Das Alter der Elbe - Uwe Kolbe - E-Book

Das Alter der Elbe E-Book

Uwe Kolbe

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Beschreibung

Gedichte, gespeist von einem großen europäischen Fluss  Uwe Kolbe spricht in seinem neuen Gedichtband »Das Alter der Elbe« von der Elbe und ihrem weit gefassten Einzugsgebiet. Die Gedichte folgen autobiographischen und zeitgeschichtlichen Spuren, vom Schleppkahn der Eltern im Interzonenverkehr zwischen Ost und West über die Verbrechen der NS-Zeit bis zu heutigen, realen Ufern. Poetische Momentaufnahmen wie die Zusammenschau von Wanderungen und Reisen entlang der Gewässer wechseln sich ab. Dabei strömen und mäandern die Gedichte wie die Gewässer selbst. Und natürlich führen sie uns auch zu den Quellen: zu den realen Quellen der Elbe im tschechischen Riesengebirge, vor allem aber zu den Mythen und Legenden, die die Elbe mit sich führt. Ein poetisches Porträt der Elbe, das Vers um Vers die Grenzen zwischen Ost und West, zwischen Natur und Kultur, Gegenwart und Vergangenheit überspringt.

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Seitenzahl: 59

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Uwe Kolbe

Das Alter der Elbe

Gedichte

 

 

Über dieses Buch

 

 

Uwe Kolbe spricht in seinem neuen Gedichtband von der Elbe und ihrem weit gefassten Einzugsgebiet. Die Gedichte folgen autobiographischen und zeitgeschichtlichen Spuren, vom

Schleppkahn der Eltern im Interzonenverkehr zwischen Ost und West über die Verbrechen der NS-Zeit bis zu heutigen, realen Ufern. Poetische Momentaufnahmen wie die Zusammenschau von Wanderungen und Reisen entlang der Gewässer wechseln sich ab. Dabei strömen und mäandern die Gedichte wie die Gewässer selbst. Und natürlich führen sie uns auch zu den Quellen: zu den realen der Elbe im tschechischen Riesengebirge, vor allem aber zu den Mythen und Legenden, die die Elbe mit sich führt.

 

 

Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de

Biografie

 

 

Uwe Kolbe, 1957 in Ostberlin geboren, lebt in Dresden. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Preis der Literaturhäuser, dem Heinrich-Mann-Preis und dem Lyrikpreis Meran. Bei S. FISCHER erschienen zuletzt: der Roman »Die Lüge« (2014), »Brecht. Rollenmodell eines Dichters« (2016) sowie die Gedichtbände »Lietzenlieder« (2012), »Gegenreden« (2015), »Psalmen« (2017) und »Imago« (2020).

Impressum

 

 

Der Autor dankt dem Deutschen Literaturfonds sowie der Robert Bosch Stiftung, dem inzwischen eingestellten Programm »Grenzgänger«.

 

 

Erschienen bei FISCHER E-Books

 

Für diese Ausgabe:

© 2026 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, 60596 Frankfurt am Main

Covergestaltung: hißmann, heilmann, hamburg

Coverabbildung: Wolfgang Kühne, ›Johannisnacht‹

ISBN 978-3-10-492217-1

 

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Inhalt

[Motto]

Ein Beipackzettel

I

Die Quelle

Vom Lineament

Ganz gewiss in dem Riesengebirge

Pardubice, September

Benátky nad Jizerou

Der Osten

Der Westen

Das alte Lied

Aus einer anderen Welt

Wasser des Lebens

Die Mythologien

Vor der Einschiffung

Anrufung

Jeder der Namen

1

2

Der Aschefluss

Woher ich alles habe

II

Etüde von der Abstammung

Alle Brücken hinter sich abbrechen

Ein anderes Vorspiel

Salinen

Die andere Hand

Die Reise

Das Tier

Ihr Mund

Das lyrische Ich

Übersetzen

Nacht über dem Fluss

Das Kind in der Nuss

In der Ebene

Rilkes Gewässer. Eine Verbindung

Woher ich alles habe

III

Treidelpfade

Götter und Geister

Latein

Die Alpen

Einwanderung

Kleine Schierlings-Ekloge

Heimatforscher geworden

Dreimal Acht

Nisani, Nisani

Ursprungsweisen

Der Tod hat ein Reich (Heidenlied)

