen, sodass ich abermals schreiend an der Tür rüttelte und sie mit Fäusten und Tritten bearbeitete.

Keine Reaktion.

Würde ich hier verhungern? Einsam sterben und niemals gefunden werden?

Ich kratzte mit den Fingernägeln über die Holztür, bis Splitter in meinem Nagelbett steckten. Aber das war nichts – verglichen mit meinem qualvollen Durst. Mein Mund schmeckte nach trockener Kotze, und selbst der Versuch zu schlucken war schmerzhaft.

Nachdem ich stundenlang an der Tür geschrappt hatte, rollte ich mich wieder in Embryonalstellung zusammen und schob die Fingerspitzen in den schmalen Spalt unter der Tür. Das Wort »verängstigt« bekam eine völlig neue Bedeutung, während ich als wimmerndes Häufchen dort kauerte. Die Möglichkeiten, was mich erwarten könnte, vergifteten mein Bewusstsein. Ich hatte oft genug Criminal Minds gesehen, um zu wissen, wozu Menschen imstande waren. Doch das Allerschlimmste war die Furcht vor dem Unbekannten. Das Schweigen meines Kidnappers nagte an meiner geistigen Gesundheit, während ich zitternd auf dem oberen Treppenabsatz lag.

Ich weiß nicht, wie lange es dauerte, bis der Türknauf gedreht wurde. Vielleicht einen Tag, es könnten aber auch zwei gewesen sein. Das Einzige, was ich sah, war das Auf- und Untergehen der Sonne, aber wenn ich einschlief, konnte ich hinterher nicht sagen, wie lange ich weg gewesen war.

Als die Tür aufging, fiel ein großer Schatten auf mich.

Ich schaffte es, ein Wort zwischen meinen gesprungenen Lippen herauszupressen. »Bitte.«

Der Mann bückte sich, packte mich am Arm und zerrte mich auf die Füße.

Ich konnte nicht mehr schreien. Meine Glieder fühlten sich schwach und taub an, schlaff wie die einer Lumpenpuppe.

Er schlug mich auf die Wange, und ich zuckte zusammen, als der Schmerz in meinem Kopf explodierte. Ich versuchte zu sprechen, brachte jedoch nur ein Krächzen zustande.

Er hob mich hoch und warf mich wie einen Getreidesack auf seine Schulter, dann trug er mich einen Korridor entlang. Das Licht blendete mich, und ich konnte minutenlang nicht mehr sehen als einen grellgelben Nebel, der in meinen Augen brannte, also schloss ich sie, bis der Schmerz nachließ.

»Häng sie dort oben hin.«

Ich öffnete wimmernd die Lider und blinzelte in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war, doch die andere Seite des Zimmers war dunkel, sodass ich nur die Umrisse eines Mannes erkennen konnte, der vor der Wand stand. Man stellte mich auf die Füße, aber meine Knie gaben sofort nach, und ich sackte auf dem kalten Fliesenboden zusammen.

Ich blinzelte zu dem Mann hoch und stöhnte: »Wasser. Bitte.«

Er hatte ein flächiges Gesicht, das an die Front eines Schwerlasters erinnerte, eine platte Nase, füllige Wangen, eine breite Stirn und grüne Knopfaugen. Er starrte mich eine Sekunde an, bevor er die Lippen zu einem boshaften Grinsen verzog und mich in die Rippen trat.

Ich schrie auf und versuchte mich robbend in Sicherheit zu bringen, aber der Schmerz fuhr mir wieder und wieder in den Oberkörper, während er seine Attacke fortsetzte, bis ich mich zusammenkrümmte, um meine Brust und meinen Bauch zu schützen.

»Genug. Wir wollen nicht, dass ihr Gesicht versehentlich Schaden erleidet.«

Die Tritte hörten auf. Flachgesicht packte mich an den Haaren und zog mich derart brutal auf die Füße, dass meine Kopfhaut danach wie Feuer brannte.

