Das geheime Leben der Insekten - Monique Berger - E-Book

Das geheime Leben der Insekten E-Book

Monique Berger

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Beschreibung

Ihr Garten ist ein Dschungel für Spinnen und Insekten wie Schmetterlinge, Hummeln und Wildbienen, die hier ein geheimnisvolles Leben führen. Tauchen Sie ein in ihre Welt, schauen Sie hinter die Kulissen von Insektenhotels und Pflasterritzen, erleben Sie erstaunliche Einblicke in den Alltag von Kreuzspinne, Mauerbiene und Zitronenfalter. Über 400 liebevolle Nahaufnahmen und Serienfotos zeigen unsere sympathischen Nachbarn als ganz besonderer Persönlichkeiten.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Cover

Titel

Die Insekten und die Blumen

Was die Pflanzen zu bieten haben

Was die Pflanzen im Gegenzug erwarten

Funktionelle Körper

Insekten gehören zu den Arthropoden

Die drei Abschnitte des Körpers: Kopf, Brust und Hinterleib

Drei Paar Beine …

… und zwei Paar Flügel

Überleben

Der Garten, ein Dschungel für die Insekten

Spinnen, Erzfeinde der Insekten

Von scharfen Sinnen geleitet

Ernährung

Unsichtbar machen oder im Rampenlicht stehen?

Reiner Zufall oder genetische Notwendigkeit?

Die Kälte der Nacht und des Winters überstehen

Fortpflanzung

Der Geschlechtsakt

Die Eiablage

Das Schlüpfen

Das Leben der Larven

Von der Larve zum erwachsenen Tier

Das unendlich große Volk der Insekten

Noch immer haben die Insekten weltweit einen schlechten Ruf …

… trotz ihrer zentralen Rolle in den Ökosystemen der Landlebensräume

Zum Weiterlesen

Danksagung

Impressum

Ein Rostbraunes Ochsenauge sammelt Nektar an den Blüten eines Doldenblütlers.

Die Insekten und die Blumen

Besuchen die Insekten die Blumen wegen ihrer Schönheit, ihrer Harmonie der Formen und Farben?

Die Wahrheit ist viel nüchterner: Sie tun es, um den Nektar der Blüten zu trinken, den Pollen zu sammeln oder ihre Staubblätter abzuweiden. Im Gegenzug sorgen sie für die Bestäubung. Dieses wechselseitige Geben und Nehmen zwischen zwei Klassen von Lebewesen ist das Ergebnis einer langen gemeinsamen Evolution, die vor mehr als 50 Millionen Jahren ihren Anfang nahm.

Ihren Aufschwung erlebten die Blütenpflanzen, als Insekten vor langer Zeit begannen, die Lüfte zu erobern. Es fing damit an, dass vor 250 Millionen Jahren Libellen mit Flügelspannweiten von 70 Zentimetern in den Sümpfen auf die Jagd gingen, aus denen sich zum Beispiel die Kohleschichten des Zentralmassivs entwickelten.

Während sie die Wiesen besuchten, die mit der Ausbreitung der Gräser im Tertiär entstanden waren, gingen manche Insektenarten mit einigen der Blütenpflanzen Beziehungen ein, die auf Gegenseitigkeit beruhten. Aber nicht alle taten das, im Gegenteil! Viele Insekten fraßen die Pflanzen einfach auf, ohne ihnen irgendwas im Tausch dafür zu geben, die Heuschrecken zum Beispiel, diese hungrigen Weidetiere. Andere Insekten wiederum, die Libellen etwa mit ihrem großen Appetit auf kleinere Insekten und andere Tierchen, beschränkten sich darauf, die grasbewachsenen Weiten als Bühne ihrer Betriebsamkeit zu nutzen. Und was die Blütenpflanzen angeht, verzichteten viele von ihnen auf die Hilfe der Insekten und vertrauten ihren Pollen lieber dem Wind an, die Süßgräser zum Beispiel mit ihren unscheinbaren Blüten.

