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Wie ist es möglich, das Heil der Seele zu bewahren, wenn das gewohnte Leben schlagartig in sich zusammenfällt? Wie fühlt sie sich an, die Kraft, die uns am Leben hält, die uns jeden Tag weitermachen lässt? Als wie groß erweisen sich Herz und Universum, wenn sie das Letzte sind, in das ein Mensch all seine Hoffnung legen kann? Melanie Köbke erzählt in diesem Buch, wie sie das Leben in einem Frauenhaus sowie die Monate davor und danach erfahren hat. Im Mittelpunkt steht ihr inneres Erleben, die Verarbeitung intensiver Emotionen und Erkenntnisse sowie ihre große Sehnsucht nach Glück, Liebe und Frieden. In Form von Gedichten und Tagebuchtexten wird dem Leser der Einblick in eine Wirklichkeit gewährt, in der jeder Moment ein Wunder sein kann, wenn man den richtigen Blick dafür hat.
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Seitenzahl: 334
Veröffentlichungsjahr: 2016
MELANIE KÖBKE
Das ewig Neugeborene
MELANIE KÖBKE
WunderLeben, WunderSein
Gedichte & Tagebuch
tredition
© 2016 Melanie Köbke
Umschlaggestaltung, Illustration: Melanie Köbke Lektorat, Korrektorat: Melanie Köbke
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN Taschenbuch: 978-3-7345-7051-3 ISBN e-Book: 978-3-7345-7053-7
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
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20. Juli 2013
Dieses Leben auskosten wollen, vom Leben überhaupt etwas wollen – mhh, das ist mir so fremd! Was sollte ich wollen? Was ist das Beste für mich? Tja, genau das will ich ganz offensichtlich: Das Beste für mich, das Beste für meine Entwicklung. Und genau das ist dann auch das Beste für mein Umfeld und für meine Arbeit.
28. April 2014
Ich bin schon eine ganze Weile fest davon überzeugt, dass es keine Kraft im Universum gibt, die gegen mich ist. Es kommt einzig auf meine Wahrnehmung an, dann kann ich immer sehen, dass alles für mich ist, auch wenn das erst nach Tagen / Wochen / Monaten erkennbar wird.
29. Mai 2014
Irgendwie glaubte ich, wer sich selbst liebt, der kämpft für sich selbst, der lässt sich nichts gefallen, der setzt sich durch, usw. Doch mir war nicht klar, dass ich auf diesem Wege immer gegen meine Mitmenschen kämpfe, indem ich mich von ihnen abtrenne. […] Für sich selbst kämpfen, sich etwas gefallen lassen, sich durchsetzen, oder sich unterordnen; das alles gibt es in der Wirklichkeit nicht. Es sind nur Interpretationen, Ansichtssachen.
26. Juni 2014
Im März diesen Jahres hatte ich ganz ganz ganz klar das Gefühl bzw den Gedanke in mir: »Der Traum endet jetzt (Tod?), alles löst sich auf, so als würde ich nach einem traumreichen Schlaf aufwachen.« […] Ich nahm es wahr wie ein totales Sterben, ein vollkommenes Loslassen von etwas, das in Wahrheit nie existiert hat (mein Leben als Melanie / Maya hier auf der Erde). Ich wartete in jeder Sekunde regelrecht auf den großen Knall und auf das Aufwachen in einer anderen Welt. […] Stattdessen kam die Bedeutungslosigkeit.
5. August 2014
Tief in mir ruht eine Gewissheit. Sie ist leise, aber sie ist da. Die Gewissheit, dass das alles gut ausgehen wird. […] Ich vertraue Gott, ich vertraue mir, und ich folge den Impulsen in mir, ohne viel darüber nachzudenken. Da ist ein Wille in mir, dem ich willenlos folge und der keine Zweifel zulässt.
29. September 2014
Bedeutungslosigkeit. Sinnlosigkeit. Leere. […] Jede Stunde gleicht der nächsten. Nichts zu tun. Keine Pläne. Jeden Morgen liegt vor mir ein plan-leerer Tag. Trotzdem ist ganz schnell Abend, Nacht, und ich liege wieder zufrieden, schön warm eingekuschelt in meinem Bett und beobachte weiter dieses Nichts. […] Wenn ich mich aus allem ganz ausklinke, wenn ich die Welt vergesse und tief in mich schaue, wenn ich diese raumlose und zeitlose Leere in mir selbst bewusst aufsuche, dann ist da seit Wochen etwas Neues; etwas, das mir die bisherigen drei Jahrzehnte noch niemals aufgefallen ist: Ein friedliches, leises, stabiles Gefühl von »Schön, dass ich da bin. Schön, dass ich bei mir bin.« Dort ist Freude. Sehr rein. Sehr still. Bewegungslos. Formlos. Für Andere unerkennbar.
25. Dezember 2014
Ich fühle mich so gut. Glück, Zufriedenheit … das sind irgendwie nicht die richtigen Worte für das, was ich wahrnehme. Wohlsein – vollkommenes Wohlsein, ungeachtet aller Umstände. […] Ich erkenne jetzt ganz klar: Ich bin nicht das Monster, das ich seit meiner frühen Jugend zu sein glaubte. Wer heute noch immer ein Monster in mir zu sehen meint, der sieht nicht mich, sondern seinen eigenen Schatten.