»Was wollt ihr von mir? Bitte, lasst mich gehen.«

Meine Gedanken überschlugen sich, wieder legte sich eine Eisschicht aus Angst über meinen Verstand. Würden sie mich vergewaltigen? Mich totschlagen? Oder foltern?

Das durfte und würde ich nicht zulassen. Ich wollte nicht auf eine solche Weise sterben.

Mein Überlebensinstinkt war noch immer stark, und obwohl ich bezweifelte, dass mir eine Flucht gelingen würde, musste ich kämpfen. Adrenalin rauschte in meinem Blut, als mir Logans Ratschläge während des Selbstverteidigungstrainings wieder einfielen und mich zum Handeln ermutigten.

Ich stieß blitzschnell und mit aller Kraft den Ellbogen nach hinten. Ein scharfer Schmerz schoss durch meinen Arm, als er mit Flachgesichts Nase kollidierte und ein vernehmbares Knacken ertönte.

»Miststück.« Er taumelte zurück und hielt sich seine blutende Nase. Ein Mann rief etwas in einer anderen Sprache, während ich mich von Neuem auf Flachgesicht stürzte und ihm die Finger in die Augen rammte. Er stieß mich mit einem Arm zurück. Ich war derart schwach und aus dem Gleichgewicht, dass ich seitlich umkippte und eine Sekunde brauchte, um mich wieder hochzurappeln.

Ich drehte mich um und versuchte, an ihm vorbeizulaufen, prallte jedoch frontal mit einem harten, unnachgiebigen Körper zusammen. Der Mann wirbelte mich herum und presste mich mit dem Rücken an seine Brust, dann legte er mir den Arm um die Kehle und drückte zu. Ich schaffte es, seinen Griff zu lockern, indem ich die Hüfte hinter sein Becken schob, wie Logan es mir beigebracht hatte, als ich kaltes Metall an meinem Kopf spürte.

Ich erstarrte.

»Eine Schande, dass ich nicht die Zeit habe, dich persönlich zu erproben. Ich weiß einen guten Kampf zu schätzen.« Sein Akzent und seine Stimme verursachten mir ein Frösteln bis in die Zehenspitzen. »Bind sie fest, Alfonzo.« Er senkte den Arm, aber als ich einen Blick auf ihn erhaschen wollte, stieß er mich zu Flachgesicht – alias, wie ich annahm, Alfonzo – und verließ den Raum.

Blut tropfte aus Alfonzos Nase, seine Augen waren blutunterlaufen. Er umfasste meine Unterarme und legte mir schwere Handschellen an.

»Dafür wirst du bezahlen, Schlampe«, keuchte er und zog mich zu sich heran.

Ich rammte das Knie nach oben, aber er war darauf gefasst und sprang zurück. Meine Wange brannte heiß, als er mich ohrfeigte.

»Nicht ins Gesicht«, donnerte der Mann mit dem Akzent. »Dios.«

Alfonzo riss mir brutal die Arme über den Kopf, ich spürte Druck auf meinen Handgelenken, hörte ein metallisches Klirren. Ich sah nach oben – die Handschellen, mit denen ich gefesselt war, waren an einer Kette befestigt, die von der Decke hing.

Oh Gott. Nein. Tut das nicht. Ich begann wieder zu schluchzen, während ich um mich trat und mein Körper an der rasselnden Kette vor- und zurückschaukelte.

»Bitte. Nein!« Ich weinte. Tränen, von denen ich geglaubt hatte, sie wären längst versiegt, rannen unaufhaltsam über meine Wangen. Alfonzo lachte hämisch, dann ging er weg. Ich hörte, wie er mit dem anderen Mann sprach, konnte die Worte jedoch nicht verstehen.

Mein Gesicht war einem geziegelten Kamin zugewandt, meine Füße berührten kaum den Boden. Ich war komplett hilflos.

Angstschauder krochen über meine Haut. Was hatten sie vor? Warum taten die das? Wer waren sie?

