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Vor acht Monaten verbrachte Kat die intensivsten, heißesten, intimsten Stunden ihres Lebens mit Ream, dem Gitarristen der Rockband "Tear Asunder". Sie fühlte sich ihm so nahe, dass sie ihm ihr größtes Geheimnis anvertraute - nicht ahnend, dass er ihr nur wenige Tage später eiskalt das Herz brechen würde. Jetzt ist Ream zurück, fest entschlossen, Kat zurückzugewinnen. Und obwohl sie sich mehr denn je zu dem düsteren Rockstar hingezogen fühlt, weiß Kat, dass seine Liebe sie ein für alle Mal zerstören könnte ...
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Seitenzahl: 499
Veröffentlichungsjahr: 2016
NASHODA ROSE
Crushed
Zerstörte Träume
Roman
Ins Deutsche übertragen von Patricia Woitynek
Liebe ist wie eine Lawine … sie überrollt dich ohne Gnade!
Vor acht Monaten verbrachte Kat die intensivsten, heißesten, intimsten Stunden ihres Lebens mit Ream, dem Gitarristen der Rockband »Tear Asunder«. Sie fühlte sich ihm so nahe, dass sie ihm ihr größtes Geheimnis anvertraute – nicht ahnend, dass er ihr nur wenige Tage später eiskalt das Herz brechen würde. Jetzt ist Ream zurück, fest entschlossen, Kat zurückzugewinnen. Und obwohl sie sich mehr denn je zu dem düsteren Rockstar hingezogen fühlt, weiß Kat, dass seine Liebe sie ein für alle Mal zerstören könnte …
Wieder und wieder hämmerte ich mit der Statue auf seinen Schädel ein.
Das Geräusch brechender Knochen warf sein Echo durch den Raum.
Gleich einem Sprühregen spritzte das Blut auf mein grünes T-Shirt.
Es kümmerte mich kein bisschen.
Er hatte sie zerstört.
Er verdiente das hier.
Die Blutergüsse und Einstichstellen an ihren Armen verschwammen mir vor den Augen.
Sie saß auf dem Fußboden und sah mir mit glasigen Augen dabei zu, wie ich ihn abmurkste.
Das alles war meine Schuld.
Weil ich zugelassen hatte, dass ihr das passierte. Ich hatte sie nicht beschützt.
Ich warf die Statue beiseite. Mit einem dumpfen Knall landete das Teil auf den Holzdielen. Sie zuckte zusammen. Mein Blick glitt zu den Nadeln auf dem Nachttisch. Dem gelben Gummiband.
Ich war froh, dass er tot war.
Ich ging zu ihr, hob ihren zerbrechlichen, federleichten Körper auf und rannte.
Ihre Schönheit war im Vergehen begriffen. Mein Engel. Ich hatte das getan.
Ream
»Babe … Du bringst mich noch um.« Mein Körper verkrampfte sich, und ich stöhnte auf, als mein Schwanz in ihrem Mund zuckte. »Oh Gott.« Sie ließ die Zunge um meine Spitze kreisen, dabei umfasste sie meine Eier und ließ einen Finger neckend zwischen meine Gesäßbacken gleiten. Heilige Scheiße, dies war der großartigste Blowjob meines Lebens. Nein, verdammt – wem wollte ich etwas vormachen? Nie zuvor hatte ich einer Frau diese Kontrolle über mich gegeben. Und falls doch … erinnerte ich mich nicht gern daran.
Wieder umgab mich die Hitze ihres Mundes, dann nahm sie mich so tief auf, dass ihre Lippen meine Hoden berührten. Fast wäre ich gekommen, während ich fluchend in ihrem Haar die Fäuste ballte.
»Baby.«
Ihre seidige Feuchtigkeit hüllte mich ein wie Samt. Bedächtig glitt sie zurück, und ich krallte die Finger ins Laken, als sie den Druck erhöhte, bevor sie mich für einen Moment freigab. Sie schöpfte Atem, dann verschlang sie mich abermals. Ich war dermaßen erregt, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Zuzusehen, wie sie es mir auf diese Weise besorgte … Wie zur Hölle sollte ich verhindern, vor ihr zu kommen?
Ihr Kopf bewegte sich schneller auf und ab, fordernder, und ich hörte nur noch, wie ihr süßer Mund an meinem Schwanz lutschte wie an einem Stieleis.
Ich schloss die Augen. Gott, würde es doch niemals enden.
Fester. Saug fester an mir.
Ich öffnete die Augen und wurde vollkommen starr. Nein. Ruinier es um Himmels willen nicht.
Aber das war wie immer unvermeidlich.
Sei artig, dann tut es nicht weh.
Ich atmete zu heftig, war zu angespannt. Wenn ich angespannt war, würde es mehr wehtun.
Klatsch.
Bitte mich um mehr.
Nein. Nicht mehr.
Klatsch.
Bitte mich nett darum.
M…mehr. B…bitte.
Gott, nein. Warum nur?
Weil ich das hier hasste und ihm ein Ende setzen und so schnell wie möglich verschwinden musste. Es war ein Fehler gewesen, mir von ihr einen blasen zu lassen. Das erlaubte ich sonst nie einer. Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Ich hatte mir eingeredet, es würde vielleicht anders sein, nachdem wir die letzten zwei Wochen miteinander verbracht hatten. Verdammt, ich mochte sie. Trotzdem konnte ich das hier nicht tun.
Ich packte sie an den Schultern. »Hör auf.«
Ihre faszinierenden blauen Augen weiteten sich, und ich spürte, wie sich ihre Hand um meinen Ständer verkrampfte. »Was?«
»Ich sagte, hör verflucht noch mal auf.« Meine Finger gruben sich in ihre Schultern, und ich merkte, wie mich eine vertraute Welle der Übelkeit überrollte. Ich musste schleunigst hier weg. Niemals hätte ich mich darauf einlassen dürfen. Ich vögelte nicht sanft und gemächlich, sondern schnell und brachial. Darum würde ich das hier abbrechen, bevor ich mich in Teufels Küche brachte.
Ich versuchte, mich unter ihr herauszurollen, aber sie umfasste meine ins Laken gekrallte Hand, stemmte meine Faust auf und verschränkte die Finger mit meinen.
Ich schaute sie an, und für einen kurzen Moment dachte ich, ich könnte … »Nein«, sagte ich, rührte jedoch keinen Muskel.
Sie ließ mich nicht aus den Augen, als sie den Kopf senkte und mit der Zunge meine Eichel liebkoste. Sie küsste sie zärtlich, eine völlig neue Erfahrung für mich. Ich wollte sie auskosten, aber mir von einer Frau den Schwanz lutschen zu lassen, war tabu. Damit würde ich ihr eine Macht über mich geben, die den Dämonen Tür und Tor öffnete.
Ich stöhnte, als ihre Zunge über die empfindsame Spitze schnellte. Meine Finger bohrten sich in ihr Fleisch, und ich rang das Bedürfnis nieder, sie von mir wegzustoßen und gleichzeitig ihren Kopf nach unten zu drücken, damit sie mich tiefer aufnahm.
»Ich möchte dich schmecken. Komm für mich«, murmelte sie.
Ich konnte nicht. Nicht auf diese Weise. Sie hatte schon zu viel von mir bekommen. Zur Hölle mit allem. Ich schubste sie von mir weg, und sie ließ meinen Schwanz los, als sie zur Seite fiel.
»Ream?«
Ohne sie zu beachten, schwang ich die Beine über den Bettrand. Ich wollte aufstehen, als sie mir die Arme um den Hals schlang.
»Sag mir, was du brauchst.«
»Abstand.« Ich grapschte meine Jeans vom Fußboden. Das hier war ein dummer Fehler. Ich hätte mich nie mit ihr einlassen dürfen. Sie war die beste Freundin der Angebeteten meines Bandkollegen.
Ich richtete mich auf, als sie mich am Arm fasste und nach unten zog, bis ich wieder auf dem Bett lag. »Herrgott. Ich will dich nicht vögeln, Kat.« Es war gelogen, in Wahrheit hätte ich nichts lieber getan.
Ich hatte zwei Wochen mit ihr auf der Ranch verbracht, während wir darauf warteten, von Emily und Logan zu hören. Wir hatten sämtliche Kartons ausgepackt, die Zimmer gestrichen, die Zäune der Pferdekoppeln ausgebessert und sogar Blumen im Garten gepflanzt. Na schön, Letzteres war Kats Werk gewesen, während ich zugesehen und ein Bier getrunken hatte.
Kat war sexy, das stand außer Frage. Diese langen Beine, die blonden Haare, die wundervollen, strahlend blauen Augen, dazu dieses wie gemeißelte Kinn, das ihr ein energisches Aussehen verlieh. Es machte Spaß, mit Kat zusammen zu sein. Trotz der brennenden Sorge um unsere Freunde war Kat kein schluchzendes Häuflein Elend gewesen. Tatsächlich hatte ich sie nicht ein einziges Mal weinen gesehen.
Als ich sie am Abend von Emilys Entführung im Club von der Bühne aus erblickt hatte, war mein erster Gedanke gewesen, dass sie wie eine hochnäsige Zicke wirkte. Aber sie war heiß, darum hatte ich sie haben wollen. Und hätte es vermutlich getan, wäre dieser Mist mit Emily nicht passiert.
