Danke für nix! - Theresa Maxeiner - E-Book

Danke für nix! E-Book

Theresa Maxeiner

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Beschreibung

Die heutige Welt ist voll von Feedback – von den Likes oder Dislikes auf Social Media bis hin zum jährlichen Gespräch mit Vorgesetzten. Doch ist Feedback wirklich so wertvoll, wie immer behauptet wird? Die Autorin findet nicht und zeigt, warum man nicht alles annehmen und sich gar davon frei machen sollte. Feedback gehört zum guten Ton, kommt oft und nicht selten ungefragt: der Spruch des Kollegen, die 1-Stern-Bewertung des Kunden, das jährliche Feedback vom Chef, der fiese Nebensatz der Schwiegermutter oder Produktbewertungen bei Google. Kritisches Feedback lässt uns zusammenzucken. Lob lässt uns wachsen. Doch kaum jemand fühlt sich mit den vielen Rückmeldungen wirklich gut, weiß Theresa Maxeiner. Sie machen uns emotional abhängig oder kränken uns. Um nicht als kritikunfähig zu gelten, traut sich jedoch kaum jemand, dies klar zu äußern. Maxeiners Buch liefert daher gute Argumente dafür, warum es sich lohnt, dem Unbehagen Ausdruck zu verleihen, und zeigt zugleich Wege auf, um trotzdem einen Gewinn aus jeglicher Art von Feedback zu ziehen – ohne dass wir uns Dinge zu Herzen nehmen, die da nicht hingehören.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 284

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Theresa Maxeiner

Danke für nix!

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DANKE FÜR NIX!

DAS ULTIMATIVE FEEDBACK-BUCH

Souverän mit Kritik, Lob und Frechheiten umgehen

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

3. Auflage 2022

© 2022 by Redline Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Redaktion: Desirée Simek

Umschlaggestaltung: Karina Braun

Umschlagabbildung: Shutterstock.com/Kapitosh

Illustrationen Innenteil: Dirk Meissner

Satz: abavo GmbH, Buchloe

eBook: ePUBoo.com

ISBN Print 978-3-86881-883-3

ISBN E-Book (PDF) 978-3-96267-412-0

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96267-413-7

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.redlineverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de.

Inhalt

Was soll das?!

1 Nie wieder Opfer

2 Auf die harte Tour

3 Feedbackgeschichten: Die Geisterbahn des Alltags

4 Feedback ist …

5 Feedbackgeber: Typen, Macken und Strategien

6 Feedbackturbulenzen unserer Zeit

7 Deine neue Souveränität

8 Mein Feedback-Manifest

Outtake: Alles blau

Danke – für alles

Feedback erwünscht!

Über die Autorin

Quellenverzeichnis

Was soll das?!

Unsere Welt ist voll von Feedback. Wir bekommen tagtäglich die unterschiedlichsten Rückmeldungen zu uns oder unserem Verhalten; man kann sich ihnen kaum entziehen. Und oft genug sind sie alles andere als wohlwollend: ungerechtfertigte Kritik vom Chef, eine schlechte Bewertung auf Google, ein fieser Kommentar der Schwiegermutter, ein entmutigender Nebensatz vom Lehrer, ein Rüffel von der Zahnärztin, ein Anpfiff vom Trainer, ein verbaler Seitenhieb vom Vater oder ein dummer Spruch vom Nachbarn. Und auf Social Media, wo wir dem realen Leben kurz entfliehen wollen, dürfen wir uns die Meinung anderer über uns auch noch reinziehen! Manches davon zieht uns richtig runter und versaut uns buchstäblich den Tag. »Danke für nix!«, denken wir im Stillen und ballen die Fäuste. Wir nehmen uns so einiges zu Herzen und mit ins Bett, was da gar nicht hingehört. Auf diese Weise machen wir uns emotional abhängig von den Launen und Meinungen unseres Umfelds. Das muss endlich aufhören!

Vor Kurzem erhielt in meinem Seminar ein Mann Mitte 30 von seinen Kollegen Feedback. Diese waren voll des Lobes, dankten ihm insbesondere für seine Hilfsbereitschaft, seine positive, mitreißende Art und seine äußerst klugen Entscheidungen. Er sei die »natürliche Autorität« der Gruppe. Während er zuhörte, kämpfte er mit den Tränen – vor Freude. Schluchzend brachte er hervor: »Vor fast 20 Jahren hat ein Lehrer zu mir gesagt: ›Du dummer Kanacke kannst gar nichts! Du wirst nicht mal deine Familie ernähren können!‹ Ich wünschte, der wäre heute hier!« Diese vernichtenden Worte waren Teil seines Lebens geworden und sie beschäftigten, verletzten und verunsicherten ihn seit über zwei Jahrzehnten. Zwei Sätze, denen er unnötigerweise viel zu viel Gewicht gegeben hatte.

Machen wir Schluss damit! Machen wir uns emotional unabhängig von den Meinungen und Rückmeldungen anderer. Fangen wir an, unser Leben zu leben, zu wachsen und – endlich – aus jedem Feedback zu lernen. Aber vielleicht nicht nur über uns, sondern öfter auch über die anderen und über die ganze Welt. Da, wo es nichts für uns zu lernen gibt, lassen wir die Rückmeldungen anderer einfach stehen. So wie wir im Supermarkt keine sauren Gurken mitnehmen, wenn wir sie nicht essen wollen. Wir haben die Wahl!

