Das große ADHS-Handbuch für Eltern - Russell A. Barkley - E-Book

Das große ADHS-Handbuch für Eltern E-Book

Russell A Barkley

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Beschreibung

Umfassende Informationen für Eltern von Kindern mit ADHS Kinder sind grundsätzlich aktiver, überschwänglicher, weniger konzentriert und impulsiver als Erwachsene. Schwierigkeiten, die daraus entstehen, wachsen sich in der Regel aus. Doch es gibt Ausnahmen, und so selten sind diese nicht: Bei Kindern, deren Unaufmerksamkeit, Bewegungs-drang und Unbeherrschtheit ein gewisses Maß übersteigt, besteht der Verdacht auf eine Entwicklungsstörung. Diese wird als Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-störung (ADHS) bezeichnet. Forschungen bestätigen, dass die Störung weder durch Erziehungsfehler noch durch falsche Ernährung oder exzessiven Medienkonsum ausgelöst wird, sondern weitgehend genetisch bedingt ist. Die fünfte, aktualisierte Auflage enthält Erkenntnisse und Ergebnisse aus jahrelanger Forschung und der klinischen Praxis, sowohl zu den Ursachen der ADHS als auch zu ihrer effektiven Behandlung, den gesundheitlichen Risiken und Empfehlungen, was Sie zum Schutz Ihres Kindes tun können.

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Seitenzahl: 867

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Russell A. Barkley

Das große ADHS-Handbuch für Eltern

Verantwortung übernehmen für Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität

5., aktualisierte Auflage

Aus dem amerikanischen Englischen von Matthias Wengenroth und Angelika Pfaller

Das große ADHS-Handbuch für Eltern

Russell A. Barkley

Wissenschaftlicher Beirat Programmbereich Psychologie:

Prof. Dr. Guy Bodenmann, Zürich; Prof. Dr. Björn Rasch, Freiburg i. Üe.; Prof. Dr. Astrid Schütz, Bamberg; Prof. Dr. Martina Zemp, Wien

Russell A. Barkley, Ph.D.

www.russellbarkley.org

Wichtiger Hinweis: Der Verlag hat gemeinsam mit den Autoren bzw. den Herausgebern große Mühe darauf verwandt, dass alle in diesem Buch enthaltenen Informationen (Programme, Verfahren, Mengen, Dosierungen, Applikationen, Internetlinks etc.) entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes abgedruckt oder in digitaler Form wiedergegeben wurden. Trotz sorgfältiger Manuskriptherstellung und Korrektur des Satzes und der digitalen Produkte können Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden. Autoren bzw. Herausgeber und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung, die auf irgendeine Art aus der Benutzung der in dem Werk enthaltenen Informationen oder Teilen davon entsteht. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt. Der Verlag weist ausdrücklich darauf hin, dass im Text enthaltene externe Links vom Verlag nur bis zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses eingesehen werden konnten. Auf spätere Veränderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

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Verantwortliche Person in der EU: Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Merkelstraße 3, 37085 Göttingen, [email protected]

Anregungen und Zuschriften bitte an den Hersteller:

Hogrefe AG

Lektorat Psychologie

Länggass-Strasse 76

3012 Bern

Schweiz

Tel. +41 31 300 45 00

[email protected]

www.hogrefe.ch

Lektorat: Dr. Susanne Lauri

Herstellung: René Tschirren

Umschlagabbildung: Getty Images/Westend 61

Umschlaggestaltung: Claude Borer, Riehen

Satz: Mediengestaltung Meike Cichos, Göttingen

Format: EPUB

Das vorliegende Buch ist eine Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch. Der Originaltitel lautet „Taking Charge of ADHD, Fourth Edition: The Complete, Authoritative Guide for Parents“ von Russell A. Barkley, erschienen bei The Guilford Press.

Copyright © 2020 The Guilford Press. A Division of Guilford Publications, Inc. Published by arrangement with The Guilford Press.

Für die 5., aktualisierte Auflage wurde das 8-Schritte-Programm ab Seite 253 von einer Fachperson evaluiert und redaktionell überarbeitet. Dabei wurden einzelne Aussagen mit dem Einverständnis des Lizenzgebers in der vorliegenden deutschsprachigen Auflage gekürzt, modifiziert oder entfernt.

5., aktualisierte Auflage 2025

© 2025, 2021 Hogrefe Verlag, Bern

© 2002, 2005, 2011, Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern

(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-96433-1)

(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-76433-7)

ISBN 978-3-456-86433-4

https://doi.org/10.1024/86433-000

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Für Sandra F. Thomas und Mary Fowler, zwei außergewöhnliche Mütter, die eine landesweite Bewegung ins Leben riefen und mit ihrer Arbeit ein Bewusstsein für das Leid von Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung geschaffen haben

Übersicht

Cover

Titel

Impressum

Widmung

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einführung: Grundsätzliches zur Erziehung von Kindern mit ADHS

Inhalt

Über den Autor

7Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Anmerkung des Autors

Einführung: Grundsätzliches zur Erziehung von Kindern mit ADHS

Teil I ADHS – was ist das?

1 Was heißt Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung?

2 Das Kernproblem: Der Mangel an Selbstbeherrschung

3 Die Ursachen der ADHS

4 Was ADHS nicht verursacht

5 Womit Sie rechnen sollten: Wie die ADHS die Entwicklung beeinflusst

6 Das Kind mit ADHS im Kontext der Familie

Teil II Verantwortung übernehmen: So vertreten Sie mit Erfolg die Interessen Ihres Kindes

7 Soll ich mein Kind auf das Vorliegen einer ADHS untersuchen lassen?

8 Die Vorbereitung auf die Untersuchung

9 Die Diagnose verkraften

10 Was Sie als Eltern für sich selbst tun können

Teil III Die ADHS bewältigen: Strategien für die Schule und zu Hause

11 Das Acht-Schritte-Programm zur Überwindung von Verhaltensproblemen

12 Wenn es zu Hause nicht so läuft, wie es laufen sollte: Die Kunst des Problemlösens

13 Die Beziehung zu Gleichaltrigen

14 Jugendliche mit ADHS

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mit Arthur L. Robin

15 Fördern Sie einen gesunden Lebensstil

16 Kinder mit ADHS in der Schule: Worauf Sie achten sollten

|

mit Linda J. Pfiffner

17 Vom ersten bis zum letzten Schultag: Erfolgsmethoden für Schüler, Lehrer und Eltern

|

mit Linda J. Pfiffner

18 Der Schulerfolg ist nicht alles: Manchmal gibt es Wichtigeres

Teil IV Die medikamentöse Behandlung der ADHS

19 Medikamente mit erwiesener Wirksamkeit: die Stimulanzien

20 Andere Medikamente gegen die ADHS

Anhang

Über den Autor

Unterstützung für Eltern

Empfohlene Bücher

Sachwortverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2-1:  Sieben wichtige auf uns selbst gerichtete Handlungen: die exekutiven Funktionen

Abbildung 3-1:  Verzögerte Hirnentwicklung bei ADHS (um 3 Jahre). Aus Shaw et al. (2007). © 2007 National Academy of Sciences, U.S.A. Abdruck mit Genehmigung.

Abbildung 8-1:  Fragebogen über Probleme im häuslichen Umfeld.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 11-1:  Muster einer Aufgaben- und Belohnungsliste im Rahmen eines Chip-Programms für Sechs- bis Achtjährige

Tabelle 14-1:  Typische unvernünftige Überzeugungen

Tabelle 14-2:  Negative Kommunikationsgewohnheiten

Tabelle 14-3:  Schema zum Lösen von Problemen

Tabelle 14-4:  Beispiel für ein ausgefülltes Problemlöse-Arbeitsblatt

Tabelle 15-1:  Beurteilungsskala zum Fahrverhalten Jugendlicher – Formular für Eltern

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9Vorwort

Kinder sind grundsätzlich aktiver, überschwänglicher, unkonzentrierter und impulsiver als Erwachsene. Es ist nicht weiter erstaunlich, dass es Kindern schwerer fällt als Erwachsenen, systematisch an Aufgaben heranzugehen und Dinge zu Ende zu führen. Wenn sich daher Eltern darüber beklagen, dass es ihren Kindern schwerfällt, aufmerksam zu sein, sich zu beherrschen oder überlegt zu handeln, werden diese Probleme von anderen oft schnell als unbedeutend abgetan bzw. als normales Verhalten bezeichnet. So etwas, sagt man ihnen, sei bei Kindern ganz normal und kein Grund zur Beunruhigung. Und wenn das Verhalten eines Kindes etwas aus dem Rahmen falle, sei es höchstwahrscheinlich nur ein bisschen unreif und die Schwierigkeiten würden sich schon von allein „auswachsen“.

