Das große Kneipp-Gesundheitsbuch - Bernhard Uehleke - E-Book

Das große Kneipp-Gesundheitsbuch E-Book

Bernhard Uehleke

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Beschreibung

Natürlich - vielseitig - Kneipp

Das seit über 100 Jahren bewährte Naturheilverfahren von Pfarrer Sebastian Kneipp besteht aus viel mehr als nur klarem, kalten Wasser: Es verbindet die klassische Hydrotherapie mit der Phyto-, Bewegungs-, Ernährungs- und Ordnungstherapie. Mit einer Kneipp-Kur tun Sie Ihrem Körper und Ihrer Psyche auf natürliche Weise etwas Gutes – ob bei Stress am Arbeitsplatz, Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Rheuma oder einer Erkältung. 

  • Die 5 Säulen: Wasser, Heilkräuter, Bewegung, Ernährung und Lebensordnung
  • Schnelle Hilfe: Die besten Anwendungen bei über 30 gesundheitlichen Beschwerden
  • Alltagstauglich: Kneippen zu Hause – die wichtigsten Güsse Schritt für Schritt illustriert

Stärken Sie mit Kneipp Ihr Immunsystem und Ihr Wohlbefinden!

 

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Seitenzahl: 266

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Das große Kneipp-Gesundheitsbuch

Mehr als nur Wassertreten: Ganz einfach gesund mit den 5 Säulen der Kneipp-Medizin

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Bernhard Uehleke

6., überarbeitete Auflage 2022

60 Abbildungen

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist eine große Freude, dieses Buch mit einem Vorwort zu begleiten. Nach der 200. Wiederkehr von Sebastian Kneipps Geburtstag am 17. Mai 2021 erfolgt die vorausgesagte weitere Auflage – mit einigen kleineren Änderungen. Für den dann zu Ehrenden ist ein Exemplar aufgehoben, an dem er mit Sicherheit größten Gefallen findet.

Prof. Dr. med. Andreas Michalsen

Hervorzuheben sind die Exaktheit und die Breite der im Folgenden beschriebenen Verfahren und therapeutischen Möglichkeiten, war es doch immer in Kneipps Sinn, nicht nur eine Methode wie die gerne abgebildete Gießkanne als Allheilmittel zu verstehen, sondern die Kneipp-Therapie als ein komplexes und fein abgestimmtes Therapiesystem in der Medizin zu verankern. Welche der Therapiemodalitäten in welcher Situation und bei welchem Patienten optimal zu kombinieren sind, wird durch die in diesem Buch vermittelten Grundlagen in Verbindung mit praktischer Qualifikation und praktischer Erfahrung lern- und umsetzbar.

Dr. med. Rainer Stange

Dass das Buch höchsten Ansprüchen gerecht wird, liegt, neben einem engagierten Verlag, an dem kaum »zu toppenden« Autorenduo begründet: Prof. Dr. med. Hans-Dieter Hentschel (1921–2016) als Begründer und Mitgestalter der ersten Ausgabe dieses Werkes, das erstmalig 1999 erschienen ist, war in dieser Ära einer der ganz großen Kneipp-Ärzte weltweit. Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Bernhard Uehleke als langjähriger Wegbegleiter ist seit mehr als 30 Jahren einer der prägendsten Ärzte der Kneipp-Therapie. Seine breite, umfassende Publikationstätigkeit bürgt für eine auch kritische und zeitgemäße Interpretation Kneipp’schen Denkens und Handelns. Das Kneipp’sche Lehrgebäude steht wie kaum ein zweites für bewusste Gestaltung des Lebensstils zum eigenen gesundheitlichen Vorteil. Dazu sind Anpassungen an den vorherrschenden Lebensstil sowie die materiellen und geistig-kulturellen Bedingungen, kurz den gern zitierten Zeitgeist, notwendig. Dass insbesondere der Autor Uehleke sich mit der Einlösung dieses Postulats nicht nur Freunde machen konnte, spricht für ihn. Kneipp als schierer Traditionsverein – das war nie im Sinne des Nestors!

Viel Freude beim Lesen und vor allem Umsetzen wünschen Ihnen

Berlin, im Frühjahr 2022

Prof. Dr. med. Andreas Michalsen

Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin und Inhaber der Stiftungsprofessur für Naturheilkunde der Charité-Universitätsmedizin Berlin

Dr. med. Rainer Stange

Präsident des Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e. V. (ZAEN)

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Liebe Leserin, lieber Leser,

Das Kneipp’sche Naturheilverfahren

Einführung

Wasseranwendungen

Härten Sie sich ab

Heilkräuter

Bewegungstherapie

Ernährungstherapie

Ordnungstherapie

Gesunde Lebensweise

Übergewicht ist ein Risikofaktor

Der Organismus braucht auch Licht, Luft und Sonne

Gesundheitsempfehlungen für Kinder

Vor der Geburt

Neugeborene/Säuglinge

Kleinkinder

Schulalter und Pubertät

Gesundheitsempfehlungen für Frauen

Schwangerschaft

Wechseljahre und Folgezeit

Gesunde Lebensweise in der zweiten Lebenshälfte

Kneipp-Therapie bei Gesundheitsstörungen

Störungen im Bereich Herz und Kreislauf

Arteriosklerose und Bluthochdruck

Verschiedene Ursachen für erhöhten Blutdruck

Vorbeugende Maßnahmen

Koronare Herzkrankheit

Ordnungstherapie

Herzinsuffizienz

Niedriger Blutdruck (Hypotonie)

Venenleiden

Störungen im Bereich Atemwege

Erkältungskrankheiten

Vorbeugung und Abhärtung

Behandlung

Fieberhafte Erkältung

Chronische Bronchitis

Asthma bronchiale

Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)

Störungen im Magen-Darm-Bereich

Reizmagen, Appetitmangel, Verdauungsschwäche

Refluxkrankheit

Reizdarm

Nahrungsmittelintoleranzen

Entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)

Chronische Verstopfung (Obstipation)

Durchfall

Galle-Leber-Beschwerden

Hämorrhoiden

Störungen im Bereich Niere und Blase

Blasenentzündung (Zystitis)

Reizblase

Nieren- oder Blasensteine

Prostatabeschwerden

Störungen des Stoffwechsels

Erhöhte Blutfettwerte (Hyperlipoproteinämie, Hypercholesterinämie)

Starkes Übergewicht (Adipositas)

Bewegung

Lassen Sie sich nicht entmutigen

Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)

Erhöhte Harnsäurewerte (Hyperurikämie), Gicht

Störungen des Bewegungssystems

Schmerzen im Rückenbereich (»Bandscheibenleiden«)

Arthrose

Weichteilrheumatismus

Chronischer Gelenkrheumatismus

Bechterew’sche Erkrankung

Störungen im Bereich Nerven und Psyche

Erschöpfung durch Stress

Was kann man gegen Stress tun?

