Das große GU Handbuch Gartengestaltung - Barbara Resch - E-Book

Das große GU Handbuch Gartengestaltung E-Book

Barbara Resch

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Beschreibung

Sie wünschen sich einen Garten, der ganz und gar Ihren eigenen Vorstellungen entspricht? Dazu brauchen Sie keinen Gartenarchitekten oder Landschaftsplaner – legen Sie einfach selbst los!  Ob großes oder kleines Grundstück: Dieses umfassende Grundlagenbuch begleitet Sie von der kreativen Ideenfindung bis zur Realisierung. In zehn übersichtlich gegliederten Kapiteln erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen, um Ihre Gartenträume zu verwirklichen – von Gestaltungsprinzipien und verschiedenen Gartenstilen über Kostenplanung, Vermessung und Bodenanalyse bis hin zur Anlage von Wegen, Teichen, Hecken, Beeten oder blühenden Wildblumenwiesen. Bei der Umsetzung helfen detaillierte und auch für Laien verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen, zahlreiche Illustrationen und zudem viele praktische Tipps, um typische Fehler zu vermeiden. 

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Seitenzahl: 492

Veröffentlichungsjahr: 2025

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IMPRESSUM

eBook: © 2025 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Grillparzerstraße 12, 81675 München

GU ist eine eingetragene Marke der GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, sowie Verbreitung nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages. Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG (»Text und Data Mining«) zu gewinnen, ist untersagt.

www.gu.de/kontakt|[email protected]

ISBN 978-3-8338-9799-3

1. Auflage 2025

GuU 8-9799 02_2025_02

DIE BÜCHERMENSCHEN HINTER DOROTHEAS PROJEKT

Verlagsleitung: Nadja Harzdorf-van Wickeren

Projektleitung: Jens van Rooij

Lektorat: Redaktionsbüro Wolfgang Funke, Augsburg, Rita Meixner

Bildredaktion: Esther Herr, Natascha Klebl (Cover)

Covergestaltung: ki36 Editorial Design, München, Sabine Krohberger

eBook-Herstellung: Evelynn Ruckdäschel

BILDNACHWEIS

Coverabbildung: Raphael Boos/Haus zum Nussbaum Lindau (www.gartenimpulse.de)

Illustrationen: Albrecht, Norbert; Janicek, Heidi; Resch, Barbara; Winz, Holger

Fotos: Baumjohann Bieker Bildagentur Waldhäusl/Arco Images/Diez Bildagentur Waldhäusl/Hauser Steffen Borstell Eddison Liz/The Garden Collection Flora Press/The Garden Collection/John Glover FotoMike1976 – Fotolia.com Funke GBA/Didillon GBA/Nichols GBA/Perdereau Modeste Herwig Modeste Herwig, Castel garden Neerrijnen Modeste Herwig, Chelsea Flower Show Modeste Herwig, Design: Chr. Bradley-Hole Modeste Herwig, Design: Erik van Gelder Modeste Herwig, Feng Shui Garden, Design: Pamela Woods Modeste Herwig, Hampton Court Modeste Herwig, Jayne Austin Modeste Herwig, Location: Fam. Kouwijzer, Design: Karin van den Hoven Modeste Herwig, Location: Fam. Rootselaar, Design: Karin van den Hoven Modeste Herwig, Location: Fam. Van Bekkum, Design: Dick Huigens Modeste Herwig, Location: Gardens of Appeltern, Design: Dick Huigens Modeste Herwig, The Savills Garden, Chelsea Flower Show, Design: Marcus Barnett, Philip Nixon Klock Krach Lammerting Lugerbauer Michael (Elie & Dianne Indeherberg-Zeelmaekers, Zolder/B), Design: Dina Deferme, Stokrooie/B) MMGI/Bennet Smith MMGI/Bennet Smith, Merriments Garden, East Sussex MMGI/Bob Gibbons MMGI/J S Sira MMGI/Marianne Majerus, MMGI/Marianne Majerus, Arabella Lennox-Boyd, William Pye / ‚A Garden for All Time‘, RHS Chelsea 2000 MMGI/Marianne Majerus, Ashlie, Su_olk MMGI/Marianne Majerus, Beth Chatto Gardens/Beth Chatto MMGI/Marianne Majerus, Borde Hill, West Sussex MMGI/Marianne Majerus, Bryan’s Ground, Herefordshire MMGI/Marianne Majerus, Claire Mee Designs MMGI/Marianne Majerus, Design: Andy Sturgeon MMGI/Marianne Majerus, Design: Ann Pearce MMGI/Marianne Majerus, Design: Anthony Paul Landscape Design MMGI/Marianne Majerus, Design: Bunny Guinness MMGI/Marianne Majerus, Design: Charlotte Rowe MMGI/Marianne Majerus, Design: Del Buono Gazerwitz LandscapeArchitect MMGI/Marianne Majerus, Design: Ian Kitson MMGI/Marianne Majerus, Design: Jeannine Sponville MMGI/Marianne Majerus, Design: Jilayne Rickards MMGI/Marianne Majerus, Design:Johan Debecker MMGI/Marianne Majerus, Design: Julie Toll MMGI/Marianne Majerus, Design: Laara Copley-Smith MMGI/Marianne Majerus, Design: Lynne Marcus, Gardens and Beyond MMGI/Marianne Majerus, Design: Lynne Marcus and John Hall MMGI/Marianne Majerus, Design: Mary Payne MMGI/Marianne Majerus, Design: Michèle Osborne MMGI/Marianne Majerus, Design: Niki de Saint Phalle MMGI/Marianne Majerus, Design: Penny Patton MMGI/Marianne Majerus, Design: Penny Snell MMGI/Marianne Majerus, Design: René Meyers MMGI/Marianne Majerus, Design: Sara Jane Rothwell MMGI/Marianne Majerus, Design: Susanne Blair MMGI/Marianne Majerus, Emma Plunket/Scotscape MMGI/Marianne Majerus, Fiveways Cottage MMGI/Marianne Majerus, Green Island Gardens, Essex MMGI/Marianne Majerus, Holly Barn/Declan Buckley MMGI/Marianne Majerus, Manor House Farm, Norfolk MMGI/Marianne Majerus, Scampston Hall Yorkshire MMGI/Marianne Majerus, Scampston Hall, Yorkshire/ Piet Oudolf MMGI/Marianne Majerus, The Daily Telegraph Garden, RHS Chelsea FlowerShow 2009 / Ulf Nordfjell MMGI/Marianne Majerus‚The Japanese Way’, RHS Chelsea 2004 /Maureen Busby MMGI/Marianne Majerus, The M and G Garden, RHS Chelsea Flower Show 2010 / Roger Platts MMGI/Marianne Majerus, The Manor House, Stevington, Bedfordshire / Kathy Brown MMGI/Marianne Majerus, Wendy Booth and Leslie Howell MMGI/Marianne Majerus, Wollerton Old Hall, Shropshire MMGI/Steven Gunther, Dry Design Los Angeles Phototom – Fotolia.com Reinhard: Resch Rogers Romeis Seidl Stocken Tomkins Nicola/The Garden Collection Strauß Timmermann Toman Ullstein bild Wikipedia.org www.gartenfoto.at

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WARUM UNS DAS BUCH BEGEISTERT

Ich kenne kaum ein Buch über Gartenarchitektur, das so anschaulich und anfängerfreundlich geschrieben ist und gleichzeitig so viel fundiertes Expertenwissen vermittelt.

Nadja Harzdorf-van Wickeren, Verlagsleitung

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

wie wunderbar, dass du dich für ein Buch von GU entschieden hast! In unserem Verlag dreht sich alles darum, dir mit gutem Rat dein Leben schöner, erfüllter und einfacher zu machen. Unsere Autorinnen und Autoren sind echte Expertinnen und Experten auf ihren Gebieten, die ihr Wissen mit viel Leidenschaft mit dir teilen. Und unsere erfahrenen Redakteurinnen und Redakteure stecken viel Liebe und Sorgfalt in jedes Buch, um dir ein Leseerlebnis zu bieten, das wirklich besonders ist. Qualität steht bei uns schon seit jeher an erster Stelle – jedes Buch ist von Büchermenschen für Buchbegeisterte gemacht, mit dem Ziel, dein neues Lieblingsbuch zu werden.

Deine Meinung ist uns wichtig, und wir freuen uns sehr über dein Feedback und deine Empfehlungen – sei es im Freundeskreis oder online.

Viel Spaß beim Lesen und Entdecken!

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WICHTIGER HINWEIS

Die Gedanken, Methoden und Anregungen in diesem Buch stellen die Meinung bzw. Erfahrung des Verfassers dar. Sie wurden vom Autor nach bestem Wissen erstellt und mit größtmöglicher Sorgfalt geprüft. Sie bieten jedoch keinen Ersatz für persönlichen kompetenten medizinischen Rat. Jede Leserin, jeder Leser ist für das eigene Tun und Lassen auch weiterhin selbstverantwortlich. Weder Autoren noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gegebenen praktischen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.

Der richtige Gartenstil

Was wünsche ich mir von meinem neuen Garten?

Unsere heutigen Gärten sind individueller und unterschiedlicher denn je. Gestaltet wurden sie von Gartenliebhabern und Designern, die in unserer modernen Welt leben, und sie entsprechen deshalb, auch wenn sie alte Traditionen zitieren, einem Stil der Gegenwart.

Neue Materialien zur Gestaltung und innovative Ideen, wie man Pflanzen miteinander kombinieren kann, verführen den Gartenplaner, diese Möglichkeiten kreativ auszuspielen. Die Gärten, die dabei entstehen, spiegeln den Lebensstil und den Geschmack ihrer Besitzer wider. Sie sind Ausdruck der Persönlichkeit ihrer Schöpfer. In Harmonie mit der Umgebung, der Architektur des Wohnhauses und den Gegebenheiten des Grundstückes präsentieren sie sich als individuelle, stilvolle Kunstwerke.

Bei aller Einmaligkeit lassen sich im Gartendesign jedoch auch Analogien erkennen, die es erlauben, einzelne Stilrichtungen zu benennen und die Gärten zu charakterisieren. Einem formal angelegten Garten liegt beispielsweise immer ein symmetrischer Entwurf zugrunde, während architektonische Gärten die Linien und Formen des Wohngebäudes aufnehmen. In einem naturnahen oder ländlichen Garten prägt vor allem die Bepflanzung den so typischen Stil.

Eine zarte Blütenpracht mit viel Liebe zum Detail zeichnet diesen romantischen Garten aus.

