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Dieses Buch über hermetische Astrologie entbehrt jeglichem Kommentar, da der Name des Autor Dr. Georg Lomer schon für sich selber spricht. Selbst Franz Bardon schätzte ihn sehr, da er die gleichen Lehren vertrat, wie der große Meister.
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Seitenzahl: 292
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Mein Dank geht an Peter Windsheimer für das Design des Titelbildes. Des Weiteren an Ariane und Michael Sauter.
Für Schäden, die durch falsches Herangehen an die Übungen an Körper, Seele und Geist entstehen könnten, übernehmen Verlag und Autor keine Haftung.
Vorwort
Dr. Georg Lomer
Zur Einführung
Sprüche
1. Du und das Weltall
2. Winkel und Wirkung
3. Die Straße der Götter
a. Das Feuer-Trigon oder der feuerige Dreifuß
b. Das Erd-Trigon oder der Erd-Dreifuß
c. Das Luft-Trigon oder der Luft-Dreifuß
d. Das Wasser-Trigon oder der wässerige Dreifuß
4. Vom Geheimnis des Kreuzes
5. Die Sonne und ihr Thron
6. Der Engel vor dem Throne
7. Die Symbolik von Licht, Element und Ton
8. Das Horoskop als Zeit- und Raumgleichnis
9. Von der kosmischen Nachbarschaft
10. Die Typen der vier Himmelspole
11. Zur Pathologie des zwölften Hauses
12. Von der Erschaffung und Gleichnis des Menschenkörpers
13. Die Geheimnisse der Gottmutter
14. Neptun, der Herr der großen Welle
15. Sternenweistum als Heimatreligion des Nordens
16. Uranus, der Herr der Wiedergeburt
17. An Mimirs Born
Wir veröffentlichen dieses Buch von Dr. Lomer nicht nur weil es sehr gut die hermetische Seite der Astrologie zeigt, sondern vor allem, weil Franz Bardon darauf in seiner ersten Tarotkarte mit folgenden Worten Bezug nimmt: „In den ältesten orientalischen Schriften werden die Elemente mit Tattwas bezeichnet. In unserer europäischen Literatur wird ihnen nur insofern Beachtung geschenkt, als auf ihre guten Wirkungen aufmerksam gemacht und vor ihren ungünstigen Einflüssen gewarnt wird; d. h. also, dass bestimmte Handlungen unter dem Einflüsse der Tattwas entweder unternommen werden können oder zu unterlassen sind. An der Richtigkeit dieser Tatsache ist nicht zu zweifeln, aber all das bisher Veröffentlichte weist nur auf einen geringen Aspekt der Elementewirkungen hin. Wie sich die Wirkungen der Elemente respektive der Tattwas für den persönlichen Gebrauch ermitteln lassen, ist zur Genüge aus astrologischen Werken ersichtlich.“
Dr. Lomer erwähnt nicht nur die Elemente, sondern er geht in seinem Werk noch ein wenig tiefer. Er erklärt dies jedoch mit Hilfe eines anderen Schlüssels, welcher dem Hermetiker, der an Astrologie interessiert ist, sicherlich in seinem Wissen bereichern wird.
Geboren kurz vor Mitternacht am 12. September 1877 auf dem kleinen Gute Loosten bei Wismar in Mecklenburg. 1896 Eintritt in die Kaiser-Wilhelm-Akademie zu Berlin. Im November 1901 Staats-Examen und Doktorprüfung. Februar 1909 Heirat. Februar 1914 Konflikt mit der Regierung, Austritt aus dem Staatsdienst, seit April 1917 Nervenarzt und Spezialist für Psychotherapie in Hannover.
Erste Veröffentlichung okkultistischer Art nach einer tiefgründigen inneren Wende 1913, dann fortlaufend über Graphologie, Spiritismus, Traumwissenschaft, Handanalyse, Astrologie. Seit April 1923 Schriftleiter der religiös-reformerischen Zeitschrift „Zum Licht!“ Erschütternde Erlebnisse führten seine innere Entwicklung völlig zur Mystik, wovon die Veröffentlichungen der letzten Zeit ein beredtes Zeugnis ablegen.
Es ist weder meine Absicht noch mein Ehrgeiz, auf diesen Blättern eine auch nur annähernd lückenlose Darstellung der praktischen Astrologie und ihrer Mittel und Wege zu geben. Auch will ich nicht dutzendfach Gesagtes zur weiteren Überfüllung des Büchermarktes wiederholen. Das Meer der astrologischen Erkenntnis ist uferlos, und es gibt nur einen wahrhaft vollkommenen Astrologen, das ist der allumfassende göttliche Eine, der grolle Himmelsmathematiker, an dessen Exempeln und Rätseln wir mangelhaften Sterblichen herumdeuten – und herumraten wie Kinder an einem unfassbar gewaltigen Kunstwerk.
Also kein neues Verfahren, eine Geburtsgestirnung zu berechnen, will ich lehren, – die bekannten sind vollkommen ausreichend. Auch keine neuen Deutungsregeln und „Direktionen“ geben als Ergänzung der in zahlreichen guten Lehrbüchern niedergelegten alten. Was ich hier bringe, sind lediglich großzügige Betrachtungen über die rechte Art, sich zu einem gegebenen makrokosmischen Geburtsschema einzustellen, es sozusagen sub specie aeternitatis: – Mit Ewigkeitsaugen anzusehen, kurz, zu zeigen, wie man das vielen unbewusst oder unfühlbar gewordene goldene Band zwischen Individuum und Weltall an der Hand astrologischer Begriffe wieder bewusst und fühlbar machen kann. Durch Vermittlung der an zahlreichen praktischen Beispielen aus Klinik und Leben erläuterten astrologischen Tatsachen wollen wir also zu einem Standpunkte gelangen, den man etwa als den einer neuen Theo-Astrologie oder Astro-Theologie bezeichnen könnte. Zu einem Standpunkte, der gleichwohl eines hohen praktischen Wertes für das Alltagsleben nicht entbehrt, ja, so recht geeignet ist es unter dem Lichte einer neuen, ungeahnten und dem Neuling wie Erfahrenen gleichermaßen höchst beglückenden Einsicht und Einheit zu verklären und zu adeln.