Härten Sie sich ab

Schlafstörungen

Depressionen

Kopfschmerzen und Migräne

Störungen im Bereich Haut

Neurodermitis und Allergien

Akne

Fußpilz

Vorbeugung und Behandlung

Praktische Hinweise zur Kneipp-Methode

Hydrotherapie

Kaltanwendungen fördern die Durchblutung

Kaltanwendungen gegen Stress

Kaltanwendungen stärken das Immunsystem

Die verschiedenen Anwendungsarten

Güsse

Bäder

Waschungen

Wickel und Packungen (Auflagen)

Dämpfe

Wassertreten, Tautreten, Schneegehen

Saunabaden

Heilkräuter

Zubereitungen

Kräutertee

Pflanzensäfte

Ätherische Öle

Empfohlene Heilpflanzen

Anisfrüchte

Arnikablüte

Artischockenblätter

Baldrianwurzel

Birkenblätter

Brennnesselkraut

Brombeerblätter

Brunnenkresse

Eichenrinde

Enzianwurzel

Eukalyptusblätter

Fenchelfrüchte

Fichtennadeln

Flohsamen/Indischer Flohsamen bzw. Flohsamenschalen

Heublumen

Holunderblüten

Hopfenzapfen

Ingwerwurzel

Johanniskraut

Kamillenblüten (Matricaria recutita)

Kampfer

Knoblauch

Koniferen (Fichtennadeln, Lärchennadeln, Latschen-/Kiefernnadeln)

Kümmelfrüchte

Kürbissamen

Kurkumawurzel

Lavendelblüten

Leinsamen

Lindenblüten

Löwenzahnkraut/-wurzel

Melisse

Minze

Mistelkraut

Nachtkerzensamen

Paprika (Capsicum-Arten, z. B. Cayennepfeffer)

Petersilienkraut/-wurzel

Pfefferminze

Rettich

Ringelblumenblüten

Rosmarinblätter

Salbeiblätter

Schachtelhalm

Schafgarbenkraut

Schlüsselblume

Sennesblätter/-früchte

Spitzwegerich

Thymian

Wacholderbeeren

Weihrauch

Weißdornblätter und -blüten

Wermutkraut

Zinnkraut

Zwiebel

Bewegungstherapie

Gehtraining

Jogging

Gymnastik

Radfahren

Schwimmen

Dehnübungen

Tanzen

Ernährungstherapie

Kohlenhydrate

Fette

Eiweiß

Kochsalz, Gewürze

Mineralien, Vitamine

Probiotika

Flüssigkeitszufuhr

Weitere Empfehlungen

Wertstufen der Lebensmittel

Frühstück

Zwischenmahlzeit am Vormittag

Mittagessen

Zwischenmahlzeit am Nachmittag

Abendessen

Vollwertige Kost bei Erkrankungen

Fastenkuren

Ordnungstherapie

Lösungs- und Atemtherapie

Autogenes Training

Droschkenkutscher-Haltung

Yoga

Sonnengruß

Liegender Schmetterling (Supta Baddha Konasana)

Schulterstand (Sarvangasana)

Krokodil (Makarasana)

MBSR – Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion

Kneipp-Kur

Wie komme ich zu einer Kneipp-Kur?

Kneipp-Heilbäder

Kneipp-Kurorte

Das Leben von Sebastian Kneipp

Autorenvorstellung

Sachverzeichnis

Impressum

© phokrates/stock.adobe.com |

Das Kneipp’sche Naturheilverfahren

Im ersten Teil des Buches machen wir Sie mit den Grundlagen des Kneipp’schen Naturheilverfahrens vertraut. Sie erfahren Wissenswertes über die »5 Säulen« und erhalten Gesundheitsempfehlungen für die verschiedenen Lebensabschnitte.

Einführung

Ist eine Anleitung zum gesunden Leben und zur Behandlung von Gesundheitsstörungen 120 Jahre nach dem Ableben Kneipps noch aktuell?

Kneipps Anleitungen sind von seinen ärztlichen Mitarbeitern und Nachfolgern in seinem Sinne weiterentwickelt und wissenschaftlich untersucht worden, sodass heute das Kneipp’sche Naturheilverfahren eine moderne Methode ist, die als Ergänzung gut zur modernen wissenschaftlichen Medizin passt. Seit 2015 sind die Kneipp-Verfahren auch als immaterielles Kulturerbe von der UNESCO aufgenommen.

Das Kneipp’sche Naturheilverfahren besteht aber bei Weitem nicht nur in der Anwendung von kaltem Wasser und dem Tragen von Sandalen. Es ist vielmehr ein umfassendes System zur Behandlung des ganzen Menschen, das sich aller Naturfaktoren bedient: Wärme und Kälte, Licht und Luft, Wasser und Erde (Löss, Lehm), Ernährung und Nahrungsenthaltung unter Berücksichtigung psychosozialer Aspekte. Anwendung milder und gut verträglicher Heilpflanzen, unter Berücksichtigung psychosozialer Aspekte. Zu Letzteren gehört vor allem auch eine gewisse Ordnung des gesamten Lebens unter Einschluss der Familie und anderer sozialer Gemeinschaften sowie der Umwelt.

Die umfassende Naturheilbehandlung nach Kneipp ist auch als das Kneipp’sche System mit seinen »5 Säulen« bekannt und daher wird in diesem Buch diese seit der Erstauflage vor über 20 Jahren bewährte Struktur beibehalten.