»Gib ihr Wasser.«

Mein Kopf fuhr hoch, als ich das Wort Wasser hörte, und ich versuchte, zu dem Mann herumzufahren, aber er packte mich an den Haaren und bog meinen Hals zurück, dann begann er, mir warmes Wasser in den Mund zu gießen. Es war mir egal, ob es die schmutzigste Brühe auf diesem Planeten war, allein etwas Flüssiges durch meine Kehle fließen zu fühlen, war himmlisch.

Das Wasser rann aus meinen Mundwinkeln, und ich würgte mehrere Male, während er unentwegt weitergoss. Aus Angst, nicht noch mehr zu bekommen, schluckte ich, so schnell ich konnte.

Ich hörte, wie knarrend eine Tür aufging und wieder zufiel. Alfonzo stieß meinen Kopf so hart von sich weg, dass ich an den Ketten vor- und zurückbaumelte.

Und dann –

»Verstößt du schon jetzt gegen unsere Abmachung, Raul? Sie gehört mir. Dieser Punkt war nicht verhandelbar. Ich dachte, ich hätte mich diesbezüglich klar ausgedrückt.«

Ich brach zusammen. Logans Stimme sickerte in meinen zitternden Körper und umfing mich mit ihrer Wärme. Ich fing an zu schluchzen, mein Kopf sackte nach vorn, und meine Arme und Schultern kreischten vor Schmerz, während ich am ganzen Leib bebte. Logan war gekommen, um mich zu befreien. Er würde mich von hier fortbringen. Den Qualen ein Ende setzen.

»Sie gehört dir, wenn ich das sage. Und komm mir nicht blöd, sonst ist der Deal geplatzt.«

Stille. Nur der Wind pfiff durch die Ritzen in den Fensterrahmen.

»Unser Deal steht.«

Logan? Worüber redeten sie da? Welcher Deal? Ein Handel, um mich hier herauszuholen? Ich versuchte mich umzudrehen, um ihn sehen zu können, aber ich bekam die Füße nicht weit genug auf den Boden, um auf die andere Seite zu schwingen.

Gelächter. Kalt. Bösartig. Unheilvoll. Es klang, als würde sich das Zischen von Feuerwerkskörpern mit dem Quietschen von Reifen auf nassem Asphalt mischen. »Sie kämpft gern.« Die Stimme mit dem Akzent wurde tiefer, die Belustigung verschwand. »Du kannst dich glücklich schätzen, dass ich es erlaube. Sie würde auf dem Markt eine gewaltige Summe erzielen. Soll ich diese Einschätzung überprüfen?«

»Logan?«, rief ich. »Logan. Bitte.« Wieso half er mir nicht?

»Nein. Du hast, was du wolltest, und ich habe, was ich will: sie. Alles andere ist nicht von Belang.«

Seine Stimme. Sie war anders als sonst. Kälter. Logan gab sich immer kühl, aber hinter dieser Veränderung steckte mehr. Es war, als würde Zorn unter der Oberfläche simmern. Warum lief er nicht zu mir und nahm mich in die Arme? Wie hatte er mich gefunden? Weshalb sprach er mit diesem Mann, als würde er ihn kennen? Sah er mich nicht? Vielleicht erkannte er mich ja nicht?

»Logan! Ich flehe dich an!« Ich kämpfte gegen meine Fesseln an; meine Handgelenke waren wund von dem Metall, das in meine Haut schnitt.

»Nenne ihn niemals so!«, brüllte der Mann. »Er ist von nun an dein Gebieter.«

Ein sengender Schmerz fraß sich in meinen Rücken, und ich kreischte. Heftige, pulsierende Nachbeben zuckten über meine Haut, während mein Körper darum kämpfte, mit der Pein fertig zu werden.

Oh Gott. Nein. Bitte. Nein. »Logan!«, schrie ich.

»Tu exakt das, was man dir sagt, Emily.« Logans Worte waren steif und kontrolliert. Ich konnte nicht mal mehr mit Gewissheit sagen, ob es wirklich Logan war. Spielte mein Bewusstsein mir einen Streich? Ich begriff nicht, wieso er mir nicht zu Hilfe kam.

