Das Geheimnis der Börsenerfolge - Bruno Hollnagel - E-Book

Das Geheimnis der Börsenerfolge E-Book

Bruno Hollnagel

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16,99 €

Beschreibung

Orientierungshilfe für Kleinanleger! Lernen Sie aus den Fehlern und Erfolgen anderer, erkennen Sie die Irrlichter der Börse. Navigieren Sie durch den Nebel der falschen Ratschläge und Tipps, in dem sich schon viele Anleger verirrt haben. Denn es sind turbulente Zeiten: Die noch nicht ausgestandenen Finanz- und Eurokrisen, die geringen Zinsen und die drohende Altersarmut verunsichern die Gesellschaft. Angesichts der hohen Geldbußen gegen Banken wegen mangelhafter Beratung kann der Anleger offenbar nur noch sich selbst trauen. Dieses Buch, von einem ausgewiesenen Fachmann geschrieben, ist eine unverzichtbare Hilfe, indem es Orientierung bietet und die Geheimnisse der Börsenerfolge enthüllt.

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Seitenzahl: 419

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Die Abbildungen stammen, wenn nicht anders angegeben, vom Autor.

Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um eine überarbeitete und aktualisierte Neuausgabe von Bruno Hollnagel, Tollhaus Börse, München 2001.

Dieses ebook ist die digitale Umsetzung der Printausgabe, die unter demselben Titel bei Herbig erschienen ist. Da es bei ebooks aufgrund der variablen Leseeinstellungen keine Seitenzahlen gibt, können Seitenverweise der Printausgabe hier nicht/nur mit Einschränkungen verwendet werden. Statt dessen können Sie über die integrierte Volltextsuche alle Querverweise und inhaltlichen Bezüge schnell komfortabel herstellen.

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www.herbig-verlag.de

© für die Originalausgabe und das eBook: 2015 F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung

GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Wolfgang Heinzel

eBook-Produktion: VerlagsService Dietmar Schmitz GmbH, Heimstetten

ISBN 978-3-7766-8215-1

Die Gewinner suchen die Gründe für Misserfolge bei sich, während die Verlierer die Schuld für Fehlschläge anderen in die Schuhe schieben.

