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Perfektes Recycling mit Kompost: Aus Grünabfall und Biomüll wird fruchtbare Erde - dieses praktische Wirtschaften im Kreislauf macht den Garten unabhängig von zusätzlichem Dünger. Agnes Pahler liefert in ihrem Buch aktuelles Wissen zur Kompostwirtschaft für Hobbygärtner, Selbstversorger und Erwerbsgärtner gleichermaßen: Dürfen biologisch abbaubare Folien auf den Kompost? Kommen Ratten in den Garten? Welches Geheimnis verbirgt sich hinter Bokashi? Und wie perfekt muss der Komposthaufen wirklich sein? Die Gartenexpertin schafft in ihrem Buch ein grundlegendes Verständnis für die Verrottungsprozesse und liefert fachlich fundiert wichtige Antworten rund um Kompost. Sie erklärt, wie man Kompost herstellt - von klassischer Schichtung über Sonderformen wie Hügelbeet und Flächenkompostierung bis hin zu Thermomethoden und mobilen Lösungen für Balkon und Hinterhof. Ausführlich berät die Autorin ihre Leser darüber hinaus, wie sich Kompost richtig anwenden und optimal nutzen lässt. Mit praktischen Bauanleitungen und Empfehlungen für Kompostbehälter oder Wurmkiste finden sich in diesem Buch Lösungen für jeden Gartentyp.
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Seitenzahl: 176
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Agnes Pahler
Das Kompostbuch
Gartenpraxis für Selbstversorger und Hobbygärtner
illustriert von Margret Schneevoigt
Wie viel Kompost brauchen Gemüse, Obst und Blumen im Garten? Dürfen biologisch abbaubare Folien auf den Kompost? Und wie perfekt muss der Komposthaufen wirklich sein? Dieses Buch liefert fachlich fundiert wichtige Antworten auf alle Fragen rund um Kompost.
Apfelbutzen, Schalen von Kartoffeln, welke Blüten, Staudenschnittgut, Laub - täglich fallen in Küche und Garten Materialien an, die gerade nicht gebraucht werden. Statt sie in den Müll zu werfen, lässt sich durch Kompostierung wertvoller Humus gewinnen. Wer ohne Garten lebt, erhält mit Kompost nährstoffreiche Erde für Zimmerpflanzen und Balkongewächse mit bunten Blüten oder schmackhaften Früchten.
Mit praktischen Bauanleitungen und Empfehlungen für unterschiedliche Kompostbehälter finden sich in diesem Buch Lösungen für jeden Gartentyp. Ausführlich wird erklärt, wie man guten Kompost herstellt - von klassischer Schichtung über Sonderformen wie Hügelbeet, Hochbeet und Wurmkiste bis hin zur Rotte im Schnellkornposter und mobilen Formen für Balkon und Hinterhof.
Hobbygärtner, Selbstversorger und Erwerbsgärtner erhalten darüber hinaus wertvolle Informationen, wie sie Kompost anwenden und optimal nutzen können.
Kompostieren bedeutet weit mehr, als organisches Material auf einen Haufen zu werfen: So wird aus Grünabfall und Biomüll fruchtbare Erde!
Cover
Titel
Impressum
Kompostieren im Garten
Natürliches Vorbild
Vorteile von regelmäßigen Kompostgaben
Gesetze und Verordnungen
Der Boden
Bodenfruchtbarkeit
Boden und Pflanzennährstoffe
Der Kompostplatz
Platzbedarf
Der geeignete Platz im Garten
Ausgestaltung der Kompostecke
Kompostformen
Kompost bereiten
Materialien für den Kompost
Den Kompost aufsetzen
Der Verlauf der Rotte
Umsetzen des Kompostes
Rotte im geschlossenen Behälter
Kompostzusätze
Ungünstiger Rotteverlauf
Lebewesen im Komposthaufen
Mikroorganismen
Tiere
Werkzeug und Geräte für die Kompostbereitung
Häckselgeräte
Einen Häcksler auswählen
Kompostieren auf kleinem Raum
Wurmkompost
Bokashi
Sonderformen von Kompost
Laubkompost
Nadelkompost
Rindenkompost
Kompost aus Obsttrester
Mooskompost
Kompost aus Rasensoden
Kompost ausbringen
Wann ist Kompost reif?