Dass durch diese, für unsere Zeit neuartige Betrachtungsweise manche heute unhaltbar gewordenen Anschauungen zu Fall kommen, ist unvermeidlich. Wir haben so viele Jahre auf trügerischem Fundament gelebt, dass der endliche Sturz uns nicht erschrecken darf.
Heil der neuen Geisteswelt, die heute heraufsteigen will! Heil dem Geschlechte, dessen Ohren fein genug sind, das Brausen des jungen Windes aus der Ferne zu vernehmen! Heil dem kommenden großen Mittag, da der mystische Phönix des heraufkommenden Wassermannzeitalters in Mitteleuropa zu nisten sich anschickt.
Dr. Lomer.
Ich schritt durch die Lüste und Listen des Tages und fragte nach dem verborgenen Sinn der brennenden Alltäglichkeit, – und hörte eine Stimme die Antwort flüstern:
Gott!
Ich ging durch Leiden und Bitternisse und fragte nach dem Sinn der Erschütterungen und des qualvollen Zerbrechens, – und hörte eine klare und hallende Stimme die Antwort rufen:
Gott!
Ich hob meinen Blick in die strahlenden Lichtabgründe des Himmels und fragte verzückt nach dem Sinne der kreisenden Weltsysteme. Und hörte im donnernden Brausen der Engelchöre immer nur die eine Antwort:
Gott!
Seitdem hat meine Seele das Geschwätz der langen Jahre vergessen und kennt nur noch das Eine, Heilige und Unsägliche Wort:
Gott!
Die Auseinandersetzung mit Gott bleibt keinem denkenden und fühlenden Menschen erspart. Fassen wir „Gott“ auf, als das Weltall mit allen seinen Kräften und Möglichkeiten, so handelt es sich also um die Auseinandersetzung des Einzelmenschen mit dem Weltall. Sie beginnt naturgemäß mit einer Frage.
Du trittst vielleicht in einer sternübersäten Nacht vor dein Haus und stehst überwältigt vor dem Glanze der Himmel. Du ahnst und fühlst ein höheres Ganzes, vor dem dein gebrechlicher Menschengeist in Ehrfurcht und Andacht verstummt. In diese Andachtsgefühle aber mischt sich wie von ungefähr die sehnsüchtig anklopfende Frage: „Was haben alle diese flammenden und flirrenden Welten mit mir zu tun? Wie stehen sie mit mir in Verbindung? Wo ist der goldene Faden, an dem ich mich zu ihrem Verständnis emportasten kann?“
Du wendest dich an einen unserer Astronomen und fragst. Was für eine Antwort gibt er dir?
Er gibt dir Zahlen und, wenn es hoch kommt, ein paar physikalische Tatsachen. Er spricht dir etwa von den Milchstraßensystemen des Weltenbaues und lässt dich einen Schauer anwehen aus den ungeheuren Raummaßen, in denen sich alle diese weltenfernen Dinge bewegen; du hörst, dass der Astronom Weltraumgegenden kennt, d. h. zu beobachten begonnen hat, deren Sternenlicht 100.000 und mehr Jahre braucht, um zu dir zu gelangen, dass der „nahe“ Fixstern Alpha Centauri in Wirklichkeit aus zwei ungeheuren Sonnen bestehe, hundertmal größer als die unsere, deren Licht noch immer über 4 Jahre braucht, um dein Auge zu treffen, und die vielleicht längst erloschen sind, wenn dieses dein Auge sie heute „sieht“. Du erfährst etwa, dass der Jupiter fast 12 Jahre zu seinem Umlaufe um die Sonne brauche; dass dann und dann zu einem genau berechneten Zeitpunkte eine Sonnen- oder eine Mondfinsternis zu erwarten sei, die total oder nicht total sei, die man in Amerika oder Australien beobachten könne; dass wieder einmal ein neuer Komet entdeckt sei, oder meinetwegen ein Sternnebel, der fortan den Namen des stolzen Entdeckers tragen dürfe. Kurz, Namen, Zahlen, Erläuterungen prallen an dein hungriges Ohr, aber sie stillen deinen Hunger nicht.
Nicht einmal verlässliche Wettervoraussagen für deine Saat und Ernte vermag dir die landläufige Astronomie oder ihre Zwillingsschwester, die Meteorologie zu versprechen. Und es ist schon viel, wenn sie sich herbeilässt, an der Hand ihrer Beobachtungen die Möglichkeiten eines Weltunterganges ernsthaft zu erörtern und – selbstverständlich – beruhigend zu verneinen.
Lohnt es sich wirklich, so fragen wir, teure Sternwarten mit ihrem gewaltigen Assistenten- und Instrumentenapparat zu unterhalten, um etwa den Durchgang der Venus oder die nächste Sonnenfinsternis zu berechnen, wenn uns dies und alles andere, was wir beobachten könnten, eigentlich persönlich gar nichts angeht?
Aber es liegt uns sehr fern, die wirklichen Verdienste der neueren Himmelswissenschaft ernstlich schmälern zu wollen. Mag sie auch in der kosmischen Psychologie, im Aufbau einer modernen kosmischen Beziehungslehre versagt haben, so hat sie doch die Himmelsgeographie und Himmels-Ethnographie, – um diese Ausdrücke zu prägen, – weitschichtig ausgebaut und uns merklich nahe gebracht. Die großartigen Planetarien, welche jetzt überall in Deutschland entstehen, sind dessen Zeugnis.