Baruch: »Entweder wir arbeiten für Geld – oder Geld arbeitet für uns.«

Inhalt

1 Einleitung

2 Grundsätzliches

2.1 Was ist eigentlich Geld?

2.2 Über Immobilien und Aktien

2.3 Die Börse

3 Wertpapiere

3.1 Verzinsliche Wertpapiere

3.2 Aktien

3.3 Optionsgeschäfte

3.4 Termingeschäfte

3.5 Arbitrage-Geschäfte

3.6 Derivate und Hebelinstrumente

3.7 Partizipationsscheine

4 Die Börsenakteure

4.1 Hasardeure

4.2 Besonnene Anleger

4.3 Global Player und Magnaten

4.4 Profis und Greenhorns

4.5 Tippgeber

4.6 Sophistiker der Börse

4.7 Betrüger und Gaukler

4.8 Eitle und Unersättliche

4.9 Journalisten, Stimmungsmacher

4.10 Politik

4.11 Wirtschaft

4.12 Behavioral Finance

4.13 Rating-Agenturen

5 Die Kurse

5.1 Der Trend

5.2 Die Wechselhaftigkeit der Kurse

5.3 Beständigkeit und Gleichgewicht der Kurse

6 Orientierungshilfen im Börsenlabyrinth

6.1 Der Börsenzyklus

6.2 Der Pendelschlag der Börse

6.3 Charttechnik

6.4 Die Wende

6.5 Der Zinssatz

6.6 Der Stammtisch-Index

7 Der Börsenkrieg

8 Börsenlogik

9 Börsenmathematik

9.1 Weit mehr als bloße Zahlenspiele?

9.2 Das Problem von Kennzahlen

9.3 Das Averaging

9.4 Die grundsätzlichen Mängel der Börsenmathematik

10 Börsenpsychologie

10.1 Vom Wetten und der Zinsangst

11 Die Überlegenheit der Börsenphilosophie

12 Die Verzahnung der Märkte

13 Prognosen

13.1 Die todsichere Prognose

13.2 Die gewinnträchtige Prognose

13.3 Prognosen, die sich selbst erfüllen

13.4 Prognosen, die keine sind – und trotzdem helfen (können)

14 Über die Anatomie der Zusammenbrüche

15 Risiken und Nebenwirkungen

16 Prinzipien einer erfolgreichen Geldanlage

17 Die eigene Strategie

17.1 Vorbereitung

17.2 Auswahl der Anlagen

17.3 Festlegung der Strategie

17.4 Umsetzung der Strategie

18 Von anderen lernen

18.1 Die Anlagestrategien der Großen der Branche

Bernard Baruch

André Kostolany

Michael O’Higgins

Peter Lynch

T. W. Price

Benjamin Graham

Warren Buffett

George Soros

18.2 Börsengesetze

Das Gesetz von den naturnotwendigen Fehlprognosen der Gurus

Das Gesetz vom Gleichgewicht der Kurse

Das Gesetz von der Unberechenbarkeit der Börse

Das Gesetz von der Stabilität der Verhältnismäßigkeit

Das Gesetz des Herdentriebes

Das Gesetz von der Übermacht der harten Fakten und der Psychologie

19 Vorsicht Falle: Fehler, Irrtümer und Vorurteile

20 Resümee

21 Anhang

21.1 Anlagemedien in Krisen – Aus der Vergangenheit lernen

21.2 Derivate und Hebelinstrumente im Einzelnen

Register

Lesetipps

1 Einleitung

Mit Börsendingen bin ich schon früh konfrontiert worden. Seinerzeit aber gab es nur wenige aufschlussreiche Bücher und im deutschsprachigen Raum keine Universitätsvorlesungen, die mich lehren konnten, mit Geld verantwortungsvoll umzugehen. Also machte ich mich selbst auf den Weg der Erkenntnis.

Dabei lernte ich André Kostolany kennen, einen Mann mit großem Namen. Das Verblüffendste an ihm schien mir aber weniger seine bauernschlauen[1] »Börsenweisheiten« zu sein, sondern die Art und Weise, wie er sie präsentierte: oftmals in der Form von amüsanten Anekdoten und mit einem umwerfenden Charme. Die Frauenwelt lag ihm – im bildlichen Sinn – zu Füßen. Dabei war er ein für meinen Geschmack äußerlich wenig attraktives Männchen – nach meiner Erinnerung nach keine 170 cm groß, aber eben doch im gewissen Sinn ein ganz Großer. Kurz: Die Begegnungen mit ihm waren zwar ein Gewinn, brachten mich in Börsendingen aber nur wenig voran.

Später lernte ich dann auf Investmentkongressen einige Gurus kennen, die zwar durch ihre apokalyptischen Prognosen aufzufallen wussten, aber letztlich allesamt das ihnen anvertraute Geld pulverisierten – zum Glück nicht meines.

Was blieb mir anderes übrig, als Trockentraining zu betreiben: Käufe und Verkäufe zunächst nur auf dem Papier durchzuführen. Im Verlauf der Zeit erkannte ich die Bedeutung der Psychologie. Mir war dann klar, dass es eine mathematische Börsen-Erfolgsformel nicht geben kann; denn mathematische Formeln bedürfen immer rationaler Operatoren. Doch der Mensch handelt eben nicht ausschließlich rational, sondern auch emotional. Im Weiteren erkannte ich die Bedeutung weiterer Fakten. So tastete ich mich langsam an mein eigenes System heran, bei dem strategische Überlegungen immer wichtiger wurden. Dann folgten die erfolgreiche Anwendung und schließlich die Verfeinerung.