Kompostentnahme
Düngung mit Kompost
Welche Mengen werden benötigt?
Keimfreier Kompost
Kultursubstrat aus Kompost
Sonderformen der Kompostierung
Hügelbeet und Hochbeet
Flächenkompostierung
Gründüngung
Mulchen mit organischen Materialien
Die Autorin
Anhang
Literatur
Bezugsquellen
Im Garten wie in der Küche fallen täglich Materialien an, die überflüssig oder gerade nicht zu gebrauchen sind: Staudenschnittgut, welke Blüten, abgefallenes Laub, Schalen von Kartoffeln, Apfelbutzen. Immer handelt es sich um hochkomplexe Substanzen, die auf der Grundlage der Fotosynthese entstanden sind. Es widerstrebt, all diese Stoffe in den Müll zu werfen. Stattdessen lässt sich über den Weg der Kompostierung wertvoller Humus gewinnen, der den Bodenlebewesen und damit dem Boden und den darin wurzelnden Pflanzen zu Gute kommt.
Die Bedeutung von organischer Substanz für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit haben viele alte Hochkulturen erkannt. Bereits im alten Ägypten wurde Mist auf die Felder gebracht und in China erhielt sich die gute Ertragsleistung der Anbauflächen jahrtausendelang nur dank ausgefeiltem Fruchtwechsel und Kompostwirtschaft. Andererseits führt man den vermeintlich plötzlichen Untergang von Städten der Frühgeschichte in Indien und Mittelamerika auch darauf zurück, dass die Anbauflächen ausgelaugt waren und die Bevölkerung nicht mehr ernähren konnten.
Für uns ist es dagegen vielfach üblich, die Pflanzen im Haus oder Garten mit zugekauftem Dünger zu versorgen. Unzählige Fertigprodukte stehen zur Verfügung, egal, ob man synthetische Düngemittel einsetzt oder organische Produkte bevorzugt. In früheren Zeiten waren Bauern und Gärtner auf die Erzeugnisse ihres eigenen Landes angewiesen. Mist wurde ebenso wie der Inhalt der Latrinen auf die bewirtschafteten Flächen ausgebracht. Schon früh hatten die Menschen erkannt, dass die Ausscheidungen von Mensch und Tier das Wachstum der Kulturpflanzen fördern.
Mist von Nutztieren steht heute den wenigsten Gartenbesitzern zur Verfügung. Fäkalien werden in der Toilette weggespült und wir würden sie auch nicht mehr im Garten einsetzen wollen. Allerdings fallen im Garten und beim Zubereiten von Mahlzeiten in der Küche genug organische Abfälle an, die man nicht guten Gewissens in die Mülltonne werfen kann. Diese energiereichen und hochwertigen Stoffe lassen sich sinnvoll weiterverwerten. Bei der Herstellung von Kompost entsteht aus organischen Abfällen ein neues hochwertiges Produkt. Kompost verbessert die Böden dauerhaft, ernährt Pflanzen, deckt offene Flächen ab, schützt empfindliche Gewächse im Winter. Und wer keinen eigenen Garten hat, kann aus Kompost Pflanzerde herstellen, in der man in der Wohnung oder auf dem Balkon Pflanzen mit bunten Blüten oder schmackhaften Früchten heranziehen kann.
Das Wort »Kompost«
Das Wort »Kompost« taucht erst Anfang des 19. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebrauch auf. Es bezeichnete Dünger, der aus pflanzlichen oder tierischen Abfallstoffen hergestellt wurde. Es wurde dem gleichbedeutenden französischen Wort compost entlehnt, das auf das mittellateinische compostum zurückgeht. Dieses bezeichnete eine aus unterschiedlichen Abfällen zusammengesetzte Miete, aus der man Dünger herstellte. Das Wort geht zurück auf das lateinische compositum für »Zusammengesetztes« oder »Gemischtes« und leitet sich ab vom Verb componere für »zusammenstellen«. Das Wort »Kompost« hat damit dieselbe Wortwurzel wie die Wörter »Kompott« oder »Komponieren«, und genau darum geht es: Aus einer Mischung geht etwas Hochwertiges hervor.