Wasseranwendungen

Heilkräuter

Bewegung

Gesunde Ernährung

Lebensordnung

Diese Behandlungsverfahren werden zur Erhaltung der Gesundheit und je nach Erkrankung und individuellen Gegebenheiten in unterschiedlicher Kombination angewendet. Auf diese Weise vermögen sie Körper und Psyche zu einem harmonischen Ablauf aller Funktionen zu bringen und deren richtiges Zusammenspiel zu fördern. Wenn jedes Verfahren, für sich allein angewendet, oft nur eine begrenzte und nicht besonders starke Wirkung erzielt, so können durch gleichzeitige Anwendung mehrerer Verfahren eine erstaunlich deutliche Stärkung der Gesundheit und eine Heilwirkung erreicht werden.

Ganz individuell

Die anhaltend große Beliebtheit der Kneipp’schen Naturheilweise in der Bevölkerung erklärt sich auch daraus, dass sie leicht, jederzeit und nahezu überall durchführbar ist und sich gut der Individualität des einzelnen Menschen anpassen lässt: Ob alt oder jung, ob gesund oder krank – jeder kann rasch selbst fühlen, wie Spannkraft, Wohlgefühl und Lebenslust zunehmen.

Früher hatten richtige Kneipp-Kuren eine große Bedeutung. Leider wurde das Kurwesen vor rund 25 Jahren aus politischen Gründen stark reduziert. In vormaligen Kneipp-Kuren wurden über mehrere Wochen täglich einige hydrotherapeutische und andere Naturheilanwendungen entsprechend dem vom Badearzt individuell verordneten Kurplan durchgeführt. Ein besonderer Vorteil einer solchen Kneipp-Kur war das gründliche Kennenlernen der Kneipp-Anwendungen, die man anschließend zu Hause selbst aktiv fortführen kann. Neuerdings fehlt es an Zeit und an der Finanzierung durch die Krankenkassen; daher bieten viele Kneipp-Kurorte nur noch sog. Schnupperkuren oder Wochenendkuren zum Kennenlernen der Anwendungen an. Selbst wenn dabei Wellnessanwendungen im Vordergrund des Angebots stehen, kann man sich von einem in Kneipp-Anwendungen erfahrenen Bademeister, Masseur oder Physiotherapeuten einige zur Selbstanwendung geeignete Kneipp-Anwendungen zeigen lassen. Leider verfügen aber nicht alle Physiotherapeuten über das Detailwissen und die Erfahrung mit Kneipp-Anwendungen. Dasselbe gilt erst recht für Ärzte – bei solchen mit der Zusatzbezeichnung »Naturheilverfahren« sollte ein grundlegendes Wissen vorhanden sein.

Man kann aber auch entsprechende Maßnahmen zu Hause erlernen, insbesondere durch Kurse in einem der 660 Kneipp-Vereine in Deutschland. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, regelmäßig entsprechende Maßnahmen zur Gesunderhaltung in den Tagesablauf einzubauen, um daraus einen erkennbaren Nutzen zu gewinnen. Bereits vor über 140 Jahren hat Sebastian Kneipp betont, dass jeder selbst für seine Gesunderhaltung und Wiedererlangung der Gesundheit verantwortlich sein sollte.

Dieses Buch soll dem interessierten Leser einen Einblick in die moderne Kneipp’sche Naturheilweise geben, ihm Ratschläge zur Erhaltung seiner Gesundheit und erfolgreichen Anwendung der Kneipp-Verfahren bei häufigen Krankheiten vermitteln. Bei der Gliederung wurde bewusst darauf geachtet, dass der Leser die ihn interessierenden Abschnitte schnell findet. Die bei einzelnen Beschwerdebildern vorgeschlagenen Maßnahmen werden jeweils ausführlich beschrieben.

Wasseranwendungen

Schon der Gedanke an einen Guss mit kaltem Wasser lässt manchen erschaudern. Kneipp’sche Kaltwasseranwendungen stellen aber eher eine Reiztherapie dar, bei der durch kurze Reize gesundheitsfördernde Mechanismen ausgelöst werden. Es geht also weniger um die Abkühlung des Körpers. Dadurch erklärt sich die auf den ersten Blick unglaublich klingende Liste von Erkrankungen, bei den Wasseranwendungen sich als hilfreich erwiesen haben.

Kneipp hat ein umfangreiches, aber übersichtliches Programm verschiedener Wasseranwendungen entwickelt. Es besteht vor allem aus Waschungen, Güssen, Wickeln und Bädern des ganzen Körpers oder einzelner Körperpartien. Dabei wird das Wasser nicht nur kalt, sondern auch im Wechsel von warm und kalt oder ausschließlich warm oder heiß angewendet. Nach Kneipps Vorstellungen sollten die Krankheitsstoffe dadurch aufgelöst, abtransportiert und ausgeschieden werden. Darüber hinaus sollte der Körper durch Kälte unempfindlicher gemacht, d. h. gegen Krankheiten »abgehärtet« werden.

Heute weiß man, dass insbesondere die kurz dauernden Kaltanwendungen gefäßtrainierend und durchblutungsfördernd wirken. Wenige Sekunden nach dem Kaltreiz ziehen sich die Blutgefäße der Haut zusammen, und die behandelte Haut wird zunächst blass. Anschließend kommt es aber schon bald zu einer zweiten Hautreaktion: Die Haut wird stärker durchblutet und färbt sich rosarot. Diese von Nerven und Hormonen gesteuerte »reaktive Mehrdurchblutung« (Hyperämie) hält einige Zeit nach der Kaltwasseranwendung an und geht mit einem angenehmen Erwärmungsgefühl einher. Es leuchtet ein, dass sich die Blutgefäße durch wiederholte Kaltanwendungen trainieren lassen. Sie »lernen«, auf den Kaltreiz besser, d. h. zweckmäßiger, zu reagieren, und es kommt zu einer abnehmenden Empfindlichkeit des Körpers gegen Kälte – zur Abhärtung.