Und heute? Derzeit ist die Welt in Unordnung geraten. IS-Kämpfer verbreiten Schrecken und Tod. In Syrien toben »Befreiungskämpfe«. In der Ukraine stehen russische Soldaten. Die Börsen spielen in einem wilden Auf und Ab verrückt. Das Gold fällt entgegen der »Lehre« im Kurs. Bankenpleiten und Staatsverschuldungen haben manchem Anleger das Fürchten gelehrt. Negativzinsen bedrohen das Ersparte. Ist derjenige, der verantwortungsvoll an die Zukunft denkt und spart, der Dumme? Soll man Immobilien kaufen, deren Erträge vom Staat gedeckelt sind, nicht aber die Handwerkerrechnungen und Verwaltungsgebühren? Sind Anleihen sinnvoll, die nach Inflation und Steuern nur eines sicher bringen: Verluste? Was ist bei handfesten Krisen zu erwarten und wie sollten Anleger darauf reagieren?

Das sind Fragen über Fragen, die nach Antworten verlangen. Doch Sie sollten sich nicht vom Wesentlichen ablenken lassen:

Was sind die wirklichen Gründe dafür, dass die Börsenkurse steigen und welche bringen sie zum Fallen? Da lässt ein militärischer Putsch die Börse jubeln und sie fällt in Trauer, wenn anderswo ein Diktator das Zepter ergreift. In wahnwitzigem Tempo steigen die Kurse, doch ohne dass sich die wirtschaftliche Situation verändert hätte, fallen sie plötzlich doppelt so schnell in sich zusammen – was für ein Irrwitz! Die eine Firma gibt die neuesten, überragenden Umsatz- und Gewinnzahlen bekannt und die Börsianer sind begeistert, während eine andere Firma, die noch bessere Entwicklungen vorzuweisen hat, die Börsianer resignieren lässt – wo bleibt da die Logik? Was geht hier vor, wenn die Kurse sinken, obwohl die »Fachleute« doch achselzuckend sagen, dass sie eigentlich steigen sollten? Welche Gesetze steuern das Börsengeschehen? Wer zieht hier die Fäden, und wer sind die Marionetten, die an ihnen hängen? Um hier Klarheit zu schaffen, habe ich dieses Buch geschrieben, das auf meinem jahrzehntelangen Erfahrungsschatz basiert.

Es sind aber nicht nur meine eigene Erfahrungen beschrieben, sondern auch Methoden, die andere erfolgreich angewandt haben, und ein mögliches Vorgehen, wie Sie zu einer eigenen Strategie kommen können, zu einer, die auf Sie ganz speziell zugeschnitten ist.

Und wie lassen sich Fehler vermeiden? Am ehesten doch wohl, indem man von denen anderer lernt. Also wartet in diesem Buch eine Fülle von lehrreichen Begebenheiten auf den Leser, der eingeladen ist, den Schatz gewinnträchtiger Erkenntnisse zu heben, das Geheimnis erfolgreicher Börsengeschäfte zu lüften.

Der Teufel, so sagt man, steckt im Detail. Genauso ist es auch bei Börsengeschäften. Aus diesem Grund wird hier nicht nur das große Ganze gesehen, sondern es werden auch eine Menge Details beschrieben und an vielen Beispielen verdeutlicht. Das hilft Ihnen, die Börse zu verstehen und ihre Geheimnisse zu entdecken.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Spaß beim Lesen und Erfolg an der Börse.

Anmerkungen

[1] »Wissen Sie, Herr Hollnagel, à la longue sind wir alle tot.« Er hatte nie öffentlich konkrete Kauf- oder Verkaufsempfehlungen abgegeben.