Im Kompost verwandeln sich organische Abfälle aller Art in wertvollen Humus.
Kompostieren ahmt verdichtet und im Zeitraffer natürliche Vorgänge nach. Schließlich geht in der Natur nichts verloren. Herabgefallenes Laub, abgestorbene Kräuter und Gehölze verrotten, werden zersetzt und gelangen wieder zurück in den natürlichen Kreislauf. Den gleichen Vorgang ahmt das Kompostieren nach: Organische Abfälle werden abgebaut und zu neuen Verbindungen zusammengesetzt. Das geschieht auf einem einfachen Komposthaufen genauso wie in einer Kompostmiete, einem Kompostgestell oder einem geschlossenen Kompostbehälter.
Mit relativ geringem Aufwand lässt sich ohne technische Hilfsmittel im Garten hochwertiger Kompost bereiten. Doch darf ein Kompost nicht einfach als Deponie für Abfälle verstanden werden. Achtloses Aufeinanderwerfen führt zu Fäulnis und Gestank, lästige Insekten entwickeln sich, es entstehen schädliche Abbauprodukte und die Humusqualität ist miserabel. Sachgerechtes Kompostieren sieht anders aus und darum geht es in diesem Buch. Der Komposthaufen bildet den Lebensraum für unzählige Mikroorganismen und Kleintiere. Nur wenn sie gute Entwicklungsbedingungen vorfinden, entsteht hochwertiger Kompost. Immer kommt es auf eine gute Mischung an. Je besser die unterschiedlichen Kompostmaterialien vermischt sind, desto zuverlässiger verrotten sie: Nasses wird also mit Trockenem, Grobes mit Feinem vermengt. Daraus erschließt sich, dass Kompostieren mehr bedeutet als organisches Material auf einen Haufen zu werfen.
Werden einige Grundregeln beachtet, entsteht nach einigen Monaten ein wertvolles Bodenverbesserungsmittel, das auf vielschichtige Weise das Wachstum der Pflanzen positiv beeinflusst und höhere Erträge im Nutzgarten ermöglicht. Regelmäßige Kompostgaben führen dem Boden organische Substanz zu. Das Ergebnis sind nicht unbedingt deutliche Mehrerträge, sondern ist der nachhaltige Erhalt einer Bodenfruchtbarkeit auf hohem Niveau. Die folgende kurze Übersicht nennt die Vorteile regelmäßiger Kompostgaben. Ausführlichere Informationen finden Sie im weiteren Verlauf des Buches.
Nutzen von Kompost im Garten
Kompost spielt im Garten eine wichtige Rolle, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Einsetzen kann man ihn zum Beispiel für die Neuanlage von Rasen und Pflanzflächen, für die Nährstoffversorgung im Nutzgarten, für die Bodenpflege. Kompost zeigt viele günstige Wirkungen:
▷Zufuhr wichtiger Mineralstoffe (Makronährstoffe und Mikronährstoffe) für eine ausgewogene Pflanzenernährung
▷Aufbau von Dauerhumus im Boden
▷Verbesserung und Erhaltung der Bodenstruktur
▷Regulierung des Wasserhaushalts im Boden
▷Schutz vor Erosion durch Wind und Wasser
▷Aktivierung der biologischen Bodenaktivität
▷Verbesserung des mikrobiologischen Gleichgewichts im Boden
▷Möglicher Torfersatz (nicht in Moorbeetkulturen)
▷Schutz vor Pflanzenkrankheiten
Zunächst führt Kompost dem Boden nützliche Bodenorganismen zu, der Boden wird belebt. Außerdem erhalten vorhandene Bodenorganismen Nahrung durch die organische Substanz. Dies führt zu einer hohen Bodenaktivität. Dieser Begriff umfasst die gesamte Lebensaktivität von Organismen im Boden, die mit ihrer Atmung und ihrem Stoffwechsel all die Zersetzungs- und Umlagerungsprozesse bewirken. Eine hohe Bodenaktivität beruht auf einer stabilen Lebensgemeinschaft von Bodenorganismen. Sie bedingt funktionierende Stoffkreisläufe mit einem guten Recycling der Nährelemente, eine hohe Bodenfruchtbarkeit, aber auch Toleranz gegenüber schädlichen Umwelteinflüssen.