In der Regel stimmt dies auch – aber nicht immer. In manchen Fällen ist die Aufmerksamkeitsspanne eines Kindes so kurz, das Aktivitätsniveau so hoch und die Selbstbeherrschung so gering, dass sein Verhalten nicht mehr als altersgemäß bezeichnet werden kann. Die meisten Menschen kennen solche Kinder – Kinder, die es nicht schaffen, ihre Hausaufgaben zu machen, die sich ständig mit den Nachbarskindern streiten, deren Unfähigkeit, Dinge, die ihnen aufgetragen wurden, selbstständig zu erledigen, immer wieder in familiäre Streitereien mündet.

Wenn derartige Probleme so gravierend geworden sind, dass das Kind mit sich und seinem Umfeld nicht mehr zurechtkommt, wachsen sie sich wahrscheinlich nicht einfach aus und können nicht mehr als normal betrachtet werden. Wenn Sie ein solches Kind haben, wäre es nicht nur unangebracht, sondern möglicherweise sogar schädlich für das seelische und soziale Wohlergehen Ihres Kindes, die Probleme herunterzuspielen oder einfach darauf zu warten, dass sie von allein wieder verschwinden. Auch für Sie selbst und andere Familienmitglieder, die tagtäglich mit diesem Kind zu tun haben, könnte dies ernsthafte Probleme nach sich ziehen.

10Bei Kindern, deren Unaufmerksamkeit, Bewegungsdrang und Unbeherrschtheit ein gewisses Maß übersteigt, besteht eine Entwicklungsstörung, die als Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung oder ADHS bezeichnet wird. Um diese Störung geht es in diesem Buch. Es ist für Eltern geschrieben, die die Verantwortung für ein Kind mit ADHS tragen, sowie für andere, die mehr über die Störung und den Umgang mit ihr wissen möchten. Das wichtigste Ziel ist es, Eltern in die Lage zu versetzen, ihre oft schwierigen und anstrengenden Kinder so zu erziehen, dass weder das Wohlergehen einzelner Familienmitglieder noch das der gesamten Familie gefährdet wird.

Dieses Buch ist bei weitem nicht das erste Buch zum Thema, das sich an die Eltern richtet. Die meisten der anderen Bücher sind recht gut und einige empfehle ich auch den Familien, die zu uns zur Behandlung kommen. Warum habe ich es dann für notwendig gehalten, selbst noch ein Buch zu schreiben? Die Antwort ist, dass die vorhandenen Bücher einfach nicht ausreichend den aktuellen Wissensstand darstellen und vor allem nicht genügend darauf eingehen, was getan werden kann, um den Betroffenen zu helfen. Die meisten dieser Bücher vermitteln zwar anschaulich das Ergebnis von jahrelanger therapeutischer Erfahrung in der Behandlung von Kindern mit ADHS und ihren Eltern, gehen jedoch nicht auf die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse ein. Es ist erstaunlich, wie viele neue Einsichten allein in den letzten 30 Jahren seit Erscheinen der amerikanischen Erstausgabe dieses Buches gewonnen wurden. In Fachzeitschriften werden jede Woche ca. 25 bis 50 Artikel zum Thema ADHS veröffentlicht, das sind mindestens 1 300 pro Jahr. Trotzdem beruhen die Schlussfolgerungen und Empfehlungen, die in den meisten anderen Büchern über die ADHS gegeben werden, oft ausschließlich auf der therapeutischen Erfahrung des Autors – und häufig sind sie einfach falsch. So wurden beispielsweise in den letzten 10 Jahren viele Fortschritte in der Erforschung relevanter molekulargenetischer Faktoren gemacht und das Tempo des Erkenntnisfortschritts auf diesem Gebiet ist nach wie vor sehr hoch. Es sind mindestens zwölf Gene gefunden worden, die eine Rolle für die Störung spielen, und vermutlich werden in den nächsten Jahren noch weitere identifiziert. Das gesamte menschliche Genom ist auf Risikogene für ADHS gescannt worden und mindestens 25 – 40 Stellen scheinen für diese Störung relevant zu sein. Anhand bildgebender Verfahren hat uns auch die Hirnforschung gezeigt, welche Areale an ADHS beteiligt sind, und es ist sogar gelungen, einige der Aktivitäten in diesen Arealen mit den Risikogenen für die Störung in Zusammenhang zu stellen. Die Forschung schreitet rasch voran und beschert uns regelmäßig neue Erkenntnisse.

Diese Entdeckungen haben wichtige Konsequenzen für Eltern von Kindern mit ADHS. Sie bestätigen nämlich die bereits in den vorherigen Auflagen dieses Bu11ches vertretene Ansicht, dass es sich bei der Störung um eine weitgehend biologisch verursachte Abweichung handelt, bei der die Veranlagung eine bedeutsame Rolle spielt. Die genetischen Befunde legen auch nahe, dass wir in den nächsten zehn Jahren mit entscheidenden Fortschritten in der Diagnose und Behandlung der ADHS rechnen können, da sie darauf schließen lassen, dass möglicherweise irgendwann Gentests für die Störung zur Verfügung stehen werden. Das Gleiche gilt für die Entwicklung von ADHS-Medikamenten, die deutlich sicherer und effektiver sein werden als die heute zur Verfügung stehenden. Eltern sollten über diese Entwicklungen im Bilde sein, um die Problematik besser zu verstehen und wissenschaftlich unbeleckten Kritikern, die immer noch den Standpunkt vertreten, dass die ADHS auf Erziehungsfehler, falsche Ernährung oder zu viel „Bildschirmzeit“ vor dem Computer, Smartphone oder Fernseher zurückzuführen sei, etwas entgegensetzen zu können.

So ging beispielsweise mehrere Jahrzehnte lang ein Großteil der professionellen Therapeuten von der – irrigen – Vorstellung aus, dass ADHS durch Fehler der Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder verursacht werde, dass das Problem sich im Jugendalter von allein „auswachse“, dass Stimulanzien nur bei Kindern (nicht aber bei Erwachsenen oder Jugendlichen) eingesetzt werden sollten und nur an Schultagen einzunehmen seien und dass Kinder mit ADHS eine spezielle Diät (ohne Zucker und bestimmte Zusatzstoffe) einhalten müssten. Für keine dieser Thesen gab es schlüssige Belege in der wissenschaftlichen Literatur. In jüngerer Zeit haben einige Autoren die Behauptung aufgestellt, dass die Störung auf eine übermäßige Beschäftigung mit Videospielen oder Computern, einen exzessiven Fernsehkonsum oder die Schnelllebigkeit unserer Zeit zurückzuführen sei. Dagegen wissen wir heute, dass ADHS in vielen Fällen eine anlagebedingte oder genetische Störung ist, dass sich die Probleme in vielen Fällen nicht von allein „auswachsen“, dass die Medikamente das ganze Jahr lang und sowohl von Kindern als auch von Jugendlichen und Erwachsenen eingenommen werden können und dass eine Ernährungsumstellung bei den meisten Betroffenen kaum eine Wirkung zeigt. Außerdem wissen wir, dass die ADHS nicht die Folge von Fernsehen, Videospielen oder der Schnelllebigkeit unserer Zeit ist. Es ist erstaunlich, wie weit die Forschung in nur 40 Jahren gekommen ist! Vor allem in den vergangenen zehn Jahren sind hochinteressante Dinge ans Licht gekommen, und diese Entwicklung geht weiter. Die Erkenntnisse führen nicht nur dazu, dass wir heute Genaueres über die Ursachen der ADHS sagen können, sondern auch insgesamt ein umfassenderes wissenschaftliches Verständnis der Störung haben, was einen radikalen Umschwung in unserer Auffassung über die Störung nach sich gezogen hat.

12Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts wurde beispielsweise durch wissenschaftliche Studien gezeigt, dass bei der ADHS wahrscheinlich nicht primär die Aufmerksamkeit beeinträchtigt ist, sondern die Fähigkeit zur Selbststeuerung, d. h. die Fähigkeit des Ichs, sich selbst in seinem sozialen Kontext zu „managen“. Genau dieses Problem mit der Selbstkontrolle führt zu einer Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit sowie zu vielen anderen Schwierigkeiten, auf die in diesem Buch eingegangen wird. Das ursächliche Problem basiert jedoch nicht auf mangelnder Aufmerksamkeit. Möglicherweise ist daher sogar die Bezeichnung ADHS unzutreffend, doch aus verschiedenen rechtlichen Gründen wird sie fürs Erste weiterverwendet. Die betroffenen Kinder stehen vor massiven Problemen bei der Bewältigung ihres Alltags und die Anforderungen, die Familie, Schule und Gesellschaft an ihre Fähigkeit zur Selbststeuerung stellen, werden immer größer, je älter sie werden. Angesichts der enormen Schwierigkeiten, denen sie sich gegenübersehen, von einer bloßen Aufmerksamkeitsstörung zu sprechen, stellt geradezu eine Verharmlosung der Störung dar. Die Bezeichnung „Aufmerksamkeitsstörung“ wird auch den vielfältigen Konsequenzen der Störung für die Fähigkeit der Betroffenen, mit sich selbst und ihren Mitmenschen verantwortungsvoll umzugehen, nicht gerecht. So haben beispielsweise Untersuchungen von mir und anderen Wissenschaftlern gezeigt, dass Kinder und Erwachsene mit ADHS ein gestörtes Verhältnis zur Zeit haben. Sie haben ein schlechteres Zeitgefühl als andere, daher fällt es ihnen schwer, sich die Zeit einzuteilen, Zeitlimits einzuhalten und grundsätzlich mit der Zukunft umzugehen. Dabei geht es auch um so kurze Zeitspannen wie 10 bis 20 Sekunden. Die Zeit entgleitet ihnen und sie sind immer schlechter als andere aus ihrer Altersgruppe, wenn es darum geht, den Zeitfaktor zu berücksichtigen.

Trotz der gravierenden Beeinträchtigungen, die die ADHS mit sich bringt, überrascht es nicht, dass immer noch häufig gefragt wird, ob es sich wirklich um eine ernsthafte Störung handelt. Jedem von uns fällt es bisweilen schwer, sich zu konzentrieren – und für Kinder gilt dies erst recht. Um die Impulsivität und Unruhe zu überwinden, so meinen manche, müsste man sich nur ein bisschen zusammenreißen. Oder etwa nicht? So äußern sich vielleicht Lehrer, Verwandte oder Nachbarn und versuchen Sie von der Vorstellung abzubringen, Ihr Kind hätte ein ernsthaftes Problem. All diese Leute begreifen nicht, was Ihnen im Laufe der Zeit klar geworden ist: dass mit dem Verhalten Ihres Kindes grundsätzlich etwas nicht in Ordnung ist und dass es sich dabei nicht um eine Reaktion auf sein Umfeld oder ein Ergebnis schlechter Erziehung handelt. In den Medien ist vielfach gesagt und geschrieben worden, dass diese Störung nichts als ein Mythos sei, einzig und allein zu dem Zweck erfunden, abenteuerlustigen Kindern, vor allem Jungen – den 13Tom Sawyers und Huckleberry Finns unserer Zeit –, eine psychiatrische Diagnose zu verpassen. Auch von religiösen Gruppen ist die Existenz der Störung in Zweifel gezogen und die Verabreichung von Medikamenten zu ihrer Behandlung scharf verurteilt worden. In einigen Fällen haben unwissende und schlecht informierte Journalisten durch die Massenmedien zu dieser Haltung beigetragen. Wer sich eingehend mit der wissenschaftlichen Literatur zum Thema beschäftigt hat, erkennt schnell, dass all diese Aussagen unhaltbar sind. Dennoch werden Eltern immer noch viel zu oft mit diesen oder anderen wissenschaftlich nicht begründeten Äußerungen über die ADHS bombardiert. Auf all diese Diskussionen werden wir im Laufe dieses Buches – in den Kapiteln über die Ursachen und Folgen der Störung – noch näher eingehen.

Im Gegensatz zu diesen relativ populären, aber inakzeptablen Ansichten handelt es sich meiner eigenen Auffassung nach bei dem Phänomen, das wir ADHS nennen, um eine Störung der Fähigkeit, unmittelbare Reaktionen auf die momentane Situation zurückzuhalten und Zeit- und Zukunftsaspekte in seinem Verhalten zu berücksichtigen. Wer eine ADHS hat, leidet letztendlich unter der Unfähigkeit, auf seinen Sinn für die Zeit, für Vergangenheit und Zukunft zurückzugreifen, um sich angemessen zu verhalten. Was Ihrem Kind fehlt, ist eine altersentsprechend entwickelte Kompetenz, nicht nur das Hier und Jetzt zu sehen, sondern auch Zukünftiges zu berücksichtigen. So gesehen ist es durchaus sinnvoll und logisch, dass es impulsiv reagiert. Das Kind tut das, was hier und jetzt Spaß macht oder interessant ist, und weicht allem aus, was ihm keinen unmittelbaren Nutzen bringt. Auf diese Weise maximiert es seine unmittelbare Befriedigung. Aus Sicht des Kindes ist immer „jetzt“. Dies aber kann verheerende Konsequenzen haben, wenn vom Kind erwartet wird, stärker das Kommende zu berücksichtigen und sich damit zu befassen, was zu tun ist, um auch in der Zukunft gut zurechtzukommen. Diese Fähigkeit ist von entscheidender Bedeutung für das Vermögen von Menschen, systematisch, überlegt und zielgerichtet zu handeln, und sie hängt direkt von dem Ausmaß unserer Kontrolle über unsere Impulse ab. Sie macht es uns möglich, uns nicht allein vom Augenblick beherrschen zu lassen, sondern auch der Zukunft einen Platz in unserem Fühlen, Denken und Handeln zu geben. Die ADHS als neurogenetische Störung des exekutiven Systems (der Selbststeuerung) im Gehirn zu betrachten, verleiht der Erkrankung und der sich aus ihr ergebenden Probleme einen deutlich höheren Stellenwert als die Sichtweise, dass es sich bei der ADHS um eine Aufmerksamkeitsstörung handle. Es erklärt, warum die Betroffenen nicht immer in der Lage sind, so zu handeln wie andere. Es ermöglicht uns, besser zu verstehen, auf welche Weise die ADHS einen Menschen in seinem Alltag beeinträchtigt, und 14schafft damit eine Grundlage, diesem Menschen den Respekt entgegenzubringen, den er verdient. Dieses Buch hat viel zu diesem Punkt und den Konsequenzen für unser Verständnis von ADHS zu sagen. Ich glaube, dass diese Sichtweise mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen sehr viel besser zu vereinbaren ist als andere, und mein Hauptanliegen mit diesem Buch ist es, sie Eltern von Kindern mit ADHS näherzubringen. Die vorliegende aktualisierte Auflage berücksichtigt die jüngsten Erkenntnisse hierzu.

Diese vierte Auflage enthält eine Fülle an neuen wissenschaftlichen Daten, sowohl zu den Ursachen der ADHS als auch zu ihrer effektiven Behandlung, den gesundheitlichen Risiken und Empfehlungen, was Sie zum Schutz Ihres Kindes tun können (siehe das neu hinzugekommene Kapitel 15). Darüber hinaus wurden die Informationen zu den älteren ADHS-Medikamenten aktualisiert und Informationen über neuere Medikamente und andere Behandlungsmethoden ergänzt. In dieser neuen Auflage finden Sie die neuesten Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Forschung und der klinischen Praxis, und ich hoffe, dass sie Ihnen, Ihrem Kind und Ihrer ganzen Familie von Nutzen sein werden.

Ich habe dieses Buch außerdem geschrieben, weil ich Eltern zeigen wollte, wie wichtig es ist, bei der Suche nach Informationen und professioneller Hilfe wissenschaftlich vorzugehen. Damit meine ich, sowohl neugierig als auch skeptisch zu sein, Informationsquellen sowohl gründlich zu nutzen als auch kritisch zu hinterfragen. Daher besteht ein anderes Ziel dieses Buches darin, Ihnen als Eltern die notwendigen Mittel an die Hand zu geben, um sich auf dem Laufenden zu halten und sich kritisch mit allen Informationen auseinanderzusetzen, die Sie hören und lesen – einschließlich der Informationen in diesem Buch. Optimistisch und wissbegierig und gleichzeitig skeptisch zu sein ist heute noch wichtiger als es zu Zeiten der Erstausgabe dieses Buches war. Der Grund dafür ist die geradezu explosionsartige Zunahme an vorhandener Information in modernen Gesellschaften – was vor allem auf die immer stärker zunehmende Verfügbarkeit von Computern und insbesondere die Entwicklung des Internets und der sozialen Medien zurückzuführen ist. Jeder mit PC und Internetverbindung oder Smartphone ausgestattete Haushalt kann sich auf die Datenautobahn begeben. Leider sind die Informationen, auf die man dort stößt, nicht immer die besten und genauesten, die es zum Thema gibt. Bei den Aussagen, die im Internet zu finden sind, handelt es sich oft nur um kaum verschleierte Werbebotschaften für irgendein Produkt, ein pflanzliches Mittelchen oder einen religiösen oder politischen Standpunkt, weil vor ihrer Veröffentlichung kein Begutachtungsprozess durchlaufen werden muss. Und nicht nur auf den Internetseiten über ADHS finden sich viele Un- und Halbwahrheiten, sondern auch die Informationen, die in Blogs, Social-Media-Postings und 15Chat-Foren zirkulieren, sind mit Vorsicht zu genießen. Hier kann sich jedermann auslassen und Dinge verbreiten, die völlig unbewiesen sind und jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Meine eigene Erfahrung mit diesen Blogs, Postings und Foren hat mich zu der Überzeugung gebracht, dass es sich bei der großen Mehrheit der Beiträge um unwissenschaftliche Meinungsäußerungen handelt, die voller falscher Informationen und Fehlschlüsse sind. Ob Sie also in der Stadtbibliothek, in der Buchhandlung oder im Internet recherchieren – behalten Sie stets eine gesunde Skepsis bei.

