Das Essenz-Modell - Jürgen Dluzniewski - E-Book

Das Essenz-Modell E-Book

Jürgen Dluzniewski

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Beschreibung

Dieses Buch richtet sich an Menschen, die auf der Suche nach ihrer Lebensaufgabe sind. Menschen, die entdecken möchten, welchen wesentlichen Beitrag zum Ganzen sie leisten können. Und sehr häufig bildet die Erfahrung des eigenen Lebens als eines Hamsterrades den Anfang dieser Suche. Das Essenz-Modell ermöglicht ein bahnbrechend einfaches Verständnis der inneren Zusammenhänge des eigenen Lebens. Diese werden in den eigenen Worten formuliert, ausgedrückt und versinnbildlicht und dadurch auf tiefster Ebene verstanden.

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Seitenzahl: 255

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Jürgen Dluzniewski

Begründer des Essenz-Modells

Für alle, die es nicht lassen können,

nach dem Sinn des Lebens zu suchen.

INHALT

Vorwort

Einleitung

Aufbau und Sinn des Essenz-Modells

Das Quadrat des Überlebens

Die Urwunde

Der Impuls der Verantwortungsübernahme

Was ist das schmerzhafteste Ereignis in meiner Kindheit?

Die Funktion der Überlebensstrategie

Der Reflex der Ablenkung

Was die Urwunde wirklich ist

Die Überlebensstrategie

Das familiäre Element der Überlebensstrategie

Die innere Autorität des Ich-Muss

Wer ist der Überlebende?

Die Belohnung

Was ist meine Belohnung?

Wo wir die Liebe finden, die wir suchen

Die Trigger-Reaktion

Wie wehre ich mich in der Regel?

Der Charakter – Irrtum unseres Selbstverständnisses

Wie unsere Identität unser Selbstbild schützt

Von Wehrhaftigkeit zu Wahrhaftigkeit

Rekapitulation

Das Dreieck der Erfüllung

Die Einzigartigkeit

Der Diamant in deiner Tasche

Die Natur unserer Einzigartigkeit

Was gibt mir Sinn und Erfüllung?

Wenn die Seele spricht

Der Prozess der Bewusstwerdung

Die Enthemmung der Einzigartigkeit

Die Reaktionen der Umwelt

(K)ein Tag wie jeder andere – Deine Einzigartigkeit im Alltag

Der Kompass der wahren Werte

Die Werte

Nach welchen Werten lebe ich?

Das radikale Leben der Werte im Alltag

Das Tao der wahren Werte

Die Auflösung der Blockaden

Der Einfluss der Werte auf Haltung und Verhalten

Der Beitrag für die Welt

Das Zeitalter des Beitrags

Was ist mein Beitrag für die Welt?

Die Wichtigkeit des gesprochenen Wortes

Die neue Rolle des Egos

Die Versöhnung mit dem Ego

Die Lebensaufgabe

Die Lebensaufgabe formulieren

Die Lebensaufgabe ist keine Affirmation

Wenn die Seele singt, leuchtet die Welt

Die Komfortzone

Die Pfeiler der Sicherheit

Das Drama der Werte-Kollision

Die Komfortzone verlassen – oder erweitern?

Das Drei-Zonen-Modell im Essenz-Modell

Rekapitulation

Leben mit dem Essenz-Modell

Die Integration aller sieben Essenzen

Mit der Überlebensstrategie die Einzigartigkeit befeuern

Die Komfortzone erweitern, um alle Essenzen zu leben

Das Mantra der Lebensaufgabe

Das Mantra ist ein Chamäleon

Die Lebensaufgabe in Varianten ausdrücken

Deine Morgenroutine mit der Lebensaufgabe

Nachwort

Anhang

VORWORT

Es ist an der Zeit, uns unserer Essenz bewusst zu werden

Wer bist du? Hast du dich das schon mal ganz ehrlich gefragt? Darum geht es in diesem Buch. Es ist daher ein Buch über dich und ich lade dich hiermit herzlich ein, mit mir zusammen auf eine Reise zu gehen: eine Reise zu dir selbst. Es ist eine Forschungsreise durch deine Seelenlandschaft, hinein in dein alltägliches, gewohntes Ich-Gebäude und dann weit darüber hinaus in ein Reich, dass du so wahrscheinlich noch nie zuvor erkundet hast. Insofern ist es auch eine Abenteuerreise! Und ich verspreche dir, dass wir auf unserem Weg ungeahnte Schätze entdecken und bergen werden.

Ich bin also dein Reiseführer und kann von mir behaupten, schon über eintausend Menschen persönlich auf ihrer Erkenntnisreise begleitet zu haben. Du kannst folglich erwarten, dass ich mich auskenne. Damit unser gemeinsamer Weg zu deiner inneren Befreiung fruchtbar wird, sind von deiner Seite lediglich drei Dinge erforderlich: Aufrichtigkeit, Vertrauen und Offenheit. Wenn du mit dieser Haltung startest, wird dir das Essenz-Modell eine unglaubliche, nie gekannte Freiheit bescheren! Vertraue mir, um anzufangen. Vertraue deinem Reiseführer. Dies befähigt dich, den ersten Schritt zu tun. Von da an wird sich dein Vertrauen auf deiner eigenen, direkten Erfahrung begründen.