Lektüre für Feedbacknehmer

In Danke für nix! lernst du durch viele Geschichten und unterschiedliche Perspektiven, das Allerbeste aus jeder Art von Rückmeldung zu machen, Gift von Geschenken zu unterscheiden, Spannendes über die Welt der Feedbackgeber zu erfahren oder ihre Worte grandios an dir abperlen zu lassen. Es ist damit ganz klar ein Buch für dich als Feedbacknehmer!

Danke für nix! soll dich unterhalten, es soll dich zum Schmunzeln bringen und Aha-Erlebnisse erzeugen. Es soll dir zeigen, wie es anderen mit fiesem Feedback ergeht – vielleicht geht es dir ja ähnlich?! Du bist also nicht allein. Es soll dein unnötiges Gedankenkreisen und deinen Ärger über unschöne oder unüberlegte Aussagen deiner Mitmenschen beenden, damit du deine Lebenszeit nicht darauf verschwendest. Es soll dir ein Stück deiner Selbstachtung wiedergeben, falls du sie – wenn auch nur zeitweise – verloren hast oder zu verlieren drohst. Es soll dich vor unnötigen Kränkungen, Verführungen und Höhenflügen durch Feedbackgeber schützen und dir ermöglichen, noch mehr aus jeder Art von Feedback zu lernen, wenn du das willst.

Sollte dich schon häufiger die Wut oder Ohnmacht gepackt haben, sodass du deinem Gegenüber am liebsten ein »Danke für nix!« entgegenschmettern wolltest, kann sich das durch die Lektüre ändern. Denn du wirst lernen: Du kannst dich wehren. Aber du wirst es in vielen Situationen gar nicht mehr müssen. Ich möchte dich ermutigen, deine eigenen Feedbacknehmer- und Feedbackgeberregeln aufzustellen. Und vor allem will ich dir beweisen, dass es noch etwas Wertvolleres geben kann als die Meinung oder Bewertung anderer über dich oder dein Verhalten: deine eigene Meinung und Bewertung. Das ist es, was zählt!

Ich möchte aber auch so manchen wohlmeinenden Feedbackgeber vor dir schützen. Denn du wirst seinem Ansinnen möglicherweise nicht immer gerecht. Beispiel gefällig? Wenn dein Partner sagt: »Es fehlt Salz in der Suppe«, dann fehlt in den meisten Fällen gottverdammtnochmal einfach Salz in der Suppe. Du bist ein toller Mensch und alle sind dir dankbar, dass du den ganzen Morgen in der Küche gestanden hast. Aber man wird doch auf deine Nachfrage hin anmerken dürfen, dass ein bisschen Salz fehlt, ohne dass du gleich die Beziehung infrage stellst, die Scheidung erwägst, dich undankbar behandelt oder sogar persönlich angegriffen fühlst und deswegen einen total ätzenden Tag hast.

Manche wohlmeinenden Menschen, die uns etwas sagen wollen, müssen oftmals einen regelrechten Eiertanz veranstalten, um uns eine Botschaft zu übermitteln, weil sie denken, wir vertragen sie sonst nicht. Vielleicht haben sie recht. Zumindest manchmal oder in bestimmten Situationen oder Konstellationen. Bis jetzt! Deshalb: Schön, dass du hier bist!

Was dieses Buch ist und was nicht

Dies ist kein Buch, das dir erklärt, wie du besser Feedback gibst, auch wenn du vermutlich implizit sehr viel darüber lernen wirst. Es ist auch weiß Gott kein psychologisches Handbuch, das dir erwiesene und trockene Theorien vermittelt oder gar Studien aufzeigt. Dagegen habe ich mich ganz bewusst entschieden. Verstaubte Fachbücher, die fast keiner liest, haben wir doch schon genug. Außerdem lerne ich selbst lieber und besser aus Geschichten und brauche keinen Merksatz, um ein Aha-Erlebnis zu haben. Für das Psychologiestudium oder als Handbuch für Therapeuten ist diese Lektüre also weniger geeignet, zumindest ist sie nicht klausurrelevant. Geeigneter ist dieses Buch schon eher auf deinem Nachttisch für deine mentale Hygiene nach jeder Art von Feedback (auch an der Uni), als kurzweiliger Begleiter auf der nächsten Zugreise, als Geschenk für deine Ehefrau oder deinen Onkel, der sich vieles zu sehr zu Herzen nimmt, als flotte Lektüre im Urlaub oder als Inspiration für die ganze Familie. Dieses Buch ist auch keine Abrechnung mit Kritikern im Allgemeinen, denn ich habe prinzipiell nichts gegen Kritik, wie du noch sehen wirst.

Ich gebe dir auf erzählerische, manchmal humorvolle und augenzwinkernde Art und Weise Ideen und Perspektiven an die Hand, die dir helfen können, jede Art von Rückmeldung durch eine andere Brille zu sehen. Welche Brille du wählst, ist allein deine Entscheidung. Aber sei versichert: Nach diesem Buch hast du eine spannende, sehr variantenreiche Brillensammlung.

Natürlich musst du nicht alles in diesem Buch bierernst nehmen. Darum geht es ja! Dein Umgang mit Feedback soll leichter und lockerer werden. Es soll dich auf andere, auch unkonventionelle Gedanken bringen. Ich gehe sicherlich kontrovers mit manchen Themen um, ich will dich zum Nach- und Selbstdenken anregen und habe überhaupt nicht den Anspruch einer allgemeingültigen Meinung. Ich halte es da wie mit der engen Bezeichnung von Feedback: Wir sind auf Augenhöhe, ich sage meine Meinung, du kannst es gerne anders sehen. Du kannst meinen Vorschlägen und Ideen folgen, musst es aber natürlich nicht.

