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Dankbarkeit ist eine Lebenshaltung, die glücklich macht.
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Seitenzahl: 89
Veröffentlichungsjahr: 2017
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TEIL I
Einleitung
Über drüber
Gabe und Aufgabe
Dankbarkeit fördert
TEIL II
Hindernisse der Dankbarkeit
Neid
Ärger
Jammerer
Problemwälzer
Gier
Träumer
Kämpfer
Bequemlichkeit
Egomane
Leere
Angst
Rausch
Perfektionist
Shoppingfreak
Kurzzeit
Maßlosigkeit
Tod
TEIL III
Von Dank umgeben
Aufbruch
Bischof Reinhold Stecher
Aurelius Augustinus
Mein eigener Aufbruch
Danken für Fortgeschrittene
Thomas Muster
Nick Vujicic
Franz von Assisi
Let’s Dank!
Essentials
Mehr als Dankbarkeit
Ge-danken Tag für Tag
Es freut mich, liebe Leser, dass Sie dieses Buch zur Hand genommen haben und wünsche Ihnen eine angenehme Lektüre.
Bei unserer letzten Begegnung haben wir über die Langeweile nachgedacht und hoffentlich viele gute Seiten an ihr entdeckt.
Eine davon ist ihre Aufgabe als Wegbereiterin zur Erkenntnis, dass das Leben schön ist.
Und wir daher berufen sind, dankbar zu sein.
Anknüpfend an das erste Buch möchte ich Ihnen heute erzählen, wie es mit meinem Leben im und nach dem Sommer 1988 weiterging.
Sommer haben es so an sich, dass sie lang sind.
Und recht ein-tönig. Gleiche Temperatur, gleiche Atmosphäre, gleiche Stimmung.
Mein Sommer 1988 war das alles zum Quadrat, denn er war doppelt so lang wie sonst. Im Juni hatte ich Matura und danach vier Monate Zeit bis zum geplanten Studienbeginn im Oktober.
Yo.
Na, gut, also…
Was machen wir jetzt?
Es soll Jugendliche geben, die auf diese berühmte Frage mit nur einem Wort antworten: Party!
Wenn sie nichts zu tun haben, wollen sie einfach mal Party machen, weil Partys für sie das Allerhöchste sind. Punkt.
Glücklicherweise war ich immer schon recht schüchtern veranlagt.
Glücklicherweise kannte ich ausreichend Menschen, die dies offensichtlich nicht waren, und am Ende all der Partys mit leeren Händen und Herzen dastanden.
Wozu dann also der ganze Aufwand?!
Soll heißen: Ich musste nicht alles ausprobieren, denn diese Mühe hatten mir Vorkoster und Vortrinker dankenswerterweise abgenommen.
Viele von ihnen waren älter als ich, viel berühmter, reicher, schöner, interessanter und was es sonst noch so an unfassbar Erstrebenswertem gibt. Eines hatten sie gemeinsam:
Den toten Blick.
Spätestens um vier Uhr früh.
Wenn dann endgültig und unausweichlich klar wurde, dass dieser Abend genauso leer gewesen war, wie die meisten zuvor.
Trotz Alk, trotz „Liebe“, trotz allem.
Mehr als Sex, Drugs und Rock ’n Roll war schon den alten Römern nicht eingefallen, sie nannten es halt Wein, Weib und Gesang.
Über kurz oder lang kam der Untergang.
Weil dekadent nicht lange hält.
Leere war auch mein Gemütszustand nach einem vergleichsweise harmlosen „Party-Mini-Marathon“. Es lag nicht an den Locations, den Typen oder sonstigen Ingredienzen, denn die konnten leider besser nicht sein.
Andernfalls hätte ich es wahrscheinlich unter geänderten Umständen nochmals probiert, doch nun war da nur noch nichts. Ich war buchstäblich am Ende, und das mit 18 Jahren, in der Blüte der Jugend.
Besser ging’s nicht mehr. Mehr gab es nicht.
Und genau das war das Problem.
Wenn man alles hat, was hat man dann noch?
Nette Hinweise von netten Menschen, dass man doch alles hat und eigentlich zufrieden sein müsste, helfen hier mal gar nichts, sondern machen die Qual nur größer.
Aber auch andere Kommentare sind in einer solchen Situation durchaus entbehrlich:
Jo, mei, hat er halt eine Existenzkrise. Da müssen wir alle mal durch, aber das wird schon wieder.
Bei mir wurde jedoch nichts wieder. Das Letzte, was ich wollte, war das Immer wieder des Immer gleichen.
Endgültigkeit hat auch ihre schönen Seiten.