Doch was überhaupt ist das Essenz-Modell? Das Essenz-Modell ist eine Landkarte unseres Daseins, bestehend aus sieben Essenzen, die es zu entdecken, zu verstehen und anzunehmen gilt. Von uns allein. Es gibt unserer inneren Wahrheit einen authentischen, individuellen Ausdruck, eine eindeutige Sprache. So offenbart sich ein Leitfaden, der uns zeigt, was wir wirklich im Leben wollen und wie jeder Einzelne es erreicht. Und was ist der konkrete Nutzen dieses Buchs? Die eigene Urwunde zu erkennen und die wahre Lebensaufgabe zu entdecken!

Für wen ist dieses Buch? Dieses Buch richten sich an Menschen, die auf der Suche nach ihrer Lebensaufgabe sind. Menschen, die entdecken möchten, welchen wesentlichen Beitrag zum Ganzen sie leisten können. Und sehr häufig bildet die Erfahrung des eigenen Lebens als eines Hamsterrades den Anfang dieser Suche.

Eines Morgens, es war im August 2014, wachte ich auf und sah ein detailliertes Bild vor meinen Augen. Ich zeichnete es nieder und das Essenz-Modell war geboren.

Schon im Jahr 2003 hatte ich mit dem Strategiespezialisten Roland Schön meine Einzigartigkeit erarbeitet: Unbewusstes bewusst zu machen. Das hatte meinem Leben einen kompletten Wandel bereitet: Vom Hörspielregisseur und Immobilienhändler zum Coach für Einzigartigkeit. Und jetzt dieses Essenz-Modell mit seiner Besonderheit: die Dynamik der tieferen Zusammenhänge unseres individuellen Daseins einfach und lebendig darzustellen, sprich erlebbare Klarheit zu schaffen.

Als die Idee in mir reifte, ein Buch zum Essenz-Modell zu schreiben, hatte ich die Vorstellung von einem fachlichen, wissenschaftlichen Buch. Ich habe über fünfzehn Jahre als Coach und Berater für Führungskräfte gearbeitet und im Laufe dieser Zeit fundierte Kenntnisse in psychologischen Modellen und therapeutischen Disziplinen gesammelt. All das sollte meiner Vorstellung nach in dieses Buch einfließen. In mir brannte der Ehrgeiz, ein großes, perfektes Werk über den Sinn des Lebens zu verfassen.

Doch dann wurde mir immer klarer, dass die Welt keine neue komplizierte, wissenschaftliche Konstruktion brauchte, keine neue Philosophie, kein weiteres Theoriegebäude. Es braucht eher eine Fokussierung, eine Konzentration auf das Wesentliche. Unser Verstand ist bereits so überladen mit Konzepten, Denkstrukturen und mentalen Gebilden. Anstatt weiter und weiter abstraktes Wissen anzuhäufen, brauchen wir jetzt einfache, direkte und simple Entdeckungen unseres wahrhaftigen Wesens: unserer Essenz.

So nahm ich mir vor, beim Schreiben genau diese Qualitäten im Auge zu behalten und immer wieder zu überprüfen, ob bestimmte Aussagen oder Erklärungen nicht noch präziser, noch direkter und noch besser für den Leser nachvollziehbar formuliert werden können. Mein Wunsch war es, den Inhalt soweit wie möglich zu destillieren und Worte zu finden, die direkt ins Herz treffen.

Meine Coachings der letzten fünf Jahre waren geprägt durch Erarbeitung und Anwendung des Essenz-Modells mit meinen Klienten. Das waren vor allem Führungskräfte mittelständischer und globaler Unternehmen, internationaler Marken, Manager der mittleren Ebene, Filial- und Abteilungsleiter, öffentliche Personen, aber auch Privatpersonen in nicht-beruflichem Kontext. Die Resultate waren so beeindruckend und inspirierend, dass das Essenz-Modell immer mehr ins Zentrum meiner Arbeit rückte. Der Erfolg bestand darin, dass nahezu jeder, mit dem ich seinen Essenz-Pass erarbeitet hatte, seine wahre Lebensaufgabe entdeckte und diese tatsächlich zu leben begann.

Es schien, als hätte ich eine Schatzkarte gefunden, die für jeden Einzelnen funktionierte, und ihn oder sie zielsicher zu seiner Wahrheit führte. Das Prinzip war immer dasselbe, doch der Weg und der Inhalt so einzigartig wie der Mensch, der vor mir saß. Ich verstand, dass dieses Modell imstande war, jeden zu seiner wahren Lebensaufgabe und damit zu tiefer innerer Erfüllung zu führen. Das vorliegende Buch ist die Konsequenz dieses Verständnisses: Eine Erklärung des Modells und eine Anleitung zu innerer Befreiung. Es soll dazu dienen, die Weisheit und Einfachheit des Essenz-Modells so vielen Menschen wie möglich verfügbar zu machen, indem sie aus der Unbewusstheit erwachen, ihre Einzigartigkeit annehmen und ihre wahre Bestimmung erfahren.