Zu den Geschichten, die in den nächsten Kapiteln auf dich warten, möchte ich vorab sagen: Ein paar dieser Storys stammen aus meinem eigenen Leben. Teilweise ist mir erst im Nachhinein aufgefallen, wie sehr sie mich getroffen und geprägt haben – und wie lehrreich sie waren. Eine Rückmeldung war besonders fies und hat mich viel zu lange begleitet. Summa summarum bin ich aber tatsächlich eher mit positiven Feedbacks gesegnet, doch darum geht es hier ja nicht. Aus der Erfahrung als langjährige Führungskräfteberaterin und Coach kann ich sagen: Jeder hat sie erlebt, diese fiesen Geschichten, diese dummen Sprüche, dieses vernichtende Feedback – und fast alle hatten deswegen eine Krise oder zumindest eine Zeit, in der sie auf Aussagen anderer herumkauten oder sich Kommentare zu sehr zu Herzen nahmen. Deswegen habe ich für dich die kruden Geschichten aus meiner eigenen Geisterbahn und der von Coaching-Klienten (natürlich anonymisiert und verfremdet!) herausgepickt.

Auch wenn ich es schon von Anfang an ungefragt getan habe, möchte ich an dieser Stelle höflich darauf hinweisen, dass ich dich bewusst und respektvoll duzen werde. Ich kann mir von dir leider keine Erlaubnis holen, denn wir kommunizieren ja nicht direkt, daher werde ich stillschweigend von deinem Einverständnis ausgehen und hoffen, dass es für dich in Ordnung ist. Zur Erklärung: Als Coach und Trainerin gehört es für mich dazu, offen und nahbar mit Menschen zu arbeiten. Damit wir uns wirklich verstehen und voneinander lernen, ist diese Nähe aus meiner Sicht sehr wichtig.

Abschließend noch ein paar Gedanken zum Thema Gendern: Gefühlt kann man es hier mittlerweile gar nicht mehr richtig machen. Irgendeinen Shitstorm kann man immer auslösen, es sei denn, das Thema ist bald wieder uninteressant. Ich möchte natürlich niemanden benachteiligen oder unterrepräsentieren. Wie halte ich es also? Danke für nix! ist für alle Menschen gedacht, die mit anderen interagieren. Denn Fakt ist: Wohlmeinende sowie fiese Feedbackgeber gibt es unter Männern, Frauen und anderen Gendern gleichermaßen und auf der Feedbacknehmerseite sitzen ebenso alle Geschlechteridentitäten. Aufgrund der besseren Lesbarkeit verzichte ich dennoch explizit auf Sternchen, Unterstrich, Doppelpunkt, Paarform & Co. Bei den Beispielen habe ich mich bemüht, abzuwechseln, und hoffe, dass es mir einigermaßen gut gelungen ist. Da du dieses Buch in den Händen hältst und liest: Bitte fühle dich angesprochen!

Dein Weg, um emotional unabhängig von Feedback zu werden

Manchen meiner Coaching-Klienten hilft eine einzige Geschichte, damit sie sich befreit fühlen. Andere brauchen eine neue Perspektive, die sie inspiriert. Wieder andere fangen lieber an, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Geh also bei deiner Lektüre gerne ganz nach deiner Neugierde vor. Du kannst die Kapitel kreuz und quer lesen. Du kannst dich aber auch dem natürlichen Blättern hingeben und ich nehme dich mit auf eine Reise. Dazu gebe ich dir einen kurzen Überblick über die einzelnen Etappen.

In Kapitel 1 geht es um erste Schritte zu einem veränderten Mindset im Umgang mit Feedback, denn die veralteten Feedbackregeln sind heutzutage kaum mehr zu gebrauchen.

In Kapitel 2 führe ich dich in meine persönlich wahrscheinlich prägendste Feedback-Story, die mich niedergerissen hat. Es geht aber auch darum, wie ich es geschafft habe, mich wieder aufzubauen. Dadurch wirst du schon mindestens einen magischen Schlüssel erhalten, der dich freier im Umgang mit Feedback werden lässt.

Kapitel 3 bietet verrückte Anekdoten aus dem Alltag meiner Klienten und mir, die Feedback unter ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Hier lernst du relevante Ebenen und Nebenschauplätze kennen, die dir für deine Feedbacksituationen spannende und ungeahnte Perspektiven bieten können.

In Kapitel 4 nehme ich die Bestandteile und Zusammensetzung von Feedbacks intensiv unter die Lupe: Was ist drin und was ist nicht drin?

Kapitel 5 erläutert diverse clevere oder auch weniger clevere Verpackungsstrategien von Feedbackgebern, die du kennen solltest, um nicht zum Opfer der verfolgten Strategie zu werden. Damit bekommst du gleichzeitig eine sehr gute Anleitung zum Filtern und Interpretieren von Feedbacks.

»Früher war alles besser« – das wage ich zwar zu bezweifeln, aber früher war die Feedbacklandschaft sicherlich anders als heute. In Kapitel 6 gehe ich daher auf Themen ein, die in unserer aktuellen Zeit den Umgang mit Feedback erschweren oder zumindest zu weiteren Schauplätzen von Feedback-Skurrilitäten führen können.

Nach all dem kann man sich fragen: Gibt es noch einen anderen Weg, um mit Feedback umzugehen? Ja, und zwar eine komplett andere Perspektive, die ich dir in Kapitel 7 vorstellen werde. Diese hat nichts mehr mit dem Inhalt des Feedbacks oder auch dem Feedbackgeber zu tun, sondern nur noch mit dir. Wenn es hart auf hart kommt, ist es nämlich meistens an und in dir, mental aufzuräumen.[1]

Ich würde sagen: Jetzt geht’s los! Fangen wir vorne an und gehen zum Tatort.

