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Gehölze strukturieren den Garten und machen ihn lebendig. Für den Naturschutz und das Naturerlebnis sind sie unverzichtbar: Nektarreiche Blüten werden von Wildbienen und Schmetterlingen umschwärmt, bunte Früchte sind bis in den Winter hinein begehrtes Futter für die Vogelwelt. Im schützenden Dickicht der Sträucher sitzt die gesellige Spatzenschar, Zaunkönige bauen ihr Nest zwischen den Zweigen und auf dem Baumwipfel singt die Amsel ihr Abendlied. Kleine Säugetiere wie Igel und Haselmaus schätzen die Rückzugsorte und Schlafplätze in einer Hecke. Die Gartenexpertin Agnes Pahler stellt eine bunte Palette an passenden Gehölzarten für jeden Standort vor und erklärt, wie einfach wir der heimischen Tierwelt durch die richtige Bepflanzung helfen können. Pflanzenporträts zeigen, welche robusten und attraktiven Sträucher und Bäume für den naturnahen Garten besonders zu empfehlen sind und was sie Bienen, Faltern, Vögeln oder Kleinsäugern bieten. Pflanzbeispiele erleichtern die standortgerechte Auswahl und die Gestaltung mit den passenden Stauden und Säumen. Praxisnahe Tipps helfen bei der Neuanlage und der Umgestaltung des Gartens – für weniger Pflege- und Ressourcenbedarf, für mehr Artenvielfalt.
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Seitenzahl: 219
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Agnes Pahler
LebensraumGehölz
Bäume und Sträucherim naturnahen Garten
Eine Hecke ist der beste Spielplatz.
(Alex Oberholzer, Naturgarten-Pionier und Pädagoge)
Hoch hinaus
Lebensraum Garten
Gärten als Erlebnisräume
Vielfältige Sinneseindrücke
Aufwachsen im Garten
Sinne wachhalten
Gärten als Rückzugsgebiete für die Natur
Neue Heimat für Tiere
Dramatischer Insektenschwund
Drei Grundbedingungen für Tiere im Garten
Naturnahe Gärten
Beobachten und lenken
Gehölze und Stadtklima
Überhitzte Städte
Vegetation für besseres Stadtklima
Gehölze für den naturnahen Garten
Heimische Pflanzen
Vorrang für einheimische Gehölze
Obstgehölze
Vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten
Der Baum zum Haus
Grün im Winter
Lebensfeindliche Gehölze
Geeignete Bäume und Sträucher
Fruchttragende Gehölze
Schutz- und Nährgehölze für Vögel
Kleinkronige Formen von Großbäumen
Winterblüher
Immergrüne Laubgehölze
Klettergehölze und einjährige Schlingpflanzen
Kleinsträucher zur Unterpflanzung und für Pflanzgefäße
Porträts wertvoller Gehölze für den naturnahen Garten
Gewöhnliche Berberitze, Sauerdorn
Gewöhnliche Eberesche, Vogelbeere
Gewöhnlicher Efeu
Europäische Eibe
Gewöhnlicher Faulbaum / Purgier-Kreuzdorn
Feld-Ahorn
Felsenbirne
Geißblatt (Heckenkirsche), rankende Arten
Haselstrauch
Schwarzer Holunder
Kirschen
Kornelkirsche
Gewöhnlicher Liguster
Gewöhnliches Pfaffenhütchen
Rosen
Roter Hartriegel
Schlehe, Schwarzdorn
Gewöhnlicher und Wolliger Schneeball
Tausendblütenstrauch, Bienenbaum
Waldreben
Weiden
Eingriffliger Weißdorn
Zierapfel
Pflanzbeispiele
Hausbaum auf trockenem Standort
Vorgarten mit duftenden Gehölzen im Winter
Schattige Hausseite
Gehölzgruppe mit Früchten
Freiwachsende Hecke
Über der Trockenmauer
Gehölzgruppe am Teichrand
Farbige Ausgestaltung
Staudensaum
Zwiebelblumen und Knollenpflanzen
Altholz: nicht bloß Abfall
Tiere im Garten
Wasser für die Tiere
Badegelegenheit
Lebensraum für Vögel
Nisthilfen für Vögel
Lebensweise von Gartenvögeln
Fledermäuse schützen
Heimische Kleinsäuger
Igel im Garten
Spitzmaus im Unterholz
Ein Platz für Bilche
Lebensräume für Reptilien
Eidechsen brauchen Schutz
Verstecke für Blindschleichen
Insektenfreundlicher Garten
Nektar, Pollen und Honigtau für Insekten
Nahrung für Schmetterlinge
Nisthilfen für Insekten
Noch mehr Gartenpraxis
Gehölze pflanzen
Nur am richtigen Standort
Gehölze schneiden
Gesetzliche Vorgaben
Die Autorin
Anhang
Literaturverzeichnis
Informative Internetseiten
Bezugsquellen für Gehölze und Zubehör
Im Apfelbaum findet der Stieglitz Astgabeln für sein napfförmiges Nest.