Und das wiederum entspricht meiner eigenen Lebensaufgabe nach dem Essenz-Modell:

Ich bin der, der Unbewusstes bewusst macht,

mit Klarheit, Integrität und Lebensfreude,

damit Menschen ihre Lebensaufgabe erkennen

und innere Erfüllung erleben.

Was ist das genuin Neue am Essenz-Modell? Es ermöglicht ein bahnbrechend einfaches Verständnis der inneren Zusammenhänge des eigenen Lebens. Diese werden in den eigenen Worten formuliert, ausgedrückt und versinnbildlicht. Da dieses Modell ganz unterschiedliche, scheinbar konträre Modelle unter einer komplett neuen Perspektive vereinigt, ist die innere Struktur der einzelnen Kapitel der Dynamik des Essenz-Modells nachempfunden – sie macht erfahrbar, wie es im Leben wirkt. So tauchen mitunter abrupte Wechsel und Übergänge zwischen Erklärungen, Beispielen, Erfahrungsberichten und praktischen Übungen auf. Ich lade dich ein, dich auf diese Sprünge einzulassen: sie unterstützen dein Bewusstsein beim Perspektivenwechsel.

„Wahre Erfüllung“, „paradiesischer Raum“ - sind die Versprechen, die dieses Buch macht, nicht viel zu groß? Ist es nicht vermessen zu versprechen, dass das Essenz-Modell so Großes ermöglicht wie, dass ich den „Sinn meines Lebens“ finde?

Der paradiesische Raum wird nicht durch das Essenz-Modell erschaffen, sondern entdeckt. Dasselbe gilt für den Sinn des eigenen Lebens. Es ist nicht vermessen, sondern angemessen, etwas entdecken zu wollen, das schon da ist!

Im ersten Teil des Buchs findet sich in jedem Kapitel eine Übung, die dir hilft, den jeweiligen Schritt zur Erkenntnis zu vollziehen. Im zweiten Teil dann enthält jedes Kapitel eine Meditation, durch die du leichteren Zugang zur Bilderwelt deiner Seele erhältst, um Unbewusstes bewusst werden zu lassen.

Insgesamt liefert dieses Buch die hermeneutische Basis für ein Leben mit dem Essenz-Modell. Auf diesem Weg begleiten in der Regel ausgebildete Coaches für eine Weile dieses Leben und bieten maßgebliche Unterstützung bei der Klärung konkreter Fragen und Hindernissen, der Vertiefung des Verständnisses und Überprüfung eigener Wahrnehmungen und Schlussfolgerungen. Wenn du dich ernsthaft und aufrichtig auf deinen Weg zu dir machst, werden sich unumgänglich deine bisher unbewussten Themen zeigen und deine noch blinden Flecken demonstrieren.

Das Essenz-Modell erinnert uns dabei immer wieder daran, dass wir genau so in Ordnung sind, wie wir sind – mit allem, was wir sind. Ausnahmslos und bedingungslos.

Ohne Aussicht auf Erfolg zum Professor

Im April 2008 saß mir auf einer Zugfahrt ein netter, quirliger Mann gegenüber. Lockenhaare, 41, intellektueller Typ. Wir kamen sofort ins Gespräch. Er stellte sich als Dozent für Literatur vor. Ich erzählte ihm, dass ich als Coach arbeitete. Da erhellte sich sein Gesicht und er hatte eine Idee: „Können Sie mir helfen, Professor zu werden?“

„Wie groß sind die Chancen?“

„Nicht besonders.“

„Das klingt nach einer interessanten Aufgabe!“

Es war an der Zeit, seine Lebensaufgabe zu entdecken.

„Was ist Ihre Einzigartigkeit?“

„Ich weiß es nicht.“

„Welches Projekt war erfolgreich?“

„Vielleicht das Malereiprojekt!“

„Das Malereiprojekt?“

Er hatte als Doktor der Geisteswissenschaften Bilder aus dem Mittelalter untersucht, die Spruchbänder, also Schrift, auf der Leinwand trugen. Rätsel, Liebesbekundungen, kryptische Zeilen. Die Literatur fand dafür keine Verwendung, weil diese Zeilen keine Literatur waren, und die Kunstgeschichte lehnte eine Untersuchung ab, weil Schrift nicht als Kunst galt.

Doch er gab nicht auf und stellte Verbindungen her. Verbindungen zwischen mittelalterlichen Schriften und der Malerei. Verbindungen zwischen Auftraggeber und Geliebten, Realität und Geheimnissen.

Die Einzigartigkeit in der Lebensaufgabe beginnt mit: „Ich bin der, der…“ Wir hatten den ersten Teil: „Ich bin der, der mit Ideen Verbindungen entdeckt“ Wow! Ein Tor war geöffnet.

Das Essenz-Modell war damals übrigens noch nicht komplett geboren. Doch der Dreiklang: Einzigartigkeit – Werte – Beitrag war mir bereits klar. Und den erarbeiteten wir nach und nach.