1 Nie wieder Opfer

Bestimmt hast du dir schon das ein oder andere anhören müssen, das du wirklich frech und unangemessen fandest. Wo sich jemand im Ton vergriffen oder dir ein Feedback vor die Füße geworfen hat, das absolut ungerechtfertigt war. Was immer dir Menschen als Feedback mitgeben, du entscheidest, ob diese Rückmeldungen für dich Gift oder ein Geschenk sind. Du kannst wählen und entscheiden. Immer! Es geht nicht um den Täter, sondern darum, dass du nie wieder Opfer bist.

Tatort Feedback

Kurz vor Feierabend kommt dein Chef ins Büro und schnauzt dich an: »Wie konntest du nur diese wichtige Deadline vergessen? Um jeden Scheiß muss man sich hier selber kümmern! Wo hast du deinen Kopf?! Das läuft so nicht. Es geht gar nicht, dass du solche wichtigen Termine immer wieder verpennst. Das muss einfach mal gesagt werden: Hast du denn bei uns gar nichts gelernt? Was kannst du eigentlich?«

Du bist erstarrt, wütend und fühlst dich überhaupt nicht schuldig. Du denkst: »Das war doch völlig anders verabredet!« Aber bevor du etwas sagen kannst, dreht sich dein Chef auf dem Absatz um und rauscht aus dem Büro. Du fühlst dich zwar im Recht, ärgerst dich aber trotzdem. Die letzte Stunde im Büro verbringst du damit – halb blind vor Wut und fahrig –, die E-Mails zu diesem Vorfall zusammenzusuchen. Das, was du eigentlich noch erledigen wolltest, hast du komplett vergessen. Kurz nach 18 Uhr steigst du ins Auto und zermarterst dir während der Fahrt das Hirn, was du deinem Chef am besten hättest antworten sollen. Später kannst du dich an den Nachhauseweg gar nicht mehr erinnern. Irgendwer hat dich wohl irgendwie nach Hause gebracht.

Zu Hause angekommen, gehst du zu deinem Partner in die Küche und erzählst ihm, was passiert ist. »So ein Arsch! Behandelt mich wie einen dummen Schüler. Dabei hat er das Projekt mit dem Kunden doch selbst verbockt.«

Dein Partner unterstützt dich und zieht mit: »Ja, der kann froh sein, dass er dich hat. Frechheit, so was zu sagen! Da würde ich morgen noch mal hingehen und ihm sagen, dass er so nicht mit dir umgehen kann. Am besten, du beschwerst dich sofort bei seinem Chef. Oder noch besser: Geh gleich zum Betriebsrat!«

Der Abend kostet dich dann eine Flasche Rotwein, das Einschlafen wird schwierig, und nachts wachst du immer wieder auf und überlegst, ob du vielleicht wirklich den Betriebsrat einschalten solltest. Auf jeden Fall wirst du morgen deiner Kollegin davon erzählen, denn das kann ja wohl alles nicht wahr sein! Wolltest du nicht ohnehin kündigen und dich neu orientieren?

So ähnlich ist vielleicht auch schon eine deiner Feedbackgeschichten im Joballtag verlaufen. Unangemessene Feedbacks sind aber nicht auf den Beruf beschränkt, sondern traktieren uns auch im privaten Umfeld. Wie sollen wir uns in solchen Situationen verhalten?

Warum du dringend ein neues Mindset brauchst

Wut oder Angst machen sich bei vielen Menschen breit, die negatives Feedback erhalten. Allein die Ankündigung »Ich möchte dir mal Feedback geben« löst oft ungute Gefühle bei uns aus. Wir fühlen uns wehrlos. Wir fühlen uns als Opfer der Situation, denn viele von uns haben früher mal gelernt:

»Lass den Feedbackgeber ausreden und höre gut zu.«

»Feedback solltest du nicht kommentieren.«

»Feedback ist ein Geschenk! Dafür solltest du dich bedanken.«

»Feedback solltest du dir immer zu Herzen nehmen.«

Durch solche eingebläuten Verhaltensregeln fühlen wir uns manchmal der Situation ausgeliefert. Aber muss das so sein?

Musst oder willst du wirklich Danke sagen, auch wenn du völlig ungerechtfertigte Kritik erhältst? Willst du das unkommentiert so stehen lassen und stoisch ertragen? Bleibt da nicht ein fieser Nachgeschmack? Musst du Feedback annehmen, dir zu Herzen nehmen und als Ballast mit dir herumtragen? Darfst du dich nicht wehren? Ich möchte dich ermutigen, diese überholten Feedbackregeln infrage zu stellen und eine neue, viel hilfreichere Haltung gegenüber Rückmeldungen zu entwickeln. Denn aus meiner Sicht sind viele vermeintliche Feedbacks es nicht wert, als wertvoll behandelt zu werden. Ja, es können manchmal echte Geschenke dabei sein, doch oftmals sind Feedbacks auch klare Frechheiten. Oder – das habe ich in den letzten Jahren häufig erlebt – es geht unter dem Deckmantel eines Feedbacks um etwas ganz anderes. Doch dazu später mehr.