Gleichzeitig wird durch dieses Gefäßtraining die Neigung zu Verhärtung und Verkalkung der Gefäße (Arteriosklerose) erheblich herabgesetzt. Auch die durch übermäßigen psychischen Stress verursachten Fehlregulationen der Durchblutung, oft erkennbar an Neigung zu kalten Händen und Füßen, lassen sich durch wiederholte Kaltreize recht wirkungsvoll beheben, was die Neigung zu Bluthochdruck mindern kann.

Angst vor kaltem Wasser?

Übrigens können auch kälteempfindliche Menschen Kneipp’sche Kaltanwendungen vertragen – wichtig ist, dass die ersten Anwendungen nur einige Sekunden dauern.

Wasseranwendungen können aber noch viel mehr: Warme Bäder – verstärkt durch entsprechende Kräuterzusätze – regen den Stoffwechsel an und wirken muskelentspannend, was gerade nach dem Sport oder bei Stress, aber auch bei rheumatisch veranlagten Personen nützlich ist. Mit der damit erreichten körperlichen Entspannung geht überdies eine psychische Entspannung und Beruhigung einher.

Härten Sie sich ab

Die bereits von Kneipp beschriebene Abhärtung des Körpers durch Wasseranwendungen konnte durch neuere Untersuchungen bestätigt werden: Diese haben gezeigt, dass die Erkältungshäufigkeit durch regelmäßig angewandte Kaltwasserreize, z. B. in Form von »Wechselduschen« (d. h. Kaltduschen der Beine nach dem Warmduschen), um die Hälfte abnimmt. Diese erstaunliche Erhöhung der Widerstandskraft des Organismus tritt allerdings erst nach mehrmonatiger und regelmäßiger Wasseranwendung ein. Die erhöhte Infektabwehr wird durch eine Anregung des Immunsystems und eine verbesserte Durchblutung im Nasen-Rachen-Bereich erklärt.

Womöglich noch bedeutsamer ist die »Abhärtung gegen Stress«. Während eine Kaltanwendung insbesondere bei nicht abgehärteten Menschen eine erhebliche und für den ganzen Körper belastende Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin zur Folge hat, steigen diese nach einer Kaltanwendung im Anschluss an eine mehrwöchige Kneipp-Kur in deutlich geringerem Ausmaße an als zuvor. Dieses Phänomen wird als Anpassung (Adaptation) bezeichnet und ist als Training des Organismus zu werten. Das Gute daran ist jedoch, dass diese Adaptation nicht nur gegen den Kaltreiz, sondern auch gegen andere Stressoren wie psychischen Stress und Ärger hilft: Nach einer Kneipp-Kur ist man gegen alle Stressoren abgehärtet! Damit erklärt sich auch der umfassende Erfolg der Kneipp-Kur bei völlig verschiedenen Erkrankungen, wie Magengeschwüren, Herzinfarkten oder überforderten »Nerven«, die jedoch alle den gemeinsamen Faktor haben: übermäßigen Stress.

Zeit für eine Kneipp-Anwendung ist immer

Kneipp-Anwendungen, insbesondere Güsse, z. B. ein Knieguss nach dem normalen Duschen, kosten uns nicht einmal eine Minute. So viel Zeit kann wirklich jeder täglich für seine Gesundheit aufbringen.

Wer glaubt, er müsse die Wasserkur recht strenge und ernst anwenden, der irrt.

Sebastian Kneipp

Heilkräuter

Im Gegensatz zu allen anderen Wasserbehandlern vor ihm – Vinzenz Prießnitz (1799–1851) dürfte der bekannteste gewesen sein – setzte Sebastian Kneipp bei der Behandlung seiner Kranken auch Heilkräuter ein. Kneipp behandelte manche Patienten, die Wasseranwendungen schlecht vertrugen, sogar ausschließlich mit Kräutern – nach eigener Aussage durchaus mit »bestem Erfolg«. Kneipp kannte die Kräuter bereits aus seiner Kindheit auf dem Land, wo seine Mutter als Kräuterkundige im Dörflein Stephansried bekannt war. Kneipp wendete keine gefährlichen, giftigen Pflanzen an, wie sie zu seiner Zeit in der Schulmedizin eingesetzt wurden, sondern empfahl nur »unschuldige« – heute: »mild wirksame« – Heilkräuter aus der heimischen Umgebung des Alpenvorlandes, die keine schwerwiegenden oder unerwünschten Nebenwirkungen aufweisen.

Die von Kneipp sorgfältig ausgewählten Heilkräuter sind u. a. in seinen Büchern »Meine Wasserkur« und »Mein Testament« genau beschrieben; insgesamt werden darin etwa 80 Heilpflanzen angeführt. Die Anwendung von Arzneipflanzen erfolgt in der modernen Medizin unter dem Begriff »Phytotherapie«. Das weltweit verfügbare Wissen über jede einzelne Arzneipflanze wurde gesammelt und von einer aus Ärzten, Apothekern und Chemikern bestehenden Expertengruppe im Auftrag des Bundesgesundheitsamtes bewertet. Diese sog. Kommission E bewertete um 1990 eine große Zahl von Arzneipflanzen: Bei den von Kneipp geschätzten Pflanzen konnten deren Wirksamkeit und Verträglichkeit in den von Kneipp genannten Anwendungsgebieten nahezu ausnahmslos bestätigt werden. In den Kräuterbüchern aus der Zeit der Klosterheilkunde finden sich hingegen für fast jede Heilpflanze ganz viele Anwendungsgebiete gemäß den Qualitäten der alten Säftelehre. Wie Kneipp allerdings gerade auf seine gezielteren organbezogenen Anwendungsgebiete gekommen ist, bleibt vorerst sein Geheimnis.

»Jahrelang habe ich mehr mit Kräutern als mit Wasser kuriert und dabei die schönsten Erfolge gehabt«, berichtet Kneipp im »Centralblatt für das Kneippsche Heilverfahren« der Internationalen Konföderation der Kneipp-Ärzte.