Was ich in diesem Buch sage, entstammt meiner therapeutischen Erfahrung und meiner Forschungsarbeit mit mehreren tausend Familien mit von ADHS betroffenen Kindern im Verlaufe von über 40 Jahren. Eine weitere Quelle für meine Einsichten waren und sind meine ständigen Bemühungen, mich als Mensch, Vater (und inzwischen Großvater), Ehemann, Forscher, Lehrer, Supervisor und Therapeut weiterzuentwickeln. Kein einzelner Fall hat mir zu den Erkenntnissen verholfen, über die ich in diesem Buch berichte. Ebenso wenig war ein einzelnes Buch ausschlaggebend für meine Einstellung. Es gab nicht den einen großartigen Geistesblitz, der mit einem Schlag alle Unklarheiten aus dem Weg geräumt hätte. Vielmehr wurde mir mit jeder neuen Familie, mit der ich arbeitete, mit jedem neuen Buch, das ich las, und mit jedem neuen Studenten, den ich unterrichtete, nach und nach die Bedeutung bestimmter Prinzipien immer stärker bewusst. Im Gegensatz zu einzelnen Erziehungstechniken, die ich Eltern beigebracht habe, oder zu den jeweils verfügbaren Fakten über die Störung und ihre Behandlung, über die ich sie ins Bild gesetzt habe, betreffen diese Prinzipien eine große Spannbreite an Situationen, Familien und Problembereichen. Sie stellen sozusagen das Fundament dar, auf dem alle Entscheidungen beruhen, die Sie in Vertretung der Interessen Ihres Kindes treffen.

Die Informationen und Ratschläge, die ich in diesem Buch gebe, entsprechen weitgehend dem, was ich Eltern sage, die mit ihrem Kind zu mir kommen. Die Empfehlungen beruhen auf zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten und entsprechen im Umfang etwa 20 bis 25 Stunden Therapie oder Beratung. Möglicherweise stellen Sie jedoch fest, dass Sie nicht alles finden, was Sie brauchen. Es ist unmöglich, die vielen tausend wissenschaftlichen Artikel zum Thema in einem einzigen Buch wiederzugeben. Außerdem gehört die ADHS zwar zu den am ausgiebigsten erforschten psychischen Störungen der Kindheit, jedoch gibt es noch vieles, was Therapeuten und Forscher nicht wissen. Die ADHS ist eine Störung, die sowohl in der allgemeinen Öffentlichkeit als auch im pädagogischen Establishment noch vielfach unverstanden ist und immer wieder Anlass zu kontroversen Diskussionen bietet.

16Dieses Buch bemüht sich darum, mit einigen Vorurteilen und Missverständnissen über die ADHS aufzuräumen und es tut dies auf der Grundlage von wissenschaftlich einwandfrei belegten Erkenntnissen. Bei einzelnen Punkten, über die keine Informationen vorliegen bzw. die Informationen nicht sicher belegt sind, habe ich dies entsprechend deutlich gemacht. Die Forschung geht weiter. Außerdem gilt, dass kein Fall von ADHS wie der andere ist. Ich muss es Ihnen überlassen, das in diesem Buch Gesagte auf die speziellen Gegebenheiten Ihres Kindes und Ihrer familiären Situation abzustimmen. Wenn für Sie Fragen darüber, wie Sie mit bestimmten Problemen umgehen können, offen bleiben, möchte ich Ihnen dringend empfehlen, sich an diejenigen Fachleute in Ihrer Umgebung zu wenden, die sich am besten mit der Störung auskennen, um herauszufinden, ob sie Ihnen weiterhelfen können.

In diesem Buch finden Sie einen großen Teil dessen, was Sie über die ADHS wissen müssen sowie über die Veränderungen, die Sie in Ihrem Leben und dem Leben Ihres Kindes vornehmen müssen, damit es zu einem verantwortungsvollen und zufriedenen Erwachsenen heranwächst. Dabei dienen alle Informationen, die Sie erhalten, dem Ziel, Ihnen eine effektive Vertretung der Interessen Ihres Kindes, eine Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und ein prinzipiengeleitetes Handeln zu ermöglichen. Viele der in diesem Buch dargebotenen Einsichten wurden in den über 40 Jahren meiner therapeutischen Tätigkeit von vielen Menschen mitgeprägt. Dennoch sind die hier zum Ausdruck gebrachten Meinungen einzig und allein meine eigenen – mit Ausnahme der Kapitel, die ich gemeinsam mit einem Mitautor verfasst und entsprechend gekennzeichnet habe.

Ich möchte mich auch dieses Mal bei Kitty Moore, Seymour Weingarten und Bob Matloff von Guilford Press dafür bedanken, dass sie meine Idee, dieses Buch zu schreiben, unterstützt haben und den Prozess des Verfassens bis zum fertigen Manuskript auf sehr konstruktive Weise begleitet haben – und das von der Erstauflage bis hin zu dieser aktualisierten vierten Auflage. Zu den vielen Mitgliedern der „Guilford-Familie“, denen mein Dank gebührt, muss ich besonders Christine M. Benton hervorheben für ihr außerordentliches Engagement beim Lektorieren aller Auflagen dieses Buches und ihr konstantes Bemühen darum, dass ich genau das sagen konnte, was ich sagen wollte und musste. Dank ihrer Hilfe liest sich dieses Buch so, wie es sich liest.

Zu guter Letzt sei all den Eltern von Kindern mit ADHS gedankt, die sich mir auf der Suche nach Hilfe für ihr Kind anvertraut haben. Viel von dem, was Sie in diesem Buch erfahren werden, habe ich von ihnen gelernt. Ich kann nur hoffen, dass ich das, was sie mir zu sagen hatten, gut genug verstanden habe, damit nun Sie und Ihr Kind davon profitieren können.

17Anmerkung des Autors

In diesem Buch verwende ich zur Bezugnahme auf ein einzelnes Individuum abwechselnd männliche und weibliche Formen. Diese Entscheidung habe ich aus Gründen einer leichteren Lesbarkeit getroffen und nicht aus mangelndem Respekt gegenüber Leserinnen oder Lesern, die sich mit einer anderen Form identifizieren. Unsere Sprache befindet sich in einem ständigen Wandel, und ich hoffe aufrichtig, dass sich durch diese Lösung niemand ausgeschlossen fühlen wird.

Die in den Fallbeispielen beschriebenen Kinder und ihre Familien gehen auf reale Personen zurück, die zum Schutz ihrer Privatsphäre anonymisiert wurden. Sämtliche Details, die potenziell zur Identifikation dieser Personen beitragen könnten, werden mit ihrem Einverständnis wiedergegeben.

19Einführung: Grundsätzliches zur Erziehung von Kindern mit ADHS

„Helfen Sie mir. Ich bin dabei, mein Kind zu verlieren.“

Im Jahr 1990, vor 30 Jahren, kämpfte ich gerade gemeinsam mit anderen Fachleuten und Eltern darum, in den Vereinigten Staaten für Kinder mit ADHS den Anspruch auf besondere schulische Förderung durchzusetzen. Inmitten dieser Auseinandersetzungen, die auf verschiedenen Ebenen mit Behörden und Politikern geführt wurden, erteilte mir das Leben eine der für mich aufschlussreichsten Lektionen – eine Lektion, die sehr viel aussagt über die Aufgabe, die im Interesse des schulischen Erfolgs Ihres Kindes vor Ihnen liegt und bei der Sie dieses Buch unterstützen will.