„Was sind Ihre Werte, Verhaltensweisen, die sie tief bewegen?“

Er hatte Kinder und einen hohen Anspruch. Er war mutig, neue Wege zu gehen, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Und er war inspirierend.

„Mut ist dabei. Und Leidenschaft.“

„Was noch? Was wollen Sie, dass Ihre Kinder von Ihnen gelernt

haben?“

„Nicht aufgeben!“

„Durchhaltevermögen?“

„Ja!“

„Warum wollen Sie Verbindungen entdecken?“

„Hm, weil es mir Spaß macht? Zufall? Weil es

ein Projekt war? Keine Ahnung…“

Die Suche nach dem Beitrag ist am Anfang zäh, schwierig, geht über stereotype Aussagen meist nicht hinaus. Essenz-fördernde Fragen helfen:

„Was wollen Sie den Studenten mitgeben?“

„Dass sie begeistert sind!“

„Ah! Was noch?“

„Inspiriert?“

„Wovon, wofür?“

„Für das Mittelalter. Von der Welt!“

„Der Welt an sich?“

„Nein, der Schönheit der Welt! - Damit die Studenten

berührt und begeistert sind von der Schönheit der Welt!“

Und plötzlich stand sie klar und deutlich vor uns: seine Lebensaufgabe. Gefunden und geborgen, wo sie immer schon war: in ihm selbst.

Ich bin der, der mit Ideen Verbindungen entdeckt,

mit Mut, Leidenschaft und Durchhaltevermögen,

damit Menschen berührt und begeistert sind

von der Schönheit der Welt.

Wir waren beide beeindruckt und konnten es nicht fassen: So ein schöner Satz! Wenn die Lebensaufgabe gefunden ist, und sie den Besitzer selbst fasziniert, beginnt sich eine Tür zu öffnen und ein paradiesischer Raum entfaltet sich. Es ist, als würde man gebeten, einzutreten, und die Welt kommt einem gleichzeitig entgegen.

Es gab nach einiger Zeit eine Einladung an eine Universität. Dr. M. kam in die Endauswahl und der Dekan stellt die unumgängliche Frage: „Warum soll ich Sie nehmen und zum Professor machen?“

„Weil ich der bin, der mit Ideen Verbindungen entdeckt, damit die

Studenten berührt und bewegt sind von der Schönheit der Welt!“

„Können Sie das nochmal sagen?“

„Natürlich, es ist ja meine Lebensaufgabe!“

Der ehemalige Dozent aus Dresden wurde ordentlicher Professor, weil ein Projekt geleitet werden sollte, das die Verbindung der Ostsee und des Mittelalters untersuchen würde. Die Lebensaufgabe hatte den Lauf seines Lebens bestimmt.

Zwei Jahre später bat mich der arrivierte Professor auf die Homepage einer anderen Universität zu schauen. Er ist als Professor seines Spezialfachgebiets an die renommierteste Universität des Landes berufen worden. Wegen seiner Lebensaufgabe und seinem Mut sie auszusprechen und zu leben.

Wir konnten es beide nicht glauben. Und ich bekomme noch jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.

EINLEITUNG

Die Nützlichkeit einer Landkarte besteht für den Reisenden aus drei Aspekten: Erstens zeigt sie ihm exakt, wo er sich gerade befindet. Zweitens dient sie dazu, einen Zielort festzulegen und drittens zeichnet sie en détail den Weg vor, den man gehen muss, um vom Ausgangspunkt zum Zielort zu gelangen. Das Essenz-Modell kann ebenfalls als eine Art Landkarte verstanden werden. Eine Landkarte des eigenen Daseins. Mithilfe des Essenz-Modells können wir nicht nur feststellen, wo wir uns gerade mit uns selbst befinden, sondern auch, wie wir dorthin gekommen sind. Es erlaubt uns also nicht nur einen Blick nach vorn, in eine Vision dessen, was wir sein können, sondern genauso einen Blick in die Vergangenheit, der uns entschlüsseln kann, welchen Pfad wir gegangen sind, um dort zu landen, wo wir uns heute befinden.

Es gibt eine Zeit und Notwendigkeit für beide Blickrichtungen. Bei der Arbeit mit dem Essenz-Modell beginnen wir in der Vergangenheit, um zu erkennen, warum wir die Person geworden sind, als die wir heute den Beruf haben, den wir haben, die Beziehungen und Freundschaften haben, die wir haben und die Probleme haben, die wir haben.

Das Essenz-Modell ist ein Reiseführer zur Quelle unseres Seins, einer Quelle, die gleichzeitig das Zentrum unserer innersten Erfüllung ist. Dort sprudeln Liebe, Glück und Zufriedenheit im Überfluss. Und zwar schon immer. Wir haben es lediglich vergessen, als wir begannen zu glauben, dass wir diese Essenzen draußen in der Welt suchen und finden müssten. Das Essenz-Modell hilft uns, diese verlorene, vergessene Wahrheit neu zu entdecken und ganz wahrhaftig in unserem Leben in Anspruch zu nehmen. Die Entdeckung, dass das, was wir uns so sehnlich wünschen, schon immer bereits in uns ist, ist in Wirklichkeit eine Wiederentdeckung und ein besonderer Zauber, den jeder erlebt, der den Weg zu sich selbst geht. Die Quelle zu finden, ist eine Offenbarung. In, mit und als die Quelle zu leben, ist Erfüllung und pure Lebensfreude. Das Essenz-Modell ist eine Möglichkeit, den Weg zu dieser Erfüllung und Lebensfreude zu beschreiten. Es ist Landkarte, Kompass und Reiseführer. Und obgleich es vermag, jeden zu seiner Quelle zu führen, ist jeder Weg, jede Reise so einzigartig und individuell, wie der Mensch, der diese Reise unternimmt.