Vom Traum zur Realität

Mit dem Ideenreichtum Ihres Wünschekatalogs, diesen sollten Sie vor Ihrer Planung anlegen, haben Sie sich bereits eine Grundvorstellung über den Stil Ihres Traumgartens geschaffen. Blättern Sie durch Ihren Katalog, und Sie werden feststellen, ob Sie von einem repräsentativen, modernen, romantischen, südländischen oder einem natürlichen Garten träumen. Oder von jedem ein bisschen? Mein Wunsch ist, dass aus der Komposition vieler Inspirationen und Ideen ein stilvolles und atmosphärisches Gartenparadies entsteht. Indem ich Ihnen wichtige zeitgemäße Stilrichtungen in der Gartengestaltung vorstelle, möchte ich Sie in Ihrem Stilempfinden bestärken und Sie bei der Auswahl wichtiger stilprägender Gartenelemente unterstützen.

Mit Ihrem neu erworbenen Wissen können Sie abwägen, welcher Gartenstil Ihnen am meisten zusagt und gut zu Ihrem Grundstück und Wohnhaus passt. Sie legen fest, welche Ideen aus Ihrem Wünschekatalog Ihrem persönlichen Stil entsprechen – wie ein Architekt, der sich bei der Planung eines Gebäudes für einen Baustil entscheidet und diesen dann konsequent ausführt, sollte auch der Gartenplaner einen bestimmten Gartenstil wählen, den er dann individuell verwirklichen kann. Aber Gartenräume sind begrenzt. Auch wenn Sie viele Ideen und Wünsche haben, die Sie in Ihrem Garten verwirklichen wollen, müssen Sie Schwerpunkte setzen und Entscheidungen treffen.

Eine kleine »Stilgeschichte«

Kürzlich besuchten wir Bekannte, die uns stolz Ihren neu angelegten Garten zeigten. Wir waren sehr überrascht und erstaunt. Dem Garten fehlte es an nichts. Es gab einen Bauerngarten fürs Gemüse, einen Japangarten in Form eines Hügels, ein Koniferenwäldchen in der Mitte des Gartens, einen Steingarten vor der Terrasse, einen kleinen Pool hinter dem Japangarten und noch vieles mehr. Wir befanden uns inmitten einer Gartenschau auf kleinstem Raum und zugleich in einem botanischen Garten, denn auch die Pflanzenvielfalt war ganz enorm. Der Garten passte zum Wohnhaus, denn auch dieses war bunt und hatte viele Ecken und Türmchen. Also ein Garten »kunterbunt« zur »Villa Kunterbunt«.

Grundsätzliche Überlegungen

Nach den Grundregeln der Gartengestaltung lässt sich ein Entwurf entweder mit strengen geometrischen Formen oder mit geschwungenen Linien entwickeln. Die Formgebung und Linienführung wird bestimmt vom Stil, den Sie gewählt haben. Dieser beeinflusst auch die Wahl der Baumaterialien und Bodenbeläge. Mit Betonplatten ausgestattete Flächen in Ihrem Garten erzeugen eine moderne, sachliche Stimmung, während die Wahl von Klinkersteinen für Ihre Beläge eine eher mediterrane Atmosphäre schafft.

Üppig verwendete Pflanzen in vielfältigen Farben prägen den Stil eines Gartens ganz anders als eine reduzierte Bepflanzung, die lediglich durch Grüntöne, Textur und Blattformen wirkt.

Dekorative Gegenstände wie Gartenmöbel, Gefäße und Kunstgegenstände verleihen dem Garten das gewisse »Etwas«, sie unterstreichen den Gartenstil, drücken aber auch ganz besonders Ihren persönlichen Geschmack und Stil aus.

Stimmig und harmonisch wird Ihr Gartenentwurf dann, wenn dieser durch ein stilistisches »Hauptkonzept« geprägt wird.

Ein idyllischer, formaler Gartenraum, der viele typischen Stilelemente repräsentiert: axiale Symmetrie, geometrische Grundstrukturen sowie exakt formierte Gehölze.

Der formale Garten

Viele Häuser und Planungssituationen verlangen geradezu nach einer formalen Gartengestaltung. Deshalb ist der formale Garten der Klassiker schlechthin, auf den Gartenplaner immer wieder zurückgreifen.

Exakte Einfassungen, axiale und symmetrische Grundstrukturen, geometrische Formensprache, formierte Gehölze und geschickt platzierte skulpturale Elemente kennzeichnen diesen Gartenstil. Diese formalen Elemente passen sowohl zu einem modernen als auch zu einem klassischen Gartenentwurf. Ein Gestaltungsstil, der perfekte Lösungen für alle Grundstücksgrößen bietet, besonders auch für kleine und kleinste Gärten. Er ist für Sie einfach umzusetzen und bietet Ihnen die Möglichkeit, auch nur einen Gartenteil zu gestalten, einen Garten im Garten, zum Beispiel den Vorgarten oder den Rosen- und Kräutergarten.

Der formale Garten

ist ein Garten der Symmetrie

ist klar in einzelne Gartenräume gegliedert

er wirkt sehr harmonisch

ein Stil, der klassische Eleganz ausstrahlt

blickt auf eine lange Tradition zurück

bietet interessante Perspektiven

auch für kleine und kleinste Gartensituationen geeignet

Akkurat geschnittene Gehölze sorgen für Ordnung und Struktur im Winter

Formschöne Beete mit attraktiver Bepflanzung

Kies, Klinker und Naturstein sind typische Materialien

wichtiger Gestaltungsstil vieler klassischer, englischer Gärten

Besonders zur Barockzeit schmückten sich die Herrenhäuser mit prächtigen, geometrisch angelegten Gartenparterres.

Gärten als Demonstration der Macht

Im Zeitalter der französischen und italienischen Renaissance wurden in Europa prunkvolle Gartenanlagen erstmals im formalen Stil angelegt. Später, zur Barockzeit, perfektionierte der Hofgärtner König Ludwigs XIV., André Le Nôtre (1613 – 1700), die Geometrie formaler Anlagen. Er gilt als der Schöpfer des französischen Barockgartens, der maßgeblich die gesamte europäische Gartenkunst beeinflusste. Ein Stil, der die Natur in eine künstlich geschaffene Ordnung zwang und die prachtvolle Architektur der Schlösser und Herrenhäuser betonte. Viele dieser historischen Anlagen können wir auch heute noch bewundern, denn sie wurden mit viel Liebe nach den Originalplänen rekonstruiert. Sie sind augenfälliger Ausdruck des klassischen formalen Stils.

Formal angelegte Gärten wirken meist or dentlich und aufgeräumt. Sie sind, abhängig von der Ausgestaltung, klassisch elegant oder auch schlicht. Romantische Pflanzungen in zarter Farbgebung zaubern zusätzlich nostalgisches Flair in einen formalen Garten.

Gestaltungselemente im formalen Garten

Der Grundcharakter dieses Gartenstils ist seiner Formgebung nach geometrisch und übersichtlich. Er wird bestimmt durch Rechtecke, Quadrate und Kreise, aber auch durch Dreiecke, Sechs- und Achtecke. Variationen und Kombinationen all dieser Formen sind möglich. Die gestalterische Aufgabe liegt darin, das Grundstück in regelmäßige, geordnete Räume zu gliedern.

Symmetrische Achsen

Neben der klaren Formensprache ist die Symmetrie ein weiteres typisches Gestaltungselement des formalen Gartens. Sie bringt Ruhe und Ausgewogenheit. Eine Achse im Grundriss, beispielsweise eine Mittelachse, als Verbindung von Haus und Garten, kann die symmetrische Grundstruktur am besten verwirklichen. Entlang dieser Achse können vertikale Elemente, wie Hecken, Bäume oder andere Gestaltungselemente, spiegelbildlich angeordnet werden. Die Aufteilung eines Grundstücks kann natürlich in mehrere Haupt- und Querachsen erfolgen. Eine derart formale Gliederung der Fläche erhält die Großzügigkeit und Klarheit eines Gartens.

Die kleinste Gestaltungseinheit im formalen Stil ist eine nur paarweise symmetrische Anordnung. Zwei Buchskugeln etwa zu beiden Seiten eines Hauseingangs verleihen der Eingangssituation etwas Großzügiges und Vornehmes. Sie heißen den Besucher herzlich willkommen!

Eine moderne Skulptur ist der Blickfang in diesem kleinen, naturnahen Gartenraum.

Blickfang und Durchblicke

Mit der zentralen Achse als Gestaltungselement lassen sich in einem formalen Garten auf geschickte Art zwei Effekte erzielen. Zum einen ermöglicht sie eine symmetrische Anordnung, zum anderen lenkt sie gleichzeitig den Blick des Gartenbesuchers auf besonders schöne Blickfänge: zum Beispiel dekorative oder skulpturale Elemente, im Mittelpunkt, an Kreuzpunkten oder am Ende dieser Achse platziert. Sie fesseln das Auge des Betrachters und geben dem Garten durch ihre Präsenz seine besondere und individuelle Note. So kann beispielsweise eine immergrüne Skulptur aus Buchs oder Eibe, in fantasievoller oder geometrischer Form, ein optisches Highlight darstellen.

Skulpturen, ob klassisch oder modern, edle Gefäße, Springbrunnen und Wasserbecken, dekorative Bänke, eine Sonnenuhr oder gar ein Obelisk – all dies kann im formalen Garten als Blickfang positioniert werden. Bögen, Pergolen und Lauben schaffen verborgeneDurchblicke und machen neugierig auf mehr. Ein schmiedeeisernes Tor oder ein kleiner Pavillon erregen am Ende einer Blickachse die Aufmerksamkeit des Betrachters und schließen den Garten stilvoll ab.

Gartenräume

Architektonische Körper im formalen Garten – eine Pergola, ein Laubengang oder ein Rosenbogen – betonen Achsen und Wege. Als vertikale Gestaltungselemente schaffen sie gleichzeitig eine räumliche Atmosphäre im Garten. Hohe Mauern oder Zäune und dichte immergrüne Hecken umfrieden den Gartenraum und erzeugen die für diese Gärten so typische Stimmung.

Kombiniert man niedrige, immergrüne Sträucher wie Buchs oder Heckenmyrte mit Berberitzen, können solche kunstvollen Rautenmuster entstehen.

Gestaltung mit Pflanzen

In Form geschnittene Hecken, häufig aus immergrüner Heckenmyrte (der so beliebte Buchsbaum ist leider in vielen Landesteilen durch den Buchsbaumzünsler sehr gefährdet), Eibe, Stechpalme oder Liguster, flankieren Wege und Achsen und rahmen Beete und Rabatten ein. Sie betonen die formalen Strukturen, erzeugen ein Gefühl der Ordnung und zügeln üppige Beete, die etwa mit ausladenden Rosen oder Einjährigen bepflanzt sind.

Als Einfassung eignen sich auch Stauden wie das Heiligenkraut (Santolina) oder Lavendel (Lavandula angustifolia). Auch Funkien (Hosta) und Frauenmantel (Alchemilla mollis) können diese Aufgabe übernehmen.