Zart erscheinen die hellen, weichen Blätter des Haselstrauches im April.
In allen Kulturen genießen Gehölze eine besondere Verehrung, in ihnen leben mythische Wesen oder Götter. Bäume wurzeln in der Erde, aber strecken sich weit hinauf in den Himmel. Dadurch verbinden sie die Welt des Irdischen mit dem Überirdischen. Bäume weisen substanziell wie ideell über den menschlichen Horizont hinaus: Ihre Dimensionen reichen weit über unsere Augenhöhe hinweg und ihr Alter geht deutlich über unsere Lebensspanne hinaus. Wer einen großen Obstbaum pflanzt, tut dies auch für seine Nachkommen. Noch die Kinder und Enkel werden die Früchte ernten. Alte Bäume verbinden Gemeinschaften über Generationen hinweg, wie schade, dass sie im Siedlungsraum so oft gefällt werden, oft nur aus Angst davor, dass sie umstürzen und Schäden verursachen könnten.
Erst Gehölze machen einen Garten zum Naturraum. Bäume und Sträucher erschließen den Garten in der dritten Dimension, sie erweitern das Volumen des begrünten und damit belebten Raumes. Rein nüchtern, aus biologischer Sicht betrachtet, besitzen Gehölze im Gegensatz zu den krautigen Pflanzen ein festes Gerüst aus Leitbahnen, die mit Lignin stabilisiert sind. Diese langkettige Verbindung baut sich aus Zellulose-Molekülen auf, es entsteht eine stabile und dauerhafte Struktur, die noch im Winter vorhanden ist. Gehölze können durch ihr festes Grundgerüst viele Jahre alt und sehr groß werden. Durch ihre Ausmaße und ihr langjähriges Wachstum bieten sie unterschiedliche Lebensräume: Das bunte Leben in Baum und Strauch reicht vom Moos am Stammgrund über Flechten auf den Ästen, Blattläusen an den Triebspitzen, Raupen an den Blättern bis zu pickenden und zwitschernden Vögeln, Fledermäusen im morschen Astloch und räuberischen Eichhörnchen im Geäst.
Dadurch stellt ein Gesträuch das ganze Jahr über ein spannendes Beobachtungsobjekt dar. Im Winter beobachten wir Meisen bei der Futtersuche an der Borke, im Frühjahr streiten Amselmännchen um ihr Revier, später beschützt der Kleiber seine Nisthöhle vor Eindringlingen. Im Geäst hocken Vögel bei der Gefiederpflege, Schmetterlingsraupen fressen sich satt und verpuppen sich, erwachsene Schmetterlinge flattern vorbei und im Herbst kommen gefiederte und bepelzte Gäste an die Fruchtbar. Wie schön ist es, morgens von Vogelgezwitscher geweckt zu werden oder beim abendlichen Nachhausekommen das laute Rascheln des Igels im Falllaub zu vernehmen. Vorgärten sollten nicht grau und zugeschottert sein, sondern können viel Farbe und Duft bieten. Um solche Beispiele und Naturerlebnisse geht es in diesem Buch.
Neben der Freude am Beobachten von tierischem Leben bieten Gehölze auch noch ganz praktischen Nutzen: Die Leitbahnen in den zahlreichen Ästen der Sträucher oder im Stamm eines Baumes transportieren Wasser aus den Wurzeln in die Krone. Das Laub gibt Wasserdampf an die Umgebung ab, was den Wasserstrom in den Leitbahnen aufrechterhält. Durch die Transpiration steigt die Luftfeuchtigkeit im Garten und die Temperatur sinkt an heißen Tagen. Bäume und Sträucher verbessern das Stadtklima und erhöhen die Lebensqualität im Siedlungsraum. Die Stadtplanung wird sich darauf in Zukunft immer stärker besinnen. In einem Garten mit Baumoder Strauchbewuchs hält man sich gern auf und es gibt täglich Neues zu entdecken.
Gärten, in denen sich Tiere gerne aufhalten, gefallen auch den Menschen. Erst mit Bäumen und Sträuchern wird ein Garten zur erhofften Wohlfühloase.
Wir pflanzen Gehölze, wenn wir folgende Ziele anstreben:
• Leben im Garten fördern,
• für Schatten und Sichtschutz sorgen,
• Umweltschutz betreiben,
• dem Klimawandelt entgegenwirken,
• einen schönen Garten gestalten.
Unseren eigenen Garten genießen wir, weil er uns den Gang der Jahreszeiten erleben lässt und jeden Tag andere Eindrücke bringt. Vor allem aber freuen wir uns an Tieren, die darin leben: vom Specht, der am Morgen an bemoosten Ästen nach Futter sucht, über Blindschleichen, die sich tagsüber auf den Steinen sonnen, bis zu den Fledermäusen, die in der abendlichen Dämmerung herumschwirren.
Gehölze schließen einen Garten ein, sie beschirmen und beschatten die Fläche.