Bestimmte Heilkräuter haben keine Nebenwirkungen

Ein einzelnes Heilkraut enthält mehrere Inhaltsstoffe, die durch ein komplexes Zusammenwirken für milde, aber dennoch nachweisbare Wirkungen verantwortlich sind. Die Vielfalt der Inhaltsstoffe erklärt aber auch die ausgezeichnete Verträglichkeit: Schwerwiegende Nebenwirkungen sind bei den von dem »Kräuterpfarrer« Kneipp ausgewählten Heilkräutern nicht bekannt, selbst bei einer versehentlichen Überdosierung ist nicht mit ernsten Reaktionen zu rechnen.

Die ausgezeichnete Verträglichkeit und die sanfte Wirkung sprechen für die Anwendung von Heilkräutern bei leichteren Beschwerden sowie zur Vorbeugung und Gesunderhaltung. Auch bei chronischen Erkrankungen können Heilkräuter eingesetzt werden, um die Dosis von intensiver chemischer Medikation zu reduzieren. Obwohl sich die meisten Pflanzenarzneien für den Dauergebrauch eignen, wird in vielen Fällen eine kurmäßige Anwendung über einige Wochen bevorzugt und dann eine gewisse Pause eingelegt.

Heilkräuter können in Form von Tee, Saft, Pulver, Tabletten, Dragees und Kapseln eingenommen oder äußerlich als Salben, Cremes und Badezusätze auf die Haut gebracht werden, wobei die Haut für viele natürliche Wirkstoffe aus dem Pflanzenreich gut durchgängig ist. Die wohlriechenden ätherischen Öle, die aus Pflanzen destilliert werden, können aber auch inhaliert werden; überdies können sie bei der sog. Aromatherapie bereits in geringsten Konzentrationen über das eng mit dem Gehirn verbundene Riechorgan die Stimmung und das Befinden günstig beeinflussen.

Kräuter für die Hausapotheke wurden früher selbst gesammelt und getrocknet – damals jedoch stellte die Belastung durch Blei, Kadmium und Pestizide noch kein Problem dar. Weitgehend schadstofffreie Kräuter erhält man heute aus kontrolliertem Anbau. So kann man auf fertige pflanzliche Zubereitungen von spezialisierten Firmen zurückgreifen (z. B. Kneipp GmbH). Die hervorragende Qualität der Präparate wird durch hohen Aufwand bei Anbau, Ernte, Lagerung und Herstellung gewährleistet.

Informationen zur richtigen Auswahl und Anwendung sowie zu den individuellen speziellen Eigenschaften der einzelnen Heilkräuter finden sich in den jeweiligen Abschnitten dieses Buches.

Bewegungstherapie

Die von Kneipp ausdrücklich empfohlene körperliche Bewegung ist für die heute oft vernachlässigten körperlichen Funktionen des Organismus fast noch wichtiger als zu Kneipps Zeiten. Die gesunderhaltende Wirkung von ausreichend Bewegung bzw. Sport ist unbestritten.

Aber was ist ein der Natur des Menschen entsprechendes Bewegungsprogramm? Zweifelhaft ist, ob stundenlanges Joggen bis zur totalen Erschöpfung, womöglich auf hartem Asphaltboden und frühmorgens vor der Arbeit, als natürlich und gesund bezeichnet werden kann. Die unzähligen Meldungen über geschädigte Hochleistungssportler können eine Warnung vor einseitiger Übertreibung sein.

Der modernen Sportmedizin geht es in erster Linie darum, die Leistungsfähigkeit von Herz und Kreislauf allmählich zu steigern, um Schnelligkeit und Ausdauer bei verschiedenen Sportarten zu verbessern. Bei anderen Sportarten und in Bodybuilding-Zentren ist man bestrebt, Muskulatur anzutrainieren und die Kraftreserven zu steigern. Wenn es jedoch nicht um Leistungssport, sondern »nur« um die Gesunderhaltung und die Erhaltung der Fitness geht, reichen weitaus geringere Trainingsreize aus. Auch im Sinne einer Abhärtung gegen psychischen Stress können – analog zu den Kaltwasserreizen der Wassertherapie – kurze, aber ausreichend intensive Übungen ausreichen: Dabei darf man durchaus an die Grenze der Leistungsfähigkeit mit entsprechender Aktivierung der Herz- und Atmungstätigkeit kommen. Solche Übungsreize sind auch im täglichen Leben durch zügiges Treppensteigen über mehrere Stockwerke oder kurze Sprints zu Fuß oder mit dem Fahrrad ohne nennenswerten Zeitaufwand durchführbar, ohne dass man dadurch gleich völlig durchgeschwitzt ist.

Die aus der Sportmedizin stammende Regel, dass körperliche Belastungen mindestens eine halbe Stunde dauern sollten, führt tatsächlich zu einem intensiven Training von Herz, Kreislauf und Stoffwechsel. (Als Faustregel für diese Belastung gilt, dass man sich dabei noch miteinander unterhalten kann und die Herzfrequenz etwa bei 130 Schlägen pro Minute liegt, in höherem Lebensalter etwas darunter.) Andererseits ist vielfach erwiesen, dass kurz dauerndes, intensives Training, aber auch länger dauernde, mäßige Bewegung, z. B. zügiges Spazierengehen, den Körper ausgezeichnet in Form halten können. Unsere Vorfahren, egal ob Sammler oder Jäger, mussten sich auch so weit schonen, dass eine ordentliche Ausdauer möglich war.

Um überflüssige Fettreserven des Körpers abzubauen, ist deswegen ein länger dauerndes Bewegungstraining erforderlich, z. B. in Form von ausgedehnten Wanderungen und Radfahrten. Naturgemäß führt ein solches Programm nur dann zur gewünschten Gewichtsabnahme, wenn gleichzeitig über längere Zeit eine kalorienarme Ernährung eingehalten wird.

Eines haben neueste Studien in verschiedenen Ländern jedoch zweifelsfrei erwiesen: Durch eine Änderung der Lebensweise mit mehr Bewegung und einer kalorien- und fettbewussten Diät werden die Werte von Cholesterin sowie Fetten im Blut deutlich verbessert und das kreislaufschützende »gute Cholesterin« (HDL) vermehrt gebildet. Im Bereich der Herzkranzgefäße konnte sogar eine Rückbildung von bereits bestehenden Verkalkungen nachgewiesen werden.