Da stellt sich die berechtigte Frage: Können wir den Menschen denn nicht einfach beibringen, ihr Feedback konstruktiv zu formulieren? Dann müssten wir nicht diesen Aufwand mit der inneren Einstellung betreiben und Feedbacks nicht neu lesen lernen. Im Prinzip stimmt es, das wäre super! Und wie man gutes Feedback geben kann, ist ein ebenso wichtiges wie komplexes Thema, das ich sehr gerne an anderer Stelle erläutere.[2] Denn Feedback zu geben ist tatsächlich eine ganz andere Geschichte als Feedback zu nehmen. Die Sache ist die: Wir können nicht direkt beeinflussen, ob andere uns ordentlich Feedback geben und uns gut behandeln. Wir haben es nicht in der Hand und können es auch kaum unterbinden. Daher ist es aus meiner Sicht klug, mit jeder Art von Feedback souverän umgehen zu lernen, das weder gut gemeint noch gut gemacht wurde. Dann wirst du den verschiedenen Arten von Kritik mit einer inneren Leichtigkeit begegnen können, viel interessierter sein, was und wie Menschen etwas formulieren. Egal, wie stark dein Gegenüber als Feedbackgeber geschult ist: Ab heute bestimmst du, was ein Feedback mit dir macht! Und du wirst in Zukunft durch jede Rückmeldung grandios wachsen können.

Warum ich es für so wichtig halte, als Feedbacknehmer innerlich gut gewappnet zu sein und ein hilfreiches Mindset zu haben? Dazu habe ich fünf Thesen.

1. Kritik wird rauer – Lob wird lauer

Wir leben in wilden Zeiten und viele Menschen fühlen sich unter Druck, gehetzt, überfordert. Stress oder auch eine neue Form der Angst haben sich breit gemacht und nur wenige schaffen es, emotional gut für sich zu sorgen. Ihre Gefühlswelt bringt manche Menschen an die Grenzen ihrer Empathiefähigkeit und erschwert einen wohlwollenden Umgang miteinander. Ob in der Aufsichtsratssitzung, im Fußballverein oder Elternbeirat: Immer häufiger wird heute mit immer härteren Bandagen gekämpft. Der Ton wird rauer. Gleichzeitig bleibt Lob für gute Arbeit oder besonderes Engagement immer öfter aus. Entweder weil man es für selbstverständlich erachtet, dass alles immer gut und reibungslos läuft, oder weil schlicht keine Zeit für ein nettes Wort bleibt. Für Kritik jedoch ist offenbar immer Zeit, und laut ist sie auch sehr häufig. Aufgrund von Stress rutscht den Menschen etwas heraus, das sie eigentlich gar nicht so gemeint haben.

Viele Führungskräfte pflegen eine aktive Feedbackkultur und holen Rückmeldungen ihrer Teammitglieder ein. Doch auch ihnen gegenüber weht heute oft ein rauerer Wind: Laut zahlreicher Erfahrungsberichte meiner Teilnehmer ticken die jüngeren Mitarbeiter anders. Sie sind direkter, »kotzen« sich immer häufiger aus, manche fordern sogar offen eine Verhaltensänderung des Chefs ein. So manche Führungskraft wundert oder ärgert sich, wenn Digital Natives oder Kollegen aus der Generation Y unverhohlen und ungefragt Kritik äußern. Lob in Richtung der Führung bleibt erfahrungsgemäß genauso aus wie früher.

2. Bewertungssysteme unter dem Deckmantel der Transparenz sind die neue Geißel unserer Zeit

Sicher kennst du diese Bewertungen auf Google oder Plattformen wie Kununu, Performance-Management-Systeme mit mindestens einem Jahresgespräch für jeden Mitarbeiter, 360-Grad-Feedbacks für Führungskräfte und viele mehr. Solche Bewertungssysteme bieten enormes Potenzial für Verbesserungen, aber sie bedeuten auch, dass man sich mit vielen unschönen Feedbacks auseinandersetzen muss. Wenn wir Menschen einladen, ihre Meinung im Internet öffentlich zu äußern, kommen eben auch ungeladene oder schlecht erzogene Gäste. Dies kann heute fast jeden Menschen betreffen – sei es, dass er im Blumenladen oder bei der Straßenmeisterei arbeitet, ob er Mitarbeiter, Führungskraft, Politiker oder Unternehmer ist. Es treten immer neue Anbieter von Bewertungssystemen auf den Markt. Diese erfreuen sich eines großen Zuspruchs und steigender Umsätze, aber für diejenigen, die solchen Bewertungen ausgesetzt sind, können schlechte Bewertungen fatal sein und regelrecht Rufmord bedeuten.

3. Die neue Welt fordert Experimente – hat aber mehr Kritiker als Forscher

Ich bin es gewohnt, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die viel Verantwortung tragen. Sie entwickeln Lösungen für die Zukunft und können dabei immer seltener auf Bewährtes zurückgreifen. Sie sind Vorreiter, wagen Neues und machen Experimente – ob neue IT-Lösungen, Unternehmensstrukturen, Antriebstechnologien oder neue Formen des Zusammenlebens. Durch all diese innovativen Vorstöße lernen sie auch, wie es nicht funktioniert. Der Weg der Innovation ist ohne Scheitern nicht möglich. Dennoch werden solche Innovatoren nur selten für ihr Durchhaltevermögen und ihre Kreativität gelobt. Außenstehende sehen lieber, was alles nicht geht oder nicht funktioniert, was das aktuelle Experiment gekostet hat oder was noch nicht ausgereift ist – und dieses Feedback bekommen diese Menschen ungefiltert vor die Füße geworfen.

Es ist viel einfacher, zu kritisieren und zu bewerten, als etwas Neues zu denken, zu erschaffen und ausgiebig zu testen. Wenn ich mir unsere Gesellschaft und die sozialen Medien anschaue, habe ich oftmals den Eindruck, dass es jede Menge Menschen gibt, die mit der Chipstüte in der Hand von der Couch aus kritisieren, was die wenigen Forscher, Politiker, Unternehmer und andere Zukunftsgestalter an innovativen Lösungen mit Herzblut und hohem Kraftakt auf die Beine stellen. Schade!