29. Dezember 2014
Dieses Gefühl – es ist so wahnsinnig viel Energie – bringt mich an den Rand des Wahnsinns und zugleich fühlte ich mich niemals so geerdet und klar wie jetzt. […] Es ist, als ob ich in Abermilliarden Diamanten zerspringen will, die so viel Licht brechen, dass dieses Licht den ganzen Planeten – ähnlich wie bei einer gigantischen Atombombenexplosion – hinweg fegen würde. Dieses Gefühl – diese Energie – ist sowohl friedlich als auch kriegerisch. Ich will kämpfen, töten und siegen und zugleich aufgeben, verlieren und sterben. […] Es hat keinen Anfang und kein Ende. Mir scheint, es ist alles, was ich bin. Mir scheint, es liegt allem zugrunde, was ich jemals »Gutes« und »Böses« getan habe. Es ist eine Naturgewalt. […] Dieses Gefühl, diese Freude, diese Ekstase, diese Naturgewalt … damit bin ich geboren worden, das habe ich mit ins Leben gebracht, das hat überhaupt erst mich ins Leben gebracht. Nüchtern betrachtet könnte man es einfach nur Lebendigkeit nennen. […] Ich bin ein Wunschkind des gesamten Planeten Erde, nein, des gesamten Universums. Genau so wie jetzt, und keinesfalls anders, soll ich sein. Das, was ich bin, wurde ersehnt von allem, was ist. Ich bin die Antwort auf die vergessene Frage. Ich bin die Erfüllung des schönsten Traums. Ich bin eine Wirklichkeit gewordene Idee. Vorher existierte ich nur im Geist des Kollektivs – unsichtbar –, jetzt existiere ich als eine Erscheinung, die vom Kollektiv, das mich erdacht hat, gesehen werden kann. Ich bin jetzt eine Idee, die wirkt.
30. Dezember 2014
Ich will, nein, ich fordere von Gott / vom Universum, dass er / es sich um das Wohl meines Körpers kümmert. Wenn ich denn nun schonmal hier bin – von Gott gewollt, von jeder Seele auf diesem Planeten gewollt –, dann verlange ich auch, dass alles in aller Macht Stehende getan wird, damit sich meine Seele frei und unbekümmert entfalten kann. Und wenn ich bereit bin, im Gegenzug dazu Gottes Wille zu befolgen, dann muss auch Gott bereit sein, meinem Willen zu folgen. […] Es ist die Entscheidung Gottes / des Kollektivs / jeder einzelnen Seele, ob ich hier im Leben erwünscht bin oder nicht. Und entweder meine Forderung nach Fürsorge und Schutz wird erfüllt oder ich gehe. Das Eine geht nicht ohne das Andere. Wenn ich gewollt bin – wenn ich WIRKLICH so unermesslich und bedingungslos geliebt werde von allem, was ist –, dann fordere ich, dass auch dementsprechend gehandelt wird, dass sich diese Liebe in entsprechenden Taten zeigt. […] In mir ist kein Platz mehr! Ich bin so voll, dass ich nichts mehr annehmen kann. Ich bin so leer, dass ich nichts mehr vergeben kann.
5. Januar 2015
Heute Nacht ist mir folgendes Bild in den Sinn gekommen:
Ich hinterlege dieses Bild hier kommentarlos, außer der Erinnerung: Am
03.05.2006 war mein letzter Suizidversuch.
9. Februar 2015
Ich bin so glücklich, so so glücklich. Ich bin … nein, in mir ist so viel ruhendes Glück – ein ganzer Ozean, wellenleer, lackglatt, kristallklar, hellfunkelnd –, dass alles beim Alten bleibt und doch völlig neu ist. […] Ich bin so glücklich, ich bin so erfüllt, mir darüber bewusst zu sein, dass ich bin. Heute beim Autofahren war es wieder ganz besonders stark im Vordergrund; dieses Gefühl, dieses überwältigende Gefühl, da zu sein, dabei zu sein, dem Leben zuschauen zu dürfen. Wenn ich Auto fahre, muss ich gar nichts tun. Mein Körper tut das wie ganz von allein. Ich kann ihm vollkommen vertrauen. Jeder Handgriff, jeder Blick, jede Reaktion – perfekt, absolute Perfektion. Und ich staune, wie alles fließt, wie alles um mich herum fließt, wie ich hinter mir fahre, vor mir, neben mir und mir selbst entgegenkomme. Überall bin ich, überall ist Leben. […] Ich bin verliebt. Ich bin grenzenlos in dieses Leben hier in meinem Körper verliebt.
24. März 2015
In meiner, wie ich es nenne, Todesnacht vom 10. auf den 11. März 2015 wurde ich überflutet von dieser Wahrnehmung, dass alles Gott ist. Alles, was ich sah und hörte, kam aus der selben Quelle und strotzte doch gleichzeitig nur so vor Widersprüchlichkeit. […] Egal, wo ich meinen Blick hinwendete, alles sprach auf gewaltige Weise zu mir – als ein komplettes Durcheinander und war doch zugleich als Ganzes ein zusammenhängender Monolog: Die Eine einzigartige Rede Gottes! […] Ich weiß Folgendes mit Sicherheit: Ich sah und hörte Die Unendliche Macht Gottes, die alles durchdringt. […] Totales Vertrauen, vollkommene Liebe, endlose Fürsorge – aber auch absolute Macht, gewaltige ehrfurchtgebietende Allmacht […] Es ist tiefer. Es ist viel viel durchdringender, im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist, als ob du dem Leben und dem Tod, der Liebe und der Angst auf unfassbar gewaltige Weise zeitgleich und wesensgleich begegnest. […] Ob wir uns nun darüber im Klaren sind oder nicht, aber stets kommunizieren wir alle auch auf einer höheren Ebene miteinander. Das Eine Höhere Selbst tauscht sich aus über viele verschiedene Körper, die gemeinsam ein gigantisches Informations-Netzwerk bilden – mit Echtzeit-Zugriff darauf, also wann immer wir wollen. Es gibt nur Eine Liebe, die aus uns allen zu uns allen spricht.
