Das große Buch der Lederpflege - Kim Himer - E-Book

Das große Buch der Lederpflege E-Book

Kim Himer

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Beschreibung

Warum sollte man Leder pflegen? Was hat Lederpflege mit Umweltschutz zu tun? Wie bringe ich meine Schuhe zum Glänzen? Ist Sattelseife nur für Sättel geeignet? Was hat es mit Spucke oder Champagner auf sich? Was versteht man unter einem Schuhknochen? Macht Lederpflege glücklich? Wer dies und vieles mehr über die Hintergründe, Anwendungstechniken und Vorteile der Lederpflege wissen will, wird in Kim und Axel Himers Standardwerk mehr als fündig. In zahlreichen Bildern zeigen die Maßschumacher aus Köln und Baden-Baden detailliert, wie man Lederschuhe, -möbel, -taschen, -sättel uind Automobilleder fachmännisch pflegt und so einen kleinen Sieg über die Vergänglichkeit unserer Lederlieblinge erringt. Nach Lesen dieses Buches kann es passieren, dass Lederpflege zur kultivierten Antistress-Therapie mit Glanzgarantie wird und Pflegemuffel zu Besserpflegern mit gepflegtem Auftritt werden. In über 500 Bildern fotografiert von Barthold Stromeyer.

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Seitenzahl: 194

Veröffentlichungsjahr: 2014

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KIM & AXEL HIMER

Das große Buch der

Lederpflege

Schuhpflege – Bekleidung – Möbelpflege

HEEL Verlag GmbH

Gut Pottscheidt, 53639 Königswinter

Tel.: 02223 9230-0, Fax: 02223 9230-13

www.heel-verlag.de, [email protected]

© 2011 by Heel Verlag GmbH

Alle Rechte, auch die des Nachdrucks, der Wiedergabe in jeder Form und der Übersetzung in andere Sprachen, behält sich der Herausgeber vor. Es ist ohne schriftliche Genehmigung des Verlages nicht erlaubt, das Buch und Teile daraus auf fotomechanischem Weg zu vervielfältigen oder unter Verwendung elektronischer bzw. mechanischer Systeme zu speichern, systematisch auszuwerten oder zu verbreiten.

Bildnachweise: AKH: S. 167, 244, 245; Alvoro: S. 39, 194, 195

Attila Aszoti: S. 203; Bentley Düsseldorf: S. 13, 28; Detmar Modes: S. 173

Collonil: S. 30, 3, 35; Thorsten Dickmann: S. 199; Rainer Ersfeld: S. 198

Thomas Garnick: S. 209; Gregor Chemie: S. 62; Modehaus Hirmer: S. 287

Keller Bürsten: S. 236; Kiwi: 210, 211; La Cordonnerie Anglaise: S. 129

Eduard Meier: S. 154, 155, 192, 193; J. Nitschmann: S. 206, 208

Klaus Schultes: S. 6, 52, 132, 196, 197, 205; H.G. Winkler: S. 215

Autor: Kim Himer und Axel Himer

Fotos: Barthold Stromeyer

Coverfoto: Barthold Stromeyer

Abbildungen: Siegle Design, Baden-Baden

Satz und Gestaltung: Siegle Design, Baden-Baden

Cover Design: gb-s Mediendesign, Königswinter

Lektorat: Sabine Arenz

Alle Rechte vorbehalten

Alle Angaben ohne Gewähr

Print ISBN: 978-3-86852-458-1 E-Book ISBN: 978-3-86852-986-9

KIM & AXEL HIMER

Das große Buch der

Lederpflege

Schuhpflege – Bekleidung – Möbelpflege

Inhalt

Danksagungen

Vorwort von Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate

Einleitung

LEDER – DAS UNVERZICHTBARE NATURPRODUKT

Das kleine Lederlexikon

Geschichte der Schuh- und Lederpflege

ALLE HERSTELLER IM ÜBERBLICK

Pflegemittel Inhaltsstoffe

Typen von Pflegemittel

Reinigungs- und Imprägniermittel

Schuhcreme-Rezepte zum Selbermachen

SCHUHPFLEGE

Einleitung Schuhpflege

Warum Leder glänzt

Bürsten und Hilfsmittel:

Schmutzbürsten, Auftragbürsten, Polierbürsten, Raulederbürsten, Lederradierer, Einstreichbürsten, Lappen, Tücher, Schwämme, Nylonstrümpfe, Polierhandschuhe