Schwebfliegen wie diese Mondfliege brauchen strukturreiche Lebensräume.
Duft-Schneeball blüht mitten im Winter und bietet Nahrung für überwinterte Bienen.
Gärten sind Erholungs- und Rückzugsräume. Dort wollen wir uns nach getaner Arbeit ausruhen, wollen die Anspannung des Tages hinter uns lassen, wollen genießen, die Seele baumeln lassen. Naturerlebnis, aber vor allem Ruhe und Entspannung wünschen sich viele von ihrem Garten. Da fragt man sich, warum so viele sich den Zwang auferlegen, ein mehr oder weniger kleines Rasenstück regelmäßig mähen zu müssen: während der Wachstumszeit alle ein bis zwei Wochen, im Mai und Juni alle fünf Tage. Dazu kommen weitere Aufgaben wie Düngen, Vertikutieren und Wässern bei Trockenheit.
Wie viel einfacher gestaltet sich dagegen das Leben im Garten, wenn Gehölze stimmungsvoll den Platz ausfüllen, wenn Stauden in den Beeten ihren Platz finden und sich eine mehrjährige Blumenwiese Jahr für Jahr aussamt! In wahrhaft pflegeleichten Gärten nehmen Gehölze eine größere Fläche ein. Ein gelegentlicher Schnitt genügt, er muss in vielen Fällen gar nicht jedes Jahr erfolgen. Unter Gehölzen kommt bei passender Unterbepflanzung kaum unerwünschter Aufwuchs hoch, das Jäten ist schnell erledigt. Bei Stauden genügen wenige Pflegegänge im Jahr, die zu passenden Zeitpunkten durchgeführt werden.
Menschen, die einen Garten mit einer vielfältigen Bepflanzung schätzen, wünschen sich möglichst Blüten das ganze Jahr über. Ausgesprochene Spätblüher, Winterblüher und zeitig blühende Wildstauden, Sträucher und Zierpflanzen machen es möglich, dieses Ziel zu erreichen. Blüten im späten Herbst und im ausgehenden Winter sind auch im Hinblick auf die Wildbienen wichtig. Bevor sie sich zur Winterruhe begeben, sollten sie ausreichend Nahrung aufnehmen. Wenn zeitig im Jahr die Temperaturen beginnen zu steigen, müssen staatenbildende Bienen wie die Honigbiene ausfliegen, um ihren Darm zu entleeren. Schaffen sie dies nicht, verschmutzt der Bau und das Risiko von Krankheiten steigt. Der Ausflug ins Freie kostet jedoch viel Kraft – nicht jede Biene überlebt ihn. Auch für die Aufzucht des Nachwuchses benötigen die Bienen Eiweiß und Energie. Bereits bei Temperaturen unter zehn Grad Celsius sind im zeitigen Frühjahr auch die Hummeln und einige andere Wildbienenarten wie die Mauerbienen oder die Blauschwarze Holzbiene auf Nahrungssuche. Daher ist es so wichtig, dass Bienen Pollen und Nektar in Blüten vorfinden. In freier Natur blüht im Februar fast noch nichts. Huflattich, Salweide und Haselnuss liefern Nektar und Pollen meist erst ab Mitte März. Doch in den Gärten und öffentlichen Grünanlagen erscheinen so zeitig schon Winterlinge, Schneeglöckchen und Krokusse, gefolgt von Wildtulpen, Traubenhyazinthen und Gänseblümchen. Winterblühende Gehölze wie Duft-Schneeball, Winter-Jasmin und Winterblüte tragen mitten im Winter Röhrenblüten mit Nektar. Wenn im März Winter-Heckenkirsche und Kornelkirsche blühen, finden sich rund um die Kronen so viele Insekten ein, dass allein das Summen das Ende des Winters verkündet.
Flechtenbewuchs deutet auf eine gute Luftqualität hin.
Die sanfte Geräuschkulisse im Vorfrühling erinnert uns daran, dass uns ein Garten nicht nur Farbeindrücke in Form von Blüten, Herbstlaub, Blatt- oder Rindenfärbung schenkt. Er bietet die unterschiedlichsten Sinneseindrücke und spricht tatsächlich alle Sinne an. Beglückend empfinden wir den Gesang der Vögel und lernen leicht, nicht nur die verschiedenen Vogelarten nach ihrem Gesang zu unterscheiden, sondern auch Warnrufe von einfachen Verständigungsrufen und Balzgesängen. Zu den Geräuschen in der Natur gehört auch das beruhigende Rauschen der Blätter, das Rieseln von Regen, das harte Aufplatschen von Tropfwasser, das Rascheln von trockenem Laub, wenn kleine Tiere darin stöbern.
Schließlich bietet ein Garten eine unendliche Fülle an Gerüchen, angefangen beim Duft der unterschiedlichen Blüten über den würzigen Geruch der Erde bis zu den Ausdünstungen tierischer Hinterlassenschaften. Alle diese Sinneswahrnehmungen regen unsere Hirntätigkeit an und fördern das Wohlbefinden.