Die besten Therapeuten sagen, dass sie genauso viel von ihren Klienten lernen wie diese von ihnen, vorausgesetzt, sie sind offen für das, was sie ihnen zu sagen haben. Die Einsicht, um die es hier geht, wurde mir an einem arbeitsreichen Morgen in meinem Büro in unserem ADHS-Zentrum vermittelt, und die kluge Mutter, die sie mir nahebrachte, ahnt vermutlich bis heute nicht, wie sehr mich ihre Geschichte berührt hat und wie vielen Familien sie indirekt – durch die Auswirkungen ihrer Worte auf mein berufliches Handeln – geholfen hat. Es war eine Erfahrung, die mich zutiefst erschüttert hat. Mein Erstaunen über das, was diese Frau mir zu sagen hatte, hielt mehrere Tage an und die Lehre, die ich aus ihren Worten gezogen habe, werde ich nie vergessen.

Der Morgen, an dem ich diese Mutter und ihren achtjährigen Sohn – nennen wir ihn Kevin – zum ersten Mal traf, war bereits vor unserem Termin um 9 Uhr ausgesprochen hektisch. Ich bin sicher, dass ich den Kopf voll mit anderen Dingen hatte und eine Menge Patientenakten und anderer Unterlagen unter dem Arm trug, als ich das Sprechzimmer betrat. Wahrscheinlich habe ich mich als Erstes für mein Zuspätkommen entschuldigt. Beim Überfliegen des Fragebogens, den wir 20alle Eltern vor dem ersten Gespräch ausfüllen lassen, stellte ich mich darauf ein, gleich die üblichen Klagen der Mutter zu hören darüber, wie schlimm es um ihr Kind und ihre Familie stünde. Auf die Frage, die ich meistens als erste stelle – „Was macht Ihnen die größten Sorgen, wenn Sie an Ihr Kind denken?“ oder „Was führt Sie zu uns?“ – antworten die meisten Eltern mit einer Aufzählung der vielen Problemen, die ihr Kind in der Schule hat; danach kommt in der Regel eine etwa gleich lange Liste mit Beispielen für negatives und aufsässiges Verhalten im Elternhaus. Wir Therapeuten sind so an derartige Auskünfte gewöhnt, dass wir sie im Geiste schon hören, noch ehe die Eltern sie aussprechen. In Erwartung entsprechender Antworten hatte ich mein Blatt schon mit den beiden Überschriften „Probleme in der Schule“ und „Probleme zu Hause“ versehen.

Die Antwort, die ich von Kevins Mutter hörte, war für mich so überraschend, so unvorhersehbar, dass ich vor Erstaunen verstummte. Bestimmt habe ich mit offenem Mund dagesessen. Denn sie sagte nichts von dem, was ich sonst immer höre und daher erwartete: „Mein Kind kommt in der Schule nicht mit“, „Mein Kind steht kurz davor, von der Schule zu fliegen“ oder „Mein Kind hört nicht auf mich“. Nein, nichts dergleichen. Diese Frau, die da vor mir saß, sagte nur: „Helfen Sie mir. Ich bin dabei, mein Kind zu verlieren.“

In meiner Überraschung habe ich sicher etwas gesagt wie „Wie bitte?“. Sie sagte es einfach noch einmal: „Helfen Sie mir. Ich bin dabei, mein Kind zu verlieren.“ „Was meint sie bloß damit?“, dachte ich. „Was war das denn für eine komische Mutter?“ „Ach so“, sagte ich und warf ihr einen wissenden und gleichzeitig mitfühlenden Blick zu. „Sie streiten sich mit Ihrem Exmann um das Sorgerecht für Ihr Kind.“

Wenn man als Therapeut einmal von seinem Gegenüber überrascht wird, kann man das in der Regel ganz gut überspielen und das Gespräch einfach fortsetzen, aber beim zweiten Mal kam ich nun ernsthaft aus dem Konzept. Auf ihr „Nein“ hin fiel mir nichts mehr ein. „Es tut mir leid, aber ich verstehe nicht, was Sie meinen“, stammelte ich, während ich versuchte, die Fassung wiederzugewinnen. Auf meinem Notizblock war kein Platz für eine solche Antwort vorgesehen.

Ihr traten daraufhin Tränen in die Augen, wodurch ich mich noch unbeholfener und unbehaglicher fühlte. Dann fuhr sie fort: „Es geht schon eine ganze Zeit lang so“, sagte sie, „ein paar Jahre. Ich könnte nicht sagen, wann es genau angefangen hat, aber ich bin mir so sicher, dass es so ist, wie man als Mutter nur sein kann. Ich verliere ihn; er treibt von mir weg und vielleicht kommt er nie wieder zu mir zurück. Das wäre das Schlimmste, was mir überhaupt passieren könnte.“

Ich hatte immer noch keine klare Vorstellung, wovon sie sprach, und bat sie deshalb einfach fortzufahren.

21„Er ist mein erstes Kind“, sagte sie, „und wir waren einander immer sehr nahe, bis das vor ein paar Jahren alles losging. Jetzt glaube ich, dass er mich hasst. Ich weiß jedenfalls, dass er nicht gerne mit mir zusammen ist.“

„Warum sagen Sie das?“, fragte ich sie.

„Er ist immer so abweisend und kurz angebunden mir gegenüber, manchmal richtig sarkastisch“, antwortete sie. „Wenn ich ihm vorschlage, irgendetwas gemeinsam zu unternehmen, wo er früher immer ganz wild drauf war, sagt er immer Nein. Er findet immer irgendeinen Vorwand, um mir aus dem Weg gehen zu können. Wenn ich versuche, mit ihm zu reden, schaut er mich nicht an, sondern guckt weg und versucht, das Gespräch so schnell wie möglich zu beenden. Er ist auch oft weg, bei anderen Leuten, und bringt seine Freunde nicht mehr mit nach Hause, so wie früher. Er war immer so stolz darauf, mich als Mutter zu haben, bevor das anfing. Jetzt existiere ich nur noch dann für ihn, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden lässt. Seinen neuen Freunden werde ich nicht mehr vorgestellt.“

„Fahren Sie fort“, sagte ich. Ich verstand immer noch nicht ganz, wo genau ihr Problem lag und was der Grund für ihre große Traurigkeit war. Sie erklärte dann ausführlich, wie brüchig, gestört und möglicherweise sogar irreparabel ihre Beziehung zu ihrem Sohn war. Das war es, was sie verloren hatte oder gerade verlor: die Bindung, die sie zu ihrem ältesten Kind hatte, die natürliche gegenseitige Liebe zwischen Eltern und Kind, die Grundlage für den Erfolg aller elterlichen Erziehungsbemühungen ist. Bestimmt kann man ein Kind auch ohne eine solche Bindung erziehen – in einem bestimmten technischen, äußerlichen oder pragmatischen Sinn, aber nicht im eigentlichen, d. h. in einem emotionalen oder geistigen Sinn.

Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Elternteil so schnell auf den Punkt gebracht hat, worunter er – und wahrscheinlich auch sein Kind – so zu leiden hat. Der Verlust, den diese Mutter beschrieb, findet auf einer so grundlegenden Ebene statt, dass er nur selten direkt zur Sprache gebracht wird. Möglicherweise ist er nur dann noch größer, wenn ein Kind stirbt. Die Beziehung, deren Verlust diese Frau befürchtete, ist die treibende Kraft im täglichen Miteinander von Eltern und Kindern. Sie ist die Grundlage für alles, was Eltern für ihre Familien tun. Über den Tod heißt es: Wenn wir unsere Eltern verlieren, verlieren wir unsere Vergangenheit, aber wenn wir ein Kind verlieren, verlieren wir unsere Zukunft. Dies galt auch für diese Frau, die das Gefühl hatte, dass das, was sie mit ihrem Sohn verbunden hatte, dabei war, in die Brüche zu gehen. Sie sah keinen Sinn in einer Zukunft, in der sie auf die Liebe und die Freundschaft ihres Kindes, dem sie einst so nahestand, verzichten musste.

Sie sprach so eindringlich über ihre Situation, dass ich unwillkürlich an meine eigene Beziehung zu meinen beiden Söhnen denken musste, die damals noch 22Kinder waren. War ich auch dabei, sie zu verlieren? Ich kam mir so dumm vor in Anwesenheit dieser klugen Frau, die so viel zu wissen schien über ihr Leben – unser Leben. War ich die ganze Zeit blind gewesen? Warum hatte ich bei den zahllosen unglücklichen Familien, die ich vor ihr behandelt hatte, nie erkannt, dass hier das Hauptproblem lag?