Ich hörte, wie ein Lederriemen über den Boden schleifte, dann ein Pfeifen in der Luft.

Ich spannte jeden Muskel an, schloss die Augen.

Ich zuckte zusammen und bäumte mich auf, als der Riemen mir einen weiteren brutalen Hieb versetzte. Meine Arme trugen mein ganzes Gewicht, während ich schlaff in den Ketten hing, von Schluchzern geschüttelt, mein Gesicht tränenüberströmt.

Stille.

Mein Atem ging stoßweise, mein Rücken brannte, als wäre er mit einem Flammenwerfer versengt worden.

»Du sprichst nur, wenn man dich dazu auffordert, andernfalls bekommst du die Peitsche zu spüren. Verstanden?«

Wieder zuckte der Lederriemen grausam über meinen Rücken. Ich warf keuchend den Kopf zurück, während mein Körper hin und her schwang. »Ja. Ja, ich habe verstanden.«

Als ich den anderen Mann lachen hörte, drehte sich mir der Magen um und das Wasser drohte wieder hochzukommen. Ich atmete bedächtig durch den Mund, verzweifelt bemüht, die kostbare Flüssigkeit bei mir zu behalten.

Dann vernahm ich wieder, wie das Leder über die Fliesen glitt. »Bitte, schlagt mich nicht mehr.«

Mein Flehen wurde ignoriert, der Riemen sauste durch die Luft und knallte auf die Rückseiten meiner Beine. Kreischend versuchte ich, den Hieben auszuweichen, indem ich an den Ketten zerrte und mit dem Körper nach allen Seiten pendelte.

Er schlug wieder zu.

Und wieder.

Und wieder …

Ich konnte nicht mehr zählen, wie viele Male er mich peitschte. Meine Haut brannte und pochte von den Schultern bis zu meinen Fußknöcheln. Kraftlos und meines Kampfeswillens beraubt, schwang ich an den Ketten vor und zurück. Mein Bewusstsein schluchzte noch immer, ich selbst war still, weil ich nicht wagte zu weinen, zu schreien oder sonst etwas zu tun, das ihn dazu anspornen könnte, mich weiter zu schlagen.

Dann hörte es auf.

»Wir brechen in zwei Tagen auf. Bring sie zu der Adresse des Transporteurs. Er wird sie in eine Kiste verpacken und –«

»Nein«, unterbrach Logan ihn. »Das wird nicht nötig sein.« Innerlich flehte ich ihn an, mich in die Arme zu schließen und mir zu sagen, dass alles in Ordnung kommen und er mich von hier wegbringen würde.

»Denkst du etwa, ich traue dir?«

Ich hörte, wie etwas Schweres über den Boden geschleift wurde.

»Falls sie beim Transport stirbt, hast du gar nichts. Genau wie ich. Das Mädchen bleibt bei mir.«

Stille.

»Na schön, aber Dave und Jacob werden dich begleiten. Keine Fehler, Logan. Compendia?«

Plötzlich spürte ich jemanden hinter mir und brach in Panik aus, als mir Alfonzos abgestandener Schweißgeruch in die Nase stieg. Eine Hand glitt bedächtig meinen misshandelten Rücken hinab, dann verharrte sie auf meinem brennenden Gesäß. Sie drückte zu, und ich zuckte zusammen, als sich die Finger in die Striemen gruben. Alfonzo presste seinen Körper an meinen und ließ mich seinen harten Schwanz spüren.

Ich wimmerte und zitterte so heftig, dass ich wieder an den Ketten zu trudeln begann. Er lachte mir ins Ohr, sein Atem strich über meine Wange. Dann glitt seine Hand tiefer, zögerte kurz und griff mir brutal in den Schritt.

Mein Wimmern verstärkte sich, ich zerrte an meinen Fesseln, Blut tropfte von meinen Handgelenken. »Bitte, fass mich nicht an. Hilf mir …« Ich ließ Logans Namen unausgesprochen, aus Furcht, dass sie mich wieder auspeitschen würden.