Im Laufe der nächsten zwei Wochen hatte ich realisiert, dass Kat in keiner Weise meinem Vorurteil über sie entsprach. Dieses Mädchen besaß eine innere Stärke, die meine noch übertraf. Was mich nur noch schärfer auf sie machte.
Jäh holte mich die Gegenwart wieder ein, als Kat sich über mich beugte und unsere Blicke sich trafen. Ihre Mundwinkel hoben sich zu einem süßen, verruchten Lächeln. »Schwachsinn«, sagte sie. Sie umfasste meine pulsierende Erektion und strich einmal darüber. »Das hier …«, sie übte Druck aus, und ich keuchte, als das Blut in die Eichel schoss, »will mich. Darum sag mir, was du brauchst.«
Ich quatschte mit Weibern nicht im Bett, erst recht erörterte ich nicht meine Bedürfnisse. Nein, ich stillte sie, anschließend machte ich einen Abflug. Nach dem Motto: schnell, hart, erledigt, bevor mich die Dunkelheit überwältigen konnte.
Aber das mit ihr ging weit über meine üblichen Techtelmechtel hinaus. Normalerweise gab es bei mir kein zweites Mal, doch mit diesem Mädchen trieb ich es immer wieder, und jetzt setzte ich dem Ganzen die Krone auf, indem ich mir von ihr einen blasen ließ. Ich war nicht ganz bei Trost, andernfalls wäre es nie so weit gekommen.
Aber Kat holte mich aus meiner inneren Finsternis zurück, von deren Existenz sie nicht einmal wusste. Sie hielt sie in Schach. Zumindest hatte sie das bis zu diesem Blowjob getan, der alles zunichtemachte.
Zum ersten Mal wollte ich eine Frau wirklich, und nicht nur, um Befriedigung zu erlangen. Ich hatte keine Skrupel, eine Gespielin aus dem Bett zu werfen, und dies schon so viele Male getan, dass ich gegen den Schmerz in ihren Gesichtern inzwischen abgestumpft war. Und man konnte mir nicht vorwerfen, dass ich sie nicht warnen würde, worauf sie sich einließen, bevor sie die Beine breit machten. Ich war diskret bei der Wahl meiner Partnerinnen und ging keine emotionale Bindung ein. Weil ich es nicht konnte. Ich war nie imstande gewesen, eine Frau zu würdigen. Dieser Fähigkeit hatte man mich vor langer Zeit beraubt.
Aber Kat … sie war ein unerwarteter Glücksfall. Sie gab mir, was ich brauchte. Bei ihr gab es kein Klammern, kein Huldigen wie bei den Groupies der Band. Ich verabscheute das.
»Ich möchte dich wieder in mir spüren.« Sie setzte sich rittlings auf mich, woraufhin ich sie um die Taille packte und auf den Rücken warf. Ich legte mich auf sie und nahm sie mit meinem Gewicht gefangen.
»Du gehörst unter mich, meine Schöne.« Diese Stellung war ungefährlich. Sie erlaubte es mir, zu gehen, wenn ich es wollte. Kat zu kontrollieren. Ich brauchte die Kontrolle. Ohne ging es nicht.
Kats Augen funkelten wie blaue Edelsteine, als sie lachte. Ich schaute sie regungslos an. Das hier hatte nicht auf dem Plan gestanden. Wir waren uns darin einig gewesen, es bei einem One-Night-Stand zu belassen, auch wenn inzwischen zwei daraus geworden waren. Wie war es dazu gekommen?, fragte ich mich, obwohl ich die Antwort kannte. Es war, als würde sie einen Teil von mir nähren, der seit Jahren vor sich hin vegetierte. Ihre Ehrlichkeit und Lockerheit, das Selbstvertrauen, mit dem sie sich bewegte. Es war keine Selbstverliebtheit, sondern … Reinheit. Etwas, das in mir nirgendwo mehr zu finden war.
An diesem Morgen war ich mit dem Arm um ihre Taille geschlungen aufgewacht. Der Schock darüber hatte mich dazu veranlasst, das Einzige zu tun, das dagegen half: Ich hatte sie auf den Rücken gedreht und war tief und ohne Vorwarnung in sie eingedrungen.
Kat war stöhnend erwacht und hatte ihr Becken meinen Stößen entgegengehoben. Ich war binnen Sekunden gekommen. Sie hingegen nicht, und zum ersten Mal hatte ich mich schuldig gefühlt, weil das Mädchen in meinem Bett nicht auf seine Kosten kam. Aber Kat hatte mich geküsst, dann war sie aufgestanden und im Bad verschwunden, um zu duschen.
Mein erster Impuls war gewesen, mich zu ihr zu gesellen. Ich hatte mir ausgemalt, sie zu lecken und ihre Süße zu schmecken, bis Kat stöhnend um Gnade gefleht hätte.
Doch ich tat es nicht. Ich brauchte den Abstand, um meine Gefühle wieder in den Griff zu bekommen. Stattdessen hörte ich zu, wie das Wasser lief, und stellte mir ihre Hände vor, die über ihren Körper rieben, bis ich wieder einschlief.
Ich war davon wach geworden, dass sie mir einen blies.
»Gehörst?« Sie zog die Brauen hoch, und ich hätte ihr am liebsten diesen aufmüpfigen Ausdruck aus dem Gesicht geküsst.
Ich hatte gewusst, dass die Bemerkung nicht gut ankommen würde und ein Schlagabtausch die logische Folge war. Ihr Selbstvertrauen und lockeres Mundwerk kollidierten mit meinem Bedürfnis, in jeder Situation die Kontrolle zu haben – woran es mir als Kind gemangelt hatte, beherrschte nun jeden Aspekt meines Lebens. Aus diesem Grund übertrug die Band mir die Verantwortung für die Verhandlungen. Mir entging nichts, ich ließ Geschäftliches nicht von Gefühlen beeinflussen, und ich scheute mich nicht, ein Meeting zu verlassen, wenn ich nicht bekam, was ich wollte.
»Akzeptiere es oder lass es bleiben.« Nicht die feine englische Art, aber so lautete die Regel. Besser, sie erfuhr sie jetzt.
Meine Augen wurden schmal, als sie leise auflachte, bevor sie sich unter mir herauszuwinden versuchte. Ich fasste sie unter den Achselhöhlen. Kat glaubte, ich würde scherzen, doch das tat ich nicht. »Du gehörst dorthin, wo ich es sage, und zwar unter mich, während ich meinen Schwanz in deine süße, feuchte Enge treibe. Und vertu dich nur nicht, Kat, sie bettelt darum.«
»Sie bettelt?« Kat befeuchtete ihre Lippen.
Ich beugte mich vor, bis mein Mund ihrem so nah war, dass ich nur tief einatmen müsste, und unsere Lippen würden sich berühren.
Noch nicht, meine Schöne.
Erwartung war der Schlüssel zur Kontrolle. Und ich hatte sie. Ich wusste, wie man eine Frau dazu brachte, einen Mann so sehr zu begehren, dass sie alles tun würde, um das brennende Verlangen zu stillen. Darauf war ich nicht stolz, aber ich hatte mir diese Fähigkeit angeeignet und würde sie einsetzen, um Kat gefügig zu machen. Wenn sie das einsah, würde ich sie vielleicht noch eine Weile länger in meinem Bett dulden.
Ihr Atem war wie eine warme Brise auf meiner Haut. Ich bog den Kopf zur Seite und rieb mit meinem Zweitagebart leicht über ihre Haut. Ich lachte leise, als ich das Geräusch hörte – dieses unverwechselbare Nach-Luft-Schnappen, bevor sie erschauerte.
»Bettle.« Früher war ich derjenige, den man gezwungen hatte zu betteln. Jetzt … jetzt brauchte ich es auf diese Weise.
»Niemals«, stieß sie hervor.
Ich könnte sie binnen Minuten weichkochen, aber die Enge in meiner Brust war eine Gedächtnisstütze für das, was ich jeden verfluchten Tag meines Lebens zu vergessen suchte. Ich musste raus aus dieser Situation.
Na schön, ein letztes Mal noch, dann würde ich gehen. Kat wusste, dass es hierbei nur um die Befriedigung unserer Gelüste ging. Und das war okay für sie. Die viel entscheidendere Frage lautete: Galt das auch für mich? Ich begrub meine Zweifel mit aller Macht.
»Falsche Antwort, Baby.« Noch ehe sie protestieren konnte, umfasste ich ihre Handgelenke und zwang ihre Arme über ihren Kopf. Aus Zeitmangel würde ich sie wahrscheinlich nicht dazu bringen zu betteln, aber ich würde dafür sorgen, dass sie sich stöhnend unter mir wand.
»Lass mich los, Ream.«
Mein Griff war brutal, das wusste ich, doch sie musste bewegungsunfähig sein, sich mir unterwerfen. Die Albträume waren inzwischen zu nah, um Kat an mich heranzulassen. Ich verschloss ihr den Mund mit meinen Lippen, zwängte meine Zunge an ihren Zähnen vorbei und erstickte ihre weiteren Worte mit einem harten, fordernden Kuss.