4. Moderne Arbeitsformen treffen auf unzureichende Feedbackkompetenz

Sicher hast du schon von agilen Prinzipien gehört. Bei dieser modernen Arbeitsform sind die Mitarbeiter aufgefordert, in viel kürzeren Zyklen als früher Feedback zu ihren allerersten groben Entwürfen und Ideen einzuholen. Selbstredend enthalten solche Entwürfe oftmals noch mehr Fragen als Antworten und werden von Feedbackgebern nicht selten in der Luft zerrissen. Das sind viele Star-Ingenieure oder Projektleiter nicht gewohnt. Sie sind verletzt und halten ihre Projekte dann gerne wieder unter dem Deckmantel.

Für agiles Arbeiten, Design-Thinking und ähnliche Konzepte brauchen wir dringend Feedbacknehmerkompetenz, damit diese Prinzipien überhaupt funktionieren können. Wenn du selbst mit agilen Arbeitsformen zu tun hast und regelmäßig Feedback zu deinen Entwürfen bekommst, solltest du lernen, dass es dabei nicht um dich geht. Es ist wichtig, Rückmeldungen nicht persönlich zu nehmen, sich nicht gekränkt zu fühlen oder verärgert zu sein. Nur so können Ideen weiter fließen und Dinge mit neuen Informationen weiter gestaltet und verbessert werden. Mehr dazu in Kapitel 6.5.

5. Feedback gilt manchen als Einladung, emotional zu entgleisen

Unter dem Deckmantel von Mitarbeiter- und Feedbackgesprächen meinen manche Vorgesetzte, aber auch Beschäftigte und Kunden, ungehemmt vom Leder ziehen zu können und sich mal ordentlich Luft machen zu dürfen. Sie folgen dabei der Devise, dass Feedback erst einmal ordentlich wehtun muss, damit Menschen sich ändern. Demzufolge formulieren sie ihre Kritik schärfer als notwendig.

Auch hier braucht es dringend Aufklärungsarbeit. Am besten sollte jeder schon in der Schule lernen, sowohl Lob, Kritik und Feedback allgemein konstruktiv und wohlwollend zu formulieren. Ich finde außerdem, dass man seinen Senf nicht überall dazugeben muss – sofern man nicht explizit darum gebeten wird. Darüber hinaus würde ich mir wünschen, dass in den sozialen Medien nicht gehetzt wird, sondern sich Menschen wichtigen Diskussionen stellen, ohne sich gegenseitig abzuwerten und keine Shitstorms losgetreten oder befeuert und Diffamierungen, Drohungen oder Schlimmeres nicht veröffentlicht werden – schon gar nicht unter Pseudonym. So lange diese Unzulänglichkeiten und Unverschämtheiten aber noch bestehen, wünsche ich dir ein neues Mindset im Umgang mit Feedback.

Sollten auch nur ein paar dieser oben genannten Thesen auf deine aktuelle Welt zutreffen, finde ich die »prinzipielle Grundeinstellung von Offenheit und Dankbarkeit« gegenüber jeder Art von Feedback, die Haltung, dass »Feedback per se etwas Gutes ist« sowie die Verhaltensregeln »zuhören, nicht kommentieren und zu Herzen nehmen« nicht sinnvoll und unnötig kränkend. Die schiere Masse an Feedback und dessen neue, skurrilen Formen, die abwertenden Systemdynamiken, der Hang zur Negativität genauso wie der Missbrauch von Lob sind inhuman, eine echte Zumutung und kein Geschenk! Wappnen wir uns also für diese neuartige Feedbacksituation mit einem neuen Mindset, sodass wir all das bewältigen und im sinnvollen Rahmen daraus lernen können.

Was Feedback ist und was nicht

Der Begriff »Feedback« ist verbraucht und meist negativ konnotiert. Bei vielen löst er ungute Gefühle aus und hinterlässt einen schalen Nachgeschmack im Mund. Sie fühlen sich an maßregelnde Situationen erinnert, in denen sie von Eltern, Lehrern, Führungskräften oder Kunden ungefiltert und unverblümt Kommentare vor den Latz geknallt bekommen haben und sich aufgrund des Deckmantels des wohlmeinenden Feedbacks nicht wehren konnten, sondern womöglich sogar noch lieb Danke sagen sollten.

Feedback gilt mittlerweile als Sammelbegriff für die unterschiedlichsten Arten von Rückmeldungen: Der Feedbackgeber sendet dem Feedbacknehmer, was er wahrgenommen, empfunden oder interpretiert hat. Manchmal vermittelt der Feedbackgeber zudem auch einen Änderungswunsch. Die Informationen, die via Feedback transportiert werden, können unterschiedliche Wertungen enthalten, also neutral, positiv oder negativ sein:

Neutral: »Ah, ich sehe, du hast ein rotes Kleid an.«

Positiv: »Schönes Kleid! So eine tolle Farbe!«

Negativ: »Hmm … das Kleid ist dir ein bisschen zu eng, was?«

Die Vermittlung von Feedback kann verbal oder auch nonverbal zum Ausdruck kommen, in vielen Fällen ist es eine Mischung aus gestischer, mimischer, stimmlicher und verbaler Reaktion. Feedback ist also nicht nur das, was gesagt, sondern auch wie es gesagt wird. Natürlich gibt es Feedback auch schriftlich oder mit Emoticons wie »Daumen hoch« und anderen Zeichen.