Im Folgenden möchte ich beispielhaft Ausschnitte des kontinuierlichen Dialogs zwischen Prof. M. und mir wiedergeben, um zu zeigen, wie umfassend sich die Entdeckung unserer tieferen Wahrheit auf alle möglichen Lebensbereiche und unser Selbstverständnis auswirken kann.

Die Dynamik der Transformation des Prof. M.

- Auszüge unserer Email-Korrespondenz -

Lieber Herr Dluzniewski,

das Gespräch gestern Abend hatte vor allem heute Nacht und heute Vormittag etwas in Gang gebracht, was ich am Telefon offenbar nicht bereit war zuzulassen.

Die Arbeit an den Listen hat mich plötzlich sehr berührt, nämlich (es wird Sie nicht wundern) bei dem Punkt 14 der Freudeliste. Da steckt wirklich eine massive Verletzung in mir drin und ich spüre, wie ich von Strategien umstellt bin, die mich immer wieder nicht spüren lassen, was da leben will...

Danke, dass Sie mir helfen.

Lieber Herr Dluzniewski,

die Achterbahnfahrt geht weiter. Einerseits erlebte ich eine tiefe Freude mit meiner Lebensaufgabe - sie gibt mir Mut und Kraft. Andererseits nagen dann wieder die Zweifel und wie bei kreuz und quer geschossenen Silvesterraketen verliere ich die Orientierung durch Dutzende verschiedener Wichtigkeiten, nach denen ich sehen muss.

Mann, ist das manchmal anstrengend mit diesem Weg.

Ihr L. M.

Lieber Herr Dluzniewski,

gestern Abend habe ich mit meinem ehemaligen Chef und Über-Papa telefoniert. Es war wahrscheinlich das erste Telefonat, das ich jemals mit ihm hatte, in dem es ausschließlich um mich ging. Ich habe ihm von meinen ganzen Erfahrungen beim den Bewerbungsvorträgen erzählt und von meinen berechtigten Hoffnungen auf eine Professur berichtet (hier ist eine weitere Hürde genommen: der Fakultätsrat hat einstimmig! der Liste, auf deren erstem Platz ich stehe, zugestimmt - jetzt muss nur noch der Senat zustimmen und der Ruf dürfte im Juni erfolgen).

Dann habe ich die Frage gestellt, wie er mich sieht, was ich seiner Meinung nach erreichen sollte und wo meine Stärken liegen. Die Frage hat ihn kurz überrascht, dann aber hat er ausführlich geantwortet (ich habe versucht mitzuschreiben):

Deine Stärken sind

der Unterricht (die Beziehung zu den Studenten, Begeisterung...)

die psychosoziale Dimension (Sensibilität für die Nöte, Gefühle, Fähigkeiten der Mitarbeiter, Kollegen und Studenten)

das ‚Durchziehen‘ eines Projekts, das habe ihn sehr beeindruckt, wie ich meine Mitarbeiter um mich schare und motiviere und wie es mir gelingt, ergebnisorientiert zu arbeiten.

Als Nah- und Fernziele würde er empfehlen, dass ich jetzt zunächst meine Habilitationsschrift (zum Erec) publiziere - um dann frei zu sein für ganz was Neues, auch um gelegentlich einfach einen Aufsatz zu schreiben zu den Dingen, die mir beim Unterrichten auffallen. Außerdem solle ich unbedingt die Außenwirkung der Geisteswissenschaften zu meiner Sache machen.

Ist das nicht ein schönes Ergebnis für ein Telefonat mit einem Menschen, der mich gut kennt, von dem ich viel gelernt habe...

Herzliche Grüße

Lieber Herr Dluzniewski,

nun bin ich von der Tagung zurück und habe mir irgendwie bei der siebenstündigen Autofahrt den Rücken verrenkt und leide wieder mal vor mich hin - nein, ich habe auch das akzeptiert.

Zu Hause lag dann tatsächlich, ich hatte erst in Wochen damit gerechnet, ein Brief des Rektors mit dem schönen Satz: „auf Vorschlag der Fakultät ... berufe ich Sie auf die Professur“. Ist das nicht super? Mein erster Ruf.

Danke schon einmal für alles und danke, dass Sie da sind für mich.

Alles Gute

Ihr L. M.

Lieber Herr Dluzniewski,

In den letzten Tagen habe ich sehr deutlich auch eine Bestimmung in mir gehört, die heißt: ich will und soll Diener sein, ich will den Menschen dienen. Was ich so deutlich bei Ihnen gelernt habe, ist die Einsicht, dass dies eben auch katastrophisch sein kann, wenn es bei diesem Helfen und Dienen eher um mein Wohlgefühl geht oder wenn ich die anderen in Opferrollen zwänge etc. und vor allem, wenn ich meine eigenen Bedürfnisse und Lüste verleugne.