Zwergbambusarten sind winterharte Exoten mit asiatischem Flair, die sich gut als ungewöhnliche Beeteinrahmung eignen. Allerdings sollten Sie bei der Wahl auf nicht wuchernde Arten achten!

Topiari – die Kunst des Formschnitts

Ab dem Zeitalter der Renaissance wurde die in Vergessenheit geratene Ars topiaria, die Kunst, Gehölzen einen formvollendeten Schnitt zu verleihen, wiederentdeckt. Überall in den formal gestalteten Gärten von Schlössern und herrschaftlichen Landsitzen fanden sich nun kunstvoll geschnittene Formgehölze. In den Barockgärten europäischer Schlösser entwickelte sich diese Kunst weiter zur Vollendung und war durch ihre ornamentale Wirkung wie geschaffen, den Glanz und die Macht des Hofes zu unterstreichen. Mit großer Akribie wurden beispielsweise Eiben etagenförmig geschnitten, sodass bis zu sieben Astreihen scheibenförmig übereinanderstanden.

Die Kunst, Gehölze zu formen, hat aber eine jahrtausendlange Tradition und wird schon in der Antike beschrieben. Auf vielen ägyptischen Wandmalereien, persischen Miniaturenoder römischen Fresken können wir kunstvoll geformte Pflanzen entdecken. Heute bieten Baumschulen ein großes Sortiment an fantasievoll in Form geschnittenen Buchsen, Eiben, Kiefern, Hainbuchen, Stechpalmen und anderen Gehölzen an.

Kunstvolle Knotenbeete

Knotenbeete bestehen aus Bändern von kunstvoll ineinander verschlungenen Pflanzen, wie zum Beispiel Buchs, Lavendel oder Heiligenkraut. An den Knotenpunkten, hier kreuzen sich die Heckenbänder, sind sie sorgfältig geschnitten, sodass sie unter- oder übereinander zu laufen scheinen. Schon vor Jahrhunderten eine kunstvolle Art, Beete zu gestalten, die aber auch in der heutigen Zeit, besonders in formalen Gärten, durchaus ihre Berechtigung hat und wieder sehr beliebt ist. Derart formschöne Beete kommen besonders dann gut zur Geltung, wenn Sie von einem erhöhten Standpunkt auf sie hinabblicken können.

Exotische Gäste aus fernen Ländern

Liebhaber mediterraner formaler Gärten experimentieren mit exotischen Pflanzen, die vor allem im Sommer den Garten aus seiner natürlichen Umgebung hervorheben. Zitrusbäumchen und Engelstrompeten, Palmen, Oliven- und Feigenbäumchen präsentieren sich in Reih und Glied – zum Beispiel entlang einem Weg aufgestellt – als Blickfang in schönen Pflanzgefäßen. Verzinkte Metallcontainer und eine puristische silbergraue Unterpflanzung erzeugen einen sehr modernen Effekt. Edle Terrakotten erinnern an den letzten Italienurlaub. Ab Ende Oktober allerdings gehören diese Pflanzen aus warmen Ländern in einen kühlen Wintergarten, denn sie sind in unserem Klima nicht winterhart.

Kugelform und Säule

Laubbäume wie der Kugelahorn (Acer platanoides ‘Globosum’) und die Kugelrobinie (Robinia pseudoacacia ‘Umbraculifera’) oder Eichen in Säulenform (Quercus robur‘Fastigiata’) bringen Raum und Form in den Garten, ganz besonders dann, wenn sie paarweise in Reihen oder als Allee gepflanzt werden. Zypressen präsentieren sich in schlanken Säulen und erzeugen mediterranes Flair. Verwenden Sie diese aber nur in sehr wintermilden Gegenden. Winterresistenter und beinahe genauso schön sind zu Säulen gezogene Smaragdthujen.

In meinem Garten rahmen zwei Kirschbäumchen (Prunus fruticosa‘Globosa’) unseren bevorzugten Sitzplatz im Innenhof ein. Im Frühjahr erwachen sie mit zierlichen weißen Blüten, im Sommer übernehmen sie die Funktion eines Sonnenschirms, im Herbst verfärben sich die Blätter feurig gelb und im Winter beeindrucken sie durch ihre kugelige Form. So bereiten sie uns das ganze Jahr über Freude.

Anmutige Hochstämmchen

Kleinere Hochstämme aller Art sind zierend und oft nützlich zugleich. Rosen-, Johannisbeer-, Stachelbeer- oder Ligusterstämmchen als Hochstamm gezogen säumen Wege oder bilden, als Solitär gepflanzt, den Mittelpunkt kleiner formaler Anlagen.

Bedeckt mit einer hauchdünnen Schicht aus Pulverschnee betonen diese immergrünen Kleinsträucher die aufgeräumte, formale Struktur im Winter.

Winterbilder im Garten

Besonders im Winter verleihen alle in Form geschnittenen immergrünen Pflanzen dem Garten Struktur. Die sonst dominierende Blumenpracht hat sich zu dieser Jahreszeit zurückgezogen und andere Laubbäume haben ihre Blätter abgeworfen. Viele Gartenbesitzer lieben ihren Garten zu dieser Jahreszeit ganz besonders, denn jetzt können sich die formschönen Gehölze ohne weitere Konkurrenz in ihrer schlichten Eleganz präsentieren.

Materialien im formalen Garten

Die Wahl der Materialien für den formalen Garten treffen Sie abhängig davon, ob Sie einen modernen oder traditionellen Garten kreieren wollen. Ganz entscheidend dabei ist Ihr persönlicher Geschmack.

Das Material beeinflusst den Stil – mediterran, rustikal, klassisch oder vornehm – Ihres formalen Gartens. Die Materialauswahl betrifft natürlich alle Elemente Ihres zukünftigen Gartens – dies beginnt beim Bodenbelag und endet bei der Dekoration. Eine Pergola aus verzinktem Stahl drückt Sachlichkeit aus, während ein mit Rosen berankter Rosenbogen aus Holz eher ein romantisches Flair erzeugt.

Naturstein und Beton

Einfach zu verwirklichen, klassisch, wenn auch nicht ganz pflegeleicht sind Wege und Flächen, die mit Kies oder Splitt bedeckt sind. Klinker, in verschiedensten Mustern verlegt, eignet sich gut für kleinere Gartensituationen. Klinker sind ein Belag mit warmem Farbton, der dem Garten einen englischen »Touch« verleiht, den Garten mit der entsprechenden Bepflanzung aber auch mediterran wirken lassen kann.

Mit Granitgroßsteinen können Sie Wege einfassen, auch solche mit einem Kiesbelag. Kleinstein aus Granit lässt sich ideal zu fantasievollen Mustern in Plätzen oder Wegen verarbeiten.

Großzügig mit Naturstein ausgestaltete Flächen und Plätze erzeugen moderne Strenge und Klassik. Wie viel Fläche Sie in Ihrem Garten mit Naturstein gestalten, hängt selbstverständlich auch von Ihrem Budget ab. Naturstein ist teuer! Imitate aus Beton sind dem Naturstein oft sehr ähnlich, aber wesentlich billiger.

Der architektonische Garten

Als architektonischen Gartenstil bezeichnet man eine Art der Gestaltung, bei der die Grundstruktur auf formalen Elementen beruht. Diese werden jetzt aber nicht mehr nur symmetrisch auf eine zentrale Achse bezogen angelegt, und die linke Seite muss nicht exakt deren rechte Seite widerspiegeln. Dennoch zeichnet sich der Entwurf eines architektonischen Gartens durch eine ausbalancierte Präzision aus. Im Grundriss entstehen geometrische Formen – erweitert um das Trapez, die Ellipse und das Oval – sowie strenge organische Formen. Die abstrakte Formensprache, die in modernen architektonischen Gärten den Ton angibt, hat ihren Ursprung in einer Kunstströmung des letzten Jahrhunderts, der konkreten Kunst und Malerei. Ihr wohl bekanntester Vertreter ist der holländische Maler Piet Mondrian. Ich bin sicher, dass sich einige kreative Gartenplaner bei der Entwicklung ihrer Ideen auf die abstrakten und geometrischen Muster seiner Malerei beziehen.

Gestaltungsprinzipien

Der architektonische Garten ist »eine Erweiterung des Wohnraums im Grünen«. Dabei nimmt er starken Bezug auf die Architektur des Baukörpers, dessen Raumkonzepte sich im Garten widerspiegeln. Das Haus wird in den Garten gebracht und umgekehrt. Lassen Sie die Architektur Ihres Hauses, die Linien, Raster, Kanten und Fluchten in Ihre Gartenplanung mit einfließen. Eine schnörkellose Architektur des Hauses verlangt zum Beispiel ein ebensolches Gartendesign. Besonders stimmig wird Ihr Gartenentwurf, wenn Sie diesen schon während der Planungsphase Ihres Wohnhauses entwickeln.

In der Form des Wasserbeckens, des Holzsteges und der Gabionen-Bank wiederholt sich die geometrische Formensprache.

Der architektonische Garten

klassisch, modern, repräsentativ, elegant

klare Linien und Formen

abstrakte Formensprache

Haus und Garten verschmelzen zu einer Einheit

Formgehölze und großzügige Rasenfläche

edle und klassische Materialien

moderne Baustoffe wie Sichtbeton und Edelstahl

Bühne für Kunstobjekte und Skulpturen

Auch mit modernem Sichtbeton lassen sich Gärten und ihre Raumwirkung strukturieren. Ob man die Bepflanzung dann eher sachlich oder naturnäher gestaltet, ist Geschmackssache.

Von Innen nach außen

Die Raumwirkung im Inneren des Hauses setzt sich im Garten fort, durch architektonische Formen, die offene, großzügige Gartenräume entstehen lassen. Geschnittene Hecken, geradlinige Mauern, Säulen und Pergolen fungieren im Garten als strukturgebende Elemente. Sie liefern Höhe und räumliche Tiefe und damit Dreidimensionalität. Repräsentative Wasserbecken oder Brunnen in klaren Formen gehören zu diesem Stil und bringen Lebendigkeit in die sonst oft nüchtern wirkenden architektonisch gestalteten Gärten.

Mit einem architektonischen Konzept der Gartengestaltung im unmittelbaren Bereich des Hauses gelingt Ihnen ein fließender Übergang; Haus und Garten verschmelzen so zu einer harmonischen Einheit, auch wenn entfernte Gartenteile in einem anderen Stil gestaltet werden.

Schöne Kontraste lassen sich durch die Bepflanzung erzielen – strenge Formen und moderne Materialien werden hier und da einfach durch farbenfrohe, ungekünstelte Stauden aufgelockert.