Die groben Bestandteile des Kompostes lockern den Boden allein schon aufgrund ihrer Struktur auf. Dieser Dauerhumus fördert die Bildung eines stabilen Bodengefüges. Mikroorganismen verkitten Bodenpartikel miteinander, es entsteht krümelige Erde, man spricht von »garem« Boden. Dies verringert die Gefahr der Verschlämmung und Bodenabtragung, also Erosion.
Obendrein lockert Kompost den Boden. Er wird leichter durchwurzelt, wird wasserdurchlässiger und ist gut durchlüftet. Die Erhöhung des Porenvolumens mit einer Vielzahl an Fein-, Mittel- und Grobporen führt vor allem in schweren, lehmigen, tonreichen Böden zu einer Verbesserung des Wasser- und Lufthaushaltes. Schwerer Boden lässt sich mit konsequenter Kompostwirtschaft mit der Zeit immer leichter bearbeiten.
Kompost führt dem Boden Nährstoffe zu: Bodenlebewesen wandeln die in der organischen Substanz festgelegten Nährstoffe in eine pflanzenverfügbare Form um. Man spricht von Mineralisierung.
Die organische Substanz hält mineralische Nährstoffe fest (Adsorption) und bewahrt sie dadurch weitgehend vor Auswaschung. Die Nährstoffe werden langsam und pflanzenverträglich abgegeben. Durch Säuren, die beim Humusabbau entstehen, und Ausscheidungen der Bodenlebewesen werden schwer verfügbare Spurennährstoffe pflanzenverfügbar gemacht.
Vor allem auf sandigen Böden wirkt sich der günstige Einfluss von Kompost auf die Nährstoffverfügbarkeit vorteilhaft aus.
Kompost besitzt in der Regel einen hohen pH-Wert, er ist also alkalisch oder basisch. Er neutralisiert daher Säuren und wirkt einer Versauerung des Bodens entgegen. Kompost kann aufgrund dieser Eigenschaft auch Kalkverlusten durch sauren Regen entgegenwirken.
Die organische Substanz des Kompostes kann das Dreifache bis Fünffache ihres Eigengewichts an Wasser halten und steigert damit das Wasserhaltevermögen des Bodens.
Durch die dunkle Farbe der Humusstoffe erwärmt sich der Boden im Frühjahr schneller.
Kompost bewirkt eine erhöhte Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegenüber Schädlingen und Krankheiten. Im Kompost enthaltene Enzyme, Wachstumsregulatoren (Hormone) und weitere Verbindungen tragen zur Gesundheit des Bodens und der Pflanzen bei.
Bestimmte organische Abbauprodukte im Kompost binden Schwermetalle, sodass diese von den Pflanzen nicht mehr aufgenommen werden können.
Daraus leitet sich ab, dass sich Kompostgaben ausgleichend auf ungünstige Bodenqualitäten auswirken: Schwere Böden werden lockerer, auf sandigen Böden verbessern sich der Nährstoffgehalt und die Verfügbarkeit von Wasser.
Kompostpioniere
Kompostieren erscheint heutigen Hobbygärtnern vielfach als selbstverständlich. Allerdings war es Mitte des 20. Jahrhunderts hierzulande noch üblich, Gartenabfälle zu verbrennen oder einfach auf einen Haufen zu werfen. Für das Kompostieren setzten sich verschiedene Fachleute ein, unter anderem der »Kompost-Apostel« Alwin Seifert (1890 bis 1972). Der Landschaftsarchitekt war während des Drittes Reiches mit der Planung und Anlage von Autobahnen betraut. Er ließ zum Beispiel den Erdaushub entlang der Autobahnbaustellen kompostieren. Nach dem Krieg machte er die Bedeutung von organischer Substanz für die Bodenfruchtbarkeit bekannt und propagierte einen Obst- und Gemüseanbau ohne Gift, nur mit Kompost. In seinem Garten in Dießen am Ammersee erprobte er die Kompostierung in Mieten und verwendete Frischkompost als Mulch. Mit dem Kompostieren befasste sich auch der Landwirt Ewald Könemann (1899 bis 1976), der Begründer des »Natürlichen Landbausystems«.