5. April 2015
Ich bin glücklich. Überglücklich. Ich sehe die Zeichen. […] Liebesbekundungen in Form von Fürsorge, Ratschlägen, Kümmern, Austausch, Zuhören, Begegnung, aber auch in Form von Gedichten, Musik, Bildern, Tanz usw sollten für jeden Menschen Priorität Nr. 1 in seinem Leben sein. Denn wer sich seiner Liebe zu seiner Quelle bewusst ist, der läuft über vor Liebe und verteilt diese ganz automatisch an alle Menschen, die ihm begegnen. Das ist Leben. Das ist Lebendigkeit. Das ist der Mensch! Er ist ein Kümmerer, ein Helfer, egal ob Frau oder Mann. Wir alle sind einander Mütter und Väter. Genau das gilt es wieder zu erinnern, zu akzeptieren und zu leben. […] Was die Quantenphysiker sagen, dass ein Teilchen zeitgleich an mehreren Orten sein kann, ist absolut wahr. Es ist sogar die Realität! Ich fühle – fühle es so stark wie noch niemals zuvor –, dass ICH tatsächlich an mehreren Orten gleichzeitig BIN. […] Ich meine das rein menschlich bzw rein aus der Betrachtung des Lebens in einem Körper heraus: Wir alle – da gibt es keine Ausnahmen, auch wenn äußerlich extreme Unterschiede sichtbar zu sein scheinen –, wir alle sehnen uns zutiefst nach Frieden, nach Harmonie, nach Verbundenheit, nach Verständnis; danach, uns im Anderen zu erkennen. Wir alle brauchen die Gewissheit, dass wir in unserem Innersten eins / gleich / ungetrennt / ein Wesen sind; dass wir erkannt werden vom Anderen als er selbst! Und das – dieses innerste Selbst – ist unser wahres gemeinsames Wesen, BEVOR wir in unsere Rollen schlüpfen. […] Ja, ich habe die Liebe gefunden. Ich fand sie nicht »da draußen«, sondern in mir. Und ich erinnere mich; ja, ich erinnere mich: Liebe ist mein Wesen; Liebe ist die Macht, die mich geboren hat; ist die Macht, die mich führt; ist die Kraft, die mich zusammenhält, wenn um mich herum alles (scheinbar) zusammenfällt.
27. April 2015
Ich wusste, dass das so genau richtig und gut war. […] Das waren für mich sehr intensive Tage, in denen ich fest daran glaubte, dass die Verwirklichung des Wunders bereits geschehen war und ich nur noch die Augen offen halten musste, um sehen zu können, wie es sich entfaltete. […] Es fühlte sich perfekt an! […] Ich war / bin so glücklich! […] Tod im Außen zeigt mir, dass etwas Altes in mir, das nicht mehr gebraucht / gewollt wird, gestorben ist. […] Übrig bleibt einzig nur Mitgefühl, das Bewusstsein für Frieden und die beständige Kraft, diesen Frieden zu leben. […] Dass ich als ein Wunder zur Welt gekommen war, welches nichts als Unschuld, Liebe und Frieden lehren konnte, das wusste ich nicht mehr. Es war zu einer sehr schwachen Sehnsucht im hintersten Kämmerchen meines Selbst verkümmert. Und so glaubte ich, das zu sein, was ich beobachtete und was mir geschah. Ich sah mich als ein hilfloses Opfer, einer wahnsinnigen Welt ausgeliefert. […] Ich wollte das vernichten, was ich nicht war, dh die Hölle innerhalb. Denn ganz tief in mir verborgen war da doch noch das Wissen, dass ich das, was ich da lebte, einfach nicht sein konnte. Es war einfach zu leidvoll, zu schmerzvoll. Ich spürte, in mir war etwas, das ich nicht war und das entfernt werden musste aus mir. […] Wenn du nicht in jedem Moment deines Lebens eine innere Freude darüber spürst, dass du am Leben bist, dann kannst du gewiss sein, dass da in dir noch etwas ist, was aufgelöst werden will. Das bedarf keinerlei Mühe und braucht dir auch keine Angst zu machen. Es geschieht einfach, weil da Liebe ist – weil du Liebe bist. […] Alles in der gesamten Schöpfung kann immer von zwei Seiten betrachtet werden. Diese zwei Seiten nicht immer ständig zu wechseln, führt in ewigen Frieden und in Freude.
7. Juni 2015
In meinem Bewusstsein lebe ich die Zukunft bereits jetzt bzw sie hat bereits in der Gegenwart Auswirkungen auf mich und mein Leben, denn die Gegenwart ist der Wegweiser in die Zukunft; das Jetzt umfasst alles, was war und sein wird. […] Etwa ab 10. Mai diesen Jahres spürte ich dann, dass irgend etwas Starkes / Kraftvolles in mir vor sich ging bzw mit meiner Wahrnehmung, mit meinem Seins-Gefühl. […] Ich wehrte mich nicht dagegen, obwohl sich da was in mir völlig neu (befremdlich / unheimlich) anfühlte. Ich versuchte bewusst, so offen und vertrauensvoll wie möglich zu sein, mich dem ganz hinzugeben, keine Angst vor diesem Neuen zu haben. Ich merkte es erst nicht, aber ich wurde innerlich immer wahnsinniger / besessener / lebenshungriger / euphorischer / sinnfordernder / inspirierter / grenzenloser / zeitloser / innerlicher (»psychotischer«) und zugleich aber fühlte ich mich so verletzlich, hilflos, unerfahren und ausgeliefert wie am Tage meiner Geburt. […] So viele Erinnerungen kamen hoch, doch völlig ohne Worte. Der Körper fühlte sie – wie damals! Ich fühlte einen zwanzig Jahre jüngeren Körper um mich herum. […] Ich fühlte alles absichtslos durch, und weinte, und lachte, und staunte, und war so dankbar, weil ich so vieles erkannte, was ich damals noch gar nicht hatte sehen können. […] Mein ganzes 34jähriges Leben war ein Ganzes, perfekt, heil, wunderschön. Ich war Kind und Erwachsene zugleich, alles existierte zeitgleich, parallel. […] Wir alle sind miteinander verbunden. Niemand geht seinen Weg allein. Niemand lebt allein. Wir alle fühlen einander. […] Liebe verbindet uns, verbindet auch Menschen, die einander persönlich gar nicht kennen oder die der Tod gar getrennt zu haben scheint. […] Ich sah deutlicher denn je, dass alles Körperliche, alles Belebte in Wahrheit unsagbar zart und zerbrechlich ist, bewohnt jedoch von einem Geist, dessen Willenskraft stärker ist als alles, was vorstellbar ist – und einem somit tatsächlich Angst machen kann. […] …, in der Wirklichkeit zu bleiben, ganz ganz nah bei mir, ganz ganz tief in mir – da, wo niemals etwas Böses war, ist oder je sein wird; da, wo die Quelle aller Wunder ist. […] Ich vertraue darauf, dass die Sterne (Gott, der durch mich wirkt) wissen, was sie tun. […] Ich wünsche mir von Herzen, dass wahre Freude und wahrhaftige Liebe nicht mehr verkannt, belächelt oder gar bekämpft sondern als des Menschen stärkste Eigenschaften gewürdigt, gefördert und gefeiert werden.