Vielleicht lesen Sie dieses Buch, weil Sie auch das Gefühl haben, dass Sie dabei sind, Ihr Kind zu verlieren. Bei Ihrem Kind ist eine ADHS-Diagnose gestellt worden und Sie haben alles getan, was Sie konnten, um Ihrem Kind und Ihrer Familie zu helfen, damit zurechtzukommen. Aber es funktioniert einfach nicht.

Vielleicht sind Sie auch noch nicht so weit. Vielleicht merken Sie einfach, dass irgendetwas mit Ihrem Kind nicht in Ordnung ist und Sie beginnen, sich auf dem Gebiet kundig zu machen. Noch haben Sie jedoch mehr Fragen als Antworten.

An welchem Punkt auch immer Sie gerade sind, sie stehen nicht allein da. Allein in den USA gibt es nach vorsichtigen Schätzungen zwischen 3,7 und 5,9 Millionen Schulkinder mit ADHS. Sobald Sie mit einer Mutter oder einem Vater sprechen, der ein Kind mit ADHS hat, werden Sie viele Dinge hören, die Ihnen sehr bekannt vorkommen. Es ist stets mehr oder weniger die gleiche Geschichte.

Irgendetwas stimmt eindeutig nicht mit dem Verhalten Ihres Kindes. Es vertut einen großen Teil seiner wertvollen Kindheit und Sie fragen sich frustriert, woran das liegen mag und was dagegen zu tun ist. Ihr Kind kommt mit seiner Rolle in der Familie nicht zurecht. Immer wieder gibt es Auseinandersetzungen, weil es seinen Pflichten im Haushalt nicht nachkommt, seine Hausaufgaben nicht macht, seine Geschwister tyrannisiert und in der Schule und der Nachbarschaft mit seinem Verhalten aneckt. Ihr Kind hat nur wenige oder überhaupt keine Freunde. Anders als bei anderen Kindern in diesem Alter kommt es bei Ihrem Kind nur selten vor, dass Klassenkameraden anrufen, Kinder aus der Nachbarschaft an der Tür klingeln, Ihr Kind etwas mit einer Gruppe von Freunden unternimmt oder zu Geburtstagen oder zum Übernachten zu anderen Kindern eingeladen wird. In der Schule bleibt es in seinen Leistungen und der ihm entgegengebrachten Anerkennung – durch Noten, Zeugnisse und lobende Worte der Lehrer – hinter dem zurück, wozu es angesichts seiner Begabung eigentlich in der Lage sein müsste, und Sie wissen das.

Wertvolle Chancen und Möglichkeiten bleiben ungenutzt, weil da etwas ist, das nicht zu sehen ist und von dem Sie trotzdem wissen, dass es da ist. Was auch immer es sein mag, es wirkt sich auf das gesamte Leben Ihres Kindes aus. Das Schmerzhafteste an all dem ist jedoch, dass Sie spüren – wie es nur ein Vater oder eine Mutter spüren kann –, dass Ihr Kind mit sich selbst nicht im Reinen ist. Es wird sich zunehmend der Tatsache bewusst, dass es nicht so ist, wie es gern wäre, 23sich weniger im Griff hat, als es – wie es weiß – eigentlich sollte, und die vorgegebenen Ziele nicht erreicht. Es macht Ihnen und anderen Kummer und enttäuscht sich selbst, und in irgendeinem Winkel seines Herzens spürt es dies und leidet darunter. Fast täglich spielen sich die gleichen Szenen ab. Das niedrige Selbstwertgefühl, der schleppende Gang und der niedergeschlagene Blick, wenn Ihr Kind von der Schule nach Hause kommt, die Bemühungen, Gesprächen über die Schule auszuweichen, die Lügen sich selbst und anderen gegenüber, wenn es darum geht, wie schlimm die Probleme wirklich sind, die Versprechungen, sich beim nächsten Mal mehr Mühe zu geben, die stets unerfüllt bleiben, und (bei einigen Kindern) der Wunsch, tot zu sein. Sie leiden. Ihr Kind leidet.

Was ist bloß los? Ihr Kind sieht äußerlich völlig normal aus. Es ist auch geistig nicht zurückgeblieben. Höchstwahrscheinlich geht, redet, hört und sieht es normal und hat eine mindestens durchschnittliche Intelligenz. Aber mit jedem Jahr, das vergeht, scheint es weniger in der Lage zu sein als andere Kinder, sich zu beherrschen, das eigene Verhalten zu steuern und den Anforderungen, mit denen es konfrontiert wird, gerecht zu werden. Ihnen ist klar: Wenn Sie nicht bald etwas unternehmen, wird Ihr Kind auf Dauer hinter den Erwartungen zurückbleiben. Ihre Vorstellung von einem normalen, friedlichen, harmonischen Familienleben mit diesem Kind, Ihre Hoffnung, es möge in der Schule und später im Beruf erfolgreich sein, Ihr Bestreben, ihm vielleicht ein besseres Leben zu ermöglichen, als Sie es selbst hatten, Ihre Bereitschaft, alles zu tun, damit es weit kommt in seinem Leben, all das scheint nun aus irgendeinem unerfindlichen Grund auf dem Spiel zu stehen. Mal sind Sie verwirrt und ratlos, mal wütend, traurig, ängstlich oder hilflos und mal von Schuldgefühlen gequält, wenn Sie sehen, was mit Ihrem Kind los ist. Sie wollen verstehen, was passiert, wollen wissen, was Sie tun können, um ihm zu helfen.

Instinktiv haben Sie vielleicht erkannt, dass Ihr Kind auf irgendeine Weise unter einem Mangel an Selbstkontrolle oder Willenskraft leidet. Woraus besteht eigentlich diese Willenskraft? Was lässt uns die Dinge tun, von denen wir wissen, dass es die richtigen sind? Was bringt uns von der Einsicht, wir sollten uns auf eine bestimmte Weise anderen gegenüber verhalten, eine bestimmte Arbeit erledigen usw., zu der Tat? Allgemeiner gefragt: Worauf beruhen die Selbstdisziplin und die Ausdauer, die wir brauchen, um uns nicht nur von unseren unmittelbaren Bedürfnissen leiten zu lassen, sondern uns – wie andere Menschen unseres Alters – unseren Aufgaben heute zu stellen, um auf die Zukunft vorbereitet zu sein? Was es auch sein mag, das es uns erlaubt, uns selbst zu beherrschen, nach unseren Moral- und Wertvorstellungen zu leben, Denken und Handeln in Einklang zu bringen und die Zukunft in unserem Handeln zu berücksichtigen – bei Ihrem Kind scheint 24es sich nicht so gut zu entwickeln. Möglicherweise hat Sie diese Erkenntnis dazu gebracht, dieses Buch zu kaufen. Vielleicht hat Ihr Kind eine ADHS. Das Buch kann Ihnen helfen, dies herauszufinden und – falls Ihr Kind tatsächlich betroffen ist – mit der Situation umzugehen.

Die Erziehung eines Kindes mit ADHS: eine echte Herausforderung

Ein Kind mit ADHS zu erziehen, kann für alle Eltern eine sehr große Herausforderung darstellen. Diese Kinder sind ausgesprochen unaufmerksam, impulsiv oder unbeherrscht, überaktiv und anstrengend. Ihre Probleme können Ihnen das Leben als Mutter oder Vater sehr viel schwerer machen, als sie es für möglich hielten, als Sie sich mit der Frage beschäftigten, ob Sie ein Kind haben wollten. Vielleicht lassen diese Probleme Sie sogar daran zweifeln, ob sie damals die richtige Entscheidung getroffen haben.