Manchmal habe ich zu wenig Mut (auch im Coaching), meine Sicht auf die Dinge zu verteidigen oder positiv anzuerkennen. Schnell lasse ich mich verunsichern. Dabei habe ich bei Ihnen gelernt, die eigenen Prägungen anzuerkennen und ja zu sagen und dann natürlich Schritte nach vorne zu machen.

In unserem letzten Gespräch war mir fast am wichtigsten die Erkenntnis, dass ich sehr gerne andere verantwortlich mache für ein Geschehen. Ich bin es, der empfindet und Bedürfnisse hat und handelt. So ist es.

Sie sehen, Sie haben viel in Gang gebracht. Danke.

Jetzt muss ich mal weiter arbeiten...

Ich grüße Sie herzlich und freue mich auf unser nächstes Gespräch.

Ihr L. M.

Lieber Herr Dluzniewski,

gestern habe ich in der ehrwürdigen Alten Aula einen Vortrag zur Eröffnung einer Ausstellung gehalten, vor ca. 300 Leuten (zur Hälfte Professoren!), und ich habe exakt das gemacht, was ich kann: mit Ideen Verbindungen entdecken (unter anderem zwischen Liebesliedern und Satellite von Lena), habe die Leute überrascht und begeistert für die Schönheit der Welt (in diesem Fall: für die Schönheit der Liebe und der Literatur).

Dem lieben Gott habe ich davor um Demut gebeten (weil ich ahnte, dass es der Brüller würde), danach habe ich ihm gedankt, und meiner Frau und meinen Kindern, die alle auch da waren. Nun danke ich Ihnen, der mich aufs rechte Gleis gestellt hat.

Herzlich

Ihr L. M.

Lieber Herr Dluzniewski,

ich danke Ihnen von Herzen, dass Sie mir geholfen haben, mich selbst zu erkennen und meine Lebensaufgabe zu finden und nun umzusetzen.

Ich wollte ja nie an diesen renommierten Lehrstuhl, und nun stellt sich heraus, dass das der Ort ist, an den ich eigentlich wollte, ohne es zu wissen. Die Gralsburg kann man nicht aus eigener Anstrengung finden; nur der, der erwählt ist, findet sie. So komme ich mir z.Zt. vor.

Ich würde mich über ein Telefonat sehr freuen. Morgen z.B. bin ich bis ca. 15:30 Uhr frei und gut erreichbar.

Herzliche Grüße

Ihr L. M.

Aufbau und Sinn des Essenz-Modells

Die Darstellung des Essenz-Modells besteht aus zwei Hemisphären, die sich in der Mitte als unsere nur allzu bekannte „Komfortzone“ überlagern. Die linke Hemisphäre ist das „Dreieck der Erfüllung“, die rechte das „Quadrat des Überlebens“. In unserem meist unbewussten Alltagsleben befinden sich diese beiden Teile in Konkurrenz: beide suchen ihren Platz in unserem Dasein.

Beide Hemisphären sind durch mehrere Aspekte gekennzeichnet, die sie ausmachen. Das Dreieck der Erfüllung besteht aus der Einzigartigkeit, den innersten Werten und dem Beitrag für die Welt. Wenn alle drei Aspekte entdeckt und in logischen Zusammenhang gebracht sind, habe ich meine Lebensaufgabe gefunden. Bei der Erarbeitung des Essenz-Modells steht am Ende, als Resultat, immer die eindeutige Formulierung der Lebensaufgabe – nicht als Idee, sondern als offenbarte Erkenntnis.

Das Quadrat des Überlebens wird von den vier Aspekten Urwunde, Trigger-Reaktion, Belohnung und Überlebensstrategie gebildet. In unserem bisherigen Leben haben diese vier Aspekte grundsätzlich unser Leben bestimmt: unser Selbstbild, unsere Beziehungen, unsere berufliche Karriere, unsere Ängste und Hoffnungen. Solange uns die Mechanik dieser Einflüsse nicht bewusst ist, laufen wir quasi blind und taub im Hamsterrad unseres Lebens, fühlen uns ungerecht behandelt, isoliert, beherrscht, verlassen, verunsichert, beleidigt, ungeliebt und unzufrieden.

Am Anfang birgt das Quadrat des Überlebens also viel Unbewusstes, Unbekanntes und auch Schmerzhaftes. Reflexartig wollen wir uns daher viel lieber dem verheißungsvollen Dreieck der Erfüllung zuwenden – wir wollen direkt ans Ziel, wir wollen Erfüllung in unserer Komfortzone. Und wir wollen, dass uns diese Erfüllung dorthin geliefert wird. Das aber wird nicht passieren. Und das wissen wir. Wir wissen es nur zu gut, denn genau auf diese Lieferung warten wir schon so lange in unserem Hamsterrad. Wir laufen, laufen und laufen und warten, warten und erwarten. Und hast du jemals die ultimative Erfüllung gefunden? Eine Erfüllung, die nicht abhängig ist von Bedingungen, anderen Menschen, deinem Kontostand? Würdest du dann dieses Buch lesen?