Zappelnd begehrte sie mit ihrem vom Duschen noch feuchten Körper auf, während gleichzeitig ihre Lippen mit erregender Gier über meine strichen. Ich unterbrach den Kuss. »Bettle darum.«
»Nein«, keuchte sie und versuchte, ihre Hände zu befreien. »Lass mich los.«
Heiliger Jesus, sie war heiß. Ihre Brüste hüpften und wippten, während sie sich mir entgegendrängte. Mit ihren fiebrig geröteten Wangen sah sie noch unwiderstehlicher aus, und für einen Augenblick verlor ich die Beherrschung, als die Vorfreude darauf, wieder in sie einzudringen, meinen Siegeswillen übertrumpfte.
Als ich den Griff um eines ihrer Handgelenke lockerte und sie es freibekam, musste ich ausweichen, sonst hätte sie mir den Ellbogen in den Hals gerammt. »Ich bettle niemals.«
Mein Schwanz pochte zwischen ihren Beinen, es gab nun kein Zurück mehr. Es ging nicht länger um meine Befriedigung, sondern darum, Kat gewinnen zu lassen und trotzdem meinen Willen zu bekommen. Der Anker, der mich in der Dunkelheit meiner verpfuschten Vergangenheit festhielt, gab nach, als sie schwer atmend unter mir lag, ihre Augen geweitet und fast … ängstlich?
Verdammter Mist. Was war in mich gefahren?
»Ich werde dich loslassen, aber die neue Regel lautet: Fass mich nicht an.« Ich wartete, bis sie nickte, bevor ich ihre Handgelenke freigab. Bei dem Gedanken, dass ich ihr mit Sicherheit blaue Flecken beigebracht hatte, übermannte mich das schlechte Gewissen. Ich hatte ihr nicht wehtun wollen, aber bei Kat verlor ich die Kontrolle, und ich brauchte sie zurück. Das war der einzige Weg für mich.
Ihre Brust hob und senkte sich, ihre erigierten Nippel strichen mit jedem Atemzug über meinen Oberkörper. »Ream, warum hast du – ?«
Ich schnitt ihr das Wort ab, bevor sie Fragen stellen konnte, die ich keinesfalls beantworten würde. Genau deshalb war es ein Fehler, eine Frau mehr als einmal zu vögeln. Zu viel Nähe. Fragen. Der Wunsch nach mehr als einfach nur schnellem, hartem Sex.
Indem ich den Mund auf ihren presste, erstickte ich jeden weiteren potenziellen Einwand, wenngleich Kat in den vergangenen achtundvierzig Stunden gegen nichts, was ich mit ihr getan hatte, Einwände vorgebracht hatte. Dafür dankte ich Gott.
Stöhnend vergrub sie die Hände in meinen Haaren. Mich überlief ein kalter Schauder, der meine Begierde zunichte zu machen drohte.
»Nein! Hände ans Kopfteil!« Sie schloss die Finger darum, und ich drückte sie mit meinem ganzen Gewicht nach unten, während ich meine Erektion an ihrem Schoß rieb.
Sie ist nur irgendein Betthäschen, mehr nicht.
Mädchen waren Objekte für mich. Ich benutzte sie, und sie benutzten mich. Was das betraf, spielte ich immer mit offenen Karten, und nie ließ ich eine über Nacht bleiben. Ich kuschelte nicht und hatte auch gar nicht das Bedürfnis danach … bis Kat in mein Leben getreten war.
Die Dämonen lagen noch immer auf der Lauer, aber mit Kat war es mehr als schneller Sex, mit dem ich versuchte, die Vergangenheit auszulöschen. Bei ihr fühlte ich mich wie ein echter Mensch und nicht wie eine Maschine, die vögelte, um sich selbst zu beweisen, dass sie nicht mehr als das wollte.
Solange wir es auf meine Weise tun konnten, solange Kat meine Regeln befolgte, würden die Dämonen vielleicht auf Abstand bleiben, und wir hätten eine Chance. Ich hätte eine Chance. Und die wollte ich verdammt noch mal, zusammen mit ihr.
Nach den vergangenen zwei Wochen wusste ich auch ohne den Sex, dass das mit uns etwas anderes war. Kat war anders. Sie war stark und direkt, und das war extrem erfrischend. Sie war kein schwärmerisches Groupie, das mich mit den Augen verschlang, wenn ich Gitarre spielte, und mir anschließend an die Hose wollte. Ich war mein Leben lang benutzt worden, aber bei Kat hatte ich diesen Eindruck nicht, und ich wollte, dass dieses Gefühl anhielt. Nein, ich würde sie nicht gehen lassen. Sanft streichelte ich mit den Fingerspitzen ihre Schläfen. »Du gehörst mir, Kitkat.«
Sie sah mich mit großen Augen an. Meine Worte waren für mich selbst ein Schock, was ich da sagte, begriff ich erst, als sie schon heraus waren. Trotzdem würde ich Anspruch auf dieses Mädchen erheben … zumindest, bis ich mit ihm fertig war.
»Baby?«
Sie zögerte, und ich verspannte mich, als ein Ausdruck des Unbehagens über ihr Gesicht huschte, doch er wurde gleich darauf von einem flirtenden Blick aus strahlend blauen Augen ersetzt. »Nein, ich gehöre dir nicht.«
Ich hatte mir schon gedacht, dass sie etwas in der Art sagen würde. So wild sie sich im Bett auch gebärdete, war sie ansonsten ein reservierter Mensch.
»Aber du kannst ja dein Bestes versuchen, um mich vom Gegenteil zu überzeugen.«
Jawohl, das konnte ich. Ich küsste sie wieder – hart und unnachgiebig, als wollte ich mir selbst beweisen, dass wir es einfach nur miteinander trieben. Doch so war es nicht. Das hatte ich schon gewusst, bevor ich sie auch nur geküsst hatte.
Als ich die Lippen von ihren löste, glitzerten ihre Augen vor Verlangen. Sie begehrte mich, und es freute mich maßlos, dass ich diese Reaktion bei ihr hervorrufen konnte. Ich saugte an ihrer Brustspitze, dann bahnte ich mir küssend den Weg weiter nach unten, bis zu ihrem Bauchnabelpiercing, wo ich die Zunge um den kleinen Brillanten kreisen ließ. Kat lag mit geschlossenen Augen da, jeder Muskel verkrampft in gespannter Vorfreude darauf, meinen Mund an ihrer Klitoris zu spüren. Ich konnte es nicht erwarten, sie abermals zu schmecken, die Macht über sie zu haben, ihr Lustschreie zu entlocken. Weil es zu viel Zeit in Anspruch nahm, besorgte ich es einer Frau nur selten mit dem Mund, allerdings hatte ich es bei Kat bereits zweimal getan und genüsslich beobachtet, wie sie sich unter meinen Liebkosungen wand.
Sie senkte die Hände und grub die Finger in meine Schultern.
Ich versteifte mich. »Hände weg.«
Sie öffnete die Augen. »Was ist denn los?«
Sie streichelte meine Haut, und die Stimmen umschlossen mich wie ein dichter, schwarzer Nebel, der mich zu ersticken und das hier kaputt zu machen drohte. »Nicht. Anfassen.« Ich zog mich zurück, bereit aufzustehen, als sie die Hände wegnahm und wieder das Kopfteil umfasste. »Ream?«
Gott, ich liebte es, wie sie meinen Namen sagte. Ihre sanfte Stimme schien in ihrer Brust zu vibrieren. Ich seufzte, als ich merkte, wie die Anspannung aus meinem Körper wich. »Ja, Baby?«
»Ream … fick mich.«
Dagegen gab es nichts einzuwenden. »Das habe ich vor.«
Ich streichelte ihre rasierte Scham, dabei wünschte ich, ich könnte sie noch einmal schmecken, aber es war nicht der richtige Zeitpunkt. Stattdessen ließ ich meinen Schwanz in die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen eintauchen.
»Du bist ganz nass.«
Sie lächelte, dann leckte sie über ihre Oberlippe. »Oh, ja. Nur für dich. Und jetzt steck ihn mir rein.«
Ich hob ihre Hüften an, schob die Hände unter ihr Gesäß und stieß mit aller Kraft zu.
Mit leichtem Druck ließ ich die Farbwalze über die Wand rollen, hoch und runter, vor und zurück. Ich hasste Streichen generell, aber was das Ganze noch toppte war, dass dies ein Farmhaus ohne Klimaanlage war, und das mitten im Sommer. Ich warf einen Blick zu Kat, die auf der Leiter stand und den Fensterrahmen strich – zumindest sollte sie das eigentlich tun. Stattdessen starrte sie mich an, während ihre Hand regungslos den Pinsel gegen die Fensterscheibe presste, sodass dessen Borsten darauf einen dicken gelben Klecks hinterließen.
Es war niedlich. Verdammt, Kat war niedlich. Nicht optisch, nein, was das betraf, fiel sie eher in die Kategorie majestätisch. Aber ihre Persönlichkeit war niedlich. Kat hatte etwas tief Aufrichtiges an sich, es kümmerte sie nicht, ob sie ungeschminkt oder voller Dreck war. Auch wenn sie sich an dem Abend, als wir uns zum ersten Mal im Avalanche begegnet waren, sexy herausgeputzt hatte, mit ihrem verführerisch kurzen Kleid, den Smokey Eyes und den vollen roten Lippen.