»Er wird dir nicht mehr helfen. Niemand wird das«, raunte Alfonzo an meinem Ohr. Er schob meinen Slip zur Seite und stieß einen Finger in mich hinein. Ein Teil von mir starb in diesem Moment. Die Tränen, der Durst, die Schmerzen waren nichts im Vergleich zu dieser Vergewaltigung, die Logan geschehen ließ, während er tatenlos hinter mir stand.

»Nein. Bitte nicht. Warum tust du das?«

Wie konnte Logan das zulassen? Wie konnte er dabei zusehen, wie ein anderer Mann mir so wehtat? Ich schluchzte leise vor mich hin, während Alfonzos dicker Finger rein- und rausglitt und ich seinen keuchenden Atem an meinem Ohr spürte. Dann hörte ich das Rascheln von Kleidung, als ob … ich konnte nicht denken. Ungläubigkeit vernebelte mir den Kopf und erstickte jede Hoffnung darauf, dass Logan dieser Sache ein Ende bereiten würde.

Auf einmal erklang hinter mir ein scharfes, zorniges Wortgefecht. Ich bekam nicht mit, was gesagt wurde, und es kümmerte mich auch nicht mehr. Man hatte mich derart verletzt und gedemütigt, dass ich mich nur noch zusammenrollen und sterben wollte.

Mir war kalt, ich fühlte mich mutterseelenallein. Ich war unfähig, diese Bestie davon abzuhalten, mich zu missbrauchen.

Alfonzo stieß ein Knurren aus, dann richtete er sich auf und zog den Finger zurück. Er biss mich so fest ins Ohr, dass ich aufschrie. »Ich freue mich schon drauf, dich richtig zu ficken, während du um Gnade winselst.«

Ich schluckte den Schrei in meiner Kehle hinunter und biss mir so heftig auf die Zunge, dass ich Eisen im Mund schmeckte.

Er löste die Handschellen, und ich stürzte schmerzhaft auf die Knie.

Ich brauchte mehrere Sekunden, ehe ich mich bewegen und den Kopf heben konnte. Ich drehte ihn langsam und schaute über die Schulter nach Logan.

Als ich ihn sah, hörte mein Herz für einen Moment auf zu schlagen, dann begann es, wie wild zu klopfen. Er war es, aber nichts an seinen Augen erinnerte an den Mann, den ich kannte. Er musterte mich mit kaltem, ausdruckslosem Blick. Ohne jedes Mitgefühl. Ich fand keinen Hinweis auf den Logan, in den ich mich verliebt hatte.

Der letzte Rest Hoffnung erstarb, als mich die Erkenntnis wie ein Schlag vor den Kopf traf: Logan steckte mit drin. Er tat mir das an. Ich erbrach alles Wasser, dann wurde mir schwarz vor Augen.

2

Tag 3

Verzweiflung überlagerte jede andere Empfindung.

Hoffnungslosigkeit.

Die quälende Angst, aus der Realität zu fallen.

Blanker Schmerz machte mich allem anderen gegenüber taub.

Ich lag auf dem Zementboden im Keller, wo sie mich nach der Konfrontation mit Logan zusammen mit zwei Flaschen Wasser hingeworfen hatten. Er hatte mich verraten. Schwer misshandelt und jeder Würde beraubt hatte ich auf dem Boden gekauert, und er hatte mich angesehen, als wäre ich ein Nichts. Nicht mehr als ein Schimmelfleck.

Ich versuchte, das Durchlebte zu verarbeiten, einen Sinn in etwas zu erkennen, das keinen Sinn ergab. Wie hatte mir diese Kälte entgehen können, die ich jetzt in ihm wahrnahm? War ich ihm derart verfallen gewesen, dass ich ausgeblendet hatte, was ich nicht sehen wollte?