Schuhpflege – Schuhanzieher & Schuhstrecker

Schuhhygienesystem und Trockner von Therm-ic

Galoschen

Shoebone/St. Hugh’s bone

Hand- und Schuhputzmaschinen

PRAKTISCHE ANWENDUNG

Glattlederschuhe

Schuhe aus Cordovan

Wasserglanzpolitur

Erweiterte Pflege

Schuhe ausgeflochtenem Leder

Lacklederschuhe

Patina erzeugen

Raulederschuhe

Pflege – Raulederschuhe

Zweifarbige Schuhe

Schuhe aus Stoff und Leder

Golfschuh Lederpflege

Sneaker

Fettgegerbte Schuhe reinigen

Cowboystiefel pflegen

Jagdstiefelpflege

Wanderschuhe

Springerstiefel

Fußballschuhe

Rennfahrerschuhe

Lammfellschuhe

Exoten-Lederschuhe

Weiße Schuhe

Damenschuhe

Tipps zur Fleckentfernung

SCHUHPFLEGETRUHEN UND -KISTEN

Schuhpflegekisten für den privaten Haushalt

Schuhpflegeservice in Hotels

Lederpflegeseminare für Besser-Pfleger

Schuhe auf Reisen

Schuhputzer von Berlin bis Los Angeles

REITSPORT

Einleitung

Sättel

Zweifarbige Sattelpflege

Sattelreinigung

Zaumzeug und Zügel

Sattelpflege

Polospieler – Ausrüstungspflege

Reitstiefelpflege

LEDERBEKLEIDUNG

Einleitung

Raulederpflege

Glattlederpflege

Fettfleckenentfernung

Kennzeichnung für das Lederwaschen

Motorradbekleidung

Motorradlederpflege

Motorradstiefelpflege

LEDERTASCHEN UND -KOFFER

Einleitung

Reinigung und Pflege von Glattledertaschen und -koffern

Reinigung und Pflege von Rauledertaschen und -koffern

Kleinlederwaren und Lederaccessoires

Lederhandschuhpflege

Ledergürtelpflege

Armbanduhrenlederpflege

Damenlederbänder Reinigung

MÖBELLEDERPFLEGE

Einleitung

Ledermöbel

Antikleder

Ledermöbelpflege

Büromöbellederpflege

AUTOMOBILLEDERPFLEGE

Automobilleder

Pflege von Automobilleder

Oldtimerlederpflege

QUELLENVERZEICHNIS

Danksagungen

Nach einer vierjährigen Entwicklung und Recherche zu diesem Buch möchten wir mehreren Personen unseren Dank aussprechen. An erster Stelle ist Fabian Pfister zu nennen, der uns maßgeblich bei Recherche und der umfangreichen Datenverwaltung unterstützt hat. Besonders dankbar sind wir Fotograf Barthold Stromeyer, der unser Buch in dieser Form erst möglich gemacht hat. Ohne seine Bildkomposition wäre das Werk dem Leser und Betrachter nicht sinnvoll zu vermitteln gewesen. Des Weiteren danken wir Grafiker Bernhard Siegle für sein gelungenes Layout. Wir danken Nada und Horst Lichter dafür, dass sie uns mit dem Agenten Dr. Jürgen Pütz zusammengebracht haben. Diesem danken wir für sein, von Anfang an, großes Engagement und dafür, dass er an unsere Idee dieses Buches geglaubt hat. Ohne ihn wären wir nicht mit dem Heel Verlag zusammengekommen. Franz-Christoph Heel und seinen Mitarbeitern, insbesondere unserer Lektorin Sabine Arenz, danken wir für das uns entgegengebrachte Vertrauen und die eingeräumten Freiheiten bei der Erstellung dieses Buches.

Allen in diesem Buch genannten Firmen danken wir für ihre Unterstützung. Bei Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate bedanken wir uns für sein geneigtes Vorwort. Unser Dank gilt im Einzelnen den folgenden Personen: Attila Aszoti, Liz Buffo, Michael Baggeler, Jörg Beckhaus, Thimon von Berlepsch, Rainer Brüssow, Mark Fisher, Ingo Fischer, Ottmar Geberbauer, Johann Glöckle, Peter Heinrichs, Patrick Hofmeister, Jürgen Hingsen, Michael Kober, Blanka Krieg, Frank Marrenbach, Jochen Mass, Adolfo Massi, Ralf Möller, Elmar Nyhuis, Ali Peneck, Prof. Dr. Erich Pfister, Dr. med. Siddhartha Popat, Erol Sander, Christian Schims, Guido Graf von Spee, Carmine Tortora, Andreas Weiss, Nicol & Dirk Westendorf, Senator Dierk Wettengel, Ulrich Tröger, Oliver Wickert und Tina Himer. Zu guter Letzt danken wir Nicola Himer, Schwester von Kim und Tochter von Axel Himer, für ihre Mitwirkung und Unterstützung bei der Erstellung dieses Buches.