2 Grundsätzliches

»Was ist eigentlich Geld?«, fragte mich ein guter Bekannter, mit dem ich so manche Stunde über dies und das geplaudert habe. Und als ich über die Antwort nachsann, war mir klar, dass selbst in den dicksten Büchern der Betriebs- und Volkswirtschaften zwar allerlei drinsteht, wie Geld verwendet werden kann, aber nicht, was Geld eigentlich wirklich ist. Natürlich ist es ein allgemeines Tauschmittel, Rechnungseinheit und Wertaufbewahrungsmittel, aber das könnten Zigaretten und alle möglichen anderen Güter auch sein, wie sich in Zeiten der Not bewiesen hat.

Geld, für das gearbeitet, spekuliert, gelogen und betrogen wird, wegen dem Intrigen gesponnen, Panzer verschoben werden und Freundschaften zerbrechen, ist nichts weiter als auf Papier gedruckter und in Metall geprägter Glaube an seinen Wert, der Glaube, etwas Bestimmtes dafür bekommen zu können. Geld, welches aus Arbeitsentgelten resultiert, ist bereits erbrachte Leistung (Lohn, Gehalt). Geld aus Darlehen ist geschuldete Leistung, denn die zu zahlenden Zinsen und Tilgungen müssen erst noch verdient werden. Geld aus Unternehmensgewinnen ist die Belohnung für Leistung und eingegangen Risiken.

Alles erwächst aus der Natur und dem eignen Schaffen der Menschen[2] – aus ihrer Wertschöpfung, wie ein Wirtschaftswissenschaftler sagen würde. Geld lässt sich dann als gespeicherte Arbeitskraft verstehen, die, so sie nicht konsumiert wird, dann Vermögen ist. Also hat Vermögen seinen Ursprung in Leistung. Von nichts kommt nichts[3]. Dabei kann sich die Werteinschätzung des Vermögens mit der Zeit verändern. Dafür kann es die verschiedensten Gründe geben: neue Trends, veränderte Wertvorstellungen und Prioritäten … und nicht zuletzt eine Wertänderung des Geldes selbst.

Was ist eigentlich Geld, für das wir arbeiten und das wir zu vermehren trachten? Nach der Beantwortung dieser Frage wenden wir uns kurz Immobilien und Aktien zu und klären die Frage, warum die Aktie Immobilien gegenüber strategisch von Vorteil sind.

2.1 Was ist eigentlich Geld?

Wir kennen zwei Arten von Geld. Sie lassen sich am einfachsten anhand ihrer Entstehung unterscheiden:

Die eine Geldart nenne ich »gedecktes Geld«. Es ist das Geld, wie es früher kursierte. Es bestand aus Edelmetallen. Die Geld-Münzen trugen ihren Wert also faktisch in sich. Der Wert der Münzen entsprach in etwa ihrem Metallwert. Der Herrscher, der der Herr des Geldes war, ließ das Edelmetall in eigenen Bergwerken fördern und in Münzen prägen. Wegen ihres Metallwertes galten solche Münzen oftmals auch außerhalb des eigentlichen Herrschaftsbereiches des Prägers als Zahlungsmittel. Dieses Geld hieß Goldtaler, Silberlinge, Dukaten, Mark Courant, Gulden … Durch die hohen Ausgaben für Kriege und üppigen Lebenswandel waren die Herrscher versucht, das Edelmetall ihrer Münzen durch unedlere Metalle zu »strecken«. Eine Modifizierung dieses Systems erfolgte bis zur Weltwirtschaftskrise 1928 durch den »Goldstandard«[4] und danach durch das Bretton-Woods-Abkommen (1944). Dies beinhaltete die Zusage, dass das Geld (US-Dollar) in Form von Geldscheinen jederzeit zu einem bestimmten Verhältnis in Gold getauscht werden konnte. 1971 wurde diese »Golddeckung« (genauer gesagt das Umtauschversprechen) annulliert.