Eine wichtige Rolle spielt natürlich auch der Tastsinn. Ertasten wir glatte, raue, runzlige, borstige, wachsartige Oberflächen, dann schießen die Synapsen in unserem Gehirn regelrechte Feuerwerke ab. Leben und Lebenstüchtigkeit werden dadurch auf vielen Ebenen befeuert. Die Signale des Tastsinns werden im Gehirn mit den anderen Sinnesdrücken verarbeitet. Verblüfft stellen Pflanzenfreunde fest, dass sich die Merkmale und auch der Name einer Pflanze tief ins Gedächtnis eingraben, wenn sie ein Gewächs in der Hand gehalten haben. Gärtnerinnen und Gärtner spüren die Unterschiede zwischen Arten und sogar von Sorten, wenn sie Pflanzenteile wie Blätter oder Wurzeln befühlen. Studierende der Botanik lernen Namen und typische Merkmale, indem sie die entsprechenden Pflanzen auch anfassen.
Das körperliche Erleben ist essenziell für die kindliche Entwicklung. Ein Garten bietet Kindern Platz für Bewegung, er bedeutet aber auch eine große Chance zum Ausprobieren, Forschen, Erfahrungensammeln. Im Garten lernen sie fürs Leben.
Familien, die das ersehnte Haus mit Garten beziehen, fragen sich, was der Garten für die Kinder bieten soll. Eine Freifläche zum Spielen ist gewünscht und sicher sinnvoll, begrünt mit Strapazierrasen, der die starke Belastung beim Ballspielen und Herumtollen aushält. Hüpfburg und Baumhaus werden gekauft, finden aber oft nur kurze Zeit Beachtung. Viel interessanter ist die Pflanzenwelt, das Natürliche, Nichtperfekte, Form- und Wandelbare. Deshalb sind Gebüsche so wichtig. Man kann sich darin verstecken, kann sie variabel als Spielkulisse nutzen und kann in ihnen herumklettern.
Badende Vögel bieten ein Gartenspektakel. Sie zu beobachten, sorgt für Glücksmomente.
Für die geistige Entwicklung von Kindern ist das freie Spiel im Garten von unschätzbarem Wert – sofern es ihnen erlaubt ist, ihr Material und ihre Themen selbst zu wählen. Dazu braucht es nicht viel: Kieselsteine kann man sortieren nach Größe, Gewicht, Farbe, Muster, Form … Stöckchen kann man aneinanderreihen, in die Erde stecken, mit leeren Schneckenhäusern garnieren… Das Arbeiten mit diesen natürlichen und billig zur Verfügung stehenden Materialien regt die Sinne auf das Vielfältigste an, wie die moderne Hirnforschung immer wieder mahnt. Die Verbindungswege im Gehirn werden bei Kindern erst noch gebahnt. Das Sortieren und Aneinanderlegen von Gegenständen spurt Verbindungen im Gehirn. Erst wenn diese Grundlinien stehen, können im Gehirn komplizierte Auftauten stattfinden, wie sie etwa für das Erlernen von Grammatik notwendig sind.
Genauso muss ein Gehirn einen Raum erst einmal körperlich erfahren, bevor Bewegungen im abstrakten Raum möglich sind. Im Klartext heißt das: Ein Kind muss erleben, wie viele Schritte die Rasenfläche lang ist, erst dann kann es das Einmaleins verstehen. Wer in Baumkronen klettert, muss mit jeder Arm- und Beinbewegung die erforderliche Länge ermessen – und legt so die Grundspuren für das spätere Erlernen höherer Mathematik.
Kinder, die sich in einem belebten Garten aufhalten, leben mitten in einem Untersuchungsgebiet. Jede Knospe, jede Blüte, jedes Insekt wird zum Forschungsgegenstand. Interessierte Eltern können die Wissbegierde unterstützen und werden bald merken, dass sich das eigene Grundwissen mithilfe von Bestimmungsbüchern und Bestimmungs-Apps unendlich erweitern lässt. Man darf sich dabei aber nicht verbissen um Wissenszuwachs bemühen, es kommt vielmehr auf den Spaß bei der Beobachtung der Natur an. Vögel, die in der Wasserschale beim Baden alles Wasser verspritzen, reizen ebenso zum Lachen wie torkelnde Schmetterlinge im Balzflug oder Amselmännchen, die ums Revier kämpfen. Erinnerungen, die viele Jahre nachwirken, sind wichtiger als Fakten.