10. Juni 2015
Den Höhepunkt meiner fast zweiwöchigen 'kreativen Psychose', wie mein Psychiater es freundlicherweise betitelte, bildeten fünf Tage (18. bis 22. Mai.). […] Eine Minute in diesen Tagen wirkte auf mich wie eine Stunde, eine Stunde wie ein ganzer Tag. Das Gefühl für Tag und Nacht war verschwunden, Müdigkeit stellte sich nicht ein, ich war voller Energie und Wachheit und ausgestattet mit einem Fokus, der sich wie viele Laserlinien, die einer gemeinsamen Quelle entsprangen, in alle Richtungen zersprenkelte und zugleich irgendwie von allen Richtungen zu mir zurück kam.
7. Juli 2015
»Perspektivlosigkeit«. Es ist eigentlich unmöglich, mit Worten zu beschreiben, was ich mit diesem Wort hier an dieser Stelle ausdrücken will. Aber ich will es versuchen: Mein Ich-Gefühl war aufgelöst in alle. Von allen Seiten schaute ich (schauten alle) auf mich (auf alle). Es gab keinen einzelnen Fixpunkt im Raum bzw der Raum bestand aus unendlichen Fixpunkten, die miteinander kommunizierten. Alle und alles waren der ganze Raum und zugleich war der Raum doch leer. Ich war irgendeiner dieser Fixpunkte und zugleich der Raum. Es war dadurch kein klarer geradliniger Gedankenfaden möglich, weil alle Möglichkeiten bzw alle Ausprägungen menschlicher Charakterzüge mit einberechnet wurden. Alle diskutierten gleichwertig mit, wodurch bei keinem einzigen Thema ein gemeinsamer Nenner gefunden werden konnte – zu weit voneinander entfernt schienen die Gegensätze und Widersprüche, die der Mensch ausdrücken kann, zu sein. Alles sprach und hörte zu zur gleichen Zeit und betrachtete alles zeitgleich von allein Seiten. Es gab keine Richtung. Alles zeigte in alle Richtungen. Eine Frage ergab unzählige Antworten, eine Antwort ergab unzählige Widerworte. Zeitgleich wurden unzählige Diskussionen ausgetragen. Jede davon bekam ich mit. Das überforderte mich, denn ich konnte es nicht beenden, konnte nicht mitreden. Ich wusste ja nicht, welche der Stimmen meine ist bzw wo unter allen ich bin. Ich war somit permanent auf verzweifelte und fast wahnsinnige Weise damit beschäftigt, mich – den Fixpunkt, der ich bin – dauerhaft und konstant aus all dem ganzen Trubel herauszuhören. […] Ich war unfähig, aus dieser All-Perspektive heraus mit meinen Mitmenschen zu kommunizieren. Ich empfand ihr bloßes Auf-mich-Zugehen als ein Bombardement an stillen Fragen an mich, die sie sich selbst stellten, ohne es zu merken, und die sie meinten, allein nicht beantworten zu können. Bei jeder Begegnung kamen neue Fragen hinzu, idR das Heil ihrer Psyche / Seele betreffende Fragen. Mir schien, dieses Chaos bzw dieses Zuviel, das ich in mir und überall und doch nirgendwo wahrnahm, auch in ihnen wahrzunehmen, und das sehr viel deutlicher und klarer, als es mir ohne ihre Anwesenheit möglich war. […] Das alles führte in meinem Auftreten zu Sprachlosigkeit. Es war mir unmöglich, das Wesentliche eines Moments zu erfassen, um es auszudrücken. Die Linearität der Sprache ließ mich mich wie ein Krüppel fühlen, denn das Viele, das ich wahrnahm, war nicht linear – also nicht nacheinander und im Ursache-Wirkung-Prinzip – erzählbar. Alles war ein stetes verwobenes Ineinander. Ein anderes Prinzip als das schien es nicht zu geben. Die Gleichzeitigkeit machte das unmöglich. Jeder sekündliche Moment war neu – kontextlos. Als Ganzes aber war er tief vertraut und schon ewig da. Alles wiederholte sich in ihm – im ganz Großen sowie im ganz Kleinen. Alles verwies auf Frieden, auf Harmonie; auf die Tatsache, dass ich (alles) geliebt werde von überall her. […] »Ich muss nicht atmen.« Diesen Satz sprach ich sogar laut aus. Ich hatte eindeutig das Gefühl für Zeit verloren, denn es schien mir, als würde ich ewig lang keine Luft holen. Nach jedem Ausatmen entstand eine lange Pause, in der ich darauf wartete, geatmet zu werden. (Ich wartete also auf das Einatmen oder auf den Drang einzuatmen oder auf das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen.) Doch es geschah nicht. Da kam kein Atmen. Als mir das auffiel, hatte ich tatsächlich das Gefühl, in Wahrheit ein Wesen zu sein, das nicht atmet, das nicht atmen muss bzw nicht geatmet werden muss. Über mehrere Tage schien es mir immer wieder so zu sein, dass ich selbst diesen meinen Körper bewusst (be)atmen müsste. Ich fürchtete, wenn ich es nicht tue, wenn ich es vergesse, dann würde mein Körper sterben, dann würde das Leben ihn verlassen. […] Ich fühlte mich, als würde ich sterben, als wäre ich in einem Sterbe-/ Wandlungsprozess, auf den ich keinen Einfluss hatte, als sei ich bereits tot bzw noch nie wirklich lebendig gewesen. Wie eine Vampirin, die nicht atmet, deren Herz nicht schlägt und die sich an ihr einstiges Leben als Mensch nicht mehr erinnern kann. Ich wollte aber Mensch sein! Ich wollte am Leben sein! Atmend. Mit einem schlagenden Herzen. Und mit meinem Leben (meiner Lebensgeschichte)! Es erforderte unglaublich viel Aufmerksamkeit, unglaublich viel Konzentration von mir, bewusst zu atmen und bewusst mein Herz zu kontrollieren (ich