Als sie auf die Ranch gezogen war, hatte ich sie besucht, um nach ihr zu sehen, weil … nun ja, ihre beste Freundin war vermisst und Kats Leben vom Leadsänger meiner Band auf den Kopf gestellt worden. Ich war es Logan schuldig, meine Hilfe anzubieten, doch am Ende wurde weit mehr daraus. Ich blieb, wenn auch nicht wegen Logan, sondern wegen Kat.
Ungeachtet der jüngsten Geschehnisse zeigte sie eine unerschütterliche Entschlossenheit. Mann, das Mädchen legte sich sogar unter einen Traktor, um einen Ölwechsel vorzunehmen. Da sie keine Ahnung hatte, wie man das anstellte, krabbelte am Ende ich unter das versiffte Fahrzeug, um ihr zur Hand zu gehen. Ich kannte mich mit Traktoren selbst nicht aus, dafür aber mit Autos, und so süß es auch war, Kat mit Fett beschmiert zu sehen, hasste ich den Gedanken, sie könnte sich wehtun. Es war ein ungewohntes Gefühl, weil ich mich sonst nie um ein Mädchen sorgte.
Ich warf die Rolle in die Farbwanne, zog mein T-Shirt aus meiner Gesäßtasche und ging zu ihr, um die Farbe vom Fenster zu wischen. Kat starrte mich noch immer an, aber ihr Blick galt nicht meiner nackten Brust, sondern meinem Gesicht, so als hätte sie es nie zuvor gesehen. Keine Ahnung, was genau in diesem Moment passierte, doch er änderte alles.
Ich legte einen Arm um ihre Schenkel und hob sie von der Leiter, dann nahm ich ihr den Pinsel aus der Hand und ließ ihn auf die Plastikplane fallen, die den Fußboden bedeckte.
»Lass uns etwas essen. Ich übernehme das Kochen.« Ich nahm ihre Hand und führte sie nach unten in die Küche, wo ich sie sich auf einen der Barhocker setzen ließ, bevor ich die benötigten Zutaten aus dem Kühlschrank und den Schränken holte.
»Ich helfe dir.« Sie hatte schon einen Fuß auf dem Boden, als ich von dem Hühnchen, das ich gerade aus der Verpackung nahm, aufsah. Kat war ein willensstarkes Geschöpf, das wusste ich. Sie wartete nicht darauf, dass jemand sie bediente oder sich zu ihrem Beschützer aufspielte. Aber es war nun einmal so, dass ich gegenüber Menschen, die mir am Herzen lagen, einen immensen Beschützerdrang verspürte.
Sie zu verlieren, hatte das bei mir bewirkt. Um nicht zu riskieren, dass so etwas jemals wieder passierte, hielt ich die Mädchen auf Abstand – mit Ausnahme von Kat.
»Setz dich«, befahl ich. Es war mir wichtig, die Kontrolle zu haben – wahrscheinlich, weil es mir als Kind daran gemangelt hatte, und jetzt übertrieb ich es. Nein, nicht wahrscheinlich, sondern definitiv.
Der Umgang zwischen Kat und mir war ungezwungen, wir kamen gut miteinander aus, hatten uns auf Anhieb verstanden. Ich wollte Zeit mit ihr verbringen, sie lächeln sehen und lachen hören … verdammt, was war bloß los mit mir? Eine Beziehung kam für mich nicht infrage. Ich brachte es nicht einmal fertig, ein zweites Mal mit derselben Frau zu schlafen. Und wenn ich Sex hatte, wünschte ich mir nur, er wäre vorbei. Könnte ich bei Kat anders empfinden? Nein. Meine Vergangenheit war mit zu viel Dreck besudelt.
Kat schnappte sich das Schneidbrett neben der Mikrowelle und legte es auf die Arbeitsplatte, während ich gleich daneben das Huhn zerteilte. Dann wusch sie sich die Hände und machte sich daran, das Gemüse zu zerkleinern. Ich hätte wissen müssen, dass sie meinen Befehl ignorieren würde, und vielleicht war es genau das, was ich brauchte: ein Mädchen, das mir die Stirn bot.
Sie summte leise einen Maroon-5-Song, und etwas in mir schwoll an. Nicht zwischen meinen Beinen, sondern in meiner Brust, wo ich es niemals erwartet hätte. Es war ein verdammt gutes Gefühl.
Rums. Das Geräusch einer zufallenden Tür riss mich aus dem Schlaf. Ich drehte mich auf die Seite in der Erwartung, den seidenweichen, warmen Körper, mit dem ich mich die letzten achtundvierzig Stunden verlustiert hatte, neben mir zu finden, aber Kat war nicht da. Ich setzte mich auf und rieb mir über den Kopf, dabei überlegte ich, sie in die Dusche zu zerren und vor dem Frühstück noch einmal zu nehmen. Da sie ganz eindeutig keine Einwände gegen meine Vorlieben hatte, sprach nichts dagegen, sie noch eine Weile länger zu behalten. Vor allem, nachdem sich die Stimmen nur dieses eine Mal, als ich mir von ihr einen hatte blasen lassen, bemerkbar gemacht hatten.
Doch dann sah ich, wie sie in ihre Jeans schlüpfte. »Was wird das? Wo zur Hölle willst du hin?«
»Ich habe Pläne.« Sie zog sich ihr T-Shirt über und schnappte sich ihre Handtasche.
»Pläne?«, wiederholte ich stirnrunzelnd. »Hattest du vor, mich zu wecken?«
»Nein. Du kannst hier warten. In ein paar Stunden bin ich zurück. Ich habe einen Termin.«
Dies war die Wohnung ihres Bruders Matt, und ich hatte nicht die Absicht, in ihrer Abwesenheit hier herumzulungern. Meistens übernachtete er in seinem Club, dem Avalanche, aber das hieß nicht, dass er nicht vorbeischneien könnte. Um mich nackt im Bett seiner Schwester vorzufinden. Das fehlte mir gerade noch.
Ich stand auf und ging auf sie zu. Sie rührte sich nicht vom Fleck, bis ich ihr die Arme um die Taille schlang, sie auf meine Schulter hob und ihr den Hintern versohlte.
»Ream!«, schrie sie. Ihre Handtasche fiel auf den Boden, als Kat sich an meiner Hüfte abstützte.
»Sag ihn ab.« Ich musste sie noch ein letztes Mal haben. Anschließend konnten wir getrennte Wege gehen.
»Ream, ich kann nicht. Es ist wichtig.« Beim letzten Wort wurde ihre Tonlage eine Oktave höher, weil ich sie aufs Bett warf.
Mein Glied wurde steif bei ihrem Anblick, wie sie da lag, ihre blonden Haare zerzaust, auf ihren vollen Lippen ein rosa schimmernder Lipgloss.
Sie krabbelte zum Bettrand, aber ich erwischte sie, bevor sie ausbüxen konnte. »Ich bin noch nicht fertig mit dir«, sagte ich. Plötzlich war ich mir nicht mehr sicher, ob ich das je sein würde. Was zum Geier? Ich kannte sie seit gerade mal zwei Wochen, und schon dachte ich über eine Beziehung nach? Ich hatte noch nie eine gehabt, mir nie eine gewünscht, es nie auf eine angelegt. Ich wollte keine Freundin, aber Kat … sie war stark. Sie könnte mit meinen Problemen umgehen. Und die waren gewaltig.
Wäre es denkbar? Oder würde mich dieses schlimme Gefühl von Ekel auch mit ihr wieder einholen?
»Es ist mir ernst, Ream. Ich darf diesen Termin nicht versäumen.«
Wenn ich sie mir entschlüpfen ließe, würde ich vergessen, wie es sich anfühlte, auf diese Weise Sex zu haben? Würde mich von Neuem diese emotionslose Kälte übermannen, so als wäre ich tot? Das durfte nicht geschehen. Ich wollte das nicht und würde alles dafür tun, um dieses Gefühl am Leben zu erhalten.
Ich senkte meinen nackten Körper auf ihren, spürte den rauen Stoff ihrer Jeans an meinem Ständer. Ich musste ihre verdammten Klamotten loswerden, und das so schnell wie möglich. »Dann verschieb ihn eben.«
Sie versetzte mir einen Stoß gegen die Brust, als ich ihre Hose öffnete. »Das geht nicht. Im Ernst, Ream.« Sie boxte mich in die Schulter, und dieses Mal sah ich auf, meine Hände hielten an ihrem Reißverschluss inne.
Ich streckte den Arm aus und nahm mein Handy vom Nachtkästchen. »Ich werde ihn auf morgen verlegen. Wie ist die Nummer?« Ich tippte auf einen Friseur- oder Nagelstudiotermin. Frauen waren eigen, was solchen Humbug betraf.
Kat verdrehte die Augen. »Ich bin in wenigen Stunden zurück.«
»Nein.« Ich legte die Hand auf ihre Scham und lächelte verstohlen, als ich sie stöhnen hörte. Doch zu meiner Enttäuschung zwängte sie sich gleich darauf unter mir heraus und stand auf.