Pflanzen und Materialien

Die Einrichtung Ihres Hauses oder Penthouses sollte im Idealfall auch die Ausstattung Ihres Gartens prägen, setzen Sie dort die gleichen oder ähnliche Materialien wie im Haus ein, indem Sie beispielsweise den schönen Steinbelag im Innenbereich draußen in den Platten- und Pflasterflächen fortsetzen. Oder nehmen Sie eine mit Holz verkleidete Hausfassade in einer Terrasse aus Holz auf. Edle und klassische Materialien für den architektonischen Garten sind Naturstein, Holz und Kies. Besonders zeitgemäß wirkt ein architektonischer Garten allerdings, wenn er konsequent mit modernen Materialien gestaltet wird.

Moderne Baustoffe

Beton ist ein solcher moderner Baustoff und lässt sich stilvoll in künstlerischen Varianten für die Anlage eines architektonischen Gartens verwenden. Wählen Sie fein strukturierten Sichtbeton nicht nur für großzügig zu gestaltende Flächen, sondern auch für Mauern oder Pergolen. Damit erreichen Sie einen sehr reduzierten Effekt. Der Nüchternheit dieses Materials verleihen Sie mehr Lebendigkeit, wenn Sie es je nach Geschmack mit einer zarten oder grellen Farbgebung versetzen. Eine mediterrane Wirkung erzielen Sie beispielsweise mit Ziegelrot oder Ockertönen.

Stahl in der Gartengestaltung

Gabionen sind mit Steinen gefüllte Stahlkörbe – und nicht jedermanns Sache. Richtig eingesetzt, können sie aber den Garten gliedern, als Sichtschutz dienen oder Hänge terrassieren. Auch Cortenstahl – ein besonders widerstandsfähiger Stahl mit einer rostroten Oberfläche – ist ein moderner Baustoff und bereichert als Einfassungselement, als Sichtschutz oder in Form einer modernen Plastik einen architektonischen Garten. Mosaikfliesen, Glas und Plexiglas lassen sich gut mit anderen Baustoffen kombinieren und verleihen dem Garten eine individuelle Note.

Wasserbecken aus Edelstahl und moderne Gartenmöbel, korrespondierend zur Inneneinrichtung, betonen diesen Stil und tragen zu einem repräsentativen Gesamtbild des architektonischen Gartens bei. Der architektonische Garten offeriert durch seine großzügige Gestaltung freie Räume und Plätze, die moderne, zeitgenössische Kunstobjekte und Skulpturen stilvoll präsentieren.

Markant und formschön: Mit ihrem straff aufrechten Wuchs kann die Steppenkerze (Eremurus) in architektonischen Gärten reizvolle vertikale Akzente setzen.

Architektonische Pflanzen

Pflanzen mit architektonischem Charakter unterstreichen den klaren Entwurf der Gestaltung. Die Form der Einzelpflanzen korrespondiert mit den Linien und Kanten des Gebäudes. Dies sind immergrüne und Laub abwerfende Gehölze, aber auch Gräser und Stauden wie Säuleneiben (Taxus baccata‘Fastigiata’), die Säulenkirsche (Prunus serrulata‘Amanogawa’) oder das Reitgras, Calamagrostis acutiflora ‘Karl Foerster‘. Eine auffällige vertikale Struktur in Ihrem Staudenbeet erzeugt durch ihren straff aufrechten Wuchs zum Beispiel die Steppenkerze. Sie eignet sich damit zur stilbildenden Leitpflanze.

Flächige Pflanzungen

Horizontale Flächen im Staudenbeet entstehen durch Stauden wie die Schafgarbe mit ihren flachen, tellerförmigen Blütenständen. Immergrüne Gehölze in Form eines Würfels oder Quaders, geschickt auf einer Rasenfläche verteilt, wirken wie kleine dezentrierte Baukörper. Großflächige Pflanzungen aus Gräsern oder Stauden schaffen ebenso wie einheitliche Rasenflächen ein ausgewogenes und ruhiges Gartenbild. Geometrische Blattformen, ob rund, oval, spitz, lanzettförmig oder elliptisch, korrespondieren mit der architektonischen Formgebung.

Spannung erzeugen Sie, indem Sie den strengen architektonischen Entwurf mit einer weichen und ungezwungenen Bepflanzung durchbrechen. Dadurch entstehen schöne Kontrapunkte, die das ursprüngliche Design noch betonen – übrigens eine sehr zeitgemäße Art, Gärten zu gestalten.

Kleine Gartensituationen verlangen nach Ordnung, diese Dachterrasse erweitert sich so zu einem Wohnraum im Freien.

Für welche Gärten ist der Stil geeignet?

Der architektonische Gartenstil ist eine harmonische Weiterentwicklung der Architektur des Wohnhauses im Garten. Der Stil und die Bauweise des Hauses, geprägt von Materialien, Farben und Formen, wird im Garten fortgeführt. Deshalb ist das Konzept eines architektonischen Gartens nicht nur für Neubauten oder Häuser der klassischen Moderne bestens geeignet. Mit gutem gestalterischem Gespür lässt sich ein moderner architektonischer Garten spannungsvoll mit Altbauten und Häusern früherer Zeitepochen kombinieren. Architektonische Gärten haben eine klassische und elegante Ausstrahlung und repräsentieren den Geschmack des Besitzers.

Im urbanen Bereich, wo Architektur dominiert, lässt sich dieser Stil besonders gut verwirklichen. Kleine leere »Stadträume« im Freien wie der Innenhof, die Dachterrasse, das Penthouse oder der Gartenhof erhalten Struktur und werden zu eleganten und modernen bewohnbaren »Zimmern«.

Der minimalistische Garten

Minimalistische oder schlichte Gärten stellen ebenfalls eine sehr zeitgemäße Art der Gartengestaltung dar. Der typische minimalistische Garten ist reduziert auf klare Formen. Er strahlt Ruhe sowie moderne Eleganz aus und präsentiert sich in einem wohldurchdachten, stringenten Design. Besonders durch den Alltag gestresste Menschen werden in diesem Garten einen Ort der Entspannung und des Rückzugs finden. Sie können ihren Garten zudem ohne schlechtes Gewissen genießen, da auch der gärtnerische Pflegeaufwand »minimal« ist. Ein solcher Garten schmeichelt nicht nur dem Auge, sondern auch der Seele.

Das klare, strenge Garten-Design drückt sich in schlichten, aber edlen Materialien und monochromer, disziplinierter Bepflanzung aus.

Gestaltungsprinzipien

Die Wurzeln des minimalistischen Gartens reichen weit zurück. Bereits im Japan des 15. Jahrhunderts wurden entsprechend der Zen-Philosophie Klostergärten in diesem Stil angelegt: Der Geist soll durch Meditation einen Zustand der Leere und Vollendung erreichen. Zen-Gärten sind daher »leere« Gärten, sie bestehen nur aus Kies, Steinen und Felsbrocken. Das Enso, ein im Zen-Buddhismus heiliges Kreissymbol, steht für Erleuchtung, Stärke, Eleganz, das Universum und die Leere, ist aber auch das Symbol der Natur, weil es das Schema der ständigen Wiederkehr repräsentiert.

Der minimalistische Garten

er ist puristisch, reduziert auf das Wesentliche

ein Garten ohne »Schnick-Schnack«

er bietet Raum zum Entspannen

ist funktional und pflegeleicht

besitzt eine klare, geometrische Formensprache

dezenter Einsatz edler Materialien

geordnete Bepflanzung

einheitliche Pflanzenbilder durch Verwendung weniger Arten und Sorten

Minimalismus in der Moderne

Ein Zeitsprung ins letzte Jahrhundert führt uns zu dem berühmten deutschen Architekten Mies van der Rohe, dessen Bauwerke den minimalistischen Stil in der Architektur verkörpern. Von ihm stammt die berühmte Aussage: »Weniger ist mehr.«

Ludwig Mies van der Rohe

Architekt

(27. 3. 1886 – 17. 8. 1969)

Meist kubistische, hell verputzte Baukörper mit großflächigen Verglasungen verkörperten die klare, reduzierte Formensprache seiner neuen, modernen Architektur.

Für seine Gebäude entwickelte Mies van der Rohe Träger aus Stahlkonstruktionen, die eine große räumliche Freiheit in diesen ermöglichten. Der Architekt legte besonderen Wert auf ausgewogene Proportionen und wenige, aber ausgesuchte Materialien für seine Bauwerke. Das »Haus Tugend hat« im tschechischen Brünn (1930) repräsentiert eines der Hauptwerke der modernen Architektur.

Minimal-Art und Land-Art

Dieter Kienast (1945 – 1998), einer der berühmtesten europäischen Landschaftsarchitekten der Postmoderne, ließ sich beim Entwurf seiner Parks und Gärten von den abstrakten Kunstwerken des Minimalismus inspirieren. Die Bewegung der Minimal-Art steht für eine Kunstrichtung, in der Objektivität, Klarheit und eine reduzierte geometrische Formensprache vorherrschen. Kienast orientierte sich dabei an den Arbeiten des US-amerikanischen Malers, Bildhauers und Architekten Donald Judd (1928 – 1994). Dieser verwendete für seine Skulpturen reduzierte geometrische Grundformen wie Quader, Kuben und Kreise, die für überraschende Wechselwirkungen zwischen der Architektur des Ortes und dem Empfinden des Betrachters sorgten. Die Land-Art, eine mehr emotionale und gesellschaftskritische Bewegung, die Kunst mit und in der Natur inszenierte, war für Kienast eine weitere wichtige Inspirationsquelle. In der Kombination beider Strömungen fand er seinen unverwechselbaren Stil der Garten- und Landschaftsarchitektur.

Schlichtheit und Geometrie

Die Struktur eines minimalistischen Gartens wird auf wenige Linien und Formen reduziert. Häufig ist dabei das Rechteck in allen Variationen, es verleiht Terrassen, Sitzplätzen, Wasserbecken und Beeten ein einfaches, überzeugendes Design. Dekorative, schmückende Elemente oder Ornamente werden dagegen sehr zurückhaltend verwendet. Ein in sich ruhendes, skulpturales Element wie eine Plastik oder ein ausdrucksstarker Baum wirken für sich und benötigen kein weiteres zierendes Beiwerk.

Pergolen, erhöhte Wasserbecken, Brunnen, Sitzbänke, Treppen und Mauern präsentieren sich in stilvoller, dezenter Ausführung mit edlen Materialien. Oberstes Prinzip ist immer: »Weniger ist mehr«, jedes Element erhält Raum für die Wirkung.

Minimalistische Gärten wirken durch die reduzierte Bepflanzung klar und aufgeräumt.