Die nachhaltigen Sinneseindrücke einer vielfältigen Pflanzenumgebung werden auch im Zusammenhang mit Gärten für betagte Seniorinnen und Senioren intensiv diskutiert. Selbst gebrechliche Personen, die sich nur noch mühsam fortbewegen und keine anstrengende Gartenarbeit mehr bewältigen können, freuen sich an Farben, Düften und Bewegungen im Freien. Für Menschen, die an den Rollstuhl gebunden sind, bedeuten Bienen im Anflug auf Blüten ein großes Erlebnis. »Schafft sie es oder schafft sie es nicht?«, diskutieren die Bewohnerinnen und Bewohner eines Seniorenheims am Sitzplatz neben den Löwenmäulchen. Sie fühlen ihre Lebenserfahrung bestätigt, wenn es nur der dicken Hummel gelingt, die große Blüte aufzustemmen. Und dann wird gezählt, wie viele Sekunden sie in der Blüte bleibt, bis sie sich wieder nach draußen drückt. Das unmittelbare Erleben dringt tief ins Bewusstsein ein.
In der Therapie und Pflege von Demenzkranken arbeitet man bewusst mit vielfältigen Sinneseindrücken: Düfte, Geräusche und Ertasten bringen Erinnerungen zurück, besänftigen die innere Unruhe und hinterlassen glückliche Momente. Um vielfältige Wahrnehmungen zu ermöglichen, braucht es die unterschiedlichen lebenden Pflanzen, die ihrerseits Vögel und Insekten anlocken. Mit zum Gartenbild gehören jedoch auch tote oder abgestorbene Elemente wie Steine, Rinde und Samenstände. Vogelgezwitscher, Summen von Insekten und plätscherndes Wasser bereichern die Szenerie. Dazu braucht es etliche Sitzgelegenheiten an mehreren Stellen im Garten.
Naturbelassene Flächen finden sich in Mitteleuropa nur noch ganz vereinzelt, menschliche Ansiedlungen und die landwirtschaftliche Kultur dominieren unsere Landschaft. Ausufernde Siedlungen fressen sich ins Umland, große Industriegebiete und ausgedehnte Einkaufsareale mit riesigen Parkplätzen führen zu immer mehr versiegelten Bereichen. Die Bestellung der Felder mit großen Anbaugeräten an leistungsfähigen Traktoren hat dazu geführt, dass Gehölzgruppen und Hecken in freier Natur weichen mussten, während Bodenwellen oder -senken eingeebnet wurden. Durch den Verlust an Landschaftselementen gingen Lebensräume ebenso verloren wie durch die fortschreitende Bebauung. Die moderne Landwirtschaft mit monotonen Kulturen auf großen Feldschlägen und dem fatalen Einsatz von Pestiziden hat die Zahl von Organismen auf dramatische Weise verringert: Sowohl in der Masse als auch in der Zahl der Arten gehen die Lebewesen zurück.
Mit dem Schwund der Lebensräume in Wald und Feld ziehen sich inzwischen immer mehr Tiere in die Gärten zurück, die unterschiedliche Strukturen auf kleiner Fläche bieten. Gärten dienen längst nicht mehr vorwiegend als Anbaufläche für Gemüse und Obst, sie beherbergen blühende Staudenbeete, Blumenwiesen oder einen Rasen, Ziergehölze oder Obstgehölze. Vögel nehmen die vielfältigen Lebensbereiche eines Gartens an: Spechte siedeln zunehmend in den Bäumen eingewachsener Gärten, weil sie dort Höhlen im Holz vorfinden, die aufgrund der kurzen Umtriebszeiten in der aktuellen Forstwirtschaft im Wald immer mehr zurückgehen. Stieglitze wandern in die Gärten ab, wenn es hohe Baumwipfel gibt, Buchfinken nisten im Gesträuch und Bachstelzen siedeln sich an, sofern sie offene Flächen vorfinden, gern auch ein Rasenstück.
Die Zusammensetzung der tierischen Bewohner in Gärten ändert sich momentan aufgrund der stark eingeschränkten Lebensmöglichkeiten in unserer Landschaft, aber auch aufgrund des Klimawandels. Füchse wandern in die Städte ein, weil sie dort leichter Nahrung finden. Auch Elstern und Ringeltauben kommen in Siedlungsgebiete, weil es Futter gibt. Die steigenden Temperaturen ermöglichen es Tieren aus dem Mittelmeerraum, hierzulande zu überleben. Der Girlitz taucht zum Beispiel immer häufiger in unseren Gärten auf, er gehört zu den Gewinnern des Klimawandels. Das Taubenschwänzchen war früher erst ab Juli bei uns zu sehen, weil die erwachsenen Falter im Winter erfroren sind und jedes Jahr eine neue Generation aus dem Mittelmeerraum einwandern musste. Inzwischen überleben Taubenschwänzchen unsere milden Winter. Auch viele Teil- oder Kurzstreckenzieher unter den Vögeln wie Mönchgrasmücken und Rotkehlchen bleiben während der kalten Jahreszeit in Mitteleuropa, weil die Überlebensbedingungen besser geworden sind.
Rotkehlchen werden recht zutraulich. Ihr perlender Gesang ertönt sogar im Winter.