Die Banken hatten zur damaligen Zeit die volkswirtschaftliche Aufgabe des Geldwechselns, der Geldaufbewahrung und der Aufrechterhaltung des Geldstromes. Zum Letzteren gehörte die Kreditvergabe. Seit der Frühzeit des Geldsystems wurde Geld verliehen. Dabei wurden Geldeinlagen der Kunden (also vorhandenes Geld) an Dritte gegen Sicherheiten und Zahlungsversprechen weitergereicht.

Die zweite Geldart bezeichne ich als »ungedecktes Geld«. Als einer ihrer Vorläufer der heute am häufigsten verwendeten Geldart kann der Wechsel aufgefasst werden. Ein Wechsel[5] ist seinem Wesen nach ein Zahlungsversprechen. Es war möglich, dass ein Zahlungsversprechen/Wechsel ohne Sicherheiten akzeptiert wurde. Das war der Fall, wenn ein Händler die Ware durch einen Wechsel beglich. Erst wenn er die Ware (mit Gewinn) seinerseits wieder verkauft hatte, konnte er den im Wechsel genannten Wert zuzüglich der Wechselgebühr bezahlen. Häufig musste die Gegenleistung für einen Wechsels also erst noch erbracht werden. Diese Wechsel/Zettel konnten weitergereicht werden und dienten auf diese Weise als Zahlungsmittel, also als Geld.

Der Wechsel ist faktisch ein Kredit. Heute erfolgt eine Kreditvergabe typischerweise wie folgt: Der Kreditschuldner bekommt von einer Bank einen Kredit. Er stellt dazu Sicherheiten und verpflichtet sich zur Zahlung von (hohen) Zinsen und Tilgungen. Die Bank ihrerseits leiht sich das Geld zu (niedrigen) Zentralbankzinsen aus. Das ist eine Geldschöpfung. Das an die Bank verliehene Geld hat bei der Zentralbank nur eine Deckung im Umfang der zu zahlenden sogenannten Mindestreserve (ca. 2–3 %). Bei bestimmten (Staats-)Anleihen reichen die Banken die Anleihen als Sicherheit an die Zentralbank weiter; behalten aber die Zinscoupons. Die Banken setzen dann kein eigenes Geld ein. Das Geld wird demnach praktisch aus dem Nichts geschaffen.

Es gibt die Vorstellung, dass Geld durch die Druckerpresse »geschaffen« wird. Natürlich werden dadurch Geldscheine erzeugt, niemals aber wird es die Kaufkraft sein, die sich durch das Drucken von Geld gleichsam wie von selbst vermehrt. Wenn sich nun mehr Geldscheine im Wirtschaftskreislauf[6] befinden, dem aber nicht ein ebenso großes Mehr an Leistung gegenübersteht, dann muss der einzelne Geldschein schließlich an Wert verlieren. Das ist Inflation. Das trifft aber nur zu, wenn die Geldmengensteigerung bei vielen Marktteilnehmern ankommt. Nur dann kann es zur Steigerung der Massenkaufkraft kommen, die eine höhere Güternachfrage zur Folge hat und demzufolge – bei gleichem Güterangebot – die Preise treibt. Auch eine erhöhte Geldumlaufgeschwindigkeit hat einen solchen Effekt. Erfolgen Geldmengensteigerungen partiell, so kann es in bestimmten Sektoren zu Preissteigerungen kommen, z. B. bei Immobilien und Aktien. Aber auch uneffektivere Arbeit oder Minderleistung bei gleichem Lohn schafft Inflation. Wenn z. B. jemand gegen Entgelt ein Loch gräbt und dieses anschließend wieder zuschüttet, mag zwar Schweiß geflossen sein und auch Geld wurde dafür bezahlt, doch es wurde kein Wert an sich geschaffen. Wichtig ist es, sich zu verdeutlichen: Der dem Ursprung nach gegenwertlosen Geldmengenschöpfung muss schließlich immer eine entsprechende Geldentwertung folgen.