Bewegung im Freien

Der Naturbewusste führt das Bewegungstraining nach Möglichkeit an der frischen Luft durch. In einer Gruppe kann dies noch mehr Spaß bringen, womit sich wiederum die Widerstandskraft gegen Stress erhöht.

Bei bestimmten Erkrankungen, z. B. akuten Rückenproblemen, oder nach einem Herzinfarkt sind unter anfänglicher krankengymnastischer Leitung spezielle Übungen erforderlich, die später allein fortgesetzt werden können.

Bei Rückenbeschwerden, die häufig auf zu vieles Sitzen in falscher Haltung zurückzuführen sind, ist jedoch ein aktives Training der Rücken- und Bauchmuskulatur vorzuziehen, das in den sog. Rückenschulen erlernt werden kann. Dies ist auf Dauer weitaus erfolgversprechender als auflockernde und muskelentspannende Massagen, die jedoch zur Einleitung der Bewegungstherapie durchaus nützlich sind.

Absolut falsch ist es im Allgemeinen, bei Rückenproblemen zu starke und zu lange Schonung in den Vordergrund zu stellen; besser ist regelmäßiges Training für die Rückenmuskulatur wie Gehen (auch Nordic Walking, Schwimmen, Reiten, Radfahren und Ähnliches).

Heute hat sich Yoga mit seinen vielfältigen Varianten und Übungen als ein besonders beliebtes Verfahren entwickelt. Dies dürfte nicht nur mit der Exotik eines aus Asien stammenden Verfahrens zusammenhängen, sondern vor allem damit, dass die Haltungen durch gleichzeitige Atemübungen mit der Psyche zusammenhängen und Yoga damit von gymnastischen Aspekten bis hin zur Meditation mehrere Möglichkeiten umfasst.

Ernährungstherapie

Man kann zwar überall lesen, wie wichtig eine richtige Ernährung für die Gesunderhaltung ist, es erscheint jedoch zweifelhaft, ob die Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft auch in die Praxis umgesetzt werden: Fast 20 Prozent der Jugendlichen in Deutschland haben bereits deutliches Übergewicht, mit zunehmendem Alter liegt der Anteil der Menschen mit schädlichem Übergewicht bei über 30 Prozent.

Dieses Problem war bereits Pfarrer Kneipp vor über 120 Jahren geläufig: Er sprach von »Hypotheken«, die die Menschen mit ihren Bäuchen umherschleppten. Kneipp erkannte aber auch, dass die Ernährung der armen Landbevölkerung gesünder war als die teure, gekünstelte und sehr fleischhaltige Ernährung der reichen Städter. Dies deckt sich weitgehend mit den Erkenntnissen der modernen Ernährungswissenschaft. Zu üppige Ernährung, insbesondere mit viel Fleisch und Wurst, erhöht die Entzündungsbereitschaft des Körpers. Viel gesünder sind Speisen aus möglichst naturbelassenem Getreide und Gemüse. Vorteilhaft ist außerdem, dass diese Produkte alle kalorienarm sind und viele Ballaststoffe enthalten, die ein schnelles Sättigungsgefühl hervorrufen. Die Ballaststoffe wirken außerdem einer Verstopfung entgegen und können den Cholesterinspiegel im Blut deutlich herabsetzen. Es wimmelt aber von widersprüchlichen Ratschlägen bezüglich der Aufteilung der Mahlzeiten. Derzeit werden z. B. verschiedenste Formen von Intervallfasten empfohlen, obwohl es dazu wenig Erfahrungen und keinerlei Studien am Menschen gibt. Schwere Mahlzeiten am Abend scheinen aus mehreren Gründen ungünstig, eine gewisse Regelmäßigkeit bei individuell bevorzugten Aufteilungen der Mahlzeiten scheint hingegen günstig zu sein.

Die wichtigsten sieben Punkte zur gesunden Ernährung

Mehr Gemüse, Obst und Vollkornprodukte

Weniger Fleisch, Wurst und Fett

Meiden von belastenden Kalorien: Zucker, Süßwaren, Limonade und Alkohol

Ausreichend trinken (1,5–2,5 Liter pro Tag, jedoch nicht ununterbrochen): Wasser, Mineralwasser, dünne Kräutertees

Pflanzliche Gewürze anstelle von Kochsalz

Möglichst regelmäßige und nicht zu häufige Mahlzeiten; in Ruhe genießen, gut kauen

Mäßigkeit anstatt einseitig-fanatischer Spezialitäten

Die Kneipp-Ärzte orientieren sich heute im Prinzip am Vollwertprinzip nach Prof. Dr. Werner Georg Kollath. Den meisten Menschen sind heute mehr Getreide- und Gemüseprodukte und weniger Fleisch und Wurst dringend anzuraten. Der alte Streit, ob Margarine oder Butter, ist heute weitgehend belanglos geworden, vorausgesetzt, dass es sich um schonend hergestellte Margarine aus wertvollen Grundstoffen handelt. Das Motto sollte lauten: Das Brot unter einem solchen Aufstrich sollte nicht zu dünn und möglichst aus grobem, dunklem Vollkornmehl gebacken sein. Der Belag sollte möglichst keine Wurst, sondern Quark, fettarmer Käse, Gemüse oder Fisch sein.

Die plötzliche Umstellung auf eine ausgesprochene körnerreiche Vollwertkost wird von vielen Menschen nicht problemlos vertragen und kann mit störenden Blähungen einhergehen. Insbesondere ältere Menschen sollten daher die vollwertige Kost nur mit allmählich zunehmenden Ballaststoffgehalt einnehmen, bis sich die Darmflora auf ein neues Gleichgewicht eingestellt hat.

Wenn du merkst, du hast gegessen, so hast du bereits zu viel gegessen!