Zumindest wusste ich nun eines ganz genau:
Was ich nicht wollte.
Und erstaunlicherweise reichte das mal fürs Erste. Ich brauchte nicht wissen, was ich wollte.
Es genügte tatsächlich zu wissen,
was ich nicht wollte.
Kurios aber wahr.
Einfach aber klar.
Und es war mir, der ich zu diesem Zeitpunkt noch sehr von Kommentaren anderer Menschen abhängig war, plötzlich erstaunlich egal, was andere denken, reden und tun.
Mir war es schlichtweg zu dumm, Dinge zu tun, deren unbefriedigendes Ende ich schon vorher kannte, weil ich es bereits unzählige Male erlebt hatte.
Bloß weil sonst nichts zu tun war, war für mich kein Grund mehr, denselben Schwach-Sinn noch mal zu tun.
Lieber tat ich nichts, als immer dasselbe.
Die Anderen konnten ruhig über mich ablästern, bei ihren großartigen Events war ich nicht mehr dabei.
Und war froh.
Lieber blieb ich im selbst gewählten Niemandsland, als einmal mehr in ausgekühlten Nudelsuppen Geschmack am Leben zu suchen.
Für Langeweile wollte ich keinen großen Aufwand mehr betreiben. Menschen, die in höherem Alter noch immer im Party-Modus lebten, waren für mich inspirierendes, abschreckendes Beispiel.
Lieber stellte ich mich der nüchternen Realität, als von Dingen zu träumen, die es schlichtweg nicht gibt.
Von einem Leben zum Beispiel, an dem jeder Tag und jeder Abend total neu, aufregend und unvergesslich sein könnte.
Wenn du mal alle vermeintlich angesagten Locations der Stadt abgegrast hast, wird dir bewusst, dass alle genau davon träumen und niemand es erreicht. Einfach mal das Land wechseln und andere Städte entdecken, hilft da leider auch nicht weiter.
Also…
… rein in die oft rauhe, leere Wirklichkeit, denn das infantile Bauen von aufregenden Luftschlössern war mir schlichtweg zu anstrengend geworden.
Hier sein, das Nichts aushalten und genießen, sonst nichts.
Mein recht gutes Gedächtnis war mir immer wieder eine große Hilfe, wenn natürlich auch Zweifel an meinem neuen, ungewöhnlichen Weg auftauchten. Ich brauchte mich nur an die toten Stunden erinnern, um dies nicht mehr erleben zu wollen.
Freunde hat man da schnell keine mehr, aber auf „Freunde“, die ihre Freundschaft über gemeinsame benebelte Stunden definieren, konnte ich problemlos verzichten.
Nun denn, ein Leben ohne Sinn
kann führen zu einem neuen Beginn.
Wo fängt man an, wenn man nichts mehr hat?
Bei Null.
Die 0 ist bei näherer Betrachtung besser als ihr Ruf.
Sie hat viel Leere aber auch viel Weite.
Sie gibt nichts vor, also schafft sie Freiheit.
Freiheit der Gedanken zum Beispiel, die nicht mehr tagtäglich dieselbe Routine durchrattern müssen:
„Wie kann ich es heute möglichst vielen Menschen möglichst recht machen, damit sie mich möglichst großartig finden?“
Wenn du es den Menschen einfach nicht mehr recht machen willst, weil du nachhaltig begreifst, dass die Dinge, die sie für recht halten, ihnen und dir schaden, atmest du schon einen ersten Zug der neuen, erfrischenden Freiheit.
Dann bist du nicht einfach ein armseliger Michael Kohlhaas, der verbittert und verbiestert der Welt zeigen muss, wo es lang geht, sondern ein Mensch, der beginnt zu leben.
Wir sind es uns und unseren Mitmenschen schuldig, dass wir nicht mitgehen beim großen Walking-Event des Rattenfängers von Hameln. Auch wenn wir Stimmen hören wie:
„Hallo Leute, kommt euch das nicht auch alles ein wenig seltsam vor, wo führt uns der denn hin...?“
„Ach, nein, das passt schon. Schau doch mal, wie viele da mitlaufen, das stimmt ganz sicher…!“
Gemeinsames Absaufen erweckt zwar gewiss starke gruppendynamische Gefühle, aber wenn die Community mal abgesoffen ist, hat leider niemand mehr was davon.
Ich wollte nicht absaufen in den Sümpfen der klinisch-reinen Spaßgesellschaft, die alles erlaubt und alles beklatscht, jedoch ganz plötzlich ihr wahres Unlustig-Gesicht zeigt, sobald sie selbst in Frage gestellt wird.