Sie hat uns auch die überwältigende Genauigkeit, die gleichsam technisch durchdachte Funktionstüchtigkeit aufgezeigt, mit welcher das himmlische Räderwerk stündlich und sekündlich ineinander greift. Und hat uns damit ein Mittel in die Hand gegeben, vergangene wie kommende Zusammensetzungen des Himmelsbildes zahlenmäßig einwandfrei zu errechnen und für andere Zweige der Wissenschaft (Geologie, Altertumsforschung usw.) dienstbar zu machen. Es ist immerhin ganz lehrreich, einiges von den seltsamen Zahlenverwandtschaften zu hören, auf die z. B. neuerdings Ruths in Darmstadt so eindringlich hingewiesen hat. So entsprechen 100 Umläufe des 1. Saturnmondes genau 7 Umläufen des 4. Saturnmondes, 40 Umläufe des Neptunmondes entsprechen gerade 27 des 3. Uranusmondes, und 27 Umläufe des Neptunmondes genau zweien des 8. Saturnmondes. Und so weiter in langer Folge. Der Uranus braucht zu seinem Umlauf um das Zentralgestirn 84 d. i. 7 mal 12 Jahre, der Jupiter nicht ganz 12 Jahre. Der Saturn etwas über 4 mal 7, nämlich etwa 29 Jahre. Bestimmte Zahlen kehren überhaupt mit auffallender Regelmäßigkeit wieder, so die 7, die 12, aber auch die 13. Und wie hier die Umlaufszeiten der Haupt- und Nebenplaneten (ihrer Trabanten) auf das Merkwürdigste miteinander verflochten sind und miteinander in Beziehung stehen, so verhält es sich, – dem heutigen Stande unseres Wissens gemäß, – mit dem ganzen sichtbaren Weltall. Überall Sonnensysteme, wenn auch sehr verschiedenen Aufbaues, überall Schwärme dieser höheren Einheit, die sich in grandiosem Reigen, zu neuen Großgruppen vereint, um zentrale Kraftpunkte schwingen. Riesige Weltallslinsen oder Spiralen, deren Tausende und aber Tausende die unergründlichen Himmelstiefen bevölkern und sich ihrerseits aus Milliarden von Sonnensystemen – bis heute sind ihrer etwa 35 Milliarden herausgerechnet und wie viele mögen es in Wahrheit sein! – zusammensetzen.
Alle diese Gebilde schweben und schwingen in kaum ausdenkbaren Entfernungen von uns und unter sich im „Raume“, den wir uns beileibe nicht „leer“ vorstellen dürfen. Er ist vielmehr der Mutterschoss sämtlicher Weltkräfte, und die Sonnen, die da in Schwärmen dahinjagen, sind nichts als die sichtbaren Verdichtungs- oder Kristallisationspunkte schwingender Kraftfelder, sind die sichtbar gewordenen Symbole ungeheurer Ätherwirbel, die von einer universellen Urkraft, einer Geistkraft gelenkt und bewegt werden.
Die Astronomie ist es, die uns den sichtbaren Leib dieser im größeren Teil für uns unsichtbaren Gottheit kennen lehrte. Was sie treibt, ist sozusagen beschreibende Himmelsanatomie, nicht mehr. Aber es ist die Anatomie eines lebendigen, ständig in brausender Bewegung befindlichen Leibes, und muss doch dazu mit sehr unzulänglichen, allzu irdischen Mitteln betrieben werden, deren Unvollkommenkeit das starke Selbstbewusstsein, die große Selbstsicherheit mancher ihrer Träger keineswegs rechtfertigt. Die fernsten Himmelskörper, von denen wir heute Kunde haben, sind so weit entfernt, dass ihr Licht Hunderttausende von Lichtjahren braucht, um zu uns zu gelangen. Was wir heute von ihnen erfahren, hat sich also vor hunderttausenden von Lichtjahren zugetragen, und niemand, d. h. kein Mensch weiß, ob sie heute überhaupt noch vorhanden sind. Selbst der nächste Fixstern, Alpha Centauri, ist über 4 Lichtjahre von uns entfernt. Wer sagt uns, dass sie heute überhaupt noch leuchtet und nicht längst erloschen ist. Ja, wir können noch weiter gehen und diesen Gesichtspunkt selbst auf unsere altvertraute Sonne anwenden. Wenn du, mein Leser, in diesem Augenblick in die Sonne schaust, so besteht theoretisch durchaus die Möglichkeit, dass sie in Wirklichkeit bereits seit sieben Minuten erloschen, also nicht mehr vorhanden ist; denn fast 8 Minuten braucht das Sonnenlicht zur Erde zu gelangen. Praktisch besteht jene Gefahr allerdings nicht; denn das Licht ist bei weitem nicht das einzige Band, mittels dessen Sonne und Erde verbunden sind und ein Untergang des Sonnensystems würde sich lange, lange vorbereiten und uns auf hundertfältige, unmissverständliche Art fühlbar werden. Auch Mutter und Kind bleiben ja lebenslang durch unsichtbare Bande innigst verbunden.
Jedenfalls zeigt uns obiger Gesichtspunkt zur Genüge, auf welchen anfechtbaren Voraussetzungen unser sogenanntes astronomisch-wissenschaftliches Weltbild beruht. Denn allen astronomischen Berechnungen liegt doch das Wellbild, wie wir es annehmen, zu Grunde, nicht wie es ist. Auch die Wissenschaft ist relativ, und was sie „objektiv“ zu nennen pflegt, ist in der Tat nichts anderes als eine erweiterte Subjektivität.