Während alle vernünftigen und kompetenten Eltern möglichst weitgehend an der Erziehung ihres Kindes beteiligt sein möchten, bleibt den Eltern von Kindern mit ADHS gar keine andere Wahl: Sie müssen sich beteiligen, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Sie müssen geeignete Schulen, Lehrer, Fördermaßnahmen, Therapien und andere Hilfen für ihr Kind suchen. Sie müssen bei der Erziehung ihres Kindes sehr viel mehr beaufsichtigen, überwachen, unterrichten, organisieren, planen, strukturieren, belohnen, bestrafen, lenken, auffangen, schützen und fördern als die meisten anderen Eltern. Sie müssen sich auch öfter mit anderen Erwachsenen treffen, die im Alltag des Kindes eine Rolle spielen – Schulmitarbeitern, Kinderärzten und Therapeuten. Dazu kommen die Gespräche mit Nachbarn, Jugendleitern, Trainern und anderen, mit denen das Kind aufgrund seines problematischen Verhaltens aneinandergerät.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich das besondere Bedürfnis des Kindes mit ADHS nach Anleitung, Schutz, Unterstützung, Liebe und Zuwendung oft hinter einer Fassade von unbändigem, abweisendem und bisweilen aggressivem Verhalten verbirgt. Sehr treffend hat dies Margaret Flacy aus Dallas, Lehrerin und Mutter zweier (inzwischen erwachsener) Jungen mit ADHS, in einem Brief ausgedrückt, den sie mir schrieb: „Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn, als ich mich darüber beklagte, dass ich einfach nicht mit einem bestimmten, besonders schwierigen Kind zurechtkam, bei dem, rückblickend betrachtet, [eine schwere] ADHS nahe lag, nahm eine wunderbare und kluge pensionierte Lehrerin meine 25Hand und sagte zu mir: ,Margaret, die Kinder, die am meisten deine Liebe brauchen, zeigen es dir auf die am wenigsten liebenswürdige Art.‘“

Viele Eltern, mit denen ich zusammenarbeiten durfte, stellen fest, dass die Herausforderung, die es bedeutet, ein Kind mit ADHS zu erziehen, ihre Rolle als Vater und Mutter zu etwas ganz Besonderem werden lässt. Die Erziehung eines Kindes mit ADHS ist möglicherweise die schwierigste Aufgabe Ihres Lebens. Für einige Eltern wird die Belastung irgendwann zu viel und Kind und Familie geraten in eine Dauerkrise oder – schlimmer – die Familie bricht mit der Zeit auseinander. Aber wenn Sie die Herausforderung annehmen, kann die Erziehung eines Kindes mit ADHS eine großartige Gelegenheit darstellen, sich menschlich weiterzuentwickeln und in seiner Rolle als Mutter oder Vater Erfüllung zu finden. Am Glück und Wohlergehen Ihres Kindes können Sie direkt beobachten, wie Ihre Bemühungen Früchte tragen – nicht immer und in jeder Situation, aber doch so oft, dass viele Eltern in dieser Aufgabe sehr viel Befriedigung finden. Zu wissen, dass dieses Kind Sie braucht, und das vielleicht mehr als andere Kinder ihre Eltern, kann Ihrem Leben mehr Sinn geben als viele andere Dinge.

Die Worte, die ihre alte Kollegin zu ihr gesprochen hatte, wurden für Margaret Flacy zum Grundpfeiler für die Erziehung ihrer eigenen Söhne und aller Kinder, die sie in ihren 30 Berufsjahren als Lehrerin unterrichtete. Dies zeigt, wie wichtig es ist, sich in seinem erzieherischen Handeln von bestimmten bewährten Prinzipien leiten zu lassen. Diese Prinzipienorientierung ist eines von drei wesentlichen Elementen in der Erziehung von Kindern mit ADHS. Gemeinsam mit dem Bemühen um eine wirksame Vertretung der Interessen des Kindes und um wissenschaftliches Denken bildet sie eine tragfähige und ausgewogene Basis für die Erziehung Ihres Kindes zu einem zufriedenen und erfolgreichen Menschen.

Prinzipienorientierung

Seit über dreißig Jahren berate ich Eltern in Fragen der Erziehung von Kindern mit ADHS. In den ersten fünf Jahren, in denen ich dies tat, konzentrierte ich mich hauptsächlich auf spezielle Erziehungsmethoden, die bei diesen Kindern am wirksamsten zu sein scheinen. Danach brachten mich sowohl meine praktische Erfahrung als auch meine Forschungstätigkeit zu der Überzeugung, dass es einige wichtige, grundlegende Prinzipien gibt, die es zu beachten gilt. Als mir diese Grundprinzipien klarer wurden, schrieb ich sie auf. In der Folge waren diese Prin26zipien immer das Erste, was ich in meinen Elternkursen besprach, und in vielen meiner Seminare habe ich sie an jüngere Kollegen und andere Teilnehmer weitergegeben. Die Liste der Prinzipien wurde immer länger, denn wir haben neue Erkenntnisse über die ADHS gewonnen und ich habe mit immer mehr Eltern gearbeitet. So sind ein Dutzend Prinzipien zusammengekommen, deren Beachtung meiner Ansicht nach jeden Vater und jede Mutter dazu befähigt, gut für die Interessen des eigenen Kindes einzustehen. Durch sie werden Eltern besser die Hilfestellung geben können, die Kinder mit ADHS brauchen – und dabei gleichzeitig sowohl das eigene Wohl als auch das der ganzen Familie nicht aus den Augen verlieren. Die Prinzipien sind in Kapitel 9 dieses Buches aufgelistet.

Eine Orientierung an bestimmten Prinzipien erleichtert es einem auch, auf einer kurvenreichen Strecke durch schwieriges Gelände den Kurs zu halten. Sie hilft uns, nicht aus dem Impuls heraus zu handeln, sondern auf der Grundlage von Regeln. Sie macht es uns leichter, die langfristige Entwicklung im Blick zu behalten und das, was dafür wichtig ist, und nicht aus einem flüchtigen Gefühl heraus etwas Falsches zu tun. Sie gewährt eine gewisse Unabhängigkeit von dem, was Ihr Kind tut und dadurch an negativen Gefühlen in Ihnen auslöst, und ermöglicht Ihnen, sich stärker danach zu richten, was Sie wichtig finden. Die Prinzipienorientierung ermöglicht es Ihnen, aus dem Teufelskreis der gegenseitigen Aggressionen, in dem Sie, Ihr Kind und eventuell andere gefangen sind, auszusteigen und sich so zu verhalten, wie Sie es sich vorgenommen haben und wie Sie es eigentlich für richtig halten. Kurz: Sie versetzt Sie in die Lage, bei der Erziehung Ihres Kindes höhere Maßstäbe einzuhalten, als dies vielen anderen Eltern gelingt.

Die Orientierung an Prinzipien im Umgang mit Ihrem Kind stellt sowohl eine Befreiung als auch eine Beschneidung dar. Sie bedeutet, dass Sie sehr viel mehr Kontrolle über das Ergebnis der Interaktion haben als Ihr Kind, da Sie die Freiheit besitzen, durch Ihr Handeln das Geschehen zu ändern. Sie bedeutet, dass Sie Ihrem Kind nicht die ganze Schuld für Konflikte oder Aggressionen zwischen Ihnen geben können, dass Sie Therapeuten, Lehrern oder Beratern nicht die Schuld geben können, wenn Sie Probleme mit Ihrem Kind haben, und dass Sie die Verantwortung dafür, wie Sie sich Ihrem Kind gegenüber verhalten, nicht auf Ihre Vergangenheit oder die Menschen, die Sie erzogen haben, abwälzen können. Prinzipienorientiertes Erziehen bedeutet, die Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Es befreit uns und nimmt uns gleichzeitig in die Pflicht.

In meiner weiteren Auseinandersetzung mit der ADHS kam ich zu der Erkenntnis, dass es noch einige andere Prinzipien gibt, die für alle Eltern gelten. In seinem äußerst empfehlenswerten Buch The Seven Habits of Highly Effective 27People1 hat Stephen R. Covey diese Prinzipien sehr viel klarer und überzeugender dargestellt, als ich es könnte. Im Folgenden gebe ich sie wieder und sage, was sie für die Erziehung von Kindern mit ADHS bedeuten.

„Agieren statt reagieren.“ Viel zu oft reagieren wir einfach auf das Verhalten unserer Kinder und handeln dabei impulsiv, ohne die Konsequenzen unseres Tuns zu berücksichtigen oder daran zu denken, was wir damit erreichen wollen. In diesen Momenten sind wir weit davon entfernt, bewusst und zielorientiert zu handeln. Wenn wir dazu neigen, einfach auf die äußeren Umstände zu reagieren, anstatt selbst die Zügel in die Hand zu nehmen, verlieren wir leicht die Hoffnung: Es ist eben Schicksal, wenn uns unser Kind oder andere Menschen auf der Nase herumtanzen. Negative Interaktionen mit unserem Kind kommen überraschend über uns und kippen uns aus dem Gleichgewicht – wie Wellen, die einen erfassen und umwerfen, wenn man mit dem Rücken zum Meer (und unvorbereitet) in der Brandung steht. Man verliert alle Hoffnung auf Besserung und die Beziehung zum Kind wird spannungsgeladen, negativ, destruktiv, frustrierend, belastend, problematisch. Die Probleme entstehen aber nicht dadurch, was Ihr Kind tut bzw. Ihnen antut, sondern dadurch, was Sie dem entgegensetzen. Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr eigenes Verhalten als Vater oder Mutter und dafür, was zwischen Ihnen und Ihrem Kind geschieht. Ergreifen Sie die Initiative und ändern Sie die Dinge, die Ihnen an Ihrem Verhalten Ihrem Kind gegenüber nicht gefallen. Akzeptieren Sie die Verantwortung für die Gestaltung der Beziehung zu Ihrem Kind. Sie sind in der Lage, sagt Covey, Ihre Impulse Ihren Werten unterzuordnen. Sie haben die Freiheit, sich so zu verhalten, wie Sie es selbst entscheiden. Entwickeln Sie dieses Gefühl der Entscheidungsfreiheit, bauen Sie es auf und trainieren Sie es.