Gärten sind somit bedeutende Rückzugsgebiete geworden. Alle rund 17 Millionen Gärten in Deutschland zusammen nehmen in etwa die gleiche Fläche ein wie in der Summe aller deutschen Naturschutzgebiete: Der Wert liegt in etwa bei 2,6 Millionen Hektar. Deshalb darf man die Bedeutung vielfältiger Gärten keineswegs unterschätzen. Gärten sind bedeutende Lebensräume geworden und angesichts von großen, asphaltierten Flächen, breiten Straßen, eintönigen Feldern und lebensfeindlichen Schotterflächen kommt einem Bewuchs eine unter Umständen überlebenswichtige Rolle als Trittsteinbiotop zu. Gärten ermöglichen es, Ökosysteme miteinander zu vernetzen.
Im Jahr 2017 schreckte die Veröffentlichung der Ergebnisse aus der sogenannten »Krefelder Studie« auf. Die Untersuchungen belegten den Verlust von drei Viertel der Fluginsekten-Biomasse seit 1989, davon entfiel ein Verlust in Höhe von 41 Prozent auf die zurückliegenden neun Jahre. Über die Interpretation der Ergebnisse wurde kontrovers diskutiert, doch ein paar Erkenntnisse lassen sich nicht leugnen: Wir verzeichnen einen gravierenden Rückgang von Insekten in allen Landesbereichen. Erschreckenderweise wurden die Daten für die Krefelder Studie nämlich in Naturschutzgebieten erfasst. Dies bedeutet, dass sich alle Emissionen von Industrie, Autoverkehr, Siedlungen und Landwirtschaft auch auf die Umweltbedingungen in den geschützten Gebieten auswirken. Noch gravierender erscheinen die Ergebnisse, wenn man bedenkt, dass sie lange nach dem Einschnitt durch die enormen Insektenverluste wegen des Einsatzes von DDT auf Äckern und im Forst bis zum Jahr 1972 erfasst wurden. Nur betagte Mitbürger können uns von den Massen an Insekten erzählen, die früher bei der Wiesenmahd aufflogen. Als Kind habe ich selbst noch die bunte Vielfalt der Schmetterlinge an den Heckensäumen und auf den Magerwiesen des Fränkischen Jura bewundert. Damals kannte ich ihre Namen nicht, aber für mich waren sie beglückende Begleiter. Heute dagegen bedeutet es eine kleine Sensation, wenn man beim Spaziergang entlang der flurbereinigten Ackerflächen doch noch einen Schachbrettfalter oder gar den einen oder anderen Schwalbenschwanz entdeckt. Massen an Maikäfern gab es in den 1950er-Jahren. Wegen ihrer Fraßschäden an Waldbäumen wurde DDT großflächig eingesetzt. Die Krefelder Studie, die 2017 publik wurde, erfasste einen überdeutlichen Rückgang lange nach der gravierenden Dezimierung durch dieses Umweltgift.
Den dramatischen Insektenschwund belegen auch Untersuchungen der Vogelwarte am Randecker Maar, östlich von Stuttgart, die im Jahr 2020 veröffentlicht wurden. Mit einer der Krefelder Studie ähnlichen Versuchsanordnung hatte man Insekten, die über die Schwäbische Alb fliegen, eingefangen, ihre Masse gewogen und auch die gefundenen Arten bestimmt. Bei den Schwebfliegen etwa wurde über einen Zeitraum von 50 Jahren ein Rückgang von bis zu 97 Prozent pro Art ermittelt. Schwebfliegen sind für ihre Entwicklung auf andere Insekten angewiesen. Sie finden keine Lebensgrundlage mehr, weil die Nahrung für die Larven fehlt.
Bei der Schafgarbe haben Fliegen leichten Zugang zum Pollen.
Alle Insekten und eben auch die häufig vorkommenden Arten sind vom Schwund betroffen. Die aktuellen Studien belegen, dass vor allem die Arten, die es früher überall gab, deutlich auf dem Rückzug sind und nicht nur die seltenen. Als Folge des Insektenschwundes geht auch der Bestand heimischer Vögel zurück. Denn fast alle Vögel, auch die allermeisten eigentlichen Körnerfresser, benötigen zur Brut- und Aufzuchtzeit tierische Nahrung. Die Küken fast aller Vögel werden mit kleinen Gliedertieren gefüttert. Fehlt es an Nahrung, geht der Bruterfolg zurück. Der Rückgang der Vögel lässt sich aber auch auf verschiedene andere Ursachen zurückführen. Am schwersten wiegt der Verlust von Lebensräumen. Wo alte Bäume gefällt, Hecken gerodet, Wiesen überbaut und Bäche in geschlossene Kanäle gelegt werden, gehen Nistplätze, Schutzorte und Nahrung verloren. Durch die Verdrängung der natürlichen Vegetation gibt es immer weniger Gewächse, an denen unsere heimischen Insekten leben. Dazu kommt dann noch der Einsatz synthetischer Pflanzenschutzmittel, die insgesamt zu einer umfassenden Schwächung der tierischen Organismen führen. Man umschreibt dies mit Fitnessverlust: Die Tiere sind krankheitsanfälliger, reagieren empfindlicher auf Störungen, sie vermehren sich weniger gut und ihre Lebensspanne ist verkürzt.