Die Verwertung organischer Abfälle ist gesetzlich geregelt, in Deutschland auf Bundesebene im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG, genauer: Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen). Demnach sind Abfallbesitzer und öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger zur Abfallverwertung verpflichtet. Die Landesabfallgesetze konkretisieren diese Pflicht.
Für die Praxis entscheidend ist, dass das Sammeln zum Teil auf »Bringsystemen« beruht, das heißt, man kann organischen Abfall zu Sammelstellen bringen, von wo er der Wiederverwertung zugeführt wird. Daneben gibt es in Deutschland das System der Biotonne. Die Biotonne ist eine Abfalltonne, die Haushalten zum Sammeln ihrer organischen Abfälle zur Verfügung gestellt wird und die auf kommunalem Wege ähnlich wie die Restmülltonne geleert wird. Die zuständigen Entsorgungsunternehmen geben Auskunft, welche Bioabfälle in die Biotonne gefüllt werden dürfen.
Was ist Abfall?
Alles, was nicht mehr gebraucht wird, ist Abfall, dazu gehört Bauschutt genauso wie Schlacke aus der Industrie. Hausmüll (in der Schweiz Kehricht), der in Privathaushalten anfällt, umfasst zum Beispiel Altglas, Altpapier, Sperrmüll oder Textilien. Was nicht mehr verwertet werden kann, ist Restmüll.
Bioabfall ist der organische Abfall tierischer oder pflanzlicher Herkunft, der in einem Haushalt oder Betrieb anfällt und durch Mikroorganismen, Lebewesen im Boden oder Enzyme abgebaut werden kann. Dazu zählen zum Beispiel Essensreste und Rasenschnitt.
Die in Deutschland bundesweit gültige Bioabfallverordnung (BioAbfV) befasst sich mit der Verwertung von Bioabfällen auf landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Böden.
Seit Anfang 2015 ist die Biotonne deutschlandweit verpflichtend eingeführt. Das heißt, alle öffentlich-rechtlichen Versorgungsträger müssen sie anbieten. Dieses Ziel haben bislang noch nicht alle Landkreise und Städte erreicht. In Körperschaften mit eingeführter Biotonne sind durchschnittlich rund 60 Prozent der Haushalte an das System angeschlossen. Viele Gemeinden empfehlen ihren Bürgern an erster Stelle die Eigenkompostierung im Garten oder Hinterhof als ökologisch sinnvollste und wirtschaftlichste Art der Bioabfallverwertung.
Manche Gemeinden verbieten es inzwischen, organischen Abfall in den Restmüll zu werfen. Organischer Abfall soll ausschließlich über die Biotonne oder Eigenkompostierung entsorgt werden oder zur Grünabfallsammelstelle gebracht werden.
Im Jahre 2014 fielen deutschlandweit rund 9,8 Mio. t organische Abfälle an. Das entspricht etwa 121 kg pro Person. Davon stammten durchschnittlich etwa 57 kg aus der Biotonne, rund 64 kg waren Gartenabfälle und Parkabfälle. Durchschnittlich gut 80 Prozent davon werden derzeit kompostiert. In dicht bebauten, städtischen Regionen ist die Sammelmenge pro Person aus der Biotonne geringer als in weniger dicht bebauten Gegenden. Hier machen sich die dort kleineren Grundstücksgrößen bemerkbar.
In der Schweiz ist es derzeit noch möglich, alle Abfälle, die im Haushalt anfallen (den Kehricht), über die lokalen Sammelstellen abtransportieren zu lassen. Viele Schweizer Gemeinden bieten inzwischen innovative Abfallkonzepte, die Haushalte brauchen ihren Biomüll nur separat zu sammeln und in die kostenlose Sammlung von Grünabfall zu geben.