In Fachkreisen wird Feedback im engeren Sinne meist als freiwillige Rückmeldung (also nicht einklagbar) zwischen Menschen verstanden, die sich auf Augenhöhe begegnen. Somit gilt der Begriff Feedback ursprünglich als wohlmeinendes Angebot, getreu dem Motto: »Lieber Feedbacknehmer, ich habe da etwas wahrgenommen und interpretiert. Ich sag’s dir gerne, wenn du willst. Und natürlich kannst du mit dieser Information machen, was du willst. Auch wenn ich mir wünsche, dass du dein Verhalten beibehältst oder änderst, kann es dir völlig egal sein.« Das wäre die eigentliche und »ursprüngliche« Bedeutung von Feedback. Eine Option mit einer klaren, wohlmeinenden und wertschätzenden Haltung dahinter, die vom Feedbacknehmer sehr leicht aufgenommen und verarbeitet werden kann.

Praktisch sieht es in vielen Fällen aber anders aus. Augenhöhe zwischen Feedbackgeber und -nehmer ist keine Selbstverständlichkeit und faktisch auch nicht immer sinnvoll oder möglich. Wenn der Chef den Mitarbeiter auf Fehler hinweist, handelt es sich nicht um ein wohlmeinendes Angebot, sondern der Vorgesetzte verbindet damit die Erwartung, dass der Betreffende etwas ändert. Solche Interaktionen mit Statusunterschieden finden sich nicht nur im Arbeitskontext: Wenn ein Hotelgast sich etwa beschwert, ein anderes Zimmer einfordert und droht, bei Nichterfüllung seiner Wünsche eine schlechte Bewertung im Internet abzugeben, wird die Augenhöhe verlassen. Feedback, bei dem Hierarchie- oder zumindest Statusunterschiede eine Rolle spielen und Rückmeldung top-down gegeben wird, nennen wir in der Regel Kritik beziehungsweise Lob. Wer Kritik ausspricht oder lobt, darf qua Amt oder Rolle entscheiden, was falsch und richtig ist. In Unternehmen gehört dies sogar explizit zu den Aufgaben von höhergestellten Personen. Als Chef muss man schließlich Vorgaben machen und das Verhalten der Mitarbeiter im Sinne der Zielorientierung für das Unternehmen bewerten und notwendige Veränderungen herbeiführen. Wer als Mitarbeiter einen Arbeitsvertrag unterschrieben hat, billigt damit, dass er sich den Regeln seiner Vorgesetzten fügen muss.

Eine mögliche Unterscheidung wäre daher:

Rückmeldungen oder Feedback finden auf Augenhöhe statt, sind ein wohlmeinendes Angebot und beruhen auf Freiwilligkeit auf beiden Seiten.

Bei Kritik oder Lob hingegen ist Hierarchie im Spiel und somit ist weder auf der Geber- noch Nehmerseite Freiwilligkeit gegeben.

Leider ist diese kleine, aber feine Unterscheidung den meisten Menschen völlig unbekannt. Feedback wird im Alltag als Oberbegriff für alles benutzt, was Menschen gegenüber anderen positiv oder kritisch äußern. Feedbackgeber sind oft unwissend in dem, was sie genau tun, entwickeln teilweise ein – deplatziertes – Gefühl der Macht oder nutzen Strategien, um weitere Ziele zu erreichen.

Zudem erleben viele Feedbacknehmer das »echte« Feedback auf Augenhöhe mit wohlmeinendem Angebot selten bis nie. Sie kennen überwiegend Kritik von oben. Daher denken sie bei jeder Art von Feedback, das sie erhalten, dass die Änderungswünsche des Feedbackgebers automatisch Gewicht haben oder aber, dass »der sich aber etwas rausnimmt« und sich über sie stellt. Auch Feedbacknehmer differenzieren also meist nicht zwischen Kritik beziehungsweise Lob und Feedback.

Aufgrund der aktuellen Gegebenheiten (siehe Kapitel 1.2 und Kapitel 6) und des alltäglich großen Interpretationsspielraums durch Feedbackgeber und -nehmer habe ich mich in diesem Buch daher bewusst für ein sehr breites Verständnis von Feedback entschieden und meine damit alles, was Menschen dir

bewusst oder unbewusst,

gefragt oder ungefragt,

positiv, negativ oder neutral,

verbal, körpersprachlich, schriftlich oder mit anderen Mitteln,

mit oder ohne Änderungswunsch,

auf Augenhöhe oder mit (vermeintlichem) Statusunterschied

über dich oder dein Verhalten als Rückmeldung geben.

Ich weiß, dass das ein Ritt auf der Rasierklinge wird und es soll auch gar nicht die enge Bedeutung von Feedback als wohlmeinendes, freiwilliges Angebot auf Augenhöhe karikieren. Dieses weit gefasste Verständnis von Feedback entspricht unserer Lebenswirklichkeit einfach am besten und wird uns helfen, im Alltag mit uns und unseren Mitmenschen bestmöglich umzugehen.

Ich möchte dich wappnen für all das, was du weder auf Augenhöhe noch wohlmeinend oder freiwillig den lieben langen Tag kassierst und was landläufig trotzdem unter Feedback, Kritik, Lob oder Bewertung verkauft wird und nicht immer, aber manchmal eine absolute Frechheit ist!

Ist Feedback Gift?

Feedback kann etwas Wundervolles sein – und damit meine ich alle Arten, auch Lob und Kritik. Es kann uns wachsen lassen, lehren, helfen, auf wichtige Aspekte hinweisen, aufmuntern, neue Perspektiven aufzeigen und viele schöne Dinge mehr. Oftmals sind sie es jedoch nicht. Denn das, was sich häufig unter dem Deckmantel von Feedback verbirgt, ist für mich das blanke Grauen. Und nein, das liegt nicht immer am Feedbackgeber!