Nein. Kat hatte bezeugt, dass er in mich verliebt war. Aber der Mann, den ich hier erlebte, war kein bisschen in mich verliebt. Er war ein Monster. Er hatte einfach durch mich hindurchgeblickt, seine Augen waren bar jeder Emotion. Mein Flehen war an ihm abgeprallt, während ein anderer Kerl seinen dreckigen Finger in mich reingesteckt hatte. Er hatte zugesehen, wie ich ausgepeitscht worden war. Er war kein Mensch.

Aber Logan hatte eine Band. Georgie und Deck kannten ihn. Er sang in Matts Bar. Das alles ergab keinen Sinn, trotzdem hatte er meinen Misshandlungen tatenlos zugesehen. Und er hatte mit diesen Männern gesprochen, als wüsste er, wer sie waren.

Wie lange ich weinte, kann ich nicht sagen. Ich blutete, fühlte mich einsam, verletzt und so mutlos, dass ich die Taubheit, die auf den Schock folgte, willkommen hieß. Aber sie war nicht von Dauer.

Zorn übermannte mich, zusammen mit dem Hass auf Logan. Das Zittern hörte auf, und ich saß stundenlang da und starrte zu dem kleinen Fenster hinauf, dabei dachte ich die meiste Zeit an nichts anderes als an meinen glühenden Hass auf Logan, nein, Sculpt. Logan existierte nicht mehr.

Gefühlte Tage später, obwohl es vielleicht nur ein paar Stunden waren, ging die Tür auf, und jemand blieb am oberen Treppenabsatz stehen. Ich stand auf und erklomm die Stufen, jeder Schritt war die reinste Marter und mit tiefer seelischer Verzweiflung verbunden. Es gab nichts mehr, wofür es sich zu kämpfen lohnte. Logan hatte mich verraten. Weder Matt noch die Polizei würden mich hier rausholen – niemand würde das tun.

»Stopp.«

Ich gehorchte.

»Zieh das an.« Alfonzo gab mir ein frisches T-Shirt und Jeans, dann warf er mir ein Paar Schlappen vor die Füße.

Ich wusste, dass es zwecklos wäre, um Privatsphäre zu bitten, und es war auch nicht wichtig. Mein Körper gehörte mir nicht mehr. Er war ausgehungert, geschlagen und in Dunkelheit gefangen gehalten worden. Die Striemen auf meinem Rücken und meinen Beinen pochten noch immer, und ich fühlte getrocknetes Blut an den Stellen, wo die Hiebe so heftig gewesen waren, dass die Haut aufgeplatzt war.

Nie zuvor hatte ich solch grauenvolle Schmerzen durchlitten. Meine schlimmste Erfahrung war, als mir ein Pferd einen Tritt in die Rippen verpasst hatte. Aber dieser Schmerz rührte nicht nur von meinem Körper, sondern auch von meiner Seele her. Stundenlang eingesperrt, der Ungewissheit ausgeliefert, betete ich darum, dass jemand mich retten würde, während Logans kalte Stimme mich in jedem wachen Moment verfolgte.

Ich öffnete den Reißverschluss meines zerfetzten Kleids und stieg heraus, dabei spürte ich Alfonzos lüsternen Blick auf meiner nackten Haut. Es war widerwärtig, ich fühlte mich beschmutzt. Hastig zog ich die Jeans an, dann streifte ich mir das T-Shirt über den Kopf und schlüpfte gleichzeitig in die mehrere Nummern zu großen Schlappen. Dabei schoss mir durch den Kopf, was aus dem Mädchen geworden sein mochte, das sie vor mir getragen hatte.

Ich wartete, dass er mich anfasste. Mich auf den Boden warf, um mich zu treten oder zu vergewaltigen. Darum zuckte ich schon bei seiner kleinsten Bewegung erschrocken zurück.

Doch er wies nur wortlos mit einem Kopfnicken auf eine Tür am Ende des schmalen Korridors.