Während des gesamten Tertiärs beschritten die Pflanzen und die sie bestäubenden Insekten erstaunlich unterschiedliche Wege in der gemeinsamen Evolution. Davon zeugt auf Seiten der Insekten die ungeheure Vielfalt an Vorrichtungen, mit denen sie das Manna der Blüten einsammeln, etwa der lange Rüssel der Schmetterlinge, mit dem diese auf dem Grund noch der tiefsten Blütenkelche nach Nektar suchen. Und die Pflanzen wiederum stellen wahre Schätze an Einfallsreichtum zur Schau, um die Insekten zum Besuch ihrer Blüten zu bewegen und in dem bunten Durcheinander an Farben und Gerüchen auf sich aufmerksam zu machen.

Wenn der Rosenkäfer in die Blüte einer Rose oder Heckenrose eindringt, dann nicht, um sich an deren Duft oder ihren zarten Farben zu erfreuen, sondern um die Staubblätter abzufressen, von denen die Blüten überquellen. Bleibt noch anzumerken, dass – aus der Sicht des Menschen – die Blütenkreationen, denen die Insekten stets auch einen Hauch des Animalischen verleihen, schon seit jeher Maler und Poeten inspiriert haben.

Von Frühlingsbeginn bis zum Herbstanfang besuchen die Insekten die Blumen.

März: Eine Erdhummel-Königin zeigt Interesse an den Staubgefäßen dieses Krokus

April: Ein männlicher Aurorafalter posiert auf den Blüten dieses Wiesen-Schaumkrauts.

Juli: Eine Biene stürzt sich kopfüber in eine Windenblüte und presst dabei die Staubgefäße mit dem Pollen auf den Stempel, wodurch dieser bestäubt wird.

April: Eine Hummel steckt wagemutig ihren Kopf in die Blütenkrone dieser Taubnessel …

… während im Oktober eine Artgenossin systematisch die Blüten der Kanadischen Goldrute inspiziert.

Juni: Eine Solitärbiene aus der Familie der Halictidae erkundet den weiten Blütentrichter einer Stockrose.

Was die Pflanzen zu bieten haben

Der Nektar, Zucker in Flüssigform

Der Nektar ist mit seinem hohen Gehalt an Einfachzuckern eine äußerst energiereiche Nahrung. Er allein genügt, um bei adulten Insekten die Muskelaktivität aufrechtzuerhalten. Adult nennt man die Insekten, wenn sie ihr Wachstum beendet haben und nun ihr kurzes Leben ganz der Vermehrung und der Ausbreitung in ihrem Lebensraum widmen.

Die Insekten, die sich vom Nektar ernähren, sammeln ihn mithilfe eines röhrenförmigen Saugorgans, das sich in Bau und Form von Art zu Art unterscheidet. Die Schmetterlinge nehmen den Nektar auf, wie er ist, um sich selbst von ihm zu ernähren. Die Bienen und Hummeln dagegen würgen einen Teil davon zum Füttern ihrer Larven wieder aus. Es handelt sich nun um ein verarbeitetes Produkt, weniger flüssig aufgrund des geringeren Wassergehalts und angereichert mit verschiedenen Substanzen: Honig.

Die Honigbiene speichert ihn in Waben, aus denen ihn der Imker gewinnt. Dieser Imkerhonig, den man den Bienen raubt, kann seine eigentliche Funktion nicht mehr erfüllen, nämlich den Tieren im Winter Nahrung zu spenden. Darum darf man ihnen nicht alles wegnehmen und muss ihnen bei Bedarf eine andere Zuckerquelle als Ersatz anbieten. Die Solitärbienen, die so heißen, weil sie allein und nicht in Gemeinschaften leben, bauen jede für sich ein Nest, wo sie ihre Eier legen und als Proviant für die geschlüpften Larven ein Gemisch aus Nektar und Pollen deponieren.

Der Nektar wird von kleinen Drüsen abgesondert, die überall in der Blüte sitzen können. Wenn sie sich am Boden des Blütenkelchs befinden und die Pflanze überdies den Weg dorthin durch Hindernisse erschwert, ist der Nektar nur für Insekten zu erreichen, die für diesen Zweck spezielle Anpassungen besitzen. Klee und Salbei etwa zählen zu den Pflanzen mit komplexem Blütenaufbau, der überdies von Art zu Art verschieden ist.

Wird aber der Nektar großzügig und ohne Hindernisse oben auf den Blüten angeboten, bedarf es keiner besonderen Anpassungen, damit ihn die Insekten trinken können. Das ist der Grund, warum man etwa auf der Dolde einer Wilden Möhre die verschiedensten Insektenarten beim Nektarsammeln vereint sehen kann.