Nicola, Axel und Kim Himer.

Vorwort von Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate

Neben Holz, Stein und Wolle gehört Leder zu den ältesten Materialien, die Menschen nutzen. Kein Wunder, denn gegerbte Tierhaut ist ein sehr robustes und vielfältig einsetzbares Material. Früher wurden beispielsweise auch Teile von Waffen aus Leder gefertigt – heutzutage sind es vor allem alltägliche Gebrauchsgegenstände, die aus dem Naturmaterial hergestellt werden.

Leder war das erste Material, worauf der Mensch seine Geschichte geschrieben hat. Die Bedeutung und Nutzung des Leders spielt zugleich in zahlreichen Facetten des täglichen Lebens seit Anbeginn der Menschheit eine wichtige Rolle. Das Naturprodukt Leder verdient ebenso eine natürliche Verwie Bearbeitung. Das Leder spricht uns als zweite Haut an. Geduldig nimmt es die Gestalt des persönlichen Ausdrucks auf. Im Charakter, weich und zäh, findet das langlebige Leder dann seine Geschmeidigkeit. Träger und Benutzer wissen um diese Erfahrung und werden zur Symbiose mit dem Leder. Gemeinsam gehen sie durch dick und dünn. Der überwiegende Teil des weltweit produzierten Leders wird wohl für Schuhe verwendet. Für die Herstellung eines Schuhs sind verschiedene Lederarten mit gänzlich unterschiedlichen Eigenschaften erforderlich.

Wer sich den Füßen zuwendet, der muss bereit sein, vom hohen Ross herabzusteigen, der muss sich klein machen, sich bücken, sich erniedrigen. Das fällt uns nicht immer leicht, denn es verlangt Demut zu zeigen und das wiederum setzt eine gewisse Größe voraus.

Die Füße sind unser Kontakt zur Erde, mit den Füßen bewegen wir uns durchs Leben. Dabei ist es unvermeidbar, dass sie geschützt werden, und es ist wiederum unvermeidbar, dass dieser Schutz, den wir auch „Schuh“ nennen, befleckt und beschmutzt wird. Wir kommen auf unserem Lebensweg auch mit dem Unreinen in Berührung. Der Staub und Schlamm der Erde heftet sich an unsere Füße und wurde vielfach zum Symbol für das Befleckte und Sündhafte.

Für Muslime, Hindus und Buddhisten und auch für äthiopische Christen ist es üblich, an der Schwelle zu heiligen Orten sowie zu Hause, die Schuhe auszuziehen. Man lässt so das Beschmutzte quasi vor der Tür. Auch in der Bibel findet sich dieser Gedanke, als Gott zu Moses sagt: „Ziehe deine Schuhe aus, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land.“ Eine besondere Bedeutung in vielen orientalischen Kulturen, wie zum Beispiel auch in meiner äthiopischen, hat die Reinigung von Schuhen. Überall in den Städten findet man junge Menschen mit ihren kleinen Hockern und Holzkisten, in denen sie die Utensilien zum Reinigen der Schuhe aufbewahren. Die äthiopischen Schuhputzer werden immer noch „Listros“ genannt, eine Bezeichnung, die als ein Erbe aus der italienischen Besatzungszeit zwischen 1935 und 1941 angesehen werden darf. In diesen Ländern haben es Schuhe gut, denn sie werden bestimmt besser behandelt als in vielen europäischen Ländern. Der Grund dafür mag darin liegen, dass das Schuheputzen sehr billig ist und sich dort jeder diese tägliche Pflege leisten kann. Ein Vorbild für die „Servicewüste Deutschland“?

Leder kann – wie jedes Material – durch eine konstante Nutzung geschädigt werden. Dazu gehören Schäden wie Einrisse, Abrieb, Flecken, Schneeränder, usw. Oft findet man bei Leder auch Risse in der Oberfläche, die durch eine zu hohe Trockenheit oder auch einen zu hohen Fettgehalt im Leder ausgelöst worden sein können.