„Zielorientiert denken“. Wenn Sie sich einem Problem gegenübersehen, versuchen Sie sich vorzustellen, welchen Zielzustand Sie erreichen wollen. Dieses Prinzip können Sie im Kleinen und im Großen anwenden. Sie können sich zum Beispiel ausmalen, wie der Abend ausgehen soll, ehe Sie sich zu Ihrem Kind setzen, um ihm bei den Hausaufgaben zu helfen. Oder Sie können sich vorstellen, wie es sein wird, wenn Ihr Kind ein wichtiges Ziel erreicht – beispielsweise den Schulabschluss schafft – und was es dann über Sie und die Hilfe, die Sie ihm haben zukommen lassen, denken wird. In die gleiche Richtung geht eine Übung, die Covey empfiehlt. Malen Sie sich Ihre eigene Beerdigung aus. Ihr Kind soll während der Zeremonie ein paar Worte über Sie sagen. Was würden Sie gerne von ihm darüber hören, wie Sie als Vater oder Mutter waren? Von An28fang an den Ausgang einer Sache im Blick zu haben, hilft uns bei der Konzentration auf das Wesentliche und lässt uns erkennen, was wir tun müssen, damit sich Situationen so entwickeln, wie wir es gerne hätten.

Es hat keinen Sinn, einen Plan zu machen, wenn man kein Ziel hat; wenn man nicht weiß, wo die Reise hingehen soll, hilft einem keine Landkarte; Erziehungsstrategien sind nutzlos, wenn man nicht weiß, was man mit ihnen erreichen will. Wenn Sie beispielsweise vorhaben, sich mit Ihrem Kind hinzusetzen und an einem Naturwissenschaftsprojekt zu arbeiten oder einfach nur die Hausaufgaben zu machen, sollten Sie sich vor Ihrem inneren Auge vorstellen, wie das Ganze ausgehen soll. Wahrscheinlich wünschen Sie sich, dass am Ende der Zeit nicht nur die Aufgaben gemacht sind, sondern auch, dass die Sache friedlich vonstattengegangen ist, dass die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind nicht gelitten hat und vielleicht sogar gestärkt worden ist. Es wäre schön, wenn Sie und Ihr Kind sich nach getaner Arbeit zufrieden anlächeln oder sogar gemeinsam lachen könnten. Vielleicht merken Sie, wie diese Bilder Sie in Ihren Entscheidungen und Ihren Reaktionen auf Ihr Kind lenken. Sie bemühen sich darum, die Situation so angenehm und konstruktiv wie möglich zu gestalten, damit Ihr Kind sich wohl fühlt, etwas lernen kann und vielleicht sogar ein bisschen Spaß hat. Und wahrscheinlich wird es Ihnen gelingen. Welche Beziehung Sie zu Ihrem Kind haben und wie Ihr täglicher Umgang mit ihm aussieht, hängt ganz von Ihnen ab. Ich habe feststellen können, dass dieses Prinzip vor allem in Zeiten potenzieller Konflikte wichtig ist. Denken Sie, bevor Sie handeln, daran, welches Ziel Sie in der jeweiligen Situation verfolgen. Was Sie tun müssen, um dieses Ziel zu erreichen, ergibt sich dann oft fast schon von selbst.

„Prioritäten setzen.“ Was zählt wirklich in Ihrer Beziehung zu Ihrem Kind? Was ist am wichtigsten in Ihrer Rolle als Mutter oder Vater dieses Kindes? Was sind die größten Hürden und Probleme, bei deren Überwindung Sie Ihrem Kind zur Seite stehen müssen? In meinen Beratungsgesprächen mit Eltern geht es oft darum, zwischen Haupt- und Nebenkriegsschauplätzen zu unterscheiden – zwischen den trivialen und unwichtigen Dingen, die zu tun sind (z. B. vor der Schule das Bett zu machen), und den viel wichtigeren Zielen, die es zu erreichen gilt (auf die Schule vorbereitet zu sein und den Schulweg aus einer friedlichen, liebevollen Atmosphäre heraus anzutreten). Allzu oft verstricken sich Eltern in Streitereien über Nichtigkeiten. Kinder mit ADHS machen oft so viel falsch, dass Eltern ihnen fast den ganzen Tag lang irgendwelche Vorhaltungen machen könnten. Aber soll so Ihre Beziehung zu Ihrem Kind aussehen? Eltern von Kindern mit ADHS müssen ein Gefühl für Prioritäten entwickeln.

29Lernen Sie, Arbeiten und Aufgaben, die Ihr Kind erledigen soll, in vier Kategorien zu unterteilen: (a) dringend und wichtig, (b) dringend und nicht wichtig, (c) wichtig, aber nicht dringend und (d) nicht wichtig und nicht dringend. Der Unterschied zwischen a und d ist meistens sehr klar: Auf a wird großen Wert gelegt, während wir für d in der Regel nicht viel Zeit verschwenden. Schwieriger wird es, wenn es zwischen den Kategorien b und c zu unterscheiden gilt. Oft neigt man dazu, sein Kind zu hetzen und mit ihm zu schimpfen, wenn es darum geht, relativ unwichtige Termine einzuhalten (Sport, Vereine, Musikstunden etc.). Wichtigere, aber weniger dringende Dinge geraten dabei in den Hintergrund. So erreicht man vielleicht, dass das Kind pünktlich beim Klavierlehrer ist, fügt aber gleichzeitig der Beziehung großen Schaden zu.

Wenn Sie am Sonntagabend in Gedanken schon einmal die vor Ihnen liegende Woche durchgehen, denken Sie an das, was für Sie und Ihr Kind wichtig ist, und räumen Sie diesen Dingen Vorrang ein. Tragen Sie sie ganz oben im Kalender ein, damit Sie nicht im Strom der scheinbar dringenden, aber relativ unwichtigen Dinge untergehen, die Sie im Verlauf der Woche zu erledigen haben (wie z. B. bestimmte Leute zurückzurufen, das Haus zu putzen, die Mahlzeiten pünktlich fertig zu haben, dafür zu sorgen, dass Ihr Kind nicht zu spät ins Bett geht, usw.). Und dabei sollten Sie sich nicht nur das anschauen, was Sie für und mit Ihrem Kind tun. Denken Sie auch an Ihre eigene Arbeit und Ihre Pflichten außerhalb Ihrer Elternrolle. Übertreiben Sie es vielleicht irgendwo mit Ihrem ehrenamtlichen Engagement, der Mitarbeit in Vereinen oder Verbänden, dem Babysitten bei anderen Kindern oder ähnlichen Dingen? Müssen Sie vielleicht lernen, Nein zu sagen, wenn andere Sie bitten, sich für etwas zu engagieren, das Ihnen gar nicht so sehr am Herzen liegt?

„Beide Seiten können gewinnen.“ Immer wieder werden Sie Ihr Kind mit ADHS – vor allem, wenn es ins Jugendalter kommt – auffordern müssen, seine Hausaufgaben zu machen und seinen sonstigen Pflichten nachzukommen und bestimmte Regeln einzuhalten. Dabei müssen Sie immer wieder mit ihm verhandeln. Wie Covey sagt, sollten wir bei allen Verhandlungen, die wir mit jemandem führen, daran denken, dass beide Seiten gewinnen können. Gehen Sie also mit dem Grundgedanken an die Situation heran, dass Sie bekommen sollen, was Sie wollen, dass aber auch Ihr Kind bekommen soll, was es will. Konzentrieren Sie sich nicht nur darauf, was Ihr Sohn oder Ihre Tochter tun soll; versuchen Sie auch zu verstehen, wie schwer es für das Kind sein kann, zu tun, was Sie von ihm verlangen. Die Gefahr ist groß, dem Kind den ganzen Tag lang irgendwelche Befehle zu erteilen und Vorwürfe an den Kopf zu werfen. Aber sieht so die Beziehung aus, die Sie sich zu Ihrem Kind wünschen? Denken 30Sie vorausschauend: Soll Ihr Kind Sie später einmal als Tyrann in Erinnerung haben? Oder lieber als fairen Verhandlungspartner?