Sebastian Kneipp

Ordnungstherapie

Die Ärzte der Antike haben die Rolle der Lebensordnung in sechs Lebensregeln zusammengefasst, und diese wurden von griechischen u. römischen Ärzten in den Mittelpunkt gestellt:

sinnvolle Nutzung von Licht, Luft und Wasser

ausgewogener Wechsel von Bewegung und Ruhe

maßvoller und kluger Gebrauch von Speise und Trank

richtiger Rhythmus von Wachen und Schlafen, Aktivität und Ruhe

Regulierung des Stoffwechsels

Kultivierung der Gemütsbewegungen

Mit Licht und Luft auf der nackten Haut hatte der katholische Priester seine Probleme, darum gibt es nur fünf Säulen nach Kneipp. Kneipp hat hingegen die Aspekte der Ordnung im Tagesablauf bis hin zur Lebensplanung erkannt und betont, dass alle anderen gesundheitsfördernden Maßnahmen nicht ausreichend greifen können, wenn die »Ordnung der Seele« nicht gegeben ist. Die Ordnung der Natur und die Lebensordnung waren ihm wichtig. Erst der naturheilkundliche Schweizer Arzt Dr. Bircher-Benner hat später den Begriff der »Ordnungstherapie« geprägt – sein Name wird heute aber eher mit seinem Körner-Müsli verbunden.

Psychische Belastung und Überlastung spielen heute als »Stress« (gemeint ist damit übermäßiger, schädlicher Stress, wissenschaftlich: Disstress) eine bedeutende Rolle. Als Folge können Erschöpfungserscheinungen, z. B. ein Gefühl des Ausgebranntseins (Burn-out-Syndrom), oder depressive seelische Verstimmungen auftreten, die sich auf ganz unterschiedliche körperliche Organsysteme niederschlagen. Die moderne psychosomatische Medizin bestätigt diese Zusammenhänge zwischen Psyche und Körper. Übermäßiger Stress kann durch geeignete Lebensführung in Grenzen gehalten werden. Darüber hinaus machen die oben genannten Wasseranwendungen und Bewegungsreize unempfindlicher gegen psychischen Stress.

Allerdings gilt es im Rahmen einer Lebensordnung, sich weder körperlich noch psychisch ständig bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit zu belasten, sondern Reserven zu bilden. Der Leistungsdruck im Beruf sowie übermäßiger Stress im sozialen Umfeld können durch geeignete Entspannungsverfahren aufgehoben oder zumindest gelindert werden.

Die Religion kann zwar auch als Stütze dienen, sollte jedoch nicht in einen sektiererischen Fanatismus ausarten. Mit dem Ziel der Selbstordnung ist auch künstlerische Betätigung zu empfehlen, beispielsweise in Form von Musik, möglichst auch aktiv durch Mitsingen im Chor oder Spielen eines Instruments. Das Lesen geeigneter Bücher kann zum seelischen Ausgleich beitragen. Ein Gespräch mit einem Freund oder einem psychologisch einfühlsamen Arzt, das Erlernen von Autogenem Training, lösungs- und atemtherapeutische Übungen unter kundiger Anleitung, die Teilnahme an Seminaren, das Gemeinschaftserlebnis in geeigneten Gruppen können zur Entspannung und besseren Stressverarbeitung beitragen und wertvolle Anregungen sowie Erkenntnisse über den eigenen Standpunkt vermitteln. So bieten körperlich oder auch psychisch ausgerichtete Entspannungsverfahren die Möglichkeit, Abstand von den Belastungen des Alltags und dadurch zu sich selbst zu finden. Neben altbewährten Entspannungsverfahren wie Muskelrelaxation und Autogenem Training werden heute eher Yoga und Meditation, insbesondere die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR), nachgefragt. Damit lässt sich eine Harmonisierung der Eigenheilkräfte und Ordnungskräfte erreichen.

Selbstheilungskräfte stärken

Sämtliche Kneipp’schen Naturheilverfahren haben das Ziel, die auch im psychischen Bereich vorhandenen Selbstordnungs- und Selbstheilungskräfte zu stärken und freizusetzen.

Der Mensch kann sich selbst im Sinne der Eigenregulation ordnen, wenn er dies wirklich will, sich Zeit nimmt und ggf. Hilfe sucht. Selbst bei seelischen Störungen fördern die Kneipp’schen Verfahren (5 Säulen) die Bereitschaft des Organismus zu einer gegebenenfalls durch den psychiatrisch erfahrenen Arzt unterstützten Selbstheilung. Regelrechte psychiatrische Erkrankungen bedürfen allerdings der fachärztlichen psychiatrischen Behandlung, die durch Kneipp’sche Verfahren ergänzt werden kann.

Die wichtigsten Verfahren, mit deren Hilfe man selbst entspannen kann, wie Meditation, Autogenes Training, Lösungs-Atem-Therapie sowie ausgesuchte Übungen aus dem Bereich des (Hatha-)Yoga, werden im hinteren Teil des Buches vorgestellt. Im Zweifelsfall sollte man verschiedene Verfahren ausprobieren, um zu sehen, welches für einen am besten passt – oft muss halt auch der »Lehrer« passen. Weitere Hinweise zu Möglichkeiten der Kneipp-Therapie bei psychischer Überlastung finden sich im Kapitel »Störungen im Bereich Nerven und Psyche«.

Erst als man ihre Seele in Ordnung gebracht hatte, konnte man den Körper heilen.

Sebastian Kneipp

Gesunde Lebensweise

Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern, wurde vor über 200 Jahren von dem großen Arzt Christoph Wilhelm Hufeland ausführlich in seinem Buch »Makrobiotik oder die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern« behandelt. Hufeland, später Leibarzt des preußischen Königshauses und Chef der Berliner Universitätsklinik (Charité) und führender Mediziner seiner Zeit, trennte das Thema Lebensverlängerung und Gesunderhaltung von der üblichen Heilwissenschaft ab. Seine kritische Meinung, dass Ärzte nicht allzu viel von Gesundheitspflege verstehen, stimmt heute noch insoweit, als die Vorbeugung gegen Krankheiten in Klinik und Praxis im ärztlichen Alltag noch nicht die gebührende Berücksichtigung findet. Andererseits ist heute die wissenschaftliche Erforschung der Einflüsse der Lebensweise weit vorangeschritten, denkt man an den Einfluss der Ernährung auf das Vermeiden oder Hinauszögern gewisser Erkrankungen, zum Beispiel auch des Krebses.