Auch in Österreich gibt es Bestrebungen, organische Abfälle getrennt zu sammeln und dann zu verwerten. Je nach Bundesland liegt der Schwerpunkt auf einer Sammlung über die Biotonne oder es wird besonders die Kompostierung im Einzelhaushalt oder eine gemeinschaftliche Kompostierung gefördert.
Die verschiedenen Sammelbehälter für Hausmüll lassen sich hinter einem begrünten Sichtschutz verbergen. Das Rankgitter wirkt zudem dekorativ.
Das Nachbarrecht variiert in Deutschland von Bundesland zu Bundesland. In der Regel schreibt es bei der Anlage eines Komposthaufens sowie bei der Aufstellung von offenen oder geschlossenen Kompostbehältern einen Mindestgrenzabstand von 50 cm vor. Wird zur Abschirmung um den Kompostplatz eine Hecke gepflanzt, so muss diese ebenfalls bis zu einer gewissen Höhe (je nach Bundesland 1,5 bis 2 m) einen Mindestabstand von 50 cm zur Grenze haben. Bei höheren Hecken ist ein entsprechend größerer Mindestgrenzabstand erforderlich. Für den Abstand zu Gewässern, zum Beispiel zum Gartenteich, gibt es keine Vorschriften. Auskünfte über die jeweils geltenden gesetzlichen Regelungen erteilen Landratsämter und die kommunalen Verwaltungen. Gesetzlich vorgeschrieben ist außerdem, dass es bei der Kompostierung zu keinen Geruchsbelästigungen kommen darf. Wer die Grundregeln der Kompostbereitung beachtet, muss sich in dieser Hinsicht keine Sorgen machen.
In der Schweiz und in Österreich ist für Kompost im Garten kein Grenzabstand vorgeschrieben, allerdings muss der Gartenbesitzer dafür Sorge tragen, dass keinerlei Belästigung davon ausgeht. Es dürfen sich also weder unangenehme Gerüche noch Fliegenschwärme darin entwickeln.
In der Natur halten sich Eintrag und Verbrauch organischer Stoffe die Waage. Schön können wir dies bei Spaziergängen durch Laubwälder und Laubmischwälder beobachten. Im Herbst bildet herabfallendes Laub eine dicke Decke, es verrottet im Folgejahr, die frei werdenden Nährstoffe stehen der wachsenden Vegetation wieder zur Verfügung. Wenn im Herbst erneut Blattmasse auf den Boden fällt, hat sich die Schicht vom Vorjahr gleichmäßig abgebaut. Das Wachstum entzieht so viele Nährstoffe wie angeliefert werden.
Ein Musterbeispiel für einen natürlichen Kreislauf stellt auch der tropische Regenwald dar. Diese Vegetationsform wächst auf stark verwitterten, äußerst nährstoffarmen Böden. Das üppige Wachstum mit ungeheurer Artenfülle und riesigen Bäumen kann nur aus sich heraus bestehen: Neuer Wuchs entwickelt sich nur auf der Grundlage der abgestorbenen organischen Masse, die zu Boden fällt. In dem feuchtwarmen Klima verlaufen Zersetzungsprozesse vergleichsweise schnell: Ein dicker Baumstamm zerbröselt innerhalb von Monaten. Der europäische Wanderer, der gewohnt ist, über liegende Baumstämme zu steigen, riskiert dort, ins morsche Holz einzubrechen. Das verletzliche Gleichgewicht des Regenwaldes wird deutlich, wenn Flächen gerodet werden: Fehlt der Wald, werden keine Nährstoffe mehr nachgeliefert. Es bleibt unfruchtbarer Boden übrig, den die ursprüngliche Vegetationsform über Jahrzehnte hinweg nicht mehr besiedeln kann.