Das lange, biegsame Saugorgan, mit dem dieser Postillon aus den Blüten der Goldrute Nektar trinkt, ist allen Schmetterlingen gemeinsam.

Zu Beginn des Frühlings sind Primeln eine wichtige Nektarquelle, auch für diese Solitärbiene, die einer Hummel ähnelt (Antophora plumipes). Bevor sie landet, positioniert sie sich mit ihrer langen, braunen Zunge über der Kelchöffnung. Deren in Ringform angeordnete orange Flecken dienen ihr als Orientierung.

Nach der Landung taucht sie ihre Zunge hinab auf den Grund des Blütenkelchs, wo sich der Nektar befindet.

Das Mundwerkzeug dieser Hummel, die auf den Blüten eines Doldenblütlers Nektar sammelt, ist die Zunge, mit der sie den Nektar zunächst leckt und danach ansaugt.

Diese Fliege, die auf einem Doldenblütler sitzt, tupft den Nektar mit den beiden kleinen Pölsterchen am Ende ihres kurzen Saugrüssels auf – so wie es eine Stubenfliege bei einem Stückchen Zucker macht.

Diese Federmotte holt den Nektar mit ihrem fadenförmigen Rüssel wie mit einem Strohhalm aus den Blüten eines Rainfarns. Der Rainfarn ist somit für die Federmotte eine Nektarpflanze. Daneben dienen seine Blüten dem Weibchen zur Eiablage und später den Larven, die aus den Eiern schlüpfen, als Nahrungsquelle. Damit ist der Rainfarn für die Federmotte außerdem eine Wirtspflanze.

Der Rüssel dieses Nachtfalters, einer Gammaeule, die an einer Flockenblume gerade Nektar trinkt, besteht aus zwei Teilen. Sie sind wie die Läufe einer Schrotflinte zusammengesetzt.

Dieses Rostbraune Ochsenauge knickt seinen biegsamen Strohhalm, um ihn in die nektarreichen Blüten des Oregano einzuführen.

Die Schmetterlinge bleiben außen auf der Blüte sitzen, entrollen ihren Saugrüssel und tauchen ihn direkt ins Manna. Als große Nektartrinker – er ist ihre einzige Nahrung – sind sie völlig abhängig von der Blühsaison. Die Energie, die der Nektar liefert, reicht aus, um die Flugaktivität dieser kurzlebigen Tiere aufrechtzuerhalten, deren adultes Leben einzig der Fortpflanzung und der Verbreitung gewidmet ist.

Auch wenn er ihnen äußerlich kaum ähnelt, ist der Wollschweber mit den Fliegen verwandt. Dieses große Insekt, das seine Beine im Flug hinter sich herzieht, ist versessen auf den Nektar des Wiesen-Schaumkrauts. In der Luft erinnert es mit seinem manchmal stationären, durch Flügelvibrationen bedingten Flug an einen Kolibri, während der orange Sauger einem langen Schnabel gleicht, mit dem der Wollschweber auf die Blume zielt. Doch anders als der Kolibri muss er zum Nektarsammeln auf der Blütenkrone landen: Er braucht sie dabei aber nur mit den Spitzen seiner langen, zierlichen Beine zu berühren.

Eine Biene sammelt Pollen auf den Blüten einer Acker-Witwenblume.

Der Pollen, eine reiche Proteinquelle

Bienen und Hummeln, die an Staubblättern reiche Blüten besuchen, etwa die des Mohns oder der Heckenrose, sieht man oft beladen mit farbigen „Kugeln“ an den Außenseiten der Hinterbeine ihres Weges ziehen. Die Farbe dieser Kissen entspricht der Farbe des gesammelten Pollens.

Diese „Höschen“ aus Pollen werden in das Nest gebracht. Sie liefern den Larven die Ration an Proteinen, die sie für ihre Entwicklung brauchen.

Bei der Honigbiene wird der Pollen in den Wabenzellen eingelagert, die geöffnet bleiben. Bienen, die Ammendienste leisten, verteilen ihn dann an die Larven in anderen Zellen, die zu Kinderstuben zusammengefasst sind.