Natternkopf blüht den ganzen Sommer hindurch und wird von vielen Insekten besucht.
In den Gärten muss es ein Ziel werden, viele unterschiedliche Lebensbereiche anzulegen. Eine offene, besonnte und trockene Freifläche kann mit Königskerzen und Natternkopf zum Insektenmagnet werden. Im kleinen Teich laichen Amphibien, die sich im erwachsenen Stadium in die angrenzende Hecke zurückziehen. Am sonnigen Rand der Hecke blühen Stauden der Übergangszone wie Fingerhüte oder Wiesenraute. In schattigen Bereichen sorgen Immergrün, Farne und Aronstab für schöne Gartenbilder. Eine Vielfalt unterschiedlicher Gehölze bietet Nistplätze für Vögel, die sich im dornigen Geäst das ganze Jahr über geschützt aufhalten können. Bleibt dann noch das Laub am Boden, finden Igel und Kleinsäuger Plätze zum Ruhen und außerdem reichlich Nahrung.
In vielfältigen Gärten, wo eine große Zahl verschiedener Pflanzenarten standortgerecht wächst, finden sich über kurz oder lang Tiere ein. Gärten können aber niemals den Lebensraumverlust in der Natur ausgleichen. Wenn Feuchtwiesen trockengelegt werden oder Magerrasen durch Düngung zwar ertragreicher werden, aber ihre Artenvielfalt verlieren, bieten Gärten für viele Pflanzen- und Tierarten keinen Ersatz.
Auf einer Gartenfläche finden vor allem jene Tiere Nahrung und Lebensraum, die ohnehin sehr anpassungsfähig sind. Generalisten unter den Insekten und Vögeln nehmen innerhalb der Gärten sogar zu. Vom Aussterben bedrohte Lebewesen, die auf ganz bestimmte Lebensräume angewiesen sind, werden wir alleine mithilfe von gärtnerischen Flächen nicht retten können. Während gerade die nährstoffarmen Standorte in unserer Landschaft schwinden, weil der Nährstoffeintrag aus der Luft so stark zugenommen hat, können die Gärten mit ihren oft nährstoffüberversorgten Böden kein ausreichendes Gegengewicht bieten. Trotzdem können wir mit der Gestaltung unserer »Wohnräume im Freien« dazu beitragen, dass noch relativ häufige Tiere bewahrt werden. Schätzen wir den gelben Zitronenfalter im März oder den Zaunkönig zwischen dem Falllaub bloß nicht zu gering ein. Immerhin können wir ihnen mit passender Pflanzenwahl und gezielter Pflege Lebensräume schaffen. Damit bereichern wir unser Lebensumfeld ungemein.
Tiere kommen nur unter bestimmten Voraussetzungen in den Garten: Sie brauchen sichere Plätze als Unterschlupf und für die Aufzucht des Nachwuchses. Sie müssen Nahrung vorfinden und vor allem brauchen sie Wasser (siehe dazu Seite 143). Alle diese drei Grundbedingungen müssen erfüllt sein. Vögel zum Beispiel halten sich nur an Orten auf, wo sie sich geschützt fühlen. Daher spielen für sie Sträucher eine so wichtige Rolle. Im Geäst kann sich ein Vogel der notwendigen Gefiederpflege widmen, weil Greifvögel, die hoch am Himmel kreisen, keinen Einblick haben. Katzen, die am Boden entlangschleichen, haben ebenfalls keinen Zugriff in die Strauchkronen. Zugleich bieten viele Straucharten ein reiches Nahrungsangebot. Dabei handelt es sich nicht nur um Beeren, Steinfrüchte oder Nüsse im Herbst, sondern auch um eine Vielzahl von Gliedertieren, die an den Knospen, Blüten und Blättern fressen. Dazu kommen die vielen winzigen Insekteneier, die zwischen Rindenritzen, Flechtenkrusten und Knospenschuppen versteckt sind. Vögel auf Nahrungssuche finden hier eine unerschöpfliche Nahrungsquelle und sie betreiben dabei unermüdlich biologischen Pflanzenschutz.
Im Schwarzen Holunder finden Kohlmeisen reichlich Nahrung.
Die Steinfrüchte der Kornelkirsche leuchten ab August. Ihren sauren Geschmack verlieren sie erst bei Vollreife.
Je nach Art bevorzugen Vögel die unterschiedlichsten Nistplätze. Ob hoch in der Baumkrone wie der Stieglitz, im mittleren Bereich der Krone wie die Mönchsgrasmücke oder nah am Boden wie das Rotkehlchen – der Platz sollte möglichst keinen Einblick bieten (denn wenn Elster, Marder oder Eichhörnchen das Nest entdecken, ist die Brut verloren).