Ich ließ mich auf die Matratze fallen und schloss die Augen. »Du und ich, wir sind noch nicht fertig miteinander, Kat.« Auf gar keinen Fall. Ich wollte nie wieder diese innere Taubheit spüren, die mich überkam, wenn ich mit einem Mädchen schlief, das mir am Allerwertesten vorbeiging.
»Wenn du meinst.« Sie verstummte und hantierte mit irgendetwas herum. »Wir sehen uns später.« Ihre Stimme war zu hoch, und als ich mich aufsetzte, fand ich sie auf allen vieren vor, während sie den Krimskrams zurück in ihre Handtasche steckte, der herausgefallen sein musste, als ich sie über meine Schulter gelegt hatte.
Ich schwang die Beine über den Bettrand, um ihr zu helfen, als ich es sah.
Von absoluter Fassungslosigkeit überwältigt, starrte ich auf den Gegenstand.
Kat wurde regungslos.
Dann hechteten wir im selben Augenblick danach, aber ich war näher dran und erwischte ihn als Erster.
»Was zum Henker hat das zu bedeuten?« Mein Herz hämmerte vor Zorn und Enttäuschung. Scheiße. Ich hatte gewusst, dass sie zu gut war, um wahr zu sein. Allmächtiger. Ich ballte die Faust um die Spritze und erdolchte Kat mit Blicken. So ein verfluchter Dreck. Warum nur? Warum musste mich diese Kacke in jedem Abschnitt meines Lebens wieder einholen?
»Es ist nicht, wie du denkst, Ream.« Sie streckte mir die Hand hin. »Gib sie mir zurück.«
»Sagen sie das nicht alle?« Ich stieß sie weg. Was für eine gottverdammte Verschwendung.
Übelkeit machte sich in meinem Magen breit. Ich wollte kotzen, wenn ich die Nadel nur anschaute. Es war, als würde mir mit dem Zipfel eines nassen Handtuchs ins Gesicht geschlagen.
Als ich fühlte, wie ihre zarte Hand meinen Bizeps umschloss, riss ich mich los und stieß die Badezimmertür auf.
»Ream, nein«, rief sie.
Ihre Stimme klang panisch. Kein Wunder. Sie war ein beschissener Junkie, der Angst hatte, seinen Stoff zu verlieren. Weder wollte noch brauchte ich diesen Scheißdreck. Um keinen Preis der Welt würde ich noch einmal diesen Weg einschlagen.
Ich zog die Verschlusskappe von der Nadel.
»Verdammt, Ream, wage es ja nicht!« Sie grapschte nach der Spritze, dabei schlug sie sie mir versehentlich aus der Hand, und sie rollte über die Keramikfliesen.
Wir stürzten uns gleichzeitig darauf, mit dem Erfolg, dass Kat auf mir landete, als meine Knie mit dem Boden kollidierten. Ich spürte ihr Gewicht kaum und warf sie mühelos ab, sodass sie rückwärts auf den Hintern fiel.
Ich schnappte mir die Spritze und stand auf, dann drehte ich mich zu Kat um und schüttelte angewidert den Kopf. »Wie armselig.« Ich drückte den Kolben nach unten und leerte die klare Flüssigkeit in die Toilette. Nachdem ich gespült hatte, brachte ich die Verschlusskappe wieder an und legte die Spritze auf den Waschtisch. Ich konnte Kat nicht mal mehr ansehen, so sehr ekelte es mich. Vor ihr. »Ich bumse nicht mit Junkies. Basta. Das war’s.« Verdammt. Wie konnte mir das entgangen sein? Ich kannte die Anzeichen, aber bei ihr hatte ich sie irgendwie übersehen.
»Du Bastard!«
Der Zorn in ihren Augen verwirrte mich. Wieso zur Hölle war sie wütend auf mich? Schließlich war sie hier das Problem. Das war mal wieder typisch für diese Irre.
Sie rappelte sich hoch, anschließend drosch sie auf meine Brust ein, bis ich mit dem Rücken gegen die Wand prallte. Mir blieb nichts anderes übrig, als es mir gefallen zu lassen, weil ich ganz sicher keine Frau misshandeln würde, noch nicht mal eine, die ihre Wut an mir ausließ, weil sie ihren Schuss nicht bekam.
Zweifellos handelte es sich bei ihrem Termin um ein Treffen mit ihrem Dealer.
»Du bist so ein Flachwichser.« Sie stieß mich mit beiden Händen kraftvoll gegen die Badezimmerwand. »Danke für den Fick, Arschloch. Und jetzt verpiss dich.«
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich kehrte ins Schlafzimmer zurück, zog meine Jeans an und streifte mir mein T-Shirt auf dem Weg zur Wohnungstür über den Kopf.
Dann blieb ich stehen und fuhr mit dem Finger über den tätowierten Schmetterling an meinem rechten Arm. Darum musste ich gehen. Wegen der Drogen. Scheiße. Der Schmerz in meiner Brust war unerträglich, so als würde mein Herz in einem Schraubstock stecken und jeden Moment explodieren. Ich musste an die frische Luft, und das schnell. Ich ertrank in den Erinnerungen an Haven, und wenn ich nicht sofort von hier wegkäme, würde ich mich übergeben.
»Wenn du irgendwem davon erzählst, kastriere ich dich.«
Ich ging zu ihr zurück, dabei bemerkte ich das Aufscheinen von Panik in ihren Augen. Kat war furchtlos, zumindest hatte ich das geglaubt. Ich packte sie an den Armen, bevor sie die Chance hatte auszuweichen.
»Wieso?«, fuhr ich sie an. Ich musste es wissen. »Sag mir verdammt noch mal den Grund.« Warum musste sie alles zerstören?
Ich würde sie nicht loslassen, solange sie es mir nicht sagte. Ich musste es aus ihrem Mund hören. Das schien ihr bewusst zu sein, denn sie antwortete.
Abrupt ließ ich die Hände sinken. Sie sprach weiter, aber in meinem Kopf herrschte ein solches Tohuwabohu, dass ich kein Wort mehr hörte.
Nein. Großer Gott, nein.
Mir entglitt die Kontrolle, ich musste sofort hier raus. Ich bekam keine Luft mehr und würde ersticken. Der Kontrollverlust würde mich umbringen. Es gab keine Barriere gegen die Gefühle, die auf mich einstürmten. Ich war darauf nicht gefasst gewesen, doch in diesem Moment begriff ich, dass Kat mehr gewesen war als ein Achtundvierzig-Stunden-Fick.
Und jetzt war alles ruiniert. Ihre Worte zerschmetterten die klitzekleine Hoffnung darauf, dass ich den Anker hieven und in Freiheit gelangen könnte.
Stumm verließ ich die Wohnung, zu angeschlagen, um irgendetwas zu sagen.
Kat
Die Arme über den Kopf gehoben wiegte ich mich zum Rhythmus der Musik in den Hüften, während von hinten ein Paar Hände meine Taille umfasste. Seit meiner letzten Begegnung mit Ream waren zwei Tage vergangen, und mir war immer noch schlecht. Ich hatte geglaubt, eine durchtanzte Nacht im Avalanche würde mir dabei helfen, ihn zu vergessen, doch stattdessen fachte es meine Erinnerung an, deshalb betäubte ich sie mit Wodka.
Ich hasste jede Sekunde, in der ich die Hände des Typen spürte, aber es war meine Strafe, der meinem Selbsterhaltungstrieb geschuldete Versuch, mir einzureden, Ream sei nur irgendein x-beliebiger Kerl. Nicht wichtig.
Jeder Schluck war, als würde ein Apfel in meiner Kehle feststecken. Jeder Atemzug zog mich noch ein bisschen weiter runter, bis sich der Schmerz durch den Wodka zu einem dumpfen Pochen abschwächte.
Ich hatte nie jemandem von meinem Problem erzählt. Nicht einmal Emily wusste davon. Nur Matt. Und Ream war der beste Beweis dafür, was passieren würde, wenn irgendjemand es herausfände.
Der Mann flüsterte mir etwas ins Ohr und unterbrach meinen Gedankenstrom. »Komm heute Nacht mit zu mir, Süße.«
Ich erschauerte, aber nicht auf eine gute Weise. Eigentlich sollte ich mich begehrt fühlen, weil er sich an mir rieb, stattdessen empfand ich Abscheu. Reams Zurückweisung hatte selbst meinem gewohnten Flirtverhalten einen krassen Dämpfer versetzt.
Normalerweise liebte ich die Aufmerksamkeit. Nicht, dass ich darauf reagierte. Die Kerle waren nur Staffage, ein Mittel, um mich begehrenswert zu fühlen. Und sie standen auf mich, auf meine blonden Haare, die langen Beine. Ich flirtete gern, war mehr als zufrieden mit meinem Aussehen, aber innerlich … innerlich löste ich mich auf.
Trotzdem bemühte ich mich, jeden Tag ohne Reue zu leben.
Bis jetzt.
Jetzt war ich von Reue erfüllt.
Wegen Ream. Weil mir vor ihm nie ein Mann genug bedeutet hatte, um mich so tief verletzen zu können. Aus unserem One-Night-Stand war während der Zeit, die wir gemeinsam auf der Ranch verbracht hatten, eine tiefere Bindung erwachsen. Anfangs war kein Sex im Spiel gewesen, und genau deshalb tat es jetzt umso mehr weh. Wir waren Freunde geworden, doch das war jetzt vorbei.