meinte, das zu können, weil ich es können musste), um nicht wirklich sofort auf der Stelle tot zu sein, wenn ich auch nur eine Sekunde nicht darauf achtete. Und es kostete unglaublich viel Kraft, mich von der begleitenden Angst und Panik nicht wie wahnsinnig und von Sinnen zu fühlen. Ich spürte Todesangst! Das zumindest war die Realität, in der ich mich befand. Ich lag nur noch da, unfähig zu irgendwas, und erwartete meinen Tod, denn es war klar, dass ich das nicht lange durchhalten konnte. Und so ergab ich mich irgendwann. Ich gab meinen Körper ab. Ich gab mein vermeintliches Besitzrecht des Lebens in ihm an eine Höhere Macht ab mit der Hoffnung, dass er doch bitte bleiben dürfe – und ich in ihm. Ich ließ mich atmen, ließ mein Herz reanimieren, ließ mich leben. Nicht wissend, wer das tat und ob er/sie/es nicht plötzlich damit aufhörte. […] Ich hatte die Tatsache, dass mein Körper schlafen muss, einfach vergessen, tatsächlich vollständig vergessen. Denn: Ich wurde nicht müde und ich schlief auch nicht über einige Tage und Nächte; es gab nichts anderes als Wachsein. Da war Energie, so viel Energie. Ob Tag, ob Nacht, ob hell, ob dunkel – das spielte keine Rolle. Es hatte auf meinen Wahrnehmungs-Zustand keinen Einfluss. Zeit verging, das konnte ich an den Uhren sehen und am Alltagsgeschehen, doch ich fühlte es nicht. Es war, als verginge keine Zeit (wie ein »Zeit-Vakuum«). Das Wort Erschöpfung gab es dementsprechend auch nicht. Ich empfand ein wirklich sehr sehr seltsames, schon fast unheimliches Gefühl, als mir das auffiel bzw als mir wieder einfiel, dass ich in einem Körper bin, der schlafen muss, der erschöpfen kann. Ich konnte kaum fassen, dass es möglich war, das zu vergessen! Doch es war tatsächlich so gewesen. Ich hatte so gelebt, als gäbe es keinen Schlaf, keine Erschöpfung; als gäbe es nur den Wachzustand, nur unerschöpfliche Energie. Für einen kleinen Zeitraum war das meine einzige Wirklichkeit. So lange durchgehend wach zu sein in der Einbildung, dass dieses Wachsein niemals aufhört, war übrigens nicht beängstigend, sondern das reinste, herrlichste Glück. Denn so konnte ich durchgehend bei mir sein, mir meiner selbst bewusst sein, bewusst da sein, bewusst an allem teilnehmen. […] Meine Lieblings-Animations-2D-Filme plötzlich in 3D zu sehen (ohne 3D-Brille oder 3D-Monitor), machte mir klar, dass ich mich in einem außerordentlichen Zustand befand, von dem ich nicht wusste, wie ich ihn hervorgerufen hatte und vor allem auch nicht, wie ich ihn beenden konnte. Als ich das bemerkte, dass mein Sehvermögen sehr viel erweiterter war, dass ich Vertrautes (schon oft Gesehenes) plötzlich ganz ganz anders und vor allem viel viel schöner und beeindruckender sehen konnte, machte meinen Zustand auf alle Fälle nur noch schlimmer, denn es stürmten ja bei allem, was ich über den Körper wahrnahm, unentwegt und in sehr hoher – fast zeitloser – Geschwindigkeit und Prägnanz Gedanken bzw Erkenntnisse auf mich ein, die der eigentliche Grund dafür waren, dass ich mich total überfordert bzw überlastet fühlte und mehr oder weniger unfähig war, mit Familie und Freunden normal bzw wie üblich zu kommunizieren. Jedes noch so geringste Detail von dem, was ich mit allen fünf körperlichen Sinnen wahrnahm, hatte Bedeutung und einen Zusammenhang zu allen anderen Details – und diese Bedeutung teilte sich mir mit, wodurch der Zusammenhang (der Kontext) immer komplexer wurde, und ich mir immer wahnsinniger vorkam.
15. Juli 2015
Ich will und verlange, verliebt und glücklich sein zu können. Das hatte ich bisher noch viel zu selten in meinem Leben! […] Jetzt weine ich wieder. Immerhin. Das ist echt. […] Ich bin noch am Leben. Das ist doch schon was. Ich will mich nicht umbringen und ich will mir nicht die Arme aufschneiden, obwohl ich mich jetzt gerade wirklich richtig richtig richtig richtig schlecht und fehl am Platze fühle. Das ist doch ein echter Fortschritt, ein Grund zur Freude, was wohl aber nur ich sehen kann sowie all jene, die mich vor 2007 kannten.
17. Juli 2015
Ansonsten geht es mir grad ganz schlecht und zugleich versuche ich, es mir gutgehen zu lassen. […] Ich verkrieche mich hier nur noch, bin ganz kleinlaut, tue, was man mir sagt, um nicht noch mehr Ärger zu verursachen. […] Ich würde am liebsten wieder flüchten und muss stark gegen den Gedanke ankämpfen, doch für ein paar Tage einfach nicht existieren zu wollen. […] Im Grunde halte ich diese ganze Situation für unnötig, für total übertrieben. Wenn es Zeit ist für mich zu gehen, kann das auch undramatischer umgesetzt werden (bilde ich mir ein). Also dass es nicht nötig ist, dafür wieder so viel Schmerz zu spüren. […] Es tat mir wirklich aufrichtig leid und ich weiß, dass ich versagt habe, irgendwie. […] Es tut mir aufrichtig leid, sehr sehr sehr leid. […] Mein Leben war nicht falsch! Die Veröffentlichung meines Buches war nicht falsch! Mein Blog ist nicht falsch! Ich habe als Kind und Jugendliche geschwiegen darüber, was bei mir zuhause los war. […] Es tut mir alles so so so leid.