Das Jahr 983

Am Strand. Nach einem Motiv bei Cosmas von Prag

Kleine Raserei

Zivilisation

Bauernopfer

Tarussa

Nach Andrei Tarkowski

Sarmaten

Woher ich alles habe

IV

Die ich nur verstehe

Das lichtgraue Band

Kentauren

Wie das Wasser

Heute Schleie

Loschwitzer Sommer

Ein Herbstlied

Erwachsen zu sein

Morgenspaziergang Johannis

63

Die Überfahrt, wie sie wirklich war

Nach Strehla

Woher ich alles habe

V

Wer soll das glauben

Die Nachricht

Die Korrektur

Die Elbeschwimmer von Coswig

Die Saale

Die Schleusenwärterin

Ursprung der Nähe

Atmendes Holz

Mein Sailor

Hart Crane

Paterson

Erinnerung an Hackensack, New Jersey

Woher ich alles habe

VI

Meetschow, Oktober

Das Auge des Fotografen

Andacht mit Amaranth

Ein Landschafter

Lise und Dankwart. Fünf historische Idyllen

Ohne Grund

Dömitzer Brücke

Abfahrt Boizenburg

Bei Blankenese

Die Fragen

Die Lebensstufen. Ein Synkretismus

Woher ich alles habe

VII

Das Elbe-Lineament. Ein Trailer

1

2

3

Lies nicht mehr – schau!Schau nicht mehr – geh!

Paul Celan

Ein Beipackzettel

Ich hoffe, die Kiesel

haben nicht alle Flussmuschelschalen

zerrieben.

Falls Krümel herausfallen,

sie sind vom gegessenen Brot.

Der Sand ist der Sand.

Die Landkarte, um dir zu zeigen,

wie weit das Einzugsgebiet reicht.

Legende folgt.

I

Die Quelle

Den Fluss von der Quelle her zu erzählen,

wird hier nicht noch einmal versucht,

zu Fuß den Gewohnheiten nach.

Gescheut wird die alte getreue,

die Wiederholung natürlichen Laufs,

es tritt Mensch in Menschenspur,

erschüttert vom Stampfen

bis in das Bodenlose.

Und doch wollen die Worte zum Anfang,

verbunden einander

wie Kiesel und Sand.

Das Kind, wie es stand an dem Elbfall,

sein Lauschen erkannte ich wieder

und sah seinen Traum leuchten,

ein dunkel glimmendes Erz

aus der Kammer des Berggeists.

Denn so war der Engel des Lieds,

vielfältig einfältig, farbenreich flügelnd,

stürzend noch glockenhell

singend aus seiner Tiefe.

Das Kind an dem jungen Fluss

öffnet den Mund

und sagt seinen heiligen Namen:

Libuše.

Vom Lineament

Dass einer geworfen ist, vorbestimmt,

was aus der Grube kommt, dass einer sagt,

was er sagen kann, was auf sandiger Zunge

aufgeht als eigene Sprache, nur eines,

das Gift, das Geschenk der Mutter, Angst

gepresst in das winzige Herz, als das Wasser

aufschrie, Holz, Stahl, Beton der Schleusen

wie würgender Kehlen; und als du später

das eigene Maß nahmst oder annahmst,

es wären Pegelstände und Tauchtiefen neu,

und wie dieses Wasser schrie, jeder Hafen,

wo immer du Ärmchen gereckt auf dem Poller,

sie strahlte, doch lag auf dem jungen Gesicht

der Schein noch vom brennenden Phosphor,

Brandlichtern von Hamburg und Dresden,

derart war die Elbe in Lieder geflossen,

stockfleckiges Fließen, německá nemoc,

die Grube, den Riss wird niemand

zudecken; wie oben das Floß schwankt,

ich rufe dich, bitte, von wegen und wen denn,

die Quelle um Halt, du magst die Namen

erhalten und einen auch, der sie bewahrt,

aufnehmen, der hat die Pest nicht an Bord.

Ganz gewiss in dem Riesengebirge

Du hast ganz gewiss etwas anderes gesehen,

nicht, was Kataloge versprachen, vom Märchen

geschmirgelt Verkäufer der Oberflächen.

Und bist ganz gewiss abgewichen, das Auge

schlug aus das Angebot, ließ Begeisterung missen

am Hauptweg, den Glasbruch markierte.

Betreiber von Skiliften schliefen über dem Bier, lange

war Sommer, und jemand erfand ein glänzendes Gerät,

das neueste Surrogat für das Wandern.

Dem Weltkind wünschtest du Glück

und fandest ganz nahe die andere Seite,

wo Gehen gelingt, Hand in Hand, staunend.

Pardubice, September

Du denkst den Gedanken

der Trauer, Zurückliegendes.

Rings spielen die Kinder,

die Bogenschützen,