Als wir dort ankamen, riss er sie auf und schubste mich nach draußen; ich stolperte zwei Stufen hinunter auf einen Fußweg. Kaum dass mir der Duft der frischen Luft entgegenschlug, blieb ich stehen und atmete tief ein. Nachdem ich tagelang nur Urin gerochen hatte, rührte mich diese Wohltat fast zu Tränen.

Mein Blick schweifte umher, aber ich sah nur Felder. Niemand, der mir helfen konnte. Niemand, der meine Schreie hören würde. Eine Bewegung zu meiner Linken erregte meine Aufmerksamkeit, dann sah ich sie: Pferde, in einiger Entfernung. Der Lockruf der Freiheit – nichts konnte mich mehr aufhalten.

Ich sprintete los.

Ich hörte polternde Schritte, als er mir hinterherhechtete, aber ich entwischte ihm, und er fluchte. Sein Gebrüll folgte mir, als ich die Schlappen von den Füßen schleuderte und so schnell rannte wie ich konnte. Mir schlotterten die Knie, und ich strauchelte immer wieder, während ich auf den Zedernholzzaun zuraste. Meine Panik schraubte sich immer höher, und nur die Adrenalinausschüttung verhinderte, dass ich der Länge nach hinstürzte.

Alfonzo war direkt hinter mir, ich hörte ihn wüst fluchen. Wenn er mich erwischte, wäre ich übel dran. Er war grausam … böse. Man sah es in seinen Augen. Ich wusste, dass er mir wehtun würde, wenn er mich noch einmal in die Finger bekäme, und dieser Gedanke spornte mich an, noch schneller zu laufen.

Wenn ich es bis zu den Pferden schaffen, mich auf eins hinaufschwingen und zu seinem Stall reiten könnte … Dort musste jemand sein, der mir helfen würde. Irgendjemand. Nie im Leben könnte Alfonzo mich auf einem Pferd einfangen. Ich konnte es schaffen. Ganz bestimmt.

Ich fühlte seinen schweren Atem im Genick, als ich zum Zaun stürzte. Gerade als meine Hand das Holz berührte, wurde ich so heftig von hinten gerammt, dass sämtliche Luft aus meiner Lunge entwich.

Sein Körper presste mich gegen den Zaun, seine Hand griff in mein Haar und riss meinen Kopf zurück. Ich schrie vor Schmerz, dann stieß ich den Ellbogen nach hinten, aber dieses Mal war er darauf gefasst und wich aus.

Alfonzo rächte sich, indem er mir mit dem Arm die Kehle zudrückte, bis ich keine Luft mehr bekam. »Dieses Mal nicht, Miststück.«

Er setzte sich in Bewegung und schleifte mich zu dem Lieferwagen. Ich wand mich und trat nach ihm, um seinem Klammergriff zu entkommen, aber der Arm um meinen Hals drückte fester zu, bis ich um jeden Atemzug kämpfen musste. Ich fühlte mich einer Ohnmacht, wahlweise dem Tod nahe, als er mich plötzlich losließ. Ich sackte zu Boden und rang nach Luft.

Er schob die Seitentür in ihrer Metallschiene auf, dann trat er mir brutal in den Magen. »Rein mit dir.«

Wimmernd kämpfte ich mich auf alle viere hoch; ich konnte mich kaum mehr rühren, doch ich wusste, dass er mich wieder treten würde, wenn ich es nicht täte. Er versetzte mir einen Stoß ins Kreuz, worauf ich bäuchlings auf die Metallkante des Wagens fiel.

Sobald ich ganz drinnen war, knallte er die Tür zu.

Es gab keine Fenster, und die Heckklappe war mit einem schweren Vorhängeschloss und einer Kette gesichert. Ich hörte, wie ein Schlüssel in der Seitentür gedreht und versuchsweise der Türgriff gedrückt wurde. Ich fühlte mich wie ein für den Transport verladenes Tier. Ein scharfes, verbittertes Lachen entrang sich meiner Kehle. Ich war ein Tier. Sogar weniger als das: ein Kadaver, ein Stück totes Fleisch, das aufgehängt, zerteilt, gekostet und entsorgt wird.