Während in der Natur Nährstoffzufuhr und Nährstoffentzug im Gleichgewicht stehen, wird auf bewirtschafteten Flächen den Böden mehr entnommen, als Verwitterung von Mineralien und Zersetzung organischer Substanz nachliefern können. Allein die Entnahme von Erntegut unterbricht den natürlichen Kreislauf, denn dadurch wird Pflanzenmasse entfernt. Zur Praxis des Landbaus gehört daher die Zufuhr von Nährstoffen. Gedüngt wird, um Nährstoffverluste auszugleichen, vor allem um die Erträge zu steigern.
Düngen muss man hierzulande auch, weil die Böden in Mitteleuropa der Auswaschung unterliegen, weil Regenwasser durch sie in das Grundwasser sickert. Leicht lösliche Mineralstoffe wie Kalzium und Bor werden in großen Mengen in das Grundwasser ausgewaschen, während das schwer lösliche Phosphat weitgehend im Boden verbleibt. Daraus resultiert, dass man Böden Kalzium in Form von Kalk oder Gesteinsmehl zuführen muss, während die hohen Phosphatgehalte in gut gedüngten, bewirtschafteten Böden die Gefahr von Überversorgung bergen. Häufig wird in diesem Zusammenhang auch die Frage des Nitratgehaltes von Böden diskutiert. Aus übermäßig mit Stickstoff versorgten Böden wird Nitrat, das zu krebserregendem Nitrit umgewandelt werden kann, ins Grundwasser eingetragen. Ein Puffer ist hierbei der Dauerhumus im Boden: An ihn werden Stickstoffverbindungen angelagert, man spricht von Stickstofffestlegung. Diese Verbindungen werden nicht ausgewaschen und stehen für das Pflanzenwachstum zur Verfügung.
In der Natur werden abgestorbene Teile von Lebewesen durch Mikroorganismen im Boden zersetzt und zu neuen Substanzen neu zusammengefügt. Wurzeln nehmen frei werdende Nährstoffe auf und ermöglichen neues Wachstum.
Das Zusammenwirken von allen mineralischen und organischen Stoffen im Boden, die physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften eines Bodens mit all ihren Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und die Nährstoffversorgung, werden mit dem Begriff Bodenfruchtbarkeit umschrieben. Damit meint man die Fähigkeit eines Bodens, Voraussetzungen für Pflanzenwachstum zu bieten, was im Falle einer guten Bodenfruchtbarkeit bedeutet, dass hohe Erträge zu erwarten sind. Bodenfruchtbarkeit bezieht sich demnach nicht allein auf das Vorhandensein von Nährstoffen, sondern ebenso auf die Fähigkeit des Bodens, Wassermoleküle und Ionen festzuhalten und den Pflanzen zur Verfügung zu stellen.
Zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit trug immer auch die Kompost- und Mulchwirtschaft bei. Nicht nur beließ man die Ernterückstände auf den Feldern, man brachte auch Mist auf. Abfälle konnte man kompostieren und das daraus gewonnene Material trug zur Anreicherung von organischer Substanz im Boden bei. Heute wissen wir, wie wichtig es ist, nicht nur Nährstoffe zuzuführen, was mit Hilfe von Düngemitteln aus dem Handel leicht gelingt. Es kommt ebenso darauf an, die Struktur der Böden und damit ihre Fruchtbarkeit zu erhalten. Wir müssen dafür sorgen, dass sich stabile Ton-Humus-Komplexe bilden. Dazu müssen wir regelmäßig organische Substanzen zuführen, damit sich Humusstoffe bilden können.
Ein hoher Anteil organischer Substanz im Boden wirkt außerdem der Bodenmüdigkeit entgegen. Ständige Bodennutzung, verbunden mit Nährstoffentzug, strapaziert den Boden. Wird immer wieder dieselbe Kultur angebaut, kommt es außerdem zum einseitigen Auslaugen, schädliche Verbindungen und Krankheitskeime können sich im Boden anreichern. Der Gärtner spricht bei dieser Erscheinung von Bodenmüdigkeit. Schon früh erkannte man, dass Mischkultur und Fruchtwechsel dieser Erscheinung entgegenwirken. Dazu gab es im alten China ausgetüftelte Fruchtfolgen, die eine ertragreiche Bewirtschaftung von Flächen über Jahrtausende hinweg gewährleisteten.