Nun haben Axel und Kim Himer, beide ausgewiesene Experten in Sachen Lederverarbeitung, ein Buch über die Pflege von Lederwaren geschrieben. Es ist ihnen dabei gelungen, einen für den Laien verständlichen Ton zu finden und uns auch Tipps und Tricks zu verraten, wie wir mit Lederwaren umgehen sollen.

Es geht auf keine Kuhhaut, dass man sich der Lektüre dieses wichtigen Buches verweigert!

Ich kenne Axel Himer seit einigen Jahren als vielseitigen und „umtriebigen“ Handwerker, der es gemeinsam mit seiner Frau Tina geschafft hat, sein Wissen an seine Töchter Kim und Nicola weiterzugeben. Sie streben ebenfalls nach bester Qualität und suchen ihren Platz in einem aussterbenden Handwerk zu behaupten. So ist inzwischen auch Kim Himer zu einer der Besten ihrer Zunft avanciert. Dass nun Vater und Tochter „Das große Buch der Lederpflege“ als gemeinsames Werk erstellt haben, finde ich in unserer Zeit wegweisend.

Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate

Unternehmensberater, Bestsellerautor und politischer Analyst

Einleitung

Die Erfindung der verschiedensten Gerbverfahren, durch die Tierhäute in Leder umgewandelt werden, ist eine der größten Errungenschaften der Menschheit und bereits mehrere tausend Jahre alt. Erst diese haben es dem Menschen ermöglicht, in allen Klimazonen der Welt Fuß zu fassen. Im Vergleich dazu ist es erstaunlich, dass professionelle Lederpflegemittel vor gerade erst knapp hundert Jahren entwickelt wurden. Diese modernen Lederpflegemittel erhalten nicht nur den Wert hochwertiger Lederwaren langfristig, sondern sorgen selbst unter härtesten Bedingungen wie Kälte, Hitze, Feuchtigkeit und Abrieb, für eine oftmals gesteigerte Funktionalität.

Durch unser über fünfundzwanzigjähriges Schaffen als Maßschuhmacher haben wir uns ständig mit den unterschiedlichsten Lederarten und deren Pflege beschäftigt. Denn auch das beste Leder hält nun einmal länger, wenn es richtig gepflegt wird. Dabei ist das Wort „richtig“ sehr ernst zu nehmen, denn falsche Pflege oder falsche Pflegemittel können schaden. Deshalb ist es wichtig, für jeden Pflegefall das richtige Mittel einzusetzen. Immer wieder sind wir von Kunden und Teilnehmern unserer Pflegeseminare nach den besten Methoden und Pflegemitteln gefragt worden.

Angesichts dieses Interesses am Thema Schuh- und Lederpflege ist es umso erstaunlicher, dass es bisher keinerlei fachlich qualifizierte Literatur zu diesem Thema gab. Es erscheint uns geradezu, als wäre im Sog der Entwicklung der Gesellschaft hin zu einer Wegwerfgesellschaft das Wissen um die Schuh- und Lederpflege ebenfalls weggeworfen worden. Während vor zwei Generationen jedes Kind in seinem Elternhaus das Schuheputzen lernte, wissen heute nicht einmal mehr die meisten Eltern wie Schuhe richtig gepflegt werden. Wer kennt heute noch den Unterschied zwischen einer Emulsionscreme und einer Hartwachspaste oder weiß, wie verschiedene Flecken im Leder oder Kaugummi sinnvoll entfernt werden?

Um Ordnung in dieses Chaos zu bringen und eine ganze Branche, die momentan zu Unrecht größtenteils ignoriert wird, in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken sowie den Wissenshunger der „Besserpfleger“ zu stillen, haben wir uns entschlossen, all unser Praxiswissen über Lederpflege mit der themenbezogenen Literatur unserer Bibliothek kritisch zu verknüpfen und dieses Buch zu schreiben. Denn Ledermöbel, Lederbekleidung, Schuhwerk, Sattelzeug, Lederaccessoires und Fahrzeugleder verdienen gute Pflege und schließlich stehen heute jedermann die besten Pflegemittel zur Verfügung, die es je gab. Mit diesen ein Paar bequeme Schuhe oder eine lieb gewonnene Handtasche zu pflegen, wird Ihnen nach Lesen unseres Buches nicht nur leichter von der Hand gehen, sondern auch für deren Langlebigkeit, gutes Aussehen und Werterhalt sorgen. Zusätzlich werden Sie eine innere Befriedigung angesichts der eigenen handwerklichen Leistung verspüren, doch ein bisschen Arbeit, das sei hier vorab erwähnt, ist es schon. Die jedoch, mit den richtigen Pflegeutensilien ausgeübt, fast schon meditativen Charakter erreicht.