Da wir das volle Potenzial möglicher Erfüllung erleben wollen, beginnen wir also damit, uns das bewusst zu machen, was uns bisher nicht bewusst war. Das Unbewusste ist wie ein Kellerraum, in dem wir jahrelang Dinge abgestellt haben, auf einander gestapelt, ineinander gerückt, ohne je das Licht anzumachen. Dort drinnen herrscht vermutlich eine gewisse Unordnung, einige Dinge sind verstaubt, andere gar nicht wieder zu erkennen und noch andere haben sich, ohne dass wir es bemerkt hätten, bereits weitgehend aufgelöst.

Die energieraubende Mechanik, mit der wir uns ans Quadrat des Überlebens ketten, kann nur funktionieren, wenn wir diesen Kellerraum nicht betreten und nicht das Licht anmachen. Sie ist dafür verantwortlich, dass unsere Erfüllung Sehnsucht bleibt und wir mit einem schwächlichen, trügerischen Selbstbild leben, anstatt mit unserem innersten, unserem wahren Selbst – unserer Essenz! Daher werden wir diesen Abstellraum betreten und das Licht anschalten. Wir bringen sogar noch eine große Taschenlampe mit. Und wir werden diesen Raum respekt- und liebevoll betreten, mit Achtung und Wertschätzung für uns selbst und das, was wir zusammen betrachten werden.

Dein Verstand wird jetzt vielleicht sagen „Vielleicht ist es besser, da nicht hin zu schauen. Wer weiß, was wir da finden werden!“ oder „Nein! Das will ich gar nicht wissen.“ Oder ein unbehagliches Gefühl meldet sich in deinem Bauch, vielleicht taucht spontan ein Gefühl von Unlust auf, dieses Buch weiter zu lesen. Ganz gleich, mit welchen Argumenten dein Verstand taktiert, diesen unbesehen zu glauben ist genau das, was dich bisher davon abgehalten hat, wirkliche und dauerhafte Erfüllung zu erfahren. Verstehe, dass die Mechanik des Quadrats des Überlebens in diesem Moment noch in deinem Unbewussten liegt und dir daher per se noch nicht bewusst sein kann. Aber vielleicht kannst du mir ein Stück weit vertrauen und die nächsten ein, zwei Schritte mit geschlossenen Augen mit mir gehen. Ich verspreche dir, dass sich deine Augen in Kürze öffnen werden und du dein Leben in einem völlig neuen Licht sehen wirst. Und das ist nur der erste Schritt.

GLOSSAR

Urwunde

Ein schmerzhaftes Erlebnis oder Schock, entstanden in der Kindheit. Meist ausgelöst in Verbindung mit einem geliebten Menschen oder einer Situation, in der offensichtlich wurde, dass der Mensch mit allen oder bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen nicht angenommen wurde. Die Häufigkeit und Intensität des Erlebnisses definiert die Intensität der Urwunde.

Die Urwunde reißt im täglichen Leben immer wieder auf; die Intensität richtet sich nach dem Ähnlichkeitsindex (Similarity Index). Je exakter die jetzige Situation mit der ursprünglichen erlebten, schmerzhaften Situation korreliert, desto stärker wird die Urwunde empfunden.

Die Urwunde muss nicht geheilt werden. Sie kann durchdrungen und umarmt werden.

Überlebensstrategie

Die kindliche Reaktion auf das Erleben der Situation, in der die Urwunde entstand. Als Kind gibt es die Annahme, tatsächlich schuldig zu sein. Daraus entsteht eine Handlungsoption: es braucht ein Verhaltensmuster, das sicherstellt, dass der Schmerz der Urwunde vermieden werden kann. Dieses Verhaltensmuster (z.B. „Ich muss brav sein“) ist eine mentale Entscheidung, um den emotionalen Schmerz unter Kontrolle zu bringen. Im Laufe der weiteren Entwicklung bildet sich aus dieser ursprünglichen Entscheidung eine Strategie für alle Lebenslagen.

Das grundsätzliche Verhalten im täglichen Leben lässt sich so auf Aspekte der Überlebensstrategie zurückführen. Je älter Menschen werden, desto mehr wollen sie mit ihrer Überlebensstrategie recht behalten.

Belohnung

Im Moment der Ablehnung erlebt das Kind neben dem Schmerz auch eine Sehnsucht: so angenommen zu werden, wie es sich selbst wahrnimmt. Diese Sehnsucht wird zu einem Grundbedürfnis, das ebenfalls ein ganzes Leben lang für das Erleben von Glück und Liebe als erstrebenswert und unabdingbar gilt. Anerkannt oder ernst genommen zu werden gehören genauso dazu, wie Applaus oder Sicherheit.