Neben Gelddrucken wird Geld auch durch das Verleihungssystem vermehrt. Ein Geldbesitzer deponiert z. B. Geld auf der Bank. Die Bank lässt dieses Geld jedoch nicht einfach liegen, sondern verleiht es an andere weiter. Das bedeutet, dass das in die Bank eingezahlte Geld faktisch für den Kunden nicht in voller Höhe zur Verfügung steht. Denn wenn alle Kontobesitzer an einem bestimmten Tag zu ihrer Bank oder Sparkasse gehen und ihr Geld abheben wollten, könnten sie es nicht in vollem Umfang bekommen, weil es anderweitig verliehen ist. Allein der allgemeine Glaube, dass der Sparer das Geld abheben könnte, wenn er wollte, gibt dem System die Stabilität, die zu seinem Funktionieren unabdingbar ist. Misstrauen gegenüber dem Bankensystem führt zwangsläufig zu einer Wirtschaftskrise. Nur der Glaube an den Wert des Geldes und der Glaube an die Zuverlässigkeit der Banken gibt dem Geldsystem die nötige Stabilität – wehe, wenn der Glaube sich als Irrglauben entpuppt.

2.2 Über Immobilien und Aktien

Dass nichts aus Nichts entsteht, gilt auch für Immobilien. Renditeobjekte werden mit einem bestimmten Vielfachen ihrer Netto-Kaltmiete bewertet (Miete abzüglich Heizung, Wasser, Strom, Grundsteuer usw. und ohne Zuschläge für Möblierung, Untervermietung etc.). Soll also der Immobilienwert real steigen, so muss die Miete anziehen. Dies aber wird nur dann nachhaltig möglich sein, wenn die Mieter die höhere Miete bezahlen können und wollen, also entsprechend mehr verdienen, wie dies real nur durch höhere Leistung der Volkswirtschaft als Ganzes möglich ist. Also gilt auch für Immobilien: Ihr Wert steigt in Abhängigkeit von der volkswirtschaftlichen Leistung. Die Wirtschaft muss also wachsen, damit auch ihre einzelnen Bestandteile – etwa Immobilien – an Wert zunehmen können. Ergänzend ist allerdings festzustellen, dass Umstände eintreten können – wie geringe Zinsniveaus oder eine Angst vor Inflation – die dazu führen, dass Investoren »in Immobilien flüchten« und dann bereit sind, mehr für Immobilien zu bezahlen, als es üblicherweise der Fall wäre.

Wenn wir uns nun fragen, woraus Leistung erwächst, so sind dies der Lehre gemäß die Komponenten Arbeitskraft, Boden und (Investitions-)Kapital[7]. Wirtschaftliche Leistung bedarf also produktiven Vermögens. An diesem produktiven Vermögen kann sich ein Anleger durch den Erwerb von Aktien beteiligen.

Noch einmal: Ohne Kapital kein Wachstum, ohne Wachstum keine Wertsteigerung. Vor diesem Hintergrund wird nun deutlich, dass die Geldanlage in Aktien (also in Produktionskapital) von allen Anlageformen prinzipiell diejenige ist, die am sichersten am Wachstum partizipiert. Höhere Mieten können eben nur bezahlt werden, wenn die Mieter mehr verdienen. Dazu aber muss die Wirtschaft wachsen.

Doch ist dabei der Wandel der Zeit, der Wandel der Bedürfnisse, der Verfahren und Techniken, der Ansprüche, des nachgefragten Wissens und der notwendigen Managementqualitäten zu bedenken. Was heute der Arbeitseffektivität förderlich und geeignet ist, die Nachfrage zu decken, kann schon morgen veraltet und folglich wertlos(er) sein. Dieser Wandel kann auch Immobilien und Aktiengesellschaften treffen. Bei Aktien positiv dann, wenn das Management die Zeichen der Zeit richtig erkennt, und negativ, wenn es sie missdeutet. Bei Immobilien positiv, wenn die Lage begehrter wird, und negativ, wenn Lage oder Wohnungsgestaltung nicht (mehr) dem Trend entspricht.