19. Juli 2015
Ich habe mir gestern viel Beistand geholt bei Familie und Freunden. Ich bin nicht allein. Allein würde ich es nicht schaffen. […] Mir scheint, mir wird geholfen »von oben«. Das ist einfach nun der Weg, der zu gehen ist. »Da« geht es weiter. »Da« ist Freude. Ich brauche keine Angst zu haben. Mein Weg bis hier her war kein Fehler, so werden es die nächsten Schritte genauso wenig sein. […] Dieses Jahr habe ich etwas sehr Wertvolles geschenkt bekommen: Das Gefühl, wirklich geliebt, gewollt und geborgen zu sein hier in dieser Welt. Ich kann es nicht anders sehen, als dass mir geschenkt wurde, wie es war, als meine Mutter mich geboren hat. […] Das ist mein Maßstab. Davon will ich mehr haben und mehr sein. […] Jeder sollte jedem stets mit höchstem Respekt begegnen, einfach weil er ist, wie man selbst einfach ist, und sich der Gnade erinnern, die unser aller endliches Leben bestimmt. So wie wir unseren Anfang nicht kennen, kennen wir auch unser Ende nicht. Alles dazwischen sind Geschenke, die wir annehmen können oder auch nicht. Kostenlos. Völlig schuldenfrei. Von Geburt an. Unveränderlich.
5. August 2015
Leere. Bedeutungslosigkeit. Ich komme mir vor wie in einer Welt aus einem Science-Fiction- oder Fantasyfilm/-buch. […] Alle sind beschäftigt. […] Ich frage mich, woher wir nur alle die Kraft nehmen, tagein tagaus weiter zu machen; was uns antreibt, obwohl wir alle nicht wissen, … Ach, es spielt wohl keine Rolle. […] Ich bin nicht allein, sondern verbunden. Der ganze Kosmos ist informiert über meine Trauer, über meinen Schmerz, und setzt alles in Bewegung, um mir zu helfen. […] Es ist seltsam, nicht mehr sterben zu wollen in so einem schlimmen Tief; meinen enormen Schmerz nicht mehr durch selbstzerstörerische Handlungen dem Leben & Kosmos vor Augen führen zu wollen. Der tiefe allumfassende Hass, der mich einst jahrelang begleitete, ist verschwunden; der Hass auf mich selbst und auch der Hass auf diese Welt, in der so vielen Geschöpfen so viel Leid aufgebürdet ist, wurde von Stille und Ruhe verschlungen. […] Ich bin erschöpft, ich bin das Leiden leid. […] Ich bin offen für Neues. Ich warte auf etwas, das mich lockt und mit Sinn erfüllt.
8. August 2015
Ich bin ganz leer (offen) für das neue Leben, das mich erwartet. Zugleich fühle ich mich sehr voll, so als brächte ich viel mit, viel Gutes. Ich gehe allein, gefühlt aber werde ich von sehr vielen Menschen begleitet, die mir in den letzten über 30 Jahren begegnet sind und mich gelehrt haben,
was ihr Leben sie gelehrt hat. […] Heute habe ich gemerkt, ich bin ruhig, ich bin innerlich total ruhig trotz des Dramas, das sich hier um mich herum abspielt. Ich weiß, wie es früher in mir aussah in ähnlichen Situationen. Da liegen Welten dazwischen. […] Ich bin mir jetzt sehr sehr nahe. […] So, wie ich bis 2006 spürte, dass ich mich immer mehr dem Tod näherte, ohne etwas dagegen tun zu können (Suizidversuch, 03.05.2006), genau so spüre ich jetzt auch, dass ich mich dem Leben – Freude, Glück, Fülle – nähere, dass ich direkt darauf zusteuere, ohne mich dafür anstrengen zu müssen. Je natürlicher ich bin, je mehr ich ich bin, umso unglaublicher und magischer wird alles. […] In mir ist eine große Ruhe.
29. August 2015
Ich für mich weiß, ich hätte nichts anders machen können! Absolut rein gar nichts. Und so ist es vor allem der Schmerz, der mir bleibt, der mich an den Frieden erinnert, der ich bin. Ich fühle mich verletzlicher denn je, doch zugleich getragen von einer inneren Ruhe, die mich an etwas erinnert, das ich nicht benennen kann. Ich fühle mich neu und alt zugleich. Ich fühle mich mehr denn je als ich, die ich schon immer war. […] Ich habe nichts falsch gemacht! Als Kind nicht und auch später nicht.
3. September 2015
Jemand anderer ist niemals die Antwort, die Befreiung. Ich fand alle hilfreichen Antworten in mir selbst. Deswegen lösen sich heute viele Fragen in mir sofort auf, sobald sie auftauchen, weil sie die Antwort bereits beinhalten, weil ich der Inhalt bin. […] Ich bin unschuldig. Ich bin nicht verantwortlich für das, was andere Menschen Negatives tun. Es liegt nicht in meiner Macht, zu beenden, was sie mit mir machen. Außer … kompletter Rückzug, totale Kontaktlosigkeit. […] Schlussendlich sind wir alle unschuldig, sind wir alle reine Seelen, eine reine Seele. Das ist der Clou an der ganzen Sache, den wohl sehr viele Menschen noch nicht erfassen können. Niemand muss sich selbst oder jemand anderen fertig machen. Dafür ist ein Leben wirklich zu kurz, zu kostbar. Dafür ist niemand von uns geboren worden. [...] Innerlich jubelte ich. Was für ein perfektes Timing!!! Ich konnte es kaum fassen, dass das gerade passiert war.
Der Himmel auf Erden
5. September 2015 | auf der Flucht
Es gibt Zeiten im Leben, da reduziert
sich der Himmel auf Erden auf
Banalitäten, so dass du dich
fragst, warum du dich
jemals heimatlos
gefühlt hast.
Hier.
Heimat bist du. Dein Selbst.
Da. Dort. Zu jeder Zeit.
Das Leben in dir
ist geborgen
in dir.
Was du liebst, wird
dir gegeben.
Greif nur
zu.
Suizid ist gar nicht nötig
5. September 2015 | auf der Flucht
Gedanken ans Aufgeben, an Suizid,
sind gar nicht nötig. Sterben
kannst du auch so in
jedem Moment.
Sicherheit ist eine Illusion und
zugleich das einzig
Wirkliche.
Plane, plane von mir aus langfristig,
doch nur in groben Umrissen.
Ehre jeden kleinen Schritt
dorthin, ohne Furcht
im Herz. Es allein
kennt das Ziel:
Du als noch
mehr Du.
Wo dein Herz dich hinführen will,
erfährst du von Moment zu
Moment, immer nur
jetzt, niemals
morgen.