Befreit von dem Diktat, dauernd gut drauf sein zu müssen, spürte ich, wie ich immer besser drauf war.
Vorbilder hatte ich damals keine, auch keine Einflüsterer verborgener Glückslehren oder irgendwelche Führer zu großen, mannhaften Zielen, nein, ich fühlte mich eher wie der „last survivor“, der sich unter lauter Toten wenigstens den Willen zum Überleben bewahrt hatte.
Das bedeutete für mich, immerhin zu ahnen, dass es da noch mehr geben musste.
Und eine gewisse Bereitschaft, dafür auch etwas einzusetzen, schließlich ging es um nicht weniger als mein Leben.
An Spaß und gute Laune, wohlige Gefühle oder Anerkennung der Gesellschaft dachte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, all das hatte mich ja in die enge Lage gebracht, aus der ich nur noch rauswollte.
Irgendetwas war da noch, wonach ich mich sehnte.
Bloß, was?
Wenn der Mensch mit der Welt, die ihn umgibt, nichts mehr anfangen kann, kann er in einer anderen Welt anfangen.
Einfach mal die engen Grenzen überschreiten, den Blick weiten, über den eigenen Gartenzaun hinaus.
Transzendenz nennt man das, Wikipedia sagt dazu:
Transzendenz (von lateinisch transcendentia „das Übersteigen“) bezeichnet in Philosophie, Theologie und Religionswissenschaft ein Verhältnis von Gegenständen zu einem bestimmten Bereich möglicher Erfahrung oder den Inbegriff dieses Verhältnisses.
Als transzendent gilt, was außerhalb oder jenseits eines Bereiches möglicher Erfahrung, insbesondere des Bereiches der normalen Sinneswahrnehmung liegt und nicht von ihm abhängig ist. Mit der in der Bezeichnung enthaltenen Vorstellung des „Übersteigens“ ist vor allem eine Überschreitung der endlichen Erfahrungswelt auf deren göttlichen Grund hin gemeint, seltener eine Selbstüberschreitung des Göttlichen auf die Weltschöpfung hin.
Der komplementäre Begriff des „Immanenten“ bezeichnet das in den endlichen Dingen Vorhandene, sie nicht Überschreitende und daher ohne transzendente Vorstellungen Beschreibbare und bestenfalls auch Erklärbare.
Sehr empfehlenswert beim Umgang mit Transzendenz ist die Befolgung einer einfachen Grundregel, die Casey Kasem geprägt hat:
„Keep your feet on the ground, and keep reaching for he stars.“ Flott übersetzt: „Bleibe mit den Beinen am Boden und strecke dich aus nach den Sternen.“
Viele Menschen wollen von dem ganzen Überdrüber Kram natürlich überhaupt nichts wissen.
Ihnen empfehle ich, über folgenden Satz von Antoine de Saint-Exupéry nachzudenken:
Wenn nichts über dir ist,
hast du nichts zu empfangen.
Außer von dir selber.
Was aber erhältst du schon
von einem leeren Spiegel?
Wir dürfen weiterhin ganz ruhig bleiben:
Nun springt nicht gleich der Liebe Gott aus der Kiste, und wenn er nicht springt, dann zerren wir ihn auch nicht heraus.
Wir schmeißen uns jetzt nicht in irgendwelche Mediationstechniken, denn ganz da sein und so ist gar nicht mal so einfach.
Wir schalten auch nicht unser Hirn aus, denn das können wir jetzt gut gebrauchen.
Die Seelenkräfte Verstand, Gedächtnis, Wille sind nun gefragt, weil wir unserem bisherigen Leben ein wenig zuhören dürfen:
Hallo, ich bin dein Leben.
Die Jahre, die du bisher verbracht hast.
Das Schöne und das Schwere.
Die Fülle und die Leere.
Erfolg und Niederlage.
Lachen und Weinen.
Suchen und Finden.
Tag und Nacht.
Gestern, heute, morgen…
… und schon sind wir drin in der Transzendenz und überschreiten in Gedanken Zeit und Raum.
Wenn ich an mein Leben denke, steigen da auch Erlebnisse auf, in denen der Alltag aufgelöst wurde.
Da war plötzlich alles anders als bisher, es wurden Grenzen überschritten oder verschwanden von selbst.
Da verflogen Ängste, wurden neue Fundamente gelegt, gingen Türen auf, öffnete sich die Weite.
Da blickte mich die Ewigkeit an, und alles schien logisch und gut.
Es zerplatzten die Seifenblasen-Bildchen, Täuschungen wurden ent-täuscht, das bisherige Nichts war plötzlich alles.