Der Vorteil von Aktien gegenüber Immobilien besteht in erster Linie darin, dass Aktien, soweit es sich um Standardaktien handelt, praktisch an jedem Börsentag auch bei größeren Volumina gekauft und verkauft werden können. Die Abwicklung ist also wesentlich einfacher, schneller und sicherer, als dieses bei Immobilien der Fall sein kann. Diese schnelle Umschlagmöglichkeit beinhaltet jedoch auch das Risiko, unüberlegt zu agieren, in Hektik zu verfallen, sich von Ereignissen mitreißen zu lassen.

Viele Anleger meinen, dass der Nachteil bei Wertpapieren darin zu sehen sei, dass es sich dabei um Geldvermögen handelt, welches der Inflation unterworfen ist. Nach meiner Auffassung trifft diese Einschätzung zwar bei Anleihen, nicht aber bei Aktien zu. Das erworbene Firmenvermögen beinhaltet in der Regel nur zu einem kleinen Teil Geld, zum größten Teil aber Produktivvermögen (Know-how, Maschinen, betriebsnotwendige Anlagen usw.). Einer Studie von Morgan Stanley zufolge brachten in der Zeit von 1871 bis 1997 Aktien, außer in Deflationszeiten, positive Resultate. Selbst in starken Inflationszeiten betrug der Aktienkursanstieg das 1,46-fache der Inflationsrate.[8] Ist diese Studie auch nicht neu, so ist die Aussage in Anbetracht der Kursentwicklung seit 1997 sicherlich auch für die Gegenwart zutreffend.

Immobilien können nur dort eine ertragreiche Anlageform sein, wo Wachstum herrscht. Außerdem muss der Begehrlichkeit der Politik Zügel angelegt sein, sonst droht die Gefahr, dass sie sich des immobilen (nicht beweglich und in problematischen Situationen nur schwer verkäuflich) Vermögens durch Steuern oder Abgaben bedient. Auch können Wahlgeschenke an Mieter sehr schnell die Geldbörsen der Immobilienbesitzer leeren – einerseits durch unzureichende Einnahmen und andererseits durch Wertverluste. Mobiles Vermögen hingegen, wie Wertpapiere, sind jederzeit verkäuflich. Zudem reist Geld fast mit Lichtgeschwindigkeit um die Welt, denn so schnell fließen elektronische Impulse, die einen Geldtransfer ausführen.

Der entscheidende strategische Unterschied zwischen Aktien und Immobilien ist der: Aktien stellen Produktivvermögen dar, das sich den Gegebenheiten anpasst, während Immobilienvermögen eher passiv und den Veränderungen weitestgehend ausgeliefert ist.

2.3 Die Börse

Wer wissen will, was die Börse ist, der braucht nur nach denen zu fragen, die sie gegründet haben. Dabei sind hier nicht die Wechsler, Makler und Kaufleute gemeint, die sich im Jahre 1111 in Lucca auf der Piazza San Martino trafen, um ihren (Handels-) Geschäften nachzugehen. Gemeint sind hier vielmehr die Gesinnungen und Einstellungen, die hinter den Geschäften standen.

Auf Dauer besteht hier nur, wer ein tieferes Verständnis von der Börse erlangt, wer die Wirrungen und Irrungen der Börse durchschaut hat. Das in der Praxis zu erfahren und zu lernen ist kein gemütlicher Spaziergang, den man nach Lust und Laune unternimmt, um sich die Lungen mit frischer Luft zu füllen, sondern gleicht eher einem Höllenritt, so atemberaubend, voller Überraschungen und Schockerlebnisse, dass der Ausgang nicht abzusehen ist.