Der Sturz der alten astrologischen Weltanschauung wird immer hauptsächlich auf das umfassendere Weltbild zurückgeführt, das uns die neuere Astronomie beschert hat. Nachdem die Erde entthront und die Sonne in den Mittelpunkt des Systems gerückt war, schien für alle auf die Erde bezogenen Planetenwirkungen kein Platz mehr. Sie wurden als überwundener Aberglaube verfehmt. Es waren in der Einführung dieser – wie wir heute wissen – ungerechtfertigten Umwertung nun zwar auch unheilige politische Einflüsse am Werke, denen an einer Ablenkung der europäischen Intelligenz von den Quellen der Wahrheit und Erkenntnis zu tun war; näher darauf einzugehen ist hier nicht unsere Aufgabe und Absicht. So weit jener Umschwung in der wissenschaftlichen Meinung aber ehrlich war, stützt er sich auf zwei nicht tragfähige Voraussetzungen. Erstens auf die stillschweigende Annahme, dass alle auf die Sonne als Mittelpunkt gestellten Berechnungen mehr Anspruch auf absolute Gültigkeit besäßen als jene, welche die Erde als Mittelpunkt annehmen. Man übersah, dass auch die Sonne keineswegs stillsteht, sondern wandert und ihre Stellung im Weltall ständig verschiebt, dass also alles auf sie bezogene Rechenwerk notgedrungen eine logische Lücke haben musste. Zweitens machte man sich nicht klar, dass alles, aber auch alles, was im Weltall – einschließlich des Sonnensystems – vor sich geht, uns als Erdbewohner, nicht etwa als Sonnenbewohner trifft und angeht, dass also immer die Erde und unsere Erdgebundenheit die unausweichliche Voraussetzung aller Beziehungen ist, die wir etwa als praktisch vorhanden feststellen.
Trotz dieser und anderer angreifbarer Schwächen im bisherigen astronomischen Weltbilde wiederhole ich: Geben wir der Astronomie die Ehre, die ihr unzweifelhaft gebührt und lassen wir ihr den Ruhm einer früher niemals erreichten Genauigkeit der Himmelsvermessung, im weitesten Sinne verstanden. Sie hat uns Einblicke in die Mechanik des kosmischen Räderwerkes ermöglicht, die frühere Zeitalter nicht kannten. Sie hat uns durch Aufzeigung der wahrhaft grandiosen Ausmaße der „Welt“, deren Kinder wir sind, eine neue Ehrfurcht gegeben und gibt sie uns alle Tage mehr. Ist nicht schon dies Grund genug, ihr zu danken?
Wenden wir uns nun vom großen Kosmos ab und werfen einen kurzen Blick in den kleinen, d. h. in die Welt des Atoms.
Alle Gebilde und Körper bestehen bekanntlich aus gewissen Grundstoffen, den sogenannten „Elementen“, von denen die Wissenschaft heute etwa hundert kennt. Manche davon kommen häufiger vor, wie Kalium, Natrium, Silicium usw., andere, wie z. B. die Metalle sind seltener, und einige wie Helium gehören auf Erden überhaupt zu den größten Seltenheiten. Der Unterschied aller dieser Elemente liegt nun aber im Bau ihrer Atome, d. h. der kleinsten, uns bekannten organisatorischen Einheiten, aus denen sie bestehen.
Worauf es zu wissen ankommt, ist nun dieses: Jedes Atom, mag es vorkommen in welchem Organismus oder Körper immer, ist grundsätzlich ganz nach Art eines kleinen Sonnensystems gebaut. Es hat einen – wie man annimmt elektro-positiv geladenen – Mittelpunkt, den sogenannten Kern, der von elektro-negativ geladenen Elektronen in rasender Geschwindigkeit umkreist wird. Der Kern entspricht im größeren System der Sonne, die umkreisenden Elektronen den Planeten. Das Ganze ein Sonnensystem im winzigsten Ausmaße. Was aber heißt hier „winzig“? Und was heißt „groß“? Auf die allgegenwärtige Idee des Ganzen kommt es an; und diese Idee birgt als auffälligste Tatsache die Merkwürdigkeit, dass auch in diesem Klein-Sonnensystem nach zuverlässigen Messungen die Zwischenräume zwischen den körperlichen, also „stofflichen“ Bestandteilen ganz ungeheuer groß, diese Stoffteilchen selber aber geradezu verschwindend geringfügig sind. Die ganze „Materie“, die so lange Gegenstand erbitterter wissenschaftlicher Fehden gewesen ist, löst sich also in Kraftfelder auf, und was wir mit unseren Sinnesorganen von ihr „sehen“, „hören“, „fühlen“ usw., ist Schein, Täuschung, Maya, Illusion, verursacht und veranlasst durch die ständige Bewegung und gegenseitige Verschiebung dieser Kraftfelder, deren Verdichtungspunkte (sozusagen) jene Elektronen sind. Mit anderen Worten, es handelt sich bei allen diesen Vorgängen um Bewegungen eines in Wirklichkeit unsichtbaren Dinges oder Wesens, die uns in Gestalt von Sinneswahrnehmungen lediglich nahe gebracht werden. Diese, die Sinneswahrnehmungen sind die Art und Form, in welcher jenes unsichtbare Urwesen, das als Beweger hinter allem steht, zu uns spricht, uns beeindruckt, uns beeinflusst.
Doch gehen wir langsam vor. Was wir fanden, heißt: Sonnensysteme im Großen, Sonnensysteme im Kleinen, Sonnensysteme überall! Das Firmament ist also nicht nur etwas außerhalb unser Befindliches, nein, es setzt sich in sämtliche Dinge und Wesen, ja es setzt sich in uns selber hinein fort. Jeder Mensch ist, grob gesprochen, ein Haufen harmonisch (oder disharmonisch) zusammengeballter Sonnensysteme, die zu ordnen, in Einklang miteinander zu halten, der Leitidee seines Organismus – im höchsten Sinne verstanden – unter- und einzuordnen, seine wesentliche, ihm eingeborene Lebensaufgabe ist. Der Mensch, als organisierter und immer besser zu organisierender Weltallsteil, wird damit im wörtlichsten Sinne zum Vollstrecker eines kosmischen Willens, ja, wird auf seinem Teilgebiete geradezu zum Weltordner. Fürwahr, eine gewaltige Perspektive. Wie dieses Ziel am besten zu erreichen, davon später mehr.
Es genüge vorläufig, zu der wichtigen Grunderkenntnis gelangt zu sein, dass sich der Kosmos unmittelbar in den menschlichen Organismus hinein fortsetzt, dass der letztere ganz und gar nach kosmischen Gesetzen aufgebaut ist, und dass es nur eine natürliche Folgerung ist, nun auch eine Verbindung der makrokosmischen mit der mikrokosmischen Rhythmik anzunehmen, eine innere Beziehung beider, die auf den Gesetzen ihres gleichartigen Aufbaues beruhen muss. „Das Gestirn ist in Dir!“, sagte schon Paracelsus.