Pflanzen im minimalistischen Garten

Pompöse Bepflanzungen und ein Mix an Materialien sind im minimalistischen Garten eindeutig fehl am Platz. Das Ziel sollte in jedem Fall sein, einen Garten zu kreieren, der durch seine Gediegenheit ein harmonisches Zusammenspiel von Raum und Proportionen ermöglicht.

Ein moderner minimalistischer Garten ist auch funktional; die Fläche, selbst im kleinen Garten, wird also optimal genutzt. Deshalb und aufgrund des geringen Pflegeaufwands schenkt er dem Gartenbesitzer viel Lebensqualität.

Gestalten mit Pflanzen

Freunde eines minimalistischen Gartens lieben Klarheit und Ordnung. Ein Stil, zu dem keine romantischen Rosenbögen und bunte Staudenrabatten passen. Oft ist die Bepflanzung reduziert auf einige Gräser, Hecken und Bäume, die, grafisch und symmetrisch angeordnet, die architektonische Sachlichkeit betonen.

Christopher Bradley-Hole ist ein bekannter Gartenarchitekt und ausgewiesener Experte des minimalistischen Gartenstils. Er sagt, man könne alle Pflanzen verwenden, müsse sich aber nur zurücknehmen, damit sie sich ins Gerüst des minimalen Gartens, den er mit einem »leeren Ausstellungsraum« vergleicht, perfekt integrieren lassen. Er beschreibt drei unterschiedliche Herangehensweisen, um mit Pflanzen im minimalistisch reduzierten Stil zu gestalten.

Diese drei Pflanzmethoden sind für jeden, der seinen Garten klar planen möchte, spannend und leicht umzusetzen, deshalb stelle ich sie Ihnen hier vor.

Pflanzmethode Nummer 1

Wählen Sie eine einzelne Pflanze, die durch ihren skulpturalen Charakter besticht. Dies kann ein ausgesuchter Solitärbaum sein, der in einem Innenhof als Skulptur fungiert. Mit relativ einfachen Mitteln können Sie so einen maximalen Effekt bei minimalem Pflegeaufwand erzielen.

Als attraktive Solitäre eignen sich die verschiedenen Sorten des Japanischen Ahorns (Acer palmatum). Sie bestechen durch ihren malerischen Wuchs und ihre filigranen, sich prächtig verfärbenden Blätter. Eiben und Kiefern in Form von überdimensional großen Bonsais beeindrucken durch ihre bizarre Gestalt und setzen damit asiatisch anmutende Akzente.

Pflanzmethode Nummer 2

Mit Pflanzen lassen sich schlichte geometrische Muster erzeugen und Räume im Garten bilden. Verwenden Sie dazu Pflanzen, die zu geometrischen Formen und Raum bildenden Elementen geformt oder getrimmt werden können. In Reihen gepflanzt, erzeugen beispielsweise höhen- und breitengestaffelte Hecken aus Eiben in feinen Grünabstufungen eine abstrakte Geometrie und Räumlichkeit. Diese Pflanzenbilder strahlen Ordnung, aber auch Ruhe und Harmonie aus.

Wenn Sie ein gutes Gefühl für Proportionen haben, können Sie Formgehölze, zum Beispiel Quader, Pyramide und Kugel, nicht nur streng geometrisch, sondern auch frei nach Gefühl gruppieren. Beachten Sie dabei aber immer die Regeln des Goldenen Schnitts, die auf Seite 56 erklärt werden.

Ein abstraktes Muster entsteht, wenn Sie Pflanzen wie Stechpalme, Eibe, Heiligenkraut oder Lavendel in geometrischer Form dicht an dicht in »Reih und Glied« anordnen. Einen ähnlichen Effekt können Sie mit Gräsern erzielen, die – in strengen Reihen gepflanzt – die klare Linienführung baulicher Elemente aufnehmen und verstärken.

Pflanzmethode Nummer 3

In der dritten Variante scheint der minimalistische Stil zunächst aufgebrochen, weil die Pflanzenbilder ungezwungen und natürlicher erscheinen. Die Pflanzung bleibt aber den oben erläuterten Prinzipien treu, weil kleinere oder größere Flächen idealerweise nur mit einer oder wenigen Pflanzenarten bepflanzt werden.

Stauden oder Gräser der gleichen Art, in Massen gepflanzt, erinnern an monochrome, also einfarbige Blumenfelder oder an die Savanne Afrikas. Durch die Kombination von wenigen, aber bedacht ausgesuchten Stauden und Gräsern entstehen »stilisierte Wiesen«. Mit dieser Art der Gestaltung durch Pflanzen bringen Sie Ihren Garten der Natur ein Stückchen näher. Übergänge in die Landschaft können harmonisch gestaltet werden. Schöne Beispiele hierzu finden Sie ab Seite 179.

»Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.«

Antoine de Saint-Exupéry

Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie mit Gräsern und Formgehölzen Gärten nicht nur begrünt, sondern in moderne Gartenräume verwandelt werden können.

Materialien im minimalistischen Garten

Arbeiten Sie ganz im minimalistischen Stil mit wenigen, aber ausgesuchten Materialien. Entscheiden Sie sich für eine gute Qualität und beachten Sie, dass die einzelnen Komponenten gut miteinander harmonieren. Großformatige Natursteinplatten, gestrahlt, poliert oder gesägt, sind edel, aber auch teurer als Sichtbetonplatten in feiner Struktur. Mit Kies oder Splitt gestaltete Flächen und Wege, eingefasst mit Stahlkanten, entsprechen ganz dem minimalistischen Stil. Holz in schlichter Ausführung, zum Beispiel für Terrassen, Decks und Zäune, bringt eine freundliche, natürliche und warme Note in Ihr Gartendesign.

Andere, moderne Materialien wie beispielsweise Edelstahl, Glas oder Acryl unterstreichen die in einem schlichten Garten gewünschte Strenge und Präzision.

Sie können die Materialien geschmackvoll, aber zurückhaltend miteinander kombinieren und Ihrem Garten damit eine persönliche und individuelle Note geben.

Für welche Gärten ist der Stil geeignet?

Allen Gartenbesitzern, deren persönliche Einstellung und Lebensphilosophie dem minimalistischen, schlichten Stil entspricht und deren Zeit für intensive Gartenpflege zu knapp ist, die Erholung und Entspannung in ihrem grünen Zimmer suchen, empfehle ich diesen Gartenstil. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie eine Dachterrasse, einen Innenhof, einen Stadtgarten oder einen Garten auf dem Land planen.

Der Cottage-Garten

Der Cottage-Garten ist ein bezaubernder und pittoresker Garten der alle Sinnen anspricht. Mit seiner üppigen und dichten Bepflanzung aus überreich blühenden, duftenden Rosen, holden Stauden, anmutigen Kletterpflanzen und immergrünen Gehölzen wirkt er auf uns romantisch. Aber auch Obstbäume, Beerensträucher, bunt angelegte Beete mit Kräutern, Gemüse und Blumen verleihen ihm einen ländlichen Charme – die Natürlichkeit seiner Bepflanzung lässt dabei die formale Grundstrukturen kaum erkennen. Der Cottage-Garten ist ein typischer Landhausgarten im englischen Stil.

Natürliche, einfache Materialien und üppige Blumenpracht spiegeln das ländliche Flair eines typischen Cottage-Gartens wieder.

Geschichte und Philosophie

Die ersten Cottage-Gärten finden wir im historischen England, in der Elisabethanischen Zeit. Die Regierungszeit von Königin Elisabeth I. (1558 – 1603) wird auch als das Goldene Zeitalter der englischen Geschichte bezeichnet. In dieser Epoche feierte die englische Renaissance ihren Höhepunkt und Englands Literatur erlebte ihre erste Blüte. Mit William Shakespeare betrat einer der größten Dramatiker der Welt die Bühne und feierte im Globe Theatre mit seinen Theaterdichtungen riesige Triumphe. In »Ein Sommernachtstraum« verewigte Shakespeare als »Landkind« sein Wissen über Cottage-Pflanzen. Hier spielt besonders das Stiefmütterchen eine wichtige Rolle, dessen Saft »geträufelt auf entschlafene Wimpern« Zauberkraft besitzt und bewirken soll, sich in den Nächstbesten zu verlieben – ein elisabethanisches England voller Lebenslust und strahlender Erfolge!

Der Cottage-Garten

traditionell, englisch, ländlich

gleicht einem impressionistischen Gemälde

üppige, bunte Blütenpracht

romantisches und nostalgisches Flair

wohnliche Gartenräume

Rosenbogen, Gartenlauben, Teehaus und Pavillon

ein Garten für alle Sinne

klassische Materialien in traditioneller Verarbeitung

Die nüchterne Realität

Doch fernab der königlichen Paläste und der Hauptstadt London lebte die Landbevölkerung oft nur von den spärlichen Erträgen ihrer kargen Ernte in tiefer Armut auf der Schattenseite des Lebens. Als Landarbeiter wohnten sie in schlichten, aus Lehm und Flechtwerk errichteten Häusern, den Cottages. Diese waren eingeschossig, hatten keinen Keller und besaßen im Erdgeschoss nicht mehr als zwei Räume. In der Mitte des größeren Raumes befand sich eine offene Feuerstelle; einen Kamin, durch den der Rauch abziehen konnte, gab es nicht. Das Dach wurde anfangs mit Stroh gedeckt, später ersetzte Reet das schnell verwitternde Stroh, das regelmäßig mühevoll erneuert werden musste.

Oft hatten die Cottages einen kleinen Stall, in dem zur Eigenversorgung meist Schweine untergebracht waren. Im Garten am Haus zogen die Landleute Futterpflanzen für das Vieh. Zur Ernährung der Familie wurden Gemüse und Wildkräuter angebaut und Obstbäume gepflanzt. Aus Blumen und Kräutern stellten die Frauen Nützliches und Schönes für den Haushalt her: Duftkissen für die Wäsche; heilende Arzneien und Blüten verwendeten sie, um Speisen und Getränke zu aromatisieren. Einjährige Blumen, wie die sich selbst aussäende heilsame Ringelblume, bereicherten Jahr für Jahr den eigentlichen Nutzgarten mit ihrer bunten und intensiven Farbenpracht. Die Gärten, die aus einem dichten Mix aus nützlichen Pflanzen um das Haus herum entstanden, dienten ausschließlich der Selbstversorgung der armen Landarbeiterschicht – hier liegt der Ursprung der ersten Cottage-Gärten.

In bunten Farben und gekräuselter Blüte versammeln sich hier Aurikeln in nostalgischer Züchtung.