Die Börse ist Chaos und Psychologie. Chaos deswegen, weil sich die Börse sämtlicher exakter mathematischer Modelle und Methoden entzieht, sich keinem Formalismus unterwirft, sich also selbst für den Internen als unberechenbar erweist; denn die Börse ist nicht rational! Sie kann schon deswegen nicht rational sein, weil es auch die Menschen nicht sind, die das Wesen der Börse bestimmen. Auf den ersten Blick scheint sie sich auch der menschlichen Logik zu entziehen. Immer wieder werden bei ihr das Unerwartete, das Irrationale zur Realität, etwa wenn trotz steigender Gewinne die Kurse fallen oder schlechte Nachrichten die Kurse beflügeln. Kurse schwanken wegen der Ängste und Hoffnungen der Börsianer. Ängste, die die Börse in den Abgrund treiben, weit tiefer, als es die Sachlage bei nüchterner Betrachtungsweise rechtfertigen würde, oder Hoffnungen, die die rationalen Bezüge verloren haben und die Kurse davonschweben lassen. Täglich kann ihre Stimmung umschlagen, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Die Einflüsse umfassen solche des Wetters, der Politik, der Psychologie und der Wirtschaft. So beobachten wir euphorische Übertreibungen, die zwar offensichtlich sind, die aber im Moment ihres Auftretens kaum ein Spekulant wahrhaben will.

Die Börse strebt danach, die Spekulanten zu drangsalieren und zu hetzen. Doch wenn sich ein Hoffnungsschimmer zeigt, scheinen alle Mühen und Qualen vergessen und die Stimmung steigt ins Überschwängliche, wie auf einem gelungenen Fest – und tags darauf kommt der unvermeidliche Kater. Es sind die Gier und die Angst, welche die Übertreibungen verursachen und die dem Irrationalen Raum geben.

Zum Glück gibt es Wege, die aus dem Irrgarten der Börse herausführen, Signale, die wie ein Leuchtfeuer im Dunkel der Nacht die Richtung weisen oder Warnung sind. Dazu allerdings gilt es, das Schein und das Sein voneinander unterscheiden zu lernen, sich nicht von Irrlichtern täuschen zu lassen. Wir müssen lernen, die Gaukler zu enttarnen, den Lügnern die Maske vom Gesicht zu reißen, unseren »Börsenverstand« zu schulen und gebrauchen zu lernen.

Anmerkungen

[2] Nichts ist durch sich selbst erklärbar und nichts kommt aus sich selbst.

[3] Leukipp und Demokrit, um 460–370 v. Chr.: »Nichts geschieht von selbst, sondern alles infolge eines Grundes und unter dem Druck der Notwendigkeit«, aus: Die Vorsokratiker, Übersetzung W. Capelle, Stuttgart 1953, S. 76.

[4] Beim Goldstandard oder einer Goldwährung ist die Währungseinheit in Mengeneinheiten von Gold definiert. Geldscheine sind ihrem Wert nach durch einen Goldbestand bei der Zentralbank gedeckt.

[5] Wechsel waren schon im 2. Jahrhundert vor Chr. im Römischen Reich bekannt. Im 12. Jahrhundert fanden Wechsel regen Gebrauch bei Händlern, die mit Wechseln den mühsamen und risikoreichen Transport von Geldmünzen vermieden und Wechsel zum Wareneinkauf benutzten. Die Wechsel, die erst zu einem bestimmten Termin fällig wurden, waren demnach auch ein Kreditmittel. Sie boten zudem den Vorteil, dass mit ihnen durch die Wechselkursgebühr das kirchliche Zinsverbot umgangen werden konnte.

[6] Darunter ist nicht das Geld zu verstehen, das lediglich in Geldhäusern und zwischen ihnen zirkuliert, sondern jenes, das die Bürger in den Taschen tragen und ausgeben.

[7] Diese werden in der Volkswirtschaft als die Leistungskomponenten der Wirtschaft bezeichnet. Eine differenziertere Betrachtung formuliert der Verfasser in seinem Buch: Wirtschaft ist anders, Sternenfels 2000.

[8] Aus: Finanz und Wirtschaft, Nr. 87 1998, S. 22.