Die Pflegeutensilien und deren Handhabung, mit denen wir in den vergangenen Jahrzehnten unserer Arbeit die besten Resultate erzielen konnten, werden in diesem Buch vorgestellt. Alle sind von hoher Qualität und wir können sie uneingeschränkt empfehlen. Selbstverständlich handelt es sich um eine von uns subjektiv getroffene Auswahl und deren Handhabung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, aber doch einen weit gefächerten Überblick gibt.

In diesem Sinne hoffen wir, dem Leser einen guten Lederpflege-Leitfaden an die Hand zu geben, durch den er seine Schuhe sowie andere Lederprodukte besser und mit mehr Freude pflegt. Dann hätten wir unser Ziel erreicht.

Leder – Das unverzichtbare Naturprodukt

Trotz unserer modernen Lebensweise und weit fortgeschrittenen Zivilisation ist Leder, eines der ältesten Materialien, welches die Menschheit kennt, in unserem Alltag so stark vertreten wie nie zuvor. Nie waren die Herstellungsarten, die Vielfalt der Herkunft und die möglichen Verwendungszwecke so facettenreich wie heute.

Schon seit der Steinzeit wird Leder von den Menschen als Bekleidung und zur Herstellung von Schuhwerk verwendet. Ebenso wurde Leder schon sehr früh zur Herstellung von einfachen Behausungen wie Zelten eingesetzt. Nicht nur von Nomaden in Steppengegenden wie der Mongolei, wo Holzknappheit herrscht, sondern auch in nordamerikanischen Waldgebieten. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Leder eine dreifach bessere Wärmeisolation besitzt als Eichenholz. Ermöglicht wird dies durch die in die Faserstruktur des Leders eingebetteten Luftpolster. So besitzt ein Gramm vegetabil gegerbtes Leder eine innere Oberfläche von bis zu 300 m2. Vor Erfindung des Pergaments, das aus ungegerbten Häuten hergestellt wird, wurde in den antiken Hochkulturen nicht nur auf Papyrus, sondern auch auf Leder geschrieben. Das römische Imperium stattete seine Legionäre mit Rüstungen aus Leder aus, die Eskimos bespannten bis Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Boote mit Leder. Stühle, Sessel und Sofas wurden und werden aufgrund seiner Dehnbarkeit und Reißfestigkeit mit Leder bespannt. Lederarmbänder und geflochtene Lederriemchen dienen als Schmuck. Mit Aufkommen des Buchdrucks in der Mitte des 15. Jahrhunderts ergab sich ein gänzlich neuer Einsatzbereich, den Leder von allen Materialien am besten erfüllen konnte, nämlich als Einbandmaterial in der Buchbinderei. Hier fand sogar eine Ledersorte Verwendung, die einen heute erschaudern lässt – Menschenleder. So wurde beispielsweise die Prozessakte eines Mörders in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England nach seiner Hinrichtung in dessen eigener Haut gebunden. Glücklicherweise war und ist Leder in fröhlichen Bereichen wie der Musik als Bezugmaterial für Trommeln und heute im Sport beispielsweise als Material zur Herstellung von Fußbällen von weit größerer Bedeutung.

Ledersohlen eines wanderstiefels von 1870 mit handgeschmiedeten Absatz- und sohlennägeln.

Als Hernando Cortés Anfang des 16. Jahrhunderts das heutige Mexiko eroberte, kam die Kunst der Lederverarbeitung und Verzierung, in der die Spanier damals führend waren, in die Neue Welt. Die ausgebildeten spanischen Lederhandwerker, die für die Fertigung von Sätteln und Zaumzeug für die mitgebrachten Pferde zuständig waren, kamen so mit der beeindruckenden mittelamerikanischen Flora in Kontakt, was sich in der Lederverzierung in schönen Blumenmustern niederschlug. So entstand eine Überleitung von den bis dahin gebräuchlichen starr geometrischen Formen des Spätmittelalters hin zu gefälligeren, fließenden Formen.

Für unzählige Accessoires und Funktionsartikel wie Gürtel, Handtaschen, Geldbörsen, Messerscheiden, Uhrenarmbänder und Sättel ist Leder die erste Wahl. Selbst im Badezimmer hat sich Leder in Form des Streichriemens für Rasiermesser im Bereich der Herrenhygiene durchgesetzt.