Refugien für Pflanzenfreunde

Im 18. Jahrhundert entdeckten Kunsthandwerker und Händler vor allem in den Kleinstädten Nordenglands die Cottages für sich neu, sie waren inzwischen allerdings wesentlich komfortabler und von größeren Gärten umgeben. In ihnen wurden jetzt nicht mehr nur Nutzpflanzen angebaut, auch Pflanzen, die ganz besonders der Zierde dienen sollten, hatten Einzug in die Gärten gehalten. Zu diesen zählten auch die Tomaten, die spanische Eroberer im 16. Jahrhundert aus Mittel- und Südamerika nach Europa brachten. Zunächst pflanzte man sie aber nur zur Zier, lange Zeit herrschten Bedenken, die leuchtend roten Fruchtbälle zu essen.

Auch Bürgern der Mittelschicht, Ärzten und Geistlichen bereitete es Freude, die verschiedensten Blumen, wie Nelken, Aurikeln, Hyazinthen, Tulpen und Hahnenfuß, zu kultivieren, zu züchten und auszutauschen. Das Heranziehen zierender Pflanzen wurde immer mehr zum Hobby; es entstanden die ersten Pflanzenliebhaber-Gesellschaften, die sogenannten »Florist’s Societies«.

Künstliche Idyllen

Die Großgrundbesitzer und der Landadel errichteten zur gleichen Zeit herrschaftliche Häuser und legten großzügige, parkähnliche Landschaftsgärten an. Arme Weiler mit halb verfallenen Cottages, die es immer noch gab, passten nicht mehr zum feudalen Anspruch der oberen Gesellschaftsschichtenzur Verschönerung ihrer Umgebung ließen sie deshalb oft ganze Dörfer abreißen. An deren Stelle erbauten sie Kleinode mit architektonisch verspielten, märchenhaften Cottages; passend dazu wurden die Gärten gestaltet. Mit den neuen, schmucken Örtchen wollten die Landherren den wohlhabenden Besuchern aus der Stadt imponieren. So schufen sie eine idealisierte, romantisch ländliche Idylle. Sie verpflichteten sogar Dienstboten dazu, als Milchmädchen oder Bauernjungen verkleidet, die ländliche Kulisse als »Dorfbewohner« zu bevölkern.

Die Gärten der Marie Antoinette

1774 erhielt die französische Königin Marie Antoinette von ihrem Gatten König Ludwig XVI. ein Lustschlösschen, Petit Trianon, zum Geschenk. Die Königin ließ das Schlösschen nach ihrem Geschmack, im Stil des Rokoko, einrichten und flüchtete häufig dorthin, um der Strenge des Versailler Hofes zu entgehen. Hinter ihrer Fluchtburg ließ Marie Antoinette einen Englischen Garten anlegen, einen Park, der einer natürlich gewachsenen Landschaft glich, mit einzelnen Baumgruppen, einem Bachlauf und einem eigenen »Liebestempel«.

Zur gleichen Zeit propagierte der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778) ein einfaches Leben, das sich an der Natur orientiert. Er idealisierte und verklärte das Leben auf dem Lande, fernab der städtischen Gesellschaft; ein solches beschere den Menschen Freiheit und bringe ihnen die Schönheit der Natur nahe.

»Hameau de la Reine«, das Dörfchen von Marie Antoinette inmitten üppiger, natürlicher Pflanzenpracht.

Das einfache Leben einer Königin

Auch Marie Antoinette sehnte sich nach einem solch ungezwungenen Leben auf dem Lande. Deshalb ließ die Königin inmitten ihres Englischen Gartens ein schlichtes, idealisiertes Dörfchen erbauen, Hameau de la Reine (1783 – 1788). Mit seiner Mühle und seinen strohgedeckten Häusern glich es einer Ansammlung von Cottages; Rosen und Kletterpflanzen durften sich ebenso üppig und ungebändigt darin ausbreiten wie die Pflanzen in den Gemüse- und Blumenbeeten. Hier konnte die Königin ihre Sehnsucht nach einem romantischen Leben in ländlicher Idylle stillen. Natürlich hatte dieses Leben keine Ähnlichkeit mit dem wirklichen Landleben des 18. Jahrhunderts: Bei der einfachen Landbevölkerung rief das Hameau de la Reine Ärger hervor; die Menschen hatten kein Verständnis für die Königin, die mit silbernen Mistgabeln und Gerätschaften und Porzellaneimerchen »einfaches Leben« spielte, ja die Königin wurde regelrecht verachtet. Mit ihrem Englischen Garten in Trianon und den ländlichen Gärten von Hameau setzte Marie Antoinette aber ganz bewusst einen Kontrast zum Stil der streng formalen Versailler Barockgärten, der die Natur in exakte geometrische Formen zwang. Somit läutete sie im ausgehenden 18. Jahrhundert einen Stilwechsel in der französischen Gartenkunst ein.

Arts und Crafts

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts – im Zeitalter der fortschreitenden Industrialisierung – entwickelte sich in England und Schottland die »Arts-and-Crafts-Bewegung«. Ihr Wegbereiter ist der Maler John Ruskin; weitere berühmte Vertreter sind der Werkkünstler und Architekt William Morris sowie der schottische Innenarchitekt Charles Rennie Mackintosh. Ziel dieser schöpferischen Künstler und Designer war es, der handwerklichen Tradition (crafts) und einfachen, natürlichen Materialien – im Gegensatz zu industriell hergestellten Massenartikeln – wieder mehr Bedeutung zu schenken. Typisch für diese Zeit ist das Wiederaufleben der Textilkunst. Die Muster der handgeknüpften Teppiche und Wandbehänge sowie die der kunstvoll hergestellten Tapeten spiegelten Blüten und Formen der Natur wider.

Gertrude Jekyll (1843 – 1932)

Die berühmte englische Gartenkünstlerin Gertrude Jekyll war Malerin, studierte Farbenlehre, Ornamentik, Botanik und Kunstgeschichte. Sie pflegte auch die Kunst des Teppichknüpfens, des Holzschnitzens, des Stickens und des Silberschmiedens und war eine hervorragende Fotografin. Wegen ihrer nachlassenden Sehkraft konnte sie später nicht mehr malen und wandte sich dann dem Gärtnern zu. Sie hinterließ am Ende ihres Lebens mehr als 2000 Gartenpläne und plante mehr als 400 Gärten in England, Europa, aber auch für amerikanische Bauherren. Gertrude Jekyll ist Autorin von 15 Gartenbüchern, wie »Wood and Garden« (1899), »Home and Garden (1900)« oder »Colour Schemes for the Flower Garden« (1908), die zu den einflussreichsten Gartenbüchern des 20. Jahrhunderts zählen. Insgesamt veröffentlichte sie mehr als 1000 Artikel über Gärten und das Landleben und war ständige Mitarbeiterin der Zeitschrift »The Garden«. Im Jahr 1889 begegnete sie erstmals dem jungen Architekten Edwin Lutyens (1869 bis 1944), der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit in Form zahlreicher Gesamtkunstwerke von Haus und Garten.

Herausragende Gärten, die zu besichtigen sind:

Munstead Wood Garden, Surrey: Gertrude Jekylls eigener Garten, einer der berühmtesten Gärten in England. Ihr Haus wurde von Lutyens gebaut.

Hestercombe Gardens in Somerset, schönstes Beispiel der Zusammenarbeit von Jekyll und Lutyens, 1973 restauriert.

Hidcote Manor, Arts-and-Crafts-Garten in Gloucestershire; ein Klassiker der Gartengeschichte, sehr sehenswert.

Sissinghurst Garden in Kent, einer der bekanntesten englischen Gärten, inspiriert von Gertrude Jekyll, besonders sehenswert sind der Weiße Garten, der Lindenwandelweg und der Frühlingsgarten.

Barrington Court, East Anglia: Einer der letzten von Gertrude Jekyll entworfenen Arts-and-Crafts-Gärten mit einem abgesenkten Seerosengarten.

Englisches Haus und Garten ganz im Stil des Künstlerpaares Jekyll und Lutyens.

Gertrude Jekylls Pflanzenbilder

Der Geist dieser Bewegung entsprach der einfachen, aber überaus kreativen Lebensweise der Gertrude Jekyll. Die große englische Gartenkünstlerin schloss sich zusammen mit ihrem Freund und Kollegen William Robinson (1838 – 1935) den Arts-and-Crafts-Künstlern an. Die beiden Gartendesigner griffen traditionelle Strömungen auf und modifizierten sie zu eigenständigen, dem neuen Zeitgeist entsprechenden Kreationen. In ihren zahlreichen Zeitungsartikeln und Büchern machten sie den einfachen und natürlichen Gartenstil, den sie auf dem Land vorfanden, wieder populär. Teppichbeete aus Sommerblumen mit starrer Ornamentik, wie sie in der Viktorianischen Ära (1837 – 1901) beliebt waren, entsprachen nicht mehr ihren innovativen Vorstellungen. William Robinson trat für einen natürlichen und ungezwungenen Pflanzstil ein. Zu seiner Verwirklichung verwendete er einfache, winterharte und sich selbst aussäende Pflanzen. Gertrude Jekyll entwickelte diese Gestaltungsprinzipien, die bis heute an Modernität nichts verloren haben, weiter und schuf mit ihrem enormen Wissen über Pflanzenverwendung sowie ihrem künstlerischen Gespür für Farbkompositionen harmonische Pflanzenbilder, die an den Stil impressionistischer Maler erinnern.

Garten als Gesamtkunstwerk

Ihren aufgelockerten und wogenden Staudenrabatten setzte sie eine strenge Architektur entgegen. 1889 lernte Gertrude Jekyll den Architekten Edwin Lutyens kennen. Beide verband wohl wegen ihrer Seelenverwandtschaft eine langjährige Freundschaft. Auf ihren gemeinsamen Landausflügen ließen sie sich von der traditionellen Bauweise der Häuser und den einfachen bäuerlichen Gärten inspirieren. Aus ihrer fruchtbaren Zusammenarbeit gingen zahlreiche schlichte Landhäuser mit üppig bepflanzten Gärten hervor. Die roten Backsteinhäuser des englischen Architekten bildeten zusammen mit den prächtigen Gärten der Gertrude Jekyll einzigartige Gesamtkunstwerke, die wir teilweise noch heute besichtigen können.

Mit ihren natürlich wirkenden Pflanzenbildern wurde Gertrude Jekyll zum Vorbild vieler Gartengestalter, nicht nur in England, sondern weltweit. Der »Jekyll-Lutyens-Stil« löste in England eine Welle der Begeisterung aus. Es wurde zur Mode, aufs Land zu ziehen und alte Häuser liebevoll zu restaurieren. Die Gärten um diese Häuser waren nicht nur nützlich, sondern auch schön. Sie wirkten romantisch und trugen die Seele der Cottage-Gärten, wie wir sie heute kennen, in sich.