Das Gesetz des Kosmos heißt nun, wie schon angedeutet, Bewegung, und zwar rhythmische Bewegung. In ungeheurem Umschwung umkreisen den Erdgeborenen die Kraftfelder des Alls, sich jeden Augenblick, ja, jede Sekunde neu und immer wieder anders mischend und zusammenfügend.
Neu und immer anders mischen sie sich also auch in dem Erdgeborenen, der in einem gegebenen Augenblick an das Licht des Weltalls tritt. Die Art dieser Übertragung des jeweiligen Weltrhythmus ins individuelle Leben hat man sich auf die mannigfachste Weise zu erklären versucht. Am klarsten verständlich ist wohl der Hinweis auf die Tatsache, dass alle Himmelskörper, die sich um ein Zentrum drehen, mit diesem zusammen einen Kreisel bilden, dessen Bewegung nach einem ganz bestimmten, gleichfalls individuellen inneren Rhythmus geregelt ist. Der Mars-Rhythmus wird sich also beispielsweise vom Jupiter-Rhythmus, der Sonnen-Rhythmus vom Mond-Rhythmus usw. bemerkenswert unterscheiden. Schon die Achsenstellung ist ja eine andere. Erinnern wir uns an den Sonnensystembau der Atome, denken wir daran, dass die Atome der verschiedenen Elemente einen voneinander abweichenden Bau besitzen, – der Kern, die Sonne des Wasserstoff-Atoms wird z. B. nur von einem Elektron-Planeten, die Kern-Sonne des Sauerstoffs von 8, die des Urans gar von 92 Elektron-Planeten umkreist, – dann hat doch der Gedanke etwas recht Einleuchtendes, dass jedes dieser Elemente mit einer bestimmten kosmischen Achse und dadurch mit dem Himmelskörper verbunden ist, der um diese Achse schwingt.
Von diesem Standpunkte wird es verständlich, warum man gewisse, seit alters wohlbekannte Elemente, z. B. die Metalle, mit ganz bestimmten Himmelskörpern in Beziehung gesetzt hat. Warum ordnete man das Kupfer der Venus, das Eisen dem Mars unter usw.? Sollte das so ganz grund- und sinnlos geschehen sein? Wohl kaum. Die Alten waren gute Beobachter, und unsere ganze heutige Naturwissenschaft steht auf ihren Schultern, ohne dass sie es recht weiß.
Es ist ihr bekanntlich heute geglückt, die lange für unmöglich gehaltene Umwandlung der Elemente ineinander, wenn auch vorläufig in bescheidenen Grenzen, praktisch durchzuführen. Gold hat man aus Quecksilber erzeugt, und der Zerfall des strahlmächtigen Elementes Radium lässt schließlich Blei in unserer Hand zurück. Triumphe neuzeitlicher Alchemie, die uns – an Hand unserer obigen Gedankengänge – ahnen lassen, dass es auch eine praktische Alchemie des Menschen geben muss. Aus unedlen Elementen edle zu erzeugen, warum sollte es nicht möglich sein! Der Mensch, der die Schwingungsweise, die Rhythmik seines Wesenskernes zu ändern vermöchte, – welche Grenzen sollten ihm, in der unendlichen Reichweite äonenlanger Entwickelung, noch gesteckt sein?!
Es gibt aber noch andere Gesichtspunkte, um die Beziehung Makrokosmos – Mikrokosmos begreiflich zu machen. Ein elektrischer Strom bestimmter Qualität, den wir durch eine primäre Metallspirale schicken, löst in einer daneben angebrachten Sekundärspirale einen wesensverwandten elektrischen Strom aus, – die Erfahrungen der elektrischen Induktion. Oder folgender Versuch: Singst du in ein geöffnetes Klavier einen bestimmten Ton, meinetwegen ein a oder c in mittlerer Lage, so hört dein lauschendes Ohr denselben Ton aus den Tiefen des Instrumentes antworten, – die gleichgestimmte Saite gibt ihn klar und rein zurück. Das Gesetz der Resonanz! – Nun nimm einmal an, dass du selber aus einer ganzen Anzahl von Saiten zusammengesetzt bist, die auf kosmische „Töne“ antworten. An dir wäre es, disharmonische Töne auszuschalten, indem du dich für sie stumpf, unempfänglich machst, und dafür dich auf die reinen, hilfreichen, harmonischen „Töne“ abzustimmen. Eine praktische Anwendung des uralten Gesetzes von der „Harmonie der Sphären“, das man solange in unserer, ach, so unaufgeklärten Zeit belächelt hat.
Sachlich festzustellen, dass diese Resonanz des individuell Menschlichen, dieses Antworten auf himmlische Vorgänge vorhanden ist, macht keinerlei Schwierigkeit. Man vergegenwärtige sich nur die Wiederholung des Erd-Rhythmus in unserem Organismus! Unentrinnbar ist er uns eingeprägt, der Wechsel von Tag und Nacht, und spiegelt sich in Gestalt von Wachen und Schlafen ganz unmissverständlich. Der Sonne zugekehrt, wachen wir und wandeln; der Sonne abgekehrt, schlafen wir und öffnen uns gleichzeitig den Strahlenwelten des nächtlichen Kosmos. Wehe uns, wenn wir uns diesen uns eingeborenen Notwendigkeiten ernstlich widersetzen. Wie sagt doch Mephisto hämisch, also sprechend: „Euch taugt der Wechsel nur von Tag und Nacht!“ Hat er recht? Gibt es wirklich keinen Ausweg aus dieser Erdgebundenheit? Und wo liegt er? Wer Ohren hat zu hören…
Immerhin: Diese Gebundenheit ist normalerweise vorhanden, muss vorhanden sein, solange wir eben – Menschen sind.