Eine Biene (Andrena viridescens) mit weißen Pollenhöschen auf einer Veilchenblüte.

Eine Honigbiene mit orangen Pollenhöschen auf der Blüte einer Heckenrose.

Eine Biene (der Gattung Andrena) mit gelben Pollenhöschen auf einem Hahnenfuß.

Eine Seidenbiene auf den Blüten eines Rainfarns.

Beim Pollensammeln wie beim Abfressen der Staubgefäße geht es um dieselbe proteinreiche Nahrung, doch verwendet wird sie jeweils unterschiedlich.

Die Seidenbiene (aus der Gruppe der Solitärbienen) sammelt Pollen ausschließlich für ihre Nachkommen. In dichtgepackten Pollenhöschen, die an ihren Hinterbeinen kleben, transportiert sie ihn zu ihrem Nest.

Der Gemeine Bienenkäfer hingegen ernährt sich selbst davon.

Ein Gemeiner Bienenkäfer besucht die Blüten einer Aster.

Jährlich neu gegründet: der Hummelstaat

Wie die Honigbiene haben auch die verschiedenen Hummelarten eine soziale Lebensweise, die im Bau eines gemeinsamen Nests gründet. Das Nest ist jedoch bei ihnen nur ein Jahr lang in Gebrauch, während das der Bienen dauerhaft besteht. Jedes Jahr im Frühling muss das Hummelnest neu errichtet werden. Das ist die Aufgabe des Gründerweibchens, das im Herbst begattet wird und den Winter im Ruheschlaf verbringt.

Bei der Erdhummel erwacht das Gründerweibchen an den ersten schönen Frühlingstagen aus der Winterstarre. Es beginnt sofort, in einem kleinen natürlichen Hohlraum sein Nest zu bauen. Als Erstes stellt es ein „Wachstöpfchen“ her und füllt es mit Nektar, als Reserve für die kalten Tage, wenn es das Nest nicht verlassen kann.

Danach legt das Weibchen etwa 12 Eier, jedes in eine eigene Wabe. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die schnell wachsen und sich schließlich zu Hummelweibchen (den Arbeiterinnen) wandeln. Diese unterstützen das Gründerweibchen (die Königin) bei der „Hausarbeit“ und der Nahrungssuche. Von ihren ersten Nachkommen bei der Arbeit entlastet, kann sich die Königin nun ganz dem Eierlegen widmen. Sie ist die Mutter sämtlicher Mitglieder der Gemeinschaft, die ausschließlich aus Arbeiterinnen besteht.

Zunächst die Königin und dann die Arbeiterinnen sammeln Nektar und Pollen, die für die schnelle Entwicklung der Larven erforderlich sind. Das Hummelvolk wächst bis in den Herbst hinein. Zu dieser Zeit entstehen nun fortpflanzungsfähige Tiere, Männchen wie Weibchen, von denen nur die befruchteten Weibchen den Winter überleben.

Der Pelz dieser Hummel wird beim Besuch der Krokusblüte mit Pollenkörnern eingestäubt. Die Körner sammelt sie in Pollenhöschen ähnlich denen der Honigbiene und für denselben Zweck. Da es noch so früh im Jahr ist, handelt es sich hier wohl um das Gründerweibchen einer neuen Kolonie.

Dieses Ursprungsnest einer Hummelkönigin wurde von der Katze des Hauses aufgespürt und angeschleppt. Durch Schäden beim Transport sind die meisten Zellen leer. Nur der Honigtopf (unten) und eine Brutzelle sind noch gefüllt. Das Nest misst 1cm im Durchmesser.

Wie die Nahaufnahme zeigt, füllt die Larve ihre Brutzelle fast völlig aus. Sie hat ihr Wachstum eingestellt und steht kurz vor der Verwandlung zum erwachsenen Insekt.