Maßnahmen zur Bodenverbesserung können ungünstige Voraussetzungen für das Pflanzenwachstum verbessern. Für die Lenkung von Bodeneigenschaften spielt die Zufuhr organischer Substanz eine wichtige Rolle. Zum Beispiel wird ein nährstoffarmer Sandboden durch zusätzliche Düngung fruchtbarer gemacht. In Sandböden ermöglichen Humusstoffe die Anlagerung von Nährstoffen, die dadurch festgehalten und nicht so leicht ausgewaschen werden. In Tonböden dagegen sorgt Kompost für die Bildung von Ton-Humus-Komplexen. Es entstehen Krümel, die von Hohlräumen umgeben sind. Dadurch dringt mehr Luft in den Boden ein, die Erde verschlämmt bei Regen weniger leicht. Somit verbessert Kompost alle Bodenarten.
Verdichtete Böden besitzen kaum Grobporen, es dringt wenig Luft ein, Wasser fließt schlecht ab. Mit der Zufuhr organischer Substanz lässt sich das Gefüge auflockern.
Gut gepflegter Gartenboden weist eine feinkrümelige Struktur mit vielen Poren in unterschiedlicher Stärke auf.
Für ihr Wachstum beziehen Pflanzen Kohlenstoff und Sauerstoff aus der Luft in Form der Gase Sauerstoff (O2) und Kohlendioxid (CO2). Aus dem Boden nehmen sie über ihre Wurzeln Wasser auf. Aus dem Boden erhalten sie in Ionenform auch alle benötigten Nährstoffe. Somit bildet der Boden die Grundlage allen Pflanzenlebens – im wahrsten Sinne des Wortes. Dieses hochkomplexe System unterliegt beständigen chemischen, physikalischen und biologischen Veränderungen.
Zu den festen Bestandteilen des Bodens gehören zum einen die Verwitterungsprodukte der gesteinsbildenden Mineralien (Silikate, Tonmineralien, Kalk), die sowohl an mineralische Substanzen als auch an organische Humusstoffe gebunden sind. Nur ein verschwindend geringer Teil befindet sich gelöst im Boden. Zum anderen zählen die organischen Substanzen und deren Zersetzungsprodukte zu den festen Bodenbestandteilen. Zu den organischen Substanzen im Boden zählen alle Überreste von Pflanzen und Tieren sowie ihre Umwandlungsprodukte. Humus bezeichnet organische Substanz, die bereits eine weitgehende Veränderung erfahren hat.
Pflanzennährstoffe
Für die Pflanzenernährung wichtig sind insbesondere die Elemente Stickstoff, Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium. Dazu kommen die sogenannten Spurenelemente wie Eisen, Bor, Kupfer oder Mangan. Diese Pflanzennährstoffe finden sich als elektrisch geladene Teilchen, die man als Ionen bezeichnet, im Boden. Positiv geladene Ionen nennt man Kationen, negativ geladene Ionen nennt man Anionen. Ein Anion ist zum Beispiel das Nitrat (NO32-). Die meisten Nährstoffe werden als positiv geladene Kationen (K+, Mg2+, Ca2+) aufgenommen. Das Wort »Ion« stammt aus dem Griechischen und bedeutet »das Wandernde«: Ionen können sich zwischen elektrischen Ladungen und im Boden zwischen Bodenteilchen und Wurzeln bewegen.
Die Ionen der Nährstoffe sind durch ihre Ladungen an die Tonmineralien und Humussubstanzen im Boden gebunden. Diesen Bodenteilchen kommt die wichtige Aufgabe zu, die Nährstoffe so fest zu halten, dass sie nicht ausgewaschen werden können, jedoch locker genug, damit sie von den Pflanzen ausgelöst werden können. Um sie auszulösen, sondern die Wurzeln Wasserstoffionen (H+) ab. Durch diese chemischen Vorgänge und zusammen mit Mikroorganismen entsteht rund um die Wurzeln ein bestimmtes saures Milieu. Diesen Bereich nennt man Rhizosphäre.