Ungefähr eine Stunde wurde ich im Laderaum des Vans durchgerüttelt, bevor die Räder sich langsamer drehten und knirschend über eine Schotterpiste krochen. Der Wagen kam zum Stehen, die Tür glitt auf.

»Raus mit dir.«

Ich kauerte in der hintersten Ecke. Zu verängstigt, um auszusteigen, obwohl ich es eigentlich wollte. Aber ich wusste, dass mich auch hier nichts Gutes erwartete.

»Wenn ich dich holen muss, Schlampe, wird das kein Vergnügen für dich werden.«

Ich wusste, er meinte es ernst. Er schien es zu genießen, mich leiden zu sehen. Zögerlich kroch ich zur Tür, woraufhin Alfonzo mich am Arm packte und nach draußen zerrte. Ich hatte nicht die Zeit, mich auf die Füße zu stellen, also landete ich mit den Knien auf dem losen Schotter.

Ich sah auf, schüttelte mir die Haare aus den Augen und fand mich … oh Gott … Logan gegenüber. Ich brauchte einen Moment, um die Miene, mit der er auf mich herabblickte, zu entschlüsseln: unbewegt, gefasst. Fast so, als hätte er nicht erst vor fünf Tagen mit mir Liebe gemacht. Als würde er mich gar nicht kennen.

All die angestaute Wut schoss in mir hoch und explodierte.

»Du verfluchter Bastard«, brüllte ich und stürzte mich auf ihn. Es gelang mir, ihm die Faust ins Gesicht zu dreschen, bevor ich von hinten an den Haaren gepackt und von ihm weggezerrt wurde. Ich schlug nach Alfonzos Händen, dabei verlor ich die Balance und landete auf dem Hinterteil, während Logan einfach dastand und zusah.

»Bist du fertig?«, fragte er, als ich den Kampf aufgab und keuchend auf der Erde lag, während Alfonzo mich weiter an den Haaren festhielt.

»Sie ist ein dreistes Miststück. Ich werde sie blutig ficken, wenn du mit ihr fertig bist.«

Logan war mit einem Satz bei ihm, packte ihn am Hemdkragen und stieß ihn gegen den Lieferwagen. »Sie gehört mir. Schreib dir das hinter die Ohren. Du wirst sie nicht anfassen – niemals.«

Alfonzos Gesicht wurde krebsrot, sein Mund verkniffen. »Sie gehört nicht dir«, spie er hervor. »Sie ist Rauls Eigentum, und ich richte alle sein Mädchen ab, bevor er sie verkauft.«

Logan rammte ihn wieder gegen den Van, dieses Mal so brutal, dass das Aluminium eine Delle abbekam. »Sie wird verkauft, wenn ich mein Okay gebe. Fass sie noch einmal an, wie du es auf dem Gehöft getan hast, und ich schneide dir den Schwanz ab und stopf ihn dir ins Maul.«

Alfonzo starrte mich hasserfüllt an, dann hob er kapitulierend die Hände, und Logan ließ ihn los.

»Steh auf.« Logan stand vor mir, seine Füße waren nur Zentimeter von meinen Händen entfernt, mit denen ich mich im Kies aufstützte. Er verspannte sich, seine Augen wurden schmal. »Mach schon.«

»Fick dich«, sagte ich und schleuderte ihm eine Handvoll Steine ins Gesicht.

Ich hatte noch nicht wieder Luft geholt, da hatte er mich schon am Arm gepackt, um mich unerbittlich zu einem anderen Fahrzeug zu zerren. Ich stemmte die Füße in den Untergrund und versuchte, mein Gleichgewicht wiederzufinden, aber Logan bewegte sich so schnell, dass ich mir auf dem Schotter die Hüften aufschürfte, als er mich die Einfahrt entlangschleifte.

»Lass sie zusammen mit den anderen transportieren«, wetterte Alfonzo. »Die Schlampe braucht eine Lektion. Wenn sie ankommt, dürfte ihr Kampfgeist gebrochen sein.«