Die genaue Formulierung ist für den Maßstab des Erfüllungsgrades entscheidend. Je exakter die Belohnung die kindliche Erwartung erfüllt, desto stärker der Eindruck von Glück und Geliebtsein. Da aber die Urwunde als Quelle gilt und die Herrschaft im Erleben hat, interpretieren viele Menschen eine „Belohnung“ als falsch, oder gar als Manipulation. Dies ist auch der Grund dafür, warum wir eine echte Anerkennung nur so schwer annehmen können: Der Urwunde wird geglaubt, der Belohnung dagegen nicht.

Trigger-Reaktion

Wenn die Überlebensstrategie versagt und die Urwunde nach dem Ähnlichkeitsindex „aufgerissen“ wird, erfolgt automatisch eine Reaktion aus dem limbischen System, um sich selbst zu schützen. Es gibt drei Grundmuster als Erstreaktion: Angriff, Flucht oder Erstarrung. Manche sehen auch noch die Rationalisierung als Reaktionsmöglichkeit für den Notfall.

Die Trigger-Reaktion verläuft in mehreren Phasen: Es gibt zunächst einen Impuls, dann die Taktik und schließlich der Übergang in die Normalität zur Überlebensstrategie. Es ist möglich, dass eine Belohnung die Trigger-Reaktion verkürzt.

Einzigartigkeit

Ein Talent, eine Eigenschaft, die ein Mensch ganz unbewusst mit ins Leben bringt, ist angeboren. Es ist ein Gefühls-, Gedanken,- und Verhaltensmuster, das mit in die Wiege gelegt ist. Manche glauben, dass es mit der Seele gekoppelt in den Körper tritt, andere sind sicher, dass die Sippe oder die Sternenkonstellation die Einzigartigkeit bestimmt.

Auf jeden Fall sprechen wir von einer zu tief verwurzelten Eigenschaft jenseits aller Prägungen. Die Einzigartigkeit kann entdeckt werden, ansonsten wird sie von den Prägungen überlagert.

Werte

Wir unterscheiden zwischen kulturellen, gesellschaftlichen und individuellen Werten. Im Essenz-Modell stellen die Werte einen Übergang zwischen Prägung und Einzigartigkeit dar. Sie sind tiefe Überzeugungen, „wie“ man sein Leben gestalten will. Auf welche Versprechen andere Menschen sich verlassen können und man sich bei anderen verlassen will. Die Werte, oder auch Verhaltensweisen, sind grundsätzlich wohlwollend und unterstützend im Dienste der Gesellschaft. Die Werte im Essenz-Modell stellen eine permanente Entscheidung und ein Ringen um die eigenen Werte dar. Werte leben heißt nicht, dass es immer gelingt, es heißt eher, dass es einen bewussten Selbstreflexionsprozess fordert, um mit seinen Werten und Verhaltensweisen in Einklang zu kommen.

Beitrag für die Welt

Die mystischste aller Essenzen im Essenz-Modell.

Der Beitrag stellt die wichtigste Quelle dar und birgt die Chance auf einen erlebbaren Sinn. Einen Sinn im Leben zu finden und diesen aktiv zu leben steht immer in Beziehung zu andern Lebewesen oder der Welt im Gesamten. Ein Beitrag zu sein ist weder altruistisch, noch egoistisch. Es ist die natürliche Konsequenz des Handelns aus der Einzigartigkeit heraus, basierend auf den individuellen Werten. Der Beitrag ist eine notwendige Konsequenz, die als Ergebnis dieser Fokussierung entsteht. Dabei ist es mystisch, dass etwas als Beitrag möglich wird, weil die Einzigartigkeit mit den Werten einen Raum schafft, in der der Beitrag wie von selbst sichtbar wird. Er kann niemals erzwungen werden, sondern muss in Liebe und Hingabe als Zauber erblühen.

I

TEIL EINS

DAS QUADRAT DES ÜBERLEBENS

Das Symbol des Quadrats hat in der kulturellen Geschichte des Menschen zahlreiche Bedeutungen, die jedoch alle miteinander verbunden sind und übergeordnet für dasselbe stehen: das irdische Dasein des Menschen, seine Verstofflichung, seine Inkarnation.

Das Quadrat steht also für die Dimension unseres Seins, die sich auf das Leben in der Welt bezieht, das nackte menschliche Dasein in Fleisch und Blut – von der Geburt, durch unsere Lebensgeschichte hindurch, bis zum Tod. Es ist ein Symbol für die irdischen Gesetzmäßigkeiten, für Materie, für die physische Welt. Im Essenz-Modell steht das Quadrat noch weitgreifender für die Gesetzmäßigkeiten unseres Lebens: nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Und diese Gesetzmäßigkeiten beherrschen das Erleben unseres Lebens umso umfangreicher, je unbewusster uns diese Mechaniken sind. Das Umgekehrte gilt aber auch: je bewusster wir uns sind, was in unserem Innern unser Leben bestimmt, desto weniger Wirkung hat es. Und das kann bis zu einem Grad der Bewusstheit und Klarheit gehen, dass diese Wirkung gegen Null tendiert. Das bedeutet nicht, dass die Kräfte, die in unserem Leben herrschen, verschwinden – obwohl dies in Einzelfällen passieren kann –, sondern dass sie uns nicht mehr beeindrucken, überwältigen, bestimmen oder verführen.