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Das Konzil von Konstanz war eine Zusammenkunft von Geistlichen, Königen, Fürsten und Grafen zur Beilegung des Abendländischen Schisma. Nebenbei wurden zwei von der Kirche als Ketzer erkannte Kritiker des Klerus verbrannt. 70.000 Menschen kamen für vier Jahre nach Konstanz, drei Päpste wurden abgesetzt bzw. dankten ab und ein neuer Papst wurde gewählt. Die Reformierung der Kirche an Haupt und Gliedern konnte zwar nicht erreicht werden, aber immerhin schafften die Konzilsväter den Primat des Papstes vorübergehend ab und stellten das Institut des Konzils durch das Dekret haec sancta synodu über die päpstliche Macht.
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Seitenzahl: 43
Veröffentlichungsjahr: 2016
Das Konzil zu Konstanz
Daten und Hintergründe
Matthias Groschopf
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Inhaltsverzeichnis:
Vorwort
Die Vorgeschichte des Konzils
Das Große Abendländische Schisma
Idee und Vorbereitung des Konzils
Die Flucht Papst Johannes` XXIII.
Das Konzil auf der Kippe
Die Legitimierung des Konzils
Hinrichtung des Reformators Jan Hus
Reformierung der Kirche an Haupt und Gliedern
Abdankung und Absetzung der Päpste
Begebenheiten auf dem Konzil
Die Wahl des neuen Papstes
Ulrich von Richental – der Chronist des Konzils
Oswald von Wolkenstein – der Barde und Lebemann
Schlußbemerkung
Vom 5. November 1414 bis 22. April 1418, somit fast 500 Jahre vor dem Ersten Weltkrieg, der bekanntlich am 28. Juli 1914 begann und mit dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 endete, kamen in Konstanz ein Papst, Bischöfe und Kardinäle, Theologen, weltliche Herrscher, Kaufleute und Schausteller, Neugierige und Huren zu einem Konzil zusammen. Letztere waren mehr die Begleiterscheinung des groß angelegten Kongresses, der mit seinen Ratschlüssen die Kirche an Haupt und Gliedern reformieren und mit der Wahl eines neuen Papsts das Abendländische Schisma, das zu der Zeit inzwischen allen Amtsträgern, ob weltlich oder geistlich, Kopfzerbrechen bereitete, beenden sollte.
Die für das Konzil maßgeblichen Ereignisse fanden am Anfang und am Schluss desselben statt.
Nach Einberufung des Konzils durch Papst Johannes XXIII. auf Initiative König Sigismunds, der seinerseits von Kardinal Zabarella auf diese Idee gebracht worden war, und Einquartierung aller Teilnehmer und Gefolgschaften im Vertrauen auf das von König Sigismund versprochene freie Geleit in Konstanz, nach Eröffnung des Konzils und den ersten Sitzungen, beschäftigte man sich zunächst mit dem böhmischen Reformator Jan Hus (im Rahmen der causa fidei). Die Konzilsteilnehmer versuchten, ihn dazu zu bewegen, von seinen Ideen zur Erneuerung der Kirche Abstand zu nehmen und als das nicht gelang, banden sie ihn, natürlich nicht ohne einen (Schau)prozess, kurzerhand auf den Scheiterhaufen und beseitigten auf diese Weise einen der eigenen Lehre unangenehm zu nahe tretenden Menschen.
Zuvor hatten sie bereits den Gegenpapst Johannes XXIII. abgesetzt.
Da ein weiteres der Hauptziele des Konzils die Überwindung des Großen Abendländischen Schismas war (die causa unionis), sorgten die Teilnehmer am Konzil für weitere Umwälzungen. Dieses Schisma war nicht das erste in der Geschichte. Es gab schon im Altertum einander widerstreitende Gruppen, die jeweils ihren eigenen Papst wählten, so dass oft mindestens zwei Päpste in diesen Fällen bereitstanden, sich einander zu bekämpfen. Dieser Zustand sollte jetzt ein für alle Mal beendet werden. Nacheinander wurden die drei Päpste, von denen nur Johannes XXIII. anfangs dem Konzil beiwohnte, zur Aufgabe ihrer Ämter bewegt und erst am Ende des Konzils, im November 1417, wurde ein neuer, für alle verbindlicher Papst gewählt, der seinen Sitz wieder in Rom hatte.
Nebenbei:
Über das Konzil verhalf König Sigismund ihm zur Papstwürde und der König gedachte, sich vom neuen Papst zum Kaiser krönen zu lassen. So sollte eine Hand die andere waschen.
Die Reformierung der Kirche an Haupt und Gliedern (causa reformationis), das dritte Projekt der Konzilsväter, das sei vorweg genommen, kann nicht als gelungen bezeichnet werden.
-.-
Die Ausstellung über das Konstanzer Konzil im Konzilsgebäude am Hafen der Stadt Konstanz, die noch bis zum Jahr 2018 gehen wird, hat mich veranlasst, die nachstehende Abhandlung zu schreiben.
Vielfältige Anregungen habe ich durch die Lektüre des im Gmeiner Verlag erschienenen, sehr lesenswerten, Buches "Die Gans ist noch nicht gebraten" von Liebl/Kopitzki (Hrsg.) bekommen.
Die Chronik Ulrich von Richentals, der die Ereignisse des Konstanzer Konzils minutiös und reich bebildert als Zeitzeuge mitbeschrieben hat, wird diesem Bericht immer um eine Nasenlänge voraus sein. Sie in den Schatten zu stellen, war aber auch nicht meine Absicht.
Ich wünsche beim Lesen viel Vergnügen.
Damit das nachfolgende besser verständlich ist, steht am Anfang dieses Kapitels die Begriffsklärung.
Ein Konzil ist ein im Kirchenrecht, dem codex iuris canonici (Gesetzbuch des kanonischen -kirchlichen- Rechts) gebrauchter Begriff, der eine Versammlung kirchlicher Würdenträger bezeichnet. Oft wird hierfür auch der Begriff Synode verwendet. Die so genannten Konzilsväter, also die stimmberechtigten Teilnehmer an einem Konzil, beschließen über kirchliche Belange oder dogmatische (die kirchliche Glaubenslehre betreffende) Fragen, die dann für die Kirchenmitglieder verbindlich sind. Handelt es sich um ein ökumenisches Konzil, so sind die Ratschlüsse für alle katholischen Kirchen auf dieser Welt verbindlich.
So wurde beispielsweise während des ersten Konzils von Nicäa, von Kaiser Constantin I. einberufen, über die Frage der Dreieinigkeit gestritten und entschieden, ob die Arianer oder die Nicht-Arianer, deren letztere an die Dreieinigkeit Gottes glaubten, die einzig reine Lehre verkündeten.
Nebenbei bemerkt, hat das Wort kanonisch nichts mit Kanonen zu tun, auch wenn die Kirche zuweilen ihre Lehre mit Feuer und Schwert in andere Gebiete hineinzutragen versuchte. Es ist eher verwandt mit dem Wort Kanon, das die einzelnen Paragraphen (Verse, Absätze) des codex canonici bezeichnet.