Der Einsatzbereich in Automobilen nicht nur als Polsterleder der Sitze, sondern immer mehr als Bezugmaterial von Armaturenbrett und Himmel, ist historisch gesehen relativ jung, aber quantitativ sehr bedeutend. Im Automobilbereich ist es übrigens sehr interessant, dass Leder als Material in der Wertschätzung schon einen radikalen Wandel hinter sich hat. So war ein Bugatti Royale in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts das teuerste und exklusivste Automobil der Welt, im Passagierabteil mit teuren Stoffsitzen ausgestattet, während der Chauffeur auf günstigem widerstandsfähigem Leder Platz nehmen musste. Heute hingegen überbieten sich Hersteller von Luxuswagen in Qualität und Auswahl ihrer Ausstattungsleder, und nicht selten muss für eine exklusive Volllederausstattung derartiger Limousinen der Preis einer veritablen Mittelklasselimousine bezahlt werden.

Heute werden jährlich 1,8 Milliarden Quadratmeter Leder produziert, etwa 65 Prozent der Häute stammen vom Rind und 80 Prozent der Leder werden von der Modebranche für Bekleidung, Accessoires und vor allem für Schuhe verwendet.

Trotz aller moderner Materialien, neuartiger Textilien und Kunstleder, die in den letzten hundert Jahren erfunden wurden, sind die Eigenschaften des Leders in seiner einzigartigen Kombination von Dehnbarkeit, Reißfestigkeit, Wärme- und Kälteisolation, Atmungsaktivität, Schwerentflammbarkeit und Abriebfestigkeit nicht reproduzierbar. Insbesondere die Schwerentflammbarkeit und Abriebfestigkeit verhelfen dem Leder im Bereich der Motorradschutzkleidung zu einer Alleinstellung, die hochaktuell ist und es wohl auch immer bleiben wird. In allen Einsatzbereichen bietet Leder vielfältige Höchstleistungen und ist so fast immer das Material der ersten Wahl.

„Schmutzweiche bei Rendenbach“. In der Reinigungshaspel werden die Häute mit 30 Grad warmem Wasser von Salz, Dung und Blutresten gereinigt.

Leder

Perlrochen-Maßschuhe.

Rindsleder Westernsattel.

Bentley Azure II Bj. 2010, das Cabriolet der Arnage Baureihe.

… Echsen-, Kaiman-, Straußen- und Kalbslederarmbänder

Das kleine Lederlexikon

Leder entsteht durch das Gerben von Häuten und Fellen. Durch das Gerben werden sie in einen dauerhaft haltbaren Zustand überführt und vor Verwesung geschützt. Die Körperdecken großer Säugetiere wie Rind, Pferd oder Schwein werden Haut genannt – wie auch die von verwendeten Reptilien, Fischen oder Amphibien – bei kleineren Säugetieren wie Schaf oder Ziege und natürlich allen Tieren mit Pelz heißen sie Fell.

Die Haut von Säugetieren besteht aus drei Schichten, der dünnen Oberhaut (Epidermis) mit Haaren, Schweiß- und Talgdrüsen, der dicken Lederhaut (Corium) und der Unterhaut (Subcutis), die aus dem Unterhautbindegewebe mit eingelagerten Fettzellen besteht. Zur Lederherstellung ist nur die Lederhaut geeignet, die aus der oberen Papillarschicht (dem Narben) und der dickeren Retikularschicht mit ihren Faserbündeln (Fibrillen) besteht.

Die Anzahl der Gerbereien in Europa ist ebenso wie die hergestellte Ledermenge aufgrund der immer restriktiveren Umweltgesetzgebung rückläufig.

Heute wird das meiste Leder in Indien und dem gesamten asiatischen Raum produziert und auch dort weiterverarbeitet, da das Leder an sich, bis auf wenige Ausnahmen, kein Endprodukt darstellt. Aufgrund der oft aufwendigen Weiterverarbeitung in Handarbeit ist Asien angesichts der niedrigen Lohnkosten ebenfalls im Vorteil. In Europa finden sich hauptsächlich Gerbereien, die im Nischenbereich oder im Luxussegment arbeiten.