Dem Morgen bist du völlig fremd,
so fremd wie den Sternen
das Tageslicht.
Das Morgen kennst du nicht. Es
existiert noch nicht, solange
du nicht weißt, wem du
folgst: deinem Tod
oder deinem
Leben.
In Ruhe und Zentriertheit
5. Oktober 2015 | Tag 29 im Frauenhaus
Das Meiste
ist einfach nur
noch nicht zuende
gedacht. Denn am Ende
gibt es nichts anderes als Frieden.
Der Weg dahin ist so lang, wie deine
Kraft reicht, dich stetig im Kreis
zu drehen. In seiner Mitte
ist vollkommene
Gewissheit.
Du tänzelst um diese Mitte herum,
darbietest allerlei mühevolle
Kunststücke, meinst,
nicht gut genug
zu sein.
Dann, plötzlich, jetzt,
in Ruhe und Zentriertheit,
eint sich dein ganzes Leben. Du
umarmst den Frieden, der du bist. Du
hast den Gedanke zuende gedacht. Du bist
frei – schon
immer gewesen, was du
von ganzem Herzen sein willst: Echt.
Warum ich geflüchtet bin
27. Oktober 2015 | Tag 51 im Frauenhaus
Jetzt verstehe ich, warum ich geflüchtet bin,
warum mir meine Unversehrtheit so sehr
am Herzen lag, warum ich alle Dinge
einfach so aufgab und hinter mir
ließ, ohne zurückzuschauen:
Ich bin kostbar.
Ich darf nicht verloren gehen.
Ich werde gebraucht. Ich bin ein Segen.
Er hat das nicht erkannt. Er hat mich mit
Füßen getreten und fortgejagt. Er kann
nicht sehen, dass ich für unser ge-
meinsames Zuhause eine
Bereicherung war.
Jetzt
ist es zu
spät – für ihn,
nicht für mich. Ich
kann nun all das sein,
was ihm Angst machte: Liebe.
Freude. Glück. Fülle. Vollkommen-
heit. Perfektion. Kraft. Fokus. Frieden.
Das Richtige tun wollen
4. November 2015 | Tag 59 im Frauenhaus
Ich war mir gehorsam, jahrelang, quälte nur mich
selbst, brachte mich selbst sogar beinahe um,
weil das mein Weg gradaus war. Doch
was ich mir selbst angetan, ist
mir unmöglich, anderen
anzutun. Schmerz
ist nicht mehr,
was ich
will.
Auch wenn er mir alles
genommen hat: mein Zuhause.
Bitte – Gott,
Mutter und Vater,
kümmert ihr euch um den
Peiniger, der mir so hat wehgetan.
Ich bin keine Rächerin, keine (Hin-)Richterin.
Ich will nicht sein, was er von sich verlangt, zu sein.
Ich bin kein Feigling, erst Recht keine Heldin.
Ich bin einfach nur unfähig, den Mangel
zu sehen, der nötig ist, um in die
Rolle eines Opfers oder eines
Täters zu schlüpfen.
Ich wünsche, das Richtige zu
tun. Für mich. Für ihn. Für
die Liebe, die uns einst
so innig verband.
Denn ich will sie nicht vergessen,
meine Liebe. Sie ist alles, was
ich habe. Sie ist alles, was
ich bin und was ich
je sein werde.
Alles hat sich gewandelt
4. November 2015 | Tag 59 im Frauenhaus
Ich fürchtete das
Leben. Ich fürchtete
jedes Wesen, das belebt
war. Denn ich glaubte, alles
Leben wäre wie ich: hasserfüllt,
selbstzerstörerisch und todessüchtig.
Heute ist die Welt eine ganz andere für
mich. Denn ja, alles in ihr ist wie ich.
Aber alles hat sich gewandelt.
Ich habe mich gewandelt.
Es gibt
in mir nichts zu
fürchten. Weder Schwäche
noch Stärke. Da ist einzig Wahrheit.
Klare Sicht
5. November 2015 | Tag 60 im Frauenhaus
Auf
einen
Schlag
war alles
klar: Ich bin
richtig, von Anbeginn.
Zwischendrin
hatte ich mich kurz
verirrt. Zu wenig vertraute
ich mir selbst. Zu Viele waren anders.
Anders als ich. Ich hatte mich in
ihren Augen verloren. Wer war
ich und wer waren sie? Ich
konnte es nicht mehr
unterscheiden.
Jetzt
ist mir
alles wieder
klar. Klar vor meinen
Augen, die nur mein ganzes
Leben kennen, die nur mich sehen.
Überall da,
wo Liebe ist.
Ich bete dich an
17. November 2015 | Tag 72 im Frauenhaus
Ich konnte noch nicht sprechen,
da war das Band zwischen
uns schon zerrissen.
Es war einfach so passiert.
Weder du noch ich
sind schuld
daran.
Ich wollte bei dir sein. Immer.
Du musstest arbeiten.
Tags. Nachts. Ich
verstand das
nicht.
Ich konnte dir nicht hinterher
laufen, wenn du gingst.
Ich konnte noch
nicht laufen.
Ich schrie. Ich hatte Angst. Ohne
dich! Hilflos. Von Menschen
umringt, die nicht
du waren.
Mein Vertrauen
in dich war zerstört.
Du warst immer dann nicht
da, wenn ich dich am meisten brauchte.
Das
lernte
ich früh.
Viel zu früh.
Und viel zu oft.
Es tut mir soo leid.
Heute, Mama, vertraue ich dir.
Ich folge dir, wohin auch
immer du mich
führst.
In meiner tiefsten Verzweiflung,
in meiner schlimmsten Not,
höre ich dich, fühle ich
dich, bete ich
zu dir.
Und du
bist immer
da. Du erhebst
mich mit deiner Liebe.
Du bist das Licht des Himmels.
Dein Paradies ist der Ruf meiner Seele,
der mich lockt, der mich nach Wonne gieren lässt.
Mehr und mehr und mehr und mehr und mehr und mehr und mehr.
Um die ganze Welt
damit zu über- gießen.
Für immer bleiben wollen
18. November 2015 | Tag 73 im Frauenhaus
Als ich begriff, dass ich nicht
für immer bleiben konnte,
wollte ich gar nicht
mehr leben.