Auch die Mondrhythmik spiegelt sich selbst für den laienhaftesten Blick. Wie in Ebbe und Flut die Wasser des Meeres, so beeinflusst er in der Periode des Weibes die Wasser ihres Körpers. Die Frau verhält sich also geradezu wie ein Stück Meer. Und besteht nicht der Körper von uns allen größtenteils, nämlich zu fast zwei Dritteln aus Wasser? Ist nicht das Wasser die Vorbedingung der organischen Lebensbetätigung überhaupt? Ich erinnere an den alten Satz: Corpora non agunt nisi fluida, d. i. „Alle Körper sind nur im flüssigen Zustande wirksam“.
Wir begreifen es demnach, warum der Mond – als einer der „Wasserplaneten“ – astrologisch von alters her als Symbol des Flüssigen, des Weiblichen, ja, der Fruchtbarkeit als solcher, aufgefasst wird. Denn nach seiner Rhythmik vollzieht sich der gesamte Fortpflanzungsvorgang bei Pflanze, Tier und Mensch. Seine innige Beziehung zu menschlichen Vorgängen liegt jedenfalls auf der Hand.
Ganz zu schweigen von der überragenden Bedeutung der Sonne für alles Irdische, also auch für das menschliche Leben, die selbst ein Kind erkennt. Von ihr sprechen wir weiter unten ausführlich.
Erde, Mond und Sonne sind nun zwar unsere „Nächsten“ im Weltenraum. Wie denn aber? Sind sie die einzigen Verursacher unseres Daseins? Welche Rolle spielen die Planeten? Welche die unfindliche Fixsternwelt, deren unzählbare Sonnenschwärme uns schauernde Ehrfurcht abnötigen? Gehen sie uns nichts an, oder ist es möglich, auch ihre Rhythmen in unserem geheimnisreichen Menschenkörper wiederzufinden?
Eins ist sicher: Unser Sonnensystem und wir mit ihm stehen in dauerndem Kräfteaustausch mit dem gesamten Weltall, das ein einheitlicher ungeheurer Organismus ist. Was wir jedoch bis heute von diesem Kräfteaustausch wissen, ist praktisch so gut wie nichts. Wohl ist schon der Umstand, dass unser Lichtsinn von den viele Lichtjahre entfernten Sonnen und Weltnebeln getroffen und gereizt wird, dass wir sie also überhaupt zu „sehen“ vermögen, eine nachdenkliche Tatsache. Aber wie viele sehen wir nicht! Und wie viele mag es geben, die vermöge ihrer physikalischen Beschaffenheit für menschliche Augen unsichtbar sind?… Wohl sind unsere Instrumente scharf genug, so manche interessante Tatsache festzustellen, die für die Vorgänge auf der Erde vielleicht wichtiger, als wir heute ahnen können. Wissen wir doch z. B., dass unser Sonnensystem unausgesetzt aus dem Gebiete der Milchstraße mit hochwirksamen Strahlen von der Gattung der sog. harten Gamma-Strahlen bombardiert wird, ohne vorläufig zu wissen, ja, nur zu vermuten, welcherlei Wirkung sie auf das irdische Geschehen üben. Es ist hoffnungslos, uns in das Labyrinth der Möglichkeiten bezüglich solcher fern-kosmischen Einflüsse zu verlieren.
Was wir hier wirklich wissen oder zu wissen vermeinen, ist blutwenig. Im ganzen müssen wir uns darauf beschränken, die Wirkungsweise ferner Fixsternsonnen auf den menschlichen Mikrokosmos und seine Vergesellschaftungsformen in die uns wohlbekannten Wirkungsarten der planetarischen Kraftformen, soweit dies möglich ist, einzuordnen, also etwa zu sagen: Aldebaran im Stier wirkt nach Art der Marskraft, Denebola im Löwen im Sinne der Uranuskraft, Wega in der Leier vereinigt in sich die Wirkungsweise der Gruppe Venus-Sonne usw. Dass solche Fixsternwirkungen, entsprechende Stellungen vorausgesetzt, vorkommen, ist nach meiner Erfahrung sicher. Der Massenmörder Haarmann hatte genau am Ostpunkt seines Horoskopes den verderblichen Algol (vom arab. Ras el Gul d. i. „Kopf des Teufels“. Bei den Juden Lilith genannt.), der die Wirkungen der „Übeltäter“ Mars-Saturn-Uranus in sich vereinigt. Eine Stellung, die ihm das Leben kostete. Ich selber, der auf okkultistischem Gebiete einige Erfolge verzeichnen kann, habe das Okkultismussymbol Uranus im Löwen, in enger Zusammenstirnung mit dem emporreißenden Mars-Jupiterhaften Regulus.
Gerade in der Fixsternfrage bleibt also vieles vorläufig dunkel und geheimnisvoll. Wir müssen uns im Allgemeinen darauf beschränken, die Kraftkonstellationen in unserer kleinen, im Unendlichen schwimmenden Sonderinsel nach Möglichkeit auszuwerten, nämlich in unserem Sonnensystem. Hier ist unsere nähere Heimat, hier die vertraute Gasse unseres weltweiten Vaterhauses. Hier sich umzusehen, bringt nicht nur für Geist und Gemüt Gewinn genug; es schult auch den Blick für weitere und tiefere Zusammenhänge, die uns in der Beobachtung der näheren Dinge wie von selber aufleuchten.
Wie kosmische Kraftfelder in uns hineinreichen, zeigte u. a. bereits das Beispiel des Mondes. Aber er sowohl als auch Sonne und Planeten, empfangen die besondere Note ihrer Wirkungsweise erst durch zwei andere Faktoren, die kurz besprochen werden müssen: – Das ist erstens die Winkelstellung, welche die fraglichen Himmelskörper, diese uns umkreisenden Riesenmagneten, zu uns jeweils einnehmen. Zweitens der kosmische Hintergrund, vor dem sie als große und kleine Zeiger laufen, ja, mit dem sie in ganz eigenartiger Weise zusammenarbeiten.