Die Hauptgerbverfahren sind die Chromgerbung mit Chrom und Mineralsalzen, die vegetabile oder Grubengerbung, die Tran- oder Sämischgerbung sowie die synthetische Gerbung mit Aldehyden, Acrylaten und Phenolen. Oft werden auch verschiedene Verfahren kombiniert, um die Eigenschaften des fertigen Leders in der gewünschten Weise zu beeinflussen. Die genaue Zusammensetzung der verwendeten Gerbstoffe ist Betriebsgeheimnis jeder Gerberei. Etwa 80 Prozent aller in Europa produzierten Leder sind chromgegerbt, ungefähr 20 Prozent vegetabil gegerbt und nur etwa ein Prozent sind sämisch gegerbt. Fast alle Bekleidungs- und Schuhoberleder sind chromgegerbt. Möbel- und Autoleder sind auch meist chromgegerbt, werden aber immer mehr mit chromfreien Methoden (vegetabil oder synthetisch) gegerbt. Hochwertiges Bodenleder für Schuhsohlen wird immer lohgegerbt (vegetabil). Nachfolgend werden die wichtigsten Gerbverfahren beschrieben.

„In des Leders Werdegang ist die Hauptsach der Gestank. Kalk, Alaun, Salz, Mehl, Arsen, machen’s gar, recht weiß und schön. Eigelb, Pinckel, Hundeschiete geben ihm besondere Güte. Drum ist es ein Hochgenuß, auf den Handschuh zart ein Kuß.“

Alter Gerberspruch.

Chromgerbung

Die Chromgerbung mit Mineralsalzen gibt es seit 1958, sie stellt heute die am weitesten verbreitete Gerbmethode dar.

Den ersten Schritt zu einem hochwertigen Endprodukt bildet bereits die Auswahl der Rohware. Rind- und Kalbshäute fallen als Abfallprodukt in Schlachthöfen an, wo sie von Geschäftsleuten aufgekauft werden, die mit diesen Häuten Handel treiben. Diese Häutehändler sortieren die erworbene Ware nach Geschlecht und Gewicht und sorgen durch Einsalzen und Kühlung für die Konservierung – ein grober Zuschnitt findet ebenfalls statt. Anschließend wird die Rohware an Gerbereien und Lederfabriken weiterverkauft.

„Trockenspeicher“ bei Gerberei Rendenbach. Bevor die fertig gegerbten Leder einzeln zur Trocknung aufgehängt werden, bei der werden sie mit einem speziellen pflanzlichen Öl bearbeitet.

Der erste Produktionsschritt ist die „Weiche“ im „Äscherfass“, einer großen rotierenden Trommel, die sich in der Wasserwerkstatt der Gerberei befindet. Hier wird den Häuten durch das Einweichen im Wasser der natürliche Wassergehalt zurückgegeben, und außerdem werden sie bei diesem Bad von Salz und Schmutz gereinigt. Anschließend folgt der „Äscher“ genannte Enthaarungsprozess, bei dem Kalk und Schwefelnatrium zum Einsatz kommen. Bei diesem Arbeitsgang, der circa 30 Stunden dauert, werden Eiweiße und Fette aus der Haut gewaschen. Das Ergebnis ist die „Blöße“, wie die enthaarte Haut genannt wird. Nun folgen mit dem Beseitigen des Unterhautbindegewebes die Entfleischung (Kantierung) jener Blöße sowie eine erste Beschneidung, bei der Beine und Schwanz entfernt werden. Jetzt wird die Blöße horizontal mit einem Bandmesser in einen Narbenspalt und einen Fleischspalt geteilt. Der Narbenspalt, auch Oberspalt genannt, wird für Oberleder verwendet, aus dem Fleischspalt wird Spaltleder, das zu Futterleder oder Veloursleder, manchmal auch zu Gelatine, weiterverarbeitet wird.

Oberleder-Rohäute werden im Faß gereinigt.

Hier werden die Farben der Oberledergerberei Hofmans angesetzt.