Nur im Verborgenen leben auch die vielen anderen Kleintiere, folgerichtig benötigen sie Unterbewuchs, Laubstreu und die Deckung abgestorbener Stängel und Zweige. Der Igel braucht geschützte Plätze, um tagsüber zu ruhen, und erst recht, um ungestört seinen Winterschlaf zu verbringen. Ritzen und Nischen müssen auch Eidechsen und Blindschleichen rasch aufsuchen können, sobald Gefahr droht. Diese wechselwarmen Tiere sitzen zwar gern auf angewärmten Steinen, doch wollen sie bei Veränderung schnell in Deckung gehen. Trocken aufgesetzte Natursteinmauern mit Fugen oder locker aufgeschichtete Wackersteine geben ihnen ausreichend Sonnenplätze und Fluchtmöglichkeiten.
Igel ebenso wie Amphibien und Reptilien wie Blindschleichen und Eidechsen müssen Nahrung finden. Nur wenn es genug Gliedertiere gibt, bleibt ihr Organismus vital und sie können sich vermehren. Pflanzen, an denen Insekten leben, stellen daher eine Grundvoraussetzung dar, dass sich Tiere im Garten dauerhaft ansiedeln. Einheimische Pflanzenarten bieten die Gewähr, dass sich viele verschiedene Organismen einfinden, die wiederum als Nahrung für andere, größere Tiere dienen.
Ein naturnaher Garten bringt menschliche Bedürfnisse mit Erfordernissen der Natur zusammen. Wir schaffen Vegetationsbilder, die oft jenen in der freien Landschaft ähneln, sie aber nicht 1:1 imitieren. Es finden vorrangig jene Pflanzen, die in der umliegenden Landschaft vorkommen, Verwendung, weil sie den vorhandenen Tieren als gewohnte Nahrungsquelle dienen. (Vor allem die Insekten sind an bestimmte Pflanzenarten gebunden.) Arten aus anderen Teilen der Welt ergänzen unsere heimischen Pflanzen, nehmen aber nicht überhand. So werden beispielsweise mithilfe von mediterranen Pflanzen Landschaftsbilder der gemäßigten Trockenzonen gestaltet. Ein heideartiges Beet ahmt die Vegetation über niedersächsischem Sand nach oder winterharte Kakteen formen ein Bild, das an die Halbwüsten in den südwestlichen Vereinigten Staaten erinnert. Immer geht es darum, möglichst viele verschiedene Gartenbereiche auf engem Raum anzulegen. Dabei muss es Übergänge zwischen den Zonen geben, damit sich Pflanzen wie Tiere in ihrer jeweiligen Anpassungsspanne ausbreiten können.
Im naturnahen Garten stehen die große Sortimentspalette heimischer Wildsträucher und Wildstauden sowie die Züchtungen der Baumschulen und Staudengärtnereien zur Verfügung, um reizvolle Kombinationen zusammenzustellen. Doch auch ein Naturgarten mit ausschließlich einheimischen Pflanzen bietet eine große Vielfalt allein durch die Schaffung von unterschiedlichen Standorten, auf denen sich die jeweils geeignete Vegetation ansiedeln darf. Selbst auf verdichteten und mit Feinkies oder Splitt abgedeckten Gehwegen werden sich über Samenanflug trockenheitsverträgliche Pflanzen einfinden. Auf sonnigen, mageren Beeten setzt man bei der Gartenanlage einige Exemplare heimischer Königskerzen und andere markante Leitstauden und gruppiert passende Begleitstauden und Bodendecker um sie herum. In den Vordergrund heimischer Sträucher wie Roter Hartriegel und Pfaffenhütchen setzt man ein Jahr alte Rosetten des Roten Fingerhutes, die sich nach der ersten Blüte Jahr für Jahr versamen und damit den Bestand vergrößern und erhalten. Vielfalt entsteht im Naturgarten durch die unterschiedlichen Standorte, an denen Pflanzen ihren Ansprüchen gemäß gepflanzt oder gesät werden.
Eines bedeutet naturnahes Gärtnern aber keineswegs: Brennnesseldickicht, wie so oft kolportiert wird. Ein Garten nach der Natur muss und soll nicht verwildern, aber er darf sich dynamisch verändern und entwickeln. Wer sie nicht mag, muss weder Brennnesseln noch Giersch oder Winden dulden. Gärtnern setzt immer Ordnen voraus und dazu gehört selektives Jäten. Wildwuchs ist an vielen Stellen fehl am Platz, allerdings sind naturnahe Gärten nie sonderlich gut aufgeräumt, denn zu viel menschliche Ordnung stört tierisches Leben.
Beim Gärtnern im Einklang mit der Natur stehen die Freude an der Natur, das Beobachten und Miterleben im Vordergrund. Gärtnerin und Gärtner versuchen Entwicklungen in die gewünschte Richtung zu steuern, aber ohne Zwang: Pflanzen gedeihen am falschen Standort einfach nicht. Schattenpflanzen kümmern an einem besonnten Platz, und gießt man noch so sehr. Sonnengewächse dagegen blühen nicht im Schatten, auch wenn sie dort überleben.