Zunächst der erste Punkt. Eine einfache Überlegung zeigt uns, dass die Wirkungsstärke eines Himmelskörpers nicht allein von seiner größeren oder kleineren Entfernung bestimmt wird, sondern sehr wesentlich von seiner Winkelstellung zur Erde (vgl. Abb. 1).
Betrachten wir M als einen beliebigen Punkt auf der Erdoberfläche, die Linie A-G als den Horizont, wie er sich von diesem Punkte aus darstellt. Nehmen wir gleichzeitig an, dass A im Osten, G im Westen liege. Der Kreis A-B-C usw. bis G bedeute den Himmelsbogen, wie er sich über A-M-G wölbt. An ihm laufen die Gestirne. Steht nun ein Stern im Punkte B, also nur 30 Grade über dem Horizont, so ist seine Wirkung begreiflicherweise eine andere, und zwar schwächere, als vom Punkte C oder D aus. Beweis: Das Verhalten der Sonne, die uns im Winter, obgleich sie uns dann näher ist, als im Sommer, doch erheblich weniger wärmt usw. als im Sommer. Der Grund dieser auffälligen Tatsache liegt ausschließlich in dem geringeren Winkel, den sie Winters zum Horizonte bildet (Die immer so gern hierfür verantwortlich gemachte breitere Luftschicht, die sie Winters durchlaufen muss, dürfte keine ausreißende Erklärung sein).
Jedermann weiß ja, wie lebenswichtig für alles Menschenwerk dieses Verhalten der Sonnenwirkung ist. Und was für die Sonne recht ist, das ist natürlich auch, wenngleich in entsprechend geringerem Grade, für den Mond und die Wandelsterne billig. Ja, man geht zweifellos nicht fehl, wenn man den gesamten Kosmos in diese Auffassung mit einbezieht. Seine Winkelstellung zu uns und unserem Horizont ist ausschlaggebend für seine tatsächliche praktische Bedeutung für uns und unser Leben. Und immer ist die Annäherung an den Zenith unseres Standpunktes gleichbedeutend mit der Annäherung an die Zone der stärksten Wirkung.
Man präge sich bei dieser Gelegenheit auch die Bedeutung der gegenseitigen Bestrahlungswinkel, also der sog. „Aspekte“ oder „Anblicke“ der Gestirne ein, die für die astrologische Betrachtungsweise von großer Wichtigkeit sind. Sie sollten dem „Himmelsstudenten“ geradezu in Fleisch und Blut übergehen. Wir beschränken uns auf die Wiedergabe der wichtigsten, die um der Übersichtlichkeit willen überhaupt ausschließlich in diesem ganzen Buche berücksichtigt werden sollen.
Das gesamte Himmelsrund, das den Mittelpunkt M umgibt, ist in 360 Grade geteilt, von denen sich die Hälfte unterhalb des Horizontes A-G befindet und hier nicht wiedergegeben ist, die andere – sichtbare – Hälfte oberhalb desselben. Die ganze Strecke A-B-C-D-E-F-G umfasst also, kreistechnisch gesprochen, 180 Grade. Beginnen wir mit dem ungünstigsten Bestrahlungswinkel, den zwei Gestirne miteinander bilden können, – es ist der Gegenschein (die Opposition). Ein solcher liegt vor, wenn beide Gestirne volle 180 Grade voneinander entfernt stehen. 180 Grade sind das halbe Himmelsrund und stellen, auf den Punkt M bezogen, ihre weitest mögliche Entfernung voneinander vor. Sie liegt vor, wenn z.B. das eine in A, das andere genau gegenüber, also in G seinen Stand hat. Beide Gestirne stellen dann mit dem getroffenen Punkte sozusagen eine kosmische Achse dar, über deren innere Natur wir später noch mehr zu sagen haben werden. Natürlich kann eine solche kosmische Achse in den verschiedensten Richtungen durch das Himmelsrund gelegt werden. Ebensogut von B, C, D oder einem beliebigen anderen Punkte aus. (Unsere Zeichnung gibt alle diese anderen Gegenscheinpunkte aber nicht wieder, da dieselben dann unter die Horizontlinie A-G fallen würden.)
Bleiben wir aber bei unserem Beispiel und stellen uns vor, zwei Gestirne stehen in A und G und wirken von diesen feindlich gestellten Punkten aus auf M ein. Das ist, als wenn zwei Pferde einen Wagen in gerade entgegengesetzter Richtung ziehen wollen. Das eine ist vorne, das andere hinten vorgespannt. Das kann dem Wagen nicht gut bekommen, er trägt den Schaden und kommt – mechanisch gesprochen – nicht oder nur unvollkommen von der Stelle. Genau so der Himmelsvorgang. Die beiden kosmischen Dynamos arbeiten in unversöhnbarer Feindschaft gegeneinander, ein Kräftefeld sucht das andere niederzuringen. Da gibt es keinen Kompromiss, der Kampf geht bis zur Niederlage des Gegners, – und zwar auf Kosten des umstrittenen Punktes M.
Ein lehrreiches Beispiel solcher Oppositionswirkung haben wir alle im August 1924 erlebt, als Sonne und Mars in Gegenschein zur Erde standen; eine Stellung, die nach alter Lehre kriegerische Ereignisse usw. hervorrufen soll. Unmittelbar im Anschluss an diesen seltenen Gegenschein, der in solcher Schärfe nur alle 79 Jahre einmal vorkommt, setzten denn auch die schweren Kämpfe in Marokko, die Wirren im Transjordangebiet und die hochbedeutsamen Bürgerkriege in China ein, die wohl mit Recht als Auftakt des großen Krieges um die fernöstlichen Märkte bewertet werden.