Ein klassischer Cottage-Garten in voller Pracht und Blüte: Lupinen, Fingerhut, Zierlauch und viele andere Stauden zaubern mit ihren leuchtenden Farben und majestätischen Formen eine romantische Atmosphäre und locken Insekten an.

Die Sehnsucht nach der Einfachheit

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden wir einen ähnlichen Trend wie die englische Arts-and-Crafts-Bewegung auch in Deutschland. Die Künstler um Otto Modersohn, Rainer Maria Rilke und Heinrich Vogeler zogen aufs Land und inszenierten als Worpsweder Künstlerkolonie ein Leben, das eine heile Welt in ländlicher Idylle idealisierte.

Das Bedürfnis nach Rückzug aus einer mit technischen Erneuerungen überfluteten urbanen Welt ist bei uns modernen Menschen des 21. Jahrhunderts oft sehr ausgeprägt.

Wir sehnen uns nach einem ungezwungenen und natürlichen Leben und besinnen uns wieder auf die Tradition. Diese Sehnsucht schlägt sich auch in einer traditionellen Gartengestaltung nieder, modernistische und strenge Vorgaben sind hier tabu. Der Trend zu nostalgischen Pflanzen und ländlichen Gartenanlagen ist nach wie vor ungebrochen. Dies mag erklären, warum Cottage-Gärten eine wahre Renaissance erleben und sich romantische Geschichten über »Aussteiger« in ländlicher Idylle millionenfach verkaufen.

Gestaltungsprinzipien

Auch wenn ein Cottage-Garten sehr natürlich aussieht und die Bepflanzung den Eindruck eines bunten Durcheinanders weckt, erfordert er eine sorgfältige Planung. Farbenfrohe Beete, Rosenbögen, Hecken und Kräutergärten entstehen nicht zufällig; Farbkombinationen, Formen und Strukturen sind wohlüberlegt. Aber lassen Sie sich nicht entmutigen, oft entstehen diese Gärten nicht nach einem endgültigen Plan, sondern entwickeln sich im Lauf der Jahre zu ihrer anmutigen Form.

Bei der Planung müssen Sie zwar keine strikten Regeln einhalten, doch gewisse Prinzipien sollten Sie beachten. Arbeiten Sie mit einem Entwurf, in dem sich Ihr Garten ungekünstelt und scheinbar natürlich entwickeln kann. Geometrische Linien und Formen bringen Ordnung in die ausladende Pflanzenpracht, künstlich hergestellte Kurven und Biegungen gibt es allerdings nicht. Die Anordnung der strukturierenden Elemente ist unregelmäßig und wirkt dadurch wie zufällig. Blumenbeete in weichen fließenden Linien befinden sich oft dicht vor dem Haus oder rahmen Rasen und Wege ein.

Gestaltungselemente im Cottage-Garten

Eine zauberhaft bewachsene Pergola können Sie fest mit dem Haus verbinden, den von Kletterpflanzen überwachsenen Laubengang frei im Garten errichten. Ein von Rosen umhüllter Kletterbogen zieht die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich und bildet einen Durchgang in andere Gartenbereiche. Der Gartenpavillon ist ein Blickfang, der »Sommersitz für Romantiker«, und lädt zum Nachmittagstee ein. Der Seerosenteich erinnert an den Garten des französischen Malers Claude Monet (1840 – 1926) in Giverny, antike Brunnen mit Wasserspeiern bringen Leben in den Garten und im klassischen Wasserbecken spiegelt sich die Blütenpracht der Staudenrabatten wider.

Möbel und Accessoires

Einfache Gartenmöbel aus Holz, hübsches Korbdesign oder verspieltes eisernes Mobiliar – auch lackiert – harmonieren mit dem Cottage-Stil. Mit Sommerblumen, Rosen, Immergrünen oder Exoten bepflanzte Ton- oder Steingefäße zieren den Garten ebenso wie antike Amphoren.

Hecken und Mauern

In Form geschnittene immergrüne Hecken und Klinkermauern trennen die »Gartenzimmer« voneinander und schaffen Räumlichkeit. Trennwände aus Spalierobst erfüllen nicht nur ihre Funktion, sie sind während der Blüte eine außerordentliche Zierde und laden später zum Naschen der reifen Früchte ein.

Hohe Hecken aus immergrünen Gehölzen – die den Proportionen eines großen Grundstücks entsprechen – frieden den Cottage-Garten ein und machen ihn zu einem schützenden Refugium.

Ländliche Vorgärten

Im formalen Stil, also mit strengen geometrischen Formen, lässt sich ein Cottage-Vorgarten sehr gut gestalten. Ebenso ein Innenhof oder ein Hofraum. Symmetrisch angeordnete Beete, zum Beispiel mit Buchs eingefasst, können bunt mit Rosen und Stauden oder elegant im gleichen Farbton bepflanzt werden. Da unsere Grundstücke gegenwärtig immer begrenzter werden, eignet sich der formale Stil bestens für kleine Anlagen im Cottage-Stil. Denkbar ist auch, einen romantischen Stadt- oder Vorstadtgarten in diesem Stil zu gestalten. All diese kleineren Gärten wirken ohne »geordnete Verhältnisse« unaufgeräumt und wüst.

Klassiker: der Bauerngarten

Selbst wenn Sie nur ein kleines Fleckchen Erde besitzen, lohnt es sich, einen eigenen Gemüse- und Kräutergarten, den eigentlichen Bauerngarten, anzulegen. Einem ambitionierten Gärtner wird ein solcher Garten sehr viel Freude bereiten, denn seine Arbeit und Mühe wird mit reichlicher Ernte belohnt. Ein wahres Erfolgserlebnis!

Früher war der Bauerngarten nichts anderes als ein umzäuntes Stück Ackerland mit Nutzpflanzen und Blumen in einiger Entfernung vom Wohnhaus. Ich rate Ihnen, dieses Gärtchen so zu situieren, dass Sie es von der Küche aus schnell erreichen können. Traditionell wird ein Bauerngarten im formalen Stil angelegt, wobei die Nutzbeete symmetrisch angelegt werden. Einen besonderen Charme erhält dieses Gärtchen, wenn sich Kräuter und Blumen ungezwungen selbst aussäen dürfen. Salate und Gemüse in den unterschiedlichsten Sorten, Blattstrukturen und Farben lassen sich in den Beeten kreativ miteinander kombinieren. Solche Anordnungen werden zur wahren Augenweide und selbst ein in die Höhe geschossener blühender Salatkopf zur Zierde.

Zäune gegen Eindringlinge

Eine Einfassung, zum Beispiel mit hübschen Elementen aus Eisen, betont die Struktur der Beete und gibt der Bepflanzung Halt und Ordnung. Ein Staketenzaun oder ein rustikaler Hanichel-Zaun schirmen den Bauerngarten vor unerwünschten Eindringlingen und »Naschkatzen« ab.

Allerlei für Naschkatzen

Vom zeitigen Frühjahr bis tief in den Herbst kann ich in meinem »Garterl« Gemüse, Salat und Kräuter ernten – garantiert frei von Pflanzenschutzmitteln. Einjährige, wie der Mohn, die Ringelblume und der Borretsch, dürfen sich frei aussäen und bilden schöne Farbkompositionen aus Rot, Blau und Gelb. Dahlien blühen im Herbst in allen Farben am Zaun und lassen sich zu wunderbaren Sträußen binden. In meinem Bauerngarten verstecken sich auch Naschpflanzen, wie Monatserdbeeren, Himbeeren und die Andenbeere. Besonders Kinder lieben diesen Garten zur Erntezeit!

Sollten Sie in Ihrem Garten keinen Platz für große Obstbäume haben, dann strukturieren Sie Ihren Bauerngarten doch mit Miniatur-Obstbäumchen, zum Beispiel mit Säulenäpfeln oder Birnenspalieren in U-Form.

Der Stil des Landgartens wird ganz besonders von der Wahl der Pflanzen geprägt. Er ist mehr ein Garten der Pflanzen als ein Garten der sachlichen Gestaltungselemente.

Gestalten mit Pflanzen

Mit dem Landhausgarten assoziieren wir in erster Linie Rosen, und zwar nicht moderne Beet- oder Strauch-Rosen in grellen Farben, vielmehr entsprechen »altmodische«, gefüllte Duft-Rosen und romantische Kletter-Rosen in zarten Farben dem Stil eines Cottage-Gartens. Der englische Rosenzüchter David Austin begann, Rosen zu züchten, die diesen Alten Rosen sehr ähnlich sind, aber die positiven Eigenschaften moderner Rosen besitzen. Sie blühen mehrmals im Jahr, duften und zeichnen sich durch eine robuste Gesundheit aus. Ein weiterer Vorzug dieser »Englischen Rosen« oder Austin-Rosen ist, dass sie sich – wie die Alten Rosen – gut mit anderen Gartenpflanzen kombinieren lassen, denn Pflanzenkombinationen sind im Cottage-Garten unverzichtbar. Einer gemischten Bepflanzung aus stufig aufgebauten Pracht-Stauden mit zierenden Gehölzen, in der englischen Gartenkunst nennt man eine solche Anlage »mixed border«, geben die Austin-Rosen durch ihren sanften Umriss und natürlichen Wuchs ein liebreizendes Aussehen.

Rosen, die Königinnen

Da der Trend zu nostalgisch anmutenden Rosen ungebrochen ist, haben sich auch einige große deutsche Rosenschulen auf die Züchtung stark gefüllter Rosen wie aus »Großmutters Rosengarten« spezialisiert und bieten ein reiches Sortiment aus »Romantica-Rosen« oder »Märchen-Rosen« an.

Diese Rosen sind wie die Austin-Rosen sehr gesund und widerstandsfähig und können nahezu ohne Pflanzenschutzmittel ihre volle Schönheit entfalten. Verwenden Sie doch für Ihren Garten diese »neuen«, unkomplizierten Rosen, die Natur dankt es Ihnen!

Ein empfehlenswerter Abkömmling der »alten Rosen« ist die Park-Rose ‘Fritz Nobis’ mit ihrer rosa Blütenfülle und ihrem unwiderstehlichen Apfelduft. Damit Sie diese Sinneseindrücke besser genießen können, pflanzen Sie die ausladende Sorte am besten an einen sonnigen Sitzplatz im Garten. Die hübsche, duftende, tief pinkfarbene Damaszener-Rose ‘Rose de Resht’ können Sie in Gefäße pflanzen oder auch als niedrige, zierende Heckenpflanze verwenden.

Sehr empfehlenswert ist eine Wild-Rose aus China, die Rosa hugonis oder Chinesische Goldrose. Diese mächtige Strauch-Rose überrascht als Erste im Frühjahr mit einer kaskadenartigen goldgelben Blütenpracht – geben Sie ihr einen guten Platz, damit Sie den Goldregen auch genießen können!