Nun erfolgt die eigentliche Gerbung. Sie wird ebenfalls in großen rotierenden Trommeln durchgeführt. Zuerst wird in der Entkälkung der Spalt von Kalk befreit und baut in einer Beize mit zugesetzten Enzymen Kollagen ab, um so die Haut auf die Aufnahme möglichst vieler Gerbstoffe vorzubereiten. Der Pickel genannten Vorgerbung werden Säure (Schwefelsäure und Ameisensäure) sowie Neutralsalze hinzugefügt, um den pH-Wert zu senken. Dann werden die eigentlichen Gerbstoffe beigegeben. Bei der Gerbung mit Mineralsalzen handelt es sich hauptsächlich um Chromsalze aus dreiwertigem Chrom, Aluminium- und Eisensalze. Bei diesem Vorgang lagern sich die kleinen Chrommoleküle gut in den Fasern und den luftigen Poren der Haut ein. Durch das Hinzufügen von Lauge bei der sogenannten Abstumpfung vergrößern sich die Chromteilchen und werden so in der Haut verankert. Dieser Prozess der Verbindung von Gerbstoff und Haut ist die eigentliche Gerbung, aus Haut ist nun Leder geworden. Die frisch gegerbten feuchten Leder werden durch das Chrom blau gefärbt, sie werden daher auch Wet Blue genannt – im Gegensatz zu Wet White, die durch die Weißgerbung entstehen und die insbesondere bei der Pelzgerbung zur Anwendung kommt, bei der nicht färbende synthetische Gerbstoffe und Aluminiumsalze eingesetzt werden. Beide Verfahren dauern bis zu 20 Stunden.

Auf der Abwelkpresse werden die nassen Leder zwischen zwei Filzwalzen entwässert und im Anschluss der Länge nach geteilt und je nach Dicke, Narben und Mückenstichen in Qualitätsstufen eingeteilt. Durch das Falzen wird das Narbenleder von Unebenheiten befreit und auf eine gleichmäßige Stärke gebracht. In einem Färbefass werden die Wet Blues in der Neutralisation von den Resten der Gerbsäure befreit und dann in der Nachgerbung und Färbung durch Zugabe weiterer Gerb- und Farbstoffe auf die Kundenwünsche eingestellt. So werden vorgegebene Parameter wie Farbe, Griffigkeit, Reißwerte, Elastizität und andere Eigenschaften erreicht. Hochwertige Leder bleiben so lange im Färbefass, bis sie komplett durchgefärbt sind. Abschließend wird durch die Beimischung von Fetten die erwünschte Weichheit erzielt. Durch die Beigabe von hydrophoben Fetten entstehen wasserabweisende Leder, die jedoch gleichzeitig Wasserdampf und Schweiß nach außen dringen lassen – was bei Lederkleidung und Schuhen für perfektes Wohlfühlklima sorgt. Die Kunstfertigkeit des Färbemeisters ist hierbei entscheidend. Zum Trocknen kommen die Lederhäute zuerst auf eine Ausreckmaschine, wo sie glattgepresst und auseinander gezogen werden, wodurch sich eine glatte Oberfläche ergibt. Jetzt legt man die Lederhäute auf eine 40 Grad Celsius warme Heizplatte, streicht sie glatt und trocknet sie unter Vakuum an, um die Fasern zu fixieren. Der letzte Trocknungsvorgang findet als Hängetrocknung in Trockenöfen statt.

Die Oberledergerberei bei Hofmans ist auch heute noch ein Knochenjob.

„Hängeversenk“ der Häute, dient als Vorstufe zur Gerbung in der Grube mit pflanzlichen Rinden und Früchten.

Durch die langsame Trocknung wird dem Leder genügend Zeit gegeben, die chemischen Reaktionen vollständig zu beenden, wodurch sich die zugesetzten Gerb- und Farbstoffe noch besser mit der Faserstruktur verbinden. Vor der Zurichtung werden die Leder durch Stollen, einen maschinellen Walkvorgang, weich geklopft und anschließend bei 90 Grad gebügelt und erneut glattgepresst. Das Leder wird jetzt als Crust bezeichnet.

Der erste Schritt der Zurichtung ist das mechanische Entfernen längerer Fasern auf der Rückseite durch Schleifpapier. Wird das Leder auf der Oberseite angeschliffen, entsteht Nubuk. Falls ein besonders weiches Leder gewünscht ist, kommt es in ein Millfass, wo es so lange gedreht und dadurch weich geschlagen wird, bis die gewünschte Weichheit erreicht ist. Das bekannteste gemillte Leder ist Nappa. Weitere Arbeitsschritte sind das Appretieren, wobei Imprägnierungen, Öle oder Wachse aufgetragen und schlecht gefärbte Stellen ausgebessert werden. Prägungen wie Scotchgrain oder Kroko-Imitat werden ebenfalls hier aufgebracht. Durch einen letzten Bügelvorgang, bei dem Glätte und Glanz nochmals gesteigert werden, entstehen besonders elegante Leder. Bei Ledern, die eher einer sportlichen Verwendung zugeführt werden sollen, wird darauf verzichtet.