Gleichfalls ungünstig, wenn auch nicht in demselben Grade, ist der halbe Gegenschein, die Quadratur. Bei ihr stehen die Himmelskörper 90 Grad d. h. einen rechten Winkel auseinander, also etwa in A und D oder in C und F usw. – Die gegensätzlichen Einflüsse stoßen auch hier mit großer Schärfe aufeinander, sind jedoch nicht ganz so unversöhnlich, nicht ganz so unvereinbar wie beim Gegenschein. Denken wir aber an das oben über die Zenitstellung und ihre starke Wirkung Gesagte. Ein Gestirn, das etwa in D, also in der Himmelsmitte steht, entfaltet damit seine mächtigste Wirkung auf Punkt M, indem es den Horizont A-G in dessen Mitte M steht, sozusagen halbiert.
Nun steht aber Punkt M, wenn wir darunter einen Menschen verstehen wollen, der in dem fraglichen Augenblick geboren wird, in besonders inniger Beziehung zu dem gleichzeitig im Osten aufsteigenden Himmelspunkte, ja dieser Ost-Punkt hat auf die Bildung und Gestaltung des Körpers, wie die Erfahrung lehrte, einen geradezu ausschlaggebenden Einfluss. Das geht so weit, dass wir je nach diesem jeweils aufsteigenden Ostpunkte eine Reihe ganz bestimmter Menschentypen unterscheiden können. An sich ein rätselhafter und geheimnisvoller Vorgang, gewiss. Doch wird er uns ein wenig verständlicher, wenn wir auf die zugrunde liegenden Bewegungsprinzipien zurückgreifen. Machen wir uns an Hand eines schematischen Bildes Folgendes klar (vgl. Abb. 2):
Der Kreis stelle die Erdkugel dar, Punkt MI den Punkt der Erdoberfläche, dessen kosmische Beziehungen in einem gegebenen Augenblick in Frage stehen. Die Erde vollführt in 24 Stunden eine Umdrehung um die eigene Achse, und zwar im Sinne des Pfeiles, d. h. von West nach Ost. Der Punkt MI verschiebt seine Stellung zum umgebenden Weltbilde also in jedem Augenblicke und rückt nach MII und MIII und schließlich um das ganze Rund des Himmels weiter, bis er endlich nach 24 Stunden seine Ausgangsstellung wieder erreicht.
Ist A der Ost-, G der Westpunkt des Horizontes, so vollzieht sich die Bewegung von MI also zunächst im Sinne einer Annäherung an den Ostpunkt, wie schon aus der Lage von MII zu MI ersichtlich. Es liegt doch auf der Hand, dass die um A gruppierten kosmischen Kraftfelder oder Gestirne auf den ihr eine zeitlang – wenn auch nur tangential – entgegenstürzenden Punkt M eine erheblich stärkere Wirkung ausüben müssen, als etwa die Kraftfelder des Gegenpunktes G im Westen, von dem sich M mit derselben rasenden Geschwindigkeit entfernt.
Mit dieser starken Wirkung des Ostpunktes konkurriert nun naturgemäß die Wirkung der Kraftfelder um D im Zenit. Das schafft natürlich eine ganz erhebliche Spannung, die von dem betroffenen „umstrittenen“ Punkte M peinlich empfunden wird. Da das ganze System in ständiger Bewegung ist, so wiederholt sich dieses „gespannte Verhältnis“ überall da, wo zwischen zwei Kraftfeldern der rechte Winkel auftritt, in ganz gleicher Weise. Soviel über die Mechanik der „schlechten“ Aspekte.
Unter den günstigen steht der Winkel von 120 Grad, das sog. Trigon oder der Drittelschein obenan. Betrachten wir wiederum Abb. 1. Ein Drittelschein, – so genannt, weil drei solcher Winkel das gesamte Himmelsrund umfassen, – wird beispielsweise durch die Punkte A-E oder B-F gebildet. Man sieht ohne weiteres ein, dass hier das Spannungsverhältnis keinen so außerordentlichen Grad erreichen kann, wie bei Gegenschein oder Geviertschein. Nehmen wir wieder den Ostpunkt als Ausgangspunkt, so bedeutet der Quadrant A-D den Aufstieg eines beliebigen Gestirnes, die Strecke D-G dagegen den Abstieg. Nun wissen wir, dass z. B. die Nachmittagssonne nicht mehr so energisch auf uns und alles Leben wirkt, wie die Mittagssonne. Eine Tatsache, die für jedes Gestirn Geltung hat. Ein „Nachmittags“ winkel schafft also erfahrungsgemäß die geringste Spannung. Und ähnlich verhält es sich mit dem Vormittagswinkel des Sextelscheines (dem „Sextil“), d. h. der 60-Gradbestrahlung zweier Kraftfelder (A-C, D-F usw.).
Bedeutet die Opposition den Gegenzug, die Quadratur den Querzug, so könnte man das Trigon als harmonischen und das Sextil als Hilfszug bezeichnen. Denn ein Zug, der aus der Richtung C auf M ausgeübt wird, hat eine verwandte Zugtendenz wie der aus A oder E. Es liegt darin zwar noch nicht die volle Erklärung, doch immerhin ein wichtiger Schritt zu einer solchen.
Die volle Erklärung, namentlich dafür, warum gerade die genauen Winkel von 120 und 60 Grad so bedeutsam sind, gibt uns erst der gleich zu erörternde innere Aufbau des Tierkreises.
Als letzte wichtige Winkelstellung zweier Kraftfelder oder Gestirne ist noch auf die Zusammenstirnung oder Konjunktion einzugehen. Sie gilt im allgemeinen als vorteilhaft, und ist es natürlich auch, wenn die beiden zusammenstehenden Gestirne von günstigem und miteinander harmonierendem Charakter sind. Zwei Gestirne, die aus einer oder doch annähernd einer Richtung auf einen Punkt der Erdoberfläche wirken, sind wie zwei Tauzieher, die beide an demselben Ende eines Taues ziehen, und zwar jeder nach Maßgabe seiner besonderen Kräfte und Art.
Ehe wir auf den Tierkreis und seine Kräfte eingehen, sei noch auf gewisse Beziehungen der einzelnen Winkelstellungen zu geometrischen Figuren hingewiesen, die sich aus der zeichnerischen Darstellung von selber ergeben.