In den letzten zwölf Jahren hatte ich als Führungskräfte- und High-Potential-Beraterin und Coach viele vertrauensvolle Gespräche mit Höchstleistern. Menschen, die von außen betrachtet enorm erfolgreich und selbstsicher sind und denen ihr Umfeld sehr viel zutraut. Den meisten von ihnen scheint nichts etwas anhaben zu können. In vertrauensvollen Eins-zu-eins-Gesprächen habe ich dann erfahren, wie viele dieser Höchstleister unter kritischem Feedback leiden, es zu persönlich und zu wichtig nehmen, teilweise monateoder sogar jahrelang an Kritik zu knabbern haben und durch falsch verstandene Feedbackregeln ihr Selbstwertgefühl infrage stellen. Davor ist niemand gefeit. Genauso schlimm ist es, wenn Menschen durch ihre Abhängigkeit von Lob ungewollt zu Marionetten werden.

Was passiert, wenn Menschen sich kritische Rückmeldungen zu Herzen nehmen? Sie beginnen zu grübeln – in ihrer Freizeit, beim Ausräumen der Spülmaschine, an der Supermarktkasse, im Auto. Im Gespräch mit der besten Freundin werden sie immer wieder davon erzählen. Manche werden wütend, andere sind den Tränen nahe oder ziehen sich bedrückt zurück. Sie basteln in Gedanken an Rechtfertigungen oder hecken einen geheimen Rachefeldzug aus. Im Job sind sie weniger produktiv und in der privaten Zeit gibt es weniger Erholung. Die Gedanken kreisen ohne Unterlass um diese Kritik. Viele Menschen sind innerlich von Feedback vergiftet, zerfressen, krank oder zumindest gekränkt und kommen nur schwer wieder zu sich. Manche tragen solche Kränkungen jahrelang mit sich herum, sind verletzt, getroffen, verunsichert. Ein wunder Punkt ist entstanden. Der Beginn einer Depression, der Ausstieg aus dem Beruf oder der Wunsch, noch einmal ganz neu anzufangen, können die Folge sein. Ob die Rückmeldung vom Mathelehrer oder später von der Chefin kam – so mancher traut sich in dem betreffenden Fachgebiet weniger oder gar nichts mehr zu und hofft darauf, in anderen Gebieten Talente zu besitzen. Ein Musiker singt vielleicht nie wieder, ein Mitarbeiter schult um, ein Ehepartner reicht die Scheidung ein. Ich finde es unglaublich, was durch Rückmeldungen von Menschen in anderen zerstört oder im Leben erschwert werden kann.

Den umgekehrten Fall gibt es aber auch: Da bekommen Menschen unqualifiziertes oder manipulierendes positives Feedback und hören auf, an sich und ihren Fähigkeiten zu arbeiten. Sie bekommen ein falsches Bild von ihren Talenten, manche werden sogar hochnäsig, eingebildet oder zumindest faul. So mancher hält sich schnell für einen Superstar, schmeißt die Schule und scheißt auf Gesangsunterricht (Entschuldigung!). Andere werden fahrlässig und lernen nicht weiter für die entscheidenden Prüfungen. Dritte kaufen ihrem »Guru« blind jeden Onlinekurs ab, nachdem dieser eine Lobhudelei auf sie abgelassen hat.

Negatives wie positives Feedback kann also eine schädliche Wirkung haben. Fakt ist aber auch: Als Feedbacknehmer machen wir so manches wirklich gut gemeinte und wohlwollende Geschenk selbst zum Gift, schieben aber die Schuld dem Feedbackgeber zu.

Wenn ich heute in Unternehmen, aber auch ins private Miteinander schaue, sehe ich vieles mit anderen Augen. Es sind nicht nur die formellen Jahres-, Performance- oder Entwicklungsgespräche, Team-Retros, Sprint-Tests oder Ähnliches. Es sind auch Bewertungen bei Google oder Amazon, die Beschwerde-E-Mails oder Hasskommentare in den sozialen Medien. Und manchmal reicht ein dummer Spruch vom Partner oder ein zynischer Kommentar eines Kollegen, damit wir uns tief gekränkt fühlen und uns unnötigen mentalen Ballast aufbürden. Ich habe zu dem Thema viel gearbeitet, recherchiert, die Ohren gespitzt, Geschichten gesammelt – zunächst für mich selbst und schließlich, nachdem ich für mich so viel Wertvolles aufgebaut hatte, auch für andere. Meine Erkenntnisse flossen in meine Trainings, Coachings und Vorträge der letzten Jahre ein, denn es stellte sich heraus: Sie waren für viele Menschen außergewöhnlich hilfreich. Denn wer fragt sich als Feedbacknehmer schon, was emotional beim Feedbackgeber passiert ist oder ob man gerade selbst derjenige ist, der aus einem Geschenk Gift macht?

Warum du aus 99 Prozent aller Feedbacks nichts lernst

In unserer Gesellschaft gehört zum guten Ton im Miteinander, Kritik zuzulassen und zu betonen, dass insbesondere kritisches Feedback grandiose Lernchancen birgt – jedenfalls wenn es konstruktiv formuliert und gut gemeint ist. Dass man von kritischem Feedback viel lernen kann, stimmt an und für sich. Das Potenzial ist da, aber nur wenn du die Kritik oder das Lob auch richtig zu nehmen weißt. Wenn du dir eine Rückmeldung zu sehr zu Herzen nimmst, sie dich runterzieht, dann verbaust du dir Lernchancen.

Für viele Menschen bedeutet Kritik zunächst einmal Stress.1