Da zu sein, lebendig zu sein,
ich zu sein, war das wohl
Schönste, das ich mir
vorstellen konnte.
Die Idee, irgendwann nicht mehr belebt
zu sein, mich nicht einmal mehr
an mich zu erinnern, gefiel
mir gar nicht. Nein!
Ich
wollte
mich für
immer haben.
Ganz für mich allein.
Als ich begriff, dass das unmöglich
war, begann ich damit, mich zu
teilen. Und so bekam das
Wunder eine Form:
Hingabe.
Ab da spielte die Idee, nicht für immer
bleiben zu können, keine Rolle
mehr. Was einzig nur noch
zählte, waren ich und
die Gegenwart.
In mir
erwachte das
Gefühl von Unsterblichkeit.
Alle Spuren verwischen
20. November 2015 | Tag 75 im Frauenhaus
Hoffnung war es,
was mich hat durchhalten
lassen. Unerschütterliche Hoffnung.
Bis der Tag
kam, an dem sie
verschwand. Spurlos.
Keine Erinnerung
ist geblieben. Kein Schmerz.
Nur Stolz und Kraft ob meiner Liebe.
Es war an der Zeit, alle Spuren zu verwischen,
als wäre ich nie dagewesen. Aber mit
der Gewissheit, dass ich etwas
Wichtiges hinterlassen
habe: Leere.
Denn
das ist mein
Leben. Wenn ich gehe,
nehme ich alles mit. Restlos alles.
Dort, wo ich
nicht erkannt werde,
ist nunmal kein Platz für mich.
Ich gehe dann einfach weiter
und schaue nicht
zurück.
Nicht nur für mich allein
27. Dezember 2015 | Tag 112 im Frauenhaus
Ich schreibe
nicht nur für mich
allein. Ich schreibe für jede
Seele, die meine Zeilen erblicken wird.
In meinen Schriften
bist du festgehalten, und
du und du und du. Ja, sogar du.
Niemand bleibt
unerkannt. Niemand
geht ohne Wiedererinnerung.
Jeder verlässt meine Worte verändert.
Denn sie berühren den Anbeginn und
bewahren ihn im Moment seiner
grenzenlosen Möglichkeit.
Kein
Vergessen kann
dieser Macht standhalten.
Das Mysterium kennt sie alle. Jede Seele.
Sodann,
ich schreibe
mich nackt vor dir,
denn ich habe nur mich.
Kein Wort kann das verbergen.
Mutter und Sohn
1. Januar 2016 | Tag 117 im Frauenhaus
Sie
hat den Mann
hervor gebracht, den
ich dringend gebraucht habe.
Sie
hat das
Beste in ihm
gesehen, hat nie
aufgegeben, ihn zu
spiegeln, hat ihr eigenes
Wesen für das seine geopfert.
Sie
sah in
ihm Wunder
und hörte nie auf,
nach deren Verwirklichung
zu streben. Alle sollten sehen, was
sie sehen konnte: Seine bedingungslose Liebe.
Mutter und
Sohn. Und ich,
eine Tochter und
Schwester. Perfektion.
Dein ewiges Zuhause
4. Januar 2016 | Tag 120 im Frauenhaus
Deswegen
musst du alles
so lassen, wie es ist.
Du brauchst es noch. Für
später. Um dich zu
erinnern, wer
du bist.
Bereue
kein Wort,
keine Emotion,
nur deinen Blick darauf.
Es ist alles perfekt.
Und du darfst
erkennen.
Du
darfst
dich sehen.
Mit jedem Blick
zurück, mehr und mehr.
Bis du dich erreichst: Liebe.
Lass zu, dass
deine Vergangenheit
dich heilt. Dann wird das
Jetzt dein ewiges Zuhause in
einer Welt, die du grenzenlos liebst.
Etwas völlig Neues
4. Januar 2016 | Tag 120 im Frauenhaus
Mit mir
hat ein Wunder
seinen Anfang genommen.
Mit mir
ist die Liebe
ins Spiel gekommen.
Mit mir
hat Gott etwas
völlig Neues begonnen.
Seine Angst vor Gott
4. Januar 2016 | Tag 120 im Frauenhaus
Je mehr er mich drangsalierte und sah,
dass ich daran nicht zerbrach,
umso größer wurde
seine Angst.
Umso
größer wurde
seine Angst vor mir.
Umso
größer wurde
seine Angst vor Gott.
Umso
größer wurde
seine Angst vor dem
Tod. Strafe. Vernichtung.
Verwirrung. Wahnsinn. Monster.
Schmerz. Dunkelheit. Einsamkeit. Mutter.
Ja,
umso
größer wurde
seine Angst vor seiner
Mutter, seiner Quelle, seiner Liebe.
Ohne seine Liebe war er leer.
Ohne seine Quelle hatte er keine Zuflucht.
Ohne seine Mutter war er niemals geboren worden.
Er fürchtete
sich vor sich selbst,
davor, rein gar nichts zu sein.
Königinnen unter sich
15. Januar 2016 | Tag 131 im Frauenhaus
Ich
bin wieder
da. Noch schöner
und größer als jemals zuvor.
Das
Leben feiert
mich, feiert uns alle,
feiert den Moment. Den Ewigen.
Er
ist gut und
war schon immer
nichts anderes als perfekt.
Ich
habe ihn
perfekt gemacht!
Viele
Wege mussten
gegangen werden, mussten
sich kreuzen für dieses unfassbar reine
Wunder. Königinnen unter sich. Sieg. Power. Liebe.
Weisheit.
Wissen. Kraft.
Erhabenheit. Stolz.
Kein Weg zu weit, kein Ziel
zu fern, kein Hindernis
zu hoch. Ehre dem
Leben, allen
Frauen
und
allen Kindern,
den Hütern des Lichts,
den Zeugen unserer Unschuld.
Vermittler zwischen Himmel und Erde.
Was für eine Welt!
16. Januar 2016 | Tag 132 im Frauenhaus
So
leid. Es
tut mir so leid.
Ich werde dich überleben.
So
weh. Es
tut mir so weh.
Es tut mir so wahnsinnig
weh. Nie wirst du mich alt erleben.
Was
für eine
Welt! Was