Alkohol reduzieren

Der jährliche Alkoholkonsum in Deutschland beträgt etwa 10 Liter Alkohol in 134 Litern Getränken pro Kopf. Berücksichtigt man überdies, dass viele Menschen gar keinen Alkohol trinken, andere hingegen umso mehr, darf man sich über die Häufigkeit von Erkrankungen der Leber und Bauchspeicheldrüse (Pankreas) sowie von Stoffwechselstörungen nicht wundern. Regelmäßige Tagesmengen über 20 g (Männer) bzw. 10 g (Frauen) Alkohol sind schnell erreicht, fast bei jedem fünften Bürger im Alter zwischen 45–65 Jahren! Weder Bier noch Wein sind für den regelmäßigen Konsum geeignete Getränke. Es besteht dann die Gefahr der Alkoholabhängigkeit.

Es gibt immer noch viele Raucher, obwohl die gesundheitlichen Gefahren des Rauchens jedem bekannt sind (siehe Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V., www.dhs.de).

Wenn heute übermäßiger Stress und die Umwelt als wichtige krank machende Faktoren beklagt werden, so dient dies oft als Ausrede dafür, dass man selbst nichts aktiv für die Gesunderhaltung tun will, was durchaus vergleichbar ist mit der genauso fatalen, im Mittelalter herrschenden Ansicht, Krankheiten seien von Gott als Strafe auferlegt. Heute ist bekannt, dass die schlimmsten Belastungen des Körpers durch »Rauchen, Saufen und Fressen« entstehen – bei den Jüngeren kommen Drogen mit ihren psychischen Folgen hinzu. Viele Menschen, die panische Angst vor Spuren von Formaldehyd, Dioxin und anderen Umweltgiften haben, übersehen, dass mit dem Zigarettenrauch millionenfach höhere Konzentrationen dieser Gifte eingeatmet werden. Davon sind leider auch die passiven Raucher (insbesondere die Kinder) betroffen. Der Zusammenhang zwischen Rauchen und Bronchialkrebs einerseits sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen andererseits ist eine längst erwiesene Tatsache. In Zukunft werden mehr rauchende Frauen von diesem – bisher vor allem Männer befallenden – Krebs betroffen sein, auch Herzinfarkte werden bei Frauen immer häufiger auftreten. Ausnahmen von Rauchern, die sehr alt werden, zeigen lediglich, dass unter bestimmten Voraussetzungen, die man noch nicht genau kennt, wenige Menschen gegen die Selbstvergiftung »resistenter« sind als die meisten.

Übergewicht ist ein Risikofaktor

Zu reichliche Ernährung in Verbindung mit Bewegungsmangel führt im Lauf der Jahre zu erheblichem Übergewicht, das einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellt und das Entstehen etlicher weiterer Krankheiten begünstigt. An dieser Stelle soll nur die Regulierung des Körpergewichts als weiteres Beispiel für eine selbstverantwortliche Gesundheitserhaltung erwähnt werden. In der heutigen Zeit mit vorwiegend sitzender Lebensweise sind weiterhin aktive Bewegung und entsprechende Übungen für die Erhaltung der Beweglichkeit notwendig.

Schließlich kommt es auch auf die Zusammensetzung der Ernährung an: Vegetarier haben ein deutlich verringertes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Vermutlich erklärt sich die vorbeugende Wirkung einer vegetarischen Ernährungsweise dadurch, dass eine chronische Verstopfung vermieden wird und zudem weniger darmreizende sowie entzündungsfördernde Stoffe eingenommen und im Darm gebildet werden. Unbemerkt verlaufende Entzündungen (silent inflammation) werden heute als Mitursache zahlreicher Erkrankungen diskutiert.

Die Anlage zu einem langen und gesunden Leben ist jedoch auch vererbbar. Menschen, die gesunde und langlebige Vorfahren haben, sind hierbei im Vorteil. Dennoch: Menschen, die ein »Erbe« in Form einer Anfälligkeit gegen bestimmte Erkrankungen oder eine Schwäche bestimmter Organfunktionen aufweisen, können sehr alt werden, wenn sie durch geeignete Gegenmaßnahmen diese Schwächen rechtzeitig ausgleichen. Hierzu werden in den nachfolgenden Kapiteln spezielle Anregungen gegeben.

Für die Gesundheit sind weiterhin wichtig: die Lebensplanung, die Ordnungstherapie und der Umgang mit Stress. Dabei spielen Aspekte der zwischenmenschlichen Beziehungen nachweislich eine bedeutende Rolle. So leben verheiratete Menschen länger als Singles. Eine feindliche Einstellung gegenüber den Mitmenschen führt hingegen zu Vereinsamung, Angst und Depression und wirkt sich negativ auf die Lebenserwartung aus. Anstatt ständig über die bösen Mitmenschen und den vielen Stress zu jammern, sollte man überlegen, was man für harmonische Beziehungen, gegen unterschwellig vorhandene Ängste und gegen übermäßigen Stress tun kann.

Das moderne Leben mit seinen einseitigen Belastungen trägt bei vielen Menschen zur Entstehung von Krankheiten bei. Die Leistungsbetonung stellt zumal für die psychische Entwicklung von Kindern eine große Belastung dar; es fehlt an natürlicher Bewegung als körperlichem Gegengewicht zur psychischen Beanspruchung. Aber auch die emotionale Entfaltung kommt in einer allzu sehr auf Höchstleistung und Konkurrenzverhalten ausgerichteten Gesellschaft oft zu kurz und fördert Unzufriedenheit, Aggressivität sowie krank machenden Stress.

Der Organismus braucht auch Licht, Luft und Sonne

Der Körper verfügt nicht ohne Grund über zahlreiche Temperaturfühler (Thermorezeptoren), welche dicht verteilt in der Haut liegen. Sie vermitteln den im Gehirn liegenden Temperaturregelzentren Informationen und greifen damit in die Durchblutung der verschiedenen Hautbereiche ein. In warmer Umgebung wird die Durchblutung der oberflächlich gelegenen Blutgefäße bis weit in die Extremitäten angeregt, während bei kalter Umgebung das Blut überwiegend in den tiefer gelegenen Adern zirkuliert und nur zeitweise in die Peripherie geleitet wird.