Was die Pflanzen im Gegenzug erwarten

Die Bestäubung

Wie bedeutend die Bienen als Bestäuber sind, kann man sehen, wenn sie ihre Aufgabe nicht mehr richtig erfüllen – aufgrund von intensivem Ackerbau zum Beispiel oder wegen der Verdrängung durch eingeführte Arten. Bei den Blütenpflanzen ist die Bestäubung der erste Schritt hin zur Verschmelzung beider Keimzellen während der Befruchtung, des grundlegenden Prozesses der sexuellen Fortpflanzung, den alle Lebewesen teilen. Die Bestäubung stellt sicher, dass die männlichen Geschlechtszellen vom Staubblatt einer Blüte zum Stempel einer Blüte finden. Sobald sie auf dessen Narbe gelangt sind, keimen die Pollenkörner aus. Sie bilden feine Schläuche, durch die hindurch die männlichen Geschlechtszellen zu den weiblichen Eizellen wandern, die sich in der Samenanlage des Fruchtknotens befinden. Die Bestäubung ist nur dann biologisch wirksam, wenn sie zwischen Individuen derselben Art stattfindet. Der Transport des Pollens vom Staubblatt zum Stempel kann innerhalb einer Blüte ablaufen, aber auch zwischen verschiedenen Blüten derselben Pflanze oder zweier verschiedener Pflanzen einer Art. Dieser letzte Fall ist für die Art genetisch am vorteilhaftesten.

Im Zentrum einer Mohnblüte haben die Pollenkörnchen aus den Staubblättern den Kopf einer Schwebfliege eingepudert. Diese überträgt ein paar davon auf die Narben des Stempels, sei es in derselben Blüte oder in einer anderen.

Über und über vom klebrigen Pollen der Stockrose bedeckt, schlägt diese Hummel beim Versuch, sich davon zu befreien, wild um sich – und macht es dadurch nur noch schlimmer.

Diese Biene ist mit Pollen überzogen, den sie am oberen Rand des braunen Rings aus Staubblättern gesammelt hat. Ein paar der Pollenkörner überträgt sie auf die elegant in Form des griechischen Buchstabens Gamma geteilten Narben. Oben links, gleich unterhalb der Biene, kann man eine davon gut erkennen. Sie wird wohl vom Pollen befruchtet werden.

Der Blütenkopf der Sonnenblume besteht aus zwei verschiedenen Typen von Blüten. Der Rand wird aus einem Kranz steriler Blüten mit je einem langen, zungenförmigen Scheinblütenblatt gebildet; man nennt sie auch Zungenblüten. Das Zentrum der Blume ist eine große, leicht gewölbte Scheibe aus tausend und mehr kleinen, dicht an dicht gedrängten Blüten, deren röhrchenförmige Krone in fünf Spitzen ausläuft. Der Blütenstand der Sonnenblume wirkt dadurch wie eine einzige riesige Blüte.

Jede Einzelblüte durchläuft zwei Phasen der Geschlechtsreife. Eine männliche, in der die Staubblätter reifen, und, nachdem diese wieder verschwunden sind, eine weibliche, in der sich der Griffel mit den endständigen Narben für die Pollenaufnahme bildet.

Dagegen sind beim Löwenzahn alle Blüten des Blütenkopfes fruchtbare Zungenblüten. Wie bei der Sonnenblume reifen auch bei ihnen Staubblätter und Fruchtknoten nacheinander. Die Blüten können also nicht durch ihren eigenen Pollen bestäubt werden.

Auf den Narben dieses Blütenköpfchens vom Löwenzahn kann man die Pollenkörner erkennen, die die Biene dort verteilt hat.

Indem er die Staubblätter verschlingt, trägt auch dieser Trauer-Rosenkäfer zur Bestäubung der Löwenzahnblüten bei.

Beim Besuch dieses Löwenzahnköpfchens überträgt eine Hummel den von ihr mitgeführten Pollen auf die Narben, die denen der Sonnenblume ähneln.

Die Anpassung der Blumen an die Bestäubung

In der unendlich großen Zahl an Blütenformen spiegelt sich die Vielfalt von Anpassungen an die Bestäubung durch Insekten wider, die Entomophilie (von griechisch entomon, Insekt, und philon, Freund). Dabei kann man grob zwei evolutionäre Wege unterscheiden: erstens einer großen Bandbreite von Insektenarten den Blütenbesuch zu erlauben, oder zweitens den Zugang zu beschränken auf wenige Arten oder sogar nur auf eine einzige. Die Doldenblütler stehen dabei am einen Ende des Spektrums, das Leinkraut am anderen.

Weit geöffnete Blüten: das Beispiel der Doldengewächse