Zwei Wochen lang waren wir einfach nur wir selbst gewesen. In großer Sorge um unsere Freunde hatten wir uns gegenseitig Halt gegeben. Unser Umgang war normal und locker gewesen, ohne Spielchen oder sexuelles Geplänkel. Das hatte sich erst nach Emilys Rückkehr geändert. Obwohl wir beide nicht mehr als einen One-Night-Stand gewollt hatten, war irgendetwas zwischen uns passiert. Ich dachte, Ream hätte es ebenfalls gespürt. Das war offenbar ein Irrtum gewesen, aber am schlimmsten war, wie sehr ich es vermisste, jeden Tag Zeit mit ihm zu verbringen. Das schmerzte mehr als der fehlende Sex.
»Kat.« Es war seine Stimme. Gott, ich hörte sie noch immer in meinem Kopf. Was war bloß los mit mir? Warum tat es so sehr weh? Der Sex war fantastisch gewesen, grob zwar, zudem hatte Ream gern das Sagen, aber damit kam ich klar. Tatsächlich war es sogar erregend, ihm die Kontrolle zu überlassen. Eine erfrischende Abwechslung, nachdem ich sie über jeden anderen Teil meines Lebens hatte. Gleichzeitig war der Sex nicht nur irre gut gewesen. Ich hatte Reams Distanz wahrgenommen, sein Bedürfnis, mich hart und schnell herzunehmen, und dann diese Sache mit dem Blowjob, den ich nicht zu Ende bringen durfte … da steckte irgendetwas dahinter –
»Kat.«
Oh Gott. Seine Stimme war real. Ich hielt mitten in der Bewegung inne und schaute über meine Schulter zu dem Mann, um dessentwillen ich ein paar Pillen mehr aus meinem Nachttisch geschluckt hatte, als ich es normalerweise tun würde.
»Wir müssen reden.«
Ream stand mit angespannter Miene und verkniffenen Lippen mitten auf der Tanzfläche. Er schien auf hundertachtzig zu sein. Die Frage war nur, ob er mich oder den Typen hinter mir mit Blicken erdolchte.
»Du hattest deine Chance, Arschloch. Eine zweite gibt es bei mir nicht.« Ich nahm meinen Tanzpartner bei der Hand und zog ihn durch die Menge zur Bar.
Mein Herz raste so heftig, dass es wehtat.
Ream folgte uns. »Verzieh dich«, sagte er zu dem Mann. Eine höfliche Bitte klang anders.
»Du bist echt ein Wichser«, sagte ich, dann wandte ich mich an meinen Tanzpartner. »Gibst du uns eine Minute?« Er zuckte die Achseln und steuerte zur Toilette. Ich setzte mich auf einen Barhocker und nickte Brett zu. Er schaute erst mich an, dann Ream, der hinter mir stand. Nach kurzem Zögern schraubte er den Kronkorken von einer Flasche Stella und schob sie mir hin. Brett warf noch einen Blick zu Ream, der kaum merklich den Kopf schüttelte, dann entfernte er sich, während Ream sich zwischen mir und dem Tresen positionierte.
Er lehnte sich nicht dagegen und wirkte weder unbehaglich, noch zeigte er auch nur einen Anflug von Reue. Nein, er stand kerzengerade vor mir und sah mich mit kalter Miene an.
Ich hob die Brauen. »Also, was willst du?«
»Das war eine ziemlich krasse Überraschung. Und du brauchtest zwei Wochen, um diese Bombe platzen zu lassen.«
Ich grapschte nach meiner Flasche und kippte ein Viertel davon runter, bevor ich sie auf die Theke knallte. Der Schaum stieg nach oben und floss über.
»Ich täusche mich nicht oft in Menschen«, fuhr Ream fort.
»He, Brett, wo bleibt mein Wodka?«, rief ich, als er einen anderen Gast an der Bar bediente. »Wird’s bald? Ich hab noch was vor.«
»Wer war dieser Kerl?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung, wie er heißt. Interessiert mich auch nicht. Sein Schwanz fühlt sich groß an. Mehr muss ich heute Nacht nicht wissen.« Die Worte sollten ihn verletzen, und obwohl ich ihm scheißegal war, ging es mir besser, nachdem ich sie gesagt hatte.
Schweigen. Ich musste Ream nicht erst anschauen, um zu wissen, dass er innerlich kochte. Die Luft um uns herum war derart stickig, dass ich kaum atmen konnte.
Brett stellte meinen Wodka vor mich hin. »Alles okay, Kat?«
Ich nickte.
Ream schloss die Finger um mein Handgelenk, als ich nach dem Glas greifen wollte. Ich blitzte ihn an. »Hände weg, Arschloch.«
Er hielt mich weiterhin fest, dabei schaute er mich derart durchdringend an, dass ich nervös auf meinem Hocker herumrutschte. So etwas passierte mir selten, aber da war etwas an Ream, was mir Angst machte. Nicht, dass er mir körperlich wehtun würde, und emotional hatte er das längst getan, nein, es war etwas anderes. Eine Dunkelheit, die unter der Oberfläche lauerte. Diese Scheiße brauchte ich nicht in meinem Leben; ich hatte genügend eigene Probleme.
»Du hast genug getrunken. Ich bringe dich zur Wohnung. Dort werden wir reden.«
Vielleicht hatte ich das, aber das war nicht seine Angelegenheit, und ich würde ganz sicher nirgendwo mit ihm hingehen. »Es gibt nichts zu bereden.« Dafür hatte er gesorgt. »Wir haben miteinander gevögelt, mehr nicht. Und jetzt nimm deine Flossen weg.«
»Ream«, mischte Brett sich mit warnender Stimme ein, woraufhin Ream mich losließ, doch das Zucken seiner Kiefermuskeln verriet, wie sehr er sich beherrschen musste.
Ich nahm mein Wodkaglas und leerte es in einem Zug, dabei hatte ich das Gefühl, als würde meine Kehle verätzt.
»Wir hatten zwei Wochen, bevor wir gevögelt haben.«
Ja, und auch die waren jetzt verloren. »Verschwinde, Ream.«
»Na schön, dann reden wir eben hier.« Er beugte sich vor und stützte die Unterarme auf die Seitenlehnen meines Barhockers. »Ich musste das erst verdauen, Kat.«
»Es schert mich einen Dreck, was du musstest. Das Ganze war ein Fehler. Warum schnappst du dir nicht eines von den Groupies, die um dich herumschwänzeln, damit ich mich auf meinen Fick heute Nacht konzentrieren kann?« Ich sah den Typen, mit dem ich getanzt hatte, gerade aus dem Gang kommen, der zu den Toiletten führte.
»Vergiss es, Kat. Du wirst auf keinen Fall mit diesem schwanzgesteuerten Idioten mitgehen.«
»Ach, dir wäre eine Muschi lieber? Hab ich noch nie ausprobiert, aber heute Abend bin ich zu allen Schandtaten bereit.«
»Sei still. Du wirst mit niemandem heimgehen, außer mit mir.«
»Oh nein.« Ich schüttelte den Kopf. »Dieser Schleppdampfer ist vor zwei Tagen in den Amazonas getuckert und wurde von einem Python in die Tiefe gezogen.«
Er fasste mich unter den Achseln, und für einen Moment wurde mir ein wenig mulmig. »Du wirst es wirklich mit diesem Kerl treiben, Kat?«
Ich legte die Hand auf seine Brust und bereute es in derselben Sekunde. Die Schmetterlinge in meinem Bauch gerieten in Aufruhr, und ich spürte ein Kribbeln zwischen den Beinen. Ich schob ihn weg, um aufstehen zu können, und schnappte mir mein Bier vom Tresen. »Ja, das werde ich. So wie ich es mit dir getrieben habe. Und jetzt bleib mir von der Pelle, Ream.«
Ich spürte seinen Blick im Rücken, als ich mich durch die Menge schlängelte. Für einen kurzen Moment fragte ich mich, ob ich wirklich das Richtige tat, dann zögerte ich nicht länger. Ich packte den Mann, mit dem ich zuvor getanzt hatte, an der Vorderseite seines Hemds und zog ihn zu mir heran. Dann neigte ich den Kopf zur Seite und küsste ihn.
Kat
Zwei Jahre, acht Monate später
Das Kribbeln in meinen Beinen und in meinem Bauch ging mir gehörig auf den Zeiger. Diese vertrauten Empfindungen waren die Reaktion auf die bevorstehende Rückkehr der Band nach ihrer achtmonatigen Tour.
In Wahrheit war nur ein Mitglied schuld an meinem Zustand. Ich hatte den Mistkerl nicht mehr gesehen, seit er kurz vor Tourstart irgendeine Tussi zu der Party mitgebracht hatte, die die anderen anlässlich meiner Entlassung aus dem Krankenhaus geschmissen hatten – nachdem ich von einem psychopathischen Frauenhändler angeschossen worden war, der es eigentlich auf Emily abgesehen gehabt hatte. Ich denke, das war der Zeitpunkt, zu dem ich realisiert hatte, dass Ream Gift für mich war. Das Toxin in meinen Adern nahm mir jeden noch vorhandenen Kampfgeist in Bezug auf Ream Dedrick.