All diese Rosen lassen sich mit Stauden, Zwiebelgewächsen, kleinen blühenden Sträuchern sowie ein- und zweijährigen Blütenpflanzen wunderbar kombinieren.

So können Sie mit den barocken Blütenbällen von Hortensien oder Madonnenlilien, die mit ihrer edlen Schönheit und ihrem betörenden Duft auffallen, mit zwischen die Rosen gesteckten Zwiebeln von Tulpen und Dichternarzissen, mit Glockenblumen und Pfingstrosen in kräftigen und Pastellfarben, königsblauem Rittersporn, stolzen Königskerzen, stattlichen Stockrosen und dem nostalgisch anmutenden Tränenden Herz und vielen anderen bezaubernden Cottage-Pflanzen bunte und zugleich romantische Pflanzenbilder vom zeitigen Frühjahr bis tief in den Herbst hinein kreieren.

Kletternd umspielen Rosen in zarten Blütenfarben das Spalier an diesem Eingang und vereinen sich über der Haustür zu einem beeindruckenden Blumenarrangement.

Kletterpflanzen im Bauerngarten

Kletterpflanzen finden im Cottage-Garten großzügige Verwendung. Vertikale Elemente, künstlich errichtete oder natürliche, dienen als Rank- und Kletterhilfen: Pergolen und Laubengänge, Pyramiden und Schirme aus Holz oder Eisen, Bögen, Mauern und Wände mit Klettergerüsten, Säulen aus einfachen Ziegelsteinen, mit Holzstangen verbunden, ein alter Baumstumpf oder ein knorriger Obstbaum. Romantisch überwachsen mit üppig blühenden Pflanzen, sorgen sie für das so typische Flair. Geeignete Kletterpflanzen sind die Waldrebe oder Clematis und Kletter-Rosen wie die bewährte rosa Sorte ‘New Dawn’. Die englischen Rambler-Kletter-Rosen mit ihren langen, biegsamen Trieben und ihrer überreichen und oft schweren Blütenfülle dürfen im Cottage-Garten auf keinen Fall fehlen.

Lassen Sie Clematis in Kletter-Rosen hineinwachsen, dies ist eine sehr englische Pflanzmethode mit unschlagbar schöner Blütenkombination. Eine Anemonen-Waldrebe (Clematis montana rubens), die in meinem Garten in einen alten, maroden Zwetschgenbaum hineinwachsen durfte, ließ diesen jedes Frühjahr wieder zu neuem Leben in Rosa erblühen. Wilder Wein und Efeu sowie die Kletterhortensie erobern Gemäuer im Cottage-Garten auch ohne Kletterhilfen.

Der Zauber des blühenden Obstgartens lädt zum Träumen und Entspannen ein.

Obstbäume im Garten

Beerensträucher und Obstbäume dürfen in einem echten Cottage-Garten nicht fehlen. Manche Beeren, wie zum Beispiel Stachel- oder Johannisbeeren, sind auch als Hochstämmchen erhältlich. Diese können gut als Strukturelemente verwendet und sogar in Blumenbeete integriert werden. Der Weg zum Haus, zu beiden Seiten flankiert von Beeren-Hochstämmchen, ist eine reine Naschfreude, auch für Besucher. Wenn Sie keine Obstbäume mögen, weil sie zu viel Arbeit machen, dann wählen Sie doch nur einen und setzen diesen als Haus- oder Hofbaum ein. Das könnte eine Mostbirne oder ein Kirschbaum sein, beide zeigen schon im zeitigen Frühjahr ihre üppige weiße Blütenpracht. Der alte knorrige Apfelbaum darf im Garten überleben. Mit einer Clematis geschmückt, wirkt er liebenswert. Delikate Himbeeren können am Zaun wachsen, ein Spalier und sogar Hecken bilden. Aromatische und Vitamin-C-reiche Erdbeeren gehören in einem eigenen kleinen Beet ebenfalls in den Bauerngarten. Monatserdbeeren bringen vom späten Frühjahr bis in den Herbst hinein unvergleichlich süß schmeckenden Ertrag und sind auch als Bodendecker mit ihren zierlichen weißen Blüten und roten Früchten hübsch anzusehen. Bestimmte Sorten bilden dichte Teppiche, die wie eine Wiese wirken.

Die Streuobstwiese

Ökologisch wertvolle Streuobstwiesen sind sehr selten geworden, da sie für neue Siedlungen an Dorf- und Stadträndern Platz machen mussten. Heute zählt man die Streuobstwiesen zu den am stärksten gefährdeten Biotopen und jede Neuanlage wird von den Naturschutzämtern gefördert. Obstbäume gehören traditionell zum Landgarten und versorgen ganze Familien mit unbehandelten Früchten aller Art. Die Obstblüte im Frühjahr ist für uns eine reine Augenweide und für viele Insekten die erste Nahrungsquelle. Vielleicht motivieren Sie diese Aussichten – bei entsprechender Grundstücksgröße – eine Streuobstwiese anzulegen, vorausgesetzt, die Pflege-, Ernte- und Einmacharbeiten bereiten Ihnen Freude und stellen keine Belastung für Sie dar.

Für die Streuobstwiese eignen sich robuste, heimische und altbewährte Hochstämme. Halbstämme sind nicht typisch, aber einfacher zu beernten. Fragen Sie am besten in einer ansässigen Baumschule nach, welche Arten und Sorten für Ihre Lage geeignet sind. Pflanzen Sie Hochstämme nicht zu dicht, denn sie entwickeln sich zu großen, ausladenden Bäumen. Meine kleine »Streuobstanlage« ist auf der Blumenwiese hinter dem Bauerngarten entstanden. Sie besteht aus nur fünf Obstbäumen, zwei Apfelbäumen, einer davon die alte Sorte ‘Kaiser Wilhelm’, einer Birne, einem Kirschbaum und einem Zwetschgenbaum. Die Bestäubung funktioniert gut, denn auch in der Nachbarschaft gibt es genügend Obstbäume. Die alljährliche Ernte ist mehr als reichlich.

Hecken schaffen Räume

Schon früher dienten im traditionellen Landgarten Hecken als Zäune, um das Anwesen vor eindringendem und plünderndem Vieh zu beschützen. Wie damals finden wir auch heute Hecken aus schützenden und nützlichen Gewächsen wie Weißdorn, Holunder und Haselnüssen. Der Walnussbaum, einzeln oder in Reihen gepflanzt, markierte die Grenze zum Grundstück des Nachbarn. Eine imposante Art der Grenzbepflanzung, die bei heutigen Grundstücksgrößen kaum noch realisierbar ist.

Weniger imposant, dafür aber gut geeignet für kleinere Grundstücke ist die Hainbuche, denn sie bildet dichte und natürliche Sichtschutzhecken und passt gut zum Cottage-Garten. Gemischte Hecken aus blühenden und fruchtenden Gehölzen, hier darf der Flieder nicht fehlen, sind eine Zierde und bereichern jeden größeren ländlichen Garten. Hecken aus Wild-Rosen wirken sehr naturnah, ebenso Flechtzäune aus lebendigen Weiden, die weniger Platz benötigen.

Kleinere formale Bereiche im Garten werden mit Heckenmyrte oder Eiben-Hecken eingerahmt. Optisch ansprechende, immergrüne Hecken lassen sich mit der Stechpalme – auch sie ist gut schnittverträglich – gestalten. Sie besticht durch ihre glänzenden dunkelgrünen Blätter, die einen attraktiven Kontrast zu den tiefrot gefärbten Früchten bilden.

Als Bodenbelag für Wege oder größere Flächen, die mit Natursteinen eingefasst werden, ist Kies eine gute Wahl für den Cottage-Garten.

Gestalten mit Materialien

Natürliche, klassische und traditionelle Materialien begleiten die bunte Pflanzenpracht des Cottage-Gartens. Sitzplätze und Wege aus Klinker oder heimischem Naturstein bilden, in streng geometrischen Mustern angelegt, einen klaren Kontrast zur ungezwungenen und üppigen Bepflanzung. Aufwendig zu verlegen, aber sehr englisch und damit typisch für den Cottage-Garten sind Klinkersteine im Fischgrätmuster.

Kies als Bodenbelag

Kies ist als Bodenbelag für größere Bereiche, wie einen Innenhof, gut geeignet – eine natürliche, kostengünstige, wenn auch zugegebenermaßen pflegeintensive Art, Flächen auszuschmücken. Auch für Gartenwege, die stilvoll mit Naturstein eingefasst sind, ist Kies als Belag im Cottage-Garten immer passend.

Strukturierende Elemente

Klettergerüste und Zäune aus Holz unterstreichen die ländliche und natürliche Art der Gartengestaltung. Noch edler wirken Zäune oder Tore aus Schmiedeeisen, sie geben dem Garten eine nostalgische Note. Rosenbogen und Gartenpavillon präsentieren sich in Holz. Aus Eisen, Messing, matt, rostig oder lackiert, spiegeln sie den Geschmack des Gartenbesitzers wider.

Klinker- und Trockenmauern aus Naturstein gleichen Höhenunterschiede auf natürlich wirkende Weise aus. Mit zarten »Mauerblümchen« bepflanzt, wirken sie übrigens besonders anziehend.

Herrlicher Blick über eine Wiese mit heimischen Kuckucks-Lichtnelken (Lychnis flos-cuculi), die von Mai bis Juli blühen.

Naturnahe Gärten

Die uns umgebende Natur ist der Lebensraum für unzählige heimische Tier- und Pflanzenarten. Mit der Anlage eines naturnahen Gartens schaffen Sie sich einen persönlichen Lebensraum, der diese Natur verkörpert – Ihr Gartenraum wird dann zu einem »Mikrokosmos realer und imaginärer Naturräume«.

Ein Naturgarten bietet Platz für viele heimische Arten von Pflanzen und Tieren, er ermöglicht seinem Besitzer in und mit der Natur zu leben, vom Alltagsstress zu entspannen und neue Energie aufzutanken. Ein Naturgärtner kann seinen Garten das ganze Jahr hindurch mit allen Sinnen wahrnehmen und erleben.

Naturnah bedeutet, sich von der natürlichen Landschaft und von dem, was in ihrer Umgebung wächst, inspirieren lassen!

Theoretische Ansätze

Der niederländische Gartengestalter Henk Gerritsen (1948 – 2009) schuf mit seinem unglaublichen Wissen über Pflanzen und deren Lebensbereiche in der Natur, mit seinem Gefühl für Formen und Strukturen wundervolle Gärten, die uns zutiefst berühren, da sie uns der Natur wieder sehr nahe bringen.

Einen naturnahen Garten bezeichnet er als »geträumte Natur«. Weniger poetisch ausgedrückt, ist dies ein traditioneller Garten mit möglichst vielen heimischen Pflanzen.