An jenem Abend hatte ich mich von ihm besiegt gefühlt. Nichts war mir geblieben. Er musste das erkannt haben, als er mich über den Tisch hinweg angesehen hatte. Der Zorn, der sonst tief in seinen Augen loderte, war einem Ausdruck von Sorge gewichen. Warum, war mir ein Rätsel, nachdem er mich nicht ein einziges Mal im Krankenhaus besucht hatte. Der Drecksack hatte sich im selben Moment verpisst, als der Arzt erklärt hatte, dass ich außer Lebensgefahr sei.
Doch selbst danach noch hatte es mir bei seinem Anblick den Atem verschlagen, und mir war flau im Magen geworden wie bei einem Sprung von einer Klippe ins Meer. Wenn er mich ansah, war es um mich geschehen, ich fühlte mich wie eine Marionette, mit der er machen konnte, was ihm beliebte. Sonst hielt ich meine Gefühle immer im Zaum, aber bei Ream … er brachte mich dazu loszulassen. Manchmal stellte ich mir vor, wie es mit uns weitergegangen wäre, wenn er die Spritze nicht gefunden, ich es ihm niemals erzählt hätte.
Aber das hatte ich. Und vielleicht war es besser, dass er sich als Arschloch entpuppt hatte, bevor ich noch tiefer in die Sache mit ihm hineingeraten wäre. Ha, tiefer in Bezug auf Ream wäre maximal eine weitere Nacht gewesen, danach hätte er es sowieso beendet.
Am Abend meiner Rückkehr aus dem Krankenhaus hatte er noch einmal das Gespräch mit mir gesucht. Zugegeben, meine Reaktion war kindisch gewesen, ich hatte ihn nicht beachtet und so getan, als existierte er nicht. Ream, der es gar nicht schätzte, wenn man ihn ignorierte, hatte mich in der Küche in die Enge getrieben, während alle anderen auf der Terrasse gewesen waren. Vielleicht war ich doch nicht komplett besiegt gewesen, denn ich hatte ausgeholt und ihm eine geknallt.
In seiner Miene hatte sich solch ein Schock gespiegelt, dass mich die Erinnerung daran bis heute verfolgte.
Acht Monate lang hatte ich jetzt damit gelebt, dass dieser Blick gleich einem dunklen Schatten durch meine Träume geisterte und immer dann zum Vorschein kam, wenn ich am wenigsten damit rechnete. Monat um Monat war verstrichen, und ich dachte noch immer daran. Hatte ich diesen Ausdruck schon früher in seinen Augen gesehen? War ich derart wütend auf ihn gewesen, dass ich ihn erst bemerkt hatte, als meine Hand mit seiner Wange kollidiert war? Es fühlte sich an, als hätte ich mich selbst geohrfeigt. Etwas in mir zerbarst, und ich sah, was mir die ganze Zeit entgangen war: die Seelenpein, die sich hinter seinem Zorn versteckte.
Meine Hand hatte noch von dem Schlag gebrannt, als er ohne ein weiteres Wort einfach gegangen war.
Und jetzt, acht Monate später, würde er zurückkommen.
Emily hatte mich vor ein paar Wochen per SMS darüber informiert, dass die Band nach ihrer Heimkehr auf der Ranch wohnen würden – inklusive Ream. Ich redete mir ein, dass das okay sei, es mich nicht weiter tangiere, doch in Wahrheit würde Ream mich immer in gewissem Maß tangieren.
Ganz egal, welche Eiscremesorten man aufgetischt bekam, war die liebste dabei, war es so gut wie unmöglich, nicht davon zu kosten. Der Körper kontrollierte die Reaktionen, dagegen kam man nicht an.
»Und, Zuckerschnecke? Hast du dir schon überlegt, was du wegen Ream unternehmen willst?« Georgie biss in ihren Apfel, und Saft rann aus ihrem Mundwinkel. Sie fing ihn mit der Zunge auf, dann zwinkerte sie mir zu. »Die Situation zwischen euch ist extrem angespannt, und jetzt, wo Lance … Ich schlage vor, du setzt dich auf sein Gesicht und lässt dich von ihm lecken, bis er um Gnade winselt und dieser Mist zwischen euch ein Ende hat.«
Ich bedachte sie mit einem gereizten Blick. Georgie wusste ganz genau, dass die Vorstellung, Reams Zunge an irgendeinem Teil meines Körpers zu spüren, in mir das stille Verlangen wecken würde, das ich in den zwei Jahren und acht Monaten, seit wir miteinander geschlafen hatten, bezwungen hatte. Zumindest hatte ich es versucht. Ich war seit Ream mit keinem Mann mehr über das Knutschstadium hinausgekommen. Ein echtes Armutszeugnis. Zum Glück ahnte Ream das nicht, und ich würde dafür sorgen, dass er das Gegenteil vermutete. Auf keinen Fall sollte er mich für ein schwaches, verletzbares Geschöpf halten, in das er seinen Schwanz reingesteckt hatte.
»Hat Deck dich in letzter Zeit mal wieder hackevoll aus dem Avalanche geholt?«, konterte ich. Der furchteinflößende Deck, ehemals Elitesoldat der Task Force 2, schleifte Georgie regelmäßig von ihren Sauforgien weg. Er beschützte sie, als wäre sie eine Porzellanfigur. Dabei war Georgie eher ein Gummiball, der von jeder Scheiße, in die sie sich hineinritt, einfach weghüpfte.
»Keineswegs. Er hat sich vor drei Tagen abgeseilt. Gottlob. Ich hatte es allmählich satt, Batterien für meinen Vibrator zu kaufen.«
Ich verschluckte mich an meinem Mineralwasser und musste prusten. »Was höre ich da? Ich dachte, du magst ihn nicht. Im Sinne von kein bisschen. Du beschwerst dich in einer Tour über ihn.«
Georgie biss wieder von ihrem Apfel ab, dann warf sie das Kerngehäuse in den Müll. »Man muss einen Kerl nicht mögen, um auf ihn abzufahren. Hast du gesehen, was er zwischen seinen Beinen herumträgt?«
»Äh, nein.«
»Dann schau bei Gelegenheit mal hin. Außerdem herrscht bei mir Trockenzeit. Ich habe seit Monaten keinen geilen Typen mehr zu Gesicht bekommen. Außer vielleicht Lance, aber der ist tabu, wegen dieser dämlichen Freundinnen-Regel.«
Als würde Georgie je versuchen, sich an einen Typen ranzumachen, den ich datete. Ich war mir nicht mal sicher, ob sie überhaupt mit jemandem schlief. Sie redete und tat zwar so, als ob, aber sie hatte nie einen festen Freund gehabt, und ihr Gelabere über Sex war eben einfach nur Gelabere. Falls sie gelegentlich doch mit einem Kerl ins Bett stieg, wussten Emily und ich jedenfalls nichts davon.
»Dein neuer Lover ist rattenscharf, aber ich halte mich lieber an Deck. Natürlich nur in meiner Fantasie.«
»Natürlich.« Ich nickte. Meine eigenen Fantasien würden ausreichen, um ein Buch damit zu füllen, welches allerdings verbrannt werden müsste, weil nur ein einziger Mann darin vorkam. »Warum lässt du ihn nicht ran?« Es war mir nicht entgangen, wie Deck Georgie ansah; da war noch etwas anderes als der Schwur, auf sie aufzupassen, den er ihrem Bruder geleistet hatte. Riot, sein Rufname bei der JTF2, war vor zwei Jahren während eines Einsatzes in Afghanistan gestorben. Deck hatte die kanadische Antiterroreinheit anschließend verlassen und sein eigenes Unternehmen gegründet. Er war auf gefährliche Undercover-Missionen spezialisiert, Genaueres wusste ich nicht.
Georgie zögerte eine Sekunde, und ich bemerkte einen Anflug von Unsicherheit bei ihr. Gleich darauf war sie wieder ganz die Alte. »Weil es mit Deck keinen Spaß machen würde. Er ist ein solcher Pedant. Ich wette, bei ihm gibt es sogar Regeln dafür, wie man zu vögeln hat. Danke, ich verzichte. Die Missionarsstellung ist nicht mein Ding. Da halte ich mich lieber an meinen Fantasie-Deck.«
Ich war mir nicht sicher, ob ihre Einschätzung zutraf. Deck hatte eine eindringliche, ruhige, kontrollierende und mysteriöse Persönlichkeit. Wahrscheinlich kam sie auch im Bett zum Vorschein, und das war sexy. Ream war genauso. Und noch vieles mehr.
Das war eine schockierende Entdeckung gewesen und womöglich der Grund, warum ich keinen Geschmack mehr an anderen Männern fand. Ich hatte das Gefühl, ihn noch immer auf und in mir zu spüren, die süße Unnachgiebigkeit seiner Lippen auf meinen. Ich stellte ihn mir vor, wie er in der Küche stand und das Abendessen zubereitete. Ich spürte seine Hände, die mich unter dem Traktor hervorzogen, und erinnerte mich an seinen Blick, sein Stirnrunzeln, als wäre er um meine Sicherheit besorgt gewesen.
Leider hatte ich zu viel hineininterpretiert, dabei wusste ich es eigentlich besser. Ich hätte niemals mit ihm schlafen dürfen. Die Tatsache, dass er der Leadgitarrist einer Rockband war, war wie ein blinkendes Warnschild. Aber ich hatte mir eingebildet, Sex mit ihm haben zu können, und danach würden wir einfach wieder Freunde sein. Vielleicht hätte das sogar funktioniert, wenn mir nicht alles um die Ohren geflogen wäre.
Aber so einen Freund brauchte ich eh nicht. Das Problem war nur, dass sich unsere Wege immer wieder kreuzten. Ream hatte mich verletzt. Er hatte mich einfach sitzen lassen, als er etwas erfuhr, das ihm nicht gefiel, und zwei Tage später die Dreistigkeit besessen, wieder aufzutauchen, um die Dinge in Ordnung zu bringen. Doch das kam für mich nicht infrage. Ich hatte nicht die Zeit, irgendetwas wieder hinzubiegen, und zweite Chancen vergab ich keine.
Seither versuchten wir unentwegt, einander wehzutun, und selbst wenn wir über eine gesamte Armee verfügt hätten, um die Brücke zwischen uns neu zu erbauen, gab es kein ausreichendes Fundament, die sie gestützt hätte.
»Sie sind da«, jauchzte Georgie, bevor sie nach meiner Hand grapschte und mich zur Haustür zog. »Komm schon, leg dich ins Zeug. Sorg dafür, dass er sich wünscht, heute Nacht deine Muschi kosten zu dürfen.«
Meine Nerven lagen blank, und ich konnte nicht verhindern, dass meine Knie zitterten, darum blieb ich im Eingang stehen und lehnte mich gegen den Türrahmen.
»Hasenfuß«, spottete sie und wackelte mit den Augenbrauen. »Vielleicht könnte Crisis meiner Trockenperiode ein Ende setzen. Ein geschickter Schwanz zwischen meinen Beinen … hm, das wäre eine feine Sache.«
Ich wusste, dass Crisis niemals so dumm sein würde, mit Georgie zu schlafen. Ebenso gut könnte er Deck ins Gesicht spucken. Und das würde er nicht tun, es sei denn, er legte es darauf an, in den Boden gestampft zu werden und künftig bei den Nacktschnecken zu leben.
Mir graute, als das Knirschen des Schotters unter dem Gewicht des schnittigen BMW vernehmbar wurde. Ich hatte das Gefühl, einer dieser Kiesel zu sein und im Profil der rotierenden Reifen festzustecken, die durch den Untergrund pflügten, während ich darauf wartete, dass der Wagen stoppte und meine Angst sich mit jedem Atemzug verstärkte.
Emily zufolge würde die Band bis zu einem Jahr bleiben, um ein neues Album aufzunehmen. Was bedeutete, dass Ream hier sein würde und wir uns endlich mit unserer verfahrenen Situation auseinandersetzen mussten. Sofern Ream es schaffte, fünf Sekunden lang rational zu sein. Ich widerstand dem Drang, auf dem Absatz kehrtzumachen, in mein Zimmer zu rennen und die Tür zuzusperren. Diese Option bestand nicht mehr, seit ich vor ein paar Jahren zwanzig geworden war. Es gab eine Obergrenze für kindisches Benehmen.
Ich rieb über den blauen Fleck an meinem Arm, wo ich mir vor einer Stunde die Spritze gesetzt hatte. Meine Abhängigkeit widerte mich an. Wenn nur Ream nicht seine große Klappe aufriss und den anderen von meinem Problem erzählte. Allerdings hatte er das bislang nicht getan, es bestand also Hoffnung, dass er weiterhin dichthalten würde. Trotzdem wusste ich nicht, ob ich es schaffen würde, ihn ständig in meiner Nähe zu haben, mit ihm unter einem Dach zu leben.
Nein. Dies war mein Zuhause, und Ream würde mich nicht vertreiben. Ich bestritt meinen Lebensunterhalt, indem ich die Pferde malte, und ich brauchte dieses Einkommen, um mir irgendwann ein eigenes Heim leisten zu können. Die sechs Bilder umfassende Serie, die ich von Havoc angefertigt hatte, erregte viel Aufmerksamkeit in Lances Galerie. Mit ihrer langen Mähne und den wohl geformten Muskeln haftete der grauen Stute etwas Majestätisches an. Die Darstellungen von ihr waren ein solcher Erfolg, dass Logan in wenigen Wochen eine Einzelausstellung für mich veranstalten würde.
Ich hatte es monatelang umschifft, mit ihm auszugehen, was nicht leicht gewesen war. Der Mann war hartnäckig, wenn auch nicht auf nervige Weise. Also hatte ich schließlich zugestimmt, und das nicht zuletzt, weil der Teil von mir, den ich verborgen hielt, mir dazu riet, damit ich bei Reams Rückkehr durch Lance davor bewahrt würde, noch einmal einen Weg zu beschreiten, den zu meiden ich mir geschworen hatte.
Georgie hüpfte die Verandastufen hinunter und quer über die Einfahrt, dabei wurden ihre in pinkfarbene Spitzen auslaufenden Haare in alle Richtungen gewirbelt. Sie erinnerte mich an einen Flamingo, nur bewegte sie sich nicht so anmutig.
In mir tobte ein solcher Aufruhr aus Nervosität, Sehnsucht, Ärger und Unsicherheit, dass ich das Gefühl hatte, unter einem gigantischen Vergrößerungsglas der brennenden Sonne ausgesetzt zu sein. Die Vorstellung, Ream wiederzusehen, machte mich ganz hibbelig. Nein, das war die Untertreibung des Jahrhunderts. Ich fühlte mich wie ein aufgeschrecktes Huhn.
In dem Bemühen, lässig und ungerührt zu erscheinen, lehnte ich, eine Hand in meine nach außen gedrehte Hüfte gestützt, im Türrahmen. Doch in mir drin hatte mein Herz Mühe, die heißen Ströme von Blut durch meine Venen zu pumpen – Blut, das von Reams Gift gekostet hatte und nach mehr gierte.
Emily stieß die Tür auf, noch ehe der Wagen ganz zum Stehen gekommen war, und ich musste lächeln, als ich hörte, wie Logan ihr zurief zu warten. Sie ignorierte ihn und sprang heraus, dann schlang sie die Arme um Georgie, und die beiden plapperten aufgeregt drauf los.
Emily sah unbeschreiblich glücklich aus. Ich hatte sie nicht mehr so strahlend und lebensfroh erlebt, seit … tatsächlich noch nie, dabei waren wir schon seit unserem zehnten Lebensjahr beste Freundinnen. Wir hatten zueinander gefunden, als ihr Vater an Krebs gestorben war und meine Eltern bei einem durch Alkoholeinfluss verursachten Autounfall ums Leben gekommen waren. Unglückseligerweise war mein Vater der betrunkene Lenker gewesen.
Logan schwang sich vom Fahrersitz, dabei ließ er Emily keine Sekunde aus den Augen. Er war ihr Schutzschild gegen alles Böse in der Welt. Ich wusste noch immer nicht genau, was während Emilys Kidnapping in Mexiko passiert war, doch es war offensichtlich, dass Logan alles für sie tun würde.
Als die Beifahrertür aufging und ein Paar lange, schlanke Beine zum Vorschein kam, machte mein Herz einen Satz, und ich grub die Finger in meine Hüfte. Wie in Zeitlupe schälte sich Reams über eins achtzig große Gestalt aus dem Wagen und richtete sich auf. Ich konnte nicht anders, als ihn anzustarren. Jedes Mädchen hätte das getan. Es wäre fast unnatürlich gewesen, es nicht zu tun. Nicht, weil er pinkfarbene Haare gehabt, herumkrakeelt oder abstoßend ausgesehen hätte. Ganz im Gegenteil. Er verströmte eine subtile, gefährliche Ruhe, und man hoffte instinktiv, dass er einen mochte, weil man sich andernfalls vor seine Füße werfen und um Gnade flehen würde.
Was mir natürlich im Traum nicht einfiele.
Ream blieb regungslos und mit undurchschaubarer Miene neben dem Auto stehen. Sexy wie der Teufel. Ich musste unweigerlich an Georgies Bemerkung über seine Zunge an meinem Körper denken, und mir stockte der Atem.
Es dauerte zwei Sekunden, bevor seine Augen mich entdeckten. Purer Besitzanspruch stand in ihnen. So als könnte er mir mit diesem einen Blick alles nehmen und es sich aneignen.
Dies war eine Bekundung, die mich mitten ins Herz traf, auf die ich nicht gefasst gewesen war. Verschwunden waren der Zorn und Kummer, den ich zuletzt in seinen Augen gesehen hatte, ersetzt durch unerschütterliches Selbstvertrauen.
Was es noch schlimmer machte, war die Gleichgültigkeit, die unter der Oberfläche schlummerte, so als interessierte es ihn einen feuchten Dreck, ob ich ihm die kalte Schulter zeigte oder nicht, weil er mich trotzdem nicht in Ruhe lassen würde. Meine Hand rutschte von meiner Hüfte, während ich mich unter seinem Blick wand und um Fassung rang.
Er schloss die Autotür, und das plötzliche Geräusch ließ mich zusammenzucken. Ream bemerkte es. »Mist